COMMUNICATIONS LASER #17
February 07, 2012, 08:51:54 PM *
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News: LASER#17 | TEXT MEMORY UNIT | ZITAT MONTAGEN | TEXT DATENBANK
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Author Topic: [Männlichkeitskonstruktionen... [?] (Notizen)]  (Read 6769 times)
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« Reply #15 on: February 25, 2008, 09:40:58 AM »

Quote
[...] Männer sagen "Motherfocker" und antworten "Fuck you!", wenn sie zueinander nett sein wollen und versichern, sie würden nicht mehr in die Hosen machen. Frauen wird im richtigen Moment immer gesagt, sie sollten doch bitte mal das Zimmer verlassen.


Aus: "Die Hinrichtung der 80er Jahre" - Das Ende der Ambivalenz: James Grays reaktionäres Mafiamärchen "We Own The Night" - Von Rüdiger Suchsland (TP, 24.02.2008)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27355/1.html
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« Reply #16 on: February 25, 2008, 02:38:40 PM »



Found @ http://gawker.com/359928/dont-cry-for-me-argentina-and-other-pop-songs-expressed-with-graphs (2008)
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« Reply #17 on: February 26, 2008, 10:05:55 AM »

Quote
[...] Der Umgang mit Hardcore-Porno-Filmchen, die auf Teenager-Handys kursieren, trägt in der Schweiz erste Früchte: Einem Bericht zufolge gehen Jugendliche heutzutage lieber ins Bordell als ins Kino oder in die Eisdiele.

[...] Auch Thomas Seeholzer, Leiter des Freier-Projekts Don Juan der Zürcher Aidshilfe, kenne das Phänomen, berichtet "20 minuten": "Viele Teenager scheinen zu glauben, der Gang zu Prostituierten gehöre zum Mannsein, sind aber auch sehr unsicher", so Seeholzer.

[...]


Aus: "Teenager gehen gern ins Bordell" ( 26. Februar 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,537728,00.html

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« Reply #18 on: February 26, 2008, 10:44:35 AM »

Quote
[...]

Datum: Tue, 26 Feb 2008 01:13:26 +0200 [00:13:26 CET]
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Datum: Tue, 26 Feb 2008 10:01:19 -0200 [13:01:19 CET]
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« Last Edit: June 28, 2008, 09:33:27 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #19 on: March 18, 2008, 01:30:04 PM »

Quote
[...] Kraß: Die Queer Studies versuchen, gerade die Differenzierung der Geschlechter in Frage zu stellen. Deswegen wäre es ja nicht sinnvoll, sich entweder auf schwule oder auf lesbische Fragestellungen allein zu konzentrieren. Es geht gerade darum, diese Gegensätze zu entdifferenzieren. Queer Studies sind jedoch eine sehr heterogene Veranstaltung. Es gibt natürlich diejenigen, die vielleicht eher nach der Geschichte der männlichen Homosexualität fragen, und diejenigen, die eher nach der Geschichte der weiblichen Homosexualität fragen, aber man kann genau so gut innerhalb der Queer Studies nach der Geschichte der Heterosexualität fragen. Das finde ich besonders wichtig. Denn meine These lautet, dass Homosexualität, die ja erst im 19 Jahrhundert als solche erfunden worden ist – den Diskurs gibt es ja noch nicht länger –, letztlich benutzt wird, um damit die Heterosexualität als Prinzip zu stützen und überhaupt erst zu konstituieren. Es erscheint mir schon als methodischer Fehler, eine Teilperspektive herauszugreifen. Wichtig ist es, den Zusammenhang zwischen verschiedenen Diskursen über Sexualität zu sehen. Meine These würde lauten, dass die Homosexualität im Grunde auch deswegen »erfunden« worden ist, also als Diskurs über Liebe zwischen Männern oder über Liebe zwischen Frauen, um damit die Normalität der Heterosexualität überhaupt erst, sozusagen im Kontrast, herzustellen.

K.A.: Damit stimmen Sie ja auch mit Judith Butler überein, die in Ihrem Werk Gender Trouble das Geschlechterbegehren in die drei Begriffe »Sex« (das anatomische Geschlecht), »Gender« (die kulturelle Geschlechtsidentität) und »Desire« (das Begehren) auflöst.

Kraß: Da ich früher einmal Theologie studiert habe, sage ich gerne, dass es für mich in den Queer Studies ein Altes und ein Neues Testament gibt: das Alte Testament ist Michel Foucault und das Neue Testament ist Judith Butler. Butler bezieht sich unter anderem – nicht nur, aber auch – sehr stark auf Foucault. Im ersten Band seiner mehrbändigen Geschichte der Sexualität, Sexualität und Wahrheit: Der Wille zum Wissen, ist Foucault davon ausgegangen, dass Sexualität in erster Linie nicht ein Phänomen, sondern ein Diskurs ist. Man kann so die Geschichte des Diskurses über das, was heute »Homosexualität« genannt wird, zurückverfolgen. Dann sieht man, wie es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Umschlag vom Sodomiediskurs zum Homosexualitätsdiskurs, also von der Frage der verbotenen Praktik hin zu einer pathologisierten Identität gibt. Diese diskursgeschichtliche Fragestellung ist meines Erachtens ein ganz zentraler Sachverhalt. Damals wurde Sodomie noch als jegliche Form von Unzucht und nicht-prokreativem Sex verstanden. Heute versteht man unter Sodomie meistens Sex mit Tieren. Was bei Judith Butler hinzukommt, ist die von Ihnen angesprochene Unterscheidung von Sex, Gender und Desire. Eine der vielen wichtigen Gedankenfiguren bei Butler ist diejenige, dass das anatomische Geschlecht nicht mehr als Garantie und Begründung für kulturelle Geschlechterrollen genommen werden kann. Sie dreht das Verhältnis von Sex und Gender um, indem sie sagt, dass selbst der Körper nichts anderes als eine Allegorie des Geschlechts ist. Sie kritisiert, dass kulturell und sozial konstruierte Geschlechterrollen so auf den Körper zurückprojiziert und damit naturalisiert werden. Mit dieser Gedankenfigur unterscheidet sie sich von identitätspolitischen Ansätzen des Feminismus, die gerade auf die Körperlichkeit zurückgreifen. Judith Butler ist diesbezüglich auch bis heute notorisch falsch verstanden worden. Sie wird häufig verkürzt rezipiert. Man unterstellt ihr, sie würde einen beliebigen, postmodernen Pluralismus predigen, so als könnte man sich jeden Morgen in seiner Garderobe eine neue, beliebige Geschlechtsidentität aussuchen. Das ist natürlich nicht richtig. Es geht um die Performativität des Geschlechts. Damit ist nicht die Theatralität im Sinne der Performanz (»Ich führe jeden Tag ein neues Geschlecht auf«) gemeint. Im Gegenteil: Es geht eher darum, dass das Geschlecht und die Geschlechterrolle eine Art Zwangsjacke sind, dass sie performativ durch Wiederholung und praktischen Vollzug eingeübt werden. Das beginnt schon mit der Geburt. Das erste Urteil, das über den Menschen gesprochen wird, lautet ja: »Es ist ein Junge« oder »Es ist ein Mädchen«. Am Anfang des Satzes ist das Kind noch ein Neutrum. Am Ende des Satzes ist es auf ein Geschlecht festgelegt. Diese Festlegung wird dann ein Leben lang beständig wiederholt und eingeübt.

[...] Mein Verständnis ist jedoch in der Tat, dass die Sprache eine sehr große Rolle spielt. Dass aber nicht nur die Sprache eine Rolle spielt, hat Butler von Foucault mit übernommen. Es gibt demnach so etwas wie ein Dispositiv. Dieser von Foucault geprägte Begriff ist ursprünglich ein strategisches Wort aus dem Bereich des Militärs und des Rechts. Gemeint ist damit eine Anordnung im doppelten Sinne: eine Anordnung, die sich aus bestimmten Institutionen, Diskursen, Praktiken zusammensetzt und eine Ordnung vorgibt, die einzuhalten ist. Hier würde ich die Heteronormativität dazuzählen. Das heißt also, die Sprache allein ist es nicht. Neben Sprachhandlungen treten nonverbale Handlungen. Dabei ist natürlich dennoch wichtig, dass alles über die Sprache vermittelt ist, denn Sprache ist das Medium, in dem wir denken. Das können wir nicht hintergehen. Ich habe immer ein bisschen Schwierigkeiten damit, zu sagen, dass Butler hier etwas Spielerisches wie Performanz vorschlägt, weil man dann immer gleich die Vorstellung von ›Drag Queens‹ und ähnlichem hat. Ein Begriff, der für sie wichtig ist, ist der der ›Zwangsheterosexualität‹. Den Zwang muss man vielleicht noch mehr betonen als das Spiel. Das spielerische Element besteht vielleicht in der Grundannahme, dass die Identitäten durch Wiederholungen und durch Performativität eingeübt werden. Wenn ich sie richtig verstehe, ist einer ihrer Ansätze – sie fragt sich auch, was können wir konkret, politisch ändern –, dass man in diese alltäglichen Wiederholungen immer wieder eine kleine Veränderung einbaut und durch diese kleinen Veränderungen – nach dem Motto: »steter Tropfen höhlt den Stein« –, diese Wiederholung mit einer kleinen Differenz, dann vielleicht auch die Norm nach und nach verändern kann. Ein wichtiger Begriff für sie ist ja auch derjenige der ›Intelligibilität‹. Gemeint ist damit die Art und Weise, wie man etwas wahrnehmen, erkennen und verstehen kann. Die Paradoxie besteht ja darin, dass man immer nur das verstehen kann, wofür man auch Begriffe hat. Man erkennt nur das, wofür man eine bestimmte Sprache hat. Die Hoffnung ist vielleicht die, dass es durch eine Veränderung im Sprechen, im Tun und auch in den institutionellen Praktiken möglich wird, Stück um Stück die Norm und damit auch die Wahrnehmung zu ändern. Das heißt, anderes denkbar zu machen, was heute vielleicht noch nicht so denkbar ist.

[...] Wenn wir uns tatsächlich auf eine allgemeinere Perspektive einlassen, ist es natürlich richtig, dass das Prinzip des Patriarchats, in dem wir uns immer noch befinden, den Mann vor der Frau privilegiert. Misogynie und Homophobie sind zwei Seiten einer Medaille. Man kann die Homophobie aus der Misogynie ableiten.

[...] Es mag ja sein, dass es vielleicht ein Luxusproblem ist, Tristan und Isolde zu untersuchen, was ich allerdings nicht bestätigen möchte. Aber man kann ja auch einmal danach fragen, wie es mit der Einwanderungspolitik aussieht, mit Asylverfahren, mit Schulpolitik, mit dem, was auf den Schulhöfen geschieht, mit dem, was in den Amtsstuben geschieht, wo Asylbewerber, die sexuell verfolgt werden, sich vorstellen und um Aufnahme bitten. Wenn diejenigen, die dort wichtige Funktionen übernehmen – also die Lehrer, die Schuldirektoren, die entsprechenden Beamten, die Politiker –, wenn die voreingenommen sind, wenn sie Berührungsängste haben, wenn sie Schwierigkeiten haben, mit dem Thema Sexualität umzugehen, weil sie persönlich verwickelt werden… Deshalb brauchen wir ein hohes Reflexionsniveau, einen nüchternen Blick – und diesen nüchternen Blick können wir dadurch gewinnen, dass wir die Queer Studies als Perspektive ernst nehmen.

...


Aus: "»Die Heteronormativität aufbrechen. Anderes denkbar machen.«" - Ein Interview mit Professor Dr. Andreas Kraß zum Thema »Queer Studies« - Ansgar Skoda (10. Juli 2006)
Das Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Kraß wurde für Radio Bonn/Rhein-Sieg aufgezeichnet und am 11. Juni 2006 im Rahmen der Bürgerfunksendung »Bunte Welle« ausgestrahlt.
Quelle: http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/716/1/
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« Reply #20 on: April 16, 2008, 09:22:34 AM »



Aus: "Mit behaarter Brust sofort mehr Erfolg!!!"
(70iger / Gehirnquark - Written by joghurtKULTUR on Donnerstag, November 9, 2006 20:38)
Quelle: http://www.anwaelte-in-vulkane-werfen.de/170/mit-behaarter-brust-sofort-mehr-erfolg/
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« Reply #21 on: May 26, 2008, 12:20:53 PM »

Quote
[...] Harry S. Morgan (* 29. August 1945 in Essen; eigentlich Michael Schey) ist ein deutscher Regisseur, Produzent unter anderem von Pornofilmen und Journalist.

[...] Morgan studierte Fotografie an der Folkwang-Hochschule in Essen bei Professor Otto Steinert und ist Mitbegründer der Gruppe „Visum“. 1991 führte er Regie bei dem Kriminalfilm Pommes Rot-Weiß mit Michael Lesch. Seit etwa 1988 ist er als Regisseur und Produzent von Pornofilmen bekannt. Morgan zeigt in seinen Filmen oft extreme Sexpraktiken wie Doppelpenetrationen, Fisting und Urination-Szenen und tritt dabei regelmäßig selbst als Darsteller – wenn auch nicht in sexuellen Situationen – auf.

Morgan arbeitet für die Firma Videorama und wurde hauptsächlich durch die Filme mit Gina Wild und Vivian Schmitt bekannt. Neben Gina Wild arbeitete er unter anderem auch mit Richard Langin und Henry van Damp zusammen. Bekannt wurde er durch seine diversen zum Teil sehr erfolgreichen Filmserien Gina Wild – Jetzt wird es schmutzig, Junge Debütantinnen, Maximum Perversum, Teeny Exzesse, Happy Video Privat, Joker, Anmacherinnen, Old Ladies Extreme, Extreme, Bizarre und Fetisch.

 Auszeichnungen:

    * (1997) Venus Award: Bester Serien-Regisseur
    * (2001) Venus Award: Bester deutscher Regisseur
    * (2004) Venus Award: Bester deutscher Regisseur
    * (2007) Venus Award: Lebenswerk (wurde jedoch von H.S.Morgan wieder zurückgewiesen)



Aus: "Harry S. Morgan" (3. Mai 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Harry_S._Morgan


-.-

Quote
[...] Sitzen bei der katholischen Hochschulgruppe herum und hören Harry S. Morgan zu. Der Saal ist voll, die meisten sind wohl keine katholischen Hochschüler sondern aus demselben Grund wie wir da, mal wieder was Bizarres erleben und wenn es sonst nichts gibt, dann eben einen Porno-Regisseur, der vor einer katholischen Gemeinde einen Vortrag hält.

Eigentlich soll es ja um Globalisierung in der Pornoindustrie gehen, Harry S. Morgan oder auch Michael Schey, wie auch immer, erzählt aber mehr von seiner Arbeit und aus seinem Leben. Das ist spannend und witzig und deswegen beschwert sich auch niemand, nur der Pfarrer versucht gelegentlich, wieder zurück zum Thema zu finden.

Irgendwann geht es um den Frauenanteil bei Pornokonsumenten, bei Morgans/Scheys Produktionen ist es angeblich fast die Hälfte, die von Frauen oder Paaren gesehen wird.

In der letzten Reihe meldet sich ein blasser, unauffällig und sehr konservativ anmutender Mitzwanziger. Er kann sich nicht vorstellen, dass wirklich so viele Frauen Pornos gucken. Die Begleitung und ich, wir grinsen hämisch. Armer katholischer Gutmensch. Der Blasse fährt fort und erklärt, dass ja die meisten Praktiken so sind, dass sie vor allem männliche Phantasien ansprechen. Plötzlich erklingt das Wort "Gesichtsbesamung". Aus seinem Mund. Wir sind entsetzt. Er wird nicht einmal rot. Ich möchte einen Exorzisten, schnell.




Aus: "..." (wondergirl | 21. Mai 08 | Topic Erlebt | 1 Kommentar )
Quelle: http://wgirl.blogger.de/stories/1131203/

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« Reply #22 on: June 05, 2008, 10:36:37 AM »

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Glaubst du, dass sich auch die Jungs geändert haben?
Das ist schwieriger, weil es nicht so offensichtlich ist. Auf der einen Seite wird es immer diesen Typus des Alphamännchens geben: Männer wollen irgendwie die Stärksten sein, das Ende der Nahrungskette sozusagen. Gleichzeitig sind viele Jungs heute viel sensibler. Ich selbst zum Beispiel bin aufgewachsen in einer Gruppe mit vielen sensiblen Jungs und bin selbst so. Wir haben ein modernes Bild von Männlichkeit.

Und gleichzeitig musst du dir vermutlich von Gleichaltrigen anhören, dass du dir die Haare schneiden lassen musst, oder nicht?
[...] Es gibt bestimmt zwei Gruppen von Jungs und von der einen Gruppe musst du dir anhören, dass Gefühle weiblich sind. Und das ist doch merkwürdig: Auch diese Rugbyspieler-Typen mögen die Beatles, aber sie mögen Jungs nicht, die so aussehen wie Paul und John. Gleichzeitig bemerke ich manchmal selbst, dass es auch bei meinen Freunden und mir so ist, dass wir dieses natürliche Bedürfnis haben, uns männlich zu geben. Aber die Haltung ist eine andere. Kürzlich habe ich im Bus zwei Jungs zugehört, die über ein Mädchen sprachen. Der eine sagte: „Sprich sie an, fick sie und werd sie los.“ Ich dachte nur: Super Spruch, Mann.

[...] Gibt es in der englischen Kultur eine Tradition von aufgeklärten Männern? Etwa das Wort „gentleman“ – gleichzeitig sanftmütig und männlich.

Ja, dieses Wort ist wirklich interessant. Ich glaube schon, dass wir früher bessere natürliche Werte hatten und deshalb mehr Respekt voreinander. „Gentleman“ – das ist, was wir sein sollten.



Aus: ""Früher waren die Bösen wie Liam Gallagher. Heute sind sie wie Amy Winehouse."" - Aus einem Interview mit Richard Milward. Richard Milward, 22, studiert Kunst am Central St. Martins College in London und ist Kolumnist für Dazed&Confused. Mit "Apples" legt er jetzt seinen ersten Roman vor...
/ Text: hannes-kerber  (04.06.2008)
Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/435152/TrkHomeMagTsr1

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« Reply #23 on: September 22, 2008, 03:53:35 PM »

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[...] Three people were shot dead and two others are fighting for their lives after a remark about a patron's penis size escalated into a bloodbath at a tavern in Umbilo, Durban, on Wednesday night.

Horrified customers ducked for cover as gunmen opened fire at the Merseyside Pub and Tavern on Hillier Road.

Five men, including two police officers, were arrested at 4am on Thursday.

Police said Nick Jansen van Rensburg, 57, and Rory Menzes, 40, were both shot in the chest and Shawn Strydom, 33, was shot in the head. All three men died at the scene. Two men were wounded and were rushed to a local hospital.

A police source said the two groups of men had been inside the tavern watching the World Cup qualifying game between England and Croatia last night.

"At some stage, one man from each group went into the tavern's toilets and there was an argument over the size of their penises."

When the men returned to their friends the argument escalated.


"At some stage some of the men went outside and there was a scuffle. One group returned to the tavern to watch the game and the other group remained outside," the source said.

"The men then went to their cars, opened their boots and returned to the tavern where they opened fire on the five men."

He said the shooters then casually exited the tavern, jumped into their vehicles and left.

Police spokesperson Inspector Michael Read said the altercation started at 9pm. He said that after an argument in the car park one group had returned to the pub, leaving the other group in the carpark.

Read said the men then entered and in a "precision style" picked out the five men they had had the argument with.

"The station commissioner of the Umbilo police station then formed a task team and by 4am four men had been arrested," Read said.

A witness to the shooting, Michelle Andrew, who works at the tavern, said she suspected there would be a fight when a group of men approached the other in a dispute over the size of their penises.

"Things turned nasty very quickly and they decided to have a fight outside," said Michelle Andrew. "I decided to herd regular customers to the back of the bar when one group of men, who were regulars at the pub, walked back in."

Andrew said she was standing at the front of the tavern when she saw the other group of men approach with guns drawn.

"I was trying to get patrons inside and to close the door but they were big, strong guys and they just barged in. One of the guys who was killed actually pulled me out for the way," she said, the events of last night's horror only just sinking in.

"One of the patrons had been coming here for twelve years. I can't explain what it was like to sit on a bloody floor and comfort people you've known for a long time as they are dying," she said.

Andrew's husband, Louis, was one of those injured, the bullet grazing the back of his head.



From: "Penis size argument turns bloody" by Kuben Chetty (September 11 2008)
Source: http://www.int.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=13&art_id=vn20080911111707939C544430

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« Reply #24 on: March 02, 2009, 01:29:35 PM »

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[...] 02. März 2009 Während alle Welt rätselt, was die Finanzkrise noch bringt, ist das größte Geheimnis schon gelüftet: Viele Manager sind nicht nur Versager, sie sind Schlappschwänze. Und weit davon entfernt, so viril zu sein, wie sie sich gerne präsentieren. Damit haben sie nicht nur Banken und Aktiendepots ruiniert, sondern auch noch ihre Geschlechtsgenossen desavouiert. Wer nun meint, die miese Performance der Jungs möge für die Wirtschaft relevant sein, nicht aber für uns Männer, der übersieht, dass die Geschäftswelt männlich dominiert ist; ihre Hauptdarsteller sind role models, und ihr Schicksal ist relevant für das Selbstverständnis aller Männer.

Es war der 13. Februar 2008, als sich das Schicksal der Manager zu wenden begann. Damals erschien einer jener Artikel, in denen Konzernchefs gerne schreiben, Führungskräfte seien "Vorbilder" und ihr Führungsstil der "wahre Schlüssel zum Erfolg". Die Leitlinien des idealen Führungsstils entwickelte der Autor, wenig überraschend, entlang klassischer Männertugenden wie Durchsetzungsfähigkeit, Mut und Leistungsbereitschaft. Das gelte besonders in Krisenzeiten. Zum vielbeachteten Dokument männlicher Hybris wurde der Text erst, als exakt einen Tag nach dessen Erscheinen das Privathaus und das Büro des Autors durchsucht wurden - und zwar wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung von mehr als einer Million Euro.

Heute ist Klaus Zumwinkel, der Autor des Artikels, ein rechtskräftig verurteilter Straftäter. Anstatt aber am Ende seiner vorbildlich in die Luft gejagten Karriere wenigstens einen mannhaften Abgang hinzulegen, jammerte er nach der Verkündung des Urteils, als Promi werde man anders behandelt als ein Normaler; deshalb habe auch sein Vertrauen in den Rechtsstaat gelitten. Was für eine wehleidige Memme! Nutzt den Promi-Status, solange er etwas davon hat, und beklagt sich, kaum lernt er dessen Kehrseite kennen. Sollte Herr Zumwinkel Trost brauchen, so kann der nur darin bestehen, dass er sich in der Gesellschaft vieler anderer von Seinesgleichen befindet.

[...] Der Chef der deutschen Bahn wiederum, Hartmut Mehdorn, gibt seit langem den stahlkinnigen Manager, dem kein Konflikt zu scharf sein kann. Doch was macht er jetzt, da es darauf ankäme, die Sache mit den ausspionierten Mitarbeitern zu managen? Übernimmt er da Verantwortung? Im Gegenteil! Er windet sich und behauptet, er habe von alledem nichts gewusst. Einziger Zweck seiner Performance: seinen Job zu retten, koste es, was es wolle.

Und schließlich wären da noch die miesen Typen von der Londoner Beteiligungsgesellschaft Kingsbridge: Kaufen die Lieblingsfirma einer anderen Sorte von Mann, nämlich Märklin, gehen hin, veranlassen Märklin, mit Leuten der eigenen Beteiligungsgesellschaft sinnlose Beraterverträge in der Höhe der Märklin-Jahresverluste abzuschließen, treiben das Ex-Familienunternehmen in den Konkurs, um schließlich zu versuchen, jene Firmenteile, die sie vorsätzlich schuldenfrei gehalten haben, aus der Konkursmassen zu kaufen.

Memmen also, wohin wir schauen. Unfähige, heimtückische und verantwortungslose Männer, deren PR-Abteilungen eben die Angebote geschäftstüchtiger Beratungsagenturen sichten, wie man die "Corporate Reputation" wieder aufmöbeln könnte, also das angeblich von Journalisten ruinierte Ansehen dieser Typen und ihrer Unternehmen. Wir wüssten Rat; er kostet exakt den Gegenwert dieser Zeitungsausgabe: Stellen Sie sich hin wie ein echter Kerl und sagen Sie: "Ich übernehme meinen Teil der Verantwortung dafür, dass unsere Wirtschaft baden geht - immerhin habe ich dafür viele Jahre lang sehr gut verdient!"

Aber wo sind sie nur, die Männer, die den Mumm dazu haben? Irgendeiner da? ...


Dass diese Männer genau in jenem Moment versagen, in dem es besonders auf sie ankäme, lässt zwei Schlüsse zu. Der eine lautet: Wir haben die Definition von Männlichkeit den Falschen überlassen. Nämlich Männern, die bloß so lange standhaft, klar, aggressiv, kräftig und verlässlich sein können, wie sie erfolgreich sind und es um ihre Binnenkämpfe geht - also darum, andere Männer zu überflügeln und Frauen von den Machtpositionen fernzuhalten. Sobald es aber um die Substanz geht, darum, souverän mit dem Scheitern der eigenen Welt, der Krise der eigenen männlichen Grundprinzipien umzugehen, versagen sie. Ihre Härte, ihre Klarheit, ihre Aggressivität galten und gelten immer nur den anderen - nie der eigenen Person!

Wer sich dieses unglaubliche Schauspiel ansehen will, braucht auf Youtube nur "Gernot Schieszler" einzugeben. Dann kann er in einem Amateurvideo dem Vize-Ceo der Festnetzsparte der Telekom Austria dabei zusehen und -hören, wie er in einem Micky-Maus-Englisch sein Mobbing-Geheimnis erklärt: Man werde die unkündbaren, nicht mehr benötigten Leute nach Hause schicken, sie in Sicherheit wiegen; und wenn sie sich krank meldeten, ihnen den Doktor auf den Hals hetzen; schon sei man sie los. Die Folgen für den fröhlichen Menschenverächter? Man hat ihm die Zuständigkeit für Personalangelegenheiten entzogen.

Die Psyche der Manager ist offensichtlich von einer beinahe krankhaften Verletzlichkeit, die es daher auch mit aller Inkompetenz zu verteidigen gilt. Hier das bizarrste Beispiel: Anstatt sich auf Nimmerwiedersehen zu verabschieden, verklagten die drei Ex-Vorstände der Hypo Real Estate (HRE) ihren Ex-Arbeitgeber auf Entschädigung; jene Leute also, die deshalb gefeuert worden waren, weil sie die HRE zerschrottet hatten, bis die nur mehr durch den Zuschuss von gigantischen 102 Milliarden Euro zu retten war (bezahlt übrigens von uns Steuerzahlern und von den Banken). Doch damit nicht genug: Wenn die Ex-Chefs wenigstens Manns genug gewesen wären, richtige Millionen zu verlangen! Zu feig! Zu kleinkrämerisch. So fordert ein gewisser Frank Lamby, ironischerweise der Ex- "Chief Risk Officer" der HRE, exakt 37 500 Euro. Stichwort: "Versorgungsansprüche". 37 500 Euro!

Was uns zu der zweiten Lehre führt, die uns die aktuelle Situation beschert: Eine Wirtschaft, die auf der Basis dieses männlichen Selbstverständnisses steht, bleibt eine höchst wackelige Veranstaltung. Sie reflektiert nämlich nur die Welt da draußen, deren Gefahren und deren Möglichkeiten, sich die Taschen voll zu machen - nicht aber die Innenwelt, das moralische Fundament ihrer Konstrukteure.

Diese Innenwelt bleibt in der Debatte um die Krise vollkommen ausgespart. Dabei ist es überfällig, dass die Versager damit aufhören, Prozesse um Peanuts zu führen. Vielmehr müssten sie endlich den Mut aufbringen, sich mit ihren kaputten Egos zu befassen, mit ihren halbseidenen Konstrukten von Männlichkeit, mit den verheerenden Folgen ihrer Weltaneignungsstrategien - und zwar ebenso öffentlich, wie sie sich zuvor für die strahlenden Seiten ihres Egos und Männlichkeitsbildes haben abfeiern lassen. Das wäre ein Beweis für echte Leadership!

Ein allererster Schritt müsste also darin bestehen, ein paar dieser Männer zum Sprechen zu bringen, sie einigermaßen präzise Auskunft geben zu lassen. Über ihre Allmachtsphantasien, ihre Angst vor dem Versagen, ihr klägliches und/oder mondänes Leben, ihre Traurigkeit, ihre Ohnmachtsgefühle, ihre Gier, ihr Verständnis von Verantwortung, Mut, Pflichtbewusstsein, Anstand, Emanzipation und Selbstkritik. Mit einem Wort: Sie müssen endlich die Klappe aufmachen und Auskunft geben über den Kern ihres Mannseins.

...

Quote
Mut und Verantwortung
Bertram von Steuben (Elim_Garak)

.... James Garner sagt in der deutschen Fassung des Filmes 'Der Tank': "Wer Scheiße baut, muss auch an der Kette ziehen"! That's it - und Ende!


Quote
Bravo
Ulrich Foraita (Foraita)

Ich glaube nicht, dass es sich hier um einen Konflikt zwischen den Geschlechtern handelt. Ich glaube allerdings, dass die Wirtschaft traurigerweise Strebern ihr Vertrauen schenkt, die ein echter Mann oder besser Kerl schon vor 30 Jahren in der Berufschule aus reinem Instinkt verprügelt hätte. Es sind diejenigen, mit denen in der Grundschule schon keiner spielen wollte, die jedoch heute auf dem Klavier der Macht musizieren dürfen. Und dies auch tun.


Quote
Männer und Frauen
Anja Müller (anna08)

nach meiner eigenen Beobachtung neigen Männer eher als Frauen dazu, zu blenden und mit einem überhöhten Selbstbewusstsein Aufgaben anzupacken, denen sie nicht gewachsen sind. Anders die Frauen, die leider dazu neigen, überhaupt nicht anzupacken. ...


Quote
Deswegen...
kristian kroflin (kroflin)

ist Herr Christian Ankowitsch auch nur Journalist, beobachtet andere und "berichtet" über sie, statt mal selbst etwas in die Hand zu nehmen - schliesslich tun das andere, deren Produkte und Dienstleistungen er nutzt, während seine Intrigen und Anschuldigungen niemandem etwas nutzen, sondern diese Provokation vielmehr noch ablenken soll, damit die, die im Gegensatz zu Herrn Ankowitsch etwas können, das anderen nutzt, davon abgehalten werden. Es wäre lustig, wie sich die Voraussagen und Urteile des Herr Ankowitsch im naturwissenschaftlich-technischen Bereich als magischer Realismus entpuppen würden.


Aus: "Männerbilder in der Krise: Stellt euch, ihr Memmen!" Christian Ankowitsch (02. März 2009)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E01CDF46F5AC24283BDF5A44C52C0BD9D~ATpl~Ecommon~Scontent.html


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« Reply #25 on: September 06, 2009, 12:55:12 PM »

Quote
[...]

Quote
04.09.2009,
13:51 Uhr
    Londoner sagt:
    Laut der Londoner Times waren die LKW, die Kraftstoff fuer deutsche Truppen transportierten, ohne deutsche Soldaten unterwegs, also ungeschuetzt. Bei der der Entfuehrung folgenden Bombardierung sollen ca. 90 Menschen getoetet worden sein, davon ca. die Haelfte Zivilisten.


Quote
04.09.2009,
13:08 Uhr
    Diego sagt:
    Wow, endlich werden unsere Jungs in Afghanistan zu Maennern. Tut mir zwar leid um die Zivilisten, die bei der Operation ihr Leben verloren haben, aber wer den Taliban hilft muss mit Konsequenzen zu rechnen haben.



Aus Kommentaren zu: "Luftangriff in Kundus - Taliban ziehen Bundeswehr in ihren Terror-Krieg" (4. September 2009)
Quelle: http://www.welt.de/politik/deutschland/article4461819/Taliban-ziehen-Bundeswehr-in-ihren-Terror-Krieg.html

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« Reply #26 on: December 09, 2009, 12:32:28 PM »

Quote
[...] In der Studie erhielten 121 Freiwillige entweder Testosteron oder ein Scheinpräparat. Anschließend sollten sie in einem Spiel Angebote machen, wie ein Geldbetrag verteilt würde. Je fairer die Offerte, desto eher wurde sie angenommen. Einigten sich beide Seiten nicht, bekam keiner etwas. Das Ergebnis verwunderte die Wissenschaftler, denn Teilnehmer mit künstlich erhöhtem Testosteron machten die faireren Angebote. "Nach gängiger Meinung wäre zu erwarten, dass Versuchspersonen mit Testosteron eine aggressive, selbstbezogene und riskante Strategie wählen - ungeachtet möglicher negativer Auswirkungen auf den Verhandlungsprozess", sagt Christoph Eisenegger, Erstautor der Studie.

Aus früheren Studien ist bekannt, dass männliche Tiere weniger streitlustig sind, wenn durch eine Kastration ihr Testosteronspiegel gesenkt wird. Daraus leitete sich das populäre Vorurteil ab, dass Testosteron nicht nur Sprinter schneller, sondern alle Menschen egoistisch und aggressiv machen würde. "Uns interessierte die Frage, was ist Wahrheit, was Mythos?", sagt Eisenegger.

Der Volksglaube scheint erstaunlich zu wirken, denn Probanden, die glaubten, Testosteron zu erhalten, verhielten sich durchweg unfairer - egal ob sie Hormone bekamen oder nicht. "Es scheint, dass nicht das Testosteron selbst zu Aggressivität verleitet, sondern der Mythos rund um das Hormon. In einer Gesellschaft, in der immer mehr Eigenschaften und Verhaltensweisen auf biologische Ursachen zurückgeführt und teils damit legitimiert werden, muss dies hellhörig machen", sagt der britische Ökonom Michael Naef.

...

Quote

09.12.2009 11:08:07

UweStucken: Irgendwas an der Studie ist verdächtig

Es muss ja Gründe geben, warum FrauInnen edel, hilfreich, gut, fleißig, selbstlos, ehrlich, kontaktfreudig und verantwortungsbewusst, Männer jedocoh dumm, faul, egoistisch, verlogen, egomanisch und in jeder Hinsicht nutzlos sind.

Man kann doch hinsehen wo man will, überall das gleich Bild. Frauen rackern und schuften, die bringen was zustande. Männer jedoch tun nichts und leben von dem, was die Powerfrauen schaffen.

Also, wenn es nicht um Testosteron liegt, was ist dann der Grund für die Überlegenheit der weiblichen Herrenrasse über das männliche Untermenschentum?


Quote

09.12.2009 11:02:42

sajoh: Seltsam

Vor zwei Jahren hab ich in der Uni bereits eben dies zu hören bekommen: nicht das Testosteron an sich macht aggressiv, risikofreudig, etc., sondern es ist das Zusammenspiel mit soziokulturellen Einflüssen. Das wurde u. a. im Zuge der Forschung über Mädchen-/Frauengewalt klar, wo der Testosteronspiegel um ein Vielfaches niedriger liegt.

Es war nie eindeutig wissenschaftlich erwiesen, dass Hormone selbst das Verhalten beeinflussen, leider gibt es seit Jahren die Mode, möglichst alles nur auf Gene und Hormone zurückzuführen (man siehe z. B. Gerhard Roth mit seiner These/Forschung bezüglich genetische Veranlagung zu Kriminalität). Der momentane Stand des Diskurses ist aber, dass etwa 20-30% dem biologischen Faktor zuzurechnen sind, der Rest dem soziokulturellen, beides mit reziproker Wirkung , d.h. ein Mehr an bestimmten Hormonen macht (bereits vorgeburtlich) sensibler für bestimmte äußere Einflüsse und diese wiederum wirken auf die weitere Produktion der Stoffe ein.

Na, vielleicht schaut's in 20 Jahren ja wieder ganz anders aus - jenachdem, was für ein Trend gerade vorherrscht.


Quote

09.12.2009 09:21:51

Harpagonos: *schnüff*

Ich kann die Gender-Mainstreamer-Grundlage dieser "Studie" bis hierher riechen... schade, dass hier keine Details dazu vorhanden sind.


Quote
09.12.2009  10:12:54

hschwager: Testosteron

Irreführender kann man einen Artikel nicht schreiben.

Die Probanden waren allesamt weiblich!

...





Aus: "Hormone: Freispruch für Testosteron" Von Werner Bartens (09.12.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wissen/681/496991/text/

-.-

Quote
[...] In ihrer Untersuchung nahmen rund 120 weibliche Versuchspersonen am sogenannten Ultimatum-Spiel teil. Dabei macht eine Person A einer Person B jeweils ein Angebot zur Aufteilung eines realen Geldbetrags. Die Person B kann ihn akzeptieren, dann dürfen beide ihren Anteil behalten, wenn sie aber ablehnt ist das Geld für beide verloren. Je fairer der Vorschlag, desto wahrscheinlicher ist es, dass B akzeptiert. So haben beide ein Interesse an einem fairen Angebot.

Vor dem Spiel erhielten die Versuchspersonen entweder eine Dosis Testosteron oder ein Scheinpräparat verabreicht.

[...] Die Studie zeigte zudem, dass der Volksglaube, Testosteron mache aggressiv, offenbar tief sitzt: Die Forscher fragten nämlich die Probandinnen auch, ob sie annahmen, eher Testosteron oder ein Scheinpräparat erhalten zu haben. Jene, die glaubten, Testosteron bekommen zu haben, fielen durch äusserst unfaire Angebote auf.

Laut den Forschern benutzten diese Personen möglicherweise den Volksglauben als Legitimation, um sich unfair zu verhalten. «Es scheint, dass nicht Testosteron selbst zu Aggressivität verleitet, sondern vielmehr der Mythos rund um das Hormon», wird Michael Naef im Communiqué zitiert.

...


Aus: "Testosteron macht möglicherweise nicht aggressiv" (8. Dezember 2009)
Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/testosteron_aggressiv_ulitmatum_1.4135523.html

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« Reply #27 on: April 13, 2010, 10:02:08 AM »

Quote
[...] ZEIT ONLINE: Herr Jungnitz, die Bundeswehr macht gerade Schlagzeilen mit einem Skandal: Angehende Gebirgsjäger mussten rohe Leber verzehren und bis zum Erbrechen Alkohol trinken. Das ist nicht der erste Skandal dieser Art in der Bundeswehr. Was begünstigt solche Misshandlungen?

Ludger Jungnitz: Man hat festgestellt, dass in sehr ungleichen Machtverhältnissen Gewalt gedeiht. In hierarchischen Zusammenhängen, die auf Unterordnung und Macht beruhen, fällt es außerdem schwer, sich gegen die Misshandlungen zu wehren. Das heißt, wo Gewalt möglich ist, findet sie auch statt. ... In unserer Studie "Gewalt gegen Männer" hat sich gezeigt, dass Gewaltakte in der Wehrdienstzeit von vielen Männern als selbstverständlich angesehen werden. Die Gewalterfahrungen, die über dieses als selbstverständlich angenommene Maß hinausgingen, waren viel häufiger als im weiteren Erwachsenenleben.

ZEIT ONLINE: Innerhalb der Bundeswehr gibt es offizielle Wege, Beschwerde einzureichen. Warum wehren sich die Soldaten gegen demütigende Rituale nicht oder erst so spät?

Jungnitz: Es handelt sich dabei um Initiationsriten. Es geht darum, dazuzugehören, in eine Gemeinschaft eingeführt zu werden. Sobald ich mich wehre, bin ich ein Außenseiter. Der Soziologe Michael Meuser spricht von den "ernsten Spielen der Männlichkeit". Durch sie wird eine Ordnung in der Gruppe hergestellt. Es fühlt sich besser an, unten in der Hierarchie zu stehen als gar nicht zur Gruppe zu gehören. Die Demütigungen ausgehalten zu haben, ist die Eintrittskarte in die Gruppe. Schließlich ist für manche die Aussicht, danach selbst andere demütigen zu dürfen auch ein Gewinn. Ein wichtiger Bestandteil der männlichen Sozialisation und damit dieser Riten ist es, die Machtausübung über Frauen und andere Männer als Gewinn anzusehen.

ZEIT ONLINE: Also Ist Gewalt und Dominanz auch in unserer modernen, relativ emanzipierten Welt immer noch ein Zeichen von Männlichkeit?

Jungnitz: Ja. Körperlich stark und autonom zu sein, gilt als männlich. Die Scham der Männer als unmännlich zu gelten, sitzt sehr tief. Dabei stellt sich schnell das Gefühl ein: Ich habe keine Existenzberechtigung, wenn ich den männlichen Idealen nicht entspreche. Deshalb muss der Mann andere Eigenschaften abwehren, von sich abspalten. Die Scham ist auch ein Grund, nicht um Hilfe zu bitten, weil man damit eingestehen würde, zum Opfer geworden zu sein. Diese Männlichkeitsvorstellungen unserer  Gesellschaft sind hochproblematisch.


...

Quote
    * 17.02.2010 um 11:29 Uhr
    * Frank2008

4. Die liebe Männlichkeit und das Dazugehörigkeitsgefühl

Initiationsrituale gibt es überall, sogar an Hochschulen, insbesondere den alten mit Tradtion und dort wird auch gesoffen. Manchmal sind die Rituale feierlich und staatstragend, manchmal eher lustig und schräg, ab und an aber auch brutal mit einem Hauch Ungesetzlichkeit. ...


Quote
    * 17.02.2010 um 21:40 Uhr
    * ddkddk

15. Wen wundert es?

Es handelt sich um Menschen, die darauf dressiert werden, andere im Ernstfall zu töten, auch wenn dies natürlich gerechtfertigt werden kann. Eine solche Dressur gelingt nur, wenn man an gewisse niedrige Instinkte anknüpft. ... Es ist einfach nicht möglich, massenweise Killer zu züchten und gleichzeitig große ethische und moralische Anforderungen zu stellen.


...



Aus: "Initiationsriten in der Bundeswehr - Die gemeinen Spiele der Männer"
Von Parvin Sadigh  (17.2.2010)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-02/bundeswehr-maennerrituale


-.-

Quote
[...] Positionieren sich die Soldatinnen in den allgemeinen Diskursen um Männlichkeit
und Weiblichkeit im Militär je nach Kontext auf der einen oder der anderen Seite
und inszenieren in der Mehrzahl der Fälle militärische Männlichkeit, gestalten sich
diese Positionierungsprozesse im Einsatz anders. In der Konfrontation mit den
Genderverhältnissen der lokalen Kultur und entsprechenden Ausbildungseinheiten
und Verhaltensvorschriften kommt es zu einer tendenziellen Retraditionalisierung
der Genderordnung, die von den Soldaten forciert und von den Soldatinnen unterstützt
wird. Es kommt zu einer Polarisierung des Geschlechterdualismus, der sich bereits in der
Genderordnung im Allgemeinen zeigt, im Einsatz allerdings noch einmal besonders relevant
wird. Soldatinnen werden im Einsatz im Kontakt mit der Zivilbevölkerung als zusätzliches
Sicherheitsrisiko konstruiert und müssen daher zusätzlich geschützt werden. Die Soldatin
schwebt als „schwache Frau“ immer in der potenziellen Gefahr der Vergewaltigung durch
islamische (!) Männer. Sie muss daher vor den „anderen“, den afghanischen/islamischen,
Männern abgesichert werden. Anspruch auf diesen Schutz hat sie allerdings nur, wenn sie ihre
Weiblichkeit und vor allem ihre potenzielle erotische Anziehungskraft versteckt und sich der
Männlichkeitsnorm unterwirft.

[...] In der Auswertung [von] Interviews konnte gezeigt werden,
wie Männlichkeit und Weiblichkeit auf verschiedenen Ebenen mit jeweils
unterschiedlichen sozialen Bezugssystemen und in verschiedenen sozialen Praktiken
ausgehandelt werden: Erstens auf der Ebene der formalen organisationalen Vorgaben,
zweitens in ihrer Auslegung durch Experten und Expertinnen der Bundeswehr und drittens in
der konkreten Interaktion zwischen Soldatinnen und Soldaten. Männlichkeit und Weiblichkeit
sind dabei als Ressourcen zu verstehen, um die permanent gerungen wird und die sich je nach
Kontext (z. B. Umgang mit Waffen, sportliche Leistungsfähigkeit, Sexualität oder Verhalten
im Einsatzland) unterschiedlich ausgestalten. Der männliche und der weibliche Körper
werden jeweils mitverhandelt und unterschiedlich mit Männlichkeits- und
Weiblichkeitsattributen versehen.

...


Aus: "Genderkonstruktionen im Militär unter besonderer Berücksichtigung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr"
Cordula Dittmer, Zentrum für Konfliktforschung - Philipps-Universität Marburg (2008)
Quelle: http://www.afk-web.de/DittmerGenderBundeswehr.pdf

-.-

Quote
[...] "Man ergibt sich", heißt der Eintritt ins Militär im Türkischen wörtlichen. Pinar Selek untersucht, wie Jungs in der Armee zu Männern gemacht werden.

[...] Selek behandelt die Armee als Institution des Patriarchats. Und als zentrale Etappe männlicher Sozialisation. "Die Vaterposition erreicht ein Mann dann, wenn er beschnitten wurde, Wehrdienst geleistet, heterosexuelle Erfahrungen gesammelt und Arbeit gefunden hat." Dann erst folge die Endstation: die Ehe.

Für ihr Buch hat sie Interviews mit 58 Männern ausgewertet, auf 50 bezieht sie sich in der deutschen Ausgabe. Der älteste ist Jahrgang 1919, der jüngste Jahrgang 1982; sie stammen aus allen Ecken des Landes, gehören unterschiedlichen Milieus an, repräsentieren das gesamte politische Spektrum und haben an verschiedenen Orten gedient. Was Selek aus deren Erzählungen subtrahiert, ist vor allem die Erfahrung von Maßregelung und Gewalt. Wenn man den Deckel ein klein wenig lüfte, heißt es im Resümee, offenbare sich der türkische Mann als "ramponiertes Wesen".

[...] Der Staat sei ein Art "Übervater". Das Recht, seine Kinder zu schlagen und zu lieben, das jedem Familienvater zugestanden werde, gelte erst recht für ihn. Dieses widersprüchliche Verhältnis spiegle sich in der Gesellschaft wider: "Man kann beobachten, dass dieselben Leute, die ihre Einberufung mit einem Fest feiern, erzählen, dass sie das Ganze schnell hinter sich bringen wollen."

[...] Für einen Moment scheint es, als wolle Selek zu einer jener Reden ansetzen, die oppositionelle Intellektuelle aus islamischen Ländern im Gespräch mit Westeuropäern gern halten; Reden, die im Parforceritt von der Hexenverbrennung über den Kolonialismus zu George W. Bush sputen, nur eine patriarchale Soße erkennen wollen und bei aller nachvollziehbaren Zurückweisung einer altväterlichen Selbstgerechtigkeit leicht in einen lächerlichen Relativismus abgleiten können. Doch dann fügt sie hinzu: "Es wäre absurd, die Aufklärung in Europa zu übersehen."

Sie habe bemerkt, dass hier einige Dinge anders diskutiert würden. ...

...

Pinar Selek: "Zum Mann gehätschelt. Zum Mann gedrillt. Männliche Identitäten" (Orlanda Verlag)




Aus: "Studie zum Männerbild im türkischen Militär - Mit Absicht ramponiert" Von Deniz Yücel (13.04.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/leben/buch/artikel/1/mit-absicht-ramponiert/

-.-

Quote
[...] Nach dem 2. Weltkrieg war die "militarisierte Männlichkeit" des Faschismus in Deutschland diskreditiert. Durch die Niederlage des Faschismus wurde die Institutionalisierung einer hegemonialen Männlichkeit, die gekennzeichnet war durch Irrationalität und persönliche Gewalt, unterbrochen. Sie war aber für den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit auch nicht mehr funktional. Ähnliches gilt auch für die USA, wo nach dem Krieg eine Männlichkeit hegemonial wurde, die die Rolle des Mannes über Familie und Konsum definierte (der sogenannte "organizational man"). Andere Formen der Männlichkeit, die den Mann weder in Familie, noch in anonyme Büroberufe einordnen wollten und "Freiheit und Abenteuer" predigten, dienten teilweise als "Protestmännlichkeiten" oder wurden "homosexualisiert" und somit abgewertet.

[...] Die Angst vor dem Verlust der eigenen »Männlichkeit« kann trotz Ablehnung militärischer Umgangsformen und des Militärischen an sich "Wehrdienstbereitschaft" erzeugen. Das gilt vor allem für Formen proletarischer Männlichkeit mit ihrer starken Betonung physischer Leistung und körperlicher Kraft, die sich leicht militärisch nutzbar machen lassen. Gerade durch die Waffenausbildung im Militär wird "die im zivilen Leben »fremde«, nur symbolisch vorhandene Waffe ... für den heranwachsenden Mann ... greifbar. Die Waffe ist Begleiter in der Entwicklung vom Kind zum Manne. (...) Waffen werden zu Attributen der Macht in Konflikten mit anderen Personen. ..." Das "Konstrukt der Männlichkeit", das durch den Militärdienst geschaffen werden soll, konzentriert sich auf die Organisation aggressiver Impulse und aggressiven Verhaltens und gipfelt schließlich im Ideal des Kriegers.

[...] Für Deutschland läßt sich vielleicht die Hypothese aufstellen, daß spätestens nach dem Zusammenbruch der DDR ebenfalls ein Revival von auf Dominanz beruhenden Formen der Männlichkeit stattgefunden hat. Dazu paßt das Anwachsen des Rassismus und vor allem rassistischer – aber auch schwulenfeindlicher – Gewalt in den letzten Jahren. Die zunehmende Einsatzorientierung der Bundeswehr im Rahmen von "out-of-area" führt im Einklang damit dazu, daß die traditionelle Kämpferideologie wieder verstärkt benötigt wird, allerdings in abgewandelter Form und auch nicht als alleinige Männlichkeit. Während Hanne-Margret Birckenbach 1986 noch zu Recht einwenden konnte, daß die Bundeswehr nicht über eine eigene Kampftradition verfüge und die Gefahr eines Kriegseinsatzes gering sei – daß daher die "Zerstörung der zivilen Identität" in der Bundeswehr nicht so total sei wie z.B. bei den US-Soldaten in Vietnam, so ist fraglich, in wieweit dies für die neuen Elitetruppen der Bundeswehr, die Krisenreaktionskräfte bzw. das Kommando Spezialkräfte (KSK), noch gilt.

[...] Auch wenn in absehbarer Zeit mit einer Abschaffung der Wehrpflicht zu rechnen ist, so wird auch in Zukunft gerade der Wunsch, "zum wahren Mann zu werden", eine Triebkraft für Zeit- und Berufssoldaten sein. Umgekehrt führen aggressive Männlichkeiten auch allgemein-gesellschaftlich zu größerer Akzeptanz militärischer "Konfliktlösungen" und stehen damit einer grundsätzlichen Entmilitarisierung im Wege. Die Auflösung bestehender Vorstellungen von Männlichkeit (und Weiblichkeit), das Verständnis des "Spiels der sozialen Kräfte, in dem soziales Geschlecht eine wesentliche Rolle spielt" (Connell), ist daher für den Antimilitarismus unabdingbar.

 
[...] Wenn Militarismus und Männlichkeit nur zwei Seiten der gleichen Medaille sind, wie in diesem Beitrag behauptet, so kann ein Antimilitarismus, der sich selbst ernst nimmt, nur antipatriarchal sein, muß "den radikalen Bruch mit Männlichkeit" zu einem Kernbestandteil seiner theoretischen Analyse und politischen Praxis machen.

...


Aus: "Militarismus und Männlichkeit" Von Andreas Speck (Datum ?)
Quelle: http://www.anarchismus.at/txt4/militarismus8.htm

-.-

Quote
[...] Warum Militär und Männlichkeit in der israelischen Gesellschaft verknüpft sind oder besser:
warum Wehrhaftigkeit ein zentrales Element des Männlichkeitsbildes ist, wirft Fragen auf. Hat
doch Israel bei der Staatsgründung die Wehrpflicht auch für Frauen festgeschrieben und ist damit
das einzige westlich orientierte Land, in dem (jüdische) Frauen der Wehrpflicht unterliegen.
Trotzdem haben sich die Geschlechterbilder, die Geschlechtersymbolik, die
Geschlechterverhältnisse in der Gesellschaft nicht geändert. Die Beschützer, die Verteidiger sind
männlich: die Gedenkstätten, in denen in jedem Kibbuz, jedem Ort und jeder Stadt der in
Uniform gestorbenen Soldaten und Soldatinnen gedacht wird, heissen Yad le’banim, zu deutsch
Haus der Söhne.

Der Militärdienst ist in Israel das Thema, das mit Erwachsenwerden verbunden ist. Aus
zahllosen Gesprächen oder Aufzeichnungen wird deutlich, daß die Reaktion der Eltern auf die
Geburt einer Tochter mit einer gewissen Erleichterung einhergeht, während den Eltern bei der
Geburt eines Sohnes bewußt ist, daß er in achtzehn Jahren beim Militär und vielleicht sogar in
einer Kampffunktion tätig sein wird. Es ist nicht übertrieben zu sagen, daß das Aufwachsen von
Jungen (weniger stark von Mädchen) in der israelischen Gesellschaft „von der Tatsache
bestimmt ist, daß sie von Geburt an dazu bestimmt sind, Soldaten zu sein“ (Mazali 1993: 2).

[...] Im Militär wird ein Männlichkeitsbild konstruiert, dessen Schlüsselsymbol der Kämpfer ist (vgl.
Morgan 1994). Erreicht werden sollen Mut, Entschlossenheit, physische Fitness, Angriffslust,
Kampfgeist. Neben disziplinierenden Maßnahmen werden psychologische Kontrollen eingesetzt,
um als männlich erachtete Verhaltensweisen zu erreichen. Besonders lange Märsche sollen die
Rekruten unter Streßbedingungen setzen. Der männliche Körper steht in dem größten Teil der
Übungen und der Disziplinierungen im Mittelpunkt (Morgan 1994).
Die militärische Sozialisation – zumindest in westlichen Staaten - verstärkt jene Elemente eines
Männlichkeitsverständnisses, die auf einer (in unserer Kultur und Gesellschaft praktizierten)
Abwertung des Weiblichen beruhen. Frauen werden vor allem als Objekte gesehen: Teile der
Ausrüstung und ganze Waffensysteme werden mit weiblichen Namen versehen, Frauen
erscheinen vorwiegend in Zusammenhang mit sexuellen Phantasien. Männlichkeit wird mit
Gewalt und mit sexueller Dominanz verbunden. Offenbar besteht in der (meist) ausschließlich
männlichen Gemeinschaft das starke Verlangen, keine „Unklarheit“ über die männliche (heterosexuelle)
Geschlechtsidentität aufkommen zu lassen (vgl. Arkin und Dobrofsky 1978: 162).
Militärische Zurichtung männlicher Soldaten arbeitet systematisch mit der
„Verweiblichungsangst“. Die Verweiblichungsangst führt zu der Tendenz, Frauen als schwache
Objekte zu phantasieren. Deshalb finden sich auch in der soldatischen Sprachstruktur
frauenverachtende und frauenfeindliche Ausdrücke. „Klassische“ Beschimpfungen, die als
Erniedrigung gemeint sind, sind im amerikanischen Sprachkreis „Pussy“ oder „Faggot“
(Slangausdruck für Homosexuelle). Astrid Albrecht-Heide führt eine Reihe von Beispielen aus
der Bundeswehr an: Frauen, die sich mit Soldaten einlassen, werden als „Matratze“ bezeichnet
(daraus leiten sich je nach Kontext „Armeematratze“, „Kompaniematratze“, „Unterlage“ ab);
Frauen werden als „MG“ (für „mausbares Gerät“), als „Gemeinschaftsempfänger“, als
„jagdbares Wild“ bezeichnet, um nur einige Ausdrücke zu nennen (1996: 46).
Robert Connell weist darauf hin, daß es mehrere Konstruktionen von Männlichkeit gibt, die in
einem hierarchischen Verhältnis zueinander, gleichwohl als Gegenstück zur untergeordneten
Weiblichkeit, stehen. Dabei kann die „hegemoniale Männlichkeit“ (1995) als idealisiertes Bild
im Verhältnis zu untergeordneten und „marginalisierten“ Männlichkeitsbildern verstanden werden.
In einer Studie über Offiziere in verschiedenen Bereichen der US-Navy zeigt Frank Barrett,
daß die Männer enorme Energien in Männlichkeitsdiskurse investieren, um subjektive
Unsicherheiten zu bewältigen, die aus unterschiedlichen hierarchischen Positionen der Männer
untereinander und aus der Anwesenheit von Soldatinnen in einigen Positionen resultieren. Die
Diskurse drehen sich um Risikobereitschaft, Disziplin, Technologie, Degradierungen, Ertragen
von Härten, Abwesenheit von Gefühlen, Zähigkeit und Durchhaltevermögen angesichts hoher

physischer Anforderungen (1996: 140). Je nach Arbeitsbereich unterscheiden sich die
Definitionen von Männlichkeit. In der Luftfahrt werden Männer als „Elite“ im Vergleich zu
„gewöhnlichen“ Kriegsführungs- und Versorgungsoffizieren betrachtet, da sie verbunden mit
dem hochtechnisierten Fliegen Autonomie, Nervenkitzel und Ruhm vorweisen können. Die
Kriegsführungsoffiziere begreifen ihre Tätigkeiten als männlich, da sie härtere Bedingungen und
stärkeren Wettkampf als andere Offiziere hinnehmen müssen. Die Versorgungsoffiziere grenzen
sich von anderen als technische Spezialisten ab, denen eine erfolgreiche Geschäftskarriere
bevorsteht. Alle Definitionen beziehen sich, so Barrett, auf ein einziges Gegenstück:
Weiblichkeit. In den Augen der männlichen Offiziere sind Frauen emotional labil, weniger fähig,
physische Herausforderungen zu ertragen, und nicht in der Lage, harte Lebensbedingungen auf
einem Schiff in Kauf zu nehmen. Das heißt, Mann-Sein ist per definitionem Nicht-Frau-Sein.

...


Aus: "Militär und Männlichkeit in Israel" Von Uta Klein
(1. Tagung AIM Gender - Klein: Militär und Männlichkeit in Israel, Datum ?)
Quelle: http://www.ruendal.de/aim/pdfs/Klein.pdf

« Last Edit: April 13, 2010, 10:31:04 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #28 on: December 06, 2010, 09:26:41 AM »

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[...] Können Sie uns kurz darlegen, worum es sich bei der "Ehre" überhaupt handelt?

Winfried Speitkamp: Ehre betrifft das Zusammenwirken von Selbstachtung und Achtung durch andere, von Stolz einerseits, Anerkennung oder Prestige andererseits, von - so sagte man früher - innerer Ehre und äußerer Ehre. Der Einzelne hat ein Selbstbild, das er vor seinen Bezugsgruppen, seiner Familie, seinem Stand, seinem Verein etc., verteidigen will. Wird das Selbstbild von außen in Frage gestellt, durch Kritik oder Beleidigung, sucht der Einzelne Kompensation zu erhalten: Er beharrt auf seinem Selbstbild, will es mit der Waffe oder vor Gericht verteidigen, jedenfalls will er nicht vor seinen Bezugsgruppen als derjenige dastehen, dem man die Ehre ungestraft abschneiden kann.

Winfried Speitkamp: Was der Einzelnen mit seiner Ehre jeweils meint, kann ganz unterschiedlich sein, und es unterscheidet sich auch im historischen Verlauf und in unterschiedlichen Gesellschaften. Aber ich kenne keine Gesellschaft, die ohne Ehrvorstellungen auskommt.

Sie zitieren in Ihrem Buch ausführlich die Bestimmungen des Philosophen G.W.F. Hegel zur subjektiven Ehre, die wir nun ebenfalls eingehend wiedergeben wollen, weil uns seine Ausführungen durchaus lohnend erscheinen:

In der Ehre betrifft die Verletzung nicht den sachlichen, realen Wert, Eigentum, Stand, Pflicht usf., sondern die Persönlichkeit als solche, und deren Vorstellung von sich selbst, den Wert, den das Subjekt sich für sich selbst zuschreibt. Dieser Wert ist auf der jetzigen Stufe ebenso unendlich, als das Subjekt sich unendlich ist. [...] Der Maßstab der Ehre geht also nicht auf das, was das Subjekt wirklich ist, sondern auf das, was in dieser Vorstellung ist. [...] Die Ehre kann nun den mannigfaltigsten Inhalt haben. [...] Der Mann von Ehre denkt daher bei allen Dingen immer zuerst an sich selbst; und nicht, ob etwas an und für sich recht sei oder nicht, ist die Frage, sondern, ob es ihm gemäß sei, ob es seiner Ehre gezieme, sich damit zu befassen oder davonzubleiben. Und so kann er auch wohl die schlechtesten Dinge tun und ein Mann von Ehre sein. [...] Im allgemeinen bleibt deshalb der Inhalt der Ehre, da er nur durch das Subjekt und nicht nach seiner ihm selbst immanenten Wesentlichkeit gilt, der Zufälligkeit preisgegeben. Indem nun die Ehre nicht nur ein Scheinen in mir selber ist, sondern auch in der Vorstellung und Anerkennung der anderen sein muß, welche wiederum ihrerseits die gleiche Anerkennung ihrer Ehre fordern dürfen, so ist die Ehre das schlechthin Verletzliche.

...


Aus: ""Ehre ist eher die Hülse als der Inhalt"" Reinhard Jellen (06.12.2010)
Gespräch mit Winfried Speitkamp über den Begriff der Ehre und über Hegel, Ehrenmorde und albanische Blutrache
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33778/1.html

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« Reply #29 on: September 10, 2011, 10:58:30 AM »

http://de.wikipedia.org/wiki/Ahmet_Toprak

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Quote
[...] DIE ZEIT: Herr Toprak, wer hat es schwerer bei der Integration in Deutschland? Jungen oder Mädchen mit türkischem Migrationshintergrund?

Ahmet Toprak: Alle Zahlen sprechen dafür, dass Jungs sich schwerer tun – Schulabschluss, Berufserfolg, Sprachniveau. Da liegen Jungs eindeutig hinter den Mädchen.

ZEIT: Aber die Jungen sollen doch die Starken sein, die Vorbilder, die Hüter der Mädchen?

Toprak: Das ist ja auch der Kern des Problems, dass an die Jungs so hohe Erwartungen gestellt werden, dass viele dabei nur auf der Strecke bleiben können. Sie sollen dominant sein, sie sollen die Familie führen und ernähren. Von Mädchen wird viel weniger erwartet. Man freut sich, wenn sie Erfolg haben, aber sie können immer noch die Rolle der Hausfrau und Mutter übernehmen.

ZEIT: Diese traditionellen Rollenvorstellungen geraten in Konflikt mit den Erwartungen, die die deutsche Gesellschaft an beide Geschlechter stellt?

Toprak: Türkische Jungs haben in ihren Familien sehr viel mehr Freiheiten als Mädchen. Ihnen wird eingeräumt, dass sie auch mal Fehler machen dürfen. Das Ansehen der Familie in der Öffentlichkeit hängt sehr viel mehr an den Mädchen. Die Brüder dürfen über die Stränge schlagen. Durch diese Einstellung wachsen die jungen Männer ohne Grenzen auf. Mädchen werden viel mehr reglementiert. Sie dürfen weniger in der Öffentlichkeit präsent sein, sie müssen pünktlich zuhauise sein. Das ist zwar kein angenehmes Leben, aber anders als die Jungen haben die Mädchen Grenzen. Jungen entwickeln so kein Problembewußtsein für ihr eigenes Verhalten. Es würde ihnen gut tun, wenn auch ihnen Grenzen gesetzt würden.

ZEIT: Aber die Jungen werden doch in der Regel ziemlich autoritär erzogen. Der Vater ist unantastbar als Bestimmer in der Familie. Warum gibt das keine Orientierung, keine Grenzsetzung?

Toprak: Es wird viel zu wenig erklärt. Man geht davon aus, dass der Junge durch Imitation des Vaters in seine Rolle hineinwächst. Manche schaffen das, aber diejenigen, die es nicht schaffen, werden dann verhaltensauffällig. Wenn die Eltern merken, dass etwas schiefläuft, wissen sie sich nicht anders zu helfen, als die Söhne zum Militärdienst zu schicken, damit dort ein richtiger Mann aus ihnen gemacht wird und sie Disziplin lernen. Wenn auch das nichts fruchtet, verheiratet man den Jungen, damit er lernt Verantwortung zu übernehmen. Und wenn auch das nicht funktioniert, hofft man dass er durchs Kinderkriegen zur Vernunft kommt und anständig wird. Aber man spricht mit dem Jungen nicht darüber, man geht davon aus, dass das ein naturwüchsiger Prozess ist.

ZEIT: Warum sprechen die Eltern nicht mehr mit den Jungen?

Toprak: Manche haben nicht die verbalen Fähigkeiten das zu tun, die meisten haben es selber so gelernt, und dann gibt es viele Tabus. Über manche intime Dinge mit seinen Eltern zu reden wäre eine Verletzung des Respekts, den man ihnen schuldet.

ZEIT: Wie wird einem türkischen Jungen Männlichkeit vermittelt?

Toprak: In den ersten Jahren sind die Söhne voll auf die Mutter orientiert. Sie begleitet ihn sehr innig, bis er im Grundschulalter von der Mutter abgelöst wird und sich auf sein eigenes Geschlecht, also auf den Vater orientieren soll. Mit der Beschneidung wird das symbolisch unterstrichen. Vorher konnte der Junge problemlos mit der Mutter ein Hamam besuchen. Nach der Beschneidung ist das nicht mehr gerne gesehen, der Sohn hat in dieser Frauenwelt nichts mehr zu suchen. Der Militärdienst ist für die Türken eine wichtige Stude der Mannwerdung. Es gibt keinen Ersatzdienst in der Türkei. Jeder muß da durch, der ein Mann sein will. Wenn ich in Kreisen traditioneller Einwanderer sage, dass ich weder den türkischen noch den deutschen Wehrdienst absolviert habe, gelte ich als schwacher Mann. Drittens und viertens gehört Heirat und Kinderkriegen zum Mannwerden. Erst dann wird das Wort eines Mannes in der Öffentlichkeit für voll genommen. Wer das nicht durchlaufen hat und etwa mit dreißig noch nicht verheiratet ist, gilt als Kind.

ZEIT: Welche Rolle spielt der Islam dabei?

Toprak: Sie wissen ja, dass Türken meist Sunniten oder Aleviten sind. Aleviten halten sich nicht an die Gebote des Islams, sie fasten nicht, pilgern nicht, gehen nicht in die Moschee, und die Frauen tragen in der Regel kein Kopftuch. Aber auch die alevitischen Männer sind beschnitten. Bei den Männlichkeitsvorstellungen ist Tradition und Religion schwer zu trennen. Es gibt religiöse Begründungen für die Beschneidung, aber in der Praxis ist das ein Männlichkeitsritual – weshalb es zum Beispiel auch wichtig ist, dass es ohne Narkose geschieht, denn der Schmerz gehört nach dieser Vorstellung zum Mannwerden dazu. Aleviten lehnen zwar die Geschlechtertrennung in den Moscheen ab, aber in den Männlichkeitsvorstellungen unterscheiden sie sich nicht sehr von den Sunniten.

ZEIT: Warum ist die türkische Männlichkeitsvorstellung eigentlich problematisch? Man könnte ja auch sagen: Da gibt es wenigstens noch klare Unterscheidungen.

Toprak: Aber sehen Sie: Dieses Konzept wird gelebt in einem Land, in dem es nicht zeitgemäß ist. Es kann nicht funktionieren, weil der soziale Rahmen fehlt, der es hält, auch durch soziale Kontrolle. Übrigens kollidiert es nicht nur hier mit der Wirklichkeit, sondern auch in türkischen Großstädten, wo ebenfalls die Kontrolle durch die peer group wegfällt.

ZEIT: Stützen die Frauen dieses Männlichkeitsbild? Ohne Mütter und Frauen kann es ja nicht aufrechterhalten werden.

Toprak: Die Mütter machen mit, sie haben ja auch einen enormen Einfluss auf die Söhne bis zu einem bestimmten Alter. Aber bei den jungen Frauen sieht es anders aus. Viele von denen finden die in Deutschland aufgewachsenen Jungs einfach nur blöd. Die mögen deren Macho-Art nicht. Umgekehrt können viele von den Männern mit den selbstbewußten Frauen nicht umgehen und suchen sich darum eine einfachere Braut in der Türkei. Man hat Schwierigkeiten, sich wechselseitig attraktiv zu finden und weicht auf das Herkunftsland aus.

ZEIT: Können diese Männer eine partnerschaftliche Ehe führen?

Toprak: Sie dürfen das nach außen projizierte Bild nicht mit der Realität zuhause verwechseln. Viele Frauen haben zuhause erheblich Anteil an Entscheidungen. Die Männer geben sehr viel mehr nach und schließen mehr Kompromisse, als sie nach außen zugeben können. Oft wird, was auf die Frau zurückgeht, dann vom Mann nach außen als seine Entscheidung dargestellt.

ZEIT: Wie sollen deutsche Lehrer mit der türkischen Männlichkeitskultur umgehen, die sie im Klassenraum vorfinden?

Toprak: Ich mache oft Fortbildungen mit Lehrerinnen, die sagen, ich tue mich schwer mit diesen Jungs. Diese Jungen brauchen klare Ansagen, klare Regeln, die auch durchgesetzt werden. Die basisdemokratische Pädagogik des Aushandelns und der Diskussion empfinden sie als Schwäche. Die sehen das als Unsicherheit des Lehrers, wenn er oder sie zuviel fragt. Wenn man klar und deutlich sagt, was man möchte und wo die Grenzen sind, machen die auch mit. Ich habe das Konzept der konfrontativen Pädagogik mit gewalttätigen und straffälligen Jugendlichen erprobt. Es kommt darauf an, sich von Machosprüchen nicht verunsichern zu lassen. Diese Jungs probieren, ob man angesichts ihres dominanten Auftretens Schwäche zeigt. Die zeigen gerne ihr Testosteron, aber wenn man Regeln durchsetzt, werden sie auch schnell handzahm.

ZEIT: Wenn man Schüler zur Selbständigkeit erziehen will, kann man aber nicht immer Frontalunterricht machen?

Toprak: Das ist auch nicht gemeint mit konfrontativer Pädagogik. Es geht darum, einen fairen und transparenten Rahmen für das gemeinsame Handeln zu errichten. Die Jugendlichen sehen, wenn ich mich an die Regeln halte, bin ich angenommen und kann mich einbringen. Dann fällt auch das Totschlagsargument der Ausländerfeindlichkeit weg, dass diese Jugendlichen gerne bringen. Person und Fehlverhalten müssen klar getrennt werden.Wenn klar ist, du bist als Ali oder Mustafa willkommen, wenn du dich an die Regeln hältst, aber wenn nicht, hat es auch Konsequenzen, dann kommen die Jungs damit gut klar.

ZEIT: Woher kommt die höhere Gewaltakzeptanz bei türkischen Jungen?

Toprak: Ich habe jahrelang Anti-Aggressivitätstraining mit auffälligen Jugendlichen gemacht. Das waren junge Männer, die dazu verurteilt worden waren, weil sie selbst gewalttätig geworden waren. Diese Jungs haben uns berichtet, sie haben in der Erziehung Gewalt erfahren – entweder in der Familie oder durch ihre Peergroup. Die sehen es als normalen Teil des Aufwachsens als Mann, dass man irgendwann Schläge bekommt. Vor allem untereinander in der Gruppe ist Gewalt etwas Alltägliches. Tragischerweise.

ZEIT: In der deutschen Gesellschaft ist Gewalt in den letzten Jahrzehnten zunehmend tabuisiert worden. Früher übliche Rüdenkämpfe auf Schulhöfen sind heute verpönt. Da passt die Gewalkultur türkischer Jungs nicht hinein.

Toprak: Ja, aber es wird teilweise überdramatisiert. Auch ganz normale Raufereien, die man früher als ‘typisch Jungs’ abgetan hat, werden heute sofort therapiert. Das führt zu einer Überpädagogisierung, in der Jungs per se zum Problem werden. Das geht dann zu weit, nicht nur für türkische Jungs.

ZEIT: Warum ist „schwul“ das schlimmste Schimpfwort unter türkischen Jungs? Auch das steht ja im Gegensatz zu der gesamtgesellschaftlichen Enttabuisierung der Homosexualität?

Toprak: Vielleicht ist ja die Präsenz des schwulen Lebens in der Öffentlichkeit ein Mitgrund für diese Gegenreaktion. Im Antigewalttraining haben mir die Jungs klargemacht, es gibt zwei Tabus – man darf die Mama nicht angreifen und die Männlichhkeit, also jemanden schwul nennen. Aber es gab eine interessante Ambivalenz: Ein Junge, der mir gesagt hatte, er hasst Schwule, Homosexualität sei eine Sünde und Homosexuelle seien keine Menschen. Aber dann sah ich, er packte einen anderen an den Hintern. Als ich ihn zur Rede stellte, sagte er: Ich bin nicht schwul, er ist schwul. Ich habe dann erfahren, dass der aktive Partner als der unproblematisch Männliche gilt. Der Schwule ist der – verzeihen Sie das Wort – ‘der sich ficken lässt’. Das war mir neu. Es gab da Jungen, die sehr homosexuellenfeindlich auftraten und doch zu irgendwelchen einschlägigen Treffs gingen, um ‘Schwule zu ficken’. Nach dem Motto, wir zeigen denen mal was ein richtiger Mann ist. Homosexuelle werden als Opfer gesehen, und so gab es auch Fälle, bei denen mit den Männern geschlafen wurde, um diese dann anschließend zu verprügeln. Das zeigt die Ambivalenz. Der Mann darf sich auf keinen Fall in die Rolle der Frau begeben, darum sind die Jungs so gegen Schwule.

ZEIT: Das ist eine sehr anstrengende, stressige From von Männlichkeit, bei der es dauernd um die Ehre geht.

Toprak: In einem meiner Kurse habe ich es den Jungs verboten, über Ehre zu reden, weil sie diesen Begriff immer nur als Vorwand benutzt haben und nie mit Inhalt füllen konnten. Die mussten dann in die Bibliothek gehen und recherchieren, was Ehre sein kann. Sie haben angefangen, den Ehrbegriff zu problematisieren, den man ihnen aufgedrückt hat: Du musst deine Frau, deine Schwester beschützen. Die hatten noch nie über diesen zentralen Begriff nachgedacht. Aber dann haben sie angefangen, über ihre Gefühle zu reden, über die Angst zu versagen und dem Ehrbegriff nicht gerecht zu werden.

ZEIT: Ist der deutsche Mann in deren Wahnehmung unehrenhaft und unmännlich?

Toprak: So wird das gesehen. Aber ich muss ihnen sagen, das ist auch nur ein Schein. Viele würden gerne manche Verhaltensweisen vom deutschen Mann übernehmen, aber sie trauen sich nicht, weil sie dann als schwach gelten würden. Einige sehnen sich danach, aber der Druck ist zu groß.

ZEIT: Woher kann Veränderung kommen?

Toprak: Wir haben eine Entwicklung in zwei Richtungen: Die einen sagen, das tue ich mir nicht an und steigen aus. Aber die müssen dann auch in einem anderen Umfeld leben, in einem anderen Stadtteil. Aber diejenigen, die in Quartieren wohnen, wo der soziale Druck groß ist, tun sich schwer da rauszukommen. Bevor man an die Jungs rankommt, muss man zuerst an die Eltern ran. Die wissen oft gar nicht, dass es alternative Erziehungsstile gibt. Sie haben es selber so erfahren, und tragen es weiter.

ZEIT: Stärkt die islamische Religion eigentlich immer nur die konservative Seite? Oder hat sie eine Rolle bei der Reform der Männlichkeit?

Toprak: Das ist nicht so eindeutig. Wir kennen sehr viele selbstbewusste religiöse Frauen mit Kopftuch, auch hier an der Hochschule. Die sind hoch modern und passen nicht zu schlichten Macho-Männern.

Quote
    * 6. September 2011 um 16:50 Uhr
    * Cem Gülay
... Das es homosexuelle Moslems gibt ist doch keine Frage. Die Begründung der Homosexualität stell ich hier in Frage, und macht den Eindruck, es wäre total normal jemanden zu ficken. Also tut es jeder Türke, einschließlich mich. Normal gibt es für sowas eins auf die Fresse


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    * 6. September 2011 um 18:36 Uhr
    * Spirit of Canakkale
   
@ Cem Gülay

Na, erzählen Sie mal! Wie oft haben Sie die Hintern von Männern penetriert? Raus damit!



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    * 6. September 2011 um 18:38 Uhr
    * Cem Gülay

SPOC

Also Dein Hintern müsste noch ziemlich schmerzen, so wie Du geschrien hast


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    * 6. September 2011 um 19:27 Uhr
    * Miriam G.

@Cem und Spirit
Omigod
Gestern Abend haben meine Tochter und ich den Ton ausgemacht, als Charlotte Roche darauf bestand, aus ihrem Buch zu lesen. Und jetzt beglückt ihr uns mit so einem Dialog. ...


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    * 6. September 2011 um 20:58 Uhr
    * N. Neumann

Analog zu Toprak:

Im kollektive Bewusstsein der türkischen Gesellschaft gelten Schwulen als stark effeminierte Männer, die die passive Rolle beim Analverkehr bevorzugen. Diese Definition wird z. B. bei den türkischen Streitkräften (siehe unten) verwendet. Mit dieser Definition geht eine starke Ächtung einher, da sie nach gesellschaftlicher Meinung das Rollenbild des traditionellen türkischen Mannes verletzt. Maskulin wirkende, in der aktiven Position verkehrende Schwule werden üblicherweise nicht als homosexuell betrachtet. Sie werden mit in die Kategorie heterosexueller Menschen gepackt, die homoerotische Erfahrungen gesammelt haben.[4]

Homosexualität in der Türkei:
http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualit%C3%A4t_in_der_T%C3%BCrkei


Quote
    * 6. September 2011 um 21:42 Uhr
    * Bravoleser

Ich muß Cem Gülay im wesentlichen recht geben.
Herr Toprak ist ein akademischer deutscher Bildungsbürger der mit den falschen Mitteln versucht das vermeintlich Gute zu tun.
So wird das nie was.

Ich habe als Studi in den 90ern in HH-Horn gelebt. Sozusagen unfreiwillig unter Türken. Nicht das wir Türken in unserer WG gehabt hätten. Gott bewahre- wir waren zwar alle leicht links angehaucht, aber auf das türkische Prekariat in der Nachbarschaft sahen wir natürlich herab, auch wenn das niemals über unsere fortschrittlichen humanistisch-gymnasial gebildeten Lippen gekommen wäre.

Trotzdem waren gewisse Kontakte schlicht unvermeidlich und sei es nur wenn in der Wohnung nebenan oder oben mal wieder heftiger türk.Streit angesagt war. Wir nannten das “PisslickPisslick GüleGüle” (das hatten wir vermutlich irgendwo aufgeschnappt und fanden es witzig).

Wie auch immer, ich denke das Toprak den Kern des türk. männlichen Rollenmodells schlicht nicht kennt oder benennt. Das geht etwa so:

Es gibt in ihrer Kultur zwei sozial vollkommen getrennte Bereiche.
- das Haus bzw die Wohnung und
- die Straße bzw die Öffentlichkeit.

Im Bereich Haus hat Anne(=Mama) das Sagen.
Der Vater ist zwar da oder auch nicht, aber er redet dort nicht herein. Essen kochen, Abwaschen etc schon mal gar nicht.
Die Jungs haben dort NICHTS zu melden. Das Haus ist das Reich der Frauen. Jungs sind im Haus tagsüber schlicht unerwünscht. Je jünger die Jungs sind desto häufiger sind sie draußen. Nicht weil sie es wollen. Sondern weil es eben so ist. Jungs gehören nach draußen in die harte Welt der Straße. Deshalb sieht man türk. Jungs so häufig draußen, was den Eindruck erzeugt sie wären eine soziale Masse die die Straße okkupiert. In Wahrheit sind sie nur eine Minderheit die nicht drinnen sein kann, weil sie eben nicht dürfen. Im stillen Kämmerlein Hausaufgaben zu machen ist für einen türk. Jungen der zur Schule geht so gut wie unmöglich. Türkische Mädchen können das. Türkische Jungs nicht.

Daher auch die seltsamen und für Deutsche völlig unbegreiflichen türk.Kulturvereine/Cafes für türkische Männer. Das sind keine Kneipen. Frauen sieht man dort nie. Teutonische Akademiker wie Toprak auch nicht. Das sind eher Zwischenräume zwischen den harten Realitäten von Öffentlichkeit und Haus.

Die für Deutsche sichtbare Unterdrückung der Frau in der Öffentlichkeit (Kopftuch!) ist ein klassisches kulturelles Mißverständnis. Die hausinternen Zwänge dieser islamischen Kultur sind für die deutsche Öffentlichkeit vollkommen unsichtbar.

Wie man das ändern kann? Keine Ahnung. Weiß ich nicht.
Sarrazin sagt Kindergartenzwang, Vorschule usw. Das ist natürlich Quatsch. Die o.g. Probleme tauchen erst dann auch wenn der Kindergarten oder Vorschule längst vorbei ist.


Quote
    * 7. September 2011 um 00:07 Uhr
    * Miriam G.

@Cem Gülay

... infam, Thesen aufzustellen, das Männer andere Männer, aus Männlichkeitswahn penetrieren. Sie sind schwul und basta.

Cem, Toprak ist kein Elfenbeinturmakademiker, der von Empirie keine Ahnung hat, sondern jemand, der jahrelang in der sozialpädagogischen Praxis gearbeitet hat. Mit harten Jungs. Die ihm erklärt haben, was im Knast so vor sich geht. Sexmäßig. Mir bleibt zu Topraks Verteidigung leider nichts anderes übrig, als Metin zu zitieren, einen Interviewpartner von Toprak, der sich ein Jahr lang in U-Haft befand:

…. Also, ich war im Knast, ne. Da gibt es keine Frauen, ne. Da musst du sehr gut auf dein Arsch aufpassen… Ja, jeder ist geil und will dein Arsch ficken. Wenn du nicht aufpasst, ne, dann will jeder im Knast dich ficken, danach hast du keine Chance, ne. Ja, da war einer, ne. Das war ein Deutscher, das sind sowieso keine richtige Männer, ne. Ja, ne, ich hab ihn als erster gefickt, ne. Jeder hat gesagt, als erster hat ihn Metin gefickt, ne. Danach wollten ihn alle ficken… Natürlich bin ich nicht schwul, Mann, eh. Du bist schwul, wenn du dein Arsch hergibst. Wenn du den einmal hergibst, dann kannst du dich nicht mehr blicken lassen. Jeder weiß das dann, du hast das einmal gemacht, du bist schwach, du kannst nich auf dein Arsch aufpassen und und und. Aber wenn du einen am Arsch fickst, ne. Dann bist du doch ein Mann. Männer ficken doch, nicht die Frauen. (Metin, S. 51, “Ich bin eigentlich nicht aggressiv”: Theorie und Praxis eines Anti-Aggressions-Kurses mit türkischstämmigen Jugendlichen von Ahmet Toprak. Lambertus 2001.

@Bravoleser
Ihr Name ist leider Programm. Ahnung haben Sie mit Verlaub wenig, auch wenn Cem Sie applaudiert (“Top-Analyse”- Hilfe!). Lesen Sie mal ein Buch. Von Toprak. Er ist kein “teutonischer Akademiker”.


Quote
       * 7. September 2011 um 00:26 Uhr
    * Miriam G.
@Bravoleser

Im stillen Kämmerlein Hausaufgaben zu machen ist für einen türk. Jungen der zur Schule geht so gut wie unmöglich.

Das kann ich nicht unkommentiert lassen. Sie beschreiben einen Typus von türkeistämmigen Jungen aus einem Typus von Familie. Es gibt auch die Familien, die den Übergang von der Tradition in die Moderne vollzogen haben; die ihre Söhne genauso fordern und fördern wie ihre Töchter. Cem Gülays Vater war ein ziemlicher Kotzbrocken, so zumindest geht es aus Cems Buch hervor, aber er hat seinen Sohn zum Lernen angehalten und ihn dabei unterstützt, wenn ich mich richtig erinnere. Und ich nehme an, dass das Geld für Cems Schuljahr in Amerika von ihm stammte. ....


Quote
    * 7. September 2011 um 06:52 Uhr
    * FreeSpeech

Vor ein paar Jahren gab es einen Fall in der CH, da hatten Migranten etwas zu regeln, und das ging dann so:
Der “Schuldner” wurde in den Arsch gefickt und dabei gefilmt. Kein Schweizer begriff, was da ablief. (Der Fall kam vor Gericht, darum wurde das überhaupt bekannt. Auch der Betroffene sagte nicht, worum es so ging.)


Quote
     * 8. September 2011 um 13:40 Uhr
    * CEM.G

... Ich finde, dass sich “viele” deutsche Männer Ü-45 unter Pseudonymen im Internet wie pubertäre jugendliche Türken-Machos verhalten.


Quote
    * 7. September 2011 um 08:14 Uhr
    * Yamc

“ZEIT: Ist der deutsche Mann in deren Wahnehmung unehrenhaft und unmännlich?

Toprak: So wird das gesehen. Aber ich muss ihnen sagen, das ist auch nur ein Schein. Viele würden gerne manche Verhaltensweisen vom deutschen Mann übernehmen, aber sie trauen sich nicht.[...]”

Hierzu möchten ich gerne etwas sagen:

Es geht nicht nur darum, dass “wir” (türkischstämmige Menschen) uns nicht trauen. Ich (komme aus Berlin-Neukölln) habe mich von der (miserablen) mittleren Reife über ein Oberstufenzentrum und den Zweiten Bildungsweg zum Studium hochgearbeitet, habe immer gelesen und meine Tage fast ausschließlich mit Nicht-Türken verbracht – und trotzdem hat es mich in eine Depression gestürzt, dass meine Lebensgefährtin/Verlobte (ursprünglich aus den neuen Bundesländern stammend) eine andere Sexualmoral hat als ich. Es hat mich – obwohl ich unbedingt der moderne, offene, tolerante Mensch sein wollte – lange Zeit innerlich zerfressen, einfach weil ich anders sozialisiert wurde.

“Meine Mama war doch nicht so.”
“So was tun Frauen doch nicht einfach so”.
“Sowas gehört sich doch nicht.”

Was ich damit sagen will:

Das Über-ich kann manchmal einfach zu stark sein, um Dinge zu tun, die man gerne tun würde. Ich kämpfe tagtäglich darum gewisse Dinge, die in der “deutschen Gesellschaft” (tolerant) akzeptiert werden, auch zu akzeptieren, obwohl ein Teil in mir es nicht verstehen kann. Das führt auch in Beziehungen zu Reibungen, zu Verletzungen und es ist verdammt schwierig.

Quote
     * 7. September 2011 um 17:05 Uhr
    * Jörg Lau

... Dazu kann ich nur sagen, der Schmerz, den Sie da artikulieren ist absolut kein rein türkisches Problem. Ganz offensichtlich haben auch Männer deutscher Herkunft Schwierigkeiten mit der neuen Geschlechterunordnung. Das verlangt allen sehr viel ab, und viele können nur nicht zugeben, wie viel sie das kostet. Es gibt sicherlich viele kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Türken, aber die Herausforderung durch die neue Freiheit in den Beziehungen der Geschlechter ist größer als diese Unterschiede.



Quote
    * 7. September 2011 um 22:01 Uhr
    * Hans Ali

Im Grunde wird hier nur das Bild des türkischen Mannes in Deutschland reproduziert, d. h. eines Mannes, der sich scheinbar nicht emanzipieren kann wie die Frauen es können und ihm durch Schubladendenken (alle türkischen Männer seien Machos, gewalttättig und hassen Frauen und Schwule)von vorneherein diese Möglichkeit versperrt wird.


Quote
    * 7. September 2011 um 22:03 Uhr
    * Capricia

Vielleicht betrifft es auch nur bestimmte soziale Schichten?

Ich habe in einer außerbetrieblichen Ausbildung Elektrotechnik und KFZ gearbeitet und unterrichtet, als ich noch “jung und sexy” war und hatte mehrere männliche türkische Jugendliche in meiner Klasse.

Ich hatte nie Probleme mit ihnen. Während die deutschen Jugendlichen unflätige Bemerkungen über meinen Busen machten – nur einmal, denn dann wurden sie aus dem Unterricht geschickt, was in ihrem Berichtsheft dokumentiert wurde – waren die türkischen Schüler aus unterschiedlichen sozialen Schichten und mit unterschiedlichen Schulabschlüssen höflich und engagiert.

Selbst ein türkischer Schüler mit schlechtem Hauptschulabschluss hat die IHK-Prüfung bestanden, und die türkische Familie hat sich bei mir – einer Frau- bedankt, dass ich ihren Sohn unterstützt habe.

Ich wurde auch zu Hochzeiten der Familien eingeladen.

Ich weiß es nicht. Aber manchmal erscheint mir die Darstellung türkischer Jugendlicher dem Klischee zu folgen, das in den Privatsendern durch schreckliche Sendungen am Leben erhalten wird.

Es ist nur meine Erfahrung, vielleicht ist sie nicht repräsentativ, aber zumindest sollte sie berücksichtigt werden.


Quote
    * 7. September 2011 um 23:05 Uhr
    * Miriam G.

@cagatay
Religion und Kultur sind Privatsache – Diskriminierung nicht

Kultur ist dann nicht Privatsache, wenn deren Ausleben gegen Grundrechte (Würde, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung, negative Religionsfreiheit) verstößt. Das gilt für Religion auch.
Diskriminierung heißt “unterscheiden”. Sie wissen noch besser als ich, dass auch in deutschtürkischen Kreisen sehr wohl “diskriminiert” wird (oder haben Sie nie gehört, dass jemanden vorgeworfen wird, er sei verdeutscht, oder einem türkeistämmigen Mädchen direkt oder indirekt zu verstehen gegeben wird: “Bring mir keinen Deutschen nach Hause!”? Ich schon. ...

Durch Jammern über Diskriminierung wird sie tragischerweise nicht geringer, denn in der Jammerecke sieht niemand vorteilhaft aus. Besser wäre es, Topraks Anregungen aufzugreifen, und die traditionelle Erziehung kritisch zu reflektieren (und das Endogamiegebot gleich mit). Der beste Schutz gegen Diskriminierung ist soziales Kapital – sprich Beziehungen zu Einheimischen, die selbst über soziales Kapital verfügen. Ich bin selbst Migrantin und spreche aus eigener Erfahrung. Es gibt nämlich kein Land der Welt, wo nicht diskriminiert im Sinne von unterschieden wird zwischen denen, die “schon immer” oder “ewig” da sind und denen, die erst seit ein paar Jahren oder Jahrzehnten. Auch in der Türkei, wo unheimlich viele Berufe (inkl. der Arztberuf) nur Einheimischen vorbehalten sind, ist es nicht anders. Diese Erkenntnis ist nützlich, um nicht in die Empörungsfalle zu tappen. So hat man mehr Energie, um die Hintertür zu suchen, wenn man durch die Vordertür nicht reinkommt.






Aus: "Das vermeidbare Unglück der türkischen Jungs"
Von Jörg Lau 6. September 2011 um 11:28 Uhr
Quelle: http://blog.zeit.de/joerglau/2011/09/06/das-vermeidbare-ungluck-der-turkischen-jungs_5057

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