COMMUNICATIONS LASER #17
February 07, 2012, 09:15:33 PM *
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Author Topic: [Notizen zur Pressefreiheit... ]  (Read 17049 times)
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« Reply #150 on: July 07, 2010, 02:07:08 PM »

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[...] Das Ehepaar Juan Francisco Rodríguez Ríos und María Elvira Hernández Galena ist am 28. Juni in der Stadt Coyuca de Benitez im südwestmexikanischen Staat Guerrero von Unbekannten erschossen worden. Rodríguez arbeitete für die Tageszeitungen El Sol de Acapulco and Diario Objetivo, Hernandez war Chefredakteurin der Wochenzeitung Semanario Nueva Línea. Mindestens sieben Journalisten sind seit Jahresbeginn in Mexiko ermordet worden.

„Die Gewalt gegen Medienmitarbeiter in Mexiko nimmt weiterhin zu“, so Reporter ohne Grenzen (ROG). „Journalisten sind häufig Drohungen sowie körperlichen Attacken während ihrer Arbeit ausgesetzt und müssen in Angst vor Repressalien leben. Wir hoffen, dass die Ermittler zügig die Verantwortlichen für diesen Doppelmord identifizieren.“

Nach lokalen Medienberichten wurden Rodríguez und Hernández aus kürzester Distanz in einem Internetcafé in der Nähe ihres Hauses ermordet. Die Angreifer feuerten offensichtlich mehrere Schüsse auf das Paar ab. Der 17-jährige Sohn der Opfer wurde Zeuge des Mordes.

Der 49-jährige Rodríguez arbeitete 20 Jahre lang als Journalist in der Region Costa Grande in Guerrero. Er war zudem Mitglied im technischen Komitee des staatlichen Unterstützungsfonds für Journalisten in Guerrero. In der vergangenen Woche nahm er gemeinsam mit Kollegen am Jahrestreffen für Journalisten in Coyuca de Benitez teil, bei dem auch gegen die allgegenwärtige Gewalt gegenüber Journalisten protestiert wurde.

Seit dem Jahr 2000 sind in Mexiko 64 Journalisten ermordet worden. Viele der Fälle wurden bis heute nicht aufgeklärt. Seit 2003 sind zudem elf Journalisten als vermisst gemeldet worden.


Aus: "Mexiko: Journalisten-Ehepaar ermordet" ROG (30.06.10)
Quelle: http://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/news-nachrichten-single/article/1/journalisten-ehepaar-ermordet.html

« Last Edit: November 22, 2010, 12:46:22 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #151 on: July 11, 2010, 07:51:08 PM »

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[...] Es wurde vertuscht, verleugnet und verheimlicht: Die Verschlossene Auster, der Kritik-Preis der Journalistenvereinigung netzwerks necherche e.V. (nr) für den „Informationsblockierer des Jahres“, geht 2010 an die Katholische Kirche für ihren Umgang mit dem Missbrauchsskandal. Stellvertretend für sie nimmt Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, den Preis entgegen.

„Die Deutschen Bischöfe geben bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle nur die Tatsachen zu, die sich nicht mehr leugnen lassen. Die katholische Kirche respektiert den Anspruch der Öffentlichkeit auf frühzeitige und vollständige Information nicht und widerspricht damit ihren eigenen Werte-Postulaten nach Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit“, sagte Prof. Dr. Thomas Leif, Vorsitzender von netzwerk recherche, zur Jurybegründung.

...


Aus: "Jahrestreffen 2010 netzwerk recherche e.V." (09./10. Juli 2010, NDR-Konferenzzentrum, Hamburg)
Quelle: http://www.netzwerkrecherche.de/Projekte/Jahreskonferenzen/Jahrestagung-2010/

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« Reply #152 on: July 14, 2010, 08:31:38 AM »

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[...] Mit dem Krieg stirbt auch die Freiheit der Presse, und hier wird eine besondere Version dieses Satzes inszeniert. Man kidnappt einfach die ganze Pressemeute, mehr als 60 Journalisten aus aller Herren Länder, nimmt ihnen Arbeitswerkzeug und Arbeitsresultate ab und tut so, als ob es das alles nicht mehr gibt. Man steckt sie in ein Gefängnis. In den israelischen und den deutschen Medien darüber kein Wort, von einer Entschuldigung der Armee nicht zu reden. Es ist Krieg und Israels Machthaber sehen keinen Grund von diesem Weg abzuweichen. Dieses Phänomen hat der Dirigent Daniel Barenboim in einem Interview einmal als „totale Selbstbezogenheit“ bezeichnet. Für mich und viele andere, die diese Selbstbezogenheit erleben, fühlt sie sich an wie der Zynismus der Macht.

Der tschechische Kameramann Jan Linek hat sich am Ende überreden lassen, jenes Papier zu unterschreiben, in dem er sich selbst bezichtigt, illegal in Israel eingereist zu sein. Der Uniformierte im Hafen von Ashdod habe ihm versprochen, dass er mit seinem Konsulat telefonieren dürfe und dass er seine Ausrüstung zurückbekäme, wenn er unterzeichne: „Dann habe ich mich entschlossen, dieses Papier zu unterschreiben. Er hat mich daraufhin ausgelacht – das Papier genommen und mich ausgelacht – und hat gesagt: Okay, es gäbe kein Telefonat, ich würde mit niemandem von meiner Landesvertretung sprechen und ich würde jetzt weggefahren.“ Linek muss – wie alle Journalisten – nur mit dem nach Hause reisen, was er gerade am Körper trägt.

Wie das internationale Sekretariat von „Reporter ohne Grenzen“ in Paris bestätigt, hat bis heute kein Journalist, der die Gaza-Flotte begleitete, seine Ausrüstung zurückerhalten.


Hintergrund:
Mario Damolin arbeitet als freier Journalist vor allem für ARD-Anstalten und überregionale Zeitungen sowie als Dozent an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg



Aus: "Der Reporter als Feind" (Nahaufnahme | 12.07.2010 13:00 |  Mario Damolin)
Quelle: http://www.freitag.de/politik/1027-der-reporter-als-feind

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« Reply #153 on: July 28, 2010, 04:09:17 PM »

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[...] ZEIT ONLINE:  Warum brauchen die klassischen Medien Wikileaks überhaupt?

Jay Rosen: Die Geheimhaltung hat massiv zugenommen. Die Schattenwelt, die Machenschaften der Nachrichtendienste, die weltweiten Militäroperationen haben im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Terror ein wahnwitziges Ausmaß angenommen. In dieser Relation muss Wikileaks immer noch als ein winzig kleiner Versuch gedeutet werden, dagegen anzukämpfen.

Und schließlich ist Wikileaks ein typisches Produkt des Internets: Im Netz gibt es keine Adressen, keine zentrale Kontrollstelle.

ZEIT ONLINE: In Ihrem aktuellen Blogpost bezeichnen Sie das Phänomen Wikileaks als "erste staatenlose Nachrichtenorganisation der Welt". Macht diese "Staatenlosigkeit" denn einen Unterschied?

Jay Rosen: Sie ist wichtig, weil die Veröffentlichungen so von keiner Regierung der Welt verhindert werden können. Wikileaks liegt außerhalb der Reichweite jedweder Gesetzgebung. Man kann das gut oder schlecht finden, mein Punkt ist nur: Es macht einen Unterschied.

Professionelle Nachrichten-Organisationen sind zudem immer das Produkt einer bestimmten nationalen, politischen, professionellen Kultur. Wikileaks braucht auf solche Traditionen keine Rücksicht zu nehmen.

ZEIT ONLINE: Unsere Medien werden reguliert, fallen unter nationale Gesetze. Durch Wikileaks haben plötzlich Einzelpersonen wie Assange und Schmitt die Macht, über das Schicksal von Menschen, Unternehmen und Institutionen zu entscheiden. Müsste man diese Macht nicht ebenso gesellschaftlich-demokratisch kontrollieren?

Jay Rosen: Sie kann nicht kontrolliert werden. Welcher Mechanismus soll das sicherstellen? Es gibt ja keine Weltregierung.

...


Aus: ""Keine Regierung der Welt kann das stoppen"" Von Tina Klopp (28.7.2010)
Quelle: http://www.zeit.de/digital/internet/2010-07/wikileaks-medien-assange-rosen

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« Reply #154 on: August 30, 2010, 08:36:19 AM »

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[...] Künftig soll die Staatsanwaltschaft nicht mehr die Redaktion durchsuchen dürfen, um ein Leck in der Verwaltung aufzuspüren. Die strafbewehrte Pflicht, Dienstgeheimnisse geheim zu halten, trifft nur die Beamten, nicht die Presse. Und da kann man sich auch nicht drum herum mogeln, indem man die Presse wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat versucht dranzukriegen.

Klingt gut. Ich bin sehr für Schutz von Journalisten. Ich bin schließlich selber einer.

...


Aus: "Journalistenschutz mit Lücken"
This entry was posted on Wednesday, August 25th, 2010 at 15:00 and is filed under Verfassungspolitik.
Quelle: http://verfassungsblog.de/journalistenschutz-mit-lcken/

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« Reply #155 on: September 01, 2010, 08:46:56 AM »

Quote
[...] Derzeit versucht die Insel, sich als sicherer Hafen für freie Medien neu zu positionieren. Kernstück dieser Bemühungen ist die Icelandic Modern Media Initiative (IMMI), die investigative Journalisten und deren Quellen ebenso schützen soll wie Telekoms und Provider. ORF.at hat sich bei einem Sprecher der Initiative über den Stand der Dinge und über das Verhältnis von IMMI zur Whistleblower-Website WikiLeaks erkundigt.

Mitte Juni dieses Jahres hat IMMI die wichtigste Hürde im isländischen Parlament genommen. Die Initiative wurde mit 50 Stimmen bei keiner Gegenstimme und zwölf Enthaltungen durch Abwesenheit akzeptiert, eingebracht wurde sie von 19 Abgeordneten aus fünf Parteien, die das politische Spektrum von den Grünen über die isländischen Sozialdemokraten bis hin zu den Konservativen abdecken.

Ziel von IMMI ist es, die progressivsten Elemente des Medienrechts aus anderen Staaten zu nehmen und zu einem Gesetzespaket zu schnüren, mit dem ein Maximum an Informationsfreiheit gewährleistet werden soll. So soll es ein starkes Informationsfreiheitsgesetz geben, Whistleblower und andere Quellen sollen ebenso geschützt werden wie die Kommunikation zwischen ihnen und den Journalisten. Außerdem soll es starke Einschränkungen für die Umstände geben, unter denen Einstweilige Verfügungen ausgesprochen werden können.

Auch der Praxis des "fliegenden Gerichtsstands", bei dem sich der Kläger ein ihm wohlgesonnenes Gericht aussuchen kann, um gegen unbequeme Medien vorzugehen, will IMMI einen Riegel vorschieben. Im Gegensatz zu Bestrebungen der EU-Kommission, die im Rahmen der Verhandlungen über das Anti-Piraterie-Abkommen ACTA Provider für die Inhalte in deren Netzen verantwortlich machen will, strebt IMMI das genaue Gegenteil an: Die Provider sollen nicht aufgrund von Inhalten in ihren Netzen geklagt werden und damit zu Zensurmaßnahmen missbraucht werden können.

ORF.at fragte bei Smari McCarthy, einem Sprecher der Initiative, nach, wie weit die Bemühungen zur Umsetzung des Projekts schon gediehen sind.

ORF.at: Herr McCarthy, IMMI ist von einer großen Mehrheit des isländischen Parlaments angenommen worden. Warum eigentlich? Informationsfreiheit ist normalerweise ein stark umstrittenes Thema.

    Smari McCarthy: Jemand hat einmal gesagt, dass man eine Krise niemals ungenutzt lassen sollte. Die Isländer haben in den letzten beiden Jahren miterleben müssen, wie ihr gesamtes Bankensystem verschwunden ist und die Wirtschaft in eine tiefe Rezession gezogen hat. Als sie versucht haben, die Gründe dafür aufzuarbeiten, wurde schnell klar, dass nicht nur Korruption und Vertrauensbruch für die Krise verantwortlich waren, sondern auch ein Mangel an Transparenz seitens der Regierung - und die Behinderung der Medien durch restriktive Gesetze.

    Island ist - aufgrund des Crashs - in der einzigartigen Situation, sich überlegen zu können, in welche Richtung es sich in den kommenden Jahrzehnten bewegen möchte. Das Parlament ist sich dessen bewusst und jeder hat den Willen, diese gescheiterte Gesellschaft zu verbessern. Das IMMI-Projekt ist nur eine der zahlreichen Manifestationen dieses Willens.

[...]

ORF.at: Die Gründer der Whistleblower-Plattform WikiLeaks waren am Entwurf von IMMI beteiligt. Haben die jüngsten Kontroversen über WikiLeaks auch die Debatte über IMMI beeinflusst?

    McCarthy: Anscheinend nicht. Obwohl sie eine der Organisationen waren, die beim Entwurf von IMMI mit beraten haben, ist das Projekt vollkommen unabhängig von WikiLeaks. Das gilt auch für die parlamentarischen Aktivitäten, mit denen die Ziele von IMMI erreicht werden sollen. Die Medien hatten offenbar einige Schwierigkeiten dabei, IMMI von WikiLeaks zu unterscheiden, aber die isländischen Volksvertreter haben kein Problem damit. Sie sehen die Idee und deren Unterstützer getrennt.

    Wenn es überhaupt einen Einfluss der Debatten über WikiLeaks auf die IMMI-Diskussion gegeben hat, dann bestand der darin, dass sie die Notwendigkeit für diese neuen Gesetze unterstrichen haben. Sie haben gezeigt, dass sich die weltweiten Informationsflüsse sehr schnell verändern und dass wir eine tiefgründige Diskussion darüber führen sollten, wie wir damit umgehen sollten - und dass der Gesetzgeber darüber auf dem neuesten Stand sein sollte.

...


Aus: "Island: Zwischen WikiLeaks und EU-Beitritt" (01.09.2010, futurezone/Günter Hack)
Quelle: http://futurezone.orf.at/stories/1659018/

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« Reply #156 on: September 06, 2010, 09:46:32 AM »

Quote
[...] Der Tod von Oleg Bebenin ging wie ein Lauffeuer durch die Internetforen Weißrusslands. Viele Blogger fühlten sich sofort an das spurlose Verschwinden des Fernsehjournalisten Dmitri Sawadski im Juli 2000 und den bis heute nicht aufgeklärten Mord an der Journalistin Weronika Tscherkassowa 2004 erinnert. 1999 und 2000 waren zudem die führenden Oppositionsvertreter Wiktor Gontschar, Anatoli Krasowski und Juri Sacharenko sowie der Fernsehjournalist Dmitri Sawadski spurlos verschwunden.

...


Aus: "Pressefreiheit in Weissrussland: Journalist tot aufgefunden" VON BERNHARD CLASEN (05.09.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/journalist-tot-aufgefunden/

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« Reply #157 on: September 14, 2010, 12:05:48 PM »

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[...] Die Tageszeitung hatte dem Präsidialamt vorgeworfen, einen ihrer Journalisten durch den Geheimdienst bespitzelt zu haben. So sollten die Informanten in der Bettencourt-Affäre ausfindig gemacht werden. Die Traditionszeitung will eine Anzeige gegen Unbekannt erstatten.

[...] Um den Informanten der Le Monde zu enttarnen, sollen sich Geheimdienstmitarbeiter Zugang zur Anrufliste von Mitarbeitern des Justizministeriums verschafft haben, die Zugriff auf die Vernehmungsprotokolle der Bettencourt-Affäre hatten. Dabei sei aufgefallen, dass ein hoher Beamter zur fraglichen Zeit Kontakt mit dem Le-Monde-Journalisten Gérard Davet hatte. Dieser hatte über die Vernehmungen berichtet. Dem Spitzenbeamten droht nun eine Strafversetzung, er soll das Übersee-Département Französisch-Guayana in Südamerika übernehmen, berichtet die Zeitung.

Auf der ersten Seite der Dienstagsausgabe titelt Le Monde nun: Der Elysée hat das Gesetz zum Informantenschutz für Journalisten gebrochen. "Die Dienste der Spionageabwehr wurden genutzt, um den Informanten unseres Reporters ausfindig zu machen", schreibt das Blatt.

...


Aus: "Frankreichs Geheimdienst soll Journalisten bespitzelt haben" (13.9.2010)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-09/lemonde-reporter-bespitzelung

-.-

Quote
[...] Der Elysée hatte den Vorwurf umgehend dementiert. Das Präsidialamt habe "nie die geringste Anweisung" in dem Fall an "irgendeinen Dienst" gegeben.

Die Zeitung meint jedoch, konkrete Hinweise darauf zu haben, dass der Stab von Präsident Nicolas Sarkozy die Spionageabwehr darauf ansetzte, die Quelle des Journalisten Gérard Davet zu enttarnen. Der Einsatz des Inlandsgeheimdienstes DCRI sei angeordnet worden, nachdem Le Monde Mitte Juli aus Vernehmungsprotokollen zitiert hatte, die Arbeitsminister Eric Woerth belasteten.

Woerth steht in Verdacht, von der L'Oréal-Erbin und reichsten Frau Frankreichs, Liliane Bettencourt, als Schatzmeister der Partei des Präsidenten Spenden entgegengenommen und ihr anschließend als Haushaltsminister Steuervorteile gewährt zu haben.

Der Verdacht war offenbar auf David Sénat gefallen, den Berater in Strafrechtsfragen im Justizministerium von Michèle Alliot-Marie. Sénat soll Zugang zu den Protokollen gehabt und zum fraglichen Zeitpunkt mit Davet telefoniert haben.

...


Aus: "Bettencourt-Affäre Paris setzte Geheimdienst auf Informanten an" Von Michael Kläsgen (14.09.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/bettencourt-affaere-paris-setzte-geheimdienst-auf-informanten-an-1.999494

« Last Edit: September 14, 2010, 12:08:10 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #158 on: October 13, 2010, 08:11:05 AM »

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[...] Ausgewählte Journalisten und Medien werden mit »bestellten Wahrheiten« versorgt; sie erhalten frisierte (wissenschaftliche) Studien, passende Meinungsumfragen, getürkte Statistiken, von PR-Agenturen geschriebene Texte, Interviews und Meinungsbeiträge etc. Das Spektrum dieser Dienstleistungen und Informations- Rohstoffe ist schier unbegrenzt. Dazu gehört auch die Vermittlung von sogenannten »Experten«, die als »Mietmäuler« einsetzbar sind.

...


Aus: "Bestellte Wahrheiten – Lobby im Journalismus" von Thomas Leif (Aus: NG|FH 7/8|2010 S. 39-44)
Quelle: http://www.netzwerkrecherche.de/Projekte/PR-Einfluss-Zurueckdraengen/Bestellte-Wahrheiten/

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« Reply #159 on: October 13, 2010, 08:20:11 AM »

Quote
[...] Leipzig. Für den investigativen Journalisten und Pulitzerpreisträger Seymour Hersh sind schnelle Kommunikationsmittel im Internet wie Twitter, Blogs oder Wikileaks eine große Errungenschaft.

«Diese ganze "Explosion" der Medien ist kompliziert, aber gut» , sagte Hersh im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Leipzig. «Umso mehr du über eine Sache weißt, desto besser kannst du dir eine Meinung darüber bilden. Langfristig wird dieser konstante Informationsfluss sehr nützlich sein.»

[...] Mit dem neuen Informationszeitalter änderten sich aber natürlich auch die Anforderungen an Journalisten: Recherche werde dadurch nicht leichter. «Du kannst viel mehr Informationen erhalten, die dich in die Irre führen.» Dennoch: Vieles im Netz sei zwar ungeprüft, doch das Internet ist dem Enthüllungsautoren zufolge einer der letzten Plätze in der Welt, die frei sind und niemandem gehören - und genau das fürchteten viele Regierungen. «Das Militär in Amerika will mehr Kontrolle über das Internet erlangen. Sie sagen, wegen der nationalen Sicherheit, weil Terroristen das Netz nutzen könnten.»

Auch Konzerne wie Google, die online zu mächtig würden, seien eine Gefahr. Er sieht eine große Aufgabe der Zukunft darin, dafür zu sorgen, dass das Internet so bleibt wie es jetzt ist: «unkontrolliert».

So biete das Internet den Raum, um investigative Recherche weiter betreiben zu können. «Was die Idee des Internets so schön macht, ist, dass es keinen Herausgeber braucht, um Geschichten zu veröffentlichen.» So sieht er auch in Wikileaks, jener Internetplattform, die unter anderem streng geheime Dokumente über den Afghanistan- und Irakkrieg für jedermann einsehbar machte, eine neue journalistische Form. Kriege würden stets im Verborgenen geführt, doch es gebe immer jemanden, der Informationen über diese Kriege geben wolle. Und Wikileaks sei eine Plattform für solche Leute, «die Zugriff auf Dokumente haben und hassen, was dort vor sich geht.»

In seiner eigenen Arbeit hat sich Seymour Hersh immer auf die Freiheit berufen, jedes Dokument publizieren zu können, dass er in die Hände bekommt. «Vier- oder fünfmal riefen ich oder mein Verleger von der "New York Times" bei der Regierung an, um ihr mitzuteilen, dass wir Informationen rausbringen, die sie in große Schwierigkeiten bringen wird», erzählt er. «Und manchmal rief der Präsident an und bat uns, nicht zu veröffentlichen, weil es zu gefährlich sei und die nationale Sicherheit bedrohe.» In zehn Jahren bei der Zeitung hätten sie fast jede Geschichte schließlich gedruckt, sagte er. «Und raten Sie mal: Das war mitten im Kalten Krieg. Und die Russen sind am nächsten Tag nicht eingefallen.» (dpa)


Aus: "Seymour Hersh: Reporterlegende fordert "unkontrolliertes" Internet" (12.10.2010)
Quelle: http://www.fr-online.de/digital/reporterlegende-fordert--unkontrolliertes--internet/-/1472406/4737056/-/index.html

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« Reply #160 on: October 13, 2010, 08:32:13 AM »

Quote
[...] Polnische Geheimdienste haben in den Jahren 2005 bis 2007 - während der Regierungszeit der rechtskonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) - die Telefonverbindungen von mindestens zehn Journalisten führender Medien überwacht. Darüber berichtet die Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" am Freitag. Sie stützt sich auf die Unterlagen der Staatsanwaltschaft in Zielona Gora, die ihre Ermittlungen gegen die Geheimdienste allerdings inzwischen einstellte.

Betroffen waren nach Darstellung der Zeitung Journalisten des Fernsehsenders TVN24, der Radiostation RMF FM, der Zeitungen "Gazeta Wyborcza" und "Rzeczpospolita" sowie der Nachrichtenmagazine "Newsweek Polska" und "Polityka". Die Antikorruptionsbehörde CBA und der Inlandsgeheimdienst ABW überprüften, mit wem die Journalisten von wo aus telefonierten. Die Überprüfungen dauerten bis zu zwei Jahre. Viele Details seien der Öffentlichkeit allerdings nicht bekannt, weil die Unterlagen der Staatsanwaltschaft größtenteils geheim seien, so die "Gazeta Wyborcza". Die Betroffenen erfuhren nicht von den Maßnahmen gegen sie.

Warum die Staatsanwaltschaft in Zielona Gora die Ermittlungen gegen die Geheimdienste einstellte, ist nicht bekannt. Die Begründung sei geheim, heißt es. Nach Informationen der "Gazeta Wyborcza" sei der Staatsanwalt, der die Ermittlungen leite, inzwischen von der übergeordneten Kreis-Staatsanwaltschaft in die untergeordnete Regional-Staatsanwaltschaft versetzt worden.

Vertreter der rechtsliberalen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) geben der PiS die Schuld an der möglicherweise rechtswidrigen Beschattung von Journalisten zwischen 2005 und 2007. "Auch Politiker wurden beschattet, vieles verletzte damals die Regeln und den Anstand", erklärte Parlamentspräsident Grzegorz Schetyna (PO) am Freitag gegenüber Journalisten. Der damalige Premierminister und heutige Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski (PiS) sagte, er werde "diese Märchen nicht kommentieren". Die Staatsanwaltschaft habe das Verfahren eingestellt, seine Kritiker seien dadurch "komplett kompromittiert", so Kaczynski. (APA)


Aus: "Polnische Geheimdienste überprüften Journalisten-Telefone" (08. Oktober 2010)
Quelle: http://derstandard.at/1285200390049/Polnische-Geheimdienste-ueberprueften-Journalisten-Telefone

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« Reply #161 on: October 17, 2010, 10:53:36 AM »

Quote
[...] Der Mord am bekannten kroatischen Journalisten Ivo Pukanic vor zwei Jahren soll etwas mit der Hypo-Alpe-Adria-Affäre zu tun gehabt haben. Das sagte der serbische Mafia-Boss Sreten Jocic im Belgrader Prozess um den Pukanic-Mord aus.

Pukanic und sein Mitarbeiter Niko Franjic, die im Oktober 2008 durch eine Autobombenexplosion in Zagreb ums Leben kamen, seien wegen „der Vorgänge in Kroatien“ umgekommen, sagte Jocic nach Angaben der kroatischen Nachrichtenagentur HINA. Jocic soll eigenen Angaben zufolge in der Hypo-Affäre in Österreich aussagen.

...


Aus: "Mafia-Boss: Mord an Zagreber Journalisten in Hypo-Kontext" (15.10.2010)
Quelle: http://orf.at/stories/2020300/

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« Reply #162 on: October 21, 2010, 08:16:16 AM »

Quote
[...] Die Lage der Medienfreiheit hat sich nach Ansicht der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) in Europa weiter verschlechtert. Der bereits in der Rangliste  2009 festgestellte Abwärtstrend einiger süd- und südosteuropäischer Staaten habe sich in der nun vorgelegten Rangliste der Pressefreiheit 2010 fortgesetzt, heißt es in einer Mitteilung. In der Rangliste vergleicht ROG die Situation der Pressefreiheit in 178 Staaten und Regionen (http://en.rsf.org/IMG/pdf/carte-2011.pdf). Einbezogen wurden Verstöße im Zeitraum von September 2009 bis August 2010.

ROG-Generalsekretär Jean-François Julliard warnte: "Wenn die EU-Staaten keine Anstrengungen unternehmen, setzen sie ihre weltweit führende Position bei der Einhaltung von Menschenrechten aufs Spiel. Die europäischen Staaten müssen dringend ihre Vorbildfunktion wiedererlangen."

Deutschland hat sich gegenüber 2009 von Platz 18 auf 17 vorbewegt. Wie in anderen EU-Staaten hat ROG hier Redaktionszusammenlegungen und Stellenstreichungen negativ bewertet. Der Zugang zu Behördeninformationen bleibe ebenfalls unzureichend. Ein weiterer Kritikpunkt war das Strafverfahren gegen zwei Leipziger Journalisten in der so genannten Sachsensumpf-Affäre.

Rund die Hälfte der 27 EU-Mitgliedsstaaten befinden sich unter den 20 führenden Ländern der aktuellen Rangliste. Innerhalb der EU gehe die Schere aber stark auseinander. Zwölf EU-Länder lägen zwischen dem 30. und 70. Rang. Am stärksten gefallen sei Griechenland, und zwar von Platz 35 im Vorjahr auf nunmehr Platz 70. Ausschlaggebend waren körperliche Angriffe bei Demonstrationen und Drohungen gegen Journalisten. In Frankreich und Italien gebe es Probleme wie die Verletzung des Quellenschutzes, die zunehmende Konzentration von Medieneigentum sowie gerichtliche Vorladungen von Journalisten.

Durch Klagen gegen Journalisten sowie Festnahmen und Verurteilungen von Medienmitarbeitern zu Gefängnisstrafen geriet die Türkei aus der Sicht von ROG in unmittelbare Nachbarschaft zu Russland. Dort wiederum gehörten ROG Zensur, Gewalt und Repressionen nach wie vor zum Alltag vieler kritischer Journalisten.

Die repressivsten Staaten sind laut der Rangliste Eritrea, Nordkorea, Turkmenistan und Burma. Dort würden unabhängige Medienschaffende verfolgt, Nachrichten und Informationen aus den Ländern fehlten seit mehreren Jahren. Besonders in Ruanda und im Sudan habe sich die Situation verschärft. In Ruanda fielen zusätzliche Zensurmaßnahmen und Schließungen von Medien vor der Präsidentschaftswahl im August 2010 sowie die Ermordung eines Journalisten ins Gewicht. Im Sudan hat die Regierung ihre Überwachung der Printmedien deutlich verstärkt, mehrere Journalisten wurden verhaftet und eine oppositionelle Tageszeitung wurde geschlossen.

ROG legt nach eigenen Angaben (PDF-Datei: http://en.rsf.org/IMG/pdf/methodology.pdf) 43 Kriterien für die Bewertung der Lage der Pressefreiheit zugrunde. Dazu zählen direkte Angriffe gegen Journalisten sowie Zensurmaßnahmen. Die Kriterien erhebt die Organisation in einem Fragebogen (PDF-Datei: http://en.rsf.org/IMG/pdf/cm_questionnaire_2010_gb.pdf), die sie an Partnerorganisationen und Korrespondenten in den Ländern schickt.

(anw)

Quote
20. Oktober 2010 11:56
Control of Media (Editiert vom Verfasser am 20.10.10 um 11:58)
Stasi (mehr als 1000 Beiträge seit 01.10.03)

Der Punkt "CONTROL OF MEDIA" offenbart eine mehr als naive Form der
Fragestellung. Da wird die Situation der Pressefreiheit danach
beurteilt, ob die Presse privat oder staatlich ist und der Staat
Einfluß nimmt, so als ob die Pressefreiheit grundsätzlich und nur
durch den Staat gefährdet werden könnte. Völlig außen vor bleibt die
Situation, die wir hier gerade beobachten, nämlich daß nahezu alle
privaten Massenmedien nicht nur einigen wenigen Interessengruppen
angehören, sondern auch alle eine gleichgeschaltete Propaganda
verbreiten und zudem massiv Hetze gegen bestimmte Gruppen ausüben.
Dies stellt ebenso eine Einschränkung der Pressefreiheit dar und die
ist mindestens ebenso gefährlich, wie staatliche Eingriffe. Und schon
stünden wir plötzlich gar nicht mehr so gut da.

Sowieso ist die einzig relevante Aussage der Studie, daß wir
nur deswegen gut wegkommen, weil die anderen schlimmer sind.

Quote
20. Oktober 2010 13:36
Re: Control of Media
Draglor (mehr als 1000 Beiträge seit 16.01.08)

Bei solchen Studien gilt natürlich wie immer auch zu schauen, wer
diese erstellt hat bzw. was er damit bezwecken könnte. ROG war ja
schon länger nicht unbedingt als neutrale Presseorganisation bekannt.
> http://de.wikipedia.org/wiki/Reporter_ohne_Grenzen

Insbesondere die Punkte "Organisation und Finanzierung" sowie
"Kritik" sind hier interessant.

Draglor



Quote
20. Oktober 2010 12:16
Pressefreiheit im elektronischen Polizeistaat
Gulasch Nikov (mehr als 1000 Beiträge seit 05.05.05)

Ist natürlich nur ein Jux und eine Gunst, die von den Regierenden
gewährt wird, solange man auf der "richtigen" Seite steht:

"Auf dem Weg zum "Elektronischen Polizeistaat""
Florian Rötzer 12.05.2009

Nach einem neuen Bericht nähern sich totalitäre und demokratische Staaten gleichermaßen einer neuen Dimension des Polizeistaats an
>http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30298/1.html



...


Aus: "Reporter ohne Grenzen sieht Verschlechterung der Pressefreiheit in Europa" (20.10.2010)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Reporter-ohne-Grenzen-sieht-Verschlechterung-der-Pressefreiheit-in-Europa-1110900.html

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« Reply #163 on: November 22, 2010, 10:28:38 AM »

Quote
... Bereits am Mittwoch, als die Nachricht von der Gefährdung Deutschlands sich verbreitete, schien es, als wartete eine hochgerüstete Presse nur auf den Tag X, um zu demonstrieren, wie gut sich die Redaktionen vorbereitet haben. Als am Donnerstagvormittag die ersten Meldungen über einen möglicherweise vereitelten Terroranschlag auf eine deutsche Passagiermaschine vom Ticker liefen, schienen alle Dämme zu brechen: Zwar gab es noch immer keinen echten Terroranschlag, aber in Zeiten, in denen Medien sich von scharfgemachten politischen Verlautbarungen aufladen lassen, als stünden sie unter der Wirkung eines Aufputschmittels, stellt ein möglicherweise vereitelter Terroranschlag, selbst wenn er nur in Namibia sich abgespielt hat, eine gute Gelegenheit dar, eine Nichtnachricht mit viel Donnerwirbel in eine Nachricht zu verwandeln:

*    Die Zeit: Terrorverdacht: Behörden entdecken verdächtiges Gepäckstück
*    Die Süddeutsche Zeitung schön martialisch: Schrecken ohne Grenzen
*    Das Handelsblatt: Bombe für Deutschland in Namibia abgefangen

Die angeführten Schlagzeilen ließen sich problemlos erweitern, aber sie genügen bereits, um aufzuzeigen, dass Rezipienten Nachrichten, wie sie im Kontext der Berichterstattung über den Terror veröffentlicht werden, nur mit Vorsicht aufnehmen sollten.

Während die Redaktion von der Zeit die Meldung zur Verbreitung von Verdächtigungen nutzt, gehen die Süddeutsche Zeitung und das Handelsblatt noch weiter: Schrecken ohne Grenzen, titelt die SZ martialisch und verweist damit unbeabsichtigt auf die schweren berichterstatterischen Defizite, wie sie in dem Artikel zu finden sind. Bei genauerer Betrachtung des Artikels wird deutlich, dass der "Schrecken ohne Grenzen" zunächst mal nicht von internationalen Terrornetzwerken ausgeht, sondern von hoch reputierten Medien:

Ausgerechnet Namibia: Erstmals ist das afrikanische Land ins Visier der internationalen Terrorfahndung geraten. Steckt die somalische Islamisten-Miliz al-Shabab hinter dem mutmaßlichen Sprengsatz?
SZ

Der im Indikativ (Wirklichkeitsform) stehende Satz führt inhaltlich die Überschrift fort und vermittelt dem Leser den Eindruck, dass Namibia nun in die Länder eingereiht werden kann, die vom internationalen Terrorismus betroffen sind. Zwar wird nur davon gesprochen, dass das Land in das Visier der "Terrorfahndung" geraten ist, aber die Implikationen sind klar: Wo eine internationale Terrorfahndung am Werke ist, muss es auch einen internationalen Terror geben. Jetzt ist der Schrecken (des Terrors) also auch in Namibia. Und schon fragt die SZ professionell: "Steckt die somalische Islamisten-Miliz al-Shabab hinter dem mutmaßlichen Sprengsatz?"

Schnell gelingt es der Zeitung, Realitätsfragmente zusammenzuwerfen und in die neue (scheinbare) Wirklichkeit einzuarbeiten. Man muss nicht lange lesen, bis man die Signalwörter Terroristen, Anschläge und "endlich" auch: Al-Qaida findet. Schließlich erfährt man noch, dass zwei Bomben der somalischen Miliz al-Shahab 76 getötete Fußballfans in Uganda zu verantworten haben. Wenn das nicht ein Beweis ist! Doch wofür eigentlich? Sind die Schilderungen im Artikel ein Beweis oder zumindest ein Hinweis, dass die somalische Miliz al-Shahab Deutsche töten wollte? Sind die "Informationen" des SZ-Artikels Hinweise darauf, dass auch Al-Qaida wieder involviert ist? Also irgendwie, am Rande, vielleicht, unter Umständen?

Nicht besser macht es das Handelsblatt: Dort weiß man um 12.31 Uhr bereits das, was viele noch nicht wissen. Bombe für Deutschland in Namibia abgefangen, schreibt die Redaktion. Die Überschrift deutet auf vorzügliche Insider-Quellen hin, schließlich war zu diesem Zeitpunkt alles andere als klar, dass das Paket für Deutschland bestimmt war, genauso wenig, wie klar war, dass es sich bei dem "verdächtigen Gegenstand" um eine Bombe handeln könnte.

Doch immerhin wird deutlich, woher das Handelsblatt seine Informationen bekommt:
*    Wie das BKA am Donnerstag in Wiesbaden weiter mitteilte...
*    Eine Röntgenaufnahme des Gegenstands lag dem BKA in Wiesbaden vor, wie ein Sprecher sagte...
*    Es habe aber keine neuen Erkenntnisse gegeben, sagte der BKA- Sprecher.
*    Das BKA entsandte seinen Verbindungsmann aus Südafrika nach Windhuk.

Das Handelsblatt dokumentiert, dass das BKA als verlässliche Quelle betrachtet wird, eine kritische Hinterfragung der von der Behörde angebotenen Informationen findet in dem Artikel nicht statt.

Mangelnde Distanzlosigkeit von Seiten der Presse gibt es jedoch nicht nur gegenüber den Sicherheitsbehörden. Wie eingangs angesprochen, sind die Medien in Teilen sogar eine Art Allianz mit der Politik eingegangen.

Erstaunliches findet sich in einem Beitrag auf Stern-Online: In dem Artikel Fakten statt Panik deutet der Autor an, dass er genau zu wissen scheint, was Innenminister de Maiziere meint, wenn er über den Terrorismus spricht. Fast könnte man meinen, der Autor ist zu einem Sprachrohr des Innenministers geworden, denn wie de Maiziere "weiß" auch er, dass die Terrorwarnungen ernst genommen werden müssen. Einen Grund hat er auch: "de Maiziere ist kein Panikmacher", wofür sich der Autor fast zu verbürgen scheint. Und dann geht es in dem Artikel Schlag auf Schlag:

Die Warnungen klingen konkret wie nie. Politiker, die den Informationsquellen im Bundesinnenministerium und dem Bundeskriminalamt (BKA) dienstlich nahe stehen, raten: Wenn möglich in den nächsten Tagen nicht fliegen; bitte Großveranstaltungen meiden, vor allem die Eröffnung des Berliner Weihnachtsmarkts am 22. November; herumstehende Koffer sofort melden.
Stern

Der erste Abschnitt des Artikels verdeutlicht, dass distanzlos die "Meinung" von irgendwelchen Politikern, die irgendwelchen Behörden "nahe stehen", übernommen wird. Eine kritische Diskussion der angebotenen Informationen findet in dem Artikel nicht statt. Doch es geht noch weiter (schlimmer):

Mahnungen, die ernst zu nehmen sind. Denn letztlich gehen sie zurück auf Thomas de Maizière, den Bundesinnenminister. Und der ist keiner, der in seinem politischen Job die Blaulicht-Fahrerei liebt. Er hasst sie... Wer ihn auf dem CDU-Parteitag in Karlsruhe am Montagabend sah, wie er mit bleicher Miene in seinem soldatischen Schritttempo aus dem Sitzungssaal eilte, nachdem er offenbar über die angeblich in der zweiten Novemberhälfte geplanten Anschläge informiert worden war, muss folgendes ernst nehmen: Die Lage ist brisant...

Kurt Biedenkopf, der ihn gerne als seinen Nachfolger im Amt des sächsischen Ministerpräsidenten gesehen hätte, schwärmt geradezu über den Realitätsbezug, mit dem de Maizière Politik macht. Wenn der am Tisch eines Kabinetts sitze, sagte er einmal zu stern.de, dann "sitzt dort die Wirklichkeit"... Mag sein, dass ein früherer enger Mitarbeiter von ihm, der sächsische Regierungssprecher Michael Sagurna, auch in den Ohren seines ehemaligen Chefs zu sehr geschwärmt hat, als er sagte: Bei de Maizière "kann man als Beifahrer im Auto ganz ruhig auf dem Vordersitz schlafen". Aber der Bundesinnenminister arbeitet strikt nach dem Prinzip "Neues Handeln erfordert neue Fakten".
Stern

Diese Zeilen suggerieren, dass der Leser eigentlich gar nicht anders kann (darf), als sich nicht der Meinung des Autors, aber vor allem der Meinung de Maizieres anzuschließen.

Wer einen de Maiziere "mit bleicher Miene" und einem "soldatischen Schritttempo" mit eigenen Augen gesehen hat, der darf auch als Journalist getrost seine kritische Haltung ablegen. Es ist ernst. Das sollte akzeptiert werden. Doch, wo Schatten, da Licht. Trotz der ernsten Lage, ist nicht alles verloren. Schließlich können sich die Journalisten, aber auch die Bürger, auf einen Innenminister verlassen, bei dem man vertrauensvoll im Auto auf dem Beifahrersitz schlafen kann. Was für ein schönes Bild.

Doch das hier gezeichnet Bild offenbart schwere journalistische Mängel. Offensichtlich ist es dem Autor noch nicht mal im Ansatz peinlich, als Referenz zur Charakterisierung de Maizieres als Lichtgestalt, einen ehemaligen Mitarbeiter zu zitieren, der seinen ehemaligen Chef geradezu in den Himmel lobt - wenn auch schwärmend.

Spätestens seit dem öffentlichen Beziehungsstreit zwischen Finanzminister Wolfgang Schäuble und seinem Pressesprecher dürfte die Öffentlichkeit erahnen können, dass allzu liebliche Aussagen persönlicher Mitarbeiter von Politikern immer auch im Kontext eines "Abhängigkeitsverhältnisses" gelesen werden müssten. Doch selbst wenn de Maiziere die Lichtgestalt sein sollte, wie es der Stern-Autor andeutet, ist die fehlende Distanzlosigkeit, wie sie in dem Text zu erkennen ist, bei einem politisch so brisanten und aufgeladenem Thema wie Terrorismus untragbar.

Immerhin liefert der Artikel aber dann doch noch eine wichtige Information:

In diesem Sinne handelte de Maizière nicht erst seit diesem Mittwoch, wo er überraschend die Terrorgefahr auf einer Pressekonferenz öffentlich machte. Schon vor zehn Tagen hatte er Berliner Journalisten zu einem Informationsgespräch gebeten, über das strengste Vertraulichkeit vereinbart wurde. Mit am Tisch saß auch BKA-Chef Jörg Ziercke.
Stern

Es gab also bereits ein Treffen vorab zwischen dem Innenminister und dem BKA-Chef. Warum es im Detail zu diesem Treffen kam, darüber kann man sich seine Gedanken machen.

Das Hauptproblem wird deutlich: Die diskutierten Presseerzeugnisse stellen nur die Spitze der Medienberichte der vergangenen Tage dar. Viele andere Medien haben in ihren Veröffentlichungen dokumentiert, wie schnell in Sachen Terrorberichterstattung selbst hoch professionalisierte Medien einfachste journalistische Grundregeln über Bord werfen...

... Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 sind nun mehr als 9 Jahre vergangen, doch das grundlegende Problem der Massenmedien, wenn es um die Berichterstattung über den Terrorismus geht, besteht noch immer. Nahezu eine ganze Medienlandschaft stürzt sich auf echte oder vermeintliche Nachrichten, um diese mit den Möglichkeiten ihrer hervorragenden aufgebauten äußeren Strukturen den Mediennutzern zu präsentieren. Im Eiltempo speisen die großen Nachrichtenagenturen ihre Schlagzeilen in das System der Massenmedien ein, in rasender Geschwindigkeit nehmen die einzelnen Medien, vom großen Nachrichtenmagazin bis hin zur kleinen Lokalzeitung die Informationen auf, schnell werden Kontakte zum Sicherheitsapparat aktiviert, Experten, die man im Vorfeld quasi schon auf stand bye geschaltet hat, werden angefunkt, die Nachrichtenmoderatoren im Fernsehen präsentieren in ihrer geschliffen Sprache und mit dem Gestus der Wahrhaftigkeit die neusten Entwicklungen.

Gekonnt werden bei jedem vermeintlichen Terroranschlag Verbindungen zum internationalen Terrorismus bemüht, doch bei genauerer Betrachtung bleibt von der an der Oberfläche so sauber aussehenden Berichterstattung nicht viel übrig.

Die Massenmedien wären eher darum bemüht, einen alten Film auszugraben, der die Oma, die angeblich die Bombenattrappe zusammen gebaut hat, bei eben diesem Zusammenbauen zeigt, als dass sauber nachrecherchiert wird, wie es die Meldung im Detail überhaupt von Namibia nach Deutschland schaffen konnte. Wer hatte (Namen, Hintergründe) die Bombenattrappe entdeckt? Wer hat die Meldung weitergeben? Wie hat es die Meldung von Namibia zu einer Nachrichtenagentur (Name der Person und Hintergründe zu ihr) geschafft?

Von wem wurde die Information ans Bundeskriminalamt (BKA) weitergegeben? Wer hat im BKA die Informationen an die Presse weitergeben? Warum waren die Informationen offensichtlich so missverständlich? Wurden sie vom BKA bewusst so missverständlich herausgegeben, oder hat das BKA die Informationen so missverständlich erhalten und ihnen glauben geschenkt?

Doch diesen Fragen wird nicht oder nur unzureichend nachgegangen. Zusammenfassend lassen sich die Kritikpunkte an der Berichterstattung der Medien wie folgt darstellen:
*    Distanzlosigkeit gegenüber der Politik
*    Distanzlosigkeit gegenüber Sicherheitsbehörden
*    Distanzlosigkeit gegenüber der eigenen Berichterstattung
*    Kaum eigene (echte) Recherchen
*    Reflexhaftes Einbinden einer neuen Nachrichtenlage in alte Wirklichkeitsfragmente (was nicht passt, wird passend gemacht)
*    Es wird spekuliert
*    Berichterstattung ist einseitig, kritische Stimmen, die die aktuellen Entwicklungen hinterfragen, werden nicht gehört.

Bemerkenswert ist, dass diese Gesichtspunkte zusammenkommen in einer Zeit, in der es noch gar keinen eigentlichen Terroranschlag gegeben hat.

...

Quote
lurchwurch, 22. November 2010 00:56

Das wirkliche Problem ist doch, dass dort wo im Titel das Wort Terror steht

auch jedes andere Wort stehen könnte
- Arbeitsmarkt und die deutschen Medien
- Wirtschafts- und Sozialpolitik und die deutschen Medien
- Aussenpolitik und die deutschen Medien
- Bildungspolitik und die deutschen Medien
- Umweltpolitik und die deutschen Medien
...
kann man beliebig fortsetzen. Wobei mit Medien natürlich der
Mainstream aus korrumpiertem ÖR, Bertelsmann, Springer, Gruner&Jahr
etc. gemeint ist, denn vor allem dank dem Medium  Internet gibt es
natürlich auch kritische Medien, welche mehrheitlich in der Blogszene
zu finden sind. So aber, kann man die Liste am Ende des Artikels auch
auf jedes andere Topic übertragen. Am ehrlichsten sind die Medien
noch beim Thema Sport. Allerdings auch nur so lange es nicht um
dessen kommerziellen Kehrseiten geht. Woran kranken die Medien? Na an
der fehlenden Freiheit, denn
> Die erste Freiheit der Presse ist es kein Gewerbe zu sein.
So muss es einen nicht wirklich wundern, dass das Internet wenn nicht
überhaupt das erste freie Refugium darstellt, welches es ohne Sperren
und Verbotsschilder zu erhalten gilt.




Aus: "Terror und die deutschen Medien" Marcus Klöckner (22.11.2010)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33702/1.html

« Last Edit: November 22, 2010, 12:53:56 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #164 on: November 23, 2010, 09:51:03 PM »

Quote
[...] Saarbrücken. Der Vorsitzende des Rechtausschusses des Bundestages, Siegfried Kauder (CDU), sagte der Saarbrücker Zeitung: „Wenn die Presse darüber berichtet, welche Orte besonders gefährdet sind, dann kann das unter Umständen ein Anreiz für Terroristen sein.“

Solche meist geheimdienstlichen Erkenntnisse seien aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. „Die Presse muss dazu verpflichtet werden, sich zurückzuhalten, wenn die Gefährdungslage wie jetzt hoch ist“, so Kauder weiter. Dies habe er auch in der Sitzung der Unionsfraktion am Montag deutlich gemacht.

Vorstellbar seien gesetzliche Regelungen oder aber die Einführung eine Selbstverpflichtung der Medien, dass über bestimmte Erkenntnis nicht berichtet werde. „Wir müssen da sensible Lösungen finden“, betonte der CDU-Politiker.

Der „Spiegel“ hatte in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, dass offenbar der Reichstag Ziel von islamistischen Attentätern sei. has

...


Aus: "Union stellt wegen Terrorgefahr Pressefreiheit auf den Prüfstand" (23.11.2010)
Quelle: http://www.saarbruecker-zeitung.de/aufmacher/berliner_buero/Saarbruecken-Terror-Warnung-Presse-Pressefreiheit-Reischstag;art182516,3517995

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