Christoph Maria Schlingensief (* 24.10.1960 in Oberhausen; † 21.08.2010 in Berlin)
=> http://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Schlingensief
-.-
[...] Mit sieben Jahren, als er seinen ersten Spielfilm auf 8mm drehte, war Christoph ein verhaltensauffälliges, hyperaktives Kind, das man heute als ADS-krank einstufen und mit Ritalin ruhig stellen würde. Zum Glück ertrugen seine Eltern ihn wie er war, obwohl sie sich später, wegen der Nachbarn, für seine Filme schämten.
Aus: “Der Geliebte” – Ein Nachruf von Thomas Knauf (23.08.2010)
Quelle: http://www.freitag.de/kultur/1033-der-geliebte
-.-
[...] In einer Ecke der Kirche eine Fett-Ecke mit totem Hasen, frei nach Beuys. Für 30 Cent kann man eine Kerze spenden. [...] Dann hört man Schlingensief auf Tonbändern, er weint. Als Nichtraucher mit der Diagnose Lungenkrebs konfrontiert zu sein, ist eine grausame Ironie. [...] Auf der Leinwand laufen Super-8-Filme: der kleine Junge Schlingensief tollt durch die Dünen, geht baden, lehnt an einer Steinwand, ballert mit Spielzeuggewehren. [...] “Wer seine Wunde zeigt, wird geheilt”, der Satz von Joseph Beuys steht auf dem Programmheft und über allem. Schlingensief zeigt reichlich Wunden: Bilder seines Tumors, seine Mutter auf dem Anrufbeantworter, die nicht ins Krankenhaus kam, Selbstkasteiungen, Schuldzuweisungen. …
Aus: “GOTT, WO BIST DU HINGEGANGEN?”
von Dorothea Marcus, Nachtkritik.de vom 21. September 2008
Quelle: http://www.schlingensief.com/weblog/?p=298
-.-
[...] Der Universalkünstler Christoph Schlingensief ist tot. [...] Er habe, so sagte der längst von schwerer Krankheit Gezeichnete in einem seiner vielen Interviews, “keinen Bock auf Himmel”. Es war das letzte, das vergebliche Aufbäumen eines Menschen, der eine Passion hatte und seine eigene Passion erlebte.
[...] Dieses In-ihm-Rumoren muss schon sehr früh begonnen haben. Aus “extrem kleinbürgerlichem Elternhaus” stammend (Vater Apotheker, Mutter Kinderkrankenschwester), begann der 1960 in Oberhausen geborene Schlingensief schon in der Grundschulzeit mit dem Filmen. 1972, er war zwölf, gründete er das Jugendfilmteam Oberhausen, mit dem er – unter seiner Leitung – sieben Super-8-Filme mit Spielfilmhandlung produzierte. Im Keller der Eltern machte er “Kulturabende”, bei denen etwa der junge Helge Schneider auftrat. …
Aus: “Universalist und Revolutionär”
Von Stefan M. Dettlinger (Mannheimer Morgen, 23.08.2010)
Quelle: http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/20100823_mmm0000000301630.html
-.-
[...] [dem erste[n]] Besuch der Oberhausener Kurzfilmtage [1968] und erste[n] Kurzfilm im Normal-8-Format (DER FAHNENSCHWENKERFILM), folgt[e] [1969] die erste Arbeit auf Super8 (DIE SCHULKLASSE). 1971-80 Schüler des Heinrich-Heine-Gymnasiums; 1972 Gründung des Jugendfilmteams Oberhausen, das unter Schlingensiefs Leitung und wechselnder Firmierung (Club der Sieben, Altmarktclub, Amateur-Film-Company 2000) bis 1978 sieben Super8-Filme mit Spielhandlung produziert. Während WER TÖTET, KOMMT INS KITTCHEN (1972) kaum mehr als eine Keilerei wiedergibt, erzählen die folgenden Filme komplexe Criminalgeschichten. REX, DER UNBEKANNTE MÖRDER VON LONDON (1973) führt dabei in ein dubioses Soho; DAS TOTENHAUS DER LADY FLORENCE (1974) läuft in gekürzter Fassung im Jugendprogramm des WDR; DAS GEHEIMNIS DES GRAFEN KAUNITZ (1975) wird im Stadtkino Oberhausen uraufgeführt und mit 300 DM aus dem Fonds der Kurzfilmtage gefördert. MENSCH, MAMI, WIR DREH’N ‘NEN FILM (1977), eine Satire über einen ambitionierten Hobby-Filmer, wird gleichfalls vom WDR gesendet. Daneben dreht Schlingensief 1973-75 vier dokumentarische Versuche für den Erdkunde- und Kunstunterricht (über ein Altenheim, die Weimarer Republik, über Wolken und über Wasser im Klostein). 1978 entsteht die letzte Gruppen-Produktion: PUNKT – “der war frühpubertierend” (Schlingensief). …
Aus: “Cinegraph Filmlexikon, bis 1989, mit Ergänzungen”
Quielle => http://www.schlingensief.com/bio_cinegraph.php
-.-


“18 Bilder pro Sekunde”
[...] “18 bilder pro sekunde“. seit zwei jahren setzt sich schlingensief wieder intensiv mit dem medium film auseinander, was sich in seiner arbeit für das haus der kunst deutlich widerspiegelt. „18 loops, filmloops … zerstörbar, knatternd, riechend … kein digitales nichts. aber ein bekenntnis zum verlorenen roten faden“ (schlingensief)…
=> http://www.schlingensief.com/projekt.php?id=t061