Zu "Der Teufel kam aus Akasawa" BR Deutschland/Spanien 1971, 89 min.
R: Jess Franco; D: Soledad Miranda, Horst Tappert
Ein rundum minderwertiger Billigfilm, inhaltlich stupid, handwerklich armselig und von tödlicher Langeweile. Dazwischen wird der Zuschauer mit hilflosen Strip- und Sexeinlagen malträtiert. Selbst renommierte Schauspieler wie Walter Rilla (der offensichtlich keine Lust hatte diesen Ramsch später selbst zu synchronisieren) und Siegfried Schürenberg können hier nichts mehr retten. Zudem ist der Film mit der Keule fast aller deutschen Filme aus den Siebzigern geschlagen: wacklige Kamera und hundsmiserabel hingepfuschte Synchronisation. Ein völlig belangloses Schundfilmchen, dessen Vorbilder bei Bahnhofskino und Schulmädchenreport zu suchen sind. Selbst die Kammfabrik würde bei diesem Schundmaterial dankend ablehnen. Der Film ist einmal kaum zu ertragen; ein zweites Mal wird ihn sich kein echter Wallace-Fan freiwillig antun. (Christoph Nestel)
Der Teufel kam aus Akasava / El diablo que vino de Akasawa (BRD/E 1970/71)
Quelle:
http://www.deutscher-tonfilm.de/dtkaa1.html-.-
[...] Es werden neue Figuren eingeführt, ohne dass deren Funktion erklärt wird, uninspiriert werden Action- und Gewaltmomente aneinander gereiht, die Musikeinspielungen passen nicht zu den Bildern. Schnitt-Anschlüsse stimmen nicht, Kamerafahrten enden in definitiv unbeabsichtigten Unschärfen, Personen bewegen sich außerhalb des Bildbereiches. Wenn über den Film Positives gesagt werden kann, dann über die Tatsache, dass er einen gewissen Trash-Charme besitzt, denn er ist vollkommen ernst inszeniert. So ernst, dass man beim Anschauen das Gefühl bekommt, Regisseur Jess Franco habe beim Dreh wirklich daran geglaubt, ein echtes Meisterwerk zu inszenieren. Mit Top-Schauspielern, einem Top-Budget und einem Top-Drehbuch. ...
-- Christian Lukas
[...] Nachdem die deutsche Edgar-Wallace-Reihe zu Beginn der 70er Jahre endgültig ihrem Ende entgegen sehen musste, drehte Trashregisseur Jesus Franco Manera 1971 diesen Film auf der Romanvorlage von Edgar Wallace und nach einem Drehbuch von Ladislas Fodor, der auch schon für einige der früheren Wallace-Film geschrieben hatte. Leider ist von seinem durchaus annehmbaren Drehbuch im endgültigen Film so gut wie nichts mehr zu spüren. Jess Franco hatte es mal wieder fertiggebracht auch diesen Film in den Sand zu setzen und so wurde er auch nicht viel mehr als ein meisterhaftes Machwerk ohne jeglichen Wallace-Touch. Hervorzuheben sei allerdings noch die wunderbare und unvergeßliche Susan Korda in einer ihrer letzten Rollen vor ihrem tödlichen Unfall. Bleibt die Frage, ob sich Horst Tappert heute noch an sein Mitwirken in diesem Film erinnert... (Von Ein Kunde)
[...] Den einen Stern bekommt diese DVD nur dafür, dass die BIldqualität relativ gut ist und man (leider) keine 0 Sterne geben kann. Dass Walter Rilla sich nicht selbst nicht synchronisiert hat, kann man nach dem Anschauen (eher leiden) sehr gut verstehen. Das einzige spannende ist bestenfalls der Titelvorspann und die Musik, die allerdings wahrscheinlich auch nicht in erster Linie für diesen Film komponiert wurde. Dass dieser Film in den Kinos nicht unter dem Namen "Edgar Wallace" lief, finde ich schon wieder gut. Allerdings für die (sowieso überflüssige) nochmal die damals geplante Werbung wieder auszugraben und zu nutzen, finde ich eine Sauerei. Anstatt dieses Machwerks hätte Polyband lieber den Film "Der Fluch der gelben Schlange" als DVD rausbringen sollen. Bei ihm handelt es sich ebenfalls um einen inoffiziellen Edgar Wallace-Film, nur dass dieser das Recht auf den Namen hat und (entschieden) besser ist. Außerdem hat Polyband die Chance wenigstens die Bryan Edgar Wallace-Filme aus den 60ern zu veröffentlichen auch total vertan indem sie nur den 70er-Thriller "das geheimnis der schwarzen Handschuhe" auf DVD veröffentlichten. Dort besteht dasselbe Problem. Der FIlm hat ebenfalls kein Anrecht auf den Namen, hier: Bryan Edgar Wallace (Edgar Wallace' Sohn). Also:
Liebes Polyband-Team, es gibt viele Leute, die die schwarz-weißen Bryan Edgar Wallace-Filme auf DVD kaufen würden. Für "Der Fluch der gelben Schlange" gilt dasselbe. Doch ich persönlich kenne niemanden der Interesse an "Der Teufel kam aus Akasava" und "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" hat.
(Von Fabian Teichert "Krimifan" (Jever, Niedersachsen))
Quelle:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B00004RN1B/deutschtonfil-21 (11/2007)
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[...] Jess Franco (* 12. Mai 1930 in Madrid; eigentlich Jesús Franco Manera) ist ein spanischer Regisseur, Drehbuchautor, Filmemacher und Schauspieler.
[...] Jess Franco verwendete in seiner Karriere rund 40 Pseudonyme. Einige Pseudonyme sind Namen bereits verstorbener Jazz-Musiker (oder ihnen entlehnt), wie Clifford Brown oder James P. Johnson.
Liste der Pseudonyme: Joan Almirall, Clifford Brown, Clifford Brown Jr., Juan G. Cabral, Terry De Corsia, Rick Deconinck, Raymond Dubois, Chuck Evans, Dennis Farnon, Jess Franck, Jess Franco, Adolf M. Frank, Anton Martin Frank, Jess Frank, John Frank, Wolfgang Frank, James Gardner, Sam Gardner, Robert Griffin, Lennie Hayden, Frank Hollmann, J. P. Johnson, James Lee Johnson, James P. Johnson, David J. Khune, David Khune, D. Khunne, D. Khunne Jr., David Khunne, David Kuhne, Frank Manera, Jeff Manner, Roland Marceignac, Tawer Nero, Claude Plaut, Cole Polly, Preston Quaid, Pierre Queret, P. Querut, Lowel Richmond, Dan L. Simon, Jean-Jacques Tarbes, Joan Vincent
Hier noch ein Überblick über Namen, die oft fälschlichweise als Pseudonyme von Jess Franco ausgewiesen werden (mit Angabe ihrer tatsächlichen Zuordnung):
* Rosa María Almirall (= Pseudonym und Geburtsname seiner langjährigen Muse und Partnerin Lina Romay)
* Betty Carter (= Pseudonym für Lina Romay)
* Candy Coster (= Pseudonym für Lina Romay)
* Manfred Gregor (= Drehbuch-Pseudonym des Produzenten Erwin C. Dietrich)
* Lulu Laverne (= weiteres Pseudonym für Lina Romay)
* Marius Lesoeur (= Name eines französischen Produzenten)
* A. L. Mariaux (= Pseudonym des Produzenten Marius Lesoeur)
* John O'Hara (= Pseudonym des Regisseurs José Jara)
* Michael Thomas (= Regie-Pseudonym des Produzenten Erwin C. Dietrich)
* Pablo Villa (= Pseudonym des Komponisten Daniel J. White)
* Daniel J. White (= Name eines Komponisten, der häufig die Musik zu Francos Filmen schrieb)
Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Jess_Franco (11/2007)
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[...] WAS WAR IHRE AUFGABE BEI IM SCHLOSS DER BLUTIGEN BEGIERDE?
Ich habe am Drehbuch geschrieben, ein Entwurf, etwa zehn Seiten. Der Film ist gut, aber ich hatte sonst nichts mit seiner Herstellung zu tun.
[...] WELCHER IST IHRER MEINUNG NACH DER BESSERE "WOMEN IN PRISON"-FILM, 99 WOMEN ODER FRAUENGEFÄNGNIS?
99 WOMEN ist auf jeden Fall der bessere Film; ein Spielfim mit einer richtigen Handlung, Dramaturgie, Aufbau, Ende; FRAUENGEFÄNGNIS ist der wesentlich realere Film....
[...] VON DEM FILM ENTFESSELTE BEGIERDE GIT ES IN DEUTSCHLAND ZWEI VERSIONEN: EINE HORROR- UND EINE PORNO-VERSION.
Ich habe mein ganzes Leben lang nie verschiedene Versionen von einem Film gemacht. Dafür waren immer andere Personen verantwortlich - jemand wollte eine Horrorversion und kürzte die Sexszenen, jemand wollte eine Sexversion und machte es umgekehrt. Ich hatte leider meist keinen Einfluß auf derartige Kürzungen. Manchmal mache ich einen Film bewußt etwas länger, um z.B. den Amerikanern Kürzungen für Commercials zu ermöglichen. Wenn ich gefragt werde, sage ich dann, hier und hier könnt ihr schneiden. Oft schneiden sie jedoch selber und entfernen dann z.B. die Schlüsselszenen. Jack Taylor ist übrigens ein sehr netter Mensch, der gar nichts von dieser Verrücktheit vieler anderer Darsteller dieser Zeit hat. Er ist auch heute noch ein sehr guter Schauspieler. Das Problem bei ihm ist seine Homosexualität, denn er wurde älter, und wie so oft bei solchen Männern sieht er heute nicht aus wie ein alter Mann, sondern....
[...]
DIE NONNEN VON CLICHY IST EIN WEITERER NACHFOLGER DER DAMALS POPULÄREN HEXEN-FILME. WIE GEFIEL IHNEN HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT?
Ein wunderbarer Film, ich liebe ihn sehr. Hoven hat noch einen Nachfolger gedreht, auch nicht schlecht, aber kein Vergleich zum ersten Film. Herbert Lom war wunderbar, auch Udo Kier war sehr gut.
DANN KAMEN SIE TÖTETE IN EXTASE UND VAMPYROS LESBOS. WELCHEN FILM MÖGEN SIE LIEBER?
Ich bevorzuge SIE TÖTETE IN EXTASE. Von VAMPYROS LESBOS gefällt mir so ungefähr das erste Drittel, den Rest mag ich weniger. SIE TÖTETE IN EXTASE ist vom Anfang bis zum Schluß stimmiger und durchgehend zufriedenstellend. Ich weiß, daß VAMPYROS LESBOS eher als Kultfilm betrachtet wird, aber das hängt mit verschiedenen einzelnen Szenen, Elementen und z.B. mit der Musik zusammen. Die Komponisten Hübler und Schwab habe ich in einer Disco im Euro-Center in Berlin kennengelernt. Soledad Miranda starb mit 29 Jahren bei einem Autounfall. Ich wartete damals zusammen mit Karl-Heinz Mannchen auf sie. Sie wohnte ca. 25 km entfernt. Ihr Mann steuerte den Wagen. Er kam auf die Gegenfahrbahn und prallte mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammen. Ihr Mann überlebte. Er lebt noch heute. Es gab damals Leute, die behaupteten, er hätte den Unfall absichtlich so herbeigeführt, um sich ihrer zu entledigen. Er war ein exzellenter Fahrer, verstand eine Menge von Autos und konnte hervorragend mit dem Fahrzeug umgehen. Das ist jedoch sicher nicht die Wahrheit, er liebte sie sehr und hat unter ihrem Tod sehr gelitten. Sie starb ungefähr eine halbe Stunde nach dem Unfall. Und das seltsame war: Ihr ganzer Körper war zerschmettert. Nur das Gesicht war völlig unversehrt. Instinktiv hatte sie wohl versucht, es mit ihren Armen zu schützen.
[...] JUNGFRAUENREPORT WURDE IN DER TRADITION DER REPORT-FILME GEDREHT, WELCHE SICH AUS DEM "MONDO"-FILM ENTWICKELT HABEN....
Ich mag diese Art Film nicht, es ist für mich keine Kunst, abscheuliche Szenen zu filmen, wie es z.B. Jacopetti getan hat. Ich habe in Berlin zu dieser Zeit mit einem seiner Mitarbeiter gearbeitet (Fulvio Testi, Kameramann von LUCKY M. FÜLLT ALLE SÄRGE). Er ist damals bei Jacopetti ausgestiegen, weil er diese Dinge nicht mitmachen wollte. Jacopetti hat zwar selber wohl niemanden getötet, aber es kam mehr als einmal vor, daß er von einer Hinrichtung erfuhr und dann den Zeitpunkt so planen bzw. verschieben ließ, daß er mitfilmen konnte. Von Ruggero Deodato weiß ich dagegen aus zuverlässiger Quelle - als ich eine Zeitlang in Rom arbeitete - daß er wirklich Leute verletzt bzw. getötet hat. Er saß dafür wohl auch im Gefängnis. CANNIBAL HOLOCAUST ist ein guter Film, aber ich habe ihn nur mit großem Widerwillen anschauen können, da ich von diesen Dingen wußte.
[...] LOLITA AM SCHEIDEWEG?
Katja Bienert war attraktiv, hatte ein ausdrucksstarkes Gesicht. Später jedoch wurde sie verrückt. Ein Problem war schon damals ihre Mutter, die ständig anwesend war und alles regelte. Katja war völlig unselbständig. Sie bekam psychische Probleme, aß gewaltige Mengen, wog 90 kg. Jahre später suchten mich die beiden wieder auf, als ich in Berlin war. Sie hatte wieder abgenommen, sah aus wie früher, aber ihre Ausdruckskraft war verlorengegangen. Und wie damals schon wurde alles von der Mutter geregelt.
[...]
DIE SÄGE DES TODES?
Ich mag den Film nicht so sehr. Er hat einige gute Szenen, aber er war zu blutig. Zu viele Metzelszenen....
WAS IST DANN MIT FACELESS....?
Der hatte nicht so viele Metzeleien, keine Szene wie die mit der Säge....zähl` nach, FACELESS hat nicht so viele brutale Szenen wie DIE SÄGE DES TODES.
IN DEUTSCHLAND IST DER FILM AUF VIDEO LEICHT ZENSIERT, ZUDEM IST ER VERBOTEN.
Tatsächlich? Warum? In Spanien ist er sogar für Kinder freigegeben. Im Kino war er aber auch in Deutschland ungeschnitten, ich war damals bei der Premiere in München.
Aus: "Jess Franco Interview vom August 2002" (terrorverlag.de, 2002)
Quelle:
http://www.terrorverlag.de/events/franco/index.htm-.-
[...] Seine Filme haben mehr Kinogänger gesehen als die von Fassbinder und Wenders zusammen - aber diese Zuschauer würden das erstens äußerst ungern zugeben, und zweitens gar nicht wissen, dass all die Streifen von ein und demselben Mann stammen.
Clifford Brown, Jess Franck, A.M. Frank, James Gardner, B.F. Johnson, David Khunne, John A. Lazer, Roland Marceignac, John O'Hara, Dave Tough: nur zehn von mehreren Dutzend Pseudonymen, hinter denen sich einer der heimlichen Lieblinge vieler Cinephiler verbirgt: Jess Franco, bürgerlich Jésus Franco Manera, Jahrgang 1930, einer der produktivsten wie berüchtigsten B-(und manchmal C- oder D-)Filmschaffenden der letzten vierzig Jahre. Ein würdiges Thema also für die Werkschau des diesjährigen Fantasy Filmfests, das heute auch in Berlin und Hamburg anläuft
Jess Franco hat seit seiner ersten Regie 1957 um die 170 Produktionen in allen möglichen Genres - vom Musical über den Horrorfilm bis hin zum Porno - realisiert; zudem hat er an seinen eigenen wie auch an den Werken Anderer in allen wesentlichen Positionen gearbeitet: er hat Filme geschrieben, produziert, fotografiert, in ihnen gespielt, sie geschnitten, vertont, und Musik dafür komponiert; das alles, oft genug, unter Pseudonym.
Womit wir schon beim entscheidenden Grund für den Franco-Kult wären: des Meisters verworrene Filmografie, Produkt eines Schaffens, bei dem ab einem bestimmten Punkt das einzelne Werk nichts mehr, hingegen das Arbeiten, das in Bewegung bleiben alles zählte. Was zu einem Oeuvre führte, das eher einem wild mutierenden Organismus denn einem Kunst-Gesamtzusammenhang gleicht, und in dem noch der dummlangweiligste Streifen - und derer gibt es sehr viele - seinen ureigensten Wert besitzt.
Francos Kino besteht aus einem eigenen Kosmos, in dem bestimmte Figuren, Derivate klassischer Pop-Kultur - Archetypen wie der verrückte Wissenschaftler Dr. Orloff, der Privatdetektiv Al Pereira, der weltgewandte Bösewicht Radek, oder die unschuldig-engelsgleiche Heldin Melissa - immer wieder (und oft in den widersinnigsten Momenten) auftauchen. Und wo gewisse Vorbilder wie Mantren benannt werden; siehe Francos Freude daran, Edgar Allan Poe oder Edgar Wallace in die Vorspänne seiner Filme zu schreiben, auch wenn diese bloß vagest, wenn überhaupt mit ihren Werken zu tun haben.
Nun kann man bei Franco meist gar nicht von einem Film sprechen. Seine Werke existieren oft in verschiedenen Versionen: mal mit, mal ohne Hardcore-Szenen, mal mit dem einen, mal dem anderen Ende oder Anfang. Nicht zu vergessen, dass sich manchmal hinter demselben Titel verschiedene Fassungen ein und desselben Films verbergen, aber auch, dass derselbe Film unter mehreren Titeln wieder und wieder neu gestartet wurde. Ganz wild wird es, wenn Filme auftauchen, die aus anderen Arbeiten plus einigen zusätzlich gedrehten Szenen zusammengesetzt wurden.
Nehmen wir eines der wichtigsten Jess-Werke, "Le Sadique de Notre Dame" (1979). Zwei Drittel bestehen aus Szenen bzw. Alternativmaterial einer fünf Jahre vorher entstandenen Arbeit namens "Exorcisme". Dieser Film wurde wieder von Anfang an, wie damals üblich, mit unterschiedlich expliziten Szenen für die jeweils angepeilten nationalen Märkte gedreht, existiert also per se in mehreren Versionen und unterschiedlichen Titeln. Dieses Konvolut von Fassungen und losgelösten Szenen wurde im Jahr darauf noch einmal erweitert durch eine für den französischen Markt erstellte Pornoversion namens "Sexorcismes", für die Franco weitere Szenen (z.T. mit sich selbst als Darsteller!) drehte. Das Franco-Oeuvre zu erforschen bedarf also sehr viel Geduld -
vor allem aber einer schier un-begrenzten Leidensfähigkeit. Womit wir bei dem großen Problem des Franco-Kults, bzw. seiner Rezeption in Deutschland wären. Jess Francos Name steht hier primär für die Werke seiner Erwin C. Dietrich-Phase: stiere Sexploitation der allerunangenehmsten Art wie "Frauen für Zellenblock 9" (1977) und "Frauen im Liebeslager" (1977), nicht zu vergessen sein Skandal-Klassiker "Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne" (1976).
Die Filme an sich wären noch als ziemlich krasse, dabei nicht sonderlich originelle Sexfantasien entschuldbar - nur entstanden sie in etwa zur gleichen Zeit wie gewisse amerikanische, französische und italienische "KZ-Sexfilme"...
Womit es um Francos Ruf geschehen war. Was auch immer er sich mit kleinen Meisterwerken wie "Necronomicon - Geträumte Sünden" (1967) oder "Nachts, wenn Dracula erwacht" (1969) an Renommée als stets solider, manchmal inspirierter B-auteur erarbeitet hatte: Das alles war vergessen.
In Francos Filmen wurden von Anfang an (halb)nackte Frauen von fiesen Schurken ausgiebigst gefoltert; das ist schließlich ein wesentlicher (wie auch immer zu bewertender) Pop-Kultur-Bestandteil. Der Unterschied zwischen "Der Todeskuss des Dr. Fu Manchu" (1967)" und "Frauengefängnis" (1975) ist, dass bei ersterem der Thrill in einen etablierten Genrekontext eingebettet wurde und klar über (Genre-) Archetypen funktioniert, wohingegen er bei letzterem als bloßer Selbstzweck und mit "Realismuswillen" präsentiert wird.
Es ist schade (aber auch sehr deutsch), dass die Fantasy Filmfest-Macher einen zu starken Akzent auf Francos Dietrich-Phasen setzen; das hatten die Organisatoren des Riminicinema '95, wo man auch eine Jess-Session abhielt, besser gemacht. In Rimini liefen primär Filme aus seinem Frühwerk: somnambul-surreale Etuden in Genrepoesie, bestehend aus liebevollen Erinnerungen an die Serials von William Witney, die manchmal rabiaten, oft melancholischen Noir-Filme von Roy William Neill, zweitklassige Krimis, drittklassige Horror-Romane, und oftmals erstklassige Literatur - sowie, wichtig für Franco: Jazz, Jazz, Jazz in Filmen wie "Der schreckliche Dr. Orlof" (1961), "Karten auf den Tisch" (1966), oder "Das Geheimnis des Doktor Z." (1965).
Die beste Erklärung dafür, warum dieses Oeuvre von Cinephilen mit einer solchen Inbrunst geliebt wird, ist vielleicht diese: weil es die gesamte Filmgeschichte als gelebtes wie geträumtes Leben enthält, in all ihrer Widersprüchlichkeit; weil hier, wie schon Orson Welles und Fritz Lang erkannten, alle künstlich gezogenen Grenzen zwischen Kunst und Kommerz, Anstand und Wohlstand, Fressen und Moral verschwinden und allein die Freude und Lust am Kino und seinen Mythen bleiben.
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Aus: " Müll. Aber schon fast klassischer Müll" Von Olaf Möller (16. August 2000)
Quelle:
http://www.welt.de/print-welt/article528459/Muell._Aber_schon_fast_klassischer_Muell.html