COMMUNICATIONS LASER #17
February 04, 2012, 10:53:22 PM *
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Author Topic: [Zum euphemistischen Sprachgebrauch... ]  (Read 208 times)
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« on: June 22, 2011, 10:58:30 AM »

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[...] Kommt ein Euphemismus zum Einsatz, wird damit etwas Bestimmtes bewirkt; diese Wirkungen können umgekehrt aus der Sicht des Sprechers als Motiv dienen, zu einem solchen Ausdruck zu greifen. Eine einzelne solche sprachliche Wirkung muss dabei als Motiv nicht zwangsläufig von den anderen isoliert und allein für die Verwendung eines Euphemismus verantwortlich sein. Meist können die Funktionen von Euphemismen nicht scharf voneinander getrennt werden, oft dominiert ein bestimmtes Motiv.

Verhüllung, Tarnung und Vertuschung
    Euphemismen dieser Art bezeichnen eine Sache oder einen Sachverhalt in der Weise, dass das eigentlich Gemeinte auf der Wortebene nicht – oder zumindest nicht vordergründig – in Erscheinung tritt. Dies liegt vor allem bei strengen Normen und tabuisierten Inhalten vor oder dort, wo Sachverhalte bewusst verhüllt werden sollen[2], um beispielsweise eine öffentliche Empörung zu verhindern, so etwa im öffentlichen Sprachgebrauch totalitärer politischer Systeme, wo dieses Mittel auch ausdrücklich als sprachpolitische Maßnahme eingesetzt wird. Denn mit einer derartigen Gebrauchsweise kann letztlich eine bewusste Beeinflussung der Angesprochenen im eigenen Interesse erfolgen.

Milderung und Schonung
    Euphemismen können eine abschwächende Wirkung haben und das Gesagte weniger drastisch erscheinen lassen. Eine solche Verwendungsweise schont die Gefühle der angesprochenen Person oder auch des Sprechers selbst und kommt dort zum Einsatz, wo Ehrerbietung, Rücksichtnahme und Höflichkeit angebracht sind, also vorwiegend dort, wo bestimmte gesellschaftliche und kulturelle Konventionen und Normen eine solche Rücksichtnahme erforderlich machen.

Aufwertung
    Vielfach werden statt der eigentlichen Bezeichnungen für eine Person, Sache oder Angelegenheit beschönigende Ersatzausdrücke hauptsächlich zum Zweck einer Aufwertung verwendet. Dadurch kann entweder das Bezeichnete selbst mit Absicht gewürdigt oder in ein besseres Licht gestellt werden, oder es wird der damit in Zusammenhang stehenden Person oder Personengruppe Höflichkeit und Wertschätzung entgegengebracht. Solches ist etwa bei den sprachlichen Normen der Political Correctness der Fall.

...

Neben solchen beschönigenden Redeweisen in der politischen Alltäglichkeit existieren diese auch auf etlichen Spezialgebieten. Im militärischem Bereich etwa ist ein bekannter und in der Zwischenzeit ebenfalls beinahe zum Alltagsvokabel gewordener Euphemismus der Ausdruck „Kollateralschaden“. Das Wort bezeichnet im hier verwendeten Sinne eine mit einem militärischen Schlag – selbst ein beschönigender Ausdruck für „kriegerischer Angriff“ – einhergehende Zerstörung von zivilen Einrichtungen und die Tötung von Zivilpersonen. Mit dem Wort „Kollateralschaden“ wird die verheerende Tat und die ihr zugrunde liegende Aggression zu einer Sache herabgemindert, die „nebenher“ (lateral = ‚seitlich, nebenbei‘) und somit beiläufig passiert. Die Empörung der Öffentlichkeit bei Aufkommen dieses Wortes über den Zynismus, der in diesem Wortgebrauch liegt, schlug sich darin nieder, dass der Ausdruck in Deutschland im Jahr 1999 zum „Unwort des Jahres“ erklärt wurde. – Ein gleich gelagertes Beispiel aus diesem Bereich ist „ethnische Säuberung“, das stellvertretend für „Völkermord“ oder zumindest „Vertreibung“ steht.

Mit der Grünbewegung und dem damit einhergehenden erhöhten Umwelt- und Konsumbewusstsein ab den 1970er Jahren wurden auch Sachen mit euphemistischen Ausdrücken belegt, die auf Umweltschäden und auf die Bedrohung der Natur hinweisen. So wurde beispielsweise die stinkende und Gegenstände aus biologisch nicht abbaubaren Materialien enthaltende „Mülldeponie“ zum konnotativ neutralen „Entsorgungspark“, wie auch die sprachliche Neubildung „entsorgen“ selbst – als semantisches Gegenstück zu „versorgen“ – auch zum verhüllenden Ausdruck für „wegwerfen“ wurde. Während „Entsorgungspark“ als Beschönigung in erster Linie den Betreibern zugute kommt, dient „entsorgen“ auch den umwelt- und konsumkritischen Konsumenten als sprachliche Tarnung, wenn sie selbst etwas wegwerfen. Denn mit dem Wort „entsorgen“ rechtfertigt man, dass mit dem Entledigen einer Sache kein Verstoß gegen die (gruppeninterne) Norm begangen wird, selbst nicht zur „Wegwerfgesellschaft“ zu gehören. Doch auch das Wort „entsorgen“ hat mittlerweile viel von der beschönigenden und tarnenden Komponente verloren und Alltagscharakter angenommen.

Ein Beispiel aus einem angrenzenden Sachbereich ist der Einsatz des Wortteiles „Kern-“ anstelle von „Atom-“ besonders in den 1970er Jahren. Da das Wort „Atom“ mit negativen Assoziationen von Gefahren unterschiedlicher Art behaftet war (etwa „Atombombe“), wurde auf Seiten der Befürworter der friedlichen Nutzung der Atomkraft das Wort vermieden und bevorzugt von „Kernkraft“, „Kernenergie“, „Kerntechnik“ gesprochen, sodass bereits anhand der Wortwahl ersichtlich war, welcher Seite man angehörte. (Ein Slogan der Gegner hingegen lautete „Atomkraft nein danke“.) Zudem erinnerte gerade zu dieser Zeit des Erstarkens ökologischen Gedankenguts das Wort „Kern“ – obwohl es aus der Fachsprache der Physik stammt – an natürliche Produkte wie Kernobst und lenkte so von den unliebsamen Nebenbedeutungen von „Atom“ ab.

... Ein organisierter und konsequenter Einsatz von Euphemismen im politischen und medialen Bereich kann letztendlich tatsächliche „Manipulation und Meinungslenkung“ bedeuten. Denn neben Tabubewältigung ist die beabsichtigte Beeinflussung anderer die wesentliche pragmatische Funktion des euphemistischen Sprachgebrauchs.

...


Aus: "Euphemismus" (16. Mai 2011)
Qzuelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Euphemismus


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« Reply #1 on: June 22, 2011, 11:00:38 AM »

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[...] Der Begriff Chirurgische Kriegführung (vom engl. surgical warfare bzw. surgery strike ,chirurgischer Schlag‘) ist ein militärischer Euphemismus. Er bezeichnet eine Kriegführung, bei der ausschließlich militärische Ziele mit präzisionsgelenkter Munition angegriffen werden, um sog. Kollateralschäden vorzubeugen.

... Der Begriff ,Kriegführung‘ wird mit der Metaphorik der Medizin verbunden, um ihn besser rechtfertigen zu können: Ein chirurgischer Eingriff ist eine Maßnahme, die zwar schmerzhaft ist, jedoch – besonders durch Präzision und Punktgenauigkeit – Gutes bewirkt. Dieser positive Inhalt soll mit dem Begriff Krieg assoziiert werden und damit die Unterstützung für einen kriegerischen Akt in der Bevölkerung sicherstellen.

Im großen Stil benutzt wurde der Begriff der chirurgischen Kriegführung erstmals in der Operation Desert Storm (,Operation Wüstensturm‘).

...


Aus: "Chirurgische Kriegführung" (6. September 2010)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Chirurgische_Kriegf%C3%BChrung

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« Reply #2 on: August 31, 2011, 08:48:45 AM »

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[...] Da werden dann Kriege zu humanitären Interventionen, aus der Vorratsdatenspeicherung wird die Mindestdatenspeicherung und das unbeliebte Hartz IV soll durch einen neuen Namen ein besseres Image erhalten. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert wird, knöpft sich nun den Niedriglohn vor: der sei eigentlich ein Einstiegslohn, findet die INSM ...

Quote
30. August 2011 16:14
Das kleine Speak-mal-Eins à la carte de la neoliberation extraordinaire
McGyver777

"Kein Wasser haben/Dürsten" = Getränkezurückhaltung
"Kein Brot haben/Hungern" = Selbstverschlankung
"Dummheit" = Einstiegsklugheit
"Leid" = "Freudenhoffnung"
"Perspektivlosigkeit" = Sichtkreiszurückhaltung
"Armut" = "Überflußverzicht"
"Angst haben" = "Vertrauensbeginn"
"Niedergeschlagenheit" = Bodensichtigkeit
"Bösartigkeit" = Einstiegsgüte
"Krieg" = Starkhilfsmaßnahme
"Tod" = "Daseinsanpassung"



Aus: "Mit Neusprech zur Vollbeschäftigung" Von Silvio Duwe (30.08.2011)
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/35/35399/1.html

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« Reply #3 on: September 19, 2011, 12:27:41 PM »

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[...] Ganz ausgeräumt sind die Folgen der früheren Steuerpraktiken aber noch nicht.


Aus: "Illegale Geldanlage - Credit Suisse kauft sich aus Steuerverfahren frei " (19.9.2011)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2011-09/credit-suisse-steuerhinterziehung
« Last Edit: January 20, 2012, 10:47:17 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #4 on: October 15, 2011, 02:29:27 PM »

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[...] 15. Oktober 2011 14:53
Wieder mal ein schönes Beispiel für den Begriff Euphemismus
Wolfgang Nohl, Wolfgang Nohl (mehr als 1000 Beiträge seit 12.05.03)

Ja, man kann viele Verbrechen verhindern, wenn man die bestehenden
Bürgerrechte völlig ignoriert, indem man sämtliche
Kommunikationskanäle permanent überwacht.

Diese umfassenden Überwachungsmethoden jedoch beschönigend als
"Methoden zur Kriminalitätsvorhersage" zu bezeichnen,
das ist nichts weiter als Euphemismus.

mfg Wolfgnag Nohl


http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Wieder-mal-ein-schoenes-Beispiel-fuer-den-Begriff-Euphemismus/forum-213713/msg-20933393/read/

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Ex-Polizeichef-Kriminalitaetsvorhersage-a-la-Minority-Report-schon-alltaeglich-1361796.html

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« Reply #5 on: October 27, 2011, 10:29:19 AM »

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[...] Der Skandal könnte in Japan eine neue Debatte über die Managementkultur des Landes anfachen. Kritiker bemängeln seit langem einen Mangel an unabhängigen Kontrollinstanzen. Vor zwei Wochen hatte Olympus seinen britischen Chef Michael Woodford vor die Tür gesetzt. Kikukawa warf ihm vor, er verstehe weder den Management-Stil des Unternehmens noch die japanische Kultur.

Woodford hatte Anfang Oktober die britische Börsenaufsicht kontaktiert und um eine Prüfung von dreistelligen Millionenzahlungen gebeten, die bei der Übernahme des britischen Medizinausrüsters Gyrus im Jahr 2008 geflossen waren. Kikukawa übernahm nach dem Rausschmiss Woodfords Posten. Der Konzern, der neben Kameras auch Medizintechnik wie Endoskope herstellt, räumte daraufhin vor einer Woche ein, im Rahmen der Gyrus-Übernahme insgesamt 687 Millionen Dollar und damit fast ein Drittel des Kaufpreises für Beraterhonorare auf den Tisch gelegt zu haben. Das dürfte ein weltweiter Rekord für Übernahmeberatung sein und ist mehr als der voraussichtliche Jahresgewinn des Konzerns.

...


Aus: "Chefaufseher von Olympus tritt zurück" (26.10.2011)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,794163,00.html

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« Reply #6 on: January 20, 2012, 10:46:34 AM »

Quote
[...] Bei der Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 wurde nicht – wie lange Zeit vermutet – die Vernichtung der Juden beschlossen. Das Morden hatte längst begonnen. Heydrich war vielmehr um eine "Parallelisierung der Linienführung" bemüht.

... Zur Wannsee-Konferenz erschienen Staatssekretäre aus dem Auswärtigen Amt, aus dem Justiz-, Innen- und aus Görings Superministerium für die Kriegswirtschaft. Geladen waren zudem Ministerialdirektoren aus der Reichs- und der Partei-Kanzlei, die Organe, die die praktischen Regierungsgeschäfte organisierten und die Schnittstelle zu allen anderen Reichsbehörden waren. Auch Vertreter der deutschen Besatzungsregime in Polen und der Sowjetunion waren nach Berlin gekommen. Wesentliche Teile des Staats- und Parteiapparats wurden so zu Komplizen des Völkermords. Die größte Fraktion der Teilnehmer stellten jedoch Angehörige von SS- und Polizei wie Gestapochef Heinrich Müller und Eichmann, der das Protokoll führte.

Heydrich eröffnete die Besprechung mit einem Rückblick auf die bisherigen Maßnahmen gegen die Juden, die zur Auswanderung gezwungen werden sollten. Die Kriegslage mache das aber unmöglich. "Anstelle der Auswanderung ist nunmehr als weitere Lösungsmöglichkeit nach entsprechender vorheriger Genehmigung durch den Führer die Evakuierung der Juden nach dem Osten getreten." In die Pläne wurden nicht nur die Juden aus dem Herrschaftsbereich des NS-Regimes eingerechnet, sondern auch die aus den Staaten der Verbündeten, der Neutralen und der Kriegsgegner – mehr als elf Millionen Menschen nach Eichmanns Daten.


... Von den dreißig Ausfertigungen des Besprechungsprotokolls ist nur eine erhalten. Robert Kempner, Stellvertreter des amerikanischen Chefanklägers in den Nürnberger Prozessen, entdeckte das Dokument 1947 im Archiv des Auswärtigen Amtes und machte es zum Beweismittel im Verfahren gegen dessen Mitarbeiter. In den Vernehmungen durch die Alliierten täuschten die Staatssekretäre und Ministerialdirektoren a.D. Erinnerungslücken vor, leugneten, das Protokoll erhalten zu haben, oder beteuerten ihr Unwissen über die Bedeutung von "Evakuierung" und "Sonderbehandlung".

Die bundesdeutsche Justiz erhob niemals Anklage wegen der Wannsee-Konferenz. Die Staatsanwaltschaft Ulm stellte 1962 ihre Ermittlungen gegen Gerhard Klopfer ein, der als Ministerialdirektor der Partei-Kanzlei der Einladung Heydrichs gefolgt war. Klopfer, der nach dem Kriegsende als Rechtsanwalt arbeitete, starb als letzter Teilnehmer der Wannsee-Konferenz 1987. Der Nachruf rühmte "sein Wirken zum Wohle aller, die in seinem Einflussbereich waren".

...


Aus: "Wie die Nazi-Spitze den Judenmord vorantrieb" Von Andreas Mix (20.01.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2012-01/wannsee-konferenz/seite-2

-.-

„Sonderbehandlung (S.B.)“ war eine Tarnbezeichnung der Politiker und der SS während der Zeit des Nationalsozialismus für die Ermordung von Menschen. ... Diese euphemistische Bezeichnung sollte wie „Endlösung“, „Deportation“, „Umsiedlung“ oder „Evakuierung“ die tatsächlichen Handlungen verschleiern helfen. Zum selben Zweck benutzten SS-Ärzte in der Hartheimer Statistik den Begriff Desinfektionen anstelle von Vergasungen. Auch die so genannte Schutzhaft der SS, in welche die Opfer von Razziaaktionen und Pogromen überführt wurden, diente dazu, die Betroffenen aus der Gesellschaft entfernen und in weiterer Folge töten zu können.
http://de.wikipedia.org/wiki/Sonderbehandlung

http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Sprache_des_Nationalsozialismus


« Last Edit: January 20, 2012, 10:50:32 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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