COMMUNICATIONS LASER #17
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Author Topic: [Versprengte Notizen zum Krieg... ]  (Read 42131 times)
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« Reply #15 on: September 27, 2006, 01:48:10 PM »

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[...] Mit großer Mehrheit hat das Repräsentantenhaus mehr Geld für das US-Militär im Irak und in Afghanistan bewilligt. Insgesamt wurden dafür 70 Milliarden Dollar freigegeben.

Washington - Neben der Aufstockung der Mittel für die Einsätze im Irak und in Afghanistan um weitere 70 Milliarden Dollar stimmten die Abgeordneten des Repräsentantenhaus auch einem um fünf Prozent auf 448 Milliarden Dollar aufgeblähten Verteidigungshaushalt zu. 394 Abgeordnete votierten für den Pentagon-Haushalt, 22 dagegen.

Mit einer Zustimmung des Senats wird in den nächsten Tagen gerechnet. Der mit dem Senat ausgehandelte Kompromiss bleibt etwas hinter den Forderungen von US-Präsident George W. Bush zurück.

Die Kosten für den Irakkrieg belaufen sich derzeit auf rund acht Milliarden Dollar pro Monat, im Frühjahr sollen die Ausgaben erhöht werden. Wenn der Haushalt verabschiedet wird, hat der US-Kongress seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 insgesamt 507 Milliarden Dollar für die Militäroperationen im Irak, in Afghanistan und für erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in amerikanischen Militäreinrichtungen im Ausland bewilligt.

als/AP


Aus: "RÜSTUNG: Mehr Geld für US-Militär im Irak und Afghanistan" (SPON; 27. September 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,439462,00.html

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[...] Zeitungsberichten zufolge enthält der Bericht mit dem Titel "Trends im weltweiten Terrorismus - Folgen für die USA" eine zentrale These: Alle 16 einzelnen US-Nachrichtendienste seien bei einer Analyse der Sicherheitslage zu dem Schluss gekommen seien, dass "der Krieg im Irak das allgemeine Terrorproblem verschlimmert hat". Inzwischen gebe es zahlreiche Islamisten-Zellen, die zwar von der Terrororganisation al-Qaida inspiriert seien, aber keine direkte Verbindung mehr zu deren Anführer Osama bin Laden oder seinen Vertretern hätten. Das zitierte die "New York Times" am Wochenende aus der vertraulichen Analyse des National Intelligence Estimate (NIE).

[...] Bei der Geheimanalyse handelt es sich um die erste offizielle Einschätzung der globalen Terrorbedrohung seit Beginn des Irak-Kriegs, berichtete die "New York Times". Sie weise der US-Invasion eine größere Bedeutung bei der "Anheizung des Radikalismus" zu als bisher in Dokumenten des Weißen Hauses. Die Zeitung beruft sich auf Angaben von mehr als einem Dutzend Regierungsbeamten und Experten, die entweder die Endversion des im April fertiggestellten Dossiers gesehen hätten oder an früheren Entwürfen beteiligt gewesen seien.

Der Bericht besage im Kern, dass der Irak-Krieg das Terrorismus-Problem insgesamt schlimmer gemacht habe, wurde ein Beamter zitiert. Einige der Schlussfolgerungen decken sich mit den Prognosen aus einem anderen Geheimdienstbericht vom Januar 2003: Damals wurde unter anderem gewarnt, ein Krieg im Irak könne zu zunehmender Unterstützung für den Islam in der ganzen Welt führen, berichtete die Zeitung weiter.


Aus: "IRAK-BERICHT: Bush ordnet Veröffentlichung von Geheimpapier an" (SPON; 26. September 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,439413,00.html

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[...] Der US-Präsident warf seinen Kritikern vor, die Auszüge aus dem geheimen Bericht mit Blick auf die bevorstehende Kongresswahl in den USA am 7. November an die Öffentlichkeit gebracht zu haben. Er habe jetzt den Nationalen Geheimdienstchef John Negroponte angewiesen, jene Teile des Berichts freizugeben, deren Verbreitung keine Gefährdung der nationalen Sicherheit bedeuteten.

[...] Die oppositionellen Demokraten nutzten die am Wochenende veröffentlichten Passagen des Bericht um ihre Kritik an der Irak-Politik des Präsidenten zu untermauern. Die Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, forderte am Dienstag eine Sitzung der Parlamentskammer hinter verschlossenen Türen, um über die Analyse der Geheimdienste zum weltweiten Terrorismus zu beraten.

Eine Tagung des Abgeordnetenhauses unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist äußerst selten. Sie gab es zuletzt 1983. Damals beriet die Kammer über die heimliche Unterstützung rechtsgerichteter Rebellen in Nicaragua durch die Regierung von Präsident Ronald Reagan. (nz)


Aus: "Bush sieht Irak-Krieg nicht als Terrorauslöser" (NZ; 26. Sep.2006)
Quelle: http://www.netzeitung.de/spezial/kampfgegenterror/443120.html
« Last Edit: September 27, 2006, 02:18:21 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #16 on: September 28, 2006, 10:26:43 AM »

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[...] München - Unmittelbar vor der namentlichen Abstimmung im Parlament forderten der frühere Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Willy Wimmer (CDU), und der CSU-Politiker Peter Gauweiler den Abzug der deutschen Streitkräfte aus der Krisenregion. Der Einsatz sei fehlgeschlagen und zu riskant, argumentierten sie im "Münchner Merkur".

[...] Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) fordert angesichts der "verschärften" Sicherheitslage in Afghanistan eine neue Nato-Strategie. Es müsse Sicherheit geschaffen, aber auch der Wiederaufbau gewährleistet werden, betonte Jung im ZDF-"Morgenmagazin". Mit diesem Vorgehen stoße die Bundeswehr im Norden des Landes auf Zustimmung, die Strategie der Nato müsse "insgesamt in diese Richtung geändert werden".

Italien und Großbritannien würden der deutschen Position nach anfänglicher Skepsis mittlerweile zustimmen, und er sei "überzeugt", dass auch die USA den Prozess so fortentwickeln, sagte Jung, der noch heute zur Nato-Verteidigungsministerkonferenz abreist.

Dort soll am Abend über eine Ausdehnung des Nato-Einsatzes in die Osthälfte Afghanistans entschieden werden. Dies störe natürlich einige Kreise im Land, insbesondere Drogenbarone, die darauf mit neuen Terroraktionen reagierten, sagte Jung. Die Bevölkerung sei eines der größten Schutzschilder der Soldaten. Daher müsse klar werden, dass die Soldaten nicht Besatzer, sondern Wiederaufbauhelfer seien. Dies sei in der Vergangenheit "teilweise anders" erfolgt und habe zu Enttäuschung in der Bevölkerung geführt. (tso/ddp/AFP)


Aus: "Afghanistan: Unions-Abgeordnete fordern Bundeswehr-Abzug" In der Union formiert sich offenbar Widerstand gegen eine Verlängerung des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan. Der deutsche Botschafter in Kabul warnt unterdessen vor einer Katastrophe (28.09.2006)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/nachrichten/afghanistan-bundeswehr/75423.asp

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[...] Es könne passieren, dass die Regierung in den kommenden 12 bis 18 Monaten die Kontrolle über das Land verliere, sagte der Diplomat demnach dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestages. Es könne zu einer Katastrophe kommen, wenn Sicherheitskonzepte nicht angepasst würden, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf Teilnehmer weiter. Zudem sei der Süden von Afghanistan von den Nato-Soldaten nicht zu gewinnen.


Aus: "AFGHANISTAN-EINSATZ: Deutscher Botschafter warnt vor drohender Katastrophe" (SPON; 28. September 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,439688,00.html


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sysop Administrator: Kann unter den aktuellen Umständen der Friedenseinsatz der Truppe noch realisiert werden? Sind Bundeswehrsoldaten hierfür richtig gerüstet? Sollte man die Präsenz technisch und zahlenmäßig ausbauen oder sich lieber ganz zurückziehen?

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mitbürger Erfahrener Benutzer: Jetzt aber schnell raus dort unten!

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eulenbaer Neuer Benutzer: Die Präsenz verdoppeln!


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 Krischi Erfahrener Benutzer: ...und schnell in den Kongo rein;-)


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"coniferia": [...] Seit hunderten Jahren wir das Land immer wieder von ausländischen Mächten besetzt und zum Spielball ausländischer Interessen. Nach britischen, russischen sind eben jetzt amerikanische Besatzer (und deren Hilfstruppen). Für den normalen Afghanen ist fremdes Militär in seinem Land immer schon ein Dorn im Auge und der unterschwellige Hass auf die Besatzer ist immer da (und es braucht halt nur den berühmten Funken, um ihn zum Ausbruch zu bringen). Es wird schlicht vergessen, daß die fremden Truppen nicht von den Afghanen eingeladen oder um Hilfe gebeten worden sind, sondern in einer Art Angriffskrieg einmarschiert sind und sich festgesetzt haben. Die Afghanen finden sich prinzipiell nur sehr schwer mit fremden Truppen in ihrem Land ab und werden sie wohl immer als Aggressoren betrachten. Das hat gar nichts mit Taliban oder sonstigen Kraeften aehnlicher Art zu tun. Ueber die Mär von der "willkommenen Friedenstruppe" lacht man naemlich in Kabul genau wie in Bagdad. Fremde Truppen sind schlicht und einfach Besatzer.


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georgeskoch: [...] Die Vorstellung die Welt retten zu können sollten wir langsam aufgeben, denn dann müssten wir an unzähligen Orten in der ganzen Welt eingreifen.
Speziell die Moslems sind als Objekt unserer "Nächstenliebe" völlig ungeeignet. Sie verachten uns, unsere Kultur, unsere Religion.
Sie können und sollen ihre Kultur, Religion in ihren Heimatländern ausleben, bis sie irgendwann zu besseren Einsichten und menschlichen, zivilisierten Verhaltensweisen in der Lage sind. Sie können, wenn sie wollen, Unrecht in ihren Staaten selbst beseitigen, da sie dazu keinerlei Anstalten machen, erscheinen ihnen die Zustände akzeptabel oder sogar wünschenswert, ansonsten würden sie in ihren Moscheen weltweit gegen die Taliban hetzen und nicht gegen uns!!
Sie verfügen, als Gruppe insgesamt gesehen, über genug Geld und Möglichkeiten um sich "brüderlich" selbst versorgen zu können. Lasst sie in Ruhe, Allah wird ihnen den Weg zeigen, wer sonst, wir jedenfalls nicht!!


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sepp77:[...] mit einem Abzug der deutschen Truppen würden wir uns geradezu lächerlich machen. Man muss auch mal ein bißchen darauf achten wie man auf internationaler Ebene dasteht, wenn man jetzt den Schwanz einzieht. Imerhin sind viele der NATO-Staaten die wir bei einem Truppenabzug im Stich lassen würden auch wirtschaftliche Handelspartner. Jaja ich weiß...blöde Wirtschaft...aber sie bringt uns wenigstens die Wurst aufs Brot! Und wer heult wieder rum, wenn Arbeitsplätze flöten gehen?
Gut...das get jetzt ein bißchen weit, aber man kann auch nicht alles nur getrennt voneinander sehen.
Bis die Tage!


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Simpso: [...] es wirkt heutzutage in D als besonderes aufgeklärt und intellektuell, wenn man gegen die Bundeswehr ist. Man sollte diese Leute aber nicht sonderlich ernst nehmen, es ist eine lautstarke Minderheit.



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 wickert Neuer Benutzer: Um unsere politischen Interessen weltweit zu vertreten,sollte man in Berlin darüber nachdenken eine Art "Fremdenlegion" in das deutsche Militär zu integrieren. Eine Große Chance für Migrantenkinder ihre
Liebe zum neuen Vaterland zu dokumentieren.

Vom Ansatz her richtig. Ich gehe da aber noch weiter. Die üblichen Entsendernationen, und alle, die ein Interesse an Ruhe haben, sollten für solche Fälle gemeinsam eine professionelle Kampftruppe finanzieren, in Form einer Kapitalgesellschaft, meinetwegen einer irischen Ltd., und diese private Firma kann mit den richtigen Leuten, vor allen Dingen solchen, denen es Spaß macht, für Ordnung und Respekt sorgen. Die öffentlichen Militärs leisten nur logistische Hilfe und eventuell Luftunterstützung. Ich denke, man könnte so gigantisches Geld sparen, und ein paar wirklich toughe Leute würden sich auch richtigen Respekt verschaffen.

Entsendeentscheidung durch einfache Mehrheit nach Kapitalanteilen bzw. Gesamtengagement.




Aus: "SPON Fourum Thema:  Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan - weiterhin sinnvoll oder zu gefährlich?"  
Stand: 28.09.2006
Quelle: http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=395361

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[...] Mit großer Mehrheit hat der Bundestag einer Verlängerung des Isaf-Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan zugestimmt. Die deutschen Soldaten werden damit bis Herbst 2007 am Hindukusch stehen. Auch das Mandat für den Sudan wurde verlängert.


Aus: "Bundestag verlängert Afghanistan-Einsatz um ein Jahr" (SPON; 28. September 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,439856,00.html

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[...] Berlin - Die US-Regierung hat Deutschland aufgefordert, deutsche Soldaten auch im umkämpften Süden Afghanistans einzusetzen. "Die Nato muss flexibler sein bei der Verschiebung von Truppen von einer Region in die andere", sagte US-Außenstaatssekretär Nicholas Burns am Montag der Zeitung "Welt am Sonntag" in Berlin.

[...] Die Nato-Friedenstruppe Isaf ist seit der Übernahme des Kommandos im Süden des Landes in einen Bodenkrieg gegen Taliban-Kämpfer verwickelt. Deutschland war in den vergangenen Wochen zunehmend unter Druck geraten, Soldaten in den Süden zu schicken. Die Bundesregierung hat dies bisher abgelehnt mit Verweis darauf, dass im ruhigeren Norden schon knapp 2900 deutsche Soldaten im Einsatz seien. Außerdem unterstütze die Bundeswehr die Truppen im Süden zeitweise beim Lufttransport.

[...] Deutschland ist bereits seit März 2002 am Aufbau der Polizei in Afghanistan beteiligt. Etwa 70 Millionen Euro wurden bisher dafür bereitgestellt. (APA/Reuters)

 

Aus: "USA fordern deutsch/französische Beteiligung an Anti-Taliban-Offensive" (23. Oktober 2006)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2634471

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[...]  Die wahren Kräfteverhältnisse lassen sich daran ermessen, dass die Nato-Kontingente sich hüten, gegen die steigende Produktion von Opium und Heroin vorzugehen, um nicht in einen "asymmetrischen Krieg" gegen die Opiumfabrikanten verwickelt zu werden. Was die "Demokratisierung" dieser archaischen Stammesgesellschaft betrifft, können nur noch Narren oder Lügner diesen Begriff im Munde führen.

Seit die Wahlen in Algerien, Palästina und im Irak dem militanten Islamismus zugute kamen, ist man sogar in Washington vom "Stimmzettel-Fetischismus" abgerückt. Offenbar ist niemand fähig, aus der Geschichte zu lernen. Die Briten hätten sich an 1841 erinnern müssen, als 16.000 Untertanen Ihrer Majestät beim Rückzug aus Kabul der Wut der Stammeskrieger zum Opfer fielen. Der sowjetische Eroberungsfeldzug endete im totalen Fiasko. Auch das Nato-Unternehmen am Hindukusch sollte als "mission impossible" erkannt werden.


Aus: "Afghanistan: Warum wir am Hindukusch verlieren werden" Von Peter Scholl-Latour (Der Asienkenner und Krisenexperte Peter Scholl-Latour wundert sich darüber, dass niemand aus der Geschichte lernen will; welt.de; 05.11.2006)
Quelle: http://www.welt.de/data/2006/11/05/1099625.html

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[...] Ketanest wird eigentlich nur in Ausnahmefällen in der Notfallmedizin verwendet. Der Offizier habe an Eides statt seine Darstellungen von Quälereien an afghanischen Kindern bekräftigt, schreibt das Blatt. Ein Soldat habe einem afghanischen Jungen eine geladene Waffe an den Kopf gehalten. In dieser Pose habe er sich von mehreren Kameraden fotografieren lassen, während das Kind offensichtlich furchtbar verängstigt gewesen sei.


Aus: "Afghanistan: Deutsche Soldaten im Drogenrausch?" (06.11.2006)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/politik/deutschland/373059

« Last Edit: July 26, 2010, 11:03:09 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #17 on: September 28, 2006, 11:10:12 AM »

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[...] Mit annähernd 20 000 Euro erhielt Kahrs allein von den beiden Rüstungsfirmen mehr, als die Hamburger SPD-Direktkandidaten von ihrem Landesverband für den Bundestagswahlkampf bekamen. Kahrs Wahletat dürfte nach Schätzungen von Insidern bei annähernd 70 000 Euro gelegen haben - und damit mehr als doppelt so hoch gewesen sein wie der der anderen SPD-Direktkandidaten. In der Hamburger SPD, in der Kahrs nicht sonderlich beliebt ist, wundert man sich schon lange, woher der Bundestagsabgeordnete 2005 zum Beispiel das Geld für die 2000 Stellschilder und vielen Großplakate nahm, die flächendeckend den Bezirk füllten. Seinen Wahlkreis gewann er direkt. Inzwischen wird in anderen Bezirken der Hamburger SPD angesichts der Rüstungsspenden darüber nachgedacht, ob man nicht eine Art Anstandskodex für Spenden aufstellen solle.


Aus: "Kritik an Rüstungsspenden für SPD-Mann" - Verteidigungsexperte Johannes Kahrs soll Geld von Waffenkonzernen für seinen Wahlkampf bekommen haben. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs hat Kritik an Spenden der Rüstungsindustrie für seinen Wahlkampf in Hamburg zurückgewiesen. Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises ist auch einer der Militärexperten der SPD-Bundestagsfraktion (28. September 2006)
Quelle: http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?sid=5110471ed711f7cd612ba74d834a864a&em_cnt=978498

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[...]  Die Tendenz ist weiter steigend. Ein Jahr zuvor gab man den Wert der genehmigten Rüstungsexporte mit 3,807 Milliarden Euro an. Ein Anstieg um rund zehn Prozent ist für viele andere Wirtschaftsbranchen nur ein Traum.
Wo Profit wartet, gibt es Andrang.

Aus: "Waffen für die Welt – Made in Germany" Bundesregierung legte Rüstungsexportbericht für 2005 vor – Tendenz steigend
Von René Heilig ( 28.09.06)
Quelle: http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=97771&IDC=2

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[...] Wichtigster Rüstungskunde sind die USA. Deutsche Firmen erhielten 2005 für den Export in die Staaten Einzelgenehmigungen über rund 631 Mio. Euro. Auf Rang zwei folgt Südafrika mit 614 Mio. Euro, was an einem großen U-Boot- und Korvetten-Geschäft liegt. Drittwichtigster Kunde sind die Vereinigten Arabischen Emirate (316 Mio.), vor Griechenland (256 Mio.) und Frankreich (220 Mio.).


Aus: "10 % Zuwachs 2005 - Mehr Rüstungsexporte" (Mittwoch, 27. September 2006)
Quelle: http://www.n-tv.de/715699.html

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[...] New York - Der weltgröße Rüstungskonzern Lockheed Martin hat mit einem Gewinnanstieg von 47 Prozent die Analystenerwartungen deutlich übertroffen. Für das dritte Quartal gab der US-Hersteller von F-16-Kampfflugzeugen und "Patriot"-Abwehrraketen am Dienstag vor Börseneröffnung einen Gewinnanstieg um rund 47 Prozent auf 629 Mio. Dollar oder 1,46 Cent je Aktie bekannt.

[...] Lockheed profitierte im dritten Quartal von den Rekord-Rüstungsausgaben der USA im Zusammenhang mit den Kriegen im Irak und in Afghanistan. Besonders die Elektronik- und Raumfahrtsparten legten zu. Die Luftfahrtsparte zeigte sich dagegen schwächer. (APA/Reuters)


Aus: "Lockheed Martin übertrifft Erwartungen" (24. Oktober 2006)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2635685

« Last Edit: June 20, 2007, 02:21:06 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #18 on: September 28, 2006, 12:57:38 PM »

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[...] Krajisnik steht wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, für die serbische Vertreibungspolitik im Bosnien- Krieg von 1992 bis 1995 mitverantwortlich gewesen zu sein. Der Verteidiger beschrieb Krajisnik am Mittwoch als kleines Rädchen im Getriebe. Zudem habe sich der Angeklagte schon früh für eine friedliche Lösung des Konflikts eingesetzt. Das Urteil wird im September erwartet.


Aus: "Journalist vom Haager Uno-Tribunal verurteilt" - Aussagen des geschützten Zeugen Mesic in Kroatien veröffentlicht - Von vau (Amsterdam, 30. August 2006)
Quelle: http://www.nzz.ch/2006/08/31/al/articleEFIL1.html

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[...] Jeder einzelne Anklagepunkt zu Verbrechen während des Bosnienkrieges rechtfertige bei einem Schuldspruch die Höchststrafe für Momcilo Krajisnik, zitierte ein Gerichtssprecher am Mittwoch den Klagevertreter Alan Tieger.

[...] Die Chefanklägerin des Tribunals, Carla del Ponte, hatte es erst vor kurzem als skandalös bezeichnet, dass Karadzic und der frühere serbische General Ratko Mladic noch nicht gefasst seien. Karadzic und Mladic wird vorgeworfen, die Hauptverantwortlichen für das schlimmste Massaker an Zivilisten in Europa seit Ende des Zweiten Weltkrieges in der moslemischen Enklave Srebrenica zu sein. Mitglieder der bosnisch-serbischen Armee töteten in der Stadt, die damals in serbisch besetztem Gebiet lag, im Juli 1995 rund 8000 moslemische Zivilisten.


Aus: "Höchststrafe für bosnischen Serben wegen Völkermords gefordert" (Mi Aug 30, 2006 7:51 MESZ254)
Quelle: http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=worldNews&storyID=2006-08-30T175109Z_01_KOE064258_RTRDEOC_0_UN-KRIEGSVERBRECHER-KRAJISNIK.xml

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[...] Der Prozess hatte mehr als zwei Jahre gedauert, Krajisnik war vor sechs Jahren festgenommen worden. Er selbst hatte sich während des Verfahrens als Friedensstifter bezeichnet. Die Strafe erfolgte wegen Krajisniks Rolle im Bosnienkrieg Anfang der 90er Jahre - er galt als rechte Hand des Serbenführers Radovan Karadzic, der mit internationalem Haftbefehl gesucht wird. In dem Bosnienrieg waren rund 200.000 Menschen getötet und zwei Millionen vertrieben worden, die meisten davon Muslime und Kroaten.


Aus: "Uno-Kriegsverbrechertribunal: Urteil gegen Krajisnik" (28 September 2006)
Quelle: http://www.euronews.net/create_html.php?page=detail_info&article=382021&lng=3
« Last Edit: June 20, 2007, 02:21:24 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #19 on: September 28, 2006, 09:02:40 PM »

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[...] Verteidigungs-Staatssekretär Christian Schmidt bekräftigte, die 2900 Bundeswehrsoldaten sollten auch weiterhin im vergleichsweise ruhigen Norden Afghanistans bleiben. Dies sei der «Schwerpunkt» des deutschen Einsatzes. «Und Schwerpunkt heißt, man bleibt dort und leistet Arbeit. Und da ist kein Platz dafür, Soldaten in andere Regionen zu verlagern.»

Zur Beschränkung der deutschen Bundeswehr auf den Norden Afghanistans sagte De Hoop Scheffer: «Ich weiß, dass es für die Deutschen nicht leicht ist, das aufzuheben. Ich habe den Eindruck, dass die deutsche Position sich hinsichtlich der geographischen Begrenzung nicht verändert hat.» Rumsfeld sagte zur Frage, ob er von Deutschland einen Einsatz im Süden erwarte: «Ich habe an keine Nationen irgendwelche Erwartungen.» Für einen Kommandeur sei es jedoch «sehr schwierig», Truppen zu befehligen, «die er nicht dorthin schicken kann, wo er sie am meisten braucht».

Die Lage in Afghanistan ist derzeit so schlecht wie seit dem Sturz des Taliban-Regimes vor fünf Jahren nicht mehr. Die Übergriffe auf die fremden Truppen mehren sich inzwischen auch im Norden. Zentrales Problem ist der Drogenanbau, für das bisher keine Lösungsansätze in Sicht sind. Zudem bekommen die Aufbauhelfer die Korruption nicht in den Griff.


Aus: "NATO dehnt ISAF-Einsatz aus" (Hamburger Abendblatt; 28.09.2006)
Quelle: http://www.abendblatt.de/appl/newsticker2/index.php?channel=pol&module=dpa&id=12689156
« Last Edit: June 20, 2007, 02:21:37 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #20 on: October 03, 2006, 12:00:13 PM »

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[...] Ein vergessenes Kapitel des Zweiten Weltkriegs: 1943 werden italienische Besatzungssoldaten auf der griechischen Insel Kephallonia von deutschen Truppen interniert, nachdem die deutsch-italienische Achse zerbrochen ist und die Waffenbrüder zu Gegnern geworden sind. Weil die Italiener sich nicht widerstandslos entwaffnen lassen wollen, befiehlt der Kommandierende Wehrmachtsgeneral des XXII. Gebirgs-Armeekorps, sämtliche Gefangenen zu töten.

[...]  In einem groß angelegten, militärisch geordneten Massaker werden daraufhin Tausende von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften der Division "Acqui" an Ort und Stelle ermordet; weitere 3.000 laufen vor Kephallonia auf einen Minengürtel und ertrinken. Das Massaker ist in der Bundesrepublik bis heute weitgehend unbekannt; keiner der Täter ist von deutschen Gerichten je verurteilt worden.


Aus: "Mord auf Kephallonia" (Film von Hans-Rüdiger Minow (WDR); 15. Januar 2003)
Quelle: http://www.daserste.de/doku/030115.asp

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    * 1 Vorgeschichte
    * 2 Der September 1943
          o 2.1 11. September 1943
          o 2.2 12. September 1943
          o 2.3 13. September 1943
          o 2.4 14. September 1943
          o 2.5 15. September 1943
          o 2.6 18. September 1943
          o 2.7 21. September 1943 und später
    * 3 Juristische Aufarbeitung
    * 4 Historische Aufarbeitung
    * 5 Literatur
    * 6 Filme
    * 7 Links/Artikel
http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_auf_Kephallonia (10/2006)

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[...] In dem jetzt veröffentlichten Einstellungsbeschluss zu einem Verfahren wegen des deutschen Massakers auf Kephallonia (Griechenland) heißt es, die Erschießung wehrloser Gefangener stehe "nach sittlicher Wertung nicht notwendig auf tiefster Stufe". Vielmehr können die Täter, die entwaffnete italienische Kriegsgefangene umbrachten, "menschliche Schwäche" in Anspruch nehmen und sind des Mordes unverdächtig. Da das Massaker damit verjährt ist, dürfen sich die Deutschen völliger Straffreiheit erfreuen und erhalten Staatspensionen. Die Nutznießer des Einstellungsbescheids werden in Italien der Teilnahme an hinterhältigen und besonders grausamen Morden beschuldigt. Dem deutschen Massaker fielen mehr als 3.000 Menschen zum Opfer. german-foreign-policy.com publiziert Auszüge des Münchner Freibriefes, der in Italien mit Empörung aufgenommen wird.

[...] In dem Einstellungsbeschluss der Staatsanwaltschaft München (Geschäftsnummer 115 Js 11161/06) wird die Erschießung des italienischen Generals Gandin und seiner Offiziere zwar als verwerflich eingestuft, aber bleibt für die Täter ohne Sühnefolgen.[1] Gandin und seine Offiziere hatten die von ihnen eroberte griechische Insel Kephallonia im Juli 1943 gegen deutsche Truppen verteidigt, nachdem Italien aus dem Bündnis mit Deutschland ausgeschert war. Der Abbruch des Bündnisses ("Achse") war vom deutschen Generalstab mit dem Massakerbefehl beantwortet worden.


Aus: "Menschliche Schwäche" (03.10.2006)
Quelle: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/56546?PHPSESSID=9p60g39044hdpls60ges72hp53

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[...] Nachdem sie 300 Zeugen vernommen hatten, bei denen es sich in der Mehrzahl um unmittelbare Tatbeteiligte gehandelt haben dürfte, kamen die deutschen Juristen zu dem Ergebnis, man könne keine einzige Person finden, der der Prozeß zu machen wäre.
Zur Begründung wurde angeführt, Mordtaten (nach § 211 des deutschen Strafgesetzbuches) seien nicht nachweisbar, da der Tatbestand des Mordes nur angenommen werden könne, wenn die todbringende Tat mit Heimtücke und Grausamkeit vollbracht worden wäre.
Heimtücke und Grausamkeit seien aber ,,persönliche Merkmale", also subjektive Befindlichkeiten, die zu objektivieren letztendlich nur möglich wäre, wenn der Täter heimtückische und grausamen Motive selbst einräume oder durch Dritte bezeugt bekäme8.
Da keiner der Zeugen eingestanden habe, daß er die Männer der Division ,,Acqui" heimtückisch und grausam getötet oder ,,niedrige Beweggründe" bei anderen beobachtet hätte, käme eine entsprechende Strafverfolgung nicht in Betracht.
Um zu diesem Ergebnis zu gelangen, hatte die deutsche Staatsanwaltschaft von Zeugenbefragungen am Ort der Mordtat, auf der Insel Kephallonia, abgesehen.

Auch eine Strafverfolgung wegen Totschlags käme nicht in Betracht, befanden die ehemaligen nationalsozialistischen Juristen, da das entsprechende Delikt seit 18.05.1960 ,,verjährt" sei und die betroffenen Täter deswegen straffrei gestellt werden dürften.


Aus: "Hans-Rüdiger Minow, Entsorgung eines Verbrechens, in: Kephallonia 1941-1944" - Drei Jahre BesatzungszeitDer Beitrag der griechischen Bevölkerung; Enzo Orlanducci (Hrsg.); Edizioni ANRP; Roma 2004, S. 127-135."
Quelle: http://www.minow-film.com/pdf/kephallonia_tagungsbeitrag.pdf

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[...] Nicht Aktenstudium stehe dabei im Vordergrund, vielmehr habe der Autor Überlebende aufgesucht, Tatumstände ermittelt und Zeugenaussagen verglichen. Arbeiten, die eigentlich Aufgabe der deutschen Nachkriegsjustiz gewesen wären, kommentiert Semler säuerlich. Schminck-Gustavus gelinge es, die Gespräche mit den Opfern nicht als "dürre" Ermittlungsergebnisse zu präsentieren, sondern eine "sehr dichte, lebendige", und noch dazu von "Heiligenbildchenmalerei völlig freie" Geschichte zu erzählen. Mit diesem "begrüßenswerten Fall" von angewandter Wissenschaft erhalten die Opfer der deutschen Besatzungspolitik nun endlich ein Gesicht, schreibt Semler.


Aus: "Christoph U. Schminck-Gustavus: Kephallonia 1943-2003; Auf den Spuren eines Kriegsverbrechens => Rezensionen - Die Tageszeitung vom 25.03.2004"
Quelle: http://www.perlentaucher.de/buch/17142.html
« Last Edit: May 23, 2007, 07:14:47 PM by lemonhorse » Logged
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« Reply #21 on: October 09, 2006, 08:58:34 AM »

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[...] Kaum war er angekommen, begegnete ihm das Grauen. Es war sein dritter Tag im Einsatz. Die Türe seines Feldlazarets in Tikrit sprang auf, und Soldaten trugen zwei Männer herein, mehr tot als lebendig nach der Explosion einer Autobombe. Sanitäter Aguayo tat, was er gelernt hatte, spritzte Medikamente in die Venen, versuchte, Blutungen zu stoppen. "Er wollte am Leben bleiben", sagt Aguayo über seinen Patienten, "er zitterte wie verrückt". Aber Aguayo konnte dem Mann nicht mehr helfen, dessen Arme abgerissen waren, die Haut verbrannt. Als der Patient tot war, ging Aguayo nach draußen. Er musste sich übergeben.

[...] Mindestens 8000 US-Soldaten sind seit Beginn des Irak-Krieges im Frühjahr 2003 weltweit von ihren Einheiten geflohen, berichtete kürzlich die Zeitung "USA Today". Das Fachmagazin "Air Force Times" schreibt gar von 40.000 desertierten GIs seit dem Jahr 2000. Hunderte suchen Zuflucht im Nachbarland Kanada, wo eine Gruppe engagierter US-Deserteure derzeit um politisches Asyl kämpft. Doch einige tauchen auch in Deutschland unter.


Aus: "Flucht vor der eigenen Armee" (SPON; 08. Oktober 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,441252,00.html
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« Reply #22 on: October 12, 2006, 10:07:26 AM »

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[...] Durch die Folgen des Krieges von 2003 im Irak sind nach einer regierungsunabhängigen Untersuchung fast 655.000 Menschen ums Leben gekommen. Der US-Forscher Gilbert Burnham sprach vom bislang "tödlichsten internationalen Konflikt des 21. Jahrhunderts".
 
Die Studie amerikanischer und irakischer Ärzte wurde am Mittwoch vom britischen Medizin-Journal "The Lancet" online veröffentlicht. Sie untermauere eine vor zwei Jahren erschienene Einschätzung derselben Ärztegruppe, wonach es bis zum damaligen Zeitpunkt rund 100.000 zusätzliche Todesfälle seit Kriegsbeginn gegeben habe. Seitdem habe sich die Situation dramatisch verschlechtert.
 
Die Wissenschaftler um Burnham von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (US-Staat Maryland) hatten für die jetzt veröffentlichte Untersuchung 1.849 Haushalte mit knapp 13.000 Menschen an 47 zufällig ausgewählten Orten im Irak besucht. Dort fragten sie nach Todesfällen zwischen Januar 2002 und Juni 2006, mit dem Ergebnis, dass rund 87 Prozent der 629 Registrierten nach Kriegsausbruch ums Leben gekommen waren. Das entspricht mehr als einer Verdoppelung der jährlichen Sterberate seit Beginn der US-Invasion von 55 auf 133 Todesfälle unter 1.000 Menschen.
 
Hochgerechnet kommen die Forscher auf landesweit 392.979 bis 942.636 zusätzliche Todesfälle im Irak durch Kriegsfolgen mit einem Mittelwert von 654.965 Toten - das sind rund 2,5 Prozent der Bevölkerung. Nach offizieller irakischer Statistik wurden seit Beginn der US-Invasion lediglich bis zu 48.700 Zivilisten getötet. Das Fachblatt betont allerdings die solide Methodik der Untersuchung. Alle vier Gutachter hätten die Veröffentlichung empfohlen, heißt es in einem redaktionellen Kommentar des ältesten Medizinjournals der Welt. Eine Gutachterin habe unterstrichen, dass diese Analyse "möglicherweise die einzige nicht regierungsfinanzierte wissenschaftliche Untersuchung sei, die eine Abschätzung der Zahl irakischer Todesfälle seit der US-Invasion liefere".

Für 92 Prozent der registrierten Todesfälle seien Sterbeurkunden ausgestellt worden, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie. Demnach waren mit 55 Prozent die meisten zusätzlichen Todesfälle gewaltsam. Demzufolge waren 31 Prozent der registrierten Toten aus der Zeit nach der Invasion durch Schüsse ums Leben gekommen, jeweils 7 Prozent durch Luftangriffe und Autobomben und 8 Prozent durch andere Explosionen. Dabei unterscheidet die Studie nicht, ob es sich bei den Toten um Zivilisten oder Soldaten handelt. Die Autoren der Studie betonen die völkerrechtliche Bedeutung ihrer Ergebnisse.
 
US-Präsident George W. Bush bestritt die Zahlen. Er halte die Untersuchung für nicht glaubwürdig, sagte Bush, der in der Vergangenheit wiederholt von etwa 30.000 toten Zivilisten gesprochen hatte, auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Zugleich rief er angesichts der schweren Gewalt im Irak erneut zum Durchhalten auf. Andernfalls drohe das Land zu einem "Terroristenstaat" zu werden.
 

Aus: "Studie zu Kriegsfolgen - 2,5 Prozent der Iraker tot" (Mittwoch, 11. Oktober 2006)
Quelle: http://www.n-tv.de/720166.html

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[...] Genf. DPA/baz. Die Gewalt im Irak ist nach Angaben des Hilfskoordinators der Vereinten Nationen, Jan Egeland, völlig ausser Kontrolle geraten. In einem dringenden Appell forderte er am Mittwoch in Genf die Verantwortlichen von Politik und Religion auf, dieser Spirale sofort ein Ende zu bereiten. "Für die Zivilbevölkerung hat sich die Lage in den vergangenen sieben bis acht Monaten beängstigend verschlechtert", sagte Egeland vor Journalisten.

Rund 100 Menschen würden jeden Tag getötet, mindestens 1000 täglich aus ihrer Häusern vertrieben. "Das bedeutet, dass im vergangenen Monat mehr als 3000 Menschen Opfer brutaler und nackter Gewalt wurden", sagte Egeland. Darunter seien Polizisten und Polizeianwärter, Richter, Journalisten, Rechtsanwälte und immer mehr Frauen, die Opfer so genannter Ehrenverbrechen würden. "Gewalt zwischen den Religionsgruppen, bewaffnete Milizen und Todesschwadrone haben eine Lage geschaffen, in der Tötungen aus Rache nun völlig ausser Kontrolle zu geraten scheinen", sagte der UN-Hilfskoordinator.

Viele Menschen kämen entweder durch Gewehrkugeln oder durch Folter zu Tode. 1,2 bis 1,5 Millionen Iraker suchten bereits Schutz in benachbarten Staaten - was auch die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte bedeute. So flüchteten jeden Tag etwa 2000 Menschen nach Syrien. Universitäten und Krankenhäuser hätten bereits 80 Prozent ihres gut ausgebildeten Personals verloren. Im Lande lebten bereits 1,5 Millionen Menschen, die aus ihren Häusern vertrieben wurden.

"Es gibt einen ansteigenden Trend von Massenbewegungen von Menschen", sagte Egeland.


Aus: "UN-Hilfskoordinator: Gewalt im Irak völlig ausser Kontrolle" (11.10.06)
Quelle: http://www.baz.ch/news/index.cfm?keyID=D9D08A04-1208-4059-9E63E3737491F484&startpage=1&ObjectID=374A12E5-1422-0CEF-708CD7AACAAA5FEF


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« Reply #23 on: October 12, 2006, 11:36:11 AM »

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[...] In seinem Buch „Krieg als Dienstleistung“ zeichnet der Wirtschaftswissenschaftler Rolf Uessler das Bild einer boomenden Branche: Nach seinen Recherchen haben sich weltweit rund 2000 private Militärunternehmen wie Blackwater etabliert; sie erwirtschaften einen Umsatz von 200 Mrd. Euro und können auf 1,5 Millionen Mitarbeiter zurückgreifen. Daneben bieten rund 1,5 Millionen Söldner ihre blutigen Dienste an. Die meisten Firmen haben ihren Sitz in den USA. Die US-Regierung gehört inzwischen zu den größten Auftraggebern: Nach Schätzungen stehen im Irak an der Seite der US-Truppen rund 30 000 Mann privater Sicherheitsfirmen. Das Beziehungsgeflecht der „Private Military Companies“ (PMC) erstreckt sich bis auf die höchsten Ebenen. So kontrolliert der Halliburton-Konzern die texanische Bau- und Militärfirma Kellog, Brown & Root. Zwischen 1995 und 2000 lenkte Richard Cheney das Halliburton-Konglomerat – seit 2001 zieht er als US-Vizepräsident die Fäden im Weißen Haus.

Das Angebot der Firmen deckt das gesamte Kriegsgeschehen ab: von Lieferungen des Rasierschaums für die Truppe über Wartung der Kampfflugzeuge bis zur Entsendung von Verhör-Spezialisten. Auch bieten die Firmen Trainingseinheiten an: Cubic aus San Diego etwa erhielt vom US-Verteidigungsministerium den Auftrag, US-Truppen im Häuserkampf fit zu machen.

Natürlich haben die PMC in bester Söldnermanier auch direkt die Finger am Abzug. „Sie kämpfen gegen Guerillas und jagen Terroristen“, so Uessler. „In den letzten Jahren sind Tausende von neuen Söldnern getötet und Zehntausende verwundet worden.“ Beispiel Irak. Im April 2004 eröffneten Aufständische das Feuer auf den US-Stützpunkt in Nadschaf. Die Verteidiger setzten Maschinengewehre und Granatwerfer ein, das Gefecht tobte vier Stunden. Doch kein GI nahm die Angreifer ins Visier; Blackwater-Söldner wehrten die Attacke ab.

Mitunter stehen sich sogar Söldnereinheiten als Gegner gegenüber. So leaste Ende der 90er-Jahre Äthiopien von der russischen Aviation-Firma Sukhoi mehrere Schwadronen Kampfjets inklusive Piloten. Die Äthiopier brauchten im Krieg gegen Eritrea erfahrene Kräfte. Doch Eritreas Generale hatten ebenfalls russische Piloten angeheuert.

[...] Wieso boomen die Militärunternehmen? „Die Ursachen für diesen Trend sind vielfältig“, erklärt Wulf. Zunächst verweist er auf die Angebotsseite: Nach dem Ende des Kalten Kriegs setzten die Streitkräfte in Ost und West Personal frei. „Die Abrüstung in den 90er-Jahren hat nicht nur zu einer Schwemme gebrauchter Waffen geführt, die aus Europa in viele Länder der Welt verkauft oder verschenkt wurden, sondern ebenso einen Überschuss qualifizierten militärischen Personals hervorgebracht.“

[...] Gleichzeitig aber rücken die Streitkräfte großer Militärmächte immer öfter aus: Der globale Krieg gegen den Terror führt etwa die US-Truppen ans Limit ihrer Kapazität. Auch Großbritanniens Armee kann kaum noch Reserven mobilisieren. „Dies fördert die Nachfrage nach privaten Akteuren“, erklärt Experte Wulf. „Private Militär- oder Sicherheitsfirmen sollen die Streitkräfte unterstützen beziehungsweise entlasten oder deren Aufgaben komplett übernehmen.“ Hinzu kommt: Oft sind die regulären Soldaten überfordert, die immer komplexeren Waffensysteme zu bedienen. Private Fachleute beherrschen die Technik besser.

[...] Theoretisch abgesichert wird das Militär-Outsourcing durch das Konzept des „schlanken Staates“: Die Privatisierungspolitik der vergangenen Jahrzehnte, so bilanziert Wulf, habe an den Kasernentoren nicht Halt gemacht.

[...] Die Söldner operieren oft in rechtsfreien Räumen. Weil sie nicht den regulären Truppen angehören, müssen sie sich auch nicht vor der Militärstrafjustiz verantworten. „Häufig pochen Private Military Companies bei ihren Verträgen auf eine festgelegte Straffreiheit“, betont Azzellini.

Laut Wulf besteht die Gefahr, dass eine zentrale Funktion des Staates, das Gewaltmonopol, unterhöhlt oder ganz aufgegeben werden könnte. Als Konsequenz verlangt er: „Privatisierung im Militär ist kein kurzfristiger Modetrend. Es ist deshalb erforderlich, Regeln für das Engagement der Privatfirmen im internationalen Recht zu verankern.“ Doch diese Forderung stößt bei den Regierungen auf taube Ohren. Denn die riskanten privaten Einsätze haben im Zeitalter der Massenmedien einen weiteren Vorteil: Gefallene Söldner tauchen in den Opferstatistiken nicht auf; gefallene Söldner brauchen nicht mit militärischen Ehren beigesetzt zu werden: Die Hunde des Krieges sterben anonym.


Aus: "Private Militärfirmen: Von Beruf Söldner" Von Jan Dirk Herbermann (HANDELSBLATT, 11. Oktober 2006)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/news/Wissenschaft-Debatte/Geisteswissenschaften/_pv/doc_page/2/_p/301117/_t/ft/_b/1147890/default.aspx/von-beruf-soeldner.html

« Last Edit: May 23, 2007, 07:15:12 PM by lemonhorse » Logged
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« Reply #24 on: October 14, 2006, 10:34:48 PM »

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[...] In den vierjährigen Kämpfen des Ersten Weltkriegs verloren über 9 Millionen Soldaten ihr Leben, über 15 Millionen wurden verwundet. Hinzu kam eine nicht genau bestimmbare, aber in die Millionen reichende Zahl ziviler Todesopfer, die Hunger und Entkräf-tung erlagen. Übergriffe von Besatzungstruppen trafen auch viele Frauen. Kaum einer Familie in den am Krieg beteiligten Nationen blieb die Konfrontation mit seinen Leiden erspart. So hinterließ die Gewalt des Krieges neben unzähligen individuellen Narben vielfältige Herausforderungen für Politik und Gesellschaft.

[...] Die unheilvollste Erbschaft des ersten nahezu totalen Krieges wird oft in einer nachhaltigen „Brutalisierung“ der an ihm beteiligten Gesellschaften gesehen. Ein Beispiel von vielen ist Eric J. Hobsbawms Charakterisierung des Krieges als einer „Maschine zur Brutalisierung der Welt“. Andere Autoren benutzen die These vor allem zur Deutung der deutschen Nachkriegsgeschichte, ohne ihre prinzipielle Gültigkeit in Frage zu stellen.

Ihre ersten Versionen entstanden schon bald nach 1918 im Anschluss an Sigmund Freuds Überlegungen zur menschlichen Destruktivität und einem ihr zugrunde liegenden „Todestrieb“.


Aus: "Dirk Schumann, Gewalterfahrungen und ihre nicht zwangsläufigen Folgen" - Der Erste Weltkrieg in der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts, in: Zeitgeschichte-online, Thema: Fronterlebnis und Nachkriegsordnung. Wirkung und Wahrnehmung des Ersten Weltkriegs, Mai 2004
Quelle: http://www.erster-weltkrieg.clio-online.de/_Rainbow/documents/texteZZF/schumann.pdf

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Quote
[...] Schnell entwickelte sich eine Art Kriegseuphorie. Es gibt kaum eine Chronik, die nicht die Fotos der Stolzen Patrioten zeigt, die in den Krieg ziehen wollen und sich vorher zum Gruppenbild stellen. Schon am 1. August werden am Morgen erste Grenzsicherungsmaßnahmen ergriffen, sogar Gräben werden zum Teil gezogen, Schranken aufgestellt, um das "Eindringen von Spionen" zu verhindern, obwohl die Schweiz ja schon lange neutrales Land war. Es war die Euphorie des Krieges. Schon wenige Tage später werden Freiwillige gesucht, die die Bahn entlang der Grenze bewachen, der nationale Überschwang beginnt Blüten zu treiben. Die Männer im wehrfähigen Alter zogen in den Krieg. Zum Teil bezahlten patriotisch eingestellte Unternehmen ihren Mitarbeitern, die den Blaumann gegen die feldgraue Uniform getauscht hatten einen Teil des Lohns weiter, das Unternehmen Fahr sogar den halben Lohn.

Aus: "Kriegslust und der jähe Absturz in den Hunger" Von Oliver Fiedler (wochenblatt.net; 1999)
Quelle: http://www.wochenblatt.net/zeiten/texte/1914.htm

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[...]

Konformistische Aggression:
Folgt nicht dem Willen des Aggressors, sondern der Aggressor folgt dem Willen einer hierarchisch
höher gestellten Person oder Institution. Das Handeln wird ihm vorgeschrieben, und beruht auf der
Pflicht, dem Gehorsam gegenüber einer höheren Instanz.

Instrumentelle Aggression:
Die Aggression wird zu einem Mittel, um ein Ziel zu erreichen. Der Aggressor verschafft sich das,
was für ihn notwendig oder wünschenswert ist durch einen aggressiven Akt. Notwendigkeit ist hier
kein klar definierter Begriff, er ist häufig nur Vorwand, um das eigene Machtstreben zu rechtfertigen.


Aus: "Gewaltformen in Kultur und Gesellschaft" (Johannes Gutenberg-Universität Mainz - Institut für Anthropologie; WS 99/00 : Seminar „Bioethische Aspekte der Anthropologie“ Leitung: Prof. Dr. W. Henke & Dr. A. Kemkes-Grottenthaler Referenten: Christian Bernard, Christian Meyer, Markus Poeschel, Gracia Weindorf-Marcan, Nicole Weyel)
Quelle: http://fsanthro.eggistar.com/modules/Downloads/downloads/gewalt.pdf

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Der Militarismus bezeichnet

   1. meist eine Ideologie, die vorgibt, dass nur durch militärische Stärke Sicherheit oder gar Frieden gewährleistet wird; in ihrer schwächsten Form dient diese Ideologie dazu, prophylaktische Aufrüstung zu rechtfertigen; heute (2006) wird "Militarismus" oft als Gegenpart zu den zeitgenössischen Friedensbewegungen definiert; die besondere Form des auf Seemacht ausgerichteten Militarismus bezeichnet man auch als Navalismus; das Gegenteil des Militarismus ist der Pazifismus;
   2. während dem gegenüber der brasilianische Soziologe Willems mit "Militarismus" die Tatsache beschreibt, dass eine ganze Gesellschaft sich an militärischen Bräuchen orientiert, militärische Ehrenvorstellungen pflegt, bereits Kinder am liebsten uniformiert sieht usw., ohne dass sie deshalb notwendig kriegslüstern (bellizistisch) sein müsste; Gegenteil dieses Konzeptes von Militarismus ist dann bäuerliche, bürgerliche oder intellektuelle Soldatenverachtung oder -missachtung, wie sie sich im Antimilitarismus zeigt.
   3. Nach Walter Benjamin ist Militarismus der Zwang zur allgemeinen Anwendung von Gewalt als Mittel zu Zwecken des Staates.


Bruchstück aus: "Militarismus" (10/2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Militarismus
« Last Edit: May 23, 2007, 07:15:24 PM by lemonhorse » Logged
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« Reply #25 on: October 16, 2006, 09:51:27 AM »

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[...] Die britische Armee unterstützt ihren obersten General nach dessen Kritik am Irak-Einsatz. Ranghohe Offiziere sprachen Armeechef Sir Richard Dannatt "ernsthafte Unterstützung" aus, schreibt die britische Zeitung "The Times". Es sei an der Zeit gewesen, dass ein Vorgesetzer seine Stimme für die Soldaten erhebt, berichtet das Blatt weiter.

Dannatt hatte am Freitag mit kritischen Äußerungen zum Irak-Einsatz der britischen Armee eine neue Debatte über den Abzug der Truppen seines Landes ausgelöst. Die Anwesenheit britischer Soldaten im Irak sei nicht die Ursache für die Sicherheitsprobleme Großbritanniens, verschlimmere sie aber, sagte der Chef des Generalstabs der Zeitung "Daily Mail". Die Soldaten sollten "irgendwann recht bald" abgezogen werden.

[...] Ein Sprecher von Blair hatte zuvor eingeräumt, dass die Äußerungen des Generals "Fragen aufgeworfen haben". Der Armeechef habe diese aber in weiteren erklärenden Äußerungen weitgehend selbst beantwortet. Es gebe keinen Streit zwischen der Armee und Blair über die Irak-Politik. Britische Kommentatoren sahen in der Kritik des Generals dennoch eine offene Konfrontation mit Blair.


Aus: "Armee unterstützt General - Nach Kritik an Irak-Einsatz" (14.10.2006)
Quelle: http://www.zdf.de/ZDFheute/inhalt/28/0,3672,3988284,00.html

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[...] Nach dem britischen Armee-Chef hat nun auch ein australischer General den Irak-Einsatz seines Landes kritisiert. Der frühere Oberbefehlshaber im Irak, Cosgrove, sagte, es sei mittlerweile ziemlich offensichtlich, dass der Einsatz nicht den gewünschten Erfolg habe. Vielmehr seien die militanten Islamisten noch stärker geworden. Unterstützt wird Cosgrove von der Opposition im australischen Parlament. Labor-Chef Beazley sagte, Australien sei durch den Einsatz im Irak weniger sicher geworden. Er forderte den Rückzug der Truppen. Australien hat derzeit rund 1.300 Soldaten im Irak stationiert. Vor Cosgrove hatte bereits der britische Oberbefehlshaber Dannatt erklärt, der Einsatz der Soldaten verschlimmere die Sicherheitsprobleme nicht nur im Irak, sondern weltweit.
 


Aus: "Australischer General kritisiert Irak-Einsatz" (MDR INFO; 15. Oktober 2006)
Quelle: http://www.mdr.de/nachrichten/meldungen/3613979.html
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« Reply #26 on: October 20, 2006, 10:09:19 AM »

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[...] Kabul - Bei zwei Anti-Terror-Operationen der internationalen Schutztruppe ISAF sind in Südafghanistan nach Angaben der afghanischen Regierung 20 Zivilisten getötet worden. Elf Zivilisten seien in der Provinz Kandahar, neun weitere in der Nachbarprovinz Helmand ums Leben gekommen, teilte der Präsidentenpalast in Kabul am Donnerstag mit. In Helmand seien zudem elf Zivilisten verletzt worden. Nach ISAF-Angaben fanden beide Operationen in der Nacht zu Mittwoch statt. In Kandahar räumte die ISAF den Tod "mehrerer Zivilisten" ein, in Helmand ordnete sie eine Untersuchung an.


Aus: "ISAF tötet bei Anti-Terror-Operationen 20 Zivilisten - Britischer Soldat stirbt nach Selbstmordattentat" (19. Oktober 2006)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2630371

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[...] Ottawa (Reuters) - Kanada hat von Deutschland und anderen Nato-Staaten mehr direkten Beistand im umkämpften Süden Afghanistans gefordert.

"Wir würden gerne mehr Unterstützung von denjenigen erhalten, die im Westen und im Norden eingesetzt sind", sagte Verteidigungsminister Gordon O'Connor am Mittwoch in Ottawa. 2300 kanadische Soldaten sind im besonders gefährlichen Süden Afghanistans stationiert, wo sie vor allem in jüngster Zeit wiederholt in erbitterte Kämpfe mit aufständischen Taliban-Rebellen gerieten. Mehr als 40 kanadische Soldaten starben bisher in Afghanistan. Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien sind mit ihren Soldaten hingegen in anderen, weitaus ungefährlicheren Landesteilen präsent und haben eine Verlegung ihrer Truppen in den Süden abgelehnt. Dies kritisierte O'Connor: "Die Grundlage der Nato ist es, dass wir in diesem Einsatz alle gemeinsam stecken. Und wir müssen uns alle gegenseitig helfen."

Die Nato-Staaten, die nicht in Afghanistans Süden aktiv sind, müssten ihre vorsichtige Haltung aufgeben, forderte O'Connor. Zudem müssten zusätzliche Soldaten in das Land entsandt werden. Er hoffe, dass seine Anliegen beim Gipfel des 26 Mitglieder starken Militärbündnisses in der lettischen Hauptstadt Riga Ende November geregelt würden.

Die Nato hat bereits eingeräumt, dass sie den Widerstand der Taliban im Süden Afghanistans unterschätzt hat. Britische, niederländische und kanadische Soldaten sind in der Region gegen die Rebellen im Einsatz. Experten sprechen von der härteste Bodenschlacht, in die die Nato je in ihrer 57-jährigen Geschichte verwickelt war. In diesem Jahr eskalierte die Gewalt wie noch nie seit dem Sturz der Taliban Ende 2001.

Die Bundeswehr leitet im Rahmen des Nato-Einsatzes das Kommando im Norden Afghanistans und ist auch in der Hauptstadt Kabul präsent.


Aus: "Kanada fordert mehr Unterstützung von Deutschland in Afghanistan" (Do 19.Okt. 2006)
Quelle: http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=topNews&storyID=2006-10-19T051719Z_01_KOE919019_RTRDEOC_0_KANADA-AFGHANISTAN-DEUTSCHLAND-TRUPPEN.xml


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[...] Die Gewalt in Afghanistan ist in diesem Jahr derart eskaliert wie noch nie zuvor seit dem Sturz der Taliban Ende 2001: Mehr als 3000 Menschen wurden 2006 bislang bei Gefechten getötet. Vor allem im Süden kommt es immer wieder zu erbitterten Kämpfen zwischen den Taliban und Nato-Soldaten.


Aus: "Mehrere Zivilisten bei Nato-Luftangriff in Afghanistan getötet" (Mi. 18.Okt.2006)
Quelle: http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=worldNews&storyID=2006-10-18T175627Z_01_KOE864581_RTRDEOC_0_AFGHANISTAN-NATO-ZIVILISTEN.xml

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[...] Kabul - Nach den Vorwürfen von gestern räumte die Nato-geführte Internationale Schutztruppe für Afghanistan heute ein, dass bei Angriffen in dieser Woche in Südafghanistan auch mindestens zwölf Zivilisten getötet wurden. Afghanistans Präsident Hamid Karzai hatte zuvor bereits eine Untersuchungskommission eingerichtet, die Berichte überprüfen soll, wonach bei Nato-Luftangriffen gegen Taliban-Stellungen am Dienstag mindestens 60 Zivilisten ums Leben gekommen sein sollen.

[...] Die Nato hatte am Dienstag Luftangriffe in den beiden Bezirken Pandschwaji und Paschmul in der südlichen Provinz Kandahar geführt. Der Leiter des Bezirks Pandschwaji, Nias Mohammed Sarhadi, sagte, bei den Luftangriffen seien etwa 60 Bewohner getötet und zahlreiche Häuser zerstört worden. Der stellvertretende Vorsitzende des Provinzrats von Kandahar, Bismellah Afghanmal, sprach sogar von 85 Todesopfern.

Die internationale Allianz verteidigte gestern ihr Vorgehen und erhob schwere Vorwürfe gegen die Taliban. Die Extremisten würden Zivilisten als "menschliche Schutzschilde" missbrauchen, sagte ein Sprecher des Bündnisses in Kabul. Das erschwere den Einsatz der Truppe.


Aus: "ANGRIFFE IN SÜDAFGHANISTAN: Nato räumt Tod von Zivilisten ein" (SPON; 27. Oktober 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,444996,00.html

« Last Edit: June 20, 2007, 02:22:22 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #27 on: October 20, 2006, 10:20:07 AM »

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[...] Der Krieg hatte die idyllische Kleinstadt Varvarin im südlichen Serbien bislang nur gestreift. Ein aus dem Ort stammender Polizist war am 8. Januar bei einem Gefecht mit der UÇK im Kosovo umgekommen. Einmal, es war Anfang Mai, überquerte ein Luftabwehrverband nachts die Brücke. Ein anderes Mal, zwei Nächte vor dem Dreifaltigkeitsfest, hörten Anwohner Panzer durch die Straßen rumpeln. Um neun Uhr heulten an diesem 30. Mai die Luftschutzsirenen. Niemand machte ein großes Aufheben darum. An diesem Tag richteten alliierte Piloten hier ein Blutbad an, das die Nato als »legitimen Angriff auf eine Hauptnachschublinie der serbischen Armee« rechtfertigte.

Radomir Stojanovic sah kurz vor ein Uhr von seiner Kiesbank auf. Der Himmel war blau und wolkenlos. Er erblickte zwei Düsenjäger, die über Varvarin nach Norden flogen. Er konnte sie deutlich erkennen. Sie erschienen ihm, erinnert er sich, so groß wie ein Paar Schuhe. Sie zogen eine weite Schleife. Er verlor sie aus den Augen. Eine Weile später entdeckte er sie wieder. Sie flogen in gleicher Richtung wie zuvor. Dann beschrieben sie eine Kurve nach Osten. Eine Maschine glitt im Sinkflug nach Süden ab. Auf einmal hörte er ein Geräusch, das er als scharfes »Zzzimmm« nachahmt. Zwei etwa zwei Meter lange Flugkörper zischten vom Horizont direkt auf ihn zu. Es kam ihm so vor, als kreiselten sie im Flug. Er warf sich zu Boden und begrub seinen Kopf unter den Armen.

Die Bomben trafen die Brücke über dem Mittelpfeiler. Sie durchtrennten die eiserne Fachwerkkonstruktion wie ein blitzartig schneidender Schweißbrenner. Die entzweiten Brückenteile stürzten auf beiden Seiten des Pfeilers in den Fluss. Stojanovic war unverletzt. Als er von der Kiesbank aufsah, erblickte er auf der Seite von Varvarin ein Auto, das aus den Fluten ragte. Es war Ratobor Simonovics Wagen, der seine Mutter Ruzica vom Markt nach Hause brachte. Auf der anderen Seite klammerten sich die drei Mädchen dicht über dem geschwind fließenden Wasser an das Brückengeländer. Sie waren gerade in der Mitte der Brücke angekommen, als sie die herannahenden Flugzeuge - oder waren es die Bomben? - hörten. Sie rannten um ihr blankes Leben. Bevor sie das Ufer erreichten, brach der Boden unter ihnen ein.

Marina Jovanovic, ein temperamentvolles Mädchen, humpelt bis heute auf Krücken. Unter ihrem Nacken hat sie eine tiefe, fingerlange Narbe. Marijana Stojanovic, sie ist stiller und schüchterner als ihre Freundin, trägt einen Arm in Gips. Sanja Milenkovic ist tot.

Marijana und Sanja stammen aus dem Dorf Donji Katun, das abseits vom Ufer in den Flussniederungen jenseits von Varvarin liegt.

Marina ist in Belgrad zu Hause. Ihre Eltern hatten sie wegen des Krieges hierher geschickt, damit sie Schutz vor dem Bombardement der Hauptstadt fände. Sie schildert die der Explosion folgenden Minuten wie einen Film, der nicht weiterläuft, sondern sich wie eine festgefrorene Sequenz in ihrem Gedächtnis eingegraben hat. Kurz nach der Explosion, sie blickte auf ihre Armbanduhr, es war eine Minute nach eins, fiel sie in Ohnmacht. Zwei Minuten später wachte sie auf. Hoch am blauen Himmel sah sie die Kondensstreifen zweier Flugzeuge. Sanja, sie lebte noch, hing mit dem Kopf nach unten über dem Wasser. Sie sagte: »Träumst du es?« Marina rutschte vorsichtig hinunter, um ihr zu helfen. Jetzt war es sechs Minuten nach ein Uhr. Zum zweiten Mal schlugen Bomben ein.

Radomir Stojanovic packte nach der ersten Explosion seine Angelausrüstung zusammen. Die Handlung eines Menschen im Schock, der so tut, als sei gar nichts Bemerkenswertes passiert. Er ging zum Flussufer. Jetzt hörte er die Flugzeuge, deren Kondensstreifen Marina sah. Er kraxelte die Uferböschung hinauf. Er stand auf dem Flutdamm, als er zum zweiten Mal Bomben auf sich zukommen sah. Er warf sich hinter den Damm.

Dutzende Menschen waren nach dem ersten Angriff vom Markt zum Ufer hinuntergelaufen. An der Uferbefestigung kletterten Männer in die Tiefe, um den in ihrem versinkenden Auto gefangenen Simonovics zu Hilfe zu kommen. Jemand schrie nach unten: »Ihr seid doch blöd, die schießen immer zweimal!« Zoran Marinkovic schrie zurück: »Hier kommen sie!« Im nächsten Augenblick waren beide tot.

Die meisten Zeugen sagen, die zweite Detonation sei lauter gewesen als die erste. Ein Knall, vermutlich dieser zweite, war bis nach Krucevac, 16 Kilometer flussaufwärts, zu hören. Im vierten Stock eines Bürohauses im Stadtzentrum zitterte dort der Boden. Die Bomben schlugen in den halb im Wasser versunkenen Brückenteil auf der Seite von Varvarin ein. Die Explosion schleuderte ein zimmergroßes Brückensegment gut hundert Meter in den Friedhof jenseits der Kirche. Es liegt dort heute noch. Scharfzackige Bombensplitter schwirrten durch die Luft. Das Auto der Simonovics verschwand in den Fluten.

Ratobor Simonovics vom Wasser aufgeschwemmter Körper trieb erst Tage später am Ufer an. Am Nachmittag dieses sonnenhellen Tages, der so friedlich begonnen hatte, lagen acht Leichen im Totenhaus. Aus dem blutverschmierten Hemd des Priesters Milivoje ±iric ragte ein roher Nackenstumpf. Ein fliegendes Eisenteil hatte ihm den Kopf abgeschlagen. Vojkan Stankovic, 31 Jahre alt, lag blasshäutig und mit verrenkten Gliedmaßen wie ein frühchristlicher Märtyrer zwischen zwei Feldbahren. Aus seiner aufgeschlitzten Körpermitte fiel das Gedärm.

[...] Die Piloten waren zu dem Zeitpunkt wieder auf ihrem Stützpunkt gelandet. Die Washington Post zitierte einen Nato-Beamten, der behauptete, ein Pilot, der »in soundso viel tausend Fuß mit einem Affenzahn dahinfliegt«, könne unmöglich »auf die Brücke drängende Schaulustige sehen und sie warnen«.

Wer die Piloten waren, gibt die Nato nicht bekannt. Das Public Information Office der Supreme Headquarters Allied Powers in Europe (SHAPE) im südbelgischen Mons will nicht einmal ihre Nationalität verraten. Die amtliche Version des Vorfalls lautet: »Zwei F-16 griffen die Brücke mit 4 lasergesteuerten 2000-Pfund-Bomben in kurzem Abstand an. Der erste Angriff zerstörte den Mittelteil, der zweite Angriff den Rest der Brücke.«

Die Brücke war, ist von dem in Mons für die deutsche Presse zuständigen Oberstleutnant Michael Kämmerer zu erfahren, ein »Sekundärziel«. Das heißt, die Piloten fanden bei ihrer Mission das ihnen eigentlich zugedachte Ziel bereits zerstört vor. Deshalb suchten sie ein »Ausweichziel«.




Aus: "Die Brücke" - Wie Feuerbälle fielen am 30. Mai 1999 Bomben der Nato auf die Brücke von Varvarin. Warum? Protokoll eines Kriegsverbrechens Reiner Luyken (DIE ZEIT 1999)
Quelle: http://www.zeit.de/archiv/1999/51/199951.kl._geschichte_b.xml?page=all

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[...] Der Bundesgerichtshof verhandelt heute über Schadensersatz für NATO-Luftangriffe. Es geht um einen Angriff auf Serbien während des Kosovo-Kriegs 1999. Damals waren zehn Menschen ums Leben gekommen. Die 35 serbischen Kläger verlangen von Deutschland Schadenersatz für damals erlittene Verletzungen oder den Tod von Angehörigen. Flugzeuge der Bundeswehr waren an dem Angriff nicht unmittelbar beteiligt. Die Kläger führen aber an, das deutsche Militär habe die Angriffe unterstützt. Die Klagen waren in den Vorinstanzen abgewiesen worden.
 

Aus: " Bundesgerichtshof verhandelt über Klage gegen NATO" (19. Oktober 2006)
Quelle: http://www.mdr.de/nachrichten/meldungen/3631545.html

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[...] Siebeneinhalb Jahre nach dem NATO-Angriff auf die serbische Kleinstadt Varvarin hat der Bundesgerichtshof (BGH) eine finanzielle Entschädigung für die Opfer abgelehnt. Die Karlsruher Richter wiesen in ihrem am Donnerstag (2.11.) verkündeten Urteil die Revision der 35 Kläger zurück, die bereits in den beiden ersten Instanzen gescheitert waren. NATO-Kampfflugzeuge hatten am 30. Mai 1999 in Varvarin eine Brücke beschossen, dabei waren 10 Menschen umgekommen, 30 weitere wurden verletzt. Die Hinterbliebenen und die bei dem Angriff Verletzten verklagten die Bundesrepublik auf Amtshaftung, weil deutsche Streitkräfte durch Luftraumüberwachung und Begleitflüge den Angriff unterstützt hätten. Außerdem hätten die Deutschen innerhalb der NATO von ihrem Veto-Recht Gebrauch machen müssen und der Einstufung der Brücke als militärisches Ziel widersprechen müssen, hatten die Kläger argumentiert.

Das lehnte der Bundesgerichtshof jetzt ab: Zur Begründung seiner Entscheidung erklärte der III. Zivilsenat des BGH, das Kriegsvölkerrecht kenne Schadenersatzansprüche nur zwischen Staaten, nicht aber zwischen geschädigten Einzelpersonen und einem anderen Staat. Außerdem seien deutsche Streitkräfte an dem Angriff in Varvarin nicht beteiligt gewesen. "Die  Maßnahmen der Bundeswehr zur Unterstützung des Angriffs waren außerdem nicht so beschaffen, dass sie eine Mitverantwortung rechtfertigen würden", hieß es in dem Urteil unter dem Aktenzeichen 'Bundesgerichtshof III ZR 190/05'.

 
Die Kläger hatten Deutschland vorgeworfen, Bundeswehrsoldaten hätten das Ziel mit ausgewählt und somit den Angriff erst möglich gemacht. In Varvarin und Umgebung habe es jedoch keine nennenswerten militärischen Einrichtungen gegeben. Die Serben hatten von der Bundesrepublik mehrere hunderttausend Euro Schadenersatz gefordert.



Aus: "Deutschland muss zivile Kriegsopfer nicht entschädigen" (dw-world.de; 06.11.2006)
Quelle: http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2223156,00.html

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[...] "Einiges spricht dafür, dass bei diesem Angriff Kriegsvölkerrecht verletzt wurde", sagte gestern Wolfgang Schlick, der Vorsitzende Richter. Schadensersatzansprüche nach der Haager Landkriegsordnung und dem 1. Zusatzprotokoll zur Genfer Konvention könnten aber nur Staaten untereinander geltend machen. Diese traditionelle Sichtweise des Völkerrechts gelte auch heute noch, so Schlick, obwohl sie in der Wissenschaft zunehmend umstritten ist. Serbien, das in die EU strebt, hat keine Ansprüche wegen der Toten von Varvarin geltend gemacht.

Daneben prüfte der BGH aber auch, ob die Angehörigen Schadensersatz nach deutschem Recht fordern können, zum Beispiel wegen einer Amtspflichtverletzung deutscher Militärs. 2003 hatte der BGH zwar entschieden, dass "kriegerisches Geschehen" keine Amtshaftungsansprüche auslösen könne. Diese Entscheidung betraf aber ein SS-Massaker von 1944. Der BGH ließ damals ausdrücklich offen, ob diese Ausnahme "unter der Geltung des Grundgesetzes" immer noch gelte.

Doch auch gestern ließ der BGH diese Frage ungeklärt, denn die Richter konnten keine Pflichtverletzung deutscher Soldaten erkennen. Die Bomber, die den Angriff flogen, waren unbestritten keine deutschen. Zwar habe es damals deutsche Unterstützung beim Luftraumschutz gegeben, diese begründe aber keine Mitverantwortung für das tödliche Bombardement, so der BGH. Schließlich hätten die Unterstützungskräfte das konkrete Ziel nicht gekannt.

Die Kläger hatten geltend gemacht, dass die Brücke in einer Zielliste der Nato aufgeführt war und Deutschland gegen diese Liste hätte Einspruch erheben können und müssen. Doch auch das ließ der BGH nicht gelten. Ob ein Ziel aus militärischer Sicht völlig ungeeignet sei, könne nur in der konkreten Kampfsituation entschieden werden. Die Bundesregierung habe "darauf vertrauen dürfen, dass ein etwaiger Angriff unter Beachtung des Völkerrechts erfolgen wird", erklärte der BGH gestern.

Das Urteil kommt nicht überraschend. Auch die Vorinstanz, das Oberlandesgericht Köln, hatte die Klage wegen des fehlenden Bezugs zu Deutschland abgewiesen. Dort war aber immerhin die Amtshaftung für Kriegsverbrechen für möglich gehalten worden. Aus Sicht der Kläger ist das gestrige Urteil also ein Rückschritt. Die Angehörigen hatten in Deutschland geklagt, weil sie hier die Friedensbewegung unterstützte. (Az.: III ZR 190/05)


Aus: "Kein Geld für die Opfer von Varvarin" Von CHRISTIAN RATH (taz vom 3.11.2006, S. 6,TAZ-Bericht)
Quelle: http://www.taz.de/pt/2006/11/03/a0068.1/text

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[...] Obwohl Deutschland dem humanitären Völkerrecht beigetreten ist, wird unter Völkerrechtlern über die Völkerrechtskonformität des Krieges gegen Jugoslawien weiter gestritten. Eindeutig klar ist aber, dass der Angriff auf zivile Einrichtungen in Serbien - so auch auf die Varvarin-Brücke - außerhalb jeder Verhältnismäßigkeit lag. Darüber urteilte der Jurist Reinhard Merkel nach dem Kosovo-Krieg: "Wer aber jemand anderem helfen will, indem er zur Behebung von dessen Not unbeteiligte Dritte mit ihrem Leben bezahlen lässt, obwohl er dies durch Inkaufnahme eigener Lebens- und Leibesrisiken vermeiden könnte, folgt einer schäbigen Maxime; er desavouiert noch die Norm selbst, auf die er sich für sein Handeln beruft. - Ich fürchte, die Geschichte wird nicht nur die Taten des Herrn Milosevic, sondern auch den Krieg seiner Gegner aufbewahren als Reminiszenz des Grauens."


Aus: "Es geschah in unserem Namen" - DER ANGRIFF AUF DIE VARVARIN-BRüCKE WäHREND DES KOSOVO-KRIEGES 1999
Von Hans Wallow (freitag.de; 03.11.2006)
Quelle: http://www.freitag.de/2006/44/06440601.php

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[...] Daß der Bombenangriff am Pfingstsonntag, als die Bevölkerung in der Nähe der Brücke feierte, ein Kriegsverbrechen war, will die BRD keinesfalls zugestehen: Brücken seien allemal militärische Ziele, weil sie durch Truppen genutzt werden könnten, belehrt Krämer das Gericht und die Kläger. Wenn sich später das Gegenteil herausstelle, sei das bedeutungslos, weil es „für die Planung, Entscheidung und Durchführung von Angriffen“ stets auf die Informationen ankomme, „die im Zeitpunkt des Handelns zur Verfügung standen“, nicht auf nachträglich erkennbare Tatsachen; schon bei der Ratifizierung der einschlägigen kriegsvölkerrechtlichen Bestimmungen habe die Bundesrepublik ausdrücklich diesen Vorbehalt gemacht. Kurz: Der Angriff auf die Brücke hätte nur dann rechtswidrig sein können, wenn den Angreifern vorher die Information vorgelegen hätte, daß diese Brücke – ausnahmsweise – keine strategische Bedeutung hatte.

Die Tatsache, daß sich in Varvarin und Umgebung keinerlei Militär aufhielt, wird im Schriftsatz der beklagten BRD mit den Hinweisen abgetan, Varvarin sei von jugoslawischer Seite nicht als entmilitarisierter Ort angezeigt worden, und in einem Luftkrieg, wie ihn die NATO erfolgreich geführt habe, könne es solche Orte ohnehin nicht geben; denn das Kriegsvölkerrecht schütze zwar entmilitarisierte, bewohnte Orte im Frontbereich, der Luftkrieg aber kenne keinen Frontbereich.

Der Regierungsanwalt verzichtet auch nicht auf die scheußlichste der Lügen, mit denen der Krieg gegen Jugoslawien begründet wurde: Die NATO habe eine humanitäre Katastrophe im Kosovo verhindern wollen – wobei unerwähnt bleibt, daß Varvarin 100 Kilometer vom Kosovo entfernt liegt. Den zum Teil schwer Verletzten und den Hinterbliebenen der Getöteten läßt die Bundesregierung in dem Schriftsatz, mit dem sie ihnen weiterhin jede Entschädigung verweigert, „aufrichtiges Bedauern“ aussprechen. Die Zivilisten seien „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen – an ihrem Wohnort.

Geht es noch zynischer?


Aus: "BGH Karlsruhe verhandelt Kriegsverbrechen von Vavarin - Eckart Spoo kommentiert: "Deutsches Völkerrecht""
Quelle: Ossietzky 19/2006 / AutorIn: Spoo, Eckart
Quelle # 2: http://www.stattweb.de/baseportal/NewsDetail&db=News&Id=1045

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[...] 35 Serben hatten auf Entschädigung geklagt, da sich Deutschland 1999 an einem Angriff auf ein serbisches Dorf beteiligt hatte. Der Bundesgerichtshof sah dafür jedoch keine Grundlage.


Aus: "Grundsatzurteil: Deutschland muss keinen Schadenersatz wegen Nato-Angriffs zahlen" (02.11.2006)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/396/90306/

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Nato-Angriffe auf Serbien: „Sie wollten Zivilisten töten“
22.03.2009 Von THOMAS ROSER (Die Presse)
http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/463430/index.do?_vl_backlink=/home/index.do

« Last Edit: March 24, 2009, 11:57:08 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #28 on: October 21, 2006, 09:48:50 PM »

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[...] Washington/Bagdad/Mekka - Angesichts der nicht enden wollenden Gewalt im Irak will US-Präsident George W. Bush mit führenden Generälen über einen möglichen Strategiewechsel beraten. Allein seit Anfang Anfang Oktober wurden im Irak 75 US-Soldaten getötet, und Bush steht vor der Kongresswahl im November zunehmend innenpolitisch unter Druck. Nach einer Statistik der irakischen Regierung kostet die Gewalt jeden Tag 100 Zivilpersonen das Leben, wie aus einem UNO-Memo hervorgeht.

Die Regierung in Bagdad habe diese Statistik über Gewaltopfer in der Zivilbevölkerung zurückgehalten, heißt es in dem am Freitag bekannt gewordenen Memo der Vereinten Nationen. Das Büro von Ministerpräsident Nuri al-Maliki habe es dem Gesundheitsministerium untersagt, die Daten zu veröffentlichen. Maliki habe das Ministerium zwei Mal angewiesen, die Zahlen nicht an die Vereinten Nationen weiterzugeben, schrieb der Irak-Gesandte der Weltorganisation, Ashraf Kazi. Ein Sprecher des Regierungschefs habe gegenüber der UNO-Mission im Irak erklärt, die Statistik sei übertrieben. Zuvor habe Maliki allerdings während eines Besuchs in London die Zahlen bestätigt.


Aus: "Bush berät über möglichen Strategiewechsel" (21. Oktober 2006)
Quelle: http://derstandard.at/?url=/?id=2632527

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[...] Allein in Bagdad sind in den ersten drei Wochen des Ramadan laut US-Armee rund 20 Prozent mehr Gewalttaten verübt worden als im Vorjahr. Die Friedhöfe und Leichenschauhäuser in der Hauptstadt sind völlig überfüllt.


Aus: "Bagdads Friedhöfe sind voll" (22.10.2006; AFP)
Quelle: http://onnachrichten.t-online.de/c/94/11/07/9411072.html
« Last Edit: October 22, 2006, 10:59:13 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #29 on: October 26, 2006, 09:35:36 AM »

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[...] Deutsche Soldaten schänden Toten

[...] • Auf einem Foto wird ein Totenschädel auf dem Tarnscheinwerfer eines Kleinpanzers vom Typ „Wiesel“ präsentiert.
• Das nächste Foto zeigt einen Mercedes-Jeep vom Typ „Wolf“. Ein Bundeswehrsoldat spießt den Schädel an einer Spezialvorrichtung zur Durchtrennung von Stahlseilen („cablecutter“) auf. Drei Kameraden schauen dem makaberen Treiben zu.
• Auf einem weiteren Foto posieren zwei Soldaten auf der Motorhaube des Jeeps – zwischen ihren Beinen den Kabeldurchtrenner mit dem aufgepflanzten Totenschädel.
• Ein anderes Foto zeigt einen lachenden Soldaten, der den Totenschädel stolz in die Kamera hält.
• An Perversität kaum zu überbieten ist das Foto, das einen Bundeswehrsoldaten mit entblößtem Glied in der linken und dem Schädel in der rechten Hand zeigt!

[...] Der frühere Kommandeur der internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF, Norbert van Heyst: „Das kann in Afghanistan katastrophal wirken.“ Citha Maaß von der Stiftung Wissenschaft und Politik fürchtet, es könne jetzt zu Anschlägen auf die dort stationierte deutsche Truppe kommen: „Das ist nicht ganz in der Kategorie der Mohammed-Karikaturen. Aber es reicht an die Sache heran. Die Frage ist, ob man das noch eindämmen kann.“


Aus: "Totenkopf-Skandal: Verdächtige im Verhör – Anschläge befürchtet" (25.10.2006)
Quelle: http://www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/10/25/afghanistan-totenkopf-update/afghanistan-totenkopf-update.html

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[...] Weiß man denn, was die jungen Medizinstudenten während ihres Praktikums in der Pathologie für Witze machen? Ich habe schon Erstaunliches darüber gehört, wie es am Leichentisch zugeht – wenn keiner guckt. Angeblich ist da auch das Obszöne nicht ausgeschlossen. Erstaunlich sind solche Berichte allerdings nur, solange nicht berücksichtigt wird, wie schwer das psychische System die körperliche Begegnung mit dem Tod verarbeitet. Die Dummheiten, die anlässlich dieser Begegnung gemacht werden, sind wahrscheinlich ganz gesund. Sie verhindern, dass die Eindrücke nach innen schlagen.

Dasselbe gilt – verschärft – für die Jungens, die mitten aus einem harmlosen Alltag gerissen und mit der Möglichkeit, töten zu müssen oder selbst getötet zu werden, konfrontiert sind. Wenn sie dadurch nicht in seelische Abgründe gerissen werden wollen, müssen sie einen frivolen Humor aktivieren. Die Verwegenen unter ihnen können die Gelegenheit, den Tod einmal kräftig auf die Schippe zu nehmen, nicht gut auslassen. Man sollte sie ungestraft lassen.

Man wird sie – wenn man die einschlägige Vorschrift des Strafgesetzbuchs richtig anwendet – auch ungestraft lassen müssen. Eine „Störung der Totenruhe“ setzt nämlich „eine besonders hohe Missachtungskundgebung voraus, mit welcher dem Toten Verachtung entgegengebracht und ihm Schimpf angetan werden soll“. Dieser Fall liegt hier nicht vor. Nicht einem Toten wurde hier Schimpf angetan. Sondern dem Tod. Seine Hoheit persönlich wurde verarscht. „Fuck you“ wurde ihm, der sich in dem Schädel als seiner Ikone verkörpert, zugerufen. Anders ausgedrückt: Dem Sensenmann wurde der Stinkefinger gezeigt.

Die Reaktion der Öffentlichkeit ist heuchlerisch. Sie verdrängt mit ihrer Empörung, dass sie sich selbst gerade in dem heiklen Bereich von Tabu und Frevel bewegt. Sie verdrängt die Skrupel, die fällig sind, weil sie zulässt, dass Deutschland – ohne angegriffen zu sein – wieder Soldaten in die Welt schickt, die dort offensiv tötend tätig werden. Deutschland ist wieder normal geworden – in der Weise, dass es den Schwur gebrochen hat, den es nach dem Zweiten Weltkrieg abgelegt hat: Nie wieder Krieg! Das Tötungs- Tabu sollte diesem Volk in Zukunft absolut heilig sein. „Kein Deutscher soll jemals wieder einen Helm tragen“, hatte Konrad Adenauer gesagt, und nur aufgrund dieses Schwurs waren die Deutschen imstande, nach 1945 wieder ihr gesenktes Haupt zu heben.

Wenn ein Tabu gebrochen wird und die Angst vor Frevel aufkommt, werden Sündenböcke gebraucht. Man macht sich sauber, indem man sie verdrischt. So schicken die Deutschen ihre Jungens wieder hinaus in den bösen alten Tanz – aber erlauben ihnen nicht, die damit verbundenen Belastungen auf ihre jugendliche Weise, nämlich frivol und obszön, zu kompensieren. Sie dürfen töten – aber sie dürfen sich nicht dadurch entlasten, dass sie den Tod auf die Schippe nehmen.



Aus "POSITIONEN: Wer mit dem Schädel spielt „Störung der Totenruhe“? Die Debatte um die Soldaten ist heuchlerisch Von Sibylle Tönnies; 27.10.2006 (Die Autorin ist Juristin und Lehrbeauftragte an der Universität Potsdam)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/meinung/archiv/27.10.2006/2859943.asp

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[...] die Fotos, welche die Bildzeitung veröffentlichte, [taugen] nicht zum großlettrigen Skandal, zu dem sie die Zeitung mit Überschriften wie "Schockfotos von deutschen Soldaten" und "Deutsche Soldaten schänden Toten" machen will. Sie sind vor allem peinlich, halbstarke Foto-Bricolage. Und die Äußerungen der Politiker - Merkel fand die Fotos "schockierend und abscheulich", Außenminister Steinmeier gab sich "bestürzt" - im politischen Geschäft zwar verständlich, aber nach nüchternen Kriterien hätte etwas weniger Aufregung auf höchster Ebene wahrscheinlich auch nicht geschadet.


Aus: "Betriebsausflug mit Totenschädel - Fotos von deutschen Soldaten sind kein Skandal, aber sie machen erneut auf die explosive Lage in Afghanistan aufmerksam" Von Thomas Pany (TP; 25.10.2006)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23833/1.html


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[...] Besonders die rot-grüne Regierung hat die Out-of-area-Einsätze der Bundeswehr heuchlerisch als bewaffnete Sozialarbeiterkommandos getarnt. Über die Aktivitäten der KSK hüllte man sich aus Sicherheitsgründen in Schweigen. Das war verlogen: Es ging bei diesem Schweigegelübde nicht um die militärische Sicherheit der Soldaten, sondern um die politische Sicherheit der Regierung, die nicht zugeben wollte, dass deutsche Soldaten im Ausland nicht nur Bonbons an Kinder verteilen und Schulen aufbauen - sondern auch feindliche Kämpfer töten müssen.

[...] Die Große Koalition hat bisher keinen Anlass gesehen, diese selektive Informationspolitik der Bundeswehr zu ändern, gegen die das Embedment-Programm der US-Armee geradezu ein Freibrief für unabhängige Recherche ist.

[...] Der Einsatz in Afghanistan ist die bisher heikelste Mission der Bundeswehr. Seit 2002 verloren insgesamt 18 Soldaten ihr Leben.

[...] Vor einigen Jahren recherchierte ich im Norden des Landes ungeheuerliche Gerüchte über ein Massaker an Kriegsgefangenen. Mehrere hundert Taliban-Kriegsgefangene, so hieß es, seien von der Nordallianz in der Wüste bei Masar-i-Scharif hingemetzelt worden. Die Täter hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Spuren ihrer Verbrechen zu beseitigen. Ich lief buchstäblich über Killing Fields, ein Meer von Skeletten und Patronenhülsen lag vor meinen Augen.



Aus: "KOMMENTAR: Alptraumbilder aus den Killing Fields" Von Claus Christian Malzahn (SPON; 25. Oktober 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,444599,00.html


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[...] Bemerkenswert ist hier zweifellos die allgemeine Empörung über den Umgang mit einem Totenschädel angesichts des allein in Afghanistan seit Jahren andauernden Umgangs mit der Bevölkerung. Immer wieder dringen Berichte über die Bombardierung oder anderweitige "versehentliche" Tötung von Zivilisten an die Öffentlichkeit, ohne auch nur entfernt ähnliche Reaktionen hervorzurufen. Daß derartige Vorfälle bisher nicht direkt mit deutschen Soldaten in Verbindung gebracht wurden dürfte dabei vorrangig der die KSK-Soldaten begleitende Geheimhaltung geschuldet sein.

Spätestens angesichts nun geäußerter "Befürchtungen" einer "erhöhten Anschlagsgefahr" infolge von "Rachegedanken" aufgrund dieser Bilder offenbart sich hier eine grundlegende Heuchelei. Sollte es in der afghanischen Bevölkerung "Rachegedanken" gegenüber Deutschland geben, so existieren diese zweifellos vorrangig aufgrund der deutschen Beteiligung am US-geführten Angriffskrieg und der fortgesetzten Zerstörung, Besatzung und Unterdrückung ihres Landes.


Aus: "Künstliches Entsetzen: Panik angesichts einiger Photos" (25.10.2006; freace.de)
Quelle: http://www.freace.de/artikel/200610/251006b.html


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[...] Die Soldaten, die ihre Pimmel an Totenköpfe halten und sonst gern Schabernack mit Leichen treiben - das sollen auch die Soldaten sein, die rechte Politiker im Inneren einsetzen wollen? Nur auf Friedhöfen, oder dürfen sie auch auf den Strassen Köpfe abhacken? Falls ja, bin ich doch sehr dagegen.

Aus: "Mal ne blöde Frage" donalphons, 15:10h (Mittwoch, 25. Oktober 2006)
Quelle: http://rebellmarkt.blogger.de/stories/589524/

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richard graf rappoldstein, Mittwoch, 25. Oktober 2006, 15:23
[...] Da werden Soldaten hingeschickt, um im Fall der Fälle Menschen umzubringen und dann dürfen die noch nicht einmal mit dem Schädel kicken. Das wäre doch das Mindeste, was man denen zustehen könnte.

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donalphons, Mittwoch, 25. Oktober 2006, 15:24
Ist halt alles eine Frage der Ächtung. Leichen machen ist ok, Leichen schänden dagegen wohl eher nicht.

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verlagsfuzzi, Mittwoch, 25. Oktober 2006, 16:12
[...] Schlürft Ihr beim Verfassen gerade an einem leckeren Milchkaffee in einem schicken Münchner Cafe?
Hat einer von Euch einen blassen Schimmer, was es heisst, dort monatelang im Dreck rumzukriechen? Versteht Ihr was von Militärpsychologie?
Nein, Ihr nehmt lieber die Komlexität raus und vermengt das mit Eurer rechts/links-Denke. Ihr seid doch die Phrasendrescher! Wie primitiv, sich an den Jungs auszulassen.

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franz.brandtwein, Mittwoch, 25. Oktober 2006, 22:26
[...] anyway - ich dachte "unsere Jungs" sind eh nur zum Muelltrennen bei den Afghanen ... so kann man sich irren.

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hockeystick, Mittwoch, 25. Oktober 2006, 22:23
Telepolis berichtet übrigens über Polo-Partien mit Schädeln im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Aber die Einheimischen lassen dabei wenigstens ihre Hose zu.

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first_dr.dean, Mittwoch, 25. Oktober 2006, 23:22
Soldaten, die Totenschädel anpimmeln, sind eine fast optimale Ergänzung zu "Zeitungen" wie BILD. Jedenfalls stellen sie eine logische Konsequenz dar.

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iguana, Donnerstag, 26. Oktober 2006, 12:16
"Die Soldaten, die ihre Pimmel an Totenköpfe halten und sonst gern Schabernack mit Leichen treiben..."
...waren das eigentlich BILD-Leserreporter?

Quelle: http://rebellmarkt.blogger.de/stories/589524/#comments


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...außerdem ist jede Armee Spiegel ihrer Gesellschaft, undbeim Zustand der bundesdeutschen Gesellschaft wundert mich nichts mehr...

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wondergirl, Mittwoch, 25. Oktober 2006, 19:31
Ja? Ein Bekannter hat sich während seiner Wehrdienstzeit versetzen lassen, weil seine ersten Zimmergenossen (oder wie das heißt) es besonders lustig fanden, sich gegenseitig und anderen mit dem Schwanz im Gesicht rumzureiben.
Jungs sind eklig.

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mark793, Mittwoch, 25. Oktober 2006, 21:54
@wondergirl:
Gehört habe ich von solchen Gepflogenheiten auch oft. Real begegnet sind sie mir zum Glück nicht. Sollte anno 84 auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges etwa alles besser gewesen sein? Nebenbei bemerkt: Ich habe ein Atomraketenlager bewacht, während so ziemlich jeder meiner damaligen Freunde bei Ostermärschen und dergleichen auf der anderen Seite des Zauns stand.

[...] Wir hatten damals noch eine ganze Reihe Ausbilder und Offiziere, die sehr stark sozialliberal geprägt waren und einen sehr teamorientierten Führungsstil pflegten. Ich bin froh, dass diese Leute nicht verweigert hatten. So geartetes Personal fehlt dieser Truppe heute, weil sich jeder halbwegs kritisch dünkende Mensch zu schade für diesen Job ist. Was ich ja wie gesagt auch keinem verdenken kann. Schwieriges Thema...


Aus: "Leichenschänder in Afghanistan" Von che2001 (Mittwoch, 25. Oktober 2006)
Quelle: http://che2001.blogger.de/stories/589578/

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[...] Ein wenig beachtetes Problem im Zusammenhang des aktuellen Skandales um die Leichenschändungen durch Soldaten der deutschen Bundeswehr ist die Doppelmoral der politischen Reflexhandlungen auf die mediale Aufmerksamkeit für dieses Thema.

Einerseits ist der Auftrag und der Beruf des Soldaten die Anwendung der Staatsgewalt in ihrer rohesten und direktesten Form. Das erfordert beim Soldaten ein gewisses Maß an menschlicher Stumpfheit, Mitleidslosigkeit, Kälte und damit letztlich Barbarei, ohne die sich ein solcher Auftrag nicht erfüllen ließe. Diese Barbarei ist Spiegelbild der Barbarei jener Gewalt, auf der alle heutigen Staaten letztlich gegründet sind und in die alle heutigen Staaten zurückfallen, wenn die bloße Drohung mit der Gewalt nicht hinreichend ist, um die jeweiligen politischen Ziele zu erreichen. Die Barbarei ist also politisch gewünscht und gewollt, sie wird als “Härte” und “Tapferkeit” offen vom Soldaten eingefordert und in Fällen besonderer Selbstvergessenheit in der Gewaltanwendung auch mit ehrenvollen Auszeichungen öffentlich belohnt.

Wenn aber andererseits Menschen im Rahmen der Anwendung staatlicher Barbarei äußerst verachtenswerte Taten auf eigene Faust begehen, was ja angesichts der existenziellen Umstände eines Soldaten im Einsatz gar nicht so überraschend ist, so wird die medial dargebotene Empörung der politischen Kaste übergroß und die in Kameras und Mikrofone gesprochenen Worte triefen vor Moral und Menschenrecht.

Die so in der Öffentlichkeit auftretenden Vertreter des Staates zeigen durch diese Doppelmoral, welchem lichtscheuen Gesindel sie angehören. Das sollten sich gerade Soldaten, aber auch alle anderen Menschen genau vor Augen halten, wenn sie kaltschnäuzig für die Absichten dieser Menschen “ihren Job machen”.


Aus: "Leichenschändungen und Doppelmoral" Von Nachtwächter um 16:56 (25. Oktober 2006)
Quelle: http://www.tamagothi.de/2006/10/25/leichenschaendungen-und-doppelmoral/

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[...] Die Bilder hatten sofort vehemente mediale und politische Wirbelstürme verursacht und die vom Verteidigungsministerium eigentlich für diese Woche beabsichtigte öffentliche Diskussion über das neue "Verteidigungsweißbuch" gänzlich in den Hintergrund gedrängt. Sofort ging es darum, die Exzesse nur einzelnen, unverantwortlichen Soldaten zuzuschreiben, die dann auch die strafrechtlichen Konsequenzen zu fürchten hätten. Mal abgesehen von den disziplinarrechtlichen Konsequenzen – welcher Berufs- oder Zeitsoldat wird schon gerne aus der Truppe geschmissen? – sind die strafrechtlichen Konsequenzen eher weniger bedrohlich. Darüber täuscht auch die harsch klingende Formulierung nicht hinweg, die Staatsanwaltschaft habe "die Ermittlungen aufgenommen". Denn was könnte schon der Straftatbestand sein? "Störung der Totenruhe"? Aber müsste dann nicht jeder Ägyptologe vorsichtshalber seinen Beruf an den Nagel hängen?

[...] Mit in Jahrzehnten vervollkommneter traumwandlerischer Sicherheit trifft BILD den gesellschaftlichen Nerv. Eine ein Tabu brechende Enthüllung ("Die Bilder erregen Abscheu"), kombiniert mit staatstragender Rhetorik ("Sind sich Vorgesetzte immer ihrer Verantwortung bewusst?") garantiert hechelnde Neugierbefriedigung und pseudo-moralische Unangreifbarkeit.

[...] "Totenschädel" sind das Symbol des Todes schlechthin, insbesondere in unserem Kulturkreis. Jeder kennt Piratenflaggen. Insbesondere in Süddeutschland können selbst Kindergartenkinder in Beinhäusern aufgetürmte Schädeltürme in Augenschein nehmen. Die Katakomben von Paris mit ihren Menschenknochenmassen lassen jedes Jahr Tausende Touristen frösteln. Aber Schädel und Menschenknochen sind abstrakt; sie lassen das verblichene Leben nur erahnen. Nur deshalb kann eine Medizinstudentin gebettet über einer Kiste mit Menschenknochen ruhig schlafen. Im Rheinischen Landesmuseum Bonn ist derzeit anlässlich des 150ten Jahrestages der Entdeckung des Neandertalers eine einzigartige Ausstellung über die Evolution des Menschen zu sehen. Ausgestellt sind jede Menge Knochen, auch solche moderner Menschen, die ganz bewusst ausgebuddelt wurden. Nicht einmal Grundschulklassen schaudert es vor ihnen.

Bewusst dachten die Soldaten demnach wahrscheinlich eher wenig. Aber in ihrem tiefsten Inneren haben sie vermutlich alte Rituale vollzogen, um ihre Angst vor dem Tod zu kompensieren.

[...] Wo bleibt das Internet?

"Das Internet" hat völlig versagt. Schlicht und ergreifend. Wahrscheinlich deshalb, weil es dort immer nur um "George Dabbleyou" geht. Aber wo sind die kritischen deutschen Blogs, die darüber berichten, was bei "unseren" Auslandseinsätzen geschieht?

[...] Was bewirken die BILD-Veröffentlichungen? - Kurzfristig sicherlich vor allem eine Auflagensteigerung. Aber mittel- und langfristig tragen sie vielleicht sogar dazu bei, dass eine wirkliche Diskussion über die Bundeswehreinsätze in Gang kommt. Denn die kritischen Mahnungen der "üblichen Verdächtigen" des Medienzirkus, was deutsche Auslandseinsätze angeht, wurden ja noch nie wirklich gehört.

Das haben aber nicht zuletzt unsere SoldatInnen nicht verdient. Denn wenn sie einen Dienst leisten müssen, den hier zu Hause niemand versteht, dann kommt jeder einzelne von ihnen irgendwann zurück in eine Welt, in der er oder sie nicht mehr verstanden wird. Der Ruf nach psychologischer Betreuung für die SoldatInnen wird dann schnell laut. Aber er ist nicht angebracht, denn die Männer und Frauen, die aus Afghanistan und anderen Gegenden zurückkommen, sind keine Verrückten. Wenn überhaupt, dann ist es der zu Hause gebliebene Teil der Gesellschaft, der psychologischer Betreuung bedarf. Denn er schottet sich medial, politisch und individuell mit allen Mitteln gegen die Wirklichkeit "da draußen" ab. Es ist zu hoffen, dass BILD unwissentlich damit begonnen hat, diese Barriere einzureißen.


Aus: "BILD sei Dank" Von Christian Gapp (TP; 26.10.2006)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23837/1.html

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[...] Solcherart Umgang mit dem Gebein des Feindes genießt bei europäischen Soldaten im "Auslandseinsatz" seit jeher Tradition. Als Lord Kitchener 1899 den ersten modernen islamistischen Gottesstaat im Sudan, übrigens eine üble Diktatur, zerschlagen hatte, ließ er dessen Gründer, den Mahdi, exhumieren und die Gebeine in den Nil werfen. Kitcheners ursprüngliche Absicht, den extra einbehaltenen Schädel dem Londoner "College of Surgeons" zur Verfügung zu stellen, gab er zugunsten einer schlichten Beisetzung auf einem Kairoer Friedhof auf. Doch auch das Gebaren der rechtgläubigen mahdistischen Glaubenskrieger zeugte nicht von einer Achtung der Totenruhe. Sie stellten den abgeschnittenen Kopf des von ihnen 1885 ermordeten englischen Generals Gordon öffentlich zur Schau.

[....]  Die Kulturgeschichte des Totenschädels von der germanischen, griechischen oder präkolumbianischen indianischen Mythologie über die Ikonographie mittelalterlicher Flugschriften bis in die Gegenwart moderner Computerspiele ist hinlänglich erforscht – inklusive seiner Nutzung als Symbol militärischer Verbände: In Nachahmung ungarischer und polnischer Uniformen zierte der Totenkopf mit gekreuzten Knochen seit 1741 auch die Pelzmützen preußischer Reiter. Von 1808 bis 1918 stellten die "Totenkopf-Husaren" das Leibhusarenregiment der Hohenzollern.

Der Schädel an der Mütze ist durchaus nicht nur negativ konnotiert: Schillsche und Lützower Jäger trugen ihn ebenso wie die Mannen des "schwarzen Herzogs" von Braunschweig im Befreiungskrieg gegen Napoleon. Später pinselten ihn sich putschende Freikorpsleute auf die Helme. Von da war es nur noch ein kurzer Weg zum Wahrzeichen einer Verbrecherriege: Die SS trug ihn an Kragenspiegel und Mütze. Doch nicht nur sie. Im Erbeverständnis als "moderne Husaren" und als Reminiszenz an die martialische Bemalung erster deutscher Kampfwagen von 1918 trugen auch die Panzertruppen der Wehrmacht bis 1945 Knochen und Schädel auf der Uniform. Totenkopfabzeichen sind beileibe kein Privileg deutscher Soldaten: Ihrer Majestät Royal Lancers tragen sie bis heute ebenso am Barett wie ihre Kameraden vom British Royal Navy Submarine Service.

Nun existiert ein Unterschied zwischen symbolischer Darstellung und dem realen Relikt: Ein aufgenähtes Zeichen prädestiniert nicht automatisch zum Totschläger und Leichenschänder. Doch natürlich steckt hinter solch bildlichen Darstellungen im militärischen Kontext auch Programm. Ein Krieger von echtem Schrot und Korn fürchtet weder Tod noch Teufel, der furchtbare Schmuck soll den Gegner erblassen lassen. Militärs pflegen so seit jeher ein besonders enges Verhältnis zum menschlichen Schädel, die Berührungsängste sind gering.

Sich jetzt nur über die Fotos zu empören, verschleiert das eigentliche Problem: Seit jeher sind Rituale, in denen der Totenkopf eine Rolle spielt, fester Bestandteil des Brauchtums von Männergesellschaften wie irokesische Clans, Templer, schlagende Verbindungen oder Freimaurer. Die Darstellung und Vervielfältigung im Bild heben es auf ein neues Niveau: Esprit du Corps wird potenziert und ist jederzeit abrufbar.Das ist natürlich nur eine Erklärung und erst Recht keine Entschuldigung für das Verhalten der jungen Soldaten in Afghanistan. Allerdings sollten wir dann auch den Mut zu einem weiteren Schritt haben. Nur ganz kurz schwenkte die Kamera in einem RTL-Bericht über den Namen der Kaserne und der Gebirgsjägereinheit der involvierten Tatverdächtigen: Edelweiß.

Mindestens ebenso beunruhigend wie der schnöde Umgang mit den Überresten der Toten ist eine bestimmte Art von Traditionspflege: Soldaten der 1. Gebirgsjägerdivision "Edelweiß" massakrierten am 16. August 1943 mit unglaublicher Grausamkeit die Bewohner des griechischen Dorfes Kommeno und machten sich später bei "Sühnemaßnahmen" für Partisanenüberfälle auf dem Balkan verdient. Alljährlich gedenkt man bei der Bundeswehr-Gebirgsjägerbrigade ganz offiziell der gefallenen Kameraden des zweiten Weltkrieges – ein Gedanke an hunderte zivile Opfer wird nicht verschwendet. Bilder vom pietätlosen Umgang mit dem menschlichen Körper – auch durch Deutsche – werden uns angesichts weltweiter kriegerischer Auseinandersetzungen zunehmend bewegen. Vielleicht wäre neben dem Entsetzen wieder einmal ein Nachdenken über die Tradition, in der sich unsere Soldaten im Ausland bewegen, angebracht.


Aus: "Schädel, Knochen & Edelweiß - Gedanken zu einer kopflosen Debatte" Thomas Kramer (TP; 28.10.2006)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23845/1.html

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[...] Ein KSK-Soldat sagte: „Ein paar unserer Jungs sind Ewiggestrige und fanden es besonders schick, mit dieser Wehrmachtsinsignie herumzufahren.“

Aus: "KSK-Soldaten verwendeten angeblich Wehrmachts-Emblem" (01.11.2006)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/328/90238/

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[...] Berlin - Der respektlose Umgang mit Toten ist unter Bundeswehrsoldaten in Krisengebieten womöglich seit Jahren gängige Praxis - nicht nur in Afghanistan. "Ich habe selbst im Kosovo mitbekommen, dass junge Soldaten bei Exhumierungen oder in der Pathologie Fotos gemacht haben, die unter der Hand im Lager kursierten, ohne dass die Vorgesetzten offensichtlich davon etwas mitbekommen haben", sagte der Truppenpsychologe Horst Schuh der "Bild am Sonntag".

[...] Truppenpsychologe Schuh sagte, die meisten jungen Soldaten reagierten auf Verwundung und Tod schockiert. Es gebe aber auch einige, auf die das Makabre eine bizarre Anziehungskraft ausübe. Hinzu komme ein Imponiergehabe, das in einer Gruppe eine eigene Dynamik entwickeln könne. Er verglich diese Versuche, beängstigende Situationen zu bewältigen, mit den Scherzen von Medizinstudenten am Seziertisch. Es würde ihn nicht wundern, "wenn weitere Bilder dieser Art auftauchen", fügte der Oberst der Reserve hinzu.


Aus: "Bericht über Horror-Fotos aus dem Kosovo" (SPON; 28. Oktober 2006)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,445249,00.html

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[...] Am Freitag kündigte das Hamburger Massenblatt die nächste Stufe an. Ihm lägen "Dutzende neuer Bilder" vor. Bei den darauf abgebildeten Szenen soll es sich um martialische Totentänze eigener Art handeln, makabre Skelett-Puzzles: Einer zusammengesetzten Knochen-Figur werde eine Pistole an den Schädel gehalten. Gebeine seien zum Schriftzug "CSR" angeordnet. CSR steht für "campside reconnaissance", die Geländeaufklärung im Gebiet um das deutsche Camp.

[...] Der Verteidigungsminister persönlich hat das Motto ausgegeben, wer sich so verhalte, habe in der Bundeswehr keinen Platz. Aber was heißt "so"? So unmenschlich? So undiszipliniert? So unpolitisch? Oder nur so abgrundtief dämlich? Die allgemeine Fassungslosigkeit ist nicht nur moralisches Urteil, sondern auch ein intellektuelles und politisches Versagen. Bei aller einhelligen Empörung und Entschlossenheit zur Bestrafung herrscht unter den Berliner Zuständigen und parlamentarisch Mitverantwortlichen (der Fairness halber: auch in den Medien) beträchtliche Unsicherheit, wie die Sache überhaupt zu bewerten sei. Schon das beschreibende Vokabular flattert nervös hin und her: "Leichenschändung", "Schädigung des Ansehens der Bundeswehr", "makabrer Missbrauch von Leichenteilen". Mal wird die Untat juristisch gefasst ("Störung der Totenruhe"), mal politisch ("fataler Schaden für das Image der Bundeswehr", "Gefährdung der Sicherheit"), mal unter Gesichtspunkten von Anstand und Benimm ("Schweinkram"). Mal bleibt die Frage völlig offen, wo genau der Verstoß anzusiedeln sei ("schreckliches Fehlverhalten weniger Soldaten"). Bloß weg damit.

So wird das große Übel mehr lautstark verschrien als verstanden. Einen genaueren Begriff von Art und Ausmaß der Schuld der Beteiligten hat man sich bis dato erspart, bei den Bundeswehr-Oberen ebenso wie bei der politischen Führung.

Die kollektive Scham, der Distanzierungseifer ist so groß, dass sich bislang keiner traut, den Umstand zu benennen, der diesen Typus Entgleisung immerhin kategorial unterscheidet von den Kriegs-Exzessen, die sich mit den Tatorten Abu Ghraib oder Masr al Sharif verbinden: Er richtet sich, bei aller Widerwärtigkeit, ja nicht gegen lebende Personen. Er macht unter ihnen keine Opfer. Was sich die jungen Männer geleistet haben, deren Bilder jetzt die Nation verstören, ist ist eine vage, ohne Adresse bleibende Rohheit, nicht gezielte Unmenschlichkeit.

Während sich also im Skandal-Schock die politische Klasse dümmer - unaufgeklärter - stellt, als sie sein dürfte, bleibt es vorderhand den Psychologen und anderen Wissenschaftlern überlassen, darauf hinzuweisen, dass es sich bei den Übeltätern nicht um völlig aus der Art geschlagene Monster handelt. "Soldaten müssen darauf vorbereitet werden, dass sie einem mehr oder weniger grausamen Gegner gegenüberstehen. Sie sind in einer großen Angst- und Aggressionsspannung", erklärte der Psychotherapeut Peter Boppel in der Berliner Zeitung: "Die entlädt sich häufig in grausamen Taten."

Ähnlich argumentiert die Potsdamer Rechtswissenschaftlerin Sibylle Tönnies im Tagesspiegel. Die Schädel-Schänder seien "Jungens, die mitten aus einem harmlosen Alltag gerissen und mit der Möglichkeit, töten zu müssen oder selbst getötet zu werden, konfrontiert sind". Die Diskussion sei einigermaßen heuchlerisch. Die Öffentlichkeit verdränge, dass sie sich selbst "in dem heiklen Bereich von Tabu und Frevel bewegt", seit die Bundesrepublik wieder Soldaten ins Ausland schicke, ohne selbst angegriffen worden zu sein.


Aus: "Bundeswehr-Skandal: Einzelfall, Einzelfälle" VON KNUT PRIES (27.10.2006)
Quelle: http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/hintergrund/?em_cnt=999025&em_cnt_page=1


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[...] "Die Menschen haben im Moment andere Sorgen, als wegen dieser Fotos (von Bundeswehrsoldaten) auf die Straße zu gehen", sagt David Jawad Majed, ein Deutschafghane, der als Berater im Außenministerium in Kabul tätig ist. "Sie haben Angst vor Selbstmordattentaten, und dass der Krieg zurückkommt."

Dennoch fürchtet Majed, dass der "Ruf der Bundeswehr" in Afghanistan langfristig Schaden nehmen wird. "Das wird bestimmten Leuten einen weiteren Grund für den Kampf gegen die ausländischen Truppen liefern."

Die Kämpfe im Süden Afghanistans gingen am Wochenende weiter. Bei einem Anschlag auf einen Konvoi der Nato wurde ein Soldat getötet, acht weitere wurden verletzt. Auch drei Zivilisten erlitten Verletzungen. Der Vorfall ereignete sich in der Provinz Urusgan.

Nach Angaben der Nato wurden zudem bei heftigen Gefechten zwischen Einheiten der Allianz und Anhängern der radikalislamischen Taliban 55 Aufständische getötet. Die Kämpfe im Süden Urusgans wurden von Kampfflugzeugen und Hubschraubern unterstützt.

Die Gefechte in Afghanistan in diesem Jahr sind die schlimmsten seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001. Seit Anfang dieses Jahres sind mindestens 3000 Menschen getötet worden. Unter den Toten sind auch Hunderte Zivilisten und etwa 150 ausländische Soldaten.


Aus: "Schädelskandal lässt Afghanen kalt" von Britta Petersen (ftd.de; 30.10.2006; Dschalalabad)
Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/126653.html

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[...] "Juristisch gesprochen ist die Heftigkeit der Reaktionen sowohl in den Medien als auch von Seiten der Politik auf diese groben Geschmacklosigkeiten bei weitem überzogen", sagte der der Strafrechtler Reinhard Merkel. Es handele sich um Bagatelldelikte "an der untersten Schwelle dessen, was überhaupt kriminelles Unrecht sein kann".

[...] Aus Sicht von Strafrechtler Merkel handelt es sich bei dem Verhalten der jungen Soldaten, die sich in Afghanistan auf makabre Art mit Schädeln und anderen Skelettteilen hatten fotografieren lassen, um das alterstypische Verhalten Halbstarker, die sich zudem in keiner zivilen sozialen Situation befunden hätten. Nach Paragraf 168 des Strafgesetzbuches könne nur dann von einer Störung der Totenruhe ausgegangen werden, wenn Gräber geöffnet worden seien oder an Leichen beziehungsweise Leichenteilen "beschimpfender Unfug" vollzogen wurde.

Beschimpfungen wiederum seien nur dann möglich, wenn sie sich konkret auf den ehemals lebenden Menschen oder bestimmte Eigenschaften von ihm bezögen. "Kennt der Täter die vormals lebende Person nicht und weiß überhaupt nicht, um wessen Leichnam es da geht, dann ist in aller Regel das Beschimpfende an seiner Aktion ausgeschlossen", sagte Merkel. Übrig bleibe eine grobe Geschmacklosigkeit, die in der Regel kein kriminelles Unrecht darstelle.

Der Strafrechts-Experte räumte ein, dass die Rechtsprechung oft eine andere Ansicht vertrete. Für die Gerichte sei grob geschmackloses Verhalten oftmals ausreichend, um von einer Störung der Totenruhe auszugehen.

Merkel verwies darauf, dass mit Paragraf 168 das Pietätsempfinden der Allgemeinheit geschützt werden solle. Die Soldaten hätten jedoch nicht daran gedacht, dass die Fotos irgendwann mal die deutsche Öffentlichkeit erreichten. Zum anderen solle die Würde des Verstorbenen gewahrt werden. Diese sei jedoch nicht in Gefahr, "wenn man einen völlig anonymen Totenschädel gefunden hat". Die Sexualmotive hingegen sind nach Auffassung des Strafrechtlers sehr wohl hinreichend beschimpfender Unfug. Auf einem der Fotos hatte ein Soldat den Totenschädel an seinen entblößten Penis gehalten.



Aus: "Schädel-Fotos sind juristisch harmlos" (FTD; Reuters; 01.11.2006)
Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/127395.html


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[...] ABENDBLATT: Welche Bedeutung hat der Totenschädel grundsätzlich in unserer Kultur?

WOLFGANG SOFSKY: Der Totenschädel ist das Gesicht aller Gesichter. Er zeigt, dass wir alle am Ende gleich sind. Er symbolisiert Tod, Vergänglichkeit und Gefahr.

ABENDBLATT: Was bedeutet es, wenn Soldaten mit einem Totenschädel posieren?

SOFSKY: Soldaten benutzen den Totenschädel häufig als Kriegstrophäe. Sie zeigen damit den Stolz des Überlebenden über den Tod, die Macht des Siegers über den Besiegten. Das ist meist keine Bewältigung eigener Angst, sondern Ausdruck eigener Macht und eigenen Mutes. Wird der Totenkopf als Zeichen auf Uniformen getragen, wie zum Beispiel bei den alten Totenkopfhusaren, den Freikorps oder der SS, soll dadurch auch die eigene Gefährlichkeit demonstriert werden: Wir sind diejenigen, die den Tod bringen.

ABENDBLATT: Die deutschen Soldaten stammen aus einer zivilisierten Welt, sind gut ausgebildet und aufgeklärt. Warum sind diese Bilder trotzdem entstanden?

SOFSKY: Diese Soldaten verhalten sich so, wie sich Krieger immer verhalten haben. Sie machen Mutproben an der Ekel- und Tabugrenze, um ihre Zusammengehörigkeit zu festigen. Auch in modernen Kriegen suchen die Soldaten nach Trophäen. Das war im 2. Weltkrieg so, in Vietnam oder im Algerienkrieg. Oft werden den Toten Körperteile abgeschnitten. Soldaten werden zum Töten ausgebildet. Sie sollen im Krieg Feinde töten. In Deutschland glauben aber viele Menschen, dass Soldaten nichts als uniformierte Sozialarbeiter oder Aufbauhelfer seien.


Aus: "Das Gesicht aller Gesichter" Von Sandra Pabst (28. Oktober 2006; Wolfgang Sofsky ist Soziologe/ Gewaltforscher in Göttingen)
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2006/10/28/631139.html

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[...] Es kann einen schon anekeln, wie man seit Tagen medial mit den vielen Ekelausrufen penetriert wird, die als Reaktion auf die veröffentlichten “Totenschänder”-Bilder von nahezu allen politischen Würdenträgern ausgestoßen werden.

Die Aufmerksamkeitskanalisierung auf diese Einzelfälle dient dabei vornehmlich dazu, von den eigentlichen Ursachen abzulenken, die solche Bilder hervorbringen: Eine strukturelle Militarisierung des Politischen, die insbesondere von denen betrieben wird, die am lautesten empört sind, wie beispielsweise die Herren Steinmeier und Jung. Die Bundeswehr als “Bürgerarmee”, deren Existenz auf der freiheitlichen Landesverteidigung beruht, ist vom politischen Feld längst zu einer internationalen Eingreiftruppe umfunktioniert worden, deren Angriffskriege durch ideologische Legitimierungsstrategien gerechtfertigt werden, die aus Bombenabwürfen auf Gebäude und Menschen “humanitäre Interventionen” werden lassen, die das hehre Ziel einer “Enduring Freedom” verfolgen.

Durch diesen medial transportierten pervertierten Humanitäts- und Freiheitsbegriff hat sich weitgehend die von Schröder geforderte “Enttabuisierung des Militärischen” vollzogen, die sich gerade in materieller Form im veröffentlichten “Weißbuch” niedergeschlagen hat. Darin ist der Paradigmenwechsel klar vollzogen: Wenn auch verklausuliert, wird dort die militärische Rohstoffsicherung als legitimes Ziel der deutschen Außenpolitik definiert (Und ausgenommen der “Linken” wird ein parteienübergreifendes “Bravo” ausgerufen, in das auch die Grünen miteinstimmen, die ja auch kräftig Vorarbeit geleistet haben.)

Der “uniformierte Bürger” hat ausgedient, an seine Stelle ist der “archaische Kämpfer” (Heeresinspekteur Hans-Otto Bude) getreten, der politisch zu einem Werkzeug kapitalistischer Interessen gemacht worden ist. Es ist nur eine logische Folge, dass dieser Paradigmenwechsel mehr und mehr in das Bewusstsein der Soldaten eindringt, die sich, wie eine Studie zeigt, immer weniger als “Bürger in Uniform” betrachten.
Angesichts dieser Sachverhalte ist die proklamierte Empörung nicht viel mehr als routinierte und durchsichtige Heuchelei, wie auch Jürgen Rose treffend bemerkt:

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Die Frage ist doch: Darf sich die Öffentlichkeit ernsthaft über eine Erosion der Rechtstreue bei einzelnen Staatsbürgern empören, wenn Bundesregierungen seit Jahr und Tag das Grundgesetz missachten und weisungsgebundene Generalbundesanwälte ihnen dabei strafrechtlich den Rücken freihalten?

Selbstredend darf sie das nicht, vielmehr wird hier in absurder und bezeichnender Weise Wirkung und Ursache verkehrt, was einmal mehr die Deformiertheit unseres Medienssystems demonstriert:
Statt die gesellschaftlichen Ursachen der “Schändungen” freizulegen, wird die Schuld in Komplizenschaft mit dem politischen System in der individuellen Verkommenheit der Beteiligten gefunden (Eine bewährte ’systemstützende’ Herrschaftsstrategie, die man generell bei politischen Skandalen - z. B. Abu Ghraib - erkennen kann), und so die Wirklichkeit auf den Kopf gestellt: Es ermöglicht nämlich, dass sich diejenigen Akteure zu moralisch leidenden ‘Opfern’ machen, die die strukturelle Basis für die betreffenden ‘Verfehlungen’ ihrer von ihnen geformten “archaischen Kämpfer” geschaffen haben.


Aus: "Über den militärischen Ekel" Verfasst von Karlstadt | Kategorie: Medien/Politik (29.Okt.2006)
Quelle: http://denksprit.devcity.de/?p=61

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[...] Das entblößte Glied haben ein 20-jähriger ehemaliger Stabsunteroffizier und weitere Kameraden anderen Soldaten gegen den Körper und ins Gesicht geschlagen, wie die Würzburger Mainpost berichtet.

Der 20-Jährige stand jetzt wegen der Vorfälle im Frühjahr 2007 in Bad Kissingen vor Gericht. Vor sich hatte er einen fassungslos wirkenden und verärgerten Richter, der dem Angeklagten und seinen Kameraden "Armut im Geiste" vorwarf.

Mit der "totalen Tristesse", die in der Kaserne herrschte und damit, dass er nicht der einzige war, der das widerliche Ritual pflegte, versuchte sich der Angeklagte zu rechtfertigen. "Wir haben das zum Spaß gemacht", sagte er laut Mainpost vor Gericht aus.

Weniger spaßig war das "Anpimmeln" für die Opfer - wie einer der Geschädigten vor Gericht aussagte: "Mir ging das psychisch sehr an die Substanz." Doch niemand verriet die Täter. Erst als ein Video von dem Ritual auf CD-Rom auftauchte, erfuhren die Vorgesetzten in der Kaserne davon.

Zu 60 Arbeitsstunden wurde der Angeklagte vor Gericht verurteilt, aus dem Wehrdienst ist er unmittlebar nach Bekanntwerden der Vorfälle ausgeschieden.

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musterknabe, 01.03.2008

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 Zitat von maschenbauer:
Also zu meiner Zeit gab's solche schwulen Rituale noch nicht bei der Bundeswehr.

Damals haben sie sich noch mit Wildwest-Spielereien die Langeweile vertrieben!


wie bei "brokeback mountain" ?






Aus: "Ekliges Sex-Ritual in der Kaserne: (AZ). "Anpimmeln" haben Soldaten ein widerliches Ritual genannt, das in einer Kaserne in Franken offenbar üblich war." (01.03.08)
Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Bayern/Artikel,Widerliches-Sex-Ritual-in-der-Kaserne_arid,1183089_regid,2_puid,2_pageid,4289.html


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