Author Topic: [Männlichkeitskonstruktionen... ]  (Read 43004 times)

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[Männlichkeitskonstruktionen... ]
« on: Februar 21, 2007, 05:52:09 nachm. »

Quote
[...] Das Thema ›Männlichkeit‹ ist in den letzten zwei Jahrzehnten zusehends in den Mittelpunkt sozialwissenschaftlichen Interesses gerückt und hat eine Vielzahl oftmals heftiger Kontroversen in den verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen entzündet. Diese Diskussionen haben wiederum eine Reihe von literaturwissenschaftlichen, historischen, ethnologischen, sozialwissenschaftlichen und anthropologischen Untersuchungen initiiert, die zu bemerkenswerten Ergebnissen führten. So wurde vor dem Hintergrund feministischer Wissenschaftskritik im Rahmen der Gender-Studien herausgearbeitet, daß, entgegen soziobiologischer Positionen, das soziale Geschlecht (gender) nicht durch das Körpergeschlecht (sex) determiniert wird. Vielmehr konnte festgestellt werden, daß das soziale Geschlecht aus einer Vielzahl in ständiger Wandlung begriffener Bedingungen entsteht.1 Die Analyse dieser Männlichkeit konstituierenden bzw. relativierenden Bedingungen bildet neben der Untersuchung der »verschiedenste(n) Entwürfe« von Männlichkeit und den aus diesen »ontoformativ(en)« Entwürfen resultierenden Wirkungen den Gegenstand kritischer Männerforschung.

Im Sinne Connells, eines der exponiertesten Vertreter sozialwissenschaftlicher Männerforschung, lassen sich Männlichkeiten als »durch das Geschlechterverhältnis strukturierte Konfigurationen von Praxis« beschreiben. »Sie sind von Grund auf historisch; und ihre Entstehung und Wiederherstellung ist ein politischer Prozeß, der das Interessengleichgewicht in der Gesellschaft und die Richtung sozialen Wandels beeinflußt.«


Bruchstück aus: Hans-Joachim Jürgens: "Männlichkeitskonstruktionen in Karl Mays Reiseerzählungen" (Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 2003; S. 119)
Quelle: http://karlmay.leo.org/kmg/seklit/JbKMG/2003/119.htm

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Quote
[...] Der Ausbruch des ersten Weltkrieges im Jahre 1914 wurde von den Männern im Allgemeinen sehr
euphorisch begrüßt. Für viele bot sich hier die Chance aus dem monotonen Arbeitsalltag
auszubrechen; die Gelegenheit zu einem wirklich „männlichen Abenteuer“, um zum ersten Mal ihre
ganze Männlichkeit unter Beweis zu stellen.

[...] Autoren wie Otto Weininger („Geschlecht und Charakter“, 1903) sahen die männliche Identität ernsthaft bedroht und
formierten daraus einen Antifeminismus, der oft mit antisemitischen Ansichten verknüpft wurde. Das
19. Jahrhundert ist geprägt von sehr vielen Werken, die das weibliche Geschlecht diffamierten. Später
befassten sich auch Philosophen, Psychologen, Biologen, Historiker und Anthropologen mit diesem
Thema, um den Antifeminismus zu unterstützen.
Der einzige Ausweg aus der Krise sollte die Rückkehr zu einer klaren Polarität der Geschlechter sein,
sodass die Männer ihre Virilität wiedererlangten und die Frauen in den ihr von der Natur
zugewiesenen Bereich zurückkehrten.


Aus: "Männlichkeit und Krieg" - Untersuchungen am Großessay „Der Kampf als inneres Erlebnis“ von Ernst Jünger (Dr. U. Brunotte; 2003/2004)
Quelle: http://www.gender.hu-berlin.de/w/files/ztghausarbeit/maennlichkeit_und_krieg__untersuchungen_am_grossessay_der_kampf_als_inneres_erlebnis_von_ernst_juenger_kuwi_landesfeind.pdf  

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Quote
[...] Als Romancier institutionalisiert [..] reproduziert Sade
(ob bewußt oder ungewollt ist hier einerlei) eine
verbrecherische bzw. mafiotische, gewalttätige, archaische, patriarchale, eine stets als von
Natur aus hegemonial gedachte Männlichkeit (er ist als Autor Macho, männlicher Chauvinist,
Androzentrist und Sexist in einem). Abgesehen von den psychischen Folgen der Einsperrung
bleibt anzumerken, daß gerade das 18. Jh. eine für die traditionellen Männlichkeitsideale
kritische, prekäre Erosion der ständisch-feudal-kriegerischen zur bürgerlichen Gesellschaft
erlebt, was massive Gefühle von Verunsicherung auslöst. Deklassierungsängste zeitigen stets
männliche Aggressivität. So scheint Krafft-Ebing in bezug auf die Person Sades
kurioserweise recht zu behalten, wenn er den Sadismus als „eine pathologische Steigerung des
männlichen Geschlechtscharakters“ (Krafft-Ebing 1997, S. 155) definiert.

[...] Promiskuität als männliches Wunschziel, sprich die Begierde, mit möglichst vielen Frauen zu
schlafen, führt bei Sade zu einer eminenten Aufwertung der außerehelichen Sexualität. Der
geile Marquis will der Weiblichkeit in toto habhaft werden62, sein erotischer Anarchismus,
seine typisch männlichen Sexualphantasien konstruieren sich ein adäquates Frauenbild als
Ideologie: Die Frau sei eben Inbegriff der Wollust von Natur aus. So sagt Madame de Saint-
Ange zu Eugénie: „Ein hübsches Mädchen sollte sich nur damit befassen zu ficken und
niemals zu zeugen“ (Sade o. J., S. 32); oder: „Das Los der Frau gleicht dem einer Hündin oder
Wölfin: Sie gehört allen, die sie begehren“ (a. a. O., S. 63); oder: „In welchem Stand sich eine
Frau auch befinden mag, (…) nie sollte sie ein anderes Ziel (…) haben, als sich vom Morgen
bis zum Abend ficken zu lassen“ (a. a. O., S. 69); oder: „Verwünscht sei die Frau, die es sich
einfallen ließe, auf ihren Gatten eifersüchtig zu sein! Wenn sie ihn liebt, sollte sie mit dem
zufrieden sein, was er ihr gibt“ (a. a. O., S. 73f.); oder: „Sie hat nur Vorsorge zu treffen, daß
sie keine Kinder macht, oder (…) das Kind abtreiben zu lassen“ (a. a. O., S. 75); oder:
„Sobald ein junges Mädchen die erste Wollust empfindet, ist für es die von der Natur
bestimmte Zeit gekommen, sich zu prostituieren.“ (a .a. O., S. 244) Das Wesen der Frau ist
Sade zufolge die Polygamie, die Promiskuität; Madame de Saint-Ange: „Ficke, mit einem
Wort, ficke; dazu bist du auf der Welt.“ (a. a. O., S. 64) Und werde der „inferioren“
weiblichen Vernunft ihr eigener Wesensgrund nicht gleich faßlich, so tue dies nichts zur
Sache, denn: „Eine Frau nimmt unerhört rasch die Grundsätze desjenigen an, von dem sie
gefickt wird.“ (Sade 1990, S. 63)


Aus: "Mafia, Staat und Männlichkeit - Über mafiotische bzw. verbrecherische Männlichkeit bei Donatien Alphonse Francois Marquis de Sade (Hausarbeit von Schwerzler Michael; 2003; INSTITUT FÜR POLITIKWISSENSCHAFT DER UNIVERSITÄT WIEN (HUMAN- UND SOZIALWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT))
Quelle: http://evakreisky.at/onlinetexte/schwerzler_de_sade.pdf

« Last Edit: Mai 10, 2012, 12:02:11 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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["Keine Ahnung warum das so ist"... [?] (Notizen)]
« Reply #1 on: Februar 25, 2007, 12:47:37 nachm. »
Quote
[...] Gegenwärtig geschehe in unserem Land eine Umerziehung größeren Ausmaßes beklagte vor einigen Tagen der Medienwissenschaftler Norbert Bolz in gewohnt deutlichen Worten ("Selbstverwirklichung ist Idiotismus"):
Einer "verblüffenden Allianz zwischen Feministinnen, Politikern und Bevölkerungswissenschaftlern" gehe es "um die Konstruktion einer anderen männlichen Geschlechterrolle", um den "neuen Mann".

[...] Unzählige Forumsbeiträge, die aufgrund eigener Erfahrungen über das Evergreen-Paradoxon lamentieren oder echauffieren, wonach Frauen zwar offiziell den fürsorglichen, netten Typen einfordern, aber wenn's darauf ankommt zu den "Alphatierchen" überlaufen.

Quote
Nach meinen Beobachtungen lassen sich viele Frauen noch lieber schlagen, alsdass sie auf einen Mann mit Schürze stehen. Das hält sie dann aber nicht ab, zu jammern über die Hausarbeit... Das mag in einigen Schichten/Generationen nicht mehr ganz so krass sein... aber dennoch... ich bin ja schließlich der "schwule Freund" dem man so was dann - nach viel Alkohol - erzählt.Wenn man sich die Sache dann fallweise mal genauer anschaut, sind die Schläger meist die viel größeren Weicheier als die Schürzenträger. Aber das wird irgendwie nicht so wahrgenommen, oder wenn dann nur intellektuell und nicht gefühlsmäßig. Die schlimmsten männlichen Feiglinge/Weicheier habe ich übrigens unter Sportlern gefunden. Ich meine Menschen in deren Leben der Sport eine sehr große Rolle spielt. Keine Ahnung warum das so ist. Vielleicht auch nur Zufall.

[...] neben unterschiedlich überzeugenden und amüsanten Anschauungen über das, was einen Mann ausmacht, schon mal die prosaische Realität gegenüber: Nur wenige Haushalte mit Kindern können sich Angestellte leisten. Der Doppelverdienst ist oft eine reine Überlebensfrage, wenn man nicht in Ampermoching leben will. Und auch die Haus-Arbeit muss getan werden. Dass Mann und Frau sich diese teilen, ist keine ideologische "Neukonstruktion", sondern ergibt sich aus der blanken Notwendigkeit. Der Mann, der gut verdient und nie zuhause ist, hat wiederum meist eine notorisch beleidigte Ehefrau. Zum anderen zeigen sich in der Hausarbeit, wie in vielen anderen Arbeitsbereichen, sehr wohl Geschlechtsunterschiede: Männer werden durch Hausarbeit nicht femininer. Sie streichen Butterbrote anders, wickeln anders, putzen anders und kochen besser (kleiner Scherz am Schluss).

Quote
24. Februar 2007 16:01
Zusammenfassung
chronoz

Zusammengefasst will mir also eine Schwuchtel (Entschuldigung) mit
einem "Weiberjob" (Medienwissenschaftlerin), sagen ich werde von den
Medien verweiblicht und müsse nun den Macho herauskehren um auch
weiterhin begehrenswert zu bleiben. Der genannte Herr (Tunte??) will
mir darüber hinaus noch erzählen "körperliche Züchtigung" durch den
Mann sei Frauen lieber als einer der Kocht,

Habe ich das so richtig verstanden??


Quote
25. Februar 2007 4:58
nasruddin

Widersprüchliche Anforderungen
und Wünsche sind der Normalzustand.

Der durchschnittliche Anforderungskatalog sieht etwa so aus:
Männer wollen Frauen, die:

- gut aussehen und gut im Bett sind
- die halbwegs intelligent sind, aber nicht intelligenter als der Mann
- die Karriere machen und zum Haushalt wirtschaftlich beitragen
- die den Haushalt schmeißen, die Kinder erziehen
- sich keinen teuren Schnickschnack wie Schmuck oder NIppes kaufen
bzw. sich wünschen, das der Mann ihnen das kauft

Frauen wollen Männer, die (ich spekuliere hier mal)
- männlich sind, im Sinne von ein bißchen Macho, aber bitte nicht zu viel
- karrierebewußt, selbstbewußt, selbstständig, sportlich sind
- intelligent sind, aber nicht zu sehr abgehoben
- zuverlässig, spontan, abenteuerlustig, romantisch sind
- auch mal den Haushalt schmeißen, die Kinder erziehen

[...]


Aus: "Das bisschen Haushalt..." Von Thomas Pany (TP; 24.02.2007)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24709/1.html


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[Mentaler Korrelationsgrad bei Gewalt und Sex... [?] (Notizen)]
« Reply #2 on: Februar 28, 2007, 11:10:33 vorm. »
Quote
[...] man halte sich vor augen, das z.b. eine drogensüchtige prostituierte mit ihrem liebes-lohn den sprengstoff bezahlt
der gegen UNSERE soldaten eigesetzt wird!


Aus: " Kann die Nato den Krieg in Afghanistan gewinnen? - ja!!!!" Von dyonisos75 (27.02.2007)
Quelle: http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=992068&postcount=17

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Quote
[...] Ein Korrelationsgradmesser ist ein Messgerät in der Ton- bzw. Audiotechnik, mit dem die Beziehungen zwischen den beiden Kanälen (rechts und links) einer Stereo-Audioaufnahme messtechnisch festgestellt werden können.


Aus: "Korrelationsgradmesser" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Korrelationsgradmesser


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[Identität und "Eier haben"... (Bruchstücke)]
« Reply #3 on: Februar 28, 2007, 12:04:39 nachm. »
[...] Vor allem die Eier haben es mir angetan...

[...] Das Vergessen jener Geschehnisse, die diesen Krieg ausgelöst haben...

[...]  so was nennt mann EIER haben und dem gegner sowieso nicht ernst nehmen - das ist fakt...

[...] zu lasch sind und keine Eier haben eine wirksame Politik zu betreiben...

[...] Dicke Eier haben und die Nachttischlampe halten...

[...] Ich mein eher sowas für Leute die richtig Eier haben...

[...] daran merkt man auch das manche keine Eier haben, sorry ist aber so...

[...] junge muss der Mann Eier haben...

[...] auf gut Deutsch nicht die Eier haben in irgendeine Schlacht auszutiehen...

[...] Journalisten nicht mal die Eier haben zu schreiben, das die verbreiteten...

[...] Im übrigen muss man sich ja schon bei jedem Krieg fragen: Wofür führt man den...

[...] "Willst Du mit dem Krieg anfangen oder auch die Eier haben denjenigen die nicht zu dem stehen was...

[...] Ich glaube das Klinsmann nie die Eier haben wird und zugibt das er bei der...

[...] Ich finde die Vereinigten Nationen sollen mal zeigen dass sie noch Eier haben und helfen...

[...] nicht die Eier haben, zu sagen, wer sie sind, ist das schon verdammt schäbig...

[...] weil sie nicht die Eier haben um die Amerikaner anzugreifen, also töten sie Unschuldige...

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Quote
[...] EY EY IHR HURESÖHNE ICH FICK EUCH ALLEEE WAS LABERT IHR [identität x] ALTER ICH FICK EUCH MAN IHR HUNDE KOMMT BLASEN MAN ICH FICK EUR MÜTTERN ALTER KOMMT DOCH BLASEN WEN IHR SO GROSE FRESE HABT KOMMT BLASEN MAN KOMMT BLASEN MAN IHR HUNDEFICKER WAS WAS LABERT IHR [identität x] MAN ICH WERD EURE MÜTTERN FICKEN ALTER KOMMT BLASEN MAN

[identität y] / - / [ort x] / Sonntag, 30. April 2006 9:44

-.-

[...] ich fick euch alle was labert ihr über [identität x] und [identität x] alter ich fick euch alle ihr huresohne ihr könt nix nur schreiben wer das geschriben hat der sol mal vor eine [identität x] sagen der wird gefickt oder der sol mal vor mir sagen alter ich fick seine mutter kommt alle blasen wer was gehgen [identität x] hat der sol mal bei mir kommen wallah ich fick der jenige der was gehgen [identität x] hat was labert ihr da fürn mül kommt sagt doch vor eine [identität x] sag nur eine mal scheiß [identität x] der wird dir zeigen was scheiß [identität x] ist du hund ich fick alle wer was gehgen [identität x] hat alter und dir [identität x] fick euch auch ihr huresohne kommt blasen ey ich werd deine mutter ein blasen alter du hundeficker deine mutter werd ich ficken du hundefickker hahahahahahahahahahahahaahahhaahhahahahahahahaah KOMMT ALLE BLASEN ALTER ICH WERD EUCH ALLE FICKEN MAN WAS LABERT IHR HIR KOMMT BEI MIR IN BERLIN WALLAH ICH WERD EURE MÜTTERN FICKEN IHR HUNDESÖHNE NUR WER WAS GEHGEN [identität x] HAT ICH WERD MEINE SCHWANZ IN DEINE MUTTER IHR ARSCHLOCH REIN STECKEN KOMMT BLASEN ALTER HAUT MAL AB MAN ICH WERD DEINE KLEINE SCHWESTER FICKEN MAN DU HUND WAS LABERD IHR DA ÜBER [identität x] IHR HUNDEFICKER WER DAS GEDCHRIBEN HAT DER SOL MAL BEI MIR KOMMEN UND DIE WÖRTER SAGEN ALTER ICH WERD DENN INS ARSCHLOCH FICKEN KOMMT BLASEN IHT HUNDE JALLAH BYE IHR HUNDEFICKER

[identität] / [identität]@hotmail.de / [ort x] / Sonntag, 30. April 2006 8:57

-.-

ihr affenkinder

Was seit ihr über haupt für votzen [identität x]???

[identität y] / / Freitag, 28. April 2006 13:38

-.-

ich ficke [identität x] [identität y]

ich bin [identität x]  ich ficke [identität y] beharte möpsis o yeahhhhhhhhhhh komm on

[identität x] / [identität x]@hotmail.com / [ort x] / Montag, 24. April 2006 13:09

-.-

Fuck

die [identität x] ficken deine ganze [identität y] familie du [identität z]...

[identität x] / [identität x]@hotmail.com / [ort x] / Montag, 17. April 2006 15:56

Bruchstücke aus: "ROYALBUNKER /mailorder:  Forum: M.O.R. : N.L.P. - Kommentare... " (~2006)


Quelle: http://royalbunker.com/mailorder/forum/mornlp_020.php?PHPSESSID=d89d46bffe360bd9f0706af6a56065e8
(15.03.2007: Link + Text nicht mehr verügbar (gelöscht (?))...

« Last Edit: M?RZ 15, 2007, 02:57:45 nachm. by lemonhorse »

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[Für eine Handvoll Männlichkeit.... ]
« Reply #4 on: Februar 28, 2007, 08:41:30 nachm. »
Quote
[...] Die Soziale Rolle ist ein dem Theater entlehnter Begriff der Soziologie und Sozialpsychologie, der die Gesamtheit der einem gegebenen Status (z. B. Mutter, Vorgesetzter, Priesterin etc.) zugeschriebenen kulturellen Modelle darstellt (Definition nach Linton). Dazu gehören insbesondere vom sozialen System abhängige Erwartungen, Werte und Verhaltensweisen (→Rollenerwartungen), die an den die entsprechende Position einnehmenden Akteur gestellt werden. Die Rollentheorie beschreibt, welche Spiel- und Handlungsfreiräume dem Individuum in einer Rolle offenstehen, wie es die gesellschaftlich vorgegebenen Rollen erlernt, verinnerlicht und ausfüllt.


Aus: "Soziale Rolle" (02/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rollenmodell

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Quote
[...] Seit den Anfängen des Kinos erleben wir den Mann in der Rolle des Helden, er dient als Traumpartner und Role-Model. Doch mit der Zeit offenbaren sich auch Brüche: Protagonisten scheitern, Mann-Sein wird zum Problem, unmännliches Verhalten zum Indiz von Schwäche. [...] Beiträge über Actionfilme (Rambo, Die Hard), Western (High Noon, Unforgiven), Science-Fiction (die Star Trek-Captains), die Schauspieler Götz George und Richard Gere, Komikerpaare wie Laurel & Hardy, maskuline Frauenfiguren (Baise-Moi), die filmischen Männerwelten Stanley Kubricks, den jungen Regisseur des New-Queer-Cinema Gregg Araki und Filme aus der Subkultur der schwulen Leder-Szene von Jean Genet bis R.W. Fassbinder.

Über den Autor:
Thomas Klein ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Filmwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.


Aus: "Männer - Machos - Memmen. Männlichkeit im Film" von Christian Hißnauer, Thomas Klein (Verlag: Bender, Mainz (Juli 2002))
Quelle: http://www.amazon.de/M%C3%A4nner-Machos-Memmen-M%C3%A4nnlichkeit-Film/dp/3980652890

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Quote
[...] Mit dem "Wilden Westen" erschufen sich die Amerikaner ihren nationalen Gründungsmythos, der im Western unzählige Male heraufbeschworen wurde. Martin Weidinger zeigt, dass in Western-Filmen bestimmte Vorstellungen über Gemeinschaften - von der kommunalen bis zur staatlichen Ebene - vermittelt und Rollenangebote und Identitätsmodelle für Frauen und Männer bereitgestellt werden. Deren Analyse macht politische und gesellschaftliche Entwicklungen in den USA nachvollziehbar - bis hin zur Selbstinszenierung des derzeitigen Präsidenten George W. Bush.


Aus: "NewsLetter 82: Männerforschung" (18.11.2006)
Quelle: http://www.onb.ac.at/ariadne/17afmd82.htm

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Quote
[...] "Er war hässlich, er war stark, und er hatte Würde", lautet die Inschrift auf John Waynes Grab. Der Star hatte die kernigen Worte kurz vor seinem Tod am 12. Juni 1979 selbst gewählt. Aufrichtigkeit, Männlichkeit und penetranter Patriotismus waren im Film wie im Leben die Ideale, für die das Western-Idol geradestand.

Sein Tod war wie eine große Hollywood-Inszenierung. Als er am Sterbebett lag, erschienen die ersten Sonderausgaben der Boulevardblätter, dann startet ein Fernsehsender die erste Retrospektive. Ronald Reagan, späterer Präsident der USA und in jüngeren Jahren ein eher glückloser Filmdarsteller, schwärmte von seinem Vorbild: "Niemand vertritt die Werte unseres Landes so wie er.


Aus: "Ein kerniger Patriot - bis zur Penetranz John Wayne" (Marion Michael Morrison; 2006 Prisma)
Quelle: http://www.prisma-online.de/tv/person.html?pid=john_wayne

« Last Edit: September 26, 2019, 10:12:04 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Heroenkult und Opferbereitschaft... (Notizen)]
« Reply #5 on: August 21, 2007, 12:00:15 nachm. »
Quote
[...] So hat der indische Psychoanalytiker Sudhir Kakar in seinen Untersuchungen zu den Massakern zwischen Muslimen und Hindus in Hyderabad im Jahr 1990 erkennen müssen, dass alle "Killerkommandos der feindlichen Parteien von ihrer Gruppenstruktur und von ihrem gekränkten Männlichkeitsethos sehr ähnlich waren".

Der Entwürdigung mit Kampf zu begegnen, bildet, wie der Religionssoziologe Mark Jürgensmeyer festgestellt hat, immer häufiger den Hintergrund von Fällen religiöser Gewalt. Es geht um eine Art "symbolischen Machtgewinn von Männern", so Jürgensmeyers Resumée, "deren traditionelle sexuelle Rolle, ihre Männlichkeit, als gefährdet erscheint". Auch die Islamwissenschaftlerin Friederike Pannewick erkennt im arabischen Raum eine zunehmende Vergeschlechtlichung der Gewalt, wobei die Verletzungen im Krieg "bereits seit der ersten Intifada als Initiation in Männlichkeit" gedeutet werden.

Nicht immer agierten die selbsternannten Helden am Rande der Gesellschaft oder im Kontext neoislamisch-nationalistischer Bewegungen. Nationaler Heroismus und damit die Bereitschaft, sich für sein Vaterland oder eine "höhere Sache" zu opfern, gehörte vielmehr im 19. Jahrhundert zum Kern der nationalstaatlichen Legitimitätsdiskurse in Europa.

Noch 1915 hatte Werner Sombart kategorisch von "Händlern und Helden" gesprochen und davon geschwärmt, dass die "heldische deutsche Nation" diesen Kampf gegen die "händlerische englische Gesinnung" ausfechte. 1932 verkündet Jünger nun mit Blick auf das elende Sterben der "Jugend von Langemarck" den Tod des alten Heroismus. Denn mit dem Zusammenbruch des begeisterten Opfermutes von Langemarck im Mündungsfeuer der Maschinengewehre sei zugleich der alte Held des pro patria mori geschlagen worden: "Freier Wille, Bildung, Begeisterung und der Rausch der Todesverachtung reichen nicht zu, die Schwerkraft der wenigen hundert Meter zu überwinden, auf denen der Zauber des mechanischen Todes regiert."

Es geht hier um nichts weniger als den Untergang des christologisch gefärbten Traums vom individuellen Kämpfer, der sich mit seinem eigenen Körper stellvertretend für die Allgemeinheit opfert. Dessen Abgesang inszeniert Jünger allerdings mit siegesgewissem Blick auf eine kommende Gattung von Kämpfern und Waffen, in denen sich die neuen Kriegstechnologien mit dem Organischen auf eine Weise mischen würden, dass diese zu unempfindlichen "Stahlgestalten", jene zu "sehenden Bomben" , ja zu "menschlichen Geschossen" mutierten. Kamikaze und Cyber War avant la lettre.

Heute leben wir endgültig in einer postheroischen Gesellschaft, lautet die Zeitdiagnose, die zuletzt von Herfried Münkler angesichts des Verschwindens von Heroenkult und Opferbereitschaft in den westlichen Gesellschaften und der Beendigung zwischenstaatlicher Kriege bei gleichzeitiger Zunahme von urbanem Lebensstil, Handel und Austausch, vertreten wurde. Nun werde mit dem Terrorismus, der jeden treffen könne, dieses Sicherheitsbewusstsein von einem "bis zum äußersten gesteigerten Heroismus" radikal in Frage gestellt.

Nicht allein die Religionen kehren auf die politische Bühne zurück, sondern auch die Heroen. Dabei scheint sich das Bedrohungsszenario, wie es Jünger mit dem Fall Langemarck entworfen hatte, ins Gegenteil zu verkehren: Waren damals die schlecht ausgerüsteten jungen Freiwilligen trotz gesteigerten Opfermuts und Kampfeswillen der maschinellen Übermacht von Kanonen und Maschinengewehren hilflos ausgeliefert, so vermögen heute bis zum Äußersten entschlossene Selbstmordattentäter allein mit ihren zu Waffen aufgerüsteten Körpern die kriegstechnisch hoch überlegenen westlichen Gesellschaften zu erschüttern.

Aber in welchem Zusammenhang stehen neofundamentalistische Varianten von Religion und neuer Heroismus? Und wie, wenn überhaupt, hängen damit die Amok laufenden jungen Männer in den USA zusammen, die sich religiöser Rhetorik und gewalttätiger Actionfilm-Scripte bedienen, um ihre Männlichkeits-Krise tödlich zu agieren?



Aus: "Logik und Pathologie des Helden - Die Krise der Männlichkeit" Von ULRIKE BRUNOTTE (21.08.2007 )
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=1194735&em_cnt_page=2

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Quote
[...] Der Attentäter, der keine Reue zeigte, hatte seine Anwälte im Dezember 2000 angewiesen, nichts mehr gegen seine Hinrichtung zu unternehmen. Er verzichtete auf das Recht, vor der Hinrichtung ein letztes Wort zu sprechen. Stattdessen hinterließ er einen handschriftlichen Brief, in dem er das Gedicht Invictus des englischen Dichters William Ernest Henley zitiert. Er fühlte sich unbesiegt (Invictus) und äußerte zuvor in diesem Zusammenhang, es stünde 168:1 für ihn.

http://de.wikipedia.org/wiki/Timothy_McVeigh (08/2007)

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Quote
[...] „Verletzte Ehre“ wurde und wird in Gesellschaften/Kulturkreisen, in denen das Ansehen eines familiären, ethnischen oder religiösen Kollektivs über das Wertesystem des Individualismus gestellt wird, unter offener Missachtung rechtsstaatlicher Prinzipien (Gewaltmonopol des Staates) auf gewaltsame Weise „wiederhergestellt“ (vgl. Rache, Duell, Ehrenmord).

Das Streben einer Person nach Ruhm oder Ehre führte und führt nicht selten zu persönlichen und äußeren Konflikten.

Das Gegenteil der Ehre ist die Schande. In der westlichen Welt ist hiermit oft eine persönliche Blamage oder der Verlust an Würde gemeint.

Zitate:

    „Sah Friedrichs Heldenzeit und kämpfte mit ihm in all seinen Kriegen. Wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte. “

    – Johann Friedrich Adolf von der Marwitz, auf dessen Grabstein

    „Die Ehre ist, objektiv, die Meinung anderer von unserem Wert und, subjektiv, unsere Furcht vor dieser Meinung.“

    – Arthur Schopenhauer

    „Die Ehre ist - - die Ehre.“

    – Gotthold Ephraim Lessing: Minna von Barnhelm


http://de.wikipedia.org/wiki/Ehre (08/2007)

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http://de.wikipedia.org/wiki/Held

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Quote
[...] Viele Superhelden haben Geheimidentitäten und Codenamen und tragen farbenfrohe Kostüme.


http://de.wikipedia.org/wiki/Superheld (08/2007)

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http://de.wikipedia.org/wiki/Ruhm

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Quote
[...] Ein Antiheld (Gegenheld) ist ein Figurentypus der darstellenden Kunst (Literatur, Film oder Comic). Während die dramatische Hauptfigur (der Protagonist) einer Geschichte durch seine überlegene Charakter-, Verstandes- oder moralische Stärke zur Identifikation einlädt, ist es beim Antihelden die Schwäche in einer dieser Hinsichten, die sympathisch wirkt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Antiheld (08/2007)


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« Reply #6 on: September 02, 2007, 08:03:01 nachm. »
Quote
[...] Als Phallus (latinisierte Form des griechischen φαλλός, phallós) bezeichnet man heute insbesondere in kulturgeschichtlichen Zusammenhängen das erigierte männliche Glied. Der Phallus gilt seit Jahrtausenden als Symbol für Kraft und Fruchtbarkeit.


Aus: "Phallus" (09/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Phallus

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Quote
[...] Als Imponierverhalten (engl.: overawing) wird in der Verhaltensbiologie ein angeborenes Droh- und Lockverhalten bezeichnet, das bei rivalisierenden Geschlechtsgenossen eine einschüchternde, und auf das andere Geschlecht anziehende Wirkung ausüben soll. Imponierverhalten beruht grundsätzlich auf zur Schau gestellter Potenz oder Vitalität, die für die sich dabei siegreich behauptenden, meist männlichen Rivalen mindestens in der Kopulation mit den so 'eroberten' Weibchen gipfelt.


Aus: "Imponierverhalten" (09/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Imponierverhalten

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Quote
[...] Das spanische Lehnwort Macho (sprich: [ˈmatʃo]) bezeichnet in der deutschen Umgangssprache einen Mann, welcher sich stark an den traditionellen Bildern der männlichen Geschlechterrolle orientiert. Im Sinne dieses Männlichkeitsverständnisses ist es ein sich übertrieben männlich gebender Mann. Er grenzt sich von sogenannten „Softies“ und „Frauenverstehern“ ab.

[...] Im Spanischen bedeutet „macho“, angewendet auf Tiere, lediglich „männlich“ als Gegenwort zu „weiblich“ („hembra“). Auf Menschen angewandt unterstreicht der Begriff macho, durchaus positiv verstanden, die Männlichkeit. Erst als „machismo“ wird daraus der Männlichkeitswahn, der dann im deutschen Lehnwort wiederzufinden ist. Der „machista“ steht unter dem Zwang, seine Männlichkeit in der Gesellschaft, notfalls auch gegen seine eigenen Interessen, unter Beweis stellen zu müssen; das bezieht sich sowohl auf die „Verteidigung der Ehre“ wie auch auf sexuelle Herausforderungen.

Der weibliche Gegensatz zum „Machismo“ (speziell in Lateinamerika) ist der „Marianismo“.

[...] Machos werden meist folgende Charakter-Eigenschaften zugeschrieben:

    * konservative Denkweise (z. B. „Frauen gehören hinter den Herd!“)
    * offensives, aggressives und draufgängerisches Verhalten
    * Imponiergehabe und Narzissmus
    * unhöfliches, überhebliches und herablassendes Verhalten
    * Pflege von Ritualen des Kräftemessens: sie messen sich gerne mit anderen Männern in allerlei Wettkämpfen (z. B. Armdrücken, Beindrücken, Fingerhakeln, illegale Autorennen)
    * die Neigung zu prestigeträchtigen Statussymbolen (z. B. ein imposantes Auto, Motorrad)
    * frauenverachtende Sprüche (z. B. „Frauen und Technik!“ oder „Männer haben doch nichts gegen die Frauenbewegung, sie muss bloß rhythmisch sein!“)
    * exzessives und offensives, oft krankhaft übersteigertes Ausleben von Heterosexualität, wobei von der Frau passive und / oder aktive Unterwerfung erwartet und auch teilweise erzwungen wird.


Aus: "Macho" (09/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Machismo

-.-

Quote
[...] Piropos sind eine harmlose Ausdrucksform des Machismo und im spanischen und lateinamerikanischen Raum allgegenwärtig. Wo auch immer eine Frau dort alleine unterwegs ist, wird sie früher oder später Piropos von wildfremden Männern erhalten. Hinter diesen kleinen Schmeicheleien stecken in den seltensten Fällen ernste Absichten, sie sind oft kaum mehr als aufmunternde Floskeln. Einige Männer fassen sie jedoch als Kunstform auf und versuchen, ihre Piropos in geist- und witzreiche kleine Meisterwerke zu verwandeln. Spanische Gigolos verwenden Piropos gezielt, um reiche Urlauberinnen zu bezirzen.

Während einheimische Frauen an Piropos gewöhnt sind und nur selten darauf reagieren, legen Fremde sie oft als alberne Anmachsprüche oder sogar sexuelle Belästigung aus.


Aus: "Piropo" (09/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Piropo

-.-

Quote
[...] Interpretation (v. latein. interpretatio „Auslegung, Übersetzung, Erklärung“) bedeutet im allgemeinen oder alltäglichen Sinne das Verstehen oder die Deutung der zugrundegelegten Bedeutung, Aussage oder des Kontextes.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Interpretation (09/2007)

-.-

Quote
[...] Ein Bedürfnis ist das Verlangen oder der Wunsch, einem empfundenen oder tatsächlichen Mangel Abhilfe zu schaffen.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bed%C3%BCrfnis (09/2007)

-.-

Quote
[...] Der Ödipuskonflikt bezeichnet eine Theorie der Psychoanalyse Sigmund Freuds, wonach jedes männliche Kind im Laufe seiner Entwicklung eine „ödipale Phase“ durchläuft, in der es die eigene Mutter begehrt und mit dem Vater rivalisiert. Von einem Ödipuskomplex spricht man, wenn der Erwachsene immer noch in dieser Problemstellung verharrt, der kindliche Konflikt also nicht befriedigend gelöst werden konnte. Allerdings wird der Begriff Ödipuskomplex oft auch synonym im Sinne des kindlichen Ödipuskonflikts gebraucht.

[...] Freud greift die Figur des Ödipus auf, um mit ihm eine Beobachtung zu beschreiben, die er im Laufe seiner psychoanalytischen Therapietätigkeit bei seinen Patienten machte. Nach Freud findet sich im Unbewussten der Patienten ein sexuelles Begehren gegenüber der eigenen Mutter, das aber in der Regel verdrängt ist. Weil das begehrende Kind dementsprechend mit dem Vater um die Gunst der Mutter rivalisiert, will es den Vater unbewusst töten, um seinen Platz einzunehmen. Auch das Mädchen strebe danach, seinen Vater zu besitzen, und rivalisiert entsprechend mit der Mutter, wie Freud in seiner Schrift Das Ich und das Es (1923) ausführt. Carl Gustav Jung fand für die weibliche Variante des Ödipuskomplexes den Begriff Elektrakomplex.


Aus: "Ödipuskonflikt" (09/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96dipus-Komplex

-.-

Quote

[...] Natürlich ist mir bewusst, dass es durchaus zu den urbanen Mannbarkeitsriten gehört, möglichst grauenhafte Filmszenen zu kennen und cool zu finden...

[...] hinter der Fassade des lieben friedenserhaltenden Soldaten doch wieder der Barbar mit allen Mannbarkeitsriten, die dazu gehören.

[...] Einerseits weiß ich ganz genau, dass Alkohol einen unglaublichen Reiz auf Jugendliche ausübt und dass auch sehr viele "Mannbarkeitsriten" mit diesem Stoff...

[...] und vor allem mit jungen Türken, die in Deutschland aufwuchsen und trotzdem dem Druck uralter Mannbarkeitsriten ausgeliefert sind.

[...] Mannbarkeitsriten. Neuzeugung 3. Der Heldenmythos. Muttertötung und Selbstzeugung...

[...] Sie wären somit auch Mutproben wie letztere Bestandteil sind der Mannbarkeitsriten bei Stammesvölkern. Angst und Angstüberwindung gehören somit zu Prüfungen...

[...] Sie rückt so in die Nähe archaischer Mannbarkeitsriten und Initiationsrituale: "It´s an honest, consensual violence, it´s not victimizing violence...

[...] Das Alter bringt es auch mit sich, dass nicht nur Mannbarkeitsriten geprobt werden. Opas Enkel hat auch eine Freundin.

[...] Auf dem Paukboden als Stätte von Mannbarkeitsriten und Mutproben holten sich die Studenten der schlagenden Verbindungen in Duellen auffällige...

[...] Kritiker sehen in ihrem System von Über- und Unterordnung, ihren groben Sauf- und Mannbarkeitsriten, ihren blutigen Duell-Praktiken eine "Schule der Nation"...

[...] Nach allem, was wir wissen, dienten diese schmerzhaften und langwierigen Initiations- und Mannbarkeitsriten keineswegs der Vorbereitung auf einen Kriegsfall...

[...] Wie z.B. die Mannbarkeitsriten afrikanischer Stämme. Scheinen uns diese aus unserer modernen Sicht her primitiv, so haben sie doch...

[...] Im Süden Afrikas wurden oft Geister nachgeahmt oder Mannbarkeitsriten abgehalten, bevor sich im 20 Jahrhundert...

[...] Und genau das ist der Zusammenhang, in dem die "demonstrativen Mannbarkeitsriten" funktionieren. Ästhetisierung der Gewalt...


Suchmaschienen Textbrocken zu "Mannbarkeitsriten" (09/2007)

-.-

Quote
[...] Pressespiegel:

Laut Alexandra Seitz wirkt 300 wie ein Magnet für Interpretationen aller Art. [...] es ändert sich nichts an der Schlichtheit der Perspektive. Man könnte in 300 aber auch einen bösen Witz vermuten, der pathetische Reden von Ruhm, Ehre, Gerechtigkeit, Vernunft und Freiheit mit Mannbarkeitsriten, Körper- und Uniformfetischen, Blutströmen und Gewaltorgien kontrastiert, um die Unvereinbarkeit von Machismo und Zivilisation deutlich zu machen."
28. März 2007 | Ray 04/2007

[...]

Auf Dauer fühlte sich Lukas Foerster durch die Actionsequenzen ermüdet. [...] In diesen Sequenzen, die immerhin das Herzstück des Films darstellen, offenbart sich die gesamte Ödnis der snyderschen Kinovision, die eine unschöne Mischung aus infantiler Machofantasie und ziellosem Stilwillen darstellt."
20. März 2007 | critic.de


Aus: "Pressespiegel: 300 (USA 2007)" (film-zeit.de, 2007)
Quelle: http://www.film-zeit.de/home.php?action=result&sub=film&info=cinema&film_id=18379


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[was jeder Mann... (Notizen)]
« Reply #7 on: September 17, 2007, 02:42:34 nachm. »
Quote
[...] "Ich hab nur getan, was jeder Mann in diesem Land, auf der ganzen Welt, getan hätte." (Robert James Ritchie)

[...] [Robert James Ritchie] und sein Vorgänger - Lee war von 1995 bis 1998 mit Anderson verheiratet, Rock von Februar 2006 bis November 2006 - seien sich spinnefeind: "Es macht mich einfach krank, wenn ich auch nur mit dem in Verbindung gebracht werde. Wenn mein Name in einem Satz fällt mit seinem, ehrlich, das macht mich kaputt."

[...] Den Beginn der MTV-Prügelei beschreibt Tommy Lee, 44, auf seiner Website so: "Ich sitz' da ganz friedlich und dann kommt dieses Würstchen vorbei und haut mir auf die Schulter. Ich steh auf und sag' zu ihm, 'Ey Alter, was geht?', und da haut der mir in die Fresse. Ich wollte diesem neidischen karrierelosen kleinen Hinterwäldler sofort meine Faust ins Gesicht schlagen."


Aus: "MÄNNERZOFF UM PAMELA ANDERSON: Pöbelei unter Feinden" (17. September 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,506064,00.html


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[The new era for you begins!... [?] (Note, SPAM)]
« Reply #8 on: Oktober 11, 2007, 03:51:55 nachm. »
Quote
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Forget what you've heard earlier. The new era for you begins!
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By Eric X. Rosen <Eric@ivnet.com>
Thu, 11 Oct 2007 08:16:51 +0200 [08:16:51 CEST]

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[menschen-in-der-bahn-memomat... (Notizen)]
« Reply #9 on: November 19, 2007, 03:58:14 nachm. »
Quote
[...] - männer mit einem ohring.
meistens gut vierzig plus. sind niemals ipod-träger. sind oft angehende-glatze-träger. telefonieren gerne in der bahn, und wenn es zu einer funkstörung kommt, dann fuchteln sie nervös an dem gerät rum - hallo-hallo- sabine? - als ob sie nicht in aller ruhe abwarten könnten, bis der tunel mal zu ende ist. neineinenin. es wird sofort panisch rumgefuchtelt, neugewählt, während die andere person auch grade dabei ist neuzuwählen, weswegen sie nicht über mehrere minuten lang,nicht zueinander finden, was sie wahnsinnig macht, aber sie geben nicht auf, fuchteln an den handys weiter rum, und dann die erleichterung: da bist du ja, funkloch, habe versucht eben zurückzurüfen und die sabine sagt ja, ich habe auch grade versucht zurückzurufen . mir ist aufgefallen, und ich werde das aber genauer beobachten, männer die einen ohring tragen, sprechen gerne in dialekt. so leicht dialektmässig. weisch. dies`machma scho`, weisch. verstejsch was ich mein. so schön gemütlich. ich weiss auch noch nicht, ob das mehr so eine anarcho-sache ist oder mehr eine pfiffig-aussehen-sache ist. mir ist auch aufgefallen, dass viele lehrer, die bei ihren mittelstufe/oberstufe-schülern besonders pfiffig/vertrauensvoll wirken wollen, ebenfalls einen ohring tragen. da haben die weibliche lehrerinnen keinen, wie sagt man, pendant? dazu.

- männer mit einem sich ständig bewegendem kauapparat
tragen meistens sehr gedeckte farben in natur-und-steinfarben. machen mich nervös. wenn sie zb einer frau interessiert zuhören ( die frau: laber laber), bewegen sich die kiefergelenke ständig ( knirsch knirsch).laberlaber-knirsch knirsch. meistens sind das sehr dünne männer, mit lichtem haar, die in literaturverfilmungen einen poeten oder einen kränklichen sohn spielen könnten, der gezwungen wird klavier zu spielen. vielleicht ist das ein tick ( das durch das laberlaber ausgelöst wird), oder eine taktik (um das laber laber auszuhalten) oder sie haben irgendwo gelesen, das ausgeprägter kiefer, der durch die knirschbewegung deutlicher wird, sehr anziehend auf frauen wirkt.

also ich habe was anderes gelesen. ich habe gelesen, dass gesichtsgrübschen bei frauen, sehr sexy auf männer wirken. habe ich leider nicht. ich habe nur popo-grübschen, aber das ist wohl kein shocking, alle menschen haben popo-grübchen. jedenfalls gesischtsgrübschen kann man sich nicht einfach so dazumogeln, man muss sie mit eigener wille und kraft erzeugen. das geht so: man kneift mit den zähnen an den innenbacken. MUNDinnenbacken. es gibt eine beckenbodenübung für frauen (broschüren liegen immer beim frauenarzt), dabei müssen sie ihre pobacken zusammenkneifen und loslassen ( angeblich kann man dabei auch lästige kcal loswerden) nicht zuviel nicht zu wenig. dabei entstehen im gesicht kleine grübschen, rechts und links, die sich kaum von den echten grübschen unterscheiden. dabei werden auch die wangenknochen der frau ( sollte auch anziehend auf männer wirken) deutlicher. aber vorsicht: diese verführungskunst verlangt viel übung und viel selbstvetrauen, vor allem sehr viel selbstvertrauen, denn die schwelle zwischen sexy und hässlich ist in diesem fall sehr sehr gering. ich wiederhole: sehr sehr sehr gering. ich spreche aus erfahrung.


- männer die mit ihrer präsenz den ganzen raum für sich beanspruchen
sie haben einen großen kopf und tragen auch gerne einen hut und privat terrorisieren sie gerne die ganze familie. sie tragen dicke marken-jacken ( jack wolfskin) die weit aufgeknüpft sind, wo der kragen jeweils links und rechts dreissigzentimeter luftlinie für sich beansprucht, drunter dicke schurwolle-pullover und echte-leder-taschen, große dinA3 zeitschriften und wenn sie sich in der bahn in einer viersitzgruppe setzen, ist kein platz mehr für andere. da sie einen großen dominanten kopf haben, trauen sich die leute nicht zu fragen ob hier noch platz frei wäre was dumm ist, weil natürlich ist da platz frei, oder hat er für seinen aktenkoffer einen fahrschein gelöst. ich frage zB gar nicht, sondern kwetsche mich rein und setze mich drauf ( jacke, zeitung, brezel in einer tüte) dabei schaue ich die personen gar nicht an, ich spiele den roboter, den autisten oder den ausländer. ich habe für viele dinge verständnis, ausser für faule zähne und besitzergreifenden charakter.

-männer die sehr sehr selten in der bahn fahren und ständig einen verwunderten blick drauf haben
wundern sich immer dass es SO eng und SO laut ist und dass es SO stinkt. sie können sich nicht für den richtigen sitzplatz entscheiden ( wir sind hier nich zum spass!) und während sie sich zwischen den anstrengenden innenfensterplatz (neben der sympatisch aussehnder frau) und dem bequemen sitzplatz neben einen dicken mann nicht entscheiden können, sind ZACK! alle plätze belegt. und ZACK! ist die bahn so voll, dass man nicht mal einen bequemen stehplatz mehr hat. wie sind hier schliesslich nicht zum spass! wir sind im krieg! der mann denkt is ja sowieso nur eine haltestelle, das halt ich noch aus und dann ZACK! kommt die ansage achtung achtung, die weiterfahrt verzögert sich um mehrere minuten . und der mann so seufz seufz, hätt ich bloß.. und die anderen fahrgäste setzen einen wir sind nicht zum spass hiergesicht.

noch eine beobachtung, am rande, es gibt mehr männer, die unterwegs harry-potter lesen wie frauen. ich sage so 80% zu 20%. wieso, warum, kann ich mir denken, bin schliesslich eine frau und auch ich lese den neuen harry potter nicht in der bahn. erstens weil die meisten frauen das buch wieso schon auf englisch gelesen haben und zweitens weil das sehr langweilig ist und ich würde in der bahn wohl einschlafen, wenn ich `s lesen würde. ausserdem bin ich sehr enttäuscht, dass mir keiner die wahrheit gesagt hat über die "beliebte figur die sterben wird". :-((((. ihr müsst mich ja nicht schonen, ich ertrage ja viel. ich habe gestern gelesen wie hedwig die eule vom harry, gestorben ist. so ohne vorahnung, wo ich dachte, nichts aber auch nichts wird mich mehr treffen/wundern wenn ich das buch lese. ausserdem ist mir aufgefallen dass harry mit seinen 17 jahren ziemlich viel herum-pubärtiert, man merkt der ist ohne mutter aufgewachsen, denn so einmal die ohren langziehen würde ihm nicht schaden, finde ich. ausserdem fällt mir ebenfalls auf, dass sehr viele aufeinmal herum-pubärtieren, ist es wegen weihnachten oder was ist los.



Aus: "menschen-in-der-bahn-memomat" Von neuro (14. Nov. 2007, 14:19)
Quelle: http://runtimeerror.twoday.net/stories/4445927/


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[LINK :: Zur Sprache der Bombenstreichler (Notiz, Krieg, Gender)]
« Reply #10 on: November 27, 2007, 11:09:16 vorm. »


LINK :: [Damit unsere Verbündeten sie streicheln können... (Notiz, Krieg, Gender)]
Zur Sprache der Bombenstreichler
http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,220.msg2596.html#msg2596


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[Dinge zu tun, die der Kultur als gewinnbringend erscheine... [?]]
« Reply #11 on: Januar 17, 2008, 12:05:09 nachm. »
Quote
[...] Kultur wird im abendländischen Verständnis traditionell in Gegensatz zu Natur gesetzt. Eingeschränkt ist mit dem Begriff Kultur nur "Hochkultur" gemeint. Zu unterscheiden ist auch der Begriff der Kultur im Alltag und im Bildungsbürgertum. Abgegrenzt wird der Kulturbegriff je nach Intention auch von den Begriffen Technik und Zivilisation. Im amerikanischen Sprachraum werden die Begriffe Kultur und Zivilisation meist synonym genutzt. Die Auffassungen über den Begriff Kultur sind regional unterschiedlich.


http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur (01/2008)

-.-

Quote
[...] Als philosophischer Begriff (vgl. Naturphilosophie) ist das, was natürlich (der Natur entstammend) und was nicht natürlich ist, vom Verhältnis der Menschen zu ihrer Umwelt geprägt. In diesem Zusammenhang steht Umwelt für das Nicht-Ich, das außerhalb des Ego des Menschen ist.

Der Begriff Natur ist nicht wertfrei, so wird auch von Naturkatastrophen, Naturgefahren oder Ähnlichem gesprochen. Natur wird zur menschlichen Existenz in Beziehung gesetzt. Dieses Verhältnis ist vor allem durch emotional, ästhetisch und religiös wertende, normative Einstellungen bestimmt (Oldemeyer 1983).

[...] Innerhalb der Wissenschaft wird Natur sehr unterschiedlich konzipiert, meistens wird davon ausgegangen, dass sich die Naturwissenschaft mit der Natur oder zumindest einem Teil von ihr beschäftigt.

    * die Humanwissenschaften in ihrer Beschäftigung mit dem Menschen zählen sich hierbei teils den Naturwissenschaften, teils den Geisteswissenschaften zugehörig

    * die Ingenieurswissenschaften nähern sich allgemein der Technik, die sich im Gegensatz einer Auseinandersetzung mit Natur sieht.

Der Umgang mit dem Begriff muss aber in der Wissenschaftsphilosophie als sehr kontrovers dargestellt werden. Schematisch können drei verschiedenen Grundtypen von Rollen für den Begriff Natur in den wissenschaftlichen Konzepten im Hinblick auf ihr Verhältnis zum Sein unterschieden werden:

    * Natur wird mit dem Sein identifiziert: So lautet die entsprechenden ontologische Behauptung: „Alles was ist, ist die eine Natur.“ Diese Positionierung wird in der Philosophie als Naturalismus bezeichnet.

    * Natur wird als Teil des Seins, oder der Wirklichkeit, anderen Teilen gegenübergestellt. Andere Teile werden dann oft Kultur oder Geist genannt.

    * Natur wird in seiner Existenz negiert: „Es gibt keine Natur.“

...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Natur (01/2008)

-.-

Quote
[...] Die klassische Psychoanalyse betrachtet den Aufbau der Psyche als ein komplexes System von Vorstellungen (Repräsentanzen), die mit einander assoziiert sind. Nicht alle Vorstellungen sind jedoch im gleichen Maße miteinander assoziierbar. Viele Assoziationen werden aktiv vom Patienten unterdrückt (verdrängt) und bilden untereinander im Unbewussten ein komplexes System, aus dem sich von Zeit zu Zeit Vorstellungen ins Bewusstsein zu schieben versuchen. Dadurch springt der aktive Prozess der Verdrängung an, als dessen verhaltensmäßiges Resultat das Symptom gesehen wird.

Soweit der Patient das Symptom wahrnimmt und erkennt, kann er bestrebt sein, es durch weitere Maßnahmen zu mildern. Die Kompensation ist hierbei die Fähigkeit, das Auftreten des Symptoms durch weitere Hilfsmittel als nur der Verdrängung zu verhindern. Die individuellen Strategien sind hier sehr vielfältig (Abwehrmechanismen).


Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Kompensation_%28Psychologie%29 (01/2008)

-.-

Quote
[...] DÜSSELDORF. „Warum geschah es so selten, dass sich hundert Frauen zusammentaten, ein Schiff bauten und davonsegelten, um unbekannte Regionen zu erforschen, während Männer das ziemlich regelmäßig getan haben?“ fragt Roy F. Baumeister. Der Sozialpsychologe von der Universität Tallahassee (US-Staat Florida) stellt in seinem Aufsatz „Wie Kultur Männer benutzt“ in der Zeitschrift „Merkur“ eine neue und provokante These zum Ursprung der männlichen Dominanz in den meisten Gesellschaften vor: Männer seien zwar keineswegs begabter, aber kulturell motivierter. Sie seien eher als Frauen „getrieben, etwas Neues zu schaffen“.

Der Grund hierfür ist nach Baumeister in der Evolution unserer Art zu suchen: Männer hatten in der Regel eine viel geringere Chance, sich überhaupt fortzupflanzen. Gentests zeigen, dass nur 40 Prozent aller jemals geborenen Männer, aber 80 Prozent aller Frauen Nachwuchs bekamen.

„Das Optimale für Frauen ist ..., mit dem Strom zu schwimmen, nett zu sein ... [!?!] Sie haben gute Chancen, dass Männer vorbeischauen und Sex anbieten ... Wir stammen von Frauen ab, die auf Nummer sicher gehen.“ [!?!] Unsere männlichen Vorfahren aber waren die, die viel riskierten – und gewannen. Die Verlierer [!?!] zeugten keine, die Gewinner umso mehr Kinder.

Dahinter steht die biologische Tatsache, dass Frauen nur eine begrenzte Zahl von Kindern gebären können, während Männer, wenn sie ihre Konkurrenten ausstechen, viele Hundert Kinder zeugen können. Baumeister nennt das ein „eine Art Kompensationsgeschäft“: „Vielleicht sind die Frauen von der Natur so entworfen worden [!?!], dass sie sich darum bemühen, liebenswert zu sein, während Männer so entworfen wurden, dass sie nach Größe strebten.“

Daraus leitet Baumeister zwei geschlechtsspezifische Verhaltensmuster ab: „Das männliche Verhaltensmuster ist für die großen Gruppen geeignet, das weibliche eignet sich am besten für vertraute Paarbeziehungen.“

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden in den modernen Geisteswissenschaften häufig auf gesellschaftliche „Konstruktionen“ reduziert. Die Behauptung, dass Männer und Frauen von „Natur“ aus verschieden sind, gilt nach der weithin etablierten, feministischen Sicht als Teil der patriarchalischen Unterdrückungsordnung. Diese wurde angeblich durch eine Art Verschwörung in vorgeschichtlicher Zeit etabliert.

Baumeister sieht die männliche Dominanz dagegen als Folge des Fortschritts der Kultur, von dem der soziale Bereich der Männer profitierte. Frauen sorgten für das Lebensnotwendige. Männer schufen über viele Generationen durch die verschiedenen Kulturformen Reichtum, Wissen und Macht.

Die Kultur „benutze“ also die Männer, und das kann sie nur tun, weil Männer für den Fortbestand der Gruppe entbehrlicher sind. Daher komme auch die vermutlich uralte Vorstellung, dass ein Männerleben weniger wert ist. „Frauen und Kinder zuerst“ heißt es bei Schiffskatastrophen. Und in die Schlachten ziehen fast ausschließlich Männer, denn selbst wenn die Hälfte stürbe, könnte die andere Hälfte noch für ausreichend Nachwuchs sorgen.

Von Männern wird Risikobereitschaft erwartet. Dass in vielen Kulturen Männern der Respekt verweigert werde (oder zumindest wurde), die sich nicht bewährt hatten, „ist nützlich für die Kultur, weil sie ... so die Männer dazu bringen kann, Dinge zu tun, die der Kultur als gewinnbringend erscheinen“.


Aus: "Geschlechterpsychologie: Warum ein Männerleben entbehrlich ist" Von Ferdinand Knauss (HANDELSBLATT, Mittwoch, 16. Januar 2008)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/News/Journal/Vermischtes/_pv/doc_page/2/_p/204493/_t/ft/_b/1377866/default.aspx/warum-ein-maennerleben-entbehrlich-ist.html



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[Männer sagen "Motherfocker" und antworten "Fuck you!"... ]
« Reply #12 on: Februar 25, 2008, 09:40:58 vorm. »
Quote
[...] Männer sagen "Motherfocker" und antworten "Fuck you!", wenn sie zueinander nett sein wollen und versichern, sie würden nicht mehr in die Hosen machen. Frauen wird im richtigen Moment immer gesagt, sie sollten doch bitte mal das Zimmer verlassen.


Aus: "Die Hinrichtung der 80er Jahre" - Das Ende der Ambivalenz: James Grays reaktionäres Mafiamärchen "We Own The Night" - Von Rüdiger Suchsland (TP, 24.02.2008)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27355/1.html

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[Der Gang zu Prostituierten gehöre zum Mannsein... ]
« Reply #13 on: Februar 26, 2008, 10:05:55 vorm. »
Quote
[...] Der Umgang mit Hardcore-Porno-Filmchen, die auf Teenager-Handys kursieren, trägt in der Schweiz erste Früchte: Einem Bericht zufolge gehen Jugendliche heutzutage lieber ins Bordell als ins Kino oder in die Eisdiele.

[...] Auch Thomas Seeholzer, Leiter des Freier-Projekts Don Juan der Zürcher Aidshilfe, kenne das Phänomen, berichtet "20 minuten": "Viele Teenager scheinen zu glauben, der Gang zu Prostituierten gehöre zum Mannsein, sind aber auch sehr unsicher", so Seeholzer.

[...]


Aus: "Teenager gehen gern ins Bordell" ( 26. Februar 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,537728,00.html


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[Add almost 3 full inches... (Notiz, the MAN you always wanted to be)]
« Reply #14 on: Februar 26, 2008, 10:44:35 vorm. »
Quote
[...]

Datum: Tue, 26 Feb 2008 01:13:26 +0200 [00:13:26 CET]
Von:     Sylvain Broglin <nagromle1969@xxxyyyzzz.com>
An:     -
Betreff: Be the MAN you always wanted to be!

Add almost 3 full inches to the length of your penis... No Pumps! No Surgery! No
Exercises! Order today and recieve *3 FREE Bottles Of VPXL !

-.-

Datum: Tue, 26 Feb 2008 10:01:19 -0200 [13:01:19 CET]
Von:     Catalina Chin <MiaperCrenshaw@xxxyyyzzz.org>
An:     -

Betreff:  Penis Enlargement

Add almost 3 full inches to the length of your penis... No Pumps! No Surgery! No
Exercises! Order today and recieve *3 FREE Bottles Of VPXL !


-.-

Quote

Produce Stronger, Rock Hard Erections.

Now, thanks to an incredible breakthrough, there is a herbal supplement available on the market that is absolutely GUARANTEED to add inches to your manhood, as well as increase thickness, pleasure, and allow you to maintain a rock hard, solid erect1on through intercourse.
Put on an average gain of 3.02 inches where it matters - and all gains are 100% permanent!


etc.

« Last Edit: Juni 28, 2008, 10:33:27 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Misogynie und Homophobie als zwei Seiten einer Medaille... (Queer Studies)]
« Reply #15 on: M?RZ 18, 2008, 01:30:04 nachm. »
Quote
[...] Kraß: Die Queer Studies versuchen, gerade die Differenzierung der Geschlechter in Frage zu stellen. Deswegen wäre es ja nicht sinnvoll, sich entweder auf schwule oder auf lesbische Fragestellungen allein zu konzentrieren. Es geht gerade darum, diese Gegensätze zu entdifferenzieren. Queer Studies sind jedoch eine sehr heterogene Veranstaltung. Es gibt natürlich diejenigen, die vielleicht eher nach der Geschichte der männlichen Homosexualität fragen, und diejenigen, die eher nach der Geschichte der weiblichen Homosexualität fragen, aber man kann genau so gut innerhalb der Queer Studies nach der Geschichte der Heterosexualität fragen. Das finde ich besonders wichtig. Denn meine These lautet, dass Homosexualität, die ja erst im 19 Jahrhundert als solche erfunden worden ist – den Diskurs gibt es ja noch nicht länger –, letztlich benutzt wird, um damit die Heterosexualität als Prinzip zu stützen und überhaupt erst zu konstituieren. Es erscheint mir schon als methodischer Fehler, eine Teilperspektive herauszugreifen. Wichtig ist es, den Zusammenhang zwischen verschiedenen Diskursen über Sexualität zu sehen. Meine These würde lauten, dass die Homosexualität im Grunde auch deswegen »erfunden« worden ist, also als Diskurs über Liebe zwischen Männern oder über Liebe zwischen Frauen, um damit die Normalität der Heterosexualität überhaupt erst, sozusagen im Kontrast, herzustellen.

K.A.: Damit stimmen Sie ja auch mit Judith Butler überein, die in Ihrem Werk Gender Trouble das Geschlechterbegehren in die drei Begriffe »Sex« (das anatomische Geschlecht), »Gender« (die kulturelle Geschlechtsidentität) und »Desire« (das Begehren) auflöst.

Kraß: Da ich früher einmal Theologie studiert habe, sage ich gerne, dass es für mich in den Queer Studies ein Altes und ein Neues Testament gibt: das Alte Testament ist Michel Foucault und das Neue Testament ist Judith Butler. Butler bezieht sich unter anderem – nicht nur, aber auch – sehr stark auf Foucault. Im ersten Band seiner mehrbändigen Geschichte der Sexualität, Sexualität und Wahrheit: Der Wille zum Wissen, ist Foucault davon ausgegangen, dass Sexualität in erster Linie nicht ein Phänomen, sondern ein Diskurs ist. Man kann so die Geschichte des Diskurses über das, was heute »Homosexualität« genannt wird, zurückverfolgen. Dann sieht man, wie es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Umschlag vom Sodomiediskurs zum Homosexualitätsdiskurs, also von der Frage der verbotenen Praktik hin zu einer pathologisierten Identität gibt. Diese diskursgeschichtliche Fragestellung ist meines Erachtens ein ganz zentraler Sachverhalt. Damals wurde Sodomie noch als jegliche Form von Unzucht und nicht-prokreativem Sex verstanden. Heute versteht man unter Sodomie meistens Sex mit Tieren. Was bei Judith Butler hinzukommt, ist die von Ihnen angesprochene Unterscheidung von Sex, Gender und Desire. Eine der vielen wichtigen Gedankenfiguren bei Butler ist diejenige, dass das anatomische Geschlecht nicht mehr als Garantie und Begründung für kulturelle Geschlechterrollen genommen werden kann. Sie dreht das Verhältnis von Sex und Gender um, indem sie sagt, dass selbst der Körper nichts anderes als eine Allegorie des Geschlechts ist. Sie kritisiert, dass kulturell und sozial konstruierte Geschlechterrollen so auf den Körper zurückprojiziert und damit naturalisiert werden. Mit dieser Gedankenfigur unterscheidet sie sich von identitätspolitischen Ansätzen des Feminismus, die gerade auf die Körperlichkeit zurückgreifen. Judith Butler ist diesbezüglich auch bis heute notorisch falsch verstanden worden. Sie wird häufig verkürzt rezipiert. Man unterstellt ihr, sie würde einen beliebigen, postmodernen Pluralismus predigen, so als könnte man sich jeden Morgen in seiner Garderobe eine neue, beliebige Geschlechtsidentität aussuchen. Das ist natürlich nicht richtig. Es geht um die Performativität des Geschlechts. Damit ist nicht die Theatralität im Sinne der Performanz (»Ich führe jeden Tag ein neues Geschlecht auf«) gemeint. Im Gegenteil: Es geht eher darum, dass das Geschlecht und die Geschlechterrolle eine Art Zwangsjacke sind, dass sie performativ durch Wiederholung und praktischen Vollzug eingeübt werden. Das beginnt schon mit der Geburt. Das erste Urteil, das über den Menschen gesprochen wird, lautet ja: »Es ist ein Junge« oder »Es ist ein Mädchen«. Am Anfang des Satzes ist das Kind noch ein Neutrum. Am Ende des Satzes ist es auf ein Geschlecht festgelegt. Diese Festlegung wird dann ein Leben lang beständig wiederholt und eingeübt.

[...] Mein Verständnis ist jedoch in der Tat, dass die Sprache eine sehr große Rolle spielt. Dass aber nicht nur die Sprache eine Rolle spielt, hat Butler von Foucault mit übernommen. Es gibt demnach so etwas wie ein Dispositiv. Dieser von Foucault geprägte Begriff ist ursprünglich ein strategisches Wort aus dem Bereich des Militärs und des Rechts. Gemeint ist damit eine Anordnung im doppelten Sinne: eine Anordnung, die sich aus bestimmten Institutionen, Diskursen, Praktiken zusammensetzt und eine Ordnung vorgibt, die einzuhalten ist. Hier würde ich die Heteronormativität dazuzählen. Das heißt also, die Sprache allein ist es nicht. Neben Sprachhandlungen treten nonverbale Handlungen. Dabei ist natürlich dennoch wichtig, dass alles über die Sprache vermittelt ist, denn Sprache ist das Medium, in dem wir denken. Das können wir nicht hintergehen. Ich habe immer ein bisschen Schwierigkeiten damit, zu sagen, dass Butler hier etwas Spielerisches wie Performanz vorschlägt, weil man dann immer gleich die Vorstellung von ›Drag Queens‹ und ähnlichem hat. Ein Begriff, der für sie wichtig ist, ist der der ›Zwangsheterosexualität‹. Den Zwang muss man vielleicht noch mehr betonen als das Spiel. Das spielerische Element besteht vielleicht in der Grundannahme, dass die Identitäten durch Wiederholungen und durch Performativität eingeübt werden. Wenn ich sie richtig verstehe, ist einer ihrer Ansätze – sie fragt sich auch, was können wir konkret, politisch ändern –, dass man in diese alltäglichen Wiederholungen immer wieder eine kleine Veränderung einbaut und durch diese kleinen Veränderungen – nach dem Motto: »steter Tropfen höhlt den Stein« –, diese Wiederholung mit einer kleinen Differenz, dann vielleicht auch die Norm nach und nach verändern kann. Ein wichtiger Begriff für sie ist ja auch derjenige der ›Intelligibilität‹. Gemeint ist damit die Art und Weise, wie man etwas wahrnehmen, erkennen und verstehen kann. Die Paradoxie besteht ja darin, dass man immer nur das verstehen kann, wofür man auch Begriffe hat. Man erkennt nur das, wofür man eine bestimmte Sprache hat. Die Hoffnung ist vielleicht die, dass es durch eine Veränderung im Sprechen, im Tun und auch in den institutionellen Praktiken möglich wird, Stück um Stück die Norm und damit auch die Wahrnehmung zu ändern. Das heißt, anderes denkbar zu machen, was heute vielleicht noch nicht so denkbar ist.

[...] Wenn wir uns tatsächlich auf eine allgemeinere Perspektive einlassen, ist es natürlich richtig, dass das Prinzip des Patriarchats, in dem wir uns immer noch befinden, den Mann vor der Frau privilegiert. Misogynie und Homophobie sind zwei Seiten einer Medaille. Man kann die Homophobie aus der Misogynie ableiten.

[...] Es mag ja sein, dass es vielleicht ein Luxusproblem ist, Tristan und Isolde zu untersuchen, was ich allerdings nicht bestätigen möchte. Aber man kann ja auch einmal danach fragen, wie es mit der Einwanderungspolitik aussieht, mit Asylverfahren, mit Schulpolitik, mit dem, was auf den Schulhöfen geschieht, mit dem, was in den Amtsstuben geschieht, wo Asylbewerber, die sexuell verfolgt werden, sich vorstellen und um Aufnahme bitten. Wenn diejenigen, die dort wichtige Funktionen übernehmen – also die Lehrer, die Schuldirektoren, die entsprechenden Beamten, die Politiker –, wenn die voreingenommen sind, wenn sie Berührungsängste haben, wenn sie Schwierigkeiten haben, mit dem Thema Sexualität umzugehen, weil sie persönlich verwickelt werden… Deshalb brauchen wir ein hohes Reflexionsniveau, einen nüchternen Blick – und diesen nüchternen Blick können wir dadurch gewinnen, dass wir die Queer Studies als Perspektive ernst nehmen.

...


Aus: "»Die Heteronormativität aufbrechen. Anderes denkbar machen.«" - Ein Interview mit Professor Dr. Andreas Kraß zum Thema »Queer Studies« - Ansgar Skoda (10. Juli 2006)
Das Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Kraß wurde für Radio Bonn/Rhein-Sieg aufgezeichnet und am 11. Juni 2006 im Rahmen der Bürgerfunksendung »Bunte Welle« ausgestrahlt.
Quelle: http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/716/1/

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[dass sie vor allem männliche Phantasien ansprechen... (Notiz)]
« Reply #16 on: Mai 26, 2008, 01:20:53 nachm. »
Quote
[...] Harry S. Morgan (* 29. August 1945 in Essen; eigentlich Michael Schey) ist ein deutscher Regisseur, Produzent unter anderem von Pornofilmen und Journalist.

[...] Morgan studierte Fotografie an der Folkwang-Hochschule in Essen bei Professor Otto Steinert und ist Mitbegründer der Gruppe „Visum“. 1991 führte er Regie bei dem Kriminalfilm Pommes Rot-Weiß mit Michael Lesch. Seit etwa 1988 ist er als Regisseur und Produzent von Pornofilmen bekannt. Morgan zeigt in seinen Filmen oft extreme Sexpraktiken wie Doppelpenetrationen, Fisting und Urination-Szenen und tritt dabei regelmäßig selbst als Darsteller – wenn auch nicht in sexuellen Situationen – auf.

Morgan arbeitet für die Firma Videorama und wurde hauptsächlich durch die Filme mit Gina Wild und Vivian Schmitt bekannt. Neben Gina Wild arbeitete er unter anderem auch mit Richard Langin und Henry van Damp zusammen. Bekannt wurde er durch seine diversen zum Teil sehr erfolgreichen Filmserien Gina Wild – Jetzt wird es schmutzig, Junge Debütantinnen, Maximum Perversum, Teeny Exzesse, Happy Video Privat, Joker, Anmacherinnen, Old Ladies Extreme, Extreme, Bizarre und Fetisch.

 Auszeichnungen:

    * (1997) Venus Award: Bester Serien-Regisseur
    * (2001) Venus Award: Bester deutscher Regisseur
    * (2004) Venus Award: Bester deutscher Regisseur
    * (2007) Venus Award: Lebenswerk (wurde jedoch von H.S.Morgan wieder zurückgewiesen)



Aus: "Harry S. Morgan" (3. Mai 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Harry_S._Morgan


-.-

Quote
[...] Sitzen bei der katholischen Hochschulgruppe herum und hören Harry S. Morgan zu. Der Saal ist voll, die meisten sind wohl keine katholischen Hochschüler sondern aus demselben Grund wie wir da, mal wieder was Bizarres erleben und wenn es sonst nichts gibt, dann eben einen Porno-Regisseur, der vor einer katholischen Gemeinde einen Vortrag hält.

Eigentlich soll es ja um Globalisierung in der Pornoindustrie gehen, Harry S. Morgan oder auch Michael Schey, wie auch immer, erzählt aber mehr von seiner Arbeit und aus seinem Leben. Das ist spannend und witzig und deswegen beschwert sich auch niemand, nur der Pfarrer versucht gelegentlich, wieder zurück zum Thema zu finden.

Irgendwann geht es um den Frauenanteil bei Pornokonsumenten, bei Morgans/Scheys Produktionen ist es angeblich fast die Hälfte, die von Frauen oder Paaren gesehen wird.

In der letzten Reihe meldet sich ein blasser, unauffällig und sehr konservativ anmutender Mitzwanziger. Er kann sich nicht vorstellen, dass wirklich so viele Frauen Pornos gucken. Die Begleitung und ich, wir grinsen hämisch. Armer katholischer Gutmensch. Der Blasse fährt fort und erklärt, dass ja die meisten Praktiken so sind, dass sie vor allem männliche Phantasien ansprechen. Plötzlich erklingt das Wort "Gesichtsbesamung". Aus seinem Mund. Wir sind entsetzt. Er wird nicht einmal rot. Ich möchte einen Exorzisten, schnell.




Aus: "..." (wondergirl | 21. Mai 08 | Topic Erlebt | 1 Kommentar )
Quelle: http://wgirl.blogger.de/stories/1131203/


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[Sprich sie an, fick sie und werd sie los... (Notizen)]
« Reply #17 on: Juni 05, 2008, 11:36:37 vorm. »
Quote
Glaubst du, dass sich auch die Jungs geändert haben?
Das ist schwieriger, weil es nicht so offensichtlich ist. Auf der einen Seite wird es immer diesen Typus des Alphamännchens geben: Männer wollen irgendwie die Stärksten sein, das Ende der Nahrungskette sozusagen. Gleichzeitig sind viele Jungs heute viel sensibler. Ich selbst zum Beispiel bin aufgewachsen in einer Gruppe mit vielen sensiblen Jungs und bin selbst so. Wir haben ein modernes Bild von Männlichkeit.

Und gleichzeitig musst du dir vermutlich von Gleichaltrigen anhören, dass du dir die Haare schneiden lassen musst, oder nicht?
[...] Es gibt bestimmt zwei Gruppen von Jungs und von der einen Gruppe musst du dir anhören, dass Gefühle weiblich sind. Und das ist doch merkwürdig: Auch diese Rugbyspieler-Typen mögen die Beatles, aber sie mögen Jungs nicht, die so aussehen wie Paul und John. Gleichzeitig bemerke ich manchmal selbst, dass es auch bei meinen Freunden und mir so ist, dass wir dieses natürliche Bedürfnis haben, uns männlich zu geben. Aber die Haltung ist eine andere. Kürzlich habe ich im Bus zwei Jungs zugehört, die über ein Mädchen sprachen. Der eine sagte: „Sprich sie an, fick sie und werd sie los.“ Ich dachte nur: Super Spruch, Mann.

[...] Gibt es in der englischen Kultur eine Tradition von aufgeklärten Männern? Etwa das Wort „gentleman“ – gleichzeitig sanftmütig und männlich.

Ja, dieses Wort ist wirklich interessant. Ich glaube schon, dass wir früher bessere natürliche Werte hatten und deshalb mehr Respekt voreinander. „Gentleman“ – das ist, was wir sein sollten.



Aus: ""Früher waren die Bösen wie Liam Gallagher. Heute sind sie wie Amy Winehouse."" - Aus einem Interview mit Richard Milward. Richard Milward, 22, studiert Kunst am Central St. Martins College in London und ist Kolumnist für Dazed&Confused. Mit "Apples" legt er jetzt seinen ersten Roman vor...
/ Text: hannes-kerber  (04.06.2008)
Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/435152/TrkHomeMagTsr1


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[An argument over the size of their penises... ]
« Reply #18 on: September 22, 2008, 04:53:35 nachm. »
Quote
[...] Three people were shot dead and two others are fighting for their lives after a remark about a patron's penis size escalated into a bloodbath at a tavern in Umbilo, Durban, on Wednesday night.

Horrified customers ducked for cover as gunmen opened fire at the Merseyside Pub and Tavern on Hillier Road.

Five men, including two police officers, were arrested at 4am on Thursday.

Police said Nick Jansen van Rensburg, 57, and Rory Menzes, 40, were both shot in the chest and Shawn Strydom, 33, was shot in the head. All three men died at the scene. Two men were wounded and were rushed to a local hospital.

A police source said the two groups of men had been inside the tavern watching the World Cup qualifying game between England and Croatia last night.

"At some stage, one man from each group went into the tavern's toilets and there was an argument over the size of their penises."

When the men returned to their friends the argument escalated.


"At some stage some of the men went outside and there was a scuffle. One group returned to the tavern to watch the game and the other group remained outside," the source said.

"The men then went to their cars, opened their boots and returned to the tavern where they opened fire on the five men."

He said the shooters then casually exited the tavern, jumped into their vehicles and left.

Police spokesperson Inspector Michael Read said the altercation started at 9pm. He said that after an argument in the car park one group had returned to the pub, leaving the other group in the carpark.

Read said the men then entered and in a "precision style" picked out the five men they had had the argument with.

"The station commissioner of the Umbilo police station then formed a task team and by 4am four men had been arrested," Read said.

A witness to the shooting, Michelle Andrew, who works at the tavern, said she suspected there would be a fight when a group of men approached the other in a dispute over the size of their penises.

"Things turned nasty very quickly and they decided to have a fight outside," said Michelle Andrew. "I decided to herd regular customers to the back of the bar when one group of men, who were regulars at the pub, walked back in."

Andrew said she was standing at the front of the tavern when she saw the other group of men approach with guns drawn.

"I was trying to get patrons inside and to close the door but they were big, strong guys and they just barged in. One of the guys who was killed actually pulled me out for the way," she said, the events of last night's horror only just sinking in.

"One of the patrons had been coming here for twelve years. I can't explain what it was like to sit on a bloody floor and comfort people you've known for a long time as they are dying," she said.

Andrew's husband, Louis, was one of those injured, the bullet grazing the back of his head.



From: "Penis size argument turns bloody" by Kuben Chetty (September 11 2008)
Source: http://www.int.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=13&art_id=vn20080911111707939C544430


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[Die Klappe aufmachen und Auskunft geben über den Kern ihres Mannseins... ]
« Reply #19 on: M?RZ 02, 2009, 01:29:35 nachm. »
Quote
[...] 02. März 2009 Während alle Welt rätselt, was die Finanzkrise noch bringt, ist das größte Geheimnis schon gelüftet: Viele Manager sind nicht nur Versager, sie sind Schlappschwänze. Und weit davon entfernt, so viril zu sein, wie sie sich gerne präsentieren. Damit haben sie nicht nur Banken und Aktiendepots ruiniert, sondern auch noch ihre Geschlechtsgenossen desavouiert. Wer nun meint, die miese Performance der Jungs möge für die Wirtschaft relevant sein, nicht aber für uns Männer, der übersieht, dass die Geschäftswelt männlich dominiert ist; ihre Hauptdarsteller sind role models, und ihr Schicksal ist relevant für das Selbstverständnis aller Männer.

Es war der 13. Februar 2008, als sich das Schicksal der Manager zu wenden begann. Damals erschien einer jener Artikel, in denen Konzernchefs gerne schreiben, Führungskräfte seien "Vorbilder" und ihr Führungsstil der "wahre Schlüssel zum Erfolg". Die Leitlinien des idealen Führungsstils entwickelte der Autor, wenig überraschend, entlang klassischer Männertugenden wie Durchsetzungsfähigkeit, Mut und Leistungsbereitschaft. Das gelte besonders in Krisenzeiten. Zum vielbeachteten Dokument männlicher Hybris wurde der Text erst, als exakt einen Tag nach dessen Erscheinen das Privathaus und das Büro des Autors durchsucht wurden - und zwar wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung von mehr als einer Million Euro.

Heute ist Klaus Zumwinkel, der Autor des Artikels, ein rechtskräftig verurteilter Straftäter. Anstatt aber am Ende seiner vorbildlich in die Luft gejagten Karriere wenigstens einen mannhaften Abgang hinzulegen, jammerte er nach der Verkündung des Urteils, als Promi werde man anders behandelt als ein Normaler; deshalb habe auch sein Vertrauen in den Rechtsstaat gelitten. Was für eine wehleidige Memme! Nutzt den Promi-Status, solange er etwas davon hat, und beklagt sich, kaum lernt er dessen Kehrseite kennen. Sollte Herr Zumwinkel Trost brauchen, so kann der nur darin bestehen, dass er sich in der Gesellschaft vieler anderer von Seinesgleichen befindet.

[...] Der Chef der deutschen Bahn wiederum, Hartmut Mehdorn, gibt seit langem den stahlkinnigen Manager, dem kein Konflikt zu scharf sein kann. Doch was macht er jetzt, da es darauf ankäme, die Sache mit den ausspionierten Mitarbeitern zu managen? Übernimmt er da Verantwortung? Im Gegenteil! Er windet sich und behauptet, er habe von alledem nichts gewusst. Einziger Zweck seiner Performance: seinen Job zu retten, koste es, was es wolle.

Und schließlich wären da noch die miesen Typen von der Londoner Beteiligungsgesellschaft Kingsbridge: Kaufen die Lieblingsfirma einer anderen Sorte von Mann, nämlich Märklin, gehen hin, veranlassen Märklin, mit Leuten der eigenen Beteiligungsgesellschaft sinnlose Beraterverträge in der Höhe der Märklin-Jahresverluste abzuschließen, treiben das Ex-Familienunternehmen in den Konkurs, um schließlich zu versuchen, jene Firmenteile, die sie vorsätzlich schuldenfrei gehalten haben, aus der Konkursmassen zu kaufen.

Memmen also, wohin wir schauen. Unfähige, heimtückische und verantwortungslose Männer, deren PR-Abteilungen eben die Angebote geschäftstüchtiger Beratungsagenturen sichten, wie man die "Corporate Reputation" wieder aufmöbeln könnte, also das angeblich von Journalisten ruinierte Ansehen dieser Typen und ihrer Unternehmen. Wir wüssten Rat; er kostet exakt den Gegenwert dieser Zeitungsausgabe: Stellen Sie sich hin wie ein echter Kerl und sagen Sie: "Ich übernehme meinen Teil der Verantwortung dafür, dass unsere Wirtschaft baden geht - immerhin habe ich dafür viele Jahre lang sehr gut verdient!"

Aber wo sind sie nur, die Männer, die den Mumm dazu haben? Irgendeiner da? ...


Dass diese Männer genau in jenem Moment versagen, in dem es besonders auf sie ankäme, lässt zwei Schlüsse zu. Der eine lautet: Wir haben die Definition von Männlichkeit den Falschen überlassen. Nämlich Männern, die bloß so lange standhaft, klar, aggressiv, kräftig und verlässlich sein können, wie sie erfolgreich sind und es um ihre Binnenkämpfe geht - also darum, andere Männer zu überflügeln und Frauen von den Machtpositionen fernzuhalten. Sobald es aber um die Substanz geht, darum, souverän mit dem Scheitern der eigenen Welt, der Krise der eigenen männlichen Grundprinzipien umzugehen, versagen sie. Ihre Härte, ihre Klarheit, ihre Aggressivität galten und gelten immer nur den anderen - nie der eigenen Person!

Wer sich dieses unglaubliche Schauspiel ansehen will, braucht auf Youtube nur "Gernot Schieszler" einzugeben. Dann kann er in einem Amateurvideo dem Vize-Ceo der Festnetzsparte der Telekom Austria dabei zusehen und -hören, wie er in einem Micky-Maus-Englisch sein Mobbing-Geheimnis erklärt: Man werde die unkündbaren, nicht mehr benötigten Leute nach Hause schicken, sie in Sicherheit wiegen; und wenn sie sich krank meldeten, ihnen den Doktor auf den Hals hetzen; schon sei man sie los. Die Folgen für den fröhlichen Menschenverächter? Man hat ihm die Zuständigkeit für Personalangelegenheiten entzogen.

Die Psyche der Manager ist offensichtlich von einer beinahe krankhaften Verletzlichkeit, die es daher auch mit aller Inkompetenz zu verteidigen gilt. Hier das bizarrste Beispiel: Anstatt sich auf Nimmerwiedersehen zu verabschieden, verklagten die drei Ex-Vorstände der Hypo Real Estate (HRE) ihren Ex-Arbeitgeber auf Entschädigung; jene Leute also, die deshalb gefeuert worden waren, weil sie die HRE zerschrottet hatten, bis die nur mehr durch den Zuschuss von gigantischen 102 Milliarden Euro zu retten war (bezahlt übrigens von uns Steuerzahlern und von den Banken). Doch damit nicht genug: Wenn die Ex-Chefs wenigstens Manns genug gewesen wären, richtige Millionen zu verlangen! Zu feig! Zu kleinkrämerisch. So fordert ein gewisser Frank Lamby, ironischerweise der Ex- "Chief Risk Officer" der HRE, exakt 37 500 Euro. Stichwort: "Versorgungsansprüche". 37 500 Euro!

Was uns zu der zweiten Lehre führt, die uns die aktuelle Situation beschert: Eine Wirtschaft, die auf der Basis dieses männlichen Selbstverständnisses steht, bleibt eine höchst wackelige Veranstaltung. Sie reflektiert nämlich nur die Welt da draußen, deren Gefahren und deren Möglichkeiten, sich die Taschen voll zu machen - nicht aber die Innenwelt, das moralische Fundament ihrer Konstrukteure.

Diese Innenwelt bleibt in der Debatte um die Krise vollkommen ausgespart. Dabei ist es überfällig, dass die Versager damit aufhören, Prozesse um Peanuts zu führen. Vielmehr müssten sie endlich den Mut aufbringen, sich mit ihren kaputten Egos zu befassen, mit ihren halbseidenen Konstrukten von Männlichkeit, mit den verheerenden Folgen ihrer Weltaneignungsstrategien - und zwar ebenso öffentlich, wie sie sich zuvor für die strahlenden Seiten ihres Egos und Männlichkeitsbildes haben abfeiern lassen. Das wäre ein Beweis für echte Leadership!

Ein allererster Schritt müsste also darin bestehen, ein paar dieser Männer zum Sprechen zu bringen, sie einigermaßen präzise Auskunft geben zu lassen. Über ihre Allmachtsphantasien, ihre Angst vor dem Versagen, ihr klägliches und/oder mondänes Leben, ihre Traurigkeit, ihre Ohnmachtsgefühle, ihre Gier, ihr Verständnis von Verantwortung, Mut, Pflichtbewusstsein, Anstand, Emanzipation und Selbstkritik. Mit einem Wort: Sie müssen endlich die Klappe aufmachen und Auskunft geben über den Kern ihres Mannseins.

...

Quote
Mut und Verantwortung
Bertram von Steuben (Elim_Garak)

.... James Garner sagt in der deutschen Fassung des Filmes 'Der Tank': "Wer Scheiße baut, muss auch an der Kette ziehen"! That's it - und Ende!


Quote
Bravo
Ulrich Foraita (Foraita)

Ich glaube nicht, dass es sich hier um einen Konflikt zwischen den Geschlechtern handelt. Ich glaube allerdings, dass die Wirtschaft traurigerweise Strebern ihr Vertrauen schenkt, die ein echter Mann oder besser Kerl schon vor 30 Jahren in der Berufschule aus reinem Instinkt verprügelt hätte. Es sind diejenigen, mit denen in der Grundschule schon keiner spielen wollte, die jedoch heute auf dem Klavier der Macht musizieren dürfen. Und dies auch tun.


Quote
Männer und Frauen
Anja Müller (anna08)

nach meiner eigenen Beobachtung neigen Männer eher als Frauen dazu, zu blenden und mit einem überhöhten Selbstbewusstsein Aufgaben anzupacken, denen sie nicht gewachsen sind. Anders die Frauen, die leider dazu neigen, überhaupt nicht anzupacken. ...


Quote
Deswegen...
kristian kroflin (kroflin)

ist Herr Christian Ankowitsch auch nur Journalist, beobachtet andere und "berichtet" über sie, statt mal selbst etwas in die Hand zu nehmen - schliesslich tun das andere, deren Produkte und Dienstleistungen er nutzt, während seine Intrigen und Anschuldigungen niemandem etwas nutzen, sondern diese Provokation vielmehr noch ablenken soll, damit die, die im Gegensatz zu Herrn Ankowitsch etwas können, das anderen nutzt, davon abgehalten werden. Es wäre lustig, wie sich die Voraussagen und Urteile des Herr Ankowitsch im naturwissenschaftlich-technischen Bereich als magischer Realismus entpuppen würden.


Aus: "Männerbilder in der Krise: Stellt euch, ihr Memmen!" Christian Ankowitsch (02. März 2009)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E01CDF46F5AC24283BDF5A44C52C0BD9D~ATpl~Ecommon~Scontent.html



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["Jungs" werden zu "Maennern"...]
« Reply #20 on: September 06, 2009, 01:55:12 nachm. »
Quote
[...]

Quote
04.09.2009,
13:51 Uhr
    Londoner sagt:
    Laut der Londoner Times waren die LKW, die Kraftstoff fuer deutsche Truppen transportierten, ohne deutsche Soldaten unterwegs, also ungeschuetzt. Bei der der Entfuehrung folgenden Bombardierung sollen ca. 90 Menschen getoetet worden sein, davon ca. die Haelfte Zivilisten.


Quote
04.09.2009,
13:08 Uhr
    Diego sagt:
    Wow, endlich werden unsere Jungs in Afghanistan zu Maennern. Tut mir zwar leid um die Zivilisten, die bei der Operation ihr Leben verloren haben, aber wer den Taliban hilft muss mit Konsequenzen zu rechnen haben.



Aus Kommentaren zu: "Luftangriff in Kundus - Taliban ziehen Bundeswehr in ihren Terror-Krieg" (4. September 2009)
Quelle: http://www.welt.de/politik/deutschland/article4461819/Taliban-ziehen-Bundeswehr-in-ihren-Terror-Krieg.html


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[Der Volksglaube scheint erstaunlich zu wirken... (Testosteron)]
« Reply #21 on: Dezember 09, 2009, 12:32:28 nachm. »
Quote
[...] In der Studie erhielten 121 Freiwillige entweder Testosteron oder ein Scheinpräparat. Anschließend sollten sie in einem Spiel Angebote machen, wie ein Geldbetrag verteilt würde. Je fairer die Offerte, desto eher wurde sie angenommen. Einigten sich beide Seiten nicht, bekam keiner etwas. Das Ergebnis verwunderte die Wissenschaftler, denn Teilnehmer mit künstlich erhöhtem Testosteron machten die faireren Angebote. "Nach gängiger Meinung wäre zu erwarten, dass Versuchspersonen mit Testosteron eine aggressive, selbstbezogene und riskante Strategie wählen - ungeachtet möglicher negativer Auswirkungen auf den Verhandlungsprozess", sagt Christoph Eisenegger, Erstautor der Studie.

Aus früheren Studien ist bekannt, dass männliche Tiere weniger streitlustig sind, wenn durch eine Kastration ihr Testosteronspiegel gesenkt wird. Daraus leitete sich das populäre Vorurteil ab, dass Testosteron nicht nur Sprinter schneller, sondern alle Menschen egoistisch und aggressiv machen würde. "Uns interessierte die Frage, was ist Wahrheit, was Mythos?", sagt Eisenegger.

Der Volksglaube scheint erstaunlich zu wirken, denn Probanden, die glaubten, Testosteron zu erhalten, verhielten sich durchweg unfairer - egal ob sie Hormone bekamen oder nicht. "Es scheint, dass nicht das Testosteron selbst zu Aggressivität verleitet, sondern der Mythos rund um das Hormon. In einer Gesellschaft, in der immer mehr Eigenschaften und Verhaltensweisen auf biologische Ursachen zurückgeführt und teils damit legitimiert werden, muss dies hellhörig machen", sagt der britische Ökonom Michael Naef.

...

Quote

09.12.2009 11:08:07

UweStucken: Irgendwas an der Studie ist verdächtig

Es muss ja Gründe geben, warum FrauInnen edel, hilfreich, gut, fleißig, selbstlos, ehrlich, kontaktfreudig und verantwortungsbewusst, Männer jedocoh dumm, faul, egoistisch, verlogen, egomanisch und in jeder Hinsicht nutzlos sind.

Man kann doch hinsehen wo man will, überall das gleich Bild. Frauen rackern und schuften, die bringen was zustande. Männer jedoch tun nichts und leben von dem, was die Powerfrauen schaffen.

Also, wenn es nicht um Testosteron liegt, was ist dann der Grund für die Überlegenheit der weiblichen Herrenrasse über das männliche Untermenschentum?


Quote

09.12.2009 11:02:42

sajoh: Seltsam

Vor zwei Jahren hab ich in der Uni bereits eben dies zu hören bekommen: nicht das Testosteron an sich macht aggressiv, risikofreudig, etc., sondern es ist das Zusammenspiel mit soziokulturellen Einflüssen. Das wurde u. a. im Zuge der Forschung über Mädchen-/Frauengewalt klar, wo der Testosteronspiegel um ein Vielfaches niedriger liegt.

Es war nie eindeutig wissenschaftlich erwiesen, dass Hormone selbst das Verhalten beeinflussen, leider gibt es seit Jahren die Mode, möglichst alles nur auf Gene und Hormone zurückzuführen (man siehe z. B. Gerhard Roth mit seiner These/Forschung bezüglich genetische Veranlagung zu Kriminalität). Der momentane Stand des Diskurses ist aber, dass etwa 20-30% dem biologischen Faktor zuzurechnen sind, der Rest dem soziokulturellen, beides mit reziproker Wirkung , d.h. ein Mehr an bestimmten Hormonen macht (bereits vorgeburtlich) sensibler für bestimmte äußere Einflüsse und diese wiederum wirken auf die weitere Produktion der Stoffe ein.

Na, vielleicht schaut's in 20 Jahren ja wieder ganz anders aus - jenachdem, was für ein Trend gerade vorherrscht.


Quote

09.12.2009 09:21:51

Harpagonos: *schnüff*

Ich kann die Gender-Mainstreamer-Grundlage dieser "Studie" bis hierher riechen... schade, dass hier keine Details dazu vorhanden sind.


Quote
09.12.2009  10:12:54

hschwager: Testosteron

Irreführender kann man einen Artikel nicht schreiben.

Die Probanden waren allesamt weiblich!

...





Aus: "Hormone: Freispruch für Testosteron" Von Werner Bartens (09.12.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wissen/681/496991/text/

-.-

Quote
[...] In ihrer Untersuchung nahmen rund 120 weibliche Versuchspersonen am sogenannten Ultimatum-Spiel teil. Dabei macht eine Person A einer Person B jeweils ein Angebot zur Aufteilung eines realen Geldbetrags. Die Person B kann ihn akzeptieren, dann dürfen beide ihren Anteil behalten, wenn sie aber ablehnt ist das Geld für beide verloren. Je fairer der Vorschlag, desto wahrscheinlicher ist es, dass B akzeptiert. So haben beide ein Interesse an einem fairen Angebot.

Vor dem Spiel erhielten die Versuchspersonen entweder eine Dosis Testosteron oder ein Scheinpräparat verabreicht.

[...] Die Studie zeigte zudem, dass der Volksglaube, Testosteron mache aggressiv, offenbar tief sitzt: Die Forscher fragten nämlich die Probandinnen auch, ob sie annahmen, eher Testosteron oder ein Scheinpräparat erhalten zu haben. Jene, die glaubten, Testosteron bekommen zu haben, fielen durch äusserst unfaire Angebote auf.

Laut den Forschern benutzten diese Personen möglicherweise den Volksglauben als Legitimation, um sich unfair zu verhalten. «Es scheint, dass nicht Testosteron selbst zu Aggressivität verleitet, sondern vielmehr der Mythos rund um das Hormon», wird Michael Naef im Communiqué zitiert.

...


Aus: "Testosteron macht möglicherweise nicht aggressiv" (8. Dezember 2009)
Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/testosteron_aggressiv_ulitmatum_1.4135523.html


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[Armee als Institution des Patriarchats... (Notizen)]
« Reply #22 on: April 13, 2010, 11:02:08 vorm. »
Quote
[...] ZEIT ONLINE: Herr Jungnitz, die Bundeswehr macht gerade Schlagzeilen mit einem Skandal: Angehende Gebirgsjäger mussten rohe Leber verzehren und bis zum Erbrechen Alkohol trinken. Das ist nicht der erste Skandal dieser Art in der Bundeswehr. Was begünstigt solche Misshandlungen?

Ludger Jungnitz: Man hat festgestellt, dass in sehr ungleichen Machtverhältnissen Gewalt gedeiht. In hierarchischen Zusammenhängen, die auf Unterordnung und Macht beruhen, fällt es außerdem schwer, sich gegen die Misshandlungen zu wehren. Das heißt, wo Gewalt möglich ist, findet sie auch statt. ... In unserer Studie "Gewalt gegen Männer" hat sich gezeigt, dass Gewaltakte in der Wehrdienstzeit von vielen Männern als selbstverständlich angesehen werden. Die Gewalterfahrungen, die über dieses als selbstverständlich angenommene Maß hinausgingen, waren viel häufiger als im weiteren Erwachsenenleben.

ZEIT ONLINE: Innerhalb der Bundeswehr gibt es offizielle Wege, Beschwerde einzureichen. Warum wehren sich die Soldaten gegen demütigende Rituale nicht oder erst so spät?

Jungnitz: Es handelt sich dabei um Initiationsriten. Es geht darum, dazuzugehören, in eine Gemeinschaft eingeführt zu werden. Sobald ich mich wehre, bin ich ein Außenseiter. Der Soziologe Michael Meuser spricht von den "ernsten Spielen der Männlichkeit". Durch sie wird eine Ordnung in der Gruppe hergestellt. Es fühlt sich besser an, unten in der Hierarchie zu stehen als gar nicht zur Gruppe zu gehören. Die Demütigungen ausgehalten zu haben, ist die Eintrittskarte in die Gruppe. Schließlich ist für manche die Aussicht, danach selbst andere demütigen zu dürfen auch ein Gewinn. Ein wichtiger Bestandteil der männlichen Sozialisation und damit dieser Riten ist es, die Machtausübung über Frauen und andere Männer als Gewinn anzusehen.

ZEIT ONLINE: Also Ist Gewalt und Dominanz auch in unserer modernen, relativ emanzipierten Welt immer noch ein Zeichen von Männlichkeit?

Jungnitz: Ja. Körperlich stark und autonom zu sein, gilt als männlich. Die Scham der Männer als unmännlich zu gelten, sitzt sehr tief. Dabei stellt sich schnell das Gefühl ein: Ich habe keine Existenzberechtigung, wenn ich den männlichen Idealen nicht entspreche. Deshalb muss der Mann andere Eigenschaften abwehren, von sich abspalten. Die Scham ist auch ein Grund, nicht um Hilfe zu bitten, weil man damit eingestehen würde, zum Opfer geworden zu sein. Diese Männlichkeitsvorstellungen unserer  Gesellschaft sind hochproblematisch.


...

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    * 17.02.2010 um 11:29 Uhr
    * Frank2008

4. Die liebe Männlichkeit und das Dazugehörigkeitsgefühl

Initiationsrituale gibt es überall, sogar an Hochschulen, insbesondere den alten mit Tradtion und dort wird auch gesoffen. Manchmal sind die Rituale feierlich und staatstragend, manchmal eher lustig und schräg, ab und an aber auch brutal mit einem Hauch Ungesetzlichkeit. ...


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    * 17.02.2010 um 21:40 Uhr
    * ddkddk

15. Wen wundert es?

Es handelt sich um Menschen, die darauf dressiert werden, andere im Ernstfall zu töten, auch wenn dies natürlich gerechtfertigt werden kann. Eine solche Dressur gelingt nur, wenn man an gewisse niedrige Instinkte anknüpft. ... Es ist einfach nicht möglich, massenweise Killer zu züchten und gleichzeitig große ethische und moralische Anforderungen zu stellen.


...



Aus: "Initiationsriten in der Bundeswehr - Die gemeinen Spiele der Männer"
Von Parvin Sadigh  (17.2.2010)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-02/bundeswehr-maennerrituale


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Quote
[...] Positionieren sich die Soldatinnen in den allgemeinen Diskursen um Männlichkeit
und Weiblichkeit im Militär je nach Kontext auf der einen oder der anderen Seite
und inszenieren in der Mehrzahl der Fälle militärische Männlichkeit, gestalten sich
diese Positionierungsprozesse im Einsatz anders. In der Konfrontation mit den
Genderverhältnissen der lokalen Kultur und entsprechenden Ausbildungseinheiten
und Verhaltensvorschriften kommt es zu einer tendenziellen Retraditionalisierung
der Genderordnung, die von den Soldaten forciert und von den Soldatinnen unterstützt
wird. Es kommt zu einer Polarisierung des Geschlechterdualismus, der sich bereits in der
Genderordnung im Allgemeinen zeigt, im Einsatz allerdings noch einmal besonders relevant
wird. Soldatinnen werden im Einsatz im Kontakt mit der Zivilbevölkerung als zusätzliches
Sicherheitsrisiko konstruiert und müssen daher zusätzlich geschützt werden. Die Soldatin
schwebt als „schwache Frau“ immer in der potenziellen Gefahr der Vergewaltigung durch
islamische (!) Männer. Sie muss daher vor den „anderen“, den afghanischen/islamischen,
Männern abgesichert werden. Anspruch auf diesen Schutz hat sie allerdings nur, wenn sie ihre
Weiblichkeit und vor allem ihre potenzielle erotische Anziehungskraft versteckt und sich der
Männlichkeitsnorm unterwirft.

[...] In der Auswertung [von] Interviews konnte gezeigt werden,
wie Männlichkeit und Weiblichkeit auf verschiedenen Ebenen mit jeweils
unterschiedlichen sozialen Bezugssystemen und in verschiedenen sozialen Praktiken
ausgehandelt werden: Erstens auf der Ebene der formalen organisationalen Vorgaben,
zweitens in ihrer Auslegung durch Experten und Expertinnen der Bundeswehr und drittens in
der konkreten Interaktion zwischen Soldatinnen und Soldaten. Männlichkeit und Weiblichkeit
sind dabei als Ressourcen zu verstehen, um die permanent gerungen wird und die sich je nach
Kontext (z. B. Umgang mit Waffen, sportliche Leistungsfähigkeit, Sexualität oder Verhalten
im Einsatzland) unterschiedlich ausgestalten. Der männliche und der weibliche Körper
werden jeweils mitverhandelt und unterschiedlich mit Männlichkeits- und
Weiblichkeitsattributen versehen.

...


Aus: "Genderkonstruktionen im Militär unter besonderer Berücksichtigung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr"
Cordula Dittmer, Zentrum für Konfliktforschung - Philipps-Universität Marburg (2008)
Quelle: http://www.afk-web.de/DittmerGenderBundeswehr.pdf

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Quote
[...] "Man ergibt sich", heißt der Eintritt ins Militär im Türkischen wörtlichen. Pinar Selek untersucht, wie Jungs in der Armee zu Männern gemacht werden.

[...] Selek behandelt die Armee als Institution des Patriarchats. Und als zentrale Etappe männlicher Sozialisation. "Die Vaterposition erreicht ein Mann dann, wenn er beschnitten wurde, Wehrdienst geleistet, heterosexuelle Erfahrungen gesammelt und Arbeit gefunden hat." Dann erst folge die Endstation: die Ehe.

Für ihr Buch hat sie Interviews mit 58 Männern ausgewertet, auf 50 bezieht sie sich in der deutschen Ausgabe. Der älteste ist Jahrgang 1919, der jüngste Jahrgang 1982; sie stammen aus allen Ecken des Landes, gehören unterschiedlichen Milieus an, repräsentieren das gesamte politische Spektrum und haben an verschiedenen Orten gedient. Was Selek aus deren Erzählungen subtrahiert, ist vor allem die Erfahrung von Maßregelung und Gewalt. Wenn man den Deckel ein klein wenig lüfte, heißt es im Resümee, offenbare sich der türkische Mann als "ramponiertes Wesen".

[...] Der Staat sei ein Art "Übervater". Das Recht, seine Kinder zu schlagen und zu lieben, das jedem Familienvater zugestanden werde, gelte erst recht für ihn. Dieses widersprüchliche Verhältnis spiegle sich in der Gesellschaft wider: "Man kann beobachten, dass dieselben Leute, die ihre Einberufung mit einem Fest feiern, erzählen, dass sie das Ganze schnell hinter sich bringen wollen."

[...] Für einen Moment scheint es, als wolle Selek zu einer jener Reden ansetzen, die oppositionelle Intellektuelle aus islamischen Ländern im Gespräch mit Westeuropäern gern halten; Reden, die im Parforceritt von der Hexenverbrennung über den Kolonialismus zu George W. Bush sputen, nur eine patriarchale Soße erkennen wollen und bei aller nachvollziehbaren Zurückweisung einer altväterlichen Selbstgerechtigkeit leicht in einen lächerlichen Relativismus abgleiten können. Doch dann fügt sie hinzu: "Es wäre absurd, die Aufklärung in Europa zu übersehen."

Sie habe bemerkt, dass hier einige Dinge anders diskutiert würden. ...

...

Pinar Selek: "Zum Mann gehätschelt. Zum Mann gedrillt. Männliche Identitäten" (Orlanda Verlag)




Aus: "Studie zum Männerbild im türkischen Militär - Mit Absicht ramponiert" Von Deniz Yücel (13.04.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/leben/buch/artikel/1/mit-absicht-ramponiert/

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Quote
[...] Nach dem 2. Weltkrieg war die "militarisierte Männlichkeit" des Faschismus in Deutschland diskreditiert. Durch die Niederlage des Faschismus wurde die Institutionalisierung einer hegemonialen Männlichkeit, die gekennzeichnet war durch Irrationalität und persönliche Gewalt, unterbrochen. Sie war aber für den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit auch nicht mehr funktional. Ähnliches gilt auch für die USA, wo nach dem Krieg eine Männlichkeit hegemonial wurde, die die Rolle des Mannes über Familie und Konsum definierte (der sogenannte "organizational man"). Andere Formen der Männlichkeit, die den Mann weder in Familie, noch in anonyme Büroberufe einordnen wollten und "Freiheit und Abenteuer" predigten, dienten teilweise als "Protestmännlichkeiten" oder wurden "homosexualisiert" und somit abgewertet.

[...] Die Angst vor dem Verlust der eigenen »Männlichkeit« kann trotz Ablehnung militärischer Umgangsformen und des Militärischen an sich "Wehrdienstbereitschaft" erzeugen. Das gilt vor allem für Formen proletarischer Männlichkeit mit ihrer starken Betonung physischer Leistung und körperlicher Kraft, die sich leicht militärisch nutzbar machen lassen. Gerade durch die Waffenausbildung im Militär wird "die im zivilen Leben »fremde«, nur symbolisch vorhandene Waffe ... für den heranwachsenden Mann ... greifbar. Die Waffe ist Begleiter in der Entwicklung vom Kind zum Manne. (...) Waffen werden zu Attributen der Macht in Konflikten mit anderen Personen. ..." Das "Konstrukt der Männlichkeit", das durch den Militärdienst geschaffen werden soll, konzentriert sich auf die Organisation aggressiver Impulse und aggressiven Verhaltens und gipfelt schließlich im Ideal des Kriegers.

[...] Für Deutschland läßt sich vielleicht die Hypothese aufstellen, daß spätestens nach dem Zusammenbruch der DDR ebenfalls ein Revival von auf Dominanz beruhenden Formen der Männlichkeit stattgefunden hat. Dazu paßt das Anwachsen des Rassismus und vor allem rassistischer – aber auch schwulenfeindlicher – Gewalt in den letzten Jahren. Die zunehmende Einsatzorientierung der Bundeswehr im Rahmen von "out-of-area" führt im Einklang damit dazu, daß die traditionelle Kämpferideologie wieder verstärkt benötigt wird, allerdings in abgewandelter Form und auch nicht als alleinige Männlichkeit. Während Hanne-Margret Birckenbach 1986 noch zu Recht einwenden konnte, daß die Bundeswehr nicht über eine eigene Kampftradition verfüge und die Gefahr eines Kriegseinsatzes gering sei – daß daher die "Zerstörung der zivilen Identität" in der Bundeswehr nicht so total sei wie z.B. bei den US-Soldaten in Vietnam, so ist fraglich, in wieweit dies für die neuen Elitetruppen der Bundeswehr, die Krisenreaktionskräfte bzw. das Kommando Spezialkräfte (KSK), noch gilt.

[...] Auch wenn in absehbarer Zeit mit einer Abschaffung der Wehrpflicht zu rechnen ist, so wird auch in Zukunft gerade der Wunsch, "zum wahren Mann zu werden", eine Triebkraft für Zeit- und Berufssoldaten sein. Umgekehrt führen aggressive Männlichkeiten auch allgemein-gesellschaftlich zu größerer Akzeptanz militärischer "Konfliktlösungen" und stehen damit einer grundsätzlichen Entmilitarisierung im Wege. Die Auflösung bestehender Vorstellungen von Männlichkeit (und Weiblichkeit), das Verständnis des "Spiels der sozialen Kräfte, in dem soziales Geschlecht eine wesentliche Rolle spielt" (Connell), ist daher für den Antimilitarismus unabdingbar.

 
[...] Wenn Militarismus und Männlichkeit nur zwei Seiten der gleichen Medaille sind, wie in diesem Beitrag behauptet, so kann ein Antimilitarismus, der sich selbst ernst nimmt, nur antipatriarchal sein, muß "den radikalen Bruch mit Männlichkeit" zu einem Kernbestandteil seiner theoretischen Analyse und politischen Praxis machen.

...


Aus: "Militarismus und Männlichkeit" Von Andreas Speck (Datum ?)
Quelle: http://www.anarchismus.at/txt4/militarismus8.htm

-.-

Quote
[...] Warum Militär und Männlichkeit in der israelischen Gesellschaft verknüpft sind oder besser:
warum Wehrhaftigkeit ein zentrales Element des Männlichkeitsbildes ist, wirft Fragen auf. Hat
doch Israel bei der Staatsgründung die Wehrpflicht auch für Frauen festgeschrieben und ist damit
das einzige westlich orientierte Land, in dem (jüdische) Frauen der Wehrpflicht unterliegen.
Trotzdem haben sich die Geschlechterbilder, die Geschlechtersymbolik, die
Geschlechterverhältnisse in der Gesellschaft nicht geändert. Die Beschützer, die Verteidiger sind
männlich: die Gedenkstätten, in denen in jedem Kibbuz, jedem Ort und jeder Stadt der in
Uniform gestorbenen Soldaten und Soldatinnen gedacht wird, heissen Yad le’banim, zu deutsch
Haus der Söhne.

Der Militärdienst ist in Israel das Thema, das mit Erwachsenwerden verbunden ist. Aus
zahllosen Gesprächen oder Aufzeichnungen wird deutlich, daß die Reaktion der Eltern auf die
Geburt einer Tochter mit einer gewissen Erleichterung einhergeht, während den Eltern bei der
Geburt eines Sohnes bewußt ist, daß er in achtzehn Jahren beim Militär und vielleicht sogar in
einer Kampffunktion tätig sein wird. Es ist nicht übertrieben zu sagen, daß das Aufwachsen von
Jungen (weniger stark von Mädchen) in der israelischen Gesellschaft „von der Tatsache
bestimmt ist, daß sie von Geburt an dazu bestimmt sind, Soldaten zu sein“ (Mazali 1993: 2).

[...] Im Militär wird ein Männlichkeitsbild konstruiert, dessen Schlüsselsymbol der Kämpfer ist (vgl.
Morgan 1994). Erreicht werden sollen Mut, Entschlossenheit, physische Fitness, Angriffslust,
Kampfgeist. Neben disziplinierenden Maßnahmen werden psychologische Kontrollen eingesetzt,
um als männlich erachtete Verhaltensweisen zu erreichen. Besonders lange Märsche sollen die
Rekruten unter Streßbedingungen setzen. Der männliche Körper steht in dem größten Teil der
Übungen und der Disziplinierungen im Mittelpunkt (Morgan 1994).
Die militärische Sozialisation – zumindest in westlichen Staaten - verstärkt jene Elemente eines
Männlichkeitsverständnisses, die auf einer (in unserer Kultur und Gesellschaft praktizierten)
Abwertung des Weiblichen beruhen. Frauen werden vor allem als Objekte gesehen: Teile der
Ausrüstung und ganze Waffensysteme werden mit weiblichen Namen versehen, Frauen
erscheinen vorwiegend in Zusammenhang mit sexuellen Phantasien. Männlichkeit wird mit
Gewalt und mit sexueller Dominanz verbunden. Offenbar besteht in der (meist) ausschließlich
männlichen Gemeinschaft das starke Verlangen, keine „Unklarheit“ über die männliche (heterosexuelle)
Geschlechtsidentität aufkommen zu lassen (vgl. Arkin und Dobrofsky 1978: 162).
Militärische Zurichtung männlicher Soldaten arbeitet systematisch mit der
„Verweiblichungsangst“. Die Verweiblichungsangst führt zu der Tendenz, Frauen als schwache
Objekte zu phantasieren. Deshalb finden sich auch in der soldatischen Sprachstruktur
frauenverachtende und frauenfeindliche Ausdrücke. „Klassische“ Beschimpfungen, die als
Erniedrigung gemeint sind, sind im amerikanischen Sprachkreis „Pussy“ oder „Faggot“
(Slangausdruck für Homosexuelle). Astrid Albrecht-Heide führt eine Reihe von Beispielen aus
der Bundeswehr an: Frauen, die sich mit Soldaten einlassen, werden als „Matratze“ bezeichnet
(daraus leiten sich je nach Kontext „Armeematratze“, „Kompaniematratze“, „Unterlage“ ab);
Frauen werden als „MG“ (für „mausbares Gerät“), als „Gemeinschaftsempfänger“, als
„jagdbares Wild“ bezeichnet, um nur einige Ausdrücke zu nennen (1996: 46).
Robert Connell weist darauf hin, daß es mehrere Konstruktionen von Männlichkeit gibt, die in
einem hierarchischen Verhältnis zueinander, gleichwohl als Gegenstück zur untergeordneten
Weiblichkeit, stehen. Dabei kann die „hegemoniale Männlichkeit“ (1995) als idealisiertes Bild
im Verhältnis zu untergeordneten und „marginalisierten“ Männlichkeitsbildern verstanden werden.
In einer Studie über Offiziere in verschiedenen Bereichen der US-Navy zeigt Frank Barrett,
daß die Männer enorme Energien in Männlichkeitsdiskurse investieren, um subjektive
Unsicherheiten zu bewältigen, die aus unterschiedlichen hierarchischen Positionen der Männer
untereinander und aus der Anwesenheit von Soldatinnen in einigen Positionen resultieren. Die
Diskurse drehen sich um Risikobereitschaft, Disziplin, Technologie, Degradierungen, Ertragen
von Härten, Abwesenheit von Gefühlen, Zähigkeit und Durchhaltevermögen angesichts hoher

physischer Anforderungen (1996: 140). Je nach Arbeitsbereich unterscheiden sich die
Definitionen von Männlichkeit. In der Luftfahrt werden Männer als „Elite“ im Vergleich zu
„gewöhnlichen“ Kriegsführungs- und Versorgungsoffizieren betrachtet, da sie verbunden mit
dem hochtechnisierten Fliegen Autonomie, Nervenkitzel und Ruhm vorweisen können. Die
Kriegsführungsoffiziere begreifen ihre Tätigkeiten als männlich, da sie härtere Bedingungen und
stärkeren Wettkampf als andere Offiziere hinnehmen müssen. Die Versorgungsoffiziere grenzen
sich von anderen als technische Spezialisten ab, denen eine erfolgreiche Geschäftskarriere
bevorsteht. Alle Definitionen beziehen sich, so Barrett, auf ein einziges Gegenstück:
Weiblichkeit. In den Augen der männlichen Offiziere sind Frauen emotional labil, weniger fähig,
physische Herausforderungen zu ertragen, und nicht in der Lage, harte Lebensbedingungen auf
einem Schiff in Kauf zu nehmen. Das heißt, Mann-Sein ist per definitionem Nicht-Frau-Sein.

...


Aus: "Militär und Männlichkeit in Israel" Von Uta Klein
(1. Tagung AIM Gender - Klein: Militär und Männlichkeit in Israel, Datum ?)
Quelle: http://www.ruendal.de/aim/pdfs/Klein.pdf

« Last Edit: April 13, 2010, 11:31:04 vorm. by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[Die Ehre das schlechthin Verletzliche... ]
« Reply #23 on: Dezember 06, 2010, 09:26:41 vorm. »
Quote
[...] Können Sie uns kurz darlegen, worum es sich bei der "Ehre" überhaupt handelt?

Winfried Speitkamp: Ehre betrifft das Zusammenwirken von Selbstachtung und Achtung durch andere, von Stolz einerseits, Anerkennung oder Prestige andererseits, von - so sagte man früher - innerer Ehre und äußerer Ehre. Der Einzelne hat ein Selbstbild, das er vor seinen Bezugsgruppen, seiner Familie, seinem Stand, seinem Verein etc., verteidigen will. Wird das Selbstbild von außen in Frage gestellt, durch Kritik oder Beleidigung, sucht der Einzelne Kompensation zu erhalten: Er beharrt auf seinem Selbstbild, will es mit der Waffe oder vor Gericht verteidigen, jedenfalls will er nicht vor seinen Bezugsgruppen als derjenige dastehen, dem man die Ehre ungestraft abschneiden kann.

Winfried Speitkamp: Was der Einzelnen mit seiner Ehre jeweils meint, kann ganz unterschiedlich sein, und es unterscheidet sich auch im historischen Verlauf und in unterschiedlichen Gesellschaften. Aber ich kenne keine Gesellschaft, die ohne Ehrvorstellungen auskommt.

Sie zitieren in Ihrem Buch ausführlich die Bestimmungen des Philosophen G.W.F. Hegel zur subjektiven Ehre, die wir nun ebenfalls eingehend wiedergeben wollen, weil uns seine Ausführungen durchaus lohnend erscheinen:

In der Ehre betrifft die Verletzung nicht den sachlichen, realen Wert, Eigentum, Stand, Pflicht usf., sondern die Persönlichkeit als solche, und deren Vorstellung von sich selbst, den Wert, den das Subjekt sich für sich selbst zuschreibt. Dieser Wert ist auf der jetzigen Stufe ebenso unendlich, als das Subjekt sich unendlich ist. [...] Der Maßstab der Ehre geht also nicht auf das, was das Subjekt wirklich ist, sondern auf das, was in dieser Vorstellung ist. [...] Die Ehre kann nun den mannigfaltigsten Inhalt haben. [...] Der Mann von Ehre denkt daher bei allen Dingen immer zuerst an sich selbst; und nicht, ob etwas an und für sich recht sei oder nicht, ist die Frage, sondern, ob es ihm gemäß sei, ob es seiner Ehre gezieme, sich damit zu befassen oder davonzubleiben. Und so kann er auch wohl die schlechtesten Dinge tun und ein Mann von Ehre sein. [...] Im allgemeinen bleibt deshalb der Inhalt der Ehre, da er nur durch das Subjekt und nicht nach seiner ihm selbst immanenten Wesentlichkeit gilt, der Zufälligkeit preisgegeben. Indem nun die Ehre nicht nur ein Scheinen in mir selber ist, sondern auch in der Vorstellung und Anerkennung der anderen sein muß, welche wiederum ihrerseits die gleiche Anerkennung ihrer Ehre fordern dürfen, so ist die Ehre das schlechthin Verletzliche.

...


Aus: ""Ehre ist eher die Hülse als der Inhalt"" Reinhard Jellen (06.12.2010)
Gespräch mit Winfried Speitkamp über den Begriff der Ehre und über Hegel, Ehrenmorde und albanische Blutrache
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33778/1.html


Offline Textaris(txt*bot)

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[Diese traditionellen Rollenvorstellungen geraten in Konflikt... ]
« Reply #24 on: September 10, 2011, 11:58:30 vorm. »
http://de.wikipedia.org/wiki/Ahmet_Toprak

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Quote
[...] DIE ZEIT: Herr Toprak, wer hat es schwerer bei der Integration in Deutschland? Jungen oder Mädchen mit türkischem Migrationshintergrund?

Ahmet Toprak: Alle Zahlen sprechen dafür, dass Jungs sich schwerer tun – Schulabschluss, Berufserfolg, Sprachniveau. Da liegen Jungs eindeutig hinter den Mädchen.

ZEIT: Aber die Jungen sollen doch die Starken sein, die Vorbilder, die Hüter der Mädchen?

Toprak: Das ist ja auch der Kern des Problems, dass an die Jungs so hohe Erwartungen gestellt werden, dass viele dabei nur auf der Strecke bleiben können. Sie sollen dominant sein, sie sollen die Familie führen und ernähren. Von Mädchen wird viel weniger erwartet. Man freut sich, wenn sie Erfolg haben, aber sie können immer noch die Rolle der Hausfrau und Mutter übernehmen.

ZEIT: Diese traditionellen Rollenvorstellungen geraten in Konflikt mit den Erwartungen, die die deutsche Gesellschaft an beide Geschlechter stellt?

Toprak: Türkische Jungs haben in ihren Familien sehr viel mehr Freiheiten als Mädchen. Ihnen wird eingeräumt, dass sie auch mal Fehler machen dürfen. Das Ansehen der Familie in der Öffentlichkeit hängt sehr viel mehr an den Mädchen. Die Brüder dürfen über die Stränge schlagen. Durch diese Einstellung wachsen die jungen Männer ohne Grenzen auf. Mädchen werden viel mehr reglementiert. Sie dürfen weniger in der Öffentlichkeit präsent sein, sie müssen pünktlich zuhauise sein. Das ist zwar kein angenehmes Leben, aber anders als die Jungen haben die Mädchen Grenzen. Jungen entwickeln so kein Problembewußtsein für ihr eigenes Verhalten. Es würde ihnen gut tun, wenn auch ihnen Grenzen gesetzt würden.

ZEIT: Aber die Jungen werden doch in der Regel ziemlich autoritär erzogen. Der Vater ist unantastbar als Bestimmer in der Familie. Warum gibt das keine Orientierung, keine Grenzsetzung?

Toprak: Es wird viel zu wenig erklärt. Man geht davon aus, dass der Junge durch Imitation des Vaters in seine Rolle hineinwächst. Manche schaffen das, aber diejenigen, die es nicht schaffen, werden dann verhaltensauffällig. Wenn die Eltern merken, dass etwas schiefläuft, wissen sie sich nicht anders zu helfen, als die Söhne zum Militärdienst zu schicken, damit dort ein richtiger Mann aus ihnen gemacht wird und sie Disziplin lernen. Wenn auch das nichts fruchtet, verheiratet man den Jungen, damit er lernt Verantwortung zu übernehmen. Und wenn auch das nicht funktioniert, hofft man dass er durchs Kinderkriegen zur Vernunft kommt und anständig wird. Aber man spricht mit dem Jungen nicht darüber, man geht davon aus, dass das ein naturwüchsiger Prozess ist.

ZEIT: Warum sprechen die Eltern nicht mehr mit den Jungen?

Toprak: Manche haben nicht die verbalen Fähigkeiten das zu tun, die meisten haben es selber so gelernt, und dann gibt es viele Tabus. Über manche intime Dinge mit seinen Eltern zu reden wäre eine Verletzung des Respekts, den man ihnen schuldet.

ZEIT: Wie wird einem türkischen Jungen Männlichkeit vermittelt?

Toprak: In den ersten Jahren sind die Söhne voll auf die Mutter orientiert. Sie begleitet ihn sehr innig, bis er im Grundschulalter von der Mutter abgelöst wird und sich auf sein eigenes Geschlecht, also auf den Vater orientieren soll. Mit der Beschneidung wird das symbolisch unterstrichen. Vorher konnte der Junge problemlos mit der Mutter ein Hamam besuchen. Nach der Beschneidung ist das nicht mehr gerne gesehen, der Sohn hat in dieser Frauenwelt nichts mehr zu suchen. Der Militärdienst ist für die Türken eine wichtige Stude der Mannwerdung. Es gibt keinen Ersatzdienst in der Türkei. Jeder muß da durch, der ein Mann sein will. Wenn ich in Kreisen traditioneller Einwanderer sage, dass ich weder den türkischen noch den deutschen Wehrdienst absolviert habe, gelte ich als schwacher Mann. Drittens und viertens gehört Heirat und Kinderkriegen zum Mannwerden. Erst dann wird das Wort eines Mannes in der Öffentlichkeit für voll genommen. Wer das nicht durchlaufen hat und etwa mit dreißig noch nicht verheiratet ist, gilt als Kind.

ZEIT: Welche Rolle spielt der Islam dabei?

Toprak: Sie wissen ja, dass Türken meist Sunniten oder Aleviten sind. Aleviten halten sich nicht an die Gebote des Islams, sie fasten nicht, pilgern nicht, gehen nicht in die Moschee, und die Frauen tragen in der Regel kein Kopftuch. Aber auch die alevitischen Männer sind beschnitten. Bei den Männlichkeitsvorstellungen ist Tradition und Religion schwer zu trennen. Es gibt religiöse Begründungen für die Beschneidung, aber in der Praxis ist das ein Männlichkeitsritual – weshalb es zum Beispiel auch wichtig ist, dass es ohne Narkose geschieht, denn der Schmerz gehört nach dieser Vorstellung zum Mannwerden dazu. Aleviten lehnen zwar die Geschlechtertrennung in den Moscheen ab, aber in den Männlichkeitsvorstellungen unterscheiden sie sich nicht sehr von den Sunniten.

ZEIT: Warum ist die türkische Männlichkeitsvorstellung eigentlich problematisch? Man könnte ja auch sagen: Da gibt es wenigstens noch klare Unterscheidungen.

Toprak: Aber sehen Sie: Dieses Konzept wird gelebt in einem Land, in dem es nicht zeitgemäß ist. Es kann nicht funktionieren, weil der soziale Rahmen fehlt, der es hält, auch durch soziale Kontrolle. Übrigens kollidiert es nicht nur hier mit der Wirklichkeit, sondern auch in türkischen Großstädten, wo ebenfalls die Kontrolle durch die peer group wegfällt.

ZEIT: Stützen die Frauen dieses Männlichkeitsbild? Ohne Mütter und Frauen kann es ja nicht aufrechterhalten werden.

Toprak: Die Mütter machen mit, sie haben ja auch einen enormen Einfluss auf die Söhne bis zu einem bestimmten Alter. Aber bei den jungen Frauen sieht es anders aus. Viele von denen finden die in Deutschland aufgewachsenen Jungs einfach nur blöd. Die mögen deren Macho-Art nicht. Umgekehrt können viele von den Männern mit den selbstbewußten Frauen nicht umgehen und suchen sich darum eine einfachere Braut in der Türkei. Man hat Schwierigkeiten, sich wechselseitig attraktiv zu finden und weicht auf das Herkunftsland aus.

ZEIT: Können diese Männer eine partnerschaftliche Ehe führen?

Toprak: Sie dürfen das nach außen projizierte Bild nicht mit der Realität zuhause verwechseln. Viele Frauen haben zuhause erheblich Anteil an Entscheidungen. Die Männer geben sehr viel mehr nach und schließen mehr Kompromisse, als sie nach außen zugeben können. Oft wird, was auf die Frau zurückgeht, dann vom Mann nach außen als seine Entscheidung dargestellt.

ZEIT: Wie sollen deutsche Lehrer mit der türkischen Männlichkeitskultur umgehen, die sie im Klassenraum vorfinden?

Toprak: Ich mache oft Fortbildungen mit Lehrerinnen, die sagen, ich tue mich schwer mit diesen Jungs. Diese Jungen brauchen klare Ansagen, klare Regeln, die auch durchgesetzt werden. Die basisdemokratische Pädagogik des Aushandelns und der Diskussion empfinden sie als Schwäche. Die sehen das als Unsicherheit des Lehrers, wenn er oder sie zuviel fragt. Wenn man klar und deutlich sagt, was man möchte und wo die Grenzen sind, machen die auch mit. Ich habe das Konzept der konfrontativen Pädagogik mit gewalttätigen und straffälligen Jugendlichen erprobt. Es kommt darauf an, sich von Machosprüchen nicht verunsichern zu lassen. Diese Jungs probieren, ob man angesichts ihres dominanten Auftretens Schwäche zeigt. Die zeigen gerne ihr Testosteron, aber wenn man Regeln durchsetzt, werden sie auch schnell handzahm.

ZEIT: Wenn man Schüler zur Selbständigkeit erziehen will, kann man aber nicht immer Frontalunterricht machen?

Toprak: Das ist auch nicht gemeint mit konfrontativer Pädagogik. Es geht darum, einen fairen und transparenten Rahmen für das gemeinsame Handeln zu errichten. Die Jugendlichen sehen, wenn ich mich an die Regeln halte, bin ich angenommen und kann mich einbringen. Dann fällt auch das Totschlagsargument der Ausländerfeindlichkeit weg, dass diese Jugendlichen gerne bringen. Person und Fehlverhalten müssen klar getrennt werden.Wenn klar ist, du bist als Ali oder Mustafa willkommen, wenn du dich an die Regeln hältst, aber wenn nicht, hat es auch Konsequenzen, dann kommen die Jungs damit gut klar.

ZEIT: Woher kommt die höhere Gewaltakzeptanz bei türkischen Jungen?

Toprak: Ich habe jahrelang Anti-Aggressivitätstraining mit auffälligen Jugendlichen gemacht. Das waren junge Männer, die dazu verurteilt worden waren, weil sie selbst gewalttätig geworden waren. Diese Jungs haben uns berichtet, sie haben in der Erziehung Gewalt erfahren – entweder in der Familie oder durch ihre Peergroup. Die sehen es als normalen Teil des Aufwachsens als Mann, dass man irgendwann Schläge bekommt. Vor allem untereinander in der Gruppe ist Gewalt etwas Alltägliches. Tragischerweise.

ZEIT: In der deutschen Gesellschaft ist Gewalt in den letzten Jahrzehnten zunehmend tabuisiert worden. Früher übliche Rüdenkämpfe auf Schulhöfen sind heute verpönt. Da passt die Gewalkultur türkischer Jungs nicht hinein.

Toprak: Ja, aber es wird teilweise überdramatisiert. Auch ganz normale Raufereien, die man früher als ‘typisch Jungs’ abgetan hat, werden heute sofort therapiert. Das führt zu einer Überpädagogisierung, in der Jungs per se zum Problem werden. Das geht dann zu weit, nicht nur für türkische Jungs.

ZEIT: Warum ist „schwul“ das schlimmste Schimpfwort unter türkischen Jungs? Auch das steht ja im Gegensatz zu der gesamtgesellschaftlichen Enttabuisierung der Homosexualität?

Toprak: Vielleicht ist ja die Präsenz des schwulen Lebens in der Öffentlichkeit ein Mitgrund für diese Gegenreaktion. Im Antigewalttraining haben mir die Jungs klargemacht, es gibt zwei Tabus – man darf die Mama nicht angreifen und die Männlichhkeit, also jemanden schwul nennen. Aber es gab eine interessante Ambivalenz: Ein Junge, der mir gesagt hatte, er hasst Schwule, Homosexualität sei eine Sünde und Homosexuelle seien keine Menschen. Aber dann sah ich, er packte einen anderen an den Hintern. Als ich ihn zur Rede stellte, sagte er: Ich bin nicht schwul, er ist schwul. Ich habe dann erfahren, dass der aktive Partner als der unproblematisch Männliche gilt. Der Schwule ist der – verzeihen Sie das Wort – ‘der sich ficken lässt’. Das war mir neu. Es gab da Jungen, die sehr homosexuellenfeindlich auftraten und doch zu irgendwelchen einschlägigen Treffs gingen, um ‘Schwule zu ficken’. Nach dem Motto, wir zeigen denen mal was ein richtiger Mann ist. Homosexuelle werden als Opfer gesehen, und so gab es auch Fälle, bei denen mit den Männern geschlafen wurde, um diese dann anschließend zu verprügeln. Das zeigt die Ambivalenz. Der Mann darf sich auf keinen Fall in die Rolle der Frau begeben, darum sind die Jungs so gegen Schwule.

ZEIT: Das ist eine sehr anstrengende, stressige From von Männlichkeit, bei der es dauernd um die Ehre geht.

Toprak: In einem meiner Kurse habe ich es den Jungs verboten, über Ehre zu reden, weil sie diesen Begriff immer nur als Vorwand benutzt haben und nie mit Inhalt füllen konnten. Die mussten dann in die Bibliothek gehen und recherchieren, was Ehre sein kann. Sie haben angefangen, den Ehrbegriff zu problematisieren, den man ihnen aufgedrückt hat: Du musst deine Frau, deine Schwester beschützen. Die hatten noch nie über diesen zentralen Begriff nachgedacht. Aber dann haben sie angefangen, über ihre Gefühle zu reden, über die Angst zu versagen und dem Ehrbegriff nicht gerecht zu werden.

ZEIT: Ist der deutsche Mann in deren Wahnehmung unehrenhaft und unmännlich?

Toprak: So wird das gesehen. Aber ich muss ihnen sagen, das ist auch nur ein Schein. Viele würden gerne manche Verhaltensweisen vom deutschen Mann übernehmen, aber sie trauen sich nicht, weil sie dann als schwach gelten würden. Einige sehnen sich danach, aber der Druck ist zu groß.

ZEIT: Woher kann Veränderung kommen?

Toprak: Wir haben eine Entwicklung in zwei Richtungen: Die einen sagen, das tue ich mir nicht an und steigen aus. Aber die müssen dann auch in einem anderen Umfeld leben, in einem anderen Stadtteil. Aber diejenigen, die in Quartieren wohnen, wo der soziale Druck groß ist, tun sich schwer da rauszukommen. Bevor man an die Jungs rankommt, muss man zuerst an die Eltern ran. Die wissen oft gar nicht, dass es alternative Erziehungsstile gibt. Sie haben es selber so erfahren, und tragen es weiter.

ZEIT: Stärkt die islamische Religion eigentlich immer nur die konservative Seite? Oder hat sie eine Rolle bei der Reform der Männlichkeit?

Toprak: Das ist nicht so eindeutig. Wir kennen sehr viele selbstbewusste religiöse Frauen mit Kopftuch, auch hier an der Hochschule. Die sind hoch modern und passen nicht zu schlichten Macho-Männern.

Quote
    * 6. September 2011 um 16:50 Uhr
    * Cem Gülay
... Das es homosexuelle Moslems gibt ist doch keine Frage. Die Begründung der Homosexualität stell ich hier in Frage, und macht den Eindruck, es wäre total normal jemanden zu ficken. Also tut es jeder Türke, einschließlich mich. Normal gibt es für sowas eins auf die Fresse


Quote
    * 6. September 2011 um 18:36 Uhr
    * Spirit of Canakkale
   
@ Cem Gülay

Na, erzählen Sie mal! Wie oft haben Sie die Hintern von Männern penetriert? Raus damit!



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    * 6. September 2011 um 18:38 Uhr
    * Cem Gülay

SPOC

Also Dein Hintern müsste noch ziemlich schmerzen, so wie Du geschrien hast


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    * 6. September 2011 um 19:27 Uhr
    * Miriam G.

@Cem und Spirit
Omigod
Gestern Abend haben meine Tochter und ich den Ton ausgemacht, als Charlotte Roche darauf bestand, aus ihrem Buch zu lesen. Und jetzt beglückt ihr uns mit so einem Dialog. ...


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    * 6. September 2011 um 20:58 Uhr
    * N. Neumann

Analog zu Toprak:

Im kollektive Bewusstsein der türkischen Gesellschaft gelten Schwulen als stark effeminierte Männer, die die passive Rolle beim Analverkehr bevorzugen. Diese Definition wird z. B. bei den türkischen Streitkräften (siehe unten) verwendet. Mit dieser Definition geht eine starke Ächtung einher, da sie nach gesellschaftlicher Meinung das Rollenbild des traditionellen türkischen Mannes verletzt. Maskulin wirkende, in der aktiven Position verkehrende Schwule werden üblicherweise nicht als homosexuell betrachtet. Sie werden mit in die Kategorie heterosexueller Menschen gepackt, die homoerotische Erfahrungen gesammelt haben.[4]

Homosexualität in der Türkei:
http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualit%C3%A4t_in_der_T%C3%BCrkei


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    * 6. September 2011 um 21:42 Uhr
    * Bravoleser

Ich muß Cem Gülay im wesentlichen recht geben.
Herr Toprak ist ein akademischer deutscher Bildungsbürger der mit den falschen Mitteln versucht das vermeintlich Gute zu tun.
So wird das nie was.

Ich habe als Studi in den 90ern in HH-Horn gelebt. Sozusagen unfreiwillig unter Türken. Nicht das wir Türken in unserer WG gehabt hätten. Gott bewahre- wir waren zwar alle leicht links angehaucht, aber auf das türkische Prekariat in der Nachbarschaft sahen wir natürlich herab, auch wenn das niemals über unsere fortschrittlichen humanistisch-gymnasial gebildeten Lippen gekommen wäre.

Trotzdem waren gewisse Kontakte schlicht unvermeidlich und sei es nur wenn in der Wohnung nebenan oder oben mal wieder heftiger türk.Streit angesagt war. Wir nannten das “PisslickPisslick GüleGüle” (das hatten wir vermutlich irgendwo aufgeschnappt und fanden es witzig).

Wie auch immer, ich denke das Toprak den Kern des türk. männlichen Rollenmodells schlicht nicht kennt oder benennt. Das geht etwa so:

Es gibt in ihrer Kultur zwei sozial vollkommen getrennte Bereiche.
- das Haus bzw die Wohnung und
- die Straße bzw die Öffentlichkeit.

Im Bereich Haus hat Anne(=Mama) das Sagen.
Der Vater ist zwar da oder auch nicht, aber er redet dort nicht herein. Essen kochen, Abwaschen etc schon mal gar nicht.
Die Jungs haben dort NICHTS zu melden. Das Haus ist das Reich der Frauen. Jungs sind im Haus tagsüber schlicht unerwünscht. Je jünger die Jungs sind desto häufiger sind sie draußen. Nicht weil sie es wollen. Sondern weil es eben so ist. Jungs gehören nach draußen in die harte Welt der Straße. Deshalb sieht man türk. Jungs so häufig draußen, was den Eindruck erzeugt sie wären eine soziale Masse die die Straße okkupiert. In Wahrheit sind sie nur eine Minderheit die nicht drinnen sein kann, weil sie eben nicht dürfen. Im stillen Kämmerlein Hausaufgaben zu machen ist für einen türk. Jungen der zur Schule geht so gut wie unmöglich. Türkische Mädchen können das. Türkische Jungs nicht.

Daher auch die seltsamen und für Deutsche völlig unbegreiflichen türk.Kulturvereine/Cafes für türkische Männer. Das sind keine Kneipen. Frauen sieht man dort nie. Teutonische Akademiker wie Toprak auch nicht. Das sind eher Zwischenräume zwischen den harten Realitäten von Öffentlichkeit und Haus.

Die für Deutsche sichtbare Unterdrückung der Frau in der Öffentlichkeit (Kopftuch!) ist ein klassisches kulturelles Mißverständnis. Die hausinternen Zwänge dieser islamischen Kultur sind für die deutsche Öffentlichkeit vollkommen unsichtbar.

Wie man das ändern kann? Keine Ahnung. Weiß ich nicht.
Sarrazin sagt Kindergartenzwang, Vorschule usw. Das ist natürlich Quatsch. Die o.g. Probleme tauchen erst dann auch wenn der Kindergarten oder Vorschule längst vorbei ist.


Quote
    * 7. September 2011 um 00:07 Uhr
    * Miriam G.

@Cem Gülay

... infam, Thesen aufzustellen, das Männer andere Männer, aus Männlichkeitswahn penetrieren. Sie sind schwul und basta.

Cem, Toprak ist kein Elfenbeinturmakademiker, der von Empirie keine Ahnung hat, sondern jemand, der jahrelang in der sozialpädagogischen Praxis gearbeitet hat. Mit harten Jungs. Die ihm erklärt haben, was im Knast so vor sich geht. Sexmäßig. Mir bleibt zu Topraks Verteidigung leider nichts anderes übrig, als Metin zu zitieren, einen Interviewpartner von Toprak, der sich ein Jahr lang in U-Haft befand:

…. Also, ich war im Knast, ne. Da gibt es keine Frauen, ne. Da musst du sehr gut auf dein Arsch aufpassen… Ja, jeder ist geil und will dein Arsch ficken. Wenn du nicht aufpasst, ne, dann will jeder im Knast dich ficken, danach hast du keine Chance, ne. Ja, da war einer, ne. Das war ein Deutscher, das sind sowieso keine richtige Männer, ne. Ja, ne, ich hab ihn als erster gefickt, ne. Jeder hat gesagt, als erster hat ihn Metin gefickt, ne. Danach wollten ihn alle ficken… Natürlich bin ich nicht schwul, Mann, eh. Du bist schwul, wenn du dein Arsch hergibst. Wenn du den einmal hergibst, dann kannst du dich nicht mehr blicken lassen. Jeder weiß das dann, du hast das einmal gemacht, du bist schwach, du kannst nich auf dein Arsch aufpassen und und und. Aber wenn du einen am Arsch fickst, ne. Dann bist du doch ein Mann. Männer ficken doch, nicht die Frauen. (Metin, S. 51, “Ich bin eigentlich nicht aggressiv”: Theorie und Praxis eines Anti-Aggressions-Kurses mit türkischstämmigen Jugendlichen von Ahmet Toprak. Lambertus 2001.

@Bravoleser
Ihr Name ist leider Programm. Ahnung haben Sie mit Verlaub wenig, auch wenn Cem Sie applaudiert (“Top-Analyse”- Hilfe!). Lesen Sie mal ein Buch. Von Toprak. Er ist kein “teutonischer Akademiker”.


Quote
       * 7. September 2011 um 00:26 Uhr
    * Miriam G.
@Bravoleser

Im stillen Kämmerlein Hausaufgaben zu machen ist für einen türk. Jungen der zur Schule geht so gut wie unmöglich.

Das kann ich nicht unkommentiert lassen. Sie beschreiben einen Typus von türkeistämmigen Jungen aus einem Typus von Familie. Es gibt auch die Familien, die den Übergang von der Tradition in die Moderne vollzogen haben; die ihre Söhne genauso fordern und fördern wie ihre Töchter. Cem Gülays Vater war ein ziemlicher Kotzbrocken, so zumindest geht es aus Cems Buch hervor, aber er hat seinen Sohn zum Lernen angehalten und ihn dabei unterstützt, wenn ich mich richtig erinnere. Und ich nehme an, dass das Geld für Cems Schuljahr in Amerika von ihm stammte. ....


Quote
    * 7. September 2011 um 06:52 Uhr
    * FreeSpeech

Vor ein paar Jahren gab es einen Fall in der CH, da hatten Migranten etwas zu regeln, und das ging dann so:
Der “Schuldner” wurde in den Arsch gefickt und dabei gefilmt. Kein Schweizer begriff, was da ablief. (Der Fall kam vor Gericht, darum wurde das überhaupt bekannt. Auch der Betroffene sagte nicht, worum es so ging.)


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     * 8. September 2011 um 13:40 Uhr
    * CEM.G

... Ich finde, dass sich “viele” deutsche Männer Ü-45 unter Pseudonymen im Internet wie pubertäre jugendliche Türken-Machos verhalten.


Quote
    * 7. September 2011 um 08:14 Uhr
    * Yamc

“ZEIT: Ist der deutsche Mann in deren Wahnehmung unehrenhaft und unmännlich?

Toprak: So wird das gesehen. Aber ich muss ihnen sagen, das ist auch nur ein Schein. Viele würden gerne manche Verhaltensweisen vom deutschen Mann übernehmen, aber sie trauen sich nicht.[...]”

Hierzu möchten ich gerne etwas sagen:

Es geht nicht nur darum, dass “wir” (türkischstämmige Menschen) uns nicht trauen. Ich (komme aus Berlin-Neukölln) habe mich von der (miserablen) mittleren Reife über ein Oberstufenzentrum und den Zweiten Bildungsweg zum Studium hochgearbeitet, habe immer gelesen und meine Tage fast ausschließlich mit Nicht-Türken verbracht – und trotzdem hat es mich in eine Depression gestürzt, dass meine Lebensgefährtin/Verlobte (ursprünglich aus den neuen Bundesländern stammend) eine andere Sexualmoral hat als ich. Es hat mich – obwohl ich unbedingt der moderne, offene, tolerante Mensch sein wollte – lange Zeit innerlich zerfressen, einfach weil ich anders sozialisiert wurde.

“Meine Mama war doch nicht so.”
“So was tun Frauen doch nicht einfach so”.
“Sowas gehört sich doch nicht.”

Was ich damit sagen will:

Das Über-ich kann manchmal einfach zu stark sein, um Dinge zu tun, die man gerne tun würde. Ich kämpfe tagtäglich darum gewisse Dinge, die in der “deutschen Gesellschaft” (tolerant) akzeptiert werden, auch zu akzeptieren, obwohl ein Teil in mir es nicht verstehen kann. Das führt auch in Beziehungen zu Reibungen, zu Verletzungen und es ist verdammt schwierig.

Quote
     * 7. September 2011 um 17:05 Uhr
    * Jörg Lau

... Dazu kann ich nur sagen, der Schmerz, den Sie da artikulieren ist absolut kein rein türkisches Problem. Ganz offensichtlich haben auch Männer deutscher Herkunft Schwierigkeiten mit der neuen Geschlechterunordnung. Das verlangt allen sehr viel ab, und viele können nur nicht zugeben, wie viel sie das kostet. Es gibt sicherlich viele kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Türken, aber die Herausforderung durch die neue Freiheit in den Beziehungen der Geschlechter ist größer als diese Unterschiede.



Quote
    * 7. September 2011 um 22:01 Uhr
    * Hans Ali

Im Grunde wird hier nur das Bild des türkischen Mannes in Deutschland reproduziert, d. h. eines Mannes, der sich scheinbar nicht emanzipieren kann wie die Frauen es können und ihm durch Schubladendenken (alle türkischen Männer seien Machos, gewalttättig und hassen Frauen und Schwule)von vorneherein diese Möglichkeit versperrt wird.


Quote
    * 7. September 2011 um 22:03 Uhr
    * Capricia

Vielleicht betrifft es auch nur bestimmte soziale Schichten?

Ich habe in einer außerbetrieblichen Ausbildung Elektrotechnik und KFZ gearbeitet und unterrichtet, als ich noch “jung und sexy” war und hatte mehrere männliche türkische Jugendliche in meiner Klasse.

Ich hatte nie Probleme mit ihnen. Während die deutschen Jugendlichen unflätige Bemerkungen über meinen Busen machten – nur einmal, denn dann wurden sie aus dem Unterricht geschickt, was in ihrem Berichtsheft dokumentiert wurde – waren die türkischen Schüler aus unterschiedlichen sozialen Schichten und mit unterschiedlichen Schulabschlüssen höflich und engagiert.

Selbst ein türkischer Schüler mit schlechtem Hauptschulabschluss hat die IHK-Prüfung bestanden, und die türkische Familie hat sich bei mir – einer Frau- bedankt, dass ich ihren Sohn unterstützt habe.

Ich wurde auch zu Hochzeiten der Familien eingeladen.

Ich weiß es nicht. Aber manchmal erscheint mir die Darstellung türkischer Jugendlicher dem Klischee zu folgen, das in den Privatsendern durch schreckliche Sendungen am Leben erhalten wird.

Es ist nur meine Erfahrung, vielleicht ist sie nicht repräsentativ, aber zumindest sollte sie berücksichtigt werden.


Quote
    * 7. September 2011 um 23:05 Uhr
    * Miriam G.

@cagatay
Religion und Kultur sind Privatsache – Diskriminierung nicht

Kultur ist dann nicht Privatsache, wenn deren Ausleben gegen Grundrechte (Würde, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung, negative Religionsfreiheit) verstößt. Das gilt für Religion auch.
Diskriminierung heißt “unterscheiden”. Sie wissen noch besser als ich, dass auch in deutschtürkischen Kreisen sehr wohl “diskriminiert” wird (oder haben Sie nie gehört, dass jemanden vorgeworfen wird, er sei verdeutscht, oder einem türkeistämmigen Mädchen direkt oder indirekt zu verstehen gegeben wird: “Bring mir keinen Deutschen nach Hause!”? Ich schon. ...

Durch Jammern über Diskriminierung wird sie tragischerweise nicht geringer, denn in der Jammerecke sieht niemand vorteilhaft aus. Besser wäre es, Topraks Anregungen aufzugreifen, und die traditionelle Erziehung kritisch zu reflektieren (und das Endogamiegebot gleich mit). Der beste Schutz gegen Diskriminierung ist soziales Kapital – sprich Beziehungen zu Einheimischen, die selbst über soziales Kapital verfügen. Ich bin selbst Migrantin und spreche aus eigener Erfahrung. Es gibt nämlich kein Land der Welt, wo nicht diskriminiert im Sinne von unterschieden wird zwischen denen, die “schon immer” oder “ewig” da sind und denen, die erst seit ein paar Jahren oder Jahrzehnten. Auch in der Türkei, wo unheimlich viele Berufe (inkl. der Arztberuf) nur Einheimischen vorbehalten sind, ist es nicht anders. Diese Erkenntnis ist nützlich, um nicht in die Empörungsfalle zu tappen. So hat man mehr Energie, um die Hintertür zu suchen, wenn man durch die Vordertür nicht reinkommt.






Aus: "Das vermeidbare Unglück der türkischen Jungs"
Von Jörg Lau 6. September 2011 um 11:28 Uhr
Quelle: http://blog.zeit.de/joerglau/2011/09/06/das-vermeidbare-ungluck-der-turkischen-jungs_5057


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[Connell definiert hegemoniale Männlichkeit... ]
« Reply #25 on: September 10, 2011, 12:33:23 nachm. »
Quote
[...] Connell definiert hegemoniale Männlichkeit "als jene Konfiguration geschlechtsbezogener Praxis …, welche die momentan akzeptierte Antwort auf das Legitimitätsproblem des Patriarchats verkörpert und die Dominanz der Männer sowie die Unterordnung der Frauen gewährleistet (oder gewährleisten soll)". Er versteht darunter jene männlichen Attribute, die von einer Gesellschaft als erstrebenswert angesehen werden, gleichzeitig aber auch jene Normen und Praktiken von Männlichkeit, die von der dominanten Klasse zur Absicherung ihrer Interessen eingesetzt werden. Dieses streng dichotomisch aufgebaute, von der "überlegenen" Männlichkeit markierte und somit asymmetrische Modell war im Europa der Aufklärung entstanden und setzte sich insbesondere im 19. Jahrhundert – eng an Kapitalismus, Nationalismus und Imperialismus gekoppelt – ungebremst fort. Das Männlichkeitsbild dieses Modells wurde vor allem von soldatischen Tugenden, bestimmten sozialen und politischen – "staatsbildenden" – Fähigkeiten, durch die Rolle als Familienernährer und die Heterosexualität bestimmt. ...

... Das Männerbild des Nationalsozialismus muss vor dem Hintergrund der gewollten Abgrenzung zum bürgerlichen Männlichkeitsbild und somit auch zur demokratischen Republik gesehen werden. Der idealisierte männliche Körper wurde zum Symbol für die Erschaffung des faschistischen Staates. Kühne hebt in diesem Zusammenhang vor allem die Relevanz des Leitbildes der Kameradschaft als dem männlichen Vergesellschaftungsmodell hervor. Kameradschaft steht dabei in einem dialektischen Verhältnis zu Wettbewerb, den man als Modus begreifen kann, in dem sich unterschiedliche Männlichkeiten zueinander in ein hierarchisches Verhältnis setzen. Diese für Männerbünde typische Dialektik von Kameradschaft und Wettbewerb lässt sich bereits im 19. Jahrhundert nachvollziehen, wenn man etwa an die oben erwähnten Institutionen des Duells bzw. die Fecht- und Trinkrituale studentischer Verbindungen denkt. Beide basieren nicht nur auf dem Ausschluss von Frauen, sondern machen auch die kompetitive, intern hierarchisch gegliederte Struktur der bürgerlichen Männlichkeit sichtbar. Im 20. Jahrhundert entfaltete diese Dialektik schließlich ihre volle Dynamik, wie sich an der zentralen Bedeutung des Kameradschaftsbegriffs "als Leitbild einer staats-, gesellschafts- und geschlechterpolitischen Umwälzung" bis in den Nationalsozialismus hinein ablesen lässt. War die "Schützengrabenkameradschaft" des Ersten Weltkriegs zunächst als "Inbegriff der Geborgenheit einer Gemeinschaft gleichrangiger Männer, meist einfacher Mannschaftssoldaten" erlebt worden, bog die NS-Propaganda sie in zweierlei Hinsicht ab: einerseits ins Hierarchische, was unter anderem in der arischen Exklusivität zum Ausdruck kam, andererseits ins Heroisch-Martialische. Frontkameradschaft wurde nun zur "Keimzelle eines 'neuen Menschen'". Elemente des spezifisch deutschen Männerbund-Gedankens wurden dabei mit "völkischem", "germanenkundlichem" Gedankengut vermischt. Trotz der nationalsozialistischen Wertschätzung von "Familie" und "Sippe" erklärt sich aus dieser Konzeption auch die zentrale Bedeutung der auf Führung und Gefolgschaft basierenden, männerbündisch organisierten Organisationen wie SA, SS, Hitler-Jugend bis hin zu Eliteverbänden wie der "Leibstandarte Adolf Hitler"

Anders als etwa bei Blüher grenzte sich das nationalsozialistische Männerbunddenken zwar gegen die als "weibisch" angesehene männliche Homosexualität ab, ist aber aufgrund der libidinösen, hierarchisch organisierten Bindung der Bundesbrüder an den "Männerhelden" in ihrer Homosozialität durchaus homoerotisch konnotiert. ...


Aus: "Männerbünde und Schwulenbewegung im 20. Jahrhundert"
Von by Christopher Treiblmayr, Erschienen: 2010-12-03
Quelle: http://www.ieg-ego.eu/de/threads/transnationale-bewegungen-und-organisationen/internationale-soziale-bewegungen/christopher-treiblmayr-maennerbunde-und-schwulenbewegung-im-20-jahrhundert#HegemonialeMnnlichkeitMnnerbundundmnnlicheHomosexualitt


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[Anders als nach dem Ersten Weltkrieg... ]
« Reply #26 on: September 10, 2011, 12:54:17 nachm. »
Quote
[...] Die Erinnerungsbilder von den in die Bahnhöfe einrollenden Kriegsheimkehrertransporten und den bewegenden Wiedersehensszenen mit den Angehörigen sind heute fest im kollektiven Gedächtnis verankert. Die früheren Wehrmachtssoldaten sind darin zu – politisch unverfänglichen – Ehemännern, Vätern und Söhnen mutiert, die sich auch in der Öffentlichkeit nicht scheuen, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. In diesen Repräsentationen verkörpern die Heimkehrer eine Männlichkeit, die eine deutliche Abweichung vom aggressiven, „stählernen“ Ideal des nationalsozialistischen Landsers hin zu einer „weicheren“, von militärischen Extremen bereinigten Maskulinität signalisiert.

... Der Schock der totalen Niederlage sollte sich nach dem Krieg relativ rasch verflüchtigen: Im Sog des Wirtschaftswunders und der gesellschaftlichen Stabilisierung kristallisierten sich die Familie und der Arbeitsplatz als neue (alte) Orte heraus, an denen sich die besiegten Männer wieder „männlich“ zeigen konnten und das hegemoniale Männlichkeitsmodell im Stande war, seine, wenn auch nicht mehr unantastbare, Macht gegenüber Frauen und insbesondere gegenüber den alternativen, jugendlichen Männlichkeiten der Nachfolgegeneration von neuem zu entfalten. Der idealtypische Männlichkeitsentwurf des Familienvaters und Versorgers distanzierte die Wehrmachtsveteranen von ihrer militärischen Vergangenheit und lieferte nach den oft niederschmetternden Kriegs- und Heimkehrerfahrungen einen Bezugsrahmen für die Rekonstruktion von Männlichkeit, in dem traditionelle männliche Normen und Wertvorstellungen auf der Basis einer zivilen Maskulinität neu etabliert werden konnten.32 Eine Entwicklung, die auf der biografischen Ebene vor allem in den sozialen Aufstiegserfahrungen der fünfziger und sechziger Jahre greifbar wird, vor denen letztlich auch die individuellen Folgewirkungen von Krieg und Niederlage zu verblassen beginnen.

... Anders als nach dem Ersten Weltkrieg, als die Mythisierung und Heroisierung der Kriegserfahrung einer Radikalisierung militärischer Männlichkeitsideale im Zeitalter des Nationalsozialismus unmittelbar Vorschub geleistet hatte, ließ das Ausmaß des Besiegtseins im Zweiten Weltkrieg und das Gewahrwerden der verbrecherischen Dimension des Krieges im Osten nach 1945 kaum Platz für das Wiederaufflammen kriegerischer Begehrlichkeiten. Auch wenn das kollektive Scheitern der Wehrmachtsgeneration im Krieg, wie die vorläufigen Ergebnisse meiner Dissertation untermauern, im biografischen Aufriss gesehen, weit weniger an der Hegemonialität traditioneller männlicher Identitätsmuster wie Dominanz, Stärke, Durchsetzungskraft oder auch Leistungsfähigkeit geändert hat, als es die Totalität der Niederlage implizieren mag, verlor das Soldatisch-Militärische nach Kriegsende seine Bedeutung als primärer Bezugsrahmen für die Konstruktion von Männlichkeit.

... Dass die im Zweiten Weltkrieg gemachten Erfahrungen ein integraler Bestandteil der männlichen Identitätskonstruktion vieler Angehöriger der Wehrmachtsgeneration geblieben sind, zeigen nicht zuletzt die heftigen Reaktionen der österreichischen und deutschen Kriegsveteranen
auf die so genannte Wehrmachtsausstellung in den 1990er Jahren, die nicht nur den Mythos des „unpolitischen Soldaten“ dekonstruiert, sondern gleichzeitig auch die biografischen Deutungsmuster der militärisch-männlichen Vergangenheit einer ganzen Generation massiv in Frage gestellt hat. Das Erzählen vom Krieg und seinen Folgen von Seiten der ehemaligen Soldaten der Deutschen Wehrmacht ist daher bis zu einem gewissen Grad immer
auch unter dem Aspekt gegenwärtiger Schulddiskurse rund um die Beteiligung „einfacher“ Mannschaftssoldaten am NS-Vernichtungskrieg zu verstehen. Die starke Polarisierung und Emotionalisierung der Wehrmachtsdebatte steht dabei bis heute einer angemessenen Vergangenheitsbewältigung
auf der Zeitzeugenebene, die sowohl Opfer- als auch Täteranteile zur Sprache bringt, entgegen.


Aus: "Tagung AIMGender „Männlichkeit und Emotionen“ - Stuttgart, 9.–11. Dezember 2010: „Ich bin eigentlich nicht als strahlender Sieger nach Hause gekommen“: Zur biografischen Deutung und Bedeutung der Kriegsniederlage in den erzählten Lebensgeschichten ehemaliger österreichischer Wehrmachtssoldaten Michael S. Maier, Wien 2010"
Quelle: http://www.fk12.tu-dortmund.de/cms/ISO/de/arbeitsbereiche/soziologie_der_geschlechterverhaeltnisse/Medienpool/AIM_Beitraege_siebte_Tagung/Maier__Besiegte_Maennlichkeit.pdf


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[Männer sind darauf programmiert... ]
« Reply #27 on: Juni 03, 2012, 11:06:49 vorm. »
Quote
[...] "Männer sind darauf programmiert, sich keine sexuelle Gelegenheit entgehen zu lassen", sagt Bleske-Rechek.

...


Aus: "Wie verhalten sich Freunde mit Partnern?" (01.06.2012)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wissen/freundschaft-zwischen-maennern-und-frauen-freund-und-leid-1.1371652-2


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[Weil das unsere Tradition ist... ]
« Reply #28 on: Oktober 16, 2012, 09:11:11 vorm. »
Quote
[...] Eine Holzbaracke in Archer’s Post, einem kleinen Ort in Kenia, drei Männer vom Volk der Samburu trinken ihren Tee. Der Älteste, klein und eingefallen, ist in ein rot-weiß kariertes Tuch gehüllt, tief hängen seine durchstochenen Ohrläppchen. Die anderen beiden tragen Hemd und Jeans. Bereitwillig plaudern sie, wenn man sie etwas fragt, es ist ja sonst nichts los.

Frage: Warum sollten nur die Männer Rechte haben?
»Weil das unsere Tradition ist. Frauen sind wie Kinder, sie müssen erzogen werden. Wenn sie unerzogen sind, muss man sie schlagen, um sie zu disziplinieren.«
Es gibt Frauen, die ganze Nationen regieren. Sind die auch wie Kinder?
»Diese Frauen haben alle einen Ehemann, der ihnen sagt, was sie tun sollen.«
Und wenn eine Frau ihren Mann schlagen würde?
»Dann muss man sie umbringen, und wenn ich keinen Stock hab, nehm ich das Messer.«

Die drei Samburu-Männer erheben nicht einmal ihre Stimmen. Umoja, das Dorf der Frauen, ist keine zwei Kilometer entfernt, und wenn man erahnen will, was es die Frauen gekostet hat, ihre eigene Welt aufzubauen, und warum sie das mühsame, harte Leben, das sie jetzt führen, als großes Glück empfinden, dann muss man sich wohl mal angehört haben, was Männer wie Wilson, Barasi und Douglas im Jahr 2012 von sich geben, man hätte auch drei andere fragen können.

... In Liberia haben Frauen 2003 mit ihrem friedlichen Protest und einem Sexstreik dazu beigetragen, dass der Bürgerkrieg beendet wurde. Ihre Führerin, Leymah Gbowee, hat dafür den Friedensnobelpreis bekommen. Im Kongo sind Vergewaltigungsopfer 2009 auf die Straße gegangen, ein paar Hundert vielleicht. Im nächsten Jahr war daraus der Weltfrauenmarsch geworden mit 20 000 Teilnehmerinnen aus der ganzen Welt – auch aus Umoja.

Sogar als vor einigen Jahren Rebeccas Ehemann mit dem Gewehr in Umoja auftauchte und sie erschießen wollte, hat sie gesagt: »Dann soll er doch!« Nur auf Drängen der Frauen ist sie geflohen. Bei der Polizei wollte sie Anzeige erstatten, wurde aber mit den Worten abgewiesen, dass man sich nicht in familiäre Angelegenheiten einmische. Erst als sie bei der höheren Behörde vorsprach, wurde ihrem Mann das Gewehr abgenommen.

Ein Jahr hat sich Rebecca anschließend in Kenias Hauptstadt Nairobi versteckt, während ihr Anwalt einen Scheidungsprozess anstrebte. So etwas gab es noch nie: Lolosoli gegen Lolosoli. Von ihren fünf Kindern hielt die jüngste Tochter Sylvia, in Umoja aufgewachsen, bedingungslos zu ihr, die älteren vier, geprägt durch Vater, Großeltern und Tradition, waren entsetzt. Die zwei großen Töchter machten ihrer Mutter Vorwürfe, die beiden Söhne grüßten sie nicht mal mehr auf der Straße. Rebecca sagt: »Wenn ich damals zugelassen hätte, dass ich meine Kinder vermisse, hätte ich gar nichts mehr tun können.« Also habe sie versucht, sie aus ihren Gedanken zu streichen. Für eine lange Weile und auf Abstand ging das. Es sollte zwei Jahre dauern, bis die Kinder selbst diesen Zustand nicht mehr aushielten und plötzlich am Zaun von Umoja auftauchten. Die Zeit bis dahin sollte Tom, der Älteste, später als die schlimmste seines Lebens bezeichnen. Die Ehe der Lolosolis wurde geschieden. Rebecca kehrte zurück nach Umoja.


... Die Frauen von Umoja sind nicht gegen Männer, überhaupt nicht. Aber statt sich in ihr Schicksal zu fügen, stellen sie jetzt Bedingungen. Während bisher nur die Männer von Frauen träumen durften und sich anschließend wie ein Albtraum gebärdeten, wagen es die Frauen endlich, ihr Bild eines Traummannes zu entwerfen: Es müsste einer sein, der sie mit Respekt behandelt, der ihre Wünsche, ihre Würde achtet. Diese Botschaft bringen sie auch in andere Dörfer, zwanzig, dreißig Kilometer laufen sie dafür durch die flirrende Hitze. Tausend Frauen haben sich der Bewegung angeschlossen, Gruppen in ihren Dörfern gebildet, und ja: Auch sie werden von ihren Männern dafür geschlagen. Sie kommen trotzdem.


...



Aus: "Umoja, ein männerloses Dorf in Kenia" Simone Kosog (10/2012)
Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/38605/Endlich-Respekt-zeigen


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[Man erfährt von... ]
« Reply #29 on: November 14, 2012, 03:12:15 nachm. »
Quote
[...] Man erfährt von fleißigen Polizeibeamten, die ihr Leben der Suche nach Mirco unterordnen. Von Thiel weiß man nun, dass er nach getaner Ermittlungsarbeit abends ein Bier am Fenster trinkt und nach draußen schaut. Dass er gerne Frikadellen und Pommes isst. Und sehr viel raucht. "Ich habe den Motor abgestellt und fingere die nächste John Player aus der Schachtel." Man kann durchaus sagen, dass Thiel das Schimanski-Klischee an manchen Stellen noch übererfüllt.

Einmal trifft er sich mit einem Reporter einer großen Boulevardzeitung, wie zum Showdown, vor dem Eisstadion. Thiel war nicht glücklich über das, was die Zeitung in den Tagen zuvor geschrieben hatte. Und das sagt er dann auch gleich dem Reporter: "Sollen wir uns gleich kloppen, oder führen wir erst das Interview?" Später sitzt man dann zusammen im Auto und trinkt Kaffee aus dem Becher. Harte Männer, versöhnt für die gute Sache.

...


Aus: "Ermittler schreibt Buch über Mordfall Mirco - Ein Buch voller Schimanski-Klischees" (14.11.2012)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/panorama/ermittler-schreibt-buch-ueber-mordfall-mirco-hab-dich-1.1522530-2


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[Die Beschreibung seiner... ]
« Reply #30 on: Februar 04, 2014, 11:50:56 vorm. »
Quote
[...] Knausgård ist Norweger, lebt aber seit zwölf Jahren in Schweden. In beiden Ländern liebt man seine Bücher für das Gleiche: weil man sich in ihnen nicht verliert wie in einem Krimi, sondern sich in ihnen findet wie im Gespräch mit einem guten Freund. Aber man hasst ihn aus völlig unterschiedlichen Gründen: im konservativen Norwegen wegen seines fehlenden Respekts vor der Familie, im liberalen Schweden, weil man Knausgårds Hadern mit dem gleichberechtigten Erziehungsalltag für eine spätpubertäre Sehnsucht nach einer „naturgegebenen“ Geschlechterordnung hält, in welcher der Mann arbeitet und die Frau sich um die Kinder kümmert. Vor allem der zweite Band stieß in Schweden auf heftige Kritik. In diesem beschreibt Knausgård die Angst, zwischen Spielplatz und Krabbelgruppe seine „Männlichkeit“ zu verlieren. Zentral ist die Szene, in der seine Frau ihn mit Tochter Vanja zur Babyrhythmik schickt: „Es war nicht beschämend, dort zu sitzen, es war demütigend und herabwürdigend (…), und zu allem Überfluss wurde der Kurs von einer Frau geleitet, mit der ich gerne geschlafen hätte. Aber indem ich dort saß, war ich völlig unschädlich gemacht worden, ohne Würde, impotent, es gab keinen Unterschied mehr zwischen mir und ihr, und diese Nivellierung erfüllte mich mit Zorn.“

Knausgård ironisiert seine neue Rolle nicht, er fühlt sich allen Ernstes in seiner Männlichkeit bedroht. Als er in einer Szene weinen muss, hasst er sich dafür und versteckt die Tränen, um die Scham nicht noch größer zu machen: „Ich war nicht nur kein Mensch, ich war auch kein Mann mehr.“

Über die Rollenaufteilung zwischen sich und seiner Frau schreibt er: „In der Klasse und der Kultur, der wir zugehörten, hieß dies, dass wir beide in dieselbe Rolle schlüpften, die früher die Rolle der Frau war. An sie war ich gebunden wie Odysseus an den Mast: Wollte ich mich befreien, so war dies möglich, aber nicht, ohne alles zu verlieren, was ich hatte. So kam es, dass ich modern und verweiblicht mit einem wutschnaubenden Mann aus dem 19. Jahrhundert im Inneren durch die Straßen Stockholms lief.“

Die Beschreibung seiner Ängste und Probleme ist für viele Schweden, auch für mich, absurd. Ebenso, dass Knausgård seine Bücher Min Kamp nennen musste. Ich kann verstehen, dass es Leute gibt, die sagen, dass sie das nicht lesen wollen. Allein die Tatsache, dass Männer und Frauen sich gleichberechtigt um die Kinder kümmern, wird in Schweden nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung erlebt – ganz so, wie es selbstverständlich ist, sich als feministischen Mann zu bezeichnen. Aber Norwegen liege, wenn es um Gleichberechtigung gehe, rund zehn Jahre hinter Schweden zurück, sagt Knausgård. Er wuchs noch in einer Gesellschaft auf, in der es eine große Distanz zwischen Kindern und Männern gab. Doch im Laufe einer Generation habe sich alles verändert. Und damit hadert er.

Knausgårds roter Faden ist die Männlichkeit – und wie Vaterwerden (Geburt) und Vaterloswerden (Tod) sie verändert. Er hat ein Problem mit seiner Männlichkeit und versucht, das nicht zu verstecken. Er schreibt: „Noch heute passiert es mir, dass ich vor dem Einschlafen das Gefühl habe, eine Frau zu sein, dann wache ich ruckartig auf, und es ruft laut in mir: Nein, nein, ich bin ein Mann, ich bin ein Mann – wie ein Echo aus meiner Teenagerzeit, als ich fürchtete, nicht so zu sein wie die anderen und mich zu Jungs statt zu Mädchen hingezogen zu fühlen. Ich hatte solche Angst davor, ich hätte mir das Leben genommen.“

Angst hat er auch vor Nähe. Als Kind hat er sie nie erfahren, und als Freund, Partner und Vater kann er sie nicht geben. Im letzten Band erklärt er, dass es ihm zu intim sei, seinen Kindern zu sagen, dass er sie liebe. Er ist aber kein Abbild seines eigenen Vaters, im Gegenteil, er kümmert sich zuverlässig um den Nachwuchs. Doch genau diese Fähigkeit erlebt er als zutiefst unmännlich. Er will ein guter Vater sein und ein großer Schriftsteller, glaubt aber, dass das eine das andere ausschließt.

Sein Ausweg aus diesem Dilemma ist, darüber zu schreiben. Und im Schreiben entsteht nun etwas Paradoxes: All das Große und Wichtige, für das er sechs Bände lang kämpft – also Freiheit, Anerkennung, Erfolg, Exzess, Genie, Männlichkeit –, wird unbedeutend und lächerlich. Und das Kleine, das Alltägliche, das vermeintlich Unmännliche – also Windeln wechseln, Gemüse putzen, Auseinandersetzungen mit trotzenden Kindern, eigene Schwächen eingestehen, von Niederlagen berichten, Nähe zulassen – wird in der Beschreibung plötzlich außergewöhnlich und wichtig.

Am deutlichsten ist das in den Szenen mit Vanja, Heidi und John. Knausgård besitzt eine beneidenswerte Fähigkeit, seine Kinder zu sehen und zu „lesen“ – und Worte dafür zu finden. Seine feinfühligen Beschreibungen sind Bilder einer bedingungslosen, gegenwärtigen Vaterschaft, wie sie in der Literatur bislang nicht vorkam. Er beschreibt das Zehrende, das Chaos, den Streit, aber auch die Wärme zwischen Vater und Kind. Gleichzeitig macht er keinen Hehl daraus, dass sein Leben dem traditionellen Männlichkeitsideal widerspricht, das sich über beruflichen Erfolg und öffentliche Anerkennung definiert und nach dem er sich so verzweifelt sehnt.

...


Aus: "Brutal ehrlich" Mikael Krogerus (29.01.2014)
Quelle: http://www.freitag.de/autoren/mikael-krogerus/brutal-ehrlich

-.-

Quote
[...] Der Tatsache, dass „Min Kamp 2“ in Deutschland ausgerechnet in „Lieben“ umgetauft worden ist, wohnt natürlich eine gewisse Ironie inne, aber gerade diese Ironie charakterisiert das Buch nicht schlecht. Denn sein Autor liebt es, den wilden Mann zu spielen, und ist doch - ich kann es leider nicht anders sagen - irgendwie total süß. Genau diesem Umstand verdankt das korpulente Werk dieses Gefühlsberserkers seinen Erfolg. Es ist das Buch eines Mannes, der mit Hölderlin in der Linken und Hamsun, Mishima und Jünger in der Rechten gegen die Verweiblichung der Mittdreißiger antobt und doch akzeptieren muss, dass er „genauso verweiblicht war wie sie“. Diesem Mann wird jede Leserin ihr Baby anvertrauen können; er wird es lieben. Und gegen die Rolle wüten, die ihm da zugefallen ist. Er wird dabei natürlich den Kinderwagen weiter schieben; man muss ihn nur reden lassen, gern auch 763 Seiten lang.

... kein Wunder, dass „Min Kamp“ so erfolgreich ist. Es ist das ideale Buch für Leser, denen es peinlich wäre, sich so etwas im Fernsehen anzuschauen, die sich aber von einem preisgekrönten Autor gern erzählen lassen, wie er Windeln wechselt, sich mit seiner Frau über den Abwasch streitet, den Müll wegbringt, sich Jacke und Schuhe anzieht, um auf dem Balkon eine Zigarette zu rauchen und dann noch eine, und danach Pasta kocht, und denen es gar nichts ausmacht, ihn fünfzig Seiten lang auf einen todlangweiligen Kindergeburtstag zu begleiten und ihm 25 Seiten lang bei der Geburt seines ersten Kindes über die Schulter zu schauen ....

... Der Effekt des schriftstellerischen Ehrgeizes, seinem Leben „so nahe zu kommen wie möglich“, besteht jedenfalls darin, dass die öffentliche Zurschaustellung seiner Frau, seiner Kinder und Freunde sich liest wie eine einzige große Fiktion und der Leser rasch das Interesse für deren reale Vorbilder verliert - zumal Knausgårds Insistenz auf äußerste Lebensnähe mit zahlreichen Ausblendungen einhergeht, zum Beispiel mit einer geradezu puritanischen Scheu, sich schriftstellerisch auf allzu Körperliches oder gar Sexuelles einzulassen; da bleibt das Buch erstaunlich diskret.

... Aber das Buch hat ja ohnehin nur eine Hauptfigur: Karl Ove, den Schreibwüterich, der heroisch seinen Kampf ums eigene Leben führt, das mit seinem Schreiben identisch ist. Deshalb kann das Leben mit Frau und Kindern, von dem er in „Lieben“ erzählt, nicht das eigene sein, so dass er sich von den Menschen, die ihm die nächsten sind, „unablässig fortsehnte und dies schon immer getan hatte“. So erzählt denn dies lange Buch davon, wie sein Versuch, das Leben derjenigen, die er liebt, zu dem eigenen zu machen, immer wieder scheitert - und auch deshalb scheitern muss, weil dieser Karl Ove, all seinen lustvoll inszenierten und ausgekosteten Attacken auf die Political Correctness zum Trotz („Oh, wie ich dieses kleine Scheißland hasste.“), ein so konflikt- wie kontaktscheuer, schüchterner, sensibler und „zutiefst moralisch denkender und zutiefst unschuldiger Mensch“ (so Freund Geir) ist. Kurz: der ideale Schwiegersohn. So einem verzeiht man es ohne weiteres, dass er während eines langen Familienausflugs bitter mit seinen Lieben hadert, denn wenn er bei der Rückfahrt auf seine schlafende Familie blickt, wird es doch wieder heißen: „In mir explodierte das Glück.“

Die Ansprüche der Kunst und die Ansprüche des Lebens also - dies ist ein seit Klassik und Romantik oft behandeltes Konfliktpotential. Der junge Goethe bewältigte diesen Stoff in seinem Dramolett „Des Künstlers Erdewallen“ auf drei Seiten. Knausgård, der seine Geschichte irgendwo anfängt und irgendwann aufhören lässt, benötigt dazu viele hundert Seiten. ...




Aus: "Karl Ove Knausgård: Lieben Ein Schriftsteller überwacht sich selbst" (10.08.2012)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/karl-ove-knausgard-lieben-ein-schriftsteller-ueberwacht-sich-selbst-11850999.html

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Quote
[...] Rezensent Jörg Magenau hat diesen Roman zwar ganz gern gelesen, doch scheint er ihn am Ende mit einem unangenehmen Völlegefühl aus der Hand gelegt zu haben. Die Aussicht, noch vier Romane in diesem auf 6 Teile geplanten Gesamtwerk zu lesen, stimmt ihn eher ängstlich. Worum geht's? Karl Ove Knausgard, der in seinem ersten Roman "Sterben" über den Tod seines Vaters geschrieben hat, erzählt jetzt in "Lieben" vom ganz normalen Familienalltag mit Frau und Kindern. Er schreibt als Karl Ove, der ein Tagebuch führt. Alles scheint authentisch zu sein, nichts erfunden, so Magenau, die ganze "spannungsarme Alltagsunendlichkeit" wird nacherzählt. Und doch, so der Rezensent, "das Ich, das da vor dem Leser mehr entsteht als entkleidet wird, ist selbst eine Fiktion". Es ist also Literatur und nicht bloß Verdoppelung. Behauptet Magenau.

...


Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.04.2012
Quelle: http://www.perlentaucher.de/buch/karl-ove-knausgard/lieben.html

-.-

Quote
[...] Anders als der erste Band, in dem erst einmal Betrachtungen über den Umgang mit Toten angestellt wurden, bevor die eigentliche Handlung einsetzte, beginnt dieses Buch mitten in einer sehr typischen Familienszene. Ein Paar mit drei kleinen Kindern macht einen Ausflug und möchte einen schönen Tag miteinander verbringen. Der Ausflug verläuft allerdings enttäuschend, zu hoch sind die Idylle-Erwartungen, zu anstrengend ist die Realität. Und auch die nachfolgende Schilderung eines Kindergeburtstages ist erfrischend realistisch dargestellt, meilenweit vom zuckersüßen Idealbild entfernt. Die Kluft zwischen dem, wie man sich das Leben mit Kindern vorgestellt hatte, wie es in den ersten Wochen nach der Geburt auch noch ist, und dem darauf folgendem aufreibenden Alltag mit seinen Routinen, zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch.
Der hohe Grad der Selbstreflexion und die Detailreiche der Beschreibungen sorgten dafür, dass ich, wie schon beim ersten Band, die ganze Zeit den Autor vor Augen hatte, er beim Lesen irgendwie anwesend war, wie bei einem Gespräch unter Freunden. ...

Aus: "Der Kampf mit dem Alltag" Gospelsinger  (21. März 2012)
Quelle: http://www.amazon.de/Lieben-Roman-Karl-Ove-Knausg%C3%A5rd/dp/3630873707

-.-

Karl Ove Knausgård
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Ove_Knausg%C3%A5rd


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[Selbstkonzept & Männlichkeitskonzept... ]
« Reply #31 on: Juni 10, 2014, 12:12:59 nachm. »
Quote
[...] Vor knapp zwei Monaten, am 19. März 2014, wurde Thomas S. erschossen. Er hatte sich ein halbes Jahr zuvor zwischen Gießen und Marburg ein Haus gekauft und begonnen, es zu renovieren. In der Garage stand seine Harley. Gegen 22:30 Uhr muss er Besuch bekommen haben, und dieser Besucher hat dann viermal auf ihn geschossen: dreimal in den Bauch und einmal in den Kopf. Es war so etwas wie eine Hinrichtung. Thomas S. hat sich noch aus dem Haus geschleppt und ist dann auf dem Gehweg zusammengebrochen. Der von Nachbarn gerufene Notarzt konnte nichts mehr tun.

Der mutmaßliche Täter wurde schnell fest- und in Untersuchungshaft genommen. Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 34-jährigen Mann aus der Umgebung, der spielsüchtig sein und jede Menge Schulden haben soll. Ein Arbeitskollege von Thomas S. Auf der Suche nach Gründen und Motiven für die Tat stochert man nun im Nebel. Alles, was bisher vermutet wird, steht in keinem Verhältnis zur Schwere der Tat und vermag die entgrenzte Gewalt nicht zu erklären. Tötungen ohne ersichtliches oder nachvollziehbares Motiv hinterlassen bei Angehörigen und Freunden eine große Ratlosigkeit und Verstörung. Sie können sich das Geschehen nicht aneignen und kommen nicht zur Ruhe.

... Warum also tun Männer so etwas? Warum ziehen sie in den Krieg? Warum überfallen sie Banken und Geldtransporter? Sie wollen sich der Gefahr aussetzen und sich erproben. Sie wollen wissen, wie stark und kaltblütig sie sind, was sie aushalten. Das Leben als Bandit und Räuber besitzt die Würde der Gefahr. Mit dieser Würde bringt man später dann auch den Knast hinter sich. Es ist eine Lebensform, die dem Stechuhrdrücken und dem Vertikutieren des Rasens ums Einfamilienhaus allemal vorzuziehen ist.

Mir persönlich ist das Männlichkeitskonzept, das im Milieu und im Knast gelebt wird, immer fremd geblieben. Es ist für mich durch die Generation meines Vaters historisch diskreditiert und wegen der Frauenverachtung kein lebbares Modell. Der Literaturwissenschaftler und Publizist Klaus Theweleit hat den Zusammenhang zwischen dieser Form von soldatischer Männlichkeit und dem Faschismus in seinem Buch Männerphantasien aufgezeigt. Aber ich muss dieses Konzept von Männlichkeit verstehen, wenn ich mit den Häftlingen arbeiten will. Es hat seine Anziehungskraft auf junge Männer bis heute nicht eingebüßt.

Respekt, Ehre und Männlichkeit sind für die meisten Gefängnisinsassen wichtige Kategorien, ihre Identität kreist um diese Werte. Sie sind von klein auf von Frauen umgeben, die ihnen sagen: „Seid nicht so laut und grob!“ Aber die Jungs denken: Das ist Frauengerede. Der Psychiater Hans-Ludwig Kröber hat in seinem Essay Töten ist menschlich darauf hingewiesen, dass man der Gesellschaft einen Bärendienst erweist, wenn man die traditionellen Männlichkeitskonzepte ignoriert oder als bloß defizitär stigmatisiert und pathologisiert. Die moderne und von Frauen dominierte weiche Pädagogik versucht, Kindern Aggression auszureden und abzugewöhnen. Gewalt sei böse und müsse vermieden werden.

In jener Lebensphase aber, in der männliche Jugendliche ein Selbstkonzept entwickeln, sind sie von den Rollen des Kämpfers, Kriegers oder Banditen fasziniert. Am nächsten kommt diesem Konzept der Sportler. In beiden Fällen geht es um den Einsatz des Körpers, um das Risiko. Die Anziehungskraft, die bestimmte Subkulturen auf Jugendliche ausüben, liegt weniger in deren Ideologie als in ihrer Gewaltbereitschaft und der Möglichkeit, Aggressionen auszuleben und sich auszuprobieren. Kröber sagt sinngemäß: Ein männlicher Umgang mit jugendlichen Straftätern ist absolut notwendig. Sie müssen spüren, dass man sie nicht zu Mädchen umerziehen möchte, sondern zu selbstdisziplinierten Männern. Sie müssen nach Regeln kämpfen lernen. Sie brauchen Männer als Vorbilder und männliche Paten. Gewalt darf nicht tabuisiert werden, sondern muss in Power umgewandelt werden.

... Es wimmelt in der Halb- und Unterwelt von Hitzköpfen, die nach Bestätigung und Anerkennung dürsten. Der ständige und scheinbar anlasslose Einsatz von Gewalt dient ihnen dazu, in einer Art fortwährendem Turnier Hierarchien zu etablieren. Die Tötung eines bekannten Kriminellen bedeutet einen Karrieresprung. Es geht im Milieu viel filmischer zu, als man denkt. Der Oxforder Soziologe Diego Gambetta hat die These aufgestellt, dass die Beziehung zwischen Gangster- und Mafiafilmen und krimineller Wirklichkeit keineswegs einseitig sei. Die Filme wirkten, besonders wenn sie Kultstatus erlangten, auf das Milieu zurück. Sie liefern möglicherweise auch Modelle dafür, wie man als junger Gangster von sich reden macht und sich durchsetzt.

...


Aus: "Der Fremde" Götz Eisenberg (05.06.2014)
Quelle: http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-fremde-1

« Last Edit: Juli 02, 2014, 10:25:41 vorm. by Textaris(txt*bot) »

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[Patriarchalisch organisiert... ]
« Reply #32 on: Februar 26, 2015, 10:05:20 vorm. »
Quote
[...] Der Mann, der von einer fremden Welt erzählt, ist um die 40, er trägt die Haare kurz rasiert. Nennen wir ihn Aslan*. Er wird von einer Familie erzählen, die er gut kennt. Wie seine eigene Familie ist auch diese vor Jahrzehnten aus der Türkei nach Deutschland gekommen. "Ich möchte kein Nestbeschmutzer sein", sagt er gleich zu Beginn des Gesprächs. "Aber es ist mir wichtig, über Probleme in meiner Kultur zu reden."

... "Alle Familien sind patriarchalisch organisiert. Der Mann wird nicht kritisiert. Junge Männer werden alleingelassen. Sobald einer ins jugendliche Alter kommt, trägt er keine Probleme zu den Eltern, er muss sie selber lösen. Geht er doch zu ihnen, ist das ein Zeichen von Schwäche." Auch über Sexualität wird nicht gesprochen. Anstelle von Aufklärung hörte Aslan zu Hause: "Bring mir ja keine Schande ins Haus!" Eine ungewollte Schwangerschaft wäre ein Skandal, der nur durch Heirat überwunden werden kann – nicht aber, wenn die Schwangere eine Deutsche ist. "Eine Deutsche zu heiraten, ist praktisch unmöglich, die ist ja keine Jungfrau mehr. Wer keine Jungfrau mehr ist, ist weniger wert. Auch in Berlin wird nach der Hochzeitsnacht in kurdischen Familien nach dem Blutfleck auf dem Laken geguckt." ...


Aus: "Die Sippe weiß alles" Jörg Burger und Johannes Dudziak (25. Februar 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-02/erin-mord-maria-integration




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[Männer die beim Schwur die Hand aus Herz legen... ]
« Reply #33 on: September 22, 2015, 03:45:49 nachm. »
Quote
[...] Feridun Zaimoglu - Feridun Zaimoglu, geboren 1964 im türkischen Bolu, kam 1965 nach Deutschland. Er veröffentlichte zahlreiche Romane und Theaterstücke. Zuletzt den Roman "Isabel" bei Kiepenheuer & Witsch. Er lebt in Kiel und hat kein Internet. Hier schreibt er regelmäßig über Merkwürdigkeiten, die ihm in seinem Alltag begegnen. Die Texte schickt er natürlich per Fax.

Späte Nacht, bin abgekämpft, an den Nebentischen sitzen Abgekämpfte meines Schlages: ohne Begleitung, mit leerem Becher oder Glas auf dem Tisch. Starre in den Himmel und erschrecke – Stern bewegt sich. Flugzeug? Nein, zu hoch. Satellit, der die Erde in Bahnen umläuft, bis er herabstürzt.

Der Wirt spannt flink die Schirme auf, es gibt einen kurzen heftigen Regen. Es tritt aus dem Dunkeln heraus eine Frau, sie kennt mich aus der Zeitung. Sie fragt, ob sie sich setzen darf, ob sie stört. Ich sage blöd: Bitte ja, wieso nicht? Wir sprechen, wir sprechen über die Ehre. Was ist das? Etwas, was mit dem echten Leben nichts zu tun hat: Ehre ist das Kostüm aus Rattenhäuten, in das ein Mann schlüpft. Ein Wahn, für den die Frauen mit ihrem Blut bezahlen. Die Zeit der Ehrenduelle ist vorbei. Es ist jetzt die Zeit der aufgepumpten Ehrenproleten.

Sie spricht: Männer, die beim Schwur die Hand aus Herz legen. Männer, die die Himmelsmacht beschwören. Onkel, Cousins, Vettern haben sich mir unsittlich genähert. Ich war ein keimendes Mädchen. Und ich dachte: Wofür bestrafen sie mich? Habe ich gesündigt? Ist mein Schweiß der Sündenseim, der mir die Haut glänzen macht? Sie gingen ins Gotteshaus, sie legten das Strickkäppchen aufs Haar, sie lauschten den Worten des Predigers. Nachts, wenn sich auf alles ein Schleier legte, wenn ich im Dunkeln lag, kamen sie über mich und ich lag danach im verschmutzten Bett. Das Laken und die Bettdecke brannten. Und ich brannte, weil ich schlecht war. Die Männer brachten mir Schlechtigkeit bei.

Die Sünde, das war ich, ich war der Lockstoff: Meine Lehrer im Dunkeln haben es mich gelehrt. Später ging ich weg, ich verließ meine dunklen Verwandten. Sie nannten mich eine Verräterin. Ich verriet das Bett ihrer Wollust. Ich verriet das Mädchen ihrer Wünsche. Ich verriet meine Mutter, die mir sagte: Der feuchte Schritt des Mannes ist ein Greuel, aber lerne es zu übergehen. Ich spuckte auf sie alle. Genug, danke für die Zigarette, machs gut…

Schrott am Hamburger Himmel, ich schlüpfe in den Mantel, bestelle eine Karaffe Wasser. Ehre. Eine Kultur der Männer mit Ehre, die von der Keuschheit der Kindsfrauen reden, die sie heiraten – was ist das? Eine Perversion. Die Männer sagen: Das Ahnengesetz bindet uns. Scham und Schicklichkeit, darauf legen wir uns fest. Durch die Schande wird eine Frau ruchlos … Was steckt hinter dem Geschwätz? Die Ehrenmänner stricken an der Lüge, die sie sich über die Schultern werfen wie einen alten geerbten Überwurf. Ich denke über die Männer nach, die in Scharen nach Deutschland kommen. Deutsche Frauen helfen ihnen unentgeltlich und doch müssten sie ein Unbehagen spüren. Werden die vertriebenen Kurden und Araber am Brauchtum ihrer Herkunftsländer festgehalten, weil es Rettung verspricht in einer unverständlichen Welt? Kippt die Stimmung, wenn die ersten Ehrenrächer die Frauen ihrer Sippe strafen?

Albaner, Türken, Kurden und Araber – was haben sie gemeinsam? Den Ehrenkodex, den viele fiese Frömmler heiligen. Treueschwur und Eidbruch, das sind für sie keine hohlen Worte. Großherzig sind die Deutschen, da sie die Flüchtlinge willkommen heißen. Fremde Männer fremder Sitten: Sie sind dankbar für das Bleiberecht, das ihnen gewährt wird. Leben sie sich ein, erkennen sie die Verkommenheit der Ordnungen denen sie entflohen sind? In den kleinen Parallelwelten, die man Türkenviertel nennt, gibt es uneinsehbare Abseiten, dunkle Katakomben, Hinterzimmer in Häusern auf Hinterhöfen. Sektenjünger und Splittergruppenmarxisten lehren hier die Regeln der Frechheit: Erkennt das Andere, das Fremde, nicht in euch. Erkennt es an den Deutschen, beben die Eiferer vor Glück, weil sie auf Anhang unter den neuen Einwanderern hoffen? Ich denke an die Kinder, an die Mädchen. Man erlaubt es ihnen nicht, dass sie heraustreten aus der Gemeinschaft der wahnverstrickten Männer. Ich hoffe, dass sie es schafften. Ein Leben ohne Ehre und Eide ist das bessere Leben.

Quote
Vakit
#1  —  vor 21 Stunden

Ein Leben ohne Ehre und Eide ist das bessere Leben. ... Die Frau ist immer der Besitz des Mannes. Das ist so….ekelhaft.


Quote
Philomena
#4  —  vor 5 Stunden

Dieses Phänomen ist keines, der hier ansässigen „Fremden“, der deutsche Mann macht das genauso! Meine Erfahrungen zeigen mir, dass es mit „Ehre“ nicht viel zu tun hat, was Mann heute so umtreibt. Schade es könnte so schön sein, mit uns Frauen und euch Männern.



Aus: "Die Zeit der Ehrenproleten" (21. September 2015 um 8:00 Uhr)
Quelle: http://www.zeit.de/freitext/2015/09/21/feridun-zaimoglu-ehre-maenner/

« Last Edit: September 22, 2015, 03:50:27 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Durchlässigkeit und Ambivalenz... ]
« Reply #34 on: Februar 26, 2016, 12:30:17 nachm. »
David is portrayed as the moral alien, from the first minutes of the film. ... Straw Dogs (1971)
https://wasiswill.wordpress.com/2015/12/13/straw-dogs-1971-david-sumner/

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Wer Gewalt sät ist ein US-amerikanischer Thriller von Regisseur Sam Peckinpah aus dem Jahr 1971. Der Film basiert auf einem Roman des Schriftstellers Gordon Williams mit dem Titel The Siege of Trencher's Farm. ... Prisma: „Sam Peckinpahs Film ist eine Studie über die Mechanismen der Gewalt, eindringlich und effektvoll inszeniert und äußerst schwer verdaulich. Ein Meisterstück, das leider selten zu sehen ist. Und wenn, dann meist gekürzt und zerschnippelt. Dabei geht es Peckinpah nicht, wie ihm vorgeworfen wurde, um Gewaltverherrlichung. Gewalt ist bei Peckinpah – im Gegensatz zum sauberen und sterilen Actionkino der heutigen Zeit – immer mit Schmerz und Leid verbunden und nie bequeme Problemlösung.“...
https://de.wikipedia.org/wiki/Wer_Gewalt_s%C3%A4t (02/2016)

---

Quote
[...]

Straw Dogs – Wer Gewalt sät
Originaltitel: Straw Dogs
Produktion USA 1971
Laufzeit: 113 Minuten
Kinostart: 30.03.1972
Regie: Sam Peckinpah


Straw Dogs, Sam Peckinpahs nihilistisches Meisterwerk um instabile Geschlechterverhältnisse ... Ein Mann hantiert unbeholfen mit einem Gewehr herum und zielt auf Rebhühner. Der Hügel, auf dem er steht, positioniert ihn im Bild selbst als Beute, umkreist von mehreren im Dickicht verteilten Jägern, die ihn mit abfälligen Blicken anvisieren. Zwischenschnitte zeigen einen Geschlechtsakt, der als Vergewaltigung beginnt, sich aber in einer erotischen Spannung entlädt, vor der die Frau schließlich kapituliert. Zurück auf dem Hügel: Der Mann konnte in der Zwischenzeit endlich ein Tier erlegen, betrachtet sein Opfer aber mit Reue. Hieran fehlt es dem nächsten Vergewaltiger, den ein weiterer Schnitt zeigt, wie er die nunmehr panische Frau missbraucht.

Die oben beschriebene, virtuos montierte Szene aus Sam Peckinpahs Straw Dogs – Wer Gewalt sät (Straw Dogs) sowie dessen Klimax sorgte 1971 für die Fortführung einer Kontroverse über explizite Gewaltdarstellungen, die bereits in den späten sechziger Jahren mit heute gleichermaßen etablierten Klassikern wie Bonnie und Clyde (Bonnie and Clyde, 1967) und Peckinpahs Western The Wild Bunch (1969) begann. Straw Dogs fand sich danach in vielen Ländern auf dem Index wieder. Seine ungekürzte Fassung wurde in Großbritannien erst 2002 zugänglich gemacht, nun zieht der deutsche Verleiher nach.

Peckinpah beginnt seine Gordon-Williams-Adaption zunächst mit der Festlegung einiger Oppositionen, die in ähnlicher Form dem Westerngenre zugrunde liegen. Die Rolle des zivilisierten Vernunftmenschen erfüllt der Mathematiker David Sumner (Dustin Hoffman), der mit seiner Frau Amy (Susan George) in deren Heimatdorf in Cornwall zieht. Die entgegengesetzte Bedrohung des Barbarischen manifestiert sich in den männlichen Dorfbewohnern, sogar in der Szenerie von Cornwall selbst, die Peckinpah dem gängigen Postkartenklischee zum Trotze als tristes Brachland darstellt. Überdies teilt Straw Dogs einige der Motive des amerikanischen Backwoodslashers. Die Dorfgemeinde erscheint rückständig und vormodern, größtenteils bevölkert von unheilvollen, teils debilen Gestalten, deren Handlungen stets dem Instinkt verhaftet sind und somit in ihrer Unberechenbarkeit bereits die Möglichkeit einer Eskalation andeuten. So ist es auch in erster Linie ein konstanter psychologischer Terror, den Peckinpah als Unterton seines Filmes verankert.

Es verwundert zunächst nicht, dass David, zumal Amerikaner, im Dorf wie ein Aussätziger behandelt wird. Dass der bekennende Pazifist am Ende einen nach dem anderen der in sein Haus eindringenden Dörfler, die ‚reuigen Hunde’ des Titels, mit graphischem Einfallsreichtum umbringen wird, genauso wenig. Peckinpah treibt Davids Ausbruch und die Demontage seines Selbstverständnisses mit einer stringenten Logik voran, die auch Horror- und Thrillerfilmszenarien unterliegt. Gegenwehr wird hier angesichts irrationaler Vorgänge meist zur zwingenden Notwendigkeit, und in Straw Dogs drückt sich in dieser Unabdingbarkeit auch die nihilistische Tendenz aus, die Peckinpah-Filmen eigen ist. Straw Dogs ist aber weitaus mehr als ein pessimistisches soziologisches Experiment über die These, Gewalt produziere Gegengewalt. Der Katalysator für Davids Wandlung ist noch anderswo zu verorten, sieht sich ihre Veräußerlichung doch in der Beziehung zu Amy angelegt.

Die erste Einstellung von Amy in Straw Dogs ist ein Close-Up, eine Subjektive auf ihre Brüste, die sich mangels BH klar abzeichnen. Ein Bild, das sie mit der Form einer liberaleren, aber auch freizügigeren Sexualität, mit der die späten sechziger Jahre identifiziert werden, assoziieren. Als bewusstes Objekt der Blicke und Begierde der männlichen Cornwaller weiß sie sich auch zum Missfallen Davids oft zu inszenieren, was viele Kritiker damals als selbsterklärende Ermutigung einer Vergewaltigung lasen. Nach dieser Deutung erhält Amy, und mit ihr ein bestimmtes historisches Frauenbild, die Quittung für einen vermeintlich provokativen Umgang mit Männern.

Das Spiel der Blicke, das Peckinpah in Straw Dogs mit seiner subjektiven Kamera und fließenden, dann wieder fragmentarischen Montage immer wieder entfacht, ist jedoch ein derartig komplexes, dass es solch reduzierte Ansätze unterläuft. Die Position von Amy im Blickfeld der Dörfler wechselt zunehmend. Mal ist sie kontrollierende, einladende Instanz, dann entgleitet ihr diese Autorität. Eine Tatsache, die ihre Vergewaltigung als traurige Konsequenz erscheinen lassen muss, nur dass man Handlungshergänge nicht mit derselben Bestimmtheit berechnen kann wie die Wahrscheinlichkeiten, denen sich David als Mathematiker widmet. So ist es letztendlich auch ein komplizierter Diskurs über die Idee des Opfers, den Peckinpah in Straw Dogs effektiv und gehörig ambivalent führt.

Die beiden Fronten, die in dem zaghaften David und den rohen Cornwallern aufeinander treffen, entsprechen letztlich zweierlei Entwürfen von Maskulinität. Überdies deutet Peckinpah anhand einer Reihe von Provokationen, die Amy als Affront gegen Davids männliche Integrität konzipiert, schon früh an, zu welcher Variante sie sich mehr hingezogen fühlt. Der eheliche Akt vollzieht sich dann auch eher spielerisch, bar jeder Erotik, und steht in verstörendem Kontrast zu der sexuell aufgeladenen Schlüsselszene des ersten Missbrauchs. Die Ehe und Kompatibilität der Sumners werden zudem in unzähligen Szenen von Peckinpah in Frage gestellt. Straw Dogs’ männlicher Protagonist – und hierin unterscheidet er sich grundlegend von einer nicht nur dem Western eigenen traditionellen Figur des patriarchalischen Helden – definiert sich lediglich über den Intellekt und lässt zum Bedauern Amys jegliche Statur vermissen. Daran ändert auch der Initiationsritus der Jagd zunächst nichts, dem David zum Schein unterzogen wird.

Nach dieser Logik müsste er im gnadenlosen Finale des Films als Held hervorgehen. Dass dies nicht der Fall ist, liegt an der Durchlässigkeit und Ambivalenz der in Straw Dogs dargestellten Geschlechterbilder und Wertvorstellungen, die den Film unmissverständlich zu einem Dokument seiner Zeit machen. Davids Überschreitung der eigenen Grenzen ist absolut und unumkehrlich. Wie es am Ende in der Bejahung einer moralischen Bankrotterklärung heißt: „I don’t know my way home“.


Aus: "Straw Dogs – Wer Gewalt sät" Katharina Stumm (16.07.2007)
Quelle: http://www.critic.de/film/straw-dogs-wer-gewalt-saet-930/