COMMUNICATIONS LASER #17
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Author Topic: [Notizen zur Pressefreiheit... ]  (Read 17050 times)
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« Reply #135 on: November 18, 2009, 12:52:52 PM »

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[...] Leipziger Journalismus-Forscher haben 235 Journalisten in Tageszeitungen, Hörfunk, Fernsehen und Online-Redaktionen beobachtet und festgestellt, dass diese pro Tag im Schnitt noch 108 Minuten für sogenannte Überprüfungs- und Erweiterungsrecherchen aufwenden. Für die Kontrolle der Glaubwürdigkeit und Richtigkeit von Quellen und Informationen bleiben gerade elf Minuten. Raus in die weite, wahre Welt kommen sie gar nicht mehr. Der Anteil der Ortstermine und leibhaftigen Begegnungen an der knappen Recherchezeit beläuft sich auf sagenhafte 1,4 Prozent. Der deutsche Journalist, könnte man folgern, ist der letzte, der mitkriegt, was in Deutschland los ist.

In der Welt der Hochglanz-Magazine sieht es oft nicht besser aus. Freie Journalisten werden hier zu Tätigkeiten genötigt, die viel mit den Wünschen der Inserenten zu tun haben, aber wenig mit Journalismus im engeren Sinne. Meine Kollegin Gabriele Bärtels schrieb nach vielen frustrierenden Berufserlebnissen im Sommer eine kleine Kolumne, die mit dem schönen Satz begann: "Die Pressefreiheit ist konstituierend für die Demokratie, aber nachts steht sie im dünnen Kleidchen an einer Laterne und zwinkert den Anzeigenkunden zu."

[...] Nassforscher Pragmatismus bedroht uns schon in der Ausbildung. Der Wissenschaftsrat warnte 2007 nicht nur davor, dass sich die Zahl der „Medien“-Studenten binnen zehn Jahren fast verdoppelt habe. Er wies auch darauf hin, dass die ja eigentlich konträren Bereiche Journalismus und PR zunehmend miteinander vermatscht werden. An der Fachhochschule Gelsenkirchen können sie zum Beispiel den „Bachelor-Studiengang Journalismus und Public Relations“ belegen. Dieser trägt "der engen Verzahnung von Journalismus und Public Relations im Alltag Rechnung". Nach dem Motto: Wenn es mit meinem Journalisten-Traum nix wird, kann ich immer noch PR machen. Oder, wie es in der Selbstanpreisung der Fachhochschule heißt:

Quote
Diese einzigartige Kombination gibt den Studierenden eine breite kommunikative Basis und erhöht die Konkurrenzfähigkeit und Flexibilität im Arbeitsmarkt beträchtlich.

...


Aus: "Preis und Wert des Journalismus" Von Tom Schimmeck (Mainzer Mediendisput 2009)
Quelle: http://www.schimmeck.de/Texte/mmdrede.htm | http://www.mediendisput.de/

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« Reply #136 on: November 18, 2009, 01:57:43 PM »

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[...]  Mehr als eine halbe Million Menschen hat sich innerhalb einer Woche im Internet-Portal youtube eine nur 73 Sekunden dauernde Filmszene angesehen: Ein niederländischer Journalist zeigt seinen deutschen Kollegen, daß sie keinen Arsch in der Hose haben. Rob Savelberg, in Berlin akkreditierter Korrespondent der Tageszeitung De Telegraaf, fragt Bundeskanzlerin Merkel, warum sie Schäuble als Finanzminister für qualifiziert halte, einen Mann, der doch einst vergessen habe, »daß er 100.000 Mark in der Schublade liegen hat« (gemeint war die von Schäuble verschwiegene CDU-Parteispende des Waffenschiebers Schreiber). Savelberg: »Kann man die Finanzen eines Landes jemandem anvertrauen, der vor dem Bundestag beteuert hatte, einen Waffenhändler nur einmal getroffen zu haben, und dabei vergessen hatte, daß er 100.000 Mark erhalten hat?« Das Zitat wird hier wiederholt, weil man Wahrheiten permanent wiederholen muß, um der Lüge zu begegnen.

Die Besucherzählung bei youtube.com fiel zeitweise aus, und leider registriert sie auch nicht die Nationalität der Besucher. Wir hätten gern erfahren, ob sich mehr Deutsche oder doch mehr Niederländer die Szene ansahen. Dafür wissen wir spätestens jetzt, daß unser Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk die Gebühren nicht mehr wert ist, die wir für ihn zahlen. Bei der Erfüllung ihres Informationsauftrags versagten ARD-Tagesschau und ZDF-heute auch diesmal. Beide Nachrichtensendungen hielten den Vorfall nicht für berichtenswert (oder wagten nicht, darüber zu berichten).

Stattdessen kürten kommerzielle Medien Savelberg zu ihrem Tageshelden. Auch der Spiegel entblödete sich nicht, zu schleimen: Der Niederländer habe »eindrucksvoll bewiesen, daß auch Medienvertreter mitunter noch über ein funktionierendes Langzeitgedächtnis verfügen. Mit charmant niederländischem Akzent fragte er ...« und die Kanzlerin habe über die kecke (sic!) Frage – im Gegensatz zu manch anwesendem Pressevertreter – nicht lachen können.

Auch der Spiegel ist in der Bundespressekonferenz vertreten. Ob sein Korrespondent unter den Lachern war, weiß ich nicht. Aber was gab es denn überhaupt zu lachen?

Savelberg »hakte nach, wie im Lehrbuch des Journalismus beschrieben« (Spiegel). Aber als ihn die Kanzlerin patzig und herablassend abfertigte und eine sachliche Antwort auf seine Frage verweigerte, sprang ihm kein einziger deutscher Kollege solidarisch bei. Keiner wagte es, Belang und Angebrachtheit der Frage zu unterstreichen und auf Beantwortung zu bestehen. Man lachte oder fühlte sich peinlich berührt. Und ließ sich am Nasenring zur nächsten Frage ziehen. Peinlich. Schändlich.

Im Interview mit der Welt kommentierte Savelberg: »Vielleicht haben meine deutschen Kollegen zuviel Respekt. Mir fällt auf, daß es in Holland weniger Berührungsängste gibt. Da sind meine Kollegen härter. Die Regierung besteht nur aus gewählten Volksvertretern. Das sind keine Monarchen.« Wie höflich der Mann ist!

Der kurze Film ist bei youtube unter dem Stichwort Savelberg abrufbar.


Aus: "Unsere untertänigen Journalisten" Volker Bräutigam (Ossietzky, 23/2009)
Quelle: http://www.sopos.org/aufsaetze/4b02896fc9c40/1.phtml

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« Reply #137 on: November 18, 2009, 02:22:50 PM »

Quote
[...] Journalisten sollten nicht wehleidig sein, aber es ist schon heftig, was dem Kolumnisten (taz, Welt) und Buchautoren Detlef Gürtler widerfahren ist: Späher der Deutschen Telekom drangen in das Leben des Journalisten, der ab und an als Kritiker des Telefon- und Internet-Konzerns aufgefallen war. Sie filzten heimlich seine Konten, versuchten, an seine Steuererklärungen zu gelangen, listeten in einem acht Seiten langen und mit drei Fotos versehenen "Personalscreening" die Namen von "Kontaktpersonen" auf und schnüffelten sogar seiner Mutter, seiner Ehefrau und den drei Kindern hinterher. Der Fall Gürtler, den die SZ Anfang November publik machte, übertrifft fast alles bisher Dagewesene in der Spitzelaffäre des Big-Brother-Konzerns.

[...] Einige Journalisten haben mit Hilfe von Anwälten nachgefragt, ob ihre Namen auf einer schwarzen Liste geführt worden waren. Sie erhielten weder von der Staatsanwaltschaft noch von der Telekom eine ausreichende Antwort. Vieles ist im Ungefähren geblieben.


Aus: "Das Schweigen des Riesen" von Hans Leyendecker und Klaus Ott (18.11.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/446/494779/text/

-.-


Quote
[...] Am 23. November 2004 begann in Saal 165 C des Frankfurter Landgerichts ein ganz besonderer Prozess: 14.447 Aktionäre klagten gegen die Deutsche Telekom. Sie fühlten sich beim Börsengang des Unternehmens hereingelegt. 754 Rechtsanwälte lieferten Klageschriften dazu ab. Am Ende des ersten Verhandlungstages fand im Gerichtsgebäude eine Pressekonferenz der Klägeranwälte statt, die Detlef Gürtler, Journalist und Buchautor, moderierte. Die Telekom war auch dabei: Sie ließ alles mitschreiben.

Vier Tage später erschien eine Kolumne Gürtlers in der Welt zu gewissen Umständen dieses Prozesses. Die Telekom nahm von der Veröffentlichung Notiz. Knapp zwei Monate später, am 20. Januar 2005, legte die Abteilung Konzernsicherheit dann ein Memorandum zu Gürtler an.

[...] Der Fall übertrifft alles bislang über illegale Schnüffelmethoden deutscher Wirtschaftsunternehmen Bekannte. Die Telekom ließ jede Hemmung fallen. Es ging nicht um Lecks, es ging um einen angeblichen Kritiker. Die Spitzelaffäre erscheint in einer neuen Dimension.

Acht Blätter wurden über Gürtler zusammengetragen. Sie sind mit dem Hinweis "vertraulich" versehen und führen den Urheber in fetter Schrift : "Konzernsicherheit". Kaum ein Detail aus dem Leben des Journalisten fehlt: Geburtsdatum und -ort, Mädchenname der Frau, Namen und Geburtsdaten der drei Kinder.

Außerdem: seit wann Gürtler in Berlin gemeldet ist, Kaufpreis der Eigentumswohnung, Art der Finanzierung, Nebenwohnsitz auf Marbella mit Adresse, Adresse der Mutter (Vermerk: "gelegentlich verwendete Zustellanschrift"), Sprachkenntnisse, Parteimitgliedschaft bei den Grünen (Vermerk: "nicht aktiv"), drei Bilder. Aufgelistet werden Gürtlers Studium an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg, berufliche Stationen bei Cash Flow, Wochenpost, Amica, Brandeins, Telebörse, dazu spätere Tätigkeiten als freier Journalist bei taz und Welt. Selbst die Kontoverbindung liegt vor und "mehrere Telekom-kritische" Texte.

Zuständig für die Observation war die Abteilung KS3 der Konzernsicherheit. Sie schrieb: Der Journalist sei "Herausgeber" einiger Bücher. Das ist eine kleine Verwechslung. Gürtler, 45, ist Autor einiger Bücher. Er hat unter anderem über den Minus-Milliardär Thomas Haffa und gemeinsam mit Hans-Joachim Selenz das Schwarzbuch VW geschrieben. Sein Buch Die Tagesschau erklärt die Wirtschaft landete auf den Bestsellerlisten. Immerhin gilt Gürtlers finanzielle Situation "als geordnet. Bundesweit besteht kein Aktenbestand" gegen ihn. "Die wirtschaftlichen Bilanzen" als freier Journalist, angebliche Betriebseinnahmen und -ausgaben von 2001 bis 2003, machen Gürtler zu einem gläsernen Menschen

Als die Süddeutsche Zeitung ihn jetzt über den bislang unbekannten Vorgang informiert, bezeichnet Gürtler die genannten Summen als deutlich zu hoch. Laut Telekom-Memorandum wurde seine Steuer von einer Hamburger Steuerberatungsgesellschaft bearbeitet. "Das ist nicht mein Steuerberater", erklärt Gürtler. Diese Gesellschaft arbeitete aber bis 2006 für das Wirtschaftsmagazin Brandeins, dessen Gründungsmitglied Gürtler war.

Über Sexualgewohnheiten steht in den Gürtler-Papieren nichts - so zurückhaltend waren die Schnüffler nicht immer. In einer ähnlich angelegten Akte über eine kroatische Geschäftsfrau findet sich der Hinweis: "Im Bett eine sehr erfahrene und erfindungsreiche Sexualpartnerin. (...) ein weibliches Raubtier".

Weil das Dokument keine Unterschrift trägt, ist der Verfasser des Spähangriffs auf Gürtler noch unbekannt. Wahrscheinlich war es aber ein früherer Nachrichtendienstler, der vor Jahren zur Konzernsicherheit der Telekom kam. Sein Name findet sich in der "Dateiinfo" unter "Dateieigenschaften" als Autor.

Seit Frühjahr 2008 ermitteln die Bonner Staatsanwälte im Telekom-Skandal gegen den früheren Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und weitere Beschuldigte wie den ehemaligen Sicherheitschef. Ihnen werden der Bruch des Fernmeldegeheimnisses und weiterer Delikte zu Last gelegt. Der Konzern hatte herausfinden wollen, welche Aufsichtsräte mit welchen Journalisten telefonierten.

Gürtlers Dossier wurde auf einer von vielen Festplatten gefunden, die von der Bonner Staatsanwaltschaft sichergestellt worden war. Die Telekom gibt an, sie könne zum Fall wenig sagen. Dem Unternehmen sei weder der Journalist noch seine Bespitzelung bekannt. Man habe bisher keinen Zugang zu den Ermittlungsakten und insofern "noch kein vollständiges Bild". Die Telekom werde sich gegebenenfalls mit Gürtler in Verbindung setzen, sobald man den Sachverhalt kenne.

Eigentlich ist der Fall Gürtler klar, doch weil der Journalist - er ist gegenwärtig auch Chefredakteur zweier Blätter, die ein paar Mal im Jahr erscheinen - zeitweise für das Sicherheitsunternehmen Control Risks GmbH (CR) tätig war, wird die Lage unübersichtlich. Bis mindestens 2002 machte Control Risks mit der Telekom Geschäfte.

Im Gürtler-Memorandum findet sich eine Überweisung vom 27. April 2004 über 1931,40 Euro von CR auf ein Konto des Journalisten bei der Citibank Düsseldorf mit dem Zusatz: "Diese Überweisung bezieht sich auf den bekannten Wella-Fall". Als der amerikanische Konzern Procter&Gamble (u.a. Ariel, Pampers) die Herrschaft beim Kosmetikhersteller Wella übernehmen wollte, hatte Gürtler eine Expertise für Control Risks verfasst. Die Firma, sagte ihr Geschäftsführer Jürgen Stephan den Staatsanwälten, sei "keine Detektei", sondern ein im "Risikomanagement tätiges Unternehmen".

Das Leben freier Journalisten ist zuweilen kompliziert, sie müssen fortwährend ihre Unabhängigkeit vor sich selbst schützen. Gürtler sagt: "Wenn ich für die Kundenzeitschrift eines Konzerns arbeite, schreibe ich nicht mehr über den Konzern." Trotzdem kam es zu Grenzüberschreitungen. Control Risks gehörte zeitweise zu seinen guten Kunden.

Als die Telekom-Affäre im Mai vergangenen Jahres plötzlich in der Welt war, erhielten einige Redaktionen Kontoauszüge Gürtlers, aus denen hervorging, dass er im Oktober und November 2004 von CR 5200 Euro bekommen hatte. Gürtler darf über sein Engagement für Control Risks nicht reden, aber ein Detail wurde aus Sicherheitskreisen durchgestochen. Danach soll der Journalist Control Risks bei einem heiklen Auftrag beraten haben: Ein Energiekonzern suchte einen Insider, der Informationen aus dem Unternehmen an einen Berliner Journalisten weiterreichte. Gürtler habe niemanden denunziert, sondern nur anhand der Berichterstattung analysiert, wo das Loch sein könnte, aus dem die Infos abflossen.

Einige Kollegen brachen damals mit ihm. Vieles spricht dafür, dass ein Kommunikationsberater Gürtlers Kontodaten verschickt hat. Entweder sollte von der Telekom abgelenkt oder Control Risks ins Spiel hineingezogen oder Gürtler angeschwärzt werden. Es ist am Ende vor allem eines: ein schmutziges Spiel.

Seit eineinhalb Jahren arbeitet die Bonner Staatsanwaltschaft - unterstützt vom Bundeskriminalamt - die Spitzel-Affäre der Telekom auf. Die Ermittlungen richten sich auch gegen den früheren Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke.

Quote

05.11.2009 11:55:19

Legis: Da wird die Telekom nicht der einzige Konzern sein, der mit Stasi-Methoden arbeitet!

Die gleiche Detektei bespitzelte ja bei Siemens unbequeme Betriebsräte!



Quote

05.11.2009 13:34:18

derschrillere: Herr Leyendecker,

interessant wäre doch herauszuarbeiten, welche Konzerne welche Sicherheitsleute aus dem BKA, dem Verfassungsschutz oder dem BND beschäftigt hatten bzw. noch immer haben. Sie würden dabei sehen, dass es ein paar Schlüsselpersonen sind, die von Konzern zu Konzern ziehen und dort ihre schmutzigen Spuren (Strukturen) hinterlassen. Was glauben Sie in wessen Auftrag die Spitzelnomaden handeln? Und zu welchem Zweck sie Spitzelstrukturen aufbauen....



Quote

05.11.2009 11:55:07

Glufamichl: Haste als Journalist was wichtiges zu besprechen

geh mit Deinem Gegenüber in den Wald. Dann Akkus aus den Handys raus und dann reden.

Das machen meine Informanten von einer Polizeidienststelle in einem ostdeutschen Bundesland auch immer wenn es etwas brisantes zu berichten gibt.

...



Aus: "Das Raubtier aus Bonn - Telekom: Neuer Spitzel-Fall" (05.11.2009)
Von Hans Leyendecker und Klaus Ott
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/100/493447/text/


« Last Edit: November 23, 2009, 11:02:17 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #138 on: December 03, 2009, 12:59:31 PM »

Quote
[...] Olga Kotowskaja stürzt aus dem 14. Stock eines Gebäudes in Kaliningrad. Zuvor hatte sie erfolgreich gegen örtliche Machthaber auf Rückgabe ihres Senders geklagt.

[...] Kotowskajas Mann Igor Rostow ist von der Mordthese überzeugt. "Wenn ich tot auf dem Bahngleis gefunden werde, glauben Sie nicht, dass ich Selbstmord begangen habe", zitiert ihn die Moskauer Nichtregierungsorganisation "Zentrum für Journalismus in Extremsituationen".

...


Aus: "Mysteriöser Tod einer russischen Journalistin - Verdacht auf politischen Mord" (03.12.2009)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/verdacht-auf-politischen-mord/

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« Reply #139 on: December 07, 2009, 11:49:36 AM »

Quote
[...] Die iranische Führung hat am Samstag für internationale Medienvertreter ein dreitägiges Arbeitsverbot in der Innenstadt Teherans verhängt. Damit soll eine Berichterstattung über neue Proteste unterbunden werden, die ab Montag zum Tag der Studenten erwartet werden. Das Kulturministerium informierte am Samstag alle ausländischen Journalisten und Pressefotografen per SMS, dass ihre Arbeitserlaubnis in der Innenstadt vom 7. bis 9. Dezember vorläufig aufgehoben sei.

Auf den verschiedenen Websites und sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter waren bereits Aufrufe der Studenten und der Opposition zu Versammlungen und Protesten gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad verbreitet worden. Die Polizei und auch die Revolutionsgarde drohten am Samstag mit einem "konsequenten Vorgehen" bei Protesten. Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi rief seine Anhänger deshalb zu Zurückhaltung auf.

Beobachter vermuten, dass die Behörden am Montag neben dem Internet auch wieder das Handy-Netz in Teheran abschalten, um die Protestaktionen zu erschweren. Bereits am Wochenende mussten ausländische Medienvertreter feststellen, dass das Internet wenn überhaupt nur sehr langsam funktionierte.

...

Quote
6. Dezember 2009 16:46
zum Thema: Satellitenschüsseln im Iran
saadi (26 Beiträge seit 13.11.08)

Da gibt es sehenswerte Dokus von arte:

Iran - Im Reich der Schüssel:
http://www.youtube.com/watch?v=j8EPobWTlAs

sowie

Zapping International - Das iranische Fernsehen :
http://www.youtube.com/watch?v=eZ2RhEKf_QY

Da erfähr man wie sich die Iraner trotz verbote und repressalien
unabhängige Infos aus dem Ausland zu beschaffen versuchen und sich
nicht durch die Propaganda einlullen lassen.

Mit was für begründungen da gegen die Schüsseln vorgegangen wird..

...



Aus: "Arbeitsverbot für ausländische Medien in Teheran" (06.12.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Arbeitsverbot-fuer-auslaendische-Medien-in-Teheran-878286.html

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« Reply #140 on: December 22, 2009, 09:43:39 AM »

Quote
[...] Der Österreichische Journalistenclub (ÖJC) warnt vor einer Aushöhlung des Redaktionsgeheimnisses im Rahmen der geplanten Vorratsdatenspeicherung. Mit der in einer Novelle des Telekommunikationsgesetzes verankerten Datenspeicherung werde es möglich, "bis zu sechs Monate im Nachhinein das gesamte Kommunikationsverhalten in Bezug auf Fest- und Mobilnetztelefonie, Fax, E-Mail und Internet-Nutzung von Medienunternehmen und Journalisten detailliert nachzuvollziehen", kritisierte der ÖJC in einer Aussendung am Montag.


"Für Journalisten, Medienmitarbeiter und Redaktionen besteht nun die Gefahr, dass das Redaktionsgeheimnis, das Quellen und Informanten von Journalisten schützt, mit dieser Novelle ausgehöhlt wird." ÖJC-Präsident Fred Turnheim warnt daher vor einer "Gefährdung des Redaktionsgeheimnisses" und sieht "in weiterer Folge den gerade für den investigativen Journalismus so bedeutsamen Schutz der Informanten als nicht mehr gewährleistet".


Aus: "ÖJC erneuert Kritik an Data-Retention" (21.12.2009)
Quelle: http://futurezone.orf.at/stories/1634445/

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« Reply #141 on: December 29, 2009, 08:26:36 PM »

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[...] Unbequeme Veröffentlichungen können in Weißrussland tödlich enden. Das bekommt dieser Tage auch Irina Chalip zu spüren. Am 22. November hatte die Minsk-Korrespondentin der oppositionellen Moskauer Zeitung Nowaja Gaseta ihrer Redaktion ein Manuskript zukommen lassen. Einen Tag später erhielt die 42-Jährige eine E-Mail. "Wenn du deinen Artikel nicht zurückziehst, wirst du bald Anna Politkowskaja treffen!" - die russische Journalistin und Mitarbeiterin der Nowaja Gaseta war im Oktober 2006 vor ihrem Haus in Moskau erschossen worden. Mit einem anonymen Anruf wurde Chalip am 25. November davor gewarnt, im Fall einer Veröffentlichung ihre Wohnung zu verlassen. Einen Tag später kam ein Telegramm: Chalip solle beim Schreiben an ihren Sohn denken.

In "Krieg um das Erbe des Oligarchen", dem Beitrag, der Chalip die Todesdrohung einbrachte, geht es um die Hinterlassenschaft des 2008 verstorbenen Georgiers Badri Patarkatsischwili. Der milliardenschwere Geschäftsmann hatte 160 Millionen US-Dollar in die weißrussische staatliche Ölfirma Belneftekhim investiert und besaß Anteile an der verarbeitenden Holzindustrie in Weißrussland. ...


[...]  Die US-Menschenrechtsorganisation Committee to Protect Journalists hat jetzt die weißrussische Regierung aufgefordert, die für die Drohungen gegen Chalip Verantwortlichen dingfest zu machen und sie für ihre Taten gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen - ein Appell, der folgenlos bleiben dürfte.

Irina Chalip ist fest entschlossen, sich dem Druck auch weiter zu widersetzen. Und: "Leute, bleibt nicht in euren Küchen sitzen!", sagte sie in dem bereits zitierten Interview. "Das hat noch niemandem genützt."


Aus: "Journalistin bekommt Mordrohungen - Gefährliches Erbe" VON BARBARA OERTEL (14.12.2009)
Quelle: http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/gefaehrliches-erbe/

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« Reply #142 on: December 31, 2009, 09:38:59 AM »

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[...] Gewalt und Repressionen gegen Journalisten und Blogger haben 2009 laut der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) stark zugenommen. Mindestens 76 Journalisten wurden wegen ihres Berufs getötet.

Das waren 16 mehr als im Jahr 2008, wie ROG am Mittwoch in Berlin mitteilte. Die um fast 27 Prozent erhöhte Todesrate sei vor allem eine Folge des Mordes an 30 Journalisten auf der philippinischen Insel Mindanao im November 2009.

Die Journalisten wollten über die Wahlkampagne eines Kandidaten für das Gouverneursamt berichten, als der Konvoi von einer Truppe eines politischen Rivalen überfallen wurde. Besonders gefährliche Länder für Journalisten waren außerdem Somalia (neun Todesfälle), Pakistan (fünf) und Russland (fünf), wie ROG weiter mitteilte.

In Kriegen und im Umfeld von Wahlen seien Journalisten besonderen Bedrohungen ausgesetzt gewesen. Sie gerieten in die Schusslinie, würden gezielt ermordet oder entführt, teilte ROG-Generalsekretär Jean-Francois Julliard anlässlich der Veröffentlichung der Jahresbilanz 2009 mit.

[...] Eine größere Zahl von Journalisten wurde in diesem Jahr auch körperlich angegriffen und bedroht. 1.456 Medienmitarbeiter wurden Opfer dieser Form von Gewalt, im Vorjahr waren es noch 929. Die Zahl der zensierten Medien stieg von 353 auf 570. 33 Medienmitarbeiter wurden entführt (2008: 29).


Die weltweite Zahl der Festnahmen von Journalisten sei zwar um etwa ein Siebtel zurückgegangen. Dafür habe sich die Zahl der Festnahmen von Bloggern und Internet-Nutzern fast verdreifacht, hieß es. Viele autoritäre Regierungen wie die chinesische, die iranische und aserbaidschanische befürworteten harte Strafen für Internet-Nutzer, weil sich das World Wide Web zu einem Motor demokratischer Proteste entwickelt habe.

Zum ersten Mal veröffentlichte ROG in der Jahresbilanz die Zahl von Journalisten, die in den vergangenen zwölf Monaten gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen. Demnach seien 157 Medienmitarbeiter ins Exil gegangen, weil ihr Leben oder ihre Freiheit bedroht worden seien.


Quote
seeigel, vor 16 Stunden, 54 Minuten

Welcher Beruf

steht eigentlich im Pass der Agenten und Spione die zu hunderttausenden auf den Gehaltslisten der Geheimdienste stehen?




Aus: "Zahl getöteter Journalisten deutlich gestiegen" (30.12.2009)
Quelle: http://futurezone.orf.at/stories/1635393/

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« Reply #143 on: January 19, 2010, 09:51:39 AM »

Quote
[...] Nach Menschenrechtsaktivisten sind offenbar auch Journalisten Opfer von Angriffen auf ihre E-Mail-Konten beim Google-Dienst Gmail geworden, wie der Club der Auslandskorrespondenten in China am Montag mitteilte.

In einem Brief an seine Mitglieder erklärte der Club, dass die Gmail-Accounts von Journalisten von zumindest zwei Nachrichtenbüros in Peking geknackt und daraus E-Mails an unbekannte Empfänger weitergeleitet wurden. Einer der beiden Betroffenen war ein Reporter der US-Nachrichtenagentur AP.

...


Aus: "Weitere Angriffe auf Gmail-Konten in China" (18.01.2010)
Quelle: http://futurezone.orf.at/stories/1636709/

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« Reply #144 on: January 20, 2010, 10:04:39 AM »

Quote
[...] Das US-Justizministerium hat dem FBI in Untersuchungen wiederholt den Missbrauch von Anti-Terror-Befugnissen insbesondere im Umgang mit dem Instrument der National Security Letters nachgewiesen. In hunderten Fällen haben die Ermittler den Begutachtungen zufolge gegen die gesetzlichen Auflagen oder interne Richtlinien verstoßen. So sollen die Agenten etwa mehr Daten als zulässig eingesammelt oder auf Auskünfte auch ohne richtige Vollmacht bestanden haben. Von den illegalen Datenabfragen betroffen gewesen sein sollen auch die Verbindungsinformationen von Journalisten der Washington Post sowie der New York Times. Auch über behördeninterne Bedenken und Versuche zu deren Überwindung legt der Report Zeugnis ab. (Stefan Krempl) / (vbr)



Aus: "Bericht: FBI verschaffte sich illegal Zugang zu Telekommunikationsdaten" (19.01.2010)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bericht-FBI-verschaffte-sich-illegal-Zugang-zu-Telekommunikationsdaten-908420.html

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« Reply #145 on: February 10, 2010, 09:37:32 AM »

Quote
[...] Im Iran hat es nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) in den vergangenen Tagen eine Welle von Verhaftungen von Journalisten und Internetdissidenten gegeben. Vertreter des Ministeriums für Nachrichtenwesen und Sicherheit hätten am 7. und 8. Februar mindestens acht Journalisten festgenommen und an unbekannte Orte gebracht. Derzeit seien 65 Reporter und Cyberdissidenten in iranischen Gefängnissen. Die Zahl sei seit 1985, als die Menschenrechtsorganisation gegründet wurde, nicht so hoch gewesen.

Seit dem 6. Februar sei das Internet im Iran wieder von starken Störungen beeinträchtigt, teilte ROG weiter mit. Einige Mobilfunkunternehmen dürften zudem ihren Kunden nicht länger erlauben, Kurznachrichten über das Handy zu versenden. Die Behörden wollten offenbar oppositionelle Proteste anlässlich des 31. Jahrestags der Islamischen Revolution am 11. Februar verhindern. (anw)




Aus: "Reporter ohne Grenzen kritisiert Verhaftungen im Iran" (09.02.2010)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Reporter-ohne-Grenzen-kritisiert-Verhaftungen-im-Iran-925814.html

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« Reply #146 on: February 16, 2010, 07:29:38 PM »

Quote
[...] Hello Iceland

Tuesday the 16th of February is a very important date. You will submitting an important proposal to your parliament, that could turn Iceland into a role model for journalism, data and communication. You have the opportunity of turning a few heads around. Europe and the world have gone in the direction of more surveillance and less respect for the freedom of expression over the last ten years. Your decision tomorrow can be decisive in turning this downward spiral into a positive future for Iceland and the world as we know it.

Becoming a sanctuary for free communication and investigative journalism is something of greatness. This is what will make you an important force of change!

We would like to thank you in advance for spreading a great ray of hope throughout the internet community and citizens world wide alike. May this be the first stone that paves the way to freedom.


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« Reply #147 on: April 19, 2010, 09:57:09 AM »

Quote
[...] "Wir bekommen heute nicht die Nachrichten, die wir brauchen, sondern die, die wir wollen." Ein bitteres Urteil über die globale Medienlandschaft fällte Ted Koppel, britischer Veteran des US-Fernsehens vergangene Woche in der BBC-Sendung "World News America".

In einem Gespräch aus Anlass der Bekanntgabe einer Umfrage des Pew Research Center, nach der 60 Prozent der Nachrichtenchefs der amerikanischen Print- und Fernsehmedien den Verfall des Nachrichten-Journalismus konstatieren und der Vergabe des Pulitzer-Preises Anfang der Woche, bei der mit dem Nachrichtenportal "ProPublica" erstmals an ein Online-Medium ausgezeichnet, beklagte Koppel das "Zeitalter des Anspruchsdenkens" - dessen Tage, wie er hofft, allerdings bald gezählt sein werden.

"Es ist ein Desaster: Wir führen zwei Kriege, die wir nicht bezahlen können, wir beanspruchen Kredite, auch wenn wir kein Einkommen haben, wir bezahlen 50 oder 100 Millionen Dollars an Manager obwohl ihre Unternehmungen Totalreinfälle sind", sagte Koppel. In der Entwicklung der Medienlandschaft spiegle sich diese Mentalität: "Wir wollen nur Nachrichten von Leuten hören, die uns nach dem Mund reden, Die Fakten wollen wir nicht mehr." Das sei aber die Schuld der Nachrichtenproduzenten, die "nur noch den allmächtigen Dollar" im Auge hätten, nicht mehr das öffentliche Interesse.

Koppel hat womöglich einen zu idealisierenden, etwas rosaroten Blick auf "die guten alten Tage" des klassischen US-Broadcast-Fernsehens, in der es nur die großen Drei ABC, NBC und CBS miteinander konkurrierten, und auf manche mag es nur wie das Jammern eines alten Mannes wirken. Aber immerhin verbreitete das US-Fernsehen seinerzeit auch die unbequemen Fakten über Vietnam und Watergate in die Wohnzimmer jenes Durchschnittsamerika, das nicht täglich die "Washington Post" las, oder heute "ProPublica" und noch weniger mainstreamige Online-Medien.

Womöglich trifft Koppel den wunden Punkt der Gegenwart, wenn er darauf verweist, Online-Medien und besonders jede Form des zur Zeit so gefeierten "Bürger-Journalismus" könnten die klassischen Medien eben nicht ersetzen. "Zum Journalismus gehört Handwerk, gehört Disziplin, gehört gegenseitige Überprüfung." "Ich finde Informationsvielfalt auch nützlich." Aber wenn sie ungeprüft bleibe, könne sie viel Schaden anrichten.

Der Pulitzer-Preis für "ProPublica" sei schön, aber kein Beweis des Gegenteils, so Koppel: "Die haben eine feste Zusammenarbeit mit der New York Times. Und ich wette mit Ihnen, die New York Times würde ihren Namen nie dafür hergeben, wenn dort nicht alles genau überprüft würde." Koppel weiter: "Wir sind an dem Punkt, an dem wir der Öffentlichkeit dem Umgang mit Online-Informationen beibringen. Wir brauchen eine Medien-Alphabetisierung."

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18. April 2010 17:54
So ein Quatsch
Herr Troll (mehr als 1000 Beiträge seit 28.01.05)

Da versucht einer sich zu exkulpieren, weil sein Gewissen sich meldet
betreffs seiner Lebenslüge.

Mich hat noch niemand gefragt, welche Nachrichten ich hören will,
aber ich bemerke schon, dass die Tastatursoldaten und Mietmäuler
gerade auch in den Öffentlich-Rechtlichen lügen, dass sich die Balken
biegen - nicht durch Unwahrheit, sondern durch bis zur Entstellung
verstümmelte Nachrichten und Begriffsbesetzungen.

Und jetzt sind - natürlich - wir schuldig.

Zur Hölle mit diesen Schleimern.


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18. April 2010 19:30
Warum fällt heute den Medien eine andere Aufgabe zu als z. B. 1970?
Goerlitzer (165 Beiträge seit 30.11.07)

Der Kapitalismus durchlebt Krisen, wie sie im Nachkriegs-Boom noch
unvorstellbar waren, auch wenn diese z. T. noch durch geschicktes
Krisen-Management und Konjunktursteuerung via Kredit verdeckt werden.
Aussenpolitisch geht die Phase der gewaltfreien
Interessendurchsetzung zu Ende und müssen die kapitalistischen
Kernstaaten wieder auf militärische Gewalt zurückgreifen.

Die auf Wohlstandsentwicklung gründende Loyalität gegenüber dem
System schwindet, - und nun kommt den (inzwischen oligopolistisch
organisierten) Massenmedien eine besondere Rolle zu. Sie müssen neue
Formen der Systemloyalität produzieren, vor allem durch die
Entwicklung von Bedrohungsszenarien, Feindbildern,
Sündenbock-Figuren.

Die Medien stützen Kapital und politische Klasse und umgekehrt. Die
Unabhängigkeit der Medien ist zu einem Popanz geworden, der mit der
Wirklichkeit kaum mehr etwas zu tun. Leider gilt das vor allem für
Deutschland, wo z. B. 65% der Bevölkerung den Bundeswehr-Einsatz in
Afghanistan ablehnen, ihn aber 98 % der Medien unterstützen.


Quote
18. April 2010 18:58
ORF, ARD und ZDF
slap882, slap882@gmx.de (mehr als 1000 Beiträge seit 21.06.01)

Senden also nur das was die Leute sehen wollen?

Na dann haben wir das ja wohl verdient ;-)

LG

Sven

PS: Ok, ich bin außen vor - fernsehfrei und Spaß dabei!



Aus: ""Wir wollen nur Nachrichten von Leuten hören, die uns nach dem Mund reden"" Rüdiger Suchsland (18.04.2010)
Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/6/147454

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« Reply #148 on: April 21, 2010, 09:59:26 AM »

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[...] BRÜSSEL taz | Das Ritual ist jeden Wochentag das gleiche: Kurz nach zwölf machen sich die in Brüssel akkreditierten Journalisten auf den Weg zum denkmalgeschützten Gebäude der EU-Kommission. Im Untergeschoss stellen sie sich brav in zwei Reihen auf und schieben sich an den weißen Resopaltischen vorbei, auf denen die Presseerklärungen des Tages ausgelegt sind. Die Wartezeit wird zu einem kleinen Schwätzchen genutzt. Für viele Kollegen, die den ganzen Tag allein in ihren Büros sitzen, ist das Pressebriefing der EU-Kommission das soziale Highlight des Tages.

 Etwas mehr als tausend Autoren, Fotografen und Kameraleute aus den 27 Mitgliedsländern der EU und dem Rest der Welt haben für das Jahr 2010 einen Eintrittsausweis für die Gebäude von Kommission, Rat und Parlament beantragt. Das sind 300 weniger als letztes Jahr. Und jeder Fünfte hat das gelbe Plastikkärtchen mit dem großen roten P für Presse bis heute nicht abgeholt. Das bedeutet innerhalb eines Jahres einen Schwund von fast vierzig Prozent.

[...] in der Vergangenheit standen den Journalisten viele informelle Kanäle offen, um ihre Geschichten mit Stoff zu füttern, der über abgewogenen Presseerklärungen hinausgeht. Mittlerweile ist es Kommissionsbeamten streng untersagt, Informationen an Journalisten weiterzugeben. Mehrere Reporter, die dennoch ihr Glück mit einem direkten Anruf versuchten, erhielten hinterher böse E-Mails aus der Presseabteilung der Kommission. Wenn sie Fragen hätten, sollten sie sich bitte an den Dienstweg halten.

Doch der Kontrollzwang beschränkt sich nicht auf heikle Inhalte. Er erstreckt sich auf das gesamte Erscheinungsbild der europäischen Institutionen. Barroso will stets Bella Figura machen - in Wort und Bild. Es häufen sich Klagen von freien Fotografen und unabhängigen Kamerateams, dass sie zu Veranstaltungen nicht mehr zugelassen werden. Stattdessen stellen Rat, Parlament und Kommission immer mehr eigene Fotos und Videoclips ins Netz - zur kostenfreien Nutzung, versteht sich. Fotos gähnender oder wütender Politiker wird man dort ebenso wenig finden wie Ereignisse außerhalb des vorgesehenen Protokolls. Als sich beim EU-Gipfel im vergangenen Dezember Greenpeace-Aktivisten unter die vorfahrenden Regierungschefs schmuggelten und Transparente zum Klimaschutz entrollten, waren diese Bilder auf der offiziellen Webseite des Rates natürlich nicht zu sehen.

Das alles führt nicht dazu, dass die EU in den Medien besser dasteht, sondern dass sie immer weniger vorkommt. Denn für Werbevideos und politisch ausgewogene Statements interessiert sich das Publikum nicht. Und so greift die EU-Kommission noch einmal tief in die Tasche des Steuerzahlers, um den Grund für diese EU-Unlust zu finden. Junge Kommunikationswissenschaftler werden in regelmäßigen Abständen durch die Brüsseler Schreibstuben geschickt, um die immergleiche Frage zu stellen: Warum nutzen sie die offiziellen Quellen so wenig? Warum hat die EU ein so schlechtes Image in den Medien?

Viele dieser Forschungsprojekte sind interdisziplinär und grenzüberschreitend. Die Unis engagieren sich gern für diese Themen - nicht aus ehrlichem Interesse, sondern weil dafür Brüsseler Fördergelder leicht zu bekommen sind. So ganz allmählich scheint aber auch die EU-Kommission zu begreifen, dass ihre Kommunikationsstrategie in die Sackgasse führt. Sie will sich nun mit der Journalistenorganisation API zusammensetzen und überlegen, wie der Standort Brüssel für die Medien wieder attraktiver werden kann. Die Antwort ist ganz einfach und lautet: Information statt Propaganda.

Quote
#
21.04.2010 00:02 Uhr:
von curriculum:

Ach, jetzt jammern die "Journalisten" daß sie nicht mit "Informationen" versorgt werden? So nett wie das in Berlin in den "Informellen Kreisen" geschieht? Wo sie in Hinterzimmern gegen "Hintergrundwissen" ausküngeln was davon dann geschrieben wird?
Wenn das WIRKLICH EIN PROBLEM WÄRE, dann würde das in JEDEM Artikel stehen müssen. Steht es aber nicht. Soll auch nicht. Alles was an der Situation stört ist doch nur, daß die gewohnten bequemen Kanäle bei Bier oder Kaffee nicht mehr gehen, wo sich "Journalisten" von denen die Feder führen lassen, über die sie berichten sollen. So eine anonyme Presseabteilung ist zu deutlich der Verlusst von journalistischer Arbeit - aber doch in Wirklichkeit auch nichts anderes als sie in Berlin abziehen. Eine ehemalige Chefredakteurin der TAZ hatte doch schon vor Jahren öffentlich den Tot des Journalismus, auch bei der TAZ, beschrieben. Ihr seit nur vergesslich, aber nicht besser geworden.


Quote
#
20.04.2010 23:29 Uhr:
von susi:

Ich weiß, es ist Spam: Exzellenter Artikel, weiter so!


Quote
#
20.04.2010 20:05 Uhr:
von Strange:

Wichtige Hintergrundinfo´s gibt es weder in der Presse noch von der EU online.

Die muss man sich mühsam im Netz selbst erarbeiten.

Liebe Journalisten, gibt es in Brüssel nicht auch sogenannte Hintergrundkreise wie in Berlin?
Pressekonferenzen sind doch Schall und Rauch.

Für Interessierte: eine NDR-Doku (nur noch bei Youtube)
"Strippenzieher und Hinterzimmer"





Aus: "Mehr Internet, weniger Information" VON DANIELA WEINGÄRTNER (21.04.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-zensur/artikel/1/mehr-internet-weniger-information/

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« Reply #149 on: April 25, 2010, 06:13:56 PM »

Quote
[...] Überall im deutschen Journalismus, wahrscheinlich auch im Fernsehen, gibt es zwei potentielle Zensurinstanzen. Die erste Instanz sind die Werbekunden, ohne die es keine Zeitungen geben kann, und mit denen man sich, verständlicherweise, nicht gerne anlegt. Die zweite Instanz sind die Chefredakteure und Verleger, die alle Freunde haben, in dem einen oder anderen Honoratiorenkreis verkehren und, verständlicherweise, ihre Ruhe haben möchten (die einen mehr, die anderen weniger).

Zeitungen haben eine gesellschaftliche Funktion, sie müssen eine Plattform auch für unangenehme Meinungen und für unangenehme Nachrichten sein, gleichzeitig sind sie gewinnorientierte Unternehmen. Das ist der unauflösbare, unvermeidliche Widerspruch, in dem sie sich bewegen und täglich Kompromisse suchen. "Unvermeidlich" ist dieser Widerspruch, weil eine private Presse, trotz allem, immer freier sein wird als eine staatlich gelenkte.

[...] Deswegen hat guter Journalismus etwas mit Mut zu tun, manchmal sogar mit Harakiri. Wer frei seine Meinung sagt oder wer eine brisante Story recherchiert, tritt immer jemandem auf die Füße oder macht sich irgendwo unbeliebt. Das Internet sorgt nun dafür, dass Meinungen und Meldungen schwerer unterdrückt werden können als früher, es gibt kein Monopol auf öffentliche Äußerung mehr.

In einigen Gegenden machen inzwischen lokale Webseiten den lokalen Monopolzeitungen das Leben schwer, das ist, was die Informationsfreiheit und den Pluralismus der Meinungen betrifft, sehr gut. Die Webjournalisten sind zum Teil sogar ihre eigenen Herren, sie brauchen dann weniger Mut, haben dafür allerdings auch noch weniger Geld.

Die meisten Verleger reagieren auf sinkende Einnahmen, indem sie versuchen, die Kosten zu senken. Ich polemisiere gar nicht dagegen, ich beschreibe nur. Ich behaupte auch nicht, dass ich eine Alternative wüsste. Ich verstehe nicht viel von Ökonomie. Man kann Redaktionen ausdünnen, man kann Honoraretats senken, man kann Ressorts verschiedener Zeitungen zusammenlegen, man kann die Zeitungen dünner machen, und all dies wird getan.

[...] Ob die Leute jemals bereit sein werden, für Texte im Internet nennenswerte Beträge zu bezahlen, weiß der Himmel. Ich selber bezweifle es, aber von Prophetie verstehe ich noch weniger als von Ökonomie. Was sich jetzt schon abzeichnet: Das Internet verwandelt mittelmäßig oder schlecht bezahlte Journalistenjobs bei Zeitungen in schlecht oder sehr schlecht bezahlte Journalistenjobs bei Internetportalen.

Das Internet wird außerdem mehr und mehr zu dem Ort, an dem die Debatten stattfinden, es entmachtet tendenziell die Meinungsseiten und die Feuilletons. Sie wirken langweilig, langsam und ferngesteuert, verglichen mit der zauberhaften Anarchie und Vielfalt des Netzes.

[...] Trotzdem habe ich ein ambivalentes Verhältnis zum Netz, ich liebe es und ich fürchte es. Als ich anfing, musste ich, um zu leben, unaufhörlich Text produzieren. Später ließ meine Produktivität nach, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Qualität der Texte dadurch stieg. Heute stelle ich fest, dass wir alle viel mehr Leserpost beantworten als früher, dank des Internets, und dass unsere Texte im Netz diskutiert werden.

[...] Ich bin sicher jemand, der relativ viel schreibt, trotzdem habe ich allmählich Angst. Journalisten, die unaufhörlich schreiben und plappern und bloggen und den ganzen Tag Sätze aus sich herausströmen lassen, können nicht gut sein, außer, sie sind zufällig Genies. Wir schreiben zu viel, wir haben zu wenig Zeit zum Nachdenken, und das hängt bei vielen mit den sinkenden Honoraren und mit dem Internet zusammen, das wir bedienen müssen, ohne davon leben zu können. Deshalb sollte ich jetzt vielleicht einfach die Klappe halten.


Aus: "Serie: Wozu noch Journalismus? - Mut und Harakiri" Von Harald Martenstein (24.04.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/medien/76/503300/text/

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