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« Reply #60 on: May 15, 2007, 08:55:22 AM » |
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[...] Tokio - Wie japanische Zeitungen heute berichten, erzählte der Teenager den Beamten einer Polizeiwache in der zentraljapanischen Stadt Aizuwakamatsu, er habe in der Nacht seine Mutter getötet. "Es ist hier drin", sagte der Junge, der den abgetrennten Kopf in einer Tüte trug. Die Polizei fand in der Wohnung des Schülers auf dem Bett einen Torso und daneben ein Messer. Er habe den Kopf abgeschnitten, während seine Mutter geschlafen habe, gab der Junge an. Es war ihr 47. Geburtstag. Nach amtlichen Angaben hatte sich der Schüler in psychiatrischer Behandlung befunden.
Der wegen Mordverdachts verhaftete Jugendliche habe auf die Fragen der Polizei ruhig geantwortet, hieß es. "Es wäre gut, wenn Terrorismus und Krieg aus der Welt verschwinden würden. Es war egal, wenn ich getötet habe", wurde der Jugendliche zitiert.
Medienberichten zufolge lebte der Oberschüler mit seinem jüngeren Bruder während des Schuljahres in einer Wohnung abseits ihres Elterhauses. Ihre Mutter habe sie dort immer über das Wochenende besucht, hieß es. Eine Nachbarin beschrieb den mutmaßlichen Täter als "normal".
Der Fall weckt Erinnerungen an die bestialische Enthauptung eines Schülers in der japanischen Hafenstadt Kobe vor genau zehn Jahren. Ein damals 14-Jähriger hatte gestanden, den elf Jahre alten Schüler Jun Hase erwürgt und ihm den Kopf abgetrennt zu haben. Drei Tage später hatte er den Kopf im Morgengrauen vor dem Tor seiner Schule in Kobe aufgestellt. Der zur Tatzeit noch nicht strafmündige Junge war in eine psychiatrische Klinik eingeliefert worden.
Aus: "Schüler bringt Kopf der Mutter zur Polizei" (SPON; 15. Mai 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,482930,00.html
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« Reply #61 on: May 22, 2007, 12:03:04 PM » |
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[...] Eine blickdichte Überwachung, gepaart mit Hilfsangeboten. Für viele jugendliche Straftäter das erste Mal, dass sich jemand konzentriert um sie kümmert, sie ernst nimmt, ihnen Grenzen setzt, neue Wege aufzeigt. Bislang, so finden die AIB-Bewährungshelfer, hat sich das Projekt als erfolgreich erwiesen. Ob es langfristig wirkt, muss sich zeigen.
Doch Stephans Beispiel - er war ein stadtbekannten Gewalttäter - zeigt, was mit alternativen Angeboten erreicht werden kann. "Ich mach' halt Streetfight, Jujitsu." Dabei lernt er, "wenn ich mich hauen will, dann nicht mit Schwächeren". Und möglichst nicht mit "so 'nem Texter, der alles mit Worten regeln will". Den zu schlagen, das hat er kapiert, ist "mehr als unfair". Und ein Sport, bei dem man sich prügeln darf und dafür noch "Anerkennung und Lob von normalen Leuten bekommt", das hat was, meint er. Außerdem braucht er nicht immer auf der Hut zu sein, zu befürchten, jemand werde ihn erwischen. "Weil das legal ist, was wir da machen."
Aus: "Hilfe für die Prügel-Kids" VON INGRID MÜLLER-MÜNCH Quelle: http://fr-online.de/in_und_ausland/politik/hintergrund/?em_cnt=1140148&em_cnt_page=1
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« Reply #62 on: June 04, 2007, 12:46:24 PM » |
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[...]
1. personelle – strukturelle Gewalt 2. physische – psychische Gewalt 3. legale/legitime – illegale/illegitime Gewalt 4. individuelle – kollektive Gewalt 5. expressive – instrumentelle Gewalt 6. intentionale (beabsichtigte) – nicht intentionale Gewalt 7. manifeste (deutliche) – latente (verborgene) Gewalt
Unter personaler/personeller Gewalt versteht man nach KUNCZIKS (1987; 15) die beabsichtigte physische und/oder psychische Schädigung einer Person, von Lebewesen und Sachen durch eine andere Person. THEUNERT (1990; 89) definiert wie folgt: ”Personale Gewalt geht von einer konkreten Person aus, zeigt sich in ihrem Handeln und Verhalten, die folgen sind sichtbar in physischer oder psychischer Schädigung.” Strukturelle Gewalt gilt als Gewalt, bei der es kein handelndes Subjekt gibt (GALTUNG 1982; 13). Gewalt ist demnach in das System eingebaut .und äußert sich in ungleichen Machtverhältnissen und ungleichen Lebenschancen, d.h. es herrscht soziale Ungerechtigkeit. Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen vom System (Staat, Tradition) so beeinflußt werden, daß ihre aktuelle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist, als ihre potentielle Verwirklichung.
Strukturelle Gewalt ist empirisch nicht meßbar und der Begriff somit willkürlich (BAUER/THEUNERT 1984; 154 ff.). Personale Gewalt kann jedoch aus struktureller Gewalt hervorgehen. Die hat eine Ausbreitung bzw. Ausdehnung des Begriffs zur Folge.
THEUNERT (1987; 71) versteht unter physischer Gewalt alle Formen, die körperliche Zerstörung, Verletzung oder Einschränkung zur folge haben. Gewalt, die Menschen anderen Menschen, Tieren oder Gegenstände körperlich zufügen.
Psychische Gewalt ist die Gewalt, die sich gegen die Psyche eines Menschen richtet, demnach kommen alle Formen von Gewalt in Frage, die die geistige und seelische Verfassung von Personen schädigen (THEUNERT 1987; 74). Psychische Gewalt manifestiert sich in indirekter Weise, z.B. durch Verhaltensweisen, wie Vergessen, absichtliches Nichthören, etc. Mobbing gehört zu den prominentesten Vertretern psychischer Gewalt. Auch die Androhung von physischer Gewalt kann als psychische Gewalt angesehen werden.
Erscheinungsformen psychischer Gewaltanwendung und ihre Folgen sind sehr verschiedenartig und subtil. Entsprechend schwierig ist ihre Wahrnehmung und ihre forschungstechnische Operationalisierbarkeit. THEUNERT (1987: 76) fordert aus diesem Grund einen “opferorientierten Zugang”, da sich die Vielfalt der Erscheinungsformen psychischer Gewalt erst dann erschließt, wenn man die Opfer und die bei ihnen beobachteten Schädigungen betrachtet.
Eine weitere Möglichkeit, Gewalt zu klassifizieren, bietet die Unterscheidung nach Dimensionen der Legalität und Illegalität bzw. Legitimität und Illegitimität
Legale Gewalt ist gesetzlich anerkannt und wird allein durch den Staat ausgeführt (MERTEN 1999). Sie bezieht sich auch auf den Polizeiapparat.
Dagegen steht illegale Gewalt für Verhaltensweisen, die nicht durch ein Gesetz legitimiert sind.
Die Begriffe legitime versus illegitime Gewalt sind weitreichender, sie decken auch allein von der sozialen Gruppe oder aber auch nur von einem Einzelnen moralisch anerkannte bzw. moralisch mißbilligte Gewalt ab. D.h. jedes Individuum kann seine eigen Definition legitimer und illegitimer Gewalt entwickeln.
Legale und illegale Gewalt läßt sich anhand der Gesetzgebung relativ eindeutig, allerdings immer nur von Seiten des Staates bestimmen. Die Bedeutungszuweisung legitim ist, wie vorangegangenes zeigt, nicht klar zu begrenzen. Sollen diese Begrifflichkeiten in einen Forschungszusammenhang integriert werden, so muß deutlich gemacht werden, aus welcher Perspektive der Gewaltbegriff bestimmt wird.
NOLTING (1993) definiert beide Gewaltgruppen wie folgt: Individuelle Aggression richtet sich meist gegen eine einzelne Person, wobei sich Opfer und Angreifer meist kennen. Kollektive Aggression richtet sich meist gegen ein anderes Kollektiv, wobei Opfer und Aggressor einander oft unbekannt bleiben. Individuelle Gewaltausführung ist eigenmotiviert, wird selbständig entschieden und eigenverantwortlich ausgeführt. Kollektive Gewaltausführung wird durch Fremdmotivation wie z.B. Befehle und Vorbilder ausgelöst.
Individuelle Aggression wird in jeder “normal” verlaufenden Sozialisation gelernt; gehemmt wird aggressives Handeln zumeist durch die erlernte Angst vor Strafe und erlernte gesellschaftliche Normensetzung. Bei organisierten Kollektiven wird dagegen vielfach die Gewaltausübung systematisch ausgebildet – Anonymität, Verantwortungsteilung und Gruppenideologie vermeiden häufig Hemmungen gegenüber gewalttätigem Handeln. Das stimulierende Verhalten anderer Personen macht es möglich, daß Menschen Dinge tun, die sie als Einzelne niemals tun würden.
Die Unterscheidung zwischen individueller und kollektiver Gewalt erhält ein besonderes Gewicht im Zusammenhang mit der Untersuchung von Gewalt als sozialem Phänomen, das den gesellschaftlichen Frieden gefährdet.
Aus: "Ansätze zur Strukturierung des Gewaltbegriffs - Grundbegriffe und Historie" (Tina Böcher; Datum ?) Quelle: http://www.soziales.fh-dortmund.de/diederichs/uniffm/pdfs/boecher.pdf
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« Reply #63 on: June 11, 2007, 09:21:21 AM » |
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[...] Ausgerechnet die Maske des romantischen Dichters Shelley trägt einer der vier jungen Hooligans, die in das Haus des Schriftstellers F. Alexander eindringen, um sein Manuskript mit dem Titel «A Clockwork Orange» zu zerfetzen, ihm das Gesicht blutig zu schlagen, Brille, Schreibmaschine, Mobiliar zu zerschmettern und am Ende seine Frau so zu misshandeln, dass sie später stirbt. Hinter der Shelley-Maske steckt auch Nietzsches Erkenntnis, dass bisweilen die vornehmsten Menschen «von einer scheusslichen Abfolge von Mord, Niederbrennung, Schändung, Folterung mit einem Übermuthe und seelischem Gleichgewichte davongehen, wie als ob nur ein Studentenstreich vollbracht sei».
Der fünfzehnjährige Alex, Ich-Erzähler und blutlüsterner Anführer der vierköpfigen Vandalen-Bande, ist leidenschaftlicher Liebhaber Beethovens, Mozarts und Mendelssohns, er bekennt sich als Fan der Rimbaud-Vertonung Benjamin Brittens und zahlreicher anderer Kompositionen. Aber als exzessiver Träumer und Synästhetiker durchläuft er beim Musikhören die schauderhaftesten sadistischen Szenen, in denen er Männern und Frauen die Gesichter zertritt oder den Autor F. Alexander und dessen Frau in kleine Stücke zerfetzt.
Musische Verfeinerung und mörderische Lust, ästhetische Delikatesse und Unmenschlichkeit bewohnen die gleichen Uhrwerks-Seelen. Um wieder aus dem Gefängnis zu gelangen, wo er wegen Totschlags einsitzt, willigt Alex in eine von der Regierung propagierte «Ludovico»-Therapie ein und lässt sich zum aggressionsfreien Lämmchen umkonditionieren. Danach aber kann er auch keine Musik mehr geniessen.
Alex ist nicht die einzige Kippfigur. Andere sind Hooligans, die zu Ordnungshütern mutieren. Sobald sie die Polizeiuniform angelegt haben, verwandeln sich die Freunde des Erzählers in seine Feinde. Andererseits tritt Alex als Spiegelfigur des Schriftstellers F. Alexander auf. Nachdem er von seinen einstigen Kumpels halb totgeprügelt worden ist, sucht Alex bei dem gleichen «Clockwork»-Autor Hilfe, dem er einst selbst so übel mitgespielt hat. Zunächst erkennt der Schriftsteller den einstigen Heimsucher nicht wieder. Als der aber den Totschläger seiner Frau doch identifiziert, will er ihm einen Dolch in den Leib jagen.
Auf bizarre Weise gehen die beiden ineinander über. Sie tragen den gleichen Namen, und die Erzählfiktion will es, dass sich der Hooligan als Erzähler immer wieder an seine Leser wendet, die er als «meine Brüder» und «meine Freunde» anspricht. Wer aber sind in dieser Gesellschaft der Kippfiguren die Brüder und Freunde? Nicht zuletzt ist dieser Alex auch das Alter Ego des Autors Burgess (1917-1993), der ja wie der fiktive F. Alexander ein Buch mit dem Titel «A Clockwork Orange» (1962) geschrieben hat.
[...] Die Meldungen unserer Tage über Londoner Teenager-Gangs bilden das passende Nachrichtenprogramm zur erneuten Lektüre dieses Buchs, das auch in London spielt. Auf jeder Seite zeigt unsere Gegenwart ihr Doppelgesicht. Alle Gegensätze, die die Moderne zu tragen scheinen, zumal die Gegensätze von Gut und Böse, brechen zusammen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich der Brutalo als Normalbürger maskiert, bis die Hooligans als Ordnungshüter die Polizeiknüppel schwingen oder bis die humanistische politische Opposition zum Gegenterror greift.
Die als Satire auf Skinners behavioristische Theorien ausgedachte Konditionierung durch das Ludovico-Serum trägt den gleichen Namen wie Beethoven, und die ganze mesquine Konstruktion des Romans gipfelt ja darin, dass wie in einem mittelalterlichen Epos der Held nach einer Serie von Raub-, Folter- und Mordaktionen in einem zweiten Durchlauf seinen Opfern wieder begegnet und sie ihm nun mit gleicher Münze zurückzahlen. Jeder kann in beiden Rollen und Masken seine scheusslichen Eigenschaften ausleben.
[...] Unter der Norm lauert die Wildnis, und in der Wildnis tummeln sich die Spiesser. Diese Umkehrbarkeit ist die böse Botschaft, die Burgess in die Welt schickt. Sein Roman dementiert auf konsequente Weise den humanistischen Traum, die Menschen durch Kultur zu höheren Wesen zu machen. Seine Botschaft lautet: Die anthropoide Substanz ist abscheulich; weder Konditionierung noch Gewalt noch Kunst noch Masken können daran etwas ändern.
Aus: "Die Zukunft von gestern (9) - Hooligan und Spiesser" Am Ende des humanistischen Traums - Anthony Burgess' Roman «A Clockwork Orange» (6. Juni 2007, Neue Zürcher Zeitung) Von Manfred Schneider Quelle: http://www.nzz.ch/2007/06/06/fe/articleF5VBM.html
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« Reply #64 on: June 11, 2007, 09:31:14 AM » |
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Er ist Mitte 20 und studiert. Genaueres will er nicht sagen. Ebenso wenig seinen Namen.
taz: Warum haben Sie Steine geworfen?
Weil allein die Präsenz der Polizei als Repression wahrgenommen wird. Das geht wie ein Funke durch die Reihen und man wirft den ersten Stein, ziellos.
Und den zweiten?
Gezielt.
Was ist das für ein Gefühl?
Man fühlt sich nicht besser, eher enttäuscht.
Wovon?
Enttäuscht darüber, dass der freiheitlich demokratische Rechtsstaat keiner ist. Ich habe Angst vor Herrn Schäuble und frage mich: Steht er auf dem Boden der Verfassung? Das sind keine hohlen Phrasen nach dem dritten Bier. Aber die Polizei hat eine unsichtbare Linie überschritten. Der Schwarze Block ist dazu da, die Demo zu sichern.
Bitte?
Indem wir Ketten bilden und Präsenz zeigen. Wenn ich im Schwarzen Block demonstriere, will ich sicherstellen, dass die Polizei nicht eskalierend einschreitet.
Steine wirken deeskalierend?
Viele aus dem Block legen die rechtsstaatlichen Prinzipien sehr weit aus. Das ist schon ein Treppenwitz der Geschichte.
Wie ist die Stimmung im Schwarzen Block?
Man guckt sich an, sieht Sonnenbrillen und schwarze Kapuzen und erkennt, man gehört zusammen.
Woran?
Am Nichterkennen. Es ist ganz, ganz eigenartig, aber es gibt dieses verbindende Gefühl. Vielleicht sind die Reaktionen deshalb so heftig. Und man ist sich bewusst, dass jede Seite ihre Aufgaben erfüllt. Aber es fehlt das Vertrauen. Die Polizei weiß nicht, wenn die Autonomen was sagen, ob das stimmt, und wir wissen nicht, ob die Polizei ihre Zusagen einhält. Es gibt kein Gentlemen's Agreement.
Hat es das jemals gegeben?
Da fehlen mir die historischen Vorkenntnisse. Aber eine Demo mit Schwarzem Block, bei der sich die Bullen zurückhalten und beide Seiten ihre Ziele verteidigen, das wäre cool. Wenn die Polizei keine Präsenz zeigt, sind wir auch friedlich. Sobald sie aber versucht zu stören, gibt es Stress. Das ist so, wie wenn man dem Affen Zucker gibt. Oder wie bei einem Bewerbungsgespräch: Entweder deine Gesprächspartner sitzen dir in lockerer Formation gegenüber oder in Reih und Glied, so dass du keinen Sonnenstrahl mehr siehst. Dann fehlt der Diskurs.
Eine Demo ist aber kein Bewerbungsgespräch.
Wenn wir sagen, wir sind friedlich und fragen: "Was seid ihr?", denken wir, wir können die weiter zurückdrängen. Wenn es dann so Spielchen gibt, drehen die durch. Ich kann das verstehen. Wir Autonomen sind nicht dumm. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre 35 Jahre, hätte zwei Kinder, wäre mit 18 zur Polizei gegangen und würde nach 19 Stunden Dienst Vermummte sehen, dann würde ich auch durchdrehen. Die werden aufgeputscht und denken, wir wären demokratiefeindlich. Wir sind aber nicht wie Baader-Meinhof, die meinen, Bullen müssten erschossen werden. Vielleicht fehlt der Dialog auf beiden Seiten. (lacht)
Was heißt das für die nächsten Tage?
Heiligendamm ist noch mal eine ganz andere Stufe. Da wird es bei den Straßenblockaden schon zu Auseinandersetzungen kommen. Eben weil es keinen Dialog und kein Vertrauen gibt.
Aus: "Schwarzer Block sichert die Demo" taz vom 5.6.2007, S. III, 106 Z. Interview: BARBARA BOLLWAHN Quelle: http://www.taz.de/dx/2007/06/05/a0126.1/text
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« Reply #65 on: June 17, 2007, 01:18:07 PM » |
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[...] Ein Polizist hat sechs Jahre lang «aus Solidarität mit seinen Kollegen» gelogen und Übergriffe auf G8-Gegner in Genua geleugnet. Opfer war unter anderem ein wehrloses Mädchen in einer Blutlache.
Sechs Jahre nach blutigen Zusammenstößen am Rande des G8-Gipfels in Genua hat erstmals ein hoher Polizeioffizier schwere Übergriffe der Sicherheitskräfte eingeräumt. «Vier Polizisten schlugen auf ein Mädchen mit einer Platzwunde am Kopf ein, die bereits in einer Blutlache auf dem Boden lag», sagte der Ex-Polizei- Kommandeur Michelangelo Fournier bei einem Prozess in Genua.
Es habe sich um eine «Metzelei» gehandelt, sagte er nach Angaben italienischer Zeitungen vom Donnerstag. Er habe sechs Jahre lang «aus Solidarität mit seinen Kollegen» gelogen und die Übergriffe geleugnet.
Bei dem Prozess gegen 29 Sicherheitskräfte geht es um eine Razzia in einer Schule, in der Globalisierungskritiker damals übernachteten. Laut Staatsanwaltschaft haben die Einsatzkräfte Dutzende Menschen verprügelt und teilweise schwer verletzt.
Aus: "«Metzelei» bei G8-Gipfel in Genua gestanden" (14. Jun. 2007) Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/673143.html
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« Reply #66 on: June 22, 2007, 10:07:03 AM » |
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[...] Das Gehirn reagiert auf die Reizüberflutung auf seine Weise. Der Münchner Neuropsychologe Henner Ertel macht mit seinem Institut für rationelle Psychologie seit dreißig Jahren Langzeitstudien über den Einfluss von Pornografie- und Gewaltdarstellungen . Seine Erkenntnis: «Das Gehirn passt seine Verarbeitungsstrategien an und schützt sich gegen die Flut von Gewalt und Pornografie durch Abstumpfung.» Er schlug im Frühjahr 2007 Alarm: «Emotionale Intelligenz und Empathiefähigkeit haben bei den Jugendlichen enorm abgenommen.» Ertel warnt eindringlich, dass Gewalt heute ein legitimes Mittel sei, Ansprüche durchzusetzen: «Was da auf unsere Gesellschaft zukommt, ist das Grauen.» Generation YouTube Die Jugendlichen und Kid's sind immer ein Abbild unserer Gesellschaft. Wir leben Ihnen ja tagtäglich Gewalt und Rücksichtslosigkeit vor! Unsere Grundwerte verrohen immer mehr, da muss man sich nicht wundern, wenn Sie auch so leben und handeln. von: Michel von Rotz am: 14.06.2007 09:54
Erziehung Wer über die heutigen Jugendlichen meckert, hat wohl vergessen wer sie gross gezogen hat. Es gibt keine Grenzen mehr, Eltern scheren sich einen Dreck, ein Kind verkommt zu einem Statussymbol und die Verantwortung welche man dabei übernehmen sollte wird auf Medien oder alle anderen geschoben.
keine Zeit mehr,für alles wir sollten arbeiten,partnerschaften aufrechterhalten, kinder erziehen,uns weiterbilden..dies zu unflexiblen zeiten (arbeiten,weiterbilden, leute kennelernen 8-17uhr,kinder 17- 22uhr),es reicht halt nicht für alles...und das ist das traurige resultat... von: Dominik am: 14.06.2007 11:42
Nicht doch! Ich bin zwar nicht mehr im schulpflichtigen Alter, aber ich beobachte diese Entwicklung mit Vergnügen. Und ich wette, dass mehr als die Hälfte der "Oh nein, die Welt wird untergehn"-Typen sich selbst schon beim schmunzeln über solche Videos erwischt hat. Ein bisschen Spass muss doch sein. von: Lagos am: 14.06.2007 11:46
selbst noch schüler TEIL 1 Also ich bin selbst noch schüler (17jahre) und finde, dass man den eltern nur einen teil der schuld geben kann, sicher haben die den kindern was falsch oder gar ned beigebrachr aber: IM ALTER VON 14-... SOLLTE MÄN FÄHIG SEIN SELBSTÄNDIK ZU DENKEN UND WENN EINER AUCH NUR DAS KLEINSTE BISSCHEN HAT, SO SOLLTE DER DOCH FÄHIG SEIN ZU MERKEN, WIE BESCHEUERT DIE SACHE MIT DEM DUMM ANFICKEN UND DEN PRÜGELN IST. WENN JEMAND JEMAND ANDEREN DUMM ANMACHT ODER SCHLÄGT, SO IST DER SCHLÄGER EINFACH NUR SAU DUMM UND HAT EINE STÖRUNG UND EINEN KOMPLEX. DA HILFT AUCH GUTE ERZIEHUNG NICHTS MEHR!!!!!!!!!!!!!!!!
von: unwichtig am: 14.06.2007 11:48
TV Was ist mit den Nachrichten? Die zeigen tote,verletzte,....etc... viel schlimmeres... wird das auch verboten? von: Hanswaheiri am: 14.06.2007 12:18
hm lasst doch youtube in ruhe 20min... Gewaltvideos bekommst du auch auf 1000 anderen video upload webseiten. von: hm am: 14.06.2007 12:40
leute habt ihr mal überlegt wie viele jugendliche es gibt? hat es zu eurer zeit kein schwarzen schaafe gegeben? es gibt au noch die normalen jugendlichen! nur gab es zu eurer zeit kein internet und keine handys! deswegen sind wir nicht schlecht! we are the future ob es euch passt oder nicht!! von: student am: 14.06.2007 12:53
I love it Also ich finde Youtube supper ! Es stimmt gar nicht das es eine Menge Gewaltvideos hat! Es hat welche aber wenn man vergleicht wie viele Filme es auf Youtube gibt ist nur ein kleiner Teil mit Gewaltvideos. von: Super am: 14.06.2007 12:54
es muss so kommen Die Geister die wir riefen werden wir nicht mehr los. Wir haben die alten Werte abgeschafft, daher werden neue geschaffen. Toleranz, Frieden, Entschuldigen, Diskussion, all das gilt nicht mehr. Bleibt zu hoffen, dass die nächste Generation wieder alles über den Haufen wirft. Hoffen ist noch erlaubt. von: h aus s am: 14.06.2007 12:56
Etwas geändert! Etwas zu früher hat sich doch geändert: Durch die Technologie kann man heute sowas auf den Handy aufnehmen. Aber sonst hat sich gar nichts geändert. Geprügelt haben sich die Leute früher auch. von: Beni am: 14.06.2007 13:12
Liebe Patricia Wein doch nicht. Nur weil sich Jugendliche prügeln und dies filmen, ist das noch kein Grund zur Panik. Ich bin 23. Mit 17 baute ich auch Scheisse, die ich heute nicht mehr tun würde. Die Schweizer (ich bin auch einer) konnten schon immer gut den Teufel an die Wand malen. von: Lagos am: 14.06.2007 13:23
hört auf zu jamern ach leute hört auf zu jamern! ihr "erwachsenen" die hier kommentare schreibt wart sicher immer schön brav! sucht die schuld bei euch, wenn ihr nicht wisst wie man kinder erzieht! und handys haber absolut NICHTS mit gewalt zu tun! von: sany am: 14.06.2007 13:58
und ihr seid selbst Täter... Was Quoten und Leser bringt, egal wie verwerflich es ist: 20Minuten ist dabei. YouTube und all die Deppen, die solche Filmchen drehen, danken der Redaktion für die Geilmache auf ihrer Seite. von: Steffu am: 14.06.2007 14:14
Stand up for your rights! Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Möglichkeiten, die neue Techniken ermöglichen, muss vorgelebt und den jugendlichen auch beigebracht werden. Bei Prügeleien darf man nicht wegschauen, sondern muss den/die Angreifer radikal stoppen. von: Dr. Jones am: 16.06.2007 11:44
Was wenn die Erwachsen sind? Ich frag mich immer ob solche Junge Leute überhaupt noch erwachsen werden können. Oder ob sie sich mit 30 immer noch so benehmen. Ich kenne Leute aus meiner Schulzeit die 25 sind und es immer noch nicht begriffen haben. Wenn das so weiter geht kommt ja ein heiteres Zeitalter auf uns zu. von: Daniel Bachofen am: 18.06.2007 11:58
Am Verblöden Ein weiterer Beweis dass die Menschheit am verblöden ist. Dank all dem modernen Hitec fallen uns immer mehr Blösinn ein. Anstatt die Vorteile unserer modernen Welt zu nutzen und dankbar zu sein dafür. Die Natur des Menschen wird dafür sorgen dass er sich selbst ausrottet. von: Balz Nöthiger am: 18.06.2007 12:03
Ich bin Jahrgang 1978 Klar hat es mal Schlägereien gegeben, aber einfach so aus lauter Langweile zu prügeln, dass gibt es nur bei der heutigen Jugend. Die werden zu wenig gefordert und haben viel zu viel Freizeit! Ich sehe für diese Jugendliche eh keine Zukunft, aber wir werden für diese Deppen bezahlen müssen! von: Daniel am: 18.06.2007 12:19
rumgeuheule wieso heulen hier alle so rum, wenns euch nicht passt dann unternehmt was... aber eben.. nur tote fische schwimmen mit dem strom... von: Senor Canardo am: 18.06.2007 12:44
Jugendliche = Spiegel unserer Gesellscha Kalte Gesellschaft; Gewaltgeile Gesellschaft; Wertelose Gesellschaft; Gesellschaft ohne Ethik; Wegwerf Gesellschaft; Konsumgesellschaft; Raub-Kapitalistische-Gesellschaft; Geldgeile Gesellschaft etc. = Jugendliche, welche die Gesellschaft verdient von: Stefan am: 18.06.2007 12:45
HEUCHLER!! Ihr sagt wer solche Filme schaut ist pervers, krank und genau wie die Täter... Aber ihr Heuchler schaut euch jeden Abend die Tagesschau an und werdet zeugen von viel mehr Mord und Gewalt. Euch interessiert nur was euch die MEdien auftischen. Gäbs kein Artikel über Gewalt gäbs keine Diskussion. Tstst von: Senor am: 18.06.2007 12:51
heuchler Wie Senor schon sagt, ihr seht euch die gewalt täglich am tv an... ich denke was euch - die schweiz, so aufregt ist nur das ihr nun gewalt aus dem eigenen, ach so perfektem, Staat zu Gesicht bekommt.. wenn's in afrika passiert unternimmt ja auch keiner was, wieso also hier....?? von: hephron am: 18.06.2007 13:16
@babaa ja perfekt, site schliessen, probleme nicht mehr sehen, probleme gelöst..... seit doch froh gibt es youtube !! nur weil es niemand filmt heisst es nicht das es nicht passiert. geht doch und lebt im wald wenn ihr eine gesellschaft ganz ohne gewalt wollt..... von: hephron am: 18.06.2007 13:24
@Beda Baumgartner Ich gehe mit dir einig. Du hast aber die wichtigste aller Parteien vergessen: Die Eltern. Dort liegt der Grund aller Probleme. Eigentlich sollten vielen Eltern verboten werden Kinder zu bekommen, dazu zähle ich mich im Fall auch. Unteranderem deshalb will ich auch keine Kinder! von: Daniel am: 18.06.2007 13:51
viele Faktoren Es wirken viele Faktoren wie mangelde Erziehung, schlechte Bildung, übermässiger Alkoholkonsum, Langeweile und natürlich die fehlende berufliche Perskeptive zusammen. man darf nicht die ganze Schuld auf die Medien oder die Musik schieben. von: olde_Duke am: 18.06.2007 14:02
krank - wir sind nun die polizei ich übe seit jahren z.G. Kampfsport aus und sehe wirklich nicht gefährlich aus.Wurde auch einmal angeprügelt,konnte mich aber wehren.ich habe da kein problem,einem 15jährigen die zähne auszuschlagen,nicht mehr,seit ich weiss,dass ich sonst schwer verletzt oder tot bin.jeder ist sein eigener Polizist von: Mir (20) am: 18.06.2007 14:09
Einstellung Mich nimmt es Wunder, ob diese Jugendliche bereits selber Opfer von Straftaten geworden sind. Ebenfalls wissen sie wohl nicht, wie es sich anfühlt, wenn man grundlos Opfer von unerlaubten Handlungen wird. Evtl. würden sie erst nach dem sie selber Opfer geworden sind, ihre Einstellung ändern. von: Lisa am: 18.06.2007 14:29
GEWALT Unsere Gesellschaft wird ständig durch die Medien mit Grausamkeit konfrontiert, die sich in jedem Individuum zu Zeiten regt, ohne gerade ausgelassen werden zu können: Kein Wunder das die Jugendlichen es total cool finden Menschen zu quälen als Wollust empfinden. von: Andy Iliadis am: 18.06.2007 14:48
Schaulustig Naja... Schaulustig war der Mensch schon immer , pervers anscheinend auch. Früher Gabs gladiatoren , Illegale Boxkämpfe Hahnen Kämpfe Hundekämpfe etc. Nur Heute Gibts die möglichkeit sich alles bequem von zuhause anzuschauen. von: Marc Segmüller am: 18.06.2007 14:57
@hofi Diese kaputte Welt besteht aber schon seit tausenden Jahren, folglich hätte niemand mehr Kinder zeugen dürfen und wir wären schon längst ausgestorben. Ich habe drei Kinder und es werden wohl noch mehr. Aber ich erziehe sie mit Liebe und Grenzen. von: kingskid am: 18.06.2007 15:16
Vermutlich nur der anfang Das ganze wird sich vermutlich noch mehr steigern. Wann tauchen den die ersten Videos von vergewaltigungen, gelegten Feuern, autounfällen duch manipulation usw? Es würde mich nicht erstaunen. von: Meine bedenken am: 18.06.2007 15:49
gesellschaft das ist nur ein kleiner schlimmer teil der wiederspiegelung unserer gesellschaft. und das beste mittel dagegen ist selbserziehung, wenn durch nur manche mal ihr gehirn eischalten würden. ?!? von: flavio am: 18.06.2007 17:03
Kritik an der Story @20min Ihr solltet besser das Problem happy slapping in der Schweiz richtig angehen anstatt euch auf diese bescheuerten Videos zu konzentrieren !! Solche Videos kann sich jeder Vollidiot aus dem Internet ziehen. Schreibt besser mal was Sache ist, damit es auch die dümmsten Politiker kapieren. von: Kritik an der Story am: 18.06.2007 17:55
das ist alles scheisse.......... ich bin nun 19 jahre alt........und sichtlich entäuscht von dieser welt.......es ist zum kotzen.......da traff ich doch wirklich mal ein 11jähriger der mier STOLZ seine pornos auf seinem handy zeigte......es ist einfach krank und fertig......klar ich bin auch nicht der liebste engel aber das...tsets von: DON VITO am: 18.06.2007 22:44
Basta Hört doch auf das ganze zwischen Schule, Hiphop und Erziehung herumzuschieben!! Mit 10 ist ein Kind schon intelligent genug um zu verstehen, dass Gewalt weh tut. Die die's trotzdem bringen sind einfach zu dumm und müssen das Leben halt auf die harte Weise spüren, denn es kommt alles zurück... von: Dave am: 19.06.2007 11:08
keine lust mehr vor ein paar monaten wurde ich von 15 jugendliche angegriffen mit messer stock schirm usw. bin 18 jahre alt und ich war mit 3 freunden unterwegs meine freunden wurden aufgehalten und ich wurde zusammengeschlagen und es hat nichts mit handy videos zu tun, gewalt hat deutlich zugenommen :( von: Gewalt am: 19.06.2007 11:11
dito Ich stimme "eine lust mehr" absolut zu. Die Gewalt - vor allem die sinnlose Gewalt - hat in letzter Zeit enorm zugenommen und mir scheint es als ob die Polizei dem auch nicht gewachsen sei. Freunde von mir wurden vor nicht allzulanger Zeit auch brutal niedergeschlagen - aus Langeweile der Täter von: richtig so am: 19.06.2007 11:40
es gibt wohl doch noch Leute die das richtig sehen. Was will man von Kindern erwarten, dessen Eltern einem vor den Fernseher oder Computer setzt, weil diese keine Zeit für die Erziehung aufwenden können/wollen... wie wärs mit einer Geburtsgenehmigung vom Staat erteilt? Oder vorab ein Erziehungsdiplom? :-) von: soko am: 19.06.2007 11:55
zu viel lärm um nichts es gab unter jugendlichen schon immer prügeleien und es wird es immer geben,mehr sorgen sollten uns die biederen normalos machen..die sich heimlich kinderpornografie anschauen und über die man wirklich mehr schreiben und sich empören sollte aber anscheinend ist das in der schweiz ein kavaliersdelikt von: omar am: 19.06.2007 11:59
Dummheit als Dauerproblem Gewalt hat es an den Schulen schon früher gegeben, musste es selber am eigenen Leib erfahren. Vom Vater war keine Hilfe zu erwarten, der prügelte nämlich auch mehr als seine Hirnzellen zu gebrauchen. Hat mit Alkohol kräftig nachgeholfen um noch ganz zu verblöden von: inkognito am: 19.06.2007 12:58
zeiten ändern sich welcome to the year 2007 von: sijdan am: 19.06.2007 13:21
Das Schwarz-Peter-Spiel bringt nichts. Das beherrschen die Politiker eh besser ;-) Alle, ob nun Eltern, Lehrer, Politiker, Schulkollegen, Polizei etc., können IHREN Teil dazu beitragen damit sich die Situation bessert. Solange jeder die Schuld beim andern sucht, ändert sich gar nichts. von: kingskid am: 19.06.2007 14:08
Und wem haben wir das zu verdanken?? Seit 20 Jahren predigen die linken antiautoritäre Erziehung. Voilà - die Bemühungen der Sozis beginnen nun Früchte zu tragen!!! von: Tom am: 14.06.2007 13:38
schon lustig, es wird mal wieder über antiautoritäre (=linke?) Erziehung und Ausländer gemotzt. Darin seid Ihr alle sehr gut. Das Problem ist nur, dass gerade bei den "schlimmsten" Ausländern (in euren Worten: Jugos) meist patriarchale Strukturen vorherrschen. Nix antiautoritär. Blödheit siegt. von: daNi am: 19.06.2007 14:01
YouTube noch harmlos Ach YouTube ist doch harmlos, da gibts extremere Portale, aber die müsst ihr schon selber finden. Dort gibts zahllose Vids von Irak/Afgahnistan/Blutigen Unfällen etc. etc... YouTube löscht doch einen Grossteil von dieser Art Videos, man kanns auch übertreiben mit der Teufelmalerei ;) von: roach am: 14.06.2007 14:02
@Snoop Wenn du dich unterhältst mit einem Video in dem unschuldige Menschen gequält werden dann bist du kein Stück besser als die Täter. Deine Toleranzansicht ist so pervers wie die Videos von: Edward am: 14.06.2007 15:28
Quatsch So eine Quatsch. Als ob Spiele die psyche so schwer beeinflussen. Erst neulich gab es eine Doku einer Studie, die besagt, dass man NICHT gewalttätiger wird, wenn man virtuelle Leute tötet. Ich selber spiele solche Spiele und bin nie als Schläger, Unruhestifter oder so gemeldet worden. von: Quatsch am: 21.06.2007 17:41
Aus: "«Das Gehirn verlernt das Mitleid»" (Akt. 21.06.07; 14:49 Pub. 11.06.07; 17:01) Quelle: http://www.20min.ch/digital/youtube/story/13172916
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« Reply #67 on: June 26, 2007, 10:31:13 AM » |
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[...] Der Gewaltbegriff begegnet uns im Grundgesetz. In der Präambel wird er dem Volk zugeordnet: »In seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen (...) hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.« In Artikel 1 heißt es dann: »Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.«
Dem Begriff Gewalt wohnen zwei voneinander getrennte Teilbegriffe inne. Sie lassen sich anhand der lateinischen Wörter potentia, potestas und dicio einerseits sowie vis und violentia andererseits verdeutlichen.
Während potentia, potestas und dicio Gewalt im Sinne von Herrschaft und Macht bedeuten, drücken vis und seine Steigerung violentia Kraft und Stärke bis hin zu roher, körperlicher Gewalt, ja, bis hin zum Faustrecht aus. Letzteres ist ein Gewaltbegriff, der jenseits von Rechtstaatlichkeit und Menschenwürde angesiedelt ist, hingegen leitet sich der Gewaltbegriff im Sinne von potentia, potestas und dicio aus der Übertragung, dem Auftrag, der Verantwortung ab.
potentia und potestas enthalten das Verb posse, es bedeutet fähig sein, mächtig sein, kundig sein. Das Substantiv potentia legt das Gewicht mehr auf politische Macht, während das Substantiv potestas den Akzent auf politische Herrschaft setzt.
Auch im Deutschen zeigt sich diese Zweiteilung der Bedeutung von Gewalt in unterschiedlichen Bereichen. Allen mit Gewalt verwandten Begriffen ist das Verb walten als sprachlicher Ursprung gemeinsam. walten bedeutet stark sein oder beherrschen (ahd. waltan, mhd. walten, schwed. valla, lat. valere, russ. vladet).
Daran knüpfen sich unterschiedlich gefärbte Gewaltbegriffe, die teils diesseits, teils jenseits von Barrikaden oder Sicherheitszäunen stehen. Das Spektrum geht aus von walten, über verwalten, bewältigen bis zu überwältigen und vergewaltigen.
Auf der substantivischen Ebene stellt es sich so dar: Der (demokratischen, politischen, staatlichen, höheren, himmlischen) Gewalt oder der Gewaltenteilung, Sachwaltung, Verwaltung, Bewältigung stehen (körperliche, verbrecherische) Gewalt, Überwältigung, Gewaltherrschaft, Gewaltanwendung, Gewaltsamkeit, Gewalttätigkeit, Vergewaltigung gegenüber.
Daraus geht hervor, wie schillernd und präzisierungsbedürftig der Gewaltbegriff in seinem jeweiligen Kontext ist. Eine negative Färbung ist nicht von vorneherein gegeben, was sich an den Verwendungen »verfassungsgebende Gewalt« und »staatliche Gewalt« verdeutlicht.
Kommt es zur Konfrontation zwischen der Exekutive, der ausführenden Staatsgewalt, und gewalttätigen Staatsbürgern, dann ist die Staatsgewalt mehrfach gefordert: Zum einen hat sie Gewalttätigkeiten zu verhindern oder zu beenden, zum anderen hat sie dabei ihrerseits Mittel einzusetzen, die angemessen sind. Deeskalation speist sich aus Kommunikation und Kompromiss.
Aus: "Gewalt und Gewalttätigkeit: Das doppelte Antlitz der Gewalt" Von Gunhild Simon (19. Juni 2007) Quelle: http://www.magazin.institut1.de/676_Das_doppelte_Antlitz_der_Gewalt.html
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« Reply #68 on: June 30, 2007, 10:31:34 AM » |
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[...] Der junge Mann sucht Streit und findet ihn auf dem Hof der Röntgen-Oberschule im Berliner Problembezirk Neukölln. Seine Freundin will er dort zur Rede stellen. Ein Lehrer greift ein, der Jugendliche schlägt zu. So heftig, dass der Lehrer zu Boden geht.
Kurze Zeit später, wieder eine Schule in Neukölln. Ein 15-jähriger Schüler wird von einem 13-jährigen Mitschüler verprügelt. Später bedrohen ihn ältere Freunde des 13-Jährigen, die nicht auf dessen Schule gehen.
Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hält solche Vorfälle für traurigen Alltag an den 70 Schulen in seinem Bezirk. "Wir können die Sicherheit für Schüler und Lehrer an unseren Schulen nicht mehr gewährleisten“, sagt er. Seine Lösung: Private Wachleute an die Schulen. Das Konzept stellte er heute im Rathaus Neukölln vor.
Das Problem ist nach seiner Ansicht die zunehmende Gewalt, die von außen in die Schulen getragen wird. Im Schuljahr 2005/2006 wurden noch 26 Fälle registriert, bei denen zum Teil "die Fäuste flogen“, wie Bezirksschulrat Wolfgang Schimmang die Lage schilderte. Im laufenden Schuljahr sind es bereits 27 Fälle. Und das Schuljahr ist in Berlin noch nicht vorbei.
Künftig sollen Wachleute "schulfremde Personen“ freundlich aber bestimmt vom Gelände komplimentieren. Das kann auch Eltern treffen, die in Neukölln einen zuweilen rüden Umgangston pflegen.
Schimmang schilderte einen Fall, der ihm vor wenigen Tagen gemeldet wurde. Zwei Eltern beschwerten sich bei der Schulleiterin darüber, dass ihr Kind nicht versetzt werden sollte. Sie bezeichneten die Schule als "Scheißschule“. Die Schulleiterin hakte nach, was damit gemeint sei. Antwort: "Lass dich mal durchficken, du dumme Fotze.“
An derartige verbale Attacken hätten sich die meisten Lehrerinnen und Lehrer inzwischen gewöhnt, sagte Bürgermeister Buschkowsky. "Wir sind es aber nicht gewöhnt, dass sich Lehrer auf dem Schulhof zusammenschlagen lassen müssen“.
Von den jeweils sechs Haupt-, Realschulen und Gymnasien gaben nach einer internen Umfrage der Bezirksverwaltung 17 Schulleiter an, sofort einen Wachdienst an ihre Schule zu beordern, wenn es die Möglichkeit gäbe.
Ab spätestens Oktober sollen die ersten Sicherheitsmänner an ausgewählten Schulen in Neukölln für Sicherheit und Ordnung sorgen. Der Plan: Die Schulen beschließen intern, dass sie eine Sicherheitskraft benötigen. "Und wir garantieren, dass die Schule Hilfe bekommt“, verspricht Buschkowsky.
Allerdings nicht für alle Ewigkeit. Bewilligt werden sollen die Wachleute zunächst für ein Schuljahr. Privates Aufsichtspersonal an Schulen gibt es bisher nur an wenigen Schulen in Rheinland-Pfalz und an jüdischen Schulen.
Die Sache hat allerdings einen erheblichen Haken: Der Bezirk hat dafür gar kein Geld. Die Summe dürfte in einem niedrigen siebenstelligen Bereich liegen, die der Bezirk für das Wachpersonal aufbringen müsste. Zugleich aber ist der Bezirk einem erheblichen Spardruck ausgesetzt.
Im kommenden Jahr stehen nach derzeitigem Stand rund acht Millionen Euro weniger zur Verfügung.
Vom Land Berlin kann Buschkowsky keine Hilfe erwarten. Die SPD-Freunde reagieren äußerst zurückhaltend bis skeptisch auf seinen Wachleute-Vorstoß. Bildungssenator Jürgen Zöllner hat sich bisher gar nicht zu dem Vorschlag geäußert. Buschkowsky ist unter den Genossen in Berlin als “Law-and-Order-Mann“ verschrien.
Von der desolaten Finanzlage will Buschkowsky nichts wissen. Hier gehe es um die Frage der Prioritäten, sagte er. "Wir sind finster entschlossen, das durchzusetzen.“ Zur Not müssten eben woanders Opfer gebracht werden.
Das ist auch ohne Wachleute schon nötig. Erst kürzlich wurde das bezirkseigene Schullandheim verkauft, in das viele Schülerinnen und Schüler aus Neukölln zu extrem günstigen Konditionen ihre Klassenfahrten unternahmen. Damit spart der Bezirk 400.000 Euro im Jahr.
Eingespart wurde auch der Bibliotheksbus. Nicht weil er nicht angenommen worden wäre. Es war schlicht kein Geld mehr für den Unterhalt da.
Aus: "Wir können Sicherheit nicht mehr garantieren" Von Thorsten Denkler, Berlin (29.06.2007) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/201/121045/
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« Reply #69 on: July 03, 2007, 09:43:35 AM » |
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[...] "Ich habe nichts zu sagen", war die Standardformel des damals 73-jährigen Barbie vor Gericht. Wie ein grinsender Automat wiederholte der ehemalige Lyoner Gestapo-Chef diese Worte, wenn ihn der Präsident der Kammer ansprach.
Die Prozessbeobachter sahen einen kleinen, schmalen, unauffälligen Mann mit scharfem Profil und blitzenden Augen, "eisig" nannte ein Zeuge sie. Jemanden, der im Krieg bloß seine "Arbeit" gemacht haben wollte. SPIEGEL-Reporter Gerhard Mauz, der das Verfahren begleitete, erkannte nicht nur in dieser Einlassung des Angeklagten die "Banalität der Blödheit", die zu allem bereit sei, wenn sie nur gefordert werde.
Klaus Barbie, geboren 1913 als Sohn eines Lehrers, war im besetzten Frankreich zu einem der willfährigsten Vollstrecker der NS-Vernichtungspolitik aufgestiegen. Von 1942 bis 1944 befehligte er als Leiter der Abteilung IV des Sicherheitsdienstes die Lyoner Außenstelle der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). "Ich bin gekommen, um zu töten", soll Barbie gesagt haben, als er das Kommando übernahm.
Während dieser 21 schrecklichen Monate wurden in der Stadt 14.311 Verhaftungen, 7591 Deportationen und 4342 Hinrichtungen vorgenommen. Tausende Männer, Frauen und Kinder soll Barbie gefoltert, in Vernichtungslager verschickt oder gleich selbst getötet haben. Sicher ist: Auf seinen Befehl hin überfielen Bewaffnete am 6. April 1944 ein Heim jüdischer Kinder in Izieu. 41 Verschleppte im Alter zwischen 3 und 13 Jahren starben wenig später in den Gaskammern von Auschwitz.
Überlebende erinnerten sich an Barbie als sadistischen Henkersknecht. Lisa Lesevre, die im Krieg dem Widerstand gegen die Besatzungsmacht angehört hatte und vor Gericht als Zeugin auftrat, war Barbie im März 1944 in die Hände gefallen. Damals war sie 43, verheiratet, zweifache Mutter. "Barbie ist ein wildes Tier", sagte sie vor dem Beginn des Prozesses 1987 dem SPIEGEL-Reporter Peter Schille - und wählte dabei ganz bewusst die Gegenwartsform.
Barbie habe sie 19 Tage lang verhört und gefoltert. "Wenn er keine Lust mehr hatte, schaute er zu, wie seine Büttel mich folterten", sagte die damals 86-jährige Lesevre. "Barbie war sehr, sehr grausam. Er war verrückt. (...) Es machte ihm Spaß, Menschen zu quälen." Er habe sie mit einer Peitsche malträtiert, an deren Ende sich eine Bleikugel befand. Er habe sie in eiskaltes Wasser gedrückt, minutenlang, sodass sie zu ertrinken glaubte. Er habe sie mit einer Knute geprügelt, einer stacheligen Eisenkugel an einer langen Kette. Barbie wollte, dass Lisa Lesevre den Namen eines Résistance-Anführers preisgab. Doch sie schwieg beharrlich. Sie erinnerte sich: "Ich fühlte mich wie lebendig begraben."
Kaum vorstellbar, welche Grausamkeiten sich in der Suite 68 im zweiten Stock des Lyoner Hotel Terminus abgespielt haben, in dem sich Barbie eingenistet hatte. Von "Orgien unsäglich scheußlicher Gemeinheiten" berichtete Barbies Biograph Tom Bower. SPIEGEL-Autor Heinz Höhne beschrieb "schauerliche Szenen": "Nackte Frauen, die bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt und dann von Hunden sexuell missbraucht wurden, katholische Pfarrer, die Barbie mit Elektroschocks quälte und an den Füßen aufhängen ließ, bis ihnen das Blut aus Mund, Nase und Ohren schoss, Kinder, die er Tag für Tag prügelte und hungern ließ."
Wer tut so etwas? Wer war dieser Klaus Barbie, der zu solch furchtbaren Taten bereit und fähig war? Dieser Barbie, der alles andere als ein Vordenker oder eine Führungsfigur des NS-Unrechtsregimes war, sondern nur ein besonders brutaler und fanatischer Handlanger. Einer von Abertausenden, derer man sich allenfalls ihrer Unmenschlichkeit wegen zu erinnern zwingt.
Aufgewachsen in der Eifel als Sohn eines tyrannischen und trinkenden Volksschullehrers, fiel der junge Barbie vor allem durch großen religiösen Eifer auf. Auf dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier galt der sprachbegabte Blondschopf als einer der eifrigsten Katholiken. Doch der Traum von der Akademiker- oder Klerikerkarriere zerplatzte jäh, als der Vater 1933 starb. Ohne Versorger stand die Familie plötzlich vor dem Nichts.
Er hatte gerade knapp die Abiturprüfungen bestanden, da näherte sich der beschäftigungslose Barbie über den Reichsarbeitsdienst der NSDAP. Er trat dem Jungvolk bei und erledigte Botengänge für die Partei. Der Trierer Ortsgruppenleiter brachte ihn schließlich in der lokalen Dienststelle des Sicherheitsdienstes (SD) des Reichsführers-SS unter. Barbie war angekommen in Heinrich Himmlers skrupelloser Spitzeltruppe.
Man kann nicht behaupten, Barbie habe dort eine besonders steile Karriere gemacht - trotz seines Eifers und Ehrgeizes. Er brachte es in den knapp zehn Jahren beim SD nur zum SS-Hauptsturmführer, was in der Wehrmacht dem Rang eines Hauptmannes entsprochen hätte. Doch in der "großen, düsteren Stadt der Konspiration", wie der Philosoph Albert Camus Lyon einmal genannt hat, verstand er es, sich mit erbarmungsloser Brutalität, deutscher Gründlichkeit und professioneller Verschlagenheit zum führenden Widersacher des Widerstands aufzuschwingen.
Die Schwäche seiner Vorgesetzten nutzte Barbie, um sich Lyon, diese Wiege der Résistance, untertan zu machen. Am Schluss meldeten sich täglich bis zu 150 Denunzianten bei Barbies Schergen.
Sein größter Coup gelang dem SS-Mann im Juni 1943, als ihm der Résistance-Führer Jean Moulin in die Hände fiel. Tag und Nacht folterte Barbie den schmächtigen Politiker. Seinem Vorgesetzten im Pariser Hauptquartier präsentierte er schließlich auf einer Trage einen geschundenen, röchelnden Gefangenen. Das war selbst dem Gestapo-Befehlshaber zu viel. Er ließ den sterbenden Widerstandskämpfer in einem Militärzug außer Landes schmuggeln, doch noch auf der Fahrt erlag Moulin seinen schweren Verletzungen.
[...] Später, als die französischen Häscher seine Fährte aufgenommen hatten und näher kamen, als sich plötzlich auch andere alliierte Polizisten für ihn interessierten, da ließ Barbie seine alten Verbindungen spielen und diente sich dem Counter Intelligence Corps (CIC) an, der Abwehrpolizei der US-Armee. Im Frühjahr 1947 machte es der heraufziehende Kalte Krieg nicht wenigen Alt-Nazis möglich, unter der Decke des Anti-Kommunismus zu ihrem früheren Feind, den USA, ins Bett zu schlüpfen. Klaus Barbie war einer von ihnen.
[...] In Bayern baute der frühere SD-Mann für seine neuen Herren ein Spitzelnetz auf, das kommunistische Organisationen, Gewerkschaften und Parteien unterwanderte sowie die französischen und sowjetischen Geheimagenten im Auge behielt. Seine naiven Vorgesetzten zeigten sich "beeindruckt von dieser Redlichkeit und Aufrichtigkeit" und hielten ihn für den "zuverlässigsten Informanten".
Erst als die französische Presse 1949 Barbies Schreckenstaten öffentlich machte, mussten die Amerikaner der Wahrheit ins Auge blicken, dass sie jahrelang einen mutmaßlichen Kriegsverbrecher beschäftigt hatten. Doch statt ihn sofort nach Frankreich auszuliefern, schafften sie ihren Geheimnisträger lieber außer Landes. Über die sogenannte "Rattenlinie", eine von katholischen Klerikern organisierte Fluchtroute, floh Barbie 1951 nach Bolivien. Ein Jahr später wurde er in Lyon in Abwesenheit zum zweiten Mal nach 1947 zum Tode verurteilt.
Mehr als 30 Jahre sollten vergehen, ehe Boliviens neue demokratische Regierung 1983 Barbie schließlich festnehmen ließ und an Frankreich auslieferte.
Dort fragte - nach schier endlosen Plädoyers der Verteidiger - der Präsident des Lyoner Gerichts den Angeklagten am letzten Verhandlungstag, ob er sich noch äußern wolle. Vielleicht hoffte der Jurist sogar auf ein Wort der Reue oder eine Entschuldigung. Die Opfer Barbies taten es sicherlich. Doch der "Schlächter von Lyon" enttäuschte sie.
Auf Französisch entgegnete er stur: "Ich habe die Razzia von Izieu nicht begangen. Ich hatte nie die Macht, über Deportationen zu entscheiden. Ich habe den Widerstand bekämpft. Das war der Krieg. Der Krieg ist vorbei. Danke."
Mehr hatte er nicht zu sagen.
Aus: "NS-VERBRECHER KLAUS BARBIE: "Ich bin gekommen, um zu töten"" Von Jörg Diehl (SPON; 02. Juli 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/0,1518,489560-2,00.htmlhttp://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Barbie-.- [....] Rattenlinien (englisch „rat lines“) waren Fluchtrouten, die das Counterintelligence Corps (CIC) des US-amerikanischen Geheimdienstes einrichtete, um Spione vor der Entdeckung zu schützen und auszuschleusen. Bekannt wurden die Rattenlinien im Zusammenhang mit der Flucht von NS- und SS-Größen nach 1945. Teilweise nahmen die US-Amerikaner die Hilfe von katholischen Geistlichen in Anspruch. Mit der "Klosterlinie", d.h. der Fluchthilfe durch v.a. italienische katholische Einrichtungen, haben die Rattenlinien nichts zu tun. Beide Phänomene werden häufig verwechselt oder als ein und dieselbe Fluchtroute angesehen.
Die Fluchtrouten führten über Italien (meist Südtirol und Rom) nach Südamerika und dort hauptsächlich nach Argentinien, aber auch in Länder Arabiens. Über diese Routen gelang es nach dem Zweiten Weltkrieg einer großen Zahl von NS-Tätern, Faschisten und Kollaborateuren aus verschiedenen europäischen Ländern, einer gerichtlichen Anklage und Bestrafung zu entgehen. Aus: "Rattenlinien" (07/2007) http://de.wikipedia.org/wiki/Rattenlinie
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« Reply #70 on: July 05, 2007, 10:35:17 AM » |
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[...] Hunderttausende Kinder in Deutschland werden nach einer Studie von ihren Eltern brutal geschlagen, misshandelt oder vernachlässigt. «Das sind mindestens 30.000 Jungen und Mädchen eines Jahrgangs», sagte der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Ulm, Jörg Fegert, der Nachrichtenagentur dpa. Dies gehe aus Zahlen einer bundesweiten Kindergesundheitsuntersuchung des Robert Koch Instituts hervor.
Aus: "Tausende Eltern misshandeln brutal ihre Kinder" (05. Jul 2007) Quelle: http://www.netzeitung.de/vermischtes/688870.html-.- [...] In Deutschland werden einer Studie zufolge Hunderttausende Kinder von ihren Eltern brutal geschlagen, misshandelt oder vernachlässigt. Nur selten dringe das Leiden der Kleinen an die Öffentlichkeit.
[...] "Frühe Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern beschränkt sich nicht auf spektakuläre Einzelfälle wie etwa im Fall "Kevin"", mahnte Fegert. Gewalt gegen Kinder sei vielmehr "eine gesellschaftliche Herausforderung".
Aus: "Studie prangert Kinderleid in Deutschland an" (dpa,Financial Times Deutschland, 07/2007) Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Studie%20Kinderleid%20Deutschland/222123.html
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« Reply #71 on: July 12, 2007, 10:44:10 AM » |
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[...] Lyon - Die toten Kinder im Alter von vier, sechs und zwölf Jahren lagen in der Badewanne, teilten Justizbehörden mit. Der 37-jährige Vater sei flüchtig, hieß es. Er lebte von der Mutter der Kinder getrennt und hatte bisweilen am Wochenende das Sorgerecht.
Als die Kinder nach dem vergangenen Wochenende nicht zur Mutter zurückkehrten, schaltete diese die Polizei ein. Die Polizisten fanden die Leichen der beiden Mädchen und des Jungen. Die Todesursache sollte mit einer Obduktion herausgefunden werden.
jjc/AFP
Aus: "SÜDFRANKREICH: Drei Kinderleichen in der Wohnung ihres Vaters entdeckt" (12. Juli 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,493964,00.html
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« Reply #72 on: July 20, 2007, 08:31:43 AM » |
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[...] In der auf allen Medienkanälen und mit unvermuteter Heftigkeit geführten Debatte um die mögliche Begnadigung des RAF-Terroristen Christian Klar ging es - daran kann kein Zweifel bestehen - um mehr und um etwas anderes als das, was vordergründig ausgesprochen und verhandelt wurde. Dass sich die Produzenten und Konsumenten von taz bis FAZ und von Pro7 bis Arte, dass sich die Grünen wie die CSU und darüber hinaus Schüler ebenso wie Pensionäre urplötzlich für nichts so sehr interessieren sollten wie für die Frage, ob ein vor mehr als zwanzig Jahren verurteilter Gewalttäter ein Jahr früher oder später aus der Haft entlassen wird, erscheint höchst unplausibel. Darum kann es gewiss nicht gegangen sein.
Der Streit drehte sich auch nicht wirklich um die Bewertung und Einordnung des historischen Phänomens Rote Armee Fraktion - es gab niemanden, der diese verirrten und radikalisierten Extremisten gerechtfertigt oder verteidigt hätte, und kaum jemanden, der nicht eingeräumt hätte, dass der Rechtsstaat in seiner Reaktion auf die extremistische Herausforderung damals seine Grenzen überschritt.
So überwiegt auch in der jetzigen Atempause, die sich die öffentliche Diskussion um die RAF vor den Jahrestagen des "Heißen Herbstes" von 1977 gerade gönnt, das Gefühl der Verwirrung und eine gewisse Ratlosigkeit: Worüber wird eigentlich gestritten? Was steht auf dem Spiel? Wieso haben so viele Menschen den Eindruck, dieses inzwischen nur noch historische Phänomen gehe sie ganz unmittelbar selbst etwas an?
Der Verdacht liegt nahe, dass hier sozialpsychologische Faktoren zum Tragen kommen, dass Ängste und Befürchtungen eine Rolle spielen, die den Streitenden selbst vielleicht gar nicht bewusst sind, dass mithin also in der Tat ihr Selbst-Verhältnis auf dem Spiel seht. Eine Spur zur Aufdeckung jener Faktoren zeigt sich vielleicht, wenn wir uns in Erinnerung rufen, was genau es denn war, das bei den zahllosen Rundfunk- und Fernsehdebatten die Gemüter in Wallung brachte und echte Empörung und Betroffenheit auslöste. Hier offenbart sich rasch und unzweifelhaft, dass es die Anwendung genuiner, physischer Gewalt war, auf die beide Seiten empfindlich und heftig reagierten.
Führen wir uns eine der zahllosen Diskussionsrunden vor Augen. Auf der einen Seite sitzen da die Becksteins und Kochs, Vertreter also eines konservativen bis autoritären Weltbildes, dessen idealtypische Repräsentanten am ehesten in der bayerischen CSU zu finden sein dürften. Ihnen stehen die Ströbeles und Peymanns gegenüber, die für eine linksalternative Gesinnung stehen, wie sie vor allem den eher fundamentalistischen Flügel der Grünen kennzeichnet. Die Rechtskonservativen zeigen sich ehrlich erschüttert über die Tatsache, dass Klar und seine Mittäter wehrlose Menschen ermordeten, dass sie Repräsentanten des Staates und - aus RAF-Sicht - des "Systems", aber auch unschuldige Zivilisten einfach umbrachten. Die Folgen auch für die Hinterbliebenen, die Frauen und Kinder, für die Verletzten scheinen ihnen so gravierend, dass an Begnadigung oder Vergebung nicht zu denken ist. Für sie kann jemand wie Klar niemals wieder ein "normaler Mensch" sein.
Dahinter scheint sich auf den ersten Blick eine klare Position zu zeigen: Die Rechtskonservativen lehnen die Anwendung von Gewalt, insbesondere die Tötung von Menschen zur Durchsetzung politischer Ziele radikal und bedingungslos ab. Schon auf den zweiten Blick offenbart sich aber, dass das nicht stimmt. Denn just diejenigen Protagonisten, deren Stimme vor Empörung und Abscheu vibriert, wenn sie an die unschuldigen Hinterbliebenen und Opfer der Terroranschläge erinnern, sind in der Regel die entschiedensten Befürworter von Militäreinsätzen im Kosovo, im Irak oder in Afghanistan, wo der Umfang der "Kollateralschäden" um ein Vielfaches höher ist und wo sich niemand um die Witwen und Waisen, die Verstümmelten und Verkrüppelten kümmert: keine Ärzte, keine Versicherungen, keine staatlichen Hilfen, keine Politiker.
Mehr noch: je rechtskonservativer die Einstellung, umso größer die Bereitschaft, den finalen Rettungsschuss, harte Polizeieinsätze oder sogar die Todesstrafe zu befürworten und die Folter in Ausnahmefällen in Erwägung zu ziehen. Der gewaltsame Tod Benno Ohnesorgs oder das Attentat auf Rudi Dutschke lösen bei den Becksteins und Kochs vielleicht Bedauern, aber niemals dieselbe Betroffenheit oder gar Empörung aus. Es ist also ganz offensichtlich nicht die Frage der Bejahung oder Verneinung von Gewalt, auch als Mittel in der politischen Auseinandersetzung, welche die Haltung der Rechtskonservativen prägt.
Und wie verhält es sich damit bei den Linksalternativen? Die Frage lässt sich rasch und eindeutig beantworten: Genauso, nur spiegelverkehrt! Die "Baader-Meinhof-Bande" bezog ihre Motivationsenergie in entscheidendem Maße aus der tiefen moralischen Empörung und Abscheu über hunderttausende unschuldiger und wehrloser Opfer, über die "Kollateralschäden" des Vietnamkriegs, für die die Bundesrepublik durchaus eine moralische und politische Mitverantwortung trug. Hinzu kam die Polizeigewalt gegen die protestierende Linke, etwa anlässlich des Schahbesuchs, deren Unverhältnismäßigkeit heute selbst von bürgerlicher Seite eingeräumt wird. Die RAF-Sympathisanten bezogen ihrerseits weitere Aktivierungsenergie auch und gerade aus der Härte der Staatsgewalt, die sich in Stammheim und in der Isolationshaft materialisierte.
Nur einen geringen Teil der Linksalternativen machte das zu Pazifisten, für die anderen galt und gilt: je linksalternativer, umso eher ist man bereit, die Gewalt von Steinewerfern und "Widerstandskämpfern" zu akzeptieren. Tatsächlich bildete, wie Klaus Theweleit in seinem Buch "Ghosts" (Frankfurt am Main, Stroemfeld, 1998) bemerkt, für die linke Generation der 1960er-Jahre ein entschiedener Pazifismus, verstanden als scharfer Antimilitarismus, nicht nur keinen Widerspruch zur Unterstützung gewaltsamer (antikolonialer) Freiheitskämpfe, sondern geradezu deren inneres Korrelat. Paradoxerweise lässt sich also sagen, sowohl Linke als auch Rechte beziehen eine so starke Motivation aus der Ablehnung von Gewalt, dass sie ihrerseits dazu bereit werden, Gewalt anzuwenden.
Was die beiden Seiten in der RAF-Debatte also trennt, ist mitnichten ihr Verhältnis zur Gewalt, und es ist auch nicht unbedingt die kognitive Einstellung gegenüber der Gewaltanwendung: Nicht nur die Pazifisten beider Lager, sondern auch ihre Mainstream-Protagonisten stimmen darin völlig überein, dass alle Opfer von Gewalt zu bedauern sind, dass das Töten von Menschen immer schrecklich ist und allenfalls als Ultima Ratio eingesetzt werden darf. Aber zwischen kognitiver Überzeugung und emotionaler, moralischer Reaktion liegt ein großer Unterschied: Die "Rechten" empfinden existenzielle Betroffenheit und wirkliche Empörung, ja ihr Blut gerät in Wallung angesichts der durch Demonstranten oder Terroristen getöteten Polizisten, während sie die getöteten Demonstranten nur "bedauern". Bei den Linken verhält es sich genau umgekehrt: Alles Uniformierte und Repräsentative ist ihnen suspekt, alles Oppositionelle begreifen sie zunächst als Identifikationsangebot. Der entscheidende Punkt, an dem sich Rechtskonservative und Linksalternative unterscheiden, ist also nicht das Ob der Gewaltanwendung, sondern das Wer.
Der geneigte Leser kann einen einfachen politischen Selbsttest hinsichtlich seiner Stellung im Rechts-links-Spektrum machen: Wen ist er auf einem Foto, das einen steinewerfenden Demonstranten einem Schlagstock bewehrten Polizisten gegenüberstellt, für das Opfer zu halten geneigt, wessen Tod wird ihn empören, wessen Sterben wird er nur bedauernd zur Kenntnis nehmen?
Was die nicht enden wollenden RAF-Debatten interessant machte, obwohl so gut wie niemals neue Argumente oder Erkenntnisse zu Tage gefördert wurden, war die Tatsache, dass sich auf beiden Seiten existenzielle Betroffenheit, aber auch tiefe Angst offenbarte. Diese Betroffenheit, so die These, die hier versuchsweise entfaltet werden soll, rührt daher, dass in jener Debatte ein Konflikt zum Ausdruck kommt, der unaufhörlich in jedem von uns und in jeder Gesellschaft tobt - ein innerpsychischer Konflikt mit sozialpsychologischen Entsprechungen.
Man muss kein großer Kenner der Psychoanalyse sein, um in Staat, Polizei und Militär die Repräsentanten des (externalisierten) Über-Ichs zu erkennen. Das Über-Ich steht in der psychoanalytischen Tradition für die Kräfte der Ordnung, der Autorität, der Gebote und Verbote, der normativen Regeln. Sein erster Repräsentant ist der Vater, sein mächtigster Repräsentant "Vater Staat". Ihm gegenüber steht das Es - die vitale Kraft der unkontrollierten und potenziell unkontrollierbaren Triebe, Instinkte und Bedürfnisse, jene Kraft, die für die Abweichung von der Norm, für das "Andere" und "Fremde", aber auch für die Erfahrung ungezügelter Lust in uns verantwortlich ist.
Nach Freuds Überzeugung müssen Es und Über-Ich im Ich zur Balance gebracht werden, doch diese ist stets prekär: Sie ist von beiden Seiten her in Gefahr, zerstört zu werden. Ein übermächtiges Über-Ich droht die vitalen und kreativen Energien zu ersticken und die Lebensfreude zu vernichten, es verursacht Neurosen; ein übermächtiges Es aber untergräbt jede Chance auf planvolles, rationales Handeln, auf die Verwirklichung moralischer Grundsätze und auf die Sicherung sozialer Ordnung.
Tatsächlich steht nach psychoanalytischer Überzeugung jeder Einzelne von uns immer wieder neu und lebenslang vor der Aufgabe, die beiden Seiten zum Ausgleich zu bringen, und tatsächlich gibt es gute Gründe, die Macht der einen wie die der anderen zu fürchten. Daraus lässt sich eine verblüffend einfache, aber erstaunlich tragfähige und Erkenntnis erschließende These formulieren: Die Rechtskonservativen fürchten sich vor dem Es, sie fürchten um die Aufrechterhaltung der Ordnung und der Moral. Deshalb ist ihnen der Einsatz der ordnenden Gewalten des Über-Ichs, der Polizei, der Justiz, des Militärs, des Staatsapparates unverdächtig und willkommen, um die "zersetzenden Elemente" und Tendenzen des Es zu bekämpfen und in Schach zu halten.
Die Linksalternativen hingegen fürchten sich vor dem Über-Ich, sie fürchten um die Vernichtung des Anderen, Fremden, Opponierenden, um die Auslöschung der kreativen Energien. Deshalb sympathisieren sie so oft und fast reflexhaft mit den "Anderen", die in Gefahr stehen, mit den Ordnungsmächten in Konflikt zu geraten - denen, die von den Rechtskonservativen geradezu als Repräsentanten des externalisierten Es interpretiert werden: mit den Schwulen, den Ausländern, den Asylanten, Drogensüchtigen, Behinderten usw.
Ebendiese beargwöhnen Rechtskonservative gewissermaßen aus tiefstem Herzen. Dass die Becksteins und Kochs und ihre Anhänger im Volke nicht eben Freunde der zuletzt genannten Gruppen sind, ergibt sich zwingend aus der These, sie fürchteten das Es und identifizierten sich mit dem externalisierten Über-Ich.
Wie sehr aus Sicht der Rechtskonservativen eine Begnadigung Klars einer Kapitulation vor dem Es gleichgekommen wäre, zeigt sich verräterisch etwa in der absurden (kontingenterweise aus dem Kreis der Jungliberalen vorgebrachten) Behauptung, mit Terroristen verhalte es sich wie mit Pädophilen: Sie seien nicht in der Lage, sich unter Kontrolle zu halten und daher stets rückfallgefährdet, weshalb man ihre Sicherungsverwahrung empfehle. Nächster Test für den Leser: Ein Polizist und ein Asylbewerber beschuldigen sich in einer Gerichtsverhandlung gegenseitig. Wem ist er oder sie geneigt, Glauben zu schenken?
Dieses so simpel scheinende Muster - Es versus Über-Ich - lässt sich auf alle möglichen innen- und außenpolitischen Konflikte übertragen, und es entwickelt eine erhellende Erklärungskraft, auch wenn es etwa darum geht, Positionen im Multikulturalismusstreit, zur Abtreibung oder der Todesstrafe zu erklären. Tatsächlich lässt es sich in der Gegenüberstellung von Abtreibung und Todesstrafe vielleicht in seiner reinsten Form identifizieren: Ein Blick etwa auf die US-amerikanische Debatte zeigt, dass die schärfsten Gegner der Todesstrafe oft die entschiedensten Befürworter liberaler Abtreibungsregelungen sind - und umgekehrt. Stets wird mit der Heiligkeit, dem Recht und der Unverfügbarkeit des Lebens argumentiert - und stets widerlegen die Protagonisten beider Debatten dieses Argument durch ihre Haltung in der jeweils anderen Debatte: Wenn den Gegnern der Todesstrafe das Leben so heilig wäre, müssten sie entschieden gegen Abtreibung eintreten - und umgekehrt, wer das Recht auf Leben in der Abtreibungsfrage geltend macht, kann es schwerlich in der Frage der Todesstrafe negieren.
Selbst diejenigen, welche sich dieses Widerspruchs bewusst geworden sind und deshalb zu einer Argumentation gefunden haben, die ihre Haltung in beiden Fragen gedanklich konsistent macht, können die emotionale Differenz in ihrer Einstellung kaum verbergen: Entweder man kämpft gegen die Abtreibung - oder man kämpft gegen die Todesstrafe, aber kaum jemand wird mit derselben psychischen Energie für oder gegen beide zu Felde ziehen. Die Erklärung ist einfach: Die Todesstrafe ist das äußerste und eindeutigste Symbol der Macht des Über-Ichs: Es tötet "eiskalt" und mit aller väterlich-staatlicher Autorität das ab, was sich ihm widersetzt, das widerstrebende Es, es straft "gerechtfertigt" und unerbittlich und setzt die Normen ein und die Ordnung durch.
Die staatliche Exekution ist nicht nur die Kastration, sondern die Tötung des Kindes durch den Vater; der gestaltgewordene Albtraum, die Verkörperung der äußersten Katastrophe für den Linksalternativen. Abtreibung dagegen ist - zumindest aus Sicht ihrer Gegner - die Folge vorhergegangener, tendenziell ungezügelter, normativ nicht geregelter sexueller Lust - und Sexualität ist das zentrale Feld der Triebenergien, derjenige Bereich, in dem und aus dem das Über-Ich durch das Es stets von Neuem infrage gestellt wird. Aus der psychischen Sicht eines Rechtskonservativen bedeutet Abtreibung daher, das Leben des werdenden Kindes, die oberste Norm, der Lust zu opfern, sie symbolisiert gewissermaßen die spiegelbildliche Gegenkatastrophe: die Tötung des Kindes durch das Es. Ein Rechtskonservativer kann hier schlichtweg nicht nachgiebig und liberal sein (selbst wenn er sich genötigt sieht, aus Opportunitätsgründen eine liberale politische Position zu vertreten).
Natürlich sind nicht alle (gewaltförmigen) Konflikte in ihrer psychoanalytischen "Polung" so ohne weiteres deutbar und offensichtlich. Oft hängt es gewissermaßen vom framing des Beobachters ab, wie er eine Gewaltanwendung deutet - das zeigt sich an der Verwirrung und Entzweiung des linksalternativen Lagers angesichts des Nahostkonflikts. Letzter Lesertest: Nehmen wir an, auf der Titelseite einer Zeitung prangt uns eine Großaufnahme von getöteten Frauen und Kindern entgegen, darunter die Schlagzeile: "Wieder Bombentote in Nahost". Es ist überhaupt keine Frage, dass wir diese Toten aufrichtig und zutiefst bedauern, gleichgültig, wer sie auf dem Gewissen hat. Aber unsere emotionale Reaktion, die Qualität unserer Empörung schwankt mit der Frage, ob es sich um Opfer eines staatlichen Militäreinsatzes oder um einen Terror- bzw. Selbstmordanschlag handelt: Linksalternative und Rechtskonservative scheiden sich tendenziell genau an dieser emotionalen Reaktion.
Indessen herrscht spätestens seit dem 11. September 2001 zumindest im linken Lager Unklarheit darüber, wer etwa im Konflikt Hamas versus Israel eigentlich das Über-Ich repräsentiert - an normativer Rigidität jedenfalls mangelt es den islamischen Fundamentalisten gewiss nicht, und wären sie erfolgreich, liefe ihre Herrschaft ohne Zweifel auf die Inthronisation eines noch viel unerbittlicheren Systems hinaus. Allerdings ist diese Über-Ich-Internalisierung aufseiten gewaltbereiter Extremisten nicht neu: Die RAF selbst war ebenso dogmatisch wie strikt hierarchisch und sogar militärisch organisiert, sie replizierte nach innen just jene Denk- und Ordnungsstrukturen, die sie nach außen zu bekämpfen suchte.
Doch zurück zur RAF und zu Christian Klar. Wem Klars Kampf galt, wird schon aus seiner Biografie überdeutlich: Sein Weg in die Radikalisierung war aufs Engste verbunden mit seinem Konflikt mit dem konservativ-strikten Vater. Dieser stand ihm nicht nur als Vater, sondern auch als Vertreter der sekundären Sozialisationsinstanz, der Schule, gegenüber. Klars Vater war Schulleiter, in ihm verdichteten sich für den Sohn die klassischen Über-Ich-Instanzen des Vaters, der Schule und des Staates in einer Person. Jene schicksalhafte Auseinandersetzung vor dem Lehrerkollegium, in der es um seinen Schulverweis als Strafe für sein Aufbegehren ging, jagte, wie kürzlich einer lesenswerten Dokumentation in der Badischen Zeitung zu entnehmen war, den anwesenden Lehrern eine Gänsehaut über den Rücken: Mitten in der Verhandlung fing Klar auf einmal an, seinen unnachgiebigen Vater zu siezen. Dem Musiklehrer soll es noch heute leidtun, dass er ihn auch aus dem Schulchor verwies und die Klavierstunden einstellte. Klar selbst soll seinen Kampf später auch als "Therapie" bezeichnet haben. Blinder Terror gegen übermächtige Über-Ich-Repräsentationen.
Vermutlich ist es kein Zufall, dass ausgerechnet ein Theater sich um Klars Wiedereingliederung verdient machen will und sich am nachdrücklichsten für ihn einsetzt, wie überhaupt die Theater großes Interesse an der RAF (und Spuren von Empathie für sie) zeigen: Das Theater ist ebenso sehr der paradigmatische Ort des Es in der Gesellschaft - wer daran zweifelt, dem sei ein Besuch der Castorf- oder Schlingensief-Orgien an der Volksbühne empfohlen -, wie Polizei und Justiz Repräsentanten des Über-Ich sind. So gesehen ist es gerade nicht die erstaunliche Ausnahme, wenn Theater Terroristen beschäftigen wollen, während Polizei und Justiz sich immer wieder als auf dem rechten Auge blind erweisen: Die wirkliche Gefahr sind für sie Menschen, die die staatliche Ordnung infrage stellen, aber nicht jene Gewalttäter, die auf die vermeintlichen Es-Tendenzen, auf die "Anderen" (Farbigen, Behinderten, Schwulen) losgehen.
So ist es nur konsequent, dass RAF-Terroristen stets das Urteil "lebenslänglich" erhielten, auch wenn man ihnen kaum eine konkrete Tatbeteiligung, geschweige denn tatsächliche Tötungshandlungen nachweisen konnte (noch immer weiß niemand, wer Buback erschossen, wer dabei überhaupt geschossen hat), während Neonazis immer wieder mit dem Argument laufen gelassen werden, man könne ihnen in der konkreten Situation nicht nachweisen, mit welcher Wucht sie wirklich geschlagen und getreten hätten und ob gerade ihr Schlag oder Tritt tödlich gewesen sei.
Wie sollen wir mit den abweichenden, den unkontrollierbaren, den außermoralischen Es-Tendenzen umgehen? Das war vielleicht die eigentliche Frage der Debatte um Christian Klar, ihr tieferer Kern. Freud schlug die wachsende Integration der Es-Elemente in das Ich als zentrale psychische Aufgabe und Leistung vor. "Wo Es war, soll Ich werden", lautet sein zentrales Diktum, das von Cornelius Castoriadis zu Recht und durchaus in Freuds Sinn ergänzt wird durch "Wo Ich ist, soll Es auftauchen dürfen". Erst in dieser doppelten Bewegung gelingt die Balance, die es - dem Individuum wie der Gesellschaft - erlaubt, das Abweichende, Andere, Fremde, Überraschende ohne Angst und Verdrängung, aber auch ohne Verlust der normativen Orientierung wahrzunehmen und zuzulassen. Balance (oder Ich-Integration) bedeutet dann, weder die ordnungssichernde Hand des Staates noch die abweichenden Tendenzen und Strömungen, weder Es noch Über-Ich zu fürchten, aber beide in die Schranken zu weisen, wenn sie übermächtig zu werden drohen.
Ein Gnadenakt - vorgenommen vom höchsten Repräsentanten des Staates, vom "Staatsoberhaupt", dem Bundespräsidenten - ließe sich aus dieser Sicht als "Integrations- und Versöhnungsangebot" des (Über-)Ichs und im konkreten wie übertragenen Sinne auch als Versöhnung zwischen dem "verlorenen Sohn" und "Vater Staat" verstehen. Freilich bestand der Bundespräsident (und mit ihm die meisten anderen Staatsrepräsentanten und die große Mehrheit der Bevölkerung) auf vorhergehende, umfassende Reue, und das heißt: auf Unterwerfung des Es. Diese Unterwerfung, die es erlaubt hätte, die (inzwischen ungefährliche) Person des Terroristen von dem, was er repräsentiert (das externalisierte Es) zu trennen, lässt sich als notwendige Bedingung für eine gelingende Integration deuten - aber ebenso als rigide, unnachgiebige Durchsetzung des Über-Ichs. Je rigider und unnachgiebiger das Über-Ich sich aber durchsetzt, desto größer wird die Gefahr, dass der "brodelnde Kessel" überläuft, dass das Es sich in blinden, amoralischen, terroristischen Gewaltakten Geltung verschafft und das um Balance bemühte Ich torpediert.
Es mag auf den ersten Blick wie eine Aufzählung sehr heterogener Tatsachen wirken: dass 80 Prozent der Bevölkerung sich gegen eine Begnadigung Klars aussprachen, dass der Alkohol- und Rauschgiftkonsum ebenso stetig zurückgeht wie die Zahl der durch Raserei verursachten Verkehrstoten, dass der Kampf gegen das Rauchen ebenso rigoros geführt wird wie die unermüdliche kollektive Bemühung um die Steigerung des Wirtschaftswachstums und der Wettbewerbsfähigkeit - vielleicht lassen sie sich allesamt jedoch auch als Zeichen dafür lesen, dass sich das kollektive Über-Ich immer unerbittlicher durchsetzt. So gesehen ist es vielleicht kein historischer Zufall, dass Terrorgefahr und Terrorangst in unserer Gesellschaft ebenfalls stetig steigen. Das Über-Ich, so lehrt die Psychoanalyse, neigt unter solchen Umständen selbst zur Ausbildung irrationaler Tendenzen - vielleicht lassen sie sich ablesen an der bereitwilligen Aushöhlung des Rechtsstaates, an der ständigen Verschärfung des Strafrechts, an der immer weiteren Ausdehnung des Überwachungsapparats und an der Bereitschaft, selbst Folter oder Folterergebnisse zu akzeptieren.
Aus: "Verlorener Sohn und Vater Staat" (Le Monde diplomatique Nr. 8324 vom 13.7.2007, 478 Zeilen, Hartmut Rosa) - Ein Vorschlag, politische Gewalt psychoanalytisch zu deuten, Hartmut Rosa ist Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Quelle: http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/07/13.mondeText1.artikel,a0047.idx,22
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« Reply #73 on: August 01, 2007, 10:08:48 AM » |
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[...] Die Gräueltaten gingen weit über Vergewaltigungen hinaus, erklärte Ertürk nach einer elftägigen Kongo-Reise und berichtete von schockierenden Vorfällen. "Frauen werden brutal von mehreren Männern vergewaltigt, oft vor ihren Familien", erklärte die Uno-Expertin. Oft würden Männer mit vorgehaltenen Gewehren gezwungen, sich an ihren Töchtern, Müttern und Schwestern zu vergehen. Nach Vergewaltigungen würden die Frauen häufig in ihre Genitalien geschossen oder gestochen. Einige seien monatelang wie Sklaven gehalten und gezwungen worden, Exkremente oder das Fleisch ermordeter Angehöriger zu essen.
Die kongolesische Regierung und die internationale Gemeinschaft müssten angesichts der erschreckenden Lage in Süd-Kivu sofort handeln, forderte Ertürk am Montag in Genf. Seit Jahresbeginn seien bereits 4500 Fälle von sexueller Gewalt registriert worden, die tatsächliche Zahl dürfte jedoch weit höher liegen. Denn die meisten Opfer lebten in unzugänglichen Gebieten, hätten Angst, von den Übergriffen zu berichten oder hätten ihre Qualen schlicht nicht überlebt, erklärte Ertürk.
In einem Krankenhaus in Bukavu nahe der Grenze zu Ruanda werden nach ihren Angaben jährlich rund 3500 Frauen wegen schwerer Verletzungen ihrer Geschlechtsorgane behandelt, die von Gewaltverbrechen herrühren. Eine Zehnjährige habe ihr in der Panzi-Klinik erzählt, wie sie gemeinsam mit ihren Eltern verschleppt worden sei: Die Täter hätten dem Mädchen einen Stock in die Genitalien gerammt, es habe anschließend notoperiert werden müssen.
Die brutale Gewalt gegen Frauen werde in weiten Teilen der Gesellschaft des afrikanischen Landes offenbar als normal angesehen, kritisierte die Uno-Expertin. Zwar seien für die meisten Übergriffe Rebellen verantwortlich, fast ein Fünftel der registrierten Fälle gehe jedoch auf das Konto von Regierungstruppen und Polizisten. Einheiten der Streitkräfte gingen beispielsweise gezielt gegen Ortschaften vor, die der Unterstützung von Milizen verdächtigt werden. Dabei komme es zu Plünderungen, Massenvergewaltigungen und mitunter zur Ermordung von Zivilpersonen.
Einzelne Soldaten oder Polizisten "denken, sie stünden über dem Gesetz", kritisierte Ertürk. "Diese Taten sind Kriegsverbrechen und mitunter Verbrechen gegen die Menschlichkeit." In einigen Regionen reagieren Polizei und Streitkräfte den Uno-Angaben zufolge mit Gewalt auf Unruhen. Im Dezember beispielsweise hätten 70 Polizisten Rache geübt, nachdem eine Polizeiwache in der Stadt Karawa in der Provinz Equator in Brand gesetzt worden sei. Sie hätten Zivilpersonen gefoltert und mindestens 40 Frauen vergewaltigt, darunter ein elf Jahre altes Mädchen, berichtete Ertürk. Bislang sei keiner der Täter festgenommen oder beschuldigt worden, vielmehr sei es in weiteren Ortschaften zu ähnlichen Vorfällen gekommen.
Aus: "BRUTALE EXZESSE IN KONGO: Schockierende Gewalt gegen Frauen" (31. Juli 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,497476,00.html
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« Reply #74 on: August 01, 2007, 09:47:48 PM » |
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[...] Geduldig und hartnäckig fasst der Vorsitzende Richter Volker Kunkel nach. Mit Fingerklopfen habe es angefangen. Alle hätten schon einmal verloren und etwas auf die Finger bekommen, doch zuletzt war Hermann dran. Pascal sei auf die Idee gekommen, ihn mit Seife, die in ein Handtuch gewickelt war, zu schlagen. Alle hätten mitgemacht, nur Hermann habe gestöhnt. Schließlich habe Danny K. eine Brühe aus Wasser, Salz und Chilli angerührt. Die mußte Hermann trinken, damit er erbreche. Als das nicht gleich wirkte, drückte K. ihm noch den Inhalt einer Zahnpastatube in den Mund. Dann erbrach er. Die drei Zellengenossen zwangen ihn, das Erbrochene zu essen. Doch die Pein ging weiter. K. und A. spuckten auf den Rand der Toilette, und Hermann musste es auflecken. K. urinierte in den Behälter für die Klobürste. Die anderen beiden spukten hinein. Hermann musste es trinken. Wieder erbrach er. Sie tauchten ihn mit dem Kopf in das Klobecken.
Eine Liste mit Pro und Contra
Dann spielten die drei Karten. Hermann sollte ihnen die Füße unter dem Tisch massieren. Dabei kam I. auf die Idee, sich oral befriedigen zulassen. Hermann musste es tun. Es war keine Befriedigung, aber K. kam auf den Gedanken, Hermann mit dem Stiel eines Handfegers anal zu quälen. Den Stiel musste Hermann dann ablecken und reinigen. Als es Hermann gelang, „auf Ampel zu gehen“ und die Gegensprechanlage zu betätigen, hielten sie ihn fest. Dem Beamten, der sich aus der Zentrale meldete, teilten sie mit, dass sie sich vertan hätten.
Während im Fernsehen die „Sportschau“ lief, hatte Hermann halbwegs Ruhe. Dann wurde er geprügelt. K. bestätigt auf Nachfrage: „Überall hin“. Es war wohl K., der als erster vorschlug, Hermann „wegzuhängen“. „Aus Spaß“ habe er es gesagt, doch die anderen seien darauf eingegangen. Sie haben sogar eine Liste angefertigt, mit dem, was dafür und was dagegen sprach. Dafür, ihn am Leben zu lassen, sprach zum Beispiel, dass man dann mehr einkaufen könne. Dafür, ihn zu töten, sprach die Aussicht, „auf Psycho zu machen“ und deshalb früher entlassen zu werden.
Acht Verhandlungstage sind angesetzt
Dafür musste es wie ein Selbstmord aussehen. Vier Kabel seien bei vier Versuchen gerissen, Hermann an der Toilettentür aufzuknüpfen. Er selbst musste einen Bücherstapel und einen Putzeimer, auf dem er stand, umstoßen. Erst ein Seil aus Bettlakenstreifen hielt. Nach dem fünften Versuch holten sie den halbtoten Zellenkumpan ins Leben zurück und befragten ihn, was er denn erlebt habe. Der sechste Versuch war dann tödlich. K. befühlte die Brust und fühlte nichts mehr. Am nächsten Morgen alarmierten sie den Wachdienst.
Das alles ist nur schwer anzuhören. Hermanns Mutter verfolgt die Schilderungen zusammengeduckt im Gerichtssaal. Sie ist Nebenklägerin wie Hermanns Vater, seine Schwester und sein Bruder. Jeder von ihnen hat einen Anwalt an der Seite. Auch nach dem ersten Verhandlungstag wird nicht erkennbar, wie es zu dieser Tat kommen konnte. Das will die achte große Jugendstrafkammer in acht Verhandlungstagen klären. Die Tatanteile der Täter versucht man ihnen zuzuordnen. Jeder habe einmal aufgefordert, nun aber aufzuhören, sagt K. Aber keiner habe vor den anderen als Weichei gelten wollen.
Aus: "Prozess um Häftlingstod: „Aus Spaß weghängen“" Von Peter Schilder, Bonn (01. August 2007) Quelle: http://www.faz.net/s/Rub77CAECAE94D7431F9EACD163751D4CFD/Doc~EA2AD82EE55684CEBBF55BB49C934E5CA~ATpl~Ecommon~Scontent.html-.- 01.08.2007 12:46:10 mykafer: Diese drei Jüngelchen
so beknackt sie auch sind, machen nur nach, was ihnen von den "Erwachsenen" - und jetzt kann sich jeder aussuchen, was damit gemeint sein könnte, vorexerziert wurde bzw. wird. Wundert sich noch jemand hier? Und was soll diese Heuchelei über eine Schandtat mehr auf der Welt. Wenn die SZ doch bei jeder Schandtat auf der Welt so aufheulen würde. Ich nenne mal ein paar Vorexerzierer: wie wär's mit Darfur, Ruanda, Abu Ghureib, die Foltergefängnisse der CIA weltweit (haben Sie aus denen auch so schöne Details zu bieten?), jeder Bombeneinsatz in Afghanistan auf Zivilisten, der Irak ohne Ende und die Heldentaten der GI's gegenüber der Zivilbevölkerung. UND UND UND. Endlos. Und was ist an dem Siegburger Fall nun so anders?
01.08.2007 13:15:39 Kleiner Fisch: @mykafer
der vergleich mit dafur, ruanda etc. hat aber auch gar nichts mit dieser straftat zu tun. die staatsgewalt hat aufs schärfste versagt. hier gehören die verantwortlichen selbst vor gericht gestellt.
was Sie, lieber mykafer, von sich geben, ist nichts als blanker relativismus in seiner reinform.
01.08.2007 13:44:50 Jenny13: Fassungslosigkeit
Ich bin immer wieder fassungslos angesichts solch stumpfsinninger und abartig perverser Brutalität! Was ist im Leben dieser Menschen bloß so schief gelaufen??
01.08.2007 13:57:20 rotrivo: unglaublich
bei dieser schweren Kindheit wird es auf Totschlag hinauslaufen.Die bekommen vielleicht noch 2-3 Jahre draufgepackt und noch eine Therapie nebenbei...weil kostet ja den Steuerzahler nichts. Es ist unglaublich...die gehören lebenslang in den Steinbruch!!!!!
01.08.2007 14:21:50
JoJoGerstner: Strukturen der Gewalt
Das Bedenkliche ist doch, dass wir immer mehr in Strukturen der Gewalt leben. Derarige Strukturen zeichnen sich durch Brutalität und Desinteresse gegenüber dem Mitmenschen aus.
Und damit sind nicht nur die Eltern der Täter gemeint, sondern auch das Gefängnispersonal. Letztendlich zeigen auch die hier vorgebrachten "Wegsperren für immer"-Forderungen, dass ein Klima der Gewalt und Aggressivität herrscht. Dadurch wird jedoch auf Dauer nichts besser, sondern nur schlimmer.
Anstatt sich zu überlegen, wie die Geburt der Täter hätte verhindert werden können, sollten wir uns überlegen, was wir tun können, um ein derartiges Aufwachsen zu verhindern. Das wird Geld und Zeit kosten - und vor allem: Wenn es gelingt, das Ruder rumzureissen, sieht man es nicht, weil dann eben nichts passiert. Insofern ist es einfacher, bei plakativen Fällen plakative Strafen zu fordern, als langfristige und teure Präventionsmaßnahmen zu unterstützen!
01.08.2007 14:42:22
tzzzzzzzz: Zu Strukturen der Gewalt
Lieber JoJoGerter, ich finde nicht, dass wir immer mehr in Strukturen der Gewalt leben. Grausamkeit war schon immer ein steter Begleiter des Mesnchen, durch seine ganze Geschichte hindurch. Um mal herausragende Beispiele aufzuzählen: * Naziverbrechen * Stalins Terrormaschine * Maos Terrormaschine * Pol Pot * die äußerst brutalen, afrikanischen Bürgerkriege * Gas- und Stellungskrieg im ersten Weltkrieg * der nicht gerade human geführte dreißigjährige Krieg * Schlachten und Weiden von lebenden Menschen bei den Azteken (oder Inkas?) * Sklavenhaltung in der gesamten Menschheitsgeschichte * Wo waren eigentlich Betriebsrat und Gewerkschaften beim Pyramidenbau?
Viel mehr beobachte ich ein Individualisierung der Gewalt. Massenauswüchse sind vielleicht noch bei Fußball-Hooligans zu sehen oder religiösen Fanatikern.
Dieses Verbrechen ist in seiner unermeßlichen körperlichen und seelischen Grausamkeit kaum zu überbieten und gehört schwer bestraft. Es zeigt sich aber auch wozu Menschen fähig sein können und schon immer zu fähig waren.
01.08.2007 14:51:43
tomboll:
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01.08.2007 14:56:39
Augen23: Die armen Täter
Und schon wieder weiß ich mehr über die Täter, als mir lieb ist.
Was soll mir die ach so schlimme Leidensgeschichte der Täter sagen? Dass die Jugendlichen im Grunde nichts für ihre Taten können? Soll das eine Art Erklärung oder gar Entschuldigung sein?
Tut mir leid, das kann ich nicht nachvollziehen. Ich kenne schlimmere Lebenswege als die von Ralf und Pascal. Trotzdem haben die Betroffenen niemanden zu Tode gefoltert. Eine schlimme Kindheit mag hier eine gewisse Rolle spielen, eine hinreichende Erklärung ist das trotzdem nicht.
Im Grunde zeigt mir der Artikel nur, wie wenig wir immer noch über die eigentlichen Mechanismen wissen, die einen Menschen zu solchen Taten verleiten. Besonders hoffnungsfroh macht mich das nicht!
01.08.2007 16:34:41
Hirnknoten: warum?
War's die schlimme Kindheit? Mangelde Erziehung, weder Zuwendung noch Bildung? Oder waren es die Gene? Gibt's am Ende vielleicht doch gute Menschen und schlechte? Oder vielleicht die Umstände? Zu viert in einer Zelle, 23 Stunden am Tag dem Stumpfsinn ausgeliefert?
Die Antwort lautet: ja, ja und ja. Einen einzigen Grund, den gibt es wohl nicht.
So, und nun? Welche Konsequenzen sind zu ziehen? Problemkinder möglichst früh raus aus dem negativen Umfeld? Also ins Heim? Da waren der Ralf ja schon gewesen. Noch früher ansetzen? Bessere Unterstützung für junge Mütter, die ihr Leben offensichtlich nicht allein auf die Reihe bekommen? Oder vielleicht später: jugendliche Straftäter in Einzelhaft oder gleich in den Steinbruch? Vielleicht strengere Überwachung?
Wie? Hat denn keiner DAS Patentrezept? Hat niemand völlig Recht? 01.08.2007 16:36:10 Olly77:
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01.08.2007 17:29:08 mobbing: größere & schönere Gefängnisse
Wir brauchen größere, schönere und vor allem mehr Gefängnisse, um das Ergebnis einer jahrzehntelang verfehlten Sozial- und Drogenpolitik (letzteres sieht ja sogar ein Roland Koch inzwischen ein) auffangen zu können. Ausserdem empfehle ich einkommensgestaffelte Aufteilungen von Städten und Kommunen mit Mauern, Security etc., und natürlich eine Nulltoleranzpolitik gegenüber Klein und Kleinststraftätern, z.B. 30tägige Isolationshaft gegen Schwarzfahrer. So kanns gehn..., auch hier wieder liegt Bayern ganz vorne
Kommentare zu: "Prozess um Mord im Jugendgefängnis Siegburg: Gewaltorgie aus Langeweile" (01.08.2007) http://www.sueddeutsche.de/,tt4l1/panorama/artikel/352/126158/-.- [...] Am 11. November 2006, einem Samstag, haben sie zwischen Mittag- und Abendessen in der Justizvollzugsanstalt Siegburg den vierten Mann in ihrer Zelle, den 20-jährigen Hermann H., stundenlang auf denkbar grausame und erniedrigende Art gequält und ihn schließlich mit einem zum Strick gedrehten Bettlaken an der Toilettentür erhängt. Am Mittwoch begann der Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts Bonn mit einem ausführlichen Geständnis. Danny K., als erster zur Sache befragt, beschönigte nichts und versuchte keinen Augenblick lang, seine eigene Rolle bei der Tragödie kleinzureden. [...] Die Geschichte beginnt harmlos, mit einem Kartenspiel, bei dem es darum geht, dass derjenige, der eine falsche Karte rät, einen Schlag auf die Finger bekommt. Dann, sagt Danny, kam der Pascal "auf so ne Idee mit der Seife". Man wickelt eine Seife in ein Geschirrtuch und schlägt damit zu. Das hat Pascal in dem Film "Full Metal Jacket" gesehen. Sie haben alle drei abwechselnd auf Hermann eingeschlagen. Warum? Keine Ahnung. "Das war für uns nur so ein Spaß", sagt Danny. Dann hatte Danny eine andere Idee: den Herrmann zum Erbrechen zu bringen. Man mixt ein Gebräu aus Wasser, Salz und Chili, das muss er trinken. Dann noch eine Tube Zahnpasta hinterher. Was dann folgt, ist bei Weitem zu unappetitlich, um es zu erzählen. Aber die Gewalt eskaliert zusehends. Sie prügeln auf ihn ein, mit Fäusten und Füßen. Sie vergewaltigen ihn mit dem Stiel eines Handfegers. Sie prügeln weiter. Irgendwann gelingt es dem Gefolterten, die Lichtalarmanlage zu betätigen. Sie fesseln ihn ans Bett, knebeln ihn mit einem Geschirrtuch, und als sich ein Beamter über die Gegensprechanlage meldet, sagt Danny, er habe sich "verdrückt". Später schauen sie dann Sportschau im Fernsehen. "Ich hatte schon vorher mal gesagt, komm, lass uns den weghängen", sagt Danny, "aber nur so aus Spaß". Nach der Sportschau schreiben sie dann eine Liste mit Argumenten für und gegen das "Weghängen". Das Pro überwiegt. "Der Pascal und der Ralf wollten auf ’psychisch kaputt‘ machen", sagt Danny, "damit sie früher rauskommen". Hermann musste einen Abschiedsbrief schreiben. "Wir haben ihm gesagt, er soll ordentlich schreiben", sagt Danny. Den Brief haben sie aber danach verbrannt. Dann schildert Danny K., wie er und seine beiden Kumpane versuchten, Hermann H. aufzuhängen. Er schildert das so lapidar und nüchtern, als ging es um irgendeine Bastelarbeit. Wie sie es viermal hintereinander mit einem Elektrokabel versuchten, erst mit dem vom Fernseher, dann vom Tauchsieder, wie Pascal I. jedes Mal den Knoten knüpfte, weil keiner der anderen das konnte, wie Hermann sich zuerst auf einen Stapel Bücher und dann auf einen umgekippten Putzeimer stellen und sich die Schlinge immer selbst über den Kopf ziehen musste und wie das Kabel immer wieder riss - "das hat immer nicht geklappt", sagt Danny. Schließlich schnitten sie dann ein Bettlaken in Streifen, und damit klappte es endlich. Dann machten sie noch einen Plan für den nächsten Morgen: Ralf A. sollte die Tür aufmachen, hinter der der tote Herrmann hing, dann sollte er anfangen zu schreien, und dann den Alarmknopf drücken. So machten sie es auch, aber schon bei der zweiten Vernehmung hielt Danny das Theater nicht mehr durch und erzählte alles. "Eigentlich", sagt Danny dann auf die Frage des psychiatrischen Sachverständigen, "wollte es in Wirklichkeit keiner von uns. Immer wieder mal hat einer gesagt, wir sollen aufhören. Aber dann haben die anderen gesagt, das geht nicht. Keiner wollte als Feigling dastehen." 01.08.2007 18:55:03
flyingfree: Die dunkle Seite
der sogenannte zivilisierte Mensch war, ist und wird sein, die gefährlichste, brutalste Bestie auf Erden. In Friedenszeiten wie auch in Kriegszeiten, wie aktuelle Ereignisse belegen.
Egal ob Gangster, Soldat, Polizist, Jugendlicher, Erwachsener, was auch immer.
Kein Mensch ist vor den Menschen sicher.
01.08.2007 18:08:14 MarcusL: Bestien
Bestialität ist zeitlos, wer bei Schilderungen über barbarische, unmenschliche Akte in Konzentrationslagern nicht verstehen kann wie Menschen zu solchen Taten fähig waren, der muß jetzt sehen wie der Typus des unmenschlichen Sadisten die Zeiten überlebt hat.
Aus: "Prozess um Mord in JVA Siegburg: "Komm, lass uns den weghängen"" (01.08.2007) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt4m3/panorama/artikel/420/126226/-.- [...] Nach eigenen Aussagen malträtierten die drei unscheinbar wirkenden jungen Männer den Mithäftling nach dem gemeinsamen Mittagessen ohne Grund stundenlang mit Schlägen und Tritten. Auch vergewaltigten sie ihn mehrfach mit einem Gegenstand und zwangen das Opfer, Wasser mit scharfem Pulver zu trinken, eine Tube Zahnpasta und Erbrochenes zu essen. Gegenüber den Justizbeamten behaupteten sie zunächst, ihr Zellengenosse habe sich umgebracht.
[...] Wütend seien sie nicht auf ihren Mithäftling gewesen, erklärten die Angeklagten. "Er war eher ruhig und zurückhaltend, hat immer im Bett gelegen und nicht viel geredet", sagte der 17-Jährige. "Ein Außenseiter-Typ eben."
[...] Fünf Mal hätten sie versucht, den Zellengenossen, der wegen Diebstahls im Gefängnis saß, zu erhängen. Drei Mal riss das Kabel. Beim vierten Versuch drehten sie den Aussagen zufolge einen Henkerstrick aus Bettlaken, weckten das Opfer jedoch mit Ohrfeigen wieder aus seiner Bewusstlosigkeit, um ihn zu seinen Nahtod-Erfahrungen zu befragen. "Erst nachdem wir ihm dann eine Zigarette zum Rauchen gegeben haben, haben wir es endgültig getan", sagte der 17-Jährige, der nervös stotternd die schrecklichen Details des Verbrechens wiedergab.
Zu seiner Person wollte der Minderjährige vor Publikum nicht aussagen. Daher schloss der Vorsitzende Richter der 8. Strafkammer die Öffentlichkeit kurzzeitig aus. Die beiden übrigen Angeklagten dagegen gaben Einblick in eine zerrüttete Kindheit und Jugend. Seit dem zwölften Lebensjahr, so erklärten sie, nähmen sie bereits regelmäßig Drogen. Der 21-Jährige ist in mehreren Heimen groß geworden, der 19-Jährige war zwei Mal in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie untergebracht. Beide sind während ihrer Haftzeit Vater geworden.
Aus: "SIEGBURGER FOLTERMORD: "Ich habe schließlich keinen Bock, in der Hölle zu landen"" (01. August 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,497725,00.html
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