Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« on: May 14, 2009, 02:09:54 PM » |
|
" - Alle Väter sind etwas Ungeschicktes - "
(Friedrich Nietzsche)
-.- [...] Doch der Sohn war nicht der, den sein Vater haben wollte.
Aus: "Der Kronprinz Friedrich flieht vor seinem Vater" (Harald Rossa, 24.11.2008) Quelle: http://deutsches-mittelalter-fruehe-neuzeit.suite101.de/article.cfm/der_kronprinz_friedrich_flieht_vor_seinem_vater-.- [...] Gegen den Willen seines Vaters entschied sich Lemmon 1947, Schauspieler zu werden, und ging nach New York.
...
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Jack_Lemmon (10/2010) -.- [...] In vielen Fällen führt das simplifizierende Zweifaktorenmodell „Vater: an-/abwesend“ mal „Folgen: positiv/negativ“ nicht zu der gewünschten Klarheit.
...
Aus: "FOLGEN VON VATERENTBEHRUNG" (Wien und Klagenfurt, 2003) Eine Literaturstudie Rotraut Erhard, Herbert Janig unter Mitarbeit von Matthias Lang, Gabriele Deschka und Karl Krisch Qoelle: http://www.webducation.info/at/wp-content/uploads/downloads/Vaterentbehrung.pdf-.- [...] Sigmund Freud greift die Figur des Ödipus auf, um mit ihm eine Beobachtung zu beschreiben, die er im Laufe seiner psychoanalytischen Therapietätigkeit bei seinen Patienten machte. Nach Freud findet sich im Unbewussten der Patienten ein sexuelles Begehren gegenüber der eigenen Mutter, das aber in der Regel verdrängt ist. Weil das begehrende Kind dementsprechend mit dem Vater um die Gunst der Mutter rivalisiert, will es den Vater unbewusst töten, um seinen Platz einzunehmen. Auch das Mädchen strebe danach, seinen Vater zu besitzen, und rivalisiert entsprechend mit der Mutter, wie Freud in seiner Schrift Das Ich und das Es (1923) ausführt. Carl Gustav Jung fand für die weibliche Variante des Ödipuskomplexes den Begriff Elektrakomplex.
...
Aus: "Ödipuskonflikt" (2009) Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96dipus-Komplex -.- [...] "Das Delirium ist geographisch und politisch, dagegen führt es die Psychoanalyse jedesmal in die Sackgasse der Familie zurück. Schließlich der dritte Punkt: der Wunsch ist aus Gefügen, aus Vielheiten gebildet (...). Entsprechend gibt es immer mehrere Faktoren. Doch die Psychoanalyse reduziert ihn stets auf den gleichen Faktor: den Vater, die Mutter oder den Phallus."
...
Aus: "Werden statt sein - Gilles Deleuze über einsame Inseln" Klaus Englert (12.02.2004) Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/235277/-.- [...] Geschlechtertrennung, Ich-Formierung entlang eines patriarchalen Binärsysystem von Wunsch und Mangel, Mutter und Vater, Ich und Anderes - in der Freudschen Perspektive erscheint der Widerstand gegen den Ödipus-Komplex als Weigerung des Subjekts, die prägenitale Einheit des infantilen Narzissmus aufzugeben.
...
Aus: "Ödipus, Anti-Ödipus, Nautilus - Matthew Barney in Köln, Björk auf DVD" von Michael Opielka (2002) Quelle: http://www.sw.fh-jena.de/fbsw/profs/michael.opielka/downloads/doc/2002/Oedipus_Nautilus_Vers_5.pdf
|
|
|
|
« Last Edit: October 06, 2010, 03:26:45 PM by Textaris(txt*bot) »
|
Logged
|
|
|
|
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« Reply #1 on: May 14, 2009, 02:22:36 PM » |
|
[...] Das Leiden an dem tyrannischen Vater war ein in der Kunst und Literatur der Jahrhundertwende oft beschriebenes Phänomen. Der Vater-Sohn-Konflikt ist geradezu ein Zeitphänomen der expressionistischen Generation. Mit dieser Auseinandersetzung griff die junge Generation eine verkrustete patriarchale Gesellschaft an, die spätestens mit der Abdankung der Monarchie im Jahre 1918 wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrach. Dieser Kampf der Generationen erfuhr gerade in Prag unter den assimilierten jüdischen Familien noch eine besondere Zuspitzung. Die im Zuge der gewährten Freizügigkeit vom Land in die Städte eingewanderten Juden brachten es oft unter besonderer Kraftanstrengung zu einigen Wohlstand und Ansehen. Natürlich versuchten die Familienoberhäupter ihren Werte- und Normenkatalog an die Söhne weiterzugeben, der aber in dem Maße bei der jüngeren Generation auf taube Ohren stoßen musste, als sich die gesellschaftlichen Bedingungen veränderten und mit ihr auch neue Herausforderungen an sie heranwuchsen. Nicht mehr der ökonomische Aufstieg hatte jetzt oberste Priorität, sondern die gesellschaftliche Akzeptanz und Bewahrung bürgerlicher Rechte in einem nationalistisch-chauvinistisch aufgeheizten Klima, in dem Rassenhass und Antisemitismus die Massen mobilisierte, beschäftigte nun die jüngere Generation. Dass der Konflikt mit seinem Vater keine Einzelerscheinung war, wußte auch Kafka:
"Das Ganze ist ja keine vereinzelte Erscheinung, ähnlich verhielt es sich bei einem großen Teil dieser jüdischen Übergangsgeneration, welche vom verhältnismäßig noch frommen Land in die Städte auswanderte."
Während die Väter noch als Dorfgeher (Hausierer) auf dem Land und später als erfolgreiche Unternehmer in den größeren Städten reussierten, zog es die Söhne dieser Generation eher in akademische Berufe wie die Medizin oder Rechtswissenschaft, aber auch in den Journalismus. Die Familie Kafka lieferte somit ein geradezu klassisches Beispiel für diese Übergangsgeneration ab: Während der Vater vom Hausierer zum Besitzer eines Galanteriewarenladens wird, studiert der Sohn an der juristischen Fakultät.
Insofern folgte die Familie Kafka einem weitverbreitetem Muster. Ungewöhnlich war schon eher, wie tief die Existenzängste im Leben des Hermann Kafka verankert waren und wie unflexibel er auf die veränderten Zeitläufte reagierte. Dabei überrascht, wie wenig auf diesen Sachverhalt in der Sekundärliteratur eingegangen wird.
...
Aus: "Das Verhältnis Vater-Sohn - "Brief an den Vater" und seine psychologischen Deuter" Alexander Schlegel (Stand, 05/2009) Quelle: http://www.kafkaesk.de/verhaeltnis_vater_so.html
|
|
|
|
|
Logged
|
|
|
|
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« Reply #2 on: June 09, 2009, 12:30:28 PM » |
|
[...] Das Stück spielt in England in der Zeit von 1402 bis 1413. König Heinrich IV. ist bemüht, sein Königtum, das er durch Gewalt an sich gerissen hatte, zu legitimieren. Dies wird durch die Eskapaden seines Sohnes Prinz Heinrich erschwert, der sich vom Hof fern hält und dafür mit dem melancholischen und hemmungslosen Ritter Sir John Falstaff durch die Wirtshäuser zieht. Als der Vater ihm ins Gewissen redet, besinnt sich Prinz Heinrich und bekämpft erfolgreich die Rebellen.
...
Verfilmungen: * „Chimes at Midnight“ [Campanadas a medianoche]. Regie Orson Welles, Spanien 1965.
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_IV._(Drama) (2. Juni 2009) -.- [...] Mike und Scott verdienen sich ihr Geld als Stricher in den Straßen von Portland, Oregon. Scott stammt aus einer angesehenen Familie und rebelliert damit gegen seinen Vater, den Bürgermeister der Stadt. Mike dagegen ist ein Straßenkind und hat seine Familie seit Jahren nicht gesehen. Schwierigkeiten bereitet ihm auch seine Narkolepsie. Bei Stress fällt er plötzlich in einen tiefen Schlaf. Seine Träume oder Visionen führen ihn dabei zurück in die Kindheit. Aus diesen, besonders in Gegenwart von Freiern, hilflosen Situationen wird Mike oft durch Scott gerettet. Die beiden jungen Männer verbindet eine innige und intime Freundschaft. Mike ist heimlich in Scott verliebt, diese Liebe wird jedoch nicht erwidert, da Scott nicht homosexuell ist. Als Vaterersatz für beide fungiert der sogenannte „König der Aussätzigen“ namens Bob. Nach einem Streit mit diesem beschließen Mike und Scott, nach Idaho zu reisen, in der Hoffnung, dort Mikes Mutter zu finden.
In Idaho angekommen, finden sie Hinweise, dass Mikes Mutter mittlerweile in Italien leben soll. Mit dem Geld des exzentrischen, aus Deutschland stammenden Freiers Hans finanzieren sie die Reise nach Europa. Dort angekommen müssen sie feststellen, dass Mikes Mutter schon wieder weitergezogen ist. Die beiden Männer verbringen einige Zeit in Italien, bis Scott sich in Carmella verliebt. Er wendet sich von Mike ab, der enttäuscht wieder zurück in die USA reist. Einige Zeit später – Mike lebt inzwischen wieder auf der Straße – sieht er Scott wieder: in einem schicken Restaurant in Begleitung Carmellas und seiner Familie.
[...] Das Drehbuch des Films basiert lose auf dem Stück Henry IV. von William Shakespeare.
http://de.wikipedia.org/wiki/My_Own_Private_Idaho (20. April 2009)
|
|
|
|
|
Logged
|
|
|
|
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« Reply #3 on: December 15, 2009, 12:21:35 PM » |
|
[...] Ich habe Maxim immer ein wenig beneidet. Erstens weil er jünger, zweitens weil er größer, drittens weil er ein Literat ist, der seine Phantasie von der Leine lassen kann, während bei mir im SPIEGEL jedes Zitat von einer Dokumentarin überprüft wird. Vor allem aber, weil er eine Melancholie ausstrahlt, die Frauen unwiderstehlich finden. So etwas kann man sich nicht aneignen, so muss man auf die Welt kommen. Ich hätte auch gern Eltern wie er gehabt - gebildete und gesellige Menschen, mit denen man über alles reden konnte, und keine KZ-Krüppel, die schon ausrasteten, wenn ich mal eine Stunde zu spät nach Hause kam.
Und nun lese ich, wie unglücklich Maxim Biller mit seinem Leben ist, wie er mit sich und der Welt hadert.
...
Aus: "Maxim und Modest" (26.09.2009) Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-67036891.html-.- [...] Billers Erklärung stammt eigentlich von Broder selbst. In einem Porträt in der SZ hat er erzählt (und heute bedauert er das sehr), dass er nachts seinen Vater mit Ohrfeigen wecken musste, weil dieser von Auschwitz geträumt hat. Ein Mensch, der das machen musste, ist jemand, der zum Teil nicht mehr sein eigenes Leben lebt, sondern das seiner Eltern, seines Vaters.
In seinem Verriss des Biller Buches schreibt er: „Ich hätte auch gern Eltern wie er gehabt – gebildete und gesellige Menschen, mit denen man über alles reden konnte, und keine KZ-Krüppel, die schon ausrasteten, wenn ich mal eine Stunde zu spät nach Hause kam.“
Und hier ist wohl Broders Geheimnis begraben. Ich halte diesen Satz für einen Schlüsselsatz, um Broders Psyche zu verstehen. Auch mich hasst Broder so, dass er niemals sachlich gegen mich argumentiert, sondern immer nur persönlich. Und ich denke, ohne den Versuch zu unternehmen, ihn jetzt vollständig zu analysieren, dass er auch mich wegen meines Vaters hasst, den er mangels eines eigenen, gebildeten und umfassend interessierten Vaters, oft besucht hat und mit ihm all das besprach, was er mit seinem eigenen Vater nicht besprechen konnte.
...
Aus: "Henryk M. Broder trifft Maxim Biller: Prolet vs Schriftsteller" Von Abraham Melzer (13.12.2009) Quelle: http://www.dersemit.de/Artikel/091213melzer_broder.html-.- "Henryk M. Broder trifft Maxim Biller" Von Evelyn Roll und Tobias Haberl (Interview) http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/31806
|
|
|
|
« Last Edit: December 15, 2009, 12:26:47 PM by Textaris(txt*bot) »
|
Logged
|
|
|
|
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« Reply #4 on: December 15, 2009, 01:36:39 PM » |
|
[...] Horst Mahler (* 23. Januar 1936 in Haynau, Niederschlesien) ist ein deutscher Rechtsextremist und Antisemit. Der Jurist wurde mehrfach wegen Volksverhetzung und Holocaustleugnung verurteilt, so dass ihm die Zulassung als Rechtsanwalt entzogen wurde. Mahler war 1970 Gründungsmitglied der linksextremistischen Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF) und von 2000 bis 2003 Mitglied der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD)
...
* Seitentitel: Horst Mahler * Herausgeber: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. * Autor(en): Wikipedia-Autoren, siehe Versionsgeschichte * Datum der letzten Bearbeitung: 23. November 2009, 19:20 UTC * Versions-ID der Seite: 67180946 * Permanentlink: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Horst_Mahler&oldid=67180946 * Datum des Abrufs: 15. Dezember 2009, 12:35 UTC -.- [...] Michel Friedman [miˈʃɛl ˈfʁi:tman] (* 25. Februar 1956 in Paris) ist ein deutscher Rechtsanwalt, Politiker und Fernsehmoderator. Von 2000 bis 2003 war er stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland und von 2001 bis 2003 Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses.
...
* Seitentitel: Michel Friedman * Herausgeber: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. * Autor(en): Wikipedia-Autoren, siehe Versionsgeschichte * Datum der letzten Bearbeitung: 17. November 2009, 20:08 UTC * Versions-ID der Seite: 66942148 * Permanentlink: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Michel_Friedman&oldid=66942148 * Datum des Abrufs: 15. Dezember 2009, 12:35 UTC -.- [...] [Aus einem Interview von Michel Friedman mit Horst Mahler]
Michel Friedman [...] Erzählen Sie mir noch mal ein bisschen was von Ihrem Vater.
Horst Mahler: Wissen Sie, es ist nicht mein Anliegen, etwas über meinen Vater zu erzählen. Fragen Sie mich, was Sie wissen wollen.
M.F. Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater gewesen?
H.M. Das war ein gutes Verhältnis, eine heile Familie in einer scheinbar heilen Welt. Und ich denke an ihn zurück voller Liebe.
M.F. Das war ein Mann, der Hitler nahestand, nicht?
H.M. Der Hitler geliebt hat bis an sein Lebensende.
M.F. Ihr Vater brachte sich um, nicht?
H.M. Er ist freiwillig aus dem Leben geschieden, ja.
M.F. Hat Sie das irgendwie berührt, im Sinne von, dass es Sie … Was passiert mit einem Sohn, wenn der Vater, da ist der Sohn gerade 13, sich umbringt? Was passiert da mit ihm?
H.M. Das, letzten Endes, kann man vielleicht als ein Dritter beurteilen, man selbst reflektiert das so nicht. Man hat eine Empfindung. Es ist sicherlich …
M.F. Hat er Sie verlassen?
H.M. Er war dann nicht mehr. Also, das ist auch gar nicht der Punkt. Wissen Sie, wir Deutschen haben eine Geschichte, die man uns raubt.
M.F. Ich würde gerne über Horst Mahler reden.
H.M. Ja, natürlich.
M.F. Sie benutzen immer "wir Deutschen, wir Deutschen". Sie sind doch der interessante Mann.
H.M. Ich bin Deutscher. Ich bin Deutscher. Das ist auch Horst Mahler.
M.F. Ja, aber Sie sind ja ein sehr interessanter Mensch.
H.M. Ja, das bringt uns vielleicht auch zusammen.
M.F. Und man möchte ja Menschen verstehen, sonst muss man ja nicht mit ihnen reden, sonst kann man über sie reden. Vielleicht haben Sie Angst, sich selbst zu verstehen, und reden deswegen am liebsten immer über die Deutschen, statt ein bisschen über Horst Mahler.
H.M. Merkwürdige Vorstellungen haben Sie, aber gut.
M.F. Wenn Sie sagen, dass Sie... Sie sind ja jetzt mittlerweile über 60, nicht?
H.M. Ich bin demnächst 72.
M.F. So. Wenn Sie sagen, Sie haben über den Freitod Ihres Vaters nicht reflektiert, das ist doch bemerkenswert.
H.M. Ja, das ist bemerkenswert.
M.F. Das ist bemerkenswert, finden Sie nicht? Stattdessen reden Sie lieber über die Deutschen, über die Juden, über den Teufel. (lacht)
H.M. Wissen Sie, ich weiß oder glaube zu wissen, warum sich mein Vater umgebracht hat.
M.F. Warum? Was glauben Sie?
H.M. Er konnte die Niederlage des Deutschen Reichs und alles, was damit verbunden war, nicht verwinden. Er hat daran geglaubt mit allen Fasern seines Herzens. Und für mich war er nicht ein Gutmensch, wie man sie heute so zahlreich trifft, sondern ein guter Mensch, ein gütiger Mensch.
M.F. Führen Sie seinen Kampf weiter?
H.M. Er hat in diesem Sinne nicht gekämpft. Er hat als Zahnarzt gewirkt und seine Pflicht getan. Und für mich ist natürlich dieses Ereignis ein Moment, über das reine berufliche Tätigsein hinauszugehen und für das zu kämpfen, wofür er auch gelebt hat, was ihn erfüllt hat ....
...
Aus: "So spricht man mit Nazis" (11. September 2007) Quelle: http://www.vanityfair.de/articles/gesellschaft/politik/horst-mahler/2007/09/11/0/09724/
|
|
|
|
« Last Edit: December 15, 2009, 01:39:17 PM by Textaris(txt*bot) »
|
Logged
|
|
|
|
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« Reply #5 on: December 15, 2009, 03:35:30 PM » |
|
[...] Dink: [...] Die Armenier sind überzeugt vom Völkermord, und werden davon überzeugt bleiben. Die Türken sind überzeugt, dass es keinen Genozid gab, und werden davon überzeugt bleiben.
[...] die Türken verabscheuen das Verbrechen „Völkermord“, sie können sich nur nicht vorstellen, dass ihre Väter das getan haben. Und die Armenier fühlen sich ebenfalls in der Schuld ihrer Väter. Die Türken müssen verstehen, dass das eine offene Wunde ist. Wenn beide Seiten einsehen, dass ein jeder im Grunde seine Vorfahren schützen will, dann sind wir einen Schritt weiter. Da hilft es nichts, Massengräber aufzugraben mit türkischen Opfern und dann den Armeniern zu sagen, sie sollen auch solche Gräber zeigen, mit ihren Opfern, wenn sie denn welche zeigen können.
...
Aus: "Türkei: Dink: „In der Türkei gibt es eine zutiefst uneuropäische Rechtskultur“" - Der türkisch-armenische Journalist Hrant Dink ist in Istanbul auf offener Straße erschossen worden. Dink hatte sich seit Jahren für die Aufarbeitung der Massaker an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs eingesetzt. Türkische Gerichte hatten ihn wiederholt wegen "Beleidigung des Türkentums" angeklagt. WELT.de liegt ein bislang unveröffentlichtes Interview mit Dink vor (Das Gespräch führte Boris Kalnoky - Artikel erschienen am 21.01.2007) Quelle: http://www.welt.de/data/2007/01/21/1184917.html
|
|
|
|
|
Logged
|
|
|
|
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« Reply #6 on: January 18, 2010, 04:17:29 PM » |
|
[...] Überhaupt - der Vater! Früh stand für Freud außer Zweifel, dass der "Ödipuskonflikt" die Keimzelle psychoanalytischer Theorie und Praxis darstellt. Was in der Tragödie des Sophokles zur Aufführung gelange - der Vatermord des Ödipus, der darauf seine Mutter Jokaste ehelicht -, stelle nichts anderes als die Erfüllung eines Wunsches aus früher Kindheit dar. In den Verstrickungen dieser tragischen Dreier-Geschichte meinte Freud, die fundamentale Struktur entdeckt zu haben, aus der sich der Akt menschlicher Selbstwerdung erklären lasse. Wobei eben der Vater eine herausragende Rolle spiele. Denn erst dessen Rolle als Repräsentant des Gesetzes, des Verbots, des mit Strafdrohung bewehrten Tabus stört die libidinösen Schattenspiele zwischen Kind und Mutter, unterbricht jene imaginäre Zweieinigkeit, die kein außen kennt und kein anderes. Der Vater, genauer die Vaterfunktion allein ermöglicht die Aufspaltung der narzisstischen, selbstgenügsamen, latent totalitären Mutter-Kind-Dyade; verweist auf jenes "Jenseits des Lustprinzips", das nur ein anderer Name für den Umweg unserer Wünsche ist, den man Leben nennt oder Wirklichkeit.
Schon am 15. Oktober 1897, in einer Phase intensiver Selbstanalyse, drei Jahre vor Erscheinen der "Traumdeutung", spricht Freud in einem Brief an Wilhelm Fließ ein erstes Mal vom König Ödipus: "Ich habe die Verliebtheit in die Mutter und die Eifersucht gegen den Vater auch bei mir gefunden und halte sie jetzt für ein allgemeines Ereignis früher Kindheit . Wenn das so ist, so versteht man die packende Macht des Königs Ödipus trotz aller Einwendungen, die der Verstand gegen die Fatumsvoraussetzung erhebt . Die griechische Sage greift einen Zwang auf, den jeder anerkennt, weil er dessen Existenz in sich verspürt hat. Jeder der Hörer war einmal im Keime und in der Fantasie ein solcher Ödipus und vor der hier in die Realität gezogenen Traumerfüllung schaudert jeder zurück mit dem ganzen Betrag der Verdrängung, der seinen infantilen Zustand von seinem heutigen trennt."
Von dieser ersten Bemerkung bis zur ausdifferenzierten Theorie des "Ödipuskomplexes", die Freud ohnehin nie in eine konsistente Form bringen sollte, war es noch ein weiter Weg. Allen Modifikationen zum Trotz aber hielt er ihr und dem darin eingezeichneten Grundkonflikt mit dem Vater bis zum Schluss die Treue, bis zu seiner letzten Schrift "Der Mann Moses und die monotheistische Religion", die in Freuds Todesjahr 1939 erschien und in der er seine These vom Vatermord religionstheoretisch entfaltete.
Den zentralen Rang, den die Vaterfigur im Szenario der Psychoanalyse ursprünglich einnahm, hat man, merkwürdig genug, gerade in den psychoanalytischen Sozietäten nach Freud zusehends vergessen, um nicht zu sagen "verdrängt". Die Abwendung vom "Vater der Psychoanalyse" ging einher mit einer Abwertung des Vaters in ihr. Die Mutter-Kind-Beziehung und das mit ihr transportierte Fantasma von Harmonie, Eintracht und Verschmelzung wurde zum idealisierten Leitbild gelingender Menschwerdung. Der Dritte im Bunde, der strenge, durch seine Autorität distanzierte, der strafende, das Verbot aussprechende Vater: er wurde zur persona non grata. Auch die psychoanalytische machte sich auf den Weg zur "vaterlosen Gesellschaft".
Dagegen regte sich Widerstand - namentlich der Jacques Lacans, des gewiss prominentesten, umstrittensten und wohl auch originellsten Psychoanalytikers nach Freud. Die "Rückkehr zu Freud", die er gleichsam als Motto seinem gesamten Projekt voranstellte, bedeutete vor allem auch eine "Rückkehr zum Vater" - der und in der Psychoanalyse. Die knappe Losung prononcierte seinen Protest gegen den Revisionismus zumal der amerikanischen psychoanalytischen Bewegung, die ausgerechnet mit der Entmachtung des Vaters das in seiner Selbstmächtigkeit erschütterte "Ich" wieder zum herrschenden Faktor des menschlichen Seelenlebens erhob. Eine der entscheidenden Leistungen Freuds, die Schwächung eben jener Instanz, die das Denken der Neuzeit zum Kronzeugen ihrer bewusstseinsphilosophischen Ambitionen erhob, war in Gefahr, verspielt zu werden.
...
Aus: "Die Rückkehr zum Vater" Von Michael Mayer (07. April 2001) Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2001/0407/magazin/0004/index.html
|
|
|
|
|
Logged
|
|
|
|
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« Reply #7 on: March 29, 2010, 09:55:44 AM » |
|
[...] Gottfried Wagner ist der Sohn von Wolfgang Wagner und ein Urenkel von Richard Wagner. Er hat über Kurt Weill und Bertolt Brecht promoviert. In zahlreichen Veröffentlichungen befasste er sich vor allem mit der deutschen Kultur und Politik sowie der jüdischen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Gottfried Wagner ist seit 1992 Mitbegründer der Post-Holocaust-Dialog-Gruppe. Seit 1993 lebt er in Italien.
Er hat sich mit der Familie seines Vaters überworfen und trat öffentlich durch Kritik an deren Verstrickung mit dem NS-Regime hervor.
...
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wagner_%28Regisseur%29 (27. Januar 2010) -.- [...] Die Geschichte des Regisseurs Gottfried Wagner ist die Geschichte eines verlorenen Sohnes. Deren tiefster Punkt ist datiert auf den Februar 1990. Kurz nach einer Vortragsreihe in Israel, bei der Gottfried Wagner mit Holocaust-Opfern über die braune Vergangenheit des Hauses Wagner ins Gespräch zu kommen versucht hatte, erreichte den Sohn ein Brief aus Bayreuth. "Als Vater und als Festspielleiter" teilte der Herr vom Hügel mit, dass er - Gottfried - von nun an nicht mehr für ihn - Wolfgang - existiere.
Es sollte nicht der Endpunkt in der Beziehung zwischen Vater und Sohn aus erster Ehe gewesen sein. Als Gottfried Wagner Jahre nach dem Bruch anfragte, ob eine Versöhnung noch vor dem Tod des Vaters möglich sei, ließ der antworten: Diese Versöhnung sei möglich. Zuvor aber müsse Gottfried vollumfänglich und öffentlich den Inhalt seiner Autobiographie "Wer nicht mit dem Wolf heult" zurückziehen - jenes Buches also, das man als Anklageschrift des Sohnes gegen den Vater deuten könnte. Gottfried lehnte das ab.
Als er im Mai 2009 - das Ende des Vaters schien nahe zu sein - am Hügel anfragte, ob der Vater sich ein letztes Mal mit dem Sohn aussprechen wolle, bekam Gottfried ein kühles Antwortschreiben des Hauses: Die Ärzte des Prinzipals lehnten eine solche Aussprache ab.
Nun hat der Sohn auch noch die Einäscherung seines Vaters verpasst. Und nicht nur das: Wer die Todesanzeigen studiert, die nach dem Tod Wolfgang Wagners erschienen sind, der wird auf der gemeinsamen Annonce der Familie Wagner den Namen des Sohnes vermissen. Spricht man Gottfried Wagner darauf an, sagt er: "Ich wurde nicht gefragt." Und nach einer Pause: "Menschlich und ethisch hat mich das tief erschüttert."
Das war schon zu Lebzeiten Wolfgang Wagners das Leitmotiv der Anklage des Sohnes gegen den Vater: Ein Machtmensch sei dieser - einer, dem es nur um das Wohl des Hauses gehe, um Herrschaft und um Dynastie. Empathie, klagte Gottfried Wagner immer wieder, komme in diesem Denken nicht vor.
Jetzt, nach dem Tod des Vaters, sagt der Sohn: Empathie spiele offenkundig auch im Denken der Nachfolger am Hügel eine "nur untergeordnete Rolle". Die beiden Nachfolgerinnen - Eva und Katharina - sind seine Schwestern.
Am 11. April wird Wolfgang Wagner in einer Trauerfeier im Festspielhaus gewürdigt. Die Familie Wagner wird in der Mittelloge Platz nehmen, dort wo einst Ludwig II. saß. Horst Seehofer wird anwesend sein, wohl auch Angela Merkel. Eine der Reden wird der Arzt des alten Wagner halten, er wollte es so.
Eine Einladung zur Trauerfeier liegt Gottfried Wagner nicht vor. Viele andere haben eine Einladung bereits. Er wird aber anwesend sein. Notfalls werde er "die Kanzlerin um eine Karte bitten", sagt er. Übernachten wird er bei einem Freund in Bayreuth. Die Villa am Hügel darf er seit 1975 nicht mehr betreten.
(SZ vom 29.3.2010/bica)
Aus: "Familie Wolfgang Wagner - Die Asche seines Vaters" Von Olaf Przybilla (28.03.2010) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/74/507235/text/
|
|
|
|
|
Logged
|
|
|
|
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« Reply #8 on: June 03, 2010, 10:39:43 AM » |
|
[...] Das Leiden am wechselweise tyrannischen, abwesenden oder verbrecherischen Vater hat die Kunst des 20. Jahrhunderts wie kaum ein anderes Thema geprägt. Der Vater, das ist die Identität, das Erbe - kein Wunder, dass im Jahrhundert nach Freud und Darwin, dem Jahrhundert, das Stalin und Hitler hervorbrachte, die Vaterfigur ins Zentrum künstlerischer Auseinandersetzung geriet. Rick Minnich fügt diesen Kämpfen sein brillantes postmodernes Vater-Spiel an. Der Filmtitel "Forgetting Dad" ist programmatisch-doppeldeutig: Der vergessende Vater ist gemeint, gleichzeitig aber auch der Prozess, den Vater - endlich - vergessen zu können.
Erlösung durch Verstehen, das ist das Muster, nach dem Dokumentarfilme, die sich mit Vätern oder Übervätern befassen, gewöhnlich funktionieren.
Auch Rick Minnichs Film sieht über weite Strecken nach einem solchen Versöhnungsprojekt aus. Mit Hilfe alter Familienfilme und -fotografien und zahlreicher Zeugenaussagen der beiden Ex-Frauen seines Vaters, von Halb- und Stiefbrüdern, seiner beiden Schwestern und anderer Verwandte versucht Minnich, das Puzzle zusammenzusetzen, das sein Vater für ihn darstellte. Die versuchte Annäherung, bei der auch der Vater selbst nach dem Unfall in seiner ganzen Hilflosigkeit und kindlichen Unschuld zu Wort kommt, scheitert jedoch, mündet in eine kriminalistisch anmutende Recherche, als der Filmemacher einen Vater entdeckt, den er nicht kannte. Der Alte Richard war vor seinem Unfall in einen seltsamen Bankenskandal verwickelt, er hatte seinen Job verloren, allerlei Frauengeschichten und benahm sich jähzornig gegenüber seinen Kindern. Und er war ein unsteter Geist, schon vor dem Unfall. Bis zum Ende seiner Grundschulzeit, erzählt der Filmemacher, sei die Familie 14 Mal umgezogen.
Die Spurensuche entwickelt beträchtliche Spannung. Hat sich der Vater nach dem Unfall auf radikale Art neu erfunden, als er sein altes Leben einfach vergaß, weil er es vergessen wollte? Minnich, der nicht nur den Namen seines Vaters trägt, sondern ihm auch erschreckend ähnlich sieht, ihn also eingeschrieben trägt als unausweichliches Erbe, geht über die Erforschung der eigenen Biografie noch hinaus, wenn er das Modellierende der Erinnerung, ihr kreatives Potential thematisiert. Der Film ist dafür genau das richtige Medium, mit seiner Illusion, Erinnerungen unbeteiligt konservieren zu können. Minnich schaut sich solche Dokumente genau an, in Zeitlupe, und indem er das Material bis zur Grobkörnigkeit vergrößert. Was ist auf den Bildern - die Familie am Strand, der Vater mit seinem Enkel im Garten Blumen gießend - wirklich zu erkennen?
Die Spurensuche wird zu einer äußerst eigenartigen Amerikareise, mit zunehmend surreal anmutenden Bildern. Von San Francisco bis ins hinterste Oregon führt diese Reise, schon Minnichs erster abendfüllender Dokumentarfilm "Homemade Hillbilly Jam", 2005, war ein schräges Amerikaporträt. Zur geografischen Durchquerung kommt bei "Forgetting Dad" die soziale Erkundung des Landes, die Stief- und Halbgeschwister kommen aus diversen sozialen Schichten, vom drogenabhängigen Koch und Dichter - sein Halbbruder Justin - bis zum Proll - sein Stiefbruder Steve - , der gegen den Vater pöbelt. Begleitet wird diese Reise, die ja auch eine Zeitreise ist, in die Welt von Super-8-Aufnahmen und Sixties-Optimismus, von verträumter Märchenmusik.
So lösen sich die vertrauten Strukturen auf, in der Körnigkeit der alten Bilder, der Verlangsamung der Zeitlupe oder im Weiß - der Amnesie, der Krankenhäuser und Arztpraxen - , in das Minnich immer wieder auf- und abblendet. Es sind bezeichnenderweise die Männer in der Familie, die dem Phantom, das der Vater geworden ist, fast zwanzig Jahre nach dem Unfall immer noch hinterherjagen, während die Frauen den Alten Richard gehen lassen können.
Mit seiner neuen, dritten Frau ist dieser fremde Vater weit weg nach Oregon gezogen. Sie hatte ihn kennengelernt, als er Zeitungen austrug, wie ein halbwüchsiger Junge. Danach ist er nur noch hinter einer Maske zu sehen und verschwindet schließlich ganz aus dem Geschehen. Statt vieler Puzzleteile, die endlich ein Bild ergeben, findet der Filmemacher - nichts.
...
Aus: "Forgetting Dad - Der fremde Vater" Von Martina Knoben (02.06.2010) FORGETTING DAD, D 2008 - Regie, Buch, Ton, Schnitt: Rick Minnich, Matt Sweetwood. Kamera: Matt Sweetwood, Markus Winterbauer, Doug Hawes-Davis, R. Minnich. Musik: Ari Benjamin Meyers. W-Film, 84Minuten. Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/im-kino-forgetting-dad-der-fremde-vater-1.953386
|
|
|
|
|
Logged
|
|
|
|
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« Reply #9 on: November 17, 2010, 09:35:26 AM » |
|
[...] Zwischen Vater und Sohn herrscht seit langem Schweigen. "Mein Vater will nicht mit mir reden. Er ist wohl ziemlich sauer." Aus dem Verlag ist zu hören, der Vater-Sohn-Konflikt erinnere "mittlerweile an 'Die Buddenbrooks', gespielt von der Augsburger Puppenkiste".
...
Aus: "Das Imperium schreibt zurück" Von Markus Brauck und Stefan Kuzmany (16.11.2010) Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,729498,00.html-.- [...] Die Mediengruppe M. DuMont Schauberg hat den letzten Schritt unternommen, um Konstantin Neven DuMont, den Sohn des Alt-Verlegers Alfred Neven DuMont, endgültig aus dem Unternehmen zu entfernen. Der Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender Neven DuMont senior ist, hat entschieden, Konstantin als Herausgeber des Kölner Stadt-Anzeiger, des Express und der Mitteldeutschen Zeitung abzuberufen.
Zur Begründung hieß es in der Erklärung "In eigener Sache": "Seit mehreren Wochen äußert er sich in abträglicher und geschäftsschädigender Weise über das eigene Unternehmen in der Öffentlichkeit, einschließlich in Konkurrenzblättern." Dies habe innerhalb des Unternehmens zu wachsender Verunsicherung unter den Mitarbeitern geführt. "Um Schaden von der Mediengruppe M. DuMont Schauberg abzuwenden, war die Abberufung durch den Aufsichtsrat unabwendbar."
Konstantin Neven DuMont, der zuvor schon seinen Herausgeberposten bei der Frankfurter Rundschau verloren hatte, reagierte mit scharfer Kritik auf die Entscheidung: "Der Aufsichtsrat handelt seit Wochen unverantwortlich", sagte er. "Bis heute liegt mir immer noch keine Begründung für meine Beurlaubung vor."
Der 41-Jährige hatte seinen Vater öffentlich aufgefordert, sich weitgehend zurückzuziehen und ihm die Führung des Verlagshauses zu überlassen. Alfred Neven DuMont hatte einen Rückzug abgelehnt. Für diesen Fall hat Konstantin Neven DuMont die Auszahlung seiner Anteile gefordert.
Aus: "DuMont-Aufsichtsrat entlässt Sohn und Erben" (23.11.2010) Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2010-11/dumont-herausgeber-fuehrungsstreit-.- [...] Der forsche Verlagserbe hatte zuvor in der Bild-Zeitung und im Focus Interviews gegeben und dabei die verlegerische Kompetenz seines Vaters Alfred Neven DuMont in Frage gestellt. Auch äußerte er sich nicht gerade positiv über den Verlag. Stattdessen schlug er seinem Vater vor, den Chefsessel für seinen Sohn zu räumen. Im Unternehmen habe dies, so die heutige Mitteilung des Konzerns, für "Unruhe und Verunsicherung unter den Mitarbeitern geführt".
Der Verlag selbst gab kaum öffentliche Stellungnahmen - und erklärte dies nun erneut mit dem eigenen Verständnis von Personalfragen: Die sollten "aus Respekt gegenüber allen Beteiligten nicht auf dem Marktplatz ausgetragen werden".
Der Verlagssprössling selbst hat sich bislang nicht zu seiner Abberufung geäußert - und schweigt noch immer auf Twitter und Facebook. Dort ist er sonst oft präsent gewesen. In Facebook steht noch immer unter Arbeitgeber: "M.DuMont Schauberg Mai 1995 bis heute" und darunter: "Vorstand, Cologne Germany, Verantwortlich für Unternehmensstrategie und Kommunikation".
Anlass für die Auseinandersetzungen zwischen Konstantin Neven DuMont und dem Verlag waren anonyme Blog-Kommentare auf der Seite des Medienjournalisten Stefan Niggemeier, die von Neven DuMonts Computer versendet wurden. Anschließend hatte sich Konstantin Neven DuMont mehrfach öffentlich kritisch gegenüber dem eigenen Verlag geäußert.
...
Aus: "Verlag setzt Verlegersohn als Herausgeber ab" Von Christina Maria Berr (23.11.2010) Quelle: http://www.sueddeutsche.de/medien/alfred-neven-dumont-verlag-setzt-verlegersohn-als-herausgeber-ab-1.1027211-.- [...] Alfred Neven DuMont ist in diesen turbulenten Tagen tatsächlich im Urlaub – weilt auf Mallorca, weil er womöglich die Attacken seines Sohnes aus nächster Nähe nicht länger ertragen konnte. Konstantin gab in den vergangenen Wochen fast täglich irgendwelche Interviews, bevorzugt in der „Bild“-Zeitung. Darin hatte er seinem Vater erst vorgehalten, die Nachfolge nicht geregelt zu haben. Dann drohte er, seine eigenen Firmenanteile zu verkaufen. Schließlich forderte er gar sein Erbteil, das er auf 15 bis 20 Millionen Euro bezifferte. Und nicht erst seit diesen mitunter peinlich zu lesenden Interviews fragten sich manche Kölner, was den „Jeck“ wohl geritten haben könnte.
Für den Verleger Alfred Neven DuMont, schon 1995 tief getroffen durch den Tod seines ältesten Sohnes Markus, stellt sich die Frage viel existentieller. Er wird sich selbst vorwerfen müssen, warum um Himmels willen der Aufsichtsrat die Katastrophe nicht früher bemerkt hat, die nun durch den Rauswurf des rebellierenden Sohnes Konstantin auch nicht mehr zu beheben ist. Denn höchstwahrscheinlich wird der verhinderte Nachwuchsverleger schon bald das nächste Interview mit neuen Vorwürfen gegen die Familie geben. Und einen Nachfolger hat Alfred Neven DuMont bis heute nicht benannt.
Entzündet hat sich die Führungskrise im viertgrößten deutschen Verlagshaus an einer vermeintlich harmlosen Internetaffäre. Konstantin fiel durch sehr engagiertes Bloggen in Internetforen auf und soll unter mehreren Pseudonymen im Blog des Medienjournalisten Stefan Niggemeier teils irre Kommentare abgegeben haben. Konstantin erklärte, die Beiträge stammten von „zwei Personen, die meinen Rechner mitnutzen“. Seither witzeln Blogger im Internet über die „Konstantingate“-Affäre im Hause DuMont.
Eine Weile schwieg der machtbewusste Vater. Alfred Neven DuMont wird in Köln zwar nicht geliebt, aber geachtet. Er ist Ehrenbürger. Manche Kölner sagen nur halb im Scherz, dass der Verleger den Oberbürgermeister kürt und dass er bestimmt, wer beim 1. FC Köln Präsident wird. Vor seiner Lebensleistung haben sie Respekt am Rhein – und erst recht in der Verlagsbranche.
... Mit seinen 41 Jahren hat Konstantin zwar längst das Alter, um einen Verlag zu führen, dessen Titel eine Gesamtauflage von 1,3 Millionen Exemplaren haben. Aber in der Branche wurde der als „philosophischen Grundsatzfragen zugetaner Freigeist und Ästhet“ beschriebene Konstantin stets für zu leicht befunden. Jetzt hat er sein Karriereende im eigenen Unternehmen selbst heraufbeschworen – so wie Hanno Buddenbrook den berühmten Schlussstrich unter den Familienstammbaum zieht, weil er dachte, es kommt nichts mehr.
...
Aus: "„Konstantingate“ in der Verlegerdynastie" Von Henning Peitsmeier (23. November 2010) Quelle: http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~ED94E71305CDA4AD7A1DEE07FCE20B1A6~ATpl~Ecommon~Scontent.html-.- [...] Konstantin Neven DuMont sagte SPIEGEL ONLINE, er wolle sich zwar nicht seinen Erbteil auszahlen lassen, aber: "Ich will meine Anteile verkaufen." Er warte jetzt auf eine "Offerte für meine Anteile und ein Abfindungsangebot für meine Vorstandstätigkeit." Sobald die Angelegenheit geregelt sei, wolle er ein eigenes Medienunternehmen gründen. Das Geld dürfte dafür reichen: Sollte es wirklich zum Verkauf kommen, könnte sich Konstantin auf bis zu 50 Millionen Euro freuen. Laut "Wirtschaftswoche" schätzen Verlagskenner den Wert von Konstantins Anteil auf diesen Betrag.
Eine Abdampfphase, in der sich alles wieder beruhige, wie sie der Zeitungsforscher Horst Röper in der "taz" prophezeite, brauche er nicht, und die werde es wohl auch nicht geben. Konstantin Neven DuMont: "Ich will arbeiten."
Im Hause Neven DuMont wird er die Gelegenheit dazu aber vorerst nicht mehr haben, selbst wenn Sohn Konstantin mit Vater Alfred wieder "Frieden schließen" will: Der wolle derzeit nicht mal mit ihm sprechen.
...
Aus: "Konstantin Neven DuMont sucht Bieter für Verlagsanteile" Von Thorsten Dörting und Ole Reißmann (23.11.2010) Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,730714,00.html
|
|
|
|
« Last Edit: November 24, 2010, 11:37:13 AM by Textaris(txt*bot) »
|
Logged
|
|
|
|
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« Reply #10 on: November 24, 2010, 12:10:26 PM » |
|
[...] Poe erweist sich als Meister des Verschweigens: Mit keinem Wort verrät er, in welcher tatsächlichen Beziehung der Täter und sein Opfer stehen. Aber wo lebt schon ein jüngerer Mann mit einem älteren so eng zusammen wie diese beiden? Die Assoziation, dass es sich hier um einen Konflikt zwischen Sohn und Vater handelt, ist keineswegs weit hergeholt. Sie wird von Marie Bonaparte unterstützt, für die Poe in dieser Geschichte den Hass auf seinen Ziehvater John Allan abarbeitet, der den kleinen Edgar liebevoll aufgezogen, den erwachsenen dann aufs Herzloseste in Armut und Elend gestoßen hat. Das zugleich Lieben und Hassen müssen der Doublebind-Situation kommt mitsamt ihrer die Entwicklung einer Schizophrenie begünstigenden Gewalt in diesem Text zum Ausdruck:
„Was der alte Mann empfand, wusste ich und bedauerte ihn, obwohl mein Herz vor Vergnügen gluckste.“ („I knew what the old man felt, and pitied him although I chuckled at heart.”)
Mit der Tötung bedient der Ich-Erzähler seinen Hass, aber seine Liebe bringt das Herz des Opfers wieder zum Schlagen und erzwingt das Geständnis des in sich zerrissenen Täters.
...
Aus: "Das verräterische Herz" (8. November 2010) Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Das_verr%C3%A4terische_Herz-.- [...] Sprecherin: Er hatte hart in seinem Leben gearbeitet - und erwartete dasselbe von seinem „Sohn“. Zunächst ging jedermann davon aus, dass Edgar wirklich sein Sohn werden, dass er adoptiert werden würde, und später nahm Edgar den Nachnamen seines Ziehvaters an: Aus Edgar Poe wurde Edgar Allan Poe. Vorderhand bekam er teure Kleidung, durfte in der Kutsche fahren, begleitete seine Eltern für fünf Jahre nach England, besuchte dort eine teure Privatschule, und als die Familie schließlich zurückgekehrt war, eröffnete sich nach einigem geschäftlichem Auf und Ab eine geradezu überwältigende Aussicht: John Allan würde eines der größten Vermögen Virginias erben. In all diesen Jahren wurde Edgar einerseits verwöhnt von den Frauen im Haushalt - andererseits von seinem Vater zutiefst verunsichert. Wie war denn nun eigentlich sein Status? Warum tat John Allan den Schritt nicht, ihn zu adoptieren? Poe wählte die Flucht nach vorn: Er musste sich beweisen, er trumpfte auf. Im Sport zeigte er jedermann, dass er der Beste war; Lehrer verspottete er durch virtuose Verse; im Kreis der Gleichaltrigen belegte er John Allan mit allerlei höhnischen Bezeichnungen; die teuersten Kleider, die schnellsten Pferde waren gerade gut genug für ihn; und: Er hatte eine Berufung. Er würde Dichter werden. John Allan beobachtete die Entwicklung mit zusammengekniffenen Lippen. An einen Bekannten schrieb er:
2. Zitator: Er hat ja sonst wenig zu tun, für mich tut er gar nichts, und in der ganzen Familie führt er sich nichtsnutzig, verdrossen und missgelaunt auf. Der Junge hat nicht einen Funken Zuneigung für uns, keinen Funken Dankbarkeit für all meine Sorge und Liebe.
Sprecherin: Aus der späteren Erzählung „Das verräterische Herz“ haben Interpreten ein Echo dieses Konfliktes herausgehört und geglaubt, dort sogar das Raubvogelprofil und den stechenden Blick John Allans wiederzufinden:
1. Zitator: Ich kann nicht genau mehr sagen, wie mir zuerst der Gedanke kam, doch als er einmal gekommen war, quälte er mich Tag und Nacht. Ich hatte den alten Mann lieb. Er hatte mir nie etwas Übles getan. Ich trachtete auch nicht nach seinem Golde. Nur - sein eines Auge reizte mich. Ja, sein Auge muss es gewesen sein! Es glich dem eines Geiers - es war blassblau und von einem dünnen Häutchen bedeckt. Wenn sein Blick auf mich fiel, war es mir stets, als gerinne das Blut in meinen Adern, und so entschloss ich mich denn allmählich, dem alten Manne das Leben zu nehmen, um mich auf diese Weise für immer von seinem Auge zu befreien.
...
Sprecherin: Poe wollte dazugehören, er wollte sich beweisen, nur - er besaß kein Geld: John Allan, der reichste Mann des Staates, hatte ihm so wenig zugestanden, dass er kaum die nötigen Kurse belegen, geschweige denn jemand einladen konnte. So lebte Poe auf Pump, und als die Schulden wuchsen, verfiel er darauf, Poker und Ecarté zu spielen. Wenige Monate genügten, und Poe hatte Schuldscheine im Wert von einigen Zigtausend Dollar angesammelt. John Allan, der sich in seiner Jugend unter vielen Entbehrungen aus kleinen Verhältnissen emporgearbeitet hatte, tobte. Wenige Stunden nach einer heftigen Auseinandersetzung rekapitulierte Poe in einem Brief an seinen Ziehvater:
1. Zitator: Ich vernahm, dass Sie nichts mehr für mich übrig hätten. Sie haben mich dann aufgefordert, das Haus zu verlassen und mich unablässig mit Vorwürfen überschüttet. Ich war Ihren Vorwürfen und Ausfälligkeiten nicht nur vor der weißen Familie preisgegeben, sondern auch vor den Negern.
Sprecherin: Poe teilte die Ansichten der Gesellschaft, in der er aufgewachsen war. John Allan hatte ihn in Gegenwart der schwarzen Dienstboten beschimpft- eine schwere Beleidigung. 1. Zitator: Diese Kränkung fand ich unerträglich, und so ging ich. Sprecherin: Der angebliche Alleinerbe, der Dandy, die beste Partie Richmonds stand auf der Straße. Er hatte nichts, keine Kleider zum Wechseln, kein Geld, keine Zukunft.
...
Aus: "Edgar Allan Poe – Die Logik des Grauens" Autor: Fritz Dumanski, Redaktion: Petra Herrmann (Datum ?) Quelle: http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/deutsch/poe/manuskript/poe_manuskript.pdf
|
|
|
|
|
Logged
|
|
|
|
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« Reply #11 on: February 28, 2011, 11:57:57 AM » |
|
[...] Es klingt wie ein schlechter Witz: Der Sohn von Thilo Sarrazin ist Hartz-IV-Empfänger, lebt in einem Plattenbauhochhaus im Osten Berlins und sagt von sich, er sei gern arbeitslos. Es ist aber kein Witz. "Es ist eigentlich ganz gut, einfach nur arbeitslos zu sein und nicht gebraucht zu werden, weil man dann sein Leben selbst bestimmen kann", wird der 30-Jährige in der Bunten zitiert. Ein Reporter des Magazins hat den traurig blickenden jungen Mann, der ihm Auskunft über sein zerrüttetes Verhältnis zu seinen Eltern gab, in dessen Wohnung aufgesucht. Nach einer Ausbildung zum Bürokaufmann arbeitet der Älteste der beiden Sarrazin-Söhne heute als Ein-Euro-Jobber, etwa als Gartenhelfer auf einem Friedhof. "Ich bin für meinen Vater der Sündenbock, das schwarze Schaf der Familie", sagt er über den Exbundesbank-Vorstand, zu dem er wenig Kontakt hat. Und über seine Mutter Ursula, die umstrittene Grundschullehrerin, meint er: "Sie ist gern zu streng und übertreibt es mit Verboten und Aufsicht. Das ging mir tierisch auf die Nerven." Das alles wäre kaum berichtenswert, wäre Thilo Sarrazin nicht durch abfällige Äußerungen über Hartz-IV-Empfänger berühmt geworden, denen er die Hauptschuld an ihrer eigenen Lage zuschreibt. Auch seine Forderung, deutsche Akademiker müssten mehr Kinder bekommen, um Deutschlands Abstieg zu verhindern, erscheint nun in neuem Licht. Hat er nicht in der eigenen Familie ein lebendes Beispiel dafür, dass eine Herkunft aus bürgerlichem Elternhaus nicht vor Hartz-IV-Karrieren schützt? Und wie verroht muss man sein, mit solchen Thesen hausieren zu gehen, die dem eigenen Sohn wie blanker Hohn vorkommen müssen? Die Einblicke, die der Sohn ins Familienleben der Sarrazins gibt, lassen die Erinnerungen von Walter Kohl, die derzeit die deutschen Bestsellerlisten anführen, fast harmlos wirken. Deutlich ist, dass es dem Sohn nicht gutgeht. In den letzten Monaten, in denen Thilo Sarrazin von Lesung zu Lesung eilte und auch seine Mutter, Ursula Sarrazin, in Boulevardzeitungen und Talkshows auftrat, scheint sich sein Gemütszustand weiter verdunkelt zu haben. Das Berliner Boulevardblatt BZ berichtet sogar, dass Sarrazins Sohn im Krankenhaus liege. Dorthin soll ihn bereits vor zwei Wochen die Polizei gebracht haben, die wegen nächtlicher Ruhestörung gerufen worden war. ... 25.02.2011 09:17 Uhr: von Ric:
... Wenn man bedenkt wie Herr Sarrazin über die "Unterschicht" spricht und teilweise noch Gene dafür verantwortlich macht.
25.02.2011 01:55 Uhr: von Georg-Thomas Bau:
Tja, das Leben schreibt die besten Geschichten. ...
24.02.2011 19:54 Uhr: von Unbequemer:
Ihr seid doch einfach nur blöd.
Ist Sarrazin konsequent, dann schreibt ihr "Und wie verroht muss man sein, mit solchen Thesen hausieren zu gehen, die dem eigenen Sohn wie blanker Hohn vorkommen müssen?"
Das ist Charakterstärke, wenn man die Maßstäbe auch beim eigenen Kind anlegt. ...
24.02.2011 19:47 Uhr: von Claus Carstensen:
Am brutalsten ist noch die Passage am Schlußß des Artikels...
Auf die Frage, ob er sich denn geliebt gefühlt habe als Kind, antwortet der Mann;
"Daran kann ich mich nicht mehr erinnern."
Wenn ich mir die beiden Eltern anschaue, kann ich mir auch nicht vorstellen, daß die wissen, was Liebe überhaupt ist, außer, sie schlagen es im Duden nach.
...
Aus: "Das schwarze Schaf" (24.02.2011) Quelle: http://www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/1/das-schwarze-schaf/
|
|
|
|
|
Logged
|
|
|
|
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« Reply #12 on: May 11, 2011, 12:06:15 PM » |
|
[...] 11.05.2011 um 10:58 Uhr
grxlwpf schreibt @Büchenbronn:
Sie schreiben: "Man kann heute sagen, was einem nicht passt. Ich finde es aber unmöglich einfach zu "kündigen". "
Ich habe das mit meinem Vater fast 10 Jahre lang versucht. Versucht, ihm zu sagen, was mir nicht passt. Vergeblich. Ich rede an eine Wand. Er dreht mir jedes Wort im Mund herum. Er beisst sofort mit persönlichen Angriffen unter der Gürtellinie; und wenn ich mich zu Recht beschwere dann ist er der "arme, arme alte Vater, dessen Sohn so böse zu ihm ist".
Nach jedem Kontakt mit ihm brauche ich inzwischen mindestens 2 Tage um mich psychisch wieder einigermaßen zu regenerieren. Dieser Mensch ist ein Vampir, der mich emotional aussaugt.
Es tut mir leid, aber ich reduziere inzwischen den Kontakt mit ihm auf das absolute Minimum. Ich bin auch schwer am überlegen, ob ich den Kontakt ganz abbreche. Ja, ich habe mit ihm gekündigt. Das ist nicht "unmöglich", das ist einfach nur dringend notwendiger Selbstschutz. Denn dieser alte Mann wird sich nie mehr ändern, egal was ich tue.
Und wie ich es so mitkriege, gibt es ähnliche Fälle häufiger als man glaubt.
10.05.2011 um 16:41 Uhr
Tjaresh schreibt Kann ich nur bestätigen.
In unserer Verwandtschaft ist das auch schon mehrere Male vorgekommen. Immer sehen die Verlassenen keine Gründe, glauben, sie hätten alles richtig gemacht und die anderen wären "von Sinnen".
Offensichtlich ist es enorm schwer seine eigenen Fehler zu sehen, besonders wenn man diese Fehler immer für seine Stärken hält.
Poempel, 10.05.2011 um 16:37 Uhr
... Ich gehe übermorgen übrigens nach über 5 Jahren Sendepause zum Geburtstag meiner Mutter - aber nur weil ich meine ältere Schwester nicht alleine lassen will. Meine Mutter wird 97 und ich 58.
Kommentar zu: http://www.sueddeutsche.de/leben/wenn-kinder-den-kontakt-abbrechen-mutterseele-allein-1.1095046
|
|
|
|
|
Logged
|
|
|
|
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
   
Offline
Posts: 5862
Subfrequenz Board Quotation Robot
|
 |
« Reply #13 on: December 08, 2011, 01:14:03 PM » |
|
[...] Aber weil sich diese Kerle nicht fortpflanzen, ersparen sie Generationen von Nichtgeborenen jede Menge Therapiesitzungen mit dem Thema "Mein Papa hat sich nie für mich interessiert".
Wenige Männer wissen, was es heißt, ein liebevoller, guter Vater zu sein. Zumeist weil ihre Väter es ihnen nicht vorgelebt haben. Manche werden deshalb aus Überforderung aggressiv, andere ziehen sich auf die vertraute Ernährerrolle zurück, wieder andere imitieren ihre Partnerin und werden zu "Müttern ohne Brust", die auf dem Spielplatz rufen: "Bitte nicht mit der Schippe den Leon hauen, ja, Lukas? Ich möchte das nicht so." Ihnen gemein ist, dass ihre Kinder nicht lernen können, sie auf liebevolle Art zu respektieren.
...
Aus: "Männer: Verblendung" Kolumne von Matthias Lohre (07.12.2011) Quelle: https://www.taz.de/Kolumne-Maenner/!83296/
|
|
|
|
|
Logged
|
|
|
|
|
|
|