COMMUNICATIONS LASER #17
February 07, 2012, 08:42:02 PM *
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Author Topic: [Aspekte von Macht... (Notizen)]  (Read 8568 times)
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« Reply #30 on: October 02, 2007, 01:50:22 PM »

Quote
[...] Eva Kohlrusch, früher einzige Frau in der Bild-Chefredaktion, heute Vorsitzende des Journalistinnenbundes, erklärte das mit dem Hang der Journaille zur Identifikation mit der Macht. Nachdem Merkel Kanzlerin geworden sei, seien plötzlich andere Fotos ausgesucht worden.
Jetzt stellen sie sie positiv dar, weil sie ihren eigenen Zugang zur Macht positiv darstellen."

Aus: "Merkel-Werdung: Die Frau als Ganzkörpernachricht" (02.10.2007)
Quelle: http://www.taz.de/index.php?id=medien&art=5450&src=SZ&id=medien-artikel&cHash=327486eca3

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« Reply #31 on: October 09, 2007, 11:29:33 AM »

Quote
[...] Die Dienstverpflichtung von Menschen – vornehmlich aus "den niederen Klassen" – zu einer Beschäftigung ist eine weit aus der Vergangenheit in die Gegenwart überkommene Konstruktion der jeweils Herrschenden. "Arbeitspflicht" als ihr Instrument ist dabei – bei allen Schwankungen im jeweiligen Gebrauch – historisch nie wirklich überwunden gewesen.

Die Konjunkturphasen und Abschwünge in der Nutzung desselben haben sich vorrangig danach entwickelt, wie sich die politisch-ökonomischen Prozesse formten und welche moralisch-ethischen Werte vorherrschend waren. Stets prägten Entrechten, Strafen, Disziplinieren, Aufbewahren, "Bessern" der Müßiggänger, Querulanten, Simulanten und sonst "Outlaws" die eine Seite des ausführenden Selbstverständnisses. Und stets prägte die Chance, die in diesem Ensemble zwar begrenzten, aber doch gegebenen Arbeitspotenziale zur Reduzierung der Kosten für deren Lebensunterhalt oder gar zur (Mit-)Finanzierung anderer Aufgaben zu nutzen, die andere Seite des verwaltenden Selbstverständnisses.

Dieser Widerspruch hat zuletzt über das Bundessozialhilfegesetz als Prinzip in das Arbeitslosengeld (ALG) II Einzug gehalten. Seine aktuelle Form als "Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung" – im Volksmund auch "Ein-Euro-Job" genannt – war Gegenstand einer empirischen Studie, die unter anderem von der [extern] Stiftung W in Auftrag gegeben und von der Diplom-Ingenieurin Irina Vellay mitorganisiert worden ist. 

[...] Welche Schlussfolgerungen lassen sich Ihrer Meinung nach daraus ziehen, dass die vorliegenden Ergebnisse so wenig mit den eigentlich für diese Maßnahmen proklamierten Zielstellungen – "neue Chancen", in Arbeit bringen etc. - in Einklang zu bringen sind?

Irina Vellay: Wie bereits gesagt, es geht den Herrschenden, vertreten durch die bürgerlichen politischen Parteien, um einen anderen als den proklamierten Anwendungsbereich. Insofern sind auch keine der angekündigten Erfolge am 1. Arbeitsmarkt zu erwarten. Hier zeichnen sich Strategien ab, wie man in Zukunft mit den "Überflüssigen" in der Gesellschaft umgehen will.

Wie meinen Sie das?

Irina Vellay: Ein wachsender Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung in Deutschland bleibt auch in Zukunft dauerhaft aus existenzsichernder Erwerbsarbeit ausgegrenzt, weil ihre Arbeitskraft nicht profitträchtig genug verwertet werden kann und weil sie für das geforderte Leistungsniveau zu alt, zu krank oder einfach nicht so wie angefordert ausgebildet sind. Kurz gesagt, sie sind für die Kapitalverwertung "überflüssig" und schmälern durch die anfallenden Unterhaltungskosten auch noch die durchschnittliche Profitrate des Kapitals.

Hier sinnt man auf Abhilfe und ist auf die Idee gekommen, dass die "Restproduktivität" dieser Menschen hinreichen könnte, einen Unterhalt am Existenzminimum annähernd zu gewährleisten. Bislang steht der Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht für Transferleistungsempfänger allerdings noch das Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes entgegen. Sobald jedoch der EU-Vertrag in bisher bekannter Form Gültigkeit erlangt, werden diese Regelungen aufgehoben, da dieser Vertrag keine vergleichbaren Regelungen enthält.

Was also tun?

Irina Vellay: Es gibt nach wie vor erheblichen Aufklärungsbedarf, auch wenn jeder und jede zu wissen glaubt, dass es sich hier um Repressionen handelt, die natürlich abzulehnen sind. Die wesentliche Verschiebung ist, dass den Betroffenen die Bürgerrechte abgesprochen werden, weil sie nicht mehr Vertragssubjekt sind. Das bürgerliche Recht, z. B. das BGB, basiert auf der Idee des Vertrages zwischen zumindest formal gleichen Parteien. Ein Vertrag kann danach nur aus freiem Willen geschlossen werden oder er erlangt keine Rechtsgültigkeit.

Im Rahmen der für erwerblose Leistungsempfänger vorgesehenen Eingliederungsvereinbarung soll jedoch die Behörde eine Unterschrift mit der Androhung von Sanktionen bis hin zum vollständigen Leistungsentzug erzwingen können. Damit ist für die erwerbsfähigen Transferleistungsbezieher als nicht gerade kleiner Teil der Gesellschaft die Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft aufgekündigt. Das hat weitreichende Konsequenzen. Wie dünn das "Eis" ist, zeigt sich daran, wie schnell menschenverachtende Verhaltensweisen um sich greifen. So wurde uns außerhalb der Studie von einem Fall beim Dortmunder Tiefbauamt berichtet, wo ein schwer Körperbehinderter gezwungen wurde, beim Müllsammeln den Sack mit den Zähnen zu halten, damit er mit dem gesunden Arm den Müll einfüllen konnte.

Quote
9. Oktober 2007 1:59
Ideologisch verbrämte Scheiße
Der Paraklet von Kaborka (mehr als 1000 Beiträge seit 08.10.02)

Wenn ich Wörter wie "Obrigkeit" oder "Herrschende" lesen muss, weiß
ich gleich woher der Wind weht. Das Ergebnis dieser
"wissenschaftlichen Studie" war damit von Anfang an klar.

MfG
Kaborka

Quote
9. Oktober 2007 9:26
Weil du als Profiteur der Unrechtsverhältnisse...
demon driver (mehr als 1000 Beiträge seit 25.02.00)

... die Wahrheit nicht hören willst?

Um den Ausführungen im Artikel, die zutreffend ein in den letzten
Jahren verschärftes, institutionalisiertes Unrecht beschreiben, etwas
entgegenzusetzen, bedürfte es schon ein wenig mehr als gebräuchliche
"Wörter wie 'Obrigkeit' oder 'Herrschende'" nicht zu mögen.

d. d.


Quote
9. Oktober 2007 6:21
Die Lebenserfahrung ist die einer chronischen Vergewaltigung
Ava Odoemena, Ava Odoemena (261 Beiträge seit 03.10.06)

Gerade heute habe ich mich wieder gefragt ob wir ALGII Asylanten und
Zwangsarbeiter nicht doch Opfer einer besonders obskuren, perversen
Machtsexualisierung sind, eine Art Kinderschändung von Erwachsenen,
die irgendwo bei McKinsey und Mohn Beratern ihren Anfang findet und
sich wie mittels Proxys von verdrahteten Fleischpuppen das System
herunter arbeitet bis sie bei den ALGII Asylanten einschlägt.

Die Übertretungen sind sehr vielfältig und teilweise sehr subtil, da
sind Tatsachen dass wir den Ort nicht ohne Erlaubnis verlassen dürfen
eigentlich fast noch nebensächlich, am unerträglichsten ist der
existenzbedrohende Zwang der über allem schwebt und der alles
abtötet. Motivation, Kreativität, Lebenslust, Würde. Die Armut ist
noch nicht einmal das schlimmste, am schlimmsten ist der defacto
Zustand des offenen Strafvollzugs.

Aber all dies wird ja nicht nur uns angetan (und der Bericht über die
Studie von Irina Vellay ist in den Dingen, die uns sehr wohl angetan
werden sehr akkurat), sondern die Erniedrigung und Ausbeutung von
ALGII Asylanten geht noch weiter, denn man instrumentalisiert uns ja
auch noch als Drohkulisse mit der nicht nur die momentan noch
Arbeitenden eingeschüchtert werden, nein, der Michel liebt es, sein
zweifelhaftes Glück als aktiv Teilhabender des Arbeitswahns, auf dem
Buckel unserer Misere in Abgrenzung zu uns zu definieren. Er reiht
sich also ein in die Schlange derer, die uns lustvoll in den Arsch
fickt. Es ist das alte Prinzip von nach oben ackern und nach unten
treten.

Und in dem Rahmen ist auch die gerade aufgequirlte Diskussion um die
Verlängerung von ALG¹ Zahlungen zu sehen: Dekorationen einer Farce
von Menschen, die Menschen wie uns mit dem Hungermord bedrohen und
diese machtsexuelle Dominanzpsychose christliche Arbeitsethik nennen.

Die mittelbare Zukunft dieses Kastensystems des offenen Strafvollzugs
der Unberührbaren ist bereits im Symbol der Arbeitsagentur
versinnbildlicht: Es ist eine nach innen gekehrte Sackgasse. Die
Automatisierung schreitet unerbittlich voran und anstatt dies als
Vorteil für die Gesellschaft zu nutzen, wenn die Maschinen und IT
denn schoneinmal den Hauptteil unserer Produktivität erbringen, wird
anstelle dessen im Rahmen einer  hochgefährlichen
Betriebswirtschaftsreligion und "Umgestaltung des Staates nach
betriebswirtschaftlichen Prinzipien" ein Krieg des Psychoterrors
gegen Millionen Existenzen geführt.

Ist das die Welt, die ihr euch unterwerfen wollt? 


Quote
9. Oktober 2007 10:44
Wer nicht arbeiten WILL, soll auch nicht essen. Thess. 3,10
edipo re (3 Beiträge seit 27.09.07)

Hallo TP-Forum,

vielleicht fällt das den wenigsten noch auf, das *berüchtigte* Zitat
aus Thessalonicher 3,10 wird hier in dem Titel des Artikels polemisch
verkürzt und damit falsch zitiert. Das geschieht meiner Meinung nach
auffälig oft, wenn eine bestimmte Tendenz in der 'christlichen'
Sozialpolitik als unmenschlich diskreditiert werden soll.

Die ursprünglich zitierte Stelle drückt eigentlich genau das
Gegenteil aus, der Wille zur Arbeit korrespondiert mit dem Recht zur
Arbeit und damit zur Sicherung des eigenen Lebensunterhaltes. Die
Würde und Wahrheit der eigenen Existens liegt nach Paulus in diesem
Wille zur Arbeit. Was nicht angesprochen wird -vielleicht weil es für
Paulus kein Problem dargestellt hat- ist, was passiert eigentlich mit
dem, der nicht arbeitet, weil er keine Arbeit findet?

MFG

Quote
9. Oktober 2007 10:59
Das ist richtig,
WTH (6 Beiträge seit 18.03.07)

nur war die im Artikel verwendete Variante eine kommunistische
Abwandlung des ursprünglichen Bibelzitates, um die sozialistische
Arbeitspflicht im realen Kommunismus zu rechtfertigen. Genau das
also, was die Rotlackierten heute lauthals beklagen. Dabei wandert
hierzulande keiner ins Gefängnis, wenn er die angebotenen Arbeiten
nicht annimmt. Im untergegangenen sozialistischen Schlaraffenland
hingegen schon.

Quote
9. Oktober 2007 11:13
Zitat
edipo re (4 Beiträge seit 27.09.07)

WTH schrieb am 9. Oktober 2007 10:59

> nur war die im Artikel verwendete Variante eine kommunistische
> Abwandlung des ursprünglichen Bibelzitates, um die sozialistische
> Arbeitspflicht im realen Kommunismus zu rechtfertigen. Genau das
> also, was die Rotlackierten heute lauthals beklagen. Dabei wandert
> hierzulande keiner ins Gefängnis, wenn er die angebotenen Arbeiten
> nicht annimmt. Im untergegangenen sozialistischen Schlaraffenland
> hingegen schon.

Hallo WTH,

das wusste ich nicht, für mich war das Zitat immer eine verkürzte
Form aus Thess.3, aber vielen Dank für deinen Hinweis.

Das mit der Pflicht zur Arbeit ist ja auch so eine Sache, das mit dem
ursprünglich gemeinten nicht zusammengeht. Der Wille zur Arbeit -um
in Würde seinen Lebensunterhalt zu verdienen- ist etwas völlig
anderes, als was die Sozialpolitik heute mit den 1-Euro Jobs daraus
gemacht hat. Paulus geht es ja um den Erhalt der eigenen Würde und
nicht um Zwangsmassnahmen, die Menschen in schwierigsten Situationen
auch noch das letzte bisschen Würde raubt.

Am schlimmsten empfinde ich den lieblosen und kalten Umgang der
Behörden mit Menschen, die aus was für Gründen auch immer auf Hilfe
angewiesen sind. Das ganze nennt man glaube ich 'professioneller'
Umgang, d.h. ohne jede innere Anteilnahme irgendwelche bürokratische
Massnahmen verhängen, Anteilnahme ist Schmerz und Schmerz versucht
Bürokratie aus dem Weg zu gehen.

MFG

Quote
9. Oktober 2007 11:35
Keiner will
WTH (7 Beiträge seit 18.03.07)

in diesem Lande will niemand ernsthaft Bedürftigen ein
menschenwürdiges Leben verwehren. Wer nicht arbeiten kann, um seinen
Lebensunterhalt selber zu verdienen, der braucht natürlich die
Unterstützung der Gesellschaft. Die Frage ist allerdings, wer
wirklich der Hilfe bedarf und wer nicht. Hier scheiden sich die
Geister und so verstehe ich auch das Bibelzitat: Wer nicht arbeiten
will, der wird auch nichts zu essen haben. So steht es im Kontext der
Warnung vor dem Müßiggang. Eine banale Wahrheit, die mancher zu
vergessen scheint und sich in krude Traumwelten flüchtet. Keiner hat
das Recht, sich auf Kosten anderer zu ernähren, sofern er für sich
selber sorgen könnte. Arbeit ist so gesehen, außer im
Schlaraffenland, immer mindestens der Zwang für sich selber und
seinem Lebensunterhalt zu sorgen oder darüber hinaus Verantwortung
für andere Menschen zu übernehmen. Das hat nichts mit Kapitalismus,
Obrigkeit oder Unterschicht zu tun. Nicht einmal mit Ausbeutung. Es
ist das Leben.

Die ganze Kontext des Zitates lautet nämlich:

2. THESSALONICHER 3.10 Denn schon als wir bei euch waren, geboten wir
euch: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. 3.11 Denn
wir hören, daß einige unter euch unordentlich leben und nichts
arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben. 3.12 Solchen aber gebieten
wir und ermahnen sie in dem Herrn Jesus Christus, daß sie still ihrer
Arbeit nachgehen und ihr eigenes Brot essen. 3.13 Ihr aber, liebe
Brüder, laßt's euch nicht verdrießen, Gutes zu tun.

Quote
9. Oktober 2007 11:58
Leicht OT
edipo re (6 Beiträge seit 27.09.07)

WTH schrieb am 9. Oktober 2007 11:35

>
> Die ganze Kontext des Zitates lautet nämlich:
>
> 2. THESSALONICHER 3.10 Denn schon als wir bei euch waren, geboten wir
> euch: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. 3.11 Denn
> wir hören, daß einige unter euch unordentlich leben und nichts
> arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben. 3.12 Solchen aber gebieten
> wir und ermahnen sie in dem Herrn Jesus Christus, daß sie still ihrer
> Arbeit nachgehen und ihr eigenes Brot essen. 3.13 Ihr aber, liebe
> Brüder, laßt's euch nicht verdrießen, Gutes zu tun.

Hallo WTH,

obwohl das jetzt schon sehr weit vom Thema des Artikels wegführt, der
Kontext ist natürlich auch die Selbstrechtfertigung von Paulus, der
'kein unordentliches Leben geführt'[hat] und bei niemand das Brot
umsonst gegessen [hat]' und der über sich und seine Begleiter sagt
'Tag und Nacht haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu
fallen'. Er rechtfertigt sein eigenwilliges Leben in der Mission ja
sehr oft mit der Tatsache, das er sein Lebensunterhalt immer und
überall selbst verdient hat.

> Keiner hat
> das Recht, sich auf Kosten anderer zu ernähren, sofern er für sich
> selber sorgen könnte. Arbeit ist so gesehen, außer im
> Schlaraffenland, immer mindestens der Zwang für sich selber und
> seinem Lebensunterhalt zu sorgen oder darüber hinaus Verantwortung
> für andere Menschen zu übernehmen. Das hat nichts mit Kapitalismus,
> Obrigkeit oder Unterschicht zu tun. Nicht einmal mit Ausbeutung. Es
> ist das Leben.

So würde es Paulus wohl auch sehen und dagegen ist auch nichts
einzuwenden. Das Problem mit unseren modernen Arbeitslosigkeit ist
aber doch etwas anderes. Ich kenne genug Menschen, die mit Freuden
arbeiten würden aber im 'normalen' Arbeitsmarkt keine Chance mehr
haben, ein Ingenieur mit Mitte 50 ist etwa in Deutschland nicht mehr
vermittelbar, völlig unabhängig von seinem eigenen Wollen.

Was spricht dagegen, wenn der 'Pflicht' zur Arbeit ein Recht auf
ehrliche Arbeit entsprechen würde, die den Lebensunterhalt auch in
Würde sichert? Eine Gesellschaft, die einen Arbeitswilligen nicht mit
Arbeit versorgt, verhindert nämlich mit ziemlicher Sicherheit, dass
so etwas wie Selbstverantwortung überhaupt erst einmal entsteht.

MFG


Quote
9. Oktober 2007 11:58
Kontext
Gooeyduck (283 Beiträge seit 11.03.03)

WTH schrieb am 9. Oktober 2007 11:35
> Die ganze Kontext des Zitates lautet nämlich:
>
> 2. THESSALONICHER 3.10 Denn schon als wir bei euch waren, geboten wir
> euch: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. 3.11 Denn
> wir hören, daß einige unter euch unordentlich leben und nichts
> arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben. 3.12 Solchen aber gebieten
> wir und ermahnen sie in dem Herrn Jesus Christus, daß sie still ihrer
> Arbeit nachgehen und ihr eigenes Brot essen. 3.13 Ihr aber, liebe
> Brüder, laßt's euch nicht verdrießen, Gutes zu tun.

Zum Kontext gehört aber auch, dass es zu dieser Zeit keinen
Sozialstaat gab. Die, die da angesprochen wurden, müssen also Leute
gewesen sein, die es sich leisten konnten, nicht zu arbeiten und
stattdessen 'unnütze Dinge zu treiben' (ansonsten wären sie wohl
wirklich verhungert).

Im Gegensatz dazu meinen heute diejenigen, die von 'Wer nicht
arbeiten will, soll auch nicht essen" reden, garantiert nicht die,
die es sich leisten können nicht zu arbeitn.




Quote
9. Oktober 2007 11:28
Unterstellst Du nun allen ein-Euro-Jobbern, dass sie nicht arbeiten wollen?
Gotan (mehr als 1000 Beiträge seit 31.08.00)

Du verkürzt hier auch fleissig, nämlich unterm Strich auf "die faulen
Schmarotzer haben's eh nicht besser verdient". Es geht aber hier
darum, dass ein grosser (und stetig wachsender) Teil der Bevölkerung
nicht produktiv *genug* sind um in den "1. Arbeitsmarkt"
eingegliedert zu werden und die immer wahnsinnigere Jagd nach der
maximalen Rendite legt die Messlatte immer höher.

Das blöde ist nun, dass man diese Leute nicht einfach vom Planeten
kicken kann oder wenigstens ins Meer treiben weil das halt unpopulär
ist. Aber mit Meinungsmache ("Die liegen uns auf der Tasche") kommt
man wenigstens so weit, dass man diese Leute am Existenzminimum hält.
Damit "die" nicht auf dumme Gedanken kommen müssen sie natürlich
beschäftigt werden und ausserdem können die so noch dem Rest der
Bevölkerung als Warnung und schlechtes Beispiel dienen.

Dabei ist das in einer Gesellschaft die in all ihrer glorifizierten
Produktivität reichlich Überfluss produziert unnötig. Es könnten viel
mehr Leute deutlich besser leben wenn das denn politisch gewollt
wäre. Auch die Produktivität der Gesellschaft als ganzes könnte so
gesteigert werden und zum Gemeinwohl eingesetzt werden. Es gibt
nämlich durchaus Arbeit die getan werden muss, die sich aber Bund,
Länder und Kommunen nicht leisten können. Es muss also ein Weg
gefunden werden diese Arbeit halbwegs anständig zu bezahlen.

Entgegen dem dauernden Geschrei nach weniger Steuern brauchen wir
also *mehr* Steuern (und zwar Mehrwertsteuer), damit die öffentliche
Hand all die notwendigen Aufgaben finanzieren kann bei denen Arbeit
anfällt und für die auch Leute da wären, die aber leider keine 10%
Rendite für Aktionäre abwirft.

Da die "freie Wirtschaft" offenbar nicht mehr gewillt ist in
irgendetwas zu investieren wenn es nicht maximale Rendite abwirft
bleibt wohl nur noch der Staat der diesen Teil übernehmen kann.

Stattdessen wird lustig weiter privatisiert und damit das Problem nur
noch verschärft.

Quote
9. Oktober 2007 11:58
grün von mir, allerdings unter vorbehalt
wissen ist ohnmacht (mehr als 1000 Beiträge seit 26.04.07)

im wesentlichen hast du recht, aber dieser absatz ist aus meiner
sicht etwas zu ungenau, wenn nicht sogar falsch:

> Entgegen dem dauernden Geschrei nach weniger Steuern brauchen wir
> also *mehr* Steuern (und zwar Mehrwertsteuer), damit die öffentliche
> Hand all die notwendigen Aufgaben finanzieren kann bei denen Arbeit
> anfällt und für die auch Leute da wären, die aber leider keine 10%
> Rendite für Aktionäre abwirft.

die mehrwertsteuer zu erhöhen, macht nur sinn, wenn parallel andere
steuern gesenkt oder abgeschafft werden: alle steuerzahler arbeiten
heute schon mehr als die hälfte des jahres nur für den fiskus, das
ist fakt.

der öffentlichen hand noch mehr geld zu besorgen, ist meiner meinung
nach auch verkehrt: die öffentliche hand versteht es nämlich
ausgezeichnet, ein paar scheine dezent und geschickt in die eigene
öffentliche hose zu stecken! je mehr geld zur verfügung steht, umso
mehr geld wird dann versickern. die summe meiner erfahrungen lässt
leider keine andere schlussfolgerung zu.
[...]

Quote
9. Oktober 2007 12:03
Fakt?
Gooeyduck (284 Beiträge seit 11.03.03)

wissen ist ohnmacht schrieb am 9. Oktober 2007 11:58

> alle steuerzahler arbeiten
> heute schon mehr als die hälfte des jahres nur für den fiskus, das
> ist fakt.

Wie kommst Du darauf?
Meines Wissens liegt die Steuerquote in Deutschland bei rund 21
Prozent.




Quote
9. Oktober 2007 10:59
Menschenwürde
2007Twister2007, Bettina Winsemann, twister@twister-schreibt.de (373 Beiträge seit 02.09.07)

klaps schrieb am 9. Oktober 2007 1:19

> > So wurde uns außerhalb der Studie von einem Fall beim Dortmunder
> > Tiefbauamt berichtet, wo ein schwer Körperbehinderter gezwungen
> > wurde, beim Müllsammeln den Sack mit den Zähnen zu halten, damit
> > er mit dem gesunden Arm den Müll einfüllen konnte.
>
> Wenn das *wirklich* der Wahrheit entsprechen sollte wäre das ein
> derartiger Skandal, das da mehrere Köpfe rollen müssten.

Ach, das ist doch nur ein Beispiel. Geh mal in einige "caritative
Einrichtungen" Deiner Wahl, die 1EuroJobber einstellen, danach kennst
Du den Begriff Menschenwürde dann so, wie manche ihn definieren.
Da werden dann die Jobber persönlich beleidigt "Meine Güte, wieso
schicken die denn so einen Fetten zum Kehren?"/ "Na, kannst Dich wohl
nicht genug bücken beim Müllaufsammeln, Fettsack?", da werden
offensichtliche Verletzungen einfach ignoriert und damit gedroht, der
Behörde Meldung zu machen, dass man arbeitsunwillig ist, wenn man
sich krankmelden will --- mit solchen Kapriolen wie "wickel ein Tuch
rum und dann geht´s" bei einer eitrigen Wunde am Bein (derjenige
durfte dann mit dem frischumwickelten Bein in den Müllcontainer
klettern und diesen von innen säubern" usw. usf. --- er weigert sich
übrigens bis heute irgendwie gegen diese Dinge vorzugehen oder nur
ein Interview zu führen etc. pp weil er "wenigstens etwas Geld hat
und nicht plötzlich gar keins mehr bekommen will"

Menschenwürde? Sorry, aber wenn Du auf der Klappe liegst, sagt Dir
das Amt recht deutlich, wie weit Dein Anspruch auf Menschenwürde
geht. Das "na ja, ohne Geld für Lebensmittel auszukommen dürfte ja
für Dich kein Problem sein bei den Reserven" liegt mir noch heute im
Magen, gefolgt von "Datenschutz? Höflichkeit? Wollen Sie was von mir
oder nicht? Na also - dann schlage ich vor, Sie sagen mir jetzt die
Sachen, die ich wissen will."

Quote
9. Oktober 2007 11:37
Antwort
edipo re (5 Beiträge seit 27.09.07)

2007Twister2007 schrieb am 9. Oktober 2007 10:59

>
> Ach, das ist doch nur ein Beispiel. Geh mal in einige "caritative
> Einrichtungen" Deiner Wahl, die 1EuroJobber einstellen, danach kennst
> Du den Begriff Menschenwürde dann so, wie manche ihn definieren.
> Da werden dann die Jobber persönlich beleidigt "Meine Güte, wieso
> schicken die denn so einen Fetten zum Kehren?"/ "Na, kannst Dich wohl
> nicht genug bücken beim Müllaufsammeln, Fettsack?", da werden
> offensichtliche Verletzungen einfach ignoriert und damit gedroht, der
> Behörde Meldung zu machen, dass man arbeitsunwillig ist, wenn man
> sich krankmelden will --- mit solchen Kapriolen wie "wickel ein Tuch
> rum und dann geht´s" bei einer eitrigen Wunde am Bein (derjenige
> durfte dann mit dem frischumwickelten Bein in den Müllcontainer
> klettern und diesen von innen säubern" usw. usf. --- er weigert sich
> übrigens bis heute irgendwie gegen diese Dinge vorzugehen oder nur
> ein Interview zu führen etc. pp weil er "wenigstens etwas Geld hat
> und nicht plötzlich gar keins mehr bekommen will"
>

Hallo 2007Twister2007,

deine Beispiel bezweifle ich natürlich nicht, aber das generell bei
'caritativen' Einrichtungen ein solcher Umgangston herrscht, würde
ich in der Verallgemeinerung doch anders sehen.

Die etablierten, großen Sozialkonzerne wie etwa die Caritas sind
bestimmt nicht die Inseln der Glückseligen, aber immer noch um Welten
besser, als die gewinnorientierten Konzerne neuen Zuschnittes, die in
Zukunft etwa die soziale Arbeit in den Gemeinden effizienter und vor
allem kostengünstiger ausführen sollen.

Ich wohne in einer Stadt, in der solche Modelle in der neuen
'selbstverantworteten' Kinderbetreuung als Modellversuch gestartet
worden ist, und das ganze läuft auf Selbstausbeutung für die Eltern
und Arbeitslosigkeit für die bisherigen Erzieherinnen heraus, wobei
einer sehr gut verdient, nämlich der Betreiber für das Haus, der
kassiert von der Stadt ohne irgendwelchen größeren eigenen
Aufwendungen für die nächsten 20 Jahre Miete bei garantierten
Mietsteigerungen...

> Menschenwürde? Sorry, aber wenn Du auf der Klappe liegst, sagt Dir
> das Amt recht deutlich, wie weit Dein Anspruch auf Menschenwürde
> geht. Das "na ja, ohne Geld für Lebensmittel auszukommen dürfte ja
> für Dich kein Problem sein bei den Reserven" liegt mir noch heute im
> Magen, gefolgt von "Datenschutz? Höflichkeit? Wollen Sie was von mir
> oder nicht? Na also - dann schlage ich vor, Sie sagen mir jetzt die
> Sachen, die ich wissen will."

Das ist leider ein generelles Problem, selbst die einfachsten Formen
des sozialen Umganges untereinander sind nicht mehr vom Höflichkeit
oder so etwas wie Anstand geprägt. Das Wort 'Anstand' ist heute doch
bestenfalls noch für einen Lacherfolg gut.

MFG




Aus: ""Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" - Workfare statt Welfare: Irina Vellay zu einer ersten Studie über den "dritten Arbeitsmarkt" der Ein-Euro-Jobs" Von Jens Wernicke (TP, 09.10.2007)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26359/1.html

-.-

"Der 'workfare state' - Hausarbeit im öffentlichen Raum? - Bericht über eine empirische Studie 2005/2006" (Stiftung W.)
http://www.stiftung-w.de/pic_content/Bericht_Vorstudie_workfare_state-Hausarbeit_2007-1%5b1%5d.pdf

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« Reply #32 on: November 14, 2007, 11:55:54 AM »

Quote
[...] In der öffentlichen Wahrnehmung steigt stets die Beliebtheit derjenigen, die eine tatsächliche oder vermeintliche Gefahr zu bekämpfen scheinen. Bei Naturkatastrophen lässt sich beobachten, dass die Beliebtheit der jeweiligen Amtsinhaber steigt, weil sie in der Krise Tatkraft und Kompetenz demonstrieren können. Auch wenn sich ein Land im Krieg befindet, schaart sich die Bevölkerung regelmäßig hinter ihre Anführer. Die Sicherheitsideologie ist für einige Politiker also ein Mittel, um ihre Popularität und Wiederwahl abzusichern.


Aus: "Überwachung – Fragen und Antworten >> Machterhalt" (Überwachungs-FAQ, 11/2007)
Quelle: http://www.daten-speicherung.de/index.php/ueberwachung-fragen-und-antworten
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« Reply #33 on: November 15, 2007, 09:44:12 PM »

Quote
[...] Shot among the birch trees and snow of a Siberian forest, two policemen kiss each other passionately on the lips. They hold and - this is not entirely clear - possibly caress each other's buttocks.

But the work by a Russian art collective has proved too much for Russia's culture minister, Alexander Sokolov. On Monday Mr Sokolov announced that he was banning the photo, entitled Kissing Policemen (An Epoch of Clemency), from an exhibition of contemporary Russian art due to be exhibited in Paris next week.

Mr Sokolov described the photo as political provocation and said he was pulling it, together with 16 other works, from a show at Paris's Maison Rouge exhibition hall. The exhibits were all displayed in Russia this year at Moscow's state-owned Tretyakov gallery.

"If this exhibition appears [in Paris] it will bring shame on Russia. In this case, all of us will bear full responsibility," the minister said. "It is inadmissible...to take all this pornography, kissing policemen and erotic pictures to Paris."

The minister also banned another work by the same irreverent group, Blue Noses, that shows Vladimir Putin, George Bush and Osama bin Laden cavorting on a double bed in their underpants. Customs officers confiscated the montage from a British art dealer last year when he tried to take it to London.


From: "No Paris trip for Russia's kissing policemen" - Artwork inspired by Banksy is among 16 banned from show by culture minister, By Luke Harding in Moscow,The Guardian  (Friday October 12, 2007)
Source: http://www.guardian.co.uk/russia/article/0,,2189440,00.html

-.-

LINK =>  [...mit ordentlicher Gewalt (Bilderverbot)]
http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,141.msg1116.html#msg1116

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« Reply #34 on: November 28, 2007, 12:28:59 PM »

Quote
[...] Es ist Montag der 11. September letzten Jahres gegen 14:00 Uhr. Die bayrische Polizei stürmt die Wohnung von Familie Lindner in diesem Gehöft in der Nähe von Burghausen. Das Ehepaar hat zwei Kinder im Alter von sechs und zehn Jahren und bewohnt ungefähr 90 Quadratmeter. Doch die Polizei rückt mit einem martialischen Großaufgebot an. Der Vater wird sofort mitgenommen.

O-Ton: Siegfried Lindner, Vater
"Sie müssen sich vorstellen, Sie sehen, wie 15 Polizisten auf das Grundstück stürmen, mich verhaften, mich mitnehmen. Da habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, was passiert mit meiner Frau. Sie ist alleine zu Haus mit meinen zwei Kindern. Ich kann nichts machen, die nehmen mich mit, ich stehe da, machtlos, ich bin komplett machtlos. Ich sitze in dem Auto, mache mir Gedanken, was passiert jetzt weiter, was macht meine Frau mit."

Der Vater darf kein Wort mehr mit seiner schockierten Familie wechseln. Die Beamten kommen zur Hausdurchsuchung teilweise mit Maschinenpistole und schusssicherer Weste. Offensichtlich wird bewaffneter Widerstand der Familie befürchtet.
 
O-Ton: Christopher Lindner, Sohn
"Einer der Polizisten ist den Berg hoch gerannt und hatte die Maschinenpistole so in der Hand und ist zum Haus gerannt."
 
O-Ton: Petra Lindner, Mutter
"Und zwar hat er eine schusssichere Weste angehabt, eine Maschinenpistole und riss jede Türe auf. 'Toilette gesichert!', dann nach vorne durch den Gang, die nächste Tür 'Bad gesichert!' und immer im Anschlag seine Maschinenpistole, weiter in die Küche 'Küche gesichert!'."

Was muss da vorgefallen sein, wenn die bayrische Provinzpolizei ein so großes Rad dreht? Entführung, Mord, Attentat? So ungefähr: Im idyllischen Nachbarort Marktl am Inn steht das Geburtshaus des Papstes. Böse Menschen haben es zwei Tage zuvor, unmittelbar vor dem Papstbesuch, mit blauer Farbe bespritzt. Die Polizei verdächtigt Siegfried Lindner dieser Untat.
 
O-Ton: Siegfried Lindner, Vater
"Ich wurde in dem Präsidium fünf Stunden festgehalten. Mir wurden Fingerabdrücke abgenommen. Ich hatte einen Speicheltest. Es wurden Fotos gemacht. Ich wurde also komplett erkennungsdienstlich aufgenommen, ich wurde verhört."

Der einzige Verdachtsmoment gegen den Familienvater: Er hatte im Wartezimmer dieser Arztpraxis zu einem anderen Patienten gesagt, dass die 40 Millionen, die der Papstbesuch kostet, besser hätten verwendet werden können.
 
O-Ton: Siegfried Lindner, Vater
"Der Kriminalbeamte teilte mir mit, ich bin unter Verdacht aufgrund eines Gespräches im Warteraum der Arztpraxis geraten, da ich mich negativ über den Papst geäußert hatte und diese negative Aussage wurde angezeigt."

Derweil tobt bei der Familie die Hausdurchsuchung. Zunächst muss Frau Lindner ihre Kinder für eine halbe Stunde mit den Polizisten allein lassen.
 
O-Ton: Petra Lindner, Mutter
"Für mich war es die Hölle, weil ich draußen stand, die ganzen Polizisten waren im Haus und ich durfte nicht rein. Ich wusste nicht, was passiert in dem Haus und die Angst um meine Kinder. Unser kleiner Florian war sechs der Christopher war zehn. Es war schlimm für mich, sehr schlimm."

Drinnen wird auch das Kinderzimmer durchsucht, die Kinder werden befragt.
 
O-Ton: Florian Lindner, Sohn
"Dann ist der Polizist ins Kinderzimmer reingegangen, 'Habt ihr einen Laptop?'. Dann habe ich gesagt 'ja'und habe dem Polizisten die Schachtel gebracht."

Der kleine Junge zeigt seinen Spielzeuglaptop. Statt Mails von Al Qaida nur heimisches Liedgut.
 
O-Ton: Petra Lindner, Mutter
"Ich habe zu dem ersten gesagt, dass mir die Sache zuviel ist, dass ich nervlich am Ende bin, und dass ich total überfordert bin mit dem Ganzen. Da hat der Polizist gesagt: 'Aus diesem Grunde machen wir das, damit die Leute von der ganzen Situation her überfordert sind und dann Sachen ausplaudern, die sie sonst nicht sagen würden.'"

Schöne Methoden. Doch es gibt nichts auszuplaudern. Der Vater ist unschuldig. Nach fünf Stunden Hausdurchsuchung wird das langsam auch der Polizei klar. Das Ermittlungsverfahren ist inzwischen eingestellt. Wir wollen mit den zuständigen Behörden über ihr überzogenes Vorgehen vor der Kamera sprechen.

Für den Richter aus Altötting, der den Durchsuchungsbefehl ausgestellt hat, ist die Sache abgeschlossen. Kein Kommentar, kein Bedauern. Die zuständige Kriminalpolizei in Mühldorf verweist auf die höhere Dienststelle in Traunstein. Die Polizei in Traunstein sagt, zuständig wäre die Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft gibt am Telefon Auskunft, spricht von einem normalen Einsatz. Aber kein Interview. Das bayrische Innenministerium will sich mit dem Vorgang befassen, aber kein Interview geben.
 
O-Ton: Siegfried Lindner, Vater
"Wir haben uns schriftlich über die Hausdurchsuchung beschwert, per Einschreiben. Und bis heute haben wir von diesen Leuten keine Auskunft, keine Antwort, keine Entschuldigung, nichts bekommen."

Und sollten Sie in Bayern mal richtig was erleben wollen, reden Sie mit Ihrem Nachbarn doch einfach mal über den Papst.

...


Aus: "Willkürlicher Polizeieinsatz" - Manuskript des Beitrages von Frank Wolfgang Sonntag (FAKT vom 26.11.2007)
zuletzt aktualisiert: 27. November 2007, MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Quelle: http://www.mdr.de/fakt/5039319.html

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« Reply #35 on: December 04, 2007, 12:53:19 PM »

Quote
[...] Im Landgericht Halle gab ein Staatsschützer im Prozess zum Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Sangerhausen zu, eine angeklagte Frau kurz nach der Tat umfassend vernommen, aber nicht über ihre Rechte belehrt zu haben. Die Aussage ist damit unbrauchbar. In Weißenfels mussten sich sieben Mädchen und Frauen auf der Wache nackt ausziehen, nachdem sie an einer unangemeldeten Demonstration gegen Rechtsextremismus teilgenommen hatten.


Aus: "Pannen ohne Ende in Sachsen-Anhalt" (22.11.2007)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Rechtsextremismus-Sachsen-Anhalt;art122,2424643

-.-

Quote
[...] November 2007: Sieben junge Frauen der linken Szene nehmen an einer unangemeldeten Demonstration gegen Rechtsextremismus in Weißenfels teil. Sie werden verhaftet. Auf der Wache müssen sie sich nackt ausziehen. Nach ihren Angaben werden sie bis in den Intimbereich untersucht.

...


Aus: "POLIZEIPANNEN IN SACHSEN-ANHALT: Weggucken statt Hingucken" Von Lisa Sonnabend (03.12.2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,521102,00.html

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« Reply #36 on: December 05, 2007, 10:37:48 AM »

Quote
[...] prima zeiten auch für sicherheitsfanatiker und autoritäre volksverhetzer, ein eldorado für narzisstisch gestörte und hierarchiesch organisierte politclowns.

[...] wenn der [von] ALBERT EINSTEIN stammende satz [stimmt], dass die welt nicht bedroht ist von menschen, die böse sind, sondern von denen, die böses zulassen, dann ist es höchste zeit, auf die wirklichen ursachen von gewalt und zerstörung einzugehen. aber dazu müsste man sich erstmal um ERKENNTNIS bemühen und dann v.a.d. SELBSTERKENNTNIS zulassen.

eine studie der FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG zur GESELLSCHAFTLICHEN AKZEPTANZ VON RECHTSEXTREMISMUS UND GEWALT kommt im jahr 2000 zu dem schluss, dass rund ZWEI DRITTEL der deutschen glauben, dass deutschland eine STARKE HAND brauche; dass nur eine, die durchgreife und eine starke partei im rücken habe, es schaffen könne, die gegenwärtigen probleme in den griff zu bekommen. viele davon vertreten die meinung, in not geratene menschen hätten ihre situation selbst verschuldet und niemand, der es nicht wirklich verdiene, solle unterstützt werden.

hinter diesen aussagen befinden sich nicht selten menschen, die zwar selbst nicht gewalttätig werden würden, die sich aber mit mehr oder weniger angst nur zu gerne hinter ruhe, sicherheit und ordnung und ihrem festgeschriebenen rollenverhalten und ihren angepassten posen verschanzen, anstatt neugierig, lebendig und offen auf neues und unbekanntes zuzugehen. es sind mitunter menschen, die leid und not als schwäche abtun und, die es ablehnen menschen in not zu unterstützen. es sind mitunter menschen, bei denen mitgefühl, falls es kurz auftaucht gleich wieder in zustimmung zu gängiger gesellschaftlicher praxis umkippt und dann in feindbilddenken ausartet oder darin gipfelt, dass letztendlich jeder für sich selbst sorgen müsse. das passt gut zur neoliberalen agenda der grossen volksparteien, bleibt einem vorgeschriebenen verhaltenskodex und tief verankerten gehorsamsstrukturen verwurzelt und sorgt dafür, dass man sich in der mehrheit aus angepassten und konformisten bestehende masse aufgehoben fühlen kann.

ZITAT ARNO GRUEN (s.35): "Die extreme Rechte der neuen amerikanischen Politik hat sich selbst als 'silent majority' bezeichnet, zum einen, um sich so zur eigenständigen Gruppe zu erklären. Diese angepaßte, zu Ressentiments neigende, sonst aber eher unauffällige und nicht gewalttätige Gruppierung gab sich auf diese Weise zum andern aber auch Kontur, ihre Anhänger können sich so als Menschen erleben, die Macht haben und jemand sind. Sie haben mit diesem Begriff auf eine Tatsache verwiesen, die sonst nicht so deutlich wahrgenommen wurde: daß rechtsextreme Politiker als Machtbasis auf ein großes Potential von schweigenden, aber durch ihre Angst vor dem Leben innerlich bedrohten Menschen zurückgreifen können."

...


Aus: "heute schon gepost?" posting von wildwuchs" (2007-11-26 - 15:23:55)
Quelle: http://aureliane.blog.de/2007/11/26/heute_schon_gepost~3354787

-.-

Quote
[...] Arno Gruen (* 1923 in Berlin) ist ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Psychologe und Psychoanalytiker, dessen Wahlheimat, nach Jahrzehnten in den USA, Zürich geworden ist.


http://de.wikipedia.org/wiki/Arno_Gruen


-.-

Quote
[...] Der Kampf um die Demokratie ist ein 2002 erschienes Buch des Psychoanalytikers Arno Gruen, das, obwohl bereits im Mai 2001 begonnen, dann stark von den Ereignissen des 11. Septembers 2001 geprägt wurde. Es beschäftigt sich mit den Ursachen der menschlichen Destruktivität und ihren mannigfaltigen Ausprägungen.

[...] Arno Gruen bezieht sich in seinem Buch auf eine Untersuchung des englischen Psychiaters Henry Dieks, der ein Brigadegeneral im Weltkrieg war und seine Arbeit mit tausend deutschen Kriegsgefangenen durchführte.


[...]


Zitate:

    * „Für solche Täter gibt es keine Opfer, es gibt nur Besiegte.“ (S.12)

    * „Dabei sollte jedem klar sein, daß Gene keine Verhaltensweisen produzieren. Das einzige, was sie können, ist Proteinstrukturen aufbauen, und das auch nur in Abhängigkeit von den Feldstrukturen, also der Umwelt.“ (S.14)

    * „In der Bekämpfung des Feindes wird die Frage, wer oder wie man ist, negativ beantwortet.“ (S.27)

    * „Wenn man den Helden lange genug malträtiert, schrumpft er irgendwann zum Feigling zusammen.“ (S.31)

    * „Wirklich zu lieben heißt eben nicht, verwöhnend alle kindlichen Wünsche zu befriedigen. Elterliche Liebe bedeutet vielmehr, einfühlsam auf die Nöte des Kindes einzugehen, sein Leid und seine Verletzungen ernst zu nehmen. Käufliche Objekte sind dafür kein Ersatz.“ (S.54)



Aus: "Der Kampf um die Demokratie" (12/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Kampf_um_die_Demokratie

-.-

Quote
[...] Mit Alter Ego wird auch das zweite Ich in einer multiplen Persönlichkeitsstörung (auch dissoziative Identitätsstörung genannt) bezeichnet. Das bekannteste Beispiel hierfür stammt aus der Literatur: Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

Ebenfalls bezeichnet Alter Ego den abgespaltenen seelischen Bereich bei Personen mit Bewusstseinsspaltung.

In der Tiefenpsychologie von Sigmund Freud ist Alter Ego der Begriff für das Triebhafte, das Es.

Carl Gustav Jung bezeichnet mit Alter Ego den Schatten oder die Personifikation von verdrängten psychischen Themen.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Alter_Ego (12/2007)

-.-

Quote
[...] Wir mögen überrascht von der Entdeckung sein, dass die Menschen in der Vergangenheit ihre dämonischen Alter Egos exorzierten oder sich mit ihren diversen inneren Seelen unterhielten, doch selbst heute sind religiöse Geisterbesessenheiten nicht unüblich — ein Drittel der Amerikaner sagt, sie hätten andere Geister in sich erlebt, und 90 Prozent von uns glauben an und reden hin und wieder (beten) mit Gott-Alter-Egos der einen oder anderen Art. (5)

[...]  Alle Geister, Götter, Dämonen, Schamanen, Priester und politischen Führer sind Alter-Ego-Container, Projektionen dieser inneren Alter Egos; ihre Eigenschaften entstammen frühen Traumata, nicht bloß der kulturellen Übertragung des Glaubens. An einem gewissen Punkt angelangt, erkennen dissoziative Persönlichkeiten normalerweise, dass sich ihre Geister von den Eltern herleiten. Wie Donne es ausdrückt, stammt ein separater Teil unseres Selbst — was er die »unsichtbare Ecke« von uns nennt — von unserer Vergangenheit ab (Vater Adam und Mutter Eva) und beherbergt das »Gift, das uns verdirbt«.14)

In der Vergangenheit wechselten die Menschen normalerweise regelmäßig in ihre Alter Egos, hörten Stimmen, hatten von früh bis spät Albträume und Flashbacks, erlebten den Verlust von Zeit sowie Perioden von Realitätsverlust und des Nichts, halluzinierten Verfolger, fühlten sich unabänderlich schmutzig, sündig und hoffnungslos und agierten selbstverletzende Episoden aus. All dies sind Hinweise auf dissoziative Identitätsstörungen, welche aus der routinemäßigen missbrauchenden Kindererziehung der Vergangenheit resultierten. Man kann täglich auf Alter-Ego-Begegnungen treffen, wie in den Studien von Richard und Eva Blum über ländliche griechische Gemeinden belegt, wo Menschen heute — wie im antiken Griechenland — regelmäßig in Alter-Ego-Zu-stände wechseln und von verschlingenden Dämonen und blutrünstigen maternalen Monstern entweder selbst besessen sind oder auf solche treffen, während sie ihren täglichen Geschäften nachgehen.15)

[...] Obwohl Götter oft männlich sind, repräsentiert dies normalerweise nur ein defensives Klammern an einen Vater,  um schlimmere Ängste vor maternaler Vernachlässigung und Folter zu vermeiden.28) Eine kultur­übergreifende Untersuchung, The Parental Figures and the Representation of God, zeigte, dass religiöse Menschen weit stärker an ihren Müttern hängen und jedenfalls Gott mit mehr maternalen als paternalen Attributen betrachten.29

[...] Bei Religionen und in der Politik wenden sich die Menschen an idealisierte Autoritäten, um das Risiko zu umgehen, auf sich selbst gestellt zu sein, und um die schmerzlichen Gefühle von Vernachlässigung durch die Eltern wieder aufzuführen, die sie hatten, als sie als Kinder versuchten, sich zu individualisieren. Religionen führen traumatische Ereignisse verpackt in gefährliche Alter Egos wieder auf.

[...] Götter,  Dämonen und  Geister sind nicht nur  Container für wahllose Projektionen; sie sind in hohem Maße organisiert und erträglich und müssen zuerst als langlebige, organisierte Sub-Ichs in den individuellen Gehirnen existieren.



Aus: "Das emotionale Leben der Nationen - Die Evolution der Psyche und Gesellschaft" Lloyd deMause (Titel der amerikanischen Originalausgabe:  The Emotional Life of Nations, Karnac / Other Press,  New York und London, 2002)
Quelle: http://janov-maaz-miller.de/M/Mause-de/2002-Nation/s269.htm

-.-

Quote
[...] Der ehemalige Korvettenkapitän packt aus mit Sätzen wie diesen: "Es war etwas, was man machen mußte. Ich weiß nicht, was die Henker durchleben, wenn sie töten, die Klingen hinunterziehen oder die elektrischen Stühle vorbereiten. Niemand tat es gern, es war nichts Angenehmes. Aber es wurde gemacht, es wurde nicht darüber diskutiert. Es war etwas Höheres, das man für das Land tat. Ein höheres Werk."


Aus: ""Ich fühle mich als Mörder" Argentiniens Militärs berichten von Verbrechen in der Diktatur – und treten eine politische Lawine los. " Von Kai Ambos (DIE ZEIT, 19.05.1995 Nr. 21)
Quelle: http://www.zeit.de/1995/21/Ich_fuehle_mich_als_Moerder

« Last Edit: December 05, 2007, 11:04:19 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #37 on: December 10, 2007, 04:08:18 PM »

Quote
[...] Japan, China, Indien, EU und USA: Wie halten es fünf Wirtschaftsmächte mit den Menschenrechten?

Ein Trauerspiel in neun Akten.

...


Aus: "Menschenrechte: Die dunklen Seiten der Macht" (10.12.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/672/147327/
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« Reply #38 on: December 19, 2007, 12:53:03 PM »

Quote
[...] Nach Givens' Ansicht machen es sich selbst Prozessbeteiligte bei der Urteilsfindung allzu leicht. "Wenn einer der Geschworenen die Hinrichtung vollziehen müsste, dann würden sie sich vielleicht mehr Gedanken um die Todesstrafe machen", sagte der ABC News. "Wenn der Richter gleichzeitig der Henker sein müsste, würde er es sich zweimal überlegen, bevor er jemanden zur Exekution schickt."


Aus: "INTERVIEW MIT EINEM HENKER: "Man versucht, den Körper nicht zu grillen"" -
Jahrelang hat Jerry Givens regelmäßig Menschen umgebracht: 62-mal hat er US-Verurteilte getötet, mit Strom oder mit Gift. In einem Interview erklärt der Ex-Henker, warum er heute die Todesstrafe ablehnt.
Von Friederike Freiburg ( 18. Dezember 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,524145,00.html

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« Reply #39 on: December 27, 2007, 01:20:48 PM »

Quote
[...] Begriffsherkunft: Abgeleitet ist der Begriff Faschismus von fasces, dem Rutenbündel, das die antiken Liktoren als Symbol der Macht des Römischen Reiches dem römischen Machthaber (Konsul, Imperator, Statthalter) vorantrugen. Außerhalb des antiken Roms wurde die Machtdemonstration verstärkt, indem die Liktoren nicht nur die fasces, also die Rutenbündel, sondern zusätzlich ein darin eingewickeltes Beil mit sich führten. Ein solches Rutenbündel mit Beil wird deshalb auch als Liktorenbündel (ital.: littorio) bezeichnet. In der Späten Neuzeit wurde das Bild von den fasces in der Französischen Revolution wieder aufgegriffen und im Sinne der Aufklärung umgedeutet als „Staatsgewalt, die das Volk nun innehaben sollte“; in den Bildern wurde dies durch die bäuerliche Pike und Wollmütze mit Kokarde in Trikolore ausgedrückt. Das Rutenbündel wurde nach dem Ersten Weltkrieg zu einem offiziellen Zeichen der italienischen Bewegung. Bündel kann sich aber im Italienischen auch auf Bünde, also Verbände beziehen. Der Plural Fasci war seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine gängige Bezeichnung für Gewerkschaften, Bauernverbände und andere Gruppen und durchaus positiv besetzt, so dass Mussolini ihn in Monumentalbauten wie dem Siegesdenkmal Bozen und seiner Standarte nutzte. Alle drei Bedeutungen – Symbol der Staatsgewalt, Volksbesitz und Zusammenhalt – konnte Mussolini für seine Propaganda nutzen. Schon früh wurde angemerkt, dass die Begriffsherkunft nichts über inhaltliche Ziele aussage. So schrieb Fritz Schotthöfer bereits 1924 in Il Fascio:[9]

    „Der Faschismus hat einen Namen, der an sich nichts sagt über den Geist und die Ziele der Bewegung. Ein Fascio ist ein Verein, ein Bund, Fascisten sind Bündler, und Fascismus wäre etwa Bündlertum.“



http://de.wikipedia.org/wiki/Faschismus (12/2007)


-.-

Quote
[...] Faschismus?

Dr. Lawrence Britt, ein Politikwissenschaftler, hat einen Artikel über Faschismus für "Free Inquiry", eine humanistische Zeitschrift, geschrieben. Dr. Britt untersuchte die faschistischen Regime Hitlers (Deutschland), Mussolinis (Italien), Francos (Spanien), Suhartos (Indonesien) und Pinochets (Chile) und weiterer lateinamerikanischer Länder.

Er fand heraus, daß all die Regime 14 Dinge gemeinsam hatten und er nennt sie die Identifikationsmerkmale des Faschismus.

Der Artikel "Fascism Anyone?", Lawrence Britt, ist in Free Inquiry, Ausgabe Frühjahr 2003, Seite 20 erschienen.



Die 14 Merkmale sind:



1. starker und anhaltender Nationalismus
Faschistische Regime neigen zu einem ständigen Gebrauch von patriotischen Mottos, Slogans, Symbolen, Liedern und was sonst noch dazu gehört. Flaggen sind überall zu sehen, wie auch Flaggensymbole auf Kleidung und anderen öffentlichen Präsentationen.

2. Geringschätzung der Menschenrechte
Aus Angst vor Feinden und dem Bedürfnis nach Sicherheit heraus werden die Menschen in einem faschistischen Regime überzeugt, daß die Menschenrechte in einigen Fällen ignoriert werden können. Die Leute sehen in die andere Richtung oder stimmen den Folterungen, Massenhinrichtungen, Ermordungen, langen Inhaftierung von Gefangenen uns so weiter sogar zu.

3. Identifizierung von Feinden/Sündenböcken als vereinigende Sache
Die Leute werden in einen vereinigenden patriotischen Wahn getrieben durch das Ziel, eine erkannte allgemeine Bedrohung oder einen Feind zu beseitigen, sei es eine rassische, ethnische oder religiöse Minderheit; Liberale; Kommunisten; Sozialisten; Terroristen uns so weiter.

4. Vorrang des Militärs
Selbst wenn es weitreichende inländische Probleme gibt, erhält das Militär einen überproportional großen Anteil des Staatshaushalts und die inländischen Probleme werden vernachlässigt. Soldaten und das Militär werden verherrlicht.

5. wachsender Sexismus
Die Regierungen faschistischer Länder sind fast ausschließlich von Männern beherrscht. Unter faschistischen Regimen werden traditionelle Geschlechtsrollen stärker betont. Der Widerstand gegen Abtreibung ist groß, wie auch die Homophobie wie auch gegen Homosexuelle gerichtete Gesetzgebung und staatliche Politik.

6. kontrollierte Massenmedien
Manchmal werden die Medien direkt durch die Regierung kontrolliert, aber in anderen Fällen werden die Medien indirekt durch Verordnungen der Regierung kontrolliert oder durch geistesverwandte Sprecher oder Vorstände der Medien. Zensur, insbesondere in Kriegszeiten, ist weit verbreitet.

7. Besessenheit von der nationalen Sicherheit
Angst wird als Mittel der Motivation für die Massen durch die Regierung eingesetzt.

8. Religion und Regierung sind miteinander verflochten
Regierungen faschistischer Länder neigen dazu, die gebräuchlichste Religion des Landes zu nutzen, um die öffentliche Meinung zu manipulieren. Religiöse Rhetorik und Fachsprache wird von Regierungsmitgliedern häufig genutzt, selbst wenn die Lehrsätze der Religion der Politik oder den Handlungen der Regierung genau entgegenstehen.

9. unternehmerische Macht wird geschützt
Die Aristokraten der Industrie und der Unternehmen eines faschistischen Landes sind häufig diejenigen, die den politischen Führern an die Macht geholfen haben, was zu einer beidseitig nützlichen Beziehung von Unternehmen und Regierung und einer Machtelite führt.

10. gewerkschaftliche Macht wird unterdrückt
Da die organisierende Macht der Gewerkschaften die einzige wirkliche Bedrohung für ein faschistisches Regime darstellt, werden Gewerkschaften entweder ganz ausgemerzt oder sie werden stark unterdrückt.

11. Geringschätzung Intellektueller und der Künste
Faschistische Länder neigen dazu, offene Feindschaft zu höherer Bildung und Akademien zu förden und zu tolerieren. Es ist nicht ungewöhnlich, daß Professoren oder andere Akademiker zensiert oder sogar verhaftet werden. Freier Ausdruck in der Kunst wird häufig öffentlich angegriffen und die Regierungen lehnen es häufig ab, die Künste zu fördern.

12. Besessenheit von Verbrechen und Bestrafung
Unter faschistischen Regimes wird der Polizei fast unbegrenzte Macht zur Verbrechensbekämpfung eingeräumt. Das Volk ist häufig bereit, Polizeiverbrechen zu übersehen und sogar Bürgerrechte im Namen des Patriotismus' aufzugeben. In faschistischen Ländern gibt es meistens eine landesweite Polizeieinheit mit praktisch unbegrenzter Macht.

13. wachsende Seilschaften und Korruption
Faschistische Regime werden fast immer von einer Gruppe von Freunden und Genossen regiert, die sich gegenseitig Regierungsposten zuschieben und ihre Macht und ihren Einfluß nutzen, um ihre Freunde davor schützen, zur Verantwortung gezogen zu werden. Es ist in faschistischen Regimen nicht unüblich, daß nationale Ressourcen oder sogar Schätze von den Regierungsmitgliedern angeeignet oder sogar gestohlen werden.

14. betrügerische Wahlen
Manchmal sind die Wahlen in faschistischen Ländern ein kompletter Schwindel. In anderen Fällen werden die Wahlen durch Schmutzkampagnen oder sogar die Ermordung von Oppositionskandidaten, Nutzung der Gesetzgebung um die Anzahl der Stimmberechtigten oder der Wahlbezirke zu kontrollieren, oder Beeinflußung der Medien manipuliert. Faschistische Länder nutzen auch typischerweise ihre Richterschaft, um die Wahlen zu manipulieren oder zu kontrollieren.



Aus: "Faschismus?" (2003)
Quelle: http://www.freace.de/artikel/mai2003/britt120503.html

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Quote
[...] In seiner Metapsychologie ("Das Ich und das Es" 1923) unterscheidet Freud drei Instanzen des psychischen Apparats:

    * Das Es, die naturnahe Triebinstanz,
    * das Ich, und
    * das Über-Ich

Das Über-Ich kann im Freud'schen Drei-Instanzen-Modell vereinfacht als die moralische Instanz oder auch das Gewissen angesehen werden und stellt den Gegenspieler für die elementaren Lusttriebe des ES dar. Es wird in der frühen Kindheit (bis zum 6. Lebensjahr) gebildet und enthält die (moralischen) Normen und verinnerlichten Wertvorstellungen der kulturellen Umgebung, in der das Individuum aufwächst (insbesondere die der Eltern). Das Über-Ich entsteht durch Angleichen der eigenen Person an andere, mit denen sich dieser Mensch identifiziert. Dieser Prozess wird fachsprachlich als Introjektion bezeichnet.

Wenn ein Mensch zu denken beginnt, geschieht dies bereits unter dem Einfluss des Über-Ichs, und der darin enthaltenen grundsätzlichen Wertvorstellungen. Da er diese als seine ureigenen empfindet und er seine persönliche Identität aus ihnen bezieht, kann er sich durch rationales Denken nur sehr bedingt von ihnen distanzieren oder emanzipieren.

Das Über-Ich fungiert in der menschlichen Psyche nach Freud als eine Kontrollinstanz, deren Ziel es ist, durch Selbstbeobachtung das eigene Verhalten in Übereinstimmung mit dem Idealbild zu bringen. Bei durch die Erfüllung der Lustbedürfnisse des ES bedingten Abweichungen von diesem Ideal wirkt sich das Über-Ich auf den Menschen in Form des Verspürens von Schuldgefühlen aus.


Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber-Ich (12/2007)

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Quote
[...] Ging Freud ursprünglich davon aus, dass der triebhafte Teil des Unbewussten vor allem aus „Lebenstrieben“ besteht (v.a. der Sexualität), so erweiterte er diese Annahme seit 1920 um die Theorie des Todestriebs. Demnach gehören zum Unbewussten sowohl lebensfördernde Impulse wie Sexualität und Liebe, als auch lebensverneinende Impulse wie Aggression und Zerstörungslust. Letztere verstand Freud jetzt nicht mehr nur als Reaktion auf Frustration, sondern als eigenständige, gleichsam natürliche Kraft. „Eros“ und „Thanatos“, Lebenstriebe und Todestriebe bilden nach Freuds letzter, jedoch auch heftig umstrittenen Konzeption demnach zwei gleichberechtigte Gegenpole in einem dualistischen Modell des Unbewussten bzw. des Es.


Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Es_%28Psychoanalyse%29 (12/2007)


-.-

Quote
[...] Die ES-Herrschaft bzw. die Erlaubnis des relativ unbeschränkten Auslebens von ES-Forderungen (die in Umkehrung des Freudschen Satzes proklamiert: Wo ICH war, soll ES sein) betont, daß das ICH die Stätte und die Ursache von Unsicherheit, Schuld, Angst und vor allem von eigener Verantwortung ist, so daß der individuelle Freiheitstraum immer auch ein Angsttraum ist, dem man durch Unterwerfung unter äußere Autorität entfliehen kann. Immer wieder wird der Faschismus von seinen Anhängern als Erneuerung und Befreiung, ja spezifisch psychotherapeutisch als Kur und Heilung (zum Teil der Ganzheit und Ordnung) empfunden. Das vorliegende Essay eines der bekanntesten Psychoanalytiker ist zugleich sein Vermächtnis. Er brachte es vor einigen Jahren in eine nie veröffentlichte Faschismusstudie des Instituts für Konfliktforschung, dessen Gründer er war, ein. Es gilt als Mahnung, alte Fehler nicht mehr zu wiederholen, besonders nicht dadurch, daß wir den "Faschisten in uns selbst" arroganterweise übersehen. Friedrich Hacker, Jahrgang 1914, [...] war erster Präsident der Sigmund-Freud-Gesellschaft in Wien. [...] Zeitlebens beschäftigte er sich mit den Phänomenen der Aggression und den fatalen Mechanismen von Verblendung und irregeleiteter Aktion. Er starb 1989 während einer Fernsehdiskussion über die "Republikaner". "Ich folgte der Ansicht Eike Hennings, daß eine gesamtgesellschaftliche Theorie des Faschismus ohne die Aufdeckung psychischer Vorgänge und ihrer Bezüge zu den Produktions- und Herrschaftsstrukturen nicht mehr auszukommen vermag und daß daher die in der Literatur einigermaßen vernachlässigten sozialpsychologischen Ursachenkomplexe besondere Bedeutung haben. Diese Überzeugung kommt im Kernstück dieses Essays, den zehn Kategorien des Faschismus-Syndroms, sowie in meinem Konzept des `Ich im Dienste der Regression' zum Tragen." Die in Hackers zehn Kategorien zusammengefaßten Merkmale entsprechen bestimmten Wunschvorstellungen und Sehnsüchten des Einzelnen und einem tiefempfundenen, existentiell bedeutsamen Bewußtsein eines wie auch immer gearteten Mangels. Die Ebene, auf der das Ursachengefüge für eine solche Welt- und Selbstsicht zu suchen ist, ist die psychische, ist das ICH. Daher, so Hacker, sei es nötig, auf psychoanalytische Grundbegriffe zurückzukommen, um die psychischen Konstellationen zu verdeutlichen, die zu einer Bevorzugung faschistischer "Angebote" führten. Eben das weitgefächerte faschistische Angebot gibt dem Starken oder sich stark fühlenden die Möglichkeit, diese Stärke auszutoben, und dem Schwachen die Möglichkeit, sie zu kompensieren und die Sinnsuche nach einem starken Ich zu befriedigen. Immer ist die strikte Rollenzuweisung, die zwar unbedingte Unterwerfung erfordert, aber gleichzeitig auch einen eigenen Machtbereich definiert, von entscheidender psychologischer Bedeutung, weil durch Disziplin und Hingabe scheinbar eine Aufgabe erfüllt und ein Lebenssinn gefunden werden kann.


Aus: "Beschreibung "ES oder zum ICH?" (21. März 2001) Zum Buch: "Das Faschismus- Syndrom. Analyse eines aktuellen Phänomens" von Friedrich Hacker
Quelle: http://www.amazon.de/Faschismus-Syndrom-aktuellen-Ph%C3%A4nomens-Sachbuch/dp/customer-reviews/359610775X/ref=cm_cr_dp_all_helpful/302-1322339-0524824?ie=UTF8&customer-reviews.sort%5Fby=-SubmissionDate&coliid=&showViewpoints=1&customer-reviews.start=1&colid=#customerReviews


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« Reply #40 on: December 27, 2007, 01:25:16 PM »

Quote
[...] Die russische Oppositionsbewegung von Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow hat am Mittwoch eine Website gestartet, auf der die Verfolgung politischer Aktivisten, Menschenrechtler und Journalisten dokumentiert wird. Die Betreiber, das Oppositionsbündnis Anderes Russland und die Stiftung für Toleranz in Nischni Nowgorod, erklärten, das harte Vorgehen der Behörden gegen Andersdenkende habe sich im zurückliegenden Jahr noch verschärft. Menschen würden ermordet, zusammengeschlagen, unter einem Vorwand inhaftiert oder zwangsweise in die Psychiatrie gebracht. Auch willkürliche Festnahmen und Durchsuchungen seien an der Tagesordnung.

So wird auf der Website hroniki.info unter anderem von einer Anhängerin von Anderes Russland berichtet, die im Juli gegen ihren Willen in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Daneben geht es um einen Anführer der Nationalbolschewiken, der im November von Polizisten zu Tode geprügelt worden sei. Die russischen Behörden wiesen die Vorwürfe zurück.(APA/AFP)


Aus: "Russische Opposition dokumentiert Verfolgung im Internet" (26. Dezember 2007)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=3162444

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« Reply #41 on: January 02, 2008, 09:15:36 PM »

Quote
[...] khdummy1, 2. Januar 2008 10:54


Es wirkt:


* Volksverbloedung und Desinformation
- wer gegen Ueberwachung ist, ist ein Terrorist
- gezielte Verdummung ueber die Medien
- Demokratieabbau
...

* Kurzhalten der Bevoelkerung
- wer sich um jeden Cent mit dem Zweitjob krummlegen muss, hat keine Zeit mehr fuer ungelegene Meinungen
- Hartz IV weg, wenn man's Maul aufmacht
- ruinoese Geldstrafen wegen jedem Scheiss

* Verbreitung von Angst
- Bundeswehr im Inneren
- Abschuss von Passagierflugzeugen
- Rasterfahndung per Kredikatenfilter
- Kameras ueberall
- Speicherung der Kommunikationsdaten, sodass jeder befuerchten muss, bei der naechsten Saeuberungsaktion wegen <<Nichts>> dranzukommen
- Guantanamo fuer Kinder [Bootcamps] (statt Perspektiven)
- fanatische, religioese Fuehrer mit Atomwaffen (G.W. Bush)
- schwarze Polizeiuniformen (wann noch in Leder?)
- Hausdurchsuchungen im Morgengrauen (weil die Kinder mp3-Dateien geklaut haben sollen) u.v.m.

Die Buerger haben bereits schlichtweg Angst, denn sie haben etwas zu
verlieren - gegenwaertig ist es das liebe Geld, morgen wird es die
Freiheit sein und uebermorgen geht es an Gesundheit und Leben.

Kein Witz: viele derjenigen, die gestern noch <<nichts zu verbergen>>
hatten, scheuen sich heute bereits, sorglos bestimmte Internetseiten
aufzusuchen: <<Backtrack? Ist das nicht illegal?>> <<Iranische Botschaft? Lieber nicht!>> *** Mach das und dieses, lade noch jenes herunter, dann geht's. *** <<Darf man das denn?>> <<Tor-Server?! Viel zu gefaehrlich!>>

Das sind die Leute, die noch vor einem halben Jahr genervt die Augen verdreht haben, wenn ich sie auf den Wahnsinn angesprochen habe, der durch Subjekte wie z.B. Schaeuble und Zierke inszeniert wird. Und das Schlimmste: sie haben es noch nicht 'mal realisiert, nehmen es hin und sind weiter <<brav>> und obrigkeitshoerig, indem sie peinlichst darauf achten, _Herrn_ Schaeuble und seinen Schergen bloss nicht aufzufallen - sie koennten ja in die Muehlen der oeffentlichen
und privaten (GVU, Abmahner) Strafverfolger geraten und Federn (respektive Geld) lassen...

Das neue Unrechts-, Unterdrueckungs- und Kontrollsystem ist viel weiter, als gemeinhin angenommen wird, nur merkt es keiner so richtig...

...

Quote
2. Januar 2008 12:57
Re: Es wirkt:
ramarama1, ramarama1@gmx.de (110 Beiträge seit 09.01.05)

Blödsinn !
So extrem ist es auch wieder nicht. Denk dran, daß ein bestimmter
Prozentsatz der Bevölkerung schlau ist und Zeit hat (Studenten) Diese
werden schon die entsprechenden Tools entwickeln und Tricks erfinden,
wie man das eine oder andere Umgehen kann. Über Computerzeitschriften
wird dieses Wissen an die Bevölkerung transportiert. Bis auch der
letzte Bildzeitungsleser weiß, wie man den DVD Kopierschutz umgeht !

Wenn es ans Geld geht, werden die Leute erfinderisch. Da fragt man
doch schnell den Nachbarn, den Freund, den Sportskameraden, wie man
das oder jenes "umgehen" kann.


Quote
2. Januar 2008 13:12
Re: Es wirkt:
khdummy1 (446 Beiträge seit 02.06.04)

[...]

Sorry, aber Deine Argumentation ist so ziemlich das Bloedeste, mit
dem man seine Bequemlichkeit und Unzulaenglichkeit entschuldigen
kann...


Quote
2. Januar 2008 13:42
Re: Es wirkt:
auswanderer2000 (254 Beiträge seit 21.05.07)

nicht zu vergessen: Bewegungsprofile.

- Bei Mobiltelefonaten wird der Ort zu Beginn des Anrufs gespeichert
- automatischer Scan und Abgleich von Fahrzeugkennzeichen
- IP abgleich bei webmail login
- Kreditkartennutzung

etc. pp

Es wird so viel Datenmaterial angesammelt, dass man praktisch _jedem_
etwas unterschieben kann, wenn nur gewollt.

Quote
2. Januar 2008 14:26
Re: Es wirkt:
dajm (24 Beiträge seit 16.05.07)

Falsch ! Man kann theoretisch zu jedem ein Bewegungsprofil erstellen.
Praktisch gesehen wird keiner diese abrufen wollen, wenn nicht ein
bestimmtes Interesse vorliegt. Glaubst Du, die Beamten beim BKA haben
nichts zu tun ?
Da kommen offizielle Anfragen, und daraufhin wird eine Abfrage
gestartet. Mehr nicht. Bei diesen Datenmengen sieht man den Wald vor
lauter Bäumen sowieso nicht. Schon mal mit einem DBA gesprochen, der
für mehrere TB verantwortlich ist ? Für den ist es auch egal, ob
Äpfel oder Birnen gespeichert werden...

Immer diese Panikmache...

Viel schlimmer als beim Staat sind meine Daten bei den
Adressmarketingfirmen aufgehoben. Die stellen wirklich Blödsinn mit
meinen Daten an...

auswanderer2000 schrieb am 2. Januar 2008 13:42

Quote
2. Januar 2008 14:39
Re: Es wirkt:
khdummy1 (447 Beiträge seit 02.06.04)

<<Praktisch gesehen wird keiner diese abrufen wollen, wenn nicht ein
bestimmtes Interesse vorliegt.>>

Das Interesse liegt vor - die Contentindustrie hat's bereits
angemeldet...

Und solange schraege Voegel wir Schaeuble und Mr. Bush ungestraft ihr
Unwesen treiben duerfen, muss jeder Angst haben, dass in den
naechsten paar Sekunden jedes denkbare Interesse aus dem Hut springt.

Wie hoert sich Schaeuble zwischen den Zeilen an? Wer nicht fuer mich
ist, ist gegen mich!
Da lassen sich auch Straflager fuer Kinder und Jugendliche sehr
schoen zur Umerziehung nutzen.

Wenn Du's nicht wahrhaben willst: z.B. Tollcollect.


Quote
2. Januar 2008 15:56
Re: Es wirkt:
jilse (mehr als 1000 Beiträge seit 11.11.04)

dajm schrieb am 2. Januar 2008 14:26
> Immer diese Panikmache...

Ist es (leider) nicht ...

> Viel schlimmer als beim Staat sind meine Daten bei den
> Adressmarketingfirmen aufgehoben. Die stellen wirklich Blödsinn mit
> meinen Daten an...

Die "Anti-Terror-Gesetze" waren noch nicht verabschiedet,
da tauchten bereits Ueberlegungen ueber die "wirtschaft-
liche Nutzung der Daten" in den Diskussionen auf. Wie lange
wird es wohl dauern, bis nicht nur Ueberlegungen sondern
auch (zumindest teilweise) Umsetzungen dieser Ueberlegungen
in die Praxis implementiert werden, wenn wir uns nicht recht-
zeitig gegen die *Datenerhebung* (und nicht erst gegen die
Datennutzung) wehren?

Auch wenn unsere Politiker damit ein Problem mit der Einsicht
zu haben scheinen: Datenschutz beginnt bereits damit, dass
keine Daten erhoben werden und nicht erst mit der Vermeidung
des Missbrauchs der gesammelten Daten.








Kommentar zu: "Demonstrationen zum Jahresende gegen Vorratsdatenspeicherung" (02.01.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=14150933&forum_id=129622



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« Reply #42 on: January 04, 2008, 12:05:32 PM »

...Dieser schweigenden Mehrheit will ich hier eine Stimme geben.

-.-

...gar einer bereits vorhandenen "schweigenden Mehrheit" Stimme zu verleihen.

-.-

...zur schweigenden Mehrheit zu gehören.

-.-

Die Simulation der Politik... Der einzige noch funktionierende Referent ist der der schweigenden Mehrheit.

-.-

Während sich Populisten als einzig authentische Vertreter der "schweigenden Mehrheit" betrachten, wird...

-.-

die von der schweigenden Mehrheit widerstandslos hingenommen wird und stets...

-.-

die Stimme der schweigenden Mehrheit zu sein und alles unternimmt, um eine möglichst breite und...

-.-

...welche vorgeben, der „schweigenden Mehrheit" eine Stimme zu verleihen.

-.-

Sorgen und Nöte der «schweigenden Mehrheit» zu artikulieren und die...

-.-

Dieser Historikerstreit der schweigenden Mehrheit macht eines deutlich: Zur offensichtlich...

-.-

damals scheiterte diese Republik letztendlich an der schweigenden Mehrheit des Volkes...

-.-

bewusst das Bild einer Frontstellung zwischen der 'schweigenden Mehrheit' der Bevölkerung...

-.-

Trotz des vorgeschobenen Impetus, eine "Politik des Herzens" zu verkörpern, ... Sorgen und Nöte der "schweigenden Mehrheit" zu artikulieren und die...

-.-

Aus dem Vokabular der Anpassung. ...Berichte von Kindern der Schweigenden Mehrheit.

-.-

Dann sagt er: "Oft wird die Politik von den Jugendlichen für abstrakt und ... viel öfter das Gespräch mit der unpolitischen, schweigenden Mehrheit suchen!...

-.-

dass die Generation der 68er, von der schweigenden Mehrheit aufgezogen und keine...

-.-

...verdanken die Glaubenkrieger jedenfalls der unpolitischen „schweigenden Mehrheit“.

-.-

Populismus bezeichnet eine Politik, die sich volksnah gibt, die Emotionen, ..... eines homogenisierten Volkswillens, bzw. der "schweigenden" Mehrheit...

-.-

Es ist doch schlicht das Problem der schweigenden Mehrheit, wenn Entscheide ... Ich denke viele Leute stimmen nicht ab, weil Politik sie nicht interessiert...

-.-

Der »schweigenden Mehrheit« ihre Stimme wiederzugeben, ist in der Tat die ... Menschen ernst nimmt und in Politik umsetzt, der praktiziert Volksherrschaft...

-.-

Von den Sorgen der „schweigenden Mehrheit“ hätten sie keine Ahnung...

-.-

fast immer an die öffentliche Meinung gekoppelt ... Bilder vom Stammtisch oder von der "schweigenden Mehrheit" benutzt....

-.-

sich dabei als Vertreter des kleinen Mannes, der schweigenden Mehrheit...

-.-

Ausschreitungen und der schweigenden Mehrheit der Einwanderer in den Banlieue unterscheidet...

-.-

Als „Stimme der schweigenden Mehrheit“ wollen sie dort agieren. ... Parlament als Bühne missbrauchen, sondern sachbezogene Politik machen, versicherte er....

-.-

Denn die Opfer von einst halten der schweigenden Mehrheit einen Spiegel vor....

-.-

Neben der „gemäßigten schweigenden Mehrheit“ der Klimaforscher gibt es zwei Fronten...

-.-

... sich als Stimme der "schweigenden Mehrheit" zu inszenieren.

-.-

...wie die zahlreichen positiven Rückmeldungen zeigten: "Ich bin ein akzeptierter Sprecher einer schweigenden Mehrheit", sagt Koch.

-.-

Die vielen Erscheinungsformen des Exzessiven verlangten der daran unbeteiligten schweigenden Mehrheit große Akzeptanz ab.

-.-

1968 wird er im Höhepunkt der Auseinandersetzungen um den Vietnam-Krieg zum Präsidenten gewählt, macht sich zur Stimme der sog. „schweigenden Mehrheit“, flucht auf die nichtsnutzigen Intellektuellen, die gegen den Vietnam-Krieg demonstrieren und hat auch nichts dagegen...


etc.

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« Reply #43 on: May 05, 2008, 10:08:00 AM »

Quote
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Der Mensch ist nun mal ein Raubaffe.
bildschnitzer, vor 1 Stunde, 10 Minuten

[...] Waffen sind Werkzeuge der Machtausübung. Machtausübung ist wesentlicher Teil des Menschlichen Sozialgefüges. Waffen setzen beim Selbsterhaltungstrieb an. Es ist immer noch schöner, einem Idioten zu dienen, als von ihm getötet zu werden. Der Fortpflanzungstrieb ist beim Menschen in der Regel ein bisschen schwächer als der Selbsterhaltungstrieb. Alle Machtsysteme, die auf Sex basieren, halten leider nicht so gut, wie die Todesdrohungsnetzwerke.

Quote
ferrum, vor 59 Minuten
Du unterschätzt die Bonobos :) Letztlich ist deren Sexualverhalten nichts anderes als ein Werkzeug zur Machtausübung und dient der Klarstellung der Rangordnung innerhalb der Herde. Also gleiche Taktik bei zwangsläufig anderer Wahl der Mittel.



Aus Kommentaren zu: "Die Chip-Paranoia der US-Militärs" [05.05.2008, futurezone | Erich Moechel]
Quelle: http://futurezone.orf.at/hardcore/stories/275573/

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« Reply #44 on: May 20, 2008, 02:14:08 PM »

Quote
[...] Unter der dünnen Schicht aus Intellekt, Bildung und Gediegenheit regieren archaische Reflexe. Im vertrauten Kreis spricht so mancher Vorstand gern mal davon, wen er gerade "enteiert" hat, wen er für einen "Schwächling" oder einen "Wichser" hält. Kein Wunder: Was sind schon ein paar Jahrhunderte abendländische Zivilisation gegen unser Millionen Jahre altes Erbe? Immer ging es um das "Überleben des Tüchtigsten" (Charles Darwin). Noch im Mittelalter kämpften die Herrscher selbst auf dem Schlachtfeld. Sie wateten tatsächlich im Blut ihrer Feinde, mussten körperliche Stärke und Brutalität demonstrieren.

[...]  Psychoanalytiker glauben zu wissen, was hinter dem Willen zur Macht steckt: die nackte Angst. Karrieristen, orakelt der altlinke Volkspsychiater Horst-Eberhard Richter, "leiden unter maßlos gesteigerten Befürchtungen, gedemütigt und kleingemacht zu werden. Nur wenn sie eine Gruppe von oben kontrollieren können, fühlen sie sich einigermaßen sicher, dass sie von den anderen nicht kaputtgemacht werden". Vorstandsvorsitzende, sagt der Wirtschaftsethiker Birger P. Priddat von der Uni Witten Herdecke, seien "keine Abziehbilder einer besonderen Spezies. Ob die Besten oder Skrupellosesten nach oben kommen, hängt vom Umfeld ab".

Offensichtlich ist, dass es im kapitalistischen Ausleseprozess bevorzugt harte Burschen an die Spitze schaffen. Immer wachsam. Ständig kampfbereit. Leute wie VW-Chef Ferdinand Piech. Der ist dafür bekannt, dass er unter seinen Untertanen Angst verbreitet Mit leiser Stimme und stechendem Blick versprüht er einen eisigen Klaus-Kinski-Charme. "Sei unnachsichtig und - wenn nötig - ungerecht", raten die Unternehmensberater Wolfgang Schur und Günter Weick in ihrem Buch "Wahnsinnskarriere": "Wenn Sie im Management weiterkommen wollen, müssen Sie sich angewöhnen, schwarzweiß zu sehen und zu denken. Und entsprechend zu handeln." Freunde, Feinde - fertig.

[...]

 Henrik Müller/Ulric Papendick
Mitarbeit: Beate Flemming, Stefan Schmitz, Regina Weitz
STERN 16/2000


-.-----------



[...]  Eine raffinierte Managementmethode haben Forscher vom Affengehege im holländischen Arnheim in ihrer Schimpansenherde beobachtet Lange wurde die Gruppe von zwei Männchen angeführt - Nikltie und Yeroen -, obwohl eigentlich Luit der Kräftigste war. Solange das Duo zusammenhielt, konnte es den ehrgeizigen Luit in Schach halten. Ständig hockte das Team dicht beieinander, um zu demonstrieren: Zwischen uns passt kein Blatt. Aber natürlich wollte jeder der alleinige Chef sein, und so gingen sie aufeinander los. Beide wurden nur leicht verletzt. Doch am nächsten Tag schon führte Luit die Geschäfte.

In Freiheit hätten Nikkie und Yeroen ihre Magnetkarte für die Tiefgarage abgeben und verschwinden müssen. Doch hier konnten sie nicht kündigen. Sie wurden degradiert. Von den früher bereitwilligen Weibchen wurden sie nun auf die Bäume gejagt. Heimlich schmiedeten Nikkie und Yeroen Rachepläne. Eines Nachts griffen sie Luit an. Zu zweit und im Schlaf. Luits Niederlage war total. Nikkie und Yeroen hatten ihm die Hoden abgebissen. No balls - ein enteierter Chef. Wenig später starb Luit. Nikkie und Yeroen nahmen wieder auf dem Chefsessel Platz.

Walter Wüllenweber, STERN 16/2000


-.------------


Das Tier im Menschen kann nicht ausgerottet werden.
Daher muß diesem Tier ins Auge gesehen
und mit ihm gelebt werden.

Sigmund Freud, Arzt (1856-1939)


Aus: " Das Tier im Global Player - Ursachen des Machtstrebens im Business" (16.07.2004)
http://www.humanistische-aktion.homepage.t-online.de/gloplay.htm

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