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« Reply #135 on: December 01, 2008, 12:28:09 PM » |
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[...] “Wir protestieren gegen höhere Preise und gegen die Armut”, so ein Demonstrant. “Energie, Lebensmittel sind seit Anfang des Jahres um 50 Prozent teurer geworden. Das trifft auch für alle anderen Lebensbereiche zu.” Die Arbeitslosenquote liegt bei zehn Prozent. Die Regierung in Ankara verhandelt mit dem Internationalen Währungsfonds über einen Kredit, mit dem die Folgen der Finanzkrise eingedämmt werden sollen.
Aus: "Türkei Tausende gehen in Ankara gegen höhere Preise auf die Straße" ( 29/11/2008) Quelle: http://www.euronews.net/de/article/29/11/2008/economic-protests-spark-clashes-in-turkey/
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« Reply #136 on: December 08, 2008, 12:10:42 PM » |
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[...] Washington. Seit 19 Jahren verteilt Alice Hodgkins für die US-Hilfsorganisation «Salvation Army» in Ocala (Florida) Essen an Arme - und immer konnte sie den Menschen helfen. Bisher. «Das habe ich noch nie erlebt. Vor kurzem waren unsere Regale leer, wir hatten nichts mehr zu verteilen», sagt sie.
Es ist ein trauriger Fall von vielen. In den gesamten USA werden die Schlangen vor den Suppenküchen immer länger - eine Folge der schweren Wirtschaftskrise mit massiven Arbeitsplatzverlusten und sinkenden Gehältern.
So wird die Washingtoner Hilfsorganisation «Capitol Area Food Bank» (CAFB) nun geradezu von Anrufen überflutet, in denen Arme um kostenloses Essen bitten - jeden Tag sind es fast drei Mal so viele wie im vergangenen Jahr. Seit dem Herbst verzeichnet auch die Lebensmittel-Verteilstelle «Food for Others» in Fairfax (Virginia) einen steten Anstieg der Zahl von Hilfesuchenden, jeden Monat sind es 40 Prozent mehr im Vergleich zu den vier Wochen davor.
Bei der Katholischen Armenhilfe in Fulton (New York) ist der Ansturm nicht ganz so stark gewachsen - «nur» um 30 Prozent von Monat zu Monat. Dennoch können die Mitarbeiter dort die Regale kaum mehr füllen: Während in Washington und Fairfax viele reiche Familien mehr Geld geben als früher, ist die Spendenbereitschaft in der ärmeren Region Fulton stark gesunken. «Viele, die bisher gespendet haben, müssen nun selbst hierhin kommen und um unsere Hilfe bitten», sagt die Mitarbeiterin Judy Eagan. Mit Briefen an Privathaushalte habe sie um Geld gebeten, aber es kamen kaum Reaktionen.
Bei einem «Food Drive» fuhren freiwillige Helfer durch Wohngebiete, klingelten an jeder Haustür und baten um Speisen für die Armen - trotzdem hat Judy Eagan viel weniger zu verteilen als im vergangenen Jahr. «Ich bin sicher, dass das Geld, das wir brauchen, da ist», meint sie. «Aber die Leute, die noch etwas haben, machen sich solche Sorgen um die Wirtschaft, dass sie es lieber zusammenhalten.»
Auch die Zahl von Menschen ohne Wohnung steigt. Hauptsächlich seien arme Familien, Mieter, zu Opfern der Wirtschaftsmisere geworden, sagt Philip Mangano, Leiter eines staatlichen Programms zum Kampf gegen die Obdachlosigkeit. Er schildert, wie bitter es zugeht: Ohne jede Vorwarnung hätten viele Familien die schockierende Mitteilung von der Bank bekommen, dass ihr Vermieter die Hypothek für sein Haus nicht gezahlt habe und es nunmehr zwangsversteigert werde. Die Mieter müssten ausziehen - innerhalb von 30 Tagen. «Es ist ein unglaubliches Trauma für viele Familien, dass sie auf die Straße gesetzt werden, obwohl sie ihre Miete immer pünktlich gezahlt haben», sagt Mangano.
Besonders Großstädte melden, dass immer mehr Familien mit Kindern in die Notunterkünfte strömen. Allein in New York übernachteten Mangano zufolge hier im November 30 Prozent mehr Familien als im Vergleichsmonat 2007.
An die Hilfsorganisationen wenden sich zahlreiche Menschen, die dies vorher nie nötig hatten. «Vielen, die das erste Mal kommen, ist es peinlich, dass sie bei uns nach Lebensmitteln fragen müssen. Ich glaube, es gibt sogar Leute, die sich so sehr schämen, dass sie gar nicht kommen», sagt Helferin Hodgkins in Florida.
Ein Lichtblick: Nach Medienberichten über die prekäre Lage vieler Armen-Einrichtungen spenden wohlhabende Privatleute mehr als in der Vergangenheit, sagt eine Sprecherin der Organisation «Goodwill», eines der größten US-Hilfswerke. Während die Einrichtung dadurch sogar mehr einnimmt als noch vor einem Jahr, sieht es bei der CAFB nicht so rosig aus. Ein Großteil der bei der Lebensmittelbank eingehenden Spenden, 85 Prozent, stammen von Firmen - die nun viel weniger geben oder gar pleite sind. Noch hat die CAFB Vorräte, doch diese werden kleiner.
Der Staat will jetzt den Obdachlosen verstärkt unter die Arme greifen: Zusätzliche vier Milliarden Dollar (3,14 Mrd Euro) sollen Städte und Gemeinden zum Aufkaufen von Mehrfamilienhäusern bekommen, um mehr Menschen eine Bleibe zu bieten. Aber soweit wird es erst im nächsten Jahr sein, und das bedeutet für viele Betroffene: Weihnachten im Obdachlosenasyl.
Aus: "Sturm auf Suppenküchen: Krise trifft die Schwächsten in Amerika" Von Constanze Kretzschmar, dpa (07.12.2008) Quelle: http://www.an-online.de/news/vermischtes-detail-an/742025?_link=&skip=&_g=Sturm-auf-Suppenkuechen-Krise-trifft-die-Schwaechsten-in-Amerika.html
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« Reply #137 on: January 08, 2009, 07:08:23 PM » |
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[...·] Es ist erst acht Uhr in der Frühe eines eisigen Wintertages, doch die Schlange der Hungrigen zieht sich schon fast ganz um den tristen Sozialbaublock im äußersten Westen Manhattans, im Stadtteil Chelsea. Erst in zweieinhalb Stunden öffnet hier die größte Suppenküche New Yorks. Sie befindet sich in der Church of the Holy Apostles, deren 160 Jahre alter Klinkerbau wie ein vergessener Überrest einer anderen Zeit zwischen den grauen Wohntürmen eingequetscht ist. Die meisten, die hier anstehen, können es kaum erwarten, bis die Pforten des schlichten Gotteshauses geöffnet werden. Es wird ihre einzige Mahlzeit sein und die halbe Stunde, die sie in der Kirche verweilen dürfen, die einzige Zuflucht in einer Stadt, die für Arme und Obdachlose ansonsten keinen Platz hat.
Sie haben auf den harten Schalensitzen der U-Bahn-Linie E übernachtet, vor dem Hauptpostamt auf der Seventh Avenue oder im Eingangsbereich des 24-Stunden-Kopierladens gegenüber. Hauptsache, man ist morgens gleich da. Nun stehen sie am Zaun des Kirchengrundstücks aufgereiht - eine Kompanie zerlumpter Gestalten, ein Bild so bitter wie die berühmten Dokumentarfotos von Dorothea Lange oder Walker Evans aus der großen Depression der 30er-Jahre. Viele Wartende tragen bei der Kälte ihre gesamte Garderobe am Leib. Andere schieben ihr Hab und Gut in einem Einkaufswagen vor sich her. Das Empire State Building, das seinen Schatten über Chelsea wirft, wirkt wie eine unwirkliche Erinnerung daran, dass man noch immer im glanzvollen Manhattan ist. Noch ist Warten angesagt.
[...] Wenn um halb elf die Pforten der Holy Apostles öffnen, schleusen Ordner in gelben Sicherheitswesten die "Gäste", wie die Hungrigen der Stadt hier genannt werden, in einen kleinen Vorraum, wo an langen Tischen Freiwillige mit Kellen hinter großen Trögen warten. Einen Schlag Reis, einen Schlag Gemüse, ein Stück Fleisch, genau 2.500 Kalorien insgesamt gibt es auf den Teller, der Tagesbedarf eines Erwachsenen. Dann geht es ab ins Hauptschiff der Kirche, wo unter hohen neogotischen Bögen und elaborierten Fenstermalereien 15 große runde Tische à zehn Sitzplätze aufgestellt sind. Die Kirchenbänke sind schon lange abmontiert worden, zum Gottesdienst am Sonntag werden Klappstühle aufgestellt. 1.300 bis 1.400 Menschen werden von 75 Helfern bis 14 Uhr hier durchgeschleust. Das ist nationaler Rekord.
Die Pastorin der episkopischen Gemeinde, Elizabeth Maxwell, die alle nur "Mutter Liz" nennen, ist alles andere als stolz auf diesen Rekord. "Am liebsten wäre es uns, wenn wir das hier überhaupt nicht machen müssten", sagt die 54 Jahre alte Frau, der das graue Haar strähnig in der Stirn hängt und der die Erschöpfung Ringe unter die Augen gemalt hat. Schlimmer aber noch als die Tatsache, dass der Hunger so viele Menschen in ihre Kirche treibt, ist es für Mutter Liz, dass sie nicht mehr weiß, wie sie den Betrieb aufrechterhalten soll.
"Wir sind wirklich im Moment von allen Seiten unter Beschuss", sagt sie an ihren Altar gedrängt, um dem geschäftigen Betrieb in ihrer Kirche nicht im Weg zu stehen. Ein steter Strom von Gästen drängt mit einem Tablett in der Hand in die Kirche auf der Suche nach einem freien Sitzplatz. Helfer mit Gummihandschuhen wuseln umher, um die Tische im Wechsel für die Nächsten freizuräumen. Im September, dem Monat des Zusammenbruchs an der Wall Street, so Mutter Liz, seien 22 Prozent mehr Hungrige als im selben Monat des Vorjahrs gekommen. Gleichzeitig hat der Staat New York innerhalb von fünf Monaten die Bezuschussung von Hungerhilfseinrichtungen um insgesamt 20 Prozent gekürzt. Und die Spenden von den Stiftungen, die sich früher auf großzügige Beiträge aus der Finanzwelt verlassen konnten, würden auch immer dünner. Wenn nichts Dramatisches passiere, sagt Mutter Liz, dann sei ihre Suppenküche in wenigen Monaten am Ende. Dabei geht es Holy Apostles noch vergleichsweise gut. "Andere Suppenküchen haben schon dichtgemacht."
Der Ernst der Lage kann gar nicht übertrieben werden. Man sieht es selten so deutlich wie morgens um zehn an der 28. Straße: New York steckt in einer Hungerkrise. 45 Prozent der Familien mit Kindern im Stadtgebiet können nicht mehr aus eigener Kraft genügend Lebensmittel auf den Tisch bringen. Beinahe zwei Millionen Menschen in der Stadt leben unter der Armutsgrenze - ein Viertel der Bevölkerung. "Die meisten von ihnen", meint Mutter Liz, "müssen sich zwischen Essen und Krankenversicherung entscheiden."
Mutter Liz ist gewiss kein zorniges Gemüt, aber wenn sie anfängt, über die soziale Gesamtsituation ihrer Stadt zu reden, gerät sogar sie in Rage. Die Tatsache, dass es im Schatten der opulentesten Konsumtempel und der Konzernzentralen in solch unfassbarem Ausmaß Hunger gebe, wettert sie, werde ignoriert - von der Politik, von der Wirtschaft, von den Medien. "Es ist einfach unakzeptabel, dass Millionen von Menschen nichts zu essen haben. Wir brauchen eine völlig neue Diskussion darüber, was Gemeinwohl bedeutet."
Gewiss, Armut und krasse soziale Gegensätze hat es in New York immer gegeben. Seit sich die Finanzkrise zur Depression ausweitet, scheint jedoch niemand mehr wirklich gefeit davor, bei Mutter Liz in der Schlange zu stehen. "Wir sehen hier vielleicht noch keine arbeitslosen Banker, aber ihre arbeitslosen Putzfrauen und die arbeitslosen Chauffeure, die sind schon da." In vielen Fällen, so die Pastorin, hätten ihre Gäste sogar Arbeit, könnten von dem Lohn in New York jedoch nicht leben. Ihre Gemeinde macht da keine Unterschiede, jeder, der an die Kirchenschwelle kommt, wird auch gespeist. "Wir fragen nicht", sagt Mutter Liz. "Wir gehen davon aus, dass niemand gerne in einer Suppenschlange steht."
So mischen sich zwischen die hoffnungslosen Fälle, die Langzeitobdachlosen und die Alkoholiker nicht wenige, die so wirken, als würden sie nach dem Essen wieder ins Büro gehen. Ein Mann in Anzug und Krawatte etwa sammelt von einem Tisch, an dem gerade eine Gruppe aufgestanden ist, übrig gebliebene Brotscheiben auf. Seine Geschichte erzählen mag er aus Scham freilich nicht. Er habe keine Zeit, entschuldigt er sich höflich, er müsse noch zu einem Termin.
Noch während der Mann das Brot in eine Papierserviette verpackt, rücken an dem Tisch in der Mitte der Kirche die nächsten zehn Esser an. Es ist ein Querschnitt der unteren Zehntausend New Yorks: eine verwirrt wirkende Frau, die viel zu viel Lippenstift aufgetragen hat, ein kurzhaariger Schwarzer mit kantigem Gesicht, der zugibt, gerade aus dem Gefängnis entlassen worden zu sein, ein streng riechender junger Mann in einem fleckigen Mantel, der offenbar schon längere Zeit auf der Straße lebt. Sie reden kaum miteinander, man will in Frieden seine tägliche halbe Stunde im Warmen genießen. Gehetzt wird dabei niemand. Dennoch kommen wie durch ein Wunder alle 1.300 Wartenden zum Zuge. Niemand, so scheint es, strapaziert sein Gastrecht über die Maßen.
...
Aus: "New Yorks größte Suppenküche - "Du sollst die Hungrigen speisen"" VON SEBASTIAN MOLL (08.01.2009) Quelle: http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/du-sollst-die-hungrigen-speisen/
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« Reply #138 on: February 25, 2009, 11:18:27 AM » |
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[...] Erschreckende Zahlen werden aus New York gemeldet, wo die größte Suppenküche der USA eingerichtet ist. Gouverneur David Patterson geht davon aus, dass in seinem Staat im laufenden Jahr 3,5 Millionen Bürger auf die Hilfseinrichtungen zurückgreifen müssen. Unter ihnen seien 2 Millionen, die noch nie zuvor bei einer Suppenküche waren. Mathematisch betrachtet heißt das: Die Zahl der Bedürftigen dürfte sich mehr als verdoppeln. In anderen Regionen des Landes sieht es nicht besser aus: In den Industriezentren um Detroit etwa, wo Millionen von Amerikanern jüngst ihre Jobs verloren haben, sind soziale Programme ohnehin überlastet.
[...] Die Preise für Lebensmittel haben in den USA im letzten Jahr um 5,9 Prozent zugelegt; bei Grundnahrungsmitteln wie Mais und Getreide waren die Anstiege noch steiler. In den letzten Wochen hat der Trend gehalten. Mit mehr Geld können die Suppenküchen also zur Zeit nicht unbedingt mehr Nahrung kaufen. Trotzdem halten sich die sozialen Einrichtungen zunächst mit Kritik am Stimulus-Paket zurück. Sie verstehen, dass ein großer Teil des Geldes in Infrastrukturmaßnahmen fließen soll. Die sollen bis zu 3,5 Millionen Arbeitsplätze schaffen - und die Schlangen vor den Suppenküchen kürzen.
...
Aus: "Inside Wall Street - Suppenküchen in Not" Von Lars Halter, New York (24. Februar 2009) Quelle: http://www.n-tv.de/1109358.html
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« Reply #139 on: March 07, 2009, 02:09:49 PM » |
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[...] ZEIT ONLINE: Sie haben die kältesten Nächte im Winter für eine Reportage unter Obdachlosen auf der Straße verbracht. Hat Sie diese Zeit verändert?
Günter Wallraff: Ich hatte früher selbst Vorurteile und habe öfter einen Bogen gemacht um jüngere Leute, die auf der Straße lagerten und mir ihren Becher hinhielten. Ich dachte, die meisten erbetteln das Geld nur, um ihren Alkoholkonsum zu finanzieren. Aber was für ein elendes und mühevolles Leben sie führen und welche Schicksale und Biografien hinter diesen Menschen stehen – das habe ich jetzt erst nachvollziehen können.
ZEIT ONLINE: Welche Geschichten haben Sie erfahren?
Wallraff: Da gibt es den Unternehmer, dem plötzlich sein Hauptkunde abhandenkommt, den Mann, der seine dramatische Scheidung nicht verkraftet. Viele geraten auch durch Hartz IV in diese Situation. Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben, finden sich in der Rolle von Bittstellern wieder und verlieren dadurch ihre Würde. Ich hatte bei Etlichen den Eindruck, sie sind über den Rand der Gesellschaft gekippt und haben sich dann irgendwann selbst aufgegeben. Es ist ein Teufelskreis: Wer seine Arbeit verloren hat, bekommt keine Wohnung und wer keine Meldeadresse vorweisen kann, ist chancenlos auf dem Arbeitsmarkt.
Es gibt auch genug Menschen, denen man ihre Obdachlosigkeit gar nicht ansieht. Sie sehen so aus, als kämen sie gerade aus dem Büro. Man erkennt es nur an kleinen Zeichen: die Haare sind ungekämmt, der Anzug ein bisschen verknittert...
ZEIT ONLINE: Sie haben im Dezember und Januar bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad im Freien übernachtet. Wie übersteht man das?
Wallraff: Ich war total ahnungslos und hatte nur einen ganz normalen Schlafsack dabei. Erst nach der allerschlimmsten durchzitterten Nacht habe ich erfahren, dass manche Obdachlose Bundeswehrschlafsäcke haben, die die schlimmste Kälte abhalten. Danach habe ich aufgehört, "Platte zu machen". Ich hatte wirklich Angst, zu erfrieren. Zum Glück habe ich nur einen schweren Schnupfen davongetragen. Aber die Menschen, die so ein Leben über viele Jahre führen, sind gesundheitlich schwerst angeschlagen und haben nur eine geringe Lebenserwartung. 50, 60 Jahre ist auf der Straße schon ein stolzes Alter. Es ist für viele ein Selbstmord auf Raten. Ein Alkoholiker, ein ehemaliger Unternehmer, sagte mir: "Es gelingt mir leider nicht, mich totzusaufen, der Körper wehrt sich."
ZEIT ONLINE: Was stimmt von dem Vorurteil, dass die meisten Obdachlosen alkohol- und drogenkrank sind?
Wallraff: Weit mehr als die Hälfte der Menschen, die ich getroffen habe, hatten keine Alkohol- oder Drogenprobleme. Es stimmt allerdings, dass einige in diesem Milieu zu Alkoholikern werden. Gerade in Heimen mit längerfristiger Unterbringung findet man als Neuankömmling nur schwer Kontakt, wenn man nicht "mithalten" kann.
ZEIT ONLINE: Haben Sie auch Solidarität unter den Obdachlosen kennengelernt?
Wallraff: Ja, viele haben sich auf der Straße ihre Ersatzfamilie geschaffen. Das hat mich erstaunt. Ich dachte, je härter man ums nackte Überleben kämpft, umso mehr würde man nur noch den eigenen Vorteil sehen. Das kommt natürlich auch vor, Diebstähle sind nicht selten in dem Milieu. Aber ich habe mehrfach erlebt, dass auch das Allerletzte noch geteilt wurde. Als ich in Köln vor dem WDR-Gebäude übernachtete, bot mir ein Mann seine Schlafstelle über einem Heizungsschacht an. Er gab mir von seinem erbettelten Geld und sagte, ich sollte mir nehmen, was ich brauche. In diesem Moment war mir wirklich zum Heulen zumute.
ZEIT ONLINE: Wie sind Sie als Obdachloser von der Gesellschaft behandelt worden?
Wallraff: Ich habe keine Bösartigkeit erlebt, man hat mich bis auf eine Ausnahme nicht herabwürdigend oder verächtlich behandelt, meistens wurde ich gesiezt. Auf einer Polizeiwache in Goch am Niederrhein hat mir der Beamte sogar einen Tee angeboten. Er war sehr freundlich, aber auch hilflos. Es war mitten in der Nacht und eisig kalt, aber alle Unterkünfte waren belegt. Da hieß es dann: Tut uns leid, da müssen Sie auf der Straße übernachten. Das Problem ist, dass die Obdachlosenheime jede Person nur ein paar Tage im Monat aufnehmen. Den Rest der Zeit müssen die Leute dann schauen, wo sie bleiben.
ZEIT ONLINE: Was könnte der Staat tun, um die Situation für Wohnungslose zu verbessern?
Wallraff: Es gibt viel zu viel Bürokratie angesichts von Menschen, die oft gar nicht in der Lage sind, sich damit auseinanderzusetzen. Es müsste mehr geschulte Betreuer und Sozialarbeiter geben, die sich dem Einzelnen zuwenden. Vielleicht sogar Menschen, die früher selbst obdachlos waren und es geschafft haben, in ein normales Leben zurückzukehren. Die hätten ein viel größeres Einfühlungsvermögen. In Berlin gibt es Projekte, bei denen Sozialarbeiter Obdachlose auf der Straße aufsuchen und nicht in ihren Ämtern und Büros sitzen und darauf warten, dass mal einer vorbeikommt. Das schaffen diese Menschen oft gar nicht mehr. Sie leben von einem Tag auf den anderen – da geht es ums nackte Überleben.
ZEIT ONLINE: Viele Leute können nicht verstehen, dass Menschen lieber in Hauseingängen oder in Parks schlafen als in Obdachlosenunterkünften. Wissen Sie inzwischen warum?
Wallraff: Es gibt Heime, die wirklich gruselig sind. Es reicht ja schon, wenn ein Gast gewalttätig ist oder so unter Drogen steht, dass er eine Bedrohung darstellt. Meine schlimmste Nacht habe ich in einer Einrichtung in Hannover verbracht, einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Dieses Heim gehört wirklich geschlossen! Das Allerschlimmste war, dass dort nachts abgeschlossen wurde und ich einen Nachbarn hatte, der sich - offenbar im Drogenrausch - im Nebenzimmer in Gewaltfantasien gegen mich hineinsteigerte. Da bekam ich wirklich Panik. Am nächsten Tag konnte ich mich dann allerdings mit ihm verständigen und habe eine ganz andere Seite an ihm kennengelernt, einen hochgradig verzweifelten Menschen.
ZEIT ONLINE: Haben Sie den Eindruck, dass sich das Problem der Obdachlosigkeit wegen der Wirtschaftskrise noch verschärfen wird?
Wallraff: Es kann jeden von uns treffen. Wir befinden uns ja längst nicht mehr nur in einer Wirtschaftskrise, sondern in einer sich auswachsenden Systemkrise, in der alles wegzubrechen droht. Die Obdachlosigkeit wird dann kein marginales, sondern ein sehr zentrales Thema werden. Und zwar schneller, als wir uns im Moment vorstellen können.
Die Fragen stellte Carolin Ströbele
Aus: "Obdachlosigkeit - "Es kann jeden treffen"" (ZEIT ONLINE, 4.3.2009) Quelle: http://www.zeit.de/online/2009/10/wallraff-zu-obdachlosigkeit
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« Reply #140 on: March 23, 2009, 09:54:49 AM » |
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[...] Die Wirtschaftskrise schafft dabei allerdings neue Fakten. Statt bisher 2,5 Millionen sind in Deutschland inzwischen drei Millionen Kinder unmittelbar von Armut betroffen, sagt Büscher und verweist auf die alarmierenden Prognosen des Kinderschutzbundes. Dessen Präsident Heinz Hilgers hatte kürzlich einen dramatischen Anstieg von Kinderarmut in Deutschland prophezeit. Dies gelte umso mehr, da nach der demografischen Entwicklung immer mehr Kinder in armen Stadtteilen geboren werden. In 20 Jahren könnte laut Hilgers jedes zweite Kind in einer sozial schwachen Familie leben.
Büschers Einschätzung ist ähnlich düster: "Wir laufen schon 2010 auf einen sozialpolitischen Gau hinaus." In Berlin zum Beispiel leben 38 Prozent der Familien von Hartz IV.
[...] Die Perspektivlosigkeit der Eltern nennt Büscher als eine der Ursachen von Kinderarmut: "Sie können nichts weitergeben." Kinder, die in solchen Verhältnissen aufwachsen, können später nur schwer wieder in die Gesellschaft integriert werden, prognostiziert der Autor. Sie werden zum großen Teil selbst Sozialleistungen empfangen. Und sollte es die nicht mehr geben, droht das Abrutschen in die Kriminalität: "Wenn das System sie nicht mehr unterstützt, unterstützen sie nicht mehr das System".
...
Aus: "KINDERARMUT - Suppe für die Seele" Von Anja Berens (23.03.2009) Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,614540,00.html
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« Reply #141 on: March 24, 2009, 11:22:09 AM » |
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[...] Der Anteil vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer ist in Deutschland in den Jahren 2001 bis 2006 einer Studie zufolge kontinuierlich gesunken. Zugleich sei auch die absolute Zahl von Vollzeitstellen "dramatisch" zurückgegangen, erklärten Wissenschaftler des IAQ-Instituts der Universität Duisburg-Essen. Trotz einer insgesamt positiven Beschäftigungsbilanz in Deutschland seien in dem untersuchten Zeitraum mehr als 1,6 Millionen volle Stellen verloren gegangen. Das entspreche einem Rückgang um 7,4 Prozent.
...
Aus: "Studie: Immer mehr Deutsche arbeiten Teilzeit" (23. März 2009) Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2009/03/23/1095828.html
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« Reply #142 on: March 24, 2009, 11:39:04 AM » |
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[...] Die Zahl der Berliner, die im Alter auf sog. Grundsicherung angewiesen ist, hat sich in den vergangenen fünf Jahren vervierfacht. Das räumte jetzt die Landesregierung ein. Betroffen sind demnach vor allem ältere Frauen aus den westlichen Bezirken. Die Finanzverwaltung warnt derweil vor einem massiven Problem.
Bereits 30.000 Berliner im Rentenalter erhalten demnach eine Grundsicherung. Ihre Renten werden demnach vom Staat aufgestockt, im Durchschnitt um 300 Euro pro Monat. Betroffen sind demnach auch 20.000 Berufsunfähige. Besonders deutlich wird die Entwicklung anhand der finanziellen Aufwendungen es Landes. Von 40,7 Millionen Euro im Jahre 2003 stiegen die Ausgaben für die Grundsicherung auf 280,7 Millionen Euro.
Betroffen davon ist vor allem der Westteil der Stadt. Frauen, die weite Teile ihres Berufslebens zu Hause waren, haben nun zu geringe Renten. In den Ostbezirken, wo in der Regel vollzeit gearbeitet wurde, gibt es dagegen deutlich weniger Betroffene, heißt es aus der Linken. Die erhebliche Arbeitslosigkeit nach der Wende dürfte jedoch spätestens in der kommenden Rentnergeneration zu exorbitant steigenden Armutszahlen auch im Osten führen.
„Wir haben da ein Grundsatzproblem,“ meint denn auch Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) und verweist auf die steigenden Belastungen für den Haushalt. Über zehn Prozent würden die Ausgaben für die Grundsicherung pro Jahr ansteigen. Auch der SPD-Politiker befürchtet eine „explosionsartige Zunahme“ der Altersarmut in der Hauptstadt.
Aus: "Berlin-Brandenburg: Dramatische Zunahme der Altersarmut - Vor allem Frauen in West-Bezirken betroffen" Von Cecilia Frank (23. März 2009) Quelle: http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&cccpage=23032009ArtikelBBFrank1
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« Reply #144 on: May 04, 2009, 12:11:48 PM » |
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[...] Wenn die Wohnung unbezahlbar wird Film von Gudrun Thoma und Sebastian Schütz Im Grünen leben, umgeben von Natur: Das klingt nach Schlaraffenland. Dass immer mehr Menschen auf einen Campingplatz umziehen, hat allerdings weniger mit den Freuden des Zeltens zu tun. In Krisenzeiten wie diesen fehlt vielen das Geld für die eigenen vier Wände. "Dauercampen citynah" als Alternative - für Rentner, Leiharbeiter oder auch Scheidungsopfer werden Wohnwagen oder Zelt immer häufiger zur letzten Zuflucht. Gertrud und Herbert Scheidt, Campingplatzbetreiber aus Lohmar in der Nähe von Bonn, werben ganz gezielt um solche neuen Gäste: "Möbliert und mobil wohnen, schnell, preiswert, diskret" und "Hartz-IV-Förderung möglich". Die Reporter Gudrun Thoma und Sebastian Schütz haben sich auf dem Campingplatz der Scheidts einquartiert und das Leben der Bewohner dort begleitet. Bei Wind und Wetter wird der Alltag auf einem Campingplatz vor allem für alte Menschen zum körperlichen Kraftakt, insbesondere im Winter.
...
Aus: "Letzte Zuflucht Campingplatz - SWR (Stern.) | Länge: 30 Minuten" (03.05.2009) Quelle: http://programm.daserste.de/detail1.asp?heute=03.05.2009&id=X001154454&sdatlo=03.05.2009&sender=1&dpointer=21&anzahl=44&ziel=21
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« Reply #145 on: May 07, 2009, 09:01:28 AM » |
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[...] Washington - Es ist nach Angaben der Organisation Feeding America die erste derartige Untersuchung zur Lage der Unter-Fünfjährigen - und sie ist erschütternd: In den USA sind demnach schätzungsweise 3,5 Millionen Kinder von Hunger bedroht. Das erklärt die Organisation in ihrem am Donnerstag vorgelegt Bericht, der auf Zahlen des US-Amtes für Bevölkerungsstatistik und des Landwirtschaftsministeriums aus den Jahren von 2005 bis 2007 beruht.
Der Kinderarzt Dr. John Cook, der maßgeblich an dem Bericht mitarbeitete, erklärte, das Hungerrisiko unterscheide sich von Staat zu Staat. Die Situation werde vor allem von zwei Faktoren bestimmt: dem Ausmaß von Arbeitslosigkeit und Armut und dem Umfang staatlicher Lebensmittel- und Einkommensbeihilfen.
jjc/AP
Aus: "3,5 Millionen Kinder unter fünf in USA von Hunger bedroht" (07.05.2009) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,623325,00.html
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« Reply #146 on: May 07, 2009, 12:01:33 PM » |
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[...] "Das wird immer mehr." Bei der Friedwaldbestattung wird die Asche der Verstorbenen unter einem Baum in die Erde gebracht.
Überhaupt konstatiert Bestatter Klein seit Jahren einen Trend zum Billig-Begräbnis. "Wir haben es heute überwiegend mit Feuerbestattungen zu tun. Früher war das mal anders." Bis zu 80 Prozent der Kunden wünschten inzwischen eine Urnenbeisetzung, das Verhältnis zu Erdbestattungen habe sich binnen Jahren umgekehrt.
Das hat natürlich in erster Linie mit Geld zu tun. Die Entwicklung zum Begräbnis light habe eingesetzt, seit 2004 das Sterbegeld abgeschafft worden sei, weiß Bestatter Klein. Selbst bei der klassischen Erdbestattung schauen die Trauernden auf die Kosten. "Die Leute sagen dann: ,Er war halt ein schlichter Mensch', und bestellen einen Sarg aus Weichholz."
Tatsächlich gibt es beim Behältnis der letzten Ruhe erhebliche Preisunterschiede. Für einen Eichensarg muss man zwischen 1200 und 3000 Euro hinlegen; das Modell auf Kiefer kostet weniger als die Hälfte. Auch der Ort der letzten Ruhe wirkt sich auf den Geldbeutel aus. So müssen Angehörige für ein Erdgrab 2580 Euro zahlen (Laufzeit 30 Jahre), ein Urnengrab kommt auf 1080 Euro.
Unschlagbar günstig ist das Grab unterm Baum. Da werden für einen Gemeinschaftsbaum 770 Euro, für den Familienbaum (bis zu zehn Angehörige) je nach Dicke des Stamms 3350 bis 6350 Euro fällig. Laufzeit 99 Jahre, Grabpflege fällt quasi flach.
Die Bestatter leiden inzwischen unter dem Sparkurs beim Beerdigen. Die Devise "gestorben wird immer" gilt zwar noch, seit 2004 ist das Geschäft aber, wie Bestatter Klein bemerkt, "nicht besser geworden". Für zusätzliche Probleme habe Hartz IV gesorgt. Angehörige der Empfänger von Sozialleistungen müssten für die Kosten der Beerdigung aufkommen. "Nur wenn sie nicht zahlen können, übernimmt das der Staat." Weil sich die Prüfung der Fälle aber oft über Monate hinziehe, müssten die Pietäten in Vorleistungen treten. Eine Beerdigung kann halt nicht warten, bis die Finanzierung geklärt ist.
Aus: "Frankfurt in der Krise - Der Trend geht zum Billig-Begräbnis" VON MARTIN MÜLLER-BIALON (05.05.2009) Quelle: http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/1743911_Frankfurt-in-der-Krise-Der-Trend-geht-zum-Billig-Begraebnis.html
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« Reply #147 on: May 11, 2009, 08:50:58 AM » |
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[...] Genf/Stockholm. Die Schweinegrippe hat mehr als 4300 Menschen in 29 Ländern erfasst. Das meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Sonntag.
Laut Bilanz des europäischen Seuchenkontrollzentrums ECDC in Stockholm starben bislang mehr als 50 Menschen an dem Virus.
48 Tote stammen aus Mexiko, in den USA waren es laut ECDC zwei, US-Behörden meldeten ein drittes Todesopfer im Bundesstaat Washington. Kanada und Costa Rica nannten je einen Todesfall. In den USA waren 2254 Menschen mit dem Schweinegrippe-Erreger infiziert, in Mexiko den Angaben zufolge 1626; in Kanada 280, wie die ECDC mitteilte. In Deutschland sind elf Fälle bestätigt.
Der Schweizer Soziologe und frühere UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, kritisierte scharf den Umgang mit der Schweinegrippe. Vor allem die WHO-Kampagne schüre Angst und stehe in keinem Verhältnis zu den wirklichen Problemen.
"Von 6,2 Milliarden Menschen sind vermutlich seit einigen Wochen etwa 45 an der Grippe gestorben. Aber 100.000 Menschen sterben jeden Tag an Hunger und seinen unmittelbaren Folgen", sagte er. Alle fünf Sekunden verhungere ein Kind. "Das nehmen wir hin mit eisiger Normalität." dpa
Aus: "Scharfe Kritik an der WHO - Gibt Schlimmeres als die Schweinegrippe" (10.05.2009) Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/1749505_Scharfe-Kritik-an-der-WHO-Gibt-Schlimmeres-als-die-Schweinegrippe.html?sid=f119c0fe08dc2e4ba862f234faf5d736
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« Reply #148 on: May 19, 2009, 10:07:23 AM » |
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[...] Armut hat viele Gesichter in der teuersten Stadt Deutschlands. Da gibt es Menschen, die alle Papierkörbe am Ostbahnhof durchwühlen; da gibt es jene, die in der Sendlinger Straße mit einem Pappschild ("Bin obdachlos. Bitte um eine kleine Spende") auf dem Bürgersteig betteln; und jene, die die Zeitung "Biss" verkaufen - der Titel steht für "Bürger in sozialen Schwierigkeiten".
178.600 Menschen sind nach dem aktuellen Armutsbericht betroffen, das ist jeder siebte Bewohner Münchens. Sie müssen auskommen mit maximal 810 Euro monatlich. Besonders trifft es die Kinder. 21.000 leben in prekären sozialen Verhältnissen - ihre Zahl ist in den vergangenen fünf Jahren um fast 50 Prozent gestiegen.
...
Aus: "Armes reiches MünchenVon Sebastian Fischer und Angela Gatterburg" (19.05.2009) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,625072,00.html
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« Reply #149 on: May 19, 2009, 12:01:59 PM » |
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[...] Deutschland ist in der regionalen Verteilung von Besitz und Einkommen dreigeteilt. Das geht aus dem ersten Armutsatlas hervor, den der Paritätische Wohlfahrtsverband am Montag in Berlin vorstellte. Am ärmsten ist der Osten, am wohlhabendsten der Süden, die west- und nordwestlichen Bundesländer liegen dazwischen. Regional gibt es sehr große Unterschiede, selbst innerhalb eines Bundeslandes. Die Spannbreite der Armutsquoten ist weit höher, als Durchschnittswerte vermuten lassen.
Während in Baden-Württemberg jeder zehnte unterhalb der Armutsschwelle lebt, ist es in Mecklenburg-Vorpommern fast jeder Vierte.
Die durchschnittliche Quote für Deutschland lag 2007, also vor der Wirtschaftskrise, bei 14,3 Prozent, im Osten Deutschlands betrug sie 19,5, im Westen 12,9 Prozent.
[...] Gemessen an regionalen Armutsquoten zeigen sich sehr große Unterschiede zwischen den Regionen. Sie reichen von 7,4 Prozent im Schwarzwald bis zu 27 Prozent in Vorpommern, also fast dem Vierfachen. Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, erklärte, der Armutsatlas zeige, dass Deutschland nicht nur sozial, sondern auch regional tief zerrissen sei. In Niedersachsen finden sich Armutsquoten zwischen 20,3 Prozent in Ostfriesland und 12,4 Prozent nordwestlich der Landeshauptstadt Hannover. In Bayern liegt die Quote in der Bayreuther Region fast doppelt so hoch wie um München herum.
[...] Schneider kritisierte die Strategien zur Armutsbekämpfung als ineffizient und sprach besonders den Konjunkturprogrammen jede positive Wirkung zur Stärkung von Regionen oder den armen Bevölkerungsschichten ab. Die Abwrackprämie begünstige Menschen, die sich einen Neuwagen leisten könnten, sagte er. Durch die kommunalen Investitionsprogramme fließe ein Drittel der zusätzlichen Milliarden allein in die reichen Länder des Südens. Mit Blick auf die Krise prognostizierte Schneider eine Zunahme der Armut ab 2010. In diesem Jahr würden die Krisenfolgen noch abgefangen, etwa durch das Kurzarbeitergeld.
Die Sozialforscher des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes erarbeiteten den Armutsatlas auf der Basis von Armutsquoten aus den Jahren 2005 bis 2007. Die regionalen Quoten wurden vom Statistischen Bundesamt errechnet. Fast 20 Karten geben Aufschluss über die Armut in den Bundesländern und deren Regionen.
Die Armutsgrenze liegt nach offiziellen europäischen und deutschen Vereinbarungen bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. Wer weniger hat, gilt im Vergleich zu anderen als arm. Die Schwelle lag für einen Alleinstehenden 2007 bei 764 Euro im Monat, für ein Paar mit zwei Kindern bei 1.835 Euro, für eine Alleinerziehende mit einem Kind bei 994 Euro. Das sind Beträge leicht über den Hartz-IV-Bezügen inklusive Miete und Heizung. Ein alleinstehender Hartz-IV-Empfänger kann durchschnittlich mit einer Unterstützung von 700 Euro im Monat rechnen.
(epd)
Aus: "Paritätischer Wohlfahrtsverband warnt: «Armutsatlas» teilt Deutschland in drei Teile" (18. Mai. 2009) Quelle: http://www.netzeitung.de/politik/deutschland/1358459.html
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