COMMUNICATIONS LASER #17
February 08, 2012, 10:04:17 PM *
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Author Topic: [Depressionen, Essstörungen, Auffälligkeiten...]  (Read 2099 times)
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« on: February 01, 2007, 11:53:43 AM »

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[...] Kassel (AP) Immer mehr Schüler in Deutschland leiden an Depressionen, Essstörungen und Verhaltensauffälligkeiten. Aber viel zu selten werden diese Probleme tatsächlich auch erkannt und angegangen, wie Experten am Mittwoch auf der Fachtagung «Schule und Seelische Gesundheit» in Kassel beklagten. «So leiden bis zu zehn Prozent aller Schüler in einer Klasse unter einer Aufmerksamkeitsstörung, der ADHS», sagte Günter Paul, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters in Kassel.

Gerade Suchterkrankungen und Essstörungen stiegen seit Ende der 80er Jahre



Aus: "Immer mehr Schüler psychisch krank" (31. Januar 2007)
Quelle: http://de.news.yahoo.com/31012007/12/schueler-psychisch-krank-erste-zusammenfassung.html

« Last Edit: July 10, 2008, 02:37:20 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #1 on: March 06, 2007, 12:02:50 PM »

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[...] Frankfurt/Main - Viele Todesfälle vernachlässigter Kinder haben die Öffentlichkeit schockiert. Im Zentrum der Wahrnehmung steht dabei stets die körperliche Misshandlung. Dabei ist es gerade um die seelische Gesundheit deutscher Kinder schlecht bestellt.

«18 Prozent aller Kinder im Vorschulalter weisen diagnostizierbare Verhaltensauffälligkeiten auf», berichtete Prof. Klaus Fröhlich- Gildhoff auf einer Tagung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten (bkj). Zu den häufigsten Störungen gehörten Aggressivität, Konzentrationsschwächen, Unruhe, Ess- oder Schlafstörungen, aber auch oft Ängste und Depressionen.

Einer Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge verschiebt sich das Krankheitsbild bei Kindern und Jugendlichen derzeit von akuten zu chronischen Krankheiten sowie von körperlichen zu psychischen Störungen. Für die so genannte BELLA-Studie wurden 2863 Familien befragt. Danach lagen bei 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen zumindest Hinweise auf psychische Auffälligkeiten vor, 10 Prozent wurden im engeren Sinn als psychisch auffällig eingestuft.

«Mindestens ein Viertel aller Kinder leben in Umständen, die nicht kindgerecht sind», sagt Wolfram Hartmann, der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Der Verband tagte am Wochenende in Weimar. Dazu zählt Hartmann Mütter mit oft wechselnden Partnern oder überforderte Alleinerziehende, Drogenprobleme, Arbeitslosigkeit oder Geldnöte, aber auch übermäßigen Fernsehkonsum. «Das alles macht die Kinder krank.»

Aber die Risikofaktoren für psychische Erkrankungen lauern nicht nur am Rande der Gesellschaft. Überforderte oder verunsicherte Eltern gibt es in allen Schichten: «Viele Eltern haben zum einen nicht mehr genug Erziehungswissen, zum anderen trauen sie sich nicht in die notwendigen Konflikte zu gehen», konstatiert Albert Matthias Fink, Sozialpädagoge aus Köln.

«Wie können wir Kindern helfen, die keine blauen Flecken oder gebrochene Gliedmaßen haben, aber in ihrer Psyche schwer verletzt werden?», fragt Diplompsychologin Marion Schwarz aus dem hessischen Bad Schwalbach.

[...] Die bundesweit etwa 3000 Psychotherapeuten für Kinder und Jugendlichen würden sich bei vorbeugenden Hilfsangeboten gern einbringen, aber das Psychotherapeutengesetz bindet ihnen die Hände, indem es ihnen nur die Behandlung von Krankheiten erlaubt. Völlig unverständlich findet Wetzorke zudem, dass bei den Vorsorge- Untersuchungen des Kinderarztes (U1-9) psychosoziale Aspekte überhaupt nicht berücksichtigt werden. «Wenn das Kind nicht krabbeln kann, dann schickt der Arzt es zum Orthopäden. Genauso sollte er ein Kind, das psychisch auffällig ist, zu einem Therapeuten schicken.»

Die Kinderärzte bestreiten dieses Defizit nicht: «Körperliche Aspekte werden zu stark, seelische zu wenig beachtet», stimmt Kinderarzt Hartmann den Therapeuten zu. Grund seien die falschen Prioritäten der Gebührenordnung: «Die technische Medizin wird bezahlt, die verbale nicht.» Eine Neuordnung der Vorsorge- Untersuchungen sei längst überfällig, die Aktualisierung stecke jedoch seit Jahren in den Mühlen der Bürokratie fest.

[BELLA-Studie: www.kiggs.de]


Aus: "Seelische Erkrankungen bei Kindern nehmen zu" (ERSTELLT 05.03.07)
Quelle: http://www.ksta.de/html/artikel/1172183800007.shtml


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« Reply #2 on: March 17, 2007, 10:37:12 PM »

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[...] Paris (RP). Eigentlich hätte Bernard F. am Morgen des 26. Februar seinen Dienst in der Leitzentrale des Atomkraftwerks von Avoines in Westfrankreich antreten sollen. Aber der dreifache Familienvater, seit zehn Jahren in dem Kraftwerk beschäftigt, erschien nicht. Man fand ihn später tot in seinem Ferienhäuschen - Selbstmord. Seinen Abschiedsbrief hatte Bernard F. an seinen Arbeitgeber adressiert, den staatlichen Stromkonzern EDF. Es handelte sich bereits um den dritten Selbstmord unter den AKW-Angestellten binnen sechs Monaten.

[...] Die makabere Suizid-Serie bei den Atomstromern ist kein Einzelfall. Im Februar waren die Franzosen bereits durch eine ähnliche Häufung von Selbstmorden beim Autokonzern Renault aufgeschreckt worden. Ausgerechnet im ultramodernen, lichtdurchfluteten Renault-Entwicklungszentrum bei Paris nahmen sich innerhalb von nur vier Monaten drei Mitarbeiter das Leben. Der Ingenieur Raymond D. (38), Vater eines fünfjährigen Sohns, hatte sich in seiner Wohnung aufgeknüpft. Auch er hinterließ eine Klageschrift gegen die Arbeitsbedingungen in seinem Unternehmen. Zuvor war bereits einer seiner Kollegen aus dem fünften Stock des Bürogebäudes gesprungen. Ein anderer hatte sich in einem Zierteich auf dem Firmengelände ertränkt.
 Die drei waren Mitarbeiter eines Teams, das auf Anordnung des neuen Renault-Chefs Carlos Ghosn in kürzester Zeit 26 neue Modelle entwerfen soll.

[...] Einige der betroffenen Unternehmen haben bereits versprochen zu reagieren. Renault-Chef Carlos Ghosn, der von einem der Lebensmüden persönlich für seine verzweifelte Lage verantwortlich gemacht worden war, will ein Suizid-Vorbeugeprogramm für seinen Konzern ausarbeiten lassen. Einstweilen wurde im Renault-Entwicklungszentrum ein Stab von Psychologen eingerichtet, die sich um die gestressten Ingenieure kümmern sollen. Ähnlich beim Stromkonzern EDF, wo Arbeitsmediziner neuerdings auch die seelische Verfassung der Angestellten untersuchen. Für EDF nicht nur eine moralisch, sondern auch juristisch höchst bedeutsame Frage: Unlängst hatte die zuständige Berufgenossenschaft den Selbstmord eines Mitarbeiters im AKW von Avoines als "arbeitsbedingt" eingestuft.


Aus: "Die Hölle am Arbeitsplatz: Selbstmordserie in der Industrie erschüttert Frankreich" (17.03.2007)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/politik/ausland/418698

-.-

Quote
[...] Weil er Probleme am Arbeitsplatz hatte, schoss ein Züricher Anlageberater im Juli 2004 zwei seiner Vorgesetzten in den Kopf. Anschließend ging der 56-Jährige in sein Büro und tötete sich selbst. "Es ist ein großer Fehler zu sagen, das sind Einzelpersonen", meinte der Tiroler Kriminalpsychologe Thomas Müller. Fälle von Gewalt am Arbeitsplatz - wenn auch nicht mit tödlichen Folgen - gehen "exorbitant nach oben", sagte der Bestsellerautors anlässlich des "3. Information-Security-Symposium" in Wien.


Aus: "Probleme entladen sich zunehmend am Arbeitsplatz: Gewaltfälle gehen nach oben" (03/2007)
Quelle: http://www.networld.at/index.html?/articles/0713/35/168910.shtml

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[...] Dramatische Stunden in Detroit: Ein entlassener Wirtschaftsprüfer hat sich Zugang zum Bürogebäude seines ehemaligen Arbeitgebers verschafft und dort um sich geschossen. Zwei Menschen kamen ums Leben, ein weiterer wurde schwer verletzt. Die Polizei stellte den Täter schließlich.

Chicago - Der Täter war nach Angaben der Polizei wütend darüber, dass er in der vorigen Woche entlassen worden war. Lokalen Zeitungen zufolge hatte die Firma in einem Vorort von Detroit im US-Bundesstaat Michigan zwar die Türschlösser ausgewechselt, der 38-jährige gelangte gestern dennoch in die Büroräume und schoss dort um sich.


Aus: "AMOKLAUF: Entlassener Angestellter erschießt zwei Kollegen" (10. April 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,476321,00.html

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Quote
[...] Jahrelang leiden sie still und leise vor sich hin. Dann kommt der Tag, an dem resignierte Mitarbeiter ausrasten und sich aufgestauter Frust entlädt. Gewalt am Arbeitsplatz: 22 Fälle mit Toten und Schwerverletzten wurden bislang bekannt, die Dunkelziffer ist höher.

Stets erscheint Stefan A. korrekt in Anzug und Krawatte zur Arbeit - bis der stellvertretende Abteilungsleiter einer Möbelabteilung eines Tages zum Amokläufer wird. Ganz in Weiß gekleidet, betritt der damals 24-Jährige die Marketingabteilung mit einem 80 Zentimeter langen Samurai-Schwert. Er will sich von der obersten bis zur untersten Etage seiner Firma durcharbeiten, wird er später im Prozess aussagen. Er hat sich immer benachteiligt gefühlt. Seine Opfer kennt er nur flüchtig.

Seiner Kollegin Christl von der Gathen trennt er den rechten Arm mit dem Schwert ab. Die Schwerverletzte muss mit ansehen, wie der bis dahin unauffällige Stefan A. drei Mitarbeiter niedermetzelt und eine junge Frau tötet. "Dann stehe ich zwischen Schreibtisch und Schrank und höre die Anderen schreien oder rufen und sehe meine linke Hand, die so quer gespalten war und ein bisschen hoch gegangen ist und dann auch die rechte Hand, die so nach unten hing."
 
Auch fast vier Jahre nach dem Vorfall kann von der Gathen ihren rechten Arm nur mit Mühe bewegen. Was Stefan A. zu der Tat bewegte, kann sie ebenso wenig begreifen wie ihre Kollegen. Jens Hoffmann, Leiter des Instituts für Psychologie und Sicherheit an der TU Darmstadt, bescheinigt Amokläufern eine lang verborgene Wut und einen schwachen Selbstwert. Eines Tages wollten sie es der Welt zeigen. Dann laufe eine Art angeborener "Jagdmodus der Gewalt" ab - kühl, berechnend und zielgerichtet: "Wenn sie mal anfangen damit, lassen sie sich sehr, sehr selten stoppen."

[...] Experten sehen als Ursache für das Phänomen den flexibilisierten Arbeitsmarkt: befristete Arbeitsverträge, Leiharbeiter, Mini-Jobber, Dauer-Praktikanten und nicht zuletzt eine Hire-and Fire-Politik. Das Klima ist rauer geworden, der Konkurrenzkampf um Arbeitsplätze brutaler. Das womöglich lebenslange Angestelltenverhältnis, die traditionelle Übereinkunft zwischen Arbeitnehmer und -geber, Engagement und Loyalität für einen sicheren Arbeitsplatz zu tauschen, gibt es immer seltener.


Aus: "Wenn Kollegen durchdrehen: Immer mehr Gewalt am Arbeitsplatz" von Christian Esser und Birte Meier (09.04.2007)
Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/7/0,1872,5261351,00.html

« Last Edit: April 11, 2007, 02:58:58 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #3 on: March 26, 2007, 12:28:03 PM »

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[...] Nachts holen sie ihn ab. Seit 23 Jahren. Die Feldjäger, vor seinem Haus. Hört man nicht ihr Rufen? Seine Männer warten auf ihn. Es ist Krieg! Und er will ihn nicht schon wieder verlieren.

Manchmal hält sich Harald Linde (Name geändert) für einen Soldaten in der Schlacht. Wenn er über die hellen, freundlichen Flure der Klinik schlendert, fällt das nicht weiter auf. Er trifft auf Menschen, die sich mit Toten unterhalten. Auf eine Dame, die gerade Roy Black „Guten Tag“ sagt. Oder er läuft einem manisch-depressiven Rentner über den Weg, der sich von einem Hochhaus stürzen wollte. Der fest davon überzeugt war, fliegen zu können.

Harald Linde ist Dauerpatient in der Psychiatrie des St. Marien-Hospitals in Hamm. Ein Ort, an dem der Wahnsinn Methode hat. Die psychiatrischen „Betreuungsfälle“ haben sich in den vergangenen 15 Jahren in Deutschland vervierfacht – mehr als eine Million Menschen sind entmündigt. Und die Zahl der Zwangseinweisungen in Psychiatrien hat sich seit 1992 verdoppelt. Mehr als fünf Millionen kämpfen gegen Depressionen oder Ängste. Allein 800 000 sind schizophren. Andere leiden unter Psychosen und Wahnvorstellungen.

Die psychologische Psychotherapeutin Ulrike Wiegard begegnet dem „Wahnsinn“ mit einem professionellen und herzlichen Sanftmut. Sie nennt ihren Patienten Harald Linde einen „Helden des Alltags“. Der kräftige Mann mit den Locken sitzt im Büro der Doktorin und bebt. Starrt auf das Ringen seiner Hände, als gehörten sie einem anderen. In seinem Blick, der ständig Richtung Fenster flüchtet, toben Schlachten. Die ersten Schüsse fielen 1983 während der Grundausbildung bei der Bundeswehr. Mitten im Platzpatronen-Gefecht konnte Linde nicht mehr unterscheiden, was Übung und was Ernstfall ist. Redeten die Feldwebel nicht immer von ihm?

Lindes Worte trotzen seinem nervösen Atem. Der kräftige Mann spricht in reichen Bildern, setzt Pausen und scheint zu horchen. Es wirkt, als warte er auf ein Echo, eine Antwort. Immer wieder fragt er, ob man ihn verstehe, als erzähle er durch eine Wand. Davon, wie er es als 19-jähriger Rekrut nicht länger aushielt. Plötzlich Befehle schrie, seine Kameraden kommandierte. Ein Schalter legte sich um. Etwas, das bei anderen hält, ging entzwei. In der Klinik versucht er nun, etwas von seinem alten Leben vor der Bundeswehr wieder aufzunehmen.

Überall im Gebäude riecht es nach Orangen. Das Putzmittel soll die Patienten nicht an Krankenhäuser erinnern.

Harald Linde war verwundbarer als die Masse, es reichte schon Übungsmunition. Nach seinem „Ausraster“ wurde er aus der Armee entlassen. „Ich war der Versager der Kompanie“, sagt er und die Scham darüber verkantet seine Züge. Er verlor seinen Job und seine Partnerin. Der Krieg ist geblieben, in ihm. Linde ist manisch-depressiv, seine Traurigkeit schlägt in Gefühle von Allmacht um. Bis heute fühlt er manchmal wie ein Soldat. Wenn er Schüsse hört, wenn er Militärfahrzeuge sieht, geht es wieder los.


Aus: "Reportage: Wo der Wahnsinn wohnt" - Immer mehr Deutsche werden einfach „verrückt“ und landen in der Nervenklinik. Zu Besuch in einer Psychiatrie - Von FOCUS-Redakteur Tim Pröse (25.03.07)
Quelle: http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/news/tid-5389/reportage_aid_51547.html

« Last Edit: March 27, 2007, 08:16:24 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #4 on: April 16, 2007, 12:26:29 PM »

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[...] Lindau (ddp). Mit einer Pistole bewaffnet hat ein maskierter Jugendlicher im Landkreis Lindau in Bayern mehrere Autofahrer bedroht und zum Anhalten gezwungen. Alarmierte Zivilpolizisten stellten den mit militärischem Tarnanzug, schwarzer Sturmhaube, Brille und Helm verkleideten Täter am Freitagabend und bewegten ihn dazu, seine Waffe niederzulegen,
wie die Polizei am Samstag mitteilte. Erst als ihm die Beamten den Helm und die Sturmhaube abgenommen hatten, erkannte sie, dass es sich um einen Jugendlichen handelte. Die Pistole mit fünf Patronen hatte er aus dem Nachtkästchen seines Vaters entwendet. Zudem war er mit mehreren Messern, einem Wurfstern und einem Schlagring bewaffnet. Außerdem trug der 14-Jährige eine Handgranaten-Attrappe und ein Funkgerät bei sich. Der Hintergrund und das Motiv für sein Verhalten sind nach Polizeiangaben noch unklar. Der Junge sei bislang absolut unauffällig gewesen, ein guter Schüler, Sportler und Musiker. Die Staatsanwaltschaft in Kempten hat nun die Ermittlungen übernommen. (ddp)


Aus: "Militärisch verkleideter Jugendlicher mit Pistole bedroht Autofahrer" (15.04.2007)
Quelle: http://www.pr-inside.com/de/militaerisch-verkleideter-jugendlicher-mit-r93585.htm

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« Reply #5 on: April 22, 2008, 11:56:46 AM »

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[...] Für ihren jährlichen Bericht haben sich die Psychologen in diesem Jahr die Arbeitswelt angesehen - und im Zeitraum zwischen 2001 und 2005 einen starken Anstieg der Ausfalltage wegen psychischer Probleme und Verhaltensstörungen registriert.

"Dass die Zahl der Probleme zugenommen hat, ist deutlich erkennbar", sagt Eberhard Ulich vom Institut für Arbeitsforschung und Organisationsberatung in Zürich im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Innerhalb eines halben Jahrzehnts verdoppelte sich demnach der Anteil an den gesamten Krankheitstagen von Arbeitnehmern beinahe: von 6,6 auf 10,5 Prozent. Der Statistik zufolge entspricht das einem Produktionsausfall von 4,4 Milliarden Euro pro Jahr. Im Februar veröffentlichte Zahlen auf europäischer Ebene waren sogar noch weit dramatischer ausgefallen.

Im Prinzip könnte man die gestiegenen Zahlen auch damit erklären, dass Ärzte und Arbeitnehmer seit einiger Zeit einfach nur genauer hingesehen und hingehört hätten. Doch diese Erklärungen lassen die Psychologen nicht gelten: "Unsichere Arbeitsverhältnisse, widersprüchliche Anforderungen, Zeitdruck, mangelnde Planbarkeit der Arbeit haben die Situation stark verschärft", sagt Eberhard Ulich. Dazu kommen dem Bericht zufolge fehlende Partizipationsmöglichkeiten im Unternehmen, prekäre Arbeitsverhältnisse wie Leiharbeit und Zeitarbeit und mangelnde Wertschätzung durch oft unfähige Vorgesetzte - sowie ein Missverhältnis zwischen Arbeitsaufwand und Gehalt.

"Wir haben in Deutschland nicht nur ein Problem mit Managergehältern, wir haben einen weit verbreiteten Mangel an Managerqualitäten", sagt BDP-Vizepräsidentin Thordis Bethlehem. Dieser Mangel schlage sich auch in psychischen Problemen der Beschäftigten nieder. Starke Arbeitsbelastung führe nicht nur zu einer höheren Zahl von Krankentagen aus psychischen Gründen. Auch das Arbeitsklima verändere sich, Intrigen und Mobbing nähmen zu. Auch die berufsbedingte Trennung von Partnern führe zu psychischen Belastungen. Ein besonderes Problem sei das bei Frauen, die mit Berufstätigkeit und Familienarbeit stärker gefordert - und oft eben auch überfordert - seien.

Der Bericht widmet einzelnen Berufsgruppen spezielle Kapitel, zum Beispiel den Medizinern. So litten mindestens 20 Prozent der Ärzte an einem Burnout-Syndrom, die Selbstmordraten seien bei Medizinern bis zu dreifach erhöht, bei Medizinerinnen sogar bis zu fünffach. Auch das Pflegepersonal klagt immer wieder über extreme Belastungen.

Auch Lehrer bekommen in dem Bericht ein eigenes Kapitel. Ihre Probleme entstehen laut dem BDP-Bericht vor allem durch die fehlende Balance von Wollen, Sollen und Können. Die nach wie vor hohe Zahl von Frühpensionierungen, insbesondere an Grund- und Hauptschulen, sei alarmierend. Fast jeder vierte Lehrer müsse seinen Job frühzeitig verlassen. Bildungsforscher machen dafür allerdings zum Teil auch die Lehrer selbst verantwortlich: Viele Lehramtsstudenten und Referendare seien für die Tätigkeit schlicht ungeeignet - sie suchten einen lauen Job und erlebten später ein Desaster im Klassenzimmer.

...


Aus: "ARBEITSBELASTUNG: Psycho-Probleme von Arbeitnehmern nehmen dramatisch zu" (22. April 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,548790,00.html

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« Reply #6 on: October 21, 2008, 12:21:05 PM »

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[...] Seit Jahresbeginn nahmen sich nach amtlichen Angaben in den rund 200 französischen Gefängnissen 90 Häftlinge das Leben, ähnlich viel wie in den vergangenen Jahren: 2007 waren es 96 Selbstmorde, im Jahr davor 94.

Justizministerin Rachida Dati kündigte vor zwei Wochen Massnahmen an, um die Lage zu verbessern. Unter anderem sollen Jugendliche ausführlich darüber informiert werden, weshalb sie inhaftiert werden, bevor sie ins Gefängnis gehen. Datis Erklärung erfolgte, nachdem sich innerhalb weniger Tage in Ostfrankreich zwei Jugendliche in ihren Zellen erhängt hatten.

Die Gewerkschaften und die linke Opposition machen die chronische Überbelegung der meisten französischen Gefängnisse für die Lage verantwortlich. Anfang Oktober mussten sich amtlichen Angaben zufolge 63'185 Häftlinge die 51'000 Haftplätze des Landes teilen.

Die Sozialistische Partei (PS) fordert eine bessere psychologische Betreuung der Häftlinge und einen Renovierungsplan für die zum Teil veralteten Justizvollzugsanstalten.

[...] Am Donnerstag hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Frankreich für den Tod eines psychisch kranken Häftlings verantwortlich gemacht, der sich im Juli 2000 in seiner Zelle erhängt hatte. Auch das Anti-Folter-Komitee des Europarats kritisierte die Haftbedingungen in den französischen Gefängnissen wiederholt. (cpm/ap)


Aus: "Selbstmordserie in Frankreichs Gefängnissen" (20.10.2008)
Seit Jahresbeginn nahmen sich in den rund 200 französischen Gefängnissen 90 Häftlinge das Leben. Gewerkschafter und Regierung streiten über Gründe und Massnahmen.
Quelle: http://www.bazonline.ch/ausland/Selbstmordserie-in-Frankreichs-Gefaengnissen/story/23409992

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« Reply #7 on: December 20, 2009, 01:54:40 PM »

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[...] Die psychisch bedingten Arbeitsausfälle haben sich in den vergangenen 20 Jahren fast vervierfacht. Angststörungen und Depressionen sind die häufigsten Erkrankungen, so der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) in einer aktuellen Untersuchung. Der volkswirtschaftliche Schaden durch arbeitsbedingte psychische Belastungen beträgt jährlich fast sieben Milliarden Euro. Allein 3,8 Milliarden davon tragen die Unternehmen, weil Mitarbeiter nicht zur Arbeit kommen. Der Rest sind zum Beispiel die Kosten für Krankenbehandlung.

In Deutschland gehen allein 10,6 Prozent der Krankheitstage auf psychische Beschwerden zurück, zeigt auch eine Umfrage der DAK. Alarmierend ist, dass psychische Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren stetig zugenommen haben. Leistungs- und Zeitdruck sind neben der Angst, den Job zu verlieren, die häufigsten Gründe dafür. Vor allem Menschen in Berufen mit hoher sozialer Verantwortung und geringer gesellschaftlicher Anerkennung werden oft seelisch krank, so die Betriebskrankenkassen.

Krankenschwestern und Sozialarbeiter sind stark gefährdet. Sie arbeiten oft bis zum Umfallen, engagieren sich extrem und erleben schließlich den gesundheitlichen Super-Störfall: ein Burnout. Psychologen charakterisieren es als Prozess des Ausbrennens, der geprägt ist von starker körperlicher und seelischer Erschöpfung, von Zynismus und dem Gefühl der Sinnlosigkeit. Oft gehen Überarbeitung und Frust am Arbeitsplatz diesem Zusammenbruch voraus.

...


Aus: "Druck am Arbeitsplatz - Gemobbt und ausgebrannt" Sibylle Haas (19.12.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,ra7m1/jobkarriere/785/498084/text/

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« Reply #8 on: March 24, 2010, 10:19:13 AM »

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[...] Wenig Zeit für eine Vielzahl komplexer Aufgaben, ein geringer Einfluss auf den Arbeitsprozess, mangelnde Wertschätzung und schlechte Aufstiegschancen bestimmen den Alltag von immer mehr ArbeitnehmerInnen. Vor allem die zunehmende Angst vor dem Arbeitsplatzverlust verursacht Stress. Und wie eine am Dienstag vorgestellte Studie der Bundespsychotherapeutenkammer (BPTK) zeigt, führt dies immer häufiger zu Depressionen.

Allein 2008 waren 11 Prozent der Fehltage auf Depressionen oder Anpassungsstörungen zurückzuführen - fast doppelt so viel wie noch 1990. Das liegt unter anderem daran, dass psychische Erkrankungen, wie Depressionen, Anpassungsstörungen oder Neurosen, sehr lange nicht ernst genommen wurden.

 Auch die Dauer der Krankschreibung hat sich erhöht. Im Durchschnitt lassen sich ArbeitnehmerInnen wegen psychischer Belastungen zwischen drei und sechs Wochen krankschreiben, Erkrankungen im Verdauungs- oder Atemwegsbereich dauern dagegen nur sechs bis sieben Tage. Diese Entwicklung wird sich nach Einschätzung der Fachleute noch weiter verschärfen. Kein Wunder, dass die Krankenkassen alarmiert sind. Die Behandlungskosten für depressive Störungen in Deutschland betrugen 2004 rund 4,3 Milliarden Euro. Dazu drücken Ausgaben für Krankengeld, Lohnfortzahlung und vorzeitige Berentung auf die Kassen.

Die Depression greift um sich wie eine Epidemie. Aber wer ist eigentlich gefährdet? Zunächst einmal ist der Arbeitssektor ausschlaggebend: Haben Sie schon mal einen depressiven Förster getroffen? Oder einen neurotischen Landwirt? Nach Meinung der BPTK sind diese Berufsgruppen mehr in den Prozess ihrer Arbeit eingebunden, können unabhängiger über die Abläufe bestimmen. Dies trifft auf TelefonistInnen oder SachbearbeiterInnen weniger zu. Die werden fast doppelt so häufig psychisch krank wie Menschen, die in klassischen Arbeiterberufen arbeiten.

 Auch der Wohnort spielt eine Rolle: In Ballungsräumen ist die Zahl psychischer Erkrankungen deutlich höher als in Flächenstaaten wie Thüringen oder Bayern. Die Stadt macht krank, ob das an der Einsamkeit in der Anonymität liegt oder an der erschöpfenden Reizüberflutung. Zudem flüchten depressive LandbewohnerInnen oft auch in die Städte, weil die Akzeptanz für Depressive hier größer ist.

Ferner leiden doppelt so viele Frauen wie Männer unter Depressionen oder Anpassungsstörungen. Das liegt auch an der fehlenden Akzeptanz der Krankheit: Depression ist noch immer ein Tabu, ein Zeichen für Schwäche und sogar Faulheit. Dann schon lieber ein Burn-out-Syndrom. Das steht für überarbeitete Workaholics, die für den beruflichen Erfolg noch das Letzte aus sich rausholen und dadurch Leistungsbereitschaft signalisieren. Entsprechend leidet dabei das Selbstwertgefühl nicht so massiv wie bei depressiven Menschen - und deshalb sind vor allem Arbeitslose betroffen von psychischen Erkrankungen.

...


Aus: "Studie zu psychischen Erkrankungen - Weiblich, städtisch, depressiv" VON SUNNY RIEDEL (24.03.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/weiblich-staedtisch-depressiv/

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« Reply #9 on: July 28, 2010, 03:57:42 PM »

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[...] Berlin –  Die Deutschen leiden immer stärker unter psychischen Erkrankungen. In den letzten 20 Jahren hat die Zahl der Behandlungstage in den Kliniken wegen derartiger Störungen um mehr als 50 Prozent zugenommen. Das geht aus dem Krankenhausreport 2010 hervor, den die Barmer GEK als größte deutschen Krankenkasse gestern vorgelegt hat. Depressionen oder Schizophrenie und nicht mehr Erkrankungen des Kreislaufsystems sind mittlerweile bei Frauen und Männern der Hauptgrund für eine Behandlung im Krankenhaus. Inzwischen entfallen 17 Prozent aller Behandlungstage auf psychische Erkrankungen. 1990 betrug der Anteil erst acht Prozent.

Die Autoren des Reports führen den Anstieg unter anderem auf die instabilen wirtschaftliche Verhältnisse vieler Menschen und zunehmende familiäre Probleme zurück.

[...] Für die repräsentative Untersuchung wurden die Daten der 8,5 Millionen Barmer-GEK-Versicherten ausgewertet.

...


Aus: "Volkskrankheit: Psychische Leiden" Timot Szent-Ivanyi (27.07.2010)
Quelle: http://www.fr-online.de/politik/volkskrankheit--psychische-leiden/-/1472596/4510884/-/index.html

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« Reply #10 on: August 13, 2010, 12:31:30 PM »

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[...] Die Menge der verordneten Antidepressiva hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt
Die Techniker Krankenkasse legt ihren alljährlichen Gesundheitsreport vor

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat in ihrem Gesundheitsreport 2010 erstmals die Arzneimittelverordnungen ihrer 3,4 Millionen Mitglieder über die letzten zehn Jahre analysiert. Daraus geht hervor, dass sich das Volumen der verordneten Antidepressiva im letzten Jahrzehnt bei Frauen wie Männern verdoppelt hat. Damit einhergehend erhöhten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Ausgaben für psychische Erkrankungen zwischen 2002 und 2008 um 5,3 auf 28,7 Milliarden Euro.

Der TK-Vorsitzender Norbert Klusen sah bei der Vorstellung des Reports die veränderte Arbeitswelt als eine Ursache: Immer mehr Beschäftigungsverhältnisse seien befristet, die Kommunikationsmittel würden den Druck erhöhen, der Arbeitsrhythmus sei immer seltener selbstbestimmt. Aber nicht nur Arbeitnehmer erhalten vermehrt Psychopharmaka verschrieben, Arbeitslose sind bei nahezu allen Diagnosen häufiger betroffen als andere Gruppen, wobei die Schere bei den psychischen Störungen besonders groß ist.

...

Quote
12. August 2010 20:04

ein vorschlag für einen neuen feiertag ;) (satire)

nihil_jie

in anlehnung an die unzähligen (psycho)opfer unserers
wirtschaftssystems möchte ich, für den gesamten raum der
Bundesrepublik Deutschland, für die einführung eines neuen feiertags
plädieren.

"Der Tag des Amoklaufs"

an diesem tag ist es jedem erlaubt seinen gefühlen freien lauf zu
lassen und seine arbeitsstelle mit einem gepflegten amoklauf zu
beglücken...

...


Quote
12. August 2010 18:03, Levski

Und wech


Vor ein paar Stunden stand dieselbe Meldung auf der NDR-Webseite
(www.ndr4.de). Kurze Zeit später ein Artikel über Psychotherapeuten,
die darauf Bezug nehmen und dringend eine Humanisierung der
Arbeitswelt in Deutschland fordern (z.B. Anerkennung auf materieller
und psychischer Ebene). Diesen Artikel wollte ich hier zitieren.
Schaue auf die NDR-Webseite: Beide Meldungen sind verschwunden.

Über sowas redet man in Deutschland besser nicht.





Aus: "Die Menge der verordneten Antidepressiva hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt -
Die Techniker Krankenkasse legt ihren alljährlichen Gesundheitsreport vor" Jörg Auf dem Hövel (12.08.2010)
Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/3/148185

http://www.tk-online.de/tk/broschueren-und-mehr/studien-und-auswertungen/gesundheitsreport-2010/222144

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« Reply #11 on: November 15, 2010, 01:50:14 PM »

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[...] Sie müssen sich ja nur mal die aktuellen Zahlen der Krankenkassen ansehen. Darin wird deutlich, dass die Anzahl an Menschen, die aufgrund von psychischen Erkrankungen arbeitsunfähig sind, seit Jahren kontinuierlich steigt. Betrachtet man die Anzahl der Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater, und setzt sie in Relation zu den Erkrankungszahlen, dann wird deutlich, dass die Fachleute rund drei- bis fünfmal so viele Patienten behandeln müssten, um allen Betroffenen Hilfe bieten zu können. Somit ist eine angemessene medizinische und therapeutische Versorgung derzeit in Deutschland und auch weltweit nicht mehr möglich. Denn obwohl die Anzahl an psychosozialen medizinischen Versorgungsangeboten wächst, steigen die Betroffenenzahlen bereits seit Jahren schneller als die Zahl aller Fachkräfte.

...


Aus: "Interview mit Dr. Joachim Galuska über die psychosoziale Lage in Deutschland"
Das Interview führte Oliver Bartsch (2010)
Quelle: http://connection-medien.de/artikel/interviews/interview-mit-dr-joachim-galuska-ueber-die-psychosoziale-lage-in-deutschland.html


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21 leitende Ärzte und Wissenschaftler, darunter Dr. Joachim Galuska, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer der Heiligenfeld Kliniken in Bad Kissingen, bringen in einem Aufruf ihre persönliche tiefe Erschütterung über die psychosoziale Lage in Deutschland zum Ausdruck. ...
http://www.meinpolitikblog.de/2010/10/28/zur-psychosozialen-lage-in-deutschland-psychische-krisen-als-massenphnomen/


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Wir sind Fachleute, die Verantwortung für die Behandlung seelischer Erkrankungen und den Umgang mit psychosozialem Leid in unserer Gesellschaft tragen.

Wir möchten unsere tiefe Erschütterung über die psychosoziale Lage unserer Gesellschaft zum Ausdruck bringen.

In unseren Tätigkeitsfeldern erfahren wir die persönlichen Schicksale der Menschen, die hin­ter den Statistiken stehen.

Seelische Erkrankungen und psychosoziale Probleme sind häufig und nehmen in allen In­dustrienationen ständig zu.

Circa 30 % der Bevölkerung leiden innerhalb eines Jahres an einer diagnostizierbaren psychischen Störung. Am häufigsten sind Depressionen, Angststörungen, psychosomatische Erkrankungen und Suchterkrankungen.

Der Anteil psychischer Erkrankungen an der Arbeitsunfähigkeit nimmt seit 1980 kontinuierlich zu und beträgt inzwischen 15 – 20 %.

Der Anteil psychischer Erkrankungen an vorzeitigen Berentungen nimmt kontinuierlich zu. Sie sind inzwischen die häufigste Ursache für eine vorzeitige Berentung.

Psychische Erkrankungen und Verhaltensprobleme bei Kindern und Jugendlichen nehmen kontinuierlich zu.

Psychische Störungen bei älteren Menschen sind häufig und nehmen ständig zu.

Nur die Hälfte der psychischen Erkrankungen wird richtig erkannt, der Spontanverlauf ohne Behandlung ist jedoch ungünstig: Knapp 1/3 verschlechtert sich und knapp die Hälfte zeigt keine Veränderung, chronifiziert also ohne Behandlung.

In allen Altersgruppen, bei beiden Geschlechtern, in allen Schichten und in allen Nationen zunehmenden Wohlstands nehmen seelische Erkrankungen zu und besitzen ein besorgniser­regendes Ausmaß.

Die gesellschaftlichen Kosten der Gesundheitsschäden durch Produktivitätsausfälle, medizi­nische und therapeutische Behandlungen, Krankengeld und Rentenzahlungen sind enorm.

Eine angemessene medizinische und therapeutische Versorgung ist weltweit nicht möglich. Trotz der kontinuierlichen Zunahme an psychosozialen medizinischen Versorgungsangebo­ten ist die Versorgung auch in Deutschland angesichts der Dynamik und des Ausmaßes der seelischen Erkrankungen nur in Ansätzen möglich.

Die Ursache dieser Problemlage besteht nach unseren Beobachtungen in zwei gesellschaftli­chen Entwicklungen:

   1. Die psychosoziale Belastung des Einzelnen durch individuellen und gesellschaftlichen Stress, wie z. B. Leistungsanforderungen, Informationsüberflutung, seelische Verletzun­gen, berufliche und persönliche Überforderungen, Konsumverführungen, usw. nimmt ste­tig zu.
   2. Durch familiäre Zerfallsprozesse, berufliche Mobilität, virtuelle Beziehungen, häufige Tren­nungen und Scheidungen kommt es zu einer Reduzierung tragfähiger sozialer Beziehun­gen und dies sowohl qualitativer als auch quantitativer Art.

Die Kompetenzen zur eigenen Lebensgestaltung, zur Bewältigung psychosozialer Problem­lagen und zur Herstellung erfüllender und tragfähiger Beziehungen sind den Anforderungen und Herausforderungen dieser gesellschaftlichen Entwicklungen bei vielen Menschen nicht gewachsen.

Angesichts der vorherrschenden gesellschaftlichen Orientierung an materiellen und äußeren Werten werden die Bedeutung des Subjektiven, der inneren Werte und der Sinnverbunden­heit dramatisch unterschätzt.

Wir benötigen einen gesellschaftlichen Dialog über die Bedeutung des Subjektiven, des See­lischen, des Geistig-spirituellen, des sozialen Miteinanders und unseres Umgangs mit Problemen und Störungen in diesem Feld.

Wir benötigen einen neuen Ansatz zur Prävention, der sich auf die grundlegenden Kompe­tenzen zur Lebensführung, zur Bewältigung von Veränderungen und Krisen und zur Ent­wicklung von tragfähigen und erfüllenden Beziehungen konzentriert.

Wir benötigen eine Gesundheitsbildung, Erlernen von Selbstführung und die Erfahrung von Gemeinschaft schon im Kindergarten und in der Schule, z. B. in Form eines Schulfaches "Gesundheit".

Wir benötigen eine ganzheitliche, im echten Sinne psychosomatische Medizin, die die ge­genwärtige Technologisierung und Ökonomisierung der Medizin durch eine Subjektorientie­rung und eine Beziehungsdimension ergänzt.

Wir benötigen eine Wirtschaftswelt, in der die Profit- und Leistungsorientierung ergänzt wird durch eine Sinn- und Lebensorientierung für die Tätigen.

Wir benötigen einen integrierenden, sinnstiftenden und soziale Bezüge erhaltenden Umgang mit dem Alter.

Wir benötigen eine das Subjektive und Persönliche respektierende, Grenzen achtende und Menschen wertschätzende Medienwelt.

Wir benötigen ein politisches Handeln, das bei seinen Entscheidungen die Auswirkungen auf das subjektive Erleben und die psychosozialen Bewältigungsmöglichkeiten der Betroffenen reflektiert und berücksichtigt.

Wir benötigen mehr Herz für die Menschen.


Impressum

Impressum zur Seite:
Aufruf zur Psychosozialen Lage in Deutschland
Dr. Joachim Galuska
Altenbergweg 6
97688 Bad Kissingen

Aus: "Zur psychosozialen Lage in Deutschland" (2010)
Quelle: http://www.psychosoziale-lage.de/

Kommentare...
http://www.psychosoziale-lage.de/index.php?option=com_jcomments&Itemid=23

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Kontext 71: der aufruf "zur psychosozialen lage in deutschland" (Sonntag, 14. November 2010)
http://autismuskritik.twoday.net/stories/kontext-71-der-aufruf-zur-psychosozialen-lage-in-deutschland/

« Last Edit: November 15, 2010, 05:17:37 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #12 on: February 14, 2011, 05:13:11 PM »

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[...] Hamburg – Auf den steigenden Krankenstand aufgrund psychischer Erkrankungen hat die Techniker Krankenkasse (TK) hingewiesen. Sie bezieht sich dabei auf Krankmeldungen der rund 3,5 Millionen bei der TK versicherten Beschäftigten und Arbeitslosengeld-I-Empfänger.

„Die Beschäftigten waren 2010 seltener krank. Wir verzeichnen für das Jahr 2010 etwa 2,4 Prozent weniger Krankschreibungen als in 2009“, sagte Gudrun Ahlers, bei der TK verantwortlich für die Gesundheitsberichterstattung. Vor allem Atemwegserkrankungen seien deutlich zurück gegangen. Trotzdem stagniere der Krankenstand im vergangenen Jahr mit 3,36 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau (2009: 3,32 Prozent).

Grund dafür sei die erneute Zunahme von Krankschreibungen aufgrund psychischer Störungen. „Binnen eines Jahres sind Fehlzeiten durch psychische Diagnosen um fast 14 Prozent gestiegen“, so Ahlers. Statistisch gesehen war damit jeder Beschäftigte im vergangenen Jahr zwei Tage wegen einer psychischen Diagnose krankgeschrieben.

Deutliche Unterschiede bei den Krankschreibungen insgesamt gibt es laut TK zwischen den einzelnen Bundesländern. Die geringsten Fehlzeiten gab es auch 2010 in Baden-Württemberg mit durchschnittlich 9,9 Tagen, Beschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern waren mit 15,5 Tagen je Beschäftigtem am meisten arbeitsunfähig.



Aus: "Krankenstand steigt wegen psychischer Störungen weiter " hil/aerzteblatt.de (11. Februar 2011)
Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/44663/Krankenstand-steigt-wegen-psychischer-St_rungen-weiter.htm


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[...] Hamburg (dpa/lno) - Arbeitnehmer in Deutschland fehlen nach Zahlen der Techniker Krankenkasse (TK) immer öfter wegen psychischer Erkrankungen. Innerhalb eines Jahres nahmen die Fehlzeiten mit psychischen Diagnosen um fast 14 Prozent auf durchschnittlich rund zwei Tage je Arbeitnehmer zu, teilte die TK am Freitag in Hamburg mit. Damit habe sich der seit Jahren bestehende Trend 2010 beschleunigt. Insgesamt fehlten die gut 3,5 Millionen bei der TK versicherten Beschäftigten im Durchschnitt 12,3 Tage, was einem Krankenstand von 3,36 Prozent entspricht (2009: 3,32 Prozent). Dem Anstieg bei psychischen Diagnosen stand ein Rückgang der Atemwegserkrankungen gegenüber. Die geringsten Fehlzeiten gab es in Baden-Württemberg mit durchschnittlich 9,9 Tagen. In Mecklenburg-Vorpommern registrierte die TK mit 15,5 Tagen die längsten Ausfälle.

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14.02.2011,
08:08 Uhr

guido sagt:

Dafür sind wir Expooooooortweltmeister! :-)


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14.02.2011,
10:57 Uhr

Mirko sagt:

Ist doch normal. Das heutige Führungspersonal ist nicht nur nur meist fachlich sondern fast immer psychologisch Inkompetent. Ruhige Mitarbeiter werden gezwungen sich zu öffnen, wer keine Vorträge halten kann (Sozial Phobie, Schüchternheit etc.) bekommt Rhetorik-Kurse. Aus Einzelkämpfern und bastlern (z.B. Albert Einstein..) will man oberflächliche Teamplayer machen. Alles muss schnell schnell gehen, wer länger braucht und gerne etwas länger nachdenkt, gilt schon als dumm, langsam und ist schnell Außenseiter. Anstatt individuell zu fördern, soll nur alles angeglichen werden. Man will keine Persönlichkeiten sondern viele möglichst leicht ersetzbare Kettenstückchen.
Der Körper schleppt sich jeden Tag zur Arbeit aber den Geist erreichen diese Führungspersonen nie was dann folgen hat. Letztendlich sitzt die Psyche am längeren Hebel, dass müssen so einige Möchtegern-Top-Manager noch lernen. Aber woher sollen die das auch wissen, das lernt man nicht auf der Elite Universität.





Aus: "Fehlzeiten wegen psychischer Krankheiten steigen stark" (11.02.2011)
Quelle: http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/hamburgschleswigholstein_nt/article12508692/Fehlzeiten-wegen-psychischer-Krankheiten-steigen-stark.html

« Last Edit: July 13, 2011, 10:40:40 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #13 on: June 22, 2011, 10:39:36 AM »

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[...] Bonn – Rund acht Prozent aller Europäer nahmen im vergangenen Jahr Medikamente gegen Depressionen. Besonders verbreitet ist die Einnahme in der Altersgruppe von 45 bis 54 Jahren. Darauf weist eine aktuelle Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn hin, die auf der Befragung von 30.000 Europäern in 27 Ländern basiert.

„Gemessen an Wohlstand und Sicherheit ging es den Europäern nie besser als heute. Dass trotzdem so viele Menschen mit Chemie nachhelfen müssen, um glücklich zu sein, sollte uns zu denken geben“, sagte Andrew Oswald, einer der Autoren der Studie.

Am häufigsten greifen die Portugiesen zu Antidepressiva (16 Prozent), am seltensten die Griechen (drei Prozent). In Deutschland liegt der Verbrauch mit fünf Prozent unter dem EU-Durchschnitt, obwohl die Deutschen bei der Lebenszufriedenheit im unteren Mittelfeld rangieren.

In allen Staaten leiden die Menschen im mittleren Alter besonders häufig unter Depressionen. Das deckt sich mit Studien zur Lebenszufriedenheit, die bei Endvierzigern am geringsten ist. „Warum es zu diesem Knick kommt, ist wissenschaftlich noch nicht belegt“, so Oswald. Zu den nachweisbaren Risikofaktoren für psychische Erkrankungen zählten Scheidung und Arbeitslosigkeit.

hil/aerzteblatt.de


Aus: "Acht Prozent der Europäer nehmen Antidepressiva " (21. Juni 2011)
Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/46330/Acht-Prozent-der-Europ_er-nehmen-Antidepressiva.htm

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« Reply #14 on: July 01, 2011, 07:41:52 AM »

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[...] Mit steigendem Alter nehmen die Diagnosen psychischer Störungen bei Studierenden erheblich stärker zu als bei jungen Beschäftigten. Während die Diagnoseraten bei Hochschülern im 20. bis 26. Lebensjahr noch unter denen gleichaltriger Beschäftigter liegen, kehrt sich das Verhältnis ab dem 27. Jahr um. „Dies könnte mit dem steigenden Druck im Alter zusammenhängen, sein Studium zu beenden“, vermutet Heiko Schulz, Diplom-Psychologe bei der TK.

Die Studie stelle zwar keinen kausalen Zusammenhang zwischen Studiensystem und Medikamentengebrauch her. Die Vermutung liege aber sehr nahe, dass die jüngsten Reformen der akademischen Ausbildung nicht spurlos an den jungen Menschen vorbei gegangen seien, erklärte Klusen.

„Der Druck, das Studium zügig zu absolvieren, ist durch Studiengebühren und die Einführung der neuen Studienabschlüsse gestiegen.“ Klusen warnte zugleich vor einem „Etikettierungsproblem“. Man müsse sich Gedanken machen, wo die Grenze zwischen krank und gesund gezogen werde. Oft würden psychische Erkrankungen vorschnell diagnostiziert.

Auch Schulz betonte, dass der Karrieredruck enorm zugenommen habe. Innerhalb von sechs Semestern müsse das Studium beendet werden. „Wünschenswert sind dazu noch Praktikum, Auslandserfahrung und ehrenamtliches Engagement.“

Schulz forderte von der Politik, die Reformen zu überdenken. Auch müssten die Hochschulen die Studenten durch zusätzliche Angebote wie Tutoren-Programme unterstützen. Zudem sollten Studenten von den Krankenkassen angebotene Stressbewältigungstrainings wahrnehmen.

Für die Studie wurden die Daten von 135.000 Studenten im Alter von 20 bis 34 Jahren ausgewertet, die bei der TK eigenständig versichert sind. © sw/dapd/aerzteblatt.de


Aus: "Psychische Erkrankungen bei Studierenden stark angestiegen" (30. Juni 2011)
Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/46453/Psychische-Erkrankungen-bei-Studierenden-stark-angestiegen.htm

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