[...] Der heute 24-jährige Schiffsbauer aus Bremen war am 1. Dezember 2001 im pakistanischen Peshawar auf dem Weg zum Flughafen, wo er seinen Heimflug antreten wollte, an einem Checkpoint aus dem Shuttlebus gezogen und nach Kandahar in eines der berüchtigten US-Geheimgefängnisse verschleppt worden. Dort wurde er nach seinen Angaben von Angehörigen des US-Militärs gefoltert, unter anderem mit Elektroschocks.
Nach zwei Monaten in dem Foltergefängnis in Afghanistan wurde Kurnaz von US-Militärs in das Gefangenenlager nach Guantánamo gebracht. Dort wurde Kurnaz auch von Beamten des Bundesnachrichtendienstes (BND) und mehrmals von einem Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) besucht und vernommen.
Gegenüber der PKG, dem Geheimdienstkontrollgremium des Bundestages, hatten der damalige BND-Chef August Hanning, heute Sekretär im Bundesinnenminister, sowie BfV-Präsident Heinz Fromm nur einen einzigen Guantánamo-Besuch ihrer Beamten bei Kurnaz eingeräumt, und zwar im September 2002.
Damals waren die Verhörexperten von BND und BfV zu der Überzeugung gekommen, dass Kurnaz völlig unschuldig sei. Bei Murat Kurnaz deute "nichts" auf "Kontakte zu Taliban- oder al-Qaeda-Strukturen" hin, heißt es dazu in einem geheimen Regierungsbericht. Die "US-Seite hat sich dieser Bewertung angeschlossen".
Aus: "Guantánamo-Häftling - Kurnaz wirft Deutschen Folterung vor" (Artikel vom 04. Oktober 2006)
Quelle:
http://www.stern.de/politik/deutschland/:Bremer-Taliban-Kurnaz-Soldaten/573096.html-.-
[...] Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, verlangte eine lückenlose Aufklärung der Vorwürfe. "Ich halte es für unabdingbar, dass man das minutiös prüft", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Ich glaube nicht, dass das stimmt. Ich kann es aber auch nicht ausschließen."
Aus: "Foltervorwürfe: Jung verspricht Aufklärung" (stern.de Artikel vom 05. Oktober 2006)
Quelle:
http://www.stern.de/politik/deutschland/:Foltervorw%FCrfe-Jung-Aufkl%E4rung/573191.html-.-
[...] "Von Misshandlungen ist nichts bekannt", sagte Ministeriumssprecher Thomas Raabe heute in Berlin. "Aufgrund erster Befragungen gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass deutsche Soldaten damals an Verhören eines deutschsprachigen Gefangenen des US-Militärs beteiligt waren." Doch werde die Aufklärung von Vorgängen im Januar 2002 einige Zeit dauern.
Aus: "Verteidigungsministerium ordnet Untersuchung im Fall Kurnaz an" (04. Oktober 2006)
Quelle:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,440721,00.html-.-
[...] Deutsche Sicherheitsbehörden haben mehrere Unschuldige den Deportations- und Folterverbrechen der USA zugeführt und dabei auch selbst Hand angelegt. Aktuelle Aussagen des dritten Folteropfers, des Bremers Murat Kurnaz, bestätigen die systematische deutsche Beihilfe zu Verschleppung, Freiheitsberaubung und physischer Erniedrigung. Das Schicksal der Folteropfer (neben Murat Kurnaz auch Khaled el Masri, Mohammed Haydar Zammar und Mohammed Ramez Sultan) weist frappierende Parallelen auf und offenbart ein methodisches Vorgehen deutscher Dienststellen, die sich zeitweise gegenseitig der Beteiligung an schweren Verbrechen verdächtigten. Jüngsten Presseberichten zufolge sind in die Misshandlung verschleppter Opfer auch Sondereinheiten der Bundeswehr involviert ("Kommando Spezialkräfte", KSK), die unter strengstem Geheimschutz operieren und keinerlei öffentlicher Kontrolle unterliegen. Die offenkundige Verwicklung deutscher Dienste in die genannten Verbrechen, die unter der politischen Aufsicht des gegenwärtigen Außenministers stattfand, bleibt bis heute ohne Konsequenzen; mehrere mutmaßlich Verantwortliche sind in hohe und höchste politische Ämter aufgestiegen.
[...] Parallelen lassen sich auch bei den bekannt gewordenen Zusammenhängen zwischen Verhören und Folter feststellen. Für den in Beirut inhaftierten und gefolterten Mohammed Ramez Sultan hielten vor Ort tätige BKA-Beamte einen rund 80-seitigen Fragenkatalog bereit, für dessen Beantwortung libanesische Dienste sorgten. Khaled el Masri bestätigt, nach erlittener Folter nicht nur von US-Amerikanern, sondern auch von einem Deutschen befragt worden zu sein. Mohammed Haydar Zammar wurde in syrischer Folterhaft von Mitarbeitern gleich dreier deutscher Dienststellen verhört (Bundeskriminalamt, Bundesnachrichtendienst, Verfassungsschutz). Beamte des Bundesnachrichtendienstes und des Bundesamtes für Verfassungsschutz suchten auch den in Guantánamo gefolterten Murat Kurnaz auf, um die Lage des unschuldig Inhaftierten zur Erlangung weiterer Informationen zu nutzen. Jüngsten Presseberichten zufolge führten deutsche Staatsbedienstete entgegen bisherigen Behauptungen mehrere solche Verhöre durch - in Absprache mit den US-Behörden, die Kurnaz bis vor wenigen Wochen gefangen hielten.
[...] Straflosigkeit genießen weiterhin sämtliche staatlichen Funktionsträger, die mutmaßlich für die systematische Behilfe zu den offenkundigen Verbrechen Verantwortung tragen. Frank-Walter Steinmeier (SPD), während des gesamten in Frage stehenden Zeitraums Chef des Bundeskanzleramts und für die Aufsicht über die tief in die Angelegenheit verstrickten Geheimdienste zuständig, tritt bis heute als oberster Diplomat der Bundesrepublik Deutschland in Erscheinung. Das Auswärtige Amt hat es bereits unter seinem Amtsvorgänger Joseph Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) versäumt, seiner Beistandspflicht für im Ausland festgehaltene deutsche Staatsbürger nachzukommen. Der ehemalige BND-Chef August Hanning fungiert immer noch als Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, obwohl er am 29. Oktober 2002 eine Freilassung Murat Kurnaz' aus US-amerikanischer Folterhaft aktiv verhinderte - mit einem Plädoyer "für eine Einreisesperre in Deutschland", wie die Presse aus Regierungsunterlagen zitiert. Keiner der damaligen Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung (Gerd Poppe, Claudia Roth, Tom Koenigs - alle Bündnis 90/Die Grünen) hat sich angemessen für die Deportierten eingesetzt.
Aus: "Transatlantische Verbrechensausbeute" (german-foreign-policy.com; 05.10.2006)
Quelle:
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/56548?PHPSESSID=94p1thengvinlm937ua2v1qid3-.-
[...] Kurnaz' Schilderungen sind ein Dokument maßloser Willkür, brutaler Gewalt und absoluter Rechtlosigkeit. Auf die Frage, ob er während seiner Gefangenschaft Todesangst verspürt habe, antwortet Kurnaz: "Ich habe gelernt, dass Schmerzen ein Teil des Lebens sind." Das Interview hat sogar manche der abgebrühten Politiker in Berlin entsetzt. "Aus den detaillierten Beschreibungen wird deutlich, welch menschenrechtswidriger Behandlung Kurnaz ausgesetzt war", sagte Max Stadler gestern nach der Lektüre. Der FDP-Mann weiß viel über das Unrecht, das US-Amerikaner, aber auch Deutsche im "Krieg gegen den Terror" ausgeübt haben. Er sitzt im BND-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Ebenso wie Politiker der Grünen und der Linkspartei forderte Stadler umgehende Aufklärung und "eine umgehende Stellungnahme der Bundesregierung".
So erschütternd Kurnaz' Schilderungen von Isolationshaft, Schlägen, Schlafentzug und Hungerstreik in Guantánamo auch sind - innenpolitisch brisant ist vor allem sein Vorwurf, deutsche Soldaten hätten ihn Anfang 2002, noch vor seiner Verschleppung nach Guantánamo, in einem geheimen US-Gefängnis in Afghanistan besucht und misshandelt.
[...] Das Verteidigungsministerium kündigte eine interne Untersuchung an. Aufgrund "erster Befragungen" gebe es zwar "keine Anhaltspunkte" dafür, dass "deutsche Soldaten damals an Verhören eines deutschsprachigen Gefangenen des US-Militärs beteiligt waren", sagte ein Sprecher. Man nehme die erhobenen Vorwürfe jedoch "sehr ernst". Alle Soldaten, die damals im Gebiet um Kandahar stationiert waren, seien unverzüglich zur Abgabe einer dienstlichen Erklärung aufgefordert worden. Angesichts der Schwere der Vorwürfe behalte sich das Ministerium sogar die Einschaltung der zuständigen Staatsanwaltschaft vor. Siegfried Kauder (CDU) hingegen, der Vorsitzende des BND-Untersuchungsausschusses, ist schon jetzt von der Unschuld deutscher Soldaten überzeugt. Den Foltervorwurf nannte er "schlichtweg absurd".
Die bisherigen Darstellungen der Bundesregierung werden durch das Interview noch in einem weiteren Punkt erschüttert. Kurnaz erzählt, dass er nicht nur ein-, sondern zweimal von deutschen Beamten in Guantánamo verhört worden sei. "Sie sagten, wenn ich ihre Fragen richtig beantwortete, könnte das meine Entlassung beschleunigen. Das sagten die US-Befrager auch immer. Die Deutschen aber waren viel professioneller. Sie wussten alles über mich …"
Auch in einem dritten Punkt liefert das Interview aufschlussreiche Hinweise. Kurnaz erzählt, dass ihn die deutschen Geheimdienste bei ihrem Verhör in Guantánamo als Informanten anwerben wollten und dieses Angebot mit seiner möglichen Freilassung verknüpften. "Natürlich habe ich zugesagt", so Kurnaz zum Stern. "Zu Hause hätte ich mir an die Stirn getippt." Eine mögliche V-Mann-Tätigkeit war bislang immer als einer der Gründe dafür angeführt worden, dass die Bundesregierung im Jahre 2002 ein Angebot der US-Amerikaner abgelehnt hatte, Kurnaz freizulassen und den deutschen Behörden zu übergeben. Dieses Angebot soll mit der Auflage einer lückenlosen Überwachung bzw. einer geheimdienstlichen Verpflichtung Kurnaz' verbunden gewesen sein. Das schien den Deutschen, obwohl sie anfangs selbst dafür waren, später mit zu viel Risiken verbunden gewesen zu sein. Sie lehnten die Freilassung ab - und Kurnaz blieb in Guantánamo.
Viel Material also für den BND-Untersuchungsausschuss.
[...] Christian Ströbele, der die Grünen im Untersuchungsausschuss vertritt, sagte, wenn die Vorwürfe zuträfen, wäre dies ein politischer Skandal ersten Ranges. Er habe "schon lange versucht, den Aktivitäten der KSK auf die Spur zu kommen", sagte Ströbele der taz. Seine Fragen seien von der Regierung stets "sehr ausweichend beantwortet" worden.
Aus: "Gewalt, Willkür, Folter - Murat Kurnaz erzählt dem "Stern" exklusiv seine Leidensgeschichte. Die Regierung nimmt einige Vorwürfe "sehr ernst"" / (taz vom 5.10.2006, S. 3, 183 Z. (TAZ-Bericht), JENS KÖNIG / LUKAS WALLRAFF)
Quelle:
http://www.taz.de/pt/2006/10/05/a0133.1/text-.-
[...] Zwei Soldaten mit der deutschen Flagge an der Uniform hätten ihn an den Haaren gezogen und mit dem Kopf auf den Boden geschlagen, berichtet Kurnaz.
"Wir sind die deutsche Kraft", hätte einer der Männer gesagt. Die Misshandlungen sollen sich im US-Gefängnis im afghanischen Kandahar ereignet haben.
Vorwürfe erhob Kurnaz in dem Interview gegen deutsche Geheimdienste, die ihn beim Besuch in Guantánamo als Informanten anwerben haben wollen. "Und natürlich habe ich zugesagt", sagte Kurnaz. Den gleichen Fehler habe er beim zweiten Besuch noch einmal gemacht, sagte er. "Ich habe sowieso bereut, denen bei den Verhören geantwortet zu haben." Von einem zweiten Besuch ist laut "Stern" bisher nichts öffentlich bekannt geworden.
Aus: "Kurnaz berichtet: "Von Deutschen gefoltert"" (Mittwoch, 4. Oktober 2006)
Quelle:
http://www.n-tv.de/717843.html-.-
[...] Das Verteidigungsministerium hat nach eigener Darstellung keine Hinweise darauf, dass der Deutsch-Türke Murat Kurnaz von Bundeswehrsoldaten misshandelt worden sein soll. "Wir haben bisher noch keine Anhaltspunkte dafür", sagte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am Mittwochabend in Berlin.
[...] Bereits mehrfach hatten der heute 24-jährige Kurnaz und sein Anwalt beklagt, Soldaten hätten ihn im afghanischen Kandahar mit dem Kopf unter Wasser getaucht und ihm Elektroschocks versetzt. 2002 brachten US-Kräfte Kurnaz in das US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba. Wie der "Stern" berichtete, verhörten ihn dort nicht nur einmal Beamte des Bundesverfassungsschutzes und des Bundeskriminalamts. So hatten es Spitzenbeamte im Geheimdienst-Kontrollgremium des Bundestages geschildert. Mitarbeiter des Verfassungsschutzes hätten Kurnaz ein weiteres Mal vernommen, berichtete das Magazin. Kurnaz saß vier Jahre in Guantánamo fest, ohne Haftbefehl oder Verfahren. Erst im August 2006 kam er frei und reiste nach Deutschland.
Aus: "Bund sieht Kurnaz' Folter-Vorwurf unbestätigt" (n24.de; 05. October 2006)
Quelle:
http://www.n24.de/politik/article.php?articleId=73940-.-
[...] Lediglich zwei Offiziere, darunter der stellvertretende KSK-Chef, seien an den Weihnachtsfeiertagen nach Kandahar geflogen, um die Verlegung des Kommandos nach Afghanistan vorzubereiten. Der Einsatz der Truppe in Afghanistan sei erst Anfang Januar richtig angelaufen.
Auch Kurnaz' Angaben über die "Camouflage- Uniformen" der vermeintlichen deutschen Soldaten mit "kleinen Punkten, wie vom Computer" überzeugen Insider nicht: Die Einzigen, die damals in Kandahar derartige Muster getragen hätten, seien die Kanadier gewesen.
Scharf dementiert wird in der Bundesregierung auch der Vorwurf, Kurnaz sei nicht nur 2002 von deutschen Beamten in Guantanamo vernommen worden, sondern noch ein weiteres Mal 2004. Ein von Kurnaz beschriebener mutmaßlicher Verfassungsschützer versicherte in einer dienstlichen Erklärung, nur 2002 dort gewesen zu sein. Auch der Bundesnachrichtendienst schließt eine zweite Befragung aus.
Aus: "FALL KURNAZ: Zweifel an Misshandlungs-Vorwürfen des "Bremer Taliban"" (SPON; 07. Oktober 2006)
Quelle:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,441308,00.html-.-
[...] Die Opposition dringt im Fall des aus dem US-Gefangenenlager Guantànamo entlassenen Bremer Türken Murat Kurnaz auf eine Befragung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). "Als Kanzleramtschef war er damals zuständig für die Aufsicht über die Geheimdienste und für den Fall Kurnaz", sagte der Obmann der FDP-Bundestagsfraktion im Ausschuss, Max Stadler, der "Frankfurter Rundschau". Die Linksfraktion schloss sich der Forderung an.
Stadler forderte, dass der BND-Untersuchungsausschuss dem Vorwurf nachgehen müsse, die rot-grüne Bundesregierung habe ein Angebot der USA abgelehnt, den Deutsch-Türken freizulassen. Anders als Ausschuss-Chef Siegfried Kauder (CDU) halte er Kurnaz' Vorwurf, deutsche Soldaten hätten ihn misshandelt, nicht für absurd. Auch Kurnaz selbst solle im Ausschuss befragt werden - jedoch erst, wenn er sich dazu bereit fühle.
[...] BDK verlangt Ermittlungen durch Strafverfolgungsbehörde
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) plädierte zur Klärung der Vorwürfe für Ermittlungen der Staatsanwaltschaft oder der Polizei. BDK-Chef Klaus Jansen sagte, die Vorwürfe implizierten eine mögliche strafbare Handlung. "Die Ermittlungen zu den im Raume stehenden Tatvorwürfen müssen nach meinem Rechtsverständnis von einer Strafverfolgungsbehörde geführt werden." Wenn die Bundeswehr diese Vorwürfe selbst intern untersuche, könne sehr schnell der Anschein einer möglichen "Vertuschung oder Manipulation" entstehen, sagte Jansen. "Für Fundamentalisten wäre dies eine Steilvorlage und sie werden die Bundeswehr und damit Deutschland argumentativ in den Dunstkreis von Abu Ghoreib ziehen."
Der "Berliner Zeitung" sagte Stadler, neben Kurnaz wolle die FDP auch dessen Anwälte zu den Folter-Vorwürfen befragen. Die Vernehmung von Kurnaz sei möglicherweise Ende Januar 2007 möglich. Der Grünen-Politiker Volker Beck sagte dem Blatt, er könne sich schwer vorstellen, dass die Anschuldigungen Kurnaz' stimmten. Unions-Fraktionsvize Andreas Schockenhoff sagte: "Es ist entscheidend, dass die Vorwürfe sorgfältig geprüft und untersucht werden." Er halte es für unwahrscheinlich, dass an dem Vorwurf von Kurnaz etwas dran sei.
Aus: "Fall Kurnaz: Steinmeier soll vor BND-Ausschuss" (Stern; Oktober 2006)
Quelle:
http://www.stern.de/politik/deutschland/:Fall-Kurnaz-Steinmeier-BND-Ausschuss/573394.html-.-
[...] Kauder sagte, er halte "diese Vorwürfe für irreal. Allerdings muss man auch irrealen Vorwürfen nachgehen. Auch Soldaten und Beamte unterliegen deutschem Recht." Die mutmaßlichen Übergriffe von Bundeswehrsoldaten gehörten allerdings nicht in den BND-Ausschuss. Dafür sei der Verteidigungsausschuss zuständig.
Die Behandlung der Vorkommnisse in Guantánamo im BND-Ausschuss befürwortete Kauder, "allerdings sollten wir zunächst die anderen uns vorliegenden Aufgabenkomplexe bewältigen". Das Gremium soll die Beteiligung deutscher Geheimdienste an illegalen Gefangenentransporten durch die CIA, an der Entführung des deutschen Staatsbürgers Khaled el-Masri und am Irak-Krieg klären.
Allein die Aufarbeitung des zunächst behandelten Falles el-Masri werde bis Jahresende dauern, Kurnaz könne also erst 2007 gehört werden. Die von der Opposition außerdem geforderte Befragung von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), früher als Kanzleramtschef für die Geheimdienstaufsicht zuständig, soll Kauder zufolge erst am Ende der Ausschussarbeit im Laufe des nächsten Jahres erfolgen.
Aus: "BND-Untersuchungsausschuss: Kauder lehnt vorschnelle Befragung von Kurnaz und Steinmeier ab" (07.10.2006)
Quelle:
http://www.welt.de/data/2006/10/07/1062372.html-.-
[...] Die Liberalen wollen nun Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor den Untersuchungsausschuss zitieren. Als Kanzleramtschef war er damals für die Aufsicht über die Geheimdienste und auch für den Fall Kurnaz zuständig. "Es wäre ein ungeheuerlicher Skandal, wenn nicht jede Möglichkeit genutzt worden wäre, einen Unschuldigen vor Haft, Folter und Erniedrigung zu bewahren", sagte der FDP-Innenexperte Max Stadler der Frankfurter Rundschau. Noch größer würde der Skandal indessen ausfallen, wenn Deutsche selbst an Misshandlungen beteiligt gewesen wären.
Es könnte aber noch dauern, bis der Außenminister tatsächlich vor dem Ausschuss spricht. „Die Regierungskoalition steht geschlossen vor Steinmeier“, sagte die Sprecherin der FDP-Fraktion, Isabella Pfaff, zu ZEIT online. Die beiden großen Parteien zögerten seine Vernehmung so weit wie möglich hinaus. Am liebsten sei es ihnen wohl, wenn er erst zum Ende der Legislaturperiode aussagen müsse. "Auf diese Weise wird versucht, den Imageschaden für den beliebten SPD-Minister möglichst klein zu halten", sagt Pfaff.
Dass Steinmeier aussagen wird, ist indes bereits beschlossen. Nur das Wann steht eben noch nicht fest. Auch Kurnaz und seine Anwälte sollen nach dem Willen der FDP befragt werden. "Es wird mit ihm abzusprechen sein, wann er dazu in der Lage ist", sagte Stadler. Als mögliches Datum nannte er Ende Januar.
Politiker aller Parteien halten den Vorwurf, Kurnaz sei von Deutschen misshandelt worden, für wenig glaubwürdig. Das Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben bisher jedenfalls keine Anhaltspunkte dafür, dass deutsche Soldaten damals an den Verhören eines deutschsprachigen Gefangenen des US-Militärs beteiligt waren. Auch von Misshandlungen sei nichts bekannt, heißt es.
Aus: "Mit angezogener Bremse: Die Große Koalition versucht, die Vernehmung von Außenminister Steinmeier im Fall Kurnaz gezielt zu verzögern - behauptet die FDP" Von Katharina Schuler (6.10.2006)
Quelle:
http://www.zeit.de/online/2006/41/Kurnaz-.-
[...] Sollte es sich bewahrheiten, dass es für die Freilassung von Murat Kurnaz eine reelle Chance gegeben habe, die aber von der damaligen Regierung nicht ergriffen wurde, dann werde es den dafür Verantwortlichen kaum gelingen, dafür irgendeine Rechtfertigung zu nennen, unterstreicht Stadler. "Tatsache ist, dass gegen Murat Kurnaz in Deutschland sogar eine Einreisesperre verhängt worden ist. Allein dieses Faktum ist blamabel genug. Es wäre aber darüber hinaus ein ungeheuerlicher Skandal, wenn nicht jede Chance genutzt worden sein sollte, einen unschuldigen Menschen vor Haft, Folter und Erniedrigung zu bewahren", so Stadler.
Nach den Schilderungen von Murat Kurnaz über die "unerträglichen Zustände" in Guantanamo stelle sich zudem die Frage, wie es die damalige Bundesregierung verantworten konnte, ihn unter solchen Umständen durch deutsche Sicherheitskräfte befragen zu lassen, erklärte Stadler.
Aus: "Steinmeier soll sich im U-Ausschuss zum Fall Kurnaz äußern" (Samstag, 7. Oktober 2006)
Quelle:
http://www.fdp-fraktion.de/webcom/show_article.php/_c-334/_nr-516/_p-1/i.html-.-
[...] In Befragungen sagten deutsche Soldaten aus, sie hätten Kontakt zu Kurnaz gehabt – den Mann aber in keiner Weise misshandelt!
Rudolf Scharping (SPD), der damals Verteidigungsminister war, hält die Vorwürfe ebenfalls für unglaubwürdig. Scharping zu BamS: „Ich halte das für völlig ausgeschlossen, weil dies weder mit dem Einsatzauftrag noch mit den Einsatzregeln im geringsten zu tun hatte.“
Aus: "„Bremer Taliban“ traf auf KSK-Soldaten" Von MARTIN S. LAMBECK (07.10.2006)
Quelle:
http://www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/10/08/bremer-taliban-ksk-soldaten/bremer-taliban-ksk-soldaten.html-.-
[...] Berlin/Hamburg (ddp). Die Aufklärung der schweren Vorwürfe des ehemaligen Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz gegen deutsche Soldaten lässt weiter auf sich warten. Die Feststellung des Sachverhalts werde noch «einige Zeit in Anspruch nehmen», sagte am Mittwoch ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Derzeit gebe es aber «keine Beweise, dass die erhobenen Vorwürfe so richtig sind«.
[...] Der «Stern» hatte zuvor neue Belege für angebliche Misshandlungen des Bremers Kurnaz in einem Internierungslager in Afghanistan präsentiert. Das Magazin zitierte einen hochrangigen Offizier des Kommandos Spezialkräfte (KSK) mit den Worten: «Wir haben schon gesehen, wie die Amerikaner die Gefangenen da im Lager getreten und geschlagen haben. Das war einfach schäbig.» Mit seiner Aussage habe der Offizier auch Meldungen widerlegt, das KSK sei Ende 2001 noch nicht in Afghanistan gewesen. «Ich war ab dem 10. Dezember 2001 in Kandahar», sagte der KSK-Mann dem Vorabbericht zufolge.
Dem «Stern» liegen überdies nach eigenen Angaben Privatfotos von KSK-Angehörigen vor, die in Kandahar aufgenommen wurden. Die Fotos tragen danach das Datum des 5. und des 10. Januar 2002. Auf den Bildern habe Kurnaz den Ort wiedererkannt, an dem ihn zwei deutsche Soldaten verhört und dabei seinen Kopf auf den Boden geschlagen hätten: «Das ist in diesem Lager passiert», sagte der Deutsch-Türke. An den massiven Vorwürfen, die Kurnaz vergangene Woche im «Stern» erhoben hatte, waren Zweifel aufgetaucht.
Aus: "«Stern» legt neue Belege für Misshandlungen von Kurnaz vor" (Mittwoch 11. Oktober 2006)
Quelle:
http://de.news.yahoo.com/11102006/336/laquo-stern-raquo-legt-belege-misshandlungen-kurnaz.html-.-
[...] Es gebe Hinweise, dass die Aussage des früheren Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz stimme, wonach die KSK bereits um die Jahreswende 2001/2002 in Afghanistan gewesen sei, hieß es gestern aus SPD-Kreisen in Berlin.
Bislang hatte es geheißen, das KSK sei Ende 2001 nicht in Zentralasien, sondern auf einer Insel vor Oman stationiert gewesen und erst nach dem 20. Januar 2002 in Afghanistan eingesetzt worden. Der Stern hatte dagegen jüngst berichtet, dass einzelne KSK-Angehörige schon am 10. Dezember 2001 in Afghanistan gewesen seien.
In der SPD reagiert man besorgt. "Das ist von hoher Brisanz", sagte ein Abgeordneter. Entweder habe sich das KSK zeitweilig der politischen Kontrolle entzogen oder die damalige Spitze des Verteidigungsministeriums unter Rudolf Scharping (SPD) habe von dem Einsatz gewusst und ihn gebilligt. "In jedem Fall ist das ein Problem", hieß es.
Über die Rolle des Ministeriums beim KSK-Einsatz wird der jetzige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) dem Wehrausschuss des Bundestages heute berichten. Im Mittelpunkt der Befragung dürften die Vorwürfe von Kurnaz stehen, Bundeswehr-Angehörige hätten ihn Anfang Januar 2002 in einem Gefängnis im südafghanischen Kandahar verhört und misshandelt.
Aus: "Elite-Soldaten im Zwielicht" - SPD: Geheimtruppe KSK offenbar schon 2001 in Afghanistan / Ermittlungen nach Kurnaz-Aussage - VON ANDREAS FÖRSTER, DAMIR FRAS UND DANIELA VATES (Berliner Zeitung, 18.10.2006)
Quelle:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/politik/595667.html-.-
[...] Das Verteidigungsministerium will sich heute im Verteidigungsausschuss zum Stand der Untersuchung des Falles Kurnaz äußern. Verteidigungsstaatssekretär Peter Wichert werde erklären, dass bisher keine Erkenntnisse vorlägen, dass Kurnaz von deutschen Soldaten gefoltert worden sei, hieß es. 67 Soldaten der beschuldigten Eliteeinheit KSK seien zur Abgabe dienstlicher Erklärungen aufgefordert worden. Nach Informationen der "Welt" haben 54 KSK-Soldaten in dienstlichen Erklärungen ausgesagt, sie wüssten nichts von Folterungen. Zwölf Erklärungen stünden noch aus, ein Soldat sei gestorben.
Aus: "Foltervorwurf: Neue Hinweise stärken Kurnaz-Vorwürfe" (18.10.2006)
Quelle:
http://www.welt.de/data/2006/10/18/1076415.html-.-
[...] Da es sich im Fall Kurnaz um die Bundeswehr handele, könnte sich automatisch der Verteidigungsausschuss dafür zuständig erklären, schreibt das Blatt. Dieser tage unter geringerer öffentlicher Aufmerksamkeit als der offizielle BND-Untersuchungsausschuss, der nicht mehr für Kurnaz zuständig wäre. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe) wollen SPD und CDU/CSU am 18. Oktober beschließen, den Verteidigungsausschuss als Untersuchungsausschuss einzusetzen.
Der FDP-Außenpolitiker Werner Hoyer und Vertreter seiner Partei im BND-Untersuchungsausschuss, Max Stadler, sagte dem "Kölner Stadtanzeiger", sollte der BND-Ausschuss seine Zuständigkeit verlieren, wäre dies ein weiterer Beweis dafür, dass die Koalition die Angelegenheit vertuschen und verheimlichen wolle.
Aus: "Vorwürfe gegen die Bundeswehr: Union und SPD planen Kurnaz-Untersuchungsausschuss"(18.10.06)
Quelle:
http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/politik/deutschland/356709-.-
[...] Berlin - Die FDP hat sich gegen einen Untersuchungsausschuss für den Fall des gut vier Jahre im US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba festgehaltenen Türken Murat Kurnaz aus Bremen ausgesprochen. Der FDP-Obmann im BND-Untersuchungsausschuss, Max Stadler, sieht in dem Plan der großen Koalition eine Taktik der Bundesregierung, all diese Vorgänge in nichtöffentlicher Sitzung zu behandeln. "Das geht meiner Meinung nach gar nicht", sagte Stadler am Mittwoch dem SWR. Die Öffentlichkeit habe Anspruch darauf zu erfahren, was da wirklich geschehen ist.
Laut mehreren Medienberichte gibt es sowohl in der SPD-Fraktion als auch in der Union Überlegungen für einen eigenen Untersuchungsausschuss. Im Verteidigungsausschuss des Bundestags wird heute (Mittwoch) über die Vorwürfe von Kurnaz debattiert, der als angeblicher Taliban-Kämpfer im Dezember 2001 in Pakistan festgenommen, dann in Guantánamo inhaftiert und erst im August dieses Jahres freigelassen worden war.
Stadler sagte, er halte Kurnaz' Aussagen bezüglich seines Gefängnisaufenthalts für glaubwürdig. "Ich habe keine Zweifel an seiner Schilderung, wie es ihm in Guantanamo ergangen ist und was er dort erlitten hat." Bezüglich der Anschuldigung, deutsche Soldaten hätten ihn misshandelt, wolle er jedoch erst die andere Seite hören. "Da gilt die Unschuldsvermutung zu Gunsten unserer Soldaten und erst wenn die Beweise auf dem Tisch liegen, dann werden wir uns ein Urteil bilden." (dpa)
Aus: "FDP gegen Einrichtung eines Untersuchungsausschusses" (18.10.06)
Quelle:
http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1161148347900.shtml-.-
[...] Der sicherheits- und abrüstungspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Winfried Nachtwei, unterstützt die Forderung, die Vorwürfe des nach Afghanistan verschleppten Bremers Murat Kurnaz vom Parlament untersuchen zu lassen.
Nachtwei sagte am Mittwoch im Inforadio, die Aufklärung des Falles sei von "erheblicher Bedeutung". Dies gelte einerseits für Kurnaz selbst, der "eine fürchterliche Geschichte hinter sich" habe. Darüber hinaus habe die Angelegenheit eine grundsätzliche Bedeutung, weil es um die Kontrolle von Spezialeinsätzen gehe, die einer besonderen Geheimhaltung unterliegen. Dabei gewähre das Parlament der Regierung einen besonderen Vertrauensvorschuss, weil es "keine Möglichkeit der eigenen, direkten Kontrolle" gebe. Nachtwei: "Wenn jetzt sich herausstellen oder erhärten sollte, dass es dort zu Misshandlungen gekommen ist, dann ist das Problem der Kontrolle von Spezialeinsätzen insgesamt auf der Tagesordnung." In diesem Fall "muss man auch erwägen, ob der Verteidigungsausschuss in dieser Sache Untersuchungsausschuss würde".
Im Zusammenhang mit der Arbeit des BND-Untersuchungsausschusses warf der Grünen-Politiker der Bundesregierung "unzureichende Aufklärungsbereitschaft" vor. So hätten die Oppositionsfraktionen beantragt, Kurnaz möglichst bald zu dem Vorwurf zu befragen, wonach die Bundesregierung 2002 das Angebot der USA ablehnte, den Mann freizulassen. Dazu habe man schon im April Akten von der Regierung angefordert, so Nachtwei, aber "bisher hat es kein Blatt an Reaktionen gegeben".
Aus: "Murat Kurnaz: Vorwürfe auch gegen deutsche "Kräfte"" (18.10.2006)
Quelle:
http://www.inforadio.de/static/dyn2sta_article/413/148413_article.shtml-.-
[...] Medienberichten zufolge kann es sich bei den fraglichen Soldaten nur um Angehörige des Kommandos Spezialkräfte (KSK) handeln. Der Anwalt von Kurnaz, Bernhard Docke, sagte, sein Mandant stehe der Staatsanwaltschaft für Befragungen zur Verfügung. Dagegen will sich Kurnaz nach Angaben Dockes einer internen Kommission des Verteidigungsministeriums zur Aufklärung der Vorwürfe nicht stellen. Der Anwalt begründete dies mit der Informationspolitik des Ministeriums. Zunächst habe man die Glaubwürdigkeit des 24-jährigen in Zweifel gezogen, dann aber in Teilen die Richtigkeit seiner Angaben bestätigen müssen. Es stelle sich die Frage, ob das Ministerium an einer objektiven Aufklärung interessiert sei.
[...] Unterdessen teilte die Staatsanwaltschaft Bremen mit, dass das Verfahren gegen Kurnaz wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung mangels Tatverdacht endgültig eingestellt wird. Die Vermutung, Kurnaz stehe mit Islamisten in Pakistan oder Afghanistan in Verbindung, habe sich nicht erhärtet, sagte Behördensprecher Uwe Picard.
[...] Kurnaz sagte in der ARD-Sendung, er wolle wieder ein ganz normales Leben wie vorher führen und auch wieder heiraten. Auf der Heimreise nach Deutschland habe er erfahren, dass er von seiner ersten Frau geschieden worden sei. Der Vorsitzende des BND-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Siegfried Kauder, kündigte in derselben Sendung an, dass sich der Ausschuss voraussichtlich nicht vor Jahresende mit dem Fall befassen werde. (nz)
Aus: "Ermittlungen gegen Soldaten im Fall Kurnaz" (17. Okt. 2006)
Quelle:
http://www.netzeitung.de/deutschland/447027.html-.-
[...] Nach Informationen von sueddeutsche.de bewachten die deutschen Soldaten Anfang 2002 das US-Gefangenenlager im afghanischen Kandahar und trafen dabei auf Murat Kurnaz. Der gebürtige Bremer wurde dort zu diesem Zeitpunkt nach eigener Aussage von den Amerikanern als Terrorist behandelt und gefoltert.
Wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sueddeutsche.de bestätigte, hielten sich deutsche Soldaten auf „Ersuchen der US-Militärpolizei“ in dem Lager in Kandahar auf. Laut Süddeutscher Zeitung handelte es sich dabei Angehörige des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr.
Bei der „Einweisung zum Wachdienst“ sei den Deutschen mitgeteilt worden, dass sich unter den Gefangenen ein Mann befindet, mit dem sie sich in deutscher Sprache unterhalten könnten. Daraufhin gab es „Kontakt zu einem deutschsprachigen Gefangenen,“ sagte der Ministeriumssprecher. Dabei wurde dem Gefangenen der Satz „Du warst wohl auf der falschen Seite“ zugerufen. Für eine Misshandlung, wie von Kurnaz behauptet, gebe es keine Anhaltspunkte.
Aus: "Kurnaz und die deutschen Soldaten - Bundeswehr bewachte US-Gefangenenlager" Von Oliver Das Gupta (18.10.2006)
Quelle:
http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/81/88992/-.-
[...] In Geltow bei Potsdam sitzt das für alle Bundeswehr-Auslandseinsätze zuständige Einsatzführungskommando. Den Teilnehmern der Sitzung des Verteidigungsausschusses drängte sich zudem der Eindruck auf, dass der Bundesregierung offenbar nicht so ganz klar war, was ihre Elitetruppe in Afghanistan vor fünf Jahren genau getan hat.
[...] Kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 bot die Bundesregierung auch Elite-Soldaten für die US-geführte Operation „Enduring Freedom“ an. Seitdem sind KSK-Kämpfer regelmäßig in Afghanistan an der Seite von amerikanischen Einheiten im Einsatz. Offiziell berichtet wird über diese Einsätze nicht.
Seit Kurnaz die Foltervorwürfe erhoben hat, lichtet die Bundesregierung den Schleier etwas. In der gestrigen Ausschusssitzung wurde bekannt, dass am 10 .Januar 2002 die Einsatzbereitschaft des KSK in Afghanistan hergestellt war. Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Foltervorwürfe hatte das Verteidigungsministerium bereits die Anwesenheit deutscher Soldaten in Kandahar eingeräumt.
[...] Teile der SPD-Fraktion drängen darauf, den geheim tagenden Verteidigungsausschuss als Untersuchungsausschuss zu installieren, um den Fall Kurnaz aufzuklären. Damit könnte verhindert werden, dass der öffentlich tagende BND-Untersuchungsausschuss auf diesen Komplex zugreift. Im kleinen Kreis des Verteidigungsausschusses könnten für die Regierungspartei möglicherweise belastende Fakten geräuschloser aufgearbeitet werden. Denn es ist auch SPD-Führungspersonal betroffen: Kanzleramtschef war damals der heutige Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Verteidigungsminister war der inzwischen aus der Politik ausgeschiedene Rudolf Scharping. Aber im Juli 2002 folgte Peter Struck, der heutige Fraktionsvorsitzende, auf Scharping. Teile des Falles Kurnaz könnten durchaus noch in Strucks Zeit hineinreichen, vermuteten Mitglieder des Verteidigungsausschusses.
Ein Beschluss zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses fiel gestern noch nicht. Die Unionsfraktion zeigte sich nicht gerade begeistert, würde aber mitmachen, wenn die SPD einen Ausschuss wolle. Die FDP-Abgeordneten Birgit Homburger und Max Stadler erklärten, es seien viele auch über den Fall Kurnaz hinausgehende Fragen offen. Die müssten im BND-Ausschuss geklärt werden.
Aus: "Fall Kurnaz: Elite-Soldaten außer Kontrolle" Von Hans-Jürgen Leersch (18.10.2006)
Quelle:
http://www.welt.de/data/2006/10/18/1076961.html-.-
[...] Bisher kannte kaum jemand im Parlament im Detail die Missionen der KSK, die in Afghanistan an der Seite der USA eingesetzt wird. Jetzt erfuhren die Mitglieder des Ausschusses erstmals Genaueres: Demnach baten die USA die deutschen Elitesoldaten Anfang Januar 2002, bei der Bewachung der Gefangenen der US-Streitkräfte auszuhelfen. Innerhalb des Lagers hätten die Deutschen den "äußeren Ring" eines Gefangenentrakts bewacht, in dem auch Kurnaz saß. Dabei soll es auch zu dem "verbalen Kontakt" zu dem Deutsch-Türken gekommen sein.
Aus: "FALL KURNAZ: Heikle Begegnung in Kandahar" Von Matthias Gebauer (SPON; 18. Oktober 2006)
Quelle:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,443313,00.html-.-
[...] Die Idee, den Verteidigungsausschuss zu einem U-Ausschuss auszuweiten, hatten die Strategen der Großen Koalition schon vor den spektakulären Eingeständnissen. Formal steht dem Bundestagsausschuss diese Möglichkeit zu, um Affären militärischer Art aufzuklären. Im Gegensatz zu einem regulären Untersuchungsausschuss wird das neu gebildete Gremium jedoch geheim tagen. Folglich würden die Mitglieder verpflichtet, über Zeugen, vorgelegte Akten und Dokumente zu schweigen.
[...] Die FDP betonte, die beabsichtigte Einsetzung des Verteidigungsausschusses als Untersuchungsausschuss dürfe nicht dazu führen, "mögliche Verfehlungen unter dem Deckmantel der Geheimhaltung einer Veröffentlichung zu entziehen, um so politischen Konsequenzen zu entgehen". Bei einem solchen Verfahren werde die FDP-Fraktion nicht mitspielen, so die FDP-Verteidigungsexpertin Birgit Homburger.
Die Linksfraktion blieb bei ihrer Kritik. "Ein zusätzlicher Untersuchungsausschuss bringt nicht mehr Aufklärung, sondern mehr Verschleierung, denn der Verteidigungsausschuss tagt grundsätzlich geheim", kommentierte der Politiker Ulrich Maurer die Entscheidung. Der Koalition gehe es "offensichtlich vor allem darum, die Öffentlichkeit von der Aufklärung fernzuhalten und die Rolle von Frank-Walter Steinmeier im Verborgenen zu halten".
Unabhängig von der Entscheidung der Großen Koalition wollen die Grünen Kurnaz noch dieses Jahr im U-Ausschuss über die Aktivitäten deutscher Behörden im Anti-Terror-Kampf hören. Ströbele sagte ein Termin in diesem Monat oder Anfang November sei möglich. Ein Befragung sei angesichts des großen Interesses der Öffentlichkeit an dem Fall "dringend notwendig", sagte Ströbele.
Im U-Ausschuss beschäftigt die Parlamentarier vor allem ein anderer Komplex des Falls Kurnaz. Es gebe eine "wachsende Besorgnis" darüber, ob und aus welchen Gründen die Bundesregierung es seinerzeit abgelehnt habe, Kurnaz nach Deutschland zurückzuholen.
Seit Monaten ist bekannt, dass deutsche Stellen, in diesem Fall der Bundesnachrichtendienst, schon am 9. Januar die Inhaftierung von Kurnaz nach Berlin weiter gemeldet hatten. Ebenso ist offen, warum die Bundesregierung im Herbst 2002 einer Rückkehr von Kurnaz nach Deutschland ablehnte. Die USA hatten laut internen Unterlagen der deutschen Regierung eine Freilassung signalisiert, diese war aber von Berlin nicht akzeptiert worden.
Aus: "KURNAZ-VORWÜRFE: Große Koalition beschließt geheime Aufklärung" (SPON; 19. Oktober 2006)
Quelle:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,443501,00.html-.-
[...] Im Fall Kurnaz entwickelt sich dieselbe falsche Aufklärungsdynamik wie beim Einsatz der BND-Mitarbeiter im Irak: Schon wieder ist das Parlament dabei, aus einem Regierungsskandal einen Skandal von Befehlsempfängern zu machen. Wenn der Verteidigungsexperte der SPD, Hans-Peter Bartels, und die Grünenchefin Claudia Roth jetzt fordern, der KSK-Einsatz in Afghanistan müsse beendet werden, zeugt das von einem seltsam mikrokopischen Problembewusstsein.
[...] die eigentlich brisante Frage ist, seit wann die Bundesregierung von der Festnahme Murat Kurnaz wusste, und was sie unternommen hat, um dessen Internierung in Guantánamo zu verhindern bzw. zu beenden.
Die Fragen müssen folgende Herren beantworten:
August Hanning, damals BND-Chef, heute Staatssekretär im Innenministerium. Ernst Uhrlau, damals Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt, heute BND-Chef. Frank Walter Steinmeier, damals Kanzleramtschef, heute Außenminister. Joschka Fischer, damals Außenminister. Rudolf Scharping, damals Verteidigungsminister. Gerhard Schröder, Bundeskanzler a.D.
Aus einem vertraulichen Bericht der Bundesregierung an das Parlamentarische Kontrollgremium für die Nachrichtendiensten (PKG) vom Anfang diesen Jahres, der der ZEIT vorliegt, geht eindeutig hervor, dass der BND von der Festnahme Kurnaz’ in Kandahar im Januar 2002 informiert worden war.
[...] Warum hat Herr Uhrlau als AL6/BKAmt damals die Auffasung vertreten, Kurnaz solle nicht nach Deutschland zurückkehren dürfen? Warum musste der Mann noch einmal zweieinhalb Jahre unschuldig in dem Internierungslager sitzen?
Über all dies haben mein Kollege Florian Klenk und ich in der ZEIT immer wieder berichtet. Bis heute hat kein einziger parlamentarischer Geheimdienstkontrolleur den Verantwortlichen diese naheliegenden Fragen gestellt. Warum nicht?
Aus: "Es geht nicht um die KSK – es geht ums Kanzleramt" Von Jochen Bittner (20.10.2006)
Dr. Jochen Bittner, geboren 1973, studierte Jura und Philosophie
Quelle:
http://blog.zeit.de/bittner/2006/10/20/es-geht-nicht-um-die-ksk-%E2%80%93-es-geht-ums-kanzleramt_73-.-
[...] Nach einem Bericht des "Stern" erfuhren Beamte von Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesnachrichtendienst (BND) wenige Wochen nach den Anschlägen, dass Amerikaner auf einem US-Stützpunkt in Bosnien einen Gefangenen schwer verletzt hatten. Damit sei auch frühzeitig bekannt gewesen, dass die Vereinigten Staaten in ihrem Krieg gegen den Terror Gefängnisse in Europa nutzten, schreibt das Magazin unter Berufung auf Geheimdienstdokumente.
Die neuen Vorwürfe bringen die Bundesregierung immer stärker in Bedrängnis. Bereits in den vergangenen Monaten hatten sich Hinweise verdichtet, dass Deutschland den Antiterrorkampf der Amerikaner mit zum Teil illegalen Methoden unterstützt hat. Zuletzt war bekannt geworden, dass Soldaten der Eliteeinheit KSK der Bundeswehr zeitweilig ein US-Gefängnis in Afghanistan bewacht hatten, in dem der Deutsch-Türke Murat Kurnaz inhaftiert war.
[...] Bislang hatte die Regierung stets beteuert, erst durch Medienberichte von Misshandlungen und geheimen US-Gefängnissen erfahren zu haben. Dagegen heißt es im "Stern", die deutschen Ermittler hätten ursprünglich bei der Befragung des verletzten Häftlings helfen sollen.
Der Obmann der Grünen im BND-Untersuchungsausschuss, Hans-Christian Ströbele, kündigte an, das Gremium werde sich bereits am Donnerstag mit den Vorwürfen befassen. Dazu würden sechs Zeugen angehört, sagte er der FTD: "Wenn auch nur Teile des Berichts wahr sind, dann könnte das ein Beleg dafür sein, dass deutsche Stellen von den Praktiken der Amerikaner aus ganz naher Anschauung gewusst haben."
Aus: "Neue Vorwürfe gegen BND im US-Folterskandal" von Thomas Steinmann; Berlin 25.10.2006
Quelle:
http://www.ftd.de/politik/deutschland/125000.html-.-
[...] Dass der Kurnaz-Fall zur Staatsaffäre wurde, dass sich auch George W. Bush dem Schicksal des Gastarbeitersohnes widmen musste, das ist auch der Hartnäckigkeit Bernhard Dockes zu verdanken, dieses unauffälligen Mannes mit kugelrunder Brille und dickem Schnauzer, der morgens mit dem Fahrrad in seine Kanzlei fährt und darum bittet, keinesfalls als »Menschenrechtsanwalt« vorgestellt zu werden, »weil ich dann wieder lauter Verrückte am Telefon habe«. Doch Docke ist ein Menschenrechtsanwalt, und sein fünf Jahre währender Kampf gegen das »rechtswidrige Recht« im Antiterrorkrieg zeigt exemplarisch, wie schnell sich entwickelte Demokratien in eine »archaische Welt« (Docke) verwandeln können, wenn die richterliche Kontrolle der Regierenden versagt – und sich die kritische Öffentlichkeit daran gewöhnt.
Rabiye Kurnaz wurde von der Wucht der Weltpolitik getroffen und »ihr Sohn war ins Mittelalter befördert worden«, sagt Docke. Was das bedeutet? »Kein Haftbefehl. Keine Anklage. Keine Besuchsmöglichkeit. Kein Staatsanwalt. Kein Gericht. Keine Öffentlichkeit. Keine Adresse, an die sich der Gefangene wenden konnte.« Docke sagt: »Ich musste mein juristisches Handwerkszeug weglegen. Alles, was ich über das Recht gelernt hatte, war wertlos«. Dabei war das Gesetz nach den Anschlägen vom 11. September doch gar nicht geändert worden. Nur die Interessen waren andere.
Plötzlich gab es »keinen juristischen Zipfel mehr, an dem ich ziehen konnte«, sagt Docke.
Aus: "Das Recht stirbt zuerst" Von Florian Klenk (DIE ZEIT, 26.10.2006 Nr. 44)
Quelle:
http://www.zeit.de/2006/44/Anwalt-Kurnaz?page=1Quelle #2:
http://www.florianklenk.com/2006/10/das_recht_stirbt_zuerst.php-.-
[...] kein anderes Kabinettsmitglied steht so kurz davor, aufgrund seiner jüngsten Vergangenheit so schwer unter Druck zu geraten wie eben Frank-Walter Steinmeier, der unter Schröder als Kanzleramtschef mit der BND-Aufsicht und Koordination der Ministerien betraut war. In der SPD-Fraktion ist man sich bewusst, dass es mit zunehmender Aufklärungsarbeit gleich zweier Untersuchungsausschüsse eng für ihn werden wird, sich im Fall Kurnaz und anderer aus der Verantwortung zu stehlen. Die Indizien reichen schon jetzt aus, um zu sagen, dass er politisch mitverantwortlich dafür ist.
Keine Oppositionspolemik, sondern in der SPD-Fraktion angekommen ist die Diagnose, dass es durchaus schwierig wird für seine Position als Minister. Dass er unter seiner Aufsicht begangene Verfehlungen als Außenminister überstehen kann, wird vor allem daran liegen, dass er bisher im neuen Amt nicht angeschlagen ist, sondern sehr anerkannt. Dass bisher auch die Opposition keine Zweifel an seiner persönlichen Integrität hegt. Solange er ein Zugpferd der Koalition ist und beste Umfragwerte weiter vorweisen kann, wird ihn die eigene Fraktion nicht hängen lassen. Anders sähe es aus, wenn er zur Belastung für das Image der Partei würde. Derzeit tritt diese die Flucht nach vorn an und hat nun von sich aus einen zweiten Untersuchungsausschuss angeregt, der deutsches Handeln im Zusammenhang der Terrorismusbekämpfung hinterfragen wird. Der Anfang des Jahres angetretene BND-Untersuchungsausschuss war noch nach erstem Zögern der Grünen und FDP von der Opposition initiiert worden. Nun werden die Vorwürfe von Murat Kurnaz gegen die KSK-Einheit der Bundeswehr, im Dezember 2001 in Afghanistan misshandelt worden zu sein, dort gesondert untersucht werden.
[...] Schon der Fragenkatalog des KSK-Auschusses ist durchaus brisant, jedoch gravierender für Steinmeier werden die Fragen im BND-Untersuchungsausschuss sein, in dem nach Aussage von Grünen-Obmann Christian Ströbele SPD-Vertreter gerade versuchen, den Auftritt des Außenministers so weit wie möglich zu verzögern. Ströbeles Idee, Murat Kurnaz als Zeugen bald zu laden, wird bisher von der Koalition nicht unterstützt, sondern nur von FDP: „Dann könnte man Steinmeier gleich zu Kurnaz mitbefragen“, argumentiert Ströbele, der einräumt, dass er noch Anfang des Jahres den Fall für weitgehend aufgeklärt hielt. Erwähnt ist er im Recherchekatalog von Anfang an. Jetzt will er vor allem wissen, weswegen Kurnaz bis 2006 im Gefangenenlager Guantánamo bleiben musste, „obwohl sich ab 2002 die deutschen Experten einig waren, dass er der falsche Mann am falschen Ort war“.
Es gibt sozusagen zwei Fälle Kurnaz, die nun getrennt behandelt werden. Der zum Untersuchungsausschuss gewandelte Verteidigungsausschuss wird nur das Zusammentreffen des in Pakistan aufgegriffenen und in ein US-Gefangenenlager verschleppten Kurnaz mit KSK-Soldaten untersuchen. Brisant dabei ist, dass man auch erörtern will, ob die Kommunikationsstruktur funktioniert hat und die politische Kontrolle gegeben war. Da man gleichzeitig derzeit von Regierungsseite behauptet, dass die Information über Kurnaz in Afghanistan nicht bis zur Ministerebene (damals verantwortlich: Rudolf Scharping) durchkam, andererseits nach ZEIT online-Informationen das Kanzleramt schon im Januar 2002 von dem Fall Kurnaz erfuhr, also noch vor dessen Verlegung nach Guantánamo, wird sich die damalige Bundesregierung an diesem Punkt nicht ganz herausreden können.
[...] Bisher setzt man in Steinmeiers Umfeld auf die Verteidigungslinie, dass Kurnaz kein deutscher Staatsbürger war, sodass die Bundesregierung formal nicht zuständig war. Das klingt juristisch korrekt, ob es die politische Verantwortung deswegen für den in Deutschland gemeldeten Türken nicht gab, ist fraglich. Man weiß im Untersuchungsausschuss inzwischen, dass im Kanzleramt ein Angebot der USA, Kurnaz an Deutschland zu übergeben, 2002 erwogen und schließlich ausgeschlagen wurde, obwohl deutsche Geheimdienstler nach Berlin funkten, Kurnaz sei nichts nachzuweisen.
Schwer vorstellbar, dass der Kanzleramtschef nichts von der Runde und dem Fall Kurnaz wusste. Mag sein, dass Steinmeier damals auf eine Fehleinschätzung des parteilosen BND-Chefs August Hanning (heute Staatssekretär im Innenministerium) gehört hat. Mag sein, dass Schröders Wort der „uneingeschränkten Solidarität“ mit den USA im Kanzleramt seine Wirkung entfaltet hatte, aber spätestens 2002 hätte damit Schluss sein müssen. Im Wahlkampfjahr erfolgte die Distanzierung der Regierung Schröder zur Bush-Administration. Steinmeier schweigt und bereitet sich genauestens auf den Untersuchungsausschuss vor. Lediglich eine Festlegung hat er dazu autorisiert: „Ich empfinde das, wofür ich gestanden habe, nicht als Ballast. Denn es war ja nicht die Verantwortung für verwegene Geheimdienstkooperation, sondern für Sicherheit und Schutz vor Terrorismus in Deutschland unmittelbar nach dem 11. September 2001. Dazu sind durchweg verantwortungsvolle Entscheidungen getroffen worden, und zu denen, an denen ich beteiligt war, stehe ich auch.“
Aus: "Rätselhafte Gelassenheit" (ZEIT online, 24.10.2006)
Quelle:
http://www.zeit.de/online/2006/43/Steinmeierhttp://www.zeit.de/online/2006/43/Steinmeier