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« Reply #15 on: May 17, 2008, 08:42:02 AM » |
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[..·] In Oberlehrerinnenmanier wurde der Esslustigen anschließend von ihren drahtigen Gefährtinnen auseinandergesetzt, es biete sich nun die ideale Chance, Anpassung und Unterwürfigkeit zu lernen: Hirn ausschalten, Klappe halten und so sein, wie "der Kunde" (nicht selten Klum-Werbepartner wie McDonald's) einen haben will. Nämlich: dünn, dämlich, servil.
Aus: "TOP-MOPPEL GISELE" - 150 Jahre Frauenbewegung - im Handstreich erledigt Von Patricia Dreyer "Voll cool, voll schön, voll geil Spaß" - das Heiteitei-Weltbild von Sendungen wie "Germany's Next Topmodel" propagiert ein dünn-dämlich-serviles Frauenbild - alles für den geheiligten Werbekunden! (16. Mai 2008) Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,553737,00.html
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« Reply #16 on: August 12, 2008, 10:13:32 AM » |
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[...] Der Postfeminismus radikalisiert mittels des Dekonstruktivismus und des Poststrukturalismus den Feminismus. Im Postfeminismus werden sowohl das biologische Geschlecht (sex) wie das soziale Geschlecht (gender) als gesellschaftliche Konstrukte angesehen und deshalb als Klassifikationseinheiten abgelehnt. Im Mittelpunkt steht nicht mehr das Subjekt „Frau“, sondern dessen Subjektivierung.
...
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Postfeminismus (13. Juni 2008) -.- [...] Die Feminist Sex Wars (engl. Sex-Krieg der Feministinnen) beschreibt die Phase der intensiven und kontroversen Debatten und Diskussionen zwischen den sexpositiven und anti-pornografischen Feministinnen, die von den späten 1970ern an während der 1980er Jahre andauert. In den auch als Lesbian Sex Wars, Porn Wars oder Sex wars bekannten, erbitterten Auseinandersetzungen innerhalb der feministischen und lesbischen Bewegung wurde die Einstellung der Bewegung zu Themen wie Sexualität, Pornographie, Sadomasochismus, der Rolle transsexueller Frauen in der lesbischen Gemeinschaft und andere sexuell orientierte Themen diskutiert. Die Debatten führten letztendlich zur Teilung der feministischen Bewegung in den anti-pornographischen und den sex-positiven Feminismus. Die Phase der Feminist Sex Wars wird oft als der Abschluss der zweiten Welle der Frauenbewegung betrachtet.
...
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Feminist_Sex_Wars (23. Juni 2008) -.- [...] Sex-positive feminism ist eine Bewegung, die in den USA in den frühen achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts als Antwort auf die Versuche einiger antipornografisch orientierter Feministinnen wie Catharine MacKinnon, Andrea Dworkin und Dorchen Leidholdt entstand, Pornografie in den Mittelpunkt feministischer Erklärungsmodelle für die Unterdrückung der Frau zu stellen.[1] Im angelsächsischen Raum sind diese intensiven Debatten und kontroversen Auseinandersetzungen zwischen sexpositiven und antipornografischen Feministen als Feminist Sex Wars bekannt. Andere sexpositive Feministen beteiligten sich an diesen Auseinandersetzungen, wobei sie sich aus ihrer Sicht nicht gegen andere Feministen richteten, sondern gegen eine Entwicklung, die sie als patriarchalische Kontrolle der Sexualität betrachteten.
Zu den Autoren, die sexpositive Positionen vertreten, gehören unter anderem Ellen Willis, Susie Bright, Patrick Califia, Gayle Rubin, Avedon Carol, Camille Paglia, Tristan Taormino und Betty Dodson. Im deutschsprachigen Raum nahm die Diskussion um die PorNO-Kampagne die wichtigsten Argumente und Forderungen der antipornografischen Seite auf, eine vergleichbar intensive Diskussion unter Feministen blieb jedoch weitestgehend aus.
[...] Im Mittelpunkt des sexpositiven Feminismus steht die Vorstellung, dass sexuelle Freiheit ein grundlegender Bestandteil aller weiblicher Bestrebungen nach Freiheit und Gleichberechtigung sein sollte. Daher lehnen sexpositive Feministen alle sozialen oder rechtlichen Bestrebungen, einvernehmliche sexuelle Aktivitäten zwischen Erwachsenen einzuschränken, gänzlich ab. Diese Ablehnung erfolgt unabhängig davon, ob die Initiatoren derartiger Maßnahmen Regierungen, andere Feministen, Gegner des Feminismus oder wie auch immer geartete Institutionen sind.
Gayle Rubin fasste den zu Grunde liegenden Konflikt über das Thema „Sex“ innerhalb des Feminismus wie folgt zusammen:
„Es gab zwei Richtungen feministischen Gedankengutes zu dem Thema. Die eine kritisierte die Beschränkung des weiblichen Sexualverhaltens und verwies auf den hohen Preis für das sexuelle Aktivsein. Diese Tradition feministischer Gedanken zum Thema Sex forderte eine sexuelle Befreiung, die sowohl für Frauen als auch für Männer funktionieren sollte. Die zweite Richtung betrachtete die sexuelle Befreiung als inhärent bloße Ausweitung männlicher Vorrechte. In dieser Tradition schwingt der konservative antisexuelle Diskurs mit.“[2]
[...] Gayle Rubin forderte in Thinking Sex: Notes for a Radical Theory of the Politics of Sexuality eine neue feministische Theorie der Sexualität. Sie vertritt die Auffassung, dass die existierenden feministische Positionen zum Thema Sexualität die sexuelle Befreiung lediglich als eine Entwicklung betrachtete, die die männliche Vorherrschaft weiter festigt. Rubin kritisierte antipornografische Feministen, die aus ihrer Sicht "geradezu jede Variante sexuellen Ausdrucks als antifeministisch verurteilt haben", sie stellte hierzu fest, diese Perspektive auf Sexualität sei gefährlich nahe an den Positionen einer antifeministischen konservativen Sexualmoral. Rubin forderte Feministen dazu auf, die politischen Aspekte der Sexualität zu betrachten ohne sexuelle Unterdrückung zu begünstigen. Weiterhin forderte sie, die Schuld für die Unterdrückung der Frau statt gegen relativ einflusslose sexuelle Minderheiten gegen Faktoren zu richten, die es verdienen: „Die Familie, Religion, Kindererziehung, Ausbildung, die Medien, der Staat, die Psychiatrie, Benachteiligungen am Arbeitsplatz und ungleiche Bezahlung ...“
McElroy vertritt den Standpunkt, dass die Konzentration der Feministen auf Aspekte des sexuellen Ausdrucks in den 1970er und 1980er Jahren das Resultat ihrer Frustration mit dem offensichtlichen Versagen des Feminismus auf politischer Ebene war, nachdem das Equal Rights Amendment gescheitert war und unter der Regierung Ronald Reagans das Recht auf Abtreibung zunehmend angegriffen wurde.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sex-positive_feminism (5. Mai 2008) -.- [...] Als sexuell verwahrlost wurden im nationalsozialistischen Deutschen Reich Mädchen und Frauen bezeichnet, denen zu viele (promiske) bzw. gesellschaftlich nicht akzeptierte sexuelle Kontakte vorgeworfen wurden. Das betraf somit einerseits Prostituierte und sexuell aktive Frauen, andererseits aber auch Opfer sexuellen Missbrauchs. Hierbei wurde die Täter-Opfer-Beziehung umgedreht, wie es besonders in patriarchalischen Gesellschaften oft vorkommt. Solche Frauen wurden von den Nationalsozialisten, wie auch lesbische Frauen, in Konzentrationslager wie das KZ Ravensbrück verschleppt und in vielen Fällen ermordet. Die Bezeichnung „sexuell verwahrlost“ wurde nur für Mädchen und Frauen verwendet, nicht aber für Jungen bzw. Männer.
...
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_Verwahrlosung (28. Juli 2008) tbc.
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« Reply #17 on: December 11, 2008, 12:51:51 PM » |
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[...] Der Titel ist nicht so originell, (1) als daß man ihn in Anführungszeichen setzen müßte:
Stephan Harbort: Wenn Frauen morden. Spektakuläre Fälle — vom Gattenmord bis zur Serientötung. Frankfurt/M.: Eichborn 2008. (Amazon läßt uns im Buche blättern.) Wir zitieren, wie so oft, aus der Verlagsanzeige:
“Morden Frauen anders? Der Serienmordexperte Stephan Harbort erzählt die Geschichte der Taten und analysiert Motivation, Persönlichkeit und den sozialen Hintergrund der Täterinnen — spannend, authentisch und aufwühlend. Sie agieren still, unauffällig und kaltblütig: Das ‘Blaubeer-Mariechen’, das sich mit Pflanzengift ihrer Ehemänner und anderer Familienangehöriger entledigt, die Dorfschönheit, die tödlichen Enzian verabreichen lässt, die Krankenpflegerin, die ihre Patienten umbringt, die Mutter, die ihre Kinder tötet. Und zuletzt die ‘Schwarze Witwe’, die im Verdacht steht, vier vermögende Männer getötet zu haben, um an ihr Geld zu kommen. Schon immer haben Mörderinnen größeres Entsetzen hervorgerufen als mordende Männer, stehen sie doch in krassem Kontrast zum Bild der Frau als Lebensspenderin.”
Ich schätze Herrn Harbort zu sehr, um ihn für diesen Klappentext verantwortlich zu machen, doch soll seine (wohlgemerkt: des Klappentexts) Schrulligkeit nicht unkommentiert bleiben, denn immerhin schreiben wir das Ende des Jahres 2008. Fraglich ist schon, ob man da noch mit dem abgestandenen Klischee der Giftmörderin(2) Werbung machen sollte. Doch vollends merkwürdig wird es, wenn man die Anmutungsqualitäten der Mörderin auf das biologische Geschlecht und die Funktion der Frau als ‘Lebensspenderin’ zurückführt (als wüßten wir nicht seit geraumer Zeit, daß zur Fortpflanzung die beiden biologischen Geschlechter gehören). Das erinnert allzu peinlich an die ‘Kriminalpsychologen’ des 19. Jahrhunderts, die die Kriminalität der Frau “nicht sowohl in der psychischen Sphäre als im leiblichen Organismus” verwurzelt sahen.(3) Der Mann, so durfte seinerzeit schon gefolgert werden, tötet rational — als Soldat, Henker, Kolonialbeamter, gelegentlich eben auch als Ehemann und Verbrecher. Doch wenn die Frau tötet (und gar noch einen oder mehrere Männer), dann kann dies nur einem Irrtum der Natur geschuldet sein, der sie “still, unauffällig und kaltblütig” — eben naturwidrig-männlich agieren läßt.
1. Ein allemal noch lesenswerter ‘Klassiker’ zum Thema ist Women Who Kill von Ann Jones, 1980, dt. als Frauen, die töten 1986 bei Suhrkamp erschienen. [↩] 2. Vgl. z. B. Ingeborg Weiler: Giftmordwissen und Giftmörderinnen. Eine Diskursgeschichtliche Studie. Tübingen: Niemeyer 1998. [↩] 3. So z. B. A. Krauss: Die Psychologie des Verbrechens. Ein Beitrag zur Erfahrungsseelenkunde. Tübingen: Laupp 1884, S. 379. [↩]
Aus: "Wenn Frauen morden (I)" Von JL (6.12.2008) Veröffentlicht in Kriminalität/Strafverfolgung, Kriminalliteratur, Kriminologie Quelle: http://web23.cletus.kundenserver42.de/2008/12/06/wenn-frauen-morden-i/
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« Reply #18 on: February 22, 2009, 09:07:46 PM » |
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[...] Als Devianz (von frz. dévier) oder abweichendes Verhalten wird in der Soziologie und in der Sozialen Arbeit die Abweichung von allgemeinen Normen und Wertvorstellungen bezeichnet. Die Bezeichnung eines Verhaltens als deviant ist immer mit einem Werturteil verbunden.
...
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Devianz (8. Januar 2009) -.- [...] Der Diskurs über die ideale Frau spiegelte sich auch in dem über deren Antithese wider, nämlich über Frauen, die entweder kriminell oder durch sonstiges deviantes Verhalten auffällig waren. Christine L. Marran untersucht in ihrer Studie Poison Woman: Figuring Female Transgression in Modern Japanese Culture anhand prominenter Beispiele aus dem Zeitraum von den 1880er Jahren bis in die 1990er Jahre, wie der Typus der »Giftmörderin« (dokufu) in unterschiedlichen Ausprägungen als subversiver, das staatlich propagierte Leitbild der »guten Ehefrau« und »weisen Mutter« untergrabender Frauentyp in den verschiedenen Medien der Populär- und Unterhaltungsliteratur, im Film und Theater sowie in naturwissenschaftlich-medizinischen und psychologischen Essays tradiert und modifiziert wurde. 2
[4] Dokufu (englisch: poison woman) bedeutet wörtlich »Giftfrau« und wurde ab der Meiji-Zeit (1868–1912) zur Bezeichnung von insgesamt etwa zwanzig straffällig gewordenen Frauen geprägt. Diese Frauen stammten fast ausnahmslos aus der Unterschicht und hatten – angefangen vom Diebstahl über Raub bis hin zu Raub- und Ehegattenmord – Straftaten unterschiedlichster Tragweite begangen. Allerdings stand die öffentliche Aufmerksamkeit, die diesen beigemessen wurde, insgesamt gesehen weder in einem Verhältnis zu der tatsächlichen Anzahl der von Frauen begangenen Straftaten noch zu deren Schwere. Vielmehr wurden diese in den Medien – angefangen von den neu entstandenen Zeitungen bis hin zu literarischen Verarbeitungen – enorm aufgebauscht. Dokufu-mono (mono bedeutet wörtlich »Ding«, »Gegenstand« und dient hier als Suffix zur Pluralbildung) waren insbesondere in den 1880er und 1890er Jahren ein sehr beliebtes Genre der Unterhaltungsliteratur. Im Gegensatz zur idealen Japanerin, die als fügsam und unterwürfig beschrieben wurde und die vor allem der familiären Fortpflanzung dienen sollte, wurden im Verlauf des 20. Jahrhunderts straffällig gewordene Frauen marginalisiert: Ihre Devianz wurde häufig in Bezug zu außergewöhnlichem sexuellen Verlangen gesetzt, sie galten als anormal triebhaft, nicht sesshaft und daher als gefährlich. Da den Konsumenten solcher medialer Darstellungen Leitbilder von legitimer und nicht legitimer Weiblichkeit sowie die dazu gehörigen neuen Rechtsstandards vermittelt wurden, wird dem Topos der dokufu nachgesagt, unterschwellig zur Formierung stereotyper heterosexueller Geschlechterbilder beigetragen zu haben (S. XXV).
...
Aus: "Evelyn Schulz: Giftmischerinnen, Vagabundinnen und Erotomaninnen. Eine Literatur- und Mediengeschichte krimineller und devianter Frauentypen im modernen Japan. (Rezension über: Christine L. Marran: Poison Woman. Figuring Female Transgression in Modern Japanese Culture. Minneapolis: University of Minnesota Press 2007.) In: IASLonline [17.02.2009], Datum des Zugriffs: 22.02.2009 Quelle: http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=2722
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« Reply #19 on: November 04, 2009, 01:01:56 PM » |
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[...] Die schweizerische Frauenzeitschrift Annabelle bringt den ersten Browser für Frauen, und zwar: „In Zusammenarbeit mit Microsoft haben wir einen speziell auf annabelle-Leserinnen zugeschnittenen Internet Explorer entwickelt“, kann man der Website entnehmen. Im Unterschied zu Männerbrowsern enthält der Frauen-IE8 vorgefertigte Bookmark-Ordner zu den Themen News, Mode, Shopping, Reisen, Kochen, Wohnen, Kulturtipps, Musik, Wissen, Ordnung und Männer, dazu die per Webslices-App auto-aktualisierten News zu Mode, Beauty, Wohnen, Gourmet und Reisen. …auch diese neuigkeit stammt weder aus der onion noch der titanic. Kommentar von Gördi on 3. November 2009 12:02
Tjaja… Frauenzeitschriften u.ä. sind meist sexistischer als manche Männerzeitschrift und viel sexistischer als neutrale zeitschriften. …aber…. was solls…. ;o)
# Kommentar von ilonatalks on 3. November 2009 14:12
OMG – unglaublich….! Mehr kann man dazu ja gar nicht mehr sagen….
Kommentar von hjom on 3. November 2009 20:38
Also, die Bookmark-Ordner „Männer“ & „Ordnung“ kitzeln mich schon irgendwie.
Aus: "Browser, jetzt auch für Frauen" (2009/11/02/) Quelle: http://11k2.wordpress.com/2009/11/02/browser-jetzt-auch-fur-frauen/http://www.annabelle.ch/kultur/kunst/der-annabellech-frauen-browser-5284
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« Reply #20 on: March 29, 2010, 10:08:51 AM » |
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[...] Meine Generation, die in den fünfziger Jahren in Großbritannien aufwuchs, hat gelernt, dass Glamour etwas sehr Fragwürdiges ist. Meine häusliche Mutter pflegte missbilligend den Mund zu spitzen, wenn sie das leuchtend blonde Haar und den souveränen Lidstrich sah, welche die Mutter einer Freundin, eine Laienschauspielerin, mit Stolz trug.
Für die Rektorin unseres Mädchen-Gymnasiums waren Mode und Intelligenz ein Widerspruch. Sie war berühmt-berüchtigt dafür, dass sie ihrem Lehrerkollegium verbot, Lippenstift aufzutragen. In den Fünfzigern führte sie einen Guerillakrieg gegen die hauchdünnen Petticoats, die dafür sorgten, dass die Röcke der Sommerkleider von den Körpern ihrer Trägerinnen abstanden. Bei den Schülerinnen der Oberstufe konfiszierte sie diese Unterröcke mit schöner Regelmäßigkeit. Dann hingen sie wie Skalps an Haken vor ihrem Arbeitszimmer, als stille Mahnmale, die eine klare Botschaft an die Mädchen der Unterstufe aussandten: Glamour bringt ein Mädchen in Schwierigkeiten.
In den Mädchenschulen herrschte zu der Zeit ziemliche Geschlechterverwirrung. Das, was Germaine Greer einmal als die „absurde Version einer männlichen Uniform“ bezeichnete, wurde oft mit polizeilichem Eifer überwacht: Unförmige Trägerröcke über Hemdkrägen und maskulinen Krawatten, die Rocklängen und die Dichte der Strümpfe waren genau festgelegt. Trotzdem sollten wir uns „ladylike“ benehmen, uns unauffällig und ordentlich kleiden und auf der Straße Hüte und Handschuhe tragen.
Die strengen Regeln brachten natürlich eine oppositionelle Subkultur hervor. Wer würde es schaffen mit einem schwarzen BH, blass-rosa Nagellack und Clearasil-Makeup über der Akne-geplagten Teenagerhaut durchzukommen? Einige Mädchen seufzten vor Erleichterung, wenn sie die Schule endlich verlassen konnten und trugen fortan die Schminke mit dem Spachtel auf. Doch gerade als der Glamour den Reiz des Verbotenen langsam verlor, kamen die Feministinnen der zweiten Generation und warnten uns vor der Gefahr, uns damit zu Sexobjekten zu degradieren.
Das britische Wort Glamour ist seit etwa 1900 in Umlauf. Ursprünglich war es in etwa gleichbedeutend mit Worten wie „Magie“ oder „Verzauberung“. Im frühen 20. Jahrhundert avancierte es zum Modewort, das mit exotischen Orten und den neuen Möglichkeiten schnellen Reisens in Verbindung gebracht wurde. Für Männer war es damals genauso schick, glamourös zu sein, wie für Frauen. Die Piloten der Royal Airforce zum Beispiel wurden die „Glamour Boys“ genannt, Männer wie der Schauspieler Rudolph Valentino verkörperten den glamourösen Mann. In den Zwanzigern und Dreißigern wurde die Idee des Glamours dann untrennbar mit Modernität und natürlich mit Hollywood verknüpft.
Die Stars der Filmindustrie trugen seidige Kleider aus schimmerndem Satin, sie funkelten nur so vor Diamanten und Pailletten und mümmelten sich in weiche Pelze ein. Man denke nur an die Frauen aus dem Film Grand Hotel (Dt. Menschen im Hotel, 1932), die bis über beide Ohrenspitzen in Pelzmänteln stecken, oder an Marlene Dietrich in Josef von Sternbergs Blonde Venus (ebenfalls aus dem Jahre 1932). Entweder man hüllte sich in Pelz oder man räkelte sich darauf. Ein anderes Standardfoto zeigte den weiblichen Star am Toilettentisch, in einem seidenen Kimono und von einer stattlichen Anzahl von Kosmetikartikeln und Parfümflaschen umringt.
Hollywood übte in den Jahren zwischen den Weltkriegen großen Einfluss auf die Britinnen aus. Kein Wunder, dass es auch die „Traumfabrik“ genannt wurde. Hollywood prägte die Ambitionen, Kleider, Frisuren und das Make-Up der jungen Frauen. Neue Zeitschriften wie Girls’ Cinema, Miss Modern, Film Fashionland und Woman’s Filmfair brachten die neuesten Modetrends aus den Staaten nach Großbritannien.
Einige Moralisten äußerten sich besorgt über die Anziehungskraft des amerikanischen Glamour, doch sein Siegeszug war längst nicht mehr aufzuhalten. Fabrikarbeiterinnen, die wie Filmstars aussahen, prägten das Bild dieser Zeit. Forschungsinstitute wie Mass Observation erforschten neue Trends. Ihre Beobachter schwärmten im Londoner East End aus und spionierten den jungen Mädchen in der Kosmetikabteilung von Woolworth und auf den öffentlichen Toiletten, wo sie ihr Make-Up auffrischten, hinterher. Neue Pelz-, Nagellack-, Hut- und sogar Haarspangentrends wurden akribisch erfasst. „Glamour lautet der Tenor“, hielt einer der Beobachter fest. „Der Einfluss Hollywoods ist überdeutlich.“
Um es mit den Worten der Filmkritikerin Annette Kuhn zu sagen: Das Kino erweiterte die Vorstellung dessen, was eine Frau alles sein konnte. Das weibliche Publikum fühlte sich von starken, ehrgeizigen Frauen angezogen, die sich ihrer Reize wohl bewusst waren.
Nach dem Krieg begann unter dem Einfluss von Christian Diors New Look der Siegeszug von Klasse und Eleganz, im Vergleich dazu wirkte der Glamour plötzlich billig. Die Krönung von Elisabeth II. rief in Großbritannien eine Nostalgie-Welle hervor, altmodische Formen von Weiblichkeit waren wieder angesagt. Das Wort Glamour verlor seinen Glanz, es wurde zunehmend mit Pin-Up-Bildern und Soft-Porno-Magazinen in Verbindung gebracht. Die englische Mittelklasse rümpfte die Nase über die Eskapaden von Starlets wie Diana Dors oder Sabrina und äußerte sich missbilligend über „Partymäuse“: „Rundum Pelz und darunter keine Höschen“, wie es damals hieß. Jungen Damen gebührte es nicht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – und ging es beim Glamour nicht gerade darum? „Pass auf, dass du bloß nicht billig aussiehst“, rieten die Mütter Ende der Fünfziger ihren Töchtern.
In den Sechzigern, als jugendliches Aussehen, Dufflecoats und die Carnaby Street zum Kult avancierten, wurden die alten Insignien des Glamour – rote Lippen, ausladende Kurven, dicke Pelze und schwere Parfums – von den jungen Frauen als altmodisch abgetan. So etwas trugen in ihren Augen nur Frauen, die sich aushalten ließen. Die feministische Kritik am Glamour nahm Fahrt auf, auch wenn diese Denkweise nie ganz unangefochten war. Die schwarze Aktivistin Claudia Jones (die den Notting Hill Carnival ins Leben rief) warb für Schönheitswettbewerbe, um nicht-weiße Schönheitsstandards zu etablieren. Trotzdem sollte die Endausscheidung der Miss-World-Wahlen in der Royal Albert Hall 1970, bei der (weiße) Feministinnen bekanntermaßen den Ablauf störten, indem sie den Moderator Bob Hope mit Mehl, Stinkbomben und Plastikmäusen bewarfen, als Meilenstein in die Geschichte eingehen.
Erst in den Achtzigern kam der Glamour mit aller Macht zurück, wenn auch vor dem Hintergrund beträchtlicher Errungenschaften auf dem Gebiet der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt. War dies ein Rückschlag, oder ging es um etwas ganz anderes? Naomi Wolf, und unlängst auch Natasha Walter, behaupten, dass der Druck, gut auszusehen, für junge Mädchen heute unerbittlich und schädlich ist.
Es liegt nahe, die Frage zu stellen, ob der Glamour, der einst für die Frauen ein Mittel war, um aus den Zwängen auszubrechen, heute ein Gefängnis geworden ist. Aber erwachsene Frauen sind nicht einfach Gefangene, Gelackmeierte oder Opfer, und der Glamour hat auch eine spielerische Seite, für die viele weibliche Künstlerinnen stehen: Mae West, Marlene Dietrich, Madonna, Courtney Love und seit einiger Zeit auch die herrlich durchgeknallte Lady Gaga.
Sobald man über Glamour genauer nachdenkt oder schreibt, betritt man vermintes Terrain. Sprechen wir über Künstlichkeit und den Reiz falscher Werte? Über Verführerinnen, die sich einen reichen Kerl angeln wollen oder über Frauen, die eine Karriere anstreben? Wie steht es mit den ethischen Fragen im Hinblick auf Pelz und Diamanten? Was ist mit Schönheitsoperationen und den natürlichen Verformungen im Teenageralter? Ist die Idee des Glamour ausschließlich westlich und weiß?
Macht Glamour die Frauen stärker oder degradiert er sie zu Objekten? Man darf nicht vergessen, dass Frauen sich den Glamour auch zunutze machen – sie sind nicht einfach nur Objekte des männlichen Blicks. Historisch gesehen hält es sich in etwa die Waagschale, ob glamouröse Frauen als Gefahr für den Mann oder selbst als Opfer betrachtet wurden. Glamour kann für Selbstbewusstsein, sexuelle Selbstbestimmung, Verspieltheit und Vergnügen stehen. Doch schlussendlich gibt es nichts, was einer Frau mehr Stärke verleiht als eine gute Ausbildung und ein gut bezahlter Job.
Carol Dyhouse hält eine Forschungsprofessur an der Universität Sussex. Ihr aktuelles Buch Glamour: Women, History, Feminism ist in Großbritannien bei Zed Books erschienen
Aus: "Glamour - Was eine Frau alles sein kann" Carol Dyhouse (28.03.2010) Quelle: http://www.freitag.de/alltag/1012-glamour-grossbritannien-dietrich-valentino-lady-gaga
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« Reply #21 on: September 21, 2010, 03:24:08 PM » |
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[...] Wenn aber jede zweite Beziehung mit Kindern im Prenzlauer Berg scheitert, dann sieht die Realität plötzlich anders aus - neuerdings auch für Jana Albrecht. Seit ihrer Trennung hat sie weder die Zeit, noch das Geld, entspannt in einem der vielen Cafés zu sitzen.
Als die Hamburgerin mit Mitte zwanzig feststellte, dass sie schwanger war, studierte sie gerade in Berlin Germanistik und Soziologie. Kurzentschlossen zog sie mit ihrem Freund, der noch schnell ihr Ehemann wurde, zusammen in den Prenzlauer Berg. Alles schien machbar. Die Mieten waren bezahlbar, die Frauen emanzipiert. Kind und Beruf? "Kein Problem, dachte ich."
...
Aus: "Allein erziehend in Prenzlauer Berg: Die verlassenen Macchiato-Mütter" VON JULIA NIEMANN (16.07.2010) Quelle: http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/die-verlassenen-macchiato-muetter/-.- [...] Heute entscheiden sich manche Frauen BEWUSST für ein paar Jahre Familienarbeit.« Weiter heißt es: »Viele Frauen von heute verfügen außerdem über einen Haufen Bildung. Die geht ihnen doch nicht verloren, wenn sie ein paar Jahre mit ihren Kindern verbringen! Herrjeh! Mir ist kein Gehirn aus der Brust getropft, während ich gestillt und nebenher im Übrigen meine Aufträge erledigt habe. Heutzutage kann man doch im akademischen Diskurs bleiben, wofür gibt es denn Skype und das Netz im Besonderen und WLAN und all den Kram? Männer können ganz hervorragend von allüberall her Mails checken und sich in Flugzeugen und Zügen herumtreiben, während sie Konzerne leiten – warum also nicht die Mutter, die eben eine Weile zuhause ihre Basis hat?«
Die Antworten gibt die Realität der Arbeitswelt, wo sich die Zahl der Mütter, die vom Stillzimmer aus internationale Konzerne leiten, wohl im Promillebereich bewegt.
Die Äußerung über die Bildung, die nicht verloren geht, wirkt zudem wie eine unfreiwillige Persiflage auf die Debatten um die »Prenzlauer-Berg-Mütter«, die trotz guter Ausbildung »freiwillig« die Erziehungsarbeit übernehmen und dann verwundert feststellen, dass sich der Macker samt gutem Einkommen vom Acker gemacht hat und sie mit großen Lücken in der Berufsbiografie mit 40 plus und betreungsintensiven Kindern an den Hacken eben keinen geilen, gut bezahlten Kreativ-Job mehr angeboten bekommen. Ob das Schicksal bourgeoiser Vollzeit-Mamas, die sich sehenden Auges in diese finanzielle Abhängigkeit begeben, genauso zu betrauern ist wie das jener unterprivilegierten Frauen, die ihren Nachwuchs von Anfang an alleine und von mageren Hartz-IV-Sätzen über die Runden bringen müssen, sei dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass das Ideal der stillenden, allzeit betreuenden Mutter dazu führt, dass immer mehr Frauen sich in diese Fünfziger-Jahre-Dystopie flüchten.
Die deutsche Professorin Barbara Vinken, die ebenfalls ein Buch über den Mythos der Mutterliebe veröffentlicht hat, lobt in der taz die »bemerkenswerte intellektuelle Verve« des Buches, das aufgrund des reaktionären deutschen Mutterbildes in Deutschland in der Schärfe niemals hätte geschrieben werden können. Doch Badinter hat Vinken etwas Entscheidendes voraus: Obgleich in ihrem Buch die Rolle der Männer nur gestreift wird, weiß sie sehr wohl um die Wichtigkeit von gerechter Arbeitsteilung. Im Interview mit der SZ betont Badinter: »Partner müssen ihre Aufgaben teilen. Es ist undenkbar, dass wir weiterhin akzeptieren, dass Männer sich weigern, Verantwortung für die Familie, für den Haushalt zu übernehmen. Darüber müssen wir reden, auch wenn es manchen verstaubt vorkommt.«
Vinken hingegen antwortet in einem Interview mit dem feministischen Missy Mag auf die Frage, ob Väter mehr Arbeit bei Erziehung und Haushalt übernehmen müssten, rundweg mit »Nein«. Stattdessen sollten »Kindermädchen und Haushaltshilfen« steuerlich absetzbar sein. Da ist die von Vinken als Angehörige der »Groß-Bourgeoisie« geschmähte Badinter wohl doch weniger snobistisch, da sie offensichtlich nicht darauf setzt, dass sich Mittelklassefrauen auf Kosten von schlecht bezahlten »Kindermädchen« emanzipieren, statt ihre Partner in die Pflicht zu nehmen.
Gegen das Ideal der Über-Mutter formiert sich aber auch in Deutschland allmählich der Widerstand. Eine Avantgarde junger Feministinnen verweigert sich dem Stilldiktat, weil sie auch als Mütter noch autonom bleiben und von Anfang an gleichberechtigt mit den Vätern alle Aufgaben teilen wollen. Das Argument »Was sollen wir machen, Männer können eben nicht stillen, die Mutter muss die erste Zeit ans Kind gekettet sein«, hat dann keine Grundlage mehr. So behalten diese Frauen ihre Brust ohne schlechtes Gewissen für sich – und wer weiß, vielleicht gibt es ja bald T-Shirts mit der Aufschrift: »Mein Busen gehört mir!«
Elisabeth Badinter: Der Konflikt: Die Frau und die Mutter. Beck, München 2010, 222 Seiten, 17,95 Euro
...
Aus: "Das deutsche Ideal der Über-Mutter" von Sonja Eismann (Jungle World Nr. 37, 16. September 2010) Quelle: http://jungle-world.com/artikel/2010/37/41740.html
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« Reply #22 on: July 14, 2011, 02:37:41 PM » |
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[...] Ausschlaggebend für die zu Hoffmanns Zeit und weit darüber hinaus gültige Geschlechteranthropologie waren die Schriften Wilhelm von Humboldts, vor allem Ueber den Geschlechtsunterschied und dessen Einfluß auf die organische Natur (1795). Zusammengefaßt besagt der Aufsatz: „Alles Männliche zeigt mehr Selbstthätigkeit, alles Weibliche mehr lei-dende Empfänglichkeit.“71 Den Mann kennzeichnen nach dieser Auffassung Aktivität, planendes, schöpferisches Geschick und vernunftgeleitetes Handeln, während der Frau Hingabe, Passivität und sensible Rezeptivität zugeschrieben werden. Kein Geschlecht sei aber dem anderen untergeordnet, vielmehr seien die einzelnen Charakteristika unter-schiedlich ausgeprägt. Nach Humboldt bildet die Frau den komplementären Part zum Mann, der mit den ihren alle seine erhabenen Eigenschaften komplettiert sieht.
... Auch Maria verhält sich ‚typisch weiblich’, wenn sie bei der allgemeinen Unterhaltung nur passive Zuhörerin bleibt und während der Erzählung ihres Bruders, in der sie eine Parallele zu ihrer eigenen Situation entdeckt, ohnmächtig zusammensinkt.
...
Aus: "Ansichten von der Nachtseite der Romantik Zur narrativen Funktion der Naturwissenschaften in E.T.A. Hoffmanns Der Magnetiseur" Von BARBARA BAYER-SCHUR [Erschienen in: E.T.A.-Hoffmann-Jahrbuch 15 (2007), S. 50–76.] Quelle: http://goedoc.uni-goettingen.de/goescholar/bitstream/handle/1/5884/Bayer-Schur_Artikel_20110207.pdf?sequence=1
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« Reply #23 on: July 16, 2011, 09:51:05 AM » |
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[...] PARIS taz | Die Frau liegt auf dem Rücken auf einer Freilichtbühne in Berlin, ihr Unterkörper ist nackt. Die Beine sind gespreizt, ein Spekulum steckt in ihrer Scheide und dann darf jeder der will, sich mit einer Taschenlampe ihren Muttermund anschauen. Manch anatomisch Interessierte - es sind überwiegend Frauen - kichert, während sie in den Unterleib reinleuchtet. Andere ziehen ernste Mienen.
Ganz anders die US-Amerikanerin Sadie Lune, deren Uterus gerade angeglotzt wird: sie liegt total entspannt da und redet mit ihren Freundinnen übers Fisten. Was an die aufklärerische Praxis der feministischen Performancekünstlerin Annie Sprinkle erinnert, ist Teil der "Queer X Show" und seit vergangener Woche in einem Dokumentarfilm in den französischen Mainstream-Kinos zu sehen. Anzeige
"Too Much Pussy! Feminist Sluts In The Queer X Show" dokumentiert die Europatournee von sieben Aktivistinnen, Künstlerinnen, Schriftstellerinnen, Musikerinnen und Pornostars - allesamt lesbisch oder bisexuell. Sie haben Sex auf der Bühne und masturbieren vor Publikum. Sie fesseln sich gegenseitig, um zum Höhepunkt zu kommen, und das alles für den Feminismus. Zwischen den Bühnenperformances haben die Darstellerinnen ständig Sex, scheinbar immer und überall.
Der 90-minütige Streifen sei politisch zu verstehen, erklärt die Regisseurin Emilie Jouvet. "Es geht um offen gelebte Sexualität von Lesben. Die weibliche Ejakulation soll raus aus der Schmuddelecke". Was diesen Film und diese Show von anderen Werken rund um die weibliche Erotik unterscheidet, ist die Regisseurin. Denn anders als meist ist die Filmemacherin selbst lesbisch. Eine Lesbe dreht also für Lesben, das ist in einer Heterowelt immer noch die Ausnahme. Das Pornogeschäft ist ein Geschäft von Männern mit Frauen für Männer.
Diese Hierarchie wollte die Künstlerin Emilie Jouvet durchbrechen. Die attraktive Frau mit blonden, langen Haaren, einem sinnlichen Mund und einer kurvigen Figur hat Fotografie und Bildhauerei studiert. Bei ihrer Arbeit sei sie schon an der Hochschule in Paris angeeckt, erzählt sie in einem Pariser Café. Die Dozenten, meist männlich, hätten für ihre erotischen Fotografien lesbischer Frauen wenig Sinn gehabt. "Zu speziell" sei die übliche Reaktion auf ihre Bilder gewesen. Von den Stereotypen des Mainstreams wollte sie in der Tat weg. Weg von den Heterofrauen mit Plastiknägeln und Silikonbrüsten die anderen Heterofrauen ihre kahlrasierte Scham aufs Gesicht drücken. "Immer zeigen uns Heteros, wie wir angeblich Sex haben", sagt sie. "Es nervte mich irgendwann."
Das war 2005. Ein Jahr später präsentierte sie mit "One Night Stand" den ersten französischen Porno, der von einer Lesbe gedreht und für ein lesbisches Publikum gedacht war und mit dem ihr in der internationalen Queer-Szene der Durchbruch gelang.
In "One Night Stand" geht es um schnellen Sex zwischen Frauen, die sich scheinbar zufällig irgendwo treffen. Die Szenen sind mit Elektro-Punk-Musik unterlegt, es ist eine grelle, flott montierte Mischung. Wer nicht auf Latexhandschuhe oder bunte Umschnalldildos steht, wer es nicht grob und schmutzig mag, braucht sich den Porno erst gar nicht anschauen. "Emilie Jouvet hat mit diesem Film eine neue Ästehtik gefunden, Sex als Kunst darzustellen", befand damals der Kultursender Arte über "One Night Stand".
Übers Internet suchte sie ihre Darstellerinnen. Einziges Kriterium, um mitmachen zu dürfen: sie mussten lesbisch oder bisexuell sein. Das sah man dem Film auch an. Die Teilnehmerinnen haben Lust an dem, was sie vor der Kamera machen. Es waren keine aufgetunten Schauspielerinnen, sondern Frauen mit durchschnittlichen Körpern. Für diese erotische Authentizität wurde eine Episode des Films beim 1. Berliner Pornofestival als bester Kurzfilm ausgezeichnet, es folgten weitere internationale Preise wie der Feminist Porn Award für den "Sexiest Dyke Movie" in Toronto.
Anders als die lesbischen Pornomacherinmnen Madison Young und Courtney Trouble tritt Emilie Jouvet in ihren Filmen selbst nicht auf. "Ich würde schon mitmachen, aber irgendwer muss ja die Kamera bedienen", sagt sie lächelnd.
Feminismus und Pornografie, wie passt das zusammen? Dass die Entblößung von Haut und Scham ein Zeichen für weibliche Unterdrückung sein könnte, findet Emilie Jouvet "altfeministisch" und "körper- und lustfeindlich". Sie lacht leise, während sie das sagt und zieht an einer Zigarette. Die 34-Jährige hat neben den zwei Porno-Langfilmen schon mehrere Kurzfilme gedreht und fotografiert ständig für Magazine. Momentan schreibt sie an ihrem ersten Buch. Natürlich geht es auch dabei um Lesben.
Ihre homosexuellen Phantasien und ihre Kunst sind jetzt im Mainstream angekommen. Nach der Premiere von "Too much pussy" im Pariser MK2 Beaubourg Kino gab es Standing Ovations.
Aus: ""Porno im französischen Mainstream-Kino - Frauen, grob und schmutzig" VON CIGDEM AKYOL (16.07.2011) Quelle: https://www.taz.de/1/leben/film/artikel/1/frauen-grob-und-schmutzig/-.- [...] HAMBURG | taz Niemand hatte die Absicht, über Integration zu diskutieren. Das Schwimmbad in Pinneberg sollte lediglich eine Frauenbadestunde bekommen, am Sonntag von halb neun bis elf Uhr morgens. Warum auf einmal alle über muslimische Frauen sprechen, will bei der Stadt im Hamburger Speckgürtel keiner so recht verstehen.
Es begann damit, dass eine Unterschriftenliste mit der Forderung nach einer Frauenbadezeit auf dem Schreibtisch von Bürgermeisterin Kristin Alheit landete. Der Sozialdemokratin war aufgefallen, dass "eben nicht Meier, Müller und Schmidt unterschrieben haben", sondern viele Namen auf eine muslimische Zugehörigkeit deuteten. "Es ist meine Aufgabe, mit Menschen zu sprechen", sagt Alheit. Auf die Idee, mit den UnterschreiberInnen der Liste zu sprechen, kam sie nicht. Das Frauenbade-Projekt sei bereits geplant, die Unterschriften nur der Auslöser gewesen, sagt sie. Andere Städte hätten ein solches Angebot längst, da müsse man nachziehen. Anzeige
Für die Stadt gehe es darum, Frauen ein "unbelästigtes Baden" zu ermöglichen, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Ellen Schülke. Für strenggläubige Muslimas geht es um mehr: Sie haben Probleme damit, wenn sie im Badeanzug männlichen Blicken ausgesetzt sind.
Es reicht nicht, wenn die anderen Badegäste ausschließlich Frauen sind - auch der Bademeister muss weiblich, der Schwimmbereich von außen nicht einsehbar sein. "Es muss eine Dame sein, eine Bademeisterin", heißt es dazu aus dem Hamburger Büro des Ditib-Verbandes, zu dem die türkisch-muslimische Gemeinde in Pinneberg gehört. Außerdem sei es zwingend nötig, dass die Fenster verhängt werden. "Sonst können die Frauen ja gleich zu normalen Zeiten schwimmen gehen."
Für Bürgermeisterin Alheit gehen diese Forderungen zu weit. Zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten habe sie das Frauenbade-Projekt diskutiert. Die "Anforderungen von Einzelpersonen" seien dabei nicht relevant gewesen.
Noch deutlicher wird Henning Fuchs, der als Geschäftsführer der Stadtwerke für das Schwimmbad verantwortlich ist: Einen Badetag für Muslimas "haben wir nie auch nur im Ansatz gewollt", sagt er. Ein Angebot für muslimische Frauen sei, so Fuchs weiter, ein "politisches Minenfeld". Zudem sei es technisch gar nicht möglich, die Fenster des Schwimmbades vor Blicken von außen abzudecken - die Wände seien dazu nicht geeignet.
Als Badbetreiber hätten die Stadtwerke das Recht, zu entscheiden, was sie nicht wollen, sagt Fuchs. Und eine allgemeine Frauenbadestunde, aber mit verhangenen Fenstern, "wollen wir doch gar nicht".
Am diesem Sonntag nun soll es die erste Frauenbadestunde im Pinneberger Schwimmbad geben - ohne Verhang, dafür mit männlichem Bademeister. Nach einer sechsmonatigen Testphase will man entscheiden, ob es dabei bleibt: Nur bei einer Anzahl von mehr als 140 Badegästen in der Frauenzeit wird das Projekt fortgeführt. Denn das ist der momentane Kassenstand am Sonntagvormittag.
Die Gleichstellungsbeauftragte Schülke hofft, dass Muslimas das Angebot trotzdem nutzen - und verweist auf Ulm, wo muslimische Frauen einen Bademeister in der Frauenstunde akzeptieren: "Das ist ein starker Schritt nach vorn."
In Pinneberg hat bisher noch niemand versucht, mit der muslimischen Gemeinde zu sprechen. Und wie es aussieht, wird sich daran auch so schnell nichts ändern.
Aus: "Muslimas auf dem Trockenen" VON VIVIANE PETRESCU (15.07.2011) Quelle: https://www.taz.de/1/nord/artikel/1/muslimas-auf-dem-trockenen/
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