[...] Der Begriff der Übertragung stammt aus der Tiefenpsychologie, insbesondere der Psychoanalyse. Er bezeichnet dort den Vorgang, dass ein Mensch alte – oftmals verdrängte – Gefühle, Affekte, Erwartungen (insbesondere Rollenerwartungen), Wünsche und Befürchtungen aus der Kindheit unbewusst auf neue soziale Beziehungen überträgt und reaktiviert. Ursprünglich können diese Gefühle auf die Eltern oder Geschwister bezogen gewesen sein, bleiben aber auch nach der Ablösung aus dem Elternhaus in der Psyche präsent und wirken dort weiter. Dieser Vorgang ist zunächst weitestgehend normal und weit verbreitet, kann aber, wenn die übertragenen Gefühle sich gegenüber tatsächlichen gegenwärtigen Beziehungen als nicht angemessen erweisen, zu erheblichen Problemen und Spannungen führen.
[...]
Ein Beispiel soll den Grundmechanismus der Übertragung verdeutlichen:
Eine Angestellte wird von ihrem Vorgesetzten immer wieder heftig und ungerecht abgewertet. Trotzdem bewundert sie ihn und versucht, ihm durch gute Leistungen und attraktives Auftreten zu gefallen. Auch in Beziehungen sucht sie immer wieder starke Partner, wobei sie hierbei viel Gewalt erfährt und sich trotzdem nicht trennt. Sie überträgt dabei jeweils Gefühle, die eigentlich ihrem gewalttätigen Vater gelten, auf ihren Chef oder Partner. Sie wünscht von diesen Bestätigung oder Zuwendung, nach der sie sich bei ihrem Vater gesehnt hat, ohne sie je zu bekommen.
Dieser Mechanismus lässt sich in vielen ähnlichen Situationen des sozialen Lebens wiederfinden:
* Rachsucht und Rechthaberei im Erwachsenenalter gehen auf lieblose Erziehung zurück; Erziehung durch Liebesentzug
* stark negative Reaktionen auf narzisstische Kränkungen gehen auf Bevorzugung anderer Geschwister und Lieblosigkeit zurück
* Trennungsängste basieren entweder auf Trennungserfahrung in der Kindheit oder auf einer sehr starken und gut ausgeprägten Bindung zu bestimmten Personen
* spontane Sympathie/Antipathie gegenüber bestimmten Personen: Die Ursachen sind Parallelen zu Personen der Vergangenheit.
[...]
# Aus: "Übertragung (Psychoanalyse)"
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[...] Projektion bezeichnet das Verlagern eines verdrängten inneren Motivs durch die Abbildung von eigenen Empfindungen, Gefühlen, Wünschen und Interessen in der Außenwelt. Dabei wird die Ich-Grenze teilweise aufgehoben.
[...] Beispiel: Eine Frau fühlt sich durch einen Kollegen sexuell bedrängt, obwohl dieser den Kontakt meidet. Lässt das Verhalten des Kollegen von außen betrachtet eher die Wahrscheinlichkeit zu, dass er keinen Kontakt wünscht, so kann davon ausgegangen werden, dass die Frau ihr Begehren in den Kollegen projiziert hat.
[...] Die Analytische Psychologie nach Carl Gustav Jung versteht unter Projektion zum einen das Zuschreiben von in der eigenen Psyche angelegten Archetypen an Personen oder Objekte außerhalb des Ichs.
Bekannte Formen sind:
* Die Projektion des Mutterarchetyps auf die persönliche Mutter bzw. andere Frauen. Sie führt regelmäßig zum Mutterkomplex und ist Ursache einer Vielzahl psychischer Störungen.
* Die Projektion des Schattenarchetyps, also verdrängter eigener Eigenschaften, Wünsche und Taten – vor allem solcher, die mit gesellschaftlichen Normen in Konflikt stehen, oder für die sich der Projizierende schämt – auf andere Menschen, um sich selbst von diesen distanzieren zu können. Es handelt sich um einen Abwehrmechanismus zur Bewältigung der Negativanteile der eigenen Persönlichkeit. Dieser Abwehrmechanismus führt aber häufig zu sozialen Konflikten, bis hin zu der Verfolgung von Minderheiten und Krieg.
Beispiel: Ein neugieriger Mensch, der gern die Post der anderen Mietparteien in seinem Haus durchstöbern würde, behauptet eben dieses von seinen Nachbarn.
Die weitere Form von Projektion umfasst das Hineinlesen eigener Vorstellungen auf mächtigere Personen oder Wesen, um diesen Rechtfertigung und Nachdruck zu verleihen.
Beispiele für diese Form der Projektion finden sich bei Puristen oder Fundamentalisten: „Gott will, dass alle Ungläubigen bekehrt werden“.
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* Aus "Projektion (Psychoanalyse)"
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[...] Übertragungsliebe ist ein psychoanalytischer Begriff für die Übertragung von Liebe von einem ursprünglichen auf ein neues Ziel bewirkt. Der Begriff wird aufgrund seiner häufigen Verwendung im Kontext der Psychoanalyse heute meist im Sinne einer psychischen Störung verwendet. Peter Sloterdijk weist darauf hin, dass diese Verwendung zu eng ist und weiter gefasst werden sollte, indem er Übertragung als eine Quelle offener schöpferischer Vorgänge betrachtet.
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* Aus: Übertragungsliebe
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[...] Beispiele für Abwehrmechanismen:
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* Repression/Verdrängung: Die Verdrängung ist ein Abwehrmechanismus, der vor allem die Aufgabe hat, das Ich vor einem bedrohlichen Einfluss zu schützen. Wie die Dissoziation radiert auch die Verdrängung keine Erinnerungen aus, sie erschwert nur die bewusste Erinnerung an ein Erlebnis. Unerwünschte Es-Impulse, die ein Gefühl von Schuld, Scham oder das Herabsetzen des Selbstwertgefühls hervorrufen, werden durch Ich und Über-Ich in das Unbewusste verdrängt. Von dort aus können sie allerdings in Träumen oder als unbewusste Ersatzhandlungen wieder zutage treten. Freuds Begriff der Repression muss vom Begriff der Unterdrückung (Suppression) unterschieden werden, denn wenn wir bestimmte Gedanken, Handlungen und Wünsche unterdrücken, sind wir uns ihrer die ganze Zeit über bewusst.
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