Author Topic: [Weiblichkeitskonstruktionen... ]  (Read 37341 times)

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[Weiblichkeitskonstruktionen... ]
« on: September 08, 2007, 12:13:16 nachm. »
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[...] In dem Versuch der Aufrechterhaltung bzw. Wiedererrichtung klarer Grenzen in der konstruierten „Natur“ der Geschlechter (sex) und den davon abgeleiteten sozialen Rollen (gender) zeigte sich die Verschränkung von Geschlecht und Herrschaft in ihrer mächtigsten Ausprägung.

...


Aus: "VORWORT: MACHT UND GESELLSCHAFT. Männer und Frauen in der NS-Zeit"
Eine Perspektive für ein künftiges NS-Dokumentationszentrum München. Redaktion: Anne-Barb Hertkorn (TAGUNGSBAND 18. / 19. Juni 2004)
http://www.muenchen.de/cms/prod1/mde/_de/rubriken/Rathaus/55_kult/15_museen/nsdokumentationszentrum/dokumente/Tagungsband_Gender.pdf


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[...] Auffallend ist, dass die Farben Rosa und Pink stets mit Weiblichkeit assoziiert werden, und daher bei Männern Bekleidung in diesen Farben eher als „unmännlich“ oder „schwul“ gilt.

[...] Der Koran erkennt die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau (Fürwahr, eure Aufgabe ist in der Tat verschieden. Sure 92:4) und betont die Unterordnung der Frau unter den Mann (Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben. Sure 4:34, Doch die Männer stehen eine Stufe über ihnen. Sure 2:228). Zu der Unterschiedlichkeit gehört, dass es Aufgabe der Frau sei, Nachwuchs zu gebären (Eure Frauen sind ein Saatfeld für euch; darum bestellt euer Saatfeld wie ihr wollt. Sure 2:223), während der Mann für den Unterhalt zuständig ist. Soziale Sanktionen gegen Ehefrauen werden gerechtfertigt (Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: Ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!' Sure 4:34).

In der Realität weitgehend islamischer Gesellschaften sind durchaus unterschiedliche Frauenrollen aufzufinden, wenn man sich vergleichend z.B. Algerien, dem nördlichen Nigerien, Saudi-Arabien, Pakistan oder Indonesien zuwendet. Auch innerhalb einzelner Staaten - etwa Ägyptens - finden sich große Differenzen zwischen einer Weltstadt wie Kairo und den Beduinen der Wüste. Alle diese Differenzen sind auch in anderen Kulturkreisen auffindbar, etwa Nordeuropas oder Chinas, wenngleich mit anderen sozialen Differenzierungen.

Die wesentliche Kritik des islamischen Feminismus am westlichen ist dessen Postulierung einer Gleichheit zwischen Mann und Frau, die es so gar nicht gebe, und die in der Praxis nur dazu führe, dass Frauen an männlichen Maßstäben gemessen würden (z. B. Erfolg im Beruf und Karriere). Solche Kritik ähnelt durchaus einigen christlichen oder konservativen Standpunkten im 'Westen'.

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Aus: "Weiblichkeit" (09/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Weiblichkeit

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[..] Das Matriarchat (von lat. mater „Mutter“, und griech. arché „Beginn, Ursprung“, auch „Herrschaft“) ist eine gynozentrische Gesellschaftsstruktur, in der je nach verwendeter Definition entweder Frauen die Macht innehaben oder die frauenzentriert ist, die Gesellschaftsordnung also um die Frauen herum organisiert ist.

...


Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Matriarchat (8. Februar 2009)


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[...] Das Patriarchat (griechisch πατριαρχία, von πατήρ, patér - „Vater“; αρχή, arché - u. a. „Ursprung“, „Herrschaft“), auch Androkratie genannt, ist eine Herrschaftsform, die durch die Vorherrschaft von (meist älteren, vgl. Gerontokratie) Männern über Familien, Sippen, Gemeinden, Diözesen oder Völker gekennzeichnet ist.


Aus: "Patriarchat"  (09/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Patriarchat_%28Soziologie%29
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[...]

    * Die erste Welle der modernen Frauenbewegung oder Frauenrechtsbewegung (Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts) kämpfte für die grundsätzlichen politischen und bürgerlichen Rechte der Frauen wie z. B. das Frauenwahlrecht, das in Deutschland im November 1918 rechtlich verankert wurde, das Recht auf eine Erwerbstätigkeit und das Recht auf Bildung.

    * Die zweite Welle der Frauenbewegung (seit den 1960er Jahren), die über den Feminismus ein Theoriekonzept herstellte, ging über das Ziel einer 'Gleichberechtigung' von Mann und Frau auf politischer, sozialer und sowohl beruflicher als auch privater Ebene hinaus. Inspiriert vom politischen Klima der 1960er Jahre, ging es nicht mehr bloß darum, an den von Männern geprägten Institutionen teilzunehmen, sondern diese generell in Frage zu stellen, insbesondere ihres hierarchischen Charakters wegen. Deswegen verstanden sich zumindest Teile der zweiten Phase als autonome Frauenbewegung. Diese zweite Welle war Teil der neuen sozialen Bewegungen.

    * In den 1990er Jahren zeichnete sich vor allem in den USA eine dritte Welle (Third Wave) der Frauenbewegung ab, die die Ideen der zweiten Welle in modifizierter Form fortsetzt. Neue Aspekte sind vor allem eine globalere, weniger eurozentrische Sichtweise, die Betonung der Notwendigkeit, dass auch Männer kollektiv ihr Selbstbild überdenken müssen, weil beide Geschlechter von ihrer Rolle eingeengt werden und nur so eine wirkliche Gleichberechtigung entstehen kann. Unter dem Begriff des Gender Mainstreaming, entstanden 1995 auf der 4. UN-Weltfrauenkonferenz, werden weiterhin geschlechterbezogene Konzepte in der Politik entwickelt.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenbewegung (09/2007)

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[...] The related term, "gender role," has two meanings that in individual cases may be divergent: First, people's gender roles are the totality of the ways by which they express their gender identities. Second, people's gender roles may be defined as the kinds of activities that society determines to be appropriate for individuals possessing their kind of external genitalia.
http://en.wikipedia.org/wiki/Gender_identity (09/2007)

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[...] Gender studies is a field of interdisciplinary study which analyzes the phenomenon of gender. It examines both cultural representations of gender and people's lived experience. Gender Studies is sometimes related to studies of class, race, ethnicity and location.

[...] The emergence of post-feminism affected gender studies, causing a movement in theories identity away from the concept of fixed or essentialist gender identity, to post-modern fluid or multiple identities .

See Donna Haraway, The Cyborg Manifesto, as an example of post-identity feminism.


From: "Gender studies" (09/2007)
Source: http://en.wikipedia.org/wiki/Gender_studies

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[...] BERLIN Für Eva Herman ist die Sache klar: "Um das Überleben unserer Gesellschaft zu sichern, ist ein Paar nötig." Darum bedient sich die ehemalige Tagesschau-Sprecherin und umstrittene Autorin in ihrem neuen Buch auch des passenden biblischen Bildes: "Das Prinzip Arche Noah" heißt das Werk, das sie gestern gewohnt kameraerprobt in rotem Kleid und schwarzen Highheels in Berlin der Öffentlichkeit präsentierte. Es trägt den Untertitel, "Warum wir die Familie retten müssen". Ein Paar, das sind ein Mann und eine Frau, die Nachkommen zeugen und in einer intakten Familie den Untergang der Menschheit verhindern.

Eva Herman ist eine Frau mit einer Mission, doch Grundlegendes hat sich an ihren Äußerungen nicht verändert. Genau vor einem Jahr hatte die beliebte Moderatorin ihr Buch "Das Eva-Prinzip" vorgestellt und mit konservativen Thesen eine heftige Debatte über Weiblichkeit, Feminismus, Rollenteilung und die gescheiterte Emanzipation ausgelöst. Sie berief sich auf ihren Glauben und die naturgegebene Aufgabenverteilung der Geschlechter und plädierte für "die Rückkehr zur Weiblichkeit und zu den eigentlichen Stärken der Frau". Diese liegen für die 48-Jährige zu allererst darin, die Kinder zu versorgen und die Familie zusammenzuhalten.

Denn die Gesellschaft ist in Gefahr, weil die Familie auseinander fällt. Überforderte Eltern, so schreibt Eva Herman jetzt, vernachlässigen ihre Kinder, die zu aggressiven Jugendlichen heranwachsen. Schuld daran, findet die gebürtige Ostfriesin, sind die Frauen, die egoistisch nach Selbstverwirklichung streben. "Es wird immer noch als Erfolgsgeschichte gesehen, dass Frauen heute alles machen können", klagt Herman.

[...] Eva Hermann möchte nicht falsch verstanden werden. Jede Frau solle sich selbst verwirklichen können. "Sie muss aber auch Familie leben und Mutter sein dürfen." Auch jene Frauen, die aus wirtschaftlicher Not gezwungen sind zu arbeiten. Sie stellten zwar die Ausnahme dar, sollten aber nicht benachteiligt werden. Dafür müsse sich aber "das ganze System ändern". Nur die Rollen nicht. "Sie bestehen doch bereits, wir müssen sie nicht neu erfinden." Das sage die Biologie und in der Bibel stehe es auch. "Das ist doch so klar."


Aus: "Der weise Plan: Neues Buch, alte Mission: Eva Herman rettet die Familie" (07.09.2007)
Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11015238/63529/


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[...] Einer Reporterin des "Hamburger Abendblatts" zufolge sagte die Fernsehmoderatorin, im Dritten Reich sei "vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler". Dann fügte sie hinzu: "Aber einiges auch sehr gut, zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter." Die 68er hätten dann die Wertschätzung der Mutter abgeschafft - und seien somit für den "gesellschaftlichen Salat" verantwortlich.


Aus: "Eva Herman und die Mütter unter Hitler" Von Lisa Erdmann (07. September 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,504561,00.html

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[...] Das Ehrenkreuz der deutschen Mutter, kurz Mutterkreuz war eine Auszeichnung für kinderreiche "arische" Mütter im nationalsozialistischen Deutschen Reich. Am 16. Dezember 1938 wurde es von der Parteileitung der NSDAP gestiftet. Es wurde in drei Stufen verliehen: Stufe 3 in Bronze ab 4 Kinder, Stufe 2 in Silber ab 6 Kinder und Stufe 1 in Gold ab 8 Kinder. Schon 1939 gab es für 3 Millionen Frauen diese Auszeichnung.

Das Abzeichen trug die Aufschrift Der Deutschen Mutter sowie Das Kind adelt die Mutter. Die Verleihung erfolgte meist durch den Ortsgruppenleiter zum Muttertag jedes Jahres. Das Kreuz wurde an einem Band getragen und brachte für die Trägerin einige Vorteile im öffentlichen Leben mit sich. So musste ihr in den öffentlichen Verkehrsmitteln ein Sitzplatz angeboten werden. Auf Ämtern und Behörden wurde sie bevorzugt behandelt.

Die Hitler-Jugend des Ortes war dazu angehalten, die ausgezeichneten Mütter mit dem Hitlergruß auf der Straße zu grüßen. Das Kreuz sollte nicht während der täglichen Arbeit getragen werden, sondern nur zu feierlichen Anlässen.

Wegen der bei der anfänglichen Planung nicht erwarteten hohen Anzahl von 5,5 Millionen Ehrenkreuzen konnten bei der ersten Verleihung am 21. Mai 1939 nur die Mütter ausgezeichnet werden, die älter als 60 Jahre waren. Allen anderen Müttern wurde dann beim Erntedankfest desselben Jahres die Auszeichnung nachgereicht.

Die Voraussetzung für die Verleihung war neben der „Auszeichnungswürdigkeit“ der Mutter und der Kinderzahl auch der so genannte Ariernachweis. Es mussten die „Eltern deutschblütig und erbtüchtig“ sein, die Mütter hatten nicht „erbkrank“, „kriminell“ oder „asozial“ zu sein. Verlangt wurde, dass die Kinder „deutschblütig und erbtüchtig“ seien. Schließlich mussten „die Kinder lebend geboren“ sein. Das Mutterkreuz konnte auch nachträglich wieder aberkannt werden, wenn sich die Mütter zum Beispiel nicht „rassegemäß“ verhielten.

Nach dem Ende des Dritten Reiches wurde das Mutterkreuz bisweilen auch (zumeist spottend) als „Mütterverdienstkreuz“ bezeichnet.


Aus: "Mutterkreuz" (09/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mutterkreuz

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[...] Das Frauenbild während der Zeit des Nationalsozialismus war vordergründig von christlicher bürgerlicher Ideologie geprägt und betonte die Rolle als Mutter. Beeinflusst wurde das Idealbild durch andere Grundzüge nationalsozialistischer Ideologie wie Antisemitismus, Rassismus und Lebensraumpolitik.

Die ideale Frau sollte außerdem neben ihrer selbstverständlich arischen Abstammung sich durch Charaktereigenschaften wie Treue, Pflichterfüllung, Opferbereitschaft, Leidensfähigkeit und Selbstlosigkeit auszeichnen. Sie sollte zum Wohle der "Volksgemeinschaft" vor allem als Mutter ihre Pflicht erfüllen. In allen anderen Fragen wurde ihr nur ein sehr begrenztes Mitspracherecht eingeräumt. Entscheidungen zu treffen war den Männern vorbehalten.

Die NSDAP verstand sich in erster Linie als Männerpartei, entsprechend martialisch war die Wahl ihrer Symbolik und ihres Auftretens. Frauen war der Zugang zu leitenden Parteigremien oder zur Parteiführung bereits seit 1921 verwehrt. Es galt ebenfalls eine Frauenquote für die Mitgliedschaft in der Partei - diese existierte jedoch nicht im modern verstandenen Sinne, um den Frauenanteil zu fördern, sondern um ihn gering zu halten, es handelte sich also um eine Maximalquote, deren niedrigster Stand bei 5% lag.

[...] Die soziale Rolle der Frau wurde auf ihre Mutterrolle und Garant für „stählerne, kampfbereite” Nachkommen, reduziert. Sie sollte die ,,Quelle der Nation", ,,Hüterin der Kraft und der ewigen Größe der Nation" und ,,Wegbereiterin des Sieges" sein. Eine wesentliche Funktion der Frau sahen die nationalsozialistischen Ideologen in der Bewahrerin und Weitergabe hochwertigen Erbmaterials.

Nach dem nationalsozialistischen Ideal sollte die Frau sich im Gegensatz zu den emanzipatorischen Entwicklungen in der Weimarer Republik wieder vermehrt dem Manne unterordnen, Gesetze schränkten Berufs- und Bildungschancen der Frauen deutlich ein. Der Muttertag und die Stiftung des Mutterkreuzes wurden 1938 institutionalisiert, "um die Rolle und Wertigkeit der Frau zu untermauern".

Joseph Goebbels fasste die Programmatik der NS-Frauenpolitik wie folgt zusammen: "Den ersten, besten und ihr gemäßesten Platz hat die Frau in der Familie und die wunderbarste Aufgabe, die sie erfüllen kann, ist die, ihrem Volk Kinder zu schenken."

Aus: "Nationalsozialistisches Frauenbild" (09/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistisches_Frauenbild

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[...]  Man darf nicht vergessen, dass Eva Herman, «die jahrelang zu einer der beliebtesten Nachrichtenfrauen Deutschlands gewählte Moderatorin» (Herman über Herman), nicht erst seit ihrem Bestseller «Das Eva Prinzip» auch Autorin ist. Davor schrieb sie bereits die wegweisenden Sachbücher «Mein Kind schläft durch» und «Vom Glück des Stillens» und die Romane «Aber Liebe ist es nicht» und «Dann kamst du». Eine Fixierung auf das harmonisch Zweisamzwischenmenschliche im Mann-Frau- und Mutter-Kind-Bereich war also schon damals absehbar. Weshalb man sich über ihr neues Buch «Das Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten müssen» auch wirklich nicht zu wundern braucht. Über dieses schön naive Manifest des Gluckenterrors.

Eva Herman hat sich ein kleines, gut funktionierendes Universum mit Regeln aus alten deutschen Zeiten, über die man besser nicht allzu genau nachdenkt, gebastelt (Begriffe wie «Biedermeier» oder «Nationalsozialismus» kommen einem sonst unweigerlich in den Sinn, oder auch Worte wie «Mutterkreuz»). Es ist ein Universum mit ganz klaren Bösewichten und ebenso klaren Unschuldslämmern.

 Böse sind: Berufstätige Mütter (eh klar), Homosexuelle und alle Vertreter der Generation Golf (Familien unterwandernde Egomanen), Angela Merkel (stellvertretend für alle deutschen Politiker und Politikerinnen, die keine Kinder haben und deshalb nicht wissen, was sie tun), Ursula von der Leyen (macht dem Staat zwar vorbildlich viele Kinder, will sie aber nur in Krippen stecken), Alice Schwarzer (die Teufelin schlechthin, recht eigentlich die Hauptverantwortliche dafür, dass durch ganz Deutschland der eisige Wind der weiblichen Individualisierungssucht bläst), alle 68er, dann aber auch der Alkohol, der i-Pod, der Kapitalismus, der Hip-hop, das Videogame, das Fitnessstudio.

Gut sind: Männer (todunglücklich, schliesslich wollten sie keine Veränderung ihrer Position, das wollten einzig und allein die Feministinnen), Alte, Kranke. Am besten sind: Kinder, Küche und – das war bisher noch nicht absehbar – die Kirche. Eva Herman erklärt dies mit einer rührenden Anekdote aus ihrer Kindheit. Als sie sechs Jahre alt war, starb ihr Vater, und ihre Mutter sagte zu den Kindern: «Seht dort oben am Himmel den hellsten Stern, das ist euer Vater, der jetzt immer aufpasst und euch behütet.» Schöner könnte das im schönsten Märchen keine Mutter sagen.

Für klein Eva verschmolzen damals die Vorstellungen von ihrem eigenen Vater und Gottvater im Himmel und bildeten ein doppeltes Fundament von Glauben und Patriarchat. Weshalb sie in «Das Prinzip Arche Noah» auch ganz ungeniert aus dem Apostolischen Schreiben «Über die Würde und Verantwortung der Frau» von Papst Johannes Paul II. zitieren kann, weshalb sie ihr Buch auch Gott widmet und in ihrer Schlussbemerkung «allein Gott als die oberste und mächtigste Kraft der gesamten Schöpfung» anerkennt. Radikaler könnte sich Frau Hermans Gesellschaftsekel und ihre Flucht in Harmoniebedürftigkeit und Innerlichkeit nicht Luft machen.

 Und weil sie nach all den Verletzungen, all den Angriffen, die sie nach dem «Eva Prinzip» über sich ergehen lassen musste, jetzt einfach keine Kraft mehr hat, sich und ihr Kind den Bestien Staat und Öffentlichkeit auszusetzen, propagiert ausgerechnet sie, die erklärte Feindin sozialer Isolationsmechanismen, sogar die Erziehungsmethode des «Homeschooling» oder des Privatunterrichts. Kann sein, dass irgendwo eine schwarzkatholische Elite auf Eva Hermans neues Buch gewartet hat. Die Realität hat es kaum.

Eva Herman: Das Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten müssen. Pendo, München und Zürich 2007. 247 S., 32.40 Fr.


Aus: "Ein schön naives Manifest des Gluckenterrors" Von Simone Meier (07. September 2007, 19:24)
Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/buecher/788679.html

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[...] Weil Frauen in eine Männerdomäne nach der anderen einbrechen würden, könnten Männer ihre Männlichkeit nicht voll ausleben, würden nachgiebig und verweichlicht. "Gleichzeitig fordern die Frauen von den Männern, in bestimmten Situationen wieder den Tarzan zu spielen. Aber Männer können nicht Windeln wechseln, abwaschen und abends den Tiger geben", sagte Herman der "Bild"-Zeitung.

Für eine harmonische Rollenverteilung rief die Autorin die Frauen auf, mehr "Selbstlosigkeit" walten zu lassen und ihrem Mann die oft einzigen Rückzugsgebiete wie Fußball zu lassen. "Wir müssen endlich akzeptieren, dass die Männer tiefes Glück empfinden, wenn sie im Fußballstadion sind", forderte Herman.

Sie habe früher selbst ihre Männer zu Weicheiern formen wollen. "Aber ich war kein böser Mensch, sondern einfach eine klassische Karrierefrau. Ich hatte einen Teil meiner Weiblichkeit aufgegeben - und musste drei gescheiterte Ehen verzeichnen", sagte sie. Erst mit der Schwangerschaft habe sie Einfühlungsvermögen und Nachsicht entwickelt.

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach ihrem Plädoyer "für eine neue Weiblichkeit" in das "Eva-Prinzip" wendet sich Herman in ihrem neuen Buch der Lage der Familie in Deutschland zu. "Das Prinzip Arche Noah - Warum wir die Familie retten müssen" erscheint am 6. September.


Aus: "Eva Herman: Frauen machen Männer zu Weicheiern" Berlin (RPO) (28.08.2007)
Quelle: http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/gesellschaft/leute/473688

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[...] Dass ihr Plädoyer „für eine neue Weiblichkeit“ den Widerspruch der Feuilletons mobilisierte, kam dem Absatz ihrer Bücher zugute. Herman weiß sich in Szene zu setzen und die Medien mit kühl kalkulierter Provokation zu bedienen. Dass ihr eigener Lebenslauf - die Mutter eines Sohns ist zum vierten Mal verheiratet und berufstätig - nur schwer in Einklang mit ihren Empfehlungen zu bringen ist, nutzt sie in ihrer Rolle als Geläuterte. Ein Platz in den Talkshows bleibt ihr sicher.


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Eintrag von:
kirschreich

vom 10.09.2007
um 11:51 Uhr
Liebe Scheinheilige (Teil 1)
Ich bin doch immer wieder aufs Neue überrascht. Wirklich.

Frau Herman hat sich nicht mit der politsichen Agenda eines Hitlers solidarisiert, sie hat sie auch nicht als erstrebenswert dargestellt. Was sie wohl aber getan hat ist, sich die Innepolitik dieser "Ära" objektiv anzusehen. Und dabei fiel ihr auf, was wohl auch schon vielen anderen aufgefallen ist aber keiner wirklich aussprach: dass es in diesem Regime - so verwerflich und unmoralisch seine Grundlage und seine Ziele waren - einige Aspekte gab, die von denen wir heute profitieren könnten.


Quote
Eintrag von:
peter.freis

vom 10.09.2007
um 13:52 Uhr

Was ist mit Brot ?
Hi,

dass die Greueltaten im dritten Reich mehr als furchtbar und grausam waren, steht für denkende Menschen doch wohl außer Frage.

Es ist schade, dass man in diesem Land inzwischen vieles nicht mehr sagen kann, ohne dass es einem im Rahmen der political correctness gleich im Munde herumgedreht wird und man sich augenblicklich in der ganz rechten Ecke wiederfindet.

Ich kann und möchte mir kein Urteil darüber erlauben, ob die Familienpolitik der Nazis gut war.
Wenn Sie es aber war, sollte man das auch sagen dürfen. Wenn sie es nicht war, sollte man es dennoch - zumindest im Rahmen der freien Meinungsäußerung – auch sagen dürfen.

Die Nazis haben auch Brot gegessen. Sollten wir das deswegen nun abschaffen ? Oder nicht mehr sagen dürfen, Brot schmeckt gut ?

Peter Freis
Köln

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Eintrag von:
mschneidermann_1721

vom 10.09.2007
um 14:32 Uhr

Bei Stalin auch so!
Ich stamme aus Moskau und kann den Lesern erinnern, dass beim System Stalin bekanntlich auch so war: Lob für die Familie. Wieviel Familien er und sein Regime umgebracht hat, ist auch sehr gut bekannt. Das ist die Logik der "nichtsverstandenen" - "in diesem Hinsicht war das Regime gar nicht schlecht". Diese Regime sind kriminell als Ganze. Das ist der Punkt!

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Eintrag von:
tutgut

vom 10.09.2007
um 14:43 Uhr

@spam_1031 aka kirschreich
galt der muttertag auch für jüdische mütter?? autobahn?! war klar das der dummfug nicht fehlen durfte,g oogle ist ihr freund, also warum informieren sie sich nicht erst einmal bevor sie schwachsinn posten????????????
gilt auch für die anderen relativierer!!!!!!!!


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Eintrag von:
klaus_1991

vom 10.09.2007
um 16:51 Uhr

möglichkeiten
ja gibt es denn nicht andere länder / andere kulturen in den die familie als wert und die damit verbundene familienpolitik erstrebenswerter sein könnte als sie es hier ist! wer solch einen vergleich zum dritten reich zieht muss sich auch bewusst über die wirkung sein! wem es um die sache selbst geht, der hätte wohl einen besseren vergleich gefunden... tschööö eva!!! übrigens gefällt mir der begriff "relativierer" sehr gut!

relativ ist alles ok... ;-)



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Eintrag von:
dirk-torsten.krueger

vom 10.09.2007
um 17:15 Uhr
      Eva Herman - Meinungsfreiheit?
Was ist nur aus der verbrieften Meinungs-freiheit in Deutschland geworden, wenn man jetzt nicht einmal mehr eine solche Meinung über die Familienpolitik der Nazis äußern darf, ohne "erschlagen" zu werden.
Merken die Meinungsmacher eigentlich nicht, dass sie genau das praktizieren, was sie totalitären Staaten vorwerfen, dass es nämlich zu bestimmten Dingen nur eine Meinung geben darf?
Es geht nicht darum, ob eine Meinung "richtig" oder "falsch" ist sondern darum, ob man eine abweichende Meinung äußern darf.
Vielleicht verstehen die Hirne der Meinungsmacher das auch nicht mehr - dem Grundgesetz sei es geklagt.
Dr. Krüger, Odenthal


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Eintrag von:
owk_1361

vom 10.09.2007
um 18:07 Uhr
      Garantierte Meinungsfreiheit!!!
Frau Herman durfte ihre Meinung frei äußern, sie wurde nicht daran gehindert. Allerdings muss man nach dämlichen Meinungsäußerungen auch mit den Konsequenzen leben. Der Arbeitgeber hat hier völlig korrekt gehandelt. Es ist dumm, Frau Herman nun als "Opfer" von "Meinungsmachern" hinzustellen. Sie wusste genau, was sie tat, denn es war ja nicht das erste Mal, dass sie "werbewirksam" in der Öffentlichkeit auftrat.

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Eintrag von:
dr.klugi

vom 10.09.2007
um 18:29 Uhr
      Aha.
Wenn Leute die Kinderkrippen der DDR loben, bekommen sie dann auch so eins rübergepustet wie Frau Herman?
Die DDR war auch ein Unrechtsstaat mit Verfolgung, Ermordung etc. Die "Förderung" der Familie diente dort auch nur dem Zweck, viele kleine Sozialisten zu erzeugen und die Mütter als Arbeitskraft zu erhalten.

Trotzdem muss es doch heute erlaubt sein, dem eigentlichen Fördern (Kinderkrippen) positives abzugewinnen. (nicht meine Meinung, aber muss erlaubt sein!)

Gegen die Befürworter der DDR-Krippen habe ich seitens des KSTA noch nie eine dermaßen überzogene Hetzkampagne mitbekommen...

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Eintrag von:
dauli_1061

vom 10.09.2007
um 18:36 Uhr
      Blondes Bloedchen
Sorry, da ist was dran an der These mit den blonden Haaren. Leute- nehmt die Frau doch bitte nicht so ernst!


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Eintrag von:
bloed

vom 10.09.2007
um 19:24 Uhr

DDR war...

...auch scheiße! Wurden dort Menschen wegen Ihrer Herkunft, Ihrem Äußeren oder Ihrer Meinung auch vergast? Wäre dankbar für Aufklärung, anscheinent habe ich was verpasst! :-)


Quote
Eintrag von:
hholzkaemper

vom 10.09.2007
um 19:42 Uhr
      Gääähhhnnn
Warum gibt es so viel Federlesen um so unsinniges Puten-Geschnatter?
Wenn ich an die Talkrunden denke, die ich weg-zappen muss, um den geistigen Würge-Reflexen von Eva Herman zu entgehen, schlafe ich schon jetzzzz....zzz.... schnarch.....
Heike Holzkämper, Erftstadt

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Eintrag von:
amneris

vom 10.09.2007
um 21:03 Uhr

Hausfrau Herman?

Es ist sehr interessant dass ausgerechnet so eine Frau,die seit Jahren in TV arbeitet,und nachdem sie genug verdient hat sagt anderen Frauen sie sollen zuhause bleiben,super..nun jetzt hat sie dazu die Gelegenheit, zum Glück hat sie der NDR gekündigt, es waere schön wenn sie uns endlich verschonen würde mit ihren Mist [...]




Aus: "Die kühl kalkulierende Provokateurin" VON RÜDIGER HEIMLICH (09.09.07, AKTUALISIERT 10.09.07)
Quelle: http://www.ksta.de/html/artikel/1189361568233.shtml


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http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Rolle

« Last Edit: November 03, 2017, 06:58:07 nachm. by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[Mutter, erzähl von Adolf Hitler... ]
« Reply #1 on: September 18, 2007, 04:48:39 nachm. »
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Mütterliche Kontinuität

Johanna Haarer: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind. München u. a.: Lehmann 1934, 1935, 1937, 1938, 1939, 1940, 1943.

Johanna Haarer: Die Mutter und ihr erstes Kind. München: Gerber 1951, 1956, 1959, 1962, 1963, 1964, 1973, 1979, 1983, 1987.

S. auch: Johanna Haarer: Mutter, erzähl von Adolf Hitler: Ein Buch zum Vorlesen, Nacherzählen und Selbstlesen für kleinere und größere Kinder. Mit 57 Strichzeichngn v. Rolf Winkler. - München und Berlin: Lehmann 1939, 1941.

Näheres bei Sigrid Chamberlain: Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind. Über zwei NS-Erziehungsbücher. (Reihe ‘Edition Psychosozial’) 4. korrigierte Auflage. Giessen: Psychosozial Verlag 2003.


Aus: "Mütterliche Kontinuität" (Joachim Linder, 12. Sep. 2007)
Quelle: http://web23.cletus.kundenserver42.de/2007/09/12/muetterliche-kontinuitaet/

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Johanna Haarer, geborene Barsch, (* 3. Oktober 1900 in Tetschen; † 30. April 1988 in München) war eine österreichisch-deutsche Ärztin und Autorin von auflagenstarken Erziehungsratgebern (vor und nach 1945), die eng an die Ideologie des Nationalsozialismus angelehnt waren. Haarer war seit 1937 Mitglied der NSDAP und zeitweise „Gausachbearbeiterin für rassenpolitische Fragen“ der NS-Frauenschaft in München. ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_Haarer



« Last Edit: Juni 21, 2015, 01:47:40 nachm. by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[Zur „Verteidigung der Lehre“... [?] ]
« Reply #2 on: Oktober 02, 2007, 05:08:18 nachm. »
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[...] ERGENZINGEN. Zu Zeiten der Studentenbewegung war sie feministischen Positionen zugeneigt. Rund zwanzig Jahre lang driftete Gabriele Kuby dann im Esoterik- und Psychozirkus umher, bis sie 1997 zum Katholizismus konvertierte. Am Sonntag sprach sie in der Ergenzinger Liebfrauenhöhe über die von ihr gefürchtete „heimliche Gender-Revolution von oben“. Eingeladen hatte sie der Philipp Jeningen Kreis, laut Eigeneinschätzung eine „Hilfstruppe für unsere Bischöfe“ zur „Verteidigung der Lehre“.


Aus: "Wider die teuflischen Umtriebe - Die Publizistin Gabriele Kuby sieht in der bundesdeutschen Familienpolitik eine Ideologie des Bösen" (18.09.2007)
Quelle: http://www.tagblatt.de/index.php?artikel_id=1989349

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[...] Ein hysterischer Sprung zurück vor die Aufklärung: Frau Kuby, die Herrn Hoffmanns Grazer Pleite bei einem ihrer jüngsten Auftritte im Schwäbischen ganz fürchterlich beklagte, hat einen Spezialfeind, dem sie mit zunehmendem Engagement die Stirn bietet: die Weltverschwörung der Gendertheoretikerinnen.

Diese Frevlerinnen, mehrheitlich lesbisch veranlagt, hätten die Universitäten schon komplett in der Hand und setzten nun zum Sprung an, selbst im Kindergarten die unheilvolle Lehre von der Relativität der Geschlechter durchzusetzen. Es sei dies eine von langer Hand geplante Unterwanderungsaktivität, welche die gottgewollte Unterscheidung zwischen Männern und Frauen zu untergraben sich anschicke. Geheimes Ziel: der neue "Gendermensch".

[...] "Rollback". Aber was sich hier entwickelt, hat mit Rollen eigentlich gar nichts mehr zu tun. Ein hysterischer Sprung zurück vor die Aufklärung ist das, ein heißes Zurückzucken vor den Verwirrungen, welche die Paradigmenwechsel der Moderne nach sich gezogen haben, das Aufjaulen einer Gemeinde, die sich lammfromm die Erde flach, die Geschlechter eindeutig, das Bündnis von Thron und Altar gefestigt und den Bart des lieben Gottes weiß wünscht. Beim Beten sammeln diese Leute aber schon einmal die Steine ein für die Abrechnung mit all jenen, die mit ihren Ammenmärchen nichts anfangen können.

[...] Die unterschiedlichen Fraktionen dieser im Entstehen begriffenen Bewegung mögen von divergierenden Interessen angetrieben sein, ihre Ideologien mögen unterschiedlich gefärbt sein, aber eines ist ihnen allen gemeinsam: der Hass auf rationales Denken. Kritik ist ihnen zuwider, alles Gute stammt von oben oder ist von gestern; außer Hierarchie, Gehorsam, Form und Tradition zählt nichts.

Wahlweise wird die Soße mehr mit den Gewürzen "Gott", "Vaterland" oder "Abendland" abgeschmeckt, aber die Speisekarte bleibt insgesamt relativ kurz. Das kennt man. Man kennt es nur allzu gut, und in Deutschland sollten schon die Aufwärmübungen dieser Leute alle Alarmglocken läuten lassen. Natürlich ist das Gegenteil der Fall. Der altbackene Unfug findet, wie gesagt, sein Publikum; der Ekel des Menschen vor sich selbst und vor den Fehlleistungen der Moderne hat einen Grad erreicht, bei dem die mottenzerfressenen Parolen von vorvorgestern wie eine Alternative zu wirken beginnen. Der regressive Widerwille gegen die Benutzung des eigenen Verstandes feiert sich als das neue Ding.

Quote
29. September 2007 0:36
Frauen gegen Emanzipation
Jcanders (909 Beiträge seit 20.12.03)

Wenn sich Frauen wie Eva Hermann oder Gaby Kuby öffentlich gegen
Emanzipation und für ein patriarchalisches Weltbild aussprechen, ist
das hochgradig paradox. Ohne Emanzipation hätten sie gar nicht das
Recht und die Möglichkeit, sich öffentlich zu äußern, sondern sie
müßten zu Hause sein, sich um die Kinder und den Haushalt kümmern und
die Schnauze halten.
Oder anders ausgedrückt, sie benutzen die Errungenschaften der
Gleichberechtigung, um sie abzuschaffen.
Und wenn man sich solche Weiber ansieht, dann wünscht man sich, daß
sie sich an ihre eigenen Forderungen hielten. Die Gaby sieht nach so
einer verhärmten Schreckschraube aus, wie man sie auch bei auf der
anderen Seite, bei den Turboemanzen, finden könnte.

Quote
29. September 2007 1:15
Zwangsemanzipation
Gast_2342 (mehr als 1000 Beiträge seit 07.09.02)

Jcanders schrieb am 29. September 2007 0:36

...
> Oder anders ausgedrückt, sie benutzen die Errungenschaften der
> Gleichberechtigung, um sie abzuschaffen.

Mitnichten. Es geht darum, dass Frau sich emanzipieren kann und soll,
aber nicht oder nur soweit sollte, wie _sie_ es möchte. Dem
Karrierediktat einer neoliberalen Ellenbogengesellschaft, das nun
wirklich nichts mit indivueller Freiheit zu tun hat, werden die Werte
der Familien/einer Gemeinschaft entgegengesetzt.

(Übrigens liegt hier der Schlüssel, warum sich die Union die Modelle
"Fördern und Fordern" und "Familie" nicht unter einen Hut bekommt.)
[...]

Quote
29. September 2007 1:22
einfach falsch
MPolo (46 Beiträge seit 03.04.06)

> Wenn sich Frauen wie Eva Hermann oder Gaby Kuby öffentlich gegen
> Emanzipation und für ein patriarchalisches Weltbild aussprechen, ist
> das hochgradig paradox. Ohne Emanzipation hätten sie gar nicht das
> Recht und die Möglichkeit, sich öffentlich zu äußern, sondern sie
> müßten zu Hause sein, sich um die Kinder und den Haushalt kümmern und
> die Schnauze halten.
> Oder anders ausgedrückt, sie benutzen die Errungenschaften der
> Gleichberechtigung, um sie abzuschaffen.

Die Kuby kenn ich nicht. Aber alles, was hier über Eva Hermann
geschrieben wird, ist schlicht falsch. Sie argumentiert weder mit
Gott und Religion, noch befürwortet sie ein patriarchalisches
Weltbild, und sie will auch nicht die Errungenschaften der
Gleichberechtigung abschaffen. Die Hermann hat doch nichts dagegen,
wenn Frauen Karriere machen wollen. Nur sollen sie eben auch die
Freiheit haben, sich für Heim und Familie zu entscheiden. Es geht
darum, dass dieses Lebensmodell genauso wertgeschätzt wie das der
Karrierefrau. Was ist daran so schlimm?
Ich hab viel mehr den Eindruck, ihre Gegner könnten nicht rational
argumentieren, und müssen sie deshalb in die braune Ecke stellen. Ich
bin alles andere als rechtskonservativ, aber ich bin gegen
Denkverbote.

Quote
29. September 2007 1:37
Manche sind gleicher ...
Anderbruecke (705 Beiträge seit 02.02.06)

MPolo schrieb am 29. September 2007 1:22

> Die Hermann hat doch nichts dagegen,
> wenn Frauen Karriere machen wollen. Nur sollen sie eben auch die
> Freiheit haben, sich für Heim und Familie zu entscheiden. Es geht
> darum, dass dieses Lebensmodell genauso wertgeschätzt wie das der
> Karrierefrau. Was ist daran so schlimm?

Ich werde zum Hermann-Fan, wenn sie ein Buch schreibt, dass Maennern
die gleiche Wahlfreiheit nahelegt.

Quote
29. September 2007 2:12
So hatte sie das mE auch gemeint...
Patriotischer Souverän (576 Beiträge seit 05.06.07)

Anderbruecke schrieb am 29. September 2007 1:37

> MPolo schrieb am 29. September 2007 1:22
>
> > Die Hermann hat doch nichts dagegen,
> > wenn Frauen Karriere machen wollen. Nur sollen sie eben auch die
> > Freiheit haben, sich für Heim und Familie zu entscheiden. Es geht
> > darum, dass dieses Lebensmodell genauso wertgeschätzt wie das der
> > Karrierefrau. Was ist daran so schlimm?
>
> Ich werde zum Hermann-Fan, wenn sie ein Buch schreibt, dass Maennern
> die gleiche Wahlfreiheit nahelegt.

Jedenfalls habe ich schon ettliche Diskussionen mit ihr gesehen wo
sie eine solche Wahlfreiheit beiden Geschlechtern zugestand. Warum
sie dann von heute auf morgen zur 'Person non grata' erklärt wurde,
na ja das wissen wohl nur diejenigen genau die diese Medienkampagne
gegen sie durchzogen.

Beste freiheitlich-basisdemokratische Grüße!
PS

Quote
29. September 2007 14:00
Wertschätzung
Sven Türpe, Sven Türpe, Sven.Tuerpe@epost.de (mehr als 1000 Beiträge seit 05.05.00)

MPolo schrieb am 29. September 2007 1:22

> Nur sollen sie eben auch die
> Freiheit haben, sich für Heim und Familie zu entscheiden. Es geht
> darum, dass dieses Lebensmodell genauso wertgeschätzt wie das der
> Karrierefrau. Was ist daran so schlimm?

Genau das. Ich jedenfalls weigere mich, Reihenhausmuttis
wertzuschätzen, denn sie haben keine Wertschätzung verdient. Sie, die
die Straßen mit ihren Großraumlimousinen vollmachen; die sich
nachlässig kleiden, weil Haus und Auto zusammen doch ein wenig zu
teuer waren; die ihre Kinder bis in die Volljährigkeit mit
Hausaufgabenhilfe und Fahrradhelmen erniedrigen; die den lieben
langen Tag nichts tun als eine weitere Generation unselbständiger
Versager heranzuziehen, denen das Denken der Nachbarn wichiger ist
als ihr eigenes; die in ihren Häuschen und Gärtchen langsam den
Kontakt zur Realität verlieren. Wie sollte man die wertschätzen, ohne
seine Selbstachtung zu verlieren? Frauen können auf so vielfältige
Weise interessant und attraktiv sein. Warum also gerade jene
wertschätzen, die sich bewusst dagegen entscheiden, es überhaupt zu
versuchen?

SCNR,
    Sven

Quote
30. September 2007 19:38
Quatsch
asxdef (1 Beiträge seit 29.09.07)

MPolo schrieb am 29. September 2007 1:22

> > Wenn sich Frauen wie Eva Hermann oder Gaby Kuby öffentlich gegen
> > Emanzipation und für ein patriarchalisches Weltbild aussprechen, ist
> > das hochgradig paradox. Ohne Emanzipation hätten sie gar nicht das
> > Recht und die Möglichkeit, sich öffentlich zu äußern, sondern sie
> > müßten zu Hause sein, sich um die Kinder und den Haushalt kümmern und
> > die Schnauze halten.
> > Oder anders ausgedrückt, sie benutzen die Errungenschaften der
> > Gleichberechtigung, um sie abzuschaffen.
>
> Die Kuby kenn ich nicht. Aber alles, was hier über Eva Hermann
> geschrieben wird, ist schlicht falsch. Sie argumentiert weder mit
> Gott und Religion,

Anscheinend hast du null Ahnung von dem Thema:
"  KATH.NET: Haben Sie persönlich einen Bezug zur Kirche? Wie wichtig
ist Ihnen der Glaube?

Eva Herman: Der Glaube ist für mich das A und O.[...]
Wenn ich heute über den schöpfungsgewollten Auftrag von Mann und Frau
spreche,
"
-- http://www.kath.net/detail.php?id=17853

> noch befürwortet sie ein patriarchalisches
> Weltbild,

Jetzt wird's wirklich lächerlich. Du schreibst aus der Parallelwelt.

[restlichen Unfug gelöscht]


Quote
29. September 2007 16:27
Vielleicht waers gar nicht so schlecht, wenn das Abendland den Loeffel abgibt.
MaxSim (367 Beiträge seit 25.12.03)

Immer wenn in diesem Forum das Thema Religion auftaucht, schlagen die
Wellen hoch. Die 'ueblichen Verdaechtigen' schlagen sich mit den den
'ueblichen Verdaechtigen' und irgendwie entgleitet es am Ende in eine
Schlammschlacht. (Ich nehm mich hier mal nicht aus)

Der Fakt selbst, das dieses Thema polarisiert deutet aber darauf hin,
das er in der realen Welt auch polar ist. Mithin, es bestaetigt auch
die These des Beitrags, das die 'Religioesen' immer
fundamentalistischer werden.

Yossarian versteigt sich gar zu der gewagten These, das an allem
Elend der letzten 250 Jahre allein die Aufklaerung schuld hat. Und
unterschlaegt dabei die eigentlichen Fakten. Somit waer es mal an der
Zeit, das Blatt offen zu legen.

- Beinahe jeder Voelkermord der Neuzeit war religioes motiviert. Die
Linie zieht sich von der Bartholomaeusnacht ueber die gemeuchelten
Juden des 2. Weltkriegs bis hin zu Srebrenica oder 911. Die kath.
Kirche im speziellen war steigbuegelhalter des Faschismus, nach
dessen Etablierung Unterstuetzer und nach Ende des Terrors
Schutzpatron. Man hatte ja den gemeinsamen Feind - das
'Weltjudentum'. Jetzt kommt meistens: 'Ja, die haben das Christentum
nur missbraucht, in Wirklichkeit ..bla bla'.
Die Wirklichkeit ist aber genau die. Das Konzept 'Religion' an sich
ist schlecht. Denn dieses Konzept ermoeglicht es Menschen, sich nicht
der Verantwortung zu stellen, sondern diese zu delegieren. Ein
Konzept, das die Handlungsmaxime durch etwas nicht greifbares, ergo
transzendentes oder mythisches erteilen laesst ist zwingende
Notwendigkeit fuer die unglaublichen Verbrechen, die sich die
Menschen geleistet haben.
Der Humanismus und die Aufklaerung stellen den Menschen in den
Mittelpunkt und machen derlei Missbrauch unmoeglich. Fehlt der
Mensch, ist er selbst, eingebettet in seiner Sozialisation, dafuer
verantwortlich. Mithin waeren solche paraphrasen wie 'Fuer Gott und
Vaterland' keine Enstschuldigung mehr fuer das darauf unweigerlich
folgende Schlachten.

- Einzig die Aufklaerung hat sich am Bild des Menschen orientiert.
Andere brauchen 'Fuehrer', 'Gott' oder was auch immer. In jedem Fall
etwas, das (zumindest tendenziell) transzendent ist. Den Kapitalismus
und seine zuweilen brutalen Auswuechse als Produkte der Aufklaerung
hinzustellen ist ein netter Versuch, geht aber am Thema vorbei.
Ausbeutung ist keine Erfindung der Neuzeit und Kapitalismus nicht per
se ausbeuterisch. Was z.B. ist R.Owen - ein Unternehmer, der Kapital
einsetzt um Mehrwert zu erzeugen - also gleichzeitig ein Meucheler
wie die Orthodoxen Killer in Srebrenica ?
Die aeltesten Gewerbe der Welt sind Sklaverei und sein Derivat die
Prostitution. Beides wird bis heute direkt und indirekt durch die
Religion geschuetzt. Ausbeutung funktioniert mit Religion nun mal
viel besser. Entscheidender aber ist, das purer Rationalismus wie ihn
'der boese Kapitalist' an den Tag legt berechenbar ist. Gier und
Geilheit religioes verbraemt und impliziert, sind unberechenbar.

- Wenn sich die 'Welt'-Religionen in einem einig sind, dann ist es
der Hauptfeind - die Unglaeubigen. Hier hat sich bei der
Karikaturendebatte auch gezeigt wie eng der Schulterschluss zwischen
Christenheit und Islam ist. Grund genug fuer den Inquisitionspapst
beim Istanbulbesuch schon mal die Achse zu schmieden. Oder fuer die
Deutschen Christsozialen auf die Fundipauke zu hauen.

- Sieht man die Verbrechen der Kirche(n), ist man in Europa versucht,
die auf die Vergangenheit zu projezieren oder bei den 'ganz boesen
Moslems' auch mal saf die Gegenwart. Ich weiss nicht genau, wieviele
Menschen in Afrika und Asien jeden Tag an Aids sterben, weil ihnen
die eine oder andere Religion gepredigt hat: Du sollst kein Kondom
benutzen... Da stellen sich da Kath. Bischoefe in Mosambique hin und
behaupten eine Weltverschwoerung hat die Kondome mit Aids verseucht.
Somit ist es auch kein Wunder, das Laender wie das kath. Polen am
liebsten die Tosdesstrafe wiederhaetten. Hier steht das inhumane -
transzendente Weltbild der Christen dahinter. Denn nach erfolgter
Verbrennung (oder was man sich in Polen so gedacht hat) steht das
eigentliche 'wahre' Gericht.

- Wenn die Religionen etwas am meisten missbrauchen, dann ist es die
Religionsfreiheit der Aufklaerung. Beinahe jede Kritik an der
Religion wird mit der Religions-Freiheits-Keule niedergeknueppelt.
H.M.Broder hat schon recht, wenn er schreibt, 'Hurra wir
kapitulieren'. Nur verschweigt er, das das fuer alle
'Welt'-Religionen gilt. Ich wohne in China und habe gerade den Bau
von zwei Kirchen in meiner Stadt mitansehen muessen. Eine
Institution, die unendlich viel Leid ueber das Land gebracht hat, von
dem man im Westen beinahe nichts weiss. Normalerweise haetten
Anwohner den Bau verhindern muessen - und zwar so wie z.B. Giordano
in Koeln die Moschee zu verhindern sucht. Aber was ginge da fuer ein
Geschrei in der Welt los... Religionsfreiheit, Unterdrueckung ... bla
bla. Seitdem die 'Speerspitzen der Freiheit' dastehen finde ich
beinahe jeden Tag christliches Zeug in meinem Briefkasten und auf der
Strasse quatschen mich regelmaessig Christen an, das ich mir
irgendwas an die Jacke kleben soll .... Religionen nutzen und
missbrauchen die Religionsfreiheit fuer ihre Expansionsgelueste -
auch Mission genannt.

- Ich persoenlich denke nicht, das Ratzinger & Co. an den Schotter
glauben, den sie predigen. Sondern viel mehr meine ich, das diese
Behoerde im Laufe ihrer 1,300 Jaehrigen Geschichte herausgefunden
hat, wie mans richtig macht. Wie man Macht, Geld und Einfluss
zurueckgewinnt bzw. erhaelt. Die andere Filiale derselben Firma ist
lediglich dabei sich als Spin Off zu artikulieren und was zaehlen da
schon ein paar Menschenleben .....

Quote
29. September 2007 20:17
kranker Beitrag
romyo (69 Beiträge seit 27.06.07)

MaxSim schrieb am 29. September 2007 16:27
>
> - Beinahe jeder Voelkermord der Neuzeit war religioes motiviert. Die
> Linie zieht sich von der Bartholomaeusnacht ueber die gemeuchelten
> Juden des 2. Weltkriegs
Weil die Juden als Gruppe von einer atheistischen Regierung
vernichtet wurden, ist auf einmal die Religion schuld?!? Kranker
gehts nicht.
> bis hin zu Srebrenica oder 911.
Mal angenommen, die offizielle Version von 911 stimmt. Dann brauchst
du dir nur eins von den Tapes anschauen und wirst sehen, dass es
nicht wegen der Religion war, sondern wegen der Verbrechen der USA.
Christen gaebe es auch naeher an Afghanistan.

Fakt ist: Die Genozide der Neuzeit waren NICHT religioes motiviert.
Weder die Vernichtungen im 2.WK eines atheistischen Hitlerregines,
noch der Gulag des atheistischen Kommunismus, noch die Mao-Revolution
mit ihren zig Millionen Opfern, noch der Voelkermord in Ruanda.
Waeren diese Gesellschaften religioes gewesen, dann haette ihre
Religion sie daran gehindert, so etwas zu tun.

> Der Humanismus und die Aufklaerung stellen den Menschen in den
> Mittelpunkt und machen derlei Missbrauch unmoeglich.
Der Humanismus und die Aufklaerung im Sinne von Abschaffung der
Religion haben das Aufkommen der brutalen Ersatzideologien erst
ermoeglicht.

Quote
30. September 2007 7:32
Nein
Gre Gre (37 Beiträge seit 20.09.07)

nachtlauf schrieb am 29. September 2007 23:35

> MaxSim schrieb am 29. September 2007 16:27
>
> > - Beinahe jeder Voelkermord der Neuzeit war religioes motiviert. Die
> > Linie zieht sich von der Bartholomaeusnacht ueber die gemeuchelten
> > Juden des 2. Weltkriegs bis hin zu Srebrenica oder 911. Die kath.
> > Kirche im speziellen war steigbuegelhalter des Faschismus, nach
> > dessen Etablierung Unterstuetzer und nach Ende des Terrors
> > Schutzpatron. Man hatte ja den gemeinsamen Feind - das
> > 'Weltjudentum'. Jetzt kommt meistens: 'Ja, die haben das Christentum
> > nur missbraucht, in Wirklichkeit ..bla bla'.
>
> Die Völkermorde der Neuzeit haben eher ethnische, denn religiöse
> Hintergründe. Der Holocaust war ein rein rassistisch motivierter
> Völkermord und hatte nicht das geringste mit Religion zu tun. Es sei
> denn man betrachtet die nationalsozialistische Ideologie als eine
> neue Form der Religion.
>

Das ist zwei Mal falsch
1. Sind Juden und waren auch damals nicht eine ethnische Gruppe, sie
waren ebenso oder vlllt mehr "deutsch" als Hitler. Das ganze auf
ethnische Ursachen zurückzuführen heißt nichts anderes, als die
Rassenideologie der Nazis zu übernehmen - was dir nicht unterstellen
will, aber das ist die Logik.
2. Findet die Wurzel der Nazi-Judenverfolgung eben in dem
vorhergehenden Antisemtismus der christlichen Kirchen, kein Holocaust
ohne fast tausend Jahre Haßpredigten auf Juden
3. lassen sich alle Genozide der Neuzeit auf ökonomische Ursachen,
soziale Ursachen u. ä. zurückführen, zwischen Hutu und Tutsi etwa
lassen sich sozioökonomische Ursachen finden, siehe Jared Diamonds
"Kollaps". Ausnahmen wären etwa Südafrika, aber auch hier ging es den
Weißen in erster Linie um den Raub oder Bewahrung von unrechtmäßig
angeeigneten Gütern. Die Gulags finden ihrerseits - sieht man von
Stalins Wahn ab - ihre Tradition im zaristischen Rußland, sind also
Überbleibsel einer Zeit, als man so was noch für weniger anstößig
hielt.
Quote
1. Oktober 2007 0:30
Re
nachtlauf (315 Beiträge seit 30.07.07)

Gre Gre schrieb am 30. September 2007 7:32

> Das ist zwei Mal falsch
> 1. Sind Juden und waren auch damals nicht eine ethnische Gruppe, sie
> waren ebenso oder vlllt mehr "deutsch" als Hitler. Das ganze auf
> ethnische Ursachen zurückzuführen heißt nichts anderes, als die
> Rassenideologie der Nazis zu übernehmen - was dir nicht unterstellen
> will, aber das ist die Logik.

Wollen wir einmal ein paar Sachen wieder auf die Füsse stellen.
Hitler war derjenige, der die Judenfrage in Europa mit aller Gewalt
lösen wollte und diesen Irrsinn auch in die Tat umsetzte. Die
Vernichtung der Juden wurde mit der "Rassentheorie", oder
"Rassenkunde" begründet, aber die Ursprünge für diese Theorie liegen
viel weiter zurück. [...]







Quote
2. Oktober 2007 0:04
fundamentale Unterschiede
mauricetwin (mehr als 1000 Beiträge seit 31.03.03)


> Der Fakt selbst, das dieses Thema polarisiert deutet aber darauf hin,
> das er in der realen Welt auch polar ist. Mithin, es bestaetigt auch
> die These des Beitrags, das die 'Religioesen' immer
> fundamentalistischer werden.
>

als meine Oma noch zur Schule ging, war es üblich, dass sich
Katholiban und Evancholeriker gegenseitig mit Steinen beschmissen.
Der große Unterschied zu damals ist, dass heute Gewalt zunehmend in
virtuellen Räumen, wie zum Beispiel diesem hier abgewickelt wird. [...]






Aus: "Katholiban - "Wertkonservative" und andere Wellenreiter der Reaktion" Marcus Hammerschmitt (29.09.2007)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26288/1.html


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[Mich gruselt's... (Papsttreue Katholiken jubeln für Eva Herman)]
« Reply #3 on: Oktober 09, 2007, 01:12:02 nachm. »
Quote
[...]  Die umstrittene Ex-Moderatorin, Autorin der Bücher „Das Eva-Prinzip" und „Das Prinzip Arche Noah", konnte sich des Beifalls der in Fulda Versammelten sicher sein. Sie spricht, wiederholt mit frenetischem Beifall bedacht, über das „Selbstverständnis der Frau“. Die Autorin prangert eine „Krippenideologie“ an, äußert sich „fassungslos“ darüber, dass Mütter heutzutage offenbar nur dann etwas wert seien, wenn sie einer Erwerbstätigkeit nachgingen. Und sie bemängelt, dass viele Mütter es sich nicht leisten könnten, nicht erwerbstätig zu sein.
Zur jüngsten Kritik an ihrer Person stellt die Ex-Tagesschausprecherin fest, ihre Äußerungen seien verfälscht und aus dem Zusammenhang gerissen worden. Und sie merkt an: Wer heutzutage von Werten wie Liebe, Familie, Kinder spreche, werde gleich mit dem Dritten Reich in Verbindung gebracht. Auch Professor Gindert nahm Herman vor dem Vorwurf einer Nähe zu nazistischem Gedankengut in Schutz.

Der Kongress ging in einer Entschließung „einstimmig" auf Konfrontation zur Politik von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Ihr Ministerium verfolge das Ziel, Kinder schon in den ersten drei Lebensjahren aus der Familie zu nehmen und in Betreuungseinrichtungen unterzubringen.

Die Resolution fordert eine wirkliche Wahlfreiheit durch finanzielle Hilfen für Eltern, die ihren Nachwuchs in den ersten drei Jahren selbst erziehen. Diese sollten den vollen finanziellen Ausgleich dessen erhalten, was Kindertagesstätten die Allgemeinheit kosteten. Damit identifizierte sich der Fuldaer Kongress im wesentlichen mit der Position, die der Augsburger Bischof Walter Mixa im Streit um die Familienpolitik der Regierung eingenommen hat.

Scharfe Kritik wurde am Gleichbehandlungsgesetz der Großen Koalition laut. Es könne zur Einschränkung der Meinungs- und Religionsfreiheit führen, fürchten sie. Katholiken könnten möglicherweise die Lehre ihrer Kirche nicht mehr in der Öffentlichkeit vertreten, ohne sich strafbar zu machen. Das gelte zum Beispiel für die „Überzeugung", dass Abtreibung „ein verabscheuungswürdiges Verbrechen" sei und homosexuelle Praxis eine „schlimme Verirrung".

Quote
Knut meint:
07-10-2007, 19:33 Uhr
Ich bin evangelisch und finde Eva Hermans Aussagen durchaus berechtigt. Eine Frau muss die Freiheit haben darüber selbst zu entscheiden ob sie ihr Kind in die Krippe gibt oder nicht. Allerdings würde ich vom Staat kontrollieren lassen, ob das Geld wenn die KInder nicht in die Krippe kommen im Sinne der Kinder verwendet wird und nicht für Alkohol, Zigaretten oder Technikkram von asozialen Eltern ausgegeben wird.

Quote
Sirius meint:
07-10-2007, 19:44 Uhr
Frenetischer Beifall brandete mehrmals bei der Rede von Eva Herman auf.

Mit diesem Beifall haben die paar Hundert Katholiken dem zutiefst verlogenen Zentralrat der Juden und den rückgratlosen Politikern ein paar Watschen um die Ohren gehauen, ins Schienbein und in den Hintern getreten.

Schön diese Ovationen für Eva Herman und Schande dieser verlogenen Brut, die sie kritisierten.

Quote
Antidote meint:
07-10-2007, 19:49 Uhr
Kaum einer kennt das Originalzitat von Eva Herman, was das dann zum moderen medielen "Hexenprozeß" der 68er geriet. Mag sich jeder seinen eigenen Reim daraufmachen.

---------------

Originalzitat Eva Herman

“Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen
auch ‘ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien.
Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder
wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf
folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch
alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ‘ne grausame Zeit, das war ein
völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins
Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was
gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das
ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben….“

Eva Herman, im September 2007

Quote
MaxMüller meint:
07-10-2007, 21:30 Uhr
@Steven: Danke!

Eines muß ich noch loswerden: Es werden beim NS-Vergleich von Frau Herman auch Kommentare wie:"Unter den Nazis waren Frauen nur Gebärmaschinen" laut.

Was sind dann die modernen Frauen von heute, wenn sie nur ihr Kind schnell "werfen" sollen um das Kind in staatliche Obhut zu übergeben und dann sofort wieder der Wirtschaft zur Verfügung zu stehen. DAS sind die wahren Gebärmaschinen.

@Marco Voigt: Die katholische Kirche vertritt eine Familienpolitik, die seit tausenden von Jahren und schon lange vor den Nazis so gehandhabt wurde. Sie sind auch einer dieser "Deutschenhasser" der alles in den Dreck zieht wegen zwölf dunkler Jahre unter der Hitlerdiktatur. Nach ihrer Logik dürfte man beispielsweise auch keinen 1. Mai feiern, den haben nämlich auch die Nazis als Feiertag eingeführt.

Quote
steven meint:
07-10-2007, 21:43 Uhr
Die Welt, oder die welt von jedem Individuum ist in Gut und Böse aufgeteilt.
Gut ist Leben.(Gott)(Wahrheit)
Böse ist Tod.(Teufel)(Lüge)

Die deutsche Bevölkerung oder die Geburtenrate ist oder war rückläufig. Dies ist böse.
Wer dafür verantwortlich war ist böse.
Wer dies ändern will ist Gut.

Quote
H.Mohr meint:
07-10-2007, 21:40 Uhr
Ich fand Eva Hermann sehr mutig.
Jemand. der so dem Zeitgeist widerspricht, hat noch Rückgrat.
Der NDR hat sich primitiv verhalten.
Ich weiß, wovon ich rede. Ich war berufstätig und Mutter.
Es war schlimm.
Mich wundert nicht, dass so wenig Kinder geboren werden.

Quote
Münchner Kindl meint:
07-10-2007, 23:20 Uhr
Ach ja, NS-Ideologie... Es gibt auch heutzutage noch soviel teils unverhülltes, teils offenes rassistisch-faschistoides Denken und Verhalten allenthalben in der Welt, daß man mit Sanktionen gar nicht mehr nachkäme. Gemessen an Eva Hermans Ausrutscher oder Unbedachtheit - was auch immer -, ist ihr Rauswurf beim NDR und sind die persönlich gefärbten Ausfälle gegen sie in den Medien eine hysterische Hexenjagd. Frau Herman gilt meine Sympathie, auch wenn ich ihrer Auffassung zu Familie und Muttertum in Nazideutschland nicht beipflichte.

Quote
H. Schoppe meint:
08-10-2007, 00:23 Uhr
Ich verstehe die Welt und Teile der Kirche nicht mehr. Da jubelt das Forum Deutscher Katholiken einer Eva Herman zu, die zum vierten Mal verheiratet ist. Quo vadis Deutschland?

Quote
Joseef Bujtor meint:
08-10-2007, 03:59 Uhr
Das dürfte der 50. Kommentar sein zu diesem Beitrag. Das zeigt, wie sehr diese die Menschen in unserem lande umtreibt. Die einen sind immer da, wenn sie einen antichristlichen Schmaus riechen. Das sind die leute, die keine Gelegenheit verpassen, uns Christen eins zu verüpassen. Die Frage ist denen nicht wichtig. Die "richtige" Antwort haben die immer: wir Christen sind an allem schuld.
Ich freue mich, dass es Gruppen gibt, die sich nich zum Schweigen bringen lassen. Und wenn unsere Gegner keine Argumente mehr haben, was bei denen oft vor kommt, beschimpfen die uns als Faschisten. Aber damit stellen die sich selbst das Armutszeugnis aus. Die reden von "Redefreiheit", ja, aber nur wenn du sagtst was ich sage. Wir dürfen frei Reden, solange wie wir sagen, was die uns in den Mund legen wollen.

Quote
  fassungslos  meint:
08-10-2007, 06:36 Uhr
Ok, sie haben einen Völkermord begangen, sie haben Millionen von Menschen Elend und Tod gebracht und unser Geschichte mit einem widerlichen, unauslöschlichen Schandfleck besudelt, aber das mit dem Mutterkreuz war echt Klasse. Irgendjemand hat hier geschrieben, dass konservative Familienpolitik älter sei als der Nationalsozialismus. Das stimmt, und deshalb muss auch niemand die Nazis als Vorbild für gelungene konservative Familienpolitik präsentieren. Wer dies doch tut ist entweder unsäglich dumm oder aber weiß ganz genau was er da tut. In beiden Fällen hat sich eine solche Person in der Öffentlichkeit ein für alle Male disqualifiziert. Ein Treffen erzkonservativer, 'papsttreuer' Katholiken ist allerdings durchaus das passende Forum für solch Ansichten.
[...]

Quote
Knut meint:
08-10-2007, 06:53 Uhr
Frauen sollen sich bemühen erstklassige Frauen zu sein, anstatt zweitklassige Männer. Männer sollen sich bemühen erstklassige Männer zu sein, anstatt zweitklassige Frauen. die Schöpfung hat uns unterschiedlich und damit eigenartig sowie einzigartig erschaffen, warum sollen der Schöpfung ins Handwerk fuschen? Soviel meine Gedanken zur Emanzipation.
erwiesen ist das Kinder die die ersten drei Jahre bei der Mutter aufwachsen besser gedeihen als Krippenkinder.

Quote
Bauer Gerhard meint:
08-10-2007, 07:48 Uhr
Bravo Eva Herman.
Bravo Bischof Mixa.

Quote
  Karlheinz  meint:
08-10-2007, 08:09 Uhr
Ich empfehle, die Zahlung der GEZ-Gebühren einmal mit dem Hinweis "Nicht einverstanden mit dem Rauswurf von Eva Herman" auszusetzen. Alles andere bingt nichts.

Quote
Freidenker meint:
08-10-2007, 08:52 Uhr
Was ist nur aus der Welt geworden? Was früher mal ein Flaggschiff des nichtlinken Journalismus war, hat heute nichts besseres zu tun als sich an jeder antifaschistischen Hetze zu beteiligen. Die Kette ist inzwischen lang: Sebnitz, Mügeln, Martin Hohmann, jetzt Eva Herman. Anstatt sich vom üblichen linken Mainstream abzusetzen und der besonnenen Vernunft eine Stimme zu geben, springt man lieber auf linke Züge auf. Axel Springer würde sich im Grabe umdrehen. Schade, schade: eine einst niveauvolle Zeitung ist total vor die Hunde gekommen. Menschen mit Verstand bleibt als Tageszeitung nur noch die FAZ.

Quote
SMH meint:
08-10-2007, 09:32 Uhr
"Die Resolution fordert eine wirkliche Wahlfreiheit .... "
damit ist eigentlich alles gesagt. Katholiken fordern nichts anderes als Freiheit der Möglichkeiten und protestieren gegen staatliche Vorschriftenmacherei.
Hierüber kann man sich in einer Demokratie nur freuen.
Anti-Schreihälse haben das eigentliche Anliegen nicht verstanden.

Quote
Haudraufundschluß meint:
08-10-2007, 10:02 Uhr
Eva Herman hat meine vollste Unterstützung
Meine Kinder werden zu Hause erzogen und
betreut.Ich habe es auch in meiner Jugend genossen.Scheiß auf das Geschrei der linken Arschl....r.Ich muß nicht jedes Jahr dreimal in den Urlaub und benötige auch nicht immer ein neues Auto.

Quote
  kein Evas Bücher Leser  meint:
08-10-2007, 10:09 Uhr
---------------------
Haudraufundschluß
08-10-2007, 10:02 Uhr
Ich muß nicht jedes Jahr dreimal in den Urlaub und benötige auch nicht immer ein neues Auto.
-----------------------------


Du nicht, aber Eva Herman...
deswegen hat die Tante Eva ihre Bücher geschrieben und versucht sie an Dich zu verkaufen.

Quote
Kinder und Karriere meint:
08-10-2007, 10:29 Uhr
Ich bin ein wenig entsetzt über die stockkonservativen Ansichten in diesem Forum. Ich bin eine Frau, 27 Jahre alt, habe ein 6-jähriges Studium abgeschlossen und einen guten Job gefunden. Das soll ich alles aufgeben, weil ich Kinder will - und damit rechnen muss, keinen Betreuungsplatz für sie zu finden? Wann wird denn Frauen dann verboten, Abitur zu machen und ein Studium aufzunehmen - weil es den Steuerzahler belastet und der Platz der Frau ja sowieso am Herd und am Wickeltisch ist? Mich gruselt's...


Aus: "Familienpolitik: Papsttreue Katholiken jubeln für Eva Herman" Von Gernot Facius (7. Oktober 2007)
Quelle: http://www.welt.de/politik/article1242934/Papsttreue_Katholiken_jubeln_fuer_Eva_Herman.html


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[Zur Theorie der weiblichen Maskerade... (Notiz, Geschlechterstudien)]
« Reply #4 on: November 03, 2007, 01:42:24 nachm. »
Quote
[...] Die Spionin ist eine Schauspielerin: Ihre Rolle ist die der erotischen Frau. Sie spielt
Theater und das so perfekt, dass ihre "Opfer“ das Vorgetäuschte nicht erkennen.
Wie sich die Spionin der weiblichen Maske im Einzelnen bedient, inwieweit sie sich
darüber bewusst ist und wie vielfältig die weibliche Maske sein kann, zeigen die
folgenden Beispiele.

Aus dem Erlebnisbericht einer Spionin erfahren wir, dass sie sich absolut darüber
bewusst ist, wie sie ihre Weiblichkeit einzusetzen hat und was dies bei ihrem Opfer
bewirkt:

Quote
Gestern hatte ich eine Verabredung mit dem Deckoffizier. Der arme Teufel ist
leidenschaftlich in mich verliebt. Er will mich sogar heiraten. Er lud mich ein ihn auf
dem Schiff zu besuchen, ich habe natürlich angenommen und machte mich
anheischig, in seiner Gesellschaft bis in den Kartenraum zu kommen. Zwei dunkle
Augen tun dann das ihre...29

Von dem verliebten Deckoffizier spricht sie ironisch als dem „armen Teufel“ – seine
Gefühle kommen ihr jedoch zupass, sind Bestandteil ihrer Arbeitsweise.
Für jede Situation hat sie das passende – „weibliche“ – Mittel, um ihr Ziel zu
erreichen. Ein tiefer Blick – und schon wird ihr der Zugang zum Kartenraum gewährt.
Es scheint, als hätte sie ein unbegrenztes Repertoire erotischer Mittel, die sie je nach
Bedarf anzuwenden weiß. Und auch in ihrer Rollenvielfalt ist sie nahezu unbegrenzt:

Quote
Der alte B. auf dem Kohlenamt interessiert mich. In seinem Leben spielen die Frauen
eine große Rolle. Ein verführerisches Weib kann da viel machen. Ich weiß noch nicht,
ob ich als Holländerin oder Amerikanerin auftreten soll.

Das Gerüst ihrer Rolle steht fest: weiblich und verführerisch muss sie sein, um ihr
Ziel zu erreichen. Ausschmücken kann sie die Maskerade aber ganz nach Belieben:
ob Holländerin oder Amerikanerin – das entscheidet die mutmaßliche Vorliebe des
„Opfers“. Sie ist bereit in jede Rolle zu schlüpfen.
Dabei wechselt die Spionin nicht nur die Maske „Nationalität“:

Quote
Als Edelnutte aufgemacht, trieb sie sich in Frankreich und Belgien herum und
verstand es alte und junge Offiziere durch ihre Harmlosigkeit zu täuschen und ihre
sexuelle Raffiniertheit zu verwirren. In England spionierte sie als Malweib. (...) Als
Krankenschwester geht sie über Paris mit gefälschten Papieren an die belgische
Front (...). als belgische Bäuerin (...) landet sie bei den deutschen Vorpostentruppen.
In Berlin ist sie nun auf lange Zeit hinaus die Seele der Agentenzentrale (...).“30
[Begriffe wurden von mir kursiv gesetzt, B.B.]

Im weiteren Verlauf ihres Agentinnendaseins übernimmt die Spionin mit dem
Spitznamen „Fräulein Doktor“ noch die Rolle einer „erbärmlichen Provinzschlampe“,
die des „Zimmermädchens“ und wiederum die der „Krankenschwester“.31 Wobei

gerade der Auftritt als Krankenschwester, die als harmlose, mütterlich-schwesterliche
weiße Frau verstanden wird32, eine besonders gute Tarnung ist.

Allein in diesem kurzen Lebensbericht sind es acht verschiedene Masken, die eine
Spionin in ihrer Agentinnen-Laufbahn anwendet – nicht umsonst zieht der Autor eine
Parallele zur Schauspielerei und bezeichnet die verschiedenen Auftritte der Spionin
als „Gastspiele“33. Sie benutzt die Masken immer, um ihre eigentlichen Absichten zu
verschleiern bzw. darüber durch ihre „Harmlosigkeit“ und ihre „sexuelle Raffiniertheit“
hinweg zu täuschen.
Fällt die Maske – hier in dem Moment, als „Fräulein Doktor“ die „Seele der
Agentenzentrale“ wird, kommt ein aggressives – „männliches“- Verhalten zum
Vorschein:

Quote
Man rühmt ihr insbesondere die scharfe Rücksichtslosigkeit nach, mit der sie den
letzten gefügig machte. Jeder wird irgendwie gewickelt oder – und sie hat das oft
getan – ans Messer geliefert. Zum Selbstmord getrieben.

Wieder wird deutlich, dass unter weiblicher Maskerade „Männlichkeit“ verborgen
liegt. Das allerbeste Beispiel für weibliche Maskerade als Schutz vor Unterstellung von
feindlichen Absichten ist jedoch folgendes:

Quote
(...) Die falsche Krankenschwester an der Ostfront in der galizischen Ambulanz,
Schwester Innocentia, die schönste, berufsergebenste und erotisch unzulänglichste
Schwester, deren größte Eigentümlichkeit bei näherem Zusehen eine – gigantische
Schuhnummer war. Karl Nowolny, ein österreichischer Nachrichtenoffizier, war so
schamlos, ihre Entkleidung zu veranlassen und fand darunter den russischen
Generalstabsoffizier Gerson Wassilj Wassiljewitsch, der seine Maskerade mit dem
Leben bezahlte.34

Ein Mann, der seine Männlichkeit unter einer Maske der Weiblichkeit verbirgt, um so
vor Spionagevorwürfen geschützt zu sein. Hier sieht man am Besten, wie tief die
Unterschätzung alles „Weiblichen“ verankert ist: Wäre die Maskerade
Wassiljewitschs perfekt gewesen, so hätte ihn niemand behelligt.
Weiblichkeit und Gefährlichkeit werden nicht zusammen gedacht und bieten so den
Deckmantel für konspiratives Handeln.

32 Vgl. Theweleit, Klaus, Männerphantasien, Frankfurt am Main/ Basel 1977/ 78. [z.B. 1. Kap. Die Gräfin von
Schloß Sythen. Die weiße Krankenschwester, S. 92-98] .
33 Hirschfeld, Magnus (Hg.), Sittengeschichte, S. 124.
34 Ebd., S. 129.



[...] Indem sich eine Frau die weibliche Maske aufsetzt und damit schwach und naiv
auftritt, bestätigt sie diese Stereotypen. Ihr Verhalten wird nicht als Mittel zum Zweck,
bzw. situationsbedingte Handlungsweise zur Erreichung eines Ziels verstanden,
sondern als allgemein gültige Bestätigung traditioneller Rollenzuweisungen.
Damit geht nicht nur eine Festschreibung der weiblichen Rolle einher: Weibliche
Maskerade konstituiert auch ein bestimmtes Bild von Männlichkeit.
So stellt Adria E. Schwartz, die sich in dem Aufsatz „Postmodern Masquerade“40 mit
Rivieres Theorie beschäftigt, fest, dass betontes feminines Auftreten traditionelle
Männlichkeit stärkt. In den 50er bis 70er Jahren hätten Mütter ihren Töchtern
geraten, immer auf das männliche Ego zu achten – „it’s a fragile thing“41.
Die Töchter sollten also möglichst keine Konkurrenz zwischen sich und ihren
Männern aufkommen lassen – damit sich diese nicht bedroht fühlten oder gar in eine
Männlichkeitskrise fielen.




Aus: "Gender Studies - Geschlechterstudien | PS Gender, Sexualität und der/ die SoldatIn - Sommersemester 2003, Dr. David Prickett
"Gefährlich harmlos: Die erotische Spionin und Rivieres Theorie der weiblichen Maskerade" Humboldt-Universität Berlin – Philosophische Fakultät III;Birte Bogatz (2003)
Quelle: http://www.gender.hu-berlin.de/w/files/ztghausarbeit/die_erotische_spionin_und_rivieres_theorie_der_weiblichen_maskerade_kuwi_bogatz.pdf





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[Blond als Machtinstrument [?!]... (Notiz, Artikel sind wie Blondinen)]
« Reply #5 on: November 22, 2007, 03:40:30 nachm. »
Quote
[...] Wenn auf sexuelle Reize unterschwellig reagiert wird, dann könnte dies voraussetzen, dass die bewusste und überlegte Entscheidung blockiert wird. Blondinen würden demgemäß einen intellektuellen Kurzschluss auslösen. Das offenbar wirksame Stereotyp von den dummen Blondinen wäre dann aber gerade für diese ein Machtinstrument – und für alle Frauen, die sich ihre Haare blond färben lassen.

Quote
19. November 2007 14:08
Manche TP Artikel sind wie Blondinen (kt)
PurplePill (212 Beiträge seit 04.08.07)

kt

Quote
19. November 2007 14:05
Kann ich bestätigen...
Die mit dem roten Halsband (5 Beiträge seit 03.11.07)

Ich hatte mir vor ca. 3 Jahren die Haare blond gefärbt.
Bin jetzt wieder bei schwarz.

Ich möchte ja nicht behaupten das die Leute sich sonst beim anmachen
sehr klug anstellen würden, und ich bin da auch normalerweise sehr
nachstichtig mit den Jungs, weil es gehört schon etwas Mut dazu eine
Frau anzusprechen und viele sind dann nervös weil sie vielleicht
Angst haben sich zu blamieren oder denken ich würde sie vielleicht
beissen wenn sie mich ansprechen.

Aber was da alles versuchte mich flach zu legen, tststs. Ich meine
damit jetzt nicht wie die Kerle aussahen, sondern wie dumm sie sich
bei der "Balz" anstellten. Ich bin ja echt kein Kind von Traurigkeit,
aber mit so Sprüchen wie "Ey Zuckertittchen, was geht?" / "Ficken?"
oder gleich angrabschen ist bei mir nichts zu holen.

Nee also mir war das irgenwann einfach zu viel Aufmerksamkeit vom
flaschen Publikum (dumme Männer).

Jenny

Quote
19. November 2007 13:29
hmm, das war aber nicht so ein spannender Artikel
Mythenmetz (mehr als 1000 Beiträge seit 12.01.05)

abgesehen davon, dass ein ähnlicher Artikel auch gerade auf Spon zu
lesen ist, ist es besonders erwähnenswert was Männer über Blondinen
denken? WEn interessiert das? Macht das die Welt besser über
Blondinen zu forschen, oder ist das nicht nur Boulevarddreck? Gut,
ich hätte es ja nicht lesen müssen, aber ich dachte das vielleicht
noch irgendwo ne geile Blondine abgedruckt ist... noch nicht einmal
das!


Quote
19. November 2007 14:19
re: so, jetzt habe ich mir die Blondinen ... angeschaut
Subzero (mehr als 1000 Beiträge seit 06.06.00)
Mythenmetz schrieb am 19. November 2007 13:33

> jetzt kann ich mich also lt. Aussagen des Artikels nicht mehr so gut
> konzentrieren???

Das stimmt schon. Einfache Begründung: Schlüsselreiz und dessen
Folgen. Gott ist ein Arschloch, er hat uns zwar Hirn und Schwanz gegeben,
aber nicht genug Blut für beides.

...


Quote
19. November 2007 14:13
Männer in Paris X-Nanterre ..
boyfrombeach (mehr als 1000 Beiträge seit 13.02.04)

Es wurden nicht zufällig Probanden aus der Nachbarschaft
angesprochen?? In manchen Aussenbezirken der französischen Hauptstadt
ist der Anblick von nicht-verschleierten Frauen, und Blondinen
insbesondere, schon etwas sehr aussergewöhnliches.

Kann der Test nochmal mit schwedischen Männern wiederholt werden, um
etwas mehr Aussagekraft zu erhalten?

Quote
19. November 2007 14:44
na ja
elfboi, schwarzlicht@gmx.de (mehr als 1000 Beiträge seit 30.06.01)

Bei mir wirkt's nicht, ich finde hingegen den Schneewittchen-Typ
unwiderstehlich - blasse Haut und schwarze Haare. Das ist aber noch
nichts gegen rote Haare und Sommersprossen... <3 ^_^

Quote
9. November 2007 14:59
Na gut, dass ich mehr auf dunkle Frauen stehe
Henrik Höfgen (679 Beiträge seit 07.07.07)

Da mache ich mich in deren Anwesenheit nicht so leicht zum Tölpel.
:-)

Aber wie intelligent oder dumm eine Frau ist, erkennt man am Ausmaß
von modischen Assecoirs und Makeup. Generell gilt, je mehr Tusche im
Gesicht, desto hohler hinterm Gesicht, und je kleiner die Handtasche,
desto kleiner das Hirn, je höher die Absätze, desto niedriger der IQ
- und zwar unabhängig von der Haarfarbe. Jedenfalls ist das so meine
Erfahrung.

Quote
19. November 2007 15:33
ah ja
schweinemensch (199 Beiträge seit 30.01.05)

Henrik Höfgen schrieb am 19. November 2007 14:59

> Da mache ich mich in deren Anwesenheit nicht so leicht zum Tölpel.
> :-)

...

selten so ein schwachsinn gelesen, nich ma hier. das is jokerniveau.


Quote
19. November 2007 20:46
Stereotypenscheisse
alionSonny (mehr als 1000 Beiträge seit 09.08.02)

Irgendwie scheint TP inzwischen wirklich den BILD-Leser als
Zielgruppe auserkoren zu haben. Gottogott, geht es vom Niveau noch
niedriger? Jupp, irgendein TP-Autor wird es schon schaffen.

Quote
19. November 2007 20:50
tja
_Ikaros (mehr als 1000 Beiträge seit 10.04.04)

alionSonny schrieb am 19. November 2007 20:46
> Jupp, irgendein TP-Autor wird es schon schaffen.

aber nur wenn er/sie/es blond ist.



Aus: "Blondinen machen Männer dumm" Florian Rötzer (TP, 19.11.2007)
Das Stereotyp, dass blonde Frauen dümmer sind, könnte in Wirklichkeit eine List sein
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26636/1.html



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[LINK :: Sprache der Bombenstreichler... (Notiz, Krieg, Gender)]
« Reply #6 on: November 27, 2007, 11:08:24 vorm. »


LINK :: [Damit unsere Verbündeten sie streicheln können... (Notiz, Krieg, Gender)]
Zur Sprache der Bombenstreichler
http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,220.msg2596.html#msg2596


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[Vom sexuellen Objekt zum sexuellen Subjekt... ]
« Reply #7 on: M?RZ 04, 2008, 02:57:43 nachm. »
Quote
[...] POTSDAM - „Die Schwarzer hatte doch sowieso nur Sex im Kopf, um wirkliche Befreiung ging es der doch nie“, empört sich Katharina Rutschky, Pädagogin, freie Autorin und „Alt-68erin“ auf die Frage hin, welche Widersprüche sie in der Frauenbewegung gesehen habe. Rutschky zählte neben der Historikerin Kristina Schulz, der Bestseller-Autorin und Journalistin Katja Kullmann und der Sängerin und freien Journalistin Christiane Rösinger zu den vier geladenen Expertinnen, die unter der Leitung der taz-Redakteurin Ines Kappert am Freitagabend im Berliner Amerika-Haus über den Erfolg der Frauenbewegung seit 1968 diskutieren sollten.

Einigkeit herrschte unter den Expertinnen selten. Während Kristina Schulz nüchtern und sachlich Kapperts Fragen nach deutsch-französischen Vergleichen beantwortete und sich als ruhender Pol in der bisweilen angeregten und emotionalen Diskussion gab, gewährte Christiane Rösinger Einblicke in die „rückständigste aller Szenen“ – die Rockmusik. Ihre Erfahrungen in dieser Männerdomäne hätten sie eine Feministin werden lassen, und im Übrigen, so Rösinger, müsse heute doch eigentlich „jede intelligente Frau Feministin sein“. Rutschky dagegen sah nicht ein, warum sich Frauen solidarisieren sollten, um eine Gleichstellung – die sowieso keine Befreiung bringe – zu erreichen. Jede Frau habe doch „ihren eigenen Kopf und ihre eigenen Probleme“. Kullmann hingegen plädierte für eine stärkere Vernetzung der Frauen, gerade im Berufsleben, wo sich die Benachteiligungen und Probleme auftäten. Für sie sind der durch die 68er-Bewegung losgetretene neue Individualisierungsschub und das fehlende klare Feindbild das eigentliche Dilemma der Frauen von heute.

Erst spät am Abend endete die Diskussion in Zwietracht. Man kam nicht auf einen Nenner. War die Bewegung erfolgreich? Was muss noch getan werden? Beendet ist für die meisten das Thema noch lange nicht.


Aus: "Eine Debatte über 1968 und Feminismus" Von Anica Jahning (03.03.2008)
Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11148353/492531/Eine_Debatte_ueber_und_Feminismus_Frauenbewegung.html


-.-

Quote
[...]

Roche: Ich hab dieses Buch auf keinen Fall geschrieben, um zu provozieren. Das wäre viel zu plump und zu einfach. Schockieren ist einfach kurz "Buh!" und dann ist's vorbei. In dem Buch steckt viel mehr als nur Schock und Ekel.

heute.de: Vielleicht auch ein politisches Programm?

Roche: Wenn Sie so wollen, ja. Ich spreche tabuisierte Themen wie Selbstbefriedigung an, was auf Frauen total befreiend wirkt. Das merke ich jetzt auch bei den Lesungen. Da flüstern mir manche Frauen beim Signieren zu: Frau Roche, Ihr Buch hilft riesig beim Komplexe abbauen. Das freut mich natürlich riesig.
 

heute.de: Mission erfüllt.


Roche: Das ist auf jeden Fall ein positiver Nebeneffekt. Der Hauptgrund für mich, dieses Buch zu schreiben war aber die Unterhaltung. Am meisten freue ich mich, wenn die Leute beim Lesen lachen. Das ist keine ernste erotische Literatur. Ich bin stolz, weil ich als Frau ein Buch geschrieben habe, das lustig ist, obwohl es um Sex und Lust geht. Ich will mehr Frauen, die lustig sexuell sind!



heute.de: Zwischen den lustigen Szenen scheint immer wieder auf, dass Männern in punkto Hygiene und Sexualität mehr gestattet ist als Frauen. Woran liegt das?
 

Roche: Ich glaube, da wird viel von den Müttern an die Töchter weitergegeben. Fast jede Frau kennt das Dogma, dass man als Frau immerzu sauber sein muss. Dieses Problem kennen Jungs einfach nicht. Wenn die in die Pubertät kommen, werden Witze über "feuchte Träume" gerissen. Die werden den jungen Mädchen nicht zugestanden. Nach so vielen Jahrzehnten Frauenbewegung ist Masturbation und Intimhygiene bei Frauen immer noch ein großes Tabu.

heute.de: Eine ganze Industrie verdient daran.
 
Roche: Ich hatte beim Schreiben eine Wut auf diese Intimwaschlotion-Industrie. Warum gilt zum Beispiel der Geruch einer Muschi als stinkend in dieser Gesellschaft? Viele Frauen haben das so verinnerlicht, dass sie sich wundern, wenn Männer überhaupt noch mit ihnen Oralverkehr haben wollen.



heute.de: Wir haben eine Bundeskanzlerin, erfolgreiche Managerinnen und immer mehr Hausmänner. Braucht es da noch den Feminismus?
 

Roche: Das Problem des Feminismus ist, das er noch nicht innerlich bei den Frauen angekommen ist. In meinem Umfeld kenne ich keine Schweine-Männer, die sagen, ihre Frauen sollten nicht arbeiten. Das steckt in den Köpfen der Frauen, dass ihre Arbeit nicht so viel wert ist, wie die eines Mannes. Die trauen sich oft nicht, zum Chef zu gehen und zu sagen: So viel Geld will ich und Punkt. Ich glaube die Frauen hinken der Emanzipation hinterher und müssen an sich arbeiten.

heute.de: Woran liegt das?

Roche: Die alten Rollenverteilungen sind in den Köpfen immer noch präsent. Frauen kümmern sich nach wie vor viel zu viel um ihr Aussehen. Das liegt daran, dass Frauen beigebracht wird, dass ihr größtes Gut ihr Aussehen ist. Sonst finden sie keinen Mann, keinen Versorger. Frauen wollen auch nicht mehr verdienen als ihr Ehemann. Und dann sagen sich die Männer: Warum sollen wir euch gleich behandeln, wenn ihr euch doch immer einen Reichen schnappt?
 

heute.de: Sie verdienen mehr als ihr Ehemann. Wollen Sie ein Vorbild für junge Frauen sein?
 

Roche: Warum nicht? Ich malträtiere mein Gehirn jeden Tag mit Frauenfragen. Also wer mich als Vorbild nehmen will: von mir aus gerne.



Aus: ""Frauen und Stuhlgang sind ein tolles Thema!" - Charlotte Roche mit ihrem Roman
"Feuchtgebiete" Das Interview führte Frederic Huwendiek  (29.02.2008)
Quelle: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/18/0,3672,7163602,00.html

-.-

Quote
[...]  In der neuesten Ausgabe [von an.schläge] z.B. habt Ihr einen Schwerpunkt „PornRevolution“. Was ist darunter zu verstehen?

Lea: Das war ein Themenschwerpunkt, der sich mehr oder weniger aus der von der EMMA aufgeworfenen Debatte ergeben hat. Die EMMA hat mittlerweile die dritte PorNO-Kampagne gestartet. Wir haben im Heft eine Diskussionsrubrik, die „an.sage“, in der zwei Frauen ein bestimmtes Thema möglichst kontrovers diskutieren.
Wir haben Alice Schwarzer um einen Kommentar zur PorNO-Kampagne gebeten, den sie uns allerdings versagt hat. In der Folge haben wir die Diskussion über diese Kampagne bzw. über Pornographie insgesamt weitergeführt. Das war in dieser Ausgabe ein Beitrag über das Pornfilmfestival in Berlin, bei dem erotische Filme von Lesben, queere Erotika, künstlerische Pornos gezeigt wurden. Der zweite Bericht war ein Interview mit der feministischen Filmemacherin Nana Swiczinsky, die jetzt ihren ersten lesbischen Porno gedreht hat. Ganz allgemein ging es darum, die Frage zu klären, ob es tatsächlich so ist, dass Pornographie per se Gewalt ist, wie die EMMA das behauptet. Das ist ja eine lange Debatte im Feminismus, und die EMMA tut wie immer so, als hätte es diese Debatte nie gegeben, sondern nur eine feministische Wahrheit. Dem ist nicht so.
Das Körperthema war immer schon sehr wichtig im Feminismus. Für Feministinnen ist es wichtig, sich den eigenen Körper, die eigene Lust, die eigene Sexualität zurückzuerobern. Das beginnt mit der Abtreibungskampagne und „Mein Bauch gehört mir“, geht über Frauengesundheit und endet jetzt bei queeren Körperentwürfen und der Forderung, den Körper selbst definieren zu dürfen und ihn eben auch geschlechtlich uneindeutig zu definieren.
In dieser Tradition denke ich, dass es richtig und gut ist, dass sich Feministinnen nun auch diesen Sektor aneignen, dass sie im Zuge dieser Rückeroberung der eigenen Lust und der eigenen Sexualität auch eigene Bilder entwerfen. Es ist ja nicht grundsätzlich verwerflich, lustvolle Bilder zu schaffen. Im Gegenteil, es ist wichtig, dass es eine feministische Antwort gibt auf Malestream-Porno, mit all dem Ekeligen, was da stattfindet. Das bestreiten wir gar nicht, dass das, was unter „Porno“ firmiert, oft Gewaltdarstellungen sind, dass Frauen dort oft entwürdigt werden etc.
Aber gerade deshalb ist es wichtig, dass Feministinnen ihre Gegenentwürfe schaffen.
GWR: In dem Sammelband „Hot topics – Popfeminismus heute“ geht es u.a. auch um Pornografie und Feminismus. Wie beurteilst Du diese Konzeption eines Feminismus, der sich sozusagen an eine jugendliche oder junge Popszene anschmiegt?

Lea: Es geht beim Popfeminismus nicht darum, junge Frauen anzusprechen und ihnen Feminismus schmackhaft zu machen, sondern es geht um eine Analyse von Popkultur und um die Frage, was Popkultur mit Unterdrückung zu tun hat.
Nebenbei bemerkt finde ich es auch o.k., die jungen Frauen manchmal da abzuholen, wo sie sind. Ein bisschen stylischer zu werden, um Frauen, die sonst größere Berührungsängste hätten, vielleicht auch anzulocken.
Aber Popfeminismus ist ja kein oberflächlicher Feminismus, sondern einer, der sich die Frage stellt, wie kulturelle Repräsentationen die Unterdrückung von Frauen fortschreiben.
Es war sehr wichtig, dass Feministinnen eine Analyse von Popkultur vorgenommen und gezeigt haben, dass sich z.B. in der Musik, im Fernsehen und in der Werbung Geschlechterbilder manifestieren und dass ihnen eine große Rolle dabei zukommt, wenn es darum geht, solche Machtverhältnisse zu stabilisieren. Insofern finde ich es toll, dass es so etwas gibt wie die Zeitschrift FIBER, ein feministisches Magazin, das sich nur mit Popkultur beschäftigt. Das spricht für die feministische Vielfalt, dass so etwas nebeneinander möglich sein kann.

GWR: Eine der erfolgreichsten Initiativen in Deutschland war die von Alice Schwarzer und EMMA initiierte „Frauen zum Bund“ - Kampagne. Heute tragen sowohl Männer als auch Frauen den olivgrünen Mörderkittel der Bundeswehr.
Wäre es nicht sinnvoller, eine antimilitaristische Kampagne für die Abschaffung des Militärs zu machen, anstatt ihm neue, diesmal weibliche Mordfachkräfte zuzusteuern? Wie siehst Du diese „Frauen zum Bund“-Kampagne?

Lea: Furchtbar. Blöd. Ich bin grundsätzlich Pazifistin und deshalb gegen jede Form der Militarisierung, egal ob die jetzt weiblich oder männlich ist. Aber das ist eine grundsätzlich falsche Argumentation vieler so genannter Gleichheitsfeministinnen, zu sagen: „Wenn man für Gleichberechtigung ist, dann muss man konsequenter Weise fordern, dass Frauen in allen Bereichen überall und ausnahmslos das Gleiche machen können.“ Das ist Quatsch, ich muss nicht jeden Scheiß machen. Feminismus bedeutet für mich eben gerade nicht, dass ich Frauen ins bestehende System reinreklamiere, sondern dass ich mich immer frage, was das System damit zu tun hat, dass Frauen in der beschissenen Lage sind, in der sie sich befinden. Ich glaube nicht, dass es funktioniert, dass ich erst Partizipation fordere und dann die Revolution mache.
Das hat sich ja auch mehrfach gezeigt, dass das der falsche Weg ist. Das muss, um es salopp zu sagen, in einem Aufwasch passieren.
Aber es gibt noch einen vielleicht nicht unwichtigen Aspekt, warum die Kämpferin oder die bewaffnete Frau auf viele Feministinnen eine gewisse Faszination ausübt. Einmal gibt es das Klischee vom friedfertigen weiblichen Wesen, gegen das sich Frauen damit sicherlich wehren wollten. Und dann ist es auch nachvollziehbar, dass eine Gruppe, die immer unterschiedlichen Gewalterfahrungen ausgesetzt war, die wehrhafte Rebellin irgendwie auch toll findet, um aus der passiven Opferrolle herauszukommen. Der Kämpfer ist außerdem eine der letzten männlichen Bastionen, symbolisch gesehen, Frauen hatten keinen Che oder ähnliches. Vielleicht gibt es deshalb diese Sehnsucht nach einer Heldin, die sich zu wehren weiß, notfalls eben auch mit Waffengewalt.
Ich weiß, dass mich Gioconda Belli immer fasziniert hat, auch ihre Schilderung, wie sie auf Kuba schießen lernt. Das jetzt aber nur als Erklärung, warum das möglicherweise für viele Feministinnen doch eine Option ist oder etwas, das sie zumindest reizvoll finden. Keineswegs ein Plädoyer für einen weiblichen Rambo.

GWR: Stichwort: Gleichheitsfeminismus. EMMA hat eine Auflage von 50.000. Sie ist in Deutschland die erfolgreichste feministische Zeitschrift, während die an.schläge, die den Feminismus auch mit Gesellschaftskritik und der Systemfrage verbindet, eher am Rande der medialen Wahrnehmung krebst. Ist die Frauenbewegung nur dort erfolgreich, wo sie die Klassengesellschaft bzw. das staatliche System nicht infrage stellt?

Lea: Was heißt erfolgreich? Auflagenstärke? Wenn ja, stimmt die These wohl. Aber das ist für mich kein Feminismus. Im Gegenteil. Für mich ist etwas, das den Namen Feminismus verdient, nicht etwas, das sich rein auf die Forderung nach Inklusion ins Bestehende beschränkt, sondern es muss die Regeln dieser Inklusion und Exklusion immer auch in Frage stellen.
Deswegen ist es umso schlimmer, dass die EMMA als DAS feministische Paradebeispiel wahrgenommen wird, denn eigentlich haben Feministinnen immer die Regeln in Frage gestellt, ganz egal, wo sie angesetzt haben. Sie haben sich selten damit begnügt, zu sagen „wir wollen jetzt hier mitmischen und wir wollen auch ein Stück vom Kuchen“, sondern sie haben letztlich immer eine Fundamentalkritik am gesamten System geübt. Ob das jetzt in der Wissenschaft war, wo es eben auch nicht darauf hinauslief, dass Frauen nur Lehrstühle gefordert haben und auch einen Nobelpreis wollten. Sondern sie haben kritisiert, wie z.B. die Geschichtswissenschaften funktionieren. Sie haben die Objektivität von Wissenschaft in Frage gestellt, sie haben gezeigt, dass Forschung immer positioniert ist usw. Bei der Gesellschaftskritik war es letztlich genauso, aber da hatten sie wieder die Doppelbelastung, dass sie, wenn sie sich linker Gesellschafts- und Staatskritik angeschlossen haben, gleichzeitig aufpassen mussten, nicht wieder zum „Nebenwiderspruch“ degradiert wurden.

GWR: Es gibt ja auch einen sozialdemokratischen, feministischen Diskurs, der in den Gewerkschaftskreisen verbreitet ist, á la „Gleichberechtigung bedeutet, dass alle gleiche Löhne bekommen.“ Wie verhält sich die an.schläge, wie verhältst Du dich persönlich zu solchen Forderungen?

Lea: Ich finde, dass die ökonomische Unabhängigkeit ein zentraler Punkt ist. Dass Frauen ihr eigenes Geld haben, ist die Voraussetzung für alles weitere. Das fängt damit an, dass es wesentlich leichter ist, einen prügelnden Ehemann zu verlassen, wenn ich nicht finanziell von ihm abhängig bin. Und das hört damit auf, dass ich mir feministisches Engagement nur leisten kann, wenn ich nicht ständig meine ganze Kraft in die eigene Existenzsicherung stecken muss. Deswegen ist die Forderung nach gleichem Lohn wichtig. Aber wenn die Forderung nach Gleichberechtigung beim Lohn schon wieder aufhört, ist das natürlich erbärmlich.

[...] Ich denke, die meisten feministischen Projekte kämpfen für mehr als für „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ etc. Da ist die EMMA das Negativbeispiel, das unglücklicherweise so im Rampenlicht steht. Das hat einerseits mit der Politik der EMMA selbst zu tun, mit der Personalisierung durch Alice Schwarzer. Andererseits aber auch damit, dass die Medien scheinbar genau so etwas wollen, dass es keinen Modus gibt, mit dem Medien andere Formen von Feminismen aufgreifen. Da braucht es anscheinend ein Zugpferd, das ein knackiges Zitat liefert. Das ist ja unglücklicherweise nicht nur in Deutschland so. Selbst in Österreich bedeutet Feminismus Alice Schwarzer und die feministische Zeitung ist EMMA. Das ist furchtbar.

[...]

GWR: Was wünscht Du dir für die Zukunft? Für den Feminismus? Für Deine Zeitung? Für alles?

Lea: Allgemein natürlich die feministische Weltrevolution, langfristig. Mittelfristig wäre ich auch mit ein paar neuen Abos glücklich. Ich wünsche mir neue Leserinnen und vor allem auch Leser. Das ist mir wichtig zu sagen, dass wir ein feministisches Magazin sind und kein Frauenmagazin, und dass wir das toll fänden, wenn wir auch von Männern gelesen werden würden.


Aus: "Internationaler Frauentag, 40 Jahre neuer Feminismus, 25 Jahre an.schläge. Ein Interview mit Lea Susemichel - Bernd Drücke, Kerstin Wilhelms in Graswurzelrevolution: Feminismus heute" Das Interview mit der telefonisch aus Wien zugeschalteten an.schläge-Redakteurin wurde am 14.2.08 im Studio des medienforum münster geführt und von Klaus Blödow aufgezeichnet. Es wird am 2.3. um 20.04 Uhr als Graswurzelrevolution-Radiosendung im Bürgerfunk Münster (Radio AM, 95,4 Mhz) gesendet und anschließend auch auf www.freie-radios.net zu hören sein. Kontakt: an.schläge, Untere Weißbergstr. 41, A-1030 Wien / www.anschlaege.at
Interview aus: Graswurzelrevolution Nr. 327, Monatszeitung für eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft, 37. Jahrgang, März 2008, www.graswurzel.net (14.2.2008)
Quelle: http://www.linksnet.de/artikel.php?id=3549

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[...] Ihr Buch »King-Kong-Theorie« ist sehr biographisch und gleichzeitig an politische Debatten um Pornographie, Sexarbeit, Vergewaltigung und proletarische Weiblichkeit adressiert. Was hat Sie dazu gebracht, das Buch zu schreiben?

Letztlich geht das auf »Baise-moi« zurück. Den Film haben wir ohne jedes intellektuelle Konzept gemacht. Doch die Fragen, mit denen wir damals konfrontiert wurden, brachten mich dazu, ein Buch zu schreiben. Dann wurde auch noch Elisabeth Badinters Feminismus-Reflexion »Fausse Route« 2003 in Frankreich veröffentlicht, worin viele dieser Fragen auf anachronistische Weise behandelt werden. Die meisten Texte des Pro-Sex-Feminismus sind nie ins Französische übersetzt worden. Aus dem einseitigen Blick auf den amerikanischen Feminismus durch die Rezeption Badinters ergab sich das unter französischen Intellektuellen gerne zelebrierte Vorurteil, dass alle amerikanischen Feministinnen bescheuert seien. Diese Überzeugung war für mich eine Motivation, einen Essay zum Feminismus zu schreiben.

[...] Vom sexuellen Objekt zum sexuellen Subjekt zu werden, ist eine der wichtigsten roten Linien in Ihrem Werk. Wie bewerten Sie die Stärken und Grenzen Ihrer Ansicht, dass Sexualisierung nicht Machtlosigkeit bedeuten muss?


Als sexualisierte Frau den Schritt vom Objekt zum Subjekt zu machen, ist aufregend. Man beginnt, Männer wieder in ihren jungenhaften Zügen zu entdecken, wodurch sie weniger mächtig und komplex wirken. Sexuelles Subjekt zu sein, ist auch hilfreich, wenn man schnelles Geld verdienen will. Ich komme aus einem Milieu, in dem immer mit dem Körper gearbeitet wurde, um Geld zu verdienen. In diesem Zusammenhang war es mir lieber, gut bezahlt zu werden, anstatt Teil einer Firma zu sein, die mich besitzt. Doch ich habe längst damit aufgehört, endlos die feminine Performance devoter, sexy Weiblichkeit zu wiederholen. Diese Vorstellungen als phantastisch zu bezeichnen, ist absurd. Es gibt wesentlich einfachere und selbstbestimmtere Möglichkeiten, sein Geld zu verdienen. Alle spektakulären, weiblichen Outfits habe ich an dem Tag abgelegt, an dem ich meinen Lebensunterhalt als Autorin zu verdienen begann. Andere Menschen als die, die mir nahe stehen, sexuell zu stimulieren, bedeutet in einer maskulinen Gesellschaft nur Stress. Vieles von der angeblichen weiblichen Macht ist ein Fake. Die Macht liegt in den Händen der Männer. Sie beschweren sich, dass Frauen alles mit ihnen machen könnten. Doch letztlich wählen, entscheiden, benutzen und nehmen sie, was sie wollen. Sie sind die, die zahlen, und wer das Geld hat, hat die Macht.

Wie würden Sie die Rolle von Männern als Darsteller, aber auch als Konsumenten von Pornographie beschreiben?

[...] Viele Männer wollen sich gerne in Schale schmeißen und sich wie Schlampen benehmen, um Sex mit anderen Männern zu haben. Genau davon handelt ja auch die Pornographie. Es ist die Frau, die im Mittelpunkt steht und als Identifikationsfigur dient. Realpolitisch sind Anti-Porno-Initiativen meistens pro-heterosexuelle Familienbewegungen. Porno bedroht die männliche Sexualität und die maskuline Tradition. Pornosüchtige Männer wollen in den Arsch gefickt werden, das ist ein absoluter Klassiker.

Man muss Porno nicht, wie einige Feministinnen, mit Vergewaltigung gleichsetzen. Aber können Demütigung und Sadismus einfach aus der Diskussion entfernt werden?

Zunächst hat Pornographie für mich wenig damit zu tun, dass Frauen zu Objekten gemacht werden. Pornographie produziert Göttinnen, keine armen Hausfrauen mit schwachem Selbstwertgefühl. Porno hat die stärksten weiblichen Charaktere in der Unterhaltungsindustrie geschaffen. Hollywood oder das europäische Kunstkino ist ja nun nicht gerade für starke, alternative Frauenfiguren bekannt. Porno produziert Frauen, die die Männer gerne wären. Porno ist als Genre dem Horrorfilm sehr nahe, in dem männliche Filmemacher die Frauen, die sie gerne wären, so sadistisch wie möglich ermorden lassen. Diese Filme drehen sich um die gleiche sublimierte Achse: »Wir wollen auch Frauen sein, uns wie Frauen verhalten und wie Frauen genommen werden. Doch das ist verboten. Wir werden verrückt durch die Unterdrückung unserer größten Begehren.« Vergewaltigung ist eine vollkommen andere Geschichte. In Kriegszeiten ist sie quasi legal, in Friedenszeiten wird sie zu einer Waffe des Bürgerkriegs. Vergewaltigten Frauen droht der symbolische Tod, während die Männlichkeit in ihrer Funktion als mächtige und tödliche Waffe bestätigt wird.

In Ihrem Buch plädieren Sie für eine feministische Befreiung, die die Befreiung der Männer einschließt.

Bis heute gibt es von Männern kaum Kritik an Männlichkeit. Es sieht so aus, als wäre das Gefängnis der Männlichkeit außerordentlich stabil gebaut. Männlichkeit ist ein stabiler Fake an Übermacht. Sie beginnt mit einer stark regulierten und kontrollierten Amputation der Gefühle und der Sinnlichkeit, verbindet sich mit hohen Anforderungen an eine souveräne Körperlichkeit, Sexualität und Lebensform. Immer noch sind es in erster Linie Männer, die die Ordnung des Staats, des Alltags und der Armee organisieren. Aus einer weiblichen Perspektive wirkt es, als hätten sie deutlich mehr Angst, ihre Rollen infrage zu stellen. Als Frauen kennen wir das Gefühl, Außenseiter zu sein. Wir sind Scham und Ablehnung gewohnt. Als Mann scheint man noch mehr Nerven zu brauchen, um sich gegen den Strom zu stellen. Ich komme aus einem heterosexuellen Umfeld. Ich bin Männern zu nah, um sie zu hassen. Ich bin neben ihnen aufgewachsen und weiß, wie schwierig es für sie ist, auf eigenen Füßen zu stehen. Und ich weiß, wie kontrolliert sie seit ihrer Jugend sind.


Aus: "»Porno bedroht die männliche Sexualität«" - Virginie Despentes, Schriftstellerin (Nummer 09 vom 28. Februar 2008)
Quelle: http://www.jungle-world.com/seiten/2008/09/11560.php


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[...] Einen neuen Feminismus zu fordern war in den letzten 20 Jahren so ziemlich das Unsouveränste, was man als Frau tun konnte. Man outete sich damit nicht als kämpferisch, sondern als schwach, als eine, die sich noch immer als »Opfer der Verhältnisse« begreift.

Auch viele der 15 Frauen, die wir – 30 Jahre nach der großen Zeit der Emanzipationsbewegung – nach ihrer Einstellung zum Feminismus gefragt haben, sind also nicht als feministische Kämpferinnen bekannt. Trotzdem teilen sie ein Unwohlsein. Das Gefühl, dass es in Deutschland einen Rückschritt gibt.

[...]


Aus: "Wir brauchen einen neuen Feminismus" (24.08.2006)
Quelle: http://www.zeit.de/2006/35/Feminismus-Editorial

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[...]  Macht euch nie von einem Mann abhängig.« Mit diesem Leitsatz sind meine Schwester und ich aufgewachsen. »Kein Problem«, haben wir in unserem kindlichen Leichtsinn gedacht. Wie frei und unbeschwert wir uns fühlten! Als meine Großmutter sich zu der Empfehlung hinreißen ließ: »Heiratet bloß nicht, Kinder«, nickten wir nicht mehr. Schließlich träumten auch wir von prunkvollen Feierlichkeiten. Überhaupt verstanden wir nicht, was Mutter und Großmutter ständig mit »den Männern« hatten.

Je älter wir wurden, desto bewusster wurde uns, dass unser Vater einem Patriarchen nicht ganz unähnlich war – schließlich war er durch einen eben solchen erzogen worden. Die 68er-Bewegung kam für ihn zu spät.

[...] Möglicherweise könnte sich das eigene Dasein – ohne »die Männer« – tatsächlich reibungsloser gestalten, wenn uns die Liebe nicht im Weg stünde. Wir müssen uns also arrangieren. Nur: Wie geht das, wenn Mann und Frau innerhalb einer Partnerschaft, einer Ehe ständig Vergleiche ziehen, wer von beiden mehr Kraft und Mühe in die Beziehung einbringt? Noch angespannter wird die Situation, wenn Kinder hinzukommen. Dann verspüren Frauen diesen permanenten Zwiespalt: eine gute Mutter sein zu wollen, aber trotzdem nicht finanziell abhängig vom Mann. Aus dieser Doppelanstrengung erwächst der Eindruck, mehr zu leisten als der Mann. Da kann von Gleichberechtigung natürlich keine Rede sein. Ursprünglich ging es bei der Frauenbewegung doch genau um diese Errungenschaft: In der 1865 verabschiedeten Resolution der deutschen Arbeitervereine wird das Recht der Frau auf Arbeit emphatisch bejaht. Das gilt genauso für den Mann.

Eine neue Frauenbewegung muss also auch die Zukunft des Mannes bedenken. Denn Männer und Frauen sind aufeinander angewiesen. Nur im Zusammenspiel kann Familie entstehen. Sie müssen wieder zueinander finden, um der Gemeinschaft vertrauen zu können, die durch den beiderseitigen Unabhängigkeitsdrang brüchig geworden ist.

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exsoeldner, 29.08.2006 um 12:04

Entschuldigung...

...aber warum kommt mir bei der Lektüre dieses Artikels nur das Zitat in den Sinn, das Goethe seinem Mephisto in den Mund legt:

"Besonders lernt die Weiber führen.
Es ist ihr ewig' Weh und Ach!
So tausendfach
Aus EINEM PUNKTE zu kurieren!"






Aus: "Eine neue Frauenbewegung müsste den Mann mitbedenken" Von Alexa Hennig - Alexa Hennig von Lange, 33, schreibt Romane, Kinder- und Jugendbücher. Die zweifache Mutter lebt in Hannover. 2002 bekam sie den Jugendliteraturpreis (DIE ZEIT, 24.08.2006 Nr. 35)
Quelle: http://www.zeit.de/2006/35/Feminismus-Hennig-von-Lange

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[...]  Es gibt eine neue Norm, welche Art von Weiblichkeit erwünscht ist: jung oder auf jung operiert, stehende Plastikbrüste, langmähnig, zumindest kein Kurzhaarschnitt. Blond wird immer noch gern genommen. Magersüchtig, perfekt geschminkt und modeversessen. Es gab noch nie so viele Essstörungen.

Wie wir mit unserem Körper umgehen, ist sehr bezeichnend für den Grad der Emanzipation. Simone de Beauvoir hat gesagt, man erkenne ihn an der Höhe der Schuhe.

Ich könnte heulen, wenn mir junge Mädchen erzählen, dass sie zu stark sind, um einen Freund zu haben. Wenn sie in vorauseilendem Gehorsam davon ausgehen, dass Jungs netten, sanften Mädchen vor eigenständigen Querulantinnen den Vorzug geben. Wenn sie von ihren Müttern hören: »Kind, verschreck ihn nicht.« Oder das Gefühl haben, sie seien zu viel.

Das kenne ich nämlich gut. Für mich war das immer ein Thema. Ich fand mich zu groß, zu laut, zu burschikos, zu männlich. Oder zwei Kilo zu dick, immer. Da bin auch ich ein Kind meiner Zeit. Das hatte bei mir viel mit ungenügendem Selbstwertgefühl zu tun. Eine Zeit lang – aber für die meisten Frauen zieht sich das durch das ganze Leben. Man ist zu viel. Ich kenne keinen einzigen Mann, der das von sich behaupten würde.

Ich denke, dessen müssen die Frauen sich bewusst werden: was sie für ein Leben führen, wenn sie sich freiwillig die Nasen brechen lassen und behaupten: Ich mach’s ja nur, weil ich mir selbst gefallen will. Da kann ich nur grinsen. Das ist dasselbe, wie wenn muslimische Frauen verschleiert aus dem Haus gehen, weil sie es nicht anders wollen.

Schamlippenoperationen gab es vor zehn Jahren noch nicht. In den Medien geht es immer öfter um den weiblichen Körper, um Fett absaugen, Fett aufspritzen. Es sind Frauen, die diese Standards mitbestimmen und unterstützen. Gibt es kein wichtigeres Thema für uns?

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rosadora, 28.08.2006 um 16:08

K O C H E N ...

oh, sarah, wann kochst du mal für mich?!!

du sprichst mir aus dem herzen. es ist sicher nicht leicht, sich in jungen jahren den zeichen der zeit und den sich darin befindenden geschäftemachern zu entziehen. sie erkennen nicht, dass sie sich immer weiter von sich selbst entfernen, mit jeder diät, mit jeder op. sie erfahren nie, welche sie wirklich sein könnten und verbauen sich auch die chance dafür.

ich bin 67, war immer um die 55 kilo, wollte gern m e h r

sein. heute bin ichs - mit 75 kilo idealgewicht fühle ich mich körperlich viel besser. leger gekleidet bin ich auch für andere mehr. aber selbstbewusstsein erhält frau, wenn sie sich mit der weisheit und nicht mit den kilos herumschlägt. schlau sein imponiert - magersein ist abartig.


Aus: "»Ich könnte heulen, wenn Mädchen sagen: Ich bin zu stark, um einen Freund zu haben«" (DIE ZEIT, 24.08.2006 Nr. 35) / Die Köchin Sarah Wiener fordert selbstbewusstere Frauen – und ein Ende der Schönheitsoperationen - Sarah Wiener, 44, steht am Herd: Im Fernsehen und in drei eigenen Berliner Restaurants
Quelle: http://www.zeit.de/2006/35/Feminismus-Wiener

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[...] Wittig: Das Hauptproblem sehe ich zu Hause. Viele Frauen würden gerne in Vollzeit arbeiten, aber es geht zeitlich nicht. Da müsste der Mann mehr ins Boot genommen werden und die Frau unterstützen. Ein Mann muss nicht nur nach Hause kommen und erwarten, dass alles für ihn bereitsteht. Der ist kein besonderes Geschöpf. Trotzdem verhalten sich viele so.

ZEIT: Das heißt, die Gleichberechtigung ist bei denen nicht angekommen?

Wittig: Doch, doch. Jeder Mann findet es schön, wenn die Frau selbstständig ist. Nur nicht bei der eigenen.


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Wirrrrkopf, 27.08.2006 um 18:32

[...] Es ist also prinzipiell kein Frauenproblem sondern ein Familienproblem. Es wird nur zu einem Frauenproblem weil ein Großteil der Männer es zu einem Frauenproblem macht indem sie sich um Ihre Kinder nicht kümmern.





Aus: "»In der Direktion ist mir keine Frau bekannt«" (DIE ZEIT, 24.08.2006 Nr. 35)
Gaby Wittig, 45, arbeitet seit 24 Jahren beim Drogeriemarkt Schlecker in Dortmund. Sie ist dort Verkaufsstellenverwalterin und Betriebsrätin und engagiert sich außerdem in der Gewerkschaft ver.di. Gaby Wittig ist Witwe und hat einen erwachsenen Sohn
Quelle: http://www.zeit.de/2006/35/Feminismus-Wittig?page=1

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[...] Die Deutschen nach dem Krieg sind ein gutes Beispiel. Sie verdrängten und konsumierten. Ich kam in dieses Land zurück und war verblüfft: Man tat so, als ob die zwölf Jahre unter Hitler nicht existiert hätten. Die Menschen richteten sich gemütlich ein in den verlogenen, bürgerlichen Moralvorstellungen. Natürlich eckte ich wieder an. Es war Anfang der Fünfziger, ich war ledig und zog allein den Sohn eines verheirateten Mannes groß. Ich war auch noch Dänin. Man wollte meiner Freundin den Umgang mit mir verbieten. Das war aussichtslos. Schmerzhaft aber war es, dass mein Mann sich zunächst nicht scheiden lassen wollte und dass mein Sohn oft nicht bei mir sein konnte. Ich musste beruflich viel reisen. Auch in dieser Zeit war eine gute Freundin sehr wichtig. Bei ihr wohnte ich, sie kümmerte sich um mich und meinen Sohn in den ersten Jahren, später wuchs er dann bei meiner Mutter und der Familie meines Bruders auf. Ich war überzeugt, dass es für ihn das Beste war. Ein Kind kann nur glücklich werden, wenn seine Mutter glücklich ist. Auf alle anderen Regeln muss man nichts geben. Mein Sohn ist heute selbst Familienvater, ich glaube, es hat ihm nicht geschadet.

In meinem Traum hören Frauen auf, diese Vorurteile zu glauben, die ihnen eingeredet werden. Man muss wegen eines Kindes nicht alles aufgeben. Mein Mann Alexander war sehr verständnisvoll, er achtete mich, er wollte immer, dass es mir gut geht. Nur manchmal, wenn ich wieder mal zu viel unterwegs war, beschwerte er sich: Man will mir meine Frau wegnehmen! Mein Mann war kein Macho. Mich nervte oft die ideologische Intoleranz mancher Frauen aus der Bewegung.

Aber damals musste man Farbe bekennen. 1977, in der ersten Nummer von Emma, habe ich also gesagt: »Ich bin Feministin.« Das war damals ein Schimpfwort, Deutschland war das konservativste Land des Westens. Trotzdem habe ich meine Äußerung nicht als besonders mutig empfunden. Wenn man die Nazizeit erlebt hatte, konnte einen so etwas nicht ernsthaft herausfordern.

Alice Schwarzer und ich hatten uns angefreundet, was sie sehr überraschend fand. Sie hatte in Artikeln die Psychoanalyse als frauenfeindlich angegriffen. Kurz darauf saßen wir gemeinsam in einer Diskussionsrunde, und ich gab ihr in manch einem Punkt Recht. Freud war kein Gott, sondern auch nur ein Mann seiner Zeit. Die 68er hatten Recht mit ihrem Versuch, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. Auch wenn mich die jungen Leute an der Universität manchmal gehörig nervten. Einige waren nicht besser als ihre Väter: »Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.« Diese Macho-Haltung war unerträglich!

Ich glaube, die Emanzipation der Frau hat heute viel mehr mit psychischen Zwängen zu tun als mit gesellschaftlichen. Diese seit Jahrhunderten verinnerlichte soziale Degradierung, die Passivität, das geht nicht so schnell weg. Ich habe es in all den Jahren in meiner Praxis erlebt: Es fällt den Frauen immer noch schwer, Aggressionen aktiv nach außen und nicht nur passiv nach innen zu richten. Es ist ein männliches Prinzip. Auch ich habe erst durch einen Analytiker gelernt, sie bewusst herauszulassen, auch mal andere zu verletzen. Ich habe mich eigentlich immer gut vertreten können, aber das Laute musste ich erst lernen. Mein älterer Bruder war immer lauter und aggressiver, ich aber wollte meiner Mutter gefallen, mir fiel es leicht, zu teilen und nachzugeben bei Streit.

Ich habe zwei Enkeltöchter, beide Anfang 20, sie studieren und sind sehr fleißig. Ihnen geht es gut, sie sind sehr selbstständig – und trotzdem haben sie gelegentlich Komplexe wie so viele junge Mädchen: Sie finden sich zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein. Bei manchen Frauen ihrer Generation wünschte ich, sie würden sich bewusster machen, dass sie ihr Leben in der Hand haben. Jeder hier kann heute werden, was er will. Das ist Luxus. Doch viele Frauen sind nach wie vor träge. Man braucht einen enormen Widerstand, um aus der Passivität herauszukommen. Ich glaube fast, um sich zu emanzipieren, braucht man Wut, vielleicht auch ein wenig Hass.

Wenn mein Traum Wirklichkeit wird, achten Frauen auf ihre Gefühle. Und alle Menschen nähmen sich mehr Zeit zum Nachdenken, über ihre Umwelt, über sich selbst.

[...]

Quote
PeterLiebmann, 29.08.2006 um 09:11

Der Weg dahin wird täglich ebener

Es kann doch nur die logische Konsequenz dahingehend sein, dass die Frauen das Ruder übernehmen. Die von Männern dominierte Welt liegt fast in Scherben vor uns. Diese Welt wird zwangsläufig in die Abgeschiedenheit galoppieren.

Männer wollen den Frauen imponieren, zetteln dadurch Kriege an und machen allerhand anderen pubertären Blödsinn bis ins hohe Alter hinein. Das haben sie eindrucksvoll unter Beweis gestellt und die Frauen haben endlich, und das nicht erst seit gestern, begriffen wie schwach und peinlich die Männerwelt auf Macherebenen tatsächlich ist.

Schein frisst Sein, nun ist die Duokonträrmetamorphose an der Reihe.

Wenn es ein Viertes Reich nicht geben soll, liegt es nur in der Hand der Frauen.

So einfach ist es!


Quote
RitaSchu, 27.08.2006 um 11:23

Frau Margarete Mitscherlich spricht für die Oberschicht. Das ist schön. Viele meiner Freundinnen werden ihre Freude daran haben, meine 5 Kinder und 8 Enkelkinder auch. (Aber nur dann, wenn sie kein kritisches Bewusstsein entwickelt haben oder entwickeln werden.) Privilegierte Mädchen und Frauen werden, gerade in der neuen Phase der Globalisierung, mit der durch den feministischen Kampf neu gewonnenen Freiheit alle Vorteile wahrnehmen können und die menschliche Kultur vorantreiben. Ihr Leben wird interessanter mit den weltweiten Möglichkeiten. Mit der Bertelsmann-Stiftung und ähnlichen Stiftungen wird diese Eliteentwicklung weltweit gefördert, auch mit

"friedensichernden" robusten Einsätzen. Diese Fortschritte werden im Gang der Geschichte für die nachfolgenden Generationen als hohe Kultur sichtbar, denke mensch nur an die Pyramiden, die ohne motorisierte Kräne gebaut sind, an den Kölner Dom etc...

Ich denke aber an die Mehrheit der Frauen in unserem Land, in muslimischen Ländern und in den sogenannten Entwicklungsländern weltweit. Wenn im Fernsehen die Einweihung einer Mädchenschule in Afghanistan gezeigt wird, wird uns etwas vorgegaukelt. Die Befreiung der Frau wird nicht durch die Antiterrorkriege vorangetrieben, im Gegenteil.

Dass die Freiheit der Frau ohne Schaden für das Kind unter privilegierten Bedingungen möglich ist, bezweifle ich auch nicht. Aber gerade jetzt sehe ich keinen Grund, die Befreiung der Frau zu feiern, wohl die Befreiung weniger Frauen. Das wird bleiben.

Frau Mitscherlich schreibt:"Jeder hier kann heute werden, was er will." Dieser Traum scheint z.Z. ausgeträumt. Die Wirklichkeit zeigt das grausame Gegenteil.

Frau Mitscherlich schreibt: "Der größte Traum meines Lebens ist in Erfüllung gegangen: Nie wieder so etwas wie das ›Dritte Reich‹."

Dazu sage ich: Die Erfüllung dieses Traumes war nie in so weite Ferne gerückt wie heute. In "Unfähigkeit zu trauern" von 1967 sieht die Welt und die Psyche der Deutschen für Frau Mitscherlich anders aus. Wie sollte sich plötzlich so unmerklich die psychische Struktur in diesem Land verändert haben. Vieles deutet auf eine Aktivierung des autoritären Charakters hin. Er wird durch die Politik gefördert.

(Christoph Butterwegge, FR 03.08.05 "Mit dem Sozialstaat stirbt die Demokratie. Eine Erinnerung an die Weimarer Republik - Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit der Situation heute", Sebastian Haffner, posthum veröffentlicht "Geschichte eines Deutschen Die Erinnerungen 1914-1933")

Rita Schu, 37445 Walkenried
 





Aus: "»Zu Ende befreien«" (DIE ZEIT, 24.08.2006 Nr. 35) - Die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich träumt davon, dass die Emanzipation der Frauen vollendet wird und dass es nie wieder so etwas gibt wie das Dritte Reich - Aufgezeichnet von Anita Blasberg - Margarete Mitscherlich, 89, ist Tochter einer Deutschen und eines Dänen. Sie studierte in München, Heidelberg und in England Medizin. Durch ihren Mann Alexander Mitscherlich entdeckte sie die Psychoanalyse. Gemeinsam leiteten die beiden das Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt. 1967 verfassten sie die Gesellschaftsanalyse »Die Unfähigkeit zu trauern« über die Nichtbewältigung der Nazivergangenheit. Ihr wichtigstes Buch über die Emanzipation der Frau schrieb Margarete Mitscherlich 1985: »Die friedfertige Frau«, über weibliches Rollenverhalten in der Politik. Margarete Mitscherlich praktiziert nach wie vor am Sigmund-Freud-Institut als Psychoanalytikerin
Quelle: http://www.zeit.de/2006/35/Traum-Mitscherlich-35?page=1



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[...] Wir streben nach beruflichem Erfolg – und bleiben doch intellektuell anspruchslos. Wo sind die Großdenkerinnen, welche die ergrauten Essayisten aus dem politischen Feuilleton verdrängen? Wir reden vom partnerschaftlichen Mann und entscheiden uns dann doch für den Macho, den Älteren, den beruflich Erfolgreichen – um uns sofort zu wundern, dass er nicht im Haushalt hilft. Wir dulden eine kulturelle Repräsentanz des Weiblichen – in Frauenzeitschriften, Fernsehserien, Frauenliteratur –, die alle Freiheitsgewinne verhöhnt.

Was können wir tun? Aufwachen.

[...]




Aus: "Wir Töchter des Feminismus - Frei, aber weit weg vom Ziel" Von Susanne Gaschke (DIE ZEIT 03.03.2005 Nr.10)
Quelle: http://www.zeit.de/2005/10/01____Weiblich_2fEdit_

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[Sex zurückerobern... (Interview: Roche/von Schirach)]
« Reply #8 on: M?RZ 25, 2008, 09:30:19 vorm. »
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[...] Aber wäre für Frauen eine andere Projektionsfläche nicht aufregender als dieses 18-jährige Mädchen im Buch?

Roche: Natürlich ist es eine klassische Männerfantasie, einer Frau beim Masturbieren zuzugucken. Für Frauen gibt es solch klassische Fantasien nicht. Das kann man nicht umdrehen. Eine Frau findet das zum Beispiel nicht unbedingt erotisch, einen masturbierenden Mann zu beobachten. Frauen sagen eher: "Äh, ekelhaft, der Kerl masturbiert."

Kann es sein, dass Frauen masturbierende Frauen interessanter finden?
Roche: Das ist dann eher so, dass die daraus was lernen wollen. Ich habe gemerkt, dass die Frauen sich aus dem Buch Sachen rauspicken, die mit ihrem Leben zu tun haben. Es ist ja kein Zufall, dass ich mit Frauen so viel über Rasur reden muss. Die Frauen sind so dankbar, dass man mal darüber redet, wie anstrengend es eigentlich ist, seinen Körper andauernd zu enthaaren. Neulich hat eine Frau nach einer Lesung zu mir gesagt, dass dieser Rasurzwang bei ihr so weit fortgeschritten ist, dass sie keinen Sex mit ihrem Ehemann hat, wenn sie sich einen Tag die Beine nicht rasiert hat.

Tatsächlich? Wie alt war die Dame?

Roche: Mitte 30, schätze ich. Die denkt, ihr Mann findet einen Tag alte Beinstoppeln so ekelhaft, dass sie lieber sagt: "Oh, ich kann jetzt nicht, ich muss kurz ins Badezimmer." Das ist doch schrecklich. Die Beinstoppeln stehen über der Lust und über dem Sex.

Von Schirach: Das klingt jetzt nach einem lustigen Einzelfall - und tatsächlich merkt man ja erst, wie absurd das ist, wenn man es ausspricht. Dieser ganze Körperoptimierungswahn setzt uns die ganze Zeit unter Druck, auch unbewusst. Wie in den USA beispielsweise, wo viele junge Frauen mit Pornos sozialisiert werden - da ist das Ergebnis ja nicht etwa eine freiere Sexualität.

Sondern?

Von Schirach: Die Frauen lernen aus Pornos, dass beim Sex wahnsinnig gestöhnt werden muss - und zwar nicht, weil ihnen danach ist, sondern weil das als klassisches Accessoire zum Sex dazugehört. Die Folge ist, dass so viel Energie in die Performance fließt, dass sie die eigene Lust vergessen. Genau wie beim Rasurzwang. Erst wenn ich komplett enthaart und superschlank bin, wenn jedes Körperteil gepimpt ist, also optimiert - erst dann bin ich begehrenswert. Deswegen sage ich: Hey, wir müssen den Sex zurückerobern! Das ist etwas, das uns gehört! Der Körper ist kostbar, und unsere Lust ist es auch!

Roche: Wirklicher Sex ist viel tierischer. Und es ist egal, wie man aussieht, es spielt keine Rolle, ob man Haare an den Beinen hat. Und dass man viel freier und wilder und vielleicht auch viel ekelhafter aussieht beim Kopulieren als die Frauen in den Pornofilmen. Ich würde mir wünschen, dass Frauen mit ihrer Sexualität und ihrem Körper selbstbewusster umgehen. Dass sie Sachen ausprobieren.

Sind Frauen denn so verklemmt?

Roche: Ein Beispiel: Wenn man zu einer Frau sagt: "Zeig mal, wie du masturbierst" - dann könnten viele Frauen nur eine Show nachmachen. Männer sind da mehr bei sich. Ein Mann könnte, auch wenn es vielleicht hässlich aussieht oder blöd oder peinlich, sofort vormachen, wie er masturbiert. Und zwar ohne dass es aussieht wie im Film.

Woher kommt das? Hat das damit zu tun, dass sich Frauen sehr stark dadurch definieren, wie sie von Männern wahrgenommen werden?

Von Schirach: Es ist doch so: Frauenkörper, die wir im Porno sehen, aber auch im Fernsehen und in der Werbung - die sind speziell zusammengesetzt durch die Kameraperspektive, durch die Art der Choreografie, durch die Schnitte. Da werden utopische Körper konstruiert. Und die Art der Konstruktion folgt in den meisten Fällen dem männlichen Blick.

Roche: Guter Punkt. Was Pornos angeht, finde ich aber, dass die so sein dürfen, als ein Entwurf. Als eine Masturbationsvorlage, egal, ob für Männer oder für Frauen. Ich glaube nicht, dass Männer sich aufgepumpte Pornodarstellerinnen angucken und hinterher sagen: "Meine Frau soll auch so aussehen." Man muss Männern schon zutrauen, dass sie das trennen können. Ich denke, es sind eher die Frauen, die in die Falle tappen und sich mit den Körpern der Darstellerinnen vergleichen und versuchen, so auszusehen.

[...] Roche: Mir wird häufig von empörten Leuten vorgeworfen, dass die Frau in meinem Buch eine männliche Sexualität habe. Die spinnen ja wohl! Das ist nur eine Frau, die weiß und sagt, was sie will. Und die es dann auch mit aller Kraft so umsetzt. Wenn eine Frau die Initiative ergreift und sich gezielt jemanden aussucht, mit dem sie Sex hat - dann sagen mir Leute, das sei männliches Verhalten!


Vielleicht macht so ein Verhalten Angst.

Roche: Das ist doch schrecklich. Diese ganzen Vorschriften, wie weibliches Verhalten auszusehen hat. Junge Mädchen trauen sich heutzutage nicht mal, als Erste anzurufen bei dem Jungen, in den sie sich verliebt haben. Frauen werden immer noch dazu erzogen, passiv zu sein, weil sie sonst angeblich nicht erotisch sind für den Mann.

Von Schirach: Die französische Feministin Virginie Despentes hat es sinngemäß mal so formuliert: Männer sollen Nutten und Mütter sein dürfen und Frauen Kerle und Helden.

[...]

Frau Roche, Sie sitzen mit rasierten Beinen vor uns. Wo ist die Freiheit, für die Ihr Buch plädiert?

Roche: Nee, stimmt, ich bin da gar nicht behaart. Ich habe doch selbst auch mit diesem Druck zu kämpfen. Als Viva-Moderatorin hatte ich unrasierte Achseln und habe gelitten wie ein Hund, weil Kollegen und Zuschauer mich fertiggemacht haben. Achselhaare sind ja heutzutage wie eine Art Kunstprojekt. Völlig skandalös!

[...] Von Schirach: [...] Auch der männliche Körper ist mehr und mehr vom Optimierungsdruck betroffen.

Roche: Interessant, das hör ich von Männern auch häufiger ...

[...] Von Schirach: [...] In der Sauna sieht man immer öfter komplett enthaarte Männer. Ein Freund von mir, der selbst ziemlich haarig ist, nannte diese Männer „Delfine“ und war plötzlich ganz verunsichert. ...

[...] Warum ist es Ihnen denn so wichtig, Schamgrenzen zu überschreiten?

Roche: Ich wollte etwas schreiben, was mich selber angeht. Was viel mit meiner persönlichen Peinlichkeit zu tun hat. Das Mädchen in meinem Buch hat viel von mir. Es geht um die Erforschung meiner Peinlichkeit und Schamgrenzen.

[...] Eine Art Obsession?

Roche: Das Buch zeigt, dass ich zugebe, dass diese Themen total meine Themen sind. Dass ich supergern in Form von Zoten oder Humor im Freundeskreis über so was rede. Außerdem: Es ist sinnvoll für Frauen, viel über körperliche Sachen zu reden, damit man nicht denkt, man ist alleine mit dem, was man hat. Das fängt bei Mädchen mit der Periode an. Oder mit irgendwelchen Ausflüssen. Leider, das ist meine Erfahrung, hört man in der Pubertät auf, sich darüber zu unterhalten.

Weil zwischen Frauen in dieser Lebensphase Konkurrenz entsteht?

Roche: Wie schwierig das ist, diese Hürde zu überwinden, mal was anzusprechen! Wenn ich jetzt mit Frauen rede, sagen die - egal, wie cool die sonst sind -, sie haben noch nie mit ihrer Freundin über Selbstbefriedigung geredet.

Sie schon?

Roche: Ich bin da auch nicht ganz weit vorn.

[...]

Haben Sie Erfahrungen mit Prostituierten?

Roche: Also, ich habe für das Buch recherchiert, und es ist natürlich kein Zufall, dass ich will, dass meine Romanheldin in den Puff geht, damit ich da mal hin kann. Ich lasse die wie eine Marionette Sachen machen, die mich persönlich interessieren.

Und wie haben die Prostituierten reagiert?

Roche: Ganz viele sagen, dass sie mit einer Frau nichts zu tun haben wollen. Ich finde es aber auch falsch zu sagen, Prostituierte seien die Feinde der Ehefrauen. Ich will wissen, was Männer für Triebe haben. Und ich will darüber reden.

Überfordert dieser Anspruch die Männer nicht komplett?

Roche: Nee, die Antworten überfordern eher mich. Es gibt so viel über männliche Sexualität, was Frauen nicht wissen.

Von Schirach: Männliche Sexualität gilt als schmutzig, und die weibliche wird gleich ganz verboten - damit machen wir uns alle fertig.

Insgesamt stellen Sie hohe Ansprüche an eine Frau: Sie muss sich in ihrem Körper wohlfühlen, muss relativ tabulos sein, sich den Fantasien des Mannes öffnen...

Roche: Nee, sie muss überhaupt nicht tabulos sein. Ich sage ja nicht: "Bäh, ich halte dir meine Titten ins Gesicht, du musst dir das alles reinziehen, sonst bist du ein Spießer ..." Gar nicht. Ich bin überzeugt, dass es befreit, über Dinge zu reden.

Frau von Schirach, Ihre Haltung ist ein wenig anders. Warum sind Sie kritisch gegenüber Pornos?

von Schirach: Weil der Blick auf die Frau meistens entwürdigend ist. Für viele Männer ist ein Porno ein Ort der Sicherheit. Sie wissen, alles wird so passieren, wie sie es wünschen. Ich klingele bei der Frau, sie macht auf und ist sofort nackt und mir zu Diensten. Das ist toll für den Mann. Aber ein guter Mann kann das trennen.

Roche: Stichwort guter Mann!

Von Schirach: Genau! Wir brauchen gute Männer.

Aber der Mann, der all diese Kriterien erfüllt, zwischen geiler Medienwelt und spröder Wirklichkeit unterscheidet, offen und tolerant mit seiner Frau über Sex spricht, sie in den Puff ziehen lässt und sie auch ungeschminkt und behaart attraktiv findet - wo gibt es den?

Roche: Davon gibt es ganz viele!

von Schirach: Problematisch wird es, wenn wir den pornografischen Blick nicht mehr aus dem Kopf kriegen. Wenn du ständig vor dem imaginären Spiegel der "Vogue" stehst. Oder diesen Blick auf Frauen hast. Menschen darf man nicht zu Dingen machen. Und sich selbst auch nicht.
 
Das klingt, als würden Sie bald das Manifest einer neuen Frauenbewegung verabschieden.

Roche: Ja, also, sollen wir? Ich bin gerade sehr monothematisch unterwegs mit dieser ganzen sexuellen Sache. Jetzt geistert ja gerade mal wieder durch die Medien, dass Frauen überall weniger verdienen als Männer. Und das finde ich wirklich ungeheuerlich: Wieso gehen da nicht alle Frauen auf die Straße? Protestieren gegen ihre Arbeitgeber? Die können doch einfach mal von allen ihren männlichen Kollegen den Gehaltszettel aufmachen und dann mal eine Randale veranstalten.

[...] Ihren Gehaltszettel werden die Kollegen schon schön versteckt halten.

Roche: Es geht doch immerhin um mehr als die Hälfte der Bevölkerung! Da könnte man richtig was losmachen.

Von Schirach: Das kenne ich auch aus eigener Erfahrung. Wir Frauen sollten uns gegenseitig den Rücken stärken. Und vor allem lernen, auf den Tisch zu hauen und zu sagen: Das bin ich wert, das möchte ich, das vertrete ich.

Ihr Ratschlag? Was müssen Frauen verändern und lernen?

Roche: Abgezockt zu verhandeln.

Von Schirach: Und begreifen, dass sie begehrenswert sind, wenn sie sich in sich wohlfühlen. Sexappeal hat so viel mit Selbstsicherheit und Lebendigsein zu tun. Unsere Lust gehört uns, wir sollten sie vor allem für uns selbst gestalten.

Roche: Ich fände es auch gut, wenn Frauen nicht eifersüchtig wären auf die männliche Sexualität. Also, dass sie nicht meinen, die ganze männliche Sexualität muss sich auf die Frau konzentrieren.

...


Aus: "Interview Roche/von Schirach: "Wir müssen den Sex zurückerobern!"" (2008)
Quelle: http://www.stern.de/lifestyle/leute/:Interview-Roche-von-Schirach-Wir-Sex-/614438.html?nv=ct_cb

Quote
Bebuquin (25.3.2008, 0:17 Uhr)

Von Männern aufgedrängt?

Wenn ich lese:
"Frauen haben sich jahrhundertelang mit absurden, von Männern entwickelten Vorstellungen herumschlagen müssen."
Würde ich von dieser Frau von Schirach, die sich mir im Interview ein wenig zu penetrant im Selbstmitleid suhlt, wissen, wie das denn ausgesehen haben soll? Haben sich irgendwo Männer in einem konspirativen Zirkel getroffen und überlegt, was sie jetzt an neuen weiblichen Schönheitsidealen propagieren könnten? Mir greift diese Erklärung einfach zu kurz.
Auch das absurde Bild von Pornographie in diesem Interview ist schon reichlich komisch. Man könnte glatt den Eindruck gewinnen, dass es nur Hochglanzpornographie gäbe und sonst nichts. Wer sich dann sein Schönheitsideal nach Silikontitten und Bodybuildermuskeln kontruiert, ist wirklich selbst schuld...


Quote
Peter1958 (24.3.2008, 22:09 Uhr)

Leider...

Ich hab das Buch gelesen... teils amüsiert manchmal laut lachend ( im Zug !!!) auch angewidert. Ja endlich gibt Charlotte Roche zu was ich schon längst vermutet hab, recherchiert aber nicht selbst erlebt.... was soll so ein Kunstprodukt? Ehrlich ich könnte jetzt Romane schreiben über meine Ex ... unrasierte Beine Achseln Muschis ... feuchte ungewaschene Gebiete und Besuche bei Nutten die in Umarmungen und Nähe ...schmusen und Kuscheln endeten.... Das war gelebt , das was Charlotte schreibt ist Fake und zelebriert... Scheiss Feministinnen ... der T.... soll euch holen ... keine Ahnung ... aber voll Geldgeil!!!


Quote
Dewerth (24.3.2008, 17:47 Uhr)

Tja...

...Hühner interviewen Hühner. So what?


Quote
michianso (25.3.2008, 8:42 Uhr)

Im Westen nichts Neues aber doch Wahres

Die Intention der Autorinnen stelle ich in den Hintergrund und vieles ist sicher altbekannt, aber dennoch bewahrheitet und immer noch interessant.
Selbstverständlich haben wir Männer ein Frauenidealbild geschaffen und das schon über Jahrhunderte hinweg, in allen Kulturen. Warum laufen muslimische Frauen mit Kopftüchern oder Ganzkörpergewändern durch die Gegend? Warum dürfen sie in vielen Ländern nicht mal Autofahren? Weil die Männer es so wollen. (Religion? Die wurde von Männern entwickelt, schliesslich durften seinerzeit nur Männer lesen und schreiben lernen.) Warum hat sich über viele Jahrzehnte das Bild geprägt, dass Frauen hinter den Herd gehören die Kinder erziehen sollen. Und das war nicht nur ein Bild, das war auch tatsächlich so. Fragt Eure Grosseltern, in dieser Generation (und denen davor) kannte man nichts anderes. Auch mussten Frauen immer das brave Püppchen sein, das macht was man ihm sagt, adrett aussehen, fröhlich lächeln, gefügig sein, das nette Anhängsel spielen, das Accessoire. Auch ist es definitiv so, dass Frauen in derselben Position wie Männer weniger verdienen. Ich kenne selbst genügend Beispiele in meinen bisherigen Unternehmen. Der Gipfel ist bislang, dass ich eine gute Kollegin habe, die einen Rang über mir steht, aber 10% weniger verdient.
Wer hier noch etwas von Feministinnenscheisse erzählt, ist nichts anderes als ein weltfremdes proletarisches Chauvinistenschwein.
Was jedoch an Körperpflege und Rasur auszusetzen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Was ist wohl schöner anzusehen und auch anzufassen, ein behaartes (oder stoppeliges) Bein oder ein seidenglatt rasiertes? Was für ein Feuchtgebiet ist beim Oralsex wohl angenehmer zu erkunden, eines mit Urwald oder eines mit kleinem, gepflegtem Englischen Garten? Für mich keine Frage. Und, liebe Frauen, gebt es zu: Euch gefällt das auch besser. Und auch andersherum: An was für einer Brust wollt Ihr lieber knabbern, an der stark behaarten wabbeligen oder an der blanken knackigen? Wollt Ihr einen Mann mit Achselhaaren, in denen sich der ganze Schweiss und damit Bakterien und Gerüche ansammeln? Sicher nicht. Ich auch nicht. Also tue ich auch etwas dafür. Und erwarte aber dasselbe von einer Frau. Also wo ist dabei das Problem? Ich eifere damit nicht irgendwelchen künstlichen Pornoidealen nach oder verzehre mich nach denen, sondern ich tue etwas um das zu erlangen, was für mich Ästhetik bedeutet. Dass diese einem gesellschaftlichen Wandel unterzogen ist und in jeder Epoche anders aussieht, ist eine Sache kultureller Entwicklung und damit völlig normal. Wie stark man dieser nacheifert und für sich als Massstab nimmt, bleibt einem jedoch selbst überlassen.
Aber auch hier ist es in unserer Gesellschaft tatsächlich so, dass man eher eine Venus mit Bud Spencer antrifft als ein Adonis mit einer Rubens-Frau.
Aber das liegt m.E. vor allem daran, dass Frauen unbedingt einen Partner wollen. Und warum das? Weil die biologische Uhr kein Hirngespinst ist, sondern eine natürliche Einrichtung. Schliesslich ist einer der Urtriebe eines Lebewesens die eigene Arterhaltung. Also nimmt man zur Not auch einen, der augenscheinlich vielleicht weniger attraktiv ist. Aber auch für diesen muss man etwas zu bieten haben. Und da die (weibliche) Konkurrenz grossteils den Schönheitsidealen nachkommt und sich eben mit Cremes pomadiert und Haare zupft, tut man das eben auch um mindestens gleichziehen zu können. Das liebe Frauen, ist aber hausgemachtes Problem. Wie von den Autorinnen schon gesagt: Man muss sich im eigenen Körper wohl fühlen und wenn das nun mal bedeutet, sich die Haare entfernen und ins Fitnessstudio rennen zu müssen, dann ist das eben in Kauf zu nehmen. Letztendlich kann das aber jede(r) für sich entscheiden.


« Last Edit: August 08, 2019, 03:31:25 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Wo ich abnehme, weiß ich nicht... (Maedchenkram)]
« Reply #9 on: M?RZ 25, 2008, 02:22:09 nachm. »
Quote
[...] Am Mittwoch, 19. Mrz 2008 im Topic 'Maedchenkram'
Wenn man zunimmt, dann zuerst an Bauch und Gesicht, wenn man abnimmt, zuerst an der Brust. Was ein Unglück.
Allerdings glaube ich, das mein Doppelkinn auch schon weniger geworden ist.



Kommentieren:

reb.huhn, Mi, 19. Mrz. 2008, 16:22
hm - ist bei mir anders.
abnahme: gesicht und arme.
zunahme: arsch und schenkel.

auch ein unglück. trotzdem: je langsamer, desto besser :)



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docdee, Mi, 19. Mrz. 2008, 23:52
*seufz*
Stimmt.



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jules, Do, 20. Mrz. 2008, 09:41
Ich nehme übrigens eher am Hintern zu. Und natürlich die klassischen Oberschenkel. Wo ich abnehme, weiß ich nicht. Ich tu's einfach nicht.

Liebe Grüße
Jules


Aus: "Topic 'Maedchenkram'" Von wondergirl (Mittwoch, 19. Mrz. 2008)
Quelle: http://wgirl.blogger.de/stories/1077555/


Offline Textaris(txt*bot)

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[Meine gefühle die mir hochkamen... (Feuchtgebiete II)]
« Reply #10 on: M?RZ 27, 2008, 03:55:32 nachm. »
Quote
[...] Helen Memel, 18 Jahre, hat sich bei einer Intimrasur derart verletzt, dass eine Operation nötig wurde. Und so langweilt sie sich im Klinikzimmer, macht sich vorsichtig an einen Pfleger ran und erzählt von: 1. sämtlichen Analsujets zwischen Sex und Schließmuskelinkontinenz, 2. möglichst antihygienisch eingesetzten Körperflüssigkeiten und 3. dem Frauen auferlegten Rasierzwang. Den findet sie bescheuert, gibt aber zu, selbst süchtig geworden zu sein, seit ein wildfremder äthiopischer Gemüseverkäufer sie wöchentlich an bestimmten Körperteilen per Nassrasur vom Pelz befreit. "Willst du mich jetzt ficken?", fragt Helen nach der ersten Sitzung den nackten Barbier. "Nein, dazu bist du mir zu jung." "Schade, darf ich mich dann bitte selber ficken, hier?" "Du bist herzlich eingeladen."

Ein bemerkenswertes Mädchen, diese Helen. Altersgemäß sexfixiert, aber mit einem großen Faible für weitere, trickreiche Obsessionen. Sie inszeniert sich als Bakterienschleuder: Hinterlegt überall getragene Tampons, damit ihr Blut unter die Leute kommt. Züchtet hingebungsvoll Avocadokerne, weil sie die schleimige Oberfläche liebt und man prima mit ihnen onanieren kann. Versucht, auf öffentlichen Toiletten möglichst viele Bakterien von der Kloschüssel mitzuschnacken. Lutscht und knabbert exzessiv jedes Fitzelchen Blut, getrockneten Schleim oder Eiter ab, das sie an sich findet.

Kiepenheuer & Witsch, bei denen die Autorin seit einem nicht erschienenen ersten Buch unter Vertrag war, hatte das Manuskript über die notorische Helen abgelehnt. Pornografie, schnaufte man, und damit ein No-no für den wohlgelittenen Verlag. Doch die Autorin heißt Charlotte Roche, ist eine der populärsten Populärkulturschaffenden, schlagfertige und geistvolle Moderatorin, Talkshowgastgeberin, Grimmepreisträgerin, Bild-Zeitungs-Gegnerin, Mutter. Der nicht weniger wohlgelittene Kölner DuMont Verlag machte daraufhin mit ihr das Buch "Feuchtgebiete" über die Hämorrhoidenpatientin. "Eine Art sexuelle Überforderung von sich selber" sei es, was ihre Heldin treibe, sagt Roche dazu im Gespräch. "Die will sich stählen für irgendwelche Ernstfälle."

 Die 30-Jährige ist seit Montag auf Lesetour, in 38 Städten wird sie vom Masturbieren mit Fingern und Rasierern, vom Mitesseraufessen und vom "weiblichen Schleim" lesen. "Parfümierte Slipeinlagen", echauffiert sich Roche, "da ist die Botschaft, dass man es schaffen muss, auch abends noch frisch zu sein, damit man beim Sex nicht so doll nach Frau riecht!" Empörend findet das Feministin Roche. Der Druck, der hygienemäßig auf Frauen laste, das tägliche Pensum an Rasieren, Maniküre, Pediküre, appetitlich sein, perfekt sein, werde immer stärker. "Ich kann ja nicht eine Entwicklung stoppen", sagt Roche, "ich bin ja nicht größenwahnsinnig und denke, wenn man in ein paar Interviews sagt: 'Rasiert euch nicht mehr!', dann hören alle damit auf. Aber ich möchte fragen, ob die den Druck spüren oder ob die das wirklich freiwillig machen."

 Irgendwie geht sie also auch das Thema Übersexualisierung an. Indem sie den angeblich selbstbestimmten, aber äußerlich bis zum i-Tüpfelchen den videocliporientierten Männerfantasien entsprungenen jungen Mädchen, den Shopping-Mäusen zwischen Gangbang und Poesiealbum eine Antiheldin entgegensetzt. Eine, die schwitzt und stinkt, pinkelt, kackt und Schorfe abknibbelt. Ihre Feuchtgebiete exponiert. Am liebsten ins Gesicht von Leserin und Leser.

Doch der oft ernüchternd kurzen Erregung gleich, die so ein Buch provozieren kann, findet sich außer der plauschenden Helen kaum etwas in der Geschichte. Viel zu kurz und vage erfährt man, dass Helen als Kind einen Selbstmordversuch ihrer Mutter vereiteln musste, bei dem auch ihr Bruder mit in den Tod genommen werden sollte. Inwieweit dieses Trauma mit Helens Verhalten zusammenhängt, möchte Roche nicht beleuchten - "ich mag nicht, wenn Leute sagen, die ist völlig gestört und deshalb macht sie diese Sachen". Ihr gehe es eher um "diese Grundidee von Familie, in der irgendwas Heftiges vorgefallen ist, und keiner spricht drüber. Denn das gibts oft!" Das stimmt. Aber so bleibt Helen als Figur seicht - die zurecht weitverbreitete Leidenschaft fürs Ficken und ihr Hang zur Bakterienzucht allein macht sie noch nicht zu einem Charakter, dem man gern folgt, vor allem, wenn sie auf 200 Seiten auf einer Krankenhausmatratze lümmelt und monologisiert.

Das Buch funktioniert also nur auf der Ebene der Provokation: Wie eine hysterische, teils amüsante, teils aufregende Hommage ans Unhygienische. Ein in verknapptem Teenagerstil verfasstes Pamphlet für Masturbation, ein Schocker für Menschen, die Angst vor jeglichen Körpern haben. "Das ist stellenweise absichtlich so geschrieben, dass es Männer und Frauen aufgeilt. Und wenn ich so was in der Ichform schreibe, gehe ich bewusst ein Spiel ein, mit dem ich klarkommen muss. Ich finde es auch mutig!" Es sei tatsächlich eine Menge von ihrer Persönlichkeit in Helen, erklärt Medienprofi Roche. Sie wird einkalkuliert haben, dass sich FeuilletonistInnen, die vorher eine Schwäche für das kleine schlaue Mädchen Charlotte hatten, nun angeekelt abwenden. Das ist das eigentlich Mutige an Roches Hämorrhoiden-Schmöker.

Quote
28.02.2008 13:57 Uhr:
Von Marin:

Ich habe das Buch von Charlotte gekauft und nach 10 Seiten weggeschmissen. Provokation? Nein. Ein Bedauern über Frau Roche, ein leises Unbehagen und das Gefühl, bei diesem Kauf hereingefallen und über den Tisch gezogen worden zu sein. Wenn Frau Roche meint, Ihre Sicht der Sexualität sei der besondere Ansatz zur Befreiung der Frau, so verschweigt Sie einerseits, dass der Schönheits- oder Hygienewahn längst auch das männliche Geschlecht erfasst hat. Andererseits vergisst Sie, dass Sexualität ihren besonderen Reiz auch erst durch das Gefallen der eigenen Körperlichkeit durch Reinheit, angenehmen Gerüchen und sonstigem ästhetischen Schnickschnack erhält und nicht zu letzt durch das Spiel der anfänglichen Zurückhaltung und Zierde im gegenseitigen Werben der Geschlechter.

Körperhygiene stellt darüber hinaus für viele Menschen schlicht ein Mehr an körperlichem Komfort dar. Das Rasieren der Scham und der Achselhaare kann mit ganz praktischen Vorteilen verknüpft sein und ist mit den heutigen Hilfsmitteln schnell erledigt. Von einem "Leiden" kann daher nur bei maßloser Übertreibung die Rede sein. Das wollen allerdings auch nur wenige Menschen.

Ich bedaure Frau Roche, ihre Sicht der Sexualität ist offenbar nur noch eine abgenutzte lustlose, funktionale und oberflächliche Betätigung bestimmter Körperregionen- und teile. Welch neue Freiheit für die Frau!


Quote
28.02.2008 16:15 Uhr:
Von Käthe:

Ja, darauf haben die emanzipierten Frauen gewartet! Auf einen dreckigen Roman über die (nicht nur sexuelle) Selbstbestimmung einer jungen Frau, die sich, wenn auch übertrieben vulgär, gegen das allzu gerne von Männern gezeichnete erotische Bild der modernen Frau von heute wehrt. Es geht auch anders, und das ist doch wunderbar.
Ein Hoch auf Frau Roche und ihren herrlichen Humor.


Quote
28.02.2008 16:54 Uhr:
Von U. Schmitz:

Ok, da hat sich eine Jungautorin eine Liste gemacht mit allen angeblich tabuisierten Wörtern, Begriffen, Tätigkeiten etc. aus dem Pschyrembel oder woher auch immer - hat die Bestandteile der Liste irgendwie miteinander verquirlt (wäre höchstens interessant für statistisch angehauchte Linguisten - und jetzt gibt es eine hübsche kleine Furore... Fehlt nur noch, dass jemand von "Befreiung" spricht oder das Machwerk "emanzipatorisch" findet - fertig soll sie sein, die Provokation. Schade nur, dass diese "Provokation" von sämtlichen Tabus oder Pseudotabus abhängig ist, die bloßzustellen sie vorgibt. Man kann nur hoffen, dass wenigstens die Fissur-operierenden Ärzte sich an die Grundregeln der OP-Hygiene gehalten haben und diese Regeln nicht "bürgerlich" oder "übertrieben" oder sonstwas Langweiliges fanden.
Tatsächlich schleicht sich so ab S. 50 Langeweile an - der Leser merkt: Bis zum Schluss halte ich nicht durch, welches Antiquariat wird mir das Buch evtl. abkaufen? Schenke ich es womöglich, schwer provozierend, der Gemeindebücherei?
Oder: Ab in den Grabbelkasten damit - Bücher ab 1 EURO -gleich neben das "Lehrerhasserbuch", Schaumschlägerei zu Schaumschlägerei.
Letzter Vorschlag: Im zweiten Band sollte sich Frau Roche vielleicht den Wonnen der weiblichen und/oder männlichen Harninkontinenz widmen - TENA lady sei's Panier!

Mit freundlichen Grüßen!

U. Schmitz


Quote
28.02.2008 23:17 Uhr:
Von Fabienne:

"Am Anfang werden junge Damen zu einem Musch*geruch-Experiment aufgefordert: die junge Frau von heute stecke sich zunächst ihren Zeigefinger in die erregende Musch* und betupfe sich dann mit dem Saft hinter ihre Öhrchen. Damit sei beim nächsten Flirtversuch beim Mann der Wahl der Erfolg quasi unausweichlich vorprogrammiert."

Da hat sie wohl bei Tom Robbins (Even Cowgirls Get the Blues (1976)) abgeschrieben.


Quote
29.02.2008 04:04 Uhr:
Von sabine:

solchen dreck zu veröffentlichen ist einfach das letzte! sind die leute heutzutage wirklich so degeneriert, um sich so einen sinnlosen müll überhaupt freiwillig zuzumuten, ohne zu hinterfragen oder überhaupt irgend einen sinn dahinter zu erkennen? man konnte auszüge aus diesem schundbuch in div. tageszeitungen lesen, d.h. daß diese unzumutbarer müll auch für kinder und ältere leute zugänglich gemacht wird, für welche solche zeilen ja wirklich eine zumutung sind... wo leben wir heutztage eigentlich? es ist mir echt zum heulen zumute, daß in unserer kranken welt anscheinend nur noch provit, gewalt, naturzerstörung, pornografie u.s.w. eine rolle spielen... ich bin 14 jahre alt, und micht kotzt diese kalte, perverse, grelle und obszöne welt nur noch an... es gibt soviele schlimme ungerechtigkeiten, und dann kommt auch noch diese dumme kuh charlotte roche, und verbreiten ihren schund, und die leute kaufen es auch noch!!!
ich habe kürzlich ein wort entdeckt, welches man selten hört, und die bedeutung davon all diesen leuten wohl völlig abhanden gekommen ist: DEMUT.


Quote
29.02.2008 19:37 Uhr:
Von Hanuta:

Och Sabinchen Du armes Ding, sei doch einfach demütig still. Wenn Du (noch) keine Anhnung von der Materie hast, dann lass es einfach.
Ansonsten: Interessant, dass der Großteil der Schreibenden das Buch nicht gelesen hat.
Ich habe es soeben gelesen und fand es großartig!


Quote
01.03.2008 11:11 Uhr:
Von ElRayo:

Ich finde die Charlotte sehr orginell und erfrischend;allemal besser als Martin Walser (aber nicht so gut wie Robert).


Quote
01.03.2008 12:58 Uhr:
Von Apfel:

man konnte auszüge aus diesem schundbuch in div. tageszeitungen lesen, d.h. daß diese unzumutbarer müll auch für kinder und ältere leute zugänglich gemacht wird, für welche solche zeilen ja wirklich eine zumutung sind... wo leben wir heutztage eigentlich?

...


Quote
01.03.2008 14:03 Uhr:
Von Susanne StoHelit:

Es ist immer wieder schön zu sehen wie Bücher mit
Fäkalhumor regelmässig provozieren und sich verkaufen.

Und wer die Demut entdeckt , kann auch die Shift-Taste entdecken.



Quote
28.02.2008 10:28 Uhr:
Von ElRhodeo:

Was ist immer etwas komisch finde: Pornografie ist für Kultur- und Feuilletonmenschen immer erst dann niveauvoll und künstlerisch genug, wenn sie eklig und morbide ist. Das finde ich verklemmt, auf eine eigenartige Weise.




Quote
28.02.2008 13:46 Uhr:
Von Stefan:

Also diese ganze - negative - Aufregung verstehe ich nicht so recht. Sicherlich ist Roches Buch nicht Anwärter auf den nächsten Nobel-Preis. Aber Roche schreibt darüber, was sie denkt, was sie fantasiert und was sie nervt. Dass sie das mit ganz gezielter Wortwahl und nicht immer harmlosen Bildern tut, ist doch gut und richtig. Ob ein Autor nun nach den besten Worten sucht, um die Grausamkeit des Krieges möglichst realistisch darzustellen, oder ob Frau Roche nach nicht immer jugendfreien Ausdrucken sucht, um genau denselben Effekt zu erzielen, das ist doch beides legitim.

Dass der Roman ein paar Jahrzehnte zu spät komme, kann ich ebenso wenig unterstreichen. Ich glaube zum einen kaum, dass Charlotte Roche darauf ausgewesen ist, einen hoch-intellektuellen Skandal-Roman zu verfassen. Zum anderen finde ich es gut, wenn ein/e Autor/in Themen in einer solchen Sprache aufgreift, die sonst nur immer hinter vorgehaltener Hand geflüstert werden. Warum sollen wir nicht öffentlich über solche Sachen reden, diskutieren und sie schließlich auch in der Literatur wiederfinden? Immerhin leben wir alle mit unseren Körpern, mit unserer Sexualität. Und obwohl wir glauben, die sexuelle Revolution hinter uns zu haben, sind wir doch alle immer noch ziemlich verklemmt.

Charlotte Roche hat bei "Zimmer frei!" einmal gesagt (sinngemäß): "Wenn Frauen andere Frauen nach einem Tampon fragen, dann klingt das immer so wie: 'Ich habe gerade ein Kind ermordet.' Und das finde ich schrecklich." Ich denke, dass es das auf den Punkt bringt.



Quote
01.03.2008 15:22 Uhr:
Von Eva:

Meiner Meinung nach sind wir noch lange nicht über die Tabus hinweg. (Diejenigen, die das glauben, sollten sich mal die Liste der Kommentare hier durchlesen und nochmal nachdenken. Wie viele finden es extrem abstoßend, über sexuelle Abnormalität zu lesen d.h. gezwungen zu werden, über sexuelle Abnormalität nachzudenken?)

Außerdem gibt es ganz klar einen Hygienewahn, in Amerika schon sehr ausgeprägt, und das schwappt auch zu uns rüber. Die Folgen sind paranoide Angst vor Dreck und ekligem Zeug und mehr Allergiker.
Das ist doch scheiße, weil sich alle plötzlich nach der 70er-"zurück-zur-Natur"- und "alle Menschen sind frei"-Phase wieder zurückentwickeln und starre Verhaltenserwartungen entwickeln. D.h. die, die den gesellschaftlichen Erwartungen nicht entsprechen, werden ausgegrenzt und (im soziologischen Sinne) sanktioniert.

Diese freiwillige Auferlegung neuer, künstlicher Zwänge erschwert denen, die sich vernünftigerweise nicht daran halten, nur das Leben. Warum, das nützt doch keinem!

Außerdem regt mich das sehr auf, weil man es, im Hinblick auf die hygienischen Zustände in manchen Entwicklungsländern nur als dekadent und zynisch sehen kann.


Quote
01.03.2008 23:10 Uhr:
Von Uli:

Bravo Lotte,vor über 200 Jahren schickte Napoleon Bonaparte seiner Gemahlin Josephine auf dem Rückweg vom Camping diese SMS:"Wasche dich nicht,ich komme bald zurück!"Heute wissen wir das die geheimen Botenstoffe genannt Pheromone uns Männer ganz geil machen.Daher ist es wirklich schade das die ganzen Parfüms nicht nur den Körpermief,sondern auch die geheimnisvollen Düfte von Frau und Mann kaputt machen.


Quote
02.03.2008 19:15 Uhr:
Von Hessebub:

Das war doch in den späten 60ern /frühen 70ern alles schon mal da, Befreiung des (weiblichen) Körpers von den Prüderien der Zivilisation. Auch damals ist selten gute Literatur daraus geworden, aber das war auch weniger der Punkt. Interessant ist: damals war das Problem der noch viktorianisch verschämt verborgene Körper, heute ist es der steril optimiert zur Schau gestellte. Damals war die feministische Reaktion politisch, heute ist sie offensichtlich Pop.


Quote
03.03.2008 10:42 Uhr:
Von Lenny:

Unglaublich, was sich hier (in der Taz!!!) an Prüderie, Körperfeindlichkeit und Lust auf Zensur artikuliert. Wir sind weiter in den fünfziger Jahren als ich dachte. An den Reaktionen kann man deutlich sehen, dass Charlotte Roche keineswegs offene Türen einrennt, sondern Tabus bricht, die längst wieder aufgerichtet wurden.


Quote
06.03.2008 14:09 Uhr:
Von Charles:

Ich finde die Verküpfung von Körperhygiene & Feminismus super! Ich bin ab jetzt auch ein Feminist und sorge dafür, dass mein Körpergeruch mindestens drei Meter weit wahrnehmbar ist. Männer werden schließlich durch eben dieselben gesellschaftlichen Mechanismen zu Körperpflege & Rasur angehalten wie Frauen.

Ich ziehe mal die Konsequenz: "Männer befreit Euch vom Hygienezwang! Kein Sitzpinkeln mehr, das ist auch nur die Unterdrückung des spezifisch Männlichen! Nie wieder das Badezimmerfenster öffnen! Spermaflecken nach dem Masturbieren nicht mehr entfernen! Es lebe der Feminismus! Gleiches Recht auch für Männer!"

Hahaha!


Quote
08.03.2008 15:05 Uhr:
Von Bettina:

Erotik? - Charlotte Roche ist eine sehr sympathische Frau und ihre TV-Interviews haben mich erst auf "Feuchtgebiete" aufmerksam gemacht. Leider ist das Buch weder besonders humorvoll noch irgendwie erotisch ausgefallen. Angeblich will sie damit die letzten gesellschaftlichen Tabus brechen. Aber das haben Henry Miller ("Opus Pistorum") und Lilian Green ("Lustschrei") längst getan. Nur viel besser, da deren Natursekt-, Kaviar-, Anal-, Masturbations- und Inzest-Sexszenen wirklich erotisch und erregend rüberkommen. "Feuchtgebiete" müsste man da im Vergleich wohl eher in "Trockenzonen" umbenennen.


Quote
08.03.2008 22:27 Uhr:
Von Korinthenkacker:

[...] Ich finde das Buch empfehlenswert: Für nicht allzu zart beseidete als Unterhaltung. Es ist keine große Literatur, dafür fehlt der Story die Tiefe, aber so nebenher - ganz nett.

Quote
10.03.2008 17:05 Uhr:
Von Hedo:

Es ist lange her, dass mich ein Roman derart fesselte und ich ihn in kürzester Zeit verschlang. Dieser ist ganz nach meinem Geschmack. Super geil geschrieben. Schönes Kopfkino. Auch nicht stellenweise langweilig oder zu langatmig. Und Willemsen hat Recht, neben aller Direktheit soo schön zart. Ganz großes Kompliment und alle Daumen hoch an Charlotte R.

Und schön festzustellen, dass sich damit die Moralphilister so schön in Erregung versetzen lassen *lach*.


Quote
19.03.2008 13:53 Uhr:
Von She's a Lorm:

Wäre Charlotte Roche nicht populär, hätte ihr Roman keinen Verlag gefunden.
Hätte er doch einen gefunden, wäre er nicht so heiß im Gespräch.

Andererseits, lohnt es sich, sich aufzuregen, weil dieser Roman gedruckt wird?

Man sollte lieber drüber nachdenken, warum DSDS und das Dschungelcamp so hohe Einschaltquoten haben.

Und Sabine, heut kommen Kinder übers Internet viel leichter an Pornographie, als durch ein Buch.

Tipp: youporn

 ...


Quote
20.03.2008 17:01 Uhr:
Von Michael:

Wenn man Charlotte Roches Buch als mutig bezeichnet, wäre jeder Porno mutig zu nennen.

Das einzige was man Charlotte Roche nicht unterstellen kann: Dummheit

Sie versteht es sich in marketingtauglich in Szene zu setzen, doch vergisst dabei, dass sie sich selber karikiert.

Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen selbst Zwerge großen Schatten. Fragt sich nur wer der Zwerg ist. Der Leser oder der Autor?

So die geheiligten Worte ...


Quote
21.03.2008 16:37 Uhr:
Von sabrina:

ich habe mir nachdem ich einige für mich interessante interviews über das buch gesehen und auch gelesen habe dieses buch gekauft. und muss ganz ehrlich sagen dass ich (und das richtet sich jetzt speziell an die gegner bzw. kritiker des buches) mich oft in der roman'anti'heldin wiedererkennen konnte...liebe frauen und männer, für mich persönlich (ich bin eine 20 jährige junge frau) ist diese buch unheimlich befreiend und ehrlich!!! es ist doch tatsächlich so das von einer frau erwartet wird dass sie gut riecht, gepflegt und anmutig ist...und wir frauen steigern uns momentan immer mehr und mehr in die erfüllung von diesem vorgekautem 'idealbild' einer frau hinein. und ich denke wenn jede frau mal wirklich zu sich und ihrem körper ehrlich ist und sich selbst eingestehen kann, das auch sie scheißt, furzt, rülpst und bock auf hemmungslosen versauten sex hat, sich begehrenswert fühlen will auch wenn sie stinkt, ungeschminkt, und unrasiert ist, dann wird auch die letzte empörte frau grinsend und selbstzufrieden vor diesem roman sitzen!!!


Quote
22.03.2008 21:44 Uhr:
Von Zeus:

Habe das Buch gerade durch und interessehalber im Netz danach gegoggelt.

Für mich ist das einfach Pop-Literatur. Sicherlich nicht preisverdächtig, aber unterhaltsam, fand ich.

Die PR-Kampagne dazu mit solchen Vokabeln wie "Feminismus", "mutig" u.ä. scheint prima funktioniert zu haben, auch wenn ich mich dem nicht anschließen kann.

Paraphilien sind nicht mutig oder feministisch, sondern einfach vorhanden bei den Menschen, die sie haben und (hoffentlich) mögen.

In dem Sinne
"It´s only Rock´n´Roll (but I like it)"


Quote
27.03.2008 18:22 Uhr:
Von oliver berner, schweiz:

Per Zufall wurde mir dieses Buch zugetragen.
Noch habe ich es nicht zuende gelesen, aber, als Mann bekam ich einen "Ständer" und sogleich das "übelste Gefühl" des Kotzens.
Der Humor, die ganze Geschichte, ist für mich, als hätte es ein "kranker" Mann geschrieben.
Es wird vorgewarnt, dass es nichts für "Saubermänner" ist. Von "Sauberfrauen" steht da nichts. Für mich ist dieses Buch eine einzige Ohrfeige an die Männerwelt. Erst dachte ich, ich würde endlich etwas lernen können von der Sexualität einer Frau. Freute mich, dass die Autorin "Muschi" beim Namen nennt. Aber, ich verurteile diese Geschichte nicht.
Einzig, verzeiht mir meinen Geschmack, der mir diesen Brechreiz hervorgerufen hat, kann, könnte ich die schönste, Rosa-Muschi nicht mit der Zunge liebkosen,wenn ich darin einfach nur die "Vergangenheit" der "vergangenen" Tage auslecken dürfte.Keiner, nicht einer Frau, würde ich meinen Penis zu Munde führen, ohne dass hier jedes "weisse" vorher weggewaschen ist.

Noch was, ich schäme mich für Charlotte Roche, dass sie ihre intimsten Geheimnisse auf diese Art "veröffentlicht" hat. Auf so eine Muschi kann ein Mann bestimmt verzichten. Es sei den, er ist ein genau so ungegflegter "Sauhund".
Ich möchte mich hiermit beim Schwein und dem Hund entschuldigen.
Und bei den Frauen und Männer um Verzeihung bitten.

Es hätte so ein gutes Buch für mich, als Mann, werden können, hätte darin nicht gestanden, dass man "Kotze aus dem Eimer trinken kann".

Ich schäme mich. Mit Mut hat das nichts zu tun, es zu schreiben. Eher mit einer sehr "krankhaften Persönlichkeit".

Werde das Buch bis zur letzten Seite lesen. Denn ich hoffe, es könnte für mich ein "Happy-End" geben. Wenn nicht, werde ich Frauen mit Vorsicht geniessen. Werde, trotz dem hübschen Gesicht, noch heftiger an "ihre" Muschi denken.

Ja, Frau Roche, ich hoffe, dass nicht jede Frau so ist. Wohl bekomms. Prost.

Grüsse Oliver Berner, Schweiz


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28.03.2008 23:39 Uhr:
Von Abendroth:

Also, Freunde, ich habe das Buch nicht gelesen und empfinde angesichts der Kommentare darüber auch kein Bedürfnis, es zu tun. Es ist allenthalben bekannt, dass jeder Mensch tagtäglich zwischen 15 und 20 mal furzt und zwar vom Heizungskeller bis ins Bundeskanzlerinnenamt. Bekannt ist auch, dass wir alle mindestens einmal am Tag aufs Klo gehen, uns hinsetzen und mit mehr oder weniger Mühe übelriechende Nahrungsrückstände abkacken. Jeder, der einmal Sex hatte, weiß auch, dass dabei Gerüche entstehen, die nicht immer den ästhetischen Normen der Hochglanzwelt entsprechen, die uns mit sexuellen Anspielungen (im sanften Fall) allüberall bedrängt. Da werden Frauen schwanger, haben einen runden bauch und jeder weiß sofort, was sich da mal im Bett abgespielt hat. Jeder, der Kinder zu betreuen hatte, weiß, dass Kacke und Pisse völlig normal zur Lebensrealität gehören. Jeder, der Jugendliche betreut hat, weiß, was ein harter Fleck im Bettzeug zu bedeuten hat. Jeder weiß, wie ekelhaft oder eben vollkommen normal menschlich so ein menschlicher Körper sein kann. Wir wissen das Alles, aber niemand thematisiert es. Warum ist das so? Weil das intim ist und im Umgang zwischen den Menschen in ihrem normalen Leben mit anderen, grundsätzlich fremden Menschen einfach keinen Raum hat. Oder fragen sie ihren Chef morgens oder sonstwann ob sein Stuhlgang gut und befriedigend war? Es gibt eben verschiedene Sphären des Menschseins. Und wenn man das nun so - komischerweise debattenauslösend - hervorkehrt, ist das meiner Ansicht nach so ähnlich, als wenn ein kleines Kind in seiner Scheiße wühlt und fröhlich kräht: Mama guck mal. Nicht nur, dass wir das alles schon hatten - Bukowski, Miller, Bunel usw. was auch schon nur allzu Bekanntes zu Tage gebracht hatte - es ist ein infantiler Impuls, der solche pseudo-aufklärerischen Werke hervorbringt.
Aber naja, ich kann mich nur dem Urteil einer meiner Vorredner anschließen: wieso wird Porno ästhetisch, wenn er eklig ist? Wahrscheinlich, weil er dann nicht mehr ehrlicher Porno ist sondern eine Metareflektion oder eben und gleichzeitig: eine Verhüllung des Wahren. Charlotte Roche zieht sich aus und bleibt dabei seltsam angezogen. Das ist einfach nur Potscheklei.


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28.03.2008 23:49 Uhr:
Von Lydia Seeland:

Ekelerregend, mir wurde es vom Erzählen schlecht, meine Schwester hat das Buch gelesen, fand es zu Beginn lustig, sie erzählte während einer Autofahrt und hörte trotz meiner Bitte nicht auf. Ich musste mich beinahe übergeben.
Lydia


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29.03.2008 13:37 Uhr:
Von Maya:

Wieso regen sich hier eigentlich die meisten über dieses Buch auf?! Ist es nicht das was Charlotte damit bezwecken wollte. Ihr, die euch hier aufregt, bestätigt doch nur unsere verklemmte Welt...


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02.04.2008 13:56 Uhr:
Von Benn:

Das sich hier jedermann über dieses Buch aufregt kann ich nicht nachvollziehen.
Meiner Meinung nach ist es eine nette, etwas versaute Lektüre. Ich bin 23 und kenne Niemanden, ob männlich oder weiblich, der sich von dem bischen Fäkalromantik ernsthaft schocken lassen würde.
Diesem Buch auch nur einen Funken Emanzipatorisches Potential zuzuschreiben halte ich für völlig falsch. Da hat halt mal wieder wer aus seinem Namen Geld gemacht. Modell Dieter Bohlen.
Oder glaubt hier irgendwer, dass dieses Buch von irgendeinem Verlag verlegt worden wäre, wenn nicht Frau Roche sondern ein unbekannter Autor die Schmudellwörter aneinander gereiht hätte?


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12.04.2008 22:43 Uhr:
Von Köllepop:

Sex sells - das ist die einzige Wahrheit. Und warum auch nicht. Ist ja schließlich das wichtigste Thema: die Fortpflanzung. Was gibt es da aufzuregen? Immerhin lesen die Leute.


Aus: ""Feuchtgebiete" von Charlotte Roche: Schleimporno gegen Hygienezwang" VON JENNI ZYLKA (28.02.2008)
Quelle: http://www.taz.de/1/leben/buch/artikel/1/schleimporno-gegen-hygienezwang/?src=MC&cHash=a70ab54d4e

-.-

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[...] mit der liebe ist das so: mit uns ist das etwas kompliziert als ob bei den anderen alles sehr unkompliziert wäre. kompliziert is the new romantik. kompliziert is the new ausrede of everythink(g). ko-mp-li-zie-RT mit bindestrichen. wenn jemand was nicht versteht sagt man auch " ist kompliziert". so, und das ist die liebe. muss man nicht verstehen. stattdessen: warten. wa-RT-en mit bindestrichen.


[...] übrigens. ich war am ostersonntag in der kirche. nicht jetzt wegen religiös geworden, ich war schon immer leicht religiös. auf meine eigene art und interprätation, ja. ja? ja. und was ist da passiert: alle die in der kriche waren UND den heiligen oblaten zu sich genommen haben sind an noro-virus erkrankt. und das war so toll. toll in gänßefüsschen. soviele kotze aufeinmal in (m)einer wohnung mit unterschiedlichen inhalten hab ich noch nie gesehen. ohne spass. da kann sich die roche mit ihrem eckligen buch verstecken, wenn ich hier anfangen würde, meine gefühle die mir hochkamen, beim kotzeweg-wischen zu beschreiben. also beschreib ichs nicht.



[...] übrigens: das neue roche buch finde ich fürchtbar!!!


Aus: "mit der liebe ist das so" Frau neuro - 27. Mrz, 15:02
Quelle: http://runtimeerror.twoday.net/

-.-

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[...] Ich kann ja ehrlich gesagt diesen ganzen Entfremdungswahn nicht nachvollziehen. Diese Vorstellung, die Moderne sei eine Zeit, in der man sich von einem gesunden Umgang mit Tod, Verderben, Körperlichkeit und wasweißich entfernt habe, kommt mir reichlich romantisch vor. Da muß man sich ja eine Zeit denken, so eine Art goldenes Zeitalter, in der die Menschen in schönstem Einklang mit sich und ihren Exkrementen über die Wiesen gehüpft sind und ganz natürlich umgegangen sind mit den düsteren und schleimigen Ecken ihres Daseins.

Ich bin mir nicht sicher, ob es das in den letzten fünftausend Jahren gegeben hat. Ich glaube, wenn die Menschen die Wahl gehabt hätten, dann hätten sie dreimal täglich in Eselsmilch gebadet und sich mit Rosenwasser überschüttet. Die meisten Völker haben früher oder später eine Bade- und Kosmetikkultur entwickelt, weil Reinlichkeit ja auch ein Statussymbol ist. Und weil Kultur immer Entfremdung vom vermeintlich Natürlichen bedeutet.

Es ist unnatürlich, Auto oder Zug zu fahren, in Häusern zu wohnen und in Betten zu schlafen. Es ist unnatürlich, Pizza zu essen und Elektropunk zu hören und die Schriftkultur ist natürlich auch unnatürlich, weil da die ganze orale Tradition bei verloren geht, die dem Menschen ja viel näher ist als das stille Lesen von Buchstaben, das uns zu autistischen, vereinzelten Rezeptoren gemacht hat statt wie früher das Geschichtenerzählen die Menschen am Feuer zu verbinden. Muß man das jetzt auch alles anprangern?


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Ich will damit zeigen, dass diese Idee, Gerüche müsse man immer wegmachen, schlecht ist. Es gibt Körperteile, die müssen riechen und Schleim haben und der Kampf dagegen ist falsch.


Und es gibt Menschen, die halten ihren Körpergeruch auch aus Rücksicht auf andere Mitmenschen, in der S-Bahn beispielsweise, so dezent zurück, daß man ihn erst dann riecht, wenn man mit der Nase drauf gestoßen wird, und zwar wörtlich. Ich glaube, es ist durchaus angebracht, sich regelmäßig zu duschen und die Kleidung zu wechseln, gerade dann, wenn man eng mit anderen zusammenlebt. Das ist eine Frage der Höflichkeit. Denn mindestens genauso tabubesetzt wie Körpergerüche selbst ist das Hinweisen anderer Menschen auf deren Geruch. Wem fällt es schon leicht, seinen Büronachbarn auf die Existenz von Dusch- und Waschmöglichkeiten aufmerksam machen zu müssen? Und wer hört sich das schon gerne an? Diese Peinlichkeit sollte man möglichst beiden Seiten ersparen.

Was man dann zu Hause auslebt, hat damit nichts zu tun. Denn die Moderne bringt es nun einmal auch mit sich, zwischen öffentlicher und privater Sphäre zu trennen. Diese Trennung versucht Roche, im Buch wie auch in Interviews zu nivellieren und als unnatürlich anzuprangern:

Quote
Als Menschen sind wir ursprünglich darauf angelegt, im Geruch des anderen den potentiellen Sexualpartner zu suchen und zu erkennen. Indem wir uns künstlich parfümieren, nehmen wir uns eine Quelle der Lust. Ich möchte das Geschlechtsteil des Mannes durch seine Hose hindurch riechen.


Ja, aber doch nicht das Geschlechtsteil des Sitznachbarn im Bus! Die Protgonistin des Buches, Helen, geht vor allem deshalb so auf die Nerven, weil sie nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Menschen ständig ungefragt ihre Körperausscheidungen zumutet. Das mag bei einem jungen hübschen Ding auch noch irgendwie durchgehen, aber was, wenn Helen erst einmal fünfzig ist? Schmiert sie sich dann immer noch mit ihren Vaginalsekreten voll? Ich wage ja zu behaupten, daß das Buch vor allem deshalb viele so fasziniert, weil es mit einer jungen, gutaussehenden Heldin und einer jungen, gutaussehenden Autorin gesegnet ist. Alles andere würde wirklich verstören, und das wollen wir ja nicht.

[...]



Aus: "lotte in pipikakaland" Von andreaffm, Do, 27.März.2008, 12:03
Quelle: http://gig.antville.org/stories/1776736/

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Quote
[...] BERLIN (BLK) – Am Sonntag (13. April 2008) machte die 38 Städte umfassende Lesereise der ehemaligen Viva-Moderatorin und Grimme-Preisträgerin Charlotte Roche (29) nun auch Halt in Berlin.

[...] Auch wenn manches erdacht ist, so ist ihr Buch autobiografisch geprägt. Als Jugendliche hat sie gegen die Eltern rebelliert, hat beispielsweise das Waschen eingestellt. Die Moderatorin ist selbst Scheidungskind, wie Romanfigur Helen. So stellt Roche diese als verletzliches Kind dar, wenn Helen den Wunsch äußert, die Eltern an ihrem Krankenbett wieder versöhnen zu wollen. Die Autorin selbst findet das „völlig naiv und traurig“, ist aber der Meinung, dass viele Scheidungskinder so seien, sagte sie dem „Tagesspiegel“.

Die Autorin beginnt mit der Lesung des Prologs. Darin schildert sie Helens makabre Pläne, die Eltern wieder zusammenzubringen. Das Publikum reagiert mit ausschüttendem Lachen. Danach fährt sie im Text fort. Man erfährt so einiges über Helens Hinterteil und ihren Intimbereich. Diese referiert über Hämorriden, Analverkehr, Intimrasuren, „nichtgewaschene Muschi-Experimente“, Intimgerüche, Smegma, Gleitmittel, Masturbationstechniken und vorpräparierte Unterhosen. An vielen Stellen bricht das Publikum in Lachen aus. Zugegebenermaßen war diese Lesung zuweilen sehr amüsant.

Das lag aber auch an der Autorin, die die Stimmung immer wieder mit einigen Anekdoten auflockerte. So erfuhr das Publikum beispielsweise, welches im Buch erwähnte Gleitmittel denn gern Fernsehwerbung mit Charlotte Roche machen wolle und für welche sexuellen Hilfsmittel sie sich gern zu Werbezwecken bereitstellen würde. Was für die einen jedoch unterhaltsam ist, ist für andere schwer verdaulich, so fiel eine im Publikum sitzende Frau in Ohnmacht. Zuletzt durfte das Publikum noch Fragen stellen. Da wir uns in Kreuzberg befanden, kam da natürlich ordentlich „Berliner Schnauze“ durch und es blieb weiterhin amüsant.

Man erfuhr, dass Charlotte „gern so cool“ wie Helen wäre. Auch war sie sich bewusst, dass dieses Buch sie in die Schlagzeilen bringen würde und musste zugeben, dass es eine Tatsache sei, dass das Erfundene zu diesem Thema mehr aussage, als was man selbst so mache. Sie werde auch bestimmt ein zweites Buch schreiben, jedoch nicht über Sex, denn das nehme die Lust an eben solchem. Roche beantwortete auch Fragen zu den Reaktionen ihrer Familie. So erzählte sie vom Verhalten der Nachbarn, ihrer Angst vor den späteren Reaktionen ihrer fünfjährigen Tochter und machte die Geräusche nach, die ihrem Mann entfuhren, als er das Buch zum ersten Mal las. Auf diese Weise endeten 80 Minuten Unterhaltungsprogramm ohne größeren literarischen Anspruch, dem man aber nicht hinterher trauern musste.


Aus: "Von Analsex und Smegma – Charlotte Roche liest aus „Feuchtgebiete“" - Das Buch plädiert für eine weniger rigide Körperhygiene - Von Carolin Beutel (Die Berliner Literaturkritik, 14.04.08)
Quelle: http://www.berlinerliteraturkritik.de/index.cfm?id=17756

« Last Edit: April 15, 2008, 03:09:16 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[...ermutigt den kunstlosen Sexus! (INGEBORG HARMS, Roche, Feuchtgebiete III) ]
« Reply #11 on: April 15, 2008, 03:25:48 nachm. »
Quote
[...] [Ingeborg Harms] wird für immer als die Kritikerin im Gedächtnis bleiben, die Marcel Reich-Ranicki im Literarischen Quartett erklärte, wer Kurt Cobain ist. Über den anderen suizidalen Punkrocker, Heinrich von Kleist, wurde sie promoviert, ist seit Jahren freie Mitarbeiterin im Feuilleton der FAZ ...


Quelle: http://www.monopol-magazin.com/index.php?page=63&id=79


-.-

Quote
[...] Entweder Roches Heldin ist naturnahe Erotomanin, die alles den Körper Betreffende wie ein großes Abenteuer angeht und die Sabotagen der Hygieneindustrie verachtet, aber bei der Sterilisation eine Ausnahme macht, weil sie bei ihren Eskapaden durch keine Schwangerschaft ins Stolpern kommen will. Oder sie ist ein gebranntes Scheidungskind, das im Dschungel zeitgenössischer Sexbesessenheit nach Liebe und einer Treue sucht, der sie den Härtetest der Familiengründung nicht mehr zutraut. Furcht vor den Strapazen einer Geburt wird kaum der Grund für die Sterilisation sein. Denn in der Hoffnung, ihre Eltern durch einen verlängerten Klinikaufenthalt doch noch zusammenzuführen, fügt Helen sich bedenkenlos eine schreckliche Verletzung zu. Das Thema Geburt lässt andere Warnlichter aufleuchten: In der Kindheit wurde sie heimliche Zeugin eines Gesprächs, in dem ihr Vater einem Freund davon berichtete, "wie schlimm es für ihn war, bei meiner Geburt zugucken zu müssen". So wie Helen bei der Begutachtung ihrer OP-Wunde malt auch ihr Vater alle Details der ihn überfordernden Szene inbrünstig aus. Der Freund flüchtet sich in Gelächter: Denn "über das, wovor man am meisten Angst hat", so Helen, "lacht man immer am lautesten". Es bleibt in der Schwebe, ob Helen die eigene Geburt für die Trennung der Eltern verantwortlich macht. Klar ist auf alle Fälle, dass Charlotte Roche das Lachen für eine noch bessere Traumaprophylaxe hält als den Albtraum. Ihr satirischer Roman setzt sich beherzt dafür ein, dass die Beziehungen zwischen Mann und Frau nicht noch einmal an unzureichender Aufklärung scheitern. So macht sich ihre Heldin systematisch mit allen Eventualitäten des Liebeslebens vertraut. Ihr Verhalten ist ein einziges Antiprogramm zum Treuephantasma, ein Abwehrzauber und eine Flucht nach vorn, die jeder möglichen neuen Verletzung zuvorkommen möchte. "Eine Art sexuelle Überforderung von sich selber", nannte Roche das in einem Interview: "Die will sich stählen für irgendwelche Ernstfälle."

Zur Errichtung dieses Frühwarnsystems macht sich Helen systematisch mit der Grauzone des männlichen Sexuallebens vertraut. Sie besucht Bordelle, wo sie Prostituierte auswählt und mit ihnen ins Bett geht, phantasiert von pubertären Spermaorgien auf Pizzadienstlieferungen und beschäftigt sich ausführlich mit dem Onanieren. Doch so wie die überdrehten und aufs Technische abhebenden Onanieszenen ohne stimulierende Phantasmen, Bildvorlagen und ideale Partner auskommen, bleiben auch die Bordellszenen schemenhaft und konstruiert. Im "Playboy" äußerte sich die Autorin positiv zur Pornographie. Doch im "Spiegel"-Gespräch gestand sie: "Das Pin-up, das ich auf einem C&A-Plakat sehe, wenn ich mein Kind zum Kindergarten fahre, das stört mich auch." Roche begründet ihre Aversion damit, dass der in der Öffentlichkeit ad nauseam propagierte Sex "langweiliger, flacher, spießiger und unaufregender" sei als die Wirklichkeit: "Ich bin für mehr Sex - mehr Schweinereien, keine Tabus. Ich glaube, dass es vom echten Sex, dem Sex, der riecht und schmeckt und schmutzige Geräusche macht, nie genug geben kann." Die Differenz, die Charlotte Roche mit dem C&A-Plakat aufmacht, ist keine zwischen Sex und Sex, sondern eine zwischen Sex und idealisierten Sexobjekten, die unaufgeregt im Sinne des von Freud definierten weiblichen Narzissmus und "flach" im Sinne des geschlossenen, wenn auch weitgehend nackten Körpers sind. Sie sind Charlotte Roche ein Dorn im Auge, während sie das pornographische Spektakel aufgelöster Leiber begrüßt. Insofern ist "Feuchtgebiete" auch ein Pamphlet gegen die Pin-up-Kultur der lückenlos Attraktiven und die Zumutung, die sie für wirkliche Frauen bedeutet. "Was diese Frauen aber nicht wissen", so Helen über die Blondierungs-, Maniküre-, Peeling- und Intimwaschkünstlerinnen, die eine solche Kultur hervorbringt: "Je mehr sie sich um all diese kleinen Stellen kümmern, desto unbeweglicher werden sie. Ihre Haltung wird steif und unsexy, weil sie sich ihre ganze Arbeit nicht kaputtmachen wollen."

Vielleicht, um nicht in unerwünschte Nachbarschaft zu geraten, spart die Helen in den Mund gelegte Hygieneliste die Martyrien aus, denen sich all die unterwerfen, die kein klassischen Proportionen gehorchendes Gesicht und einen achtzehnjährigen Modelkörper besitzen. Schönheitsoperationen, teure Spa-Aufenthalte und Hungerkuren haben hier bekanntlich ein weites Feld. Dabei weiß Charlotte Roche, dass "Feuchtgebiete" gerade auch diese Bastion in Angriff nimmt und mit der proklamierten Rückkehr zu den fünf Sinnen in der öffentlichen Sexverhandlung an der Diktatur der Optik rüttelt. Der Eros, den sie beschwört, sendet nicht nur Gerüche aus, erlaubt sich Tuchfühlung und durchdringende Blicke, er macht auch den Mund auf. Helens schamlose Reden wirken auf ihren Pfleger Robin anziehend.

"Feuchtgebiete" ist auch ein Crash-Kurs in Sachen Verführung, und das macht den Roman vielleicht am deutlichsten zum Hybrid des Feminismus. Eckhard Fuhr wies in der "Welt" darauf hin, dass Charlotte Roche einen Faden aufnimmt, den der Feminismus vor dreißig Jahren fallen ließ. Vielleicht sollte man eher von einer aufgefischten Fahrradkette sprechen, denn Helen steht auf die Schmerzlust der Piercings. Wo aber Punk und Emanze sich treffen, da geht es um die Verachtung der aufgebrezelten Frau: "Was ihre physische Erscheinung betrifft, leiden Frauen unter Gehirnwäsche", schrieb Germaine Greer 1971: "Ihre Haltung dem eigenen Körper gegenüber ist oft apologetisch, denn sie vergleichen ihn mit dem plastischen Objekt des Begehrens, das durch die Medien verbreitet wird." Greers Diagnose löste unter politisch denkenden Frauen eine Welle demonstrativer Entspannung aus. Ohne Rücksicht auf Attraktivitätswerte warfen sie ihr Make-up in den Abfall, zogen bequeme Gummisohlenschuhe, Beutelhosen und lagenreiche Kleider an und wurden prompt als "Möchtegern-Kräuterhexen" abgestempelt. Bis heute leidet die weibliche Emanzipationsbewegung am Image, das damals geboren wurde, einem Frauenbild, das islamischen Verhüllungsgepflogenheiten in mancher Hinsicht näher ist als der Barbiewelt von Mattel. Der Frauenkörper löste sich unter Stoffschichten auf und verquoll auf schweren Schritten mit der Umwelt. Damit aktivierte er eine archaische Furcht vor den ausufernden Dimensionen mütterlicher Weiblichkeit und jenem Verschlungenwerden, das Freud als Angstvision dem Ödipuskomplex zugrunde legte. Wenn Charlotte Roche die Hämorrhoiden ihrer Protagonistin mit den "Fangarmen einer Seeanemone" vergleicht, greift sie genüsslich auf dieses phantasmagorische Horrorkabinett zurück.

[...] Sowie es Lust zu erzeugen gilt, und das ist der Zweck des kommerziellen Spektakels, wird das groteske Eigenleben des Körpers unter Verschluss gehalten. Alles, was als Pornographisierung des öffentlichen Raums diskutiert wird und was Charlotte Roche mit dem C&A-Pin-up herbeizitiert, fällt unter den klassischen Kanon.

[...]Die meist weibliche Blöße, mit der uns der Werbemarkt bombardiert, entspricht dem, was Brad Easton Ellis in "American Psycho" als "hardbody" bezeichnet und was Bachtin die "massive und taube Fassade" des Körpers nennt: "Alles, was herausragt und absteht, alle scharf ausgeprägten Extremitäten, Auswüchse und Knospungen, wird entfernt, weggelassen, zugedeckt." Von Bachtins Mittelalter aus müssen die makellosen Ikonen, mit denen die Konsumwelt das Bewusstsein flutet, als postreligiöse Versicherung gegen den grotesken Leib verstanden werden. Trotzdem wird die schöne, der Zeit trotzende Nacktheit seit den Sechzigern mit Wahrheit, Natur und Aufklärung gleichgesetzt. Dabei ist sie die Lebenslüge eines Kapitalismus, der die klassische Gestalt des Menschen längst in ihre zahllosen, vermarktbaren Teile zerlegt hat und aus der Genomanalyse eine Aktiengesellschaft macht: nur weil der Konsument seine beschämende Unvollkommenheit durch stets neue Warenfetische zu kaschieren sucht, kann das biotechnologische Zeitalter zur Hochform auflaufen.

"Feuchtgebiete" deshalb als Plädoyer für die Rückkehr zur Natur zu lesen, übersieht, wie jüngst Winfried Menninghaus in seinem Darwin-Buch zeigte, dass nichts so raffiniert ist wie die Natur. Auch bei Charlotte Roches Interesse am grotesken Körper handelt es sich um keinen grünen Werbefeldzug zur sexuellen Artenerhaltung, sondern um ein Experiment. Indem Helen den Körper mit seinen polymorph-perversen Trieben fest ins Auge fasst, legt sie einen sprachlichen Boden, wo in der euphemistischen Gesellschaft der stumme Schrecken vor der je eigenen Monstrosität gelauert hat. Wie schon die Schwulenbewegung zeigte, wird das Peinliche ins Selbstbewusstsein aufgenommen, sobald es formuliert ist. Was einen Ort in der Sprache hat, wird nicht länger verdrängt und muss nicht provozierend demonstriert werden. In diesem Sinne schafft Roches Roman die Grundlage für ein weibliches Selbstbild, in das die Differenz zwischen intimer Wirklichkeit und öffentlicher Inszenierung ganz selbstverständlich eingespeist ist und souverän verwaltet werden kann.

[...] Stephen Frears wusste noch, dass der Verführer nicht schön sein darf, und wählte bei der Verfilmung der "Gefährlichen Liebschaften" vor zwanzig Jahren John Malkovich für die Rolle des Valmont.

"Solche Frauen", sagt Helen von den Rasierten und Gekämmten, "traut sich doch keiner durchzuwuscheln und zu ficken." Damit fordert sie das Klischee heraus, die Wahl des Sexualobjekts laufe bis heute evolutionistisch ab und werde von Fortpflanzungskriterien dominiert, die biometrischer Perfektion, männlichen Muskelpaketen und weiblicher Jungfrauenanmut den Vorzug geben. In der von Georg Franck beschriebenen Aufmerksamkeitsökonomie ist dieses Ideologem zur self-fulfilling prophecy geworden. Wie Helen predigt, kann aber nur der fehlerhafte, unfertige und ergänzungsbedürftige Leib eine Anziehungskraft entfalten, die der Sexualität gewachsen ist. "Knochiges leeres Gesicht", beschrieb Franz Kafka nach der ersten Begegnung Felice Bauer, "fast zerbrochene Nase", "reizloses Haar, starkes Kinn".

Und doch entwickelte er für sie eine Passion wie kaum für eine andere Frau. Verführbarkeit und Verführung haben mit der Freiheit zu tun, vom großen Marschweg abzuweichen. Wenn man den ersten Anzeichen bei Autoren wie Charlotte Roche, Iris Hanika und Clemens Meyer trauen darf, nimmt die Literatur von den Hardbodies Abschied, die auch bei Michel Houellebecq die Romanhandlung diktieren.

[...] Für die frustrierten Idyllen in unseren Köpfen ist Helen ein gefährliches Monstrum, das uns daran erinnert, dass wir nicht sind, wie wir uns geben. Charlotte Roche ist sprachlich etwas fast Unmögliches gelungen. Sie versöhnt uns mit dem Beschämenden, bei dem alle Verführung anfängt. Indem ihr kaltblütiger Seiltanz den grotesken Leib begnadigt, erlöst er die Erotik aus der Verfallenheit ans vollkommene Bild. "Feuchtgebiete" ermächtigt zum Spiel mit der individuellen Versehrtheit und ermutigt den kunstlosen Sexus, endlich erwachsen zu werden.





Aus: "Sexualität ist Wahrheit" Von INGEBORG HARMS über Feuchtgebiete von Charlotte Roche (13. April 2008)
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.04.2008, Nr. 15 / Seite 30
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~E192E4912965E4A19B79496D5A7220EC9~ATpl~Ecommon~Scontent.html

« Last Edit: April 15, 2008, 03:34:54 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Feuchtgebiete III... (Frauenkörper, Hygiene, Benimmregeln, Mädchenkram)]
« Reply #12 on: April 21, 2008, 11:59:25 vorm. »
Quote
[...] "Eine Frau, die furzt, kann ich nicht küssen." Mit diesen Worten kommentiert, in gewohnt unübertroffener Schlichtheit, der Bild-Zeitungs-Kolumnist Franz Josef Wagner den sagenhaften Erfolg von "Feuchtgebiete", dem Roman von Charlotte Roche. Er bringt damit jene Haltung auf den Punkt, die von Frauen das Verstecken der eigenen Kreatürlichkeit verlangt - und damit Schweiß und fleckige Unterhosen für Männer reserviert.

 Mit seiner Abscheu vor Roches Roman macht Wagner deutlich, dass die Forderung nach weiblicher Hygiene ein Mittel patriarchal gesinnter Männer ist, um Frau besser kontrollieren zu können. Nolens volens widerspricht Wagner damit seinen Kollegen aus dem angesehenen Feuilleton von Süddeutscher Zeitung und FAZ. Die haben das Thema Selbstbefreiung durch Bruch mit den allgemein gültigen Benimmregeln nämlich als nebensächlich abgetan: Mädchenkram eben.

Dieser Mädchenkram hat sich nun 430.000-mal verkauft. Nach nur sechs Wochen. "Feuchtgebiete" ist damit mehr als nur ein Bestseller von irgendeiner Fernsehmoderatorin. "Feuchtgebiete" ist ein Phänomen. Offenkundig trifft Roches humorvolle Erkundung erogener Zonen bei sehr vielen, vorwiegend weiblichen Leserinnen auf Interesse. Ein Interesse, das sich - darin sind sich dann alle Rezensenten einig - nicht allein mit "Sex sells" erklären lässt.

 Natürlich sind Jugend, Schönheit und Prominentenstatus der Autorin sowie die Geste des Tabubruchs gute Voraussetzungen für einen Bestseller-Erfolg. Im Falle von Roche ist aber wohl das rotzige Selbstbewusstsein entscheidend, mit der ihre Protagonistin die Lust am eigenen Schleim, Geruch und Körper obsessiv feiert. Rabiat attackiert der Text gerade jene Einstellungen, die Franz Josef Wagner als Volkes Stimme verteidigt.

Roche aber bricht nicht nur souverän das Tabu, das vom Frauenkörper bis heute eine ganz besondere Hygiene und Sittsamkeit verlangt - folglich schmutzige Mädchen als asozial ausgrenzt. Das Besondere und auch besonders Zeitgemäße ist vielmehr, dass Roches Erzählweise nicht bei der Negation, beim Angriff auf die Prüderie stehenbleibt. Stattdessen erfindet sie neue, sanfte Worte für jene Körperzone, die bis heute gemeinhin als weiblicher Schambereich bezeichnet wird. Für ihre Heldin sind die äußeren Schamlippen "Vanillekipferl", die inneren firmieren als "Hahnenkämme", die Klitoris hat sie auf den glitzernden Märchennamen "Perlenrüssel" getauft. Der Text ist ein Aufruf, mit sich selbst zu spielen und für seine Lust neue Praktiken und Namen zu finden. Helens größter Kontrahent ist daher ihre Mutter: die ist ein einziger Hygienezwang.

"Feuchtgebiete" ist nicht mehr als ein raubeiniges Manifest gegen die Einhegung des weiblichen Körpers durch Sauberkeits- und Schönheitszwänge - und mehr will es auch nicht sein. Doch es ist ein Symptom. An den unterschiedlichsten Ecken flammen derzeit Diskussionen um die - erotische oder ökonomische - Unabhängigkeit von Frauen auf: Feminismus ist wieder Thema. Pünktlich zum 40. Jubiläum von 1968 bekommt Alice Schwarzer Gesellschaft. Und zwar von Akteurinnen und Akteuren, die nicht ins Klischee von der Feministin passen. Sondern, siehe Charlotte Roche oder auch Familienministerin Ursula von der Leyen - eher zur Marke everyones darling gehören.

Selbstredend darf der Regisseur Quentin Tarantino in der Reihe der unorthodoxen, aber aktuell einflussreichen feministischen Akteure nicht fehlen. Filme wie "Kill Bill" oder seine jüngste Hommage an Stuntfrauen in "Death Proof" feiern gleichfalls Heldinnen, die männlich okkupierte Zonen entern und aneignen. Ähnlich selbstbezogen wie Helen beleben sie ein feministisches Imaginäres. Bei Tarantino dürfen Frauen schön und gewalttätig sein, bei Charlotte Roche weisen sie den zeitgemäßen Schönheitswahn zurück und öffnen die Tür für das Spiel mit Schamhaar, Schleim und Perlenrüssel. Auf der Strecke bleibt jeweils die Sorge um andere, um Schwächere. Der aktuell massentaugliche Feminismus spiegelt den Egoismus der Mittelschicht wider.

[...]




Aus: "Charlotte Roches "Feuchtgebiete" ist ein Symptom: Die Lust am Schleim" KOMMENTAR VON INES KAPPERT (19.04.2008)
Quelle: http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/die-lust-am-schleim/?src=SE&cHash=57f5ef44f4


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[Damit kommt im Mainstream an... ]
« Reply #13 on: April 30, 2008, 12:07:02 nachm. »
Quote
[...] Der vulgäre "Vagina Style" von Lady Bitch Ray und die offensive Sex-Sprache von Charlotte Roche sind eine feine Sache, meint die Sängerin Bernadette La Hengst. Damit kommt im Mainstream an, was der subkulturelle Pop-Feminismus schon lange fordert: Subversion durch Schönheit.


Aus: "POP-FEMINISMUS: Sex, Schweiß und Selbstironie" (29. April 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,546449,00.html


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Quote
[..·] In Oberlehrerinnenmanier wurde der Esslustigen anschließend von ihren drahtigen Gefährtinnen auseinandergesetzt, es biete sich nun die ideale Chance, Anpassung und Unterwürfigkeit zu lernen: Hirn ausschalten, Klappe halten und so sein, wie "der Kunde" (nicht selten Klum-Werbepartner wie McDonald's) einen haben will. Nämlich: dünn, dämlich, servil.


Aus: "TOP-MOPPEL GISELE" - 150 Jahre Frauenbewegung - im Handstreich erledigt Von Patricia Dreyer
"Voll cool, voll schön, voll geil Spaß" - das Heiteitei-Weltbild von Sendungen wie "Germany's Next Topmodel" propagiert ein dünn-dämlich-serviles Frauenbild - alles für den geheiligten Werbekunden! (16. Mai 2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,553737,00.html


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[Feminist Sex Wars... ]
« Reply #15 on: August 12, 2008, 11:13:32 vorm. »
Quote
[...] Der Postfeminismus radikalisiert mittels des Dekonstruktivismus und des Poststrukturalismus den Feminismus. Im Postfeminismus werden sowohl das biologische Geschlecht (sex) wie das soziale Geschlecht (gender) als gesellschaftliche Konstrukte angesehen und deshalb als Klassifikationseinheiten abgelehnt. Im Mittelpunkt steht nicht mehr das Subjekt „Frau“, sondern dessen Subjektivierung.

...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Postfeminismus (13. Juni 2008)

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Quote
[...] Die Feminist Sex Wars (engl. Sex-Krieg der Feministinnen) beschreibt die Phase der intensiven und kontroversen Debatten und Diskussionen zwischen den sexpositiven und anti-pornografischen Feministinnen, die von den späten 1970ern an während der 1980er Jahre andauert. In den auch als Lesbian Sex Wars, Porn Wars oder Sex wars bekannten, erbitterten Auseinandersetzungen innerhalb der feministischen und lesbischen Bewegung wurde die Einstellung der Bewegung zu Themen wie Sexualität, Pornographie, Sadomasochismus, der Rolle transsexueller Frauen in der lesbischen Gemeinschaft und andere sexuell orientierte Themen diskutiert. Die Debatten führten letztendlich zur Teilung der feministischen Bewegung in den anti-pornographischen und den sex-positiven Feminismus. Die Phase der Feminist Sex Wars wird oft als der Abschluss der zweiten Welle der Frauenbewegung betrachtet.

...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Feminist_Sex_Wars (23. Juni 2008)

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Quote
[...] Sex-positive feminism ist eine Bewegung, die in den USA in den frühen achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts als Antwort auf die Versuche einiger antipornografisch orientierter Feministinnen wie Catharine MacKinnon, Andrea Dworkin und Dorchen Leidholdt entstand, Pornografie in den Mittelpunkt feministischer Erklärungsmodelle für die Unterdrückung der Frau zu stellen.[1] Im angelsächsischen Raum sind diese intensiven Debatten und kontroversen Auseinandersetzungen zwischen sexpositiven und antipornografischen Feministen als Feminist Sex Wars bekannt. Andere sexpositive Feministen beteiligten sich an diesen Auseinandersetzungen, wobei sie sich aus ihrer Sicht nicht gegen andere Feministen richteten, sondern gegen eine Entwicklung, die sie als patriarchalische Kontrolle der Sexualität betrachteten.

Zu den Autoren, die sexpositive Positionen vertreten, gehören unter anderem Ellen Willis, Susie Bright, Patrick Califia, Gayle Rubin, Avedon Carol, Camille Paglia, Tristan Taormino und Betty Dodson. Im deutschsprachigen Raum nahm die Diskussion um die PorNO-Kampagne die wichtigsten Argumente und Forderungen der antipornografischen Seite auf, eine vergleichbar intensive Diskussion unter Feministen blieb jedoch weitestgehend aus.

[...] Im Mittelpunkt des sexpositiven Feminismus steht die Vorstellung, dass sexuelle Freiheit ein grundlegender Bestandteil aller weiblicher Bestrebungen nach Freiheit und Gleichberechtigung sein sollte. Daher lehnen sexpositive Feministen alle sozialen oder rechtlichen Bestrebungen, einvernehmliche sexuelle Aktivitäten zwischen Erwachsenen einzuschränken, gänzlich ab. Diese Ablehnung erfolgt unabhängig davon, ob die Initiatoren derartiger Maßnahmen Regierungen, andere Feministen, Gegner des Feminismus oder wie auch immer geartete Institutionen sind.

Gayle Rubin fasste den zu Grunde liegenden Konflikt über das Thema „Sex“ innerhalb des Feminismus wie folgt zusammen:

    „Es gab zwei Richtungen feministischen Gedankengutes zu dem Thema. Die eine kritisierte die Beschränkung des weiblichen Sexualverhaltens und verwies auf den hohen Preis für das sexuelle Aktivsein. Diese Tradition feministischer Gedanken zum Thema Sex forderte eine sexuelle Befreiung, die sowohl für Frauen als auch für Männer funktionieren sollte.
    Die zweite Richtung betrachtete die sexuelle Befreiung als inhärent bloße Ausweitung männlicher Vorrechte. In dieser Tradition schwingt der konservative antisexuelle Diskurs mit.“[2]


[...] Gayle Rubin forderte in Thinking Sex: Notes for a Radical Theory of the Politics of Sexuality eine neue feministische Theorie der Sexualität. Sie vertritt die Auffassung, dass die existierenden feministische Positionen zum Thema Sexualität die sexuelle Befreiung lediglich als eine Entwicklung betrachtete, die die männliche Vorherrschaft weiter festigt. Rubin kritisierte antipornografische Feministen, die aus ihrer Sicht "geradezu jede Variante sexuellen Ausdrucks als antifeministisch verurteilt haben", sie stellte hierzu fest, diese Perspektive auf Sexualität sei gefährlich nahe an den Positionen einer antifeministischen konservativen Sexualmoral. Rubin forderte Feministen dazu auf, die politischen Aspekte der Sexualität zu betrachten ohne sexuelle Unterdrückung zu begünstigen. Weiterhin forderte sie, die Schuld für die Unterdrückung der Frau statt gegen relativ einflusslose sexuelle Minderheiten gegen Faktoren zu richten, die es verdienen: „Die Familie, Religion, Kindererziehung, Ausbildung, die Medien, der Staat, die Psychiatrie, Benachteiligungen am Arbeitsplatz und ungleiche Bezahlung ...“

McElroy vertritt den Standpunkt, dass die Konzentration der Feministen auf Aspekte des sexuellen Ausdrucks in den 1970er und 1980er Jahren das Resultat ihrer Frustration mit dem offensichtlichen Versagen des Feminismus auf politischer Ebene war, nachdem das Equal Rights Amendment gescheitert war und unter der Regierung Ronald Reagans das Recht auf Abtreibung zunehmend angegriffen wurde.




Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sex-positive_feminism (5. Mai 2008)


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Quote
[...] Als sexuell verwahrlost wurden im nationalsozialistischen Deutschen Reich Mädchen und Frauen bezeichnet, denen zu viele (promiske) bzw. gesellschaftlich nicht akzeptierte sexuelle Kontakte vorgeworfen wurden. Das betraf somit einerseits Prostituierte und sexuell aktive Frauen, andererseits aber auch Opfer sexuellen Missbrauchs. Hierbei wurde die Täter-Opfer-Beziehung umgedreht, wie es besonders in patriarchalischen Gesellschaften oft vorkommt. Solche Frauen wurden von den Nationalsozialisten, wie auch lesbische Frauen, in Konzentrationslager wie das KZ Ravensbrück verschleppt und in vielen Fällen ermordet. Die Bezeichnung „sexuell verwahrlost“ wurde nur für Mädchen und Frauen verwendet, nicht aber für Jungen bzw. Männer.

...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_Verwahrlosung (28. Juli 2008)

tbc.

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[Wenn Frauen morden... ]
« Reply #16 on: Dezember 11, 2008, 12:51:51 nachm. »
Quote
[...] Der Titel ist nicht so originell, (1) als daß man ihn in Anführungszeichen setzen müßte:

Stephan Harbort: Wenn Frauen morden. Spektakuläre Fälle — vom Gattenmord bis zur Serientötung. Frankfurt/M.: Eichborn 2008. (Amazon läßt uns im Buche blättern.) Wir zitieren, wie so oft, aus der Verlagsanzeige:

“Morden Frauen anders? Der Serienmordexperte Stephan Harbort erzählt die Geschichte der Taten und analysiert Motivation, Persönlichkeit und den sozialen Hintergrund der Täterinnen — spannend, authentisch und aufwühlend.
Sie agieren still, unauffällig und kaltblütig: Das ‘Blaubeer-Mariechen’, das sich mit Pflanzengift ihrer Ehemänner und anderer Familienangehöriger entledigt, die Dorfschönheit, die tödlichen Enzian verabreichen lässt,  die Krankenpflegerin, die ihre Patienten umbringt, die Mutter, die ihre Kinder tötet. Und zuletzt die ‘Schwarze Witwe’, die im Verdacht steht, vier vermögende Männer getötet zu haben, um an ihr Geld zu kommen. Schon immer haben Mörderinnen größeres Entsetzen hervorgerufen als mordende Männer, stehen sie doch in krassem Kontrast zum Bild der Frau als Lebensspenderin.”

Ich schätze Herrn Harbort zu sehr, um ihn für diesen Klappentext verantwortlich zu machen, doch soll seine (wohlgemerkt: des Klappentexts) Schrulligkeit nicht unkommentiert bleiben, denn immerhin schreiben wir das Ende des Jahres 2008. Fraglich ist schon, ob man da noch mit dem abgestandenen Klischee der Giftmörderin(2) Werbung machen sollte. Doch vollends merkwürdig wird es, wenn man die Anmutungsqualitäten der Mörderin auf das biologische Geschlecht und die Funktion der Frau als ‘Lebensspenderin’ zurückführt (als wüßten wir nicht seit geraumer Zeit, daß zur Fortpflanzung die beiden biologischen Geschlechter gehören). Das erinnert allzu peinlich an die ‘Kriminalpsychologen’ des 19. Jahrhunderts, die die Kriminalität der Frau “nicht sowohl in der psychischen Sphäre als im leiblichen Organismus” verwurzelt sahen.(3) Der Mann, so durfte seinerzeit schon gefolgert werden, tötet rational — als Soldat, Henker, Kolonialbeamter, gelegentlich eben auch als Ehemann und Verbrecher. Doch wenn die Frau tötet (und gar noch einen oder mehrere Männer), dann kann dies nur einem Irrtum der Natur geschuldet sein, der sie “still, unauffällig und kaltblütig” — eben naturwidrig-männlich agieren läßt.

   1. Ein allemal noch lesenswerter ‘Klassiker’ zum Thema ist Women Who Kill von Ann Jones, 1980, dt. als Frauen, die töten 1986 bei Suhrkamp erschienen. [↩]
   2. Vgl. z. B. Ingeborg Weiler: Giftmordwissen und Giftmörderinnen. Eine Diskursgeschichtliche Studie. Tübingen: Niemeyer 1998. [↩]
   3. So z. B. A. Krauss: Die Psychologie des Verbrechens. Ein Beitrag zur Erfahrungsseelenkunde. Tübingen: Laupp 1884, S. 379. [↩]




Aus: "Wenn Frauen morden (I)" Von JL (6.12.2008)
Veröffentlicht in Kriminalität/Strafverfolgung, Kriminalliteratur, Kriminologie
Quelle:http://web23.cletus.kundenserver42.de/2008/12/06/wenn-frauen-morden-i/


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[Poison Woman... ]
« Reply #17 on: Februar 22, 2009, 09:07:46 nachm. »
Quote
[...] Als Devianz (von frz. dévier) oder abweichendes Verhalten wird in der Soziologie und in der Sozialen Arbeit die Abweichung von allgemeinen Normen und Wertvorstellungen bezeichnet. Die Bezeichnung eines Verhaltens als deviant ist immer mit einem Werturteil verbunden.

...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Devianz (8. Januar 2009)


-.-

Quote
[...] Der Diskurs über die ideale Frau spiegelte sich auch in dem über deren Antithese wider, nämlich über Frauen, die entweder kriminell oder durch sonstiges deviantes Verhalten auffällig waren. Christine L. Marran untersucht in ihrer Studie Poison Woman: Figuring Female Transgression in Modern Japanese Culture anhand prominenter Beispiele aus dem Zeitraum von den 1880er Jahren bis in die 1990er Jahre, wie der Typus der »Giftmörderin« (dokufu) in unterschiedlichen Ausprägungen als subversiver, das staatlich propagierte Leitbild der »guten Ehefrau« und »weisen Mutter« untergrabender Frauentyp in den verschiedenen Medien der Populär- und Unterhaltungsliteratur, im Film und Theater sowie in naturwissenschaftlich-medizinischen und psychologischen Essays tradiert und modifiziert wurde.  2

[4] Dokufu (englisch: poison woman) bedeutet wörtlich »Giftfrau« und wurde ab der Meiji-Zeit (1868–1912) zur Bezeichnung von insgesamt etwa zwanzig straffällig gewordenen Frauen geprägt. Diese Frauen stammten fast ausnahmslos aus der Unterschicht und hatten – angefangen vom Diebstahl über Raub bis hin zu Raub- und Ehegattenmord – Straftaten unterschiedlichster Tragweite begangen. Allerdings stand die öffentliche Aufmerksamkeit, die diesen beigemessen wurde, insgesamt gesehen weder in einem Verhältnis zu der tatsächlichen Anzahl der von Frauen begangenen Straftaten noch zu deren Schwere. Vielmehr wurden diese in den Medien – angefangen von den neu entstandenen Zeitungen bis hin zu literarischen Verarbeitungen – enorm aufgebauscht. Dokufu-mono (mono bedeutet wörtlich »Ding«, »Gegenstand« und dient hier als Suffix zur Pluralbildung) waren insbesondere in den 1880er und 1890er Jahren ein sehr beliebtes Genre der Unterhaltungsliteratur. Im Gegensatz zur idealen Japanerin, die als fügsam und unterwürfig beschrieben wurde und die vor allem der familiären Fortpflanzung dienen sollte, wurden im Verlauf des 20. Jahrhunderts straffällig gewordene Frauen marginalisiert: Ihre Devianz wurde häufig in Bezug zu außergewöhnlichem sexuellen Verlangen gesetzt, sie galten als anormal triebhaft, nicht sesshaft und daher als gefährlich. Da den Konsumenten solcher medialer Darstellungen Leitbilder von legitimer und nicht legitimer Weiblichkeit sowie die dazu gehörigen neuen Rechtsstandards vermittelt wurden, wird dem Topos der dokufu nachgesagt, unterschwellig zur Formierung stereotyper heterosexueller Geschlechterbilder beigetragen zu haben (S. XXV).

...


Aus: "Evelyn Schulz: Giftmischerinnen, Vagabundinnen und Erotomaninnen. Eine Literatur- und Mediengeschichte krimineller und devianter Frauentypen im modernen Japan. (Rezension über: Christine L. Marran: Poison Woman. Figuring Female Transgression in Modern Japanese Culture. Minneapolis: University of Minnesota Press 2007.)
In: IASLonline [17.02.2009], Datum des Zugriffs: 22.02.2009
Quelle: http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=2722



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[Browser, jetzt auch für Frauen... ]
« Reply #18 on: November 04, 2009, 01:01:56 nachm. »
Quote
[...] Die schweizerische Frauenzeitschrift Annabelle bringt den ersten Browser für Frauen, und zwar: „In Zusammenarbeit mit Microsoft haben wir einen speziell auf annabelle-Leserinnen zugeschnittenen Internet Explorer entwickelt“, kann man der Website entnehmen.

Im Unterschied zu Männerbrowsern enthält der Frauen-IE8 vorgefertigte Bookmark-Ordner zu den Themen News, Mode, Shopping, Reisen, Kochen, Wohnen, Kulturtipps, Musik, Wissen, Ordnung und Männer, dazu die per Webslices-App auto-aktualisierten News zu Mode, Beauty, Wohnen, Gourmet und Reisen.

…auch diese neuigkeit stammt weder aus der onion noch der titanic.

Quote
Kommentar von Gördi on 3. November 2009 12:02

Tjaja… Frauenzeitschriften u.ä. sind meist sexistischer als manche Männerzeitschrift und viel sexistischer als neutrale zeitschriften.
…aber…. was solls…. ;o)


Quote
#
Kommentar von ilonatalks on 3. November 2009 14:12

OMG – unglaublich….! Mehr kann man dazu ja gar nicht mehr sagen….



Quote
Kommentar von hjom on 3. November 2009 20:38

Also, die Bookmark-Ordner „Männer“ & „Ordnung“ kitzeln mich schon irgendwie.



Aus: "Browser, jetzt auch für Frauen" (2009/11/02/)
Quelle: http://11k2.wordpress.com/2009/11/02/browser-jetzt-auch-fur-frauen/

http://www.annabelle.ch/kultur/kunst/der-annabellech-frauen-browser-5284


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[Glamour und vermintes Terrain... ]
« Reply #19 on: M?RZ 29, 2010, 11:08:51 vorm. »
Quote
[...] Meine Generation, die in den fünfziger Jahren in Großbritannien aufwuchs, hat gelernt, dass Glamour etwas sehr Fragwürdiges ist. Meine häusliche Mutter pflegte missbilligend den Mund zu spitzen, wenn sie das leuchtend blonde Haar und den souveränen Lidstrich sah, welche die Mutter einer Freundin, eine Laienschauspielerin, mit Stolz trug.

Für die Rektorin unseres Mädchen-Gymnasiums waren Mode und Intelligenz ein Widerspruch. Sie war berühmt-berüchtigt dafür, dass sie ihrem Lehrerkollegium verbot, Lippenstift aufzutragen. In den Fünfzigern führte sie einen Guerillakrieg gegen die hauchdünnen Petticoats, die dafür sorgten, dass die Röcke der Sommerkleider von den Körpern ihrer Trägerinnen abstanden. Bei den Schülerinnen der Oberstufe konfiszierte sie diese Unterröcke mit schöner Regelmäßigkeit. Dann hingen sie wie Skalps an Haken vor ihrem Arbeitszimmer, als stille Mahnmale, die eine klare Botschaft an die Mädchen der Unterstufe aussandten: Glamour bringt ein Mädchen in Schwierigkeiten.

In den Mädchenschulen herrschte zu der Zeit ziemliche Geschlechterverwirrung. Das, was Germaine Greer einmal als die „absurde Version einer männlichen Uniform“ bezeichnete, wurde oft mit polizeilichem Eifer überwacht: Unförmige Trägerröcke über Hemdkrägen und maskulinen Krawatten, die Rocklängen und die Dichte der Strümpfe waren genau festgelegt. Trotzdem sollten wir uns „ladylike“ benehmen, uns unauffällig und ordentlich kleiden und auf der Straße Hüte und Handschuhe tragen.

Die strengen Regeln brachten natürlich eine oppositionelle Subkultur hervor. Wer würde es schaffen mit einem schwarzen BH, blass-rosa Nagellack und Clearasil-Makeup über der Akne-geplagten Teenagerhaut durchzukommen? Einige Mädchen seufzten vor Erleichterung, wenn sie die Schule endlich verlassen konnten und trugen fortan die Schminke mit dem Spachtel auf. Doch gerade als der Glamour den Reiz des Verbotenen langsam verlor, kamen die Feministinnen der zweiten Generation und warnten uns vor der Gefahr, uns damit zu Sexobjekten zu degradieren.

Das britische Wort Glamour ist seit etwa 1900 in Umlauf. Ursprünglich war es in etwa gleichbedeutend mit Worten wie „Magie“ oder „Verzauberung“. Im frühen 20. Jahrhundert avancierte es zum Modewort, das mit exotischen Orten und den neuen Möglichkeiten schnellen Reisens in Verbindung gebracht wurde. Für Männer war es damals genauso schick, glamourös zu sein, wie für Frauen. Die Piloten der Royal Airforce zum Beispiel wurden die „Glamour Boys“ genannt, Männer wie der Schauspieler Rudolph Valentino verkörperten den glamourösen Mann. In den Zwanzigern und Dreißigern wurde die Idee des Glamours dann untrennbar mit Modernität und natürlich mit Hollywood verknüpft.

Die Stars der Filmindustrie trugen seidige Kleider aus schimmerndem Satin, sie funkelten nur so vor Diamanten und Pailletten und mümmelten sich in weiche Pelze ein. Man denke nur an die Frauen aus dem Film Grand Hotel (Dt. Menschen im Hotel, 1932), die bis über beide Ohrenspitzen in Pelzmänteln stecken, oder an Marlene Dietrich in Josef von Sternbergs Blonde Venus (ebenfalls aus dem Jahre 1932). Entweder man hüllte sich in Pelz oder man räkelte sich darauf. Ein anderes Standardfoto zeigte den weiblichen Star am Toilettentisch, in einem seidenen Kimono und von einer stattlichen Anzahl von Kosmetikartikeln und Parfümflaschen umringt.

Hollywood übte in den Jahren zwischen den Weltkriegen großen Einfluss auf die Britinnen aus. Kein Wunder, dass es auch die „Traumfabrik“ genannt wurde. Hollywood prägte die Ambitionen, Kleider, Frisuren und das Make-Up der jungen Frauen. Neue Zeitschriften wie Girls’ Cinema, Miss Modern, Film Fashionland und Woman’s Filmfair brachten die neuesten Modetrends aus den Staaten nach Großbritannien.

Einige Moralisten äußerten sich besorgt über die Anziehungskraft des amerikanischen Glamour, doch sein Siegeszug war längst nicht mehr aufzuhalten. Fabrikarbeiterinnen, die wie Filmstars aussahen, prägten das Bild dieser Zeit. Forschungsinstitute wie Mass Observation erforschten neue Trends. Ihre Beobachter schwärmten im Londoner East End aus und spionierten den jungen Mädchen in der Kosmetikabteilung von Woolworth und auf den öffentlichen Toiletten, wo sie ihr Make-Up auffrischten, hinterher. Neue Pelz-, Nagellack-, Hut- und sogar Haarspangentrends wurden akribisch erfasst. „Glamour lautet der Tenor“, hielt einer der Beobachter fest. „Der Einfluss Hollywoods ist überdeutlich.“

Um es mit den Worten der Filmkritikerin Annette Kuhn zu sagen: Das Kino erweiterte die Vorstellung dessen, was eine Frau alles sein konnte. Das weibliche Publikum fühlte sich von starken, ehrgeizigen Frauen angezogen, die sich ihrer Reize wohl bewusst waren.

Nach dem Krieg begann unter dem Einfluss von Christian Diors New Look der Siegeszug von Klasse und Eleganz, im Vergleich dazu wirkte der Glamour plötzlich billig. Die Krönung von Elisabeth II. rief in Großbritannien eine Nostalgie-Welle hervor, altmodische Formen von Weiblichkeit waren wieder angesagt. Das Wort Glamour verlor seinen Glanz, es wurde zunehmend mit Pin-Up-Bildern und Soft-Porno-Magazinen in Verbindung gebracht. Die englische Mittelklasse rümpfte die Nase über die Eskapaden von Starlets wie Diana Dors oder Sabrina und äußerte sich missbilligend über „Partymäuse“: „Rundum Pelz und darunter keine Höschen“, wie es damals hieß. Jungen Damen gebührte es nicht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – und ging es beim Glamour nicht gerade darum? „Pass auf, dass du bloß nicht billig aussiehst“, rieten die Mütter Ende der Fünfziger ihren Töchtern.

In den Sechzigern, als jugendliches Aussehen, Dufflecoats und die Carnaby Street zum Kult avancierten, wurden die alten Insignien des Glamour – rote Lippen, ausladende Kurven, dicke Pelze und schwere Parfums – von den jungen Frauen als altmodisch abgetan. So etwas trugen in ihren Augen nur Frauen, die sich aushalten ließen. Die feministische Kritik am Glamour nahm Fahrt auf, auch wenn diese Denkweise nie ganz unangefochten war. Die schwarze Aktivistin Claudia Jones (die den Notting Hill Carnival ins Leben rief) warb für Schönheitswettbewerbe, um nicht-weiße Schönheitsstandards zu etablieren. Trotzdem sollte die Endausscheidung der Miss-World-Wahlen in der Royal Albert Hall 1970, bei der (weiße) Feministinnen bekanntermaßen den Ablauf störten, indem sie den Moderator Bob Hope mit Mehl, Stinkbomben und Plastikmäusen bewarfen, als Meilenstein in die Geschichte eingehen.

Erst in den Achtzigern kam der Glamour mit aller Macht zurück, wenn auch vor dem Hintergrund beträchtlicher Errungenschaften auf dem Gebiet der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt. War dies ein Rückschlag, oder ging es um etwas ganz anderes? Naomi Wolf, und unlängst auch Natasha Walter, behaupten, dass der Druck, gut auszusehen, für junge Mädchen heute unerbittlich und schädlich ist.

Es liegt nahe, die Frage zu stellen, ob der Glamour, der einst für die Frauen ein Mittel war, um aus den Zwängen auszubrechen, heute ein Gefängnis geworden ist. Aber erwachsene Frauen sind nicht einfach Gefangene, Gelackmeierte oder Opfer, und der Glamour hat auch eine spielerische Seite, für die viele weibliche Künstlerinnen stehen: Mae West, Marlene Dietrich, Madonna, Courtney Love und seit einiger Zeit auch die herrlich durchgeknallte Lady Gaga.

Sobald man über Glamour genauer nachdenkt oder schreibt, betritt man vermintes Terrain. Sprechen wir über Künstlichkeit und den Reiz falscher Werte? Über Verführerinnen, die sich einen reichen Kerl angeln wollen oder über Frauen, die eine Karriere anstreben? Wie steht es mit den ethischen Fragen im Hinblick auf Pelz und Diamanten? Was ist mit Schönheitsoperationen und den natürlichen Verformungen im Teenageralter? Ist die Idee des Glamour ausschließlich westlich und weiß?

Macht Glamour die Frauen stärker oder degradiert er sie zu Objekten? Man darf nicht vergessen, dass Frauen sich den Glamour auch zunutze machen – sie sind nicht einfach nur Objekte des männlichen Blicks. Historisch gesehen hält es sich in etwa die Waagschale, ob glamouröse Frauen als Gefahr für den Mann oder selbst als Opfer betrachtet wurden. Glamour kann für Selbstbewusstsein, sexuelle Selbstbestimmung, Verspieltheit und Vergnügen stehen. Doch schlussendlich gibt es nichts, was einer Frau mehr Stärke verleiht als eine gute Ausbildung und ein gut bezahlter Job.


Carol Dyhouse hält eine Forschungsprofessur an der Universität Sussex. Ihr aktuelles Buch Glamour: Women, History, Feminism ist in Großbritannien bei Zed Books erschienen


Aus: "Glamour - Was eine Frau alles sein kann"  Carol Dyhouse (28.03.2010)
Quelle: http://www.freitag.de/alltag/1012-glamour-grossbritannien-dietrich-valentino-lady-gaga


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[Die Frau und die Mutter... ]
« Reply #20 on: September 21, 2010, 04:24:08 nachm. »
Quote
[...]  Wenn aber jede zweite Beziehung mit Kindern im Prenzlauer Berg scheitert, dann sieht die Realität plötzlich anders aus - neuerdings auch für Jana Albrecht. Seit ihrer Trennung hat sie weder die Zeit, noch das Geld, entspannt in einem der vielen Cafés zu sitzen.

Als die Hamburgerin mit Mitte zwanzig feststellte, dass sie schwanger war, studierte sie gerade in Berlin Germanistik und Soziologie. Kurzentschlossen zog sie mit ihrem Freund, der noch schnell ihr Ehemann wurde, zusammen in den Prenzlauer Berg. Alles schien machbar. Die Mieten waren bezahlbar, die Frauen emanzipiert. Kind und Beruf? "Kein Problem, dachte ich."

...


Aus: "Allein erziehend in Prenzlauer Berg: Die verlassenen Macchiato-Mütter" VON JULIA NIEMANN (16.07.2010)
Quelle: http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/die-verlassenen-macchiato-muetter/


-.-

Quote
[...] Heute entscheiden sich manche Frauen BEWUSST für ein paar Jahre Familienarbeit.« Weiter heißt es: »Viele Frauen von heute verfügen außerdem über einen Haufen Bildung. Die geht ihnen doch nicht verloren, wenn sie ein paar Jahre mit ihren Kindern verbringen! Herrjeh! Mir ist kein Gehirn aus der Brust getropft, während ich gestillt und nebenher im Übrigen meine Aufträge erledigt habe. Heutzutage kann man doch im akademischen Diskurs bleiben, wofür gibt es denn Skype und das Netz im Besonderen und WLAN und all den Kram? Männer können ganz hervorragend von allüberall her Mails checken und sich in Flugzeugen und Zügen herumtreiben, während sie Konzerne leiten – warum also nicht die Mutter, die eben eine Weile zuhause ihre Basis hat?«

Die Antworten gibt die Realität der Arbeitswelt, wo sich die Zahl der Mütter, die vom Stillzimmer aus internationale Konzerne leiten, wohl im Promillebereich bewegt.

Die Äußerung über die Bildung, die nicht verloren geht, wirkt zudem wie eine unfreiwillige Persiflage auf die Debatten um die »Prenzlauer-Berg-Mütter«, die trotz guter Ausbildung »freiwillig« die Erziehungsarbeit übernehmen und dann verwundert feststellen, dass sich der Macker samt gutem Einkommen vom Acker gemacht hat und sie mit großen Lücken in der Berufsbiografie mit 40 plus und betreungsintensiven Kindern an den Hacken eben keinen geilen, gut bezahlten Kreativ-Job mehr angeboten bekommen. Ob das Schicksal bourgeoiser Vollzeit-Mamas, die sich sehenden Auges in diese finanzielle Abhängigkeit begeben, genauso zu betrauern ist wie das jener unterprivilegierten Frauen, die ihren Nachwuchs von Anfang an alleine und von mageren Hartz-IV-Sätzen über die Runden bringen müssen, sei dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass das Ideal der stillenden, allzeit betreuenden Mutter dazu führt, dass immer mehr Frauen sich in diese Fünfziger-Jahre-Dystopie flüchten.

Die deutsche Professorin Barbara Vinken, die ebenfalls ein Buch über den Mythos der Mutterliebe veröffentlicht hat, lobt in der taz die »bemerkenswerte intellektuelle Verve« des Buches, das aufgrund des reaktionären deutschen Mutterbildes in Deutschland in der Schärfe niemals hätte geschrieben werden können. Doch Badinter hat Vinken etwas Entscheidendes voraus: Obgleich in ihrem Buch die Rolle der Männer nur gestreift wird, weiß sie sehr wohl um die Wichtigkeit von gerechter Arbeitsteilung. Im Interview mit der SZ betont Badinter: »Partner müssen ihre Aufgaben teilen. Es ist undenkbar, dass wir weiterhin akzeptieren, dass Männer sich weigern, Verantwortung für die Familie, für den Haushalt zu übernehmen. Darüber müssen wir reden, auch wenn es manchen verstaubt vorkommt.«

Vinken hingegen antwortet in einem Interview mit dem feministischen Missy Mag auf die Frage, ob Väter mehr Arbeit bei Erziehung und Haushalt übernehmen müssten, rundweg mit »Nein«. Stattdessen sollten »Kindermädchen und Haushaltshilfen« steuerlich absetzbar sein. Da ist die von Vinken als Angehörige der »Groß-Bourgeoisie« geschmähte Badinter wohl doch weniger snobistisch, da sie offensichtlich nicht darauf setzt, dass sich Mittelklassefrauen auf Kosten von schlecht bezahlten »Kindermädchen« emanzipieren, statt ihre Partner in die Pflicht zu nehmen.

Gegen das Ideal der Über-Mutter formiert sich aber auch in Deutschland allmählich der Widerstand. Eine Avantgarde junger Feministinnen verweigert sich dem Stilldiktat, weil sie auch als Mütter noch autonom bleiben und von Anfang an gleichberechtigt mit den Vätern alle Aufgaben teilen wollen. Das Argument »Was sollen wir machen, Männer können eben nicht stillen, die Mutter muss die erste Zeit ans Kind gekettet sein«, hat dann keine Grundlage mehr. So behalten diese Frauen ihre Brust ohne schlechtes Gewissen für sich – und wer weiß, vielleicht gibt es ja bald T-Shirts mit der Aufschrift: »Mein Busen gehört mir!«

Elisabeth Badinter: Der Konflikt: Die Frau und die Mutter. Beck, München 2010, 222 Seiten, 17,95 Euro

...


Aus: "Das deutsche Ideal der Über-Mutter" von Sonja Eismann (Jungle World Nr. 37, 16. September 2010)
Quelle: http://jungle-world.com/artikel/2010/37/41740.html


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[Zusammengefaßt besagt der Aufsatz... ]
« Reply #21 on: Juli 14, 2011, 03:37:41 nachm. »
Quote
[...] Ausschlaggebend für die zu Hoffmanns Zeit und weit darüber hinaus gültige Geschlechteranthropologie waren die Schriften Wilhelm von Humboldts, vor allem Ueber den Geschlechtsunterschied und dessen Einfluß auf die organische Natur (1795). Zusammengefaßt besagt der Aufsatz: „Alles Männliche zeigt mehr Selbstthätigkeit, alles Weibliche mehr lei-dende Empfänglichkeit.“71 Den Mann kennzeichnen nach dieser Auffassung Aktivität, planendes, schöpferisches Geschick und vernunftgeleitetes Handeln, während der Frau Hingabe, Passivität und sensible Rezeptivität zugeschrieben werden. Kein Geschlecht sei aber dem anderen untergeordnet, vielmehr seien die einzelnen Charakteristika unter-schiedlich ausgeprägt. Nach Humboldt bildet die Frau den komplementären Part zum Mann, der mit den ihren alle seine erhabenen Eigenschaften komplettiert sieht.

... Auch Maria verhält sich ‚typisch weiblich’, wenn sie bei der allgemeinen Unterhaltung nur passive Zuhörerin bleibt und während der Erzählung ihres Bruders, in der sie eine Parallele zu ihrer eigenen Situation entdeckt, ohnmächtig zusammensinkt.

...


Aus: "Ansichten von der Nachtseite der Romantik Zur narrativen Funktion der Naturwissenschaften in E.T.A. Hoffmanns Der Magnetiseur" Von BARBARA BAYER-SCHUR [Erschienen in: E.T.A.-Hoffmann-Jahrbuch 15 (2007), S. 50–76.]
Quelle: http://goedoc.uni-goettingen.de/goescholar/bitstream/handle/1/5884/Bayer-Schur_Artikel_20110207.pdf?sequence=1


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[Der 90-minütige Streifen sei politisch zu verstehen... ]
« Reply #22 on: Juli 16, 2011, 10:51:05 vorm. »
Quote
[...] PARIS taz | Die Frau liegt auf dem Rücken auf einer Freilichtbühne in Berlin, ihr Unterkörper ist nackt. Die Beine sind gespreizt, ein Spekulum steckt in ihrer Scheide und dann darf jeder der will, sich mit einer Taschenlampe ihren Muttermund anschauen. Manch anatomisch Interessierte - es sind überwiegend Frauen - kichert, während sie in den Unterleib reinleuchtet. Andere ziehen ernste Mienen.

Ganz anders die US-Amerikanerin Sadie Lune, deren Uterus gerade angeglotzt wird: sie liegt total entspannt da und redet mit ihren Freundinnen übers Fisten. Was an die aufklärerische Praxis der feministischen Performancekünstlerin Annie Sprinkle erinnert, ist Teil der "Queer X Show" und seit vergangener Woche in einem Dokumentarfilm in den französischen Mainstream-Kinos zu sehen.

"Too Much Pussy! Feminist Sluts In The Queer X Show" dokumentiert die Europatournee von sieben Aktivistinnen, Künstlerinnen, Schriftstellerinnen, Musikerinnen und Pornostars - allesamt lesbisch oder bisexuell. Sie haben Sex auf der Bühne und masturbieren vor Publikum. Sie fesseln sich gegenseitig, um zum Höhepunkt zu kommen, und das alles für den Feminismus. Zwischen den Bühnenperformances haben die Darstellerinnen ständig Sex, scheinbar immer und überall.  

Der 90-minütige Streifen sei politisch zu verstehen, erklärt die Regisseurin Emilie Jouvet. "Es geht um offen gelebte Sexualität von Lesben. Die weibliche Ejakulation soll raus aus der Schmuddelecke". Was diesen Film und diese Show von anderen Werken rund um die weibliche Erotik unterscheidet, ist die Regisseurin. Denn anders als meist ist die Filmemacherin selbst lesbisch. Eine Lesbe dreht also für Lesben, das ist in einer Heterowelt immer noch die Ausnahme. Das Pornogeschäft ist ein Geschäft von Männern mit Frauen für Männer.

Diese Hierarchie wollte die Künstlerin Emilie Jouvet durchbrechen. Die attraktive Frau mit blonden, langen Haaren, einem sinnlichen Mund und einer kurvigen Figur hat Fotografie und Bildhauerei studiert. Bei ihrer Arbeit sei sie schon an der Hochschule in Paris angeeckt, erzählt sie in einem Pariser Café. Die Dozenten, meist männlich, hätten für ihre erotischen Fotografien lesbischer Frauen wenig Sinn gehabt. "Zu speziell" sei die übliche Reaktion auf ihre Bilder gewesen. Von den Stereotypen des Mainstreams wollte sie in der Tat weg. Weg von den Heterofrauen mit Plastiknägeln und Silikonbrüsten die anderen Heterofrauen ihre kahlrasierte Scham aufs Gesicht drücken. "Immer zeigen uns Heteros, wie wir angeblich Sex haben", sagt sie. "Es nervte mich irgendwann."

Das war 2005. Ein Jahr später präsentierte sie mit "One Night Stand" den ersten französischen Porno, der von einer Lesbe gedreht und für ein lesbisches Publikum gedacht war und mit dem ihr in der internationalen Queer-Szene der Durchbruch gelang.

In "One Night Stand" geht es um schnellen Sex zwischen Frauen, die sich scheinbar zufällig irgendwo treffen. Die Szenen sind mit Elektro-Punk-Musik unterlegt, es ist eine grelle, flott montierte Mischung. Wer nicht auf Latexhandschuhe oder bunte Umschnalldildos steht, wer es nicht grob und schmutzig mag, braucht sich den Porno erst gar nicht anschauen. "Emilie Jouvet hat mit diesem Film eine neue Ästehtik gefunden, Sex als Kunst darzustellen", befand damals der Kultursender Arte über "One Night Stand".

Übers Internet suchte sie ihre Darstellerinnen. Einziges Kriterium, um mitmachen zu dürfen: sie mussten lesbisch oder bisexuell sein. Das sah man dem Film auch an. Die Teilnehmerinnen haben Lust an dem, was sie vor der Kamera machen. Es waren keine aufgetunten Schauspielerinnen, sondern Frauen mit durchschnittlichen Körpern. Für diese erotische Authentizität wurde eine Episode des Films beim 1. Berliner Pornofestival als bester Kurzfilm ausgezeichnet, es folgten weitere internationale Preise wie der Feminist Porn Award für den "Sexiest Dyke Movie" in Toronto.

Anders als die lesbischen Pornomacherinmnen Madison Young und Courtney Trouble tritt Emilie Jouvet in ihren Filmen selbst nicht auf. "Ich würde schon mitmachen, aber irgendwer muss ja die Kamera bedienen", sagt sie lächelnd.

Feminismus und Pornografie, wie passt das zusammen? Dass die Entblößung von Haut und Scham ein Zeichen für weibliche Unterdrückung sein könnte, findet Emilie Jouvet "altfeministisch" und "körper- und lustfeindlich". Sie lacht leise, während sie das sagt und zieht an einer Zigarette. Die 34-Jährige hat neben den zwei Porno-Langfilmen schon mehrere Kurzfilme gedreht und fotografiert ständig für Magazine. Momentan schreibt sie an ihrem ersten Buch. Natürlich geht es auch dabei um Lesben.

Ihre homosexuellen Phantasien und ihre Kunst sind jetzt im Mainstream angekommen. Nach der Premiere von "Too much pussy" im Pariser MK2 Beaubourg Kino gab es Standing Ovations.


Aus: ""Porno im französischen Mainstream-Kino - Frauen, grob und schmutzig" VON CIGDEM AKYOL (16.07.2011)
Quelle: https://www.taz.de/1/leben/film/artikel/1/frauen-grob-und-schmutzig/

-.-

Quote
[...] HAMBURG | taz Niemand hatte die Absicht, über Integration zu diskutieren. Das Schwimmbad in Pinneberg sollte lediglich eine Frauenbadestunde bekommen, am Sonntag von halb neun bis elf Uhr morgens. Warum auf einmal alle über muslimische Frauen sprechen, will bei der Stadt im Hamburger Speckgürtel keiner so recht verstehen.

Es begann damit, dass eine Unterschriftenliste mit der Forderung nach einer Frauenbadezeit auf dem Schreibtisch von Bürgermeisterin Kristin Alheit landete. Der Sozialdemokratin war aufgefallen, dass "eben nicht Meier, Müller und Schmidt unterschrieben haben", sondern viele Namen auf eine muslimische Zugehörigkeit deuteten. "Es ist meine Aufgabe, mit Menschen zu sprechen", sagt Alheit. Auf die Idee, mit den UnterschreiberInnen der Liste zu sprechen, kam sie nicht. Das Frauenbade-Projekt sei bereits geplant, die Unterschriften nur der Auslöser gewesen, sagt sie. Andere Städte hätten ein solches Angebot längst, da müsse man nachziehen.
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Für die Stadt gehe es darum, Frauen ein "unbelästigtes Baden" zu ermöglichen, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Ellen Schülke. Für strenggläubige Muslimas geht es um mehr: Sie haben Probleme damit, wenn sie im Badeanzug männlichen Blicken ausgesetzt sind.

Es reicht nicht, wenn die anderen Badegäste ausschließlich Frauen sind - auch der Bademeister muss weiblich, der Schwimmbereich von außen nicht einsehbar sein. "Es muss eine Dame sein, eine Bademeisterin", heißt es dazu aus dem Hamburger Büro des Ditib-Verbandes, zu dem die türkisch-muslimische Gemeinde in Pinneberg gehört. Außerdem sei es zwingend nötig, dass die Fenster verhängt werden. "Sonst können die Frauen ja gleich zu normalen Zeiten schwimmen gehen."

Für Bürgermeisterin Alheit gehen diese Forderungen zu weit. Zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten habe sie das Frauenbade-Projekt diskutiert. Die "Anforderungen von Einzelpersonen" seien dabei nicht relevant gewesen.

Noch deutlicher wird Henning Fuchs, der als Geschäftsführer der Stadtwerke für das Schwimmbad verantwortlich ist: Einen Badetag für Muslimas "haben wir nie auch nur im Ansatz gewollt", sagt er. Ein Angebot für muslimische Frauen sei, so Fuchs weiter, ein "politisches Minenfeld". Zudem sei es technisch gar nicht möglich, die Fenster des Schwimmbades vor Blicken von außen abzudecken - die Wände seien dazu nicht geeignet.

Als Badbetreiber hätten die Stadtwerke das Recht, zu entscheiden, was sie nicht wollen, sagt Fuchs. Und eine allgemeine Frauenbadestunde, aber mit verhangenen Fenstern, "wollen wir doch gar nicht".

Am diesem Sonntag nun soll es die erste Frauenbadestunde im Pinneberger Schwimmbad geben - ohne Verhang, dafür mit männlichem Bademeister. Nach einer sechsmonatigen Testphase will man entscheiden, ob es dabei bleibt: Nur bei einer Anzahl von mehr als 140 Badegästen in der Frauenzeit wird das Projekt fortgeführt. Denn das ist der momentane Kassenstand am Sonntagvormittag.

Die Gleichstellungsbeauftragte Schülke hofft, dass Muslimas das Angebot trotzdem nutzen - und verweist auf Ulm, wo muslimische Frauen einen Bademeister in der Frauenstunde akzeptieren: "Das ist ein starker Schritt nach vorn."

In Pinneberg hat bisher noch niemand versucht, mit der muslimischen Gemeinde zu sprechen. Und wie es aussieht, wird sich daran auch so schnell nichts ändern.


Aus: "Muslimas auf dem Trockenen" VON VIVIANE PETRESCU (15.07.2011)
Quelle: https://www.taz.de/1/nord/artikel/1/muslimas-auf-dem-trockenen/

« Last Edit: Juli 14, 2014, 03:38:47 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Ein Dorn im Auge... ]
« Reply #23 on: August 27, 2012, 08:47:42 vorm. »
Quote
[...] Als "Talibanismus", "Rückfall in die Steinzeit" und "Patriarchalisierung der Wissenschaft" bezeichnen Iranerinnen in Internetforen die Entscheidung, Frauen von 77 Studiengängen an 36 der rund 120 staatlichen iranischen Universitäten auszuschließen, wenn das neue Studienjahr Ende September beginnt.


... Iranische Frauen haben sich in den letzten Jahren durch ihr gesellschaftspolitisches Engagement besonders hervorgetan. Sie kämpften nicht nur in mehreren Nichtregierungsorganisationen für mehr Gleichberechtigung, sondern sie waren auch eine wichtige Stimme bei regimekritischen Protesten der vergangenen Jahre.

Dem konservativen Klerus, der Frauen als Mütter und Hausfrauen begreift, ist dieser Umstand ein Dorn im Auge, er fürchtet einen Zusammenbruch patriarchaler Strukturen. Zudem hatte sich der geistliche Führer Ajatollah Chamenei erst vor einigen Wochen über das niedrige Bevölkerungswachstum beschwert und verlangt, dass die iranische Bevölkerung von heute 75 Millionen auf 150 bis 200 Millionen anschwellen möge. Mit gut ausgebildeten Frauen, die sich mit Verhütung auskennen und Karriere machen wollen, kann das Ziel wohl kaum erreicht werden.

...


Aus: "Kinder produzieren geht über Studieren" Von Mohammad Reza Kazemi (27.08.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/universitaeten-im-iran-verbannen-frauen-aus-bestimmten-studiengaengen-a-851705.html


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[üppig, devot, angepasst... ]
« Reply #24 on: August 28, 2012, 01:04:52 nachm. »
Quote
[...] Die Damen üppig, devot, angepasst, die Kerle lässig, arrogant, triebgesteuert. Die US-Serie "Mad Men" strotzt vor längst überholten Klischees. Trotzdem sind vor allem Frauen begeistert. Warum bloß?

... Die Frauen sind meist Sekretärinnen, deren Lebensinhalt es ist, gut auszusehen, zu kichern, noch ein wenig mehr zu kichern, wenn der Chef zudringlich wird, Klatsch und Tratsch in der Mittagspause zu verbreiten, und darauf zu hoffen, dass irgendeine Affäre mit irgendeinem höhergestellten Kerl in eine Hochzeit mündet und man Mrs. Chef wird.

Dann hat man es geschafft, sitzt gelangweilt zu Hause, bläst den verzogenen Gören riesige Wolken Zigarettenrauch ins Gesicht, tratscht mit der ebenso gelangweilten Nachbarin und wartet auf den Ehemann, der immer häufiger abends zu spät nach Hause kommt, weil er "Überstunden" machen muss.

Peggy Olson, die es in der Serie von der Sekretärin zur Kreativtexterin bringt, zählt nicht als Ausnahme: Für die Karriere braucht sie vier Staffeln, und auch sie lässt sich von einem Vorgesetzten schwängern. Und dass Mrs. Donald Draper sich scheiden lässt und einen anderen, nicht ganz so schmierlappigen Kerl heiratet? Zu vernachlässigen, denn zufriedener macht sie das auch nicht.

"Das waren halt die sechziger Jahre", sagt meine Freundin. Sie sagt das mit einer Überzeugung, dass man denken könnte: Mensch, klar, die sechziger Jahre! Als die meisten Männer ihre Frauen noch an der Leine ausführten, Frauen- statt Hammerwerfen olympisch war und sie weder Auto fahren noch wählen durften. Oder verwechsle ich da was?

... Vielleicht ist der Erfolg der Serie auch ein Indiz für das langsam um sich greifende Kristina-Schröder-Syndrom. Dieses Gefühl von Frauen um die 30, sich sofort schwer emanzipiert zu fühlen, wenn sie Kinder kriegen und zudem nicht nur "Hausfrau" in ihrer Vita stehen haben, sondern irgendwas, was nach Karriere aussieht. Und sich insgeheim doch an Heim und Herd (am besten mit Prämie) zurücksehnen und sei es nur, indem man "Mad Men" schaut und denkt, wie toll es doch wäre, einen erfolgreichen Mann zu haben, etwas mehr Zeit für die Kinder und den Klatsch und Tratsch mit der besten Freundin.

...


Quote
Mad MEN
lahuber heute, 12:20 Uhr
Ich persönlich habe ja die Theorie, dass die Freundin des Autors ihn eiskalt belogen hat. Sie sagt zwar "ekelhaft" aber - und das sage ich aus einer weiblichen Perspektive- in Wirklichkeit haben Männer wie Don eine Anziehungskraft die man nicht leugnen kann. Auch wenn sich keine vernünftig denkende Frau die Zustände der 60er Jahre zurück wünscht - im Gegensatz zu dem, was der Autor semi-ironisch (?) suggeriert, so zeigt sich in der Verehrung von "Mad Men" eindeutig eine nicht-gesellschaftsfähige Sehnsucht nach dominanten Männern wie Don Draper. Man muss sich nur bewusst machen, dass Millionen Frauen gerade "50 Shades of Grey" lesen. Wenn man mal ehrlich ist, dann ist Mad Men dagegen ja noch beinahe ein feministisches Werk.

http://forum.spiegel.de/f22/geschlechterklischees-mad-women-69309-5.html#post10840038



Aus: "Geschlechterklischees - Mad Women" Von Peter Petschek (28.08.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mad-men-warum-frauen-die-serie-so-lieben-a-852249.html

« Last Edit: August 28, 2012, 01:22:52 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Wie geschlechts-spezifisch der Zugang ist... ]
« Reply #25 on: Juni 04, 2013, 10:08:13 vorm. »
Quote
[...] Der Freitag: Herr Stein, Sie führen Workshops zum Thema „Sex, Liebe, Partnerschaft“ an Schulen durch, meist mit Jungen zwischen 13 und 16. Um welche Themen geht es da?

Horst Stein: Ich bin immer wieder überrascht, wie geschlechts-spezifisch der Zugang ist. Meist spricht man mit den Jungen erst einmal zwei Stunden lang über Körper, Selbstbefriedigung, Pornografie, Homosexualität, Pubertät. Danach kann man dann gut über Liebe, Partnerschaft und Gefühle reden. Direkt mit diesen Themen einzusteigen, funktioniert aber nicht. Bei den Mädchen ist es genau umgekehrt. Die Kolleginnen, die mit Mädchen arbeiten, berichten, dass es in ihren Workshops ganz viel um Gefühle geht, und wenn sie ausführlich das Thema Beziehung beackert haben, reden Mädchen auch über sexuelle Inhalte. Es ist mir fast ein bisschen unangenehm, das so klischeehaft darzustellen, aber es ist die Praxis. ... Fast alle Jungen sehen Pornos, die Mädchen haben sehr wenig Zugang dazu. Das heißt nicht, dass sie nicht mal reinschauen, aber sie betreiben es nicht aktiv. Warum das so ist, bleibt eher rätselhaft. Die Mädchen sind relativ reif und tolerant. Sie sagen: „Für die Jungs ist es halt wichtig, aber für meine Sexualität brauche ich’s nicht.“ Sehr wenige Mädchen integrieren Pornos in ihr Bedürfnisskript. ... Vielleicht bestehen aber auch einfach Unterschiede in den Bedürfnissen und Fantasien. Die Mädchen konsumieren ausgiebig und sehr früh Beziehungssoaps, in denen zwar nicht eindeutig pornografische, aber sexualisierte Inhalte vorkommen. Und diese Serien werden nicht gerade von genderkritischen Leuten gemacht. ... Von der sogenannten sexuellen Revolution merke ich recht wenig. Man könnte meinen, sie hätte gar nicht stattgefunden.

...


Aus: "„Sie haben es nicht gelernt“" (03.06.2013)
Quelle: http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/sie-haben-es-nicht-gelernt

https://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_Revolution


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[Was erlaubt sei und was nicht... ]
« Reply #26 on: September 03, 2013, 10:23:16 vorm. »
Quote
[...] Frank Wedekind kritisiert in seinem Werk die im Wilhelminischen Kaiserreich vorherrschende bürgerliche Sexualmoral, insbesondere den aus der Tabuisierung resultierenden Druck auf Menschen, an welchem vor allem die jungen Geschöpfe zerbrechen.

... [2009] wurde gegen einen an der Zürcher Kantonsschule Rämibühl unterrichtenden Deutschlehrer ein amtlicher Prozess eingeleitet, da die Mutter einer Schülerin ihn der Pädophilie und der Weitergabe pornographischen Materials an Minderjährige beschuldigte. Dies, da er im Unterricht unter anderem Jeffrey Eugenides' Roman „Die Selbstmord-Schwestern“ und Wedekinds „Frühlings Erwachen“ behandelte. Der Prozess zog sich über mehrere Jahre hinweg, bis er im Jahr 2012 von den ursprünglichen Anklagepunkten freigesprochen wurde.

... 


Aus: "Frühlings Erwachen" (28. August 2013)
https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChlings_Erwachen

-.-

Quote
[...] Freilich: [Auch] [d]er islamische Puritanismus existiert. Ich hatte selbst Gelegenheit, ihn hautnah zu beobachten, als ich 1983 als Korrespondentin französischer Medien nach Algerien zurückgekehrt war. Der politische Islam war, im Fahrwasser der iranischen Revolution, voll im Aufschwung. In Ägypten ausgebildete Imame predigten in Moscheen, die mit Geld der Golfmonarchien errichtet waren, und fanden bei einer frustrierten Jugend ohne Zukunftsperspektiven ein dankbares Publikum.

Man diskutierte leidenschaftlich darüber, was erlaubt (halal) sei und was nicht (haram). Kann ein Mann, ohne zu sündigen, die abgeschnittenen Nägel einer "fremden" Frau - d. h. einer, mit der er nicht verheiratet ist - betrachten, auch wenn sie physisch nicht präsent ist? Dürfen Buben in Shorts Fußball spielen, wo doch ihre Schenkel lüsterne Blicke anziehen könnten? Die implizite Schlussfolgerung all dieser kleinlichen Diskussionen (ein fernes Echo derer, die das Christentum seinerzeit über das Geschlecht der Engel geführt hat), lautet: dass alles, wirklich alles sexuell ist.

... Aber im Algerien des Jahres 1983 war das verblüffendste Phänomen die zunehmende Präsenz der Frauen in der Öffentlichkeit, vor allem in der Moschee - davor hatten sie zu Hause zu beten; und der Umstand, dass sie den "hijab" trugen, den islamischen Schleier, der eine moderne Erfindung ist.

Vorher gab es europäisch gekleidete Frauen, daher ohne Schleier. Es gab aber nur sehr wenige von ihnen: ein paar Studentinnen, Angestellte und Journalistinnen sowie diejenigen, die während des Unabhängigkeitskampfes eine Rolle gespielt hatten, was ihnen einen privilegierten Status sicherte. Die anderen, alle anderen, blieben meistens zu Hause: Es waren die Männer, die einkaufen gingen.

Wenn eine Frau von Algier doch aus ihrem Haus ausgehen sollte, zog sie sich den "haik" über, einen langen weißen Schleier, und verbarg den unteren Teil ihres Gesichtes mit einem kleineren Schleier, den sie hinter den Ohren festband. Zumindest blieben die beiden Augen frei, im Unterschied zu ihren Leidensgenossinnen in Medea und im ganzen Süden. Aber die einfachsten Bewegungen, wie etwa die, die man braucht, um ein Glas Wasser auf der Straße zu trinken (die Kaffeehäuser waren ja den Männern vorbehalten), wurde zur äußerst komplizierten Herausforderung: mit dem Ellbogen muss der Schleier am Sich-Öffnen gehindert werden. Mit einer Hand hält die Frau das Glas, während sie mit der anderen den kleinen Schleier hebt. Nur so kann sie ihren Durst löschen, ohne Gefahr zu laufen, der Schamlosigkeit bezichtigt zu werden. Im Vergleich dazu ist der "hijab" - in dem die westliche Welt nur einen Rückschritt sieht - ein Fortschritt: Beide Hände sind frei.

Die Hauptstadtkinder nannten die Mädchen mit Kopftuch und einem weiten Gewand die "404 bâchées" - genauso wie die damals im Maghreb üblichen Peugeot 404, Lieferwagen mit Abdeckplane. Dann sah man, kurz vor dem Bürgerkrieg zwischen dem Militärregime und den Islamisten, junge Frauen, die vollkommen in schwarze Gewänder eingehüllt waren, mit Handschuhen, dunklen Strümpfen und Sonnenbrillen. Auch hier hat der Volksmund sogleich einen Ausdruck für diese erstaunlichen Erscheinungen gefunden: die "Fantomas".

Der Mann von der Straße hatte instinktiv verstanden, dass es sich hier, unter dem Deckmantel der Moral, um ein Phantasma der Macht handelt. In dem sie sich exzessiv bedeckten, wollten die Frauen Angst einflößen, ihre Keidung war eine Rüstung - oder, wie eine algerische Psychiaterin es damals diagnostizierte, "eine Offenbarung der Hysterie", die alle männlichen Blicke auf einen unsichtbar gemachten Körper lenkt.

Die Angst vor unkontrollierbarer weiblicher Sexualität war schon ein wesentlicher Teil der erotischen Anleitungen, die in den Medinas der arabischen Welt zu haben waren - denn ein guter Muslim soll wissen, seine Frau zu befriedigen. Deren bekannteste, Der parfümierte Garten (deutsch 2004 bei Selene erschienen), wurde im 16. Jh. vom Gelehrten Cheikh Hafznaoui redigiert.

Die marokkanische Feministin Fatima Mernissi hat darüber eine brillante Analyse in ihrem Buch La femme dans l'inconscient musulman geschrieben ("Die Frau im muslimischen Unbewussten", 1983. Aus Angst vor möglichen islamistischen Reaktionen publizierte Mernissi das Buch unter dem Pseudonym Fatna Aït-Sabbah). Sie zeigt, wie die Frauen in diesem Text als "Omnisexuelle" dargestellt werden, für die das einzige Kriterium für die Wahl eines Partners ein imponierender Penis sei, egal ob sich um den Penis eines Menschen oder den eines Esel handelt. Kurz, die Frauen sind das Gegenteil von den schüchternen Kreaturen, gottesgläubig und folgsam, die dem islamischen Ideal entsprechen.

Hinter dem alten Mythos der orientalischen Sinnlichkeit verbirgt sich die sexuelle Misere - Unwissenheit, nur auf schnelle sexuelle Befriedigung erpichte Männer, frustrierte Frauen, schwangere Mädchen, die von ihrem Verführer und von der eigenen Familie verstoßen werden (ein tristes Lied, das wir im Westen nur zu gut kennen).

...


Aus: "Revolution im Schlafzimmer" Joëlle Stolz (30. August 2013)
Quelle: http://derstandard.at/1376535167409/Revolution-im-Schlafzimmer


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[Helga Götze... ]
« Reply #27 on: Juni 11, 2014, 09:30:28 vorm. »
Helga Sophia Goetze (* 12. März 1922 in Magdeburg; † 29. Januar 2008 in Winsen), als Künstlerin auch Helga Sophia, war eine deutsche Künstlerin, Schriftstellerin und politische Aktivistin.
https://de.wikipedia.org/wiki/Helga_Goetze

-.-

Quote
[...] Helga Götze saß seit 1982 fast jeden Tag auf dem Breitscheidplatz vor der Gedächtniskirche, barfuß mit ihrem Pappschild: „Ficken ist Frieden“. Mit jedem, der sich darauf einließ, sprach sie über Sex, Körper, weibliche Wollust, „übers Ficken“. Selbstverständlich auch mit Kindern, denn mit dem Befreien kann man gar nicht früh genug anfangen.

Frauen, die dafür kein Verständnis hatten, waren für sie „Tussis“, ein Lieblingswort. Tussis waren all jene, die sich im Ehekorsett befanden, die Liebe mit Besitzansprüchen verwechselten, prüde waren, für die Bedürfnisse der Männer lebten, die sich nicht trauten „Schwanz“ zu sagen oder eben „ficken“.

Dabei war auch Helga Götze den größten Teil ihres Lebens eine „Tussi“ gewesen. In Magdeburg geboren, wuchs sie streng behütet auf. Mit zwanzig heiratete sie und bekam sieben Kinder. Man sagte ihr, das müsse so sein. Sei Mutter, sei Ehefrau, sei brav, sei ruhig. Im Album die vergilbten Fotos: Helga streng frisiert im biederen Kleid, in steifer Familienpose. Helga am Herd, ein Kochlöffel aus Holz. Helga in sich gekehrt.

Der Ausbruch kam, als das letzte Kind aus dem Haus war. Der Zeitgeist, 1968 mag eine Rolle gespielt haben. Und der angestaute Frust: In 25 Ehejahren habe sie nicht ein einziges Mal den eigenen Mann nackt gesehen, erzählte sie später, nachts unter der dunklen Decke sei sie Gebärmaschine gewesen, tags nur Mutter.

Auslöser jedenfalls war Giovanni, ihr sizilianischer Liebhaber, mit dem sie ihren ersten Orgasmus erlebte. Helga Götze begann ihr neues Leben ohne Familie, in schonungsloser Offenheit, in Kommunen und in Schwulen-WGs – sie behauptete, dass alle Schwulen bei ihr zu Bisexuellen geworden seien. Gemalte Porträts von Giovanni, ihrem Befreier, und auch von ihrem Ehemann, der sie gehen ließ, hingen bis zuletzt in Helga Götzes Wohnung.

1982 zog sie nach Berlin. In eindeutigen Kontaktanzeigen suchte sie nach Männern, sie zog durch Talkshows, Rosa von Praunheim widmete ihr einen Film. Sie nannte sich „primäre Tabubrecherin“, die Boulevardpresse nannte sie „Deutschlands Supersau“.

Als sie älter wurde und etwas stiller, revoltierte sie in ihrer Charlottenburger Hinterhauswohnung weiter. Sie schrieb für die sexuelle Selbstbestimmung, sie malte und stickte – ihr liebstes Motiv: Sexualorgane, männliche, weibliche, neben mahnenden Zeigefingern. Die Wände ihrer Wohnung waren voll damit. Gegenüber der Couch stand eine Art Altar – für Helga Götze. Vielleicht, um sich immer wieder vor Augen zu führen, dass richtig war, was sie tat. Briefe an sie, Danksagungen, Solidaritätsbekundungen.

Und dann hing da ein neueres Foto von ihr: Eine nackte Frau von über 80 Jahren. Ein bisschen dick, die Haut schlaff. Aber mit der Selbstverständlichkeit eines Supermodels. Der Blick so fest und sicher, dass niemand ihren Glauben angezweifelt hätte, für das einzig Richtige einzustehen. Sie nannte sich „Sophia“, die Weisheit.

Ein Tag Ende August 2007, die Sonne sollte mittags nicht so brennen, da wollte Helga Götze mal wieder zeigen, dass es sie noch gab. Doch noch in ihrer Wohnung fiel sie um. Ein Schlaganfall. Man brachte sie ins Pflegeheim. Kein Ort für eine Helga Götze.

Dabei war es nicht das erste Mal, dass sie eingewiesen wurde. Das erste Mal war es die Dietrich-Bonhoeffer-Nervenklinik gewesen. Damals hatte die Polizei sie wieder mal vom Breidscheidplatz geholt und dorthin gebracht. In der Klinik benahm sie sich, wie sie es in ihrem früheren Leben gelernt hatte: höflich, lieb, zurückhaltend – und man ließ sie wieder gehen. Sie fuhr zum Breitscheidplatz.

Das Heim, in das man sie diesmal brachte, sollte sie nicht mehr verlassen.


Aus: "Nachrufe: Helga Götze (Geb.1922)" Elena Senft (22.02.2008)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/nachrufe/helga-goetze-geb-1922/1171802.html


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[Ich habe im Grunde... ]
« Reply #28 on: Juli 17, 2014, 10:22:52 vorm. »
Quote
[...] Hatice Akyün [45, ist in Anatolien geboren, 1972 kam sie mit ihren Eltern nach Duisburg. Ihr Vater arbeitete als Bergmann. Akyün studierte Betriebswirtschaft, heute ist sie Autorin. Ihr biografischer Roman Einmal Hans mit scharfer Soße aus dem Jahr 2005 wurde verfilmt, er ist gerade in den Kinos zu sehen]: Ich habe im Grunde zwei Mütter. Meine Mutter ist meine Bauchmutter, sie hat mir das Frauliche mitgegeben, das Familiäre. Und Brigitte ist meine Herzensmutter. Ohne sie hätte ich damals gar nicht begriffen, dass man als Frau selbstständig leben kann. Als ich mit 18 von zu Hause auszog, war sie für mich da, und sie ist es heute noch.

...


Aus: ""Ich habe im Grunde zwei Mütter"" (ZEIT Magazin Nr. 27/2014 16. Juli 2014)
Quelle: http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/27/hatice-akyuen-rettung


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[Konsequenterweise tendierten die Teilnehmerinnen... ]
« Reply #29 on: Juli 22, 2014, 10:09:29 vorm. »
Quote
[...] Frauen sehen rot, wenn andere Frauen Rot tragen: Kleiden sich Frauen in der Warnfarbe, lässt das bei anderen Frauen die Alarmglocken schrillen. Denn die Rot Tragenden werden unter anderem als sexuell sehr aktiv eingeschätzt. Das ist das Ergebnis einer kürzlich erschienenen US-amerikanischen Studie der Universität Rochester. Bei der Untersuchung sollten Teilnehmerinnen zuerst anhand von Bildern einschätzen, wie sehr die abgelichteten Frauen ihrer Meinung nach an Sex interessiert sind.

Das Ergebnis: Trugen die Frauen auf den Bildern Rot statt Weiß, glaubten Probanden eher, dass sie für Sex empfänglich seien. Sie trauten ihnen außerdem weniger zu, eine monogame Beziehung führen zu können, wie es in der im Fachmagazin Personality and Social Psychology Bulletin veröffentlichten Studie heißt.

Konsequenterweise tendierten die Teilnehmerinnen dann auch dazu, eine rot gekleidete Frau gar nicht erst an ihren Partner heranzulassen. Sie beantworteten die Fragen „Würden Sie diese Person Ihrem Partner vorstellen?“ und „Würden Sie Ihren Partner mit dieser Frau alleine lassen?“ eher mit einem Nein, als wenn das Bild zum Beispiel eine grün gekleidete Frau zeigte.

Aus früheren Studien sei bekannt, dass Männer Rot an Frauen als Signal für Interesse an Sex wahrnehmen, schreiben die Wissenschaftler um Adam Pazda. Bei Frauen scheint die Farbe einen ähnlichen Effekt hervorzurufen.


Aus: "Darum macht rote Kleidung Frauen zu Rivalinnen" (21.07.2014)
Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/psychologie/studie-darum-macht-rot-frauen-zu-rivalinnen,10839406,27903144.html


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[Sie wisse gar nicht woher sie das habe... ]
« Reply #30 on: September 16, 2014, 12:08:21 nachm. »
Quote
[...] Sie ist jung und hübsch, er ist alt und hat Geld: Das Phänomen Sugardaddy feiert ein ungeahntes Comeback. Nicht nur im Internet ...

... Die Motive für eine Sugardaddy-Beziehung erscheinen so offensichtlich: Das ist, ganz klar, der Rückzug in uralte Geschlechterrollen! Mysugardaddy.eu macht es den Kritikern einfach. Die Seite zeigt Bilder vom klischeehaften Inbegriff männlicher Potenz: Ein ergrauter Charismatiker umarmt eine Frau, die seine Tochter sein könnte. Neben ihnen steht eine Flasche Champagner, im Hintergrund erahnt man eine (seine?) Jacht. Reichtum, der so offen ausgestellt wird, hat für viele schon grundsätzlich etwas Anstößiges, die Filmkritikerin Linda Williams bezeichnete Geld einmal als die „ultimative Obszönität“.

... Ohne Zweifel verstoßen die weiblichen Sugarbabes gegen das Prinzip der Gleichstellung der Geschlechter, für die Generationen vor ihnen gekämpft haben. In der Babe- und Daddy-Welt herrscht die Heteronormativität in Reinform: Sein Geldbeutel bestimmt, wo es langgeht, sie wird aufs Dekorative reduziert – selbst wenn sie immerhin das Restaurant und die Schuhe aussuchen darf. Die umgekehrte Besetzung – wohlhabende Sugarmamas, die konsumfreudige junge Männer aushalten – ist auf mysugardaddy.eu nicht vertreten. Geschäftsführer Thorsten Engelmann sagt, das gebe „der Markt“ nicht her. Gleiches gilt wohl für nichtheterosexuelle Menschen.

Auffällig ist auch die Verteilungsfrage. Ein Sugardaddy kann unter vielen, sehr vielen Frauen wählen. Laut Engelmann seien von den 90.000 Nutzern aus Österreich, der Schweiz und Deutschland rund 80 Prozent weiblichen Geschlechts. „Ich bin froh, dass ich überhaupt einen abbekommen habe“, sagt Kerstin Wagner. Gleich beim zweiten Datingversuch traf sie Ralf*, der ihr seitdem 500 Euro im Monat überweist und dafür verlangt, dass sie zur Verfügung steht, wenn er für einen Geschäftstermin mal wieder nach Berlin kommt. Eine andere Frau, die sich auf dem Portal Jazz_88 nennt, sieht die Sache ebenfalls pragmatisch: „So viele Millionäre gibt es einfach nicht.“ Die meisten Männer auf der Seite seien verheiratet und keineswegs superreich, manche würden gar ihr letztes Geld für eine Geliebte ausgeben.

... Dass die Frauen, die sich anmelden, selbst ein üppiges Einkommen haben, sieht die Webseite eindeutig nicht vor: Wer als weibliches Mitglied ein Profil erstellt, hat bei der Angabe zum Beruf im Dropdown-Menü lediglich bescheiden bis prekär bezahlte Berufe zur Auswahl: Rechtsanwaltsgehilfin, Krankenschwester, Erzieherin. Generell ist der Anteil an Studentinnen recht hoch, und nicht wenige kommen aus gut betuchtem Hause. Auch Kerstin Wagners Freundin ist mit viel Geld aufgewachsen und sucht unter den Sugardaddys nun einen Partner, der ihr Luxus auch in Zukunft ermöglicht. So mancher Mann, bei dem in dieser Hinsicht Zweifel bestehen, wird von ihr einfach aussortiert. Dazu bietet die Webseite einen „Gehalts-Check“ an.

Die Menschen, die auf diesem Weg einen Partner suchen, allesamt als reaktionär oder gierig abzustempeln, wäre vermutlich zu einfach. Eine Frau nur „fürs Bett“ zu finden, das könne man auf jeden Fall günstiger haben, sagen jedenfalls der Webseitenbetreiber und auch Kerstin Wagner. Worum geht es dann aber? Um den psychologischen Reiz der Unterwürfigkeit? Und: Wäre diese Ergebenheit authentisch oder doch nur gespielt?

Wagner zumindest passt nur bedingt in das Bild von der jugendlichen Konsumdiva. Sie ist 35 Jahre alt und trägt gern geblümte Kleider, „aber nicht von Chanel, ich bin ja eher ein Hippie“. Sie arbeitet in Berlin als Erzieherin, deshalb möchte sie auch nicht, dass andere ihren richtigen Namen in der Zeitung lesen. Männer, die Geld für gutes Essen und schöne Hotels haben, fand sie „leider immer schon attraktiv“ – sie wisse gar nicht, woher sie das habe. Es klingt amüsiert, wie sie das sagt, so, als verstünde sie sich selbst nicht richtig.

...


Aus: "Komm zu Papa" Sarah Schaschek (02.09.2014)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/komm-zu-papa

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Quote
Rupert Rauch 03.09.2014 | 17:05
@Daniela Waldmann
"Plattformen wie Sugardaddys machen Frauen wieder einmal mehr zur Ware."
Fehlwahrnehmung: die Frauen machen sich selbst zu Ware. Gezwungen sind sie dazu kaum. ... Es geht um Luxus, den sie sich sonst nicht leisten können (und den sich eine Mehrheit der Männer auch nicht leisten kann).

...


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Daniela Waldmann 04.09.2014 | 06:06
Lieber Rupert Rauch, anscheinend ist für Sie die Regelung von Beziehungen in der Gesellschaft (Arbeit, Beruf usw.) durch Geld so normal, dass Sie sich überhaupt nichts anderes vorstellen können und das mit Freiheit gleichsetzen.

...


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Marlen Hobrack 04.09.2014 | 11:08
@Daniela Waldmann

Entschuldigung, aber ich glaube, es gibt gar keine patriarchale Kultur mehr. Und die "armen Mädels" müssten ja nicht hungern. Sie könnten, anstatt ihre Sexualität zu handeln, sich ihres eigenen Verstandes bedienen, arbeiten, Geld verdienen, den Luxus, den sie wünschen, erarbeiten. Tun sie aber nicht. Das den Männern/ Kapitalismus/ Patriarchat anzulasten, ist zu einfach. Da müssten wir schon nach dem "Entitlement" der Frauen fragen. Warum glauben Frauen, es stehe ihnen zu, ausgehalten und versorgt zu werden? Ist das Ergebnis der patriarchalen Kultur, oder vielmehr Ergebnis von Bequemlichkeit (die Hausfrauenehe ist ja letztlich nichts anderes als das Sugar Daddy-Prinzip)? Die Frauen oben sind keine Opfer einer männlichen / patriarchalen Kultur, sondern Nutznießer überholter Denkmuster.


Quote
THX1138 02.09.2014 | 12:27
... Die Realität fliegt dem Geschlechterdiskurs schon lange um die Ohren - nur merken dass die mehrheitlich weissen, gut bis sehr gut gebildeten und verdienenden Frauen aus dem gehobenen Mittelstand, die diesen abgehobenen Diskurs dominieren, gar nicht mehr - vor allem wenn sie ein gewisses Alter überschritten haben. Dass in Österreich jede zweite junge Frau gerne Hausfrau wäre, wenn der Mann genug verdient, erstaunt in diesem Zusammenhang eigentlich wenig: http://derstandard.at/1304552595944/Jugendstudie-Jede-zweite-junge-Frau-waere-gerne-Hausfrau-wenn-der-Mann-genug-verdient


Quote
Rupert Rauch 03.09.2014 | 16:32
"Geschlechterverhältnis noch irgendwie diskutiert wird, wenn die Realität jeglichem Diskurs davonläuft."
Weil es anderen Menschen offenbar ein Bedürfnis ist. Die mediale "Realität" bildet ja immer nur Ausschnitte der wirklichen Realität ab. Ich wette die Mehrheit der Frauen fände einen finanziell potenten Mann überdurchschnittlich anziehend, aber die wenigsten würden das sich oder anderen eingestehen und noch weniger würden derart billig nach einem suchen. Und neben alldem gäbe es wohl auch welche, die solche Männer eher meiden.


Quote
Daniela Waldmann 05.09.2014 | 09:44

Liebe Marlen Hobrack,
lieben Dank für Ihren Kommentar.

Zitat - Ihre Worte: „Entschuldigung, aber ich glaube, es gibt gar keine patriarchale Kultur mehr. Und die "armen Mädels" müssten ja nicht hungern. Sie könnten, anstatt ihre Sexualität zu handeln, sich ihres eigenen Verstandes bedienen, arbeiten, Geld verdienen, den Luxus, den sie wünschen, erarbeiten. Tun sie aber nicht. Das den Männern/ Kapitalismus/ Patriarchat anzulasten, ist zu einfach. Da müssten wir schon nach dem "Entitlement" der Frauen fragen. Warum glauben Frauen, es stehe ihnen zu, ausgehalten und versorgt zu werden? Ist das Ergebnis der patriarchalen Kultur, oder vielmehr Ergebnis von Bequemlichkeit (die Hausfrauenehe ist ja letztlich nichts anderes als das Sugar Daddy-Prinzip)? Die Frauen oben sind keine Opfer einer männlichen/ patriarchalen Kultur, sondern Nutznießer überholter Denkmuster.“ Marlen Hobrack


So dichtgedrängt so viel Chauvinismus und Vorurteile - und das von einer Frau. ... Sie haben weder verstanden, was ich mit meinen Kommentaren oben aussagen wollte, noch anscheinend Ihren Verstand über Luxusfragen und kapitalistische Verwertungsinteressen hinaus bemüht – um ihren Blick zu weiten, wozu Verstand noch gut sein könnte.

... Werfen Sie mal einen Blick in die Welt und einen Blick in sozialwissenschaftliche Fachliteratur. Gehen Sie mal von Latte-Macchiato-Shopping-Center-Café in die Melting Pots und zu Mädchen - und Frauenberatungsstellen. Dann wissen Sie, dass es nicht um ein bisschen Luxusfragen geht, und das Patriarchat voll wirksam ist.

... Befassen Sie sich mit der Geschichte bis hin zur Gegenwart, mit Josephine Butler, der Abolitionistenbewegung, mit Gillaume-Schack und mit all den Frauen die damals und all den Frauen die heute verzweifelt für die Durchsetzung von Frauen-, Menschen- und Bürgerinnenrechte der Prostituierten kämpfen. Befassen Sie sich mit den offenen und verdeckten Formen der Benachteiligung und Diskriminierung und Gewalt. Mit dem Thema Macht und Erniedrigung (Kate Millet).

Befassen Sie sich mit der feministischen „Hurenbewgung“ (der Name wurde von den Prosituierten selbst für die Bewegung gewählt) und selbst innerhalb der Frauenbewegung konnten und können Prostituierte nicht selbstverständlich mit Rückhalt rechnen.

Bürgerliche Frauen tragen darüber hinaus oft ganz allgemein bei zur Diskriminierung anderer Frauen. Aus dem Grund trennte sich die bürgerliche und sozialistische Frauenbewegung. Weil die Bürgerlichen zu einem großen Teil nur auf ihre Privilegien bedacht waren, und teilweise selbst zur Unterdrückung anderer Frauen beitrugen und beitragen, indem sie andere Frauen unterbezahlt putzen ließen und lassen, als Kindermädchen für ein besseres Taschengeld oder billige Pflegekräfte anstellten und anstellen.

Es ist geradezu zynisch wenn manche bürgerliche Patriarchen/innen ihre Kirchplatzsprüche loslassen, dass die Frauen, die sie tagsüber mit ausbeuten und für sich arbeiten lassen, wer packt denn die hübschen Luxusartikelchen in den Versandkarton, wer näht die Kleider, bindet die Blumensträuße (wissen Sie wie viel Floristen/innen verdienen, wie viel manche Altenpflegerinnen, Hebammen, Friseurinnen?) ...

... Statt diesen oberflächlichen Boulevard-Müll zu verfassen, sollte sich Freitag hinter die feministische Prostituiertenbewegung stellen! Sich für die Rechte der Prostituierten einsetzen, für gute Arbeitsbedingungen, für gesellschaftliche Anerkennung von Prostituieren und ihrer Arbeit schreiben. ...



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[Männliche Mädchen (Weiblichkeitskonstruktionen)... ]
« Reply #31 on: September 16, 2014, 12:17:58 nachm. »
Quote
[...] Leanders Nachkriegskarriere hat ein besonderes jüngeres Publikum angelockt. Von der Presse als "kaum glaubliche Scharen junge Männer," oder "ganze Gruppen schöner Männer in schwarzen Samtanzügen" beschrieben (Seiler 1985, 173, 176), sind die "Junggesellen" um Leander nicht nur ein deutliches, öffentliches Phänomen in ihrem empirischen Publikum, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil ihres zerfallenden Starimages der 60er und 70er Jahre  ...

... In Richard Dyers (1986) Beschreibung der schwulen Fans von Judy Garland wird eine Reihe von Faktoren aufgezählt die den Star für die anglo-amerikanische schwule Fankultur so attraktiv machen: Androgynie, "camp" [https://de.wikipedia.org/wiki/Camp_%28Kunst%29] und Gewöhnlichkeit ["ordinariness"]. Versucht man analog bei Leander die entsprechenden Aspekte ihres Images herauszupräparieren, so sind die folgenden drei Faktoren für ihre "queere" Anziehungskraft entscheidend: das transvestitenhaft Künstliche, Mutterschaft, und eine extravagante Sexualität. Diese Formen sind, wie Dyer auch beim Garland-Kult feststellt, bestimmt nicht beliebig; ob sie als Erklärung für die schwule Verehrung der Leander hinreichen, bleibt allerdings fraglich.

... Das Monumentale an Zarah wirkt irgendwie peinlich; Zarah anzuhören, ihre Filme aus der Nazizeit anzuschauen, und das Ableben ihrer Nachkriegskarriere zu verfolgen: all dies erzeugt einen Affekt, der einzigartig scheint. Sie ist anderen deutschen Stars der Nazizeit - z.B. dem Image Heinz Rühmanns und seiner vermuteten Harmlosigkeit, oder Hans Albers' "Widerstand" – unähnlich, weil ihr Starruhm nicht in irgendeine Art weißgewaschene nationale Nostalgie reintegriert werden kann. ...


Aus: "Brian Currid: "Es war so Wunderbar!" - Zarah Leander, ihre schwulen Fans, und die Gegenöffentlichkeit der Erinnerung" (1998)
Quelle: http://www.montage-av.de/pdf/071_1998/07_1_Brian_Currid_Zarah_Leander.pdf

---

Quote
[...] Wahrscheinlich gibt es keine homophoberen Institutionen als Armeen. „Männlichkeit“ in möglichst martialischer Form ist dort das Ideal, und weil Homosexuelle als „unmännlich“ gelten, versuchen die Befehlshaber, sie von den Kasernen fernzuhalten. Was natürlich nicht gelingt. Gleichzeitig waren und sind die Streitkräfte bis heute eine Hochburg der Travestie. Allerdings eher unfreiwillig, aus der Not geboren. Im Schwulen Museum steht eine deutsche Soldatenuniform mit Pickelhaube aus dem Ersten Weltkrieg neben einer Vitrine mit dem Strafgesetzbuch von 1898, in dem die Seite mit dem Paragraphen 175 aufgeschlagen ist, und etwas weiter ist das prachtvoll gerüschte Kleid eines Damendarstellers zu sehen. Bereits dieses Ensemble im Eingang der Ausstellung „Mein Kamerad – die Diva“, verdeutlicht die Widersprüche ...

Es handelte sich um ein Theater der Träume, bei dem, schrieb ein Hauptmann Flatz, „die Illusion proportional zur Intensität des Dekolletés schwindet, wenn männliche Mädchen allzu sehr enthüllt werden“. Männliche Mädchen gehören bis heute zu jedem Krieg. Die Ausstellung endet mit Fotos eines Andrea-Berg-Imitators beim KFOR-Einsatz im Kosovo.

...


Aus: "Die große Illusion" Christian Schröder (15.09.2014)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/kultur/ausstellung-im-schwulen-museum-die-grosse-illusion/10704992.html

« Last Edit: September 30, 2014, 09:34:27 nachm. by Textaris(txt*bot) »

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[Die Paare sind gefangen in jahrhundertealten Vorstellungen... ]
« Reply #32 on: Oktober 02, 2014, 11:31:13 vorm. »
Quote
[...] Warum fallen Männer und Frauen in alte Rollen zurück, wenn das erste Kind geboren ist? Ein Gespräch mit dem Soziologen Michael Meuser Interview: Katrin Hörnlein

ZEIT: ... Ist Gleichberechtigung in der Partnerschaft heute selbstverständlich?

Meuser: Viele Paare streben danach, aber beim ersten Kind fallen sie in ganz traditionelle Rollen zurück: Die Mutter erzieht die Kinder, der Vater verdient das Geld. Die Paare sind gefangen in jahrhundertealten Vorstellungen, was Weiblichkeit und was Männlichkeit ausmacht. Und sie spüren diese Erwartungen in ihrer Umwelt. Deshalb können sie relativ reibungslos in alte Muster zurückkehren, auch wenn sie früher ein anderes Ideal angestrebt haben.

ZEIT: Aber sie müssen doch bemerken, dass ihr Anspruch und ihr Verhalten plötzlich auseinanderfallen?

Meuser: Häufig finden Paare Erklärungen, die ihre eigenen Ansprüche auf Gleichberechtigung nicht verraten. Wir nennen das Konsensfiktion. Zum Beispiel erklären sie die Kinderbetreuung durch die Mutter damit, dass der Vater mehr verdient. Gleichzeitig betonen sie, dass der Mann selbstverständlich kein Problem gehabt hätte, seine Arbeitszeit zu reduzieren, wenn die Frau mehr verdienen würde. Interessant ist, dass solche Erklärungen in hohem Maße von den Frauen formuliert werden. Sie entlasten also den Mann, der sich nicht dafür rechtfertigen muss, dass er seine Karriere fortführt.

ZEIT: Warum tun Frauen das?

Meuser: Im traditionellen, bürgerlichen Familienmodell besitzt die Frau die Definitionsmacht in der Familie. Noch immer wird ihr die größere Kompetenz in der Kinderbetreuung zugeschrieben. Sie lobt den Mann für getane Hausarbeit, urteilt aber auch darüber, ob er seine Aufgabe gut macht.

...

Quote
   GTI
    13. Juni 2014 20:28 Uhr

Männer haben keine Chance auf Gleichberechtigung, da die Frauen gleich erstmal Elternzeit haben wollen, mindestens 1 Jahr. Dann hat sich alles schon eingespielt.

Quote
   Superlutz
    12. Juli 2014 15:07 Uhr

... Wenn einem die Schwangerschaft der Frau nicht gerade "angehängt" wurde, hat mann durchaus die Möglichkeit eine Partnerin zu suchen, die da eher an Gleichberechtigung interessiert ist.

So eine Partnerin übereilt auch Männer nicht wie ein Schicksalsschlag. Meist haben auch die Männer da ein Wort mitzureden, mit wem sie eine Familie gründen wollen.

Auch hier gilt die alte Binsenweisheit: Meist gehören zwei dazu. Und die "Tatsache", das 'Männer keine Chance auf Gleichberechtigung haben, einzig und alleine dem weiblichen Wunsch nach Erziehungsurlaub zuzuschreiben ist ähnliches Heulsusen gehabe, wie die Klage über den gender-Pay-Gap, wenn dabei geflissentlich übersehen wird, dass diese Lücke größtenteils daraus resultiert, das Frauen sich leider tendenziell in schlechter Bezahlten Branchen wohlfühlen und es leider wenige Menschen gibt, die einer Kindergärtnerin das gleiche Gehalt wie einem Ingenieur zahlen wollen.



Quote
   Silius
    13. Juni 2014 20:34 Uhr

Eigenartig

Man stellt fest, dass die Rollenmuster außerordentlich stabil sind, dann stellt man fest, dass sie von beiden Geschlechtern bestätigt werden und gewollt sind, und dennoch sind sich Journalistin und Soziologe begründungslos darin einig, dass man dies ändern müsse.

Quote
   White_Chocobo
    13. Juni 2014 21:49 Uhr

Das gilt lange nicht für alle!

Sie verallgemeinern hier in einer völlig unzulässigen Art und Weise. Lange nicht alle Paare sind mit dieser tradierten Rollenteilung einverstanden bzw. wollen diese leben, sehen sich aber häufig aus den verschiedensten Gründen dazu genötigt.

Des Weiteren implizieren Sie, dass man an den genannten Befunden sehen könne, dass eben doch "natürliche" oder "sinnvolle" Unterschiede zwischen Männern und Frauen gäbe und dass aufgrund dessen sich die Verhältnisse nicht ändern. Damit suggerieren Sie, dass die Situation in der Paare sind bzw. sich begeben (müssen) immer die gleichen Beweggründe haben und ignorieren die Vielschichtigkeit der Gründe, die dazu führen kann, dass sich Paare für ein bestimmtes Arrangement entscheiden (ob sie damit nun glücklich sind oder nicht).

Schließlich ignoriert ihre naturalisierende/biologisierende Position, dass es heute auch viele Männer gibt, die sich entsprechend stark innerhalb der Familie engagieren wollen, dies aber häufig aufgrund entsprechender Tradierungen im Hinblick auf Geschlecht, Erwerbsarbeit, dem sozialen Umfeld etc. nicht können! Wo greift denn hier die "klassische Rollenlogik"?
Alternativ würde dann bei gut 30% aller Männer etwas "falsch" laufen...

Der Punkt ist einfach folgender: bestehende Strukturen und Institutionalisierungen ändern sich nicht so schnell, auch wenn einzelne Personen sich das vielleicht wünschen und darunter leiden und nicht, weil die Biologie oder Gott eingerichtet haben, dass es diese Sphärentrennung gibt.




Aus: "Gleichberechtigung: "Es entstehen neue Konflikte"" (13. Juni 2014)
Quelle: http://www.zeit.de/2014/23/gleichberechtigung-kindererziehung-rollenverteilung?commentstart=49#cid-3725037


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[Wofür... ]
« Reply #33 on: Oktober 02, 2014, 05:16:10 nachm. »
Quote
[...] Wofür wird hier wohl geworben? Eine Frau sitzt in einem Laden und probiert Schuhe an. Bunte Highheels hinter ihr, daneben warten ihre zwei Töchter mit Kuscheltier. Oder: Eine Frau steht in eng anliegender Bluse vor einem Kleiderschrank. So, als überlegte sie, was sie anziehen soll. Oder: Eine Frau, stark geschminkt, sitzt in figurbetontem Sportoutfit in einer Umkleidekabine. Mitarbeiterin bei "Zalando"? Mitgliedschaft in einem Frauenfitnessstudio? Falsch: Auftraggeber ist die Bundeswehr.  ... Die Kampagne suggeriert zwei Dinge: Frauen werden nicht wegen ihrer Fähigkeiten gesucht, sondern weil sie gut aussehen. Zweitens: Frauen interessieren sich nur für Schuhe, Kleider und ihr Aussehen. Sie sind immer auch als Mutter im Einsatz. Und: Frauen sind nicht im normalen Arbeitsalltag, in der Normalität mit Männern und anderen Frauen abgebildet. Hinzu kommt: Dass auch um einen Dienst an der Waffe geworben wird, dass Frauen auch Panzer fahren oder Kampfjets fliegen, davon findet sich in der Kampagne nichts. ... Eine Kampagne, die beinahe schon satirisch wirkt, so daneben liegt sie. Man fragt sich: Wie konnte das durchgehen, in einer Zeit, in der die Chefin der Streitkräfte eine Frau ist? ...

Quote
Das nennt sich ...
campdavid heute, 13:54 Uhr
... schlicht und ergreifend Marktwirtschaft, und auf die Zielgruppe zugeschnittene Werbung. Wenn statistisch betrachtet ein Großteil der Frauen betont dass ihnen Sachen wie Kleidung, Sport & Familie wichtig sind dann wird man die Werbung eben genau darauf ausrichten. Ich kann ein Stück weit verstehen dass sich manche Frauen dadurch überhaupt nicht angesprochen fühlen, aber vielleicht sind diese Frauen auch gar nicht die Zielgruppe die man erreichen möchte. Werbung ist perfide und spielt mit Stereotypen, hat sie eigentlich schon immer gemacht.
http://www.spiegel.de/forum/politik/werbung-fuer-die-streitkraefte-bundeswehr-blamiert-sich-mit-frauen-kampagne-thread-162030-1.html#postbit_18632370

Quote
insomnium heute, 14:08 Uhr
Selten doofe Kampagne, für die aber vermutlich noch eine Menge Geld bezahlt wurde. Dass Bundeswehr-Werbung in etwa alles zeigt, nur nicht die Realität, gilt aber nicht nur für "Frauen-Werbung". Ich erinnere mich noch an einen Werbespot, da stellte sich die Bundeswehr als Abenteuerspielplatz für große Jungs dar.
http://www.spiegel.de/forum/politik/werbung-fuer-die-streitkraefte-bundeswehr-blamiert-sich-mit-frauen-kampagne-thread-162030-4.html#postbit_18633126

Quote
dämlich
trazom2011 heute, 14:49 Uhr
Die Werbekampagne soll eine bestimmte Zielgruppe ansprechen und nicht Feministen begeistern. ...
http://www.spiegel.de/forum/politik/werbung-fuer-die-streitkraefte-bundeswehr-blamiert-sich-mit-frauen-kampagne-thread-162030-9.html#postbit_18635975

...


Aus: "Werbung für die Streitkräfte: Bundeswehr blamiert sich mit Frauen-Kampagne" Anna Reimann (02.10.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-werbekampagne-fuer-frauen-blamiert-von-der-leyen-a-994997.html


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[Ich wollte mehr... ]
« Reply #34 on: Februar 26, 2015, 10:41:08 vorm. »
Quote
[...] Die Geschichtsschreibung zum Holocaust hat die Verbrechen von Frauen lange ausgeblendet. Dabei gingen sie zu Hunderttausenden in die besetzten Gebiete in Osteuropa - als integraler Bestandteil der Vernichtungsmaschinerie.  ... Zu den Mythen der Nachkriegszeit gehört der von der unpolitischen Frau. Nach dem Krieg sagten viele Frauen vor Gericht aus – oder erklärten in oral histories – , dass sie nur Büroangelegenheiten erledigt oder sich um die sozialen Aspekte des Alltagslebens gekümmert hätten. Sprich: um die Pflege oder um die Pflichten anderer, im Osten stationierter Deutscher.
Fast schien es, als hätten Frauen im NS-Männerstaat keine aktive Rolle gespielt – so wie das 1936 von Adolf Hitler vorgegebene Frauenbild sie an Heim und Herd verbannte. Abgesehen von einigen Ausnahmen wie Irma Grese, der „SS-Megäre“ aus Bergen-Belsen und „Hyäne von Auschwitz“, oder von Hermine Braunsteiner, der „Stute“ von Majdanek.
Diese auch in der Forschung verbreiteten Porträts aber waren Karikaturen, oftmals pornografisch verzerrt. Die starke Fokussierung auf die schlimmsten KZ-Aufseherinnen hat lange eine nuancierte Diskussion über die Beteiligung und das schuldhafte Verhalten von Frauen an den Verbrechen der NS-Zeit verhindert. ... Die „Frauenfrage“ wurde in der NS-Zeit nicht beiseitegeschoben, sondern neu gestellt. Das Private wurde politisch. Der Zugriff der Bewegung reichte bis ins traute Heim: Frauen und Mädchen holte man zu öffentlichen Versammlungen und Paraden auf die Straße, sie wurden zu Arbeitseinsätzen aufs Land geschickt, sie wurden zu Marschierübungen, Hauswirtschaftskursen und medizinischen Untersuchungen und Fahnenappellen versammelt. In ihren Memoiren und in Gesprächen erzählten viele von ihren Ambitionen: „Ich wollte etwas werden“, „ich wollte mehr“ – Aussagen, die sich so oder so ähnlich immer wieder finden. ...

Die Autorin ist Professorin für Geschichte am Claremont McKenna College, Kalifornien. Von ihr ist das Buch „Hitlers Helferinnen“ (Hanser Verlag, München 2014) erschienen.


Aus: "Verbrechen von Frauen im Holocaust Hitlers willige Helferinnen" Wendy Lower (02/2015)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wissen/verbrechen-von-frauen-im-holocaust-hitlers-willige-helferinnen/11424378.html

« Last Edit: September 10, 2015, 02:52:42 nachm. by Textaris(txt*bot) »