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« Reply #30 on: December 04, 2006, 10:42:48 AM » |
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[...] Nach einem Dumme-Jungen-Streich ist ein 14-Jähriger im US-Bundesstaat Ohio von einem Autofahrer getötet worden. Der Täter ist noch auf der Flucht.
Columbus - Der Teenager Danny Crawford hatte zusammen mit zwei Freunden Autos mit Eiern beworfen. Der Polizei in Columbus, Bundesstaat Ohio, zufolge wurde dabei auch ein Geländewagen getroffen, dessen Fahrer die Jungen wutentbrannt verfolgte und einen Schuss abgab. Crawford wurde im Oberkörper getroffen und starb. Von den anderen Jugendlichen wurde niemand verletzt. Nach dem Schützen wurde noch gefahndet. Er war nach der Tat geflüchtet. Das Fahrzeug wurde von der Polizei später leer in der Nähe des Tatorts gefunden.
jaf/dpa/AP
Aus: "Junge bewirft Auto mit Eiern - erschossen" (03.12.2006) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,452211,00.html
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« Reply #31 on: December 12, 2006, 10:45:05 AM » |
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[...] Marseille - In Frankreich müssen sich seit Montag elf Feuerwehrleute wegen Missbrauchs einer Minderjährigen vor Gericht verantworten. Sie sollen ein 15 Jahre altes Mädchen in einer Kaserne in Marseille mehrfach zum Sex gezwungen oder bei dem Martyrium zugesehen haben. Das Opfer beging nach den Staftaten im Sommer 2004 Selbstmord.
Der Hauptverdächtige im Alter von 22 Jahren ist wegen sexueller Aggression und Kuppelei in besonders schweren Fällen angeklagt. Er soll die Treffen, die laut Justizunterlagen in einer Turnhalle der Kaserne stattfanden, organisiert haben. Die Feuerwehrleute machten etwa 650 pornografische Fotos. Zum Prozessauftakt gaben die Beschuldigten an, sie hätten nicht gewusst, dass das Mädchen erst 15 Jahre alt gewesen sei. Ihnen drohen Haftstrafen von fünf bis zehn Jahren.
Aus: "Frankreich: Elf Feuerwehrleute sollen 15-Jährige vergewaltigt haben" - Das Opfer wird nicht vor Gericht aussagen können - es beging nach der Tat Selbstmord (WELT.de/AP; 11.12.2006) Quelle: http://www.welt.de/data/2006/12/11/1142512.html
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« Reply #32 on: December 20, 2006, 01:28:06 PM » |
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[...] In Ostdeutschland hat im Juli ein 19-jähriger einen Obdachlosen aus Frust getötet. Der junge Mann hatte zuvor in einem Videospiel verloren und in dem 51-Jährigen ein Opfer gefunden, um sich mit Schlägen und Tritten ins Gesicht des Obdachlosen abzureagieren. Am Dienstag wurde der Jugendliche von einem Gericht wegen Mordes zu 9 Jahren Haft verurtelt.
Damit folgt die Jugendstrafkammer des Landgerichts Cottbus dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Man befand den Angeklagten für schuldig, den 51 Jahre alten Mann im Juli in Cottbus, 130 Kilometer südöstlich von Berlin, mit brutalen Schlägen und Tritten ins Gesicht getötet zu haben. Seine Verteidigung forderte vier Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Er sei zur Tatzeit vermindertert schuld- und steuerungsfähig gewesen, so der Verteidiger.
Der Angeklagte gab als Motiv die Niederlage in einem Wrestling-Videospiel und Ärger über eine Polizeikontrolle unmittelbar vor der Tat an. Nach der Tat wurde ein psychiatrsiches Gutachten erstellt, indem bei dem jungen Alkoholiker keine verminderte Steuerungsfähigkeit noch eine Persönlichkeitsstörung festgestellt werden konnte.
Aus: "Blutrausch durch Computerspiel: 9 Jahre Haft" (19.12.2006) Quelle: http://www.lifego.de/artikel/2649/Blutrausch-durch-Computerspiel-9-Jahre-Haft.html-.- [...] Irgendwann geriet das Zechgelage außer Kontrolle. Zunächst hätten sie Stöcke und Laub nach dem Obdachlosen geworfen, kurze Zeit später habe Luis angefangen, Baum zu schlagen. "Zuerst dachten wir, das wäre nur Spaß", so Nathan, "irgendwann haben wir mitgemacht".
Sie stießen und traten den Wehrlosen, schlugen mit Felsbrocken, Ziegelsteinen und einem Baseballschläger auf ihn ein, schleuderten einen Grill auf den Mann. Der 17-Jährige schmierte seine Exkremente in das Gesicht des Opfers. Anschließend versetzte er Baum einen Schnitt mit dem Messer, "um zu sehen, ob er noch lebt".
Als Baum sich nicht mehr regte, zerstörten die Teenager das Zeltlager des Obdachlosen und versteckten den Toten unter einer Plastikplane - in der Hoffnung, "dass die Tiere ihn fressen". Anschließend schlenderten sie auf einen Snack zum nächstgelegenen McDonald's-Restaurant. Später hätten sie sich gefragt: "Was haben wir gerade getan?", so Moore, "aber es gibt keine rationale Erklärung dafür."
[...] Der Gewaltexzess ereignete sich 2004, die drei Jugendlichen wurden gefasst und sitzen lange Haftstrafen ab. Doch die brutale Attacke auf einen Obdachlosen war kein Einzelfall in den USA, 2006 wurden mehr Angriffe gezählt als in den acht Jahren zuvor. Eine Untersuchung der Obdachlosenvereinigung "National Coalition of the Homeless" listet 122 Übergriffe auf, etwa viermal so viele wie im Jahr 2000. 20 Opfer kamen dabei ums Leben, der überwiegende Teil der Täter war jünger als 20 Jahre.
"Es ist verstörend zu wissen, dass junge Menschen auch dann noch zutreten, wenn jemand schon am Boden liegt", sagte Michael Stoops, der Vorsitzende der Obdachlosenvereinigung. "Wir wissen, dass dies nicht auf jeden Teenager zutrifft", so Stoops bei CNN, "aber manche betrachten das einfach als amüsant".
[...] Die "National Coalition of the Homeless" listet zahlreiche Beispiele für Übergriffe in den USA auf:
* In Lauderhill haben sich vier Jugendliche dabei gefilmt, wie sie einen Obdachlosen schlagen und bestehlen. * Im US-Bundesstaat Oregon wurde ein ehemaliger Student angeklagt, aus seiner Wohnung heraus auf einen Obdachlosen geschossen und ihn verletzt zu haben. * In Texas wurde ein 15-Jähriger verhaftet, der auf Video die Misshandlung eines Obdachlosen angekündigt hat, bevor er auf dem Wehrlosen herumsprang. * In Alabama haben sechs Jugendliche, der jüngste unter ihnen erst 13 Jahre alt, einen Obdachlosen mit Golfschlägern malträtiert. * In Florida wurden drei Jugendliche am 12. Januar 2006 von einer Überwachungskamera dabei gefilmt, wie sie einen hilflosen Obdachlosen mit Baseballschlägern verprügeln. Das Opfer hat die Attacke überlebt. In derselben Nacht sollen die drei Teenager jedoch zwei weitere Männer angegriffen haben. Der 45-jährige Obdachlose Norris Gaynor wurde dabei auf einer Parkbank schlafend überrascht. Die Jugendlichen schlugen mit ihren Baseballschlägern auf den Hilflosen ein. Als der sterbende Mann reglos am Boden lag, beschoss einer der Täter ihn mit gelben Farbpatronen. Gaynor wurde derart massiv misshandelt, dass sein Vater den Leichnam nur schwer identifizieren konnte. Nach Angaben von CNN soll einer der Täter nach den Schlägen auf den Wehrlosen gesagt haben, es habe sich angefühlt "wie Abschläge beim Golf".
Meist stammen die Täter aus Mittelschichtfamilien und sind nie vorher straffällig geworden. Die Eltern ahnen in der Regel nicht das Geringste von den Freizeitaktivitäten ihrer Kinder. Immer häufiger dokumentieren Teenager ihre Attacken mit Handys oder Kameras. Einige sollen sich von der Videoreihe "Bumfights" inspiriert gefühlt haben, berichtet CNN. Die Filme zeigen Obdachlose, die für ein paar Dollar vor der Kamera aufeinander losgehen. Gelegentlich führen Täter auch blutrünstige Computerspiele als Vorbild für die Misshandlungen an.
Aus: "BRUTALER "TRENDSPORT" IN DEN USA: Teenager machen Jagd auf Obdachlose" jto (SPON; 21. Februar 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,467746,00.html
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« Last Edit: February 22, 2007, 10:11:40 AM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #33 on: December 27, 2006, 03:58:44 PM » |
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[...] Im Zuchthaus Sonnenburg erschießen Polizei und SS mit der Hilfe des Gefängnisdirektors und der Gefängnisaufseher 800 von rund 1000 Häftlingen. Auch in anderen Gefängnissen wütet das Personal zusammen mit Polizei, SS oder der Wehrmacht.
Die Morde folgen keinem Kalkül wie etwa dem Ziel, Zeugen eigener Verbrechen zu beseitigen. Es handelt sich um Taten aus Überzeugung. Keine Sorge um die Zeit nach dem Krieg hemmt die Täter. Für sie ist die unabwendbare militärische Niederlage irreal genug, um die Kontrolle über den Strafvollzug zu verteidigen. Sie ist zugleich real genug, um die letzte Gelegenheit zu nutzen, «Volksschädlinge», «Asoziale» oder «Fremdvölkische» zu vernichten.
Was in den Gefängnissen des nationalsozialistischen Deutschlands geschah, ist lange nicht systematisch untersucht worden. Nun liegt eine Studie des Historikers Nikolaus Wachsmann vor, die das ändert. Die Justiz und ihr Strafvollzug seien tief in nationalsozialistisches Unrecht verwickelt gewesen, lautet seine These.
[...] Wie sehr im Nationalsozialismus die Gefängnisse genutzt wurden, zeigt sich an der Zahl der Häftlinge. Sie verdoppelte sich in Preußen schon im ersten Jahr der nationalsozialistischen Herrschaft.
[...] In den Gefängnissen saßen aber auch Menschen, die selbst nach heutigen Kriterien Straftaten begangen hatten. Ihre Existenz ist für Wachsmanns Untersuchung offenkundig ein Problem, denn sie wirft die Frage auf, wo ein nach dem Verständnis der dreißiger und vierziger Jahre «normaler» Strafvollzug aufhörte und der Justizterror begann.
Nicht zuletzt mit Blick auf das Ausland vermag Wachsmann freilich zu zeigen, wie sehr die deutsche Justiz sich den Nationalsozialisten ergab und wie wenig «normal» ihre Vorgehensweise selbst unter Berücksichtigung der historischen Umstände war.
So wurden von der nationalsozialistischen Justiz insbesondere Menschen verfolgt, die relativ harmlose Verbrechen begingen, aber als soziale Außenseiter auffielen. Obdachlosen, Bettlern, Landstreichern oder Prostituierten drohte auch bei kleinen Vergehen lebenslange Inhaftierung und Vernichtung.
[...] Was Wachsmann schließlich zeigt ist, wie wichtig bestimmte Grundhaltungen waren, die unter dem Gefängnispersonal bereits in der Weimarer Zeit verbreitet waren. Sie konnten im Nationalsozialismus ausgelebt werden. Bemerkenswert war hier vor allem die strikte Unterscheidung zwischen «wertvollen» und «gemeinschaftsfähigen» Menschen einerseits und «unverbesserlichen» Verbrechern und «Gemeinschaftsfremden» andererseits.
[...] Für das Gefängnispersonal ging es weniger darum, was jemand getan hatte, als darum, was er «als Mensch» galt. Viele Beamte waren überzeugt davon, «unverbesserliche» und «minderwertige» Menschen erkennen zu können, und sie waren bereit, die Eliminierung solcher Menschen zu dulden oder aktiv zu betreiben.
[...] Die Sehnsucht vieler Aufseher nach lebenslanger Wegschließung oder sogar Tötung von Häftlingen zeugt dabei nicht zuletzt vom Verlangen, «ein für allemal» Ordnung herzustellen. Wenn der Nationalsozialismus noch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von vielen Deutschen verklärt wurde, so auch deshalb, weil es schien, das NS-Regime habe viele Probleme besonders effizient «gelöst». Tatsächlich hält sich dieser Mythos bis heute, obwohl die Geschichtswissenschaft schon vor Jahrzehnten gezeigt hat, wie sehr das «Dritte Reich» in vielen Bereichen durch Korruption, Willkür und endlose Kompetenzstreitigkeiten geprägt war.
Wie erfolgreich aber war der brutale Strafvollzug der Nationalsozialisten gemessen an seinen Zielen? Wachsmann macht klar, dass die politische Opposition grundlegend ausgeschaltet wurde. Hingegen gelang bis 1945 nicht, wovon bis heute geträumt wird: Durch harte Strafen, lebenslange Einschließung oder Tötung von Kriminellen das Verbrechen überhaupt zu beseitigen.
Aus: "Getötet wurde auch in Gefängnissen" Bis 1943 hielten die Nazis mehr Häftlinge in Gefängnissen als in Konzentrationslagern gefangen. Erstmals arbeitet jetzt eine Studie die Verbrechen des nationalsozialistischen Gefängnissystems systematisch auf - Von Sebastian Susteck (nz; 27. Dez. 2006) Quelle: http://www.netzeitung.de/voiceofgermany/480755.html
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« Reply #34 on: January 15, 2007, 11:59:59 AM » |
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[...] In Opfer- wie in Täter- oder Mitläuferfamilien werden ganze historische Schichten tabuisiert, beschwiegen, oder wie Alexander Mitscherlich es nennt, "derealisiert". Die usprünglichen Tramata wie deren innerfamiliäres Beschweigen haben Folgen, die sich auch in leibseelischen Phänomenen niederschlagen müssen.
[...] In den Stichwortverzeichnissen der großen psychoanalytischen Lehrbücher der letzten Jahre kommen Hitler und der Nationalisozialismus nicht vor. Eine wirkliche Diskussion der behandlungstechnischen und menschlichen Probleme bei der Analyse von Täter- und Mitläuferkindern ist noch kaum in Gang gekommen [...]
Die Analytiker, die auf dem Weg der Übertragungs- und Gegenübertragungsanalyse sich auf das Terrain des Grauens gewagt haben, berichten von schweren Belastungen und Verstrickungen, von kaum erträglichen Gefühlszuständen, wenn sie in der therapeutischen Rolle selbst zum Objekt massiver negativer Projektionen, Übertragungen oder gar projektiven Identifikationen geworden sind, wenn sie in die Gestalt der Verfolger und Dämonen rückten. Dazu eine kurze Passage von Gottfried Appy (1992):
"Der Analytiker schien unteredessen projektiv mit negativen Gefühlen vergiftet worden zu sein, die sie ausgrenzt und in ihn hineingesteckt hatte. Für sie war er neidisch und verfolgend geworden,, sodass sie ihm nicht mehr vertrauen und Deutungen nicht mehr hilfreich annehmen konnte. Sie war nahe daran, in eine Totalidentifizierung mit den omnipotenten sado-masochistischen Vernichtungsimpulsen ihres Traumes abzugleiten und akut psychotisch zu werden." (S. 33)
Trotz der fast einstimmigen Berichte über die seelischen Belastungen findet aber folgender paradoxer Vorgang statt: das Bekenntnis zum "Aushalten" und zur strikten Anwendung der reinen Übertragungsanalyse intenisiviert sich. Und dies, so meine wichtigste These, obwohl die Probleme der Überlastung des Analytikers es immer fraglicher erscheinen lassen, ob die Instrumente von Übertragung und Gegenübertragung geeignet, oder vorwiegend geeignet sind, die Thematik einigermaßen bewältigen zu können. Liest man Fallberichte von solchen Analysen, so fällt der heroisch-masochistische Ton auf, in dem das Leid in Übertragung und Gegenübertragung geschildert werden. Es ist nicht verwunderlich, ja vielleicht sogar förderlich oder notwendig, wenn bei den Kollegen, die das NS-Erbe in ihren Behandlungen thematisieren, die späte Entdeckung der eigenen Familiengeschichte als paralleler Prozeß abläuft. Ich habe an anderer Stelle schon betont, wie wenige Kollegen meines Alters die Thematik in ihrer Lehranalyse berührt haben.
[...] Anita Eckstaedt und andere analytische Kollegen haben gezeigt, dass Nazi-Herrschaft und Krieg, vor allem durch die Abfolge von Begeisterung, Sorge, Angst und Panik, auch angesichts fehlender Väter, die Primärbeziehung massiv beeinträchtigt haben, zum Teil in schwer erkennbarer Weise. Was Zwiebel beschreibt, potenziert sich also unter Umständen bei Kindern von NS-verstrickten Eltern, weil die Übertragungsfragmente bedrohlicher und in ihrem Ursprung und ihrer psychischen Konsistenz schwerer zu erkennen und auszuhalten sind. Es kommt hinzu, dass durch den Holocaust und seine Vorbereitungshandlungen, aber auch auf Seiten der Deutschen, die aus dem Siegestaumel in Bombenkrieg, Flucht und Vertreibung stürzten, häufig totale Brüche in der äußeren wie der inneren Lebenskontinuität eine Rolle spielen, sodass man von einer massenhaft induzierten Borderline-Struktur als Sozialcharakter bei Millionen von Eltern unserer heutigen Patienten sprechen kann, aber auch der Kriegs- und Nachkriegskinder selbst.
[...] kollektive Muster der inneren Abtrennung, des Besetzungesentzugs, der historischen Umdefinition von Erlebnissen, der völligen Abwendung des individuellen wie des kollektiven Ichs von ganzen inneren Epochen der Erinnerung. Deshalb spreche ich von den inneren Giftmülldeponien, für deren Zugang die Landkarten zum Teil verloren, zum Teil noch gar nicht erstellt worden sind. Der ZusammenSchluss der Familien zum Überleben nach dem Krieg, oder schon während, und auf der Flucht, haben bei den Kindern zu Formen der Loyalität geführt, die zum Schutz der unbewältigten Deponien der Eltern führten.
In Goethes Faust wird die Sorge als ein zentrales Grundgefühl benannt. Nach meiner Einschätzung ist dieser Zustand und seine Folgen in den Kindern neben den "klassischen Affekten" um Angst und alle Formen der Wut herum, mit denen umzugehen wir lernen, nicht ausreichend erforscht und therapeutisch berücksichtigt. Aber wenn man bedenkt, in wievielen vaterlosen Familien in dem Jahrzehnt zwischen 1943 und 1953 die Sorge, neben der Angst, das tragende Grundgefühl war, dann wird manches von der oft schier unüberwindlichen Parentifizierung der Patienten meiner Generation eher verständlich. Mit Parentifizierung meine ich hier sowohl die praktische wie die seelische Überlebenshilfe, die die Kriegs- und Nachkriegskinder ohne viel Aufhebens zu leisten hatten, und die sie für die Mechanismen der Implantation des Unbewältigten in sie so verwundbar machten. Jürgen Müller-Hohagen hat in seinem jüngsten Buch "Geschichte in uns" (München 1994) noch einmal deutlich darauf hingewiesen und die These mit einer Fülle von Beispielen belegt. Die Wucht der Anklage der 68er-Generation gegen diesen von der Geschichte erzwungenen kollektiven parasitären Mißbrauch ist ohne die konvulsivische Kündigung dieses Schweigevertrages kaum zu verstehen. Es hätte damals auch keinerlei Hilfe gegeben, mit den geerbten Belastungen anders als durch beschuldigende Ausstoßung der Elternbilder umzugehen.
Damit komme ich auf den Beitrag der Psychoanalyse zur psychischen Bewältigung des NS-Erbes. Auch die psychoanalytischen Schulen waren verstrickt in das Ringenum Entlastung und Beschuldigung, in rituelle Kämpfe um Unschuld, Reinheit oder Verstrickung. Martin Beland hat in einem DPV-internen Vortrag gezeigt, wie sehr sich junge Analytiker kollektiv auf der richtigen Seite fühlen konnten, ohne ihre politische Familiengeschichte aufzuarbeiten, wenn sie sich zur Freud'schen Ausbildung entschlossen.
Noch viel drastischer drückten dies Elisabeth Brainin und Isidor J. Kaminer aus in ihrem Aufsatz über "Psychoanalyse und Nationalsozialismus", (1982). Sie sprechen ebenfalls von der Ausblendung des NS-Themas aus den Lehranalysen und fahren fort:
"Man kann sogar annehmen, dass der Beruf des Analytikers als eine Art 'Deckidentität' benutzt wird, wenn Schuld und Scham über die eigene Geschichte unbearbeitet bleiben, aber auch dazu, dem Konflikt mit den Anteilen der Elternimagines zu entgehen, die abgelehnt werden und in Zusammenhang mit dem Naziregime stehen." (S. 103) Das kann ich für mich selbst uneingeschränkt akzeptieren.
Hierfür noch ein kleines persönliches Beispiel: Mitte der sechziger Jahre habe ich einige Monate der Frankfurter Ausschwitz-Prozeß als Journalist beobachtet. Ich war gleichzeitig in therapeutischer Analyse bei einem inzwischen verstorbenen, sozial engagierten Kollegen. Wir haben, trotz wildester Träume und anderer Konvulsionen meines Unbewußten, mit keinem Wort daran gedacht, die politische Geschichter meiner Familie anzuschauen; eben sowenig geschah dies später in der Lehranalyse. Die Gründe sind vielfältig, institutionell, kollektiv wie individuell. Aber es ist ein Stück Scham zurückgeblieben, und ein Entidealisierungsschock, als mir deutlich wurde, in welchem Ausmaß die Psychoanalyse behindert war, ihr aufklärerisches Ideal in den Dienst der individuellen oder familiären oder gesellschaftlichen Wahrheit über die historischen Katatrophen zu stellen.
Aus: "Körperpsychotherapie, NS-Zeit und Krieg" - Vortrag von Tilmann Moser bei der Münchner Arbeitstagung für Körpertherapie (14. Oktober 1994) Quelle: http://www.tilmannmoser.de/publi/essays/1994_koerperpsy_ns_krieg.html Quelle #2: http://de.wikipedia.org/wiki/Tilmann_Moser
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« Reply #35 on: January 16, 2007, 09:12:53 AM » |
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[...] Selbstverständlich ist Gewalt und Mobbing Teil der Teenager-Phase. Wie war das? Wer frei ist von Schuld, der werfe den ersten Stein? Zum Teenager-Sein gehört es, sich zu hauen und andere runterzumachen. Das ist Teil des Sich-Abgrenzens, des Sich-Findens. [...] Die Eskalation der Gewalt an Hauptschulen hat allerdings nichts mehr mit diesem normalen Rahmen zu tun. Hier wächst eine Generation auf, die „ Opfer“ als Schimpfwort kennt. Das ist bezeichnend. Denn sie sind Opfer, auch wenn sie es nicht wahrnehmen. Sie sind Opfer eines Schulsystems, das Gleichtaktung und Abgrenzung fördert. Dumme bleiben unter Dummen und Schlaue unter Schlauen dumm. Sie sind Opfer eines Wirtschaftssystems, das den Schwachen keine Chance gibt. Das Ergebnis sind elitäre Wichtigtuer, die BWL mit Philosophie verwechseln und eine ghettoisierte Masse ohne Perspektive, die sich ihr Weltbild aus der Bildzeitung und den Talkshows zusammenzimmert. Und die Kinder dieser Menschen blicken nun auf unsere durchökonomisierte Gesellschaft und orientieren sich an ihr. Oliver Lück formuliert dies im spOn-Interview so: „Gewalt ist nun mal die ökonomischste und einfachste Art und Weise, Erfolgserlebnisse und Macht zu erleben. Aggression und Gewalt sind für diese Jugendlichen eine hoch ökonomische Überlebensstrategie.“ Denn nichts anderes lehrt der Markt: das Recht des Stärkeren. In einer Gesellschaft, die sich im großen Maße mit der Ökonomie identifiziert, sind solche Auswüchse nicht wirklich überraschend. Im Grunde sind die Checker in Neukölln also „nur“ sehr konsequent und haben scheinbar begriffen, wie Deutschland tickt. Ich könnte ihnen fast gratulieren zu diesem Scharfsinn, aber das Thema ist zu ernst für Ironie. unsere gesellschaft brütet einfach gewalt
roman libbertz 02.04.2006 22:49
Neue Gedanken: Es war noch nie anders. Schon immer beherscht Menschen der Gedanke an die Beherschung anderer. Schon immer ist die hervorstechendste Eigenschaft des Menschen die Aggression. Schon immer ist die hervorstechendste Eigenschaft des Menschen die Angst.
Kann es vielleicht auch sein, dass das moderne Modell des Zusammenlebens uns unserer eigenen Affigkeit näherbringt? Kann es sein, dass moderne und hochauflösende Bilder von Gewalt nur deshalb so irritierend wirken, weil wir diese seit Jahrtausenden gewohnt sind? Und jetzt, in unserer scheinbaren Zivilisiertheit ausblenden wollen? Und jetzt, indem wir einen Spiegel vorgehalten bekommen, eben nicht mehr sagen können: “das ist unmenschlich”?
Denn Gewalt ist menschlich. Gewalt ist natürlich. Genau wie Liebe.
Ich bin gespannt.
Rene 03.04.2006 00:44
Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung zitiert heute Detlev Buck, den Regisseur des Films “Knallhart” (dpa-Meldung): “Das Recht des Stärkeren wird ihnen [den gewalttätigen Jugendlichen] doch in der Gesellschaft vorgelebt, sodass man schon die Frage stellen darf, wer eigentlich brutaler ist, die Jugendlichen in Neukölln oder so mancher Banker oder Manager, wo es oft gleichzeitig um Aktiengewinne in Millionenhöhe und um die Vernichtung von Tausenden von Arbeitsplätzen geht”, meint Buck. “Das ist doch das große Tehema in unserer Gesellschaft, da wird Radikalität vorgelebt bis zum Exzess.”
achim 03.04.2006 17:09
[...] Bezeichnend ist nämlich nicht nur, dass wir “du Opfer” als Schimpfwort kennen, sondern auch, dass “Gutmensch” bei uns negativ belegt ist. qwerty 04.04.2006 18:00
Aus: "Du Opfer!" (2006/04/02) Quelle: http://www.spreeblick.com/2006/04/02/du-opfer/
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« Last Edit: January 16, 2007, 01:12:27 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #36 on: January 22, 2007, 12:45:44 PM » |
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[...] Bei einer Schlägerei an einer Berliner Schule ist ein Polizeibeamter schwer verletzt worden. Der Mann wollte nach Polizeiangaben am Freitagabend einen Streit an einem Gymnasium am Lichtenrader Damm in Tempelhof schlichten, als eine Gruppe Jugendlicher mit einer zwei Meter langen Eisenstange und einem Gürtel mit Metallschnallen auf ihn einschlug. Der Beamte erlitt schwere Verletzungen am Kopf und musste in einem Krankenhaus behandelt werden.
Die Jugendlichen hatten zuvor versucht, zu einer Schulfeier gelassen zu werden. Da es sich jedoch um eine schulinterne Party handelte, wurde ihnen der Einlass verwehrt. Daraufhin griff die 12- bis 15-köpfige Gruppe die Ordner am Eingang an. Der Polizeibeamte war zwar nicht im Dienst, aber zufällig vor Ort, weil sein Kind die Schule besucht.
[...] Zunächst bekam ein Ordner von einem 17-Jährigen einen Faustschlag ins Gesicht. Als der Kriminalbeamte in Zivil den Übergriff beobachtete, gab er sich zu erkennen und wollte den Angreifer festnehmen. Daraufhin wurde er laut Angaben jedoch von mehreren Jugendlichen angegriffen und erlitt schwere Verletzungen am ganzen Körper.
[...] Dem verletzten Beamten geht es den Angaben zufolge schlecht. So erlitt er eine Gehirnerschütterung und Platzwunden am Kopf. Außerdem wurde ihm durch die Attacke der Jugendlichen fast ein Ohr abgerissen.
Aus: "Berlin: Polizist bei Schlägerei an Schule schwer verletzt" (Text: dpa; 21. Januar 2007) Quelle: http://www.faz.net/s/Rub77CAECAE94D7431F9EACD163751D4CFD/Doc~EFBADBEC0117748F88B34B5EF283AECB4~ATpl~Ecommon~Scontent.html-.- [...] Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen vor einer Schule in Tempelhof ist am Freitagabend ein Polizeibeamter außer Dienst schwer verletzt worden. Der 42-Jährige wurde aus einer Gruppe von etwa 15 türkischen Jugendlichen heraus angegriffen und mit einer zwei Meter langen Eisenstange niedergeschlagen. Er erlitt dabei mehrere klaffende Wunden am Kopf, eine gebrochene Nase, Schnittverletzungen und Prellungen am ganzen Körper.
[...] Die gewalttätige Auseinandersetzung begann gegen 21.30 Uhr vor der Georg-Büchner-Oberschule am Lichtenrader Damm. Dort forderte die Gruppe der 14 bis 17 Jahre alten schulfremden Täter mehrfach lautstark Zugang zu einer Schulfeier, an der etwa 500 Schüler, Lehrer und Eltern teilnahmen. Als die als Ordner eingesetzten Schüler ihnen dies verweigerten, wurden sie von der nach Aussagen von Zeugen überaus aggressiv auftretenden Gruppe gezielt angegriffen.
[...] Daraufhin gab sich der Polizist, dessen Kind die Schule besucht, als Kripo-Beamter zu erkennen und versuchte, den Schülern zu Hilfe zu kommen und Streit zu schlichten, was ihm allerdings nicht gelang. Als er daraufhin den 17-Jährigen Y. der sich als besonders brutaler Schläger hervortat, festnehmen wollte, wurde er sofort attackiert und niedergeschlagen. Anschließend schlugen und traten die Jugendlichen immer wieder auf den hilflos am Boden liegenden Beamten ein.
"Einen derartigen Ausbruch an Brutalität und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen habe ich bislang noch nicht erlebt", sagte gestern ein 27-jähriger Polizeibeamter, der ebenfalls privat auf der Schulfeier war. Er sei auf den Vorfall aufmerksam geworden und seinem Kollegen sofort zu Hilfe geeilt. "Mein Kollege lag hilflos am Boden und sechs bis sieben Leute schlugen und traten auf ihn ein. Die waren völlig enthemmt", schilderte der 27-Jährige gegenüber der Berliner Morgenpost das Geschehen.
Aus: "Polizist von Jugendlichen mit Eisenstange niedergeschlagen" Von Hans H. Nibbrig (Berliner Morgenpost vom 21. Januar 2007) Quelle: http://www.morgenpost.de/content/2007/01/21/berlin/878165.html-.- [...] Kurz vor Mitternacht hatte sich Mohammed R. am Mittwochabend vor einem Haus an der Nogatstraße aufgehalten, als er Opfer eines Mordanschlags werden sollte. Ein Unbekannter zog eine Faustfeuerwaffe und drückte ab. Der Angehörige einer arabischen Großfamilie wurde nicht getroffen und flüchtete über die Rübelandstraße und schließlich in die Schierker Straße. Dabei wurde er von dem Schützen verfolgt, dieser gab dabei drei weitere Schüsse ab, verfehlte sein Opfer aber erneut.
Laut Informationen der Morgenpost soll der 26-jährige Mohammed R. Tage zuvor ein Mitglied einer anderen arabischen Großfamilie zusammengeschlagen haben. Er machte dazu aber keinerlei Angaben bei der Polizei. Zudem sei es ihm nicht möglich, den Schützen wiederzuerkennen.
[...] In einer Polizeistudie wurde bereits im Jahr 2003 auf die Problematik der sogenannten Großfamilien hingewiesen. So heißt es dort: "Die starke Stellung der vergleichsweise geringen Population "libanesisch-kurdischer" Täter an maßgeblicher Stelle im illegalen BTM-Geschäft (Betäubungsmittel), zumindest in Berlin, ist ein Beweis für die Effektivität ihrer Machterhaltungsstrategien und das vorhandene Gewaltpotential im Vergleich zu anderen ethnischen Minderheiten." Das Gewaltpotential, mit dem Auseinandersetzungen ausgetragen werden, sei enorm. So sei es in Berlin in der Vergangenheit zu zahlreichen Schießereien sogar in der Öffentlichkeit gekommen, bei denen sich verfeindete Gruppierungen "gegenseitig mit MP-Salven eindeckten". Ein wesentliches Element der Einschüchterungsstrategien sei die Drohung mit dem Clan.
Erfahrene Ermittler befürchten, dass eines Tages auch Unbeteiligte durch diese Revierkämpfe in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. "Diese Leute lauern ihrem Feind auf und eröffnen einfach das Feuer. Sollte zufällig ein Spaziergänger in der Nähe sein, wird darauf keine Rücksicht genommen", so ein Beamter. Es sei eine Frage der Zeit, bis in Berlin ein regelrechter Krieg ausbreche.
Aus: "Polizei erwartet Bandenkrieg in Berlin - Schießerei in Neukölln: Arabische Großfamilien bekämpfen sich" Von Michael Behrendt (Aus der Berliner Morgenpost vom 12. Januar 2007) Quelle: http://www.morgenpost.de/content/2007/01/12/berlin/876455.html-.- [...] Auseinandersetzungen unter Jugendlichen haben in der Nacht zum Sonntag mehrere leicht Verletzte gefordert. In Lichtenberg wurden ein 15-Jähriger an der Hand und ein weiterer junger Mann durch ein Messer am Daumen verletzt. Beide gehörten zu Gruppen, die sich gegen 21.20 Uhr zu einer "Aussprache" auf dem Freiaplatz getroffen hatten.
Mit einer Gehirnerschütterung und Platzwunden am Kopf ist heute früh gegen 4. 10 Uhr ein 18-Jähriger aus Moabit zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Polizei war kurz zuvor wegen einer Schlägerei zu einer Disco in die Amrumer Straße in Wedding gerufen worden. Dort trafen sie auf den verletzten 18 Jahre alten Mann, der - genau wie andere Zeugen - zum Tathergang nichts sagen wollte.
Aus: "Schlägereien mit mehreren Verletzten" (Von Ali; Berliner Morgenpost vom 15. Januar 2007) http://www.morgenpost.de/content/2007/01/15/berlin/877007.html-.-
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« Reply #37 on: January 24, 2007, 11:42:08 AM » |
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[...] Mainz (ddp-rps). «Wenn Sie Opfer von Gewalt werden wollen, gründen Sie eine Familie», sagt Kai Detlef Bussmann. So ganz wörtlich meint der Professor für Strafrecht und Kriminologie von der Universität Halle-Wittenberg das natürlich nicht, doch «statistisch gesehen» sei diese Aussage durchaus richtig, versichert er. Bussmann forscht seit Jahren über Gewalt und Gewaltprävention, erst kürzlich erstellte er eine Studie zum Thema «Gewaltfreie Erziehung» für das Bundesfamilienministerium. Die erschreckende Erkenntnis des Wissenschaftlers, die er auf einer Diskussionsveranstaltung des Innenministerium zum Thema «Prävention von Kindesmisshandlung» am Montagabend in Mainz vortrug: und Misshandlung.
20 Prozent der Jugendlichen in Deutschland erfahren eine Erziehung mit Gewalt, zwei bis drei Millionen Kinder werden während dieser Zeit mindestens einmal schwer misshandelt, so die Ergebnisse von Bussmanns Studien. Vor allem aber: es ist die Familie, die eine Spirale der Gewaltorientierung auslöst - nirgendwo findet so viel ungeahndete Gewalt statt wie dort. «Am Anfang stand die Annahme, die Familie sei ein Hort der Harmonie, heraus kam: sie ist ein Schlachtfeld», sagt Bussmann sarkastisch. So drohe etwa Frauen in Familien ein zehnfach höheres Risiko, Gewalt zu erleben, wie außerhalb der eigenen vier Wände. Wer aber Zuhause Gewalt bei der Erziehung erlebt, ist erheblich geneigter, sie selbst später auch einzusetzen.
Aus: "«Schlachtfeld Familie»" (Dienstag 23. Januar 2007) Quelle: http://de.news.yahoo.com/23012007/336/laquo-schlachtfeld-familie-raquo.html
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« Reply #38 on: January 25, 2007, 02:33:41 PM » |
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[...] ALCORCON "Wir werden sie rauswerfen", skandieren die Jugendlichen. Sie haben sich Schals, Kapuzen und Wollmützen übers Gesicht gezogen. Recken die Fäuste in die Höhe. Vielleicht ein Dutzend sind es, die sich vor dem Jugendzentrum in Alcorcon, einer von vielen Arbeitervorstädten im Süden der spanischen Hauptstadt Madrid, zusammengerottet haben.
"Wir haben es satt, dass die Latinos sich hier wie die Mafia aufspielen, uns bedrohen und berauben. Die machen, was sie wollen." Und: "Wir sind keine Rassisten", rufen sie über die Straße, "wir wollen nur unsere Stadt verteidigen." Gegenüber parkt am Bordstein ein Mannschaftswagen der Polizei. Die Beamten behalten die Gruppe der wütenden Jugendlichen im Auge. Die ganze Stadt, in der rund 160 000 Menschen leben, scheint im Belagerungszustand: Bereitschaftspolizei an allen Ecken. Seit dem Tag, an dem mehrere hundert spanische Jugendliche in Alcorcon lateinamerikanische Altersgenossen mit martialischen Parolen durch die Straßen jagten, ist es mit dem Frieden in der Satellitenstadt vorbei. Es gab Messerstiche, zertrümmertes Straßenmobiliar, Festnahmen, beschlagnahmte Waffen.
In Alcorcon, sorgte sich die konservative Tageszeitung "El Mundo", "scheint ein Pulverfass vor der Explosion zu stehen". Und nicht nur in dieser Trabantenstadt, wo der Ausländeranteil bei etwa 15 Prozent liegt, steigt die Spannung zwischen Immigranten und Spaniern. "Das ist kein Einzelfall", warnt Arturo Canalda, Jugendbeauftragter der Region Madrid, sondern ein genereller Konflikt. "Es geht um das soziale Zusammenleben und die Integration." Die Abneigung gegen Einwanderer sei im Immigrationsland Spanien in den vergangenen Jahren steil angestiegen.
In der Tat ist die massive Einwanderung in das südliche Königreich den Umfragen zufolge neuerdings die größte Sorge des 45-Millionen-Volkes. Der Ausländeranteil hat sich binnen fünf Jahren auf gut zehn Prozent verdoppelt. Rund eine halbe Million Menschen kommen derzeit pro Jahr in Spanien legal oder illegal an. Vor allem aus Lateinamerika und Osteuropa. Die schwarzafrikanischen Migranten, die mit ihren lebensgefährlichen Bootsfahrten übers Meer am meisten Schlagzeilen machen, sind derweil nur eine Minderheit im großen Immigrantenstrom Richtung Spanien.
In Alcorcon genügte ein Funke, um eine Straßenschlacht zwischen spanischen und südamerikanischen Jugendlichen auszulösen. Erst stritten zwei Mädchen, dann prügelten sich ihre Freunde, die wiederum Hilfe von Dutzenden Landsleuten bekamen. Funken wie in Alcorcon, warnt Spaniens größte Tageszeitung "El Pais", könnten bald auch in anderen Arbeitervorstädten Madrids mit hohem Immigrantenanteil und "gettoähnlichen Strukturen" sprühen.
Aus: " In Spaniens Vorstädten kocht Wut hoch: Jugendliche prügeln sich mit Ausländern / Massive Einwanderung schlägt sich in sozialen Spannungen nieder - Von Ralph Schulze (Vom 24.01.2007) Quelle: http://www.wiesbadener-kurier.de/politik/objekt.php3?artikel_id=2685305-.- [...] Die Sorge nach rassistischen Übergriffen wächst in Spanien nachdem es am Wochenende zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen aus Spanien und Südamerika gekommen ist. In Alcorcón bei Madrid sind sieben Menschen verletzt worden, einer von ihnen ist mit sechs Messerstichen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die spanische Zeitung "El Mundo" verglich daraufhin das Stadtviertel Alcorcón mit dem New Yorker Viertel Bronx. Die Situation ist aufgeheizt im 160.000 Einwohner Ort Alcorcón - Ursache für die Übergriffe war eine Prügelei am Freitag, bei der ein spanischer Jugendlicher schwer verletzt wurde. Mehrere hundert spanische Jugendliche zogen daraufhin das gesamte Wochenende durch die Straßen von Alcorcón. Die Polizei mußte mehrfach ausrücken. Mehrere Personen sind festgenommen worden. Von Regierungsseite wurde der Vorfall heruntergespielt - es handele sich um eine einmalige Aktion unter Jugendlichen.
Aus: "Spanien - The Bronx in Madrid" (Alcorcón, 23.01.2007) Quelle: http://www.megawelle.com/Nachrichten.1178.Spanien..The.Bronx.in.Madrid.html
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« Reply #39 on: January 25, 2007, 03:03:53 PM » |
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[...] Im Oktober 2005 flüchten drei Jugendliche auf dem Nachhauseweg vom Fußballspielen im Pariser Vorort Clichy-sous-Bois vor der Polizei. Sie wollen der Ausweiskontrolle entgehen, die oft genug auf dem Polizeirevier endet. Die Jagd führt die drei in ein Elektrizitätswerk. Doch dort kommen zwei Jugendliche durch einen Stromschlag ums Leben, der dritte trägt schwere Verletzungen davon. Der Unfalltod der Jungen löst wochenlange Krawalle und Ausschreitungen aus, die sich auf Vorstädte in ganz Frankreich ausweiten.
Die Ereignisse von damals zeichnet der französische Fernsehfilm "Wut in den Städten" nach, den Arte heute erstmals ausstrahlt. Regisseur Philippe Triboit setzte das Geschehen an den Originalschauplätzen und weitgehend mit Laiendarstellern aus Clichy-sous-Bois in Szene. Die Mischung aus Fiktion und dokumentarischem Material vermeidet einseitige Schuldzuweisungen und beleuchtet die Problematik gesellschaftlich abgehängter Vorstädte aus der Sicht eines recherchierenden Journalisten. Der Film stützt sich dabei auf Erlebnisberichte der Anwälte, die in dem Buch "L'affaire Clichy" veröffentlicht wurden.
Die Krawalle brechen aus, nachdem die Regierung eine Verantwortung der Polizei bestritten und behauptet hat, eine Verfolgungsjagd habe nie stattgefunden. Am selben Abend brennen die ersten Autos in Clichy-sous-Bois und später auch in ähnlichen Vorstadtsiedlungen in ganz Frankreich. Der belgische Journalist Alex (Thierry Godard) kommt am Tag darauf an, um kurz über den Unfall zu berichten. Doch er stößt auf Ungereimtheiten zum Ablauf der Ereignisse und erkennt, dass er das Thema deutlich unterschätzt hat.
Aus: "Als in Frankreich die Autos brannten" (12. Januar 2007) Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2007/01/12/667730.html
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« Reply #40 on: February 05, 2007, 09:06:19 AM » |
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[...] Oberstaatsanwalt Renato Papa hat ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags in erschwerter Form vorerst gegen Unbekannte eröffnet. Es gehe darum, "eine kriminelle Gruppe auszumachen, die auch von Minderjährigen gebildet" werde. Diese jungen Leute, so der Ermittler, würden die Ordnungskräfte "nur aus Lust und Laune attackieren".
Aus: "Krieg der Hooligans" VON ROMAN ARENS (ROM) (04.02.2007) Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/hintergrund/?sid=6282fb6db9b77dd18cbf5f728378ad75&em_cnt=1066059
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« Reply #41 on: February 05, 2007, 11:41:48 AM » |
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[...] Keineswegs zufällig setzte sich Albert Camus zwischen 1938 und 1944 mit dem durchgeknallten Imperator auseinander. Sein Drama entstand in der Zeit, in der die großen Diktaturen Europas zum Höhepunkt ihrer Gewaltentfesselung gelangten. Camus ging es um Anpassungswilligkeit, opportunistische Ergebenheit und die bis zur Selbstverleugnung reichende Loyalität der Paladine - und um einen Führer, einen "Sonnenkönig", der alle Mitmenschen wie Planeten und Trabanten auf die Umlaufbahn um seine egozentrische Person bringt. Es ging ihm, kurz gesagt, um das Funktionieren von Diktaturen und Diktatoren sowie deren Psychologie.
Aus: "Vom tödlichen Wahnsinn" VON FRIEDER REININGHAUS (taz NRW vom 2.12.2006) Quelle: http://www.taz.de/pt/2006/12/02/a0025.1/text
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« Reply #42 on: February 06, 2007, 10:15:26 AM » |
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[...] Bremen - Wie die Polizei heute mitteilte, erlitt das Opfer einen Nasenbeinbruch, eine Platzwunde sowie mehrere Prellungen und Schwellungen. Die 14-Jährige war zusammen mit ihrem ein Jahr älteren Begleiter aus einem Bus gestiegen, als sie völlig überraschend von drei Mädchen und zwei Jungen angegriffen wurde. Der Versuch des 15-Jährigen, seine Freundin zu befreien, scheiterte an der Überzahl der Täter.
Nach Angaben der Polizei hielten zwei Mädchen das Opfer fest, während die dritte dem wehrlosen Opfer mehrfach ins Gesicht schlug und dann den Kopf der Schülerin mit Wucht auf ihr angezogenes Knie hinunterzog. Das Geschehen wurde von den beiden Jungen, welche die Mädchen begleiteten, mit einer Videokamera gefilmt. Anschließend flüchteten die fünf Jugendlichen. Das 14 Jahre alte Opfer musste in einem Bremer Krankenhaus ambulant behandelt werden.
Aus: "BREMEN: Jugendliche prügeln 14-Jährige krankenhausreif" (pav/ddp; SPON; 05. Februar 2007) Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,464496,00.html
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« Reply #43 on: February 06, 2007, 12:13:52 PM » |
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[...] Zehn Stunden Schicht. Streifelaufen in Charlottenburg. Feierabend. Endlich raus aus der Polizeiuniform, sofort duschen gehen. Erstmal heimfahren. Regionalexpress, halbe Stunde Fahrt von Berlin bis Nauen in Brandenburg.
Es ist 20.29 Uhr. Sind die drei Typen bekloppt? Was machen die da, klauen die Nothämmer aus der Halterung. Die greif ich mir. Nauen. Aussteigen. Scheiben gehen zu Bruch an den Wartehäuschen vorm Bahnhof. Das gibts ja nicht. Drehen die durch? Pfefferspray. Die haun trotzdem ab. Stehen bleiben. Verdammt noch mal. Waffe raus. Warnschuss. Scheiße, was soll das. Scheiße.
"Baba" ist tot: Es ist Mittwochabend, kurz nach 21 Uhr. Auf dem Vorplatz des Bahnhofs liegt ein Mensch. Zwei Schüsse haben ihn getroffen. Einer am Kopf, einer am Oberschenkel. Der Mann ist 28 Jahre alt, er heißt Sven G., gelernter Koch. Er hat eine Lebensgefährtin, vier Kinder und seine Kumpels nennen ihn "Baba". Er ist tot. Nichts mehr zu machen, sagt der Notarzt, der wenig später mit Blaulicht vorfährt. Sebastian V. hat ihn gerufen. Er ist 24 Jahre alt, Polizeikommissar. Seit vergangenem September im Charlottenburger Revier. Er hat die tödlichen Schüsse abgefeuert. Mit seiner Dienstwaffe. Einer Sig Sauer P6. Kaliber 9mm. Er wollte eigentlich nur nach Hause, zur Freundin.
[...] Kollegen sperren den Platz ab. Ein rot-weißes Band. Der Tote ist mit einer Plane zugedeckt. Zwei Leuchtkegel markieren den Fundort. Jemand macht Fotos. Routine, Spurensicherung. Es ist gegen 21.30 Uhr. Christian F., einer der beiden Kumpels von "Baba" sitzt drüben und wird befragt. Er hatte neben seinem toten Freund gekniet, als die Beamten mit Blaulicht ankamen. Er hat überhaupt nicht begriffen, was los ist. Sebastian V. auch nicht. Die Kollegen haben ihm die Waffe abgenommen. Dann sind sie mit ihm zur Wache gefahren. Protokoll aufnehmen. Herrgottnochmal, was ist passiert? "Wir waren alle nicht dabei, können im Moment nur mutmaßen, was sich abgespielt hat", erklärt Staatsanwalt Wilfried Lehmann am Tag nach der Tat.
[....] Aber offensichtlich sei die Situation aus noch nicht nachvollziehbaren Gründen eskaliert. Es wäre hilfreich, wenn Sebastian V. etwas zum Hergang sagen würde. Aber der sagt nichts. Ein Psychologe muss sich um ihn kümmern. Das Ganze, soviel steht schon mal fest, ist eine heikle Angelegenheit. Man kann es am großen öffentlichen Interesse sehen, das einsetzt, als der Vorfall bekannt wird. Gerüchte schießen ins Kraut. "Durchgeknallter Bulle erschießt wehrlosen Jugendlichen", lautet eines. "Die wollten den Bullen umbringen", ein anderes. . Bei der Staatsanwaltschaft laufen die Telefone heiß. Sogar Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hat sich schon geäußert. "Wenn ein Beamter zur Waffe greift, muss es einen ganz besonderen Hintergrund geben", hatte er erklärt. "Welchen?", wollen die Leute wissen. Durfte der Polizist nach Feierabend überhaupt eine Waffe tragen, waren die Randalierer bewaffnet, haben sie ihn bedroht, war es Notwehr, hätte der Beamte besonnener reagieren müssen, es ging schließlich nur um ein paar zerbrochene Scheiben, wieso knallt der überhaupt einfach so auf jemanden, war er überfordert?
[...] "Was einmal gesagt ist, ist gesagt. Das kann in einem späteren Prozess zum Verhängnis werden", so ein Sprecher, der um Verständnis für die spärlichen Informationen wirbt. Die Jungs stehen alle auf der Seite ihres Berliner Kollegen. Für sie gibt es keinen Zweifel daran, dass er in Notwehr handelte. Es spricht doch alles dafür, sagen sie.
Kurz vor 21 Uhr hat Sebastian V. über sein Handy die 110 gewählt. Er wird mit der Leitstelle des Potsdamer Polizeipräsidiums verbunden. Er sagt, dass er allein ist und gerade drei Straftäter gestellt hat. Man sagt ihm Unterstützung zu, die Verbindung bleibt bestehen. Die Beamten hören, dass es Gerangel gibt, dass jemand etwas ruft, dass Schüsse fallen. Zwei Tage nach dem Vorfall wertet die Staatsanwaltschaft das Band aus. "Wird aber noch dauern, ehe man ein genaues Bild der Lage hat", vermutet Sprecher Christoph Lange. Aber er ist ziemlich sicher: "Sebastian V. wird unter Schock gestanden haben." Drei gegen einen das sei einer der Umstände, die für Notwehr sprechen könnten.
"Unglaublicher Vorgang": "Babas" Kumpel Lars bestreitet das. Er war zunächst abgehauen, als am Mittwochabend die Luft brannte. Aus Berlin hatte er bei der Polizei angerufen. Er wolle einen "unglaublichen Vorgang" melden, sagte er. Was er den Ermittlern berichtete, will Staatsanwalt Lehmann allerdingsnicht sagen. Noch nicht. Im Polizeipräsidium Potsdam wird am Montag darüber diskutiert. Es heißt, Sebastian V. habe die drei Randalierer verfolgt und ihnen aus etwa 50 Metern Entfernung hinterhergeschossen. Wenn das stimmt, dann wird es eng für ihren Kollegen. Da hilft es auch nicht, wenn Bodo Pfalzgraf von der Deutschen Polizeigewerkschaft sagt, er bemerke, dass viele Jugendliche keinen Respekt mehr hätten. Was ändert es, wenn er sagt: "Auch wenn ein Beamter mit dem Gebrauch der Schusswaffe droht, lässt das die Angreifer kalt." Nach Polizeirecht darf ein Kriminalbeamter nicht zur Waffe greifen, um sich Respekt zu verschaffen, sondern nur wenn Gefahr für die eigene Gesundheit besteht oder der Gegner angriffs- oder fluchtunfähig gemacht werden soll. In einer solchen Notwehrsituation darf der Polizist den Angreifer in die Arme oder Beine schießen.
[...] Blanke Theorie. "In so einer Situation hat man keine Zeit zu zielen", sagt Hansjörg Dräger, einer der Sprecher der Berliner Polizei ab und erhält Unterstützung von der Polizeigewerkschaft GdP. "Es steht mir bis hier", so Andreas Schuster, Landesvorsitzender der Brandenburger Gewerkschafter. "Da macht einer nicht nur Dienst nach Vorschrift, sondern auch nach Feierabend seinen Job, legt sich mit dreien an und was passiert? Alle Welt schreit, der Bulle hatte sich nicht im Griff." Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Polizisten. Da gebe es Anti-Schießtraining und Unterweisungen in Stress-Konfliktbewältigung. "Aber was ist später? Da sind Fortbildungen doch kaum noch auf dem Programm", winkt Schuster ab.
Ein Brandenburger Polizist erzählt: "Ich habe gerade vier Mal im Jahr Schießtraining. Wenn ich mal in einer kritischen Situation bin, weiß ich auch nicht, wie ich reagiere. Einfach weil die Routine fehlt, weil ich nicht oft genug geübt habe, mit so einem Stress umzugehen." GdP-Mann Schuster meint: "Von 2002 bis 2006 wurden bei der Brandenburger Polizei 725 Stellen abgebaut. Bis 2009 sollen 585 Kollegen gehen und bis 2012 nochmal 350. Es geht nur noch ums Geld. Einsparen um jeden Preis. Sparen bei der Ausbildung, sparen bei der Besetzung der Dienststellen, sparen bei der Prävention.
Aus: "Todesschüsse von Nauen: Warum musste Sven G. sterben?" (06. Februar 2007) Quelle: http://www.stern.de/politik/panorama/:Todessch%FCsse-Nauen-Warum-Sven-G./581887.html
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« Reply #44 on: February 12, 2007, 08:58:07 AM » |
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[...] Nach Auskunft der Polizei wurden 36 Beamte und sechs Zivilisten verletzt. Auch Pferde und Hunde waren Ziel der Attacken. An 21 Polizei-Autos seien Schäden in zunächst unbekannter Höhe entstanden. Fünf mutmaßliche Gewalttäter wurden vorübergehend festgenommen.
[...] Kurz nach dem Spiel, das mit einem 3:0-Sieg für Aue endete, hatten rund 800 Hooligans von Lok Leipzig die 300 eingesetzten Polizisten attackiert. Sie bewarfen die Beamten sowie Pferde und Hunde mit Steinen und Betonteilen. Mit Schlagstöcken und Pfefferspray setzten sich die Einsatzkräfte zur Wehr. Einige Angreifer wurden von Hunden gebissen.
Ein Zivilpolizist gab einen Warnschuss ab, als er von 20 Hooligans verfolgt und zu Boden geworfen wurde. Kollegen konnten ihn kurz darauf in Sicherheit bringen. Die Polizei sprach von gezielt geplanten Aktionen gegen die Beamten. Schon während des Spiels hatten Anhänger beider Mannschaften Feuerwerkskörper gezündet und sich gegenseitig beschimpft. Der Schiedsrichter musste die Partie zwei Mal unterbrechen.
Aus: "Gewalt im Fußball: Schlimme Ausschreitungen nach Fußballspiel in Leipzig - Nach dem Spiel von Lok Leipzig gegen Erzgebirge Aue II greifen 800 Hooligans 300 Polizisten an - mit Steinen und Betonteilen" (11.02.2007) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,kull3/sport/dfbpokal/artikel/656/101555/
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