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[Aspekte von Macht... ]

Started by Textaris(txt*bot), October 17, 2005, 01:43:27 PM

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Textaris(txt*bot)




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Quote[...] Mit ius primae noctis (lateinisch ,,Recht der ersten Nacht"; auch Jus primae Noctis; auf französisch droit de seigneur) wird das Recht eines Gerichtsherren bezeichnet, bei der Heirat von Personen, die seiner Herrschaft unterstehen, die erste Nacht mit der Braut zu verbringen. ...


http://de.wikipedia.org/wiki/Ius_primae_noctis (17. Januar 2011)

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Quote[...] [Thomas Kielinger]: Lassen Sie mich mit Lord Actons berühmten Zitat beginnen: "Alle Macht tendiert dahin, zu korrumpieren; absolute Macht korrumpiert absolut." Gibt es für den Politiker kein Entrinnen aus dieser Falle?

[Außenminister und Arzt] Lord Owen: Bertrand Russel schrieb einmal von der "Trunkenheit durch Macht". Ich denke, dass es hier beileibe nicht nur um Politik und Politiker geht. Vielmehr können auch Unternehmensvorstände dem Hybris-Syndrom, wie ich es nenne, verfallen, wenn nicht sogar noch stärker als Politiker; ich spreche als jemand, der Erfahrung mit Aufsichtsräten hat. [...] Churchill kannte Zweifel, es war bei ihm nicht nur so ein ununterbrochener Strom von Selbstgewissheit. Wie kommt es, dass einige Politiker die Warnung vor dem Zu weit und Zu viel mit sich tragen, andere aber nicht? Ich spüre einem Syndrom nach, das sich im Laufe langer Amtszeiten aufbaut, wenn der Betroffene die Ebene natürlicher Zuversicht in seine Fähigkeiten verlässt und sich äußerster Zuversicht, nicht mehr hinterfragt, hingibt. [...] Ich schreibe gerade an einem Artikel für eine medizinische Zeitschrift, zusammen mit einem amerikanischen Fachmann der neurologischen Psychiatrie, wo wir versuchen, "hybris Syndrom" unter "personality disorder" zu rubrizieren, also Krankheiten der narzisstischen Persönlichkeit. Es ist eine Frage der medizinischen Diagnose, die man nur mit größter Vorsicht angehen kann. [...] Haben nicht viele von uns den Hang zur Hybris? Ich bin einmal als Megalomane betitelt worden, denken Sie nur.



Aus: ""Bush und Blair haben die Demokratie beschädigt"" (31. Oktober 2008)
Der ehemalige Außenminister und Arzt Lord Owen über sein Buch zur politischen Hybris
Quelle: http://www.welt.de/welt_print/article2653256/Bush-und-Blair-haben-die-Demokratie-beschaedigt.html

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QuoteSekt fault,  25. Februar 2009 13:28

Das Misstrauen jeglicher Macht gegenüber gehört zu den Konstruktionsprinzipien der Demokratie. ...


Aus: "Europäischer Gerichtshof soll Vorratsdatenspeicherung erneut prüfen"
Von Stefan Krempl, pmz/c't, (24.02.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Europaeischer-Gerichtshof-soll-Vorratsdatenspeicherung-erneut-pruefen--/meldung/133472

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Quote[...] Wolfram Pyta [ging] der Frage nach, warum sich der Diktator so lange an der Macht halten konnte. Dabei rückt er Hitlers Wirkung auf seine Generäle und die deutsche Bevölkerung besonders in den Fokus. ... Wolfram Pytas Herrschaftsanalyse macht zweierlei deutlich: wie ein militärischer Parvenü und Dilettant die stärkste Armee der Welt in den Untergang führte. Und: wie verheerend sich der Führerkult im Denken und Fühlen der Deutschen auswirkte. Pytas Darstellung breitet wohl keine wirklich neuen Fakten aus. Aber sie macht auf eine unbekannte Art bewusst, welch emotionaler Abgrund hinter der braunen Barbarei steckte – und wie tief diese Barbarei sich im Innersten vieler Deutscher verankert hatte: ,,Geniegläubige verschreiben sich mit Leib und Seele der vermeintlich unerreichten Schöpferkraft ihres Abgotts. Die hingebungsvolle Unterwerfung unter das Genie ist kein serviler Akt erzwungener Untertänigkeit – sondern die extremste Form selbst gewählter Entmündigung."

Wolfram Pyta: Hitler: Der Künstler als Politiker und Feldherr. Eine Herrschaftsanalyse. Siedler Verlag, München 2015, 848 Seiten, 39.99 Euro.


Aus: "Hitlers Macht – Wie kam es zum Führerkult?" Michael Kuhlmann (18.05.2015)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/geschichtliche-analyse-hitlers-macht-wie-kam-es-zum-100.html

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Quote[...] Konzentration der Macht - Eine Gewaltenteilung gibt es in der Diktatur nicht, so dass die Macht des Diktators, sei es eine einzelne Person oder eine Gruppe, nicht beschränkt werden kann. Der Diktator kontrolliert die traditionellen staatlichen Zwangsmittel selbst: Militär, Justiz, Polizei, und staatliche Behörden. Das Militär wird nicht vom Parlament kontrolliert, sondern vom Diktator, und kann nicht nur zur Landesverteidigung eingesetzt werden, sondern auch im Inneren gegen eine zu Staatsfeinden erklärten Opposition. Die Justiz kann nicht mehr unabhängig urteilen, sondern folgt diktatorischer Gesetzgebung oder direkten Weisungen.

Im geschichtlichen Rückblick zeigt sich, dass diese Zwangsmittel oft nicht zum Machterhalt ausreichen und daher weitere Bereiche der Gesellschaft kontrolliert werden müssen. Die Diktatur unterwirft dann auch die wirtschaftlichen Einrichtungen, das Erziehungswesen, Presse und Medien sowie die Kommunikationsmittel wie Nachrichten- und Datenverkehr. Diese erweiterte Form der Diktatur wird totalitäre Diktatur genannt. Die einfachere Form wird auch autoritäre Diktatur genannt. Die autoritäre Diktatur lässt dem Einzelnen noch Freiräume, wie zum Beispiel die Ausübung der Religion. Die totalitäre Diktatur dagegen versucht, den Einzelnen völlig in Anspruch zu nehmen.

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Aus: "Konzentration der Macht" (10/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Diktatur#Konzentration_der_Macht


Textaris(txt*bot)

#1
Quote[....] ,,Wer die Regierung kritisiert, verliert seinen Job."


Aus: "Istanbul: ,,Wer die Regierung Erdogans kritisiert, verliert seinen Job"" Christoph Forsthoff (08.11.2017)
Quelle: http://www.swp.de/heidenheim/nachrichten/kultur/_wer-die-regierung-erdogans-kritisiert_-verliert-seinen-job_-20546447.html

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Quote[...] In Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine sind sowohl die politischen Eliten als auch die Beamten keinesfalls stimmlose, unschuldige Opfer, sondern vielmehr willfährige Handlanger, und ein nicht unwesentlicher Teil der außen- und sicherheitspolitischen Elite darüber hinaus auch aktiver Nutznießer aktueller Entwicklungen. ...

Aus: "Wie denkt der Machtapparat Putins? Analyse einer Rede von Sergej Kirijenko" Alexander Dubowy (16.12.2022)
Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/wie-denkt-der-machtapparat-putins-eine-analyse-einer-rede-von-sergej-kirienko-li.298363

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Quote[...] ZEIT Campus: Herr Professor Chomsky, Sie sind nicht nur einer der meistzitierten Wissenschaftler der Welt, Sie sind seit 45 Jahren politischer Aktivist. Wenn man sich die Politik heute anschaut, muss man sich fragen: Können »public intellectuals« wie Sie überhaupt etwas erreichen?

Noam Chomsky: Wie kommen Sie auf diese Frage?

ZEIT Campus: Es ist Krieg in Afghanistan, die Welt leidet an den Folgen der Wirtschaftskrise, die soziale Schere geht immer weiter auseinander...

Chomsky: Das Problem ist einfach: Die allermeisten Intellektuellen sind Diener der Macht. Sie beraten Regierungen, sie nennen sich Experten, sie streben nach Prestige, übrigens nicht nur heute, sondern seit Jahrhunderten. ...

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Aus: ""Studenten sollen Anarchisten werden"" Von Manuel J. Hartung | Gabriel Wollner (14.6.2011)
Quelle: http://www.zeit.de/campus/2011/04/sprechstunde-chomsky


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Quote"Mich fasziniert Macht, die Physik der Macht und die Paranoia der Macht. Das Bedürfnis nach Macht existiert, weil es ein Ersatz für die Seele ist." - Dustin Hoffman


Quelle: http://de.wikiquote.org/wiki/Paranoia (Quelle nicht mehr gültig bzw. abrufbar / Notiz 08/2009)


Textaris(txt*bot)

#2
Quote[...] Joseph Nye: Von ihm stammt das Modell der weichen Macht (soft power). Dieses Konzept bezeichnet die Fähigkeit, einen Akteur durch bestimmte (meist immaterielle) Mittel dahingehend zu beeinflussen, dass er identische Ziele und Bestrebungen entwickelt, wie der handelnde Akteur sie selbst besitzt. Die Mittel, einen anderen Akteur dazu zu bewegen dasselbe zu wollen, was man selbst will, wird als Soft power ressources bezeichnet. Sie sind die Quelle der Macht. (vgl. "Wen man nicht zum Feinde haben will, den soll man sich zum Freunde machen", auch wenn der Spruch etwas abgewandelt ist). Soft power ist zusammengefasst eine Machtkonzeption, die sich aus positioneller, relationaler und struktureller Macht addiert.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Macht (07.2006)

Textaris(txt*bot)

#3
QuoteUnterwürfigkeit bezeichnet ein Sozialverhalten aus Eigennutz und Selbstschutz, zum Beispiel die (übertriebene) Unterordnung unter Vorgesetzte, "Katzbuckeln" und Schmeichelei. Eine Variante der Unterwürfigkeit ist ein vorauseilender Gehorsam. Er gehört wie die mangelnde Zivilcourage zu den Voraussetzungen totalitärer Systeme.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Unterw%C3%BCrfigkeit (11.07.2006)

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Quote[...] Der Untertan ist eine Verfilmung der DEFA des gleichnamigen Romans von Heinrich Mann aus dem Jahr 1951 von Regisseur Wolfgang Staudte. ... Staudte sagte zur Botschaft seines Films: ,,Ich will die Bereitschaft gewisser Menschen um 1900 zeigen, die über zwei Weltkriege hinweg zum Zusammenbruch Deutschlands im Jahre 1945 führte. Es soll eine Weiterführung meiner Anklage gegen diese Kreise und eine Warnung vor diesen Menschen sein, wie ich es schon in dem Film ,Die Mörder sind unter uns' ausdrücken wollte." ... In der ganzen Welt erhielt der Film hohe Anerkennung. In der Bundesrepublik Deutschland unterlag er der Filmzensur, und seine Aufführung wurde sechs Jahre lang verboten. Den Film betrachtete man als Angriff auf die Bundesrepublik, in der viele Ansätze eines erneuten Untertanenstaates sahen. Der Interministerielle Ausschuß für Ost-West-Filmfragen, die für die Filmeinfuhr hauptverantwortliche Stelle, untersagte die Veröffentlichung aufgrund § 93 des StGB, der Herstellung von verfassungsfeindlichen Publikationen verbot. 1956 kam es dennoch zu einer einmaligen Aufführung in Westberlin. Nach einer erneuten Prüfung wurde der Film in einer um zwölf Minuten gekürzten Version und einem die Grundaussage des Films umkehrenden Vorspruch im November 1956 freigegeben.[6][7] Dennoch wurde er im Januar 1957 erneut durch die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) verboten. Die endgültige Freigabe der gekürzten Fassung erfolgte im Februar 1957. Allerdings wurde dem um zwölf Minuten gekürzten Film auch jetzt noch ein Text vorangestellt, der den dargestellten Fall ausdrücklich als Einzelbeispiel kennzeichnete.[8] Diese Version wurde am 8. März 1957 in der Bundesrepublik erstaufgeführt.[9]

Die Erstausstrahlung im Fernsehen erfolgte in der DDR im September 1954, in der Bundesrepublik im Dezember 1969 (im Bayerischen Rundfunk). Eine ungekürzte Fassung bekam man in der BRD allerdings erst 1971 zu sehen.

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Aus: "Der Untertan (Film)" (28. August 2021)
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Untertan_(Film)

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Quote[...] Luiz Heinrich Mann (* 27. März 1871 in Lübeck; † 11. März 1950 in Santa Monica, Kalifornien) war ein deutscher Schriftsteller aus der Familie Mann. Er war der ältere Bruder von Thomas Mann ... Mann analysierte in den folgenden Werken die autoritären Strukturen des Deutschen Kaiserreichs im Zeitalter des Wilhelminismus. Resultat waren zunächst u. a. die Gesellschaftssatire Professor Unrat, aber auch drei Romane, die heute als die Kaiserreich-Trilogie (Der Untertan, Die Armen, Der Kopf) bekannt sind ...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Mann ( 5. Dezember 2021)

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Textaris(txt*bot)

#4
Quote[...] Als vorauseilenden Gehorsam bezeichnet man die freiwillige Vorwegnahme vermuteten erwünschten Verhaltens im Rahmen gruppendynamischer Prozesse (Gruppenzwang). Eine Gehorsamsleistung wird dann nicht als Resultat von sozialem Druck erbracht, sondern um diesem Druck von vorn herein zu entgehen.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Vorauseilender_Gehorsam (11.07.2006)

Textaris(txt*bot)

#5
QuoteGruppenzwang oder Konformitätsdruck ist Auslöser für eine Veränderung des Verhaltens oder der Einstellung einer einzelnen Person aufgrund des Drucks einer Gruppe. Häufig zeigt die Person betreffende Verhaltensweisen nur innerhalb der Gruppe.

[...] Personen verhalten sich konform mit Gruppen, da sie bei anderen einen erwünschten Eindruck hinterlassen wollen. Viele Menschen fühlen sich unwohl oder unsicher, wenn sie andere Meinungen als die Gruppenmehrheit vertreten. Sie meinen, damit bei anderen Gruppenmitglieder Antipathie und Abneigung hervorzurufen. Der Normative Einfluss bedeutet also, dass Personen sich konform verhalten, um von anderen Menschen als sympathisch beurteilt zu werden.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gruppenzwang (11.07.2006)


Textaris(txt*bot)

#6
Quote[...] »In dem Augenblick, in dem man sich klar geworden ist, daß alle menschliche Erkenntnis, alle menschliche Existenz, alles menschliche Leben und vielleicht das ganze biologische Erbe des Menschen, in Strukturen eingebettet ist, d.h. in eine formale Gesamtheit von Elementen, die beschreibbaren Relationen unterworfen sind, hört der Mensch sozusagen auf, das Subjekt seiner selbst zu sein, zugleich Subjekt und Objekt zu sein. Man entdeckt, daß das, was den Menschen möglich macht, ein Ensemble von Strukturen ist, die er zwar denken und beschreiben kann, deren Subjekt, deren souveränes Bewußtsein er jedoch nicht ist.« (Foucault 1987, S.14f)

Nach Foucault sind es also spezifische Strukturen, die die Subjekte, ihr Denken, Fühlen und Handeln und die damit verbundene Identität erzeugen. Das bedeutet zum einen, daß die Vorstellungen von einem autonomen vorgängigen Subjekt, von abstrakt unabhängigem Denken und freiem Willen, Fiktionen sind.

Diese Hirngespinste sind Kennzeichen vornehmlich der bürgerlichen Welt. Im Gegensatz dazu etwa sah sich die Bevölkerung traditioneller agrarischer bzw. feudaler Gesellschaften - ob nun Bauersleute, KönigInnen oder Pfaffen -, als mehr oder weniger blinde Werkzeuge der Götter bzw. des einen Gottes. Andererseits aber ist dieses moderne Individuum, das sich so selbstbestimmt dünkt und wahrnimmt, geschichtlich produzierte Realität. Es sind dies real existierende Subjekte, die jedes Gegenüber und sich selbst als Objekt behandeln, die die Strukturen der Moderne bewußtlos hervorbringen und bewohnen.

Daß diese vermeintlich autonomen Subjekte zudem strukturell männlich sind (vgl Butler 1991), dazu sagt Foucault relativ wenig bzw. bestimmt er dies nicht durchgängig als grundlegendes Prinzip der bürgerlichen Gesellschaft. Die Analyse von Macht nimmt eine zentrale Stelle in Foucaults Forschungen ein, denn es sind für ihn die entsprechenden Machttechniken, die der »Formung des modernen Individuums sowohl zum Subjekt als auch zum Objekt« (Dreyfus/Rabinow 1987, S.149) zugrunde liegen. Er versteht Macht als Namen, »den man einer komplexen strategischen Situation in einer Gesellschaft gibt« (Foucault 1977, S.114).

Insofern ist ihm Macht kein unveränderliches, ontologisches Prinzip, sondern er richtet seine Aufmerksamkeit auf den historischen Wandel, dem sie unterliegt. Foucault spricht nicht von ,,der" Macht schlechthin; irgendwo letztbegründet, von wo aus sie ihre Wirkungen entfalten würde. Es gibt keinen punktuellen Ursprung einer zeitlos gedachten Macht, sondern es gilt die verschiedenen historischen Problemlagen zu erfassen, die mit dem Auftauchen spezifischer Machtformen bzw. - techniken verbunden sind.

[...] Die foucaultsche Machtanalyse stellt sich damit quer zu üblichen Machttheorien, die von einer Unterdrückung des Menschen ausgehen, die ausschließlich von "oben" nach "unten" verläuft und so nur negativ wirkt. In diesen Repressionstheorien fungiert das Subjekt einerseits als Ausgangspunkt und selbstbewußter Träger, andererseits als Widerpart der Macht. Am Beispiel der These von der Unterdrückung der Sexualität wäre dieser Widerpart ein Subjekt, welches sich durch eine vermeintlich ursprüngliche, "natürliche" Sexualität auszeichnet; die bekannten "Triebe" etwa, die dann angeblich von den sogenannten "Herrschenden", aus Gründen des Eigennutzes oder zwecks Machtstreben, unterdrückt würden (vgl. etwa Reich 1972).

[...] »Die[se] Macht ist nicht als ein massives und homogenes Phänomen der Herrschaft eines Individuums über andere, einer Gruppe über andere, ... aufzufassen, ... Die Macht funktioniert und wird ausgeübt über eine netzförmige Organisation. Und die Individuen zirkulieren nicht nur in ihren Maschen, sondern sind auch stets in einer Position, in der sie diese Macht zugleich erfahren und ausüben; sie sind niemals die unbewegliche Zielscheibe dieser Macht, sie sind stets ihre Verbindungselemente. Mit anderen Worten: die Macht wird nicht auf die Individuen angewandt, sie geht durch sie hindurch. Es gilt also nicht, das Individuum als eine Art elementaren Kern, primitives Atom, als vielfältige und träge Materie aufzufassen, auf die die Macht angewandt oder treffen würde, eine Macht, die die Individuen unterwerfen oder zerbrechen würde. Tatsächlich ist das, was bewirkt, daß ein Körper, daß Gesten, Diskurse, Wünsche als Individuum identifiziert und konstituiert werden, bereits eine erste Wirkung der Macht. Das Individuum ist also nicht das Gegenüber der Macht; ... Das Individuum ist eine Wirkung der Macht und gleichzeitig - oder genau insofern es eine ihrer Wirkungen ist - ihr verbindendes Element. Die Macht geht durch das Individuum, das sie konstituiert hat, hindurch.« (ebd., S.82f)

[...]  »Die Wahrheit ist von dieser Welt; in dieser wird sie aufgrund vielfältiger Zwänge produziert, verfügt sie über geregelte Machtwirkungen. Jede Gesellschaft hat ihre eigene Ordnung der Wahrheit, ihre "allgemeine Politik" der Wahrheit: d.h. sie akzeptiert bestimmte Diskurse, die sie als wahre Diskurse funktionieren läßt; es gibt Mechanismen und Instanzen, die eine Unterscheidung von wahren und falschen Aussagen ermöglichen und den Modus festlegen, in dem die einen oder anderen sanktioniert werden; es gibt bevorzugte Techniken und Verfahren zur Wahrheitsfindung;« (ebd., S.51)

Foucault versteht unter Wahrheit also nicht Sachverhalte oder Zustände, die zu entdecken und als ewige, übergeschichtliche Wahrheiten zu akzeptieren wären. Solche Wahrheiten gibt es für ihn nicht. Vielmehr richtet sich sein Interesse auf »das Ensemble der Regeln, nach denen das Wahre vom Falschen geschieden und das Wahre mit spezifischen Machtwirkungen ausgestattet wird« (ebd., S.53). Die Wahrheit ist in der bürgerlichen Gesellschaft »um die Form des wissenschaftlichen Diskurses und die Institutionen, die ihn produzieren, zentriert« (ebd., S.52).



Bruchstuecke aus: "Michel Foucaults Analytik des modernen Subjekts" (Autor (?); Papiertiger Archive; Datum (?))
Quelle: http://archivtiger.de/Jedi/FOUCAU3.htm


lemonhorse

#7
Quote[...] In der Verhandlung am Dienstagmittag verurteilte eine Richterin die Bielefelder zu zehn Tagen Haft mit der Begründung: "Urinieren in der Öffentlichkeit." Die Studenten bestreiten die Tat und vermuten einen Zusammenhang zum anstehenden G8-Gipfel.


Aus: "Bielefelder in Russland verhaftet" (12.07.2006)
Quelle: http://www.wdr.de/themen/politik/international/russland/g8_2006/index.jhtml?rubrikenstyle=politik

Textaris(txt*bot)

#8
Quote[...] Ob der Demütiger sich der Folgen bewußt ist, die er in seiner Machtausübung setzt? Er will ja demonstrieren, wer er ist, für was er steht, und hinter sich Macht, Einfluß, den Staat versammelt zu wissen, ist allemal ein guter Motivator. Nehmen wir an, daß den Demütiger hohe Motive beseelen, also daß er helfen will, erziehen will, daß er vor dem entsetzlichen Dilemma steht, nicht anders helfen zu können als durch eine Demütigung. Man muß sich das so vorstellen [...], daß der Demütiger wie ein Vergewaltiger ist, und wenn er hohe Motive hat, dann will er sozusagen wie ein Vergewaltiger sein, der weiß, es tut der Frau nur gut, wenn er sie mit Gewalt nimmt, es ist zu ihrem Besten. Der Demütiger als Erzieher ist sozusagen wie ein Vergewaltiger, der seine Tat zum Wohle der Vergewaltigten setzt.
Man sage jetzt bloß nicht, ich sei zynisch, wenn ich solches schreibe...


Aus: "Demütigung. Motive und Folgen erzieherischen Machterhalts" Ein Essay von Gerhard GELBMANN (Datum ?); 
Quelle: http://h2hobel.phl.univie.ac.at/~yellow/greet/Demut.html

Textaris(txt*bot)

#9
Quote[...] Eine Spielregel auf dem Weg zur Macht ist deshalb die Stromlinienförmigkeit. Statt Ecken und Kanten zu zeigen, gelte es, anpassungsfähig und ständig in Bewegung zu bleiben. ,,Am besten schützt man sich, indem man so geschmeidig und formlos wie Wasser ist", sagt Zielke. Denn wer sich gegen den Strom der Zeit stelle, werde in der Regel von der Masse bestraft. Zu dieser Stromlinienförmigkeit gehört auch, keine Position zu ergreifen. Wer sich aber auf keine Seite oder Sache festlege, mache sich auch keinen zum Feind. Das macht nach allen Seiten offen. Zum Beispiel bei Firmenfusionen gelingt es so, unbeschadet von der Verliererseite auf die Siegerseite zu wechseln.

[...] ,,Eindringliche Bilder und ausdrucksstarke Gesten schaffen eine Aura der Macht, der man sich nur schwer entziehen kann", sagt Zielke. Auch optische Attraktionen und strahlende Symbole verfehlten ihre Wirkung nicht.

Klingt alles ziemlich schwierig. ,,Für Machtspiele ist ja auch nicht jeder geeignet, und sie machen auch nicht jedem Spaß." So manch einer könne ein solches Verhalten auch nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Es kommt eben auf den Typen an. Für manche wirkt die Macht eben wie ein Magnet.



Aus: "Macht im Berufsleben - ,,Spiele den Deppen, um die Deppen zu überlisten"" Von Kerstin Liesem (Text: F.A.Z., 29.07.2006, Nr. 174 / Seite 53)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E220773D195F64E66B634127C8B4344AD~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Textaris(txt*bot)

#10
Quote[...] Vierzig Jahre lang hat der Reporter Jürgen Leinemann im Dienste des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" in Bonn und Berlin über Politik berichtet, und dabei Politiker aus nächster Nähe beobachtet - bei Wahlkämpfen, Parteitagen und journalistischen Hintergrundgesprächen. Beobachtet, wie sie umgehen mit Macht und welche Auswirkungen Macht auf sie hat.

Festgestellt hat er bei seinen Beobachtungen einen zunehmenden Wirklichkeitsverlust, eine Abnahme an politischen Überzeugungen und Welt- und Sachkenntnis sowie eine Zunahme an medialen Inszenierungsformen.


[...] Dieser Wirklichkeitsverlust führender Politiker begann, so der von Leinemann zitierte Politologe Wilhelm Hennis, mit Helmut Kohl. Dem Vorbild Adenauers gemäß nicht zimperlich im Umgang mit Gesetz und Verfassung, setzte er illegale Spendenkonten und schwarze Kassen ein als, so Leinemanns Formulierung, "notwendiges Waffenlager im Kampf gegen politische Gegner, die er als Feinde verteufelte". Im System Kohl wurde Macht zur Droge. Kohl, ein typischer Vertreter der Nachkriegsgeneration, stellte als junger Politiker Überblick her und baute ein System auf von Beziehungen und Verbindlichkeiten.

[...] Ein Netzwerk von ähnlich gesinnten Männern in Schlüsselpositionen entstand. Bald gaben sie den Ton an. Politik wurde betrieben als Machttechnik. Das, so Leinemann, durch Ämterpatronage und "Bimbes" erworbene Herrschaftswissen diente dem Machterhalt. Über die Hälfte der Bundestagsabgeordneten und Parteitagsdelegierten, so schätzte Ralf Dahrendorf, waren Helmut Kohl zu Dank verpflichtet "für persönliche Förderung und Gefälligkeiten". Das reichte vom in Aussicht gestellten Amt bis zum Straßenbauprojekt im Wahlkreis.

[...] Politik als Beruf bedeutet für viele nicht "starkes langsames Bohren von harten Brettern", wie Max Weber verlangt hatte, sondern Anpassung und Karriere. Hinzukommt, daß Politik heutzutage zunehmend als Show-Geschäft inszeniert wird. Die Nachkriegsgeneration der Schröder, Stoiber, Lafontaine, Fischer, Möllemann präsentiert immer weniger "Werteskalen" und Inhalte, dafür um so mehr Ehrgeiz und Chuzpe.

[...] Mit der Nominierung Schröders auf dem Leipziger SPD-Parteitag 1998 zum Spitzenkandidaten für die SPD begann, so Leinemann, die mediale Inszenierungskunst. Politik wird vor allem Darstellung, weniger Vermittlung von Inhalten. Der Politiker wird zum Medienstar und Dauer-Talk-Show-Gast. Diese mediale Präsenz verschafft den Akteuren eine eigene Wirklichkeit. Sie wird realer als ihr Handeln. Die politische Klasse wächst so in eine Art Phantomexistenz hinein.


Aus: "Die Macht und ihr Preis: Jürgen Leinemann: Höhenrausch - die wirklichkeitsleere Welt der Politiker" von Stephan Reinhardt (2006)
Quelle: http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?rubrik=8912&key=standard_document_4205306

Textaris(txt*bot)

#11
Quote[...] Der Begriff der Kontrolle und noch stärker der der Sicherheit wurden im Poststrukturalismus vor allem für die Beschreibung biopolitischer Machtmechanismen verwandt. Dabei wird davon ausgegangen, dass Machtverhältnisse keine Substanz, kein Wesen, kein Zentrum, keine feste Formbestimmung und keine unumkehrbare Tendenz besitzen, sondern dass sie variabel und relativ sind, momentane Querschnitte durch ein ganzes Archiv von Verwertungsstrategien, Regierungstechniken und Subjektivierungsweisen.

[...] Wenn wir uns die neuen Militärdoktrinen anschauen, stoßen wir auf eine Art integriertes Krisenmanagement, in der alle Folgen kapitalistischer Vergesellschaftung zu einer sicherheitspolitischen Herausforderung gemacht werden. Egal, ob wir die neue Nato-Strategie betrachten, die National Security Strategy der USA, die Europäische Sichheitsstrategie, das European Defense Paper, die Verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundeswehr - überall gelten ethnische Rivalitäten, die Auflösung von Staaten, die unkontrollierte Bewegung einer großen Zahl von Menschen, Akte des Terrorismus, der Sabotage und des organisierten Verbrechens sowie die Unterbrechung der Zufuhr lebenswichtiger Ressourcen als mögliche Interventionsmomente in einem globalen Raum, in dem die Grenze zwischen Krieg und Kontrolle flexibel gemacht worden ist. Die Militäreinheiten der hegemonialen Staaten werden entsprechend umgerüstet. Auf dem Nato-Gipfel in Prag wurde Ende 2002 die Einrichtung einer mobilen und professionellen Response Force beschlossen, die innerhalb von sieben bis dreißig Tagen an jeden Ort der Welt mobilisierbar sein sollen. Die EU hat 2003 mit dem Aufbau von 60.000 Kriseninterventionskräften nachgezogen, die innerhalb von sechzig Tagen einsetzbar sein sollen. Die militärische Speerspitze bilden Gefechtsgruppen, die nun erstmals im Kongo eingesetzt werden.

In diesem globalen Kriseninterventionsregime geht es darum, Territorien für Waren, Dienstleistungen, Ressourcen und Produktivkräfte durchlässig zu halten und sie in diesem Sinne als Sicherheitsräume zu garantieren. Diese Formen des Krieges können nicht gewonnen werden und müssen notwendigerweise immer extensiver von Kontrollmaßnahmen unterfüttert werden. Das kann man seit dem 11.9. überdeutlich beobachten. Noch bevor die Fahne von Enduring Freedom gehisst war, wurden in fast allen hegemonialen Staaten Sicherheitsgesetze verabschiedet, die den rassistisch und kulturalistisch überdeterminierten war-on-terrorism flankierten. Es ist sinnlos, nach einem ersten Kriegsgrund zu forschen wie Öl, Sicherheit oder Terrorbekämpfung. Polizeikrieg ist ein definitiv hybridisierter Krieg, in dem mehrere materielle, ideologische, kontrollpolitische Stränge gleichzeitig verfolgt werden.

Dieses Interventionsregime wächst an zwei Polen, es banalisiert und verabsolutiert den Krieg. Auf der einen Seite geht es um eine Art polizeiliche Routine, die geostrategische Sicherung von Wasserstraßen, die Aufsicht über Wahlen, die Kontrolle von Grenzen, die militärische Überwachung und Stützung von Bürgerkriegsgesellschaften, der Aufbau von zivil-militärischen Kooperationen, die Unterstützung des Katastrophenschutzes, auf der anderen Seite geht es um die Verabsolutierung des Krieges als humanitäre Maßnahme oder als gerechter Feldzug, der gegen einen Feind geführt wird, der das ethisch absolut Andere darstellt, das Böse, das heute an erster Stelle der islamistische Terrorist verkörpert. An dieser Front des gerechten Krieges wird mit militaristischen, angriffsorientierten Schlägen gearbeitet, bei denen die USA inzwischen den Einsatz von Mini-Atombomben nicht mehr ausschliesst. Beide Normen, die der Humanität und die des gerechten Krieges, maskieren die historischen und die sozialen Entstehungsgründe dessen, was bekämpft werden soll – Krisenerscheinungen des kapitalistischen Imperiums: Armut, Hunger, Bürgerkrieg, Ethnisierung des Politischen, Entwicklung politischer Religionen.


[...] Mit diesem polizeilichen Interventionsregime stellt sich die Frage des Rechts auf neuem Niveau. Auf der einen Seite werden Interventionen verrechtlicht und an Bestimmungen des internationalen Rechts ausgerichtet, auf der anderen Seite werden mehr und mehr außerrechtliche Maßnahmen, Internierungen, Entführungen, Liquidierungen, Präventivschläge, durchgesetzt, denen ein rechtlicher Ausdruck zu verleihen versucht wird. Das heißt, Verrechtlichungsstrategien und ihre Außerkraftsetzungen wachsen gleichzeitig an. Rechtlosigkeit und Rechtssuspendierung werden dabei als Recht dargestellt, was einer Politik des Ausnahmezustandes entspricht.


Aus: "Police War" (Katja Diefenbach's concept (2006))
Quelle: http://dictionaryofwar.org/en-dict/node/514



Textaris(txt*bot)

Quote[...] Die Bereitschaft von Normalbürgern, sich Befehlen von Autoritäten auch im Widerspruch zum eigenen Gewissen fast unbeschränkt zu unterwerfen, wurde 1964 aussagekräftig mit Hilfe des berühmten ,,Milgram-Experiments" getestet. Versuchspersonen sollten andere, ihnen unbekannte Teilnehmer auf Anweisung eines autoritär auftretenden Versuchsleiters mit Stromstößen traktieren, um den Zusammenhang zwischen ,,Bestrafung und Lernerfolg" wissenschaftlich zu untersuchen. Natürlich waren die Stromstöße nicht echt, die ,,Bestraften" waren Schauspieler, die ihre Schmerzen nur spielten, wichtig ist hier nur, dass die Versuchspersonen an die Echtheit des Versuchsaufsbaus glaubten. Das Ergebnis des Experiments: 62,5 Prozent der Versuchspersonen waren bereit, ihrem Gegenüber einen Stromstoß von 450 Volt zu versetzen, bei 300 Volt waren es noch 100 Prozent.

[...] Um die Lüge möglichst ,,flächendeckend" zu gestalten, so beschreibt es Havel in seinem Aufsatz ,,Versuch in der Wahrheit zu leben" sehr schön, versucht das System große Teile des Volkes zu Mitläufern und Komplizen zu machen. Dadurch entsteht ein geistiges Feld der Scham und der (Selbst-)Unterdrückung – vergleichbar der ,,omertà", dem Schweigegebot in mafiaverseuchten Landstrichen Italiens. Die Grenze zwischen Tätern und Opfern weicht auf, jeder ist beides zugleich. ,,Nur ein oberflächlicher Blick erlaubt (...), die Gesellschaft in Herrscher und Beherrschte aufzuteilen", sagt Havel. In dem posttotalitären System führt diese Linie de facto durch jeden Menschen, denn jeder ist auf seine Art ihr Opfer und ihre Stütze." Havel bringt ein Beispiel: In der kommunistischen Tschechoslowakei war er Usus, dass jeder Geschäftsinhaber ein Schild mit der Aufschrift ,,Proletarier aller Länder, vereinigt euch" im Schaufenster platzierte. Jeder, der solcherart seinen Gehorsam gegenüber dem System demonstrierte, übte zugleich Druck auf alle anderen Bürger des Landes aus, sich ebenso zu unterwerfen. Wer ist da Opfer, wer ist Stütze des Systems? Jeder ist beides zugleich. Was den Kommunisten ihr ,,Proletarier"-Spruch und den Nazis ihr Hitler-Gruß war, das ist im marktradikalen kapitalistischen System unserer Tage vielleicht das Bekenntnis zu grenzenlosem Wachstum und zur ,,Alternativlosigkeit" des Sozialabbaus.
Wer zum Teil des Systems geworden ist, gegen wen sollte er rebellieren? Etwa gegen sich selbst?


Aus: "Volkskrankheit Gehorsam" von Roland Rottenfußer (04.10.2006)
Quelle: http://www.hinter-den-schlagzeilen.info/pm/more.php?id=3760_0_1_0_M

Textaris(txt*bot)

[...] Das Machtgefüge entscheidet, wer die Droge zu schlucken hat...

[...] Ein weiteres Element in diesem Machtgefüge ist...

[...] Familienstrukturen im Machtgefüge...

[...] Verschiebungen im Machtgefüge...

[..] Der bisherige Ausgleichsmechanismus im föderalen Machtgefüge des Grundgesetzes wurde...

[...] Machtgefüge und Anerkennungskämpfe...

[...] ferner gibt er sich distanziert gegenüber den Mitteln der Machtausübung und ignoriert das bestehende Machtgefüge...

[...] wenn das MACHTgefüge zu kompliziert und undurchsichtig wird...

[...] Kräfteverhältnissen im hierarchischen Machtgefüge unserer Welt...

[...] Machtgefüge und Hierarchien stehen auf dem Spiel...

[...] und das ganze Machtgefüge begänne zu zerbröckeln...

[...] Diese Frage ist sehr spannend, da sie sich mit dem wahren Machtgefüge innerhalb...

[...] Sie irritieren die Machtverhältnisse und die über Jahre aufgebauten Machtgefüge...

[...] Diese vier Machtaspekte im Diskurs existieren nicht losgelöst voneinander, sondern nebeneinander, indem...


Textaris(txt*bot)

#14
Quote[...] Autorität ist nicht vornehmlich als Eigenschaft, sondern hauptsächlich als Beziehung zu begreifen; die Autorität bedarf der Anerkennung anderer, das Autoritätsverhältnis ist zweiseitig. Dabei kann es sich um die verschiedensten Beziehungsformen handeln, insbesondere können die Grade der Freiwilligkeit der Anerkennung viele Formen annehmen, insbesondere:

    * Freiwillige Bewunderung, Anerkennung und Respekt, bis hin zur Autoritätshörigkeit.

    * Faktisch akzeptierte Autorität in gesellschaftlichen Rollen (z.B. Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, Polizisten, Richter, Trainer)

    * Vortäuschen der Akzeptanz der Autorität nach Außen hin, um Nachteile zu vermeiden, bei gleichzeitiger innerer oder gegenüber Vertrauten dokumentierter Ablehnung

    * Erzwungene Anerkennung von Autorität aufgrund körperlicher Unterlegenheit, in Situationen von Gefangenschaft oder Gefängnis- oder allgemein aufgrund von massiven Angstsituationen.

    * Auflehnung und Rebellion beispielsweise gegen die Staatsautorität.

[...] Prinzipiell betrachtet, entsteht durch Autorität dennoch ein (wenn auch ein zeitlich, räumlich oder fachlich beliebig eingeschränkt vorstellbares) Machtgefälle bzw. Herrschaftsverhältnis zwischen im elementaren Fall zwei Personen.

[...] Man kann nach Bocheński epistemische und deontische Autorität unterscheiden: Epistemische Autorität ist die Autorität des Wissenden, der sich in einem Fachgebiet besonders gut auskennt und auf den man deswegen bei Fragen, die dieses Fachgebiet betreffen, zu hören gewillt ist. Deontische Autorität bezeichnet die Autorität des Vorgesetzten, der von dieser seiner Position her Weisungen zum Verhalten seiner Untergebenen erteilen kann.

Unter Demonstration von Autorität oder Autoritätsdemonstration wird eine Handlung verstanden, die dazu dienen soll, dass eine Autorität anerkannt und gefestigt wird.

Wird Autorität von einer Gruppe sich zusammengehörig fühlender Personen gleichzeitig demonstriert, so tragen Effekte der Gruppendynamik in der Regel zu einer Stärkung der Intensität dieser Demonstration bei.

Das Milgram-Experiment zeigt, dass eine Deckung in dem Sinne, dass z.B. Vorgesetzte Handlungen zur Demonstration von Autorität allgemein oder im Einzelfall befürworten, weiterhin zur Stärkung der Intensität der Demonstration von Autorität beiträgt. Gibt es möglichst wenig Kontakt (z.B. Gelegenheiten für Mitgefühl) zwischen Demonstrierenden und Betroffenen, so ist dies ebenfalls intensitätssteigernd.

Eine Demonstration von Autorität kann zum Beispiel durch Nachsicht und Respekt oder durch die offensichtliche Suche nach einem gerechten Konsens in Konflikten erfolgen. Dies wird gegenwärtig von vielen Menschen als positiv erachtet, da diese solche Demonstrationen von Autorität als Zeichen intellektueller Überlegenheit sehen.

Es gibt aber auch Methoden, die zur Zeit überwiegend negativ bewertet werden, z.B. durch möglichst beeindruckendes Auftreten (Habitus, Kleidung, z.B. möglichst imposante Uniform, Talar, Abzeichen, Waffe, o.ä., durch Sprache, etwa entschiedener Tonfall, Schreien, auch Drohungen, ("Säbelrasseln"), oder Beleidigungen, sowie durch Gewalt, Androhen oder Zufügen von physischem oder psychischem Schmerz, Qual, Folter. Dazu gehört auch das Verbreiten von Angst und Terror, z.B. demonstrative Verletzung oder Tötung Anderer (Exempel statuieren).



Bruchstücke aus: "Autorität" (wikipedia; 11/2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4t

-.-

Quote[...] Recht und Ordnung (Anglizismus: Law and Order) ist ein politisches Schlagwort, mit dem eine Politik bezeichnet wird, die sich vor allem der inneren Sicherheit als Mittel bedient. Politiker (Legislative) oder Juristen (Judikative) können mit dem Attribut belegt werden, wenn sie Priorität auf höhere Staatsausgaben für Polizei (Exekutive), Gefängnisse und Datensammlung, -verarbeitung und -verknüpfung oder auf strengere Gesetze in der Strafvereitelung, Strafverfolgung und Strafvollstreckung legen.

Kritisiert wird unter anderem, dass durch eine einseitige Betonung auf Sicherheit Grundrechte eingeschränkt oder abgebaut werden können. Dazu gehören etwa ein Abbau von Datenschutz, Versammlungsrecht, Meinungsfreiheit, Unverletzlichkeit der Wohnung etc.

Umstritten sind ebenso Recht und Ordnung-Äußerungen oder Maßnahmen, die zu einer Eskalation im Konfliktfall beitragen können. Nach Meinung der Kritiker werden Ursachen für Kriminalität, Terror oder Unruhen größtenteils ausgeblendet und Repression einer Prävention vorgezogen.


Aus: "Recht und Ordnung (Politik)" (wikipedia; 11/2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Law_and_Order_%28Politik%29



Textaris(txt*bot)

#15
Quote[...] Die Zerstörung der Autorität sei die nachhaltigste Folge [von 1968], schreibt [Schönbohm] in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". "Das zu korrigieren wird nicht einfach sein", unterstrich er. Die "leider mehrfach erstickte Diskussion über eine Leitkultur" hätte wichtige Impulse zur Bewältigung dieser Aufgabe geben können.

Kaum etwas gebe der deutschen Gesellschaft in ihrer Gesamtheit mehr Halt, so der Politiker. Leistung, Fleiß, Disziplin und Ordnung seien "zu belächelten Begriffen verkommen". Vaterlandsliebe sei verpönt, die Familie "zu einer nach allen Seiten hin offenen Lebensgemeinschaft mutiert". Religion und Glaube würden im täglichen Leben kaum noch erwähnt und respektiert.

...


Aus: "Folgen von 1968: Schönbohm: Deutsche Gesellschaft ist orientierungslos" (19.11.2006)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/comments/index/aktuelles/politik/deutschland/377720?skip=15

Quote[...] Autor: Ulenspiegel / Datum: 20.11.06 04:27

Ein Spiesser will wieder zurück in die Fünfziger (II)

[...] Man kennt das ja aus der Bausparwerbung, wie sehr die Töchter anderer Väter darauf abfahren!


-.-

Quote[...] Autor: jakobiner / Datum: 20.11.06 01:18

Der ''Punkt ohne Rückkehr'' ist lange überschritten ...
und alle abgewirtschafteten Blockflöten-Parteien nach 45 haben den vielstimmigen babylonischen Abgesang über preußische Tugende, Werte und Maßstäbe mit lautem Missklang, aber ''politisch korrekt'' vorgetragen und sind nun lange schon im neudeutschen Absurdistan angekommen!


-.-

Quote[...] Autor: Atze007 / Datum: 19.11.06 17:07

ein Spiesser will wieder zurück in die Fünfziger

Ja das waren noch ganz tolle Zeiten, als Altnazis und ein auf seinem Stuhl festklebender Bundeskanzler sich gegenseitig die Tür aufhielten.
Ja da müssen wir unbedingt wieder hin.

Diese langhaarigen Linken gehörten ja schon immer alle in ein Arbeitslager und überhaupt sollten alle Halbstarken unbedingt zum Bund, da gibt es Zucht und Ordnung. Und davon kann man als ordentlicher Deutscher ja nicht genug haben.


-.-



QuoteAutor: Susumu / Datum: 21.11.06 10:29

Orientierung verloren.....

[...] Eher scheint mir, dass dieser Mann seine eigene Lebenswirklichkeit zu beschreiben versucht. Dass die Gesellschaft, in ihrer ethischen Entwicklung der technologischen hinterherhinkt wissen wir alle. Und dass sie sich weiterentwickelt und sich im stetigen Wandel befindet, sollte eigentlich jedem klar sein, der seinen Kindern die Möglichkeit bietet, sich in jede erdenkliche Richtung zu entwickeln und zu wachsen. Denn nur freie Menschen achten, respektieren, tolerieren und führen ihre Auseinandersetzungen mit wahrhaftigen aufrichtigen Worten.

...


...

Textaris(txt*bot)

[...] Diskurs und die Praxis von Ordnung und Disziplin. Die Ironie...

[...] Eine Gesellschaft, in der eine starke Polizei für Sicherheit und Ordnung sorgt...

[...] und unmotivierten Schüler wurden zu Fleiß, Disziplin und Leistungsbereitschaft erzogen...

[...] Mehr Leistung, mehr Wettbewerb, Aufwertung der Sekundärtugenden wie Fleiß, Disziplin, Pünktlichkeit und Ordnung sollen...

[...] Härte, Disziplin, Strafe, Ordnung, Unterordnung für Leistung, Anerkennung und Liebe...

[...] Industrielle Arbeits- und Sekundärtugenden wie Fleiß, Disziplin, die Bereitschaft...

[...] Werte wie Treue, Leistung, Fleiß, Disziplin u.a. (die sogenannten Pflichtwerte) sind neu gefragt und stehen durchaus wieder hoch im Kurs...

[...] Disziplin, Planung, Ordnung, Pünktlichkeit, Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Fleiß, oft erkauft um den Preis der Verbissenheit, Verdrossenheit und einer...

[...] Bloß weil sie sich als politisch missbrauchbar erwiesen haben, wäre es ein schwerer Irrtum, Fleiß,. Disziplin und Ordnung als veraltert abzutun....

[...] Wiederbelebung traditioneller Werte wie Disziplin, Fleiß, Ordnung, Anstand und Ehre...

[...] Diesen Erfolg hat man sich durch Ehrgeiz, Fleiß und Disziplin hart erarbeitet...

[...] In unserer globalen Welt bedingt Leistung neben Tugenden wie Fleiß, Disziplin, Ordnung...

[...] so mehr Leistung wir zeigen, um so größer wird der Respekt sein...

[...] "Disziplin", "Gehorsam", "Leistung", "Ordnung", "Pflichterfüllung", "Treue", "Unterordnung", "Fleiß", "Bescheidenheit"...

[...] Vorstellungen von Fleiß, Disziplin und Ordnung wurden zur Kontrastfolie für den stigmatisierten Müßiggang...

[...] Fleiß, Disziplin, Ordnung, Eigeninitiative und Zielstrebigkeit...

[...] Hartnäckigkeit. Effizienz. Ordnung. Präzision. Gerechtigkeit. Disziplin. Pflicht. Logik. Funktionalität. Status. Elite. Ehre. Macht. Ruhm. Stolz. Leistung...

[...] Treue, Fleiß, Pünktlichkeit, Höflichkeit, Anpassungsbereit-. schaft, Disziplin, Ordnung, Leistung, Opfer etc...

[...] ein Ende der Diskriminierung der Werte Fleiß, Disziplin, Zuverlässigkeit, Ordnung, Pünktlichkeit, Verzicht, Treue und Leistung sowie eine Relativierung...

[...] Und eines braucht Erziehung besonders: ein Ende der Diskriminierung der Werte Fleiß, Disziplin, Zuverlässigkeit, Ordnung, Pünktlichkeit, Verzicht...

[...] Grundwerte - u.a. die ,,alten Tugenden" Fleiss, Disziplin und Ordnung...

[...] Sie können mit ,,Sekundärtugenden" wie Disziplin, Ordnung, Sauberkeit und Fleiß selber nichts anfangen. Wehe aber, wenn sie als Kunden auf eigene Kosten...

[...] Es geht um mehr Leistung - anstelle von mehr Gleichmacherei. Wir kämpfen um jede Stimme, weil wir wollen Disziplin, Fleiß und Ordnung...

[...] Begriffe wie Ordnung, Fleiß oder Aufmerksamkeit seien schwer zu definieren und nur an...

[...] Mehr an Leistung durch Belohnung...

[...] Einordnung. ins Kollektiv...

[...] Fleiß Ordnung Disziplin - damit haben wir es weit gebracht, bis vor Stalingra...

[...] berechnet sich also nach der Leistung der menschlichen Arbeitskraft pro Zeiteinheit...

[...] Der Leitantrag listet auf: Fleiß, Ehrgeiz, Ordnung, Disziplin, Höflichkeit, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Pflichtbewusstsein und - erfüllung...

[...] Am Arbeitsplatz sollen Disziplin und Ordnung herrschen. Sie geben Ihr Bestes...

[...] Christoph von Dohnányi: Wenn man Musiker ist und nicht an Ordnung und Disziplin glaubt...

[...] Mittelschicht: Fleiß, Ordnung, Disziplin und Mäßigung.

etc.

Textaris(txt*bot)

[...] Ist es nicht die Psyche die ein solches Machtgefälle gestattet?...

[...] Dieses Machtgefälle führt zur unterschiedlichen Bewertung von...

[...] Rollenverteilungen mit Machtgefälle. Spiele mit Macht beinhalten typischerweise...

[...] Zentrale Merkmale: Machtgefälle und fehlende Freiwilligkeit...

[...] Dass es in vielen Situationen ein Machtgefälle gibt, steht ebenso ausser Frage...

[...] Dieses Machtgefälle birgt in sich viele Gefahren, für beide Seiten. Eine essentielle Frage...

[...] Der Kern vieler Rollenspiele ist ein künstlich erzeugtes Machtgefälle...

[...] Wie läßt sich das Machtgefälle zwischen Sender und Empfänger politisieren?

[...] um ihre Phantasien zu einem Machtgefälle auszuleben, welches erotisierend für sie ist...

[...] Kennzeichnend für sexuellen Missbrauch ist ein Machtgefälle zwischen Täter und...

[...] Im Begriff der Abhängigkeit wird schon ein Machtgefälle angedeutet...

[...] Es geht darum, im Bewußtsein der Differenzen und der Machtgefälle, Raum zu schaffen und...

[...] ein sekundäres Machtgefälle innerhalb der Arbeitnehmerschaft, welches das primäre Machtgefälle überlagert und...

[...] Eine weitere Bedingung für die Existenz von Rassismus ist das Machtgefälle zwischen Tätern und Opfern. Rassismus ist daher ein...

[...] Die Distanz entsteht nicht zwingend aus dem Machtgefälle...

[...] Hier entsteht ein ausgesprochenes Machtgefälle zwischen Diagnostiker und Proband...

[...] sie profitieren von diesem sozialen und ökonomischen Machtgefälle...

[...] Das Machtgefälle in der Institution ist total: Zwangsmedikamentierung, oft stundenlange Fixierung ans Bett oder...

[...] Das Machtgefälle hält die Erinnerung an ihre erlebte Ohnmacht fest und...

[...] Zweitens wird verheimlicht, dass die internationalen Finanzmärkte durch das Machtgefälle zwischen institutionellen Großanlegern, insbesondere den...

[...] das 'strategische Machtgefälle' in der Konsumgüterdistribution...

[...] Das Machtgefälle eliminieren können wir nicht. Da würden wir uns etwas vormachen...

[...] Das Machtgefälle und die Art und Weise der Kontrolle...



Textaris(txt*bot)

[...] Das Hinterfragen der Aussagen von Höhergestellten oder sogenannten Autoritäten ist für Sie vermutlich keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Lernprozeß...

[...] scheint das Hinterfragen sämtlicher Autoritäten und Geltungsansprüche so weit vorangeschritten zu sein, daß kaum mehr allgemeinverbindliche Werte gelten und...

[...] Antiautoritäre Erziehung stellt alle überlieferten Werte und Autoritäten in Frage und...

[...] Ruf nach mehr Disziplin: So wird Autorität in der Erziehung wieder salonfähig...

[...] Die göttliche Autorität oder das einzigartige Wissen der Führungspersönlichkeit sind endgültig, es gibt nichts mehr zu hinterfragen, das letzte Wort ist...

[...] Die Norm des Gehorsams gegenüber Autoritäten...

[...] mächtige Hierarchien und Autoritäten zu hinterfragen, Transparenz in allen Bereichen, die über Leben und Tod zu entscheiden haben...

[...] So eingeschüchtert und unsicher kommt man gar nicht erst auf den Gedanken, ,,Autoritäten" zu hinterfragen oder sich gar gegen sie...

[...] genauer zuhören, Phrasen hinterfragen...

[...] ...dass es eine Wahrheit gibt, die nicht zu hinterfragen ist?

[...] Die Sache mit der Autorität hatte zwei Seiten...

[...] So funktionieren Sekten, so funktioniert Unmündigkeit, so funktionieren religiöse Autoritäten Hinterfragen ist unerwünscht...

[...] Um sich vom konventionellen Niveau des Moralbewusstseins zu lösen, ist es wichtig, moralische Normen zu hinterfragen und nicht blind Autoritäten zu folgen...

[...] P-Typen hinterfragen eher Autoritäten, J-Typen eher Werte und Normen...

[...] Ist dieses Hinterfragen von Autoritäten bei Mozart ein zentrales Thema? Absolut...

[...] Es funktioniert so gut, weil man oft zu faul ist, solche Autoritäten zu hinterfragen...

[...] lautes Gejammere, daß den armen Jungmachos nie fremde Autoritäten Grenzen aufzeigen...

[...] Dank Kant ist Kritik ein Synonym für das metaphysische Hinterfragen der...

[...] Descartes suchte nach einer absoluten geistigen Autorität...

[...] Ich vermute, Du wolltest darauf hinweisen, dass man auch scheinbare Autoritäten kritisch überprüfen und hinterfragen soll, und dass auch die vermuteten...

[...] Die Begriffe Pluralisierung und Autorität bilden in ihrer Gegenüberstellung...

[...] denn hinter dem Schein liegt die Wahrheit...



Textaris(txt*bot)

Quote[...] Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA habe auch Generalbundesanwalt Kay Nehm nach Besprechungen im Bundeskanzleramt genaue Vorgaben erhalten, «wann er im Zuge seiner Recherchen welchen Anfangsverdacht wie zu bejahen hat», schreibt das Magazin. Nach Darstellung von Eingeweihten habe Nehm sich dies gefallen lassen, «weil ihm die Abberufung drohte».

Zwar kämen derart krasse Eingriffe in die Unabhängigkeit der Justiz im Alltag kaum vor, räumt laut «Spiegel» auch Frank ein. Doch «gerade weil immer das Weisungsrecht im Raum steht, kann informell relativ viel Einfluss genommen werden», klagte der DRB-Vizechef: Durch «Prüfbitten», «Empfehlungen» und «Ratschläge» sowie Verweigerung von Personal hätten Minister viele subtile Möglichkeiten, ihre Wünsche auch ohne direkten Eingriff durchzusetzen. (nz)


Aus: "Richterbund will Einfluss der Politik auf Staatsanwälte eindämmen" - Der Richterbund hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, um Staatsanwälte von der Politik unabhängiger zu machen. Das Weisungsrecht der Justizminister soll entfallen (nz; 09. Aug 2003)
Quelle: http://www.netzeitung.de/deutschland/250395.html




Textaris(txt*bot)

#20
Quote[...] Berlin (AP) Beim G-8-Gipfel in Heiligendamm werden im Juni mehr als 10.000 Polizisten aus allen Bundesländern im Einsatz sein. Die Stärke der Polizeitruppe werde sich im fünfstelligen Bereich bewegen, sagte der neue Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Berlins Innensenator Ehrhart Körting, am Mittwoch in Berlin. «Ich hoffe, dass wir das genauso erfolgreich hinter uns bringen wie die Fußball-Weltmeisterschaft.»


Aus: "Mehr als 10.000 Polizisten beim G-8-Gipfel im Einsatz" (Mittwoch 10. Januar 2007, 13:38 Uhr)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/10012007/12/10-000-polizisten-g-8-gipfel-einsatz.html

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Quote[...] Fünf Monate vor dem G-8-Gipfel im mecklenburgischen Ostseebad Heiligendamm hat der Bau des 12,5 Millionen Euro teuren Sicherheitszaunes um den Tagungsort begonnen. Mit einer Länge von mehr als zwölf Kilometern soll er das Nobelbad halbkreisförmig bis an den Strand abriegeln und die Staats- und Regierungschefs der G-8-Nationen bei ihrem Treffen im Juni schützen.

Heiligendamm - Der 2,50 Meter hohe Bau aus Stahlgittern auf Betonelementen soll Ende April fertig sein. Der Zaun wird mit Stacheldraht umwickelt, und soll auch Kletterversuchen widerstehen, zusätzliche Kameras und Bewegungsmelder alarmieren die Polizei über Eindringlinge. Nach dem G-8-Treffen wird der Zaun wieder abgebaut. Globalisierungsgegner hatten im Dezember einen Farbanschlag auf die Tagungsstätte verübt, der Verfassungsschutz rechnet mit weiteren Aktionen.

Das Gebiet von Heiligendamm wird nach Ankündigung der Polizei-Sonderkommission ,,Kavala" für die Zeit des G-8-Gipfels in eine äußere und eine innere Sicherheitszonen eingeteilt. Die innere Sicherheitszone umfasst dabei die G-8-Tagungstätte, also die Gebäude des Grand Hotels und das dazugehörige Gelände. Dort ist das Bundeskriminalamt zuständig, und das Betreten wird nur Gipfelteilnehmern sowie Personal gestattet. Die äußere Sicherheitszone umfasst den gesamte Ort Heiligendamm. Sie wird begrenzt vom neuen Sicherheitszaun. Über zwei Kontrollstellen sollen Ortsansässige, Grundstückseigentümer, Postboten oder angemeldete Besucher die äußere Sicherheitszone betreten.


Aus: "G8-Gipfel: Baubeginn für millionenteuren Sicherheitszaun" (15.01.2007)
Quelle: http://www.welt.de/data/2007/01/15/1178250.html


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Siegfried Berger, nach dem heute um 14 Uhr die Straße 244 im Köpenicker Ortsteil Wendenschloss benannt wird, muss ein mutiger, politisch motivierter und standhafter Mensch gewesen sein.

Er ist 35 Jahre alt, als ihn seine Kollegen vom RFT-Funkwerk Köpenick auffordern, eine Belegschaftsversammlung zu leiten. Es ist der Morgen des 17. Juni 1953. Die Stimmung ist aufgeladen, fast revolutionär. 2000 Funkwerker unterbrechen ihre Produktion, beschließen, zu streiken und in die Stadtmitte ,,zur Regierung" zu marschieren. Berger als Versammlungsleiter formuliert drei Ziele und lässt darüber abstimmen. Erstens: Rücktritt der Regierung. Zweitens: freie und geheime Wahlen. Drittens: Wiedervereinigung Berlins und Deutschlands. Berger marschiert in der ersten Reihe, sie rufen: ,,Ulbricht, Pieck und Grotewohl – dass euch drei der Teufel hol."

Dann wird der Zug auf der Warschauer Straße aufgehalten, seit 13 Uhr gilt der Ausnahmezustand. ,,Hier kam uns eine größere Zahl von Volkspolizisten mit ihren Gewehren im Anschlag entgegen", schreibt er später. ,,Als die Polizisten uns ihre Gewehrläufe auf die Brust drückten und riefen: ,Zurück, oder wir schießen!', kam der Zug langsam zum Halten. Langsam bewegte sich die Masse hinter uns zurück. Als die Entfernung zur Polizistenkette etwa gut 50 m betrug, schossen sie doch. Wir hatten etwa drei bis fünf Verletzte, die wir alle mit in den Westsektor nehmen konnten."

Berger geht nach Hause und wird am 20. Juni abgeholt. Die Staatsmacht verübelt ihm, dass er nicht wie einst sein Vater in die KPD, sondern in die SPD eingetreten war. Seine Begründung: ,,Ich wollte keiner neuen Diktatur dienen." Er wohnte im Römerweg 40 in Karlshorst, arbeitete in Köpenick, war Mitglied der SPD in Neukölln. Berger wird, wie es im Urteil eines sowjetischen Militärtribunals heißt, ,,wegen Antisowjethetze" und ,,Widerstand gegen die Staatsgewalt" zu sieben Jahren Arbeitslager verurteilt. Er schreibt unter das Papier: ,,Ich nehme das Urteil nicht an."

Im Jahre 1955 wird er aus dem berüchtigten Arbeitslager Workuta nach einer Intervention der Bundesregierung entlassen und 1996 von den russischen Behörden als ,,Opfer politischer Repression" rehabilitiert. Siegfried Berger lebte danach in Hamburg und Kiel, wo er heute vor fünf Jahren starb. Mit der Zeremonie in Köpenick wird zum ersten Mal eine Berliner Straße nach einem Opfer des 17. Juni benannt – mehr als 53 Jahre nach dem historischen Aufstand.


Aus: "Ehrung für ein Opfer des 17. Juni" (29.01.2007)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/archiv/29.01.2007/3046958.asp


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Sie seien gedrängt worden, Begriffe wie «Klimawandel» oder «Erderwärmung» aus ihren Texten zu entfernen, betonte ein Sprecher des Verbands besorgter Wissenschaftler bei einer Anhörung im Kongress. Kontakte zu den Medien seien streng reglementiert worden.


Aus: "USA zensierten Berichte über Klimawandel" - «Klimawandel» und «Erderwärmung» sollen für amerikanische Wissenschaftler verbotene Begriffe gewesen sein. Bei einer Anhörung im Kongress beschwerte sich der Verband besorgter Wissenschaftler über die Zensur (NZ; 30. Jan. 2007)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/515527.html

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Overys Geschichte Hitlers und Stalins soll eine "Geschichte ihres Lebens
und ihrer Zeit" sein; sie soll den "Hintergrund der Gesellschaften"
beleuchten, "denen sie ihren Aufstieg verdankten", und jenen "Kräften
nachgehen, von denen die Diktatur zusammengehalten wurde - jenseits
des Klischees eines allmächtigen Diktators"
(10). Sein Buch will damit
"eine empirische Grundlage für jede Erörterung der Frage [liefern], was
die Ähnlichkeiten und Unterschiede der beiden Systeme ausmacht[e]"
und "eine komparative 'operative' Geschichte der beiden Systeme"
vorlegen, "um die umfassende historische Frage beantworten zu können,
auf welche Weise eine persönliche Diktatur eigentlich funktionierte (18).
Für den Autor sind die Unterschiede nicht weniger auffällig als die
Gemeinsamkeiten. Die beiden Systeme gleichzusetzen, liegt ihm fern.

Doch "einige Bereiche einer Konvergenz" scheinen ihm "deutlich
sichtbar". Zu ihnen gehörte die hier wie da in extremer Form vertretene
"Idee vom 'Übermenschen'", das praktische Vorgehen "im Aufbau eines
staatlichen Sicherheitsapparates
, der Errichtung von Konzentrationslagern
in großem Maßstab, der vollständigen Kontrolle über die kulturelle
Produktion
und der Errichtung einer sozialen Utopie auf einem Berg von
Leichen" (18). Dies alles geschah, so Overy, auf dem Boden eines
verbreiteten Einverständnisses zwischen Herrschern und Beherrschten,
unter der Betonung der Legitimität ihres Handelns; denn ein Großteil der
Bevölkerung folgte den Diktatoren dabei, akzeptierte ihre Herrschaft und
war zur Zusammenarbeit bereit (19).


[...] Damit sollen beide Systeme weder entschuldet noch gleichgesetzt
werden. Manches, vieles erscheint im Einzelnen wie in den monströsen
Ausmaßen nach wie vor als unbegreiflich, und die Unterschiede bleiben,
bei den Protagonisten, der Partei und den von ihnen beherrschten
Ländern. Wien, München und Berlin waren nun mal nicht Tiflis, Baku, das
sibirische Kurejka und Moskau, und Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in
Deutschland sind mit den russischen Verhältnissen nicht in eins zu setzen.
Auch der Grundunterschied, dass sich die Stalinsche Revolution der
forcierten Schwerindustrialisierung, Zwangskollektivierung und kulturellen
Gleichschaltung unter ganz anderen Voraussetzungen und gegen den
erkennbaren Willen der Mehrheit der Bevölkerung (der Bauern, der
kleinen Gewerbetreibenden, der nichtrussischen Völker an der Peripherie)
vollzog, bleibt. Man mag, wie Overy, 1928 und 1934 als Wendepunkte,
Gregor Strasser als Hitlers Bucharin und Poskrebyschew als Stalins
Bormann bezeichnen (64, 116), wichtiger scheint mir, dass der Terror in
Russland, anders als Overy meint (123 f.), auch den innersten Zirkel der
Parteielite berührte (er kostete nicht nur den Opponenten im Politbüro
das Leben, er löschte die Familie von Stalins erster Frau Swanidse
weitgehend aus, brachte die Frauen Molotows und Kalinins in den GULAG,
die junge Frau Poskrebyschews vor ein Erschießungskommando, trieb
Ordschonikidse und den Bruder von Kaganowitsch in den Selbstmord, und
auch die Organisatoren des Terrors, die Volkskommissare Jagoda und
Jeschow, kamen in ihm um). Ob es analytisch weiterführt, mit Overy (23
f.) den "großen Terror" von 1937/38 als "historische Konstruktion" zu
sehen (Jahren, in denen vom NKWD nachweislich 1.575.000 Menschen
verhaftet, 1.345.000 abgeurteilt, 681.692 hingerichtet wurden), weil er
aus mehreren Komponenten bestanden habe, scheint fraglich; mit dieser
Logik würden uns rasch die meisten Begriff verloren gehen, auch der der
"Revolution".

[...] Doch wichtiger als alle Einzelkritik, die hier nicht fortgesetzt werden soll,
erscheint mir das grundsätzliche Problem: Fehlen der Interpretation die
großen Koordinaten der historischen Einordnung und der Begrifflichkeit
ein mehr oder minder stringentes Konzept, so wird ein überzeugender
Systemvergleich schwierig. Im vorliegenden Fall gerät er eher zu einer
noch vorläufigen Stoffsammlung, die das riesige Material nach gewissen
Stichworten zusammengestellt hat, der die letzte Überzeugungskraft
fehlt.


Aus: "Richard Overy: Die Diktatoren. Hitlers Deutschland, Stalins
Rußland. Aus dem Englischen von Udo Rennert und Karl Heinz
Siber, München: DVA 2005, 1023 S., 32 s/w-Abb., 6 Karten, ISBN
3-421-05466-5, EUR 48,00" (Rezensiert von: Helmut Altrichter
Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte, Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg)
Quelle: http://www.sehepunkte.de/2006/01/pdf/8936.pdf


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Politische Macht und staatliches Handeln ist, so wurde oft betont, zu einem guten Teil symbolisches
Handeln (Edelman 1976, Pross 1974). Gesellschaftliche und politische Wirklichkeit
(und damit zugleich auch die historische) wird bestimmt durch die in einer Gesellschaft geltenden
Möglichkeiten, mittels der Bedeutungen sprachlicher Ausdrücke intersubjektiv gültigen
Sinn zu konstituieren. Kommunikative Sinnrealisierung, d.h. sprachliches Handeln, entscheidet
mit darüber, welche Sachverhalte gesellschaftlich existent sind und wie sie sprachlich
dargestellt werden.

[...] Die Besonderheit politischen Sprachgebrauchs und der Charakteristik
des durch ihn gesteuerten Wirklichkeitsverständnisses
ist es, daß der ideologische Charakter der Wirklichkeitsdeutungen in politischen Sinnzusammenhängen
offener zutage liegt als in anderen Bereichen gesellschaftlicher Wirklichkeitserfahrung.
(Dies führt zu der bekannten Denunziation vieler politischer Begriffe als
"Leerformeln", auf deren Unsinnigkeit ich hier nicht näher eingehen will.) Dabei ist es die
Eigentümlichkeit politisch-semantischen Kampfes, daß nur der Sprachgebrauch des politischen
Gegners als solcher klassifiziert wird, der die Wirklichkeit "verzerre", während die
Wirklichkeit des eigenen Sprachgebrauchs stets als die "wirkliche Wirklichkeit", die "Wirklichkeit
schlechthin" behauptet wird (so u.a. Maier 1977, Biedenkopf 1975, Betz 1975, kritisch
dazu Behrens/Dieckmann/Kehl 1982). Mit anderen Worten: Ideologie ist immer das Weltbild
der Anderen. Gegen einen solchen Kampfbegriff der Ideologie sollte festgehalten werden,
daß jeder Sprachgebrauch ideologisch ist in dem Sinne, daß er ein Weltbild zum Ausdruck
bringt, das sich selbst trägt (bzw. durch die Deutungsregeln der den Sprachgebrauch tragenden
gesellschaftlichen Kommunikations- und Handlungsgemeinschaft konstituiert und
getragen wird) und nicht mit Verweis auf eine angebliche "wirkliche" Realität legitimiert werden
kann (vgl. Smith 1973: 105; und neuerdings Straßner 1987: 14).

Es ist die explizite Funktion politischer Sprache, das Gefühl der Gemeinsamkeit aller Angesprochenen
trotz offensichtlicher reeller Unterschiede (arm/reich; mächtig/machtlos; betroffen/
unbetroffen) zu bewirken (Lasswell 1968: 12). Darin besteht ihre "Verschleierung":
nicht, daß sie eine "wirkliche" Wirklichkeit verzerrt, sondern daß sie Erfahrungen schafft
(Deutungen semantisch durchsetzt), die andere Erfahrungen (Deutungsmöglichkeiten, die
dem Machtgefüge gefährlich werden könnten) überdecken. Allerdings erschiene es mir zu
verkürzt, wollte man die soziale Funktion politischer Kommunikation auf Integration beschränken.
Sicher ist die Schaffung eines Zusammengehörigkeitsgefühls das erste Ziel
(Dieckmann 1975: 32). In einer pluralistischen Gesellschaft mit immer vorhandenen konkurrierenden
Wirklichkeitsdeutungen kann politische Sprache aber auch das Ziel der Polarisation
haben, welche bis zur Ausgrenzung abweichender / Minderheiten führen kann. Und ich
kann mich nicht des Eindrucks erwehren, daß diese polarisierende Funktion des politischen
Diskurses in letzter Zeit eindeutig überwiegt. Die Durchsetzung der eigenen semantischen
bzw. Benennungsregeln bewirkt in polarisierendem Sprachgebrauch dann nahezu automatisch
eine Isolierung derjenigen Gruppen, welche an ihren abweichenden Regeln festhalten.
Dann können sich durch den herrschenden Sprachgebrauch durchgesetzte negative Wertungen
auf die Sprecher übertragen, welche an ihren eigenen (positiv wertenden)
Gebrauchsregeln festhalten. So ausgegrenzte Gruppen müssen ihrerseits (schon aus Gründen
des Selbstschutzes und des Überlebens ihrer Weltdeutungen) versuchen, für ihren
Sprachgebrauch zu werben. Semantische Kämpfe sind damit vorprogrammiert und erscheinen
so als konstitutives Element der Politik in pluralistischen Gesellschaften (bzw. in solchen,
in denen verschiedene Gruppen um die Macht konkurrieren).
Da semantisch vermittelte Wirklichkeitsdeutungen Grundlage gesellschaftlicher Weltbilder
schlechthin sind, wäre es verfehlt, semantische Kämpfe als puren Wortstreit abzutun, wie es
in der konservativen Sprachkritik geschieht. Der semantische Streit ist vielmehr Ausfluß tiefgreifender
politisch-ideologischer Auseinandersetzungen (Dieckmann 1975: 72), hinter denen
oft eine Verschiedenheit der Wirklichkeitsauffassungen steht, die weit über den sog.
politischen Bereich hinausreicht. Man sollte deshalb auch vorsichtig sein mit dem Vorwurf
der Täuschungsabsichten gegen den politischen Gegner, weil nicht von vornherein ausgeschlossen
werden kann, daß der an die von ihm verbreiteten Phrasen auch glaubt (Dieckmann
1975: 69). Es wird deshalb zu recht darauf hingewiesen (Dieckmann 1974: 219), daß
Sprachneuschöpfungen (oder semantische Neudefinitionen) allein zur Überzeugung eines
Rezipienten nicht ausreichen. Erfolge werden durch semantisch vermittelte Wirklichkeitsdeutungen
erzielt, indem bei den Rezipienten latent vorhandene Deutungsmöglichkeiten aktiviert
werden, aber praktisch kaum, indem ihm Deutungen aufgezwungen werden, die seinem bisherigen
Weltbild widersprechen (so jedenfalls Dieckmann 1975: 118). Wer auf semantische
Fußangeln hineinfällt, beweist so, daß die neuen Deutungsangebote verborgener Schatz
seines ideologischen Wissensvorrates waren.

Die Beeinflussung der Konstitution von gesellschaftlich relevanten Wirklichkeitsdeutungen
ist allerdings nur die eine Funktion politischer Sprachlenkung; die andere Funktion ist es,
durch Kontrolle des öffentlichen Sprachgebrauchs die Möglichkeiten einzuschränken, mittels
bestimmter Ausdrücke einen bestimmten Sinn kommunikativ zu realisieren. Das kann dazu
führen, daß der im semantischen Kampf (und damit politisch) Unterlegene zwar an seiner
abweichenden Wirklichkeitsdeutung festhält, diese aber nicht mehr in den von ihm gewünschten
Worten ausdrücken kann, weil deren semantische Möglichkeiten (qua gesellschaftlich
gültiger Verwendungsregel) schon anderweitig besetzt sind. Ziel des politischen
Machtkampfes (wie er in den siebziger Jahren z.T. auch in politischen Programmen ausdrücklich
beschrieben wird) ist es, "die eigenen Begriffe zur politischen Alltagssprache werden
zu lassen und damit auch den Gegner dem eigenen Sprachgebrauch zu unterwerfen"
(so Behrens/Dieckmann/Kehl 1982, 224, die / dies für die CDU und die konservative Sprachkritik
feststellen). Es sollte deshalb auch bei der linguistischen Untersuchung semantischer
Kämpfe sorgfältig darauf geachtet werden, wer mit wem worum kämpft. Es ist ein erheblicher
Unterschied, ob Minderheitengruppen versuchen, ihre Sicht der Dinge im kommunikativen
Handeln semantisch zu verankern, ob also tatsächlich abweichende Wirklichkeitsdeutungen
miteinander konkurrieren, oder ob nahezu gleichmächtige Gruppen durch "Besetzung" integrierend
wirkender Parolen lediglich um Macht- und Marktanteile innerhalb derselben Wirklichkeitsdeutung
kämpfen. Man wird also in der semantischen Analyse politischer Sprache zu
untersuchen haben, welche sprachlichen Handlungen Unterschiede der Wirklichkeitsdeutungen
zum Ausdruck bringen, und wo den auf der Oberfläche umkämpften Begriffen im Grunde
genommen dieselben Auffassungen zugrundeliegen.

[...] Viele Deutungskonflikte ("semantische Kämpfe") werden heutzutage gar nicht mehr direkt
ausgetragen; vielmehr entwickelt sich in verschiedenen Sektoren unserer Gesellschaft oft
weitgehend unabhängig voneinander ein unterschiedlicher Sprachgebrauch (je nach Interessen,
Weltsicht, politischer Zugehörigkeit etc.). Läßt die weitgehende Segmentierung unserer
Gesellschaft in in sich ruhende "Teilkulturen" überhaupt die Rede von "Kommunikationskonflikten"
noch zu?

[...] daß es nicht genügt, nur die Alltagssprache und
den politischen Sprachgebrauch zur Analyse heranzuziehen, sondern daß Querverbindungen
in fachsprachliche Spezialwortschätze und die entsprechenden semantischen Assoziationen
oft gerade erst die versteckten Bedeutungsgehalte offenlegen. In diesem Sinne
kann und sollte es auch eins der Ergebnisse der linguistisch begründeten Sprachkritik sein,
den "Diskurs im Diskurs" offenzulegen, und dies nicht nur in ideologiekritischer, historischer
Perspektive, sondern durchaus auch zur Aufdeckung verborgener diskursiver Strategien (um
damit zur Chancengleichheit im politischen Diskursgeschehen, d.h. zu dessen Demokratisierung
beizutragen). Es geht, um es mit Peter von Polenz (1985: 3) zu sagen, um die Kultivierung
des "Zwischen-den-Zeilen-Lesens".


Aus: ""Chaoten und Gewalttäter". Ein Beitrag zur Semantik des politischen Sprachgebrauchs" Von Dietrich Busse (1989)
[Aus: Armin Burkhardt / Franz Hebel / Rudolf Hoberg (Hrsg.): Sprache zwischen Militär und Frieden. Aufrüstung
der Begriffe? (Forum Fachsprachenforschung, Bd. 7), Tübingen: G. Narr Verlag, 1989, S. 93 - 121.]
Quelle: http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ1/mitarbeiter/busse/mat/busse-1989-02.pdf


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Robert Sutton: Oft ist es auch gar nicht so leicht, ein Ungeheuer zu erkennen, da viele nach oben schleimen und nach unten treten. Auch die von ihnen verursachten Kosten durch Krankmeldungen, Kündigungen oder Neueinstellungen sind nur schwer zu beziffern. Leider geht es sehr schnell, dass sich jemand in einen Idioten verwandelt. Zahlreiche Studien haben immer wieder belegt, dass bereits ein bisschen Macht ausreicht, um jemanden zu verändern.


Aus: "Das Idioten-Syndrom" (SZ vom 16.6.2007, Interview: Juliane Lutz)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt5m5/jobkarriere/artikel/741/118603/

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Die gesetzliche Legitimierung staatlich organisierter Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus gilt als eklatantes Beispiel für die Methodik des Staatsterrorismus. Dies gilt vor allem für die Verfolgung und die massenhafte Ermordung von politischen Gegnern sowie ethnischen und religiösen Minderheiten, vor allem der Völkermord an den europäischen Juden (vgl. Shoa/Holocaust), der allein etwa 5,2 Millionen Menschen mosaischen Glaubens, damals ungefähr ein Drittel der jüdischstämmigen Weltbevölkerung und über 10 Millionen Russen das Leben kostete.

In der DDR wurden die Streiks am 17. Juni 1953 unter Einsatz militärischer Gewalt niedergeschlagen. Wie in den meisten Staaten des Ostblocks war den meisten Bewohnern die Ausreise verboten. An der innerdeutschen Grenze kamen mehrere hundert Menschen ums Leben.

Auch in der Bundesrepublik Deutschland bediente sich der Staat illegaler Gewaltanwendung. So wurde ein Anschlag auf das Gefängnis von Celle fingiert (Celler Loch).


Aus: "Staatsterrorismus" (07/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsterror

-.-

Quote[...] Nach dem bisherigen Kenntnisstand beschlossen die Vertreter der sechs Staaten auf Vorschlag des damaligen chilenischen Geheimdienstchefs Manuel Contreras am 25. November 1975 die grenzübergreifende Zusammenarbeit. Die Übereinkunft fiel mit dem 60. Geburtstag des damaligen chilenischen Diktators General Augusto Pinochet zusammen. Demnach kooperierten die Länder beim Informationsaustausch sowie der Verfolgung und Tötung von als Staatsfeinden eingestuften politischen Gegnern in den Nachbarstaaten sowie im Ausland. Eine gemeinsame Informationszentrale wurde im Hauptquartier der chilenischen Geheimpolizei, der DINA, eingerichtet.

Intern wurden die geheim gehaltenen Aktivitäten mit der Ausschaltung von Regimegegnern sowie als Kampf gegen internationale terroristische Elemente begründet. Dabei setzten die Geheimdienste ihre Agenten auf die Spur von Gegnern der Militärregime, linken Politikern, Priestern, Gewerkschaftern, Oppositionellen sowie Vertretern von Menschenrechtsorganisationen. Die Opfer wurden in der Regel ohne Begründung oder gerichtliche Grundlage verhaftet oder verschleppt. Weil sie auf diese Weise oft einfach ,,verschwanden" und nie mehr auftauchten, entstand in den betroffenen Ländern der Begriff Desaparecidos (span. Die Verschwundenen).

Mehrfach wurden auch im Ausland, u. a. in den USA, Italien, Frankreich und Portugal, Mordanschläge verübt. In mindestens zwei Fällen sollen westliche Geheimdienste im Exil lebende Oppositionelle vor den Condor-Agenten gewarnt und in Sicherheit gebracht haben. Unter anderem wird das tödliche Attentat auf den ehemaligen chilenischen Außenminister Orlando Letelier im September 1976 in Washington (Autobombenanschlag) mit Agenten der Operation Condor in Verbindung gebracht. DINA-Chef Manuel Contreras wurde für diese Tat vor einem US-Gericht angeklagt (siehe Rolle der USA). Im Jahr 2004 wurde er wegen ,,gewaltsamen Verschleppens von Personen" in Chile zu 12 Jahren Haft verurteilt


Aus: "Operation Condor" (07/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Condor

-.-

Quote[...] On March 6, 2001, The New York Times reported the existence of a recently declassified State Department document revealing that the United States facilitated communications among South American intelligence chiefs who were working together to eliminate left-wing opposition groups in their countries as part of a covert program known as Operation Condor.

The document, a 1978 cable from Robert E. White, the U.S. ambassador to Paraguay, was discovered by Professor J. Patrice McSherry of Long Island University, who has published several articles on Condor.  She called the cable "another piece of increasingly weighty evidence suggesting that U.S. military and intelligence officials supported and collaborated with Condor as a secret partner or sponsor."

In the cable, Ambassador White relates a conversation with General Alejandro Fretes Davalos, chief of staff of Paraguay's armed forces, who told him that the South American intelligence chiefs involved in Condor "keep in touch with one another through a U.S. communications installation in the Panama Canal Zone which covers all of Latin America."  This installation is "employed to co-ordinate intelligence information among the southern cone countries."  White, whose message was sent to Secretary of State Cyrus Vance, is concerned that the U.S. connection to Condor might be revealed during the then ongoing investigation into the deaths of former Chilean foreign minister Orlando Letelier and his American colleague Ronni Moffitt who were killed by a car bomb in Washington, D.C.  "It would seem advisable," he suggests, "to review this arrangement to insure that its continuation is in U.S. interest."

The document was found among 16,000 State, CIA, White House, Defense and Justice Department records released last November on the Pinochet dictatorship in Chile, and Washington's role in the violent coup that brought his military regime to power.  The release was the fourth and final "tranche" of records released under the Clinton Administration's special Chile Declassification Project.


Aus: "Operation Condor" (March 6, 2001)
Quelle: http://www.gwu.edu/~nsarchiv/news/20010306/


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Freiheit ist der Gegenbegriff zur Macht. (Wolfgang Sofsky)


Aus: ",,Die Freiheit ist kein Idyll, sondern eine Aufgabe"" Wolfgang Sofsky in einem Interview mit Julia Encke (23. Juli 2007)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubF359F74E867B46C1A180E8E1E1197DEE/Doc~EEADD7E75F4124965AD4F30C8A55FC287~ATpl~Ecommon~Scontent.html


lemonhorse

Quote[...] Dass Glauben nicht mit Wissen gleichgesetzt werden darf, erinnert uns häufig an die Aufklärung. Dennoch lockert eben die Komplexität der Postmoderne, der wir mit vereinfachten Weltsbetrachtungen hoffnungslos entgegentreten, dieser Ansatz der strikten Trennung zwischen Glauben und Wissen. Und so ereignete sich unter anderem auch die populäre Staatsgläubigkeit. Insbesondere in unsicheren Zeiten, die uns ja nicht gerade sanft wiegen, sehnen wir ein «Ding» herbei, welches vor Omnipotenz und gleichsam Omnipräsenz nur so strotzt, aber insgeheim doch lediglich blufft, um seinet- wie unsertwillen die Ohnmacht, die die Komplexität der Welt verursachte, zu überdecken, mit begreifender Gewissheit die Menschen zu sänftigen; jemand, der patriachale Vater oder gar der grosse Bruder wache über uns, und führe uns buchstäblich, wenn wir vor lauter Nebel den Leuchtturm nicht mehr erspähen können.

Der Staat dient hierzu erstens als Projektionsfläche all des menschlichen Versagens; in ihm entdeckten wir den Heiland, der uns erlöst und vor den Lastern des Lebens befreit, und zweitens als eine Art Ersatz-Vater; der störrisch, aber dennoch fürsorglich die Sorgenkindern des Lebens behütet, sie vor dem eigentlichen Leben schützt. Die Sorgenkindern sind diejenigen, die zumeist vergeblich auf den Staat warten. Kündet beispielsweise eine Unternehmung Insolvenz an, schreien die Küken im Nest nach Staat, der bereitwillig saniert und finanziert, schliesslich muss er seine Institution den Sorgenkindern auch rechtfertigen oder verkaufen können. Oder schockieren gewalttätige Ausschreitungen sowieso verunsicherte Sorgenkindern, erwägen diese, entweder den Staat zu beschuldigen, ihm mangelnde Fürsorge und Erziehung vorzuwerfen, oder bürden die Verantwortung der «Gesellschaft» auf, eine Gesellschaft, die redlich nicht haftet, weil sie vermasst nur Dinge aufsaugt, die anderswo nicht abgelagert oder ad acta gelegt werden können.

Man muss verstehen, wie sehr die Menschen im Allgemeinen verunsichert, aufgewühlt sind und sich taumelnd an Illusionen klammern, ehe man einsieht, dass der Staat eben dieses Bedürfnis abdeckt; aufschwingt, sich feiert als Retter des kleinen Mannes und derbei unverblümt frech als Religion funktioniert mit Ritualen, mit Kulten, mit Beschwörungen und mit Prophezeiungen. Fromm essen die Menschen ihm aus dem Mund, die sich bevorzugt und durch den Staat beachtet wähnen. Andere hingegen wünschen lediglich von einem allmächtigen Staat beobachtet und kontrolliert zu werden, selbstredend aber nur unter der Bedingung, den Mitmenschen widerfahre dies ebenso. Doch drückt nicht dieses Bedürfnis nach Kontrolle durch den Staat, nach absoluter Allmacht des Staates aus; die Menschen wählten freiwillig die selbstverschuldete Unmündigkeit, wollen sich also vermeintlich freiwillig bevormunden lassen, weil sie andersherum nicht wüssten, was sie mit ihrer Freiheit anrichten sollten?

Staatsgläubig schlafen die Menschen solange, bis Alternativen, die auch für den einfachen Mann der Strasse erschwinglich sind, reifen und sich dementsprechend vermarkten lassen. Die Freiheit, die zwar süsslich schmeckt, ist zwangsläufig mit Aufwand verbunden, die der Staat den gemeinen Menschen freiwillig abnimmt, sodass sein Wirken legitimiert und auch gebraucht wird. Die Menschen trauen sich die Freiheit schlichtweg nicht zu. Und bis sie sich eingestehen, sie seien genügend erwachsen und erprobt, Freiheit zu leben, füttert der Staat sie, die Frommen und Gläubigen.


Aus: "Staatsgläubigkeit" von bd  @ 10:21. Abgelegt unter Politik (22. Februar 2007)
Quelle: http://der-verwerter.ch/?p=117


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Arnold Meri gibt den Missverstandenen. Der Cousin des früheren estnischen Staatspräsidenten Lennart Meri ist soeben angeklagt worden wegen Völkermords und der Beteiligung an der Deportation Hunderter Landsleute in sowjetische Straflager. Er habe seine Mitbürger nur schützen wollen, sagte er daraufhin in Zeitungsinterviews. Und das Ende des Prozesses werde er ohnehin nicht mehr erleben. Arnold Meri ist 88 Jahre alt und sagt, er sei nahezu blind und taub.

,,Held der Sowjetunion" durfte sich der Angeklagte einst nennen. Als Politkommissar der Sowjetarmee und späterer Führer der kommunistischen Jugendorganisation war er hoch dekoriert. Während der Kollektivierung der Landwirtschaft unter der Sowjetherrschaft soll er 1949 die Verschleppung von 251 Esten von der zweitgrößten estnischen Insel Hiiumaa nach Sibirien koordiniert haben. 44 Angehörige der überwiegend wohlhabenden Bauernfamilien seien auf dem Transport oder im GULag ums Leben gekommen. Unter den Verschleppten seien 13 Personen im Alter über 75 Jahren gewesen und 61 Kinder unter 12 Jahren, sagt Kriminalkommissar Martin Arpo von der estnischen Sicherheitspolizei, die für die Kriminalität der Okkupationsjahre zuständig ist.

Etwa 22.000 Esten wurden vom 25. März 1949 an nach Sibirien deportiert. Das entspricht etwa drei Prozent der damaligen estnischen Bevölkerung. Die Mehrheit der Deportierten von 1949 waren Frauen (etwa 10.300) und Kinder (etwa 5700). Etwa einem Drittel der als ,,Kulaken", ,,Banditen" oder ,,bürgerliche Nationalisten" eingestuften Bürger gelang damals die Flucht. Dafür wurden nach der Aussage des damaligen Parteisekretärs einfach andere Familien aufgegriffen, ,,um die Quoten zu erfüllen".

Ein Weißbuch einer Kommission des estnischen Reichstages bezifferte die Gesamtverluste der Bevölkerung durch die sowjetischen Justizmorde und Deportationen, die schon 1940, verstärkt dann 1941 begannen und ab 1944/45 wieder auflebten, sowie durch die Flucht vor allem in die skandinavischen Länder auf 180.000 oder 17 Prozent der estnischen Bevölkerung.

Die Überlebenden der Deportation durften erst lange nach dem Tode des sowjetischen Parteichefs Josef Stalin 1953 ab Ende der fünfziger Jahre in ihre Heimat zurückkehren, die freilich längst als Teilrepublik der Sowjetunion gleichgeschaltet worden war. Die Rückkehrer blieben aber Bürger zweiter Klasse, viele wurden weiter von den Sicherheitsorganen überwacht.


Aus: "Estland: Hochdekorierter Völkermörder?" Von Siegfried Thielbeer (08/2007)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EA90D7A228CBF493A9E8CD33BC17BA07A~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Eva Kohlrusch, früher einzige Frau in der Bild-Chefredaktion, heute Vorsitzende des Journalistinnenbundes, erklärte das mit dem Hang der Journaille zur Identifikation mit der Macht. Nachdem Merkel Kanzlerin geworden sei, seien plötzlich andere Fotos ausgesucht worden.
Jetzt stellen sie sie positiv dar, weil sie ihren eigenen Zugang zur Macht positiv darstellen."

Aus: "Merkel-Werdung: Die Frau als Ganzkörpernachricht" (02.10.2007)
Quelle: http://www.taz.de/index.php?id=medien&art=5450&src=SZ&id=medien-artikel&cHash=327486eca3


Textaris(txt*bot)

#31
Quote[...] Zwei Jahre, von 2005 bis 2006, arbeitete eine sechsköpfige Forschungsgruppe zu den Wirkungen des zum 1. Januar 2005 in Kraft getretenen arbeitsmarktpolitischen Instruments der "Ein-Euro-Jobs". Unter demselben Titel, den sich auch die Arbeitsgruppe gab, liegt nun deren Abschlussbericht Der "workfare state" - Hausarbeit im öffentlichen Raum vor.

... Die Dienstverpflichtung von Menschen – vornehmlich aus "den niederen Klassen" – zu einer Beschäftigung ist eine weit aus der Vergangenheit in die Gegenwart überkommene Konstruktion der jeweils Herrschenden. "Arbeitspflicht" als ihr Instrument ist dabei – bei allen Schwankungen im jeweiligen Gebrauch – historisch nie wirklich überwunden gewesen.

Die Konjunkturphasen und Abschwünge in der Nutzung desselben haben sich vorrangig danach entwickelt, wie sich die politisch-ökonomischen Prozesse formten und welche moralisch-ethischen Werte vorherrschend waren. Stets prägten Entrechten, Strafen, Disziplinieren, Aufbewahren, "Bessern" der Müßiggänger, Querulanten, Simulanten und sonst "Outlaws" die eine Seite des ausführenden Selbstverständnisses. Und stets prägte die Chance, die in diesem Ensemble zwar begrenzten, aber doch gegebenen Arbeitspotenziale zur Reduzierung der Kosten für deren Lebensunterhalt oder gar zur (Mit-)Finanzierung anderer Aufgaben zu nutzen, die andere Seite des verwaltenden Selbstverständnisses.

Dieser Widerspruch hat zuletzt über das Bundessozialhilfegesetz als Prinzip in das Arbeitslosengeld (ALG) II Einzug gehalten. Seine aktuelle Form als "Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung" – im Volksmund auch "Ein-Euro-Job" genannt – war Gegenstand einer empirischen Studie, die unter anderem von der [extern: http://www.stiftung-w.de/] Stiftung W in Auftrag gegeben und von der Diplom-Ingenieurin Irina Vellay mitorganisiert worden ist. 

[...] Welche Schlussfolgerungen lassen sich Ihrer Meinung nach daraus ziehen, dass die vorliegenden Ergebnisse so wenig mit den eigentlich für diese Maßnahmen proklamierten Zielstellungen – "neue Chancen", in Arbeit bringen etc. - in Einklang zu bringen sind?

Irina Vellay: Wie bereits gesagt, es geht den Herrschenden, vertreten durch die bürgerlichen politischen Parteien, um einen anderen als den proklamierten Anwendungsbereich. Insofern sind auch keine der angekündigten Erfolge am 1. Arbeitsmarkt zu erwarten. Hier zeichnen sich Strategien ab, wie man in Zukunft mit den "Überflüssigen" in der Gesellschaft umgehen will.

Wie meinen Sie das?

Irina Vellay: Ein wachsender Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung in Deutschland bleibt auch in Zukunft dauerhaft aus existenzsichernder Erwerbsarbeit ausgegrenzt, weil ihre Arbeitskraft nicht profitträchtig genug verwertet werden kann und weil sie für das geforderte Leistungsniveau zu alt, zu krank oder einfach nicht so wie angefordert ausgebildet sind. Kurz gesagt, sie sind für die Kapitalverwertung "überflüssig" und schmälern durch die anfallenden Unterhaltungskosten auch noch die durchschnittliche Profitrate des Kapitals.

Hier sinnt man auf Abhilfe und ist auf die Idee gekommen, dass die "Restproduktivität" dieser Menschen hinreichen könnte, einen Unterhalt am Existenzminimum annähernd zu gewährleisten. Bislang steht der Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht für Transferleistungsempfänger allerdings noch das Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes entgegen. Sobald jedoch der EU-Vertrag in bisher bekannter Form Gültigkeit erlangt, werden diese Regelungen aufgehoben, da dieser Vertrag keine vergleichbaren Regelungen enthält.

Was also tun?

Irina Vellay: Es gibt nach wie vor erheblichen Aufklärungsbedarf, auch wenn jeder und jede zu wissen glaubt, dass es sich hier um Repressionen handelt, die natürlich abzulehnen sind. Die wesentliche Verschiebung ist, dass den Betroffenen die Bürgerrechte abgesprochen werden, weil sie nicht mehr Vertragssubjekt sind. Das bürgerliche Recht, z. B. das BGB, basiert auf der Idee des Vertrages zwischen zumindest formal gleichen Parteien. Ein Vertrag kann danach nur aus freiem Willen geschlossen werden oder er erlangt keine Rechtsgültigkeit.

Im Rahmen der für erwerblose Leistungsempfänger vorgesehenen Eingliederungsvereinbarung soll jedoch die Behörde eine Unterschrift mit der Androhung von Sanktionen bis hin zum vollständigen Leistungsentzug erzwingen können. Damit ist für die erwerbsfähigen Transferleistungsbezieher als nicht gerade kleiner Teil der Gesellschaft die Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft aufgekündigt. Das hat weitreichende Konsequenzen. Wie dünn das "Eis" ist, zeigt sich daran, wie schnell menschenverachtende Verhaltensweisen um sich greifen. So wurde uns außerhalb der Studie von einem Fall beim Dortmunder Tiefbauamt berichtet, wo ein schwer Körperbehinderter gezwungen wurde, beim Müllsammeln den Sack mit den Zähnen zu halten, damit er mit dem gesunden Arm den Müll einfüllen konnte.

...


Aus: ""Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" - Workfare statt Welfare: Irina Vellay zu einer ersten Studie über den "dritten Arbeitsmarkt" der Ein-Euro-Jobs" Von Jens Wernicke (TP, 09.10.2007)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26359/1.html

Quote9. Oktober 2007 1:59
Ideologisch verbrämte Scheiße
Der Paraklet von Kaborka (mehr als 1000 Beiträge seit 08.10.02)

Wenn ich Wörter wie "Obrigkeit" oder "Herrschende" lesen muss, weiß
ich gleich woher der Wind weht. Das Ergebnis dieser
"wissenschaftlichen Studie" war damit von Anfang an klar.

MfG
Kaborka


Quote9. Oktober 2007 9:26
Weil du als Profiteur der Unrechtsverhältnisse...
demon driver (mehr als 1000 Beiträge seit 25.02.00)

... die Wahrheit nicht hören willst?

Um den Ausführungen im Artikel, die zutreffend ein in den letzten
Jahren verschärftes, institutionalisiertes Unrecht beschreiben, etwas
entgegenzusetzen, bedürfte es schon ein wenig mehr als gebräuchliche
"Wörter wie 'Obrigkeit' oder 'Herrschende'" nicht zu mögen.

d. d.


Quote9. Oktober 2007 6:21
Die Lebenserfahrung ist die einer chronischen Vergewaltigung
Ava Odoemena, Ava Odoemena (261 Beiträge seit 03.10.06)

Gerade heute habe ich mich wieder gefragt ob wir ALGII Asylanten und
Zwangsarbeiter nicht doch Opfer einer besonders obskuren, perversen
Machtsexualisierung sind, eine Art Kinderschändung von Erwachsenen,
die irgendwo bei McKinsey und Mohn Beratern ihren Anfang findet und
sich wie mittels Proxys von verdrahteten Fleischpuppen das System
herunter arbeitet bis sie bei den ALGII Asylanten einschlägt.

Die Übertretungen sind sehr vielfältig und teilweise sehr subtil, da
sind Tatsachen dass wir den Ort nicht ohne Erlaubnis verlassen dürfen
eigentlich fast noch nebensächlich, am unerträglichsten ist der
existenzbedrohende Zwang der über allem schwebt und der alles
abtötet. Motivation, Kreativität, Lebenslust, Würde. Die Armut ist
noch nicht einmal das schlimmste, am schlimmsten ist der defacto
Zustand des offenen Strafvollzugs.

Aber all dies wird ja nicht nur uns angetan (und der Bericht über die
Studie von Irina Vellay ist in den Dingen, die uns sehr wohl angetan
werden sehr akkurat), sondern die Erniedrigung und Ausbeutung von
ALGII Asylanten geht noch weiter, denn man instrumentalisiert uns ja
auch noch als Drohkulisse mit der nicht nur die momentan noch
Arbeitenden eingeschüchtert werden, nein, der Michel liebt es, sein
zweifelhaftes Glück als aktiv Teilhabender des Arbeitswahns, auf dem
Buckel unserer Misere in Abgrenzung zu uns zu definieren. Er reiht
sich also ein in die Schlange derer, die uns lustvoll in den Arsch
fickt. Es ist das alte Prinzip von nach oben ackern und nach unten
treten.

Und in dem Rahmen ist auch die gerade aufgequirlte Diskussion um die
Verlängerung von ALG¹ Zahlungen zu sehen: Dekorationen einer Farce
von Menschen, die Menschen wie uns mit dem Hungermord bedrohen und
diese machtsexuelle Dominanzpsychose christliche Arbeitsethik nennen.

Die mittelbare Zukunft dieses Kastensystems des offenen Strafvollzugs
der Unberührbaren ist bereits im Symbol der Arbeitsagentur
versinnbildlicht: Es ist eine nach innen gekehrte Sackgasse. Die
Automatisierung schreitet unerbittlich voran und anstatt dies als
Vorteil für die Gesellschaft zu nutzen, wenn die Maschinen und IT
denn schoneinmal den Hauptteil unserer Produktivität erbringen, wird
anstelle dessen im Rahmen einer  hochgefährlichen
Betriebswirtschaftsreligion und "Umgestaltung des Staates nach
betriebswirtschaftlichen Prinzipien" ein Krieg des Psychoterrors
gegen Millionen Existenzen geführt.

Ist das die Welt, die ihr euch unterwerfen wollt? 


Quote9. Oktober 2007 10:44
Wer nicht arbeiten WILL, soll auch nicht essen. Thess. 3,10
edipo re (3 Beiträge seit 27.09.07)

Hallo TP-Forum,

vielleicht fällt das den wenigsten noch auf, das *berüchtigte* Zitat
aus Thessalonicher 3,10 wird hier in dem Titel des Artikels polemisch
verkürzt und damit falsch zitiert. Das geschieht meiner Meinung nach
auffälig oft, wenn eine bestimmte Tendenz in der 'christlichen'
Sozialpolitik als unmenschlich diskreditiert werden soll.

Die ursprünglich zitierte Stelle drückt eigentlich genau das
Gegenteil aus, der Wille zur Arbeit korrespondiert mit dem Recht zur
Arbeit und damit zur Sicherung des eigenen Lebensunterhaltes. Die
Würde und Wahrheit der eigenen Existens liegt nach Paulus in diesem
Wille zur Arbeit. Was nicht angesprochen wird -vielleicht weil es für
Paulus kein Problem dargestellt hat- ist, was passiert eigentlich mit
dem, der nicht arbeitet, weil er keine Arbeit findet?

MFG


...

-.-

"Der 'workfare state' - Hausarbeit im öffentlichen Raum? - Bericht über eine empirische Studie 2005/2006" (Stiftung W.)
http://www.stiftung-w.de/pic_content/Bericht_Vorstudie_workfare_state-Hausarbeit_2007-1%5b1%5d.pdf


Textaris(txt*bot)

Quote[...] In der öffentlichen Wahrnehmung steigt stets die Beliebtheit derjenigen, die eine tatsächliche oder vermeintliche Gefahr zu bekämpfen scheinen. Bei Naturkatastrophen lässt sich beobachten, dass die Beliebtheit der jeweiligen Amtsinhaber steigt, weil sie in der Krise Tatkraft und Kompetenz demonstrieren können. Auch wenn sich ein Land im Krieg befindet, schaart sich die Bevölkerung regelmäßig hinter ihre Anführer. Die Sicherheitsideologie ist für einige Politiker also ein Mittel, um ihre Popularität und Wiederwahl abzusichern.


Aus: "Überwachung – Fragen und Antworten >> Machterhalt" (Überwachungs-FAQ, 11/2007)
Quelle: http://www.daten-speicherung.de/index.php/ueberwachung-fragen-und-antworten

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Shot among the birch trees and snow of a Siberian forest, two policemen kiss each other passionately on the lips. They hold and - this is not entirely clear - possibly caress each other's buttocks.

But the work by a Russian art collective has proved too much for Russia's culture minister, Alexander Sokolov. On Monday Mr Sokolov announced that he was banning the photo, entitled Kissing Policemen (An Epoch of Clemency), from an exhibition of contemporary Russian art due to be exhibited in Paris next week.

Mr Sokolov described the photo as political provocation and said he was pulling it, together with 16 other works, from a show at Paris's Maison Rouge exhibition hall. The exhibits were all displayed in Russia this year at Moscow's state-owned Tretyakov gallery.

"If this exhibition appears [in Paris] it will bring shame on Russia. In this case, all of us will bear full responsibility," the minister said. "It is inadmissible...to take all this pornography, kissing policemen and erotic pictures to Paris."

The minister also banned another work by the same irreverent group, Blue Noses, that shows Vladimir Putin, George Bush and Osama bin Laden cavorting on a double bed in their underpants. Customs officers confiscated the montage from a British art dealer last year when he tried to take it to London.


From: "No Paris trip for Russia's kissing policemen" - Artwork inspired by Banksy is among 16 banned from show by culture minister, By Luke Harding in Moscow,The Guardian  (Friday October 12, 2007)
Source: http://www.guardian.co.uk/russia/article/0,,2189440,00.html

-.-

LINK =>  [...mit ordentlicher Gewalt (Bilderverbot)]
http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,141.msg1116.html#msg1116


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Es ist Montag der 11. September letzten Jahres gegen 14:00 Uhr. Die bayrische Polizei stürmt die Wohnung von Familie Lindner in diesem Gehöft in der Nähe von Burghausen. Das Ehepaar hat zwei Kinder im Alter von sechs und zehn Jahren und bewohnt ungefähr 90 Quadratmeter. Doch die Polizei rückt mit einem martialischen Großaufgebot an. Der Vater wird sofort mitgenommen.

O-Ton: Siegfried Lindner, Vater
"Sie müssen sich vorstellen, Sie sehen, wie 15 Polizisten auf das Grundstück stürmen, mich verhaften, mich mitnehmen. Da habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, was passiert mit meiner Frau. Sie ist alleine zu Haus mit meinen zwei Kindern. Ich kann nichts machen, die nehmen mich mit, ich stehe da, machtlos, ich bin komplett machtlos. Ich sitze in dem Auto, mache mir Gedanken, was passiert jetzt weiter, was macht meine Frau mit."

Der Vater darf kein Wort mehr mit seiner schockierten Familie wechseln. Die Beamten kommen zur Hausdurchsuchung teilweise mit Maschinenpistole und schusssicherer Weste. Offensichtlich wird bewaffneter Widerstand der Familie befürchtet.

O-Ton: Christopher Lindner, Sohn
"Einer der Polizisten ist den Berg hoch gerannt und hatte die Maschinenpistole so in der Hand und ist zum Haus gerannt."

O-Ton: Petra Lindner, Mutter
"Und zwar hat er eine schusssichere Weste angehabt, eine Maschinenpistole und riss jede Türe auf. 'Toilette gesichert!', dann nach vorne durch den Gang, die nächste Tür 'Bad gesichert!' und immer im Anschlag seine Maschinenpistole, weiter in die Küche 'Küche gesichert!'."

Was muss da vorgefallen sein, wenn die bayrische Provinzpolizei ein so großes Rad dreht? Entführung, Mord, Attentat? So ungefähr: Im idyllischen Nachbarort Marktl am Inn steht das Geburtshaus des Papstes. Böse Menschen haben es zwei Tage zuvor, unmittelbar vor dem Papstbesuch, mit blauer Farbe bespritzt. Die Polizei verdächtigt Siegfried Lindner dieser Untat.

O-Ton: Siegfried Lindner, Vater
"Ich wurde in dem Präsidium fünf Stunden festgehalten. Mir wurden Fingerabdrücke abgenommen. Ich hatte einen Speicheltest. Es wurden Fotos gemacht. Ich wurde also komplett erkennungsdienstlich aufgenommen, ich wurde verhört."

Der einzige Verdachtsmoment gegen den Familienvater: Er hatte im Wartezimmer dieser Arztpraxis zu einem anderen Patienten gesagt, dass die 40 Millionen, die der Papstbesuch kostet, besser hätten verwendet werden können.

O-Ton: Siegfried Lindner, Vater
"Der Kriminalbeamte teilte mir mit, ich bin unter Verdacht aufgrund eines Gespräches im Warteraum der Arztpraxis geraten, da ich mich negativ über den Papst geäußert hatte und diese negative Aussage wurde angezeigt."

Derweil tobt bei der Familie die Hausdurchsuchung. Zunächst muss Frau Lindner ihre Kinder für eine halbe Stunde mit den Polizisten allein lassen.

O-Ton: Petra Lindner, Mutter
"Für mich war es die Hölle, weil ich draußen stand, die ganzen Polizisten waren im Haus und ich durfte nicht rein. Ich wusste nicht, was passiert in dem Haus und die Angst um meine Kinder. Unser kleiner Florian war sechs der Christopher war zehn. Es war schlimm für mich, sehr schlimm."

Drinnen wird auch das Kinderzimmer durchsucht, die Kinder werden befragt.

O-Ton: Florian Lindner, Sohn
"Dann ist der Polizist ins Kinderzimmer reingegangen, 'Habt ihr einen Laptop?'. Dann habe ich gesagt 'ja'und habe dem Polizisten die Schachtel gebracht."

Der kleine Junge zeigt seinen Spielzeuglaptop. Statt Mails von Al Qaida nur heimisches Liedgut.

O-Ton: Petra Lindner, Mutter
"Ich habe zu dem ersten gesagt, dass mir die Sache zuviel ist, dass ich nervlich am Ende bin, und dass ich total überfordert bin mit dem Ganzen. Da hat der Polizist gesagt: 'Aus diesem Grunde machen wir das, damit die Leute von der ganzen Situation her überfordert sind und dann Sachen ausplaudern, die sie sonst nicht sagen würden.'"

Schöne Methoden. Doch es gibt nichts auszuplaudern. Der Vater ist unschuldig. Nach fünf Stunden Hausdurchsuchung wird das langsam auch der Polizei klar. Das Ermittlungsverfahren ist inzwischen eingestellt. Wir wollen mit den zuständigen Behörden über ihr überzogenes Vorgehen vor der Kamera sprechen.

Für den Richter aus Altötting, der den Durchsuchungsbefehl ausgestellt hat, ist die Sache abgeschlossen. Kein Kommentar, kein Bedauern. Die zuständige Kriminalpolizei in Mühldorf verweist auf die höhere Dienststelle in Traunstein. Die Polizei in Traunstein sagt, zuständig wäre die Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft gibt am Telefon Auskunft, spricht von einem normalen Einsatz. Aber kein Interview. Das bayrische Innenministerium will sich mit dem Vorgang befassen, aber kein Interview geben.

O-Ton: Siegfried Lindner, Vater
"Wir haben uns schriftlich über die Hausdurchsuchung beschwert, per Einschreiben. Und bis heute haben wir von diesen Leuten keine Auskunft, keine Antwort, keine Entschuldigung, nichts bekommen."

Und sollten Sie in Bayern mal richtig was erleben wollen, reden Sie mit Ihrem Nachbarn doch einfach mal über den Papst.

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Aus: "Willkürlicher Polizeieinsatz" - Manuskript des Beitrages von Frank Wolfgang Sonntag (FAKT vom 26.11.2007)
zuletzt aktualisiert: 27. November 2007, MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Quelle: http://www.mdr.de/fakt/5039319.html