COMMUNICATIONS LASER #17
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Author Topic: [Notizen zum Terror... ]  (Read 163483 times)
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« Reply #135 on: September 20, 2009, 10:03:45 AM »

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[...] Keine Chance gegen den Flashmob-Terror

Das pubertäre Stören ihrer Politikveranstaltung muss auch Angela Merkel wahrnehmen, so laut und penetrant tönt es ihr entgegen. Aber sie ist viel zu sehr Profi, als dass sie sich irgend etwas anmerken lassen würde. Stattdessen ballt sie ihre Faust und spricht über die Wiedervereinigung und über Familienpolitik. "Yeah."

Auf dem Lessing-Denkmal in der Mitte des Gänsemarktes protestieren Atomkraftgegner mit Transparenten, auch sie röhren zu Merkels Rede, wollen die Aufmerksamkeit von Publikum, Presse und Kanzlerin. Weiterer Protest richtet sich gegen die Schulpolitik in der Hansestadt. Obwohl die Bedingungen für lautstarke Störer ideal sind - die enge, dreieckige Fläche, die reservierten Hanseaten, die zahlenmäßig unterlegenen CDU-Fans - der politische Protest geht unter. "Yeah."

Hätte der Flashmob-Terror von den Sicherheitsbehörden im Vorfeld verhindert werden müssen? In Braunschweig wäre so etwas nicht passiert, dort reagierte das Ordnungsamt mit harschen Schreiben auf einen Flashmob-Aufruf im Internet - und es ging nur um ein Picknick, nicht um das Nerven der Bundeskanzlerin. In Großbritannien stürmte die Polizei in Kampfmontur und mit einem Hubschrauber die Feier von einem Dutzend Freunden, die sich im Internet verabredet hatten.

[...] Immer wieder lassen sich Passanten am Freitagabend von den lachenden Flashmobbern anstecken, stimmen mit ein, versuchen sich an einem "Yeah", erst zaghaft, dann lauter. Was ist schon dabei? Andere Bundeskanzler traf es schlimmer: Kurt Georg Kiesinger bekam 1968 in Berlin eine Ohrfeige, Helmut Kohl wurde 1991 in Halle mit Eiern und Tomaten beworfen, handfeste politische Auseinandersetzungen.

Angela Merkel wird lustvoll zugejubelt, das ist an Harmlosigkeit nicht zu überbieten, auch wenn es konzentrierte Zuhörer gehörig nervt. Und wie steht es mit einer politischen Botschaft? Die jungen Schreihälse leben schließlich praktisch im Internet und haben es hier mit einer Partei zu tun, die das Netz mit Stoppschildern zensieren und Raubkopierer bestrafen will. Tatsächlich wehen auch zwei Fahnen der Piratenpartei in der Nähe der "Yeah"-Fraktion.

Doch während die einen sich als Anhänger der Piratenpartei zu erkennen geben und ihre orangefarbenen Flaggen in das Meer der orangefarbenen Merkel-Fahnen einreihen, steht vor allem eins im Vordergrund: "Es geht mehr um Spaß", erklärt ein Mädchen ihrer Freundin den Flashmob. Nach einer knappen halben Stunde ist Merkel am Ende ihrer Rede, die Nationalhymne wird gesungen, die Flashmob-Gruppe löst sich auf. "Yeah."


Aus: "Flashmob trifft Kanzlerin - Merkel in Hamburg - und alle rufen "Yeaahh"" Von Ole Reißmann (18.09.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,650004,00.html

#2 http://www.youtube.com/watch?v=J_DRAIGbvUw

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« Reply #136 on: September 20, 2009, 10:08:42 AM »

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[...] Lokalmedien berichteten, Noordin Top habe sich in die Luft gesprengt, als die Polizei angriff. Sein Kopf sei vom Körper abgetrennt gewesen. Die Polizei identifizierte zwei der anderen Toten ebenfalls als bekannte Terroristen. Sie fand 200 Kilogramm Sprengstoff, Gewehre und Munition in dem Haus.

Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. In den vergangenen zehn Jahren bildeten militante Islamisten mehrere Terrorgruppen und -zellen. Den mit 202 Toten opferreichsten Anschlag auf Bali verübte Jemaah Islamiyah im Oktober 2002. Dort explodierten Bomben vor Bars, die von Touristen gut besucht waren.

Noordin Top soll Anschläge 2003 auf das Marriott Hotel in Jakarta organisiert haben, 2004 auf die australische Botschaft und 2005 noch einmal auf Bali. Die Polizei griff danach radikal durch. Um Top wurde es ruhig – bis im Juli die Bomben vor den Hotels Marriott und Ritz-Carlton explodierten. 2003 sagte er sich von Jemaah Islamiyah los und gründete eine eigene Terroreinheit.


Aus: "Gesuchter Terrorist in Indonesien getötet" (17.9.2009, ZEIT ONLINE, dpa, Reuters)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2009-09/terrorist-top-getoetet

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« Reply #137 on: September 20, 2009, 10:27:22 AM »

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[...] Modisch setzt der deutsch-marokkanische Möchtegern-Märtyrer Bekkay Harrach in gründlich lobotomierten Islamistenkreisen zwar ganz neue Akzente - der Terrorist von heute trägt jetzt Vito Vorleone - aber sonst ist sein aktuelles Drohvideo mindestens genauso fremdschämig doof wie seine ersten beiden Botschaften, in denen er Deutschland mit Anschlägen gedroht hat. Immerhin: Wer in Kiel wohnt, hat nichts zu befürchten.

...


Aus: "Zu tief ins Gläschen geguckt"
Islamismus, Deutschland, Absurdes, Peinlich, Satirisches und Ironisches, Terrorismus (19. September 2009)
Quelle: http://www.politblogger.net/zu-tief-ins-glaeschen-geguckt/

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[...] Düsseldorf/Hamburg - Seit Jahren ist Deutschland im Visier islamistischer Terroristen. Sicherheitskräfte konnten mehrfach Anschläge rechtzeitig vereiteln. Ein Überblick:

September 2007: Im Dorf Oberschledorn im Sauerland werden drei mutmaßliche islamistische Terroristen verhaftet. Laut Anklage wollten sie drei große Autobomben gleichzeitig zünden. Als Anschlagsorte sollen Kneipen, US-Stützpunkte, die israelische Botschaft und Flughäfen in der Diskussion gewesen sein.

Juli 2006: Die «Kofferbomber von Köln» deponieren in zwei Regionalzügen in Koffern versteckte Bomben. Die Zünder lösen aus, die Sprengsätze funktionieren nur wegen des falschen Gasgemischs nicht.

Dezember 2004: Mitglieder der kurdisch-irakischen Islamistengruppe Ansar al-Islam planen, den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi während eines Deutschland-Besuches zu ermorden. Die Polizei hört ihre Telefongespräche ab und nimmt die drei Männer fest.

März 2003: Ein Tunesier wird verhaftet, der angeblich Attentate gegen amerikanische und jüdische Einrichtungen plante. Vor Gericht kann ihm das nicht bewiesen werden. Die Bundesanwaltschaft bleibt jedoch bei der Auffassung, dass ein Horrorszenario verhindert wurde.

April 2002: Der Polizei gehen mutmaßliche Anhänger der El-Kaida- nahen Terrorgruppe Al-Tawhid ins Netz. Die Männer planten Angriffe auf das jüdische Gemeindezentrum in Berlin und jüdische Gaststätten in Düsseldorf. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verhängte mehrjährige Haftstrafen.

Dezember 2000: Die Frankfurter Polizei fasst mehrere Islamisten, die mit einer Kochtopf-Bombe möglichst viele «Ungläubige» auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt töten wollten. Sie erhielten Haftstrafen zwischen zehn und zwölf Jahren.


Aus: "Hintergrund: Deutschland entging mehrfach Anschlägen" (19.09.2009)
Quelle: http://www.mopo.de/2009/20090919/thema-des-tages/hintergrund_deutschland_entging_mehrfach_anschlaegen.html


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[...] Berlin - Schulterlanges, gegeltes schwarzes Haar, adrett gekleidet mit Anzug und hellblauer Krawatte - für einen mutmaßlichen El-Kaida-Terroristen tritt Bekkay Harrach in seinem neuen Drohvideo recht ungewöhnlich auf.

Mit regungsloser Mimik stößt der 32-Jährige, der sich «Abu Talha, der Deutsche» nennt, konkrete Drohungen gegen Deutschland aus: Zieht die Bundeswehr nicht sofort aus Afghanistan ab, drohe nach der Bundestagswahl am 27. September ein «böses Erwachen». Bereits zu Jahresbeginn hatte er es als naiv bezeichnet, wenn die Deutschen glaubten, als einer der größten Truppensteller in Afghanistan ungeschoren davonkommen zu können.

...


Aus: "Hintergrund: Bekkay Harrach" (19.09.2009)
Quelle: http://www.mopo.de/2009/20090919/thema-des-tages/hintergrund_bekkay_harrach.html


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Quote
[...] Bekkay Harrach (* 1977) ist ein deutsch-marrokanischer Islamist und Sprecher von Al-Qaida. Harrach studierte von 2002 bis 2004 an der Fachhochschule Koblenz Lasertechnik und Wirtschaftsmathematik. Bekannt wurde Harrach durch ein Drohvideo gegen die deutsche Nation aus Waziristan unter seinem Pseudonym „Abu Talha der Deutsche“.[1] In einem weiteren Video, das im September 2009 publiziert wurde, kündigte der Bonner Islamist Attacken nach der Bundestagswahl 2009 an, falls diese kein Signal für einen Afghanistan-Abzug bringen würde. „Entscheidet das deutsche Volk sich für den Krieg, hat es sein eigenes Urteil gefällt.“ Dann, so Harrach, werde der Dschihad nach Deutschland getragen. Die Sicherheitsbehörden nehmen Harrachs Drohung ernst,[2] auf Flughäfen und Bahnhöfen wurden nach Bekanntgabe des Drohvideos die Sicherheitsvorkehrungen verschärft, Bundespolizisten patrouillierten mit schweren Schutzwesten und Maschinenpistolen.[3] Seit Januar 2009 wird von der Bundesanwaltschaft gegen Harrach wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung ermittelt.[4]

 Einzelnachweise:

   1. ↑ Deutsch-Marokkaner plant Anschläge für al-Qaida; Spiegel online vom 24. Januar 2009
   2. ↑ Yassin Musharbash, Marcel Rosenbach, Holger Stark: Al-Qaida droht mit Anschlägen nach der Bundestagswahl; Spiegel online vom 18. September 2009
   3. ↑ Al-Qaida droht Deutschland mit bösem Erwachen; Zeit.de vom 18. September 2009
   4. ↑ Al Kaida Video – Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Bekkay Harrach; focus.de vom 22. Januar 2009



Aus: „Bekkay Harrach“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. September 2009, 14:10 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bekkay_Harrach&oldid=64687961 (Abgerufen: 20. September 2009, 09:12 UTC)

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Quote
[...·] Berlin (dpa) - Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz hält die mutmaßliche Video-Botschaft der islamistischen Terrororganisation El Kaida für eine ernstzunehmende Drohung.

«Ich denke, dass unsere Sicherheitsbehörden das zurecht sehr ernst nehmen. Das ist eine gezielte Ansage vor der Bundestagswahl», sagte Wiefelspütz am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. In der am Freitag im Internet aufgetauchten Botschaft wird der sofortige Abzug deutscher Truppen aus Afghanistan gefordert. Andernfalls drohe nach der Wahl am 27. September in Deutschland ein «böses Erwachen».

«Wir haben so etwas immer für denkbar gehalten und jetzt trifft das ein», sagte Wiefelspütz. Er gehe davon aus, dass überall in Deutschland die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Eine erhöhte Wachsamkeit sei geboten. Zugleich gehe es aber nicht um Panikmache. «Wir werden das Menschenmögliche tun, um solche Warnungen letztlich ins Leere laufen zu lassen.»

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion betonte, durch solche Drohungen lasse sich die deutsche Politik in ihrer Afghanistan-Politik in keiner Weise beeinflussen. «Wir lassen uns nicht hinbomben in eine bestimmte Richtung.»

Unabhängig davon sei aber in der SPD eine Diskussion entbrannt, wie der Einsatz am Hindukusch künftig weitergehen solle. Zuletzt hatte SPD-Kanzlerkandidat und Außenminister Frank-Walter Steinmeier ein Zehn-Punkte-Papier dazu vorgelegt. Wichtigster Satz darin: «In der nächsten Legislaturperiode gilt es, die Grundlagen für den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan zu schaffen.» Wiefelspütz betonte hierzu: «Diese Diskussion hat nichts, aber auch wirklich gar nichts mit der aktuellen Drohung zu tun.»

Aber die Botschaft werde «in der Art und Weise, wie wir uns im Sicherheitsbereich aufstellen» eine große Bedeutung haben. Der in dem Video auftauchende mutmaßliche El-Kaida-Terrorist Bekkay Harrach sei leider sehr ernst zu nehmen. «Der Mann ist hier in Deutschland seit einiger Zeit auf dem Schirm.»


Aus: "SPD-Innenexperte: Video ist ernste Drohung" (19.9.2009, Quelle dpa)
Quelle: http://www.zeit.de/newsticker/2009/9/19/iptc-bdt-20090919-201-22440236xml

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« Reply #138 on: September 23, 2009, 09:39:26 AM »

Quote
[...] Zentralrat der umherschweifenden (zuweilen fälschlich: herumschweifenden) Haschrebellen, auch kurz: Haschrebellen oder umherschweifende Haschrebellen, war eine hauptsächlich im Jahr 1969 verwendete Eigenbezeichnung für die erste Entwicklungsphase einer Stadtguerilla-Gruppe in West-Berlin. Bekannt werden sollte diese später vor allem unter dem Namen Tupamaros West-Berlin. Die Haschrebellen profilierten sich durch ihre Unterstützung zunehmend radikaler Protest- und Aktionsformen gegen den deutschen Staat bzw. den West-Berliner Senat und seine Repräsentanten (vor allem aus Polizei und Justiz).

Zusammen mit den Tupamaros West-Berlin und den Schwarzen Ratten gehörten die Haschrebellen zu einer auch als Berliner Blues bezeichneten Untergrundbewegung, die aus der Haschischszene der Stadt hervorgegangen war. Diese war eher anarchistisch orientiert. Ihre Proteste richteten sich ursprünglich hauptsächlich gegen die restriktive Drogenpolitik des Berliner Senats und die zahlreichen Rauschgiftrazzien in Szenekneipen. Die einzelnen, zumeist lose formierten Gruppen des "Blues" sind jedoch nicht - wie es gelegentlich geschieht[1] - streng voneinander zu unterscheiden, handelt es sich doch eher um wechselhafte Bezeichnungen für mehr oder weniger den gleichen, lockeren Kreis von Personen. Ab November 1969 setzte sich in selbigem zwar die auf eine ausgeweitete politische Programmatik und spektakulärere Aktionen hindeutende Eigenbenennung Tupamaros West-Berlin durch, dennoch war weiterhin auch von den Haschrebellen die Rede. Insbesondere durch ihre zunehmend aggressive Rhetorik, ihren Antizionismus und ihre Legitimierung und Anwendung von Gewalt bei Anschlägen mit Brand- oder Sprengsätzen oder bei Schusswaffengebrauch wurden die Gruppierungen des "Blues" dabei zu einer wichtigen Übergangserscheinung zwischen den Protesten der Außerparlamentarischen Opposition (APO) und den terroristischen Aktivitäten der Rote Armee Fraktion und der Bewegung 2. Juni.

Die meisten Haschrebellen hatten - im Unterschied zu den Mitgliedern des Sozialistischer Deutscher Studentenbund (SDS) und selbst der Kommune I - keinen akademischen Familienhintergrund, sondern stammten aus der Arbeiterklasse. Zu den bekanntesten Mitgliedern des Zirkels gehörten Dieter Kunzelmann, Ralf Reinders, Michael „Bommi“ Baumann, Ronald Fritzsch, Bernhard Braun, Georg von Rauch und Thomas Weisbecker. Die gewaltsamen Tode Rauchs und Weisbeckers zwischen Dezember 1971 und März 1972 (beide wurden beim Versuch der Festnahme durch Polizisten erschossen) führten dann unmittelbar zur Bildung der Bewegung 2. Juni.

[...] Eine Vorstufe des „Zentralrats der umherschweifenden Haschrebellen“ entwickelte sich aus einem Kommuneexperiment in der Wielandstraße in Berlin-Charlottenburg heraus. Hauptmieter der betreffenden Wohnung war der Rechtsanwalt Otto Schily. Die als "Wielandkommune" bekannt gewordene Gruppe von bis zu 20 Personen, der unter anderem Georg von Rauch und Michael Baumann angehörten, praktizierte dabei nach dem Vorbild der Kommune I einen bewusst antibürgerlichen Lebensstil, wobei man sich als Avantgarde einer grundlegenden gesellschaftlichen Veränderung begriff.

...


Aus: „Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. September 2009, 16:38 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Zentralrat_der_umherschweifenden_Haschrebellen&oldid=64802429 (Abgerufen: 23. September 2009, 08:57 UTC)

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Quote
[...] Georg von Rauch (* 12. Mai 1947 in Marburg an der Lahn; † 4. Dezember 1971 in Berlin) war Angehöriger einer linksradikalen militanten Szene in Westberlin um 1970, die als „Blues“ bezeichnet wurde.

Georg von Rauch war der jüngste Sohn des gleichnamigen Marburger Universitätsdozenten für Philosophie und späteren Kieler Professors für Osteuropageschichte Georg von Rauch.

Unmittelbar nach dem Abitur an der Kieler Gelehrtenschule 1966 heiratete von Rauch die Malerin Illo von Rauch-Wittlich (* 1935). 1967 wurde er Vater einer Tochter. Ebenfalls 1966 nahm von Rauch ein Studium der Philosophie in Kiel auf. Die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 und die dadurch beschleunigte Aufheizung des politischen Klimas in Deutschland brachten den politisch sehr interessierten Rauch dazu, sein Studium noch im selben Jahr an die Freie Universität Berlin zu verlegen. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Berlin trat von Rauch in den Sozialistischen Deutschen Studentenbund ein. Im Verlauf der nächsten Monate engagierte sich von Rauch in verschiedenen linken Initiativen, vor allem auf dem Gebiet der Bildungspolitik, sowie in der Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg. Hier radikalisierte er sich zunehmend.

In dieser Zeit lebte Georg von Rauch in einer Kommune in der Wielandstraße in Berlin-Charlottenburg. [...] Aus der Wielandkommune heraus bildete sich schließlich ein loser Kreis, für den Konsum von Haschisch und Ladendiebstahl zum Ausgangspunkt für weitergehende Angriffe auf die bestehende Gesellschaftsordnung wurden. Die Ereignisse des Jahres 1968, insbesondere das Attentat auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 und das harte Vorgehen der französischen Polizei im Pariser Mai leisteten der Radikalisierung Vorschub und führten zum Bruch mit dem Staat. Angeregt von der Stadtguerilla-Idee der Tupamaros in Uruguay und den antiimperialistischen und sozialrevolutionären Schriften linker Vordenker wie Che Guevara und Mao Zedong schlussfolgerte man im Umkreis der Wielandkommune, dass nur eine „Avantgarde“ revolutionärer Kämpfer in den Großstädten des Westens zu „wahren Verbündeten der Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt“ werden könne.

Als Voraussetzung für das Funktionieren der Aktionen solcher Gruppierungen wurde die Aufgabe der letzten Rudimente einer bürgerlichen Existenz (wie etwa einer festen, offiziellen Wohnadresse) und die Bereitschaft zur Anwendung von offener Gewalt gegenüber Repräsentanten und Institutionen des Staates und seiner „Verbündeten“ betrachtet. Der aus der Wielandkommune hervorgegangene Kreis von Stadtguerilleros, zu dessen aktivsten Mitgliedern von Rauch und Baumann gehörten, bezeichnete sich dabei in bewusst ironischer Brechung bald als Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen. Als Mitglied des Zentralrats, der ideologisch und personell zu einer der wichtigsten Vorstufen der terroristischen Bewegung 2. Juni werden sollte, war von Rauch nicht nur rein gedanklich in den „Untergrund“ gegangen, sondern verübte in den folgenden drei Jahren auch schwere Straftaten.

Nachdem er zusammen mit seinen Freunden und „Kampfgenossen“ Thomas Weisbecker und Michael Baumann den Journalisten Horst Rieck zusammengeschlagen hatte, wurde von Rauch am 2. Februar 1970 schließlich verhaftet. Die folgenden eineinhalb Jahre verbrachte er in Untersuchungshaft, um schließlich wegen Nötigung, Körperverletzung und versuchten schweren Raubes angeklagt zu werden.

Am 8. Juli 1971 gelang ihm die Flucht. Die genaueren Umstände wurden in der linken Sympathisantenszene bald unter dem Schlagwort „Verwechselungs-go-out“ legendär: Von Rauch musste sich an diesem Tag zusammen mit Baumann und Weisbecker wegen des Überfalls auf Rieck vor dem Kriminalgericht in Berlin-Moabit verantworten, die Verhandlung wurde allerdings vertagt. Von Rauch und Weisbecker, die sich ähnlich sahen, hatten im Gerichtssaal ihre Rollen vertauscht, was offenbar niemandem aufgefallen war. Als daher der Richter Baumann und Weisbecker im Gegensatz zu ihrem Mitangeklagten Haftverschonung gewährte und die beiden aufforderte, den Gerichtssaal zu verlassen, konnte von Rauch unbemerkt an Stelle Weisbeckers aus dem Justizgebäude spazieren. Als Weisbecker später seine Identität preisgab, wurde auch er entlassen, bald darauf jedoch mit weiterem Haftbefehl wegen Fluchthilfe für von Rauch erneut gesucht.

Von Rauch hatte zuvor zusammen mit Michael „Bommi“ Baumann, Hans Peter Knoll und Heinz Brockmann versucht, einen gestohlenen Ford Transit umzuparken, der bereits unter Observation von Polizisten und Verfassungsschützern stand. Nach Angaben der Behörden kam es bei dem Versuch der Festnahme zu dem Schusswechsel, bei dem von beiden Seiten insgesamt etwa 25 Schüsse abgegeben worden seien. Dabei hätten die Gestellten, die außer von Rauch schließlich entkommen konnten, das Feuer eröffnet.

Linke Unterstützer zogen diese Darstellung später in Zweifel und verwiesen darauf, dass neben der Leiche keine Pistole gefunden worden war. Sie schlossen daraus, ein unbewaffneter von Rauch sei ohne Gegenwehr erschossen worden („Killfahndung“). Dahingegen wartete Baumann in einem Spiegel-Interview zwei Jahre darauf mit einer anderen Version auf: Danach habe in der Tat von Rauch zuerst geschossen, jedoch sei fast gleichzeitig von den Ermittlern gefeuert worden. Baumann räumte bei gleicher Gelegenheit ein, dass auch er an diesem Tag Schüsse abgegeben hatte.

Georg von Rauch ist auf dem Parkfriedhof Eichhof bei Kiel begraben.


Von Rauch wurde bereits unmittelbar nach seinem Tod für Sympathisanten zu einer Art Märtyrer. Unter anderem wurde das von der Hausbesetzerszene in Beschlag genommene ehemalige Schwesternwohnheim des Bethanien-Krankenhauses in Berlin-Kreuzberg von seinen Besetzern in „Georg-von-Rauch-Haus“ umbenannt. Diesem widmete die Rock-Band Ton Steine Scherben um ihren Frontmann Rio Reiser 1972 den Rauch-Haus-Song.

Auch die Bewegung 2. Juni bemühte sich, sein Andenken hochzuhalten.

Umso übler nahmen diese Unterstützergruppen Baumann später, dass dieser die Darstellung der Justiz von den unmittelbaren Umständen der tödlichen Schüsse auf Georg von Rauch im Wesentlichen bestätigte.


Aus: „Georg von Rauch (1947–1971)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. September 2009, 16:57 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Georg_von_Rauch_(1947%E2%80%931971)&oldid=64101857 (Abgerufen: 23. September 2009, 08:55 UTC)


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[...] Michael „Bommi“ Baumann (* 1948 in Berlin-Lichtenberg) ist ein Buchautor und ehemaliges Mitglied der Bewegung 2. Juni.

[...] Baumann ist gelernter Betonbauer. Seinen Spitznamen erhielt er nach eigener Aussage nach dem Getränk „Bommi mit Pflaume“. Fälschlicherweise wird die Herkunft des Spitznamens oft einer zeitweiligen Vorliebe für Sprengstoff zugeschrieben.

Baumann bekam in den 1960er Jahren Kontakt zur Westberliner Studentenbewegung und zur Kommune I. Durch verschiedene Erfahrungen mit Polizei, Medien und Behörden radikalisierte er sich zunehmend. Der Tod von Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 prägte ihn nachhaltig. Danach begann er, Sachbeschädigung als Mittel in den politischen Kampf einzubeziehen. Als Arbeiter mit praktischer Berufserfahrung legte er anders als viele intellektuelle Studenten im SDS großen Wert auf die „direkte Aktion“ und den praktischen „Kampf in den Metropolen“ als flankierende Unterstützung für Guerillakämpfe in der Dritten Welt.

Nach Brandanschlägen gegen eine britische Fluggesellschaft, die junge Bundeswehr-Deserteure von Westberlin in die BRD ausgeflogen hatte, musste Baumann vom Februar 1970 bis Sommer 1971 einige Monate im Gefängnis verbringen.

Später schloss sich Baumann mit seinem Freund Georg von Rauch dem Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen an, der sich später mit anderen Organisationen zur Bewegung 2. Juni zusammenschloss. Bei der „Umsetzung“ eines gestohlenen – und von der Polizei beobachteten – Fahrzeugs vom Berliner Winterfeldtplatz versuchte die Polizei, von Rauch festzunehmen. Dieser wurde dabei erschossen. Dies bewegte Bommi Baumann dazu, sich von der Stadtguerilla-Szene zu verabschieden. Doch er wurde als Mittäter polizeilich gesucht.

Ab 1972 begann seine Flucht in verschiedene Länder, unter anderem nach Syrien, Iran, Afghanistan und Indien. 1975 erschien seine Autobiographie Wie alles anfing, in der er seine persönliche Entwicklung zur Stadtguerilla schildert und sich kritisch mit dem bewaffneten Kampf auseinandersetzte. Diese Ausgabe im Münchner Trikont-Verlag wurde sofort nach dem Erscheinen wegen vermuteten „Aufrufs zur Gewalt“ polizeilich beschlagnahmt, eine bundesweite Durchsuchungsaktion wurde veranlasst. 1976 schlossen sich jedoch mehr als 300 teilweise prominente linke Schriftsteller und Verleger aus mehreren europäischen Ländern zusammen, die sich gegen diese Zensur zur Wehr setzen wollten. Sie veröffentlichten eine unveränderte Neuausgabe, die ohne Probleme verkauft werden konnte.

1981 wurde Baumann in London verhaftet und zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe wegen Bankraubes und Sprengstoffanschlägen verurteilt. Im Gefängnis schrieb er eine weitere autobiographische Schrift, die nach seiner Freilassung erschien.

Als nach der deutschen Wiedervereinigung Dokumente der DDR durch die Gauck-Behörde zugänglich gemacht wurden, wurde bekannt, dass Baumann 1973 im Auftrag der Stasi einen 125-seitigen handgeschriebenen Bericht über insgesamt 94 Personen des bewaffneten Kampfes verfasst hatte; Überfälle, Anschläge, Waffenkaliber, sexuelle Präferenzen wurden aufgeführt. Darüber hinaus existieren 165 Seiten Vernehmungsprotokolle. Innerhalb von sechs Wochen hatte Baumann insgesamt 114 Stunden lang sein Insider-Wissen weitergegeben.[1]

In dem Buch Rausch und Terror, seinem 2008 erschienenen „politischen Erlebnisbericht“, bekennt Baumann, bis 1993 opiatabhängig gewesen zu sein. Seiner Auffassung nach folge der nach den Attentaten vom 11. September 2001 ausgerufene „Krieg gegen den Terror“ dem Ende der 1960er Jahre begonnenen „Krieg gegen die Drogen“ und schaffe „eine Gesellschaft der Angst“.


Quellen:

 1. ↑ Wolfgang Kraushaar: Unsere unterwanderten Jahre; Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. April 1998, S. 45



Literatur:

    * Bommi Baumann: Wie alles anfing; München: Trikont-Verlag, 1975; ISBN 3-920385-68-3 (ISBN wird bei unterschiedlichen Büchern benutzt) Das Buch wurde verboten und „illegal“ mit Unterstützung zahlreicher Herausgeber vertrieben.
    * Jürgen Arnold, Peter Schult: Ein Buch wird verboten. Bommi Baumann Dokumentation; München: Trikont-Verlag, 1979
    * Michael Baumann: Wie alles anfing. 30 Jahre „Deutscher Herbst“. Ein biografisches Dokument; Berlin: Rotbuch-Verlag, 20074; ISBN 3867890005
    * Bommi Baumann: HiHo. Wer nicht weggeht, kommt nicht wieder; Hamburg: Frölich und Kaufmann im Hoffmann und Campe Verlag, 1987; ISBN 3-455-08655-1
    * Michael „Bommi“ Baumann: HIHO. Die abenteuerliche Flucht eines Ex-Terroristen; Frankfurt am Main: Panama Publications, 2007; ISBN 3936732043
    * Bommi Baumann, Till Meyer: Radikales Amerika. Wie die amerikanische Protestbewegung Deutschland veränderte; Berlin: Rotbuch, 2007; ISBN 3867890102
    * Bommi Baumann: Rausch und Terror. Ein politischer Erlebnisbericht; Berlin: Rotbuch, 2008, ISBN 3867890366



Aus: „Michael Baumann“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. Juli 2009, 20:34 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Michael_Baumann&oldid=62392225 (Abgerufen: 23. September 2009, 08:35 UTC)


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Quote
[...] Der ehemalige Terrorist Michael Baumann hat die Brandanschläge auf Luxusautos in Berlin als "kontraproduktiv" verurteilt. "Wahllos Autos anzünden, die in der Gegend herumstehen, ist nicht mehr politisch", schrieb das frühere Mitglied der "Bewegung 2. Juni" in einem Beitrag für die "Tageszeitung".

Wer einen Mercedes fahre, sei nicht automatisch ein Kapitalist. Die derzeitige Serie von Brandanschlägen verurteilt Baumann deshalb als reine Randale. "Das schadet der linken Szene." In Berlin wurden in diesem Jahr schon mehr als 200 Autos angezündet.

Die "Bewegung 2. Juni" hatte sich nach dem Todesschuss auf den Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 gebildet. Zu ihren Aktionen gehörte 1975 die Entführung des West-Berliner CDU-Politikers Peter Lorenz. "Bommi" Baumann war 1981 verhaftet worden und saß anschließend fünf Jahre im Gefängnis. Damals hatte er sich bereits vom Terrorismus losgesagt.


Aus: "Ex-Terrorist verurteilt Anschläge auf Autos" (Erschienen am 20. September 2009)
Quelle: http://nachrichten.t-online.de/berlin-ex-terrorist-verurteilt-brandanschlaege-auf-autos/id_20015484/index

« Last Edit: September 23, 2009, 10:01:48 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #139 on: September 28, 2009, 12:29:08 PM »

Quote
[...] Nach den Drohungen des Terror-Netzes Al Qaida gegen Deutschland sind in München zwei mutmaßliche Islamisten vorbeugend in Polizeigewahrsam genommen worden. Das hat Münchens Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer am Montag mitgeteilt.

Hintergrund sei, dass in den Droh-Videos auch auf das Münchner Oktoberfest Bezug genommen wurde. Es handele sich um eine rein vorbeugende Maßnahme, den beiden Männern würden keine Straftaten vorgeworfen. In einem der Videos waren auch Anschläge in Deutschland nach der Bundestagswahl angedroht worden, sollten die Bundeswehrsoldaten nicht aus Afghanistan abgezogen werden.

Die beiden Männer seien der islamistisch-extremistischen Szene zuzurechnen. Beide hätten früher zu dem deutschen Al Qaida-Mitglied Bekkay Harrach Kontakt gehabt - der eine direkt, der andere mittelbar über seinen Bruder. Harrach hatte in einem Video für den Fall, dass die Bundeswehr nicht aus Afghanistan abgezogen wird, in den zwei Wochen nach der Wahl mit einem „bösen Erwachen“ für Deutschland gedroht.

Die beiden Männer sollen bis zum Ende des Oktoberfestes am 4. Oktober in Polizeigewahrsam bleiben. Dies sei richterlich bestätigt worden. Da ihnen keine Straftaten vorgeworfen würden, könnten aus Datenschutzgründen keine weiteren Angaben zu ihrer Identität gemacht werden, sagte Schmidbauer. Beide stammen den Angaben zufolge aus arabischen Ländern und leben schon länger in München Beide Festgesetzten bewegten sich „aktuell unverändert in einem islamistisch-extremistischen Umfeld“.

Unterdessen wurden die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Theresienwiese massiv verschärft. Es wurde ein Sicherheitsgürtel mit Polizeikontrollen eingerichtet, in den nur Wiesn-Lieferanten, Anwohner oder andere Berechtigte einfahren dürfen. Das haben Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und Polizeipräsident Schmidbauer mitgeteilt. Auch Taxifahrer dürfen die Theresienwiese nur noch an einer Stelle, dem Omnibusparkplatz, anfahren. Die bisherigen Taxistände wurden aufgelöst und zusätzliche Halteverbote eingerichtet. Bei Personenkontrollen sollen vor allem Rucksäcke und größeres Gepäck genau unter die Lupe. Bei den Kontrollen handele es sich um eine „Vorsichtsmaßnahme“, betonte Herrmann. Konkrete Anschlagspläne gebe es nicht. Allerdings existierten zwei Terrorvideos, in denen direkt Bezug auf München genommen werde.




Aus: "Al Qaida - Zwei Islamisten in München festgesetzt" (FAZ.NET mit ddp / dpa, 28. September 2009)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E95A74C69DFE7470CB9004E096AB284B6~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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« Reply #140 on: October 13, 2009, 04:44:12 PM »

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[...] Frankfurt am Main - Haftstrafen für Terrorhelfer: Das Oberlandesgericht (OLG) in Frankfurt am Main hat am Dienstag zwei Unterstützer der so genannten Sauerland-Gruppe zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Der 28-jährige Deutsch-Afghane Omid S. muss zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis, der gleichaltrige Türke Hüseyin Ö. ein Jahr und zwei Monate.

Das Gericht hält beide Männer für schuldig, 2006 und 2007 die usbekische Islamische Dschihad-Union (IJU) unterstützt und dabei mit der zurzeit in Düsseldorf angeklagten Sauerland-Gruppe kooperiert zu haben. Das Urteil liegt deutlich unter den Strafanträgen der Bundesanwaltschaft.

S. lebte bis zu seiner Verhaftung 2008 in Dietzenbach (Landkreis Offenbach). Auch Ö. wurde 2008 inhaftiert und wohnte zuvor im südhessischen Langen. Beiden Männern habe das Gericht ihre "umfassenden, glaubhaften Geständnisse" strafmildernd angerechnet, sagte der Vorsitzende Richter, Karlheinz Zeiher, in der Urteilsbegründung. S. und Ö. hatten im Verfahren auch bekannt, in Abstimmung mit dem führenden Mitglied der Sauerland-Gruppe Adem Yilmaz Ausrüstungsgegenstände für die IJU besorgt zu haben.

Treffpunkt aller Beteiligten im Frühjahr 2007 war der Kleingarten von Y. in Langen. Beide Verurteilten beschafften in dieser Zeit unter anderem Nachtsichtgeräte und Zielfernrohre, um sie der IJU zu überbringen. S. schilderte dem Gericht, wie er im Juni 2007 dann über Afghanistan die pakistanische Waziristan-Region erreichte. Im Ausbildungslager der IJU hätten die Dschihad-Kämpfer seine mangelnde Fitness und fehlenden Kochkünste bemängelt. Nach zehn Tagen sei er wieder abgereist, ohne den geforderten Treuschwur abzulegen, berichtete S.

Richter Zeiher bezeichnete am Dienstag diese Schilderungen als "nachprüfbar". Sie seien von einem weiteren Dschihadisten, der im türkischen Istanbul 2009 konsularisch vernommen wurde, bestätigt worden. Der ursprüngliche Vorwurf der Bundesanwaltschaft, S. sei IJU-Mitglied gewesen, habe sich als unhaltbar erwiesen, sagte Zeiher. Die Anklage hatte für S. dreieinhalb Jahre Haft verlangt, das Urteil blieb neun Monate unter dieser Forderung.

Ö. war 2007 ebenfalls Richtung Waziristan aufgebrochen. Wie er vor Gericht schilderte, verhaftete ihn jedoch pakistanisches Militär und arrestierte ihn drei Monate lang. In verschiedenen Gefängnissen sei er mehrfach - "auch vom CIA" - gefoltert worden. Ö. kehrte dann nach Deutschland zurück. Bei ihm nahm die Anklage keine Mitgliedschaft in der IJU an, aber ihre Unterstützung. Die Strafforderung der Bundesanwaltschaft von zweieinhalb Jahren Haft unterschritt das Gericht mit seinem Urteil um 15 Monate.

Vor ihrem Aufbruch ins Terrorcamp hatten S. und Ö. noch Hartz-IV-Gelder beantragt, die ihnen in Höhe von insgesamt etwa 1000 Euro auch überwiesen wurden. Zu diesem Zeitpunkt hatten beide bereits Adem Yilmaz Verfügungsgewalt über ihre Konten eingeräumt. 2008 wurden S. und Ö. in Deutschland verhaftet.

Sie waren aufgebrochen, um im Dschihad "die höchste Stufe im Paradies bei 72 Jungfrauen zu erreichen", kommentierte Richter Zeiher am Dienstag. Beide sollten sich freuen, dass sie letztlich vor dem Oberlandesgericht gelandet und nicht im Kampf gestorben seien. Sie hätten nach allem nun eine "günstige Sozialprognose". Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

"Es ist erfreulich, dass das Gericht erkannt hat, dass es hier nur einen Tatbeitrag von völlig untergeordneter Bedeutung gab", sagte Verteidiger Gabor Subai zu SPIEGEL ONLINE mit Blick auf die Gegenstände und Beträge, die sein Mandant der IJU hatte zukommen lassen.

als/ddp


Aus: "Sauerland-Gruppe - Haftstrafen für Terrorhelfer" (13.10.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,654923,00.html

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[...] Berlin - Es war Ende April 2007, als Fritz Gelowicz zum ersten Mal in seinem Leben von einer "Islamischen Dschihad-Union" las: Der SPIEGEL hatte gemeldet, dass die CIA die deutschen Behörden vor einer Gruppe Terrorwilliger warne, die über die Türkei auf dem Weg nach Deutschland sei und aus dem Umfeld dieser Organisation stamme.

Gelowicz, der zu diesem Zeitpunkt schon mitten in den Planungen für eine potentiell verheerende Anschlagsserie in Deutschland steckte, nahm die Nachricht aufmerksam zur Kenntnis. Dass er selbst und seine Mitverschwörer Daniel Schneider, Attila Selek und Adem Yilmaz mit der Warnung gemeint waren, kam ihm allerdings nicht in den Sinn. Erst einen Monat später habe es "Klick gemacht", sagte Gelowicz im Juni dieses Jahres den Vernehmungsbeamten des Bundeskriminalamtes (BKA).

[...] In persönlichen Gesprächen plauderten "Ahmad" und seine rechte Hand "Suleyman" auch über die Ursprünge der IJU, und bestätigten damit die These der Abspaltung von der IBU. Die IJU, heißt es in den Aussagen, sei eher international orientiert.

[...] Verschwörungstheoretiker und andere Skeptiker haben von Beginn an gemutmaßt, die IJU sei eine Erfindung der usbekischen Behörden. Die Sauerländer können das kaum einschätzen, auszuschließen ist es nicht. Aber selbst wenn es so wäre: Für die Gegenwart hat es keine Bedeutung, die IJU hat sich längst verselbständigt.


Aus: "Phantom IJU wird greifbar" Von Yassin Musharbash  (02.09.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,646268,00.html


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[...] Hinter dem Namen Islamische Dschihad-Union („Islamic Jihad Union“ (IJU), auch „Islamic Jihad Group“ (IJG)) wird eine militante Untergrundorganisation aus Usbekistan vermutet, deren Umfang allerdings umstritten ist.

In Deutschland wird die IJU von den Sicherheitsbehörden unterschiedlich eingeschätzt. Benno Köpfer vom Verfassungsschutz Baden-Württemberg hält die IJU für eine Interneterfindung.[1][2] Andererseits soll die IJU eine Splittergruppe der militanten „islamischen Bewegung von Usbekistan“ sein (Islamic Movement of Uzbekistan (IMU))[3] und mit dem Terrornetzwerk al-Qaida zusammenarbeiten.

Das US-Außenministerium setzte im Jahre 2005 die IJU auf seine Liste ausländischer Terrorgruppen.[4] Nach Einschätzung des ehemaligen britischen Botschafters in Usbekistan Craig Murray hatte die IJU niemals Kontakt zu al-Qaida, sondern sei ein Phantom des usbekischen Präsidenten Islom Karimov[1], wobei Murray als Quelle nicht unumstritten ist: Nachdem die britische Regierung ihn wegen nicht regierungskonformen Handelns von seinem Botschafterposten abgezogen hatte, verfasste Murray ein Buch mit dem Titel Murder in Samarkand: A British Ambassador's Controversial Defiance of Tyranny in the War on Terror.


Geplante Terroranschläge in Deutschland:

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums hat sich die IJU in einem nicht weiter bezeichneten Internetauftritt zu geplanten Anschlägen in Deutschland bekannt, die so eine Schließung des Luftwaffenstützpunkts Termez in Usbekistan erreichen wollte.[5] Allerdings gibt es zu wenig IJU-Material, um die Echtheit des Bekennerschreibens eindeutig zu bestätigen.

Drei mutmaßliche Terroristen, die am 4. September 2007 in Oberschledorn festgenommen wurden ("Sauerland-Gruppe"), sollten diese Anschläge mit ausführen. Die drei mutmaßlichen Terroristen waren angeblich 2006 in einem Terrorcamp in Pakistan und waren Besucher des Islamischen Informationszentrums (IIZ) in Ulm.[6] Zwei der drei mutmaßlichen Terroristen sind deutsche Konvertiten zum Islam, womit es sich in diesem Fall nicht um „importierten“, sondern „hausgemachten“ Terrorismus handelt.[7][8]


Neue Erkenntnisse:

Der usbekische Überläufer Ikrom Yakubov erklärte im ARD-Magazin Monitor vom 25. September 2008: „Die Islamische Jihad Union ist vom usbekischen Geheimdienst ins Leben gerufen worden.“ Im entsprechenden Bericht heißt es: „Mit Terroranschlägen wie in Taschkent habe der usbekische Diktator Karimov sein hartes Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung dem Westen gegenüber rechtfertigen und sich als wichtigen Partner in der Anti-Terror-Koalition empfehlen wollen. Mehrfach habe man deshalb Terror-Organisationen selbst gegründet.10]

Nach Informationen des Stern vom 4. Februar 2009 ermittelt das BKA gegen einen Kontaktmann des türkischen Geheimdienstes MIT und der amerikanischen CIA, der maßgeblich an der Beschaffung der Zünder beteiligt gewesen sein soll.[11]

[...]

 Quellen:

   1. ↑ a b Monitor 4. Oktober 2007 : Al-Quaida in Deutschland - Wer steckt hinter der Terrorzelle im Sauerland? (Video, 8 Minuten)
   2. ↑ Rüdiger Bässler: „Islamische Jihad-Union: Zweifel an Existenz der Terrorgruppe“ taz vom 4. Oktober 2007
   3. ↑ en:Islamic Movement of Uzbekistan
   4. ↑ U.S. Department of State, April 30, 2007: Country Reports on Terrorism; Chapter 6 -- Terrorist Organizations
   5. ↑ „IJU bekennt sich zu den vereitelten Anschlägen in Deutschland“ Pressemitteilung des Bundesinnenministerium vom 11.9.2007
   6. ↑ RÜDIGER BÄSSLER: die tageszeitung 6.9.2007: Die Ulmer Verbindung
   7. ↑ Kai Biermann: „Terrorismus hausgemacht“ In: Die Zeit vom 6. September 007
   8. ↑ „Unter Terrorverdacht - Fritz G. forderte mehr Toleranz in Deutschland“ In: Stern Heft 38/2007
   9. ↑ Monitor, 25. September 2008: Terror in Deutschland: Wer steuerte die Sauerland-Zelle?
  10. ↑ Der Spiegel, 6. September 2008: "Geheimdienste unterwanderten früh die Sauerland-Gruppe
  11. ↑ stern.de, 04.02.2009, 10:38 Uhr: Sauerland-Zelle/Mutmaßlicher CIA-Mann war "der Chef"



Aus: „Islamische Dschihad-Union“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 27. September 2009, 01:20 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Islamische_Dschihad-Union&oldid=64955490 (Abgerufen: 13. Oktober 2009, 15:34 UTC)

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« Reply #141 on: October 19, 2009, 10:05:33 AM »

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[...] Die militärische Aufgabe, die der Revolutionsgarde übertragen wurde, wechselte nach dem Ersten Golfkrieg. Heute obliegt der Garde u.a. die Aufgabe, mögliche gegnerische politische Gruppen zu bekämpfen. Im Kabinett von Präsident Mahmud Ahmadinedschad sind 13 der 21 Ministerposten mit ehemaligen Kommandanten der Revolutionsgarde besetzt, dazu gehört auch das Geheimdienstministerium. Ahmadinedschad selbst erreichte ebenfalls den Rang eines Kommandanten.

Am 25. Oktober 2007 erklärte die US-Regierung die Iranische Revolutionsgarde zur terroristischen Vereinigung.[1]

...

1 # ↑ http://www.ustreas.gov/press/releases/hp644.htm

...


Aus „Iranische Revolutionsgarde“ - Bearbeitungsstand: 30. September 2009, 20:46 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Iranische_Revolutionsgarde&oldid=65093281 (Abgerufen: 19. Oktober 2009, 07:46 UTC)

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[...] Teheran - Die Rebellengruppe, die sich zu dem Selbstmordanschlag auf die iranischen Revolutionsgarden bekannt hat, soll laut Teheran von britischen und US-Geheimdiensten ausgebildet worden sein. Der Heereschef der Revolutionsgarden, Mohammed Pakpur, sagte am Sonntag im iranischen Fernsehen, die Basis der Rebellen befinde sich in den Nachbarländern Irans, dort würden sie trainiert und ausgerüstet.

Festgenommene hätten ausgesagt, dass sie von ausländischen Geheimdiensten ausgerüstet würden, sagte Pakpur, ohne nähere Angaben zu den Festnahmen zu machen. "In diesen Ländern arbeiten US- und britische Geheimdienste", und die Rebellengruppe Dschundallah "wird von den amerikanischen und britischen Geheimdiensten trainiert".

Die sunnitische Rebellengruppe Dschundallah (Gottes Soldaten) hatte sich dem iranischen Staatsfernsehen zufolge zu dem seit Jahren schwersten Anschlag auf die Garde bekannt. Die Organisation kämpft nach eigenen Angaben für die Rechte ihrer Minderheit in dem überwiegend schiitischen Land.

Bei dem Selbstmordanschlag starben am Sonntagmorgen nach Angaben der Nachrichtenagentur Irna mindestens 31 Menschen, die iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete unter Berufung auf informierte Kreise von 49 Toten, im iranischen Fernsehen war am Montag von mindestens 42 Todesopfern die Rede. Unter den Toten sind auch Kommandeure. Zahlreiche Menschen wurden bei dem Blutbad in der Provinz Sistan-Balutschistan im Südosten des Landes verletzt.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte am Wochenende erklärt, der pakistanische Geheimdienst hätte mit den verantwortlichen Personen zusammengearbeitet. Innenminister Mostafa Mohammed Nadschar forderte Pakistan auf, "schnellstmöglich die Terroristen an Iran zu übergeben", wie das staatliche iranische Fernsehen auf seiner Website meldete. Pakistan wies die Vorwürfe am Montag zurück. Ministerpräsident Syed Yusuf Raza Gilani verurteile den "schrecklichen Terrorakt", teilte sein Büro in Islamabad mit.

Nach Ansicht der Behörden könnte die Tat auch einen kriminellen Hintergrund haben. Der Dschundallah wird Verstrickung in den Drogenhandel vorgeworfen. Das Drei-Länder-Eck im Südosten Irans gilt als Hauptroute von Drogenhändlern, die Rauschgift aus Pakistan und Afghanistan nach Europa schmuggeln. Derzeit sitzt Abdul-Hamid Rigi, der Bruder von Dschundallah-Anführer Abdulmalik Rigi, wegen Mordes, Entführung und Drogenhandels in der Todeszelle. Erst im Juli waren 13 Dschundallah-Mitglieder in Zahedan hingerichtet worden.

Zwischen der Dschundallah und iranischen Sicherheitskräften kommt es regelmäßig zu Zusammenstößen. Die Gruppe ist in der Vergangenheit auch für Terroranschläge in der Provinz verantwortlich gemacht worden. Im Mai starben bei einem Anschlag auf eine Moschee in Zahedan 25 Gläubige, rund 80 wurden verletzt.

amz/AP/Reuters


Aus: "Anschlag auf Revolutionsgarden - Iran wirft Westen Terrorunterstützung vor" (19.10.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,655865,00.html

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« Reply #142 on: November 03, 2009, 01:24:26 PM »

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[...] Tel Aviv  - Als Professor Seew Sternhell in der Nacht zum Donnerstag gegen ein Uhr wie jeden Tag aus der Tür seines Hauses in Jerusalem trat, um das Tor seines Grundstücks abzuschließen, explodierte die Rohrbombe. Der 73 Jahre alte Sternhell erlitt leichte Verletzungen am Bein und wurde in ein Krankenhaus in Jerusalem eingeliefert. Schon bald war klar, dass es sich bei dem Anschlag auf den prominenten Geisteswissenschaftler um einen politisch motivierten Terroranschlag handelte. Polizeiminister Avi Dichter sprach von einem "nationalistischen Terroranschlag, der vermutlich von Juden begangen wurde". In der Nachbarschaft des Professors wurden Flugblätter gefunden, auf denen ein Kopfgeld von 1,1 Millionen Schekel (200 000 Euro) für den Tod des Friedensaktivisten ausgesetzt wird. "Die Zeit des Königreichs von Judäa ist gekommen", schreiben die Autoren und fordern einen jüdischen Staat mit religiöser Gesetzgebung im Westjordanland. Und wenn Sternhell auch kein Mitglied von Frieden Jetzt ist, so hat er sich doch mit seinen kritischen Artikeln über die Siedlerbewegung in der Zeitung "Ha'aretz" unter den Rechten viele Feinde gemacht.

 Als Sternhell, der an der Hebräischen Universität in Jerusalem Politikwissenschaft unterrichtet, jüngst mit dem Israelpreis ausgezeichnet werden sollte, gingen seine Gegner bis zum Obersten Gericht, um die Preisverleihung zu verhindern - vergeblich. Sternhell habe in einem Artikel palästinensische Terrorangriffe auf jüdische Siedler gerechtfertigt, begründeten sie ihren Einspruch. In einem 2001 in der "Ha'aretz" veröffentlichen Artikel hatte Sternhell geschrieben, wenn die Palästinenser auch nur ein bisschen Verstand hätten, würden sie ihren Kampf auf die Siedlungen beschränken und keine Terroranschläge westlich der Grünen Linie verüben.
In Israel weckt der Anschlag schmerzhafte Erinnerungen an die Ermordung des damaligen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin während einer Friedensdemonstration 1995.

Das Trauma von damals hat seine Spuren in der Erinnerung hinterlassen. Politiker aller Parteien - darunter selbst der Vorsitzende der Nationalreligiösen Partei, Effi Eitam - verurteilten den Anschlag auf den Professor entschieden. Oppositionsführer Benjamin Netanjahu sprach von den Tätern als "verabscheuungswürdigen Menschen, die nicht Teil des öffentlichen Diskurses in Israel sind". Die mögliche Nachfolgerin von Ministerpräsident Olmert, Tzipi Livni, sagte, der Vorfall könne weder "ignoriert noch toleriert" werden. Israel sei ein Land, in dem "Recht und Gesetz gelten". Sternhell sagte von seinem Krankenbett aus, sollten die Täter ihn verängstigen oder zum Schweigen bringen wollen, müsse er sie enttäuschen. "Mich kann man nicht einschüchtern."

...


Aus: "Nach Anschlag: Angst vor jüdischen Extremisten in Israel" Von Michael Borgstede (27. September 2008)
Quelle: http://www.welt.de/welt_print/article2499310/Nach-Anschlag-Angst-vor-juedischen-Extremisten-in-Israel.html

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[...] Am Sonntagabend dann gab die Polizei auf einer Pressekonferenz in Jerusalem bekannt, der in den USA geborene Teitel habe den Mord an zwei Palästinensern vor zwölf Jahren gestanden und außerdem die Verantwortung für eine Reihe anderer Anschläge übernommen.

Damit ist überraschend der Täter zahlreicher unterschiedlicher Taten aus dem rechtsextremen jüdischen Spektrum erkannt und gefasst worden. Teitel hat wohl auch den Bombenanschlag auf den linken Professor Seew Sternhell im September 2008 verübt, wenige Monate zuvor hatte er eine als Geschenkpaket zum jüdischen Purim-Fest getarnte Bombe an eine Familie messianischer Juden geschickt. Ein 15-jähriger Junge wurde schwer verletzt. Zwar bezichtigt Teitel sich auch des Anschlags auf ein Schwulenzentrum in Tel Aviv in diesem Sommer, doch hält die Polizei seine Täterschaft in dem Fall für unwahrscheinlich.

Drei Wochen hatte der Geheimdienst den Verdächtigen verhört und ihm dabei Rechtsbeistand verwehrt - ein seltenes Vorgehen, für das nach zehn Tagen die Sondergenehmigung von Generalstaatsanwalt Menachem Masus nötig war. Dann waren sich die Ermittler sicher: Teitel ist ein Einzelgänger, der seine Taten im Alleingang geplant und durchgeführt hat.

...


Aus: "Israels Geheimdienst fasst jüdischen Terroristen" Von Michael Borgstede (3. November 2009, 04:00 Uhr  )
Quelle: http://www.welt.de/die-welt/politik/article5064983/Israels-Geheimdienst-fasst-juedischen-Terroristen.html

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[...] Danny Dajan, der Vorsitzende der Siedlerrats Jescha, bezeichnete die Taten als „verboten und nicht akzeptabel“. Er warnte aber, Israels Linke könne versuchen, den Fall zu instrumentalisieren, und „eine ganze Bevölkerungsgruppe in Misskredit bringen“.

...


Aus: "Jaakow Teitel - Israels Geheimdienst fasst jüdischen Terroristen" (3. November 2009)
Quelle: http://www.morgenpost.de/politik/article1200581/Israels-Geheimdienst-fasst-juedischen-Terroristen.html

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« Reply #143 on: November 05, 2009, 10:57:36 AM »

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[...]  Fünf Jahre lang hat er Puzzleteilchen an Puzzleteilchen gefügt - selten zuvor ist eine verdeckte CIA-Operation so minutiös rekonstruiert worden. Spataro hat dabei zu spüren bekommen, welche Folgen derart detektivische Ausdauer haben kann. Er wurde abgehört, der italienische Geheimdienst ließ ihn beobachten, es gab sogar Ermittlungen wegen Geheimnisverrats gegen ihn. Die Regierung versuchte immer wieder, ihn ruhigzustellen.

"Dieser Prozess wird auch zeigen, ob die politische Macht in Italien inzwischen in der Lage ist, unabhängige Ermittlungen zu beeinflussen - und ob ein Staatsanwalt eine Straftat noch immer als solche verfolgen darf", sagte Spataro vor dem Urteil. Nach dem Urteil zeigte er sich "sehr zufrieden". Auch wenn vermutlich keiner der US-Agenten wirklich ins Gefängnis muss, weil sie außerhalb Italiens leben: "Die Botschaft ist eindeutig", sagte Spataro SPIEGEL ONLINE. "Terrorismus muss im Rahmen der bestehenden Gesetze bekämpft werden." Er hoffe nun, dass in den USA "Mitglieder der Regierung Barack Obamas dieses Urteil zum Anlass nehmen, die Vorgänge um die geheimen CIA-Verschleppungen aufzuklären und offenzulegen".

Spataro kam es vor allem auf die Verurteilung an sich an - auch wenn Richter Oscar Magi beim Strafmaß weit hinter den Forderungen des Staatsanwalts zurückgeblieben ist. Spataro hatte eigentlich jeweils 13 Jahre Haft für den damaligen römischen CIA-Chef Jeff Castelli gefordert und für Nicolò Pollari, den einstigen Chef des Militärgeheimdienstes Sismi. Zwölf Jahre ins Gefängnis sollte Robert Lady, der verantwortliche CIA-Mann in Mailand, der die unrechtmäßige Entführung wohl ablehnte, aber trotzdem koordinierte.

Er sei unschuldig, hatte Lady noch im Juni in einem Interview beteuert. Abu Omars Entführung sei keine kriminelle Operation, sondern eine Staatsangelegenheit gewesen - "entschieden und ausgeführt im Namen des Kriegs gegen den Terror. Ich war nur ein Soldat in diesem Krieg". Seine italienische Pflichtverteidigerin, die Mailänder Anwältin Arianna Barbazza, forderte deshalb einen Freispruch für ihn und weitere elf US-Agenten, die sie vertrat. "Wenn sie verurteilt werden, dann werden Personen verurteilt, die Befehle ausgeführt haben", sagte sie vor dem Urteil SPIEGEL ONLINE. "In diesem Sinne ist dieser Prozess dann ein politischer Prozess." Man habe es nicht mit einer Gang von Banditen zu tun, die einen Araber entführt habe, sondern mit Leuten, die auf Anweisung gehandelt hätten.

Die italienische Staatsanwaltschaft hatte Lady strafmildernde Umstände angeboten, wenn er als Kronzeuge gegen die CIA aussagt. Aber das konnte und wollte der Ex-Agent wohl nicht annehmen - obwohl der US-Geheimdienst ihn längst fallen gelassen hat. Lady wurde ein Anwalt verweigert und generell so getan, als fände der Prozess in Italien gar nicht statt. An diesem Mittwoch sagte ein Sprecher des Außenministeriums kaum mehr als: "Wir sind enttäuscht über dieses Urteil."

Dabei ist der CIA sehr wohl klar, wie brisant der Fall in Italien für sie ist. Spataro hatte zu Beginn der Ermittlungen nur eine Liste mit mehr als 10.000 verschiedenen Handyverbindungen in der Sache - mit ihnen als Grundlage und akribischer Recherche entwickelte er die komplette Anklage. Am Anfang glaubte er, nur die CIA sei an der Operation beteiligt - am Ende standen auch sieben italienische Agenten vor Gericht. Wie umfangreich seine Ermittlungen waren, zeigte schon die Länge seines Plädoyers. Allein für den ersten Teil Anfang Oktober brauchte er sieben Stunden, den zweiten schaffte er in knapp neun. Den Hergang der Ermittlungen schilderte er dem Gericht in einer aufwändigen Powerpoint-Präsentation: "Sonst hätte das niemand mehr verstanden."

Seine Gegner haben immer wieder versucht, ihn zu stoppen. Spataro untersuchte auch die Taten der eigenen Regierung, schilderte im Prozess Details der Zusammenarbeit zwischen italienischem und US-Geheimdienst. Im März entschied das italienische Verfassungsgericht auf Betreiben der Regierung Silvio Berlusconis, dass alle Unterlagen über diese Beziehungen zwischen den Diensten dem Staatsgeheimnis unterliegen. Für den Staatsanwalt ein harter Schlag, denn viele Beweise zur Beteiligung italienischer Agenten an der Operation durfte er seither nicht mehr verwenden - darunter mitgeschnittene Telefongespräche und mehrere Zeugenaussagen wie jene des ehemaligen Sismi-Chefs Gianfranco Battelli. Er sagte, der italienische CIA-Chef Jeff Castelli habe ihn in einem Gespräch gebeten, bei Entführungen terrorverdächtiger Personen zu kooperieren.

Andere Beweise zur Zusammenarbeit der Dienste brachte Spataro trotzdem vor Gericht ein, die Aussage des italienischen Carabinieri-Polizisten Luciano Pironi zum Beispiel. Er hatte Abu Omar auf der Straße gestoppt und nach Ausweispapieren gefragt, bevor die US-Agenten den Islamisten mit Reizgas attackierten. Pironi sagte aus, Robert Lady selbst habe angefragt, ob man bei der Operation mitmachen könne. Er habe gesagt, es gebe eine Vereinbarung zwischen CIA und Sismi zur geplanten Entführung. Auch ein ehemaliger Oberst des italienischen Geheimdienstes bestätigte, dass der Sismi in die Planung der Tat eingeweiht war.

Ist nun auch diese Aussage als geheim einzustufen? Wie weit darf das Staatsgeheimnis gehen, für welche Dokumente gilt es tatsächlich? Zentrale Fragen in dem Mailänder Prozess - mit einer einfachen Antwort, sagte Spataro in seinem Schlussplädoyer: "Staatsgeheimnisse dürfen in einer Demokratie nicht als Vorwand benutzt werden, um eine kriminelle Handlung zu verschleiern."

Die Verteidiger warfen dem Staatsanwalt vor, seine gesamte Beweisführung sei unzureichend und basiere auf einer permanenten Verletzung des Staatsgeheimnisses. Sie forderten ausschließlich Freisprüche. Insofern hat der Mailänder Richter Magi an diesem Mittwoch nicht nur über Schuld oder Unschuld der italienischen und US-Agenten entschieden, nicht nur über die Rechtmäßigkeit von Entführungen im Anti-Terror-Kampf - sondern auch darüber, ob eine europäische Regierung sich unter dem Vorwand des Staatsgeheimnisses ihrer Verantwortung vor dem Gesetz entziehen darf.


Aus: "Urteil im Fall Abu Omar - Italiens Justiz rechnet mit CIA-Kidnappern ab"
Aus Mailand berichtet Britta Sandberg (04.11.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,659337,00.html

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« Reply #144 on: November 24, 2009, 11:58:50 AM »

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[...] Michael Buback, der Sohn des 1977 von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, stellt 30 Jahre nach dem skrupellosen Verbrechen fest, dass vieles an der offiziellen Version über das Attentat nicht stimmt. Er begibt sich auf eine akribische Suche nach der Wahrheit, studiert die wenigen ihm zugänglichen Akten und spricht mit Augenzeugen und damaligen Ermittlern. Der Fall schlägt hohe Wellen in den Medien, neue Fakten kommen ans Licht, und bald werden die düsteren Ahnungen für ihn zur Gewissheit: Die wahren Mörder seines Vaters wurden nie angeklagt.


Aus: "Michael Buback liest" (23.11.2009)
Quelle: http://www.schwarzwaelder-bote.de/wm?catId=11665450&artId=14449707

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[...] Noch nicht abschließend entschieden ist, ob die Aussagen, die Becker Anfang der 80er Jahre beim Verfassungsschutz gemacht hat, entsperrt und damit für eine Anklage zugänglich werden. Die Bundesanwaltschaft hat im Oktober bereits zum dritten Mal beantragt, die Akten gerichtsverwertbar zu machen. Ex-Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte die Sperrung mit dem Informantenschutz begründet. Jetzt muss sein Nachfolger Thomas de Maiziére entscheiden.


Aus: "Becker trotz Mordverdacht bald frei?" VON CHRISTIAN RATH (19.11.09)
Quelle: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1258613437888&openMenu=987490165154&calledPageId=1013016724320&listid=1018881578370


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[...] Die Terroristen, es sind Verena Becker und Günter Sonnenberg, eröffnen das Feuer. Jacobs wird von Becker in den Unterarm getroffen, bleibt wie tot liegen. Seliger wird von Sonnenberg erst in die Hand, dann in den Oberschenkel getroffen, er ist wehrlos, doch der Terrorist schießt weiter. Sein gesamtes Magazin feuert Sonnenberg leer, sieben Kugeln treffen Seliger. „Jeder Einschuss war wie der Tritt eines Esels“, schildert er es heute, „danach brannte der ganze Körper und in den Schuhen stand das Blut.“

Um 21.40 Uhr am Sonntagabend hat Anne Will alle Gäste begrüßt, nun sitzt sie bei Wolfgang Seliger. Die Zeit ist gekommen für die Reise in die Vergangenheit. Ruhig, sachlich, bewusst emotionslos, aber dennoch eindringlich schildert der 52-Jährige den Vorfall von damals.

Die Passage, die unter die Haut geht, ist die Antwort auf Wills Frage, wie er das wahrgenommen habe, dass Sonnenberg weiter auf ihn feuerte, obwohl er längst verteidigungsunfähig war. „Es war Mordlust, er wollte mich töten“, sagt Seliger.

Becker und Sonnenberg misslingt die Flucht in Singen, sie werden nach einer wilden Schießerei gefasst. Sonnenberg erleidet einen Kopfschuss – und liegt nach seiner Notoperation auf der Intensivstation des Singener Klinikums nur durch eine Plane getrennt neben Wolfgang Seliger. Sein Kollege Uwe Jacobs kam mit einem Unterarmdurchschuss davon.

[...] Michael Buback, der inzwischen ja auch schon 64-jährige Sohn des ermordeten Siegfried Buback, will [...] wissen, wer seinen Vater getötet hat. Die dafür Verurteilten Folkerts und Christian Klar dürften es wohl nicht gewesen sein, viele Indizien sprechen dafür, dass die inzwischen wieder verhaftete Verena Becker doch eine maßgebliche Rolle spielte bei dem Attentat.

„Für mich ist sie die Person, die vom Motorrad aus geschossen hat“, sagt Michael Buback unbeirrt auch bei Anne Will. Ex-Terrorist Boock fordert in der Sendung seine früheren Kampfgenossen einmal mehr auf, endlich zu reden. Und über alles legt sich bleischwer der Verdacht, dass es seinerzeit, vor mehr als 30 Jahren, nicht nur um den in seiner Brutalität irrsinnigen revolutionären Kampf junger Leute ging, die das Deutschland ihrer Zeit ablehnten und es als „Schweinestaat“ bezeichneten, sondern dass da auch politische Kräfte wirkten, die die zornigen RAF-Chaoten für ihre Zwecke ausnutzten.

„Wir hatten so was wie freies Durchreiserecht durch den fast gesamten Ostblock“, behauptet Boock, „dass dies nicht ohne Geheimdienste gegangen ist, kann sich jeder denken.“ Studiogast Edmund Stoiber hält eine Ost-Verschwörung mit Stasi-Beteiligung für „plausibel“, der damalige Innenminister Gerhart Baum sagt dazu kategorisch „Nein.“

Es gibt ein neues Verfahren gegen Verena Becker. Weitere Aufklärung tut dringend Not, nicht nur wegen der damals unmittelbar Betroffenen, sondern gerade wegen der jüngeren Generation. Anne Wills Sendung hatte den größten Marktanteil in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen. Im Chat wurde Wolfgang Seliger von einem Schüler aus Singen gefragt, ob er zu einem Gespräch im kleinen Kreis vorbei kommen würde. Seine Antwort: „Anrufen, dann machen wir sofort einen Termin aus.“


Aus: "RAF-Opfer Seliger aus Singen bei "Anne Will"" Autor? (24.11.2009)
Quelle: http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/singen/RAF-Opfer-Seliger-aus-Singen-bei-Anne-Will;art372458,4048801

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[...] Wolfgang Seliger war 20 Jahre alt, ein Polizist in der Ausbildung, als er 1977 in Singen auf die Terroristen Günther Sonnenberg und Verena Becker in einem Café stieß und ihre Personalien überprüfen sollte.

Als er sie zu ihrem vermeintlichen Wagen begleitete, eröffneten sie das Feuer auf ihn und schossen ihm den Mittelfinger der rechten Hand weg. Anne Will hakt nach. Sonnenberg habe doch sein ganzes Magazin auf ihn verfeuert. Seliger schluckt und erzählt weiter: "Ich lag wehrlos am Boden, suchte Schutz unter einem Auto. Das kann man sich nicht vorstellen. Er wollte mich bewusst töten."

[...] Erst bringt sie [Anne Will] einfühlsam Seliger dazu, sein Lebenstrauma auszusprechen, dann fragt sie Boock: Wie lässt sich eine solche Gewalt begründen? Ich kann verstehen, dass Boock da leicht rot wird. Was kann er schon darauf antworten? "Nein, sie ist durch nichts zu begründen." Aber dass er offensichtlich nicht gut klarkommt, darauf hätte Will mal abheben können.

Ansonsten war es natürlich erstaunlich, eine solche Runde zusammen zu erleben. Hochinteressant zu sehen, wie Baum und Stoiber sich immer noch nicht ihre gegenseitigen Anwürfe von damals verziehen haben.

[...] Michael Buback, Sohn des von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, wühlt dann dieses nostalgische Kränzchen etwas auf, indem er erneut die Herausgabe der Akten im Zusammenhang mit der Ermordung seines Vaters im April 1977 fordert. Die beiden Herren haben kein Argument, das dagegen spricht, außer dass man Innenminister Schäubles Entscheidung respektieren müsse. Warum?


[...] Warum findet das ein Baum, der bei Will gleichzeitig sagt, die Bundesrepublik sei durch den RAF-Terror zu keiner Zeit als Ganzes gefährdet gewesen. Und warum, Frau Will, haben Sie da nicht mal nachgehakt?


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Aus: "Springer und RAF gehören zusammen" Von Natalie Soondrum (23.11.2009)
Quelle: http://www.fr-online.de/top_news/?em_cnt=2098062

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[...] Wir wissen nicht, ob Verena Becker in ihrer Haftanstalt abends fernsieht und wenn, ob sie solche Sendungen einschaltet. Sie hätte einen Mann aus ihrer Vergangenheit wiedersehen können, den Polizisten Wolfgang Seliger, der als zwanzigjähriger Beamter 1977 in Singen ihre Ausweispapiere sehen wollte und dann von ihr und Günter Sonnenberg zusammengeschossen wurde. Sie schossen ihm in die Hand, dann in den Oberschenkel. Anne Will fragt behutsam, präzise. Seliger zögert kurz, fügt an, „dann ging es weiter“. Sonnenberg leerte sein ganzes Magazin auf den wehrlos am Boden liegenden Mann, eine Orgie der Gewalt.

Es war eine schwierige Sendung, eine Lektion in angewandter Geschichtswissenschaft und deren Risiken.

[...] Der Polizist, der - man weiß bis heute nicht, warum - Ohnesorg in einer Seitenstrasse erschoss, war zugleich ein höchst engagierter Agent der Stasi. Zwei Strafverfahren und etliche journalistische wie wissenschaftliche Arbeiten haben dieses Tatsache nicht zutage gefördert. Diese Erkenntnis erschüttert alles.

[...] Die Sendung zerfiel in zwei Teile: im ersten wurde noch versucht, das vertraute Narrativ von der Radikalisierung der Studentenproteste als Reaktion auf die nationalsozialistisch belastete Elterngeneration zu wiederholen, aber es geschah nur mehr vorsichtig tastend, als würde das dünne Eis vielleicht gar nicht mehr tragen. Dass wichtige Bücher von Gerd Koenen und Bettina Roehl unterdessen die komplexen Vorgeschichten von Gudrun Ensslin und Urike Meinhof erhellt haben, und zwar auf eine Weise, die gar nicht in dieses naive Verlaufsschema passt, sei hier nur erwähnt.

Im zweiten Teil ging es um die Recherchen von Michael Buback nach den Mördern seines Vaters. Jahrelang wurde der Mann ausgelacht, nun sitzt die Frau, die er für die Täterin hält, seit Sommer in Haft. Erklären kann das niemand. So schwankt der Boden, auf dem die Geschichte der RAF bislang so seelenruhig diskutiert werden konnte, beträchtlich.

[...] Das sagte dann auch Edmund Stoiber. Es war einer seiner besten Auftritte. Bescheiden, nachdenklich. Immer wieder sagte er, was Politiker selten sagen und gestern zum Leitsatz der gesamten Sendung wurde: Ich konnte mir das nicht vorstellen. Dass Kurras bei der Stasi war. Dass Verena Becker viel stärker am Mord des Generalbundesanwalts beteiligt war, als es immer hieß. Und dass sie dann doch, in diesem Sommer, festgenommen wurde.

Der Bruch zwischen dem alten und dem neuen Narrativ bezüglich des deutschen Linksterrorismus wurde vollends in einem kurzen Austausch zwischen Gerhard Baum und Michael Buback deutlich. Baum sprach selbstkritisch von den überzogenen repressiven Maßnahmen des Staates, dass man also mit bestimmten strafrechtlichen Instrumenten weit mehr Menschen haftbar gemacht hat, als das zuvor in Mordprozessen möglich gewesen wäre. Doch Buback entgegnete, im Falle von Verena Becker sei sie ja gerade herausgenommen worden aus dem Verfahren zu den Morden von Karlsruhe. Alle möglichen unschuldigen Menschen hat man drangsaliert und für Dinge verurteilt, die sie nicht begangen haben, aber diese Frau wurde anders behandelt. Warum?

[...] Die Geschichten der Opfer wurden erst in den letzten Jahren wirklich wahr genommen. Die Rolle der Geheimdienste ist noch völlig ungeklärt. Interessant war es, noch einmal von Peter Jürgen Boock zu hören, dass alle RAF Mitglieder ungehindert durch die Ostblockstaaten reisen konnten. Michael Buback zitierte in diesem Zusammenhang Corinna Ponto mit dem Satz, die RAF-ler „hingen an Fäden, deren Enden sie gar nicht sahen.“

Unerwähnt blieb in der Sendung leider auch der Mord an Alfred Herrhausen, der sich zum zwanzigsten Mal jährt und der nicht aufgeklärt ist. Unerwähnt blieben die internationalen Bezüge, etwa nach Italien, wo Forscher heute sehr deutlich die aktive Rolle der Dienste bei der - einer perversen politischen Dialektik anhängend - Unterstützung des Linksterrorismus benennen.

Justiz, Wissenschaft und Medien scheinen gar nicht über adäquate Instrumente zu verfügen, den wirklichen Fragen zur Geschichte des Linksterrorismus beizukommen. Vielleicht ist es auch ein Mangel an der deutschen Vorstellungskraft, jedenfalls beschloss man den Fernsehabend mit der Ahnung, dass dies nicht die letzte Sendung gewesen sein dürfte, in der es hieß: Ich habe mir das gar nicht vorstellen können.

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24. November 2009

Es ist alles noch zu früh
Heinz Rehbein (rehbein2)

Es ist alles noch zu früh für die Wahrheit, und es ist immer so, wenn maßgebliche Leute noch in ihren Funktionen sitzen, oder deren Nachfolger gleiche Interessen hegen.
Ich will nicht inhaltlich auf die Diskussion eingehen, nur ein Beispiel für "ganz viel Zeit" anführen. Am Sonntag Vormittag um 9:15 zeigte Phoenix den Beitrag: Globke - der Mann hinter Adenauer. Wie man weiß, hat es ja im Fall Globke eben auch mehrere Jahrzehnte gedauert, ehe an´s Tageslicht kommen (durfte), welche Deals u.a. CIA, Organisation Gehlen (dann BND), Vatikan, weitere Dienste vor und in der BRD mit und um Globke hatten. So dass man z.B. als westdeutscher CDU Politiker in den 60er Jahren froh sein musste, dass - Zitat aus dem Phoenix Begleittext zur Sendung - "...im Prozess gegen Adolf Eichmann nicht einmal (Globke´s) Name auftauchte" - und dass Eichmann endlich nicht mehr (über Globke) reden konnte.
So einen Geschichtsunterricht hätte ich mir (Abi 77) gewünscht. Also erfahren später vielleicht unsere Kinder, wie das mit den Ermordungen von Buback und Herrhausen wirklich war.


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23. November 2009

False Flag Aktionen von Geheimdiensten
Joachim Mense (JMense)

Liebe FAZ - Sie plädieren doch immer dafür, dass mehr hinterfragt wird und mehr Recherche und Faktenkunde zu gutem Journalismus gehört (den Sie ja häufig bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr finden). Doch warum reden Sie - bis auf den letzten Absatz - so um den heißen Brei: Könnte es nicht so gewesen sein, dass die Geheimdienste, also allen voran der BND, mit dieser false flag-Aktion Herrn Buback auf dem Gewissen haben und die Terroristen nur nützliche Idioten waren? Diesen Verdacht jedenfalls äußerte Buback junior einige Male, indem er berechtigterweise fragte, warum die Akten zu den Vorgängen nicht endlich frei gegeben werden können. Das beredte Schweigen der Herren anwesenden Innenminister war entlarvend. Und ihr vielmaliges Verweisen auf Dr. Schäubles Integrität fast noch entlarvender. Machen wir uns jedenfalls nichts vor: Nicht nur in Italien, auch bei uns hat sich der BND mit solchen false flag-Taten schon nachweislich hervorgetan. In den 80iger Jahren beispielsweise, als der BND in Celle gleich ganze Gefängnismauern wegsprengte. Und später mit selbstgeschmuggeltem Uran. Immerhin war ja auch der Ohnesorg-Mörder einer von den Diensten - wenn auch von der 'Gegenseite'.


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23. November 2009

Waren die Bolschewiki eine Agentur des Zaren?
Lüko Willms (l.willms)

In praktisch jeder revolutionären Partei plaziert die Geheimpolizei des jeweils bekämpften Regimes ihre Spitzel und ggf. auch Provokateure, so auch in der Bolschewistischen Partei (Russische Sozialdemokratie - Mehrheit), die für Demokratie gegen die zaristische Diktatur kämpfte. Deren Rolle wurde nach dem Sieg von 1917 öffentlich bekannt, als damals die Geheimdienstakten des Zarenreichs göffnet wurden. Ist deswegen die Partei gegen den Zaren eine ganz andere Partei gewesen?
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Ist am anderen Ende die NPD denn doch keine faschistische Partei, weil Agenten der bundesdeutschen Geheimdienste bedeutende Rollen in deren Führung spielen?


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23. November 2009

Unglaubhaft, vieles
Herold Binsack (Devin08)

Bezüglich der Rolle der Geheimdienste kommt man wohl kaum an Gerhard Wisnewskis „Das RAF-Phantom“ vorbei, in deren Kontext ja auch die Morde an Herrhausen und Rohwedder gesehen werden. Buback kommt dem sehr nahe. Seiner These hingegen, bzgl. der „Stasi“, scheint er selber nicht zu trauen, von Baum bekräftigt. Eher anzunehmen ist, dass miteinander - auch konkurrierend - verbandelde - Geheimdienste wirkten. Das Beispiel „Italien“ zeigt auch den hochprovokativen Charakter gewisser Aktionen, Aktionen die dem Linksextremismus zugeschrieben, aber letztlich auf womöglich Rechtsextreme mit Geheimdienstverbindungen zurück gehen. Das werden wohl die „Fäden“ gewesen sein, an denen auch die RAF hing. Die Metamorphose eines RAF-Anwalts wie die Mahlers macht doch deutlich, dass diese RAF nicht unbedingt für eine authentische Linke zu stehen hat, mal abgesehen von ihren schwachen theoretischen Grundlagen (Stadtguerilla) und semantischen Extravaganzen (Schweinesystem). Tragisch vielleicht das Schicksal einer gewissen Meinhof, eines immerhin EX-KPD-Kaders (Ditfurth). Mag es Verzweiflung ob der Schwäche der Linke (Meinhof), oder Verirrung (Bader), bzw. Provokation (Mahler/resp. Geheimdienste) sein,entschuldbar ist nichts, nur unglaubhaft,vieles.


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23. November 2009

Anne Will und die große Erkenntnissuche
Christian Widmann (Klingenteichmann)

Als einer der vielen Jungforscher zum Thema Linksterrorismus in den 1970er Jahren wundere ich mich erneut über den Umstand, dass zur gestrigen Debattierrunde kein Historiker eingeladen worden ist. Stattdessen überließ man den üblichen Verdächtigen (der Polizist Wolfgang Seliger sei hier als einzige positive Erscheinung ausgenommen) das Feld, den Forschungsstand zu "aktualisieren".
Wenn dann der heutige Kommentar von Nils Minkmar den Schluss zieht, wonach "Justiz, Wissenschaft und Medien [...] gar nicht über adäquate Instrumente [...] verfügen, den wirklichen Fragen zur Geschichte des Linksterrorismus beizukommen", drängt sich einem der Gedanke auf, die Historisierung von RAF-Terror (und "68"!) habe noch gar nicht begonnen.


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23. November 2009

Wer ermordete Alfred Herrhausen?
Andreas Fleischmann (Flesh_FAZ)

Die Antwort auf diese Frage würde wohl unsere Republik in ihren Grundfesten erschüttern. Man darf daher getrost davon ausgehen, daß im Fernsehen darüber auch in Zukunft nicht offen gesprochen werden wird.


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23. November 2009

gar nichts wird erschüttert.
Horst Dettweiler (dettw)

Das Rechtssystem dieses Staates ist darauf aufgebaut, nur das als Recht wahrzunehmen, was staatskompatibel ist. Seltsamerweise hat sich dieses System, das sich am deutlichsten in der Weisungsgebundenheit der Staatsanwaltschaften manifestiert, seit dem Kaiserreich durch alle Regierungsformen erhalten. Und da dieses System die Deutungshohheit innehat und dies nicht in Frage gestellt wird, wird sich auch nichts ändern, geschweige denn erschüttern.





Aus: "Diese Erkenntnis erschüttert alles" Von Nils Minkmar (23. November 2009)
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub510A2EDA82CA4A8482E6C38BC79C4911/Doc~EF581610B04924369ADA71A1FE4052756~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlenews


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« Reply #145 on: November 30, 2009, 02:29:36 PM »

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[...] Alfred Herrhausen (* 30. Januar 1930 in Essen; † 30. November 1989 in Bad Homburg vor der Höhe) war ein deutscher Bankmanager und Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Er kam bei einem Bombenattentat ums Leben.

[...] Am Morgen des 30. November 1989 verließ Herrhausen sein Haus im Ellerhöhweg in Bad Homburg, um in seinem Dienstwagen zur Arbeit zu fahren. Etwa drei Minuten später detonierte auf Höhe des Seedammweges vor einem Parkhaus eine Bombe, die sich auf einem präparierten Fahrrad am Straßenrand befand. Herrhausen kam bei dem Attentat ums Leben, sein Chauffeur wurde nur leicht verletzt.

Die Bombe befand sich in einem Paket von der Größe einer Schultasche auf dem Gepäckträger des Fahrrads. Der verwendete Sprengstoff TNT war als Platte geformt, die mit einer Kupferplatte beschichtet war. Diese in panzerbrechenden Waffen verwendete Anordnung setzt aufgrund des Misznay-Schardin-Effekts die Explosionsenergie zielgerichtet frei. Als Herrhausens Wagen durch eine vorher installierte Lichtschranke fuhr, explodierte die Bombe, deren Druckwelle genau auf die hintere Seitentür des gepanzerten Mercedes der S-Klasse traf. Ein dadurch abgesprengtes Teil der Türverkleidung trat in den Oberschenkel von Herrhausen ein und verletzte die Schlagader. Seine in dem unbeschädigten Begleitfahrzeug folgenden Personenschützer ergriffen keine Maßnahmen zur Ersten Hilfe. Herrhausen blieb bewusstlos in dem Autowrack liegen und starb innerhalb weniger Minuten an starkem Blutverlust. Es ist möglich, dass sofort eingeleitete Maßnahmen sein Leben hätten retten können.

Sein Fahrer Jakob Nix war durch Splitter an Kopf und Arm verletzt worden. Während die Personenschützer noch in dem Begleitfahrzeug saßen, stieg er aus und ging um das zerstörte Fahrzeug herum zu Herrhausens Tür, die aus den Angeln gerissen war. Wegen seines verletzten Arms konnte er aber nicht zugreifen; es gelang ihm nicht, Herrhausen aus dem Wagen zu ziehen. Er wurde kurz darauf von einem der ersten hinzugekommenen Personenschützer vom Fahrzeug weggeführt. Nix litt noch lange Zeit unter dem Trauma, dass er seinem Chef nicht hatte helfen können, zu dem er in 19 Jahren Dienstzeit ein enges, fast familiäres Verhältnis aufgebaut hatte.[3]

Das Verhalten der Personenschützer blieb nicht ohne Kritik. Als Begründung für die unterbliebenen Hilfsmaßnahmen wurde später auf die Möglichkeit einer Attacke der Attentäter oder einer zweiten Bombe verwiesen. Augenzeugen bestätigten, dass sie sich wohl aus diesem Grunde längere Zeit nicht an das Fahrzeug Herrhausens heranwagten. Diese Begründung war zunächst nicht von der Hand zu weisen, da die Lichtschranke, die die Explosion auslöste, per Hand eingeschaltet wurde, wobei der Lichtstrahl über die Straße vermutlich von dem Speichenreflektor des Fahrrads mit der Bombe zurückgeworfen wurde. Eine solche Aktion erforderte mindestens zwei Personen, nämlich einen Beobachter, der die Annäherung des Herrhausen-Konvois meldete, und eine zweite Person, die zielgenau die Lichtschranke in Betrieb setzte. Selbst wenn die Personenschützer zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, wie die Bombe ausgelöst wurde, so hätten sie doch aus guten Gründen – bei der Entführung des BDI-Präsidenten Hanns-Martin Schleyer war dessen Begleitpersonal getötet worden – mit einem Angriff rechnen müssen. Diesem Argument wurde allerdings entgegen gehalten, dass es ihre Aufgabe war, für den Schutz Herrhausens zu sorgen, und sie daher hätten eingreifen müssen.

Der oder die Urheber für das Attentat konnten nie ermittelt werden. Allerdings bekannte sich die Rote Armee Fraktion am Nachmittag des Mords durch einen Anruf in der Wohnung der Herrhausens zur Tat.[4] Am 2. Dezember 1989 fand man zudem ein Bekennerschreiben[5] der RAF. Autoren, die die RAF-Täterschaft bezweifeln, weisen auf aus ihrer Sicht ungewöhnliche Umstände hin: Die als Baustelle getarnten Arbeiten, bei denen man die Kabel für die Lichtschranke verlegte (sie waren allerdings von kurzer Dauer, wobei nach Angaben von Augenzeugen jedoch nach ihrer Beendigung das Baustellenschild vergessen wurde und wochenlang am Rand der Fahrbahn stand.), der große materielle und technische Aufwand sowie der Einsatz einer Bombe militärischer Bauart mit dem Sprengstoff TNT entsprachen nicht der bisherigen Vorgehensweise der RAF. Überdies waren die auffälligen Vorbereitungen zu dem präzise geplanten Anschlag weder der Polizei noch dem Bundeskriminalamt verdächtig vorgekommen, obwohl Herrhausen offiziell zum Kreis der am stärksten gefährdeten Personen in der Bundesrepublik gehörte und die Umgebung seines Hauses ständig überwacht wurde. Zu den Ungereimtheiten des Falles zählt auch, dass das normalerweise eingesetzte vorausfahrende zweite Begleitfahrzeug laut dem ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Richard Meier kurz vor dem Attentat abgezogen worden war.[6] Es gibt allerdings auch andere Darstellungen, nachdem das vordere Fahrzeug nur weit vorausfuhr.


Täterschaft ungeklärt:

Hinweise auf die Täter ergaben sich aus dem Bekenneranruf und dem Bekennerschreiben der RAF (Kommando Wolfgang Beer), das zwei Tage nach dem Mord in der Nähe des Tatorts gefunden wurde. Ansonsten tappten die Ermittler im Dunkeln. Hans-Ludwig Zachert, damaliger Präsident des Bundeskriminalamts, sagte im März 1991: „In der Terroristenfahndung treten wir auf der Stelle. Bei dem Attentat auf den Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen gibt es noch immer keine brauchbare Spur.”

[...] 

Aktueller Stand:

Wer Alfred Herrhausen tatsächlich ermordet hat, ist nach dem Zusammenbruch der Nonne-Version bis heute ungeklärt. Das offizielle Ermittlungsverfahren läuft gegen Unbekannt.[17] Dass der 1993 während einer Aktion der GSG9 in Bad Kleinen ums Leben gekommene Wolfgang Grams an dem Attentat beteiligt war, gilt als Spekulation. Es gibt weder Beweise noch ernsthafte Hinweise für seine Beteiligung. Es wurde auch nie gegen ihn ermittelt oder ein begründeter Verdacht seitens der Ermittlungsbehörden geäußert. Ebenso gibt es keine Beweise, dass eines oder mehrere der Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank selbst den Anschlag als getarntes RAF-Attentat in Auftrag gaben, um den intern stark umstrittenen Vorstandsvorsitzenden abzulösen.

Laut eines Sprechers der Bundesanwaltschaft wurden die Ermittlungen im Fall Herrhausen im September 2007 wieder intensiviert. Auch die Spur zu einer Spezialeinheit der Stasi, welche Terroranschläge in Westdeutschland planen und durchführen sollte, wurde dabei verfolgt.[18][19]

Aussagen von Birgit Hogefeld

Im Jahr 1997 lehnte das RAF-Mitglied Birgit Hogefeld in einem Gespräch mit dem Magazin Der Spiegel eine Antwort auf die Frage nach einer persönlichen Beteiligung an den Morden an Herrhausen und Detlev Karsten Rohwedder ab.[12]

...




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    * Datum des Abrufs: 30. November 2009, 13:11 UTC

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[...] Am 30. November 1989, einem kalten, aber klaren Winterdonnerstag, waren wie oft morgens gegen halb neun drei dunkle Mercedes-Limousinen den Seedammweg im Kurviertel von Bad Homburg entlanggefahren. Exakt um 8.34 Uhr rauschten sie mit Tempo 50 an einem Fahrrad vorbei, das am Straßenrand vor der Taunus-Therme stand. Dann gab es einen "Wahnsinnsknall", so eine Ohrenzeugin. Die kleine Kolonne hatte einen auf dem Fahrrad deponierten Sprengsatz ausgelöst - indem sie eine Lichtschranke unterbrach.

Mit unheimlicher Präzision traf die Wucht der Explosion die mittlere der drei Limousinen Die Spezialbombe mit sieben Kilo Sprengstoff aus industrieller Produktion schleuderte das 2,8 Tonnen schwere Auto durch die Luft, riss die beiden rechten Türen auf, katapultierte Trümmer mehr als 100 Meter weit - und tötete den Mann auf dem rechten Fondsitz sofort.

[...] In der Nähe fanden Ermittler des Bundeskriminalamtes wenig später, eingeschweißt in eine Klarsichtfolie, ein Blatt mit dem RAF-Symbol und dem Schriftzug "Kommando Wolfgang Beer". Nach Zeugenaussagen waren ein bis zwei mutmaßliche Täter nach der Detonation geflüchtet; wahrscheinlich hatten sie die Sprengfalle scharf gemacht, als sich Herrhausens Kolonne näherte.

In den folgenden Tagen kamen bei mehreren Nachrichtenagenturen und Zeitungsredaktionen identische Bekennerschreiben an. In ihnen hieß es unter anderem: "Am 30. November 1989 haben wir mit dem ,Kommando Wolfgang Beer' den Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, hingerichtet, mit einer selbst gebauten Hohlladungsmine haben wir seinen gepanzerten Mercedes gesprengt." Auf Spuren an diesen Bekennerschreiben hofft die Bundesanwaltschaft nun bei ihrem Bemühen, das Attentat doch noch aufzuklären. An der Briefmarke, mit der eine solche Selbstbezichtigung zum Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback 1977 verschickt wurde, waren in diesem Jahr DNA-Spuren von Verena Becker sichergestellt worden. Das hatte für einen Haftbefehl gegen die Linksextremistin gereicht.

Rund 3500 Indizien und Hinweise hat das Bundeskriminalamt bis heute im Fall Herrhausen ausgewertet, doch nichts davon erwies sich als "heiße Spur". Das lag wahrscheinlich auch an der 1989 verglichen mit heute schlecht entwickelten Kriminaltechnik. So wurden Fingerabdrücke mit Chemikalien behandelt, die sie verzehrten. Auch ein sichergestelltes Haar kann mit neuesten Methoden nicht mehr ausgewertet werden, weil es seinerzeit mit Tesafilm gesichert wurde.

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Frank Wallenta, dem Sprecher des GBA, beschäftigen sich derzeit noch zwei Referate der Behörde mit Ermittlungen gegen die RAF. Insbesondere die Taten der sogenannten dritten Generation der Terrorgruppe, die 1984 bis 1993 Anschläge verübte, sind zum größten Teil bis heute nicht aufgeklärt. Ob mit den neuen Untersuchungen auch das "relativ perfide Vorgehen" beim Herrhausen-Mord geklärt werden könne, sei aber offen.

Gerade dieses Attentat ist bis heute umwirkt von Gerüchten. Es war ein Anschlag von nie zuvor gekannter technischer Perfektion; mittels Lichtschranke hatten deutsche Terroristen noch keine Bombe gezündet. Da es besseren Schutz als die "sondergeschützte" Limousine mit zwei Begleitfahrzeugen schlicht nicht gab, war klar: Einem solchen Anschlag würden auch höchste Repräsentanten des Staates zum Opfer fallen. Der zuständige Abteilungsleiter im BKA, Wolfgang Steinke, sah daher im Herrhausen-Mord eine Warnung: Die Terroristen hätten demonstrieren wollen, dass niemand vor ihnen sicher sei.

Schon unmittelbar nach dem Mord von Bad Homburg kursierten Spekulationen, nicht die Linksterroristen, sondern Geheimdienstler seien verantwortlich. Allerdings waren sich die Verschwörungstheoretiker nicht einig: Sollten sie Stasi-Spezialisten für die Urheber des Schlages gegen den vermeintlichen "Oberkapitalisten" halten? Oder doch eher westliche Agenten, die im Auftrag des "westdeutschen Establishments" den Querdenker Herrhausen "aus dem Weg geräumt" hätten, der zum Beispiel einen Schuldenerlass für Entwicklungsländer empfahl?

Die letzte heute noch inhaftierte Terroristin, Birgit Hogefeld, bestätigte jedoch die Verantwortung der dritten RAF-Generation indirekt, als sie dem "Spiegel" gegenüber Spekulationen über die Beteiligung von Geheimdiensten zurückwies: "In den linksradikalen Zusammenhängen, die ich kenne, hatte dieser Unsinn nie eine Bedeutung." Und die Terroristin Eva Haule sagte: "Hier noch mal klipp und klar: Die RAF war verantwortlich für die Aktionen gegen Alfred Herrhausen, Gerold von Braunmühl und Detlev Rohwedder."

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Aus: " Neue Untersuchung im Fall Herrhausen" Von Sven Felix Kellerhoff und Uwe Müller (30. November 2009)
Quelle: http://www.welt.de/die-welt/politik/article5373495/Neue-Untersuchung-im-Fall-Herrhausen.html

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[..] Es ist eines der prägendsten Bilder in der deutschen Nachkriegsgeschichte: Ein einst gepanzerter, nun zerfetzter und verkohlter Mercedes, der an diesem klaren, sonnigen Herbsttag noch Stunden nach der Tat quer auf der Straße steht. Die Wucht einer sieben Kilogramm schweren Bombe, auf dem Gepäckträger eines Kinderfahrrads versteckt und per Lichtschranke gezündet, hat den Wagen durch die Luft geschleudert.

Die hintere rechte Tür ist aus der Verankerung gerissen. Ein Teil daraus ist in den Oberschenkel von Alfred Herrhausen eingedrungen und hat seine Hauptschlagader verletzt. Er verblutet innerhalb weniger Minuten, sein Fahrer überlebt schwer verletzt.

Das Attentat der Rote-Armee-Fraktion (RAF) auf den Chef der Deutschen Bank am frühen Morgen des 30. November 1989 bewegt die Menschen noch heute.

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30.11.2009 10:10:17

DC Rohwedder: Nix geRAFft?

Bei aller Zustimmung zur Lobpreisung der Verdienste und der moralischen Integrität Alfred Herrhausens - was extrem verwundert ist die lockere Selbstverständlichkeit, mit der in diesem Artikel die RAF als selbstverständlicher Urheber dieses Attentats bezeichnet wird. Mindestens genauso wahrscheinlich ist, dass die eigentlich nicht mehr existente RAF der nützliche I–di–ot war, der sich gegen angebliche Bekennerschreiben ja nicht wehren konnte. Sowohl beim Tod Alfred Herrhausens als auch bei jenem Detlev Karsten Rohwedders standen doch wohl ganz andere Interessen im Vordergrund als die Beseitigung von „Exponenten des Sch_weinestaats“, wie sich die RAF-Generation II ihre Morde schöngeredet hatte. Herrhausen gefährdete mit seinem moralischen Kurs die Profite von Banken, die in weit größerem Ausmaß als die Deutsche Bank Kredite in die dritte Welt vergeben hatten.

Rohwedder stand mit seinem Versuchen, Ostunternehmen (im ursprünglichen Auftrag der Treuhand!) zu erhalten den Übernahmewünschen des Westens entgegen, Seine Nachfolgerin Birgit Breuel praktizierte ja dann ganz brav in Perfektion die Sozialisierung der Verluste der Treuhandvermögen bei radikaler Privatisierung der tatsächlichen Werte.

Alle Vertuschungsaktionen rund um Grams Tod und Verena Beckers nun endlich bekannt gewordenen "Verpflichtungen" gegenüber den Geheimdiensten lassen doch wohl eher Zweifel an den den RAF-Zuschreibungen dieser beiden Morde aufkommen.


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30.11.2009 10:37:30

der.formfehler: Die Macht der Medien…. und die Macht der Mächtigen

Willkommen im Club. Schon bei der Dokumentation letzte Woche in der ARD, wurde wie selbstverständlich das Bild gezeichnet, dass Herrhausen von der versprengten Clique der dritten Generation der RAF chirurgisch aus dem Leben radiert wurde.

Die Ungereimtheiten im Bezug zum ersten Begleitfahrzeug, das sich kurz vor der Attentatsstelle aus dem Staub gemacht hatte, sowie der Bestatzung des Zweiten, die keine erste Hilfe leisteten, obwohl man Herrhausen damit am Leben halten können, werden wie immer nicht erwähnt. Ebenfalls die Tatsache, dass es wohl eine Baustelle geben haben musste, die den Personenschützern im Laufe der Zeit hätte auffallen müssen, denn die Lichtschranke wurde ja in der Straße verlegt.

Nicht desto trotz wird an der Legende gestrickt, dass die RAF wie selbstverständlich diesen Anschlag planen und Ausführen konnte. Wobei sich die Frage stellt: Wer eigentlich von diesen Unbekannten der der dritten Generation, dass gewesen sein sollte? Und die zweite Frage die sich stellt, wer konnte Interesse haben, diesen besonderen Menschen zu töten?! Die RAF oder wer ganz anderes?

Liebe SZ- ich bin erschüttert, dass ihr als journalistische Instanz, in einigen Nebensätzen eine Meinung bildet, die in keinster Weise bewiesen wurde. Warum stellt niemand die Richtigen Fragen zu dem Thema. Warum wird von allen Medien dieses Thema nur sehr einseitig beleuchtet.


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30.11.2009 11:44:48

SandraBeltane: Ich schliesse mich der Meinung meines Vorredners vorbehaltlos an (aus meiner Sicht ein hochklassiger Beitrag) und füge hinzu:

Wenn Ihr, liebe SZ, lieber Spiegel, lieber Stern und sonstige aus der Journaille mal etwas investigativer recherchiert hättet, wären möglicherweise andere Ergebnisse vor 20 Jahren zu Tage getreten.

Festzuhalten ist - und ich gebe NUR Fakten wider:

Herrhausen hat sich mit seiner lobenswerten Idee der Entschuldung der Dritten Welt mächtige und zahlreiche Feinde nicht nur in seiner Bank zugezogen, er hat sich vielmehr in der gesamten Finanzbranche Feinde gemacht. Big Money kann sehr böse werden, wie man weiß.....

Es macht bis heute nicht viel Sinn, warum a u s g e r e c h n e t Herrhausen ein Ziel der RAF gewesen sein soll?!?!?

Es würde mich freuen, wenn die angeblich unabhängige Tagespresse endlich mal nicht als Staatspresse- und Propagandaorgane auftreten würden.

Beste Grüsse

Sandra


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30.11.2009 13:30:25

U.T.: ...

Und schon wieder dutzendweise Verschwörungstheoretiker. Und schon wieder ganz abenteuerliche Geschichtchen, bei denen natürlich alle Beteiligten gaaanz dolle still halten, alles korrupt, die Ermittlungsbeamten vom BKA, die RAFler hamse auch gekauft (wieso kam eigentlich von denen nie 'n Dementi? Die müssten doch stinkesauer sein, dass ihnen das unterschoben wurde, und noch stinkesaurer, da doch die Meuchelmörder von der Wall Street kamen.

Natürlich darf auch die Würze in Form ein wenig lustigen Anti-US-Res.sentiment nicht fehlen, sonst hießen wir ja nicht ca-canaris, was?


Aus: "Alfred Herrhausen - Der gute Mensch aus dem Bankenturm" Von Harald Freiberger (30.11.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/619/495940/text/


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[...] Allein die technische Präzision des Attentats war ungewöhnlich. Noch nie zuvor hatte die RAF derart exakt gearbeitet: Über Wochen müssen die Täter die unterschiedlichen Fahrtrouten ihres Opfers penibel überwacht und dokumentiert haben. Und nicht nur das: Vermutlich tarnten sich die Terroristen als Bauarbeiter, um die Lichtschranke mit Fotozelle zu installieren. Sie konnten dabei sogar ungestört unter der Asphaltdecke der Straße ein dünnes Kabel verlegen, welches mit der am Fahrrad befestigten Bombe verbunden war. Niemanden fiel etwas auf, obwohl die Straße direkt neben Bad Homburgs belebter Taunus-Therme lag.

An der Urheberschaft der RAF gab es kaum Zweifel. Zwei Tage nach dem Anschlag veröffentlichte ein "Kommando Wolfgang Beer" ein Bekennerschreiben im RAF-Duktus. Es verströmte einen abgrundtiefen Hass auf das "System" und versuchte zynisch, den kaltblütigen Mord als Akt der Befreiung zu legitimieren: "Durch die Geschichte der Deutschen Bank zieht sich die Blutspur zweier Weltkriege und millionenfacher Ausbeutung", schrieben die unbekannten Verfasser. Das Unternehmen stehe "an der Spitze der faschistischen Kapitalstruktur, gegen die sich jeder Widerstand durchsetzen muss".

Mit Herrhausen hatte sich die RAF erneut eine Symbolfigur des in ihren Augen repressiven und unmoralischen Kapitalismus ausgesucht. In ihrer Verblendung bestand für sie eine logische Verbindung zwischen dem Umstand, dass Herrhausen als Schüler während der NS-Herrschaft die "Reichsschule Feldafing" besucht hatte, eine Eliteschmiede der Nationalsozialisten, und dass er als Student Mitglied einer schlagenden Studentenverbindung gewesen war. Dass jemand mit seiner Vita zum Lenker der größten deutschen Bank aufgestiegen war - für die Linksextremisten nur ein Beweis für die Verflechtung von Kapital und "rechter" Gesinnung in der Bundesrepublik

Dabei bewies der scheinbar erzkonservative Bankenchef - der 1971 Vorstandsmitglied und 1988 alleiniger Vorstandssprecher der Deutschen Bank geworden war - durchaus Reformwille, sprach sich etwa zugunsten eines teilweisen Schuldenerlasses für Entwicklungsländer aus. Im RAF-Bekennerschreiben wird dies als reines Ablenkungsmanöver interpretiert, um "die bestehenden Herrschafts- und Ausplünderungsverhältnisse längerfristig zu sichern". In Wahrheit eckte Herrhausen aber intern mit solchen Ideen an. In dem Dokumentarfilm "Black Box BRD" deutete seine Witwe Traudl 2001 an, ihr Mann habe kurz vor seiner Ermordung gar vor dem Rücktritt gestanden.

Die Jagd nach den Mördern Herrhausens verlief zunächst erfolglos - bis sich 1991 plötzlich ein vermeintlicher Komplize selbst belastete: Er hieß Siegfried Nonne und hatte bis 1986 als Spitzel des hessischen Verfassungsschutzes die Frankfurter linke Szene ausgehorcht. Der einstige V-Mann lieferte den Fahndern die Details, nach denen sie so lange vergeblich gesucht hatten - und denen sie nun umso bereitwilliger Glauben schenkten.

Nonne behauptete, er habe seine in Tatortnähe gelegene Wohnung den Attentätern wochenlang zur Verfügung gestellt. Besser noch: Er kenne sogar zwei der vier RAF-Täter namentlich - es handele sich um Christoph Seidler und Andrea Klump. Als Experten des Bundeskriminalamts (BKA) in Nonnes Wohnung auch noch Sprengstoffspuren fanden, war der offenbar perfekte Kronzeuge gefunden. Gegen Klump und Seidler ergingen Haftbefehle.

Doch die sensationelle Wende wurde zur Justizposse, die sich über Jahre hinzog und für die Bundesanwaltschaft in einem Desaster endete. Bald wurde bekannt, dass der Kronzeuge Nonne als drogenabhängig und geltungssüchtig galt und bereits mehrmals in psychiatrischer Behandlung gewesen war. In einem ARD-Interview widerrief Nonne zudem seine erste Aussage, die er nur auf Drängen der Ermittler gemacht habe. Dann widerrief er den Widerruf. Außerdem konnte nicht nachgewiesen werden, dass die gefundenen Sprengstoffspuren in Nonnes Wohnung mit dem beim Anschlag verwendeten TNT identisch waren.

Es entbrannte ein Krieg der Gutachter: Ein Psychiater befand Nonne für "uneingeschränkt aussagefähig", ein zweiter urteilte, es sei "nicht menschenmöglich", dass der Kronzeuge die in sich stimmige Geschichte frei erfunden habe. Dabei hatte Nonne genau das schon einmal nachweislich getan und den hessischen Verfassungsschützern in einem anderen Fall eine opulente Lügengeschichte aufgetischt. Erst im Jahr 1999 fällte ein dritter Psychiater in einem 92-seitigem Gutachten ein vernichtendes Urteil: Nonne sei ein "in sich gekehrter Sonderling" und eine "tief gestörte Persönlichkeit" - vermutlich leide er unter einer "schizoaffektiven Psychose".

Nach und nach brachen die Vorwürfe in sich zusammen: Schon 1996 hatte sich der von Nonne beschuldigte Christoph Seidler freiwillig gemeldet und behauptet, er sei nie Mitglied der RAF gewesen. Zudem habe er sich zur Tatzeit im Libanon aufgehalten. Nach nur eintägiger Vernehmung kam Seidler wieder frei. Die zweite Beschuldigte, Andrea Klump, wurde 1999 festgenommen. Sie bestritt ihre RAF-Mitgliedschaft, gab aber zu, eine paramilitärische Ausbildung bei der "Volksfront für die Befreiung Palästinas" absolviert zu haben. Der Mordverdacht gegen sie musste aber schon bald fallengelassen werden. Dennoch konnte Klump 2004 zu zwölf Jahren Haft verurteilt werden - allerdings nicht wegen des Herrhausen-Mordes, sondern auf Grund eines gescheiterten Attentats in Spanien und der Beihilfe zum versuchten Mord.

Auch die letzte spektakuläre These, die die US-Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" 2007 verbreitete, konnte niemals belegt werden: Das Blatt hatte gemutmaßt, hinter dem Anschlag stecke möglicherweise gar nicht die RAF, sondern die DDR-Staatssicherheit. Bis heute gibt so die sogenannte dritte Generation der RAF, die zwischen 1984 und 1998 insgesamt zehn Menschen tötete, die meisten Rätsel auf. Neben dem Fall Herrhausen sind auch die Morde an Treuhandchef Detlev Karsten Rohwedder, Siemens-Vorstandsmitglied Karl Heinz Beckurts, Manager Ernst Zimmermann oder an dem Diplomaten Gerold von Braunmühl weiterhin nicht abschließend aufgeklärt.

Der 30. November 1989 ist aber nicht nur der Tag, an dem die RAF Alfred Herrhausen "hinrichtete", wie sie es in ihrem zynischen Bekennerschreiben ausdrückte. Just an diesem Tag wurde auch, von der Öffentlichkeit wenig beachtet, die RAF-Terroristin Verena Becker aus der Justizvollzugsanstalt im nordrhein-westfälischen Willich entlassen. Sie war 1977 wegen versuchten Mordes in sechs Fällen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden, doch Bundespräsident Richard von Weizsäcker hatte sie begnadigt. Ein Sprecher Weizsäckers gab später zu, der Zeitpunkt von Beckers Entlassung sei "unglücklich" gewesen.

Fast genau zwanzig Jahre konnte Verena Becker ihr Leben in Freiheit genießen, bis sie Ende August 2009 wegen neuer Indizien im Fall des 1977 ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback erneut festgenommen wurde - Ausgang offen. Die Akte Herrhausen zählt hingegen nur noch aus formalen Gründen zu den "laufenden Verfahren".


Aus: "Tod in der Lichtschranke" Redaktion einestages (30.11.2009 )
Quelle: http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/5571/tod_in_der_lichtschranke.html

-.-

Quote
[...] Rätselhaft bleiben auch bis heute die ominösen Sicherheitsleute: Entgegen der landläufigen Vorstellung, die Personenschützer Herrhausens seien BKA-Beamte oder andere Polizisten gewesen, soll es sich bei ihnen jedoch um Angehörige des Werkschutzes der Deutschen Bank gehandelt haben, da Herrhausen kein öffentliches Amt bekleidete und somit nicht von staatlichen Organen geschützt werden konnte. Bis heute wirft die Tatsache, dass das Fahrzeug der Personenschützer zwar vor dem Wagen Herrhausens die Lichtschranke passierte, aber nicht den Zünder der Sprengladung auslöste, drängende Fragen auf. Warum die Männer nach der Explosion Minuten warteten, bis sie zum völlig zerfetzten Herrhausen-Auto liefen, ebenfalls. Und noch mysteriöser erscheint das sich in Kreisen polizeilicher Sondereinheiten hartnäckig haltende Gerücht, wonach einer der Personenschützer kurz nach dem Attentat auf fragwürdige Art und Weise aus dem Leben schied.

Bliebe schließlich die Frage nach der Gefährdungslage Herrhausens: Gut eine Woche vor dem Anschlag sollen beim BKA Attentatsdrohungen gegen den Wirtschaftsmanager bekannt geworden sein. Diese seien geklärt worden, hieß es kryptisch beim Bundeskriminalamt. Doch was kam bei der Klärung heraus? Wer steckte hinter der Drohung und welches Motiv hatten sie oder er? Vielleicht kommt ja jetzt zum 20. Jahrestag des Attentats etwas mehr Licht ins Dunkel des Falls. Oder sollte es auch hier - wie im Fall Verena Becker - eine Akte geben, deren Öffnung dem "Wohle der Bundesrepublik oder eines ihrer Länder" entgegen stünde? Übrigens: An dem Tag, an dem Alfred Herrhausen starb, öffneten sich für Verena Becker die Gefängnistore.

Quote
30. November 2009 07:52
Zweite Grundregel bei Mord
DubhMor (mehr als 1000 Beiträge seit 13.06.02)

Cui bono?

Wer hatte alles einen Vorteil davon, daß der Deutsche Bank Sprecher
weggebombt wurde?

Welche Entscheidungen fielen im Anschluß daran? Möglicherweise war es
ja auch nur ein Exempel... nach dem Motto: "Wenn Du nicht spurst,
dann geht es Dir so wie dem da!"

Also da sollte man alle Vorgänge rund um deutsche Großbanken und
Hochfinanz in der fraglichen zeit genauestens durchleuchten... aber
möglicherweise werden dann die Ermittler auch zu einem Psychiater
geschickt und für "notorisch querulant" erklärt... sowas hat im
Umkreis der Frankfurter Banken ja schon Tradition...

Quote
30. November 2009 12:52
Re: Zweite Grundregel bei Mord
Attoparsec (mehr als 1000 Beiträge seit 12.11.03)

DubhMor schrieb am 30. November 2009 09:25

...

Es ging, wie bei einer Bank nicht anders zu erwarten, bestimmt um
Geld. Die kleinen Sachbearbeiter werden bei zu viel Menschlichkeit
nur gefeuert:
> http://consumerist.com/2009/11/ex-bank-of-america-employee-tells-all-in-youtube-video.html

Die Großen Tiere müssen im ähnlichen Fall eben mit einem großen Knall
daran erinnert werden, wie sie zu spuren haben...


Quote
30. November 2009 09:14
Schaut man nach dem Motiv, ...
Gotan (mehr als 1000 Beiträge seit 31.08.00)

... dann waren die Mörder Herrhausens weder bei der RAF, noch in der
DDR zu suchen, sondern bei den radikalen Kapitalisten der westlichen
Industriestaaten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Herrhausen

Jemand der für ein verantwortungsvolleres Handeln der Banken und
Manager, sowie für Schuldenerlasse gegenüber Entwicklungsländern
eintrat, und auch in der Deutschen Bank selbst eher eine kontroverse
Figur ist, der ist zumindest mal ein sehr merkwürdiges Ziel für einen
RAF-Anschlag.

Quote
30. November 2009 11:14
Re: Schaut man nach dem Motiv, ...
bernstein (316 Beiträge seit 05.10.07)

Gotan schrieb am 30. November 2009 09:14

...

Mein Gott,
hast du mal das RAF Bekennerschreiben gelesen? In deren krenker Logik
war Herrhausen ein lohnedes Ziel. Sein Eintreten für einen teilweisen
Schuldenerlass galt der RAF doch nur als Mittel, die Dritte Welt noch
mehr in Abhängigkeit zu bringen. Und dort noch ganz viele andere
Gründe..
War es ein tolles Ziel einen einfachen Soldaten zu exikutieren, um
ein seinen Ausweis zu kommen. Die RAF _Leute waren und sind Irre und
Linksfaschos, die jegliche linke Politik diskreditieren und über
deren Rationalität man nicht spekulieren sollte.

Und wenn es die RAF nicht gewesen wäre: Ein kleines Dementi hätten
sie schon verschickt. Gell?

Und wenn unsere böse Wirtschaftselite Herrhausen wegen einiger
schöngeistiger Worte zur Dritten Welt und Moral hätte loswerden
wollen? (Mal abgesehen davon, dass Schuldenerlasse in der Regel vom
Stuerzahler finanziert werden.) Dann hätte man ihn abgewählt oder
seinen Vertrag nicht verlängert - der Mann war Angestellter! Und
wenn man ihn hätte dirkeditieren wolle, hätte auch ein Schmudelfoto
gereicht. Also was soll dieser Schwachsinn..?

Quote
30. November 2009 11:33
Re: Schaut man nach dem Motiv, ...
bernstein (317 Beiträge seit 05.10.07)

D'Spayre schrieb am 30. November 2009 11:25

...

> Politik ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Manchmal
> aber auch nicht.
>
> Alles was wir wissen ist, daß die Großfinanz ein Motiv hatte und das
> die RAF-Beteiligung unbewiesen ist. Welche Schlussfolgerungen man
> daraus zieht bleibt jedem selbst überlassen.
>
Hallo!?

Der Mann wollte nicht den Kapitalismus abschaffen, sondern einigen
überschuldeten Ländern sowohl aus moralischen wie aus
wirtschaftspolitischen Überlegungen helfen, um die
(marktwirtschaftliche) Weltökonomie zu stabilisieren und zu beleben!
Ich kann mich persönlich noch gut an den Hass erinnern, mit dem die
linke Szene auch damals Herrhausen begegnete. War sicher vor deiner
Zeit.

Quote
30. November 2009 12:40
Re: Schaut man nach dem Motiv, ...
JohnD (476 Beiträge seit 15.03.02)

bernstein schrieb am 30. November 2009 11:33

...

Manchmal haben die Spinner und die Nutznießer das gleiche Ziel.

...

Herrhausen war als Banker vielleicht Ziel der RAF, aber als
Außenseiter auch Ziel der Raffkapitalisten (*SCNR*).
Die RAF war schon immer vom VS oder anderen unterwandert -->
http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Urbach

Böse Pläne funktionieren dann am Besten, wenn die Ausführenden
glauben, sie hätten einen Vorteil. Der echte Vorteil kann durchaus
auch bei den "Gegnern" liegen...

Quote
30. November 2009 12:46
Re: Schaut man nach dem Motiv, ...
bernstein (318 Beiträge seit 05.10.07)

...

Nochmal: Herrhausen vertrat nur eine gemäßigte Reformfraktion
innerhalb der Wirtschaftselite. Was man halt so auf Empfängen
erzählt. Er hat es wohl sogar ernst gemeint. Schlimmstenfalls hätte
das ein paar 100 Mio DM; gekostet, die der Steuerzahlen weitgehend
hätte blechen müssen. Kein Grund in umzubringen. Wenn die
Wirtschaftselite ihn hätte loswerden wollen, hätte sie ihm einfach
seinen Vorstandsposten gekündigt!







Aus: "Herrhausen-Attentat" Udo Schulze (30.11.2009)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31612/1.html

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« Reply #146 on: December 17, 2009, 11:54:07 AM »

Quote
[...] Als Joachim Neubert (Name geändert) im August hörte, dass die Gruppe "AK Autonome Schweinegrippe" zwei Molotowcocktails auf die Berliner Außenstelle des Bundeskriminalamtes geworfen hatte, schrieb er eine SMS an Berliner Bekannte: "was für eine rache", darunter "liebe grüße".

Rache - Neubert verwendete dieses Wort, weil er eine zunehmende Gewalt von Polizisten beispielsweise auf Demonstrationen wahrnimmt. Dagegen müsse man sich wehren. Damit ist er in der linken Szene nicht allein. "Bei vielen Linksradikalen in meinem Umfeld gibt es ein Verlangen nach Vergeltung", sagt ein Mitglied einer autonomen Gruppe in Freiburg, der in diesem Text Nick genannt werden möchte. "Die Sicherheitsbehörden treten nämlich immer repressiver auf."

[...] Und der Autonome [Tim Laumeyer] aus Freiburg [ ]: "Auch bei uns haben Autos gebrannt und niemand hat sich dazu bekannt. Man weiß doch inzwischen, dass die Polizei anhand solcher Schreiben sehr viel über die Täter erfährt." Die Gewalt sei anonymer geworden.

[...] "Diese Brandstiftungen stehen natürlich für eine Haltung der Ohnmacht", sagt Nick, "aber sie ist wenig zielgerichtet und ohne klare Perspektive." Es sei unklar, wen man angreifen und was man erreichen wolle.

[...] Beide sprechen den Anschlägen jedoch eine gewisse Wirksamkeit zu: "Ich behaupte, es funktioniert", sagt Tim Laumeyer. Er zählt Farbbeutelanschläge auf Luxusbauprojekte in die gleiche Kategorie wie Brandstiftungen bei Autos - und hier lassen sich die Folgen messen. Zwei Investoren, die Häuser mit Nobelwohnungen in Kreuzberg bauten, kämpfen mit Leerstand und haben Sicherheitsdienste engagiert. Diese Möglichkeit der Anschläge, erfolgreich zu sein, heißt Angst machen. Menschen fühlen sich unerwünscht und ziehen deshalb nicht in alternative Viertel. Der Freiburger Nick drückt es so aus: "Das ist Terror."

...


Aus: "Linke Gewalt nimmt zu - Das Verlangen nach Vergeltung" (16.12.2009)
Quelle: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/verlangen-nach-vergeltung/

-.-

Quote
[...] In Berlin ist die Zahl politisch motivierter Straftaten mit linksextremistischem Hintergrund in diesem Jahr nach vorläufigen Angaben um 50 Prozent in die Höhe geschnellt. Die Innenverwaltung zählte allein 143 Brandanschläge, bei denen rund 290 Autos Feuer fingen. Deutschlandweit nahm die Zahl der von Linksextremisten verübten Straftaten nach Auskunft des Bundeskriminalamtes bis September 2009 um 38,9 Prozent zu. Neben Berlin erwies sich dabei Hamburg als Brennpunkt der Gewalt.

...

[...] Uneinig sind sich die Behörden offenbar bei der Einschätzung der linksextremistischen Szene. Dass diese sich auf dem Weg zu einem neuen Linksterrorismus befindet, halten sowohl Körting als auch Ahlhaus für unwahrscheinlich. Anders die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe: Sie hat Ende vergangener Woche die Ermittlungen zu einem Überfall auf eine Hamburger Polizeiwache an sich gezogen - was sie nur tut, wenn sie Gefahr für die innere Sicherheit wittert.

Etwa zehn Autonome hatten Anfang Dezember die Wache 16 mit Pflastersteinen und Benzinflaschen attackiert. Nach Ansicht der Ermittler wollten die Angreifer Polizisten in deren Dienststelle einschließen. "Wir haben in dieser Tat im Moment die Spitze der Eskalation linksextremer und vielleicht linksterroristischer Gewalt", so Bundesanwalt Rainer Griesbaum. Es gelte, "den Anfängen zu wehren".


Aus: "Aufgeschreckte Behörden" Von Jörg Schindler (20.12.2009)
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2156577_Linksextreme-Gewalt-Aufgeschreckte-Behoerden.html
« Last Edit: December 21, 2009, 08:55:15 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #147 on: January 01, 2010, 07:42:04 PM »

Quote
[...] Die USA bereiten als Antwort auf den Attentatsversuch von Detroit Militärschläge gegen al-Qaida-Stellungen im Jemen vor. Das meldeten amerikanische Medien am Mittwoch. US- Militärs seien bereits dabei, Ziele für Luftangriffe auszukundschaften, berichtete der TV-Sender CNN unter Berufung auf Regierungsbeamte.

Der nigerianische Attentäter soll Unterstützung von al-Qaida aus dem Jemen erhalten haben. US-Präsident Barack Obama erteilte den eigenen Behörden eine schwere Rüge: Es habe im Vorfeld des vereitelten Anschlags verheerende Fehler und Lücken im US- Sicherheitssystem gegeben. Als Konsequenz der Beinahe-Katastrophe von Detroit führen die Niederlande als erstes Land Europas demnächst Körperscanner für US- Reisende ein, die Waffen und Sprengstoff am Körper sichtbar machen. In Amsterdam war der nigerianische Attentäter Umar Farouk Abdulmutallab am 1. Weihnachtstag an Bord der Delta-Maschine gelangt.

CNN sprach von möglichen "Vergeltungsschlägen" der USA im Jemen. Die Ausspähung der Ziele geschehe bereits seit längerer Zeit, sei jetzt aber in Zusammenarbeit mit jemenitischen Behörden verstärkt worden, hieß es unter Berufung auf zwei namentlich nicht genannte Regierungsbeamte. Einzelheiten über die möglichen Luftangriffe wurden nicht genannt. Es hieß, die Militärs wollten vorbereitet sein und Optionen vorlegen können, falls Obama den Befehl für einen Angriff erteilen sollte.

Die regionale al-Qaida-Organisation im Jemen hat sich zu dem Attentat bekannt und mit weiteren Terrorakten gedroht. "Ihr werdet bekommen, was ihr fürchtet", hieß es in einer Internet-Botschaft, die amerikanische Anti-Terror-Ermittler für glaubwürdig halten. Auch das Weiße Haus geht inzwischen immer mehr von einer "gewissen Verbindung" zu al-Qaida aus, berichtete die Washington Post. Man sei "zunehmend sicher", dass die Terrororganisation den 23-jährigen Nigerianer mit dem Sprengstoff ausgerüstet habe.

[...] Die ersten europäischen Körperscanner sollen spätestens in drei Wochen auf dem internationalen Flughafen Schiphol bei Amsterdam eingeführt werden. Alle Passagiere, die in die USA fliegen wollen, müssen durch den sogenannten Nacktscanner gehen, kündigte Innenministerin Guusje ter Horst an. Weitere Airports und Flugziele sollen folgen. Dadurch werde die Sicherheit an Bord "entscheidend verbessert." Der am Körper des Flugzeugbombers befestigte Plastiksprengstoff wäre mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Körperscanner entdeckt worden, sagte die Ministerin. Dagegen plant die EU-Kommission vorerst keinen neuen Vorstoß zur europaweiten Einführung der Scanner. So wie die derzeit in Deutschland getesteten Geräte arbeiten auch die in Schiphol eingesetzten Scanner auf der Basis von Terahertz- oder Millimeterhertz-Wellen.

Die Innenministerin trat in Den Haag dem Vorwurf entgegen, die Körperscanner würden Persönlichkeitsrechte und die Intimsphäre von Reisenden beeinträchtigen, indem sie „durchleuchtete Menschen nackt zur Schau stellen“. Alle auf Schiphol eingesetzten Scanner würden so eingerichtet sein, dass die "Nacktbilder" in aller Regel allein von Computern analysiert und nicht von Sicherheitsbeamten angesehen werden.

Bei Hinweisen auf am Körper versteckte gefährliche Gegenstände oder Materialien gebe der Computer ein Warnsignal, woraufhin der betreffende Reisende mit den bislang schon in Zweifelsfällen angewandten Methoden der Leibesvisitation kontrolliert werde, erläuterte Ter Horst.

...



Aus: "USA bereiten Vergeltungsschläge im Jemen vor" (30.12.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/679/498965/text/

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Quote
[...] Es gab Gerede in der Terrorszene über einen Anschlag zu Weihnachten. Es gab schließlich die Warnungen des Vaters. Vielleicht noch andere Hinweise, von denen die Öffentlichkeit noch gar nichts weiß. Und nichts ist geschehen.

...


Aus: "Krise der US-Geheimdienste Versagen im großem Stil" Von Reymer Klüver (SZ vom 02.01.2010/aho)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/742/499026/text/


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Quote
[...] Ein Einschnitt war für den heute 23-Jährigen offenbar der von den USA geführte Feldzug der Alliierten gegen den Irak im Frühjahr 2003. "Umars Sichtweise war die, dass unschuldige Menschen litten ohne eigenes Zutun", so Brako. Auch habe Abdulmutallab die Taliban in einer Diskussion im Klassenraum verteidigt. Er glaube, Abdulmutallab habe versucht, für die Muslime einzustehen, sagt der frühere Weggefährte. "Er versuchte, das Gesicht seiner Religion zu wahren."

[...] "Vergib mir, falls ich etwas Falsches tue. Ich bin nicht länger dein Kind." Es war eine Nachricht, die den Vater erschreckte und ihn tätig werden ließ. Am 19. November 2009 informierte er die US-Botschaft in Nigeria: Sein Sohn habe sich radikalisiert und stelle ein Sicherheitsrisiko dar.

Doch der Hinweis ging im Terrorabwehrnetz der USA offenbar verloren. Der Fall des jungen Nigerianers beschäftigt kommende Woche auch einen Krisengipfel der US-Geheimdienste, zu dem US-Präsident Barack Obama geladen hat.

...


Aus: "Detroit-Attentäter Abdulmutallab - "Wir nannten ihn Papst"" (01.01.2010)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,669718,00.html

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Quote
[...] Washington - Kurz nachdem Pannen der US-Sicherheitsbehörden nach dem vereitelten Anschlag auf einen Passagier-Jet in Detroit bekannt wurden, ist nun auch die CIA wegen eines Attentats auf eine CIA-Basis in Afghanistan in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangt. Der Anschlag ist nämlich nach einem Medienbericht von einem als Informanten eingeladenen Afghanen ausgeführt worden. Und der Mann wurde entgegen der Sicherheitsvorschriften bei seiner Ankunft auf der schwer bewachten Geheimdienstbasis nicht durchsucht, berichtete der US-Fernsehsender ABC unter Berufung auf jetzige und frühere CIA-Offiziere. Bei dem Attentat starben mindestens acht Amerikaner, davon sieben CIA-Mitarbeiter. Der Selbstmordattentäter hatte seine Bombenweste in einem Fitness-Raum der Anlage gezündet.

Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu der Attacke vom Mittwoch. US-Präsident Barack Obama würdigte am Donnerstag die Toten als "mutige Amerikaner" und Patrioten, die ein großes Opfer für ihre amerikanischen Landsleute gebracht hätten. US-Medien sprachen hingegen vom wohl blutigsten Schlag gegen den Geheimdienst seit Beginn des Krieges vor acht Jahren.

Im Fall des verhinderten Anschlags auf einen Passagierjet in den USA  wurde nun öffentlich, dass dem geplanten Attentat Sicherheitspannen in Jemen vorausgegangen sind. Sicherheitsbeamte des arabischen Landes teilten am Donnerstag mit, der Täter Umar Farouk Abdulmutallab habe sich noch bis zur ersten Dezemberwoche im Jemen aufgehalten, obwohl sein Visum bereits am 21. September abgelaufen war. Bei der Passkontrolle auf dem Flughafen in Sanaa hätte der nigerianische Staatsbürger aufgehalten werden müssen. Weil die Behörden Hinweise auf Abdulmutallab nicht nachgegangen waren, hatte US-Präsident Barack Obama den Geheimdiensten bereits "potenziell katastrophale" Sicherheitslücken vorgeworfen und von einer "Mischung aus menschlichem und systemischem Versagen" gesprochen.

...


Aus: "Weitere Pannen der USA in der Anti-Terror-Kooperation" (01. Jänner 2010)
Quelle: http://derstandard.at/1262208718129/Weitere-Pannen-der-USA-in-der-Anti-Terror-Kooperation

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Quote
[...] Angst und Entsetzen gehen um in den USA. «Haben die USA aus dem 11. September nichts gelernt?», fragt der TV-Sender CNN.

Nicht nur ein Mal wurde die US-Botschaft in Nigeria in den vergangenen Wochen vom Vater des Attentäters über die drohende Gefahr durch seinen radikalisierten Sohn gewarnt. Nach Angaben von CNN war der Vater sogar zwei Mal persönlich in der Botschaft, zudem habe es mehrere Telefongespräche gegeben - hinzu kamen auch noch Briefe. Kann ein Vater mehr tun, um die US-Behörden auf Trab zu bringen? Ein Rätsel, wie die Sache dann am Ende versanden konnte.

[...] Die Kernfrage, die jetzt in den USA gestellt wird: Wie genau lauteten die Warnungen des Vaters, und wie wurden sie behandelt? Bisherigen Erkenntnissen zufolge sprach der Vater in der US-Botschaft mit den lokalen CIA-Leuten. Diese hätten die Hinweise zwar an die Zentrale in Langley vor den Toren Washingtons weitergeleitet - doch dort seien sie eher als Routinehinweis abgetan worden. Wochenlang habe der Bericht dort gelegen, ohne dass viel geschehen sei. Eine Laxheit, die beinahe zum Tod von fast 300 Menschen geführt hätte.

Schon gehen die beschuldigten Agenten in Stellung. Versuchen, ihre Verteidigungslinie aufzubauen. «Abdulmutallabs Vater hat nicht gesagt, dass sein Sohn ein Terrorist ist», zitiert die «Washington Post» einen Geheimdienstler, der ungenannt bleiben will. «Ganz zu schweigen davon, dass er einen Anschlag plante.»

Immerhin, der besorgte Vater habe berichtet, dass sein Sohn zunehmend im Sinne extremistischer Islamisten indoktriniert sei. Die Frage, die sich Obama jetzt stellt, lautet: Warum kam der 23-jährige Nigerianer zwar auf die Liste von Verdächtigen, die terroristische Kontakte haben, nicht aber auf die «No-Fly-Liste»?

...


Aus: "Analyse: Obama wütend - CIA wieder mal versagt?" (30.12.2009)
Quelle: http://www.zeit.de/newsticker/2009/12/30/iptc-bdt-20091230-364-23421902xml

« Last Edit: January 01, 2010, 07:45:05 PM by Textaris(txt*bot) » Logged
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« Reply #148 on: February 24, 2010, 09:44:34 AM »

Quote
[...] nicht nur die USA, auch Dutzende andere Länder auf der ganzen Welt haben im Kampf gegen den Terror Verdächtige in Geheimgefängnissen festgehalten und damit Menschenrechte verletzt. Zu diesem Ergebnis kommen Experten des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen. In einem neuen Bericht dokumentieren sie Fälle in Ländern wie China, Russland, Syrien, Pakistan, Saudi-Arabien, Indien und Usbekistan. Es ist der erste Bericht, der die Praxis der geheimen Inhaftierungen weltweit untersucht.

Ein Jahr lang haben die Experten Flugdaten recherchiert, offizielle Quellen, Texte von Nichtregierungsorganisationen und Medienberichte ausgewertet und schließlich auch Gespräche mit 24 Betroffenen geführt. Obwohl die Praxis der geheimen Inhaftierung einen klaren Verstoß gegen die Menschenrechte darstelle, werde sie im Namen des Antiterrorkampfes nach wie vor weltweit angewandt, so die Bilanz der Experten. Dies sei ein „ernstes Problem“, heißt es in dem 221-seitigen Bericht, der in einer vorläufigen Fassung auf der Internetseite des Menschenrechtsrates steht.

[...] Alle Fälle von geheimer Inhaftierung müssten untersucht werden, forderte Scheinin. Straflosigkeit dürfe es nicht geben. Zugleich sprechen sich die UN-Experten dafür aus, die Geheimdienste nicht mehr im rechtsfreien Raum operieren zu lassen.

Den Autoren des Berichts geht es keineswegs nur um geheime Haftanstalten wie etwa das CIA-Gefängnis in der Reitschule in Litauen, dessen Existenz erst kürzlich bekannt geworden war.

[...] Die UN-Experten widmen sich den sogenannten renditions – Auslieferungen der USA an andere Staaten, in denen Verhörmethoden nicht kontrolliert werden – ebenso wie den Praktiken in Staaten, in denen nationale Sicherheit und regionaler Antiterrorkampf zum Vorwand für Menschenrechtsverletzungen geworden sind. So sprachen die Experten mit einem Mann, der Ende 2007 im russischen Nordkaukasus festgenommen worden war. In einem Geheimgefängnis in Tschetschenien wurde er verhört, gefoltert und mit dem Tod bedroht.

Der Bericht soll eigentlich bei der Sitzung des UN-Menschenrechtsrates im März offiziell vorgestellt werden. Doch in dem Gremium, dem 47 Staaten angehören, gibt es massiven Widerstand gegen das Papier. So kritisierte ein russischer Diplomat den Bericht während eines Vorbereitungstreffens in der vergangenen Woche scharf und forderte, ihn von der Internetseite des Menschenrechtsrates zu entfernen.

Russland ist keineswegs das einzige Land, das den Bericht lieber in der Schublade verschwinden sähe. Hinter verschlossenen Türen machte in den vergangenen Monaten eine Gruppe von Staaten Druck, um die Veröffentlichung zu verhindern. So schrieb der pakistanische UN-Botschafter am 31. Dezember 2009 an die belgische Präsidentschaft des Menschenrechtsrates. Die Organisation Islamischer Staaten, die Pakistan vertritt, gehe davon aus, dass „dieser Bericht weder in irgendeiner Sitzung des Menschenrechtsrats präsentiert noch als offizielles UN-Dokument veröffentlicht“ werden könne. Außerdem sollten dafür keine Mittel aus dem UN-Budget zur Verfügung gestellt werden. Als Begründung führte der pakistanische Botschafter an, der Menschenrechtsrat habe für die Studie nie ein Mandat erteilt. Wenig später machte der nigerianische UN-Botschafter im Namen der Gruppe afrikanischer Staaten den gleichen Einwand geltend. Der belgische Präsident des Menschenrechtsrats erteilte aber den Bemühungen, die Veröffentlichung des Berichts zu verhindern, eine Absage. Das Thema falle sehr wohl in das Mandat der Sonderberichterstatter und der Arbeitsgruppen, betonte er. Auch Großbritannien hat den Bericht scharf kritisiert, von „unbewiesenen Behauptungen“ war im Außenministerium die Rede. Aber sowohl London als auch Washington sind bereit, den Bericht im Menschenrechtsrat zu diskutieren.

Menschenrechtler gehen davon aus, dass hinter diesem Streit nicht nur der Versuch steht, unliebsame Wahrheiten unter den Tisch zu kehren. Im kommenden Jahr soll die Arbeit des 2006 gegründeten Rates auf den Prüfstand gestellt werden. Es gebe Bemühungen, die Unabhängigkeit der Sonderberichterstatter einzuschränken, sagt Peter Splinter von Amnesty International. Noch ist keine endgültige Entscheidung gefallen, wie mit dem Bericht umgegangen wird. Sonderberichterstatter Scheinin hofft auf einen konstruktiven Umgang: „Es wäre eine Schande, wenn wir nur über Verfahren reden und nicht über den Inhalt.“



Aus: "Streit um Bericht über Geheimgefängnisse" Von Claudia von Salzen (23.2.2010)
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.02.2010)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Geheimgefaengnisse;art123,3038787
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« Reply #149 on: March 04, 2010, 04:59:52 PM »

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[...] Würde man einen idealen Gerichtsprozess inszenieren wollen, dann käme wohl das heraus, was sich im so genannten Sauerland-Verfahren vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf abgespielt hat: Vier junge Männer, die bereitwillig gestehen, den größten islamistischen Terroranschlag auf deutschem Boden geplant zu haben. Dank monatelanger Observation eine Fülle an Beweisen, die kaum Zweifel an den Vorwürfen lassen. Richter, Verteidiger und Bundesanwälte, die um ein faires Verfahren bemüht sind, so dass in den Zeitungen schon von einer "kuscheligen" Atmosphäre zu lesen ist.

Am Ende Worte der Reue und Entschuldigung von den meisten der Angeklagten und das Versprechen ihres Anführers, sich in Zukunft "in keinster Weise an terroristischen Aktivitäten" mehr zu beteiligen. Das alles innerhalb von zehn Monaten: ein rasantes und vergleichsweise kostengünstiges Verfahren für deutsche Verhältnisse. Ein Gerichtsprozess par excellence also, mit erwartbaren langen Haftstrafen am Ende: Zwölf Jahre für den Anführer der Gruppe, Fritz Gelowicz; zwölf Jahre für Daniel Schneider, der bei seiner Flucht auf einen Polizisten geschossen hatte, was seine Strafe erhöhte; elf Jahre für Adem Yilmaz; fünf Jahre für Atilla Selek, der mehr Mitläufer als Antreiber war und deshalb nur wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt wurde.

Richter Ottmar Breidling orientierte sich in seinem wohl letzten Urteil vor seiner Pensionierung eher an den Forderungen der Ankläger, doch eine Revision ist kaum zu erwarten. Dennoch hinterlässt der bislang größte Prozess zum islamistischen Terrorismus einen schalen Nachgeschmack. Denn die frühen Geständnisse verhinderten eine intensive Auseinandersetzung mit den kritischen Aspekten dieses Verfahrens. So blieb bis zuletzt unklar, woher genau die 26 Sprengzünder für die geplanten Bomben kamen und warum die allermeisten gar nicht funktioniert hätten, wie die Techniker des Bundeskriminalamtes herausfanden.

Für die Beschaffung der Zünder war Atilla Selek zuständig, der dabei auf die Hilfe des türkischen Mittelsmannes Mevlüt K. gesetzt hatte. Mevlüt K. allerdings war ein Kontaktmann des türkischen Nachrichtendienstes MIT, der wiederum gute Kontakte zur amerikanischen CIA pflegt. Der MIT hatte nach Recherchen des stern seinen V-Mann Mevlüt K. im Jahr 2004 auch schon dem Bundesnachrichtendienst für eine gemeinsame Operation angeboten, was der BND damals dankend ablehnte, da es bereits zwei Haftbefehle gegen Mevlüt K. in Deutschland gab.

Welche Rolle also die Geheimdienste in der Planung des Anschlags spielten, vermochte das Gericht nicht aufzuklären. Gegen Mevlüt K. wurde im August zwar Haftbefehl erlassen, doch dass dieser jemals vollstreckt wird, ist unwahrscheinlich: Der Mann ist abgetaucht. Die ausführlichen Geständnisse verhinderten auch, dass sich die Richter mit manch fragwürdiger Ermittlungsmethode auseinandersetzten.

Als Beweis, dass sich Fritz Gelowicz und Adem Yilmaz in einem Terrorcamp der Islamischen Dschihad Union (IJU) aufgehalten haben, zogen die Ermittler des BKA einen Zeugen heran, der in Usbekistan in Haft sitzt. Sherali A. gab gegenüber den deutschen Beamten an, die Männer aus Deutschland im Terrorcamp gesehen zu haben. Usbekistan allerdings ist bekannt dafür, dass seine politischen Häftlinge gefoltert werden. Und in Deutschland gibt es ein gerichtliches Verwertungsverbot von Aussagen, die unter Folter entstanden sind. Hätten die Angaben des Zeugen im Sauerland-Verfahren überhaupt verwendet werden dürfen? Und dürfen deutsche Ermittler mit einer Diktatur kooperieren, die wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen weltweit geächtet wird?

Die Antwort der Richter darauf wäre interessant gewesen. Am Ende aber war der usbekische Zeuge für die Beweisaufnahme gar nicht mehr nötig: Die Angeklagten selbst erzählten ausführlich von ihrer Ausbildung im pakistanischen Terrorcamp. Der Düsseldorfer Prozess allerdings hat eines erreicht: Er hat Antworten auf die Frage gefunden, wie sich junge, in Deutschland gut integrierte Männer so schnell von einer radikalen Ideologie beeinflussen lassen, dass sie am Ende gar zum Massenmord bereit waren.

Dank der ausführlichen Geständnisse und einer sensiblen Verhandlungsführung arbeitete das Gericht die verschiedenen Aspekte heraus: Das schwierige Elternhaus der Angeklagten, Probleme in der Schule, der Einfluss von Mentoren im Umfeld einiger Moscheen in Deutschland oder die Bedeutung von Sprachschulen im Ausland, in deren Umgebung sich die Werber für terroristische Ausbildungslager bewegen. Erkenntnisse die entscheidend sind, wenn die Sicherheitsbehörden nun an Konzepten arbeiten, wie die Radikalisierung von jungen Muslimen und Konvertiten frühzeitig zu verhindern ist.



Aus: "Urteil gegen Sauerlandgruppe: Welche Rolle spielten die Geheimdienste?" Eine Analyse von Martin Knobbe
Quelle: http://www.stern.de/panorama/urteil-gegen-sauerlandgruppe-welche-rolle-spielten-die-geheimdienste-1548271.html

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