A. schrieb 2009/2010:
> > ...
> >
> > Beim zweiten Betrachten des Films, fiel mir wieder auf,
> > dass mehr Hinweise auftauchen müssten,
> > damit man als Zuschauer der Handlung besser folgen kann.
> > Ein paar deutsche Untertitel für die deutsche Version wären da relativ minimalinvasiv.
> > Wie denkst du darüber?
> > Nicht-Eingeweihten erschließt sich die Handlung (ohne deine Erklärungen, die ich ja sogar noch bekommen habe)
> > nicht ohne weiteres.
> >
> > War ich die Einzige, die einen klarer erkennbaren roten Faden vermisst hat?
> >
> >
> > Liebe Grüße, sei umarmt
> > A.
liebe a,
ich merke mir das jetzt mit leipzig! - und verstehe gut, dass ihr euch vielleicht eine dutlichere geschichtsführung
(mit einer klaren story) gewuenscht hättet!
es tut mir leid, das es mit einem film dieser garagenbande so schwierig
ist. neila war unser erster film - und ich gebe zu - wir hatten den
zuschauer als solchen (besonders am anfang des projektes) fast gänzlich
aus allen überlegungen ausgeschlossen. wir haben uns da recht
rücksichtslos in unsere eigene gestaltungsfindung hineingesteigert (wo können wir drehen,
mit wem, wie funktionieren die kameras, wie funktioniert für uns der
schnitt, die montage, wie funktionieren die szenen für sich genommen, das licht,
der ton, der rythmus des filmes, etc.). ...
wir waren vielleicht so etwas wie blinde pasagiere unserer alten super8 kameras.
hintergrund zur arbeitsmethode:
in der filmgruppe haben wir nächtelang
(mal mehr mal weniger verkappt) in den film hineingekippt, was uns
gerade selbst beschäftigt hat (oft unter erheblichem einfluss von rotwein) -
und für mich ist das besondere daran, dass wir (so weit ich das für mich
überblicke) im film selbst fragen gestellt haben. für mich besehen waren
wir phänomenen auf der spur, für die wir meist selbst keine antworten
aufweisen konnten.
aber wie soll mann/frau den film da verstehen? - menschen wollen
möglicherweise sehen, was sie eben "gerne" sehen wollen - filmemacher
wären somit trefflich (erfolgreich), wenn sie diesen wie auch immer
gearteten sehnsüchten visuell/filmisch umsetzen. das wäre dann film als
wunschmaschiene für die sehnsüchte der zuschauer.
ich glaube diese arbeit für die zuschauer haben wir in einer direkten form nicht in
betracht gezogen - wir waren eher auf entdeckungsreise beim machen. wir
nannten das prozesshaft arbeiten. man könnte es auch aus dem moment
heraus arbeiten nennen. wir haben nur das getan, was uns in einem
gegebenen moment bei der arbeit sinnhaft vorkam - und was uns somit aus
sich heraus spass gemacht hat. ich habe die hoffnung, das eben dies auch
zuschauern spass bringen könnte - ich meine die ergebnisse einer solchen
chaotischen arbeitsmethode anzusehen.
das ringen um die deutbarkeit oder dem verständnnis in der konfrontation
mit bildern/musik/film/etc. ist ja teil der kunst - in unserem
fall muss dies eben der zuschauer ausbaden (im guten wie im schlechten).
es stimmt: der film ist von der geschichte her nicht unbedingt leicht deutbar um
sofort "verstanden" zu werden. ich würde es daher folgendermaßen
halten: jeder kann ja frei aus dem film mitnehmen was er oder sie will
(nach seinen vermutungen, sehnsuechten, gedanken, nach seiner art,
daseinsweise, lebensform, manier, stil und willen). wenn einem zuschauer
im film etwas nicht zusagt, so ist das betrüblich - aber jeder sehnt
sich nach etwas anderem, das liegt in der natur der sache - und so wird
es immer enttäuschungen geben - aber ich erhoffe immerhin, dass unser
schmalfilm stoff es dennoch wert ist, dass mann/frau sich "seinen teil
denken" kann. für mich gilt dazu: am besten keine zu eindeutigen erklärungen!
vielleicht war es dir ja auch verhasst, wenn du gedichte/geschichten/bilder in der
schule nach einer vorgegeben art wiederkäuend interpretieren solltest -
um dann zu wissen "was der künstler (eigentlich) damit sagen wollte"?
in diesem zusammenhang war für mich auch interessant, dass mir nach der
filmpremiere zu einer und der selben szene mehrfach zu 100% entgegengesetzte
meinungen (bewertungen) nahegelegt worden sind.
wenn du lust hast können wir gern auf einzelne szenen eingehen - mich würde das freuen -
aber ich will dich nicht mit einem kilometerlangen text erschlagen (oh
je, dieser hier ist ja schon übel lang).
und verzeihe mir meinen sturrsinn!
hochachtungsvoll,
- baron rouventius pumpanickel van der medusa
[textbrocken aus der email-kommunikation vom 30.12.2009 (leicht überarbeitet)]
-.-
