Author Topic: [Das Halten von Sklaven... ]  (Read 14346 times)

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[Das Halten von Sklaven... ]
« on: June 12, 2008, 10:45:40 AM »
Quote
[...] Mit 13 Jahren lief Abderrahman davon. Er ließ auch seine Familie hinter sich, der Preis der Freiheit. "Die Herren können über uns entscheiden und nie verändert sich etwas. So konnte ich nicht leben."

...


Aus: "Flüchtlinge in Mauretanien: "Als früherer Sklave bist du nichts""
Frederik Obermaier, Ludwigslust, und Niklas Schenck, Berlin (05.06.2012)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/fluechtlinge-aus-mauretanien-als-frueherer-sklave-bist-du-nichts-1.1374517


-.-

Quote
[...] Im April 2006 veröffentlichte Terre des hommes Zahlen, nach denen mehr als 12 Millionen Menschen als Sklaven betrachtet werden müssen. Diese Zahlen wurden später von Seiten der Vereinten Nationen bestätigt. Davon seien etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche. Es handelt sich um Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit.

[...] In fast allen Epochen wurde das Halten von Sklaven auch ideologisch untermauert. Die Griechen teilten die Menschheit in Griechen und Barbaren ein, und es schien nur gut und gerecht, Barbaren zu Sklaven zu machen. Aristoteles behauptete, dass einige Menschen einfach von Natur aus Sklaven seien[10] und es besser für sie sei, überlegenen Menschen als Sklaven zu dienen. Cicero spricht später von Juden und Syrern als „Menschen, die zu Sklaven geboren wurden“, und er meint, dass es einigen Nationen gut tue, wenn sie sich in einem Zustand totaler politischer Unterwerfung befinden. Vor allem die Ansichten von Aristoteles wurden auch später benutzt, um der Sklaverei eine ideologische Begründung zu geben.

So war auch im Mittelalter ein Argument für Sklaverei und Sklavenhandel, dass damit die Christianisierung gefördert werde. Mit den päpstlichen Bullen Dum Diversas (1452) und Romanus Pontifex (1455) wurde es Christen erlaubt, Sarazenen, Heiden und andere Feinde des Christentums zu versklaven und ihren Besitz zu nehmen[6]. Später wurde mit der Bulle Sublimus Dei (1537) festgestellt, dass Indianer und andere Völker echte Menschen sind, die in der Lage sind, den katholischen Glauben zu verstehen. Nun wurde es verboten, ihnen die Freiheit und ihren Besitz zu nehmen.

Im Fall der dalmatischen fante, deren Unfreiheit zeitlich begrenzt war, wurde betont, dass einige Jahre in sklavenähnlichem Arbeitsverhältnis notwendig seien, damit sie ausreichend Zeit zum Lernen hätten. 1510 wurden die Theorien von Aristoteles zum ersten Mal von dem schottischen Gelehrten John Major auf die amerikanischen Indianer angewendet.[11] Noch im 19. Jahrhundert wurden vergleichbare Ansichten vertreten. George Fitzhugh publizierte 1854 ein Buch, in dem er sagte: „Einige Menschen sind mit einem Sattel auf dem Rücken geboren, und andere sind gestiefelt und gespornt, um diese zu reiten. Und es tut ihnen gut!“[12]

[...]

[11] # ↑ Lewis Hanke: Aristotle and the American Indians, A study in Race Prejudice in the Modern World, 1959, S. 14
[12] # ↑ Sociology of the South, or the Failure of Free Society, Richmond 1854, S. 179



Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sklave (8. Juni 2008)

« Last Edit: June 05, 2012, 01:44:05 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Auf einem Industriegelände im Dorf Tschulkowo... ]
« Reply #1 on: June 12, 2008, 10:50:43 AM »
Quote
Spitou Mendy: [...] Jeder kann sich informieren, was für unglaubliche Arbeitsbedingungen auf diesen Plantagen herrschen. Wenn allen klar wäre, dass auf den Tellern in Frankreich, England und Deutschland Früchte landen, die von modernen Sklaven angebaut werden, gäbe es so viel Druck, dass die Plantagenbesitzer ihren Verpflichtungen nachkommen müssten.


Aus: ""Von modernen Sklaven angebaut""
Spitou Mendy erklärt den bitteren Beigeschmack von Discounter-Gemüse aus Andalusien (14.05.2008  )
Quelle: http://www.taz.de/regional/nord/bremen/artikel/?dig=2008%2F05%2F14%2Fa0177&src=UA&cHash=fa28ed81a0

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Quote
[...] Moskau - Auf einem Industriegelände im Dorf Tschulkowo, südöstlich von Moskau, schlug am Wochenende eine Sondereinheit der russischen Polizei zu. Die Einsatzkräfte befreiten 49 Usbeken, die von kriminellen aserbaidschanischen Sklavenhaltern gefangen gehalten wurden.

[...] Die Kriminellen hatten den Usbeken die Pässe abgenommen. Die Arbeiter bekamen seit Monaten keinen Lohn. Ihnen wurde erklärt, sie müssten ihre "Schulden" für ihre Reise nach Russland abarbeiten.

Wer aufmuckte wurde zusammengeschlagen. Fünf Usbeken müssen wegen der Zwangsarbeit längere Zeit medizinisch behandelt werden.

Wie die Nachrichtenagentur Ria Nowosti mitteilt, wurden zwei Aserbaidschaner verhaftet. Sie sollen wegen Freiheitsberaubung und Sklaverei angeklagt werden.


Aus: "SKLAVENHALTUNG IN RUSSLAND - Verschleppt, geschlagen, zum Arbeiten gezwungen"
Von Ulrich Heyden, Moskau (12.06.2008)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,559089,00.html

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Quote
[...] Schauen Sie in die Vergangenheit. Zehntausend Jahre haben sich Menschen andere Menschen als Sklaven gehalten. Nun reden wir uns gern ein, dass die Sklaverei abgeschafft wurde, weil wir so human geworden sind. Aber die Wahrheit ist: Durch die industrielle Revolution ist die Sklaverei überflüssig geworden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt war es billiger, den Ofen eines Kohleofens zu füllen, als den Mund eines Sklaven.



Aus: "Interview: „Langfristig wird die Arbeit verschwinden“ - US-Ökonom Jeremy Rifkin: Deutschland führt Scheindiskussion" (STUTTGARTER ZEITUNG, Stand 12.06.2008, Datum ?)
Quelle: http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/916564_0_2147_interview-langfristig-wird-die-arbeit-verschwinden-.html

« Last Edit: June 05, 2012, 01:44:28 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Dem Hauptzollamt Augsburg zufolge... ]
« Reply #2 on: June 12, 2008, 11:06:22 AM »
Quote
[...] Dem Hauptzollamt Augsburg zufolge sind die Erntehelfer nach bisherigen Ermittlungen von einem württembergischen Agenten angeheuert und zu der Plantage bei Rain am Lech/Donauwörth vermittelt worden. Sie sollen einen Stundenlohn von 1,00 Euro bis 1,20 Euro, der sich nach der gepflückten Menge errechnete, bekommen haben.

„Sie müssen sich mal vorstellen, wie das gelaufen ist. Die wurden quasi zur Nachlese auf die Felder geschickt, wenn zuvor die polnischen Erntehelfer schon beim Pflücken draußen waren“, sagte Sprecher Bernd Wallner. So hätten die Rumänen nur wenig Erdbeeren pflücken können und das, obwohl sie täglich bis zu dreizehn Stunden arbeiten mussten.


Quote

16.06.2007 10:20:19

Ernstol: @DateDoktor: Sklaverei

Ich bin genauso gegen Sklaverei wie Sie auch. Nur habe ich das Gefühl, daß es in unserer Gesellschaft zunehmend Leute gibt, die Sklaverei (Sie können Sklaverei auch eine Erscheinungsform der Globalisierung oder des Kapitalismus nennen...) gut heissen.

Dieses Beispiel des Erdbeer-anpflanzenden verbeamteten Bauern mit Berufserfahrung als Verkehrspolizist zeigt doch geradezu symptomatisch auf welchem Weg unsere Gesellschaft ist:

Dieser Herr hat doch nichts anderes gemacht als deutsche Unternehmen, die ihre Werke in Deutschland zusperren und in China, Indonesien etc. neu aufbauen und dort Billiglöhner anheuern.

Nur dann wird es halt nicht Sklaverei genannt, sondern "überlebensnotwendiger Schachzug um den Bestand des Unternehmens in Deutschland zu ermöglichen". Das sehen zwar die von der Globalisierung unmittelbar Betroffenen (i.d.R. nunmehr arbeitslose ehem. Mitarbeiter) anders, aber für diese Leute gibt es ja Hartz IV. Hartz IV als eine Art Feigenblatt der deutschen Gesellschaft, ihren durch Globalisierung aussortierten Mitbürgern wenigstens noch eine Art Restwürde zu ermöglichen, die sie vor dem 1-Euro-Job auf dem Erdbeerfeld schützen soll.

Vor diesem Hintergrund finde ich es in der Tat unfair, auf den Bauern immer wieder einzuhacken. Sein einziger Fehler war, daß er seine Erdbeerfelder nicht in China hat!


Quote

15.06.2007 20:07:08

mitchiru: erdbeerfelder

Die Geschichte ist denkbar traurig. Nie hätte ich gedacht, dass so etwas in Bayern möglich ist.

Wer Interesse an der Materie hat, der Roman von Marina Lewycka, "Two Caravans" beschreibt das Schicksal einer illegalen Erntehelferin in England. Ich denke, auf deutsch ist der Titel "Caravan".



Aus: "Erdbeerplantage - Bauer hält 118 Rumänen wie Sklaven" - Harte Feldarbeit, Hunger und einen Stundenlohn von 1,20 Euro. Was sich wie Zustände in der Dritten Welt anhört, hat sich tatsächlich auf einer Erdbeerplantage in Donauwörth abgespielt (SZ, 16.06.2007 )
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/artikel/904/118765/


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[1500 Polen sind in Italien verschollen... ]
« Reply #3 on: November 24, 2008, 11:26:45 AM »
Quote
[...] Die polnische Polizei sucht mit Hilfe der italienischen Behörden nach Polen, die seit dem Jahr 2000 in Italien verschwunden sind. Die Vermissten wurden offenbar Opfer krimineller Organisationen.


In den letzten acht Jahren sind in Italien rund 1500 Menschen aus Polen verschwunden. Die italienischen Behörden gehen davon aus, dass die polnischen Staatsbürger zu Opfern mafiöser Organisationen geworden sind. Diese stehen im Verdacht, Immigranten auf den süditalienischen Feldern wie Sklaven auszubeuten. Die Liste der Verschollenen ist auf der Webseite der polnischen Polizei abrufbar, berichtete die Turiner Tageszeitung «La Stampa».

Dutzende von Polen seien in den vergangenen Jahren vor allem in der süditalienischen Region Apulien tot gefunden worden, hiess es. Viele Todesfälle wurden als Unfälle angezeigt, die Polizei vermutet jedoch, dass die Polen Opfer einer Racheaktion ihrer mafiöser Ausbeutung seien. Die meisten der Opfer waren mit dem Versprechen nach Italien gelockt worden, in der Landwirtschaft zu arbeiten.

Die Polizei geht davon aus, dass die Polen in die Maschen krimineller Organisationen geraten sind, die sich seit Jahren mit dem Handel illegaler Immigranten auf den Feldern Süditaliens bereichern. In Süditalien werden laut Schätzungen der Gewerkschaften über 40'000 Schwarzarbeiter beschäftigt, 10'000 davon sind Ausländer. Sie verdienen 20 Euro für zehn Stunden Arbeit auf den Feldern und leben in Baracken ohne Strom und Wasser. (vin/sda)




Aus: "1500 Polen sind in Italien verschollen" (Aktualisiert am 22.11.2008)
Quelle: http://www.bazonline.ch/panorama/vermischtes/1500-Polen-sind-in-Italien-verschollen/story/27898796


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[Es gebe genügend Anlass zu der Befürchtung... (EU)]
« Reply #4 on: December 03, 2008, 12:26:22 PM »
Quote
[...] Wien (AP) In Europa gibt es nach Darstellung der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) einen Schwarzmarkt für ausländische Arbeitskräfte, der praktisch einem Sklavenmarkt gleicht. Selbst Kinder und Jugendliche würden häufig gezwungen, unter menschenunwürdigen Bedingungen zu arbeiten, erklärte FRA-Direktor Morten Kjaerum am Dienstag in Wien. Gegenüber der Nachrichtenagentur AP äußerte er die Sorge, dass sich diese Situation im Zuge der globalen Finanzkrise weiter verschärfen werde. Hunderte, wenn nicht tausende Kinder würden jährlich nach Europa eingeschleust und verschwänden binnen kürzester Zeit, sagte Kjaerum. Es gebe genügend Anlass zu der Befürchtung, dass sie fortan wie Sklaven in illegalen Beschäftigungsverhältnissen ausgebeutet würden. 


Aus: "EU-Agentur für Grundrechte warnt vor Sklavenmarkt in Europa" (02.12.2008)
Quelle: http://www.pr-inside.com/de/eu-agentur-fuer-grundrechte-warnt-vor-r945486.htm


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[Sklaverei im 21. Jahrhundert... (Benjamin Skinner)]
« Reply #5 on: January 08, 2009, 07:30:45 PM »
Quote
[...] Bill steht um fünf Uhr morgens auf, wischt den Boden, kehrt den Hof und setzt das Wasser auf. Er füttert das Schwein, jätet die Beete, und schläft auf dem Boden. Als Mahlzeit kriegt er jeweils eine Hand voll Reste. Bill ist 7 und lebt in Haiti.

Muong sät und erntet Getreide, das er nicht essen darf. Er trägt so grosse Wassermengen, dass sein Rücken kaputtgeht. Er hütet Ziegen und Kühe, sammelt Feuerholz, macht die Hausarbeit, wird geschlagen. Muong ist 12 und lebt im Sudan.

Das Mädchen ohne Namen wird pro Nacht 5- bis 20-mal zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Durchs T-Shirt sieht man Schnittwunden, und die tränenverschmierte Schminke kaschiert nicht, dass die junge Frau am Downsyndrom leidet - und am Leben. Für 2000 Euro ist sie zu haben: «Keine Spielregeln. Was du willst. Für zwei Monate», sagt ihr Besitzer. Sie ist 28 und lebt in Rumänien.

Diese drei Schicksale stehen für Millionen. Aufgeschrieben hat sie der US-Journalist Benjamin Skinner, der in den vergangenen fünf Jahren über 100 Interviews mit Sklaven, Menschenhändlern und Entkommenen geführt hat. In zwölf Ländern auf vier Kontinenten hat er recherchiert und, ein einziges Mal, auch interveniert. In Haiti hat man ihm eine Neunjährige für Hausarbeit und Sex verkaufen wollen, Preis 100 Dollar. Man nennt so ein Mädchen (oder einen Buben) für alles ein «Restavec», verbrämt die Sache als soziale Wohltat - und meint Sklaverei. In der Türkei wiederum wurden Skinner gleich ein Dutzend Frauen aus Moldawien und der Ukraine zum Kauf angeboten - ganz ohne Verbrämung.

Jetzt hat er ein aufrüttelndes Buch zusammengestellt, das auf Deutsch unter dem Titel «Menschenhandel» erschienen ist. Es bestätigt, was etwa die Nichtregierungsorganisation Free the Slaves am 2. Dezember, dem Internationalen Tag der Abschaffung der Sklaverei, in trockenen Zahlen rapportiert hat: Nie gab es mehr Sklaven als heute - Menschen, die mit Drohungen und Gewalt zur Arbeit gezwungen werden, keine Bezahlung erhalten und nicht davonlaufen können. Und es gibt sie überall: 24 Millionen in Asien, 1,3 Millionen in Lateinamerika und der Karibik, 1 Million in Afrika und dem Mittleren Osten, einige Hunderttausend in Europa und Eurasien sowie mehr als 50'000 in den USA. Skinner räumt ein, dass die Zahlen umstritten sind. So zählten die Vereinten Nationen 2006 «nur» 12 Millionen Sklaven; wer hingegen auch die mager entlöhnte, «freiwillige» Kinderarbeit mitrechnet, muss auf weit über 200 Millionen nach oben korrigieren.

Aber Skinner gehts ohnehin nicht um Statistik, sondern um die Sensibilisierung für die Formen moderner Sklaverei, die oft im Verborgenen stattfindet; und, zuallererst, um die Menschen und ihre Geschichten - Geschichten, die es im 21. Jahrhundert gar nicht mehr geben dürfte. Schliesslich wurde die erste Abschaffungsinitiative 1787 ins Leben gerufen, und Artikel 4 der Internationalen Erklärung der Menschenrechte hält seit 1948 fest: «Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen Formen verboten.» Skinners Vorfahren hatten sich im US-Bürgerkrieg für die Abschaffung der Sklaverei stark gemacht. Es war ein Schock für ihn, als er 2003 auf einer Reise für «Newsweek International» im Sudan einen jungen Mann kennen lernte, gleich alt wie er, 27, der keine Jugend gekannt hatte, sondern nur Gewalt und Plackerei; der voller Narben war und ein Analphabet - aber endlich frei: Muong.

Am Beispiel Sudan zeichnet Skinner nach, wie es zur kaum verdeckten, staatlich tolerierten oder gar geförderten Sklaverei kommen kann. Mit der Entdeckung der Ölfelder im Südsudan in den 1980er-Jahren flammte der Bürgerkrieg zwischen den arabischstämmigen Muslimen aus dem Norden und den schwarzafrikanischen, nicht muslimischen Dinka aus dem Süden wieder auf. Nordsudanesische Milizen haben Tausende Dinka verschleppt. Die Männer wurden erschlagen, die Frauen für Hausarbeit und Sex versklavt, die Kinder - die oft auch vergewaltigt wurden - für Stallarbeit. Sklaverei und Genozid gingen Hand in Hand. Und eine internationale politische Verurteilung solcher Praktiken zu erreichen, geschweige denn ein gemeinsames politisches Handeln, erscheint fast als Ding der Unmöglichkeit.

Detailliert beschreibt der Reporter etwa die Bemühungen von John Miller - der von 2002 bis 2006 als oberster Sklavenbefreier der USA amtete. Manchmal ist das zu detailliert, liest sich wie ein Mix aus Politkrimi und psychologischer Studie und gerät dabei auf Nebenschauplätze des Themas. Dass Skinner solche Umwege unterlaufen, liegt freilich am journalistischen Temperament: Jedes der zehn Kapitel zoomt, bei allem Faktenreichtum, auf die persönliche Story seiner Interviewpartner. Skinners Stärke ist die Schilderung von Menschen und Lebensumständen.

Wenn er etwa die Folgen der unseligen Vermischung von traditioneller Kultur, Kolonialgeschichte und Globalisierung in Indien skizziert, zitiert er nicht nur Experten. Sondern er verbringt eine lange Zeit mit Gonoo und seiner Familie und nimmt uns dabei mit. Gonoos ganzes Leben hat sich auf 250 Metern rund um eine Kiesgrube abgespielt. Seine Hände sind verhärtete Schaufeln und von Arthrose verkrümmt, zwei Finger sind futsch; Gonoos Frau macht die Grubenarbeit todkrank, eins seiner Kinder - die er nicht vor der Arbeit bewahren kann - stirbt. 62 US-Cent hatte sich Gonoos Grossvater 1958 vom Besitzer eines Bauernhofes geliehen, um die kleine Mitgift für Gonoos Mutter zu bezahlen: «Drei Generationen und drei Besitzer später lebte die Familie noch immer in Sklaverei.»

In Indien wie überall ist die Leibeigenschaft verboten, und dennoch ist sie gang und gäbe. Dass offizielle Stellen dies leugnen - wie Skinner belegt -, gehört zum Geschäft. Und Sklavenhandel wie Sklavenhaltung sind ein gutes Geschäft, trotz zahlreicher Anti-Sklaverei-Abkommen und Verträge gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse.

Meist ist es die Armut, nicht «die Kultur», die Eltern ihre Kinder verkaufen lässt oder Erwachsene ihre Freiheit und ihr Recht auf Lohn. Bisweilen nehmen sie auch einen Job an, der sich unerwartet als Gefängnis und Folter entpuppt - wie manche junge Frau aus dem Osten oder mancher nach Dubai eingeflogene Bauarbeiter.

Viele Politiker meinen daher, erst mit dem Ende der Armut komme das Ende der Sklaverei und legen die Hände in den Schoss. Skinner dagegen glaubt, dass das Problem im Laufe einer Generation lösbar sei. Seine Stichworte: Krankenversicherung für alle, sodass die Verschuldung wegen Krankheit aufhört; kostenlose Schulbildung für alle, damit die Kinder nicht auf falsche Versprechen hin weggegeben werden; Landrechte und Mikrokredite für geknechtete Landarbeiter; strikte internationale Kontrollen und Sanktionen. Er ruft nach sozialverantwortlichen Unternehmern und kritischen, engagierten Konsumenten. «Wir sind alle gefordert.» Recht hat er. Rufen wird er wohl trotzdem vergeblich. (Tages-Anzeiger)

Quote
Das Buch: Benjamin Skinner, Menschenhandel. Sklaverei im 21. Jahrhundert. Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer. Luebbe. 412 S., ca. 37 Fr.



Aus: "Ein neunjähriges Mädchen kostet 100 Dollar" Von Alexandra Kedves (08.01.2009)
Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Ein-neunjaehriges-Maedchen-kostet-100-Dollar/story/31243372


Offline lemonhorse

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[Für den Weltmarkt hergestellt... ]
« Reply #6 on: May 20, 2009, 12:16:43 PM »
Quote
[...] In einer Textilfabrik in Bangladesch, die für den deutschen Handelskonzern Metro produziert, hat sich eine junge Frau laut einer Hilfsorganisation unter dem Druck ihrer Chefs zu Tode geschuftet. Die 18-jährige Fatema Akter sei im Dezember während ihrer Schicht tot zusammengebrochen, berichtete die US-Organisation National Labor Committee (NLC).

Demnach musste das Mädchen an sieben Tage in der Woche 13 bis 15 Stunden in der Textilfabrik in der Hafenstadt Chittagong arbeiten und pro Stunde bis zu hundert Jeanshosen reinigen. Bei einem regulären Arbeitstag verdienen die Arbeiterinnen nach Recherchen des (NLC) häufig lediglich 69 Cent. Dies reicht nicht, um die Grundbedürfnisse einer Familie zu decken.

Der 18-Jährigen wurde NLC-Bericht zufolge trotz Erschöpfung und Schmerzen in Brust und Armen ein freier Tag zur Erholung verweigert. Stattdessen habe der Vorgesetzte das Mädchen hart ins Gesicht geschlagen und ihr befohlen, ihre Arbeit fortzusetzen. Demnach waren für die Arbeiter in der Fabrik 14-Stunden-Schichten ohne Pause, erzwungene Überstunden und Schläge an der Tagesordnung.

Rund 80 Prozent der in der Fabrik hergestellten Textilien wurden laut NLC für den deutschen Handelsriesen Metro produziert. Der Konzern bedauerte den Todesfall der 18-Jährigen in einer Erklärung "zutiefst" und kündigte den Vertrag mit dem für die Fabrik verantwortlichen Hersteller in Bangladesch mit sofortiger Wirkung.

Menschenrechtsgruppen hatten in der Vergangenheit wiederholt die Arbeitsbedingungen in Bangladesch kritisiert. In Tausenden Textilfabriken in dem südasiatischen Land werden zu Billiglöhnen Waren für den Weltmarkt hergestellt.


Aus: "Frau arbeitet sich zu Tode - Metro-Näherei in Bangladesch" (13.05.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/panorama/851/468416/text/


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[...Kleiderteile für Zara herstellen]
« Reply #7 on: August 18, 2011, 04:07:16 PM »
Quote
[...] Die brasilianischen Behörden ermitteln gegen die spanische Mode- und Textilkette Zara wegen dem Verdacht der Zwangsarbeit. Dies gab ein Sprecher der brasilianischen Aufsichtsbehörde am Mittwoch in Sao Paulo bekannt. Nach seiner Aussage werde Zara vorgeworfen im Bundesstaat Sao Paulo Arbeitnehmer unter Bedingungen zu beschäftigen, die an Sklaverei grenzen würden.

Die Staatsanwaltschaft habe ihre Ermittlungen bereits im Mai diesen Jahres aufgenommen und in Americana, einer Stadt 130 km südlich von Sao Paulo 52 Bolivianer aufgefunden, die schwarz gearbeitet hätten. Ihre Arbeitsbedingungen seien dabei miserabel gewesen, so der Sprecher. Sie hätten unter gesundheitsschädlichen, entwürdigenden Bedingungen gearbeitet, die hygienischen Zustände in den Unterkünften seien äußerst bedenklich gewesen und die Bolivianer hätten "im Schnitt 14 Stunden am Tag" gearbeitet, sagte der Sprecher weiter.

Zudem wurden in Sao Paulo selbst zwei weitere Schneidereien entdeckt, die Kleiderteile für Zara herstellen. Eine Nichtregierungspartei teilte ebenfalls am Mittwoch mit, dass sie Ende Juli bereits 15 Zwangsarbeiter aus den Schneiderateliers befreit hätten. An beiden Orten wurden Kleider der entsprechenden Marke sichergestellt.

Zaras spanischer Mutterkonzern Inditex, der durch die Kette Zara zum größten Kleiderkonzern der Welt geworden ist, nehme Dienstleistungen eines brasilianischen Subunternehmens an, der wiederum mit mehreren illegalen Schneiderateliers zusammenarbeiten würde, erklärte der Sprecher der Behörden. Inditex räumte mittlerweile "Unregelmäßigkeiten" ein. Das brasilianische Arbeitsministerium gab an, das gegen Zara wegen zahlreicher Unregelmäßigkeiten bereits mehr als 50 Mal Bußgelder verhängt wurden seien. Nun hat die Staatsanwaltschaft erneut Anklage erhoben.


Aus: "Brasilianische Behörden ermitteln wegen Zwangsarbeit gegen Zara"
BERLINER UMSCHAU-Meldung vom 18.08.2011
Quelle: http://www.berlinerumschau.com/news.php?id=28216&title=Brasilianische+Beh%F6rden+ermitteln+wegen+Zwangsarbeit+gegen+Zara+&storyid=1001313671843


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[In den heruntergekommenen Wohnwagen und Hütten... ]
« Reply #8 on: September 12, 2011, 05:49:45 PM »
Quote
[...] In den heruntergekommenen Wohnwagen und Hütten hausten 24 abgemagerte Männer im Alter von 20 bis 50 Jahren. Ihre Köpfe waren kahlrasiert, und ihre Kleidung verströmte den Geruch der eigenen Exkremente. Die Sachen eines Mannes waren sogar mit Hundekot verschmiert.

Wie Sklaven hätten die Männer gelebt, sagte der Leiter der Razzia, Sean O'Neil. Die Behausungen seien dreckig und überfüllt gewesen. Zu viert hätten sich die Männer ungeheizte Wohnwagen teilen müssen, andere hätten in Gartenhäuschen, Hundezwingern oder sogar in einem Pferdeanhänger Unterschlupf gefunden. Es gab keine Toiletten und kein fließendes Wasser, und - nach dem körperlichen Zustand der Opfer zu urteilen - wohl auch nicht viel zu essen. Die Sklavenarbeiter, darunter 17 Briten, drei Polen und vier weitere Osteuropäer, brauchten erstmal medizinische Behandlung.

Die Männer waren in Suppenküchen, Obdachlosenheimen und Arbeitsämtern rekrutiert worden. Viele waren gescheiterte Existenzen, dem Alkohol zugetan und vereinsamt, sozusagen die idealen Opfer: Niemand würde sie vermissen.

Die Peiniger hatten den Männern 80 Pfund am Tag, Essen und Unterkunft versprochen. Sobald sie in der Siedlung ankamen, wurden ihnen die Haare abrasiert und die Handys weggenommen. Sie wurden zur Arbeit gefahren, mussten Straßen bauen und andere Tagelöhnerjobs verrichten, zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Den versprochenen Lohn gab es allerdings nicht, und auch frische Kleidung wurde ihnen vorenthalten.

Wer abhaue, werde gefunden und zusammengeschlagen, drohte man ihnen. "Ihnen wurde gesagt: Ihr habt keine Familie, wir sind eure Familie", so Kriminalkommissar O'Neil. Die Einschüchterung wirkte, einer der Männer soll bereits seit 15 Jahren in dem Arbeitslager gelebt haben.

Die britischen Boulevardblätter zogen sogleich Vergleiche zur Nazi-Zeit. "Kahlrasiert, ausgehungert und geschlagen", titelte die "Daily Mail", das seien Zustände wie in einem "Konzentrationslager aus dem Krieg". Die "Sun" fühlte sich ebenfalls an ein Konzentrationslager erinnert und wetterte gegen die "Zigeunerbande, die Sklaven einsperrte".

Die Polizei nahm vier Männer und eine Frau fest, sie werden der Sklaverei beschuldigt. Die Frau wurde am Montag gegen Kaution freigelassen. Nach drei weiteren Verdächtigen wird noch gefahndet. Alle mutmaßlichen Täter sollen irische Traveller sein. Wie Sinti und Roma leben die Traveller in Wohnwagensiedlungen, vor allem in Großbritannien und Irland. Die Green Acres Caravan Site wird bereits seit Jahren von Travellern bewohnt, neben Wohnwagen gibt es dort auch feste Häuser. Die Polizei stellte bei der Razzia auch Waffen, Drogen und mehrere tausend Pfund Bargeld sicher.

Der "Daily Telegraph" nannte das Lager "einen der schlimmsten Fälle moderner Sklaverei". Die Behörden müssen sich allerdings fragen lassen, warum sie erst jetzt eingegriffen haben. In den vergangenen Jahren waren immer wieder einzelne Arbeiter geflohen und hatten von ihrer Qual berichtet, die Polizei hatte Kenntnis von 28 Fällen. Die ersten Hinweise auf die Zustände hatte es bereits 2008 gegeben.

Auch ist es bei weitem nicht der einzige Fall in Großbritannien. Paul Donohoe von Anti-Slavery International erinnerte im "Independent" daran, dass schätzungsweise mehr als 5000 Menschen auf der Insel unter sklavenähnlichen Bedingungen lebten. Die meisten stammen aus Nigeria, China und Vietnam. Die Hälfte sind Frauen, die häufig als Prostituierte oder Haushaltshilfen arbeiten, ein Viertel sind Kinder.

...


Aus: "Großrazzia in England - Sklavenhalter im Wohnwagen" Von Carsten Volkery, London (12.09.2011)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,785775,00.html


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[Moderne Sklaverei auf vier Rädern... ]
« Reply #9 on: May 31, 2012, 02:33:31 PM »
Quote
[...] Stundenlöhne von 3 Euro, 14-Stunden-Schichten, alltägliche Schikanen. Der Journalist Günter Wallraff hat die katastrophalen Bedingungen der Paketbranche recherchiert.

Die Arbeitsbedingungen der Paketboten enttarnt Journalist Günter Wallraff in der RTL-Reportage und einer Geschichte im aktuellen "Zeitmagazin" jedoch als "moderne Sklaverei". Das System des Unternehmens GLS, das laut Wallraff-Recherchen neben Hermes und trans-o-flex die härtesten Arbeitsbedingungen bietet, und in Deutschland zu den vier größten Paketlogistikern gehört, ist besonders zwielichtig: Die Paketboten arbeiten nicht direkt für das Logistikunternehmen, das seinen Hauptsitz in Amsterdam hat. GLS beschäftigt Subunternehmer, mit denen die Firma individuell Paketpreise aushandelt. In der Regel liegt der bei durchschnittlich 1,30 Euro pro Paket. Die Risiken lagert das Unternehmen an die Subunternehmer aus: Weder für verloren gegangene Pakete, noch für Verkehrsunfälle oder Verstöße gegen die Arbeitszeitgesetze ist GLS somit verantwortlich.

Der Subunternehmer dagegen trägt die Risiken: Ist ein Fahrer krank oder hat er ein Auto zu Schrott gefahren, zahlt der Subunternehmer drauf. Wallraff hat viele Unternehmer kennengelernt, die so in die Insolvenz gerieten, Schulden von über 100.000 Euro anhäuften. Um zu sparen, soll einem "Untergebenen" von GLS geraten worden sein, Leute aus Polen zu engagieren und diese zu fünft im Auto übernachten zu lassen. Das sei schließlich preisgünstiger.

Die Subunternehmer geben automatisch den Druck an die Fahrer weiter. Die Boten bekommen monatlich etwa 1200 Euro brutto von dem Subunternehmer. Egal, wie lange sie für eine Tour brauchen. In der Regel, so hat es Wallraff am eigenen Leib erfahren, hat ein Fahrer einen 14-Stunden-Tag. Und der beginnt nicht selten um fünf Uhr früh. Ein bis zwei Stunden werden zunächst Pakete sortiert und Sprinter vollgepackt. Die Beladung der Wagen wird von GLS als "vorbereitende Arbeit" deklariert - und nicht vergütet. Eigentlich, so gibt es GLS an seine Subunternehmer weiter, ist nach 4,5 Stunden Fahrtzeit eine Pause von 45 Minuten vorgeschrieben. Doch das Fahrtenbuch der Fahrer sei ein "Märchenbuch", erzählt einer der Boten dem verdeckten Kollegen Wallraff. Selbst die Polizei wisse, dass die Bücher der Fahrer ein Witz seien.

Dass die Paketboten den Verkehr gefährden und nicht selten am Steuer einschlafen, sei nicht ungewöhnlich. GLS ist fein raus: Für Verkehrsunfälle ist der Fahrer selbst verantwortlich. Ebenso für Tempoüberschreitungen. Als ein Kollege bei einem Unfall starb, erzählt ein Paketbote in der Reportage, legten die Kollegen einen Tag lang die Arbeit nieder. Geändert hat sich dadurch nichts. Es gab nur mehr Arbeit am nächsten Tag.

Besonders hinterhältig seien jedoch die von GLS aufgestellten Bußgeldkataloge, mit denen das Unternehmen bei Bedarf seine Mitarbeiter unter Druck setzen kann. Wird ein Paket geworfen, kann das 50 Euro kosten, wird die vorgeschriebene Uniform nicht korrekt getragen, darf GLS 25 Euro Strafe verlangen, 100 Euro bei einem nicht abgeschlossenen Sprinter. Wird eine Empfängerunterschrift gefälscht, sind es 250 Euro. 25 mögliche Verstöße hat GLS aufgelistet. Bestraft werden die Mitarbeiter nach Wallraffs Recherchen jedoch eher willkürlich: Als ein Subunternehmer wegen falscher Versprechen und gekürzten Paketpreisen kündigte, rechnete das Unternehmen ihm eine lange Liste nicht mehr nachzuvollziehender Vertragsstrafen auf. 65.000 Euro sollte der Familienvater nachzahlen - sogar für Verstöße an Tagen, an denen seine Sprinter gar nicht unterwegs waren.

Viele der Fahrer seien Ausländer, die sich für GLS versklaven, weil sie keine anderen Jobs bekommen und nicht auf Hartz IV abrutschen wollen, beschreibt Wallraff. Türken, Russlanddeutsche, aber auch Bewohner aus strukturschwachen Gebieten Deutschlands, die als selbstständige Unternehmer auf ein sicheres Einkommen hoffen. "Wir kriegen hier sowieso nur Pack", soll ein GLS-Manager bei einem verdeckt geführten Bewerbungsgespräch für einen Führungsjob gesagt haben. Ob Fahrer oder Subunternehmer - sie alle sind Opfer des GLS-Systems. "Der ist genauso eine arme Sau wie ich", erfuhr Wallraff von einem Paketboten.

... Schon vor einigen Monaten legte ein NDR-Reporter, der wochenlang als verdeckter Paketzusteller bei DHL gearbeitet hatte, in der Undercover-Reportage "Die Paketsklaven" die unzumutbaren Arbeitsbedingungen auf.

Günter Wallraff sieht nun auch die Verbraucher in der Pflicht. Die Verantwortlichen zeigen sich derweil nach der groß angelegten Medienkampagne uneinsichtig. Vor die Kamera trauten sie sich nicht. In einer Stellungsnahme vom Donnerstag heißt es: "Die GLS Gruppe akzeptiert keine despektierlichen Äußerungen über Subunternehmen und deren Fahrer in ihrem Unternehmen. Wir legen Wert auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, die im Rahmen der Gesetze gestaltet wird."


Aus: "Sklaven auf vier Rädern" Von Katharina Miklis (31. Mai 2012)
Quelle: http://www.stern.de/wirtschaft/news/ausbeutung-von-paketfahrern-sklaven-auf-vier-raedern-1834722.html


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[Man muss sich an die Hierarchien gewöhnen... ]
« Reply #10 on: September 17, 2012, 11:14:02 AM »
Quote
[...] In Pakistan verdienen viele Millionen Menschen ihr Geld als Hausangestellte: als Koch, Haushälter, Gärtner, Fahrer, Kindermädchen, Wachmann, als Junge beziehungsweise Mädchen für alles. Der Mindestlohn liegt bei umgerechnet gut 70 Euro im Monat, Gewerkschaften haben vor ein paar Wochen eine Erhöhung durchgesetzt. In der Realität bekommen viele aber nicht einmal die Hälfte, weil ihre Arbeitgeber die Kosten für Verpflegung und Unterkunft abziehen. Die meisten Hausangestellten leben bei ihrem Arbeitgeber, in einem kargen Hinterzimmer. Fast jedes Haus hat ein "servant's quarter". ...

... Man muss sich an die Hierarchien gewöhnen. Wenn man oben steht, fällt es natürlich leicht, zum Beispiel, wenn es um Punkt zehn Uhr an der Bürotür klopft und jemand fragt: "Tea, Sir?" Wenn man nicht kochen, nicht putzen, keine Wäsche waschen muss. Wie lange habe ich schon kein Hemd mehr gebügelt? Der Garten ist groß und doch immer gepflegt. Das Auto glänzt immer. Und wenn keine Zeit für Einkäufe ist, wird selbst das erledigt. Es ist schon ein angenehmes Leben.

... Für die Angestellten ist das Leben alles andere als angenehm. Der Hausmeister zum Beispiel sieht seine Familie nur alle paar Wochen. Seine Frau und die fünf Kinder leben in Kaschmir, etwa sechs Autostunden von Islamabad entfernt, in einer Lehmhütte kleiner als unser Wohnzimmer. Er selbst wohnt direkt neben unserem Haus in einer Art Garage, die ihm unser Vermieter zur Verfügung gestellt hat. Was ist das für ein Leben? Für nicht einmal 100 Euro im Monat?

Die meisten Hausangestellten haben keinen Arbeitsvertrag. Es gibt keine Altersabsicherung, keinen Kündigungsschutz, keine Krankenversicherung. Der Staat versagt auf ganzer Breite. Und die Gesellschaft versagt, weil sie diese Ordnung als gottgegeben hinnimmt. Tun wir zu wenig dagegen? Wenn Arshad oder jemand aus seiner Familie zum Arzt muss, bezahlen wir die Rechnung. Aber was, wenn jemand schwer erkrankt und eine mehrere tausend Euro teure Behandlung braucht? In den meisten Fällen bedeutet für diese Menschen eine Krankheit wie Krebs das sichere Todesurteil. Wer kann sich schon eine Chemotherapie oder eine Operation leisten?

Kürzlich starb in der Nachbarschaft ein Kind an einer Blinddarmentzündung. Die Eltern - sie Haushälterin, er Fahrer - hatten gerade ihre Jobs verloren und deshalb kein Geld für einen Arzt. Wir haben erst nach dem Tod des Jungen davon erfahren. Es ist nicht leicht, damit umzugehen. Die Menschen hier sagen: Es war Gottes Wille. Religion hilft offenbar, das Unerträgliche zu ertragen.

...

Quote
Realitätsfern
bibischmidt heute, 10:38 Uhr
Leider kann ich diesem Beitrag in vielen Hinsichten nicht zustimmen. Meine Familie lebt schon seit über 40 Jahren in Westafrika und wir haben immer Hausangestellte bei uns beschäftigt, die sich immer sehr wohl bei uns gefühlt haben. Uns deshalb Sklavenhalter zu nennen finde ich wirklich schrecklich, verletzend und beschämend. In Afrika stammen die meisten Hausangestellten aus dörflichen Gegenden. Aus diesem Grund haben sie oft keine Ausbildung genossen, die meisten können nicht lesen oder schreiben weshalb sie sehr schlechte Aussichten auf Arbeit haben. Als Hausangestellte zu arbeiten ist deshalb eine gute Alternative für diese Leute, die sonst in Slums wohnen und arbeiten würden, wo sie wenig wenn überhaupt etwas am Tag verdienen. Unsere Hausangestellte leben schon seit Jahren mit uns, sind Teil der Familie geworden und werden sehr gut bezahlt und behandelt. Sie bezahlen keine Miete, keine Strom oder Wasserrechnungen und haben weitaus mehr Urlaub (nämlich wenn meine Eltern nach Deutschland reisen, also 2-3 Monate pro Jahr Urlaub) als andere Arbeitnehmer. Wir gehen mit ihnen zum Arzt, bezahlen Krankenhausrechnungen und Medizinkosten und kümmern uns um sie wenn sie krank sind. Ausserdem kaufen wir Lebensmittel für sie mit ein, die sie sich unter normalen Umständen niemals leisten könnten. Sie wohnen in sicheren Gegenden, haben geregelte Arbeitszeiten und kriegen Weihnachtsgeld. Also alles in allem haben sie sehr viele Vorteile gegenüber anderen Arbeitnehmern, die wirklich wie Sklaven behandelt werden, oder wie erklären wir uns die teilweise billigen Lebensmittelkosten in deutschen Supermärkten. Die afrikanischen Bauern kriegen einen erbärmlichen Lohn für ihre Felderträge bezahlt, das reicht gerade um zu überleben. Um es auf den Punkt zu bringen, der Artikel spricht aus lächerlichen Erfahrungen, die fern von der tatsächlichen Realität und wirklichen Umständen in Entwicklungsländern berichten.

http://forum.spiegel.de/f22/hausangestellte-entwicklungslaendern-wir-sklavenhalter-70944-3.html#post10970767


Quote
Auf Kosten anderer...
denkdochmalmit heute, 09:54 Uhr
Die ganzen westlichen Länder leben von der Sklavenarbeit der Menschen in armen Ländern. Da braucht man nicht unbedingt eine Haushaltshilfe. Ein neues Iphone oder dier neue Jack Wofskin Jacke tuen es auch, da braucht man wenigstens nicht der Arbeitskraft bei der maloche zusehen, was auch besser fürs Gewissen ist. Wie gesellschaftlich akzeptiert das Ganze ist sieht man alleine an der gottgleichen Verehrung von Obersklaventreiber Steve Jobbs, einfach ekelhaft !

http://forum.spiegel.de/f22/hausangestellte-entwicklungslaendern-wir-sklavenhalter-70944.html#post10970395


Quote
Offenbar sind wir auch ein Entwicklungsland
abominog heute, 09:47 Uhr
Denn derartige Fälle und Situationen erlebt man auch in Deutschland. Besonders in vornehmen und wohlhabenden Gegenden hat sich der Feudalismus vehement erhalten. Es mag sich unglaublich anhören, aber auch hier im Land herrschen mitunter noch Zustände wie im Mittelalter! Mir sind persönlich einige kuriose Fälle bekannt, die ich jederzeit beweisen kann. Viele wären verblüfft und es wird Zeit, dieses Thema ein wenig an die Öffentlichkeit zu zerren. Weil ich den Eindruck habe, dass sich diese Missstände permanent verschlechtern, auch wegen inflationären Preisentwicklungen hier in Deutschland (zB beim Benzin). Ich erkenne tatsächlich gewisse Tendenzen, dass sich sowas hierzulande wieder zunehmend ausbreitet. Nicht nur in Privathaushalten, sondern auch in Firmen...

http://forum.spiegel.de/f22/hausangestellte-entwicklungslaendern-wir-sklavenhalter-70944.html#post10970353





Aus: "Wir Sklavenhalter" Von Hasnain Kazim, Islamabad (17.09.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/wie-hausangestellte-und-diener-in-entwicklungslaendern-arbeiten-a-854430.html


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[Als Musterbeispiel... ]
« Reply #11 on: April 22, 2013, 02:31:21 PM »
Quote
[...] Etwa zweihundert migrantische Arbeiter fordern ausstehende Löhne ein. Sechs Monate sind sie nicht bezahlt worden für die schweißtreibende Tätigkeit auf den Feldern. Es kommt zum Streit mit den bewaffneten Aufsehern, Schüsse fallen, mehr als dreißig Arbeiter werden verletzt, einige davon lebensgefährlich.

Was sich liest wie eine Geschichte, die im Mississippi des 19. Jahrhunderts spielt, hat sich gestern ereignet, in Griechenland. Mitten in der Europäischen Union, an einem Ort, der seit langem als Musterbeispiel für moderne Sklaverei gilt: Nea Manolada. Die Gemeinde im Südwesten Griechenlands ist bekannt für ihre landwirtschaftliche Produktion, 90 Prozent der Erdbeeren des Landes kommen von hier – und tausende Arbeitsmigranten schuften hier für Billiglöhne.

Wie der Arbeitsalltag der in Nea Manolada Beschäftigten aussieht, beschrieb anlässlich eines Streiks im Jahr 2008 die Journalistin Laura Petricola: 22 Euro verdienen sie für einen ganzen Tag Arbeit (das Ziel der Arbeitsniederlegung war eine Erhöhung auf 30 Euro), viele schlafen in den Treibhäusern, auf Holzpaletten, zugedeckt mit Zeitungen. Kein Wasser, keine Elektrizität, keine Sanitäreinrichtungen. Diejenigen, die sich irgendeine Form von Behausung leisten können, leben in kleinen Wohnungen, zusammen mit Dutzenden anderen. Gesundheitsversorgung genießen sie keine, und das, obwohl sie durch den Kontakt mit Pestiziden und die schwere körperliche Arbeit großen Risiken ausgesetzt sind. (1)

Das Aufbegehren gegen diese extreme Form der Ausbeutung, wie etwa während des Streiks 2008, ist für die Arbeiter alles andere als einfach. Immer wieder waren sie und die sie unterstützenden Aktivisten der kommunistischen Gewerkschaftsfront PAME Attacken der Polizei oder bewaffneter Sicherheitsmänner der Plantagenbesitzer ausgesetzt. Drei Mitglieder der kommunistischen Partei KKE wurden 2008 während des Streiks verletzt.

Immer wieder ereignen sich in diesem Umfeld rassistische Übergriffe von schockierender Brutalität. 2009 schlugen Bauern zwei Männer aus Bangladesch, die sie des Diebstahls von Ziegen verdächtigten, mit Eisenstangen zusammen, banden sie an Motorräder und zogen sie durch das Dorf. 2012 misshandelten zwei griechische Männer einen ägyptischen Arbeiter, klemmten seinen Kopf im Seitenfenster ihres Autos ein und schleiften ihn so durch die Straßen. (2)

Bekannt sind diese Zustände seit langem. Eine im Jahr 2011 erschienene Studie der EU-Kommission mit dem Titel „Trafficking for Labour in Greece“ (3) widmet sich ausführlich dem Fall Nea Manolada: Das Wachstum der dortigen Produktion sei maßgeblich auf die Ausbeutung migrantischer Arbeitskräfte zurückzuführen, saisonabhängig zwischen 1 500 und 3 500 Menschen vor allem aus Bangladesh, Pakistan, seltener aus Bulgarien, Rumänien und Albanien seien hier beschäftigt, die meisten ohne regulären Aufenthaltsstatus.

Vor allem die asiatischen Immigranten befinden sich in einer „äußerst prekären Situation“, sie rangieren „ganz unten in der Hierarchie“. Die Löhne liegen „unter dem Mindestlohn“, von zwischen 20 und 23 Euro spricht die Studie. Minderjährige, die hier zu denselben Bedingungen wie ihre Eltern arbeiten, bekommen noch weniger. Berichtet wird auch von Vorfällen, bei denen die Unternehmer Arbeiter von der Polizei abschieben lassen, um sich die ausständigen Löhne zu ersparen.

Durch Medienberichte wusste auch die Regierung in Athen von den sklavereiähnlichen Arbeitsbedingungen auf den südwestgriechischen Plantagen. Passiert ist, so die EU-Kommission, dennoch nichts: „Alles in allem, trotz der öffentlichen Aufmerksamkeit, die dem Problem zuteil wurde, wurden keine substantiellen Maßnahmen ergriffen, um die Situation der Arbeiter in Nea Manolada zu verbessern.“

Das ist sicherlich kein Zufall. Es geht um das profitträchtige Geschäft mit billigem Obst und Gemüse für europäische Supermärkte. Auch in deutschen Discountern, z.B. bei Aldi und Lidl, finden sich Erdbeeren aus Griechenland. Es ist äußerst wahrscheinlich, dass es sich um die in Nea Manolada produzierten Bluterdbeeren handelt. Eine erste Anfrage von Hintergrund an die Pressestellen der beiden Handelsketten verlief bislang ergebnislos.

Nach dem neuesten Übergriff befinden sich derzeit nach Angaben der griechischen Tageszeitung Kathimerini zwei Männer in Haft. In einer ersten Stellungnahme sprach Regierungssprecher Simos Kedikoglou von einer „beispiellosen und verheerenden Tat“, die jeglichen „griechischen Moralprinzipien“ widerspreche. Die Reaktion der Behörden werde „schnell und angemessen sein“. Warum die Regierung in den vergangenen Jahren, obwohl die Lage der Arbeiter auf den Plantagen bekannt war, nicht „schnell und angemessen“ reagierte, verriet er nicht.

Ehrlicher und konsequenter wirken angesichts ihres Engagements für die Landarbeiter auch schon vor dem jetzigen Angriff die Statements der beiden linken Oppositionsparteien. Es handle sich um einen „kriminellen rassistischen Akt“, betonte die linkssozialistische SYRIZA, die derzeit in Umfragen stimmenstärkste Kraft in Hellas, in einer ersten Stellungnahme. Die kommunistische Partei KKE kritisierte den „modernen Sklavenhandel und die inhumanen Arbeitsbedingungen von migrantischen Werktätigen“. Der Vorfall zeige, dass „das gegenwärtige kapitalistische System Barbarei“ sei.


Griechenland: Schüsse auf protestierende Arbeiter
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Von THOMAS EIPELDAUER, 18. April 2013 -

Etwa zweihundert migrantische Arbeiter fordern ausstehende Löhne ein. Sechs Monate sind sie nicht bezahlt worden für die schweißtreibende Tätigkeit auf den Feldern. Es kommt zum Streit mit den bewaffneten Aufsehern, Schüsse fallen, mehr als dreißig Arbeiter werden verletzt, einige davon lebensgefährlich.

Was sich liest wie eine Geschichte, die im Mississippi des 19. Jahrhunderts spielt, hat sich gestern ereignet, in Griechenland. Mitten in der Europäischen Union, an einem Ort, der seit langem als Musterbeispiel für moderne Sklaverei gilt: Nea Manolada. Die Gemeinde im Südwesten Griechenlands ist bekannt für ihre landwirtschaftliche Produktion, 90 Prozent der Erdbeeren des Landes kommen von hier – und tausende Arbeitsmigranten schuften hier für Billiglöhne.

Ausbeutung und Terror

Wie der Arbeitsalltag der in Nea Manolada Beschäftigten aussieht, beschrieb anlässlich eines Streiks im Jahr 2008 die Journalistin Laura Petricola: 22 Euro verdienen sie für einen ganzen Tag Arbeit (das Ziel der Arbeitsniederlegung war eine Erhöhung auf 30 Euro), viele schlafen in den Treibhäusern, auf Holzpaletten, zugedeckt mit Zeitungen. Kein Wasser, keine Elektrizität, keine Sanitäreinrichtungen. Diejenigen, die sich irgendeine Form von Behausung leisten können, leben in kleinen Wohnungen, zusammen mit Dutzenden anderen. Gesundheitsversorgung genießen sie keine, und das, obwohl sie durch den Kontakt mit Pestiziden und die schwere körperliche Arbeit großen Risiken ausgesetzt sind. (1)

Das Aufbegehren gegen diese extreme Form der Ausbeutung, wie etwa während des Streiks 2008, ist für die Arbeiter alles andere als einfach. Immer wieder waren sie und die sie unterstützenden Aktivisten der kommunistischen Gewerkschaftsfront PAME Attacken der Polizei oder bewaffneter Sicherheitsmänner der Plantagenbesitzer ausgesetzt. Drei Mitglieder der kommunistischen Partei KKE wurden 2008 während des Streiks verletzt.

Immer wieder ereignen sich in diesem Umfeld rassistische Übergriffe von schockierender Brutalität. 2009 schlugen Bauern zwei Männer aus Bangladesch, die sie des Diebstahls von Ziegen verdächtigten, mit Eisenstangen zusammen, banden sie an Motorräder und zogen sie durch das Dorf. 2012 misshandelten zwei griechische Männer einen ägyptischen Arbeiter, klemmten seinen Kopf im Seitenfenster ihres Autos ein und schleiften ihn so durch die Straßen. (2)

Sklaverei für den Export

Bekannt sind diese Zustände seit langem. Eine im Jahr 2011 erschienene Studie der EU-Kommission mit dem Titel „Trafficking for Labour in Greece“ (3) widmet sich ausführlich dem Fall Nea Manolada: Das Wachstum der dortigen Produktion sei maßgeblich auf die Ausbeutung migrantischer Arbeitskräfte zurückzuführen, saisonabhängig zwischen 1 500 und 3 500 Menschen vor allem aus Bangladesh, Pakistan, seltener aus Bulgarien, Rumänien und Albanien seien hier beschäftigt, die meisten ohne regulären Aufenthaltsstatus.

Vor allem die asiatischen Immigranten befinden sich in einer „äußerst prekären Situation“, sie rangieren „ganz unten in der Hierarchie“. Die Löhne liegen „unter dem Mindestlohn“, von zwischen 20 und 23 Euro spricht die Studie. Minderjährige, die hier zu denselben Bedingungen wie ihre Eltern arbeiten, bekommen noch weniger. Berichtet wird auch von Vorfällen, bei denen die Unternehmer Arbeiter von der Polizei abschieben lassen, um sich die ausständigen Löhne zu ersparen.

Durch Medienberichte wusste auch die Regierung in Athen von den sklavereiähnlichen Arbeitsbedingungen auf den südwestgriechischen Plantagen. Passiert ist, so die EU-Kommission, dennoch nichts: „Alles in allem, trotz der öffentlichen Aufmerksamkeit, die dem Problem zuteil wurde, wurden keine substantiellen Maßnahmen ergriffen, um die Situation der Arbeiter in Nea Manolada zu verbessern.“

Das ist sicherlich kein Zufall. Es geht um das profitträchtige Geschäft mit billigem Obst und Gemüse für europäische Supermärkte. Auch in deutschen Discountern, z.B. bei Aldi und Lidl, finden sich Erdbeeren aus Griechenland. Es ist äußerst wahrscheinlich, dass es sich um die in Nea Manolada produzierten Bluterdbeeren handelt. Eine erste Anfrage von Hintergrund an die Pressestellen der beiden Handelsketten verlief bislang ergebnislos.

„Krimineller, rassistischer Akt“

Nach dem neuesten Übergriff befinden sich derzeit nach Angaben der griechischen Tageszeitung Kathimerini zwei Männer in Haft. In einer ersten Stellungnahme sprach Regierungssprecher Simos Kedikoglou von einer „beispiellosen und verheerenden Tat“, die jeglichen „griechischen Moralprinzipien“ widerspreche. Die Reaktion der Behörden werde „schnell und angemessen sein“. Warum die Regierung in den vergangenen Jahren, obwohl die Lage der Arbeiter auf den Plantagen bekannt war, nicht „schnell und angemessen“ reagierte, verriet er nicht.

Ehrlicher und konsequenter wirken angesichts ihres Engagements für die Landarbeiter auch schon vor dem jetzigen Angriff die Statements der beiden linken Oppositionsparteien. Es handle sich um einen „kriminellen rassistischen Akt“, betonte die linkssozialistische SYRIZA, die derzeit in Umfragen stimmenstärkste Kraft in Hellas, in einer ersten Stellungnahme. Die kommunistische Partei KKE kritisierte den „modernen Sklavenhandel und die inhumanen Arbeitsbedingungen von migrantischen Werktätigen“. Der Vorfall zeige, dass „das gegenwärtige kapitalistische System Barbarei“ sei.


Video der verletzten Arbeiter

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Anmerkungen
(1) People’s Weekly World Newspaper, 28. Mai 2008
(2) http://www.observinggreece.com/nea-manolada-rassismus-ueberfall/
(3) Studie der EU-Kommission „Trafficking for Labour in Greece“
 

Aus: "Griechenland: Schüsse auf protestierende Arbeiter" Von THOMAS EIPELDAUER, 18. April 2013 ()
Quelle: http://www.hintergrund.de/201304182540/politik/politik-eu/griechenland-schuesse-auf-protestierende-arbeiter.html

-.-

Migrant workers have been shot in Manolada farm
By Karafillis Giannoulis | April 18, 2013 - 9:26am
http://www.neurope.eu/article/migrant-workers-have-been-shot-manolada-farm


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[Wir sehen unsere Sklaven nicht jeden Tag... ]
« Reply #12 on: June 12, 2013, 09:50:38 AM »
Quote
[...] Auf 10,5 Millionen schätzt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) die Zahl der Kinder weltweit, die als Hausangestellte arbeiten müssen – oftmals unter sklavenähnlichen Bedingungen. 6,5 Millionen dieser Kinderarbeiter seien unter 15 Jahren alt, mehr als 71 Prozent von ihnen Mädchen, heißt es in einem Bericht der Organisation zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit am heutigen Mittwoch.

Die Kinder müssen in fremden Haushalten putzen, bügeln, kochen, gärtnern oder Wasser holen, sich um andere Kinder oder Pflegebedürftige kümmern. Weil sie von ihren Familien und der Öffentlichkeit getrennt seien, seien sie stark von ihrem Arbeitgeber abhängig. "Aus der Arbeitsausbeutung droht häufig auch eine sexuelle Ausbeutung zu werden", erklärte die ILO.

ILO-Direktorin Constance Thomas forderte "einen tragfähigen Gesetzesrahmen zur Identifikation, Prävention und Abschaffung von Kinderarbeit in Privathaushalten". In vielen Ländern werde Beschäftigung von Minderjährigen nicht als Kinderarbeit wahrgenommen.   

... Insgesamt 177 Staaten hätten die Koventionen zur Abschaffung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit ratifiziert. "Aktuell sehen wir jedoch, dass Kinder weiterhin als billige Arbeitskräfte missbraucht und ausgebeutet werden, zum Beispiel auf Baumwollfeldern in Usbekistan, an Nähmaschinen in Bangladesch oder bei der Herstellung von Lehmziegeln in Pakistan."

Quote
    Lupo1977
    12.06.2013 um 9:19 Uhr

Kinderarbeit?

Mir ist nicht ganz klar warum es als "Kinderarbeit" bezeichnet wird, bei den 4 Millionen der 10,5 Millionen die 16 und älter sind.

Ich habe mit 13 angefangen schwarz zu arbeiten (mit 14 dann offiziell), weil meine Eltern es halt nicht so dicke hatten. Wer die Schule mit 15 beendet geht oft schon ganz regulär in Ausbildung oder ausbildungslosen Berufen voll arbeiten, Ein Freund von mir ist mit 17 zur Bundeswehr gegangen.

Klar - Sklavenarbeit und Ausbeutung muss bekämpft werden, aber auch ganz unabhängig vom Alter.

Gegen einen 10jährigen der für die gebrechliche Nachbarin gegen Geld die Treppe putzt hat sicherlich niemand etwas einzuwenden.

Etwas anderes hingegen ist Knochenarbeit auf Plantagen und Ziegelbrennereien. Das Problem sind also eher die entrechteten Arbeits- und Abhängigkeitsverhältnisse, die Gewalt und die Unterdrückung.


Quote
    dame.von.welt
    12.06.2013 um 9:20 Uhr

215 Millionen Kinder arbeiten jeden Tag

und alle 5 Sekunden stirbt ein Kind unter 10 Jahren an Armut.

Zur größten westlichen Heuchelei gehört, Kinderarbeit zu verdammen und gleichzeitig Kakao, Schokolade, Kaffee, Kleidung, Schuhe, Edelsteine, Kunsthandwerk usw.usf. zu kaufen, die mit Hilfe von Kinderarbeit und anderen Formen der Ausbeutung hergestellt wurden.

Es werden auch weiterhin Kinder arbeiten müssen, um zum Einkommen ihrer Familien beizutragen. Man täte ihnen auch keinen Gefallen damit, ihnen das verbieten zu wollen. Den würde man ihnen damit tun, ihnen Zugang zu Bildung, sauberem Wasser, medizinischer Versorgung, ausreichend Nahrung zu verschaffen und gefährliche und schwere Arbeit zu verbieten.

Es gehört zu besagter westlichen Heuchelei, die westliche Idee von Kindheit 1:1 auf arme Länder zu übertragen (die auch hier noch nicht sehr lang existiert), sich an einem Tag im Jahr zu empören und ansonsten genau so weiter zu machen wie bisher: durch das eigene Konsumverhalten des geilen Geizes ausbeuterische Arbeitsbedingungen aktiv zu fördern + ein politisches Personal zu dulden, das sich von einer Wirtschaft am Nasenring führen läßt, die mit den übelsten Ausbeutern besonders gern Geschäfte macht.

Der einzige größere Unterschied zu den Hausherren und -damen mit Kindersklaven im Haus: wir sehen unsere Sklaven nicht jeden Tag.




Aus: "Millionen Kinder arbeiten in fremden Haushalten" (12.06.2013)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-06/kinderarbeit-haushalte-ausbeutung

http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-04/indien-kinderarbeit


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« Reply #13 on: June 13, 2013, 09:16:24 AM »
Quote
[...] Sie arbeiteten wie Sklaven: Die mexikanischen Behörden haben mindestens 275 Arbeiter aus einem Lager befreit. Ein Tomatenproduzent hielt sie gegen ihren Willen fest.

Die mexikanische Polizei hat mindestens 275 Arbeiter aus einem Lager befreit, in dem sie wie Sklaven gehalten wurden. Die Arbeiter seien mit falschen Versprechungen angelockt und dann gegen ihren Willen festgehalten worden, sagte Staatsanwalt Salvador González am Dienstagabend in Guadalajara im Bundesstaat Jalisco.

Auf dem Gelände eines Betriebs für Bio-Tomaten hätten sie unter beengten und verschmutzten Unterkünften hausen müssen. Wenn sie zu flüchten versuchten, seien sie geschlagen worden. Fünf Vorarbeiter wurden wegen Freiheitsentzugs und Menschenhandels festgenommen.

Der Fall war aufgedeckt worden, nachdem einem Arbeiter die Flucht dennoch gelungen war und er die Behörden alarmiert hatte. In Werbeanzeigen hatte das Unternehmen freie Kost und Logis bei guten Löhnen angeboten. Vor Ort angekommen, erhielten die Arbeiter dann nur die Hälfte des versprochenen Lohns, der zudem nur in Form von Gutscheinen zur Einlösung im firmeneigenen Laden ausgezahlt wurde.


Aus: "Polizei befreit 275 Zwangsarbeiter" (12. Juni 2013)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/panorama/tomatenproduzent-in-mexiko-polizei-befreit-zwangsarbeiter-1.1695028


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« Reply #14 on: October 17, 2013, 10:05:54 AM »
Quote
[...] Hamburg - Sie werden als Eigentum angesehen, dürfen keine eigenen Entscheidungen fällen und nicht einmal etwas eigenes besitzen. Einer Studie der Walk Free Foundation zufolge sind knapp 30 Millionen Menschen weltweit Opfer moderner Sklaverei. In 162 Ländern wurden für die Untersuchung Daten erhoben.

Vor allem in Teilen Westafrikas und im Süden Asiens werden immer noch Menschen in die Sklaverei hinein geboren, heißt es in dem Bericht. Andere Opfer werden entführt und weiterverkauft, zwangsverheiratet oder als kostenlose Arbeitskräfte missbraucht. Häufig werden die Opfer auch mit der Aussicht auf einen Job oder eine Ausbildung angelockt - dann aber ausgebeutet. "Nicht immer wird dafür physische Gewalt angewendet", heißt es in der Studie. Die Täter zwingen sie auch durch Einschüchterung, Täuschung oder Isolation in die scheinbar ausweglose Situation.

Moderne Sklaverei ist dabei definiert als der Zustand, in dem eine Person besessen und kontrolliert wird, mit dem Ziel, aus dem Menschen Profit zu schlagen, ihn zu missbrauchen oder zu schleusen. Durchgesetzt wird das von den Tätern durch Gewalt, Drohungen und/oder Nötigung.

Der Sklaverei-Bericht ist der erste weltweit. Er hat dafür das zahlenmäßige Aufkommen von modernen Sklaven in Relation zur Bevölkerungszahl gesetzt, sowie die Häufigkeit von Zwangsverheiratung von Kindern und Menschenhandel erhoben.

... Dabei ist es schwierig, die tatsächliche Zahl der modernen Sklaven zu erheben, räumen die Macher der Studie ein. Da es sich dabei um eine Straftat handele, finde diese hinter verschlossenen Türen statt; ein Zugang zu den Opfern sei häufig nicht möglich.

...


Aus: "Studie in 162 Ländern: 30 Millionen Menschen leben weltweit in Sklaverei" (17.10.2013)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/walk-free-foundation-30-millionen-menschen-leben-in-sklaverei-a-928275.html