COMMUNICATIONS LASER #17
February 08, 2012, 08:19:58 AM *
Welcome, Guest. Please login or register.

Login with username, password and session length
News: LASER#17 | TEXT MEMORY UNIT | ZITAT MONTAGEN | TEXT DATENBANK
=> BRUCHSTUECK-TEXT, SELEKTIVES GEDANKEN ARCHIV, UNGEORDNETE FELDFORSCHUNG, AMBIVALENZ, MENTALITAETSGESCHICHTE, GEHIRN ESKAPADEN, ZITATE, SPUREN, ASSOZIATIONEN, TUNNELREALITAET
 
   Home   Help Search Login Register  
Pages: 1 ... 25 26 [27] 28 29 ... 32   Go Down
  Print  
Author Topic: [Versprengte Notizen zum Krieg... ]  (Read 42250 times)
0 Members and 1 Guest are viewing this topic.
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #390 on: April 21, 2010, 10:06:02 AM »

Quote
[...] BERLIN (Eigener Bericht) - Angesichts zunehmender Gefechtsverluste in Afghanistan soll Berlin die Verschmelzung von "Entwicklungshilfe" und Aufstandsbekämpfung rasch vorantreiben. Dies empfiehlt eine aktuelle Studie des Sonderforschungsbereichs 700 der Freien Universität Berlin, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Auftrag gegeben wurde. Die Untersuchung schließt an tradierte Modelle der Anti-Guerilla-Kriegführung an, wie sie unter anderem von Frankreich während seines Kampfes gegen die algerische Unabhängigkeitsbewegung entwickelt wurden. Danach sind ausländische Interventionstruppen zur Sicherung ihrer Herrschaft auf die enge Kooperation mit lokalen Eliten und Warlords angewiesen - selbst wenn diese wie in Afghanistan von der einheimischen Bevölkerung als Bedrohung wahrgenommen werden. Das von der westlichen Propaganda zur Legitimation des Afghanistan-Krieges immer wieder angeführte Argument, man strebe eine Demokratisierung der afghanischen Gesellschaft an, wird ausdrücklich suspendiert.

[...] Bereits in der Vergangenheit hatten sich Forscher des SFB 700 für "zivil-militärische" Formen der Aufstandsbekämpfung ausgesprochen (german-foreign-policy.com berichtete [8]). Die jetzt präsentierten Konzepte erinnern stark an ein Modell des Anti-Guerilla-Kampfes, das von Frankreich während des algerischen Unabhängigkeitskrieges entwickelt wurde und heute von den USA umgesetzt wird. Die entsprechende Formel lautet "Clear" - "Hold" - "Build": Nach der militärischen "Säuberung" einer Region von Aufständischen ("Clear") übernehmen lokale Kollaborateure dort die Regierungsgewalt ("Hold"); "zivil-militärische" Entwicklungsprojekte sollen die lokale Bevölkerung dann dazu bringen, sich endgültig von den Aufständischen zu trennen ("Build"). Dass die französische Aufstandsbekämpfung in den früheren Kolonien tatsächlich von westlichen Militärs in Afghanistan als Quelle der heutigen Praktiken genannt wird, hat erst kürzlich der Journalist Marc Thörner nachgewiesen (german-foreign-policy.com berichtete [9]).

[1] Deutsche Hilfe für Afghanistan kommt an. BMZ stellt Wirkungsanalyse der Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan vor. Pressemitteilung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 16.04.2010
[2] Raus aus Afghanistan; Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 03.01.2010
[3] Deutsche Hilfe für Afghanistan kommt an. BMZ stellt Wirkungsanalyse der Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan vor. Pressemitteilung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 16.04.2010
[4] hierzu und im Folgenden: Jan Böhnke/Jan Koehler/Christoph Zürcher: Assessing the Impact of Development Cooperation in North East Afghanistan 2005 - 2009. Final Report. Bonn 2010
[5] "Civilian and military actors should jointly identify regions which are reasonably safe and (…) then concentrate their efforts on these regions."
[6] "The acceptance of military and civilian actors is, in the eyes of Afghan respondents, tied together."
[7] "This may require that aspects of the modernization of society which are hard to reconcile with local customs should not be prioritized."
[8] s. dazu Partner ohne Uniform. Zum SFB 700 s. auch Interventionsforschung und Rückzugsperspektive
[9] s. dazu Die Kolonialisten kommen zurück, Klassische Warlords und Rezension Marc Thörner: Afghanistan Code


Aus: "Demokratie "nicht prioritär"" (21.04.2010, german-foreign-policy.com)
Quelle: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57790

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #391 on: April 21, 2010, 10:10:04 AM »

Quote
[...] Für die griechische Presse ist es ein handfester Skandal. Obwohl das Land nach den Worten von Ministerpräsident Giorgos Papandreou am "Abgrund eines Staatsbankrotts steht", willigt die Regierung Ende März ein, dem deutschen Rüstungskonzern ThyssenKrupp ausstehende 300 Mio. Euro für vier bestellte U-Boote zu bezahlen. Und bestellt für eine weitere Milliarde gleich noch zwei weitere der deutschen Hightech-Schiffe dazu.

Seitdem wird spekuliert, dass Papandreou gar nichts für den umstrittenen Kaufauftrag kann. Er sei von der deutschen Bundesregierung - die die Griechen sonst öffentlich gern zum strikten Sparen ermahnt - gezwungen worden, berichten Medien unter Berufung auf Regierungsvertreter in Athen. Ohne den U-Boot-Deal hätte Berlin dem EU-Rettungspaket für das Land nicht zugestimmt, heißt es da. Natürlich weist die deutsche Seite diesen Verdacht weit von sich.
Nun naht überraschend Hilfe, die alle Beteiligten aus der peinlichen Zwickmühle befreien könnte - fast alle Beteiligten. Wie die FTD aus Militärkreisen erfuhr, liebäugelt die pakistanische Marine mit dem Kauf der von Griechenland bestellten U-Boote. Auf diese Weise könne Athen seine Verpflichtungen erfüllen und gleichzeitig Milliarden sparen.
Zudem würde ein Problem der pakistanischen Marine gelöst. Seit sechs Jahren will sie mindestens drei nahezu baugleiche U-Boote anschaffen. Seitdem wartet das Land vergeblich auf die Entscheidung der Bundesregierung, die Rüstungsexporte außerhalb von Nato-Ländern absegnen muss.
Pakistans Marine macht nun Druck, man brauche die Boote, da die alten Modelle ausrangiert werden müssten. Sollte sich die Lieferung hinziehen, müsse man auf Konkurrenzangebote etwa aus Frankreich zurückgreifen, heißt es mit drohendem Unterton. Da wären die für Griechenland bestimmten Boote doch die Lösung: Eines von ihnen ist fertig, drei weitere im Bau. Nicht nur die neu bestellten Boote könne man abnehmen, auch Folgeaufträge seien möglich, bietet Islamabad großzügig an. Diese Aussicht auf ein lukratives Geschäft wiederum könnte die Chancen für eine Mehrheitsübernahme der ThyssenKrupp -Tochter Hellenic Shipyards, die die Boote baut, durch den arabischen Konzern Abu Dhabi Mar erhöhen.

Doch auch wenn der Plan nur Gewinner zu produzieren scheint, sind die Chancen für seine Verwirklichung gering. Die Lieferung an Pakistan wäre politisch brisant. Die Atommacht und ihr Nachbar Indien haben mehrere Kriege gegeneinander geführt. Die Grundsätze Deutschlands für den Rüstungsexport lassen Waffenlieferungen in Krisengebiete eigentlich nicht zu.

Vor allem ist Pakistans Haushaltslage kaum besser als die von Griechenland. 2008 rettete der Internationale Währungsfonds das Land vor dem Staatsbankrott. Der Kauf der U-Boote wäre nur mit einem "umfassenden Finanzierungspaket" möglich, heißt es in Pakistan. Dieses Paket kann nach Lage der Dinge nur aus Berlin kommen.


Aus: "Deutsche U-Boote, griechischer Zorn" von Max Borowski (20.04.2010, ftd.de)
Quelle: http://www.ftd.de/politik/international/:waffengeschaeft-deutsche-u-boote-griechischer-zorn/50103471.html
Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #392 on: April 22, 2010, 09:52:10 AM »

Ermittlungen gegen SS-Mann Ein verhängnisvoller Brief
22.04.2010, 06:29
Von Christoph Cadenbach und Bastian Obermayer
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren SS-Mann Erich Steidtmann - er soll an Massakern im besetzten Polen beteiligt gewesen sein.
http://www.sueddeutsche.de/politik/26/509161/text/


http://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_Erntefest


http://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_Reinhardt


http://de.wikipedia.org/wiki/Odilo_Globocnik

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #393 on: April 29, 2010, 09:36:35 AM »

Quote
[...] Im Massaker von Katyn ermordeten im Frühjahr 1940 Einheiten des sowjetischen Innenministeriums NKWD in einem Wald bei Katyn (RSFSR, pl. Katyń) mehrere tausend polnische Offiziere. Das Massaker war Teil einer Aktion des NKWD, bei der auf Weisung Stalins rund 22.000 polnische Staatsangehörige – Offiziere, Polizisten, Intellektuelle und andere Eliten – an verschiedenen Orten in der RSFSR, der Ukraine und Weißrusslands ermordet wurden. Die Gräber beim Dorf Katyn waren lediglich die ersten, die entdeckt wurden, und lange die einzig bekannten, daher entstand das Synonym „Massaker von Katyn“ für die gesamte Aktion.

Die Entdeckung der Massengräber 1943 durch die Wehrmacht führte zum Abbruch der Beziehungen zwischen der polnischen Exilregierung in London und der Sowjetunion. Das Massaker wurde zunächst von der NS-Propaganda instrumentalisiert, während die sowjetische Führung unter Stalin das Verbrechen von sich wies und es der Wehrmacht anlastete. Michail Gorbatschow stellte 1990 klar, dass die Sowjetunion für den Massenmord in Katyn verantwortlich war.

[...]


Untersuchungen Ende 1943 und sowjetische Propaganda

Ende 1943, nach der Zurückdrängung der Wehrmacht, ließ die Sowjetunion das Massaker durch eigene Fachleute, den Schriftsteller Tolstoi und Militärs untersuchen. Die „Sonderkommission zur Feststellung und Untersuchung des Tatbestandes der Erschießung kriegsgefangener polnischer Offiziere im Wald von Katyn“ unter Vorsitz des Chefchirurgen der Roten Armee, Nikolai Burdenko entstand.

Der Sonderkomission gehörten neben Alexei Tolstoi auch der Metropolit von Kiew und Galizien Nikolai, der Vorsitzende des Allslawischen Komitees Gundorow, der Vorsitzende des Exekutivkomitees des Verbandes der Organisationen des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds Kolesnikow und der Volkskommissar für Bildungswesen der RSFSR Potjomkin an. Diese behaupteten, dass die Genickschüsse im Herbst 1941 (nachdem deutsche Truppen Smolensk und Umgebung erobert hatten) stattgefunden hätten. Bei den exhumierten Ermordeten hätten die „sowjetischen Experten“ verschiedene Gegenstände mit Zeitangaben wie November 1940, März 1941 oder Juni 1941 gefunden, was beweise, dass die Exekutionen von den „Deutschfaschisten“ durchgeführt wurden.

Anfang 1946 berichtete die Zeitung „Nordwest-Nachrichten” (Herausgeber war die britische Militärbehörde) und die sowjetische Agentur TASS, dass zehn deutsche Kriegsgefangene am 30. Dezember 1945 von der sowjetischen Justiz für die Massaker bei Katyn verurteilt worden waren. Sieben wurden mit dem Tode bestraft und drei zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.


Katyn bei den Nürnberger Prozessen ab 1946

Die sowjetischen Ankläger vor dem Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher warfen die Verbrechen den deutschen Angeklagten vor. Der US-amerikanische Richter Francis A. Biddle bezeichnete die Eingabe der Sowjetunion als „maßlos” und gab seinem Mitarbeiter Wechsler den Auftrag, Klarheit in die Angelegenheit zu bringen. Da die westlichen Alliierten kein Interesse daran hatten, den Prozess durch sowjetische Propaganda in seiner Wirkung beeinträchtigen zu lassen, überstimmten sie den sowjetischen Richter Nikittschenko und drohten mit dem Verlesen von Wechslers Erklärung sowie der Verhaftung des sowjetischen Anklägers Rudenko, wenn er weiterhin durch entsprechende Anträge das Gericht missachten sollte. Katyn blieb daher beim Urteilsspruch unbeachtet.

Bis zur Wende 1989 war das sowjetische Bestreben, dieses Kriegsverbrechen den Nationalsozialisten anzulasten, teilweise erfolgreich. In der Bundesrepublik Deutschland wurde beispielsweise von der stalinistischen KPD/ML noch 1979 die deutsche Täterschaft behauptet.[9] Im Geschichtsunterricht der DDR und der Volksrepublik Polen wurde das Massaker der Wehrmacht angelastet. Einwände wurden als „faschistische Hetze“ verfolgt.

...

[....] Gemeinsame Gedenkveranstaltungen und Flugzeugabsturz im Jahr 2010

Im März 2010 schlug der russische Premier Wladimir Putin überraschend eine gemeinsame Gedenkveranstaltung von Polen und Russen im Wald von Katyn vor. Am 7. April 2010 gedachten Putin und der polnische Ministerpräsident  Donald Tusk des Massenmordes, der nun 70 Jahre zurück lag.[14]

Zu diesem Treffen zwischen Putin und Tusk war der polnische Präsident Lech Kaczyński nicht geladen. Er galt als scharfer Kritiker Russlands und hatte beispielsweise, in Anwesenheit Putins, auf einer Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen das „bolschewistische Russland“ kritisiert, es habe damals Polen einen „Messerstich in den Rücken“ versetzt. Kaczyński reiste zu einem anderen Termin nach Katyn. Bei dieser vom polnischen Rat zum Schutz des Gedenkens an Kampf und Martyrium organisierten Gedenkveranstaltung verunglückte am 10. April die Präsidentenmaschine. Bei dem Absturz kamen neben Präsident Kaczyński und dessen Ehefrau zahlreiche hochrangige Repräsentanten des Landes und Angehörige der Opfer des Massenmordes ums Leben.

...


Massaker von Katyn
#  Datum der letzten Bearbeitung: 28. April 2010, 18:45 UTC
# Versions-ID der Seite: 73726886
# Permanentlink: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Massaker_von_Katyn&oldid=73726886
# Datum des Abrufs: 29. April 2010, 08:25 UTC
http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Katyn

-.-

Quote
[...] Russland hat erstmals Dokumente über die Erschießung von tausenden polnischen Offizieren während des Zweiten Weltkriegs in Katyn ins Internet gestellt. Die Akten wurden am Mittwoch auf Anweisung des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew veröffentlicht. Dieser versprach, weitere bisher noch unter Verschluss gehaltene Dokumente der polnischen Seite zugänglich zu machen.

Zu den sieben am Mittwoch ins Netz gestellten Dokumenten gehört ein Memorandum vom März 1940 des damaligen Chefs der sowjetischen Geheimpolizei NKWD, Lawrentij Berija. In dem als streng geheim eingestuften Text schlug Berija dem Sowjet-Diktator Josef Stalin vor, bei den tausenden polnischen Gefangenen schnell zu den "stärksten Mitteln der Bestrafung - Tod durch Erschießen" zu greifen.

Die nun veröffentlichten Akten wurden bereits 1992 von Gorbatschows Nachfolger Boris Jelzin freigegeben und für Polen zugänglich gemacht. Doch konnten sie bisher nur ausgewählte Wissenschaftler im Moskauer Staatsarchiv einsehen. Der Chef des Staatsarchivs, Andrej Artisow, sagte, die Veröffentlichung richte sich gegen das Verschweigen der russischen Verantwortung. Der russische Staat behandele das Massaker von Katyn mit "absoluter Offenheit", sagte Artisow nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen.

[...] Medwedew verteidigte am Mittwoch seine Entscheidung. "Wir müssen unsere Lektionen aus der Geschichte lernen", sagte der russische Präsident während eines Staatsbesuchs in Kopenhagen. Nun könne jeder sehen, "wer die Befehle zur Ermordung der polnischen Offiziere gab". Medwedew räumte ein, dass weitere Akten zum Massaker nach wie vor unter Verschluss seien. Er habe angeordnet, dass die für Polen interessanten Dokumente "unseren Kollegen zugesandt werden". Zuvor müssten jedoch noch "alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden". "Wir werden uns weiter darauf konzentrieren. Das sehe ich als unsere Schuldigkeit an", sagte Medwedew.

Polen fordert seit langem, dass Russland alle Akten zum Massaker von Katyn der Öffentlichkeit zugänglich macht.

...


Aus: "Massaker von Katyn: Russland macht erstmals Dokumente im Internet zugänglich" (29. April 2010)
Quelle: http://www.stern.de/politik/ausland/massaker-von-katyn-russland-macht-erstmals-dokumente-im-internet-zugaenglich-1562401.html

-.-

Quote
[...] Viele Russen glauben bis heute, dass die Verbrechen von den Nazis begangen wurden - so wie die Sowjetunion es verbreitete und wie es noch immer einzelne russische Abgeordnete behaupten. Insofern zielt die Online-Veröffentlichung, die von Präsident Dmitrij Medwedjew angeordnet worden war, vor allem auf das heimische Publikum.

Auch ein anderer umstrittener Plan im Zusammenhang mit dem Jahrestag wurde offenbar aufgegeben: Zum russischen Siegestag am 9. Mai werden in Moskau keine Stalin-Plakate hängen. Moskaus Bürgermeister Jurij Luschkow hatte die Porträts anbringen lassen wollen. Das Organisationskomitee erklärte nun, es sei dagegen. Agenturen zitierten zudem "unterrichtete Kreise" mit den Worten, Stalinbilder sein "nicht vorgesehen."


Aus: "Katyn-Akten im Internet" zri (29.04.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/h5i381/3330717/Katyn-Akten-im-Internet.html

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #394 on: May 31, 2010, 08:45:15 AM »

Uns` Horst verliert die Maskenkontrolle
22.05.2010
Deutschland sei eine Außenhandelsnation und müsse zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen. Ein unverhohlener Satz, wie er aus der Mitte der Bush-Administration seinerzeit nicht besser hätte kommen können. Er stammt aber von Bundespräsident Köhler, geäußert im Deutschlandradio Kultur nach seinem gestrigen Blitz-Besuch in Masar- I- Sharif. ...
http://www.freitag.de/community/blogs/mcmac/uns-horst-verliert-die-maskenkontrolle


-.-

Quote
[...]  Am Pfingstsamstag hatte Köhler einem Deutschlandradio-Redakteur auf die Frage nach einem vielleicht nötigen neuen Diskurs über Auslandseinsätze gesagt: In Afghanistan sei man wegen der Sicherheit. Und dann: "Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen."

Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz erklärte hierzu, Köhler habe sich missverständlich ausgedrückt. "Er wollte keine neue Militärdoktrin für Deutschland verkünden." Köhler bekommt am Dienstag eine neue Pressesprecherin.

Quote
#
30.05.2010 18:02 Uhr:
von Alex B.:

Missverständlich ausgedrückt? Für mich scheint das ein astreine Freud'scher Versprecher zu sein.


Quote
30.05.2010 17:54 Uhr:
von MikaL:

Der Bundespräsident braucht keine neue Militärdoktrin der Bundeswehr zu verkünden. Das Weißbuch der Bundeswehr von 2007 macht ausdrücklich Rohstoffsicherung und Sicherung der Handelswege zu ihrer Aufgabe.Das war damals sogar in den Medien. Wer es nicht vergessen wollte, kann es wissen.

Dazu von den Ärzten u Ärztinnen gegen den Atomkrieg (IPPNW)vom 16.01.2007:

"Deutschlands Beteiligung am weltweiten Krieg um Ressourcen.
Weißbuch der Bundeswehr.
Zugriff auf knappe Rohstoffe ist in den Mittelpunkt der deutschen Außenpolitik gerückt. Mit dem Weißbuch wurde für die Bundeswehr der Zugriff auf Rohstoffe, Märkte und Handelswege als Aufgabe definiert. Politiker warnen bereits vor einem neuen Weltkrieg."

Unsere Politiker der Kriegsbefürwortungsparteien
im Bundestag haben die Aufgabe der Bundeswehr an die Aufgaben der US-Armee angepaßt. Deshalb wird "Deutschland am Hindukusch verteidigt."
Das Grundgesetz allerdings spricht von etwas anderem.


Quote
#
30.05.2010 17:28 Uhr:
von Uwe Roos:

Köhler sagte das, was viele wissen, aber nicht zu sagen wagen - weil nicht politisch korrekt. Merkwürdig ist nur, das unser Kriegsminister seinem Bundespräsidenten zur Seite eilt und damit einen neuen Weg bereitet. Das Volk soll auf die neue Strategie verbreitet werden. Eine Strategie die nicht mehr primär eine außerst fragwürdige politsche Zielsetzung favorisiert. Das Volk wird wohl eher stillhalten, wenn wirtschaftliche Gründe der Kriegsführung ausschlagebend sind. Wenn "unser" aller Wohlstand am Hindukusch verteidigt wird. Eine perfide Strategie, die sogar mittelfristig erfolgreich sein könnte. Politik und Kriegswirtschaft brauchten Rechtfertigungen um einen endlosen Krieg weiterhin zu rechtfertigen. Und sie brauchen Rechtfertigungen, wenn die nächsten Särge in die Heimat kommen.


Quote
30.05.2010 16:47 Uhr:
von Kommentator:

Endlich!

Dieser Artikel ist zwar knapp, aber echt überfällig!

Hätte Geoge W. Bush sowas gesagt, würde die deutsche Medienlandschaft sabbern und geifern.

Es ist überraschend wenig dazu berichtet worden in den Medien, oder?

...



Aus: "Der Verstotterer des Bundespräsidenten - PR-Hilfe für Köhler" (31.05.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/pr-hilfe-fuer-koehler/

-.-

Quote
[...] 28.05.2010 |

Die Äußerungen von Bundespräsident Horst Köhler über freie Handelswege als Ziel von Militäreinsätzen haben eine erstaunliche Karriere hinter sich. Zunächst wurde das Thema über das Pfingstwochenende von verschiedenen Blogs aufgebracht – aber zunächst nicht von den klassischen Massenmedien aufgenommen. Erst als sich die Opposition zu dem Thema äußerte, begann sich die klassische Politikmaschinerie inklusive Spiegel Online und Deutschlandfunk mit dem Thema zu befassen. Die klassischen Medien schreckten also vor einer Köhler-Kritik zurück.

Bemerkenswert ist aber vor allem, wer bei diesem Thema das Agenda-Setting betrieben hat: Erst die Blogs und dann die Politik – die Massenmedien zogen nur nach und unterlagen so einer gewissen Fernsteuerung durch die Politik.

Carta hätte das Thema sicher auch früher aufgreifen sollen. Dabei sind Köhlers Äußerungen nicht so sehr ein Novum in Sachen deutscher Militärdoktrin, sondern vielmehr Symptom eines Bundespräsidenten, dem häufig die richtigen Worte fehlen. Horst Köhler findet derzeit nur selten eine Sprache, die inhaltlich präzise und dem Amt entsprechend versöhnlich wäre.

“Freie Handelswege” ist dabei nur ein Beispiel. Vor zwei Wochen etwa bezeichnete Köhler es als “eine Anomalie im Leben unserer Demokratie”, wenn überstimmte Minderheiten das Bundesverfassungsgericht anrufen.

...

Quote
Michael Schöfer |  28.05.2010 | 20:06 | permalink 

Warum gehen jetzt alle auf unseren armen Bundespräsidenten los? Er hat doch bloß gesagt, was seit langem offizielle Bundeswehrpolitik ist. Nur hat das bislang keinen gestört (abgesehen von den üblichen Verdächtigen bei der Friedensbewegung).

Köhlers Ansichten sind keineswegs neu, die standen nämlich schon in den “Verteidigungspolitischen Richtlinien” aus dem Jahr 1992. Unter Ziffer 8 finden wir dort Folgendes: Die deutsche Politik lässt sich bei ihrer sicherheitspolitischen Zielsetzung von vitalen Sicherheitsinteressen leiten, dazu gehört u.a. die

“Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt im Rahmen einer gerechten Weltwirtschaftsordnung”.

[Quelle: Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung e.V., Rechtsdokumente / Verträge und Erlasse, Verteidigungspolitische Richtlinien 1992, Seite 4, PDF-Datei mit 77 kb, Link: http://www.asfrab.de/fileadmin/user_upload/media/pdf/VPR1992.pdf ] Verteidigungsminister war seinerzeit ein gewisser Volker Rühe (CDU). Und Bundeskanzler bekanntlich Helmut Kohl (ebenfalls CDU).

Was schließen wir daraus? Horst Köhlers Äußerung ist ein alter Hut, er wiederholt lediglich eine bereits 18 Jahre alte Militärdoktrin.


Quote
Andreas Grieß |  28.05.2010 | 20:48 | permalink 

Sicherheitspolitik ist aber deutlich weiter gefasst, sie umschließt auch Diplomatie, Polizei, etc.


Quote
Jonas Schaible |  28.05.2010 | 21:23 | permalink 

Andreas Grieß sagt es ganz richtig: Militäreinsatz ist nur eines von vielen Mitteln der Sicherheitspolitik. Im von Ihnen zitierten Papier wird genauso wie im Weißbuch Bundeswehr von 2006 keine, ich wiederhole: keine, Zuordnung von Mitteln zu Zielen statt – niemand sagt dort also, dass der freie Handel auch mit Militäreinsatz gesichert werden soll.
Von daher sind Köhlers Aussagen doch neu – und hochproblematisch; er nimmt diese Ziel-Mittel-Zuordnung nämlich sehr wohl vor..
Und diese ganze scheinbar abgeklärte “Ist doch alles bekannt”-Leier ist in diesem Fall alles, nur nicht angemessen und ein echtes Ärgernis.


Quote
#  A. Rebentisch |  28.05.2010 | 22:36 | permalink 

Eigentlich wäre es Aufgabe seines Amtes, auf die Verfassungskonformität von Gesetzen zu achten. Der Skandal liegt aus meiner Sicht auf der Seite des Bundestages, der zahlreiche Gesetze mit Mehrheit verabschiedet hat, die sich als verfassungswidrig herausgestellt haben.


Quote
Robin Meyer-Lucht |  29.05.2010 | 23:06 | permalink 

Zwei kurze Ergänzungen zum Text oben:

1. Das Deutschlandradio hat das Köhler-Zitat sehr früh in den eigenen Nachrichten thematisiert – und damit den Diskurs den Blogs erst angestoßen (wobei es allerdings einige Verwirrungen um eine ausgerechnet um die fragliche Stelle gekürzte Fassung gab).

Das Deutschlandradio hat dann am Donnerstag das Thema durch ein Interview mit Ruprecht Polenz offenbar erneut angestoßen, was wiederum Äußerungen Thomas Oppermanns ausgelöst hat. Die Berliner Zeitung schreibt in Ihrer Freitagsausgabe von einer “jetzt bekannt gewordene Passage eines Interviews”.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/297089/297090.php

Ich wollte dem Deutschlandradio nicht vorwerfen, es habe das Köhler-Interview nicht ausreichend selbst thematisiert. Interessant ist jedoch, dass es dann am Donnerstag eine Art zweite Welle zu dem Thema gab – unter anderem wieder ausgelöst durch Agenturmeldungen zu einem neuen Deutschlandradio-Interview zu dem Thema.

Dass sich das Thema aber erhalten hat, das – so meine These – lag auch an der Thematisierung in den Blogs. Rivva ist in der Redaktionsleitung des Deutschlandfunks nämlich nicht unbekannt.

2. Deuschlandradio-Chefredakteur Stephan Detjen hat übrigens bereits auch den Köhler-Auftritt vor dem Verfassungsgericht als “fragwürdig” kritisch kommentiert.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kommentar/1183769/

Der Detjen-Kommentar, den ich vom vom Hörensagen kannte, gehörte zu den Hinweisen, weswegen ich die Köhler-Rede noch einmal nachgeschlagen habe.


Quote
Granolf van Rotschildt |  31.05.2010 | 16:28 | permalink 

Jetzt heult er – vor Selbstmitleid – ob er auch Tränen in den Augen hatte angesichts der getöteten afghanischen Kinder, welche für deutsche Wirtschaftsinteressen sterben mussten? Ist jedenfalls klar, dass hier nur ganz schnell ein enorm wichtiges Thema weggedrückt werden soll – der illegale Kriegs-Einsatz der Bundeswehr soll bloss nicht weiter thematisiert werden.



Aus: "Köhler: Das Wirken des Bundesverfassungsgerichts ist “eigentlich eine Anomalie demokratischer Politik”"
Robin Meyer-Lucht  (05/2010)
Quelle: http://carta.info/28054/koehler-das-wirken-des-bundesverfassungsgerichts-ist-eigentlich-eine-anomalie-demokratischer-politik/

-.-

Quote
[...]


Quote
   

* 27.05.2010 um 16:05 Uhr
* lapidar

5. Das hätten Sie schon letzten Sonntag dem 23. Mai im Fefe-Blog "http://blog.fefe.de/?mon=201005" unter "Horst Köhler hat gerade mal Tacheles geredet bezüglich der Bundeswehr." lesen können.
Schon erstaunlich wie unsere Presse arbeitet oder nicht arbeitet.


Aus: "Äußerungen zur Bundeswehr - Bundespräsident Köhler tritt zurück" (27.5.2010)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-05/koehler-bundeswehr-wirtschaft-2

« Last Edit: June 01, 2010, 10:05:08 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #395 on: June 01, 2010, 09:29:58 AM »

Quote
[...] Seit der Machtübernahme der radikalislamistischen Hamas vor drei Jahren kontrolliert Israel die Grenzen zum Gazastreifen streng und lässt nur begrenzt Hilfslieferungen in das Gebiet. Der jüngste Vorfall ereignete sich nach Angaben der Organisation Free Gaza in internationalen Gewässern im Mittelmeer - etwa 140 Kilometer vor der israelischen Küste. Die „Gaza-Flotte“ wollte trotz der von Israel verhängten Seeblockade rund 10.000 Tonnen Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen.

Die israelische Kommandoaktion löste eine Welle internationaler Kritik aus. In New York kam der UN-Sicherheitsrat zu einer Sondersitzung zusammen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warf Israel „Staatsterrorismus“ vor.

...


Aus: "Weltweite Proteste gegen Israels Militäreinsatz" (01. Juni 2010)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubB30ABD11B91F41C0BF2722C308D40318/Doc~EB9AA801BA85A402DBC19EE2EB349C5C6~ATpl~Ecommon~Scontent.html


-.-

Quote
[...] Die umstrittene Erstürmung von sechs Schiffen durch israelische Soldaten im Mittelmeer mit neun Toten hat im UN-Sicherheitsrat heftige Diskussionen ausgelöst. Mehrere Mitglieder des höchsten UN-Gremiums verurteilten den blutigen Militäreinsatz gegen die Gaza-Hilfsflotte. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu bezichtigte Israel eines "schweren Verbrechens" - und sprach von "staatlich begangenem Mord". Es gebe keine Entschuldigung und keine Rechtfertigung für die Tat, sagte Davutoglu bei einer Dringlichkeitssitzung.

Israelischen Militärkreisen zufolge sollen die meisten der Toten Türken sein. Mehr als 50 weitere Personen an Bord der "Gaza-Solidaritätsflotte" sowie sieben israelische Soldaten wurden verletzt, als das Militär von Booten und Hubschraubern aus sechs Schiffe enterte. Die USA erklärten sich "tief besorgt" über die Entwicklung, übten aber auch Zweifel an dem Vorgehen der Aktivisten. Es gebe bessere Wege, humanitäre Güter an der Gazaküste anzuliefern, sagte der stellvertretende US-Botschafter Alejandro Wolff.

Großbritannien forderte Israel auf, eine Erklärung für den Verlust von Menschenleben zu liefern. Allerdings sei das Drama im Mittelmeer "kein isoliertes Ereignis". Vielmehr zeige es deutlicher denn je, dass Israel die Blockade des Gaza-Streifens aufgeben müsse, sagte der britische UN-Botschafter Mark Lyall Grant. Sein österreichischer Amtskollege, Thomas Mayr-Harting, machte Israel wegen mangelnder Einhaltung von UN-Resolutionen für die Situation verantwortlich. Er forderte die Regierung in Tel Aviv auf, sich an die internationalen Gesetze zu halten.

ANZEIGE

Der stellvertretende israelische UN-Botschafter Manuel Carmon verteidigte sein Land mit den Worten: "Diese Flotille war alles andere als eine echte humanitäre Mission." Vielmehr hätten die Aktivisten Israel provozieren wollen. Darum hätten sie auch das Angebot der Behörden zurückgewiesen, die Hilfsgüter auf dem Landweg in den Gazastreifen transportieren zu lassen. Carmon betonte: "Außerdem gibt es keine humanitäre Krise in Gaza."

Zudem wurde bekannt, dass Israel einige der Aktivisten an Bord der erstürmten Gaza-Schiffe vor Gericht stellen will. Der für die innere Sicherheit zuständige Minister Jitzak Aharonovitch sagte im israelischen Fernsehen, die meisten Festgenommenen würden nach einer halbstündigen Prozedur freigelassen. "Sie werden medizinisch untersucht, es gibt Ermittlungen, eine Befragung und danach kann jeder, der Israel verlassen will, zum Flughafen gehen."

Dies gelte jedoch nicht für Personen, die unter Verdacht stünden, an der Gewalt beteiligt gewesen zu sein. Denen werde der Prozess gemacht, sagte Aharonovitch. Israel ließ keinen Kontakt zu den Festgenommenen zu. Damit lag zunächst ausschließlich die israelische Darstellung des Vorfalls vor. Die Armee erklärte, ihre Soldaten seien auf dem Schiff angegriffen worden und hätten sich verteidigt. Am heutigen Dienstag soll das israelische Kabinett über die Situation beraten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte Forderungen an Israel nach einem Ende der Blockade des Gaza-Streifens. Sie habe Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu in einem Telefonat zur Aufhebung der Blockade aufgefordert, "weil das aus humanitären Gründen nicht in Ordnung ist", sagte Merkel am Montagabend in einem Gemeinschaftsinterview von ARD und ZDF. Die Bundesregierung sei tief besorgt, dass es zur Eskalation kommen könne.

Netanjahu hatte zuvor öffentlich "den Verlust an Leben" bedauert, aber zugleich von einer Selbstverteidigung der Soldaten gesprochen. Die Kanzlerin verlangte ausführliche Informationen auch über den Zustand der Deutschen an Bord der "Solidaritätsflotte". Ähnlich wie US-Präsident Barack Obama dringt Merkel auf eine schnelle Aufklärung.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts sind die beiden Abgeordneten der Linkspartei Annette Groth und Inge Höger, die sich auf dem von israelischen Soldaten gestürmten Schiff Mavi Marmara befanden, wohlauf. Auch drei weiteren Deutschen gehe es den Umständen entsprechend gut. Nach Angaben der Linkspartei ist auch der frühere Linken-Abgeordnete Norman Paech unverletzt. An Bord der Mavi Marmara hielten sich nach unbestätigten Informationen sechs Deutsche auf. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes waren insgesamt zehn Deutsche an Bord der verschiedenen Schiffe.

Auch der schwedische Krimiautor Henning Mankell, dessen Wallander-Krimis weltweit mehr als 25 Millionen Mal verkauft wurden, ist wohlauf. Er wurde mit acht seiner Landsleute, die sich an Bord eines der Schiffe der Gaza-Flottille befanden, von israelischen Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen worden. Das schwedische Außenministerium teilte am Montagabend in Stockholm mit, Mankell und die acht anderen seien an Land gelangt und festgenommen worden. "Ich glaube, Henning Mankell ist nur in Gewahrsam", sagte Außenamtssprecher Anders Joerle, einige andere der Schweden seien im Gefängnis.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warf Israel Staatsterrorismus vor. Die Türkei rief ihren Botschafter ab und bestellte den israelischen Botschafter ein. Netanjahu sagte ein für Dienstag geplantes Treffen mit US-Präsident Barack Obama in Washington ab. In mehreren europäischen Städten, darunter Paris und Stockholm, kam es am Montagabend zu anti-israelischen Demonstrationen. Die griechische Regierung brach umfangreiche Luftwaffenmanöver mit Israel in der Ägäis ab. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach von einem "Massaker" und "abscheulichen Verbrechen". Die arabischen Staaten verurteilten den Militäreinsatz als Verbrechen".

Die israelische Marine brachte bis zum Montagabend alle sechs Hilfsschiffe in den Hafen von Aschdod. Dort wurden die mehr als 700 pro-palästinensischen Aktivisten aus etwa 40 Ländern befragt. Israel wollte die Beteiligten dann so schnell wie möglich per Flugzeug in ihre Heimatländer abschieben. Weil sich mehrere Dutzend Aktivisten weigerten, sich zu identifizieren oder einer Abschiebung zuzustimmen, wurden sie in eine Haftanstalt gebracht.

Seit der Machtübernahme der radikalislamistischen Hamas vor drei Jahren kontrolliert Israel die Grenzen zum Gaza-Streifen streng und lässt nur begrenzt Hilfslieferungen in das Gebiet. Der jüngste Vorfall ereignete sich nach Angaben der Organisation Free Gaza in internationalen Gewässern im Mittelmeer - etwa 140 Kilometer vor der israelischen Küste. Die "Gaza-Flotte" wollte trotz der von Israel verhängten Seeblockade etwa 10.000 Tonnen Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen.

(Reuters/AFP/dpa/mati/juwe)



Die Kommentare für diesen Artikel wurden deaktiviert.




Aus: ""Staatlich begangener Mord"" (SZ, 01.06.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/nach-angriff-auf-gaza-konvoi-staatlich-begangener-mord-1.952600

-.-

Quote
[...] Seit Tagen schon war alles vorbereitet, die Marine zeigte sich gerüstet für den Showdown, denn niemand sollte glauben, dass er Katz und Maus spielen könne mit dem Militär des Staates Israel.

Am Ende stehen Szenen wie aus einem Krieg und ein Blutbad auf hoher See. Eine internationale Hilfsaktion für die Menschen im abgeriegelten Gaza-Streifen  ist in eine Katastrophe gemündet.

Gewiss hat niemand gewollt, dass es so schlimm kommt. Aber ebenso gewiss ist, dass es irgendwann so schlimm kommen musste. Denn die Regierung in Jerusalem hat - nicht nur in diesem Fall - das Maß verloren, mit dem sie für ihre Ziele kämpft.

Israel sieht sich als Nation im Krieg. Selbst wenn nicht gekämpft wird, ist die Bedrohung allgegenwärtig. Wohl nirgends auf der Welt heulen so oft die Sirenen zu Probezwecken, nirgends wird so ausgiebig über die Verteilung von Gasmasken und die Abwehr terroristischer Angriffe diskutiert.

Das ist eine Konsequenz aus der Geschichte dieses Landes, das in den 62 Jahren seiner Existenz nie zur Ruhe kam und bis heute umringt ist von Feinden. Dies führt jedoch dazu, dass alles aus dem Blickwinkel der Bedrohung betrachtet wird, und das Land allzeit und überall abwehrbereit ist. Dies ist der Kern der israelischen Staatsräson.

Der Umgang mit diesem brisanten politischen Axiom erfordert enormes Verantwortungsbewusstsein. Notwendig wäre dafür ein hohes Maß an Differenziertheit und Fingerspitzengefühl. Die israelische Politik jedoch versagt auf ganzer Linie vor dieser Verantwortung.

Als sechs Schiffe voller Hilfsgüter Kurs auf den Gaza-Streifen nahmen, wurde die Marine in Alarmzustand versetzt, als gelte es, eine feindliche Armada abzuwehren. Die unbedingte Aufrechterhaltung der Gaza-Blockade, die eigentlich nichts anderes ist als eine Strafaktion gegen 1,5 Millionen Palästinenser, wurde gleichsam in den Kern des israelischen Überlebenskampfes inkorporiert. Eine Niederlage durfte es auf diesem Feld nicht geben - koste es, was es wolle.

Mit diesem Tunnelblick haben Israels Streitkräfte nun den schlimmstmöglichen Schaden angerichtet - für die Stellung ihres Landes in der Welt.

Es wird nicht reichen, sich damit zu rechtfertigen, dass die Soldaten beim Kapern der Schiffe von den Aktivisten angegriffen worden seien. Es klingt angesichts der Kräfteverhältnisse und der Opferzahlen sogar fast obszön, wenn der Armeesprecher angibt, die Soldaten hätten sich gegen Lynchattacken zur Wehr setzen müssen.

Gewiss waren neben Galionsfiguren wie dem schwedischen Schriftsteller Henning Mankell oder den europäischen Abgeordneten auch Heißsporne auf den Hilfsschiffen. Doch eine professionelle Armee - die obendrein so viel auf sich hält wie die israelische - muss mit Widerstand von Zivilisten umgehen können, wenn sie sich auf eine solche Aktion einlässt. Nichts rechtfertigt dieses Schießen und Töten.

Der blutige Schlag gegen die Gaza-Flottille wird Israel nun international weiter ins Abseits drängen. Eindeutiger könnten die Reaktionen nicht sein: Die Türkei, die einmal als Brücke zwischen dem jüdischen Staat und der muslimischen Welt dienen wollte, spricht von irreparablem Schaden. Der Westen ist bestürzt und konsterniert, und die Araber fordern wütend eine Bestrafung Israels. Ein Druck baut sich auf, der bedrohliche Ausmaße annimmt.

Die israelische Politik kann nach diesem Desaster so handeln wie nach dem Gaza-Krieg vor anderthalb Jahren, der 1400 Palästinenser das Leben kostete, unter ihnen viele Zivilisten: Augen zu und durch, war hier die Devise. Vorwürfe wegen Kriegsverbrechen werden bis heute kategorisch zurückgewiesen, der im Auftrag der Vereinten Nationen angefertigte Untersuchungsbericht wird als parteiisch verurteilt. Israel könnte sich also einrichten auf seinem Stammplatz am Pranger der Weltgemeinschaft - in dem kurzfristig sogar bequemen Bewusstsein, der feindlichen oder zumindest ignoranten Welt sowieso nicht erklären zu können, warum der Zweck fast alle Mittel heiligt.

ANZEIGE

In der israelischen Regierung gibt es genügend Kräfte, die diesen Kurs befördern könnten. Das Außenministerium des Poltergeistes Avigdor Lieberman sieht sich gar als Bastion zur Verteidigung des israelischen Stolzes. Das Problem an dieser Haltung ist allerdings, dass sie die Kluft zwischen der Selbstwahrnehmung und der Fremdwahrnehmung immer weiter vergrößert - und diese Kluft muss Israel irgendwann zum Verhängnis werden. Denn das Land, das von so vielen Seiten angefeindet wird, ist dringend auf Freunde angewiesen.

An diesen Freunden - in Washington und in den europäischen Hauptstädten, nicht zuletzt in Berlin - ist es nun, auf Israel einzuwirken. Die Regierung in Jerusalem hat sich verrannt in selbstbezogene Alleingänge. Damit jedoch gefährdet Israel nicht nur seine eigene Position in der Welt, sondern auch die Suche der Welt nach Frieden in einer der gefährlichsten Regionen auf dem Globus. Der völlig überzogene Militäreinsatz gegen die Schiffe mit den Hilfsgütern sollte nun zur Umkehr mahnen.


...


Quote
Sebsatian Bach schreibt Islamistische Propaganda

Es ist beschämend, daß in vielen deutschen Medien das Lied der islamistischen Propaganda so unreflektiert übernommen wird. Der sogenannte Hilfskonvoi war nichts anderes als eine abgekartete Aktion von fanatischen Israelhassern und Terrorunterstützern. Wäre es ihnen wirklich um Hilfslieferungen gegangen, hätten sie diese wie von Israel mehrfach vorgeschlagen problemlos abladen können. Nein, man muß diesen "Friedensaktivisten" unterstellen, daß sie es bewußt darauf ankommen ließen, daß Blut fließt, um Israel zu diskreditieren. Mein Mitleid gehört dem Staat Israel, dem auf perverse Art und Weise eine Schuld aufgebürdet wird, die er nicht hat.


Quote
Grenznachbar schreibt noch warten wir alle - worauf?

Es wurde gefilmt was vorging. Es gibt 700 Zeugen der einen Seite, darunter viele verschiedene politische Ausrichtungen und Nationen. Eine unbekannte Zahl an Soldaten der anderen Seite - die leider keine Aussage machen dürfen die im Widerspruch zur nationalen Ausrichtung steht.


Quote
MaestroRobertus schreibt Man kann es drehen und weden...

.. aber heute hat Israel den Kampf verloren. Noch nie wurde es so deutlich welche Rolle Israel in dem Konflikt spielt. Es mag eine kopflose, fanatische und unkontrollierte Aktion gewesene sein, aber wen jetzt - und das erwartet ich nicht - Israel sich nicht in aller Form entschuldigt und zwar mit einen tiefen Knick, dann gerät es in eine Kategorie mit Staaten wie Iran oder Nordkorea. Demokratie hin oder her, Israel ist ein fanatischer Staat der zumindest wie Serbien, zurzeit des Jugoslawienkonflikts, eine üble Rolle einnimmt und international geachtet werden sollte. Es darf auch nicht vergessen werden das Israel und die jüdische Religion zwei vers. Sachen sind ansonsten spielt man mit zu viel Bedacht vor der Geschichte den Fanatismus nur zu, wie man einst den Faschisten, und das würde den Großteil der Israelischen Bevölkerung die Frieden wollen nur Schaden.


Quote
Zetti1 schreibt Paranoid im Zeitalter der Globaliesierung

Das Verhalten Israels ist nur noch als paranoid zu kennzeichnen. Die ganze Welt rückt und wächst nach dem kalten Krieg und der Erfindung des Internets zusammen und sucht nach einer Weltordnung, die weitgehend ohne Militär funktioniert und ein zusammenleben von über 6 Milliarden Erdbewohnern ermöglicht. Das wichtigste dabei ist Respekt im Umgang mit dem Menschen an sich und seinen Grundrechten. Selbst China befindet sich hier in einem Prozess, der selbst seinen Mitbürgern zumindest minimale, aber steigende Grundrechte einräumt. Diesen Respekt vermisse ich an Israels Umgang mit seinen Nachbarn und Mitmenschen. Das Außenbild, das das politische Israel seit Jahren abgibt ist verheerend. Es gleicht mehr einem Apartheidsstaat als einem Rechtsstaat. Selbst die USA hat bereits ein leichtes Abrücken seiner bedingungslosen Unterstützung erkennen lassen. Die jetzige Aktion ohne Rücksicht auf zivile Menschenleben und der respektlose Bruch internationaler Vereinbarungen (internationales Gewässer) wird es nun sogar den amerikanischen Freunden erschweren, sich mit Israel solidarisch zu erklären. Grund zu Schadenfreude kann es aber nicht geben, eher das Gegenteil. Ein diplomatisch isoliertes Israel ohne Freunde hat die Halbwertszeit eines Schneeballs in der Hölle. Da hilft auch der Besitz der Atombombe nicht. Israel muß schleunigst seine Einstellung zur Welt im Allgemeinen und zu den Palästinensern im Besonderen überdenken um wieder an den Respekt früherer Zeiten anknüpfen zu können.



Quote
inLot schreibt TILT

Israel nutzt die Rückendeckung seiner Freunde seit Jahren schamlos aus. Mir scheint ohne solche Rückendeckung würde sich das Land deutlich besser entwickeln, weil es dann deutlich mehr Interesse an stabilen Beziehungen zu seinen Nachbarn hätte. Das die Israelis nicht mehr in eine ähnliche Situation wie im 3. Reich kommen möchten ist verständlich. Aber dieses Thema dürfte mit dem Besitz von Atomwaffen und entsprechenden unterseeischen Trägersystemen, dank deutschem know how, doch eigentlich ad acta gelegt sein. Was verbleibt ist eine extrem fragliche Aussenpolitik. Selbst wenn diese Reaktion von Seiten der Veranstalter einkalkuliert/provoziert wurde, so ist immer noch nicht verständlich warum man sich auf dieses Spiel eingelassen hat. Um Stärke zu demonstrieren? Falls ja wurde hier Tyrannei demonstriert. Dümmer hätte man sich kaum noch anstellen können!


Quote
PaulEricsson schreibt Was erwarten wir?

Ja, was erwarten wir von den Israelis? Sie sind für uns eine willkommene Projektionsfläche. Differenziertheit, ausgeschlossen. Nur der Klarheit willen, ich verurteile solche Aktionen, so wie jede Gewalt nur Unglück birgt. Aber ich vergesse auch nicht die Angst der Israelis die hinter solchen Aktionen steht. Müsste ich mir aussuchen in welchem Land dieser Region ich leben möchte, nur Israel käme in Frage. Weil dort sonst nur ultrakonservative religiöse Regime herrschen, die keine wirklich liberale Gesellschaft dulden würden. Natürlich habe ich diese Hartcasts auch in Israel, dennoch gibt es ein sehr freies Leben in den Zentren. Und es ist leicht gewisse Dinge zu fordern,wenn ich in Europa lebe. Ich rechtfertige nicht diesen Akt der Gewalt!!! Nur stört mich der Ton in den Kommentaren.


Quote
#  Anonym  Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen.

Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB



Quote
#  Anonym  Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen.

Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB


Quote
anderwandlang schreibt meine Kommentare werden ebenfalls nicht veröffentlicht

was ist los?




Aus: "Angriff auf Gaza-Konvoi Israel hat jedes Maß verloren" Ein Kommentar von Peter Münch (31.05.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/angriff-auf-gaza-konvoi-jedes-mass-verloren-1.952254

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #396 on: June 02, 2010, 07:56:27 AM »

Quote
[...] Judith Butler, amerikanische Ikone der Gender-Theorie, geht in ihrem neuen Buch Raster des Krieges der Frage nach, weshalb wir manche vernichtete Leben zu betrauern vermögen, andere aber nicht. Vor dem Hintergrund der jüngsten Kriege, in die Amerika bis heute verwickelt ist, hält sie ein eindringliches Plädoyer, die Bedingungen für Mitleid, die wir Kriegsopfern entgegenbringen, zu überprüfen. Unsere Gefühle, unser Zorn, unsere ethische Reaktionsfähigkeit seien einer Regulierung ausgesetzt, die sich uns mitunter verschließe.

Den meisten Kriegsbildern etwa sei ein normierender Blickwinkel eingeschrieben, der den amerikanischen Helden ein menschliches Antlitz verleihe, das seinem Gegner versagt bleibe. Ein westlicher Diskurs, der den islamischen Staaten Rückständigkeit attestiere, fälle notwendigerweise eine Unterscheidung von schützens- und nicht schützenswertem Leben, von Zivilisation und Barbarei, von Trauer und Gleichgültigkeit gegenüber dem gemarterten Körper. Erst die Möglichkeit von Trauer aber bilde die Voraussetzung einer Anerkennung von Leben.

Ausführlich umkreist Butler in fünf Kapiteln Rahmen (frames),  die unsere Affekte einengen und damit steuern: Sie analysiert die als scheinheilig begriffene Unterscheidung terroristischer und staatlicher Gewalt; beklagt die journalistische Verzerrung unseres Blickes auf Kriegshandlungen anhand von Fotografien (die zumeist nach den Vorgaben der amerikanischen Regierung entstanden sind); untersucht die Instrumentalisierung liberaler Sexualitätsvorstellungen zum Zwecke der Ausgrenzung der islamischen Kultur; hinterfragt unsere allzu bequemen Vorstellungen über den Islam, die keinen Unterschied mehr zwischen repressiver Gesetzgebung und faktischem Alltag von Muslimen machten, und fragt schließlich nach Möglichkeiten von Gewaltverzicht angesichts sich abzeichnender neuer Konflikte.

Zur Wahrnehmung gehöre nach Butler notwendigerweise, dass wir immer nur etwas sehen können, indem wir etwas nicht sehen. Die Auslotung der toten Winkel müsse als dezidiert linke Programmatik, als zeitgemäßer Entlarvungsmechanismus gesellschaftlich verankert werden. In merklich aufgeregtem Duktus verhandelt die Autorin vor allem den Umstand, dass die erfolgreiche Auflösung strikter Geschlechternormen derzeit in der westlichen Welt instrumentalisiert wird. Wer etwa islamische Häftlinge zu homosexuellen Handlungen zwinge, die in ihrer Kultur ein Tabu bildeten, missbrauche die an sich wünschenswerte sexuelle Freizügigkeit auf besonders perfide Weise als Folterinstrument. Wer die Anerkennung von Schwulenrechten zum Einwanderungskriterium mache, betreibe Ausgrenzung im Namen der Freiheit. Hier schimmert offenkundig die Angst durch, dass ausgerechnet die gendertheoretisch fundierte Emanzipation, für die Butler wie kein anderer Kulturwissenschaftler einsteht, die Grundlage für unsere Gefühlskälte gegenüber Opfern islamischer, patriarchal strukturierter Gesellschaften bilden könnte.

Die Lösungsvorschläge, derlei – beileibe nicht völlig neu entdeckter – Dilemmata einer Dialektik der Aufklärung zu überwinden, bleiben allerdings eigentümlich vage und plakativ zugleich: Die Linke habe zu begreifen, dass sie gezwungen sei, »über den etablierten Rahmen des Multikulturalismus hinaus zu denken« und sich wieder den »illegitimen und willkürlichen Auswirkungen der staatlichen Gewalt« zuzuwenden. Statt die westliche Moderne als fortschrittlich und anderen Kulturen überlegen zu begreifen, sollten wir, so Butler, »ein neues Verständnis des Gegeneinander- und Zusammenspiels verschiedener Zeitlichkeiten« entwickeln. Die dominanten Medien gelte es dabei infrage zu stellen.

Um Gewaltverzicht zu ermöglichen, habe man wiederum Walter Benjamins Diktum zu beherzigen, nachdem Revolutionen nicht die Lokomotiven der Weltgeschichte seien, sondern »der Griff des in diesem Zuge reisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse«. Und die Antwort auf die Ausgangsfrage, weshalb wir nämlich nur begrenzt mitleidsfähig seien, verpufft recht unspektakulär in einem löblichen wie dunklen Appell: Es sei »kritisches Denken gefragt, das den Rahmen des Kampfes um Identität« und »die normative Zwangsabgrenzung betrauerbaren Lebens« nicht einfach hinnehme. Wer würde da widersprechen wollen?

In dekonstruktiver Routine vermag Butler zwar allerlei unheilvolle Normierungen und Denkverbote, die sich auf der Rückseite des westlichen Demokratiediskurses herausgebildet haben, raffiniert auseinanderzulegen, mögliche Auswege aus den Sackgassen müssen indes schon deshalb undeutlich bleiben, da Butler den eigenen toten Winkel ihrer Argumentation sorgsam verbirgt. Michel Foucault folgend, begreift sie Macht als äußerst diffuse Kategorie. Macht sei weder darstellbar noch intentional begreifbar, lediglich der Inszenierungsapparat von Macht zeige sich uns: »die Anweisungen der Armee, die Positionierung der Kameras, die Strafen bei Verstößen gegen die Berichtsvorschriften«.

Macht werde nicht von einer gesellschaftlichen Instanz, nicht von Individuen besessen oder ausgeübt, sondern sei nur als hochkomplexes Kräfteverhältnis beschreibbar. Damit aber haben wir es in dieser Aufsatzsammlung mit dem recht seltsamen Phänomen einer wuchtigen Anklage ohne Adressaten zu tun. Moralisch-politischer Anspruch und diskursanalytische Mittel klaffen pointiert auseinander.

Quote
    * 01.06.2010 um 16:25 Uhr
    * manheu


Irre ich mich oder haben islamische Gefangene (ja, nicht einmal Gefallene)nicht schon genug durchlitten, das eine solche Diskussion nötig erscheinen lässt? Wenn Ereignisse wie Abu-Ghuraib oder andere Verbrechen einfach ausgeblendet werden können, dann beweist dies nur die Notwendigkeit dieses Buches und jeder weiteren Betrachtung, die das oben exemplarisch widergegeben, westliche Überlegenheitsgefühl gegenüber einer anderen Kultur erklärbar macht.




Aus: "Im toten Winkel" Von Adam Soboczynski (1.6.2010)
Zu Judith Butler: Raster des Krieges Campus Verlag, Frankfurt am Main 2010; 180 S.
Quelle: http://www.zeit.de/2010/22/L-S-Butler

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #397 on: June 15, 2010, 08:45:00 AM »

Quote
[...] KABUL: Im Boden des verarmten Afghanistans schlummern anscheinend enorme Mengen an Rohstoffen. US-Geologen entdeckten bei einer eingehenden Untersuchung Bodenschätze im Wert von etwa einer Billion Dollar. Das bestätigte ein Sprecher des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. Gefunden wurden riesige Vorkommen an Eisenerz, Kupfer, Kobalt und Gold. Auch das zum Bau von Laptop- und Handybatterien benötigte Lithium wurde entdeckt. Die "New York Times" berichtet unter Berufung auf US-Behörden, die Bodenschätze seien so groß, dass Afghanistan zu einem der lukrativsten Bergbauzentren der Welt werden könnte. Wegen der fehlenden Infrastruktur und Bergbauindustrie werde es allerdings Jahrzehnte dauern, den Reichtum voll zu erschließen.



Aus: "US-Geologen finden wertvolle Bodenschätze in Afghanistan" (15.06.2010)
Quelle: http://www.dw-world.de/dw/function/0,,12356_cid_5684412,00.html

-.-

Quote
[...] Heute knistert die Nachricht von Afghanistans Bodenschätzen in allen Medien. Der Bericht der New York Times über den von den amerikanischen Geologen entdeckten Reichtum wird überall zitiert. Übermittler der frohen Botschaft ist diesmal das Pentagon, insbesondere der US-Kommandeur General David Petraeus und dessen begeisterte Einschätzung, wonach die "Vorräte an Kupfer, Lithium, Eisen, Gold und Kobalt" Afghanistan zu einem der "weltweit führenden Rohstoff-Exporteure" machen könnten. Die unterschiedliche Resonanz auf die Nachricht ist bemerkenswert.

... Bis zur konkreten Nutzung der Billion-Dollar-Ressourcen vergehen freilich noch einige Jahre, heißt es im Bericht der New York Times, es gebe zur Förderung der oft schwer zugänglich gelagerten Bodenschätze so gut wie keine Infrastruktur. Und ob das Geld auch der Bevölkerung zugute kommt, ist angesichts der Korruption in Afghanistan sehr fraglich.

...

Quote
14. Juni 2010 16:17
Jetzt wissen wir zumindest was Köhler gemeint hat.....
Goesser (mehr als 1000 Beiträge seit 31.05.06)

... als er davon sprach dass Deutschland aus wirtschaftlichen Gründen
den Hindukush vor den Afghanen verteidigt(kurz vor seinem Rücktritt).

Er hat zumindest die Wahrheit gesagt im Gegensatz zu allen anderen
Politikern.

:-(((

Quote
14. Juni 2010 16:47
die erkenntnis kommt zwar spät
grumbazor (mehr als 1000 Beiträge seit 03.11.02)

aber schön dass du es doch noch gemerkt hast. ...

Quote
15. Juni 2010 01:58
Re: die erkenntnis kommt zwar spät
Sissy Fuß (mehr als 1000 Beiträge seit 12.12.07)

grumbazor schrieb am 14. Juni 2010 16:47

> aber schön dass du es doch noch gemerkt hast. Bitte lies jetzt
> nochmal nach wer sich damals am meisten über Kählers Äußerungen
> aufgeregt hat. Diese Parteien bitte nicht mehr wählen.

Die „schönste“ Reaktion kam von Oppermann (SPD): „So treibt man die
Leute in die Arme der Linkspartei!“ Böser, böser Horst.




Quote
14. Juni 2010 18:35
Wirtschaftskriege
LucidDreams (444 Beiträge seit 12.03.09)

Die Verlautbarung, dass Afghanistan ein rohstoffreiches Land ist, ok,
wussten ja alle.
Die geostrategischen Absichten des Imperiums in Afghanistan sind
ebenso offensichtlich, Pakistan, Indien, Iran.
Aber die Dreistigkeit mit der hier in feinstem Neusprech ein Krieg,
für unsere Interessen, zu einer humanitären Friedensmission
umgedeutet wird, ist atemberaubend.
Und erstaunt bin ich auch darüber, dass es eben doch so
offensichtlich für Viele ist.

Die Frage ist, was bedeutet das.
Ist die Mehrheit wirklich so taub, so berauscht, dass es keiner
merkt? Auch wenn man ihnen die Wahrheit ins Gesicht klatscht?

...



Aus: "Der plötzliche Reichtum Afghanistans" Thomas Pany (14.06.2010)
http://www.heise.de/tp/blogs/8/147822

« Last Edit: June 15, 2010, 10:26:26 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #398 on: June 15, 2010, 09:14:44 AM »


Quote
[...]  Trotz der neuen Debatte über den Krieg gibt es immer noch ein großes Desinteresse am Afghanistan-Einsatz.

Reinhold Robbe: An der Bevölkerung ist weitgehend vorbeigegangen, dass die Bundeswehr entscheidende Veränderungen durchgemacht hat. Vor 1990 fand der Ernstfall ja nur im Sandkasten statt. Inzwischen gibt es eine völlig neue Qualität. Aber die Politik hat es möglichst vermieden, ehrlich darüber zu reden. Auch in den Wahlkreisen finden solche Debatten kaum statt. Wenn dort bei einer Parteiversammlung jemand fragt: Was machen eigentlich unsere Jungs im Kosovo und in Afghanistan?, dann heißt es nicht selten: Das ist eine komplizierte Sache. Am besten wir reden beim nächsten Mal drüber.

Sie fordern stets mehr Solidarität mit den Soldaten. Wie soll das funktionieren, wenn die große Mehrheit der Bevölkerung den Einsatz ablehnt?

Reinhold Robbe: Ich fordere keine Unterstützung für irgendwelche Mandate. Es geht mir nur darum, dass die Gesellschaft zumindest zur Kenntnis nimmt, was die Soldaten im Einsatz durchzustehen haben.

Meinen Sie das, wenn Sie eine bessere Integration der Soldaten in die deutsche Gesellschaft fordern?

Reinhold Robbe: In der gesamten kulturellen und wissenschaftlichen Elite unseres Landes finden Sie kaum jemanden, der sich ernsthaft mit der Bundeswehr befasst. Ich will nach dem Ausscheiden aus meinem Amt mit Hilfe eines runden Tischs eine breitere Debatte anstoßen. Mir geht es aber auch darum, ganz konkret mehr Zuwendung für die Soldaten zu organisieren.

Zuwendung organisieren?

Reinhold Robbe: Was hält denn zum Beispiel einen Gewerkschaftsfunktionär davon ab, bei der Kundgebung zum 1. Mai daran zu erinnern, dass sich zwischen 7.000 und 8.000 Soldatinnen und Soldaten aus Deutschland in Auslandseinsätzen befinden und dort ihr Leben riskieren? Was hält einen Arbeitgeberpräsidenten davon ab, zu Beginn seiner Jahrestagung der gefallenen Soldaten aus Deutschland zu gedenken?

In Deutschland gibt es große Vorbehalte gegen so eine Militarisierung des Alltagslebens …

Reinhold Robbe: Was hat das mit Militarisierung zu tun? Überhaupt nichts - ganz im Gegenteil! Die Soldaten sind nicht aus Jux und Dollerei im Einsatz. Es geht darum, mithilfe symbolischer Aktionen dafür zu sorgen, dass den Menschen hier klar wird, was es bedeutet, wenn der Bundestag einen solchen Einsatz beschließt.

Sie haben kein Verständnis dafür, dass vielen solche Symbolik widerstrebt?

Reinhold Robbe: Ich kenne natürlich die Argumentationen: Ist das nicht Heldenverehrung? Sind das Anknüpfungspunkte an die Hitler-Zeit? Ich will Ihnen sagen, ich bin an der Stelle vollkommen frei und unverdächtig. Ich bin mit 15 Jahren Sozialdemokrat geworden, um einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass sich die dunkelste Epoche unserer Geschichte niemals wiederholen möge. Das ist auch heute noch mein Bestreben.

Sie haben ja auch kostenlose Zoobesuche für Soldaten vorgeschlagen …

Reinhold Robbe: Richtig. Ich denke auch an kostenlose Theaterbesuche, an Tickets für Sportveranstaltungen - da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Würden die meisten Sozialdemokraten Zootickets nicht lieber Hartz-IV-Familien spendieren als gut verdienenden Soldaten?

Reinhold Robbe: Sie finden in jeder Partei solche Vorurteile wie das von den gut verdienenden Soldaten. Die lassen sich auch leider nicht so schnell beseitigen.

Aber verglichen mit dem Rest des Arbeitsmarkts bietet die Bundeswehr doch eine ziemlich gute soziale Absicherung …

Reinhold Robbe: Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Die Mehrheit der Soldaten zählt zu den unteren Einkommensgruppen. Und ein Kämmerer in Ueckermünde wird genauso gut bezahlt wie jemand in vergleichbarer Stellung bei der Bundeswehr, er muss aber nicht um Gesundheit und Leben fürchten. Ich sage Ihnen, wir müssen endlich zu einer offeneren Debatte kommen.

Auch die Bundeswehr?

Reinhold Robbe: Das gilt auch für die Soldaten, insbesondere die militärische Führung. Ich wünsche mir einen weniger restriktiven Umgang mit der Öffentlichkeit. Kritischen Leuten darf von der Bundeswehr nicht ständig eine unsichtbare Wand vorgehalten werden.

Heißt das, Sie wollen der Bundeswehr intellektuelle Frischluft verschaffen?

Reinhold Robbe: Den Versuch ist es wert. Die Bundeswehr hat ja schon zaghafte Versuche in diese Richtung unternommen, aber sie macht nicht genug auf diesem Gebiet.

Wie wollen Sie diesen Austausch mit Künstlern und Intellektuellen organisieren?

Reinhold Robbe: Ich habe die Schirmherrschaft für die neue Initiative "Frontkultur" übernommen. Unter diesem provokanten Titel versuchen junge Künstler beispielsweise, Kultur in den Einsatz zu bringen.

Ein Auslandseinsatz für Nachwuchskünstler?

Reinhold Robbe: So kann man das sagen. Ende Mai wird in Masar-i-Scharif ein szenischer Liederabend von Karl Valentin aufgeführt. Die Künstler, fünf Sängerinnen und Schauspieler um die dreißig, hatten vorher nie irgendwelche Berührungspunkte mit der Bundeswehr.

Was soll die Frontkultur bringen, außer Ablenkung für die Truppe?

Reinhold Robbe: Ich erhoffe mir eine Ausstrahlung auf andere Künstler. Literaten könnten zum Beispiel eine Lesereise machen. Ich bin auch in Kontakt mit einem Fotografen, der Soldaten im Einsatz porträtieren möchte - aber unter einem bestimmten Blickwinkel. Wenn er daraus später eine Ausstellung in Berlin macht, würde das den Diskurs beleben.

Sie sind mit 55 Jahren zu jung, um sich aufs Ehrenamt zu verlegen. Wie viele Angebote von der Rüstungslobby haben Sie schon?

Reinhold Robbe: Sie werden lachen: Kein einziges.

INTERVIEW: A. GEISLER & E. CHAUVISTRÉ



Quote
10.05.2010 20:14 Uhr:
von hanfbauer:

zur Ehre von Karl Valentin, der sich nicht mehr wehren kann, ein kurzes Zitat aus "Vater und Sohn über den Krieg":
...
SOHN: Aber Vata, wenn das so ist, wie du mir das alles erklärst, gibt es ja niemals einen ewigen Frieden auf der Welt.
VATER: Niemals - deshalb heißt es ja doch: Solange es Menschen gibt, gibt es Kriege.
SOHN: Menschen? Nein, Vata - in dem Fall müßte es heißen: Solange es Arbeiter gibt, gibt es Kriege.
VATER: Nein, es muß heißen, solange es solche Schwindler gibt, die die Arbeiter immer wieder anschwindeln, solange gibt es Kriege.
SOHN: Dann ist ja der Schwindel schuld an den Kriegen.
VATER: Ja, so ist es - und diesen Schwindel heißt man internationalen Kapitalismus.


Quote
#
08.05.2010 15:54 Uhr:
von asd:

zunächsteinmal ist es kein krieg in afganistahn.. sondern eine durch militärische gewalt getragene besetzung, der sich gewisse gruppen wiedersetzen.

" was es bedeutet, wenn der Bundestag einen solchen Einsatz beschließt."

es bedeutet im klartext das wir als volk von einer obrigkeit regiert werden, die macht geht NICHT vom volk aus.

"Ich fordere keine Unterstützung für irgendwelche Mandate. Es geht mir nur darum, dass die Gesellschaft zumindest zur Kenntnis nimmt, was die Soldaten im Einsatz durchzustehen haben."

es zweifelt niemand an das die soldaten schwere verhältnisse durchstehen müssen. trotzdem ist der einsatz NICHT ZU RECHTFERTIGEN!
das wir sie da hin schiken ist eine schande! und das sollte betohnt werden.

"In der gesamten kulturellen und wissenschaftlichen Elite unseres Landes finden Sie kaum jemanden, der sich ernsthaft mit der Bundeswehr befasst."

vielleicht auch weil niemand von diesen elitären kreisen.. und da zählen noch die wirtschaftlichen industriellen und allgemein gesellschaftlichen eliten dazu.. real etwas mit dem krieg zu tuhen hat.
der durchschnittssoldat der an der "front" steht komt nuneinmal aus den unterschichten!


Quote
08.05.2010 13:05 Uhr:
von Rekrut:

ha und da versucht der gute mann tatsaechlich zu behaupten, es ginge nicht um die militarisierung der gesellschaft. die bundeswehr als normaler job, dann als arme soldaten die ilfe benoetigen...
brot und spiele damit die soldaten dann das elend des krieges vergessen koennen. so ein scheiss!
und ja ich wuerde die freien tickets den hartz 4 familien geben und nicht den soldaten! und man mag mir jetzt alle moeglichen vorwuerfe machen, doch als ueberzeugter pazifist und kriegsdienstverweigerer, sehe ich es als jederman(n)s freie entscheidung, sich fuer so einen job zu entscheiden.
warum wird die diskussion nicht ueber feuerwehrleute gefuert?
aber darum gehts nicht, und damit muss ich zu meinem ersten punkt zurueck kommen. die bundeswehr ist inzwischen eine angriffsarmee und als solche braucht sie, sich verpflichtende langzeit soldaten. und wie bekommt man die? eben mit lukrativen angeboten und wenn dazu theater und kinoaffuerungen punkten koennen warum also nicht einbeziehen.
recht gebe ich ihm aber in einem punkt, offenheit ist laengst ueberfaellig, offiziell duerfte die bundeswehr zb immer noch keine angriffskriege fuehren, nur interessiert das keinen mehr. da wird dann von aufbauarbeiten gefaselt und von hilfsoperationen, naja der buerger schluckts


Quote
#
08.05.2010 08:13 Uhr:
von Josef Riga:

Ach, Herr Robbe,

robustester aller Eingesetzten. Wir sollen uns also an das Elend von Verstümmelten und seelisch verletzten Soldaten gewöhnen, den "bei den Amerikanern kommen auch 30 Prozent" als ... ja als was denn, bitteschön, zurück?
Als tickende menschliche Zeitbomben, würde ich mal sagen, kommen sie in die Zivilgesellschaft, die sie angeblich am Hindukusch verteidigen, zurück. Der erste Bundewehr-amoklauf ist schon vorprogrammiert, aber das ist dann natürlich kein "Terrorismus", sondern ein bedauerlicher Ausraster, denn " auch im Zivilleben geht ja keiner gern zum Psychater". Richtig, Herr Robbe, weil man nämlich lieber gesund ist. Und gesund kann man nicht sein, wenn man dauernd eine Waffe auf seine Mitmenschen (z.B. Taliban) richtet. Oder sogar abdrücken muss. Ihre Politik macht krank. Und sie werden nicht gewinnen!


Quote
07.05.2010 16:55 Uhr:
von tuchol:




valentin-abende in mazar-e-sharif, geht-s noch geschmackvoller? dem ort, wo durch afghanische warlords unter aufsicht der us-friedensfreunde nach jaime durans recherchen mindestens ca 1000 in lastwagen eingesperrte taliban brutal abgeknallt wurden?
was würde karl valentin zu seinem sozusagen "robusten einsatz" in einem neokolonialaen krieg sagen?
wie kulturgepflegt auch die sprache des interv iewenden taz-lers mit seiner frage nach "intellektueller frischluft" für die soldaten!
zwei prächtige vertreter der deutschen leitkultur, gratuliere!
nach lektüre dieses kriegs-unkritischen und kultur- mißbrauch fördernden interviews braucht man dringend frischluft. man kann sich immer besser vorstellen, warum das seinerzeit mit der goebbelschen "kulturarbeit" an der front so famos geklappt hat und ein grauen ergreift einen, daß wir schon wieder ein schlimmes stück auf dem wege zu ähnlichem zurückgelegt haben.


Quote
#
07.05.2010 16:26 Uhr:
von Peter A. Weber:

Frontkultur

Frontkultur - welch ein Euphemisus - zumindest in Hinsicht auf den Begriff Kultur! Was hat ein sinnloser Krieg mit Kultur zu tun - er stellt das Gegenteil nämlich Barbarei dar.

Wie will man junge Soldaten betreuen, ihr Gewissen beruhigen und ihnen einen Sinn in ihrer Tätigkeit verleihen? Ein sinnentfremdetes und mörderisches Tun kann nur mit chauvinistischen und nationalistischen Parolen vernebelt werdedn und indem man gleichzeitig einseitig machtpolitisch- oder kapitalorientierte Feindbilder in die Welt setzt. Ordensverleihungen und Heldenbilder werden wieder aus der Mottenkiste geholt. Wenn Herr Robbe ehrlich wäre, müßte er zugeben, daß er sich vor den Karren imperialistischer Interessen spannen läßt.


Quote
07.05.2010 15:44 Uhr:
von gerhard:

"Wir brauchen mehr Frontkultur?"

Der alte Fachausdruck dafür heißt aber "Truppenbetreuung" und gleich noch eine aus dem Gedächtnis zu schüttelnde Assoziation dazu - Der berühmte UFA Film Wunschkonzert mit Ilse Werner, Heinz Rühman usw.- Zeiten waren das!

Ist es aber das, was den Wehrbeauftragten Heinz Robbe über Karl-Valentin-Abende in Masar-i-Scharif heute bewegt, wenn er sagt : "Mir geht es aber auch darum, ganz konkret mehr Zuwendung für die Soldaten zu organisieren."

Um mit den Worten des Wehrbeauftragten fortzufahren, heißt es weiter:
:"...bei Jahrestagungen der gefallenen Soldaten aus Deutschland zu gedenken"?
------ dass den Menschen hier klar wird, was es bedeutet, wenn der Bundestag einen solchen Einsatz beschließt !"

Keine Angst, dem Volke ist die Sache klar - aber ob es allen Volksvertretern so klar ist, das wäre hier die eigentliche Frage!


Quote
07.05.2010 12:29 Uhr:
von Kai Kloss:

Künstler für den Krieg!
Neben kostenlosen Zoobesuchen, denke Herr Robbe auch an kostenlose Theaterbesuche für Soldaten. Damit aber „Frontkultur“ nicht nur eine „Ausstrahlung auf andere Künstler“ hat und für die Truppe bloße Ablenkung bleibt, sollten Soldat/innen insbesondere Vorstellungsbesuche von Stücken angeboten werden, in denen Figuren auftauchen, mit denen Sie sich auch identifizieren können: arbeitende, wartende, tötende, lustige, schlafende, wegsehende, liebe und böse Soldaten. Komischerweise ist die Liste der in Frage kommenden Stücke nicht zu überblicken. Herr Robbe rennt offene Türen ein, denn „Krieg“ scheint ein Lieblingsthema der Künstler zu sein. Das ist eine kluge, weil Erfolg versprechende Wahl, da es Jede/n vom potentiellen Mörder bis zur Kollateralgeschädigten interessiert, also Alle.
Damit die „intellektuelle Frischluft“ nun nicht an der Truppe vorbeiziehe, die Soldat/innen dem Theater nicht atemlos gegenübersitzen bleiben, sondern das Dargebotene in tiefen Zügen genießen können, sollte zudem geschultes, kulturvermittelndes Personal dabei behilflich sein. Kurz: Theaterpädagogen an die Front!
In spielpraktischen Übungen lernen die Uniformierten z.B. was es heißt, sich bühnenwirksam zu bewegen, körperliche Präsenz auch als Solist zu zeigen, Sprech- und Körperhaltungen spielerisch zu modifizieren und trainieren sich in Selbstreflexion. Solche Erfahrungen schärfen nicht nur die eigene Wahrnehmung und erhöhen die Empathie und Rezeptionsfähigkeit, auch im Alltag finden körperliche Flexibilität und Sinn für ästhetische Formen Anwendung. Wie schnöde ist der Anblick von durchs Gelände robbenden Camouflage-Figuren gegenüber fantasiebegabten Soldatenpaaren, die sich federleicht tanzend über ein Minenfeld bewegen. Auch an die mitgebrachten Fähigkeiten der Damen und Herren lässt sich anknüpfen, denn eine tolle Truppe ist prädestiniert für chorisches Theater an theaterfremden Orten.


Quote
#
07.05.2010 12:23 Uhr:
von Torben:

Wir brauchen keine Front, sondern den Aufbruch in eine gerechtere Welt. Dann gibt es auch keinen Bedarf für Soldatenbespaßung oder Traumabehandlung.

Soldaten sind Mörder und werden ermordet, kein guter Beruf und auch keineswegs ehrenvoll.


Quote
#
07.05.2010 11:44 Uhr:
von NixDa:

Die Show: wie organisiere ich die "Volksgemeinschaft" läuft. Lili Marlen lebt!
Mich widert das sowas von an.


Quote
07.05.2010 11:39 Uhr:
von end.the.occupation:

Ein total irrer Artikel.

...


Quote
#
07.05.2010 11:39 Uhr:
von Kurt:

Keine schleichende Militarisierung? Von wegen!

Da halten Kanzlerin und Verteidigungsminister Reden bei Trauerfeiern, gibt es große Gelöbnisse vorm Reichstag, sollen Soldaten bevorzugt werden und zu allen Anlässen präsent sein. Aber das ist ja keine Militarisierung, das ist eine Anerkennung der Leistungen und des Risikos. Dem sich die Soldaten freiwillig(!) aussetzen. Niemand ist gezwungen, zum Bund zu gehen, jeder, der sich verpflichtet und ins Ausland geht, weiß um die Risiken. Dann darf man sich aber nachher nicht beschweren und ein Brimborium geben, wenn es Tote gibt. Das sind keine tragischen Ereignisse, das ist die Logik des Kriegs!

Wie wäre es denn stattdessen, die Bundeswehr aufzulösen bzw. die dafür geeigneten Truppenteile in eine zivile Aufbautruppe zu überführen? Alles Gefasel von "Frieden und Sicherheit schaffen" wird doch ad absurdum geführt, wenn die Bundeswehr mit Panzern und Maschinengewehren anrollt. Wie soll eine Einrichtung, deren einziger Zweck das führen von Kriegen ist, für Frieden sorgen? Aufwachen, Deutschland!



Aus: "Wehrbeauftragter über Soldaten-Betreuung - "Wir brauchen mehr Frontkultur"" (07.05.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/wir-brauchen-mehr-frontkultur/


-.-

Quote
[...] "Alles kann besser werden / Holen wir uns den Himmel auf Erden / Keiner muss sein Leben mehr gefährden / Einer unserer kostbarsten Schätze auf Erden". So säuselt der überzeugte Vegetarier Xavier Naidoo auf dem Titelsong seines neuen Albums "Alles kann besser werden". Wie schon oft dräut auch aus diesem auf wattige Beats gebetteten Song eine christliche Botschaft, die Naidoo mit seiner Jugendgottesdienststimme vorträgt. Auch wenn er behauptet hat, er würde nicht mehr so oft von Gott singen, der 38-Jährige ist ein fanatischer Verfechter religiöser Themen wie Nächstenliebe.

Der Mannheimer Soulsänger mit indischem Vater hat die einschmeichelnden Zeilen von "Alles kann besser werden" am vergangenen Freitag auch live vorgetragen. Diesmal waren seine Zuschauer einmal nicht R & B-Fans und Verkehrsradiohörer, Naidoos eigentliche Zielgruppe, sondern im afghanischen Kundus stationierte Bundeswehrsoldaten der Operation "Enduring Freedom".
Anzeige

Dass Naidoo glaubt, seine Freiheit werde von den Isaf-Truppen am Hindukusch verteidigt, hat die Bundeswehr bereits vorab selbst infrage gestellt. "Mit seinem Auftritt wolle er vor allem deutlich machen, dass er hinter den Frauen und Männern steht, die hier täglich ihr Leben riskieren.

Dies verdiene hohe Anerkennung, auch wenn man nicht mit den Zielen der Mission übereinstimme", heißt es in einem Schreiben der Bundeswehrpressestelle Kundus. Naidoos Auftritt in Afghanistan ist Teil der neuen Initiative "Frontkultur", mit der die deutschen Truppen zum Zeichen ihrer Wertschätzung von Kulturschaffenden aktiv unterstützt werden.

So ganz geheuer scheint Naidoo sein eigenes Engagement jedoch nicht zu sein. Er eiert fast so herum wie Politiker, die statt von Krieg in Afghanistan von bewaffnetem Konflikt sprechen. "Weder befürwortet er grundsätzlich diesen Einsatz noch möchte er sich selbst in Szene setzen", heißt es dazu auf Naidoos Homepage.

Und dann macht er auch noch auf guter Schwiegersohn. "Auch den vielen Familien zu Hause in Deutschland, deren Mütter, Väter, Söhne und Freunde so weit weg sind, will er mit seinem Besuch ein wenig Mut zusprechen." Beim Blick auf Naidoos Homepage drängt sich ansonsten eher der Eindruck auf, der Künstler arbeitet sich an einem vollen Terminkalender ab.

Gestern Afghanistan, vorgestern Songcontest, vorvorgestern Zwangsheirat. Egal ob Naidoo der Grandprixgewinnerin Lena Meyer-Landrut die Daumen drückt oder zur ZDF-Reportage "37 Grad" einen Song über Gewalt gegen muslimische Frauen beisteuert, in jedem Senf, den er dazuquaken kann, steckt ausbaufähiges Promopotenzial.

...


Aus: "Xavier Naidoos staatstragende Kunst - Hölle auf Erden" VON JULIAN WEBER (14.06.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/leben/musik/artikel/1/hoelle-auf-erden/

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #399 on: June 29, 2010, 09:10:05 AM »

Quote
[...] Er [Horst Köhler ] hat mit einer gewissen realistischen Naivität nur das ausgesprochen, was alle Beteiligten auf der Chefetage der deutschen Politik selbstverständlich wissen, nur klugerweise nicht aussprechen: Die Lebenslüge deutscher Außenpolitik von der reinen Friedens- und Demokratiemission ihrer Militäreinsätze im Ausland war offenbart. Adressat seiner Offenherzigkeit war das militärskeptische, sich staatspolitischen Notwendigkeiten nicht fügende deutsche Wählerpublikum. Denn die Konstante einer mehrheitlichen Militär- und Kriegsverweigerung seit 1945 war und ist noch immer weitgehend ungebrochen. Nicht zuletzt die Friedensbewegung der achtziger Jahre hatte der bis dahin passiven Verweigerung eine erhebliche Schubkraft verschafft und – wie der hier besonders einschlägige Historiker Wolfram Wette formulierte – das “Fundament einer gesellschaftlich breit verankerten Mentalität der Friedfertigkeit, die es so in Deutschland früher nicht gegeben hat”, zum Vorschein gebracht – sehr zur Verunsicherung der “realpolitisch” sozialisierten politischen Klasse. Im Grunde hat Horst Köhler ihr mit seinen Anmerkungen einen Dienst erweisen wollen, erkannte er doch, dass die deutschen Wähler-Bürger offenbar einer kräftigen Schulung in Sachen Weltpolitik bedürfen und aufgeklärt werden müssen über den militärischen Preis ihres Wohlstandes.

Die Bundesregierung und alle im Parlament vertretenen staatstragenden Parteien – mit Ausnahme der Linken – bemühen sich geradezu verzweifelt, ihrem Volk die mehrheitliche Ablehnung der deutschen Afghanistan-Präsenz mit realpolitischer Logik auszutreiben und davon zu überzeugen, dass deutsche Sicherheit am Hindukusch verteidigt werden muss. Bisher ohne Erfolg.

Noch im April klagte Reinhold Robbe, seinerzeit Wehrbeauftragter des Bundestages, es sei „auf Dauer nicht tragbar“, dass ständig Umfragen veröffentlicht würden, in denen sich eine Mehrheit gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ausspreche: Nur noch 13 Prozent hielten diesen für sinnvoll – ein dramatischer Legitimitätsverlust und symptomatisch für den Mangel an welt- und realpolitischer Bildung. Die Ablehnung resultiere aus dem, was Robbe euphemistisch fehlende „gesellschaftliche Anerkennung“ der Soldaten nennt, die er mittels eines Runden Tisches in „aufrichtige Zuwendung“ umzuwandeln hofft.


...


Aus: "Neue deutsche Friedfertigkeit" Ekkehart Krippendorff  (28.06.2010)
Quelle: http://www.freitag.de/politik/1025-neue-deutsche-friedfertigkeit

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #400 on: June 30, 2010, 09:33:20 AM »

Quote
[...] Soldaten dürfen sich nicht einfach zu Wort melden. Dem Verteidigungsministerium ist das Schweigen durchaus Recht, haben einige dieser Blogger dort doch einen schlechten Ruf. Sie verbreiteten Interna, stellten die Armee nicht sehr positiv da und verrieten gar Geheimnisse, heißt es. Vor allem aber bedeuten Blogs einen Kontrollverlust. Genau wie Soldaten, die Dienste wie Twitter oder Facebook nutzen.

Die Armeeführung steht den Sendemöglichkeiten für Jedermann kritisch gegenüber. "In der Tat macht die Bundeswehr verhältnismäßig wenig", sagt Professor Martin Löffelholz. "Es gibt vorsichtige Öffnungsprozesse in Richtung Social-Media." Der Experte für Kriegs- und Krisenberichterstattung der Technischen Universität Illmenau diskutierte am Wochenende im ZEIT ONLINE Talk "Facebook an der Front" über die Bundeswehr und soziale Netzwerke.

Diese Öffnung allerdings verläuft sehr vorsichtig. Ein offizieller You-Tube-Channel sei in Planung, heißt es im Verteidigungsministerium. Zu sehen ist er nicht. Aus der Luftwaffe ist zu hören, dass die Teilstreitkraft gerne viel mehr über Facebook und andere Netzwerke verbreiten würde – doch in Berlin sei dieses Anliegen abgeschmettert worden.

Und als beispielsweise Ende vergangenen Jahres die Nato einen Videowettbewerb für Soldaten in Afghanistan auslobte, nahmen Deutsche daran nicht teil. Man traut den eigenen Leuten nicht. Der Sendung Streitkräfte und Strategien des NDR sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums dazu: "Zum einen sind unsere Soldaten eindeutig angehalten, keine einsatzrelevanten dienstlichen Ereignisse mit eigenen Mitteln in Bild und Ton festzuhalten. Ganz einfach, weil der einzelne Soldat vor Ort unserer Ansicht nach überfordert ist, einschätzen zu können, welche Auswirkungen diese Nachricht, die er dort aufnimmt, im öffentlichen Raum erzielt."

Geht es um das Internet, verweist das Ministerium im Zweifel auf das Soldatengesetz, vor allem auf den Paragrafen 15. Der untersagt politische Meinungsäußerungen im Dienst und in Uniform.


[...] Details aus den Einsatzgebieten sind tabu. "Zudem gilt für Soldaten der Paragraf 14 des Soldatengesetzes. Dort heißt es, dass hinsichtlich dienstlicher Angelegenheiten grundsätzlich Verschwiegenheit zu wahren ist", steht in einem Artikel der Bundeswehr-Magazins Y über Blogs. "Alle Soldatinnen und Soldaten haben die Pflicht, ihre Äußerungen so zu gestalten, dass weder das Ansehen der Bundeswehr noch die Achtung und das Vertrauen, das die dienstliche Stellung erfordert, ernstlich gefährdet wird. Unteroffiziere und Offiziere haben zudem bei ihren Äußerungen die Zurückhaltung zu wahren, die erforderlich ist, um das Vertrauen als Vorgesetzte zu erhalten." Wer sich dennoch äußert, bekommt Ärger mit Vorgesetzten – und häufig auch mit Kameraden.

Das hat auch Boris Barschow erlebt. Er war als Reservist in Afghanistan und arbeitete dort als interkultureller Berater für den Kommandanten des Regionalkommandos Nord. Darüber bloggen durfte er nicht. Nach dem Einsatz schrieb er weiter für sein Afghanistan-Blog. Es ist heute das bedeutendste Weblog, das über die Bundeswehr und ihre Mission am Hindukusch berichtet. Es gehört neben dem Bendler-Blog zu den wichtigsten privaten Seiten im Netz.

Andere Streitkräfte gehen offener mit dem Internet um. Die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) nutzt Facebook, Twitter, YouTube und Flickr. Und auch die Nato setzt auf Kommunikation. So gehört zu den prominentesten Bloggern des Verteidigungspaktes Admiral James Stavridis, Oberkommandierender des Nato-Hauptquartiers und kommandierender General des US-Oberkommandos Europa. Ob der Admiral sein Blog From the Bridge tatsächlich selber schreibt, darf bezweifelt werden – informativ ist es auf jeden Fall und nicht nur ein Sammelbecken für offizielle Verlautbarungen.

Die US Army hat gar eine eigene Seite eingerichtet, um eine Übersicht über die zahlreichen Social-Media-Aktivitäten der Streitkräfte zu geben. Selbst für verwundete Soldaten, ein Thema das viele Streitkräfte scheuen, betreibt die US-Armee ein eigenes Blog.

Die britische Armee meldet über Twitter sogar gefallene Soldaten. "News: Bombardier Stephen Gildert dies of wounds sustained in Afghanistan", heißt es dann knapp. Und britische Soldaten übermitteln Botschaften via YouTube an die Heimat, bedanken sich für die Unterstützung.

"Während das US-amerikanische Verteidigungsministerium einen eigenen Social Media-Hub einrichtet und Roundtable-Gespräche für Blogger organisiert, herrscht im Bendlerblock die große Social Media-Funkstille", schreibt Sascha Stoltenow im Bendler-Blog. Er war Offizier der Bundeswehr und arbeitet heute als Kommunikationsberater. Im Magazin ADLAS äußerte er ein vernichtendes Urteil über das Blog-Angebot der Armee: "Technisch und inhaltlich ein Totalausfall sind die Institute der Bundeswehr, also die Führungsakademie, die Akademie für Information und Kommunikation, das Sozialwissenschaftliche Institut et cetera."

Diplomatischer formuliert das Martin Löffelholz im Magazin Loyal, das vom Reservistenverband herausgegeben wird. "Der Presse- und Informationsstab kümmert sich nahezu ausschließlich um das operative Geschäft – vor allem um die Imagepflege des Ministers." Und weiter: "Von einer koordinierten strategischen Weiterentwicklung der externen und internen Kommunikation der Bundeswehr kann insofern keine Rede sein."

Auch das unterscheidet die Bundeswehr fundamental von den amerikanischen Streitkräften. Die Social-Media-Strategie des amerikanischen Verteidigungsministeriums ist öffentlich einsehbar. Bei den deutschen Verbündeten gebe es nicht einmal mehr eine, lästern Kritiker.

...

Quote
DirkRegai, 29.06.2010 um 14:13 Uhr


Disziplinarrechtsüberdehnung vs. Demokratie

Dass den "Staatsbürgern in Uniform" das Maul verboten wird, sagt einiges über die Einstellung der Bundeswehrführung zur Demokratie aus. Und die hat Tradition. Statt freier Meinungsäußerung treten längst nur noch speziell geschulte Soldaten im PR-Auftrag an die Öffentlichkeit. Eine offizielle Linie soll kriegsbejahende Geschlossenheit demonstrieren, die Grundrechte des Einzelnen gibt es höchstens noch auf dem Papier. Wo bleibt der demokratische Widerstand?


Quote
Argusaugen, 29.06.2010 um 15:53 Uhr

Soldaten werden entmündigt!

"Soldaten dürfen sich nicht einfach zu Wort melden." Ach so, mit anderen Worten, Soldaten müssen die Schn... halten, dürfen keine eigene Meinung haben und müssen auf "Befehl" des Herrn Kriegsministers Krieg führen und sterben, nur der Herr Kriegsminister muss nicht sterben! Möge er doch bitte mit gutem Beispiel vorangehen!

Wofür haben diese Politiker Angst? Vor der Wahrheit? Offensichtlich!

...


Quote
ribera, 29.06.2010 um 18:29 Uhr

Einige Kommentatoren haben nicht begriffen, worum es geht.

Es geht nicht um Einschränkung von Grundrechten unserer Soldaten sondern um deren Schutz.
Leider ist es so, dass oftmals, auch unbewußt, persönliche Informationen preisgegeben werden. Es ist so, dass versucht wird, diese Informationen herauszufiltern, zusammenzusetzen und so aus Bausteinen ein Profil des Soldaten zu erstellen.
Diese Informationen werden dann für Wohnungseinbrüche, Drohungen gegen den Soldaten oder dessen Familie, Sachbeschädigung durch Autozerstörung, etc. benutzt. .... Da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis es zu Anschlägen auf Soldaten oder deren Angehörige kommt.



Quote
jan.dark, 29.06.2010 um 20:36 Uhr

Der Schutz von Soldaten?

...

Tatsache ist erst mal, dass das Konzept des Bürgers in Uniform gründlich gescheitert ist und die Bundeswehr uns mit solchen Sprüchen verhöhnt.





Aus: "Ruhe im Glied" Von Hauke Friederichs  (29.6.2010)
Quelle: http://www.zeit.de/digital/internet/2010-06/bundeswehr-blogs-social-media

-.-

Quote
[...] Guttenberg: Schluss mit der Schönfärberei
Der Verteidigungsminister will, dass sich Soldaten unmittelbar an die Öffentlichkeit wenden

Dieser Paradigmenwechsel des Verteidigungsministers, der im Schatten der Debatte über den künftigen Wehrdienst ausgesprochen wurde, könnte es in sich haben. Gestern stellte sich Guttenberg mit seinen Überlegungen zur Wehrpflicht dem "Parlament der Wehrpflichtigen" in Berlin. Als ihn dort, wie wie die FAZ berichtet, ein junger Soldat "kritisch" zum "Thema Verankerung der Streitkräfte in der Öffentlichkeit bei Aussetzung der Wehrpflicht" ansprach, gab der Minister eine Antwort, die deutlich im Gegensatz zu traditionellen Regelungen der Bundeswehr und auch anderer Armeen steht. Guttenberg vertrat nämlich die Ansicht, dass "realistische Schilderungen" zu einer besseren Öffentlichkeitsarbeit beitragen könnten.

Wörtlich wird er mit dem Wunsch zitiert, dass mancher, "der aus den Einsätzen zurückkommt (...), sich auch an seine unmittelbare Öffentlichkeit wendet". Dabei solle er ruhig "selbst seine Realitäten beschreiben" und auch Defizite benennen - ohne alle Äußerungen mit den Vorgesetzten abzustimmen. Guttenberg hält diese Vorgehensweise "im Zweifel hilfreicher auch für den Dienstvorgesetzten als das, was gelegentlich schön gefärbt wird".

Wird die Bevölkerung nun aus Lokalzeitungen entnehmen können, wie es wirklich in Afghanistan steht? Werden bald deutsche Soldatenblogs eine neue kritische Öffentlichkeit zu Ausbildung, Kultritualen und Einsätzen der Bundeswehr bilden? Mit welcher nicht-schönfärberischen Äußerung riskiert der Rekrut, Gefreite, Unteroffizier, Offizier eine Disziplinarmaßnahme? Wann verstößt eine Äußerung gegen militärische Geheimnisse, wann wird sie politisch so relevant, dass sie die Führung dann lieber doch nicht veröffentlicht haben will?

Man darf gespannt sein, wie dieser Paradigmenwechsel umgesetzt wird.

Thomas Pany, 30.06.2010

Quote
30. Juni 2010 14:30
Die Hamburger Morgenpost jammerte heute auch schon

alionSonny

über die armen Auftragskiller, die in der Heimat ach so übel
verschmäht werden und forderte mehr Verständnis für junge Männer die
zum sinnlosen Töten in fremde Länder fahren und sich doch dort
TATSÄCHLICH der Gefahr aussetzen, selbst vom Leben zum Tode befördert
zu werden. Es scheint so, als solle 65 Jahre nach dem letzten grossen
Ballerspiel mal wieder der heldenhafte Söldner in den Mittelpunkt der
Gesellschaft gestellt werden. Eine Fussknall WM ist halt viel zu
schnell vorbei. In Zeiten, in denen die ReGIERung die Bürger um
wirkliches Leben bescheisst, muss man halt ständig dafür sorgen, daß
der Dumpfbürger von seinen eigenen (von Politrickstern verursachten)
Alltagsproblemen abgelenkt ist und "mitfiebern" kann. Demnächst in
ihrer Innenstadt: Grossleinwand mit Übertragung von Helmkamerabildern
"unserer Jungs" in irgendeinem armen Land wo sich möglichst keiner
ernsthaft wehren kann. "Public War Viewing" heisst der Trend.
Demnächst trägt man dann statt Trikot der Balltreter ein nettes
Tarnhemd mit Logo der favorisierten Kampfeinheit.

Und am Ende singen wir dann alle: "Deutschland, Deutschland über
alles!". Und das, obwohl eigentlich die Souveränität des
Nationalstaates Deutschland zugunsten der Klo-Ballisierung und EU
schon längst Geschichte ist. Mich erinnert die Deutschtümelei
neuerdings an Indianer, die im Reservat die Tänze ihrer einstmals
stolzen Urvölker für ein paar Dollar vor dem weissen Massa aufführen.

Quote
30. Juni 2010 15:32

Thema verfehlt

Herr Troll

Du darfst nicht Deinen Maßstab an die deutsche Gesellschaft anlegen -
viele WISSEN schlicht nicht, was die Bundeswehr so treibt, aus dem
Grunde, weil sie auf den Verlautbarungsjournalismus der
Öffentlich-Rechtlichen und anderer Mainstream-Medien angewiesen sind.

Mehr Öffentlichkeit kann ich nur begrüßen, allein schon deshalb, weil
die Haßtiraden von Dir und Deinesgleichen gegen den Sanitätsgefreiten
Neumann zurechtgerückt werden.

Dieses eine mal hat Guttenberg recht.

Quote
Re: Thema verfehlt (Editiert vom Verfasser am 30.06.10 um 17:49)

alionSonny

Nein, nein, nein! Ich habe das Thema total getroffen. Die Bundeswehr
ist eine Armee, also eine Killertruppe, in die der Staat (noch)
schäbigerweise auch noch jeden jungen Menschen reizwingt, der
körperlich fit ist. Die Bundeswehr ist auch keine BundesWEHR mehr,
sondern der BundesANGRIFF, spätestens seit Jugoslawien. Diesem
Killerkommando, nur weil es ab und zu bei einem Hochwasser hilft,
wenn nicht gerade irgendwo rumgeballert wird einen hübschan
öffentlichen Anstrich zu verpassen, ist genau das, was der
Verlogenheit und Lumpenhaftigkeit dieser Pseudonation die Krone
aufsetzt. Ich habe fertig.





Aus: "Guttenberg: Schluss mit der Schönfärberei" (30.06.2010)
Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/8/147920

« Last Edit: June 30, 2010, 08:57:16 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #401 on: July 07, 2010, 12:08:51 PM »

Quote
[...] Die afghanische Armee sei kurz davor gewesen, eine Gruppe von Extremisten anzugreifen, als die Flugzeuge versehentlich die Soldaten bombardierten, sagte der Polizeikommandeur der Provinz SPIEGEL ONLINE.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kabul verurteilte den Vorfall. Es sei nicht das erste Mal, dass so etwas passiert, sagte Sahir Asimi. Nato-Sprecher Josef Blotz bedauerte die Todesopfer und machte "fehlende Koordination" für den Vorfall verantwortlich. Afghanische und internationale Truppen kündigten eine Untersuchung an.

Der Einsatz westlicher Streitkräfte war in der Vergangenheit wiederholt in die Kritik geraten, weil dabei Unbeteiligte getötet oder verletzt wurden. Im April starben sechs afghanische Soldaten, als sie von Bundeswehrsoldaten beschossen wurden.

...

Shoib Najafizada/kgp/dpa/apn/AFP


Aus: "Kampf gegen die Taliban - Afghanische Soldaten sterben bei Nato-Luftangriff" (07.07.2010)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,705102,00.html

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #402 on: July 15, 2010, 08:59:59 AM »

Quote
[...]  Nach Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat sich nun auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) für eine Aussetzung der Wehrpflicht ausgesprochen. "Ich bin davon überzeugt, dass wir aus der Bundeswehr eine Freiwilligenarmee machen sollten", sagte Westerwelle dem Hamburger Abendblatt. Es sei nicht gerecht, wenn nur noch 16 Prozent eines Jahrgangs den Wehrdienst leisten, während andere in dieser Zeit ihre beruflichen Chancen verbesserten, argumentiert Westerwelle. Um die Notwendigkeit zum Sparen oder eine effizientere Armee gehe es ihm bei der Frage nicht.

Im Verteidigungsministerium wird zurzeit aus Sparzwängen über die Aussetzung der Wehrpflicht nachgedacht. Verteidigungsminister Guttenberg lässt derzeit verschiedene Modelle für den Wehrdienst durchrechnen.

...


Aus: "Abmarsch für Wehrpflichtige" VON KARIN SCHÄDLER (14.07.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/abmarsch-fuer-wehrpflichtige/

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #403 on: July 19, 2010, 10:08:46 AM »

Quote
[...] Seit fast neun Jahren kämpfen internationale Soldaten des Nato-Bündnisses in Afghanistan Seite an Seite mit afghanischen Warlords und korrupten Eliten. In der Bilanz dieses Krieges werden die Opfer der westlichen Soldaten akribisch gezählt, es sind mittlerweile 1937 tote Soldaten, davon 43 Bundeswehrsoldaten. Dem stehen seit 2001 geschätzte 10.172 bis 12.969 tote Zivilisten und Aufständische gegenüber.

Die Zahl der Selbstmordattentate auf Einrichtungen des Militärs, aber auch auf Hilfsorganisationen, steigt an, von sieben Selbstmordattentaten zwischen 2001 und 2005 auf 148 allein im Jahr 2009. Aber nicht nur die Zahl der Toten, auch die Zahl der Soldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen nimmt rasant zu, was auf die zunehmend hohe Intensität der Kampfhandlungen zurückzuführen ist.

Den Überblick über die traumatisierenden Folgen militärischer Kampfeinsätze zu behalten, ist auch für die Bundeswehr nicht leicht. Kursieren in verschiedenen Statisitiken und Informationen der Bundeswehr doch sehr unterschiedliche Zahlen. So wurden in den Bundeswehrkrankenhäusern Koblenz, Hamburg, Berlin und Ulm in den letzten 10 Jahren circa 1600 Soldaten und Soldatinnen mit postraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) behandelt.

Der ehemalige Wehrbeauftragter Robbe erklärte im letzten Jahr anlässlich einer Bundestagsdebatte, dass sich die PTBS-Fälle im Jahr 2009 gegenüber 2008 fast verdoppelt hätten (2008: 245; 2009: 466; davon 90 Prozent aufgrund der Isaf-Einsätze). Die Bundeswehr ging bisher nach ihren eigenen Untersuchungen davon aus, dass ein Prozent der Soldaten traumatisiert sei. Experten nehmen jedoch an, dass die Dunkelziffer viel höher liegt. Sybille Dunker, Psychologin im Dienst der Bundeswehr, die selbst zwei Auslandseinsätze begleitet hat, wertete in ihrer Dissertation den Kölner Risikoindex (KRI-Bw) aus, ein Screening-Instrument zur Entscheidungshilfe für weitere Nachsorgemaßnahmen. Ihr Untersuchungsergebnis weist auf 1,9 bis 7,5 Prozent mögliche PTBS-Erkrankungen bei den Rückkehrern von Auslandseinsätzen hin.

Geht man wie der Militärpsychiater Oberstabsarzt Dr. Karl Heinz Biesold von einer Zahl von 20.000 deutschen Soldaten aus, die sich pro Jahr im "Einsatz" befinden, so würde die reale Zahl von traumatisierten Soldaten pro Jahr zwischen zwischen 380 und 1500 liegen. Schon jetzt beklagt die Bundeswehr, dass nicht genügend Personal für die Behandlung der Soldaten zur Verfügung stehe. Von 38 Psychiaterstellen sind nur 22 besetzt.

Im Zentrum eines jeden Kriegs steht Töten und Sterben. Angehörige einer regulären Armee, einer Miliz oder Widerstandskämpfer stehen sich in einem unerbittlichen gegenseitigen Machtkampf auf Leben und Tod gegenüber. Sie sind Teil dieses Kriegs-Systems, aus dem es kein Entrinnen gibt – auch nicht für die zivile afghanische Bevölkerung, die kollektiv in Geiselhaft genommen wird.

Ohne dass sich heimkehrende traumatisierte Soldaten mit der eigenen Identität und ihrer Rolle als Täter auseinandersetzen, ist eine Heilung schwierig. Überlebensschuld und Schuldgefühle gegenüber den toten Kameraden und der betroffenen Zivilbevölkerung gehören zum System Krieg, werden in unserer gesellschaftlichen Kultur aber systematisch abgespalten. Soldaten sind Täter und Opfer zugleich. Ein Entrinnen aus diesem System gelingt nur über den Weg zum Frieden. Ein Weg, den die kriegsmüde Bevölkerung in Afghanistan ebenso wie unsere deutsche Bevölkerung seit langem ersehnt. Die Bürger und Bürgerinnen in Deutschland lehnen den Krieg in Afghanistan seit vielen Jahren mit einer Zweidrittel-Mehrheit ab. Sie wollen einen schnellen Rückzug der deutschen Soldaten.

Als Teil der deutschen Friedensbewegung fordert die IPPNW die deutsche Bundeskanzlerin und die Nato-Verbündeten zu einem radikalen Politikwechsel auf. Deutsche Friedensforschungsinstitute haben erst kürzlich erklärt, der Krieg in Afghanistan sei militärisch nicht zu gewinnen. Die Ankündigung eines sofortigen Waffenstillstandes, für den sich die afghanische Friedens-Dschirga und die IPPNW einsetzen, ist daher Voraussetzung für Friedensverhandlungen.

Auch die neue "Dorfschützer-Strategie" des US-amerikanischen General Petraeus, der örtliche Milizen im Kampf gegen die Taliban aufrüsten will, ist aus unserer Sicht zum Scheitern verurteilt. Sie wurde bereits in verschiedenen Ländern zur Aufstandsbekämpfung eingesetzt und zerstört auf blutige Weise halbwegs befriedete und gewachsene Dorfstrukturen. In vielen Ländern führte diese Strategie zur Binnenflucht der Dorfbevölkerung und zur fortschreitenden Entwurzelung. Dies war auch in Afghanistan der Fall, als die Sowjetarmee in den letzten Kriegsjahren Dorfmilizen aufstellte. Oder beim Krieg der türkischen Armee gegen die PKK, der zur gewaltsamen Entleerung von über 3000 Dörfern und massiven Vertreibungen führte.

Für einen Krieg an der Seite von Warlords und Drogenbossen ist in der deutschen Gesellschaft kein Rückhalt zu gewinnen. Das gilt sowohl für die Politiker, die diesen Krieg weiterhin aktiv betreiben als auch für die Soldaten, die diesen Krieg ausführen müssen. "Im Dienst einer von der Bevölkerungsmehrheit abgelehnten Sache zu kämpfen, bedeutet allemal eine erhöhte psychosomatische Belastung", erklärt der deutsche Psychoanalytiker und IPPNW-Ehrenvorstandsmitglied Prof. Dr. Horst-Eberhard Richter. Deswegen sind Ärzte und Psychotherapeuten der ärztlichen Friedensbewegung verpflichtet, vor der Fortsetzung des Krieges in Afghanistan mit aller Entschiedenheit zu warnen.


Aus: "Im Dienste eines sinnlosen Krieges" Angelika Claußen (19.07.2010)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/doku_und_debatte/2856436_Gastbeitrag-Im-Dienste-eines-sinnlosen-Krieges.html

Dr. Angelika Claußen
Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
Dr. med. Angelika Claußen ist niedergelassene Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Seit 1986 ist sie Mitglied in der Ärztevereinigung und seit 2005 Vorsitzende der deutschen IPPNW-Sektion.
http://www.ippnw.de/?id=455

-.-

Quote
[...] Andreas Schwarzkopf: Wie gehen Sie mit dem politischen Gegenwind um - etwa mit Gesetzen der Karsai-Regierung, die ihrer Aufgabe behindern?

Monika Hauser: Leider sind viele afghanische Männer auch ohne den Einfluss der Taliban menschenrechts- und frauenfeindlich. So gibt es viele bei der Polizei, in der Justiz oder in der Politik, die denken, es sei ein Verbrechen, wenn ein elfjähriges Mädchen von zu Hause und damit meist vor einer Zwangsheirat davonläuft. Leider kennen nur wenige Polizisten und Justizangestellte die in der Verfassung verbrieften Bürger- und Menschenrechte. Vor allem haben wir nicht die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, die ja 2002 auch für die Sache der Frauen angetreten ist. Internationale Politik instrumentalisiert leider häufig Frauenrechte für ihre Interessen. Ist es nicht mehr in ihrem Sinne, geraten sie schnell wieder in Vergessenheit. Hätten sie uns in den vergangenen Jahren stärker unterstützt, wären wir heute in einer anderen Situation.

...

Andreas Schwarzkopf: Können Sie ihre Ziele bei den Widerständen überhaupt erreichen?

Monika Hauser: Als Feministinnen sind wir es gewohnt gegen Vieles zu kämpfen. Das tun wir bei Medica Mondiale seit 18 Jahren. In dieser Zeit mussten wir eine hohe Frustrationstoleranz entwickeln. Das ist aber nichts ungewöhnliches, wenn es um Frauenrechte geht. So ähnlich denken viele Afghaninnen, die ihre eigenen Perspektiven entwickeln wollen und sich deshalb gegen Zwangsheirat und andere Menschenrechtsverletzungen stemmen. Um erfolgreich sein zu können brauchen sie, brauchen wir allerdings die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Sie darf nicht nachlassen, sie muss wieder stärker werden.

...


Aus: "Afghanistan: "Vieles ist schlechter geworden"" (20.07.2010)
Quelle: http://www.fr-online.de/top_news/2864518_Afghanistan-Vieles-ist-schlechter-geworden.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Medica_mondiale

-.-

Quote
[...] Zwischen Januar und Juni dieses Jahres seien am Hindukusch insgesamt 1074 Unbeteiligte getötet und mehr als 1500 weitere verletzt worden, heißt es in einem am Montag in Kabul veröffentlichten Bericht der Organisation »Afghanistan Rights Monitor« (ARM).

[...] Dem Bericht zufolge fielen 661 Zivilisten und damit mehr als 60 Prozent der Opfer Anschlägen und Angriffen der Taliban zum Opfer. 210 Menschen seien von den ausländischen Truppen getötet worden. Die übrigen Toten gingen auf das Konto afghanischer Sicherheitskräfte. ARM stützt sich bei seinen Angaben nach eigener Aussage auf Interviews mit betroffenen Familien und Behörden.

Die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) hatte im Januar eine eigene Studie zu Opfern in dem Konflikt veröffentlicht. Demnach waren im Jahr 2009 insgesamt 2412 Zivilisten getötet worden.

...


Aus: ""Afghanistan: Zahl ziviler Opfer steigt" (13. Juli 2010)
Quelle: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Afghanistan/1000tote.html

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Afghanistan/kriegschronik/Welcome.html

-.-

Quote
[...] Hamburg - Vor der Afghanistan-Konferenz in Kabul hat Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen eingeräumt, dass die internationale Gemeinschaft sich den Einsatz am Hindukusch einfacher vorgestellt hat. "Nach neun Jahren internationalen Engagements ist es auf schmerzvolle Weise deutlich geworden, dass der Preis, den wir zahlen müssen, viel höher ist als erwartet - insbesondere angesichts all der getöteten internationalen und afghanischen Soldaten", schrieb Rasmussen in einem Gastbeitrag für das "Hamburger Abendblatt". "Es kann nicht bestritten werden, dass die internationale Gemeinschaft anfangs das Ausmaß dieser Herausforderung unterschätzte."

[...] Am Wochenende hatte nach Informationen des SPIEGEL die Mutter eines in Afghanistan getöteten deutschen Soldaten verlangt, der Tod ihres Sohnes solle ein juristisches Nachspiel haben. Es ist die erste Anzeige einer Angehörigen eines gefallenen Soldaten, die dem Verteidigungsministerium bekannt wurde.

anr/dpa/Reuters/AFP/ddp


Aus: "Afghanistan - Rasmussen stimmt Nato auf Langfrist-Einsatz ein" (19.07.2010)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,707184,00.html

-.-

Quote
[...] Gestern hat Fabian gefragt, ob sein Papa noch lange weg sein werde. Elfi Reinz schüttelt den Kopf, das hat sie in den vergangenen Tagen oft getan. Es ist ein ungläubiges Kopfschütteln, als wäre sie jedes Mal wieder überrascht, dass Matthias nicht mehr da ist. Von den anderen Einsätzen kennt Elfi Reinz das Alleinsein. Was sie nicht kennt, ist die Angst, die Wucht, mit der sie ihr in den Magen boxt, wenn sie zu ihrer Arbeit in einem Supermarkt fährt und im Autoradio hört, dass in Afghanistan ein Bundeswehrkonvoi angegriffen worden ist.

[...] Was Kinder und Jugendliche emotional aushalten müssen, wenn ein Elternteil in den Krieg zieht, damit haben sich Wissenschaftler in den USA beschäftigt. Das Ergebnis: Die Angst, die diese Kinder und Jugendlichen ertragen müssen, führt bei jedem dritten von ihnen zu psychischen Leiden oder Verhaltensstörungen. Hatten frühere Untersuchungen die Angst der Soldatenkinder noch mit der Verlustangst von Scheidungskindern gleichgestellt, so kommen Forscher nun zu dem Schluss, dass sie unvergleichlich ist. In den USA waren es im vergangenen Jahr fast zwei Millionen Soldatenkinder, die damit zurechtkommen mussten, dass ihr Vater oder ihre Mutter im bewaffneten Auslandseinsatz waren. In Deutschland waren es wohl ein paar Tausend, genaue Zahlen gibt es nicht. Zwei von ihnen sind Fabian und Florian Reinz.

...


Aus: "Afghanistan: "Schießt der Papa auch auf Menschen?"" Von Dagmar Rosenfeld  (18.7.2010)
Quelle: http://www.zeit.de/2010/29/Afghanistan-Soldaten

-.-

Quote
[...] Solange man die Terroristen nicht an ihrer Brutstätte bekämpfe, so Spanta, werde man in Afghanistan keinen Erfolg haben. Dass man aber auch Gespräche mit den Extremisten werde führen müssen, um das Blutvergießen in Afghanistan zu stoppen, daran gebe es in der Regierung keinen Zweifel: "Wir möchten mit allen Elementen reden, die bereit sind, ein friedliches Leben anzufangen und die afghanische Verfassung zu akzeptieren. Da X oder Y auszuklammern, ist keine richtige Politik."

...


Aus: "Interview mit dem nationalen Sicherheitsberater Afghanistans: "Die Sicherheitslage ist schlimmer denn je"" (19.07.2010)
Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/spanta110.html

-.-

Quote
[...] Unser Ziel ist klar: sicherzustellen, dass Afghanistan nicht noch einmal ein sicherer Hafen für den Terror wird. Wir bauen Afghanistans Fähigkeiten auf, dem Terrorismus und dem Extremismus selbst widerstehen zu können. Wir ändern die politischen Bedingungen in den strategischen Kerngebieten Afghanistans; wir schützen die Bevölkerung; wir stärken die Kompetenz der gewählten Regierung; wir trainieren die afghanische Armee, damit Afghanistan fähig wird, sich um seine eigene Sicherheit zu kümmern. Wenn wir und unsere afghanischen Partner unsere Strategie beibehalten und ihr Zeit geben, wird sie Erfolg haben.

...


Aus: "Afghanistan steht am Scheideweg" Von Anders Fogh Rasmussen (19. Juli 2010)
Quelle: http://www.abendblatt.de/hamburg/article1571841/Afghanistan-steht-am-Scheideweg.html

-.-

Quote
[...]KABUL: Radikal-islamische Taliban haben im Westen Afghanistans mindestens 20 Gesinnungsgenossen aus einem Gefängnis befreit. Die Aufständischen hätten in einer Haftanstalt in der Provinz Farah eine Bombe gezündet und damit den Gefangenen die Flucht ermöglicht, bestätigte der zuständige Polizeichef. In der afghanischen Hauptstadt Kabul wurden bei einem weiteren Bombenanschlag mindestens vier Menschen getötet. Der Anschlag wurde zwei Tage vor einer großen Konferenz verübt, bei der in Kabul Außenminister aus aller Welt über die Zukunft des Landes am Hindukusch beraten.

...


Aus: "Taliban sprengen Häftlinge in Farah frei" (18.07.2010)
Quelle: http://www.dw-world.de/dw/function/0,,12356_cid_5813274,00.html

-.-

Quote
[...] Potsdam - Ihr Sohn fiel in Afghanistan. Nun verklagt Nils Bruns (35) Mutter die Bundeswehr. Sie will keine Rache für den Tod ihres einzigen Kindes, sondern eine "juristische Aufarbeitung der Geschehnisse". Der Vorwurf, den sie dem Militär und damit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg macht klingt bitter, wie ein Hilfeschrei: Ihr habt meinen Sohn "verrecken" lassen.

Es ist das erste Mal, dass ein Angehöriger Anzeige wegen eines Gefallenen im Afghanistan-Krieg stellt. Der Hauptfeldwebel hinterließ eine Frau und eine kleine Tochter (2) als ihn Karfreitag eine Taliban-Bombe zerfetzte. Er war das 38. deutsche Kriegsopfer am Hindukusch. In dem Gefecht starben auch zwei seiner Kameraden: Martin Kadir Augustyniak (28) und Robert Hartert (25) .

Nun fordert die Mutter des Fallschirmjägers, der dem Bataillon 373 in Seedorf (Niedersachsen) angehört hatte, eine juristische Aufarbeitung der Geschehnisse. Ihr Klage zielt auch auf den obersten Vorgesetzten Guttenberg und hohe Militärs. Die Mutter sei "nach reiflicher Überlegung und umfassenden Recherchen" davon überzeugt, dass der Tod ihres Sohnes hätte verhindert werden können, wenn nicht gar müssen, zitiert der "Spiegel" ihren Anwalt. Weiter heißt es im fünfseitigen Schreiben: Man habe die Einheit ihres Sohnes "unter bewusster Versagung militärischer Hilfe verrecken lassen".

...


Aus: "Soldaten-Mutter verklagt Guttenberg" Berliner Kurier (19.07.2010)
Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-kurier/print/politik/312471.html

« Last Edit: July 20, 2010, 12:22:53 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 5862

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #404 on: July 26, 2010, 09:08:12 AM »

http://wikileaks.org/wiki/Afghan_War_Diary,_2004-2010

http://wardiary.wikileaks.org/

-.-

Quote
[...] Der Spiegel hatte extra seinen Redaktionsschluss von Samstag auf Sonntagabend verlegt. Dann platze die «Bombe». In Zusammenarbeit mit dem Guardian und der New York Times wurden die «Afghanistan War Logs» veröffentlich, die der «Whistleblower-Plattform» Wikileaks  zugespielt wurden. In den nächsten Wochen wird sehr viel zu lesen sein und noch mehr Politiker werden sich erklären müssen. Eines hat der Leak schon jetzt erreicht: die deutschen Medien sprechen unverblümt vom «Afghanistan-Krieg».

Die Folgen sind wohl kaum absehbar. Bis zum Redaktionsschluss hat das Weiße Haus gemauert, keine Stellungnahme abgegeben und Wikileaks verurteilt, weil Leben von Soldaten der USA und den Verbündeten gefährdet sein sollen. Wenn auch der Spiegel, der Guardian und die New York Times in den letzten Monaten wahrscheinlich an der «Geschichte des Jahrzehnts» gearbeitet haben, so ist die Veröffentlichung doch ein Armutszeugnis für den Journalismus.

Warum sind die Unterlagen Wikileaks zugespielt worden und eben nicht einer Zeitung? Vertrauen Whistleblower Journalisten nicht mehr? Hat es mit der ausufernden Überwachung zu tun, die seit 9/11 in allen westlichen Ländern initiiert wurde, in Europa denke man beispielsweise an die Vorratsdatenspeicherung?

...


Aus: "The Afghanistan War Logs — Biggest leak in intelligence history" Chris (26. Juli 2010)
Quelle: http://www.fixmbr.de/the-afghanistan-war-logs-biggest-leak-in-intelligence-history/


-.-

Quote
[...] Einige der Papiere seien so brisant, dass sie mit dem Vermerk versehen sind, sie den afghanischen Regierungsstellen vorzuenthalten. Es handele sich um kurz zusammengefasste Meldungen der Truppen aus dem laufenden Gefecht. Überwiegend berichten Feldwebel, auch mal ein Leutnant im Gefechtsstand oder rangniedere Analysten beim Geheimdienst.

...


Aus: "90 000 geheime Papiere des Pentagon enthüllt" (Montag, 26. Juli 2010 02:12)
Quelle: http://www.morgenpost.de/printarchiv/titelseite/article1357693/90-000-geheime-Papiere-des-Pentagon-enthuellt.html

-.-

Quote
[...] Hamburg - 91.731 Berichte aus Datenbanken des US-Militärs über den Afghanistan-Krieg  - für jedermann zugänglich im Internet: Wohl noch nie zuvor war es möglich, die Wirklichkeit auf den Schlachtfeldern detailliert mit dem abzugleichen, was die Propagandamaschinerie der US-Armee darüber verlauten ließ. Die meist als "geheim" eingestuften Papiere über den Feldzug sollen auf der Plattform Wikileaks veröffentlicht werden.

Der Londoner "Guardian", die "New York Times" und der SPIEGEL haben das Material gründlich geprüft und mit unabhängigen Berichten verglichen. Alle drei Medien sind übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass die Dokumente authentisch sind und ein ungefiltertes Bild des Krieges bieten - aus Sicht der Soldaten, die ihn kämpfen.

Die Dokumente datieren zwischen dem 1. Januar 2004 und dem 31. Dezember 2009. Einige sind so brisant, dass sie mit dem Vermerk versehen sind, sie den afghanischen Regierungsstellen vorzuenthalten.

Es sind Meldungen der Truppen aus dem laufenden Gefecht, kurz zusammengefasst und unmittelbar weitergeleitet. Überwiegend berichten Feldwebel, auch mal ein Leutnant im Gefechtsstand oder rangniedere Analysten beim Militärgeheimdienst.

[...] Die Dokumente sind ein Fenster zum Krieg in Afghanistan. Wer sich künftig über ihn informieren will, wird ohne dieses Logbuch nicht mehr auskommen.

Das Weiße Haus hat bis zum Redaktionsschluss der SPIEGEL-Druckausgabe eine Stellungnahme verweigert, trotz wiederholter Anfragen. Am Samstagabend schickte es schließlich schriftliche Antworten auf ausgewählte inhaltliche Fragen - lehnte ein Interview jedoch weiterhin ab.

Barack Obamas Nationaler Sicherheitsberater James Jones kritisierte die Veröffentlichungen scharf. Diese könnten die Leben von Amerikanern und ihren Verbündeten gefährden und die nationale Sicherheit bedrohen. Wikileaks habe keinen Versuch unternommen, die US-Regierung über die Papiere zu informieren. Man habe von Medien erfahren, "dass die Dokumente ins Internet gestellt werden".

...


Aus: "Enthüllung brisanter Kriegsdokumente: Die Afghanistan-Protokolle" (25.07.2010)
Von Matthias Gebauer, John Goetz, Hans Hoyng, Susanne Koelbl, Marcel Rosenbach und Gregor Peter Schmitz
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,708311,00.html

-.-

Quote
[...] Der Gründer der auf Enthüllungsgeschichten spezialisierten Internetseite WikiLeaks, Julian Assange, hat die Veröffentlichung zehntausender teils geheimer US-Dokumente zum Afghanistan-Krieg verteidigt.

Er sagte: "Das Material wirft ein Schlaglicht auf die alltägliche Brutalität und das Elend des Krieges. Es wird die öffentliche Meinung verändern und auch die von Menschen mit politischem und diplomatischem Einfluss." In der Fülle stelle das Material alles in den Schatten, was über den Krieg in Afghanistan gesagt worden sei. "Diese Daten sind die umfassendste Beschreibung eines Krieges, die es jemals während eines laufenden bewaffneten Konflikts gegeben hat." Guter Journalismus sei "von Natur aus" kontrovers, sagte Assange und müsse den Missbrauch der Mächtigen aufdecken. Zugleich begrüßte er die Debatte, die die Veröffentlichung der Dokumente auslöste.

Assange stellte klar, dass das gesamte Material vor der Veröffentlichung daraufhin überprüft worden sei, ob durch Details tatsächlich Soldaten im Afghanistan-Einsatz oder deren Verbündete in Gefahr geraten könnten.

Den Dokumenten nach sei die Lage der deutschen Soldaten im Norden des Landes bedrohlich. Die Zahl der Kampfhandlungen habe ebenso drastisch zugenommen wie die Zahl der Anschläge. Für den Norden Afghanistans gibt es demnach zahlreiche sogenannte Threat Reports, Bedrohungsszenarien und konkrete Warnungen vor bevorstehenden Anschlägen.

Auch der Einsatz von Spezialeinheiten der US-Streitkräfte helfe nur bedingt. Rund 300 Soldaten der Task Force 373 seien abgeschirmt auch im deutschen Lager Masar-i-Scharif untergebracht. Aus den Unterlagen lasse sich auch schließen, dass deutsche Truppen unvorbereitet in den Krieg gezogen seien.

In den Dokumenten werde auch deutlich, dass der pakistanische Geheimdienst heimlich die Taliban in Afghanistan unterstütze. Der New York Times zufolge arbeitet Pakistan aktiv mit afghanischen Aufständischen zusammen. Abgesandte des pakistanischen Geheimdienstes sind dem Bericht zufolge dabei, wenn sich Aufständische zum Kriegsrat treffen und sollen auch präzise Mordbefehle erteilen, etwa gegen den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai.

Der pakistanische Botschafter in den USA, Husain Haqqani, sagte, die Veröffentlichung von Berichten aus dem Kampfgebiet sei unverantwortlich. Die Unterlagen gäben nicht mehr wieder als Kommentare und Gerüchte einzelner Quellen und hätten sich in der Vergangenheit oft als falsch erwiesen.

Die US-Regierung räumte allerdings ein, dass ihr die Verbindungen des pakistanischen Geheimdienstes zu Aufständischen seit geraumer Zeit Sorgen bereiten. Das Weiße Haus veröffentlichte als Beleg dafür mehrere Dokumente, unter anderem ein Schreiben von Verteidigungsminister Robert Gates vom 31. März 2009. Diese Kontakte seien eine "echte Sorge" für die USA. Dies sei Pakistan auch direkt mitgeteilt worden, heißt es.

Bereits im April hatte ein armeeinternes Video, das auf Wikileaks veröffentlicht worden war, weltweit für Bestürzung gesorgt. Das Video zeigt den tödlichen Beschuss irakischer Zivilisten durch einen amerikanischen Kampfhubschrauber. Anfang Juni wurde ein Soldat festgenommen, der das Video an Wikileaks weitergereicht haben soll.

Quote
KaisersKleider, 26.07.2010 um 8:51 Uhr

"... und die nationale Sicherheit bedroht wird."

Das ist offenbar die Standardlüge, mit deren Hilfe die Veröffentlichung peinlicher bis schrecklicher Details in der besten aller "Demokratien" verhindert werden soll.



Quote
   * 26.07.2010 um 8:54 Uhr
    * YSchumbitrus

6. Danke an Wikileaks!

In den vergangenen 10-15 Jahren hat es eine unangenehme Gleichschaltung der Medien gegeben, indem unabhängige Quellen der Medien ausgetrocknet und verfolgt wurden. Wikileaks ist genau die richtige Institution, um Whistleblowern einen Schutz vor Enttarnung und uns wieder mehr Chancen gibt, zu erfahren, was in der Welt tatsächlich vorgeht. Wer sich z.B. in Deutschland nur über das Fernsehen informiert, wird auch bei ARD und (gerade) ZDF viele wissenswerte Informationen nicht mehr finden und zunehmend mit wertlosem Informationsmüll aus Klatsch und Tratsch zugeworfen.

Wikileaks ist genau die Plattform, die wir brauchen, um die Realität und Wirklichkeit erfahren zu können.

...

Y.S.


Quote
WiKa, 26.07.2010 um 10:01 Uhr


90.000 Gründe Afghanistan zu verlassen …

Ob Obama den Friedensnobelpreis auch bekommen hätte wenn diese Dokumente zeitiger aufgetaucht wären? Naja, aber so kann er sich ja parallel noch für den Kriegsnobelpreis verdingen.

Um zynisch zu bleiben, sollten wir natürlich sofort unsere Leute beruhigen, dass die Bundeswehr dort nur zu humanitären Zwecken tötet und deshalb von einem Kriegseinsatz weit entfernt ist. Aber sicherlich muss man nicht nur nach Amerika schielen. Offenbar funktioniert die Politik der Geheimhaltung und des Kleinredens auch hier in Deutschland. Da sind doch noch einige Fragen an unseren Kriegsminister zu richten. Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass solche Erkenntnisse nicht auch bis dorthin durchgedrungen sind.

Vielleicht kommt ja durch diesen Vorgang die Erleuchtung, dass unser Engagement in Afghanistan zu keinerlei Mehrwert für die unsrige und dortige Gesellschaft führt. Der Geruch dessen nimmt zu, dass nur noch aus Prestigegründen durchgehalten werden muss. Und wieviel Menschenleben ist eine solche Politik wert? Und wer es noch etwas überzogener mag, der kann sich ja auch mal die bitterböse und gar nicht mehr geheime Studie zur modernen Kriegsführung antun (Vorsicht, ist nichts für Nervenschwache und Träumer).

Wären das nicht 90.000 Grüne mehr dort einen Schnitt zu machen und abzuziehen? Zu gewinnen ist dort nichts und außer Hass und weitere Feindschaft wird dort auch niemand was neben den Drogen ernten.





Aus: "Afghanistankrieg: Wikileaks enthüllt knapp 92.000 geheime Kriegsdokumente" (26.7.2010, dpa, AFP, Reuters)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-07/geheime-kriegsdokumente

-.-

Quote
[...] Über das Internetprojekt Wikileaks  werden brisante Dokumente aus anonymer Quelle öffentlich zugänglich gemacht. Dass der Name an Wikipedia erinnert, ist gewollt. Zum einen ähnelt der Internetauftritt optisch der Online-Enzyklopädie; zum anderen kann wie bei dem großen Mitmach-Lexikon jeder etwas veröffentlichen. Bei Wikileaks geht es speziell um geheime Dokumente - das englische Wort "leak" bedeutet: undichte Stelle. Wikileaks versteht sich als Informantennetzwerk. Die Idee dahinter: Kritische Journalisten und Blogger sollen die geheimen Informationen aufgreifen.

Hinter dem Projekt steckt eine Non-Profit-Organisation namens The Sunshine Press, über die allerdings auch nicht viel bekannt ist. Im sozialen Netzwerk Facebook heißt es, die Organisation sei unter anderem von Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und Anwälten ins Leben gerufen worden.

...

Quote
26.07.2010, agtrier schreibt

Dank an Wikileaks!

Danke, Wikileaks! Ohne jemanden, der sich die Mühe macht (und auch der Gefahr aussetzt!) und geheime Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich macht, könnten unsere Politiker völlig tun und lassen was sie wollen.


Quote
Frankenseckel schreibt

Krieg und Frieden?

Die Politik kann sich doch keinen Frieden leisten, da überall die Wirtschaft angekurbelt werden muß um dem Plebs( Arbeitervolk) Beschäfting zu verpassen, damit es stillhält. Ausserdem ist die Erde übervölkert?

Dieser Kommentar wird von 0% unserer 3 Leser als schlecht gesehen, und von 100% als gut. Wie sehen Sie das?

26.07.2010


Quote
Pengolodh schreibt Die übliche Heuchelei!

Nein, nicht diese Informationen gefährden das Leben von Amerikanern und ihrer Verbündeten, dieser Krieg tut es. Der gefährdet natürlich auch das Leben afghanischer Zivilisten, aber das ist wohl zu unwichtig, um in diesem Kommentar der amerikanischen Regierung überhaupt erwähnt zu werden.
Interessant auch wieder die Doppelzüngigkeit: bei der Bespitzelung der Bevölkerung gilt "wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten", aber die Aufdeckung der schmutzigen Geheimnisse der Politik gefährdet natürlich gleich die nationale Sicherheit.
Begreift es endlich: wann immer sowas von "Sicherheit" faselt, geht es immer um die Sicherheit der Herrschenden.

Kommentar wird von 66% unserer 3 Leser als schlecht gesehen, und von 33% als gut. Wie sehen Sie das?
26.07.2010


Quote
ttoo70 schreibt

Der nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, James Jones, auf gut Orwell'sch :

"Die USA verurteilen aufs Schärfste die Veröffentlichung von Geheiminformationen durch Einzelne oder Organisationen, durch die das Leben von Amerikanern und deren Verbündeten gefährdet und die nationale Sicherheit bedroht wird."
Also : nicht das hinterlistig-volksverdummend aufgebaute Lügengebäude um den Afghanistan-Krieg "gefährdet die nationale Sicherheit" , sondern die durch seine Ritzen und Spalten dringende Wahrheit .

...

Kommentar wird von 75% unserer 4 Leser als schlecht gesehen, und von 25% als gut. Wie sehen Sie das?

26.07.2010


Quote
MagNix schreibt @Kuckuck:

"Derartige "Enthüllungen" werden zusätzliche Todesopfer unter den Alliierten kosten!
...und da hört der Spass auf! "

Aber solange es noch hauptsächlich Afghanen "erwischt" hatte in dem Krieg, da war es noch ein Spaß, oder wie soll man Ihre Aussage verstehen?

Dieser Kommentar wird von 60% unserer 5 Leser als schlecht gesehen, und von 40% als gut. Wie sehen Sie das?

26.07.2010


Quote
Axolotl79 schreibt

Sie irren!!!

"Dabei wird jetzt es sicher nicht bleiben können! Derartige "Enthüllungen" werden zusätzliche Todesopfer unter den Alliierten kosten!

...und da hört der Spass auf!"

Irrtum, derartige Enthuellungen bringen endlich etwas mehr Licht in diese elende Tragoedie! Es ist hoechste Zeit, dass das Volk endlich mehr ueber die Situation in Afghanistan erfaehrt, ungefiltert, wie mans es ansonsten nur zu lesen und sehen bekommt.

Dieser Kommentar wird von 50% unserer 2 Leser als schlecht gesehen, und von 50% als gut. Wie sehen Sie das?

26.07.2010


Quote
Hermann2009 schreibt "Nichts ist gut in Afghanistan!"

Es wird kommen wie es kommen muss!
Das Deutsche Volk wurde seit Jahren von der eigenen Poltikerkaste belogen und wußte doch intuitiv, dass Deutschland in einen geleugneten, verbrecherischen Krieg geführt worden ist, um die Vasallenhörigkeit gegenüber der kriegerischen USA unter Beweis zu stellen und das natürlich ohne Sinn und Verstand.
Seit Jahren sind 2 von 3 Deutschen für den sofortigen Abzug aus diesem Land der Drogen und des Islams, aber die Oberbefehlshaberin, Kanzlerin Merkel ignoriert die Entwicklung, die Verantwortung in Afghanistan und die Deutsche Verfassung konsequent.
Jetzt fallen bereits 100 NATO- und US-Soldaten pro Monat in Afghanistan und es wird alles nur schlimmer nach 9 Jahren Krieg.
Unsere Karrieristen wie Merkel, Westerwelle und Konsorten machen aber gnadenlos weiter.

...

Kommentar wird von 0% unserer 0 Leser als schlecht gesehen, und von 0% als gut. Wie sehen Sie das?

26.07.2010


Quote
audio001 schreibt

Beschönigen, verschleiern, vertuschen;- der Umgang deutscher Politik(er) mit dem Thema Afghanistan..

Für diese Erkenntnis, bedurfte es nicht geheimer US-Akten!- Wer sehen wollte der konnte sehen!

Aber offensichtlich hat, in den letzten Jahren, ein Teil unserer Abgeordneten darauf verzichtet richtig hinzuschauen!?- Und die, die die ungeschminkte Transparenz und kritischen Umgang eingefordert haben, wurden dafür auch noch kritisiert...

Dieser Kommentar wird von 0% unserer 0 Leser als schlecht gesehen, und von 0% als gut. Wie sehen Sie das?

26.07.2010


...


Aus: "Enthüllung von Wikileaks Pakistan fördert Taliban" (26.07.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/enthuellung-von-wikileaks-geheime-afghanistan-protokolle-offengelegt-1.979452-2

-.-

Quote
[...] Bei einem Raketenangriff im Süden Afghanistans sind nach offiziellen Angaben 40 bis 45 Zivilisten getötet worden. Ein Sprecher des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai bestätigte damit am Montag in Kabul einen Bericht des britischen Rundfunksenders BBC, der von fast 40 Toten berichtet hatte. Karsai hatte zuvor angekündigt, der Nationale Sicherheitsrat solle den Vorfall untersuchen, bei dem am Freitag ein Dorf in der südafghanischen Unruheprovinz Helmand getroffen wurde. In der Gegend kämpfen Soldaten der internationalen Nato-Truppe Isaf gegen radikalislamische Taliban.

Die Untersuchung solle nun klären, ob die Isaf für den Abschuss der Rakete verantwortlich sei, sagte der Karsai-Sprecher. Demnach schlug das Geschoss in einem Haus ein, in dem bis zu 45 Menschen Zuflucht gesucht hatten. Zuvor hatte die afghanische Regierung mitgeteilt, durch die Rakete seien auch Frauen und Kinder getötet worden.

Ein Isaf-Sprecher gab an, die Nato-Truppen seien "mehrere Kilometer" von dem angegriffenen Dorf entfernt in Kämpfe mit Aufständischen verwickelt gewesen. Eine Untersuchung nach den Berichten über zahlreiche Opfer habe jedoch ergeben, dass es keine Hinweise auf getötete Zivilisten gebe.

In Afghanistan kommen bei Kämpfen von afghanischen und internationalen Truppen mit Aufständischen immer wieder Zivilisten ums Leben. In Deutschland hatte zuletzt der von der Bundeswehr angeordnete Luftangriff nach der Entführung zweier Tanklastzüge am 4. September 2009 für heftige Diskussionen gesorgt. Bei dem Angriff waren bis zu 142 Menschen getötet worden, darunter auch Unbeteiligte.

...

mad/AFP


Aus: "Afghanistan: 45 Zivilisten sterben bei Raketenangriff " (26. Juli 2010)
Quelle: http://www.stern.de/politik/ausland/afghanistan-45-zivilisten-sterben-bei-raketenangriff-1587115.html

-.-

Quote
[...] Die Empörung im Weissen Haus ist gross. Die Veröffentlichung von rund 92'000 geheimen Dokumenten auf der Website Wikileaks lässt die offizielle Darstellung des Afghanistan-Konflikts durch die alliierten Behörden alt aussehen. Aus der Fülle von Rapporten, Notizen, Logbüchern und so weiter lassen sich brisante Informationen fischen.

Etwa jene über die Task Force 373: Diese Elitetruppe untersteht direkt dem Pentagon, agiert unabhängig von den Isaf-Truppen und macht Jagd auf die obersten Taliban-Vertreter. Eine geheime Liste enthält über 2000 Namen von möglichen Taliban-Anhängern, die entweder getötet oder ohne Prozess eingekerkert werden sollen. Dass es dabei zu schwerwiegenden Pannen kommen kann, liegt auf der Hand. Doch diese wurden bisher vertuscht. Etwa die Verfolgung des Taliban-Führers Abu Laith al-Libi, die zur Bombardierung einer Schule führte, bei der sechs Kinder den Tod fanden. Al-Libi selbst kam mehrere Monate später durch einen Raketenbeschuss in Pakistan ums Leben.
Anzeige
.
.

Der Tod unbeteiligter Zivilisten schädigt dem Image der Alliierten sehr. Daher wurde bisher mit grosser Zurückhaltung darüber berichtet. Nun werden durch das Afghan War Logbuch Fälle bekannt, die ein schlechtes Licht auf die Verursacher werfen. Etwa der Fall eines Gehörlosen, der in einem abgelegenen Dorf aus Panik vor einer anrückenden paramilitärischen Einheit der CIA flüchten wollte und dabei niedergeschossen wurde. Oder der Fall eines Mannes, der in einem Auto von einem überholenden spanischen Konvoi aus erschossen wurde.

Die Dokumente belegen auch sogenannte «Friendly Fire»-Zwischenfälle. Als die britischen Truppen im Jahr 2006 nach Afghanistan kamen, sahen sie sich, kaum angekommen, einem Angriff ausgesetzt. Bei den Gefechten kam ein afghanischer Polizist ums Leben, 12 weitere wurden verletzt. Schliesslich stellte sich heraus, dass beide Parteien die andere Seite für Taliban gehalten hatten.

[...] Assange macht keinen Hehl daraus, dass er die gegenwärtige Afghanistan-Mission ablehnt. Es gehe hier um Krieg, sagte er in London, die Dokumente bildeten eine Chronik des Krieges seit 2004. Es gehe hier um die fortgesetzte Tötung von Kindern, von Soldaten, aber auch von den Bewohnern des Landes.
Rechtfertigungen

Assange ging auch auf die Frage ein, ob die Fakten überprüft geworden seien. «Die Dokumente sind echt», erklärte er. Was nicht heisse, dass die Informationen darin immer den Tatsachen entsprächen. Immer wieder sei festzustellen, dass in den Berichten eine beschönigende Sprache verwendet werde. Auch werde versucht, Übergriffe auf Zivilpersonen herunterzuspielen, indem betont wird, dass diese sich verdächtig verhalten hätten.

Bekanntes Beispiel dafür sind die Berichte über den Zwischenfall in Kunduz, in den deutsche Truppen verwickelt waren und der bereits zu einem früheren Zeitpunkt öffentlich bekannt wurde.

[...] Wikileaks hoffe mit seiner Aktion, eine Umdenken in der Afghanistan-Politik herbeizuführen, sagt Assange. «Dieser Krieg sollte zu Ende gehen. Der kriegsbedingte Missbrauch sollte aufhören.» Die Resonanz auf das Afghan War Logbuch ist enorm. Die Internet-Gemeinde hat das Thema in Blogs und Kommentaren aufgegriffen, bevor die Zeitungen am Kiosk waren. Dies ist genau im Sinn von Wikileaks: Das Umdenken soll an der Basis beginnen.

...


Aus: "«Es geht hier um Krieg» - Wie Wikileaks gegen den Afghanistan-Konflikt kämpft" Isabelle Imhof (26. Juli 2010)
Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/international/afghan_war_logbuch_wikileaks_afghanistan_1.6899583.html

-.-

Quote
[...] "Die Berliner Stellen schweigen über viele Vorkommnisse, die nicht unmittelbar deutsche Soldaten, wohl aber die Region betreffen, in der sie stationiert sind. Sie sind aber besonders aussagekräftig für die wahre Lage", heißt es in dem Magazin. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle kündigte unterdessen beim Rat seiner EU-Ressortkollegen in Brüssel an, die jüngsten Veröffentlichungen von US-Geheimakten zum Afghanistan-Einsatz von WikiLeaks genau prüfen zu lassen. Er sehe sich in seiner Haltung bestärkt, dass die Lage in Afghanistan außerordentlich ernst sei. Er habe auch immer davor gewarnt, dass mit Rückschlägen gerechnet werden müsse.

Der britische Außenminister William Hague spielte dagegen den Bericht herunter. Er hoffe aber, dass solche Veröffentlichungen nicht die Atmosphäre vergifteten.

[...] Die US-Regierung wird nach Informationen der Nachrichtenagentur AP in den nächsten Tagen die veröffentlichten Dokumente auswerten. Dabei soll herausgefunden werden, ob möglicherweise Gefahren für die nationale Sicherheit bestehen könnten. Nach AP-Informationen ist sich die US-Regierung nicht sicher, woher die Dokumente stammen.

(APA)


Aus: "US-Militärakten enthüllen Geheimoperationen in Afghanistan" (26. Juli 2010)
Quelle: http://derstandard.at/1277338954403/US-Militaerakten-enthuellen-Geheimoperationen-in-Afghanistan

-.-

Quote
[...]

Quote
26.07.2010,
13:09 Uhr

    * (23)
    * (2)

Meine Meinung sagt:

Irgendwie verrückte Welt:

Die Medien, deren eigentliche und ALLEINIGE Aufgabe es ist, die Wahrheit zu berichten, hechelt seit mindestens 1 Jahr nur noch den politischen Blog (oder wikileaks) hinterher.

Und das auch nur dann, wenn der ganze Mist derart zu stinken anfängt, so das sich die Sache nun schon längst überholt ist!!!

Man muß sich immer wieder wundern, das der Mainstream, dessen einzige Einnahmequelle Informationen ist, SO WENIG INTERESSE AN ECHTEN INFORMATIONEN HAT?????


Quote
26.07.2010,
13:09 Uhr

    * (21)
    * (1)

Heiner sagt:

Wenn wir das alles wissen, warum holt dann niemand unsere Bundeswehr aus diesem Land?


Quote
26.07.2010,
13:15 Uhr

    * (17)
    * (3)

MP sagt:

Die negativen Meldungen in den Medien über den Krieg in Afghanistan nehmen zu, der Abzug der fremden Truppen ist damit absehbar.

So war es beim Vietnamkrieg, so wird es auch diesmal sein.

Und wieder werden die Hurrapatrioten viel Zeit zum Nachdenken haben.

Nun ja, genau genommen so lange, bis sie der nächsten Propaganda - Show auf den Leim gehen.


Quote
26.07.2010,
13:39 Uhr

    * (13)
    * (1)

niene sagt:

Was für ein Krieg???  Laut Politik bauen unsere Soldaten Schulen.  Oder???


Quote
26.07.2010,
13:43 Uhr

    * (8)
    * (0)

Fakten sagt:

...

Krieg ist nun mal keine "saubere Sache" wie man dem Volk immer glauben machen will. Es ist immer noch das gleiche Blutvergießen wie in den Jahrtausenden zuvor.


Quote
26.07.2010,
13:45 Uhr

    * (18)
    * (0)

Soldat aus Überzeugung sagt:

Dieser Einsatz ist von Grund auf widersinnig.

...

Der einzige Rufer in der Wüste, und das halte ich ihm sehr zugute, der das von vorneherein kapiert hatte, ist Herr Scholl-Latour. Aber der hat ja auch schon genug Kriege mitgemacht, um zu wissen, von was er redet, und hat nicht nur mit Panzern im Sand gespielt...


Quote
26.07.2010,
13:58 Uhr

    * (10)
    * (0)

Roland sagt:

Vielleicht hätten sie einfach nur mal die Russen fragen müssen!?


Quote
26.07.2010,
14:07 Uhr

    * (10)
    * (9)

Opferanwalt sagt:

Karsai ist eine von den USA installierte Marionette.

Keine 24h nach Abzug der Truppen haben die Taliban wieder die Macht und Karsai sitzt im Flieger ins Exil (USA).

...


Quote
26.07.2010,
14:08 Uhr

    * (4)
    * (9)

homunkulus sagt:

@ Damals wars

Es ist richtig, dass die USA seinerzeit Stinger an die Taliban geliefert haben, die im Kampf gegen die Russen aber noch als wackere Mujiahedin unterstützt und gefeiert worden sind.
Die Bestände an diesen Luftabwehrraketen dürften inzwischen erschöpft bzw. unbrauchbar sein, da die Batterien nur eine gewisse Lebensdauer haben - ausserdem wurde noch vorhandene Stinger über geheimdienstliche Kanäle für große Dollarsummen wieder zurückgekauft. Heute verwenden die Taliban hauptsächlich russische Strela-2 oder 3 (NATO Bezeichnung "Grail" bzw. "Gremlin"), die über ebenso undurchsichtige Kanäle ins Land kommen.


Quote
26.07.2010,
14:13 Uhr

    * (7)
    * (16)

Freiheit die ich meine ... sagt:

Wie schön, das das Internet doch noch ein wenig freie Meinung zu läßt und es den Menschen ermöglicht sich selbst ein Bild zu machen. - Wikileaks verdient einen Orden! - Hoffentlich kommen auch mal ein paar deutsche Dokumente über die Manipulationen der öffentlichen Meinung raus ... Oder die Veröffentlichung einer Steuersünder CD, damit jeder nachlesen kann wieviel Millionen sein Nachbar in der Schweiz hat.


Quote
26.07.2010,
14:30 Uhr

    * (2)
    * (8)

Uwe S sagt:

Und es stimmt doch, was höchstrichterlich (BVG) festgestellt wurde: Soldaten sind potenzielle Mörder! Es ist auch nichts Neues, was hier öffentlich gemacht wird. Dass der Westen hier vehement seine wirtschaftlichen Interessen unter Zuhilfenahme eines korrupten Regimes in Kabul verteidigt ist auch bekannt! Und dann zu behaupten, dass die afghanische Zivilbevölkerung die westlichen Soldaten mit offenen Armen als "Befreier" aufnimmt, ist übelste Baron-von-Münchhausen-Polemik! Aber was solls! Solange die Bevölkerungen der hier Angriffskrieg spielenden Nato- und sonstigen Staaten die Ernsthaftigkeit (Sofortiger Rückzug) nicht einfordern, solange wird munter weiter gemordet. Schämen sollen wir uns alle!


Quote
26.07.2010,
14:45 Uhr

    * (4)
    * (0)

No, we cannot sagt:

Bei Obama regt man sich jetzt auf - aber war es nicht Obama, der in seinem Wahlkampf immer von "Change" und "Transparency" gesprochen hat? Nun ist sie da, die Transparenz, doch nun gefällt sie ihm nicht mehr.


...


Kommentare zu: "Geheimoperationen fordern Hunderte zivile Opfer" ()
Quelle: http://www.welt.de/politik/ausland/article8649995/Geheimoperationen-fordern-Hunderte-zivile-Opfer.html

-.-

Quote
[...] Die Kriegsprotokolle erläutern ausführlich, dass:

– eine geheime „schwarze“ Spezialeinheit Taliban-Führer „tot oder lebendig“ ohne Gerichtsverfahren zur Strecke bringt.
– die USA Beweise vertuscht haben, dass die Taliban in den Besitz tödlicher Boden-Luft-Raketen gelangt sind.
– die Koalition zunehmend Reaper-Drohnen einsetzt, um Taliban von einem Stützpunkt in Nevada aus per Fernsteuerung zu jagen und zu töten.
– die Taliban durch eine massive Ausweitung der Bombenanschläge am Straßenrand für immer mehr Blutbäder sorgen, durch die bislang über 2.000 Zivilisten umgekommen sind.

Das Weiße Haus gab eine Erklärung ab, in der es heißt, das chaotische Bild, das durch die Protokolle entstehe, sei das Resultat der mangelhaften Ausstattung der Truppen unter Obamas Vorgänger. Im Wortlaut heißt es in der Erklärung: „Es muss festgehalten werden, dass die Zeitspanne, die in diesen Dokumenten berücksichtigt wird, sich von Januar 2004 bis Dezember 2009 erstreckt.“

Das Weiße Haus kritisierte darüberhinaus die Veröffentlichung der Akten durch Wikileaks: „Wir verurteilen aufs schärfste die Bekanntgabe geheimer Informationen durch Individuen und Organisationen, die das Leben der US-Soldaten und ihrer Partner sowie die nationale Sicherheit gefährden. Wikileaks hat keinen Versuch unternommen, die US-Regierung bezüglich dieser Dokumente zu kontaktieren, die womöglich Informationen enthalten, die das Leben von Amerikanern, unserer Partner und Teilen der Bevölkerung vor Ort, die mit uns kooperieren, gefährden.“

Die Protokolle erläutern detailliert, welchen Preis die Koalitionsstreitkräfte den Zivilisten auferlegen: Solche Zwischenfälle werden im Militärjargon als „blau oder weiß“ bezeichnet. Die Protokolle enthüllen 144 solcher Vorfälle.

Einige dieser Todesfälle sind auf die umstrittenen Luftangriffe zurückzuführen, gegen die die afghanische Regierung bereits protestierte. Eine große Zahl bislang unbekannter Vorfälle scheint jedoch das Resultat von Schüssen auf unbewaffnete Motorradfahrer zu sein, die Soldaten aus Angst vor Selbstmordattentätern abfeuerten.

Mindestens 195 Zivilisten sollen getötet worden sein, 174 verletzt, doch diese Zahl ist vermutlich zu gering, da viele umstrittene Vorfälle in den täglichen Kurzprotokollen der Truppen ausgelassen werden, die von den Analysten des militärischen Geheimdienstes, teilweise unstet, auf ihre Richtigkeit geprüft werden.

Zu den tödlichen Irrtümern auf Kosten der Zivilbevölkerung, wie sie in diesen Protokollen aufgezeichnet sind, zählt unter anderem jener Tag im Jahr 2008, an dem französische Truppen einen Bus mit Kindern unter Beschuss nahmen und acht von ihnen verletzten. Bei einem ähnlichen Vorfall wurden unter dem Beschuss von US-Truppen 15 Passagiere getötet oder schwer verletzt. 2007 griffen polnische Truppen ein Dorf mit Granaten an und töteten, offensichtlich im Rahmen eines Vergeltungsschlags, eine Hochzeitsgesellschaft, darunter auch eine Schwangere.

Auch fragwürdige Erschießungen von Zivilisten durch britische Truppen tauchen in dem Bericht auf. Im Oktober und November 2007 fällt eine ungewöhnliche Häufung von vier britischen Feuergefechten in Kabul innerhalb von weniger als einem Monat auf, die in dem Tod des Sohns eines afghanischen Generals kulminierten. Über eines der Feuergefechte schrieben die Amerikaner: „Untersuchung wird von den Briten kontrolliert. Wir sind nicht in der Lage, die ganze Geschichte zu bekommen.“

Zwei ähnliche Feuergefechte, an denen jeweils Kommandotruppen der Royal Marines beteiligt waren, ereignete sich innerhalb von sechs Monaten Ende 2008 in der Provinz Helmand, wie aus Protokolleinträgen hervorgeht. Auf Anfrage des Guardian erklärte das britische Verteidigungsministerium zu diesen Vorwürfen: „Wir waren nicht dazu in der Lage, diese Vorwürfe in der Kürze der Zeit zu bestätigen, und es wäre unangemessen über einzelne Fälle ohne eine weitere Verifizierung der mutmaßlichen Handlungen weiter zu spekulieren.“

Rachel Reid, die für die Organisation Human Rights Watch Fälle, in denen es zu zivilen Opfern kommt, untersucht, erklärte: „Diese Akten bringen Licht in die Vertuschung ziviler Opfer, wie sie die Streitkräfte der USA und der NATO zunehmend praktizieren. Trotz einer ganzen Reihe von strategischen Anordnungen, die transparente Untersuchungen vorschreiben, wenn Zivilisten getötet werden, gab es Vorfälle, die ich in den vergangenen Monaten untersuchte, wo dies bis heute nicht geschieht. Rechenschaftspflicht bedeutet nicht, dass man etwas zugibt, wenn man erwischt wird. Sie sollte ein fester Bestandteil der Handlungen der USA und der NATO in Afghanistan sein, wenn Zivilisten getötet oder verletzt werden.“ Die Berichte, von denen der Guardian viele Online in voller Länge veröffentlicht, zeigen ein ungeschminktes Bild der Realität des modernen Krieges.

Das Material ist größtenteils nicht mehr militärisch vertraulich, auch wenn es seinerseits als „geheim“ eingestuft wurde. Ein kleiner Teil wurde von uns nicht veröffentlicht, da er Informanten vor Ort gefährden oder echte Militärgeheimnisse preisgeben könnte. Julian Assange, der Kopf der Organisation, war nicht bereit über die Umstände zu sprechen, unter denen Wikileaks an das Material gelangt ist. Wikileaks erklärte, man werde schädliches Material editieren, bevor der Großteil der Unterlagen auf seinen „unzensierbaren“ Servern veröfffentlicht werde.

Assange erteilte dem Guardian auf dessen Anfrage die Erlaubnis, die Protokolle zu untersuchen. Weder floss Geld, noch war Wikileaks in irgendeiner Weise an der Erstellung der Guardian-Artikel beteiligt.


Aus: "Ein Bild des Scheiterns"
Afghanistan | 26.07.2010 14:35 |  Nick Davies und David Leigh
Übersetzung: Christine Käppeler
Quelle: http://www.freitag.de/politik/1029-titel-titel


Bestürzende Gesamtschau
Afghanistan-Dossier | 26.07.2010 16:13 |  Ulrike Winkelmann
Auf den ersten Blick bieten die Afghanistan-Protokolle wenig Neues. Doch auch für den Krieg am Hindukusch gilt: Es gibt einen Unterschied zwischen Vermutung und Beleg
http://www.freitag.de/politik/1029-nur-die-schlimmsten-befuerchtungen-werden-bestaetigt

-.-

Quote
[...]


Quote
Hanny10 schreibt

Die Wahrheit kann warten sie hat ein langes Leben!!

Nichts bleibt im Verborgenen nichts ist mehr geheim.
Guttenberg muss darauf reagieren um unsere Soldaten zu schützen ob er will oder nicht.
In diesem Land hat die Bundeswehr nichts mehr verloren unsere Soldaten sind quasi nur noch Kanonenfutter mit sehr schlechter Ausrüstung.

Deutschlands Politiker 442 an der Zahl haben einem Mandat zugestimmt und erweitert das nachhinein gegen unsere Verfassung und GG verstößt.

Denn Deutschland ist in einem Krieg verwickelt der vom Deutschen Volk nicht gewollt ist.
Wenn Soldaten in Humaner Mission sind kann man eigentlich nicht von Schlechter Kriegsausrüstung reden richtig?
Köhler hat in seinem Interview verhalten über den Einsatz unserer Soldaten in Afghanistan geredet.

Köhler hatte zu viel aus dem Nähkästchen geplaudert darum ist er gegangen worden.
Die Realität dank Enthüllung von Wikileaks und Offenlegung der Geheim-Protokolle über Afghanistan sieht gefährlich anders aus.

Ich bin einmal gespannt wenn die ersten deutschen Soldaten und Generäle vor ein Tribunal erscheinen müssen und wegen Kriegsverbrechen angeklagt werden.

Also aufgepasst Herr Guttenberg (Verteidigungsminister) Sie haben die volle Verantwortung.
Holen sie unsere Jungs nach hause. Sonst wird Deutschland in einer Tragödie Enden.
Jeder normal denkender Bürger kann diese Politik nicht gut heißen zumal Deutschland gebrandmarkt ist.

Dieser Kommentar wird von 0% unserer 0 Leser als schlecht gesehen, und von 0% als gut. Wie sehen Sie das?

26.07.2010


Quote
Sindimindi schreibt

Schönreden hilft jetzt nicht mehr:

Der Einsatz ist nicht mehr tragbar! - die angeblich nur in "Friedensmission" tätigen deutschen Soldaten arbeiten mit amerikanischen Killerkommandos zusammen.Leute, die bewußt töten, auch wenn es Unschuldigen das Leben kostet. Damit setzen wir Deutsche uns dem Haß der Fanatiker und Islamisten aus. Anschläge sind nur noch eine Frage der Zeit! - wenn dann was passiert, liegt die Schuld aber in erster Linie bei unserer gewissenlosen und vorallem ignoranten Regierung und der Vorgängerregierung!
Raus aus Afghanistan, bevor es zu spät ist!


Quote
#  isarschwimmer

Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen.

Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB



Quote
Phaeno schreibt Offensichtlich...

... sind wir in den letzten Jahren von jeder beteiligten Regierung von vorne bis hinten belogen worden, mit all dem Gewäsch von Schulen bauen und Brunnen bohren. Es wird deutlich, dass diejenigen politikunfähig sind, die diesen verfassungswidrigen Krieg befürworten. Drum war es auch richtig, keinen Präsidenten zu wählen, der kriegerische Handlungen außerhalb des Verteidigungsfalles befürwortet.
Dass dabei auch Kriegsverbrechen in erheblichem Umfang vorkommen, war dem Denkenden unter den Bürgern schon längst klar, dass deutsche Truppen an diesen Verbrechen beteilligt sind, ebenso. Dazu waren "Geheimdokumente" völlig unnötig.
Es fragt sich nun, was noch alles passieren muss, bis das deutsche Volk diesen Irrsinn endlich beendet.

Kommentar wird von 0% unserer 1 Leser als schlecht gesehen, und von 100% als gut. Wie sehen Sie das?

26.07.2010


Quote
SamLeeRaven schreibt

And the news is?

Ich sehe hier nichts, das nicht bereits bekannt wäre. All das, was hier als geheim verkauft wird, habe ich bereits hier oder in anderen Zeitungen gelesen.
Ich stelle mir daher die Frage, welchen Nutzen hat die Veröffentlichung dieser "Dokumente"?

...


Quote
alsonochmals schreibt großartiges Wikileaks

Das ist ein guter Tag für Demokratie und Transparenz und ein schlechter Tag für alle Lügner und Kriegstreiber.


Kommentar wird von 0% unserer 1 Leser als schlecht gesehen, und von 100% als gut. Wie sehen Sie das?

26.07.2010


Quote
KatzeausdemSack schreibt weg damit

Bezahlen dürfen die Bürger die Kriege, "Geheiminformationen" lesen nicht. ....

Kommentar wird von 0% unserer 1 Leser als schlecht gesehen, und von 100% als gut. Wie sehen Sie das?

26.07.2010





Kommentare zu: "Enthüllung von Wikileaks Geheime Afghanistan-Protokolle offengelegt" (26.07.2010)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/enthuellung-von-wikileaks-geheime-afghanistan-protokolle-offengelegt-1.979452?commentspage=4#kommentare

-.-

Quote
[...] Ebenfalls seit Langem bekannt ist, dass die USA und andere Länder in Afghanistan Elitetruppen einsetzen und mit ihrer Hilfe Top-Taliban jagen. Dank der veröffentlichten Akten fällt der Fokus dabei nun aber auf die geheim operierende US-Einheit Task Force 373. Sie hat den Auftrag, Taliban-Führer und andere Kriminelle gefangen zu nehmen oder zu töten. Seit Sommer 2009 sind auch 300 Mann der Truppe in Masar-i-Scharif auf dem Gelände des deutschen Feldlagers Camp Marmal stationiert und führen von dort aus gezielte Tötungsaktionen durch. Die veröffentlichten Dokumente geben erstmals Zeugnis über die Arbeit dieser Geheimtruppe.

[...] Die Dokumente behandeln den Zeitraum von 2004 bis 2009, decken also nicht den Strategie-Wechsel unter Barack Obama ab. Wie dessen Neuausrichtung des Einsatzes – mehr Soldaten und mehr militärische Mittel bei gleichzeitiger Einbindung lokaler Machthaber – von den Soldaten aufgenommen wird, lässt sich aus den Wikileaks-Dokumenten nicht ablesen. Nichtsdestotrotz wird sich die US-Regierung unangenehme Fragen anhören müssen: Welche Strategie verfolgen die diversen Eliteeinheiten heute?

[...] Allein für die Afghanen ändert die Veröffentlichung zunächst einmal gar nichts. Ihre Sicherheitslage bleibt in vielen Teilen des Landes weiter unverändert bedrohlich.

[...] Den Vorwurf des US-Militärs, man gefährde mit der Veröffentlichung geheimer Militärdaten die nationale Sicherheit, entgegnet Wikileaks-Vertreter Daniel Schmitt: "Wie diese Dokumente ja auch zeigen, sind es ganz andere Stellen, die eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen." Man wolle dazu beitragen, die Sicht auf die wahren Risiken zu lenken.

Sicher ist: Würde das Pentagon die Macher von Wikileaks in die Finger bekommen, bliebe es sicherlich nicht bei einem freundlichen Gedankenaustausch. Schon vor Jahren befasste man sich in einem internen Strategie-Papier damit, wie man den Geheimnisverrätern am besten das Handwerk legen könnte.

In die USA sollte man als Wikileaks-Aktivist daher jetzt eher nicht mehr einreisen, sagt Schmitt. In den USA selbst gibt es keine Wikileaks-Mitarbeiter. Der Gründer der Seite, Julian Assange, befindet sich derzeit in Großbritannien und fühlt sich dort sicher: "Wir erfahren hier in Großbritannien enorme Unterstützung, sowohl politisch, von der Community und den Journalisten." Er könne sich nicht vorstellen, hier festgenommen oder gar inhaftiert zu werden. "Das würde die politische Führung in diesem Land nicht tolerieren", glaubt er.

In einem Strategie-Papier von 2008 schrieb das Pentagon, dass es vor allem das Ziel sein müsse, das Vertrauen in Wikileaks zu untergraben. Einen vermeintlichen Informanten von Wikileaks hat das US-Militär bereits zu fassen bekommen, allerdings nicht durch eigene Ermittlungen, sondern weil der junge Mann namens Bradley Manning  sich mit einem bekannten Hacker über seine Taten austauschen wollte, der ihn jedoch ans FBI verriet. Der mutmaßlichen Quelle des Collateral-Murder-Videos  drohen jetzt bis zu 52 Jahre Haft. Rein technisch betrachtet hat das FBI keine Chancen, die Quelle hinter der jüngsten Veröffentlichung zu ermitteln, das kann Wikileaks garantieren.

Quote
    * 27.07.2010 um 0:35 Uhr
    * WiKa

Präventivtötung, der neue Weg zur Demokratie?

Die Berichterstattung rund um diese Enthüllungen offenbart die reine Perversion die da im Gange ist. da schließen sich eine Menge Fragen an. Insbesondere, ob unsere Politiker (auch die deutschen werden da nicht gänzlich ahnungslos gewesen sein) detailliertere Kenntnisse über diese Einsätze hatten.

Sind Präventivtötungen der neue Weg zum Frieden? Diese Frage werden sich wohl allerhand Politiker gefallen lassen müssen. Hier, wie auch in den Staaten. Wenn jetzt in den nächsten Tagen kein größeres Entsetzen passiert und auch dramatisch korrigiert wird, dann sollte sich der Bürger irgendwann darauf einrichten solche Praktiken im eigenen Staate wiederzufinden. Oder besser ausgedrückt, die Demokratie abschreiben.

Waren es nicht die USA die stets mit erhobenem Zeigefinger auf Despoten zeigten die derlei Methoden angewendet haben? Und was sehen wir jetzt, die USA in der ersten Liga beim „Killing around the World". Super. Mustergültig und wegweisend für die Weltpolizei. Nach ein bisschen Folter jetzt auch präventiv Leute vom Erdboden verschwinden lassen.

...


Quote
    * 27.07.2010 um 0:39 Uhr
    * Kleinempfaenger

Weiter so!

Wikileaks hat sich einmal mehr für den Friedensnobelpreis qualifiziert. Man kann ihre Verdienste gar nicht hoch genug bewerten. Vor unseren Augen findet gerade eine mittelschwere Revolution in Sachen Transparenz statt.



Quote
    * 27.07.2010 um 1:46 Uhr
    * nachtgedanken

Und wir machen da mit

Es gab warnende Stimmen. Man konnte sich über den Misstand informieren. Peter Scholl-Latour, Dr. Erös, Chrisoph Hörstel und noch viele andere haben darüber geschrieben und berichtet. Warum sind wir in Afghanistan? Wir gehören da nicht hin und die letzte Gutwilligkeit der Bevölkerung wird kaputt gemacht dadurch, dass die Amerikaner in dem den Deutschen zugeteilten Gebieten wildern. Die Afghanen haben kein Vertrauen mehr zu Uniformierten, wer kann es ihnen verdenken.


Quote
    * 27.07.2010 um 3:41 Uhr
    * sane

Wie naiv kann man sein?

... Seit den ganzen Skandalen von überwachten Journalisten ist WikiLeaks die letzte Bastion der freien Information. Und eben wegen dieser Überwachung sind die westlichen Regierungen an der Entstehung nicht unschuldig, sie haben es geradezu herausgefordert.



Quote
    * 27.07.2010 um 2:35 Uhr
    * LJA

Transparenz ?

Wo sehen Sie die denn ? Wir wessen weder, von wem und mit welcher Motivation diese Unterlagen durchgesteckt werden, noch können wir Aussagen über Vollständigkeit, Vorabauswahl oder mögliche Manipulationen machen.
Offenbar handelt es sich hier um Informationen, die von interessierter Seite zur Verfügung gestellt wurden. Aber von welcher Seite und mit welchem Interesse ? Transparenz sieht anders aus.
Wirklich beeindruckt wäre ich, wenn von Wikileaks demnächst detaillierte Berichte darüber veröffentlicht werden, wie in Afghanistan kleine Mädchen umgebracht werden, nur weil sie es wagten, zur Schule zu gehen. Oder den Plan darüber, welches Land denn nach Afghanistan als nächstes eine zwangsbeglückende Islamistisierung durch die Taliban erfahren soll. Aber ich vergaß... Das wäre politisch nicht korrekt. Die Bösen sind wir und auf der anderen Seite stehen ja angeblich nur mutige Widerstandskämpfer gegen unseren Imperialismus.


Quote
    * 27.07.2010 um 5:49 Uhr
    * Kleinempfaenger

@LJA Wenn das Weltbild ins Wanken gerät

Schauen Sie doch einfach mal in diese Dokumente hinein, dann werden sie sehen, was mit den kleinen Mädchen passiert: Sie werden von Bomben zerfetzt. Von wem und im Namen welcher Wahnvorstellung sie abgefeuert werden ist eher nebensächlich.
"Interessen"? Möglich dass es die gibt, vor allem im Hinblick auf Obamas Präsidentschaft. Aber wissen Sie, das ist Tagespolitik. Als wesentlich wichtiger würde ich die zum Ausdruck kommende Perversität der Machtmaschinerie bewerten, die vielleicht erstmalig in dieser Grössenordnung relativ zeitgleich mit den Ereignissen der Öffentlichkeit zugänglich wird.
"Vollständigkeit"? Die Sammlung ist tatsächlich vorab zensiert worden, wie Wikileaks selbst angibt. Man darf also getrost davon sprechen, dass wir hier nur die Spitze des Eisberges sehen. Wollen Sie das als mildernde Umstände gelten lassen, oder doch eher als das Gegenteil?
Im Übrigen ist die Sammlung gigantisch. Ich hab einige Dokumente gelesen, aber es ist doch eher was für Profis, die sich in den nächsten Monaten durcharbeiten werden. Anschliessend werden Sie die Ergebnisse überprüfen können und es zeichnet sich ab, dass die Realität düsterer ist, als so manche Verschwörungstheorie.


Quote
    * 27.07.2010 um 8:14 Uhr
    * Hräswelger

Dass es zur verdeckten Jagd auf maßgebliche Kräfte der

Taliban und Al Qaida kommt, mit dem Ziel der Tötung, ist hinlänglich bekannt. Wen irritiert das?

Man betrachte Ursache und Wirkung:
Die Al Qaida und Taliban kämpfen verdeckt mit allen Mitteln, die Gegner antworten adäquat!

Es ist ja nicht so, das bei Nichtanwendung dieser Taktik die Al Qaida und Taliban ihrerseits zu einem offenen Kampf übergingen.

P.S.: Natürlich ist Claudia Roth "empört" und "betroffen", ob der "US-Menschenjagden". So möchte sie ihre Befürwortung zum Krieg nicht verstanden wissen.

Sollten doch nach ihrem Verständnis unsere Soldaten mit dem Charakter des "THW" den Krieg in Afghanistan gestalten.

Da hat man sie aber getäuscht!! Mit ihrer Regierungsbeteiligung gäbe es aber nun mächtig Zoff mit den AMIS! Hohn!


Quote
    * 27.07.2010 um 9:04 Uhr
    * wulewuu

Dokumente über den täglichen Wahnsinn dieses Krieges

Diese Dokumente sind eine Fundgrube für Historiker. Schon ein kurzer Einblick zeigt, wie verwirrend komplex dieser Krieg ist, wie verschiedenste Fraktionen Privatkriege führen um Macht und Geld, wie neue Waffensysteme, neue Terrorstrategien ungehindert, real ausprobiert werden. Man kann die allgegenwärtige Korruption mit Händen fassen, spüren wie sie geschürt von den ungeheuren Kapitalzuflüssen der amerikanischen und der Nato Kriegsmaschinerie anwächst, sich weiter in jeden Teil des Lebens einschleicht, dazu die Zersetzung der Gesellschaft mit allgegenwärtigem Rauschgift.

Die Leiden und die Zukunft des "einfachen Volkes" interessieren niemanden.

Diese Dokumente von Wikileaks sind zutiefst subversiv. Sie werden zu Recht von den militärischen Führungen aller beteiligten Parteien gefürchtet.



Aus: "Dokumente direkt aus dem Kriegsgeschehen"
Von Steffen Richter | Tina Klopp (26.7.2010 )
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-07/afghanistan-Wikileaks-dokumente

« Last Edit: July 27, 2010, 08:46:33 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
Pages: 1 ... 25 26 [27] 28 29 ... 32   Go Up
  Print  
 
Jump to:  

Powered by MySQL Powered by PHP Powered by SMF 1.1.15 | SMF © 2011, Simple Machines Valid XHTML 1.0! Valid CSS!