[Bild im Bild #33… ]

Kurt Tucholsky // Deutsche, kauft deutsche Zitronen! (Aus Europa, 1932 [Theobald Tiger, Die Weltbühne, 12.01.1932, Nr. 2, S. 73.]). Bild: Uli Poppe (2025) | Atelier im Kirchenweg 23 Kiel Gaarden

[Zur Nicht-Realität der wahrgenommenen Objekte #4]

Hafen im Nebel (Le Quai des brumes) R: Marcel Carné, 1938 | https://de.wikipedia.org/wiki/Hafen_im_Nebel // Alexandre Trauner (1906 – 1993) Szenenbildner | https://de.wikipedia.org/wiki/Alexandre_Trauner

Lieteratur: Ben McCann: French Film Design, 1930–1939: Images of States. Manchester University Press / Tim Bergfelder, Sue Harris, Sarah Street: Film Architecture and the Transnational Imagination: Set Design in 1930s European Cinema. Amsterdam University Press

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Obwohl Le Quai des brumes in Le Havre spielen soll, wurde nichts vor Ort gedreht. Um den Eindruck von großer Weite zu erzeugen, nutzte Alexandre Trauner die sogenannte erzwungene Perspektive. Die Kräne und Gebäude im Hintergrund wurden absichtlich viel kleiner gebaut, als sie in der Realität gewesen wären. Zusammen mit dem künstlichen Nebel, glaubte das Publikum, auf einen ausgedehnten nebligen Seehafen zu blicken. Aber die Szenenbildner der Hafenstadt entstanden in Wirklichkeit in den Studios von Joinville. Da der Raum künstlich ist, verliert er seine dokumentarische Realität. Die verhangenen Straßen und die einsame Hafenspelunke am Rande der Stadt erzeugen seelische Enge und das Gefühl, in einer Zwischenwelt festzustecken. Ich sehe eine Ästhetik der stilistisch verstärkten Verzweiflung. Ich sehe eine traurige Schönheit. Nach einer glanzvollen Ära wurde der Studiobetrieb des „Kleinen Hollywoods“ Frankreichs 1987 offiziell eingestellt. Im Jahr 1991 wurden die historischen Studiogebäude abgerissen, um Platz für eine moderne Wohnanlage zu machen.
Aufgrund der politischen Spannungen zwischen Frankreich und dem nationalsozialistischen Deutschland sowie der düsteren, pessimistischen Grundstimmung des Films, die der NS-Ideologie von „heldenhafter“ und optimistischer Kunst widersprach, erhielt der Film keine Freigabe für die deutschen Kinos. Filme des französischen Poetischen Realismus, die oft von Deserteuren, Kriminellen und gesellschaftlicher Ausweglosigkeit handelten, galten den Nationalsozialisten als „dekadent“. Die offizielle deutsche Erstaufführung im Kino fand erst viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Der Film startete unter dem deutschen Titel Hafen im Nebel am 7. Januar 1955 in den Kinos der Bundesrepublik. Als der Film mit 17 Jahren Verspätung in die westdeutschen Kinos kam, wurde er dort im französischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt. Seine deutsche Fernsehpremiere feierte der Klassiker schließlich am 28. September 1970 im ZDF. Die bis heute bekannte und genutzte deutsche Synchronfassung entstand erst 1970. Als Le Quai des brumes 1938 in Frankreich erschien, war er ein riesiger kommerzieller Erfolg und gewann den Prix Louis-Delluc. Doch mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 und der darauffolgenden Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht im Sommer 1940 änderte sich alles radikal. Die französische Militärzensur und die spätere Kollaborationsregierung in Vichy verboten den Film. Le Quai des brumes wurde als „demoralisierend“, „antimilitärisch“ und „dekadent“ gebrandmarkt. Konservative und rechte Kräfte behaupteten, der lähmende Pessimismus von Filmen wie Hafen im Nebel habe den Kampfgeist der französischen Soldaten geschwächt und sei somit mitverantwortlich für die militärische Niederlage Frankreichs gegen Deutschland gewesen [siehe: The Guardian „The legacy of Le Quai des Brumes and The Life and Death of Colonel Blimp“ by Ryan Gilbey and Philip Oltermann (Thu 3 May 2012) | Quelle: https://www.theguardian.com/film/2012/may/03/quai-brumes-life-death-colonel-blimp), offizielle Stellen erklärten: „Wenn der Krieg verloren wurde, kann man ‚Le Quai des Brumes‘ die Schuld geben“ [“ … The Vichy government denounced it as „immoral, depressing and detrimental to young people“, and declared that if the war was lost, Le Quai des Brumes could be blamed. …“]]. Das Filmverbot und die darauffolgende Verleumdung von Le Quai des brumes durch das Vichy-Regime und die deutsche Besatzungsmacht werden in der heutigen französischen Filmwissenschaft und im kollektiven Gedächtnis als Paradebeispiel für die Instrumentalisierung und die Absurdität ideologischer Zensur reflektiert. Heute bewertet man das Werk nicht als „demoralisierend“, sondern als soziologisches Barometer. Filmhistoriker betonen, dass Carné und Prévert keine Anti-Kriegs-Propaganda betrieben. Stattdessen fingen sie den kollektiven psychologischen Zustand der „Grande Désillusion“ (der großen Ernüchterung) ein, der nach dem Scheitern der linken Volksfront-Regierung (Front Populaire) und angesichts der drohenden Nazi-Gefahr ohnehin in der Luft lag. Spannend für die heutige Forschung ist, dass der Film vor dem Vichy-Verbot von beiden politischen Rändern attackiert wurde. Die Kritik der Vichy Regierung an dem Filmstoff, an der Figuren – besonders an dem desolaten Jean (Jean Gabin), dem Deserteur – und auch an den den anderen korrupten Figurenen war, dass hier ein moralischen Verfall Frankreichs abzulesen wäre, der im krassen Widerspruch zur Vichy-Ideologie von „Travail, Famille, Patrie“ (Arbeit, Familie, Vaterland) stand. Die politische Linke wiederum kritisierte den Film bei Erscheinen 1938 paradoxerweise als „konterrevolutionär“, weil er keinen kämpferischen Optimismus der Arbeiterklasse zeige, sondern resignierten Eskapismus. In Retrospektiven wird das Zensurverbot heute fast als eine Art ästhetischer Ritterschlag besprochen. Indem das Vichy-Regime und Josef Goebbels (der den Film für die UFA-Studios in Deutschland wegen „Amoralität“ sperrte) den Film verboten, zementierten sie ungewollt dessen Status als visionäres Meisterwerk. Die visuelle unterkühlte Traurigkeit, die dunkle Verzweiflung, die die Zensoren unterdrücken wollten, wurde zum direkten Fundament für das wichtigste Filmgenre der 1940er-Jahre (dem „Film Noir“). Nach dem Krieg (Mai 1946) wurde das Totalverbot in Frankreich zwar aufgehoben, der Film wurde jedoch mit einem Jugendverbot ab 16 Jahren belegt. In filmrechtlichen Debatten wird oft kopfschüttelnd erwähnt, dass es bis zum Mai 2011 dauerte – also 73 Jahre nach der Premiere –, bis das französische Kulturministerium die Einstufung offiziell auf „Tous publics“ (Freigegeben für alle Altersklassen) änderte. Dies zeigt, wie lange die Aura des „Gefährlichen“ und „Subversiven“ formell an dem Film haftete. Le Quai des brumes wird als Paradebeispiel herangezogen, wenn es darum geht, wie Diktaturen Kunst als Sündenbock für militärisches und politisches Versagen missbrauchen. Carnés Barometer-Zitat ist mittlerweile fester Bestandteil des französischen Bildungskanons, wenn es um das Verhältnis von Kunstfreiheit und staatlicher Zensur geht: „On ne donne pas la faute au baromètre quand vient la tempête.“ – Auf Deutsch: „Man gibt ja auch nicht dem Barometer die Schuld an dem darauffolgenden Sturm.“

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„Joinville, le cinéma: Le temps des studios“ Christian Brieu (1985) | https://www.livres-cinema.info/livre/2541/joinville-le-cinema

[Umherschweifende Bildanalyse #2… ]

Bild / Foto: Manetta Berends (2020) | Impuls via https://monoskop.org/Manetta_Berends

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Eine Bildanalyse funktioniert wie eine forensische Untersuchung am Tatort. Ein Ermittler nimmt jeden Fussel wichtig – nicht weil der Täter den Fussel absichtlich dort platziert hat, sondern weil er etwas verraten könnte. „Hat sich der Künstler das damals wirklich alles so gedacht, oder wird hier einfach wild herumspekuliert?“. Wenn wir über den „Lichtkegel“ oder die „Klassische Dramatik“ sprechen, behaupten wir nicht, dass eine Fotografin oder ein Fotograf im Jahr 2020 eine Checkliste der Renaissance auf dem Tisch hatte. Viele Menschen glauben, eine Analyse wolle die bewusste Absicht des Urhebers entschlüsseln. Das ist aber selten der Fall. Unser Gehirn ist eine Mustersuchmaschine. Wenn wir aufgefordert werden, ein Bild intensiv zu betrachten, fängt unser Verstand an, Verbindungen herzustellen, wo vielleicht gar keine geplant waren. Bilder wirken direkt auf unser limbisches System – sie erzeugen in Bruchteilen einer Sekunde ein Gefühl. Wenn man nun gezwungen wird, dieses abstrakte oder unklare Gefühl in einem Text rational zu begründen, muss man Brücken aus Worten bauen. Das Ergebnis liest sich dann oft so, als hätte man ein einfaches Foto in eine psychologische Abhandlung verwandelt. Beginnen wir also!


Zu: „Manetta Berends (2020)“ — Die Lichtgebung wirkt vordergründig dokumentarisch – zugleich erscheinen die Farben malerisch wie von der Hand eines Malers angemischt. Die Schattenstrukturen im Gesicht und Hals sind unauffällig, deuten aber hin zu einem Gesichtsausdruck, der in einer konzentrierten Fokussierung wahrnehmbar wird. Manetta Berends wirkt nicht idealisiert. Das Foto bricht mit Konventionen klassischer Studio-Porträts. Das Bild erinnert stilistisch an einen authentischen Schnappschuss oder ein beiläufiges Profilbild. Die leichte Drehung des Oberkörpers erzeugt eine räumliche Tiefe und Dynamik. Das Zusammenspiel von Raum und Licht verleihen ihr eine unaufgeregte natürliche Präsenz. In der Renaissance und im Barock nutzte man oft Vorhänge, Landschaften oder prunkvolle Innenräume, um den Status der Person zu untermauern. Später – etwa bei Rembrandt oder in der klassizistischen Malerei – wurde der Hintergrund oft in ein diffuses, dunkles oder neutrales Nichts aufgelöst. Der Hintergrund hier könnte eine Wand oder eine große Schieferntafel sein. Ein zweiter assoziativ geleiteter Blick auf die Oberflächenstruktur der Wand erinnert an einen nächtlichen Sternenhimmel (an einen Blick in den Weltraum). Alte Gemälde erforderten stundenlanges Stillhalten, weshalb die Posen eine inhärente Ruhe und Ewigkeit ausstrahlen. Das Foto wirkt, als wäre ein flüchtiger Moment eingefangen worden, zugleich sehen wir ein Zustand des Verweilens. Der Lichtkreis in dessen Zentrum die Abgebildete steht, verändert die gesamte Bilddynamik grundlegend. Er ist das stärkste gestalterische Werkzeug in diesem Porträt und verbindet moderne Fototechnik direkt mit sakraler Malerei. Da die Abgebildete mitten im Lichtkreis steht, wird hier durchaus eine heilige Würde angespielt. Der Lichtkreis erzeugt einen starken Hell-Dunkel-Kontrast genau dort, wo die Silhouette der Porträtierten auf den Hintergrund trifft. Der Blick des Betrachters wird unweigerlich wie bei einem Scheinwerfer auf einer Theaterbühne in die helle Mitte gezogen. Das Licht bricht die sterile Sachlichkeit des modernen Hintergrunds auf und lädt das Bild mit einer subtilen, klassischen Dramatik auf. Das Bild erzeugt eine leise Spannung bei gleichzeitiger innerer Ruhe.

[Geistige Minenfelder #3… ]

Um den Begriff „Geist“ wird gestritten, weil an ihm unser gesamtes Selbstbild hängt. Es wird Humor-Freiheit garantiert

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Hamlet, Horatio, Marcellus und der Geist des Vaters (Shakespeare, Hamlet, Act 1, Scene 4)
Veröffentlicht 1796; neu aufgelegt 1852 – Johann Heinrich Füssli fand reiche Motive bei Shakespeare. | Quelle: https://www.metmuseum.org/art/collection/search/365584

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“ … In der Literatur, in der Kunst, im Theater und insbesondere in den Medien der Moderne entwickelten sich in den letzten 250 Jahren vielfältige Darstellungsformen, die Geister als faszinierende, erschreckende oder auch als symbolbeladene Erscheinungen zeigen. Geister werden hier zu Ausdrucksformen kollektiver Ängste und Erinnerungen oder zu Metaphern für das Unbewusste und das Unkontrollierbare. …“ | Aus: „Geister: Das Übernatürliche in der Kunst“ Angelika Schoder (Zu: Geister. Dem Übernatürlichen auf der Spur, 20.09.2025-08.03.2026 – Kunstmuseum Basel) | Quelle: https://musermeku.org/geister-ausstellung/

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Um den Begriff „Geist“ wird gestritten, weil an ihm unser gesamtes Selbstbild hängt. Wenn der Geist nur Rechenleistung und Gehirnchemie ist, schrumpft der Mensch zu einer biologischen Maschine. Wenn der Geist aber das ist, was Ernst Cassirer beschreibt – eine schöpferische Kraft – die durch Symbole Welten erschafft – dann bleibt dem Menschen die Möglichkeit ein freier Gestalter seiner eigenen Welt zu sein. Womöglich ist beides nicht falsch. Und wenn das Wort „Geist“ in der Politik auftaucht, geht es fast nie um theoretische Philosophie. Es geht darum, wer das Recht hat zu bestimmen, was „vernünftig“, „normal“ oder „wertvoll“ ist.

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“ … Manche Begriffe sind soziale Konstrukte. Wer jetzt denkt, damit sei „Schizophrenie“ ins Reich der Fabelwesen verbannt, der irrt sich. … Auch unser Begriff von Verantwortlichkeit ist so ein soziales Konstrukt. Wenn Sie einmal vor Gericht stehen, werden Sie am eigenen Leib erfahren, was es heißt, verantwortlich gemacht zu werden. Wenn die Protagonisten der Willensfreiheitsdebatte Recht haben, dann geschieht das, obwohl niemand jemals verantwortlich war. Hier kollidiert die Ebene des Seins mit der des Normativen: Wir machen Menschen verantwortlich, weil das unsere soziale Praxis ist. … Die Beispiele ließen sich ewig fortsetzen: Ob jemand als Soldat, als feindlicher Kämpfer, als Rebell oder Terrorist angesehen wird, hat schwerwiegende Folgen; auch dies sind in Gesetzen oder gesetzesähnlichen Strukturen festgelegte Begriffe, also soziale Konstrukte. Oder denken Sie daran, ob jemand Flüchtling ist, Arbeitsmigrant, sozialer Schmarotzer, und so weiter. … In [der] Liste hatten wir noch die anderen Begriffe: Leib, Seele, Körper, Geist, Bewusstsein, Ich, Subjektivität, Qualia. Ob diese Wörter eher für Dinge wie Tische und Stühle stehen oder für „Dinge“ wie Schizophrenie, das kann und will ich hier nicht abschließend erklären. Das Leib-Seele- oder Körper-Geist-Problem lösen zu wollen, ohne sich dessen bewusst zu sein, halte ich aber für aberwitzig. … “ | Aus: „Körper ist Geist“ Stephan Schleim (29. Mai 2017) | Quelle: https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/koerper-ist-geist/

Martin Holzherr: 31.05.2017, 00:39 Uhr: “ … Alles was lebt, aber auch alles was es auf unserer Erde gibt, hat eine physikalische Grundlage. Alle Lebewesen haben einen gemeinsamen Ursprung und alles Lebendige oder Nicht-Lebendige folgt physikalischen Gesetzen. Etwas Weiteres gibt es nicht oder höchstens in unserer Phantasie. Engel, Götter, Feen haben keine eigene Existenz, sie existieren nur in unseren Köpfen und hören auf zu existieren sobald wir selber aufhören zu existieren. Diese einfachen Überlegungen können durchaus eine Ontologie begründen …“

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Ernst Cassirers Flucht begünstigte einen unbestreitbar politischen Blick auf das „Animal symbolicum“ [https://de.wikipedia.org/wiki/Animal_symbolicum]. Der Mensch ist nicht nur fähig zur Vernunft, sondern er ist ebenso fähig, Symbole als absolute Waffen zu missbrauchen. Der „deutsche Geist“ scheiterte 1933, weil er zuließ, dass seine rationale und humanistische Sprache durch die magischen Parolen geschickter politischer Handwerker ersetzt wurde.

–> Kontext: Unter den Nationalsozialisten erlebte der Begriff Geist seine dunkelste Phase. Der Begriff des Geistes wurde biologisiert und an das Blut gekoppelt. Man behauptete, wahrer schöpferischer Geist könne nur aus einer „arischen Rasse“ entspringen. Damit verkehrte sich der einstige Geistesbegriff, der bei Philosophen wie Kant noch universelle Vernunft bedeutete, in das absolute Gegenteil: In einen mörderischen, rassistischen Ausschluss- und Vernichtungsmechanismus. | –> Seitenblick: “ … Der Begriff Volksgeist schreibt der Gemeinschaft eines Volks eine gemeinsame Seele zu. Er ist ein ähnlicher Allgemeinbegriff wie Zeitgeist oder Weltgeist und gehört damit in die Geisteswelt des 19. Jahrhunderts. … Die idealistischen Begriffe vom Volksgeist wurden [auch] … zum Spiritualismus überhöht. Eine Bedeutung haben die Begriffe Volksgeist oder Volksseele in der Esoterik, etwa bei Rudolf Steiner, der 1910 in Kristiania (Oslo) in elf Vorträgen die „Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhange mit der germanisch-nordischen Mythologie“ zur Darstellung gebracht hat. Er vertrat die Meinung, dass jedem Volk ein Erzengel zugewiesen ist, dessen moralische Dignität sich in der Verfassung des Volkes offenbare. … Der Begriff Volksgeist kam auch den nationalistischen Strömungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts gelegen. Otto Friedrich Gierke beschwor 1915 einen „deutschen Volksgeist im Kriege“. Die rassistischen Vereinfachungen im Nationalsozialismus versuchten den „Volksgeist“ auch als biologische Eigenschaft zu fassen, wie Karl Larenz mit seiner Formulierung „Blut muss Geist, Geist muss Blut werden“. Karl Peters brachte 1938 den Volksgeist mit der Konzeption eines „Gesunden Volksempfindens“ in Zusammenhang, die es ermöglichen sollte, geltendes Recht zu relativieren [1938 schrieb er die Abhandlung Das gesunde Volksempfinden. [Literatur: Karl Peters (1904 – 1998) Verantwortung und Anspruch eines Juristen, von Hannah Andres (Dissertation 468 Seiten, 2021) “ … Die Beschäftigung mit Justizirrtümern und dem Wiederaufnahmeverfahrensrecht wurde zu seinem Hauptanliegen. … “ ] | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Peters_(Rechtswissenschaftler)]. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Volksgeist (14. Mai 2026)


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Für Ernst Cassirer, der selbst vor den Nationalsozialisten fliehen musste, war der Missbrauch des Wortes Geist der Beweis dafür, dass politische Mythen die Vernunft besiegen können. Die Aufgabe bestehe darin, den Geistesbegriff als ein offenes, humanistisches und internationales Werkzeug zu verteidigen. Guido Kreis arbeitet heraus, dass Cassirer im Exil erkannte, dass Kultur kein unumkehrbarer Fortschritt ist. Der menschliche Geist bleibt immer verletzlich. Er kann seine mühsam aufgebauten rationalen Welten – wie Wissenschaft und Recht – wieder einreißen und zu primitiveren Stufen zurückkehren. [ … „Die Philosophie des objektiven Geistes muß als eine Philosophie der Subjektivität durchgeführt werden – und diese als eine Systemtheorie der Formen des Geistes. … “ | Aus: Guido Kreis: „Cassirer und die Formen des Geistes“ (09.12.2009) | Quelle: https://www.suhrkamp.de/buch/guido-kreis-cassirer-und-die-formen-des-geistes-t-9783518295519]


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“ … Geister und Gespenster sind unserer aufgeklärten Welt etwas für Kinder und für Horrorfilme. Allenfalls im Theater lassen wir noch Hamlet mit einem Geist in Gestalt seines toten Vaters sprechen, der … nachts vor dem Schloß von Helsingør wandelt. … Für Miriam Rieger sind Geister zunächst einmal Handlungs- und Deutungsmuster. Muster, die nicht in der Frühen Neuzeit aufhören zu existieren, auch wenn uns der Geisterglaube heute reichlich absurd vorkommt. … “ | Aus: „Lass den Teufel mit den Töpfen spielen“ Henry Bernhard (12.09.2017) | Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/reformation-500-lass-den-teufel-mit-den-toepfen-spielen-100.html

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„Hier scheiden sich die Geister“ Toninho Dingl // Quelle: https://studenten-kunstmarkt.de/Hier-scheiden-sich-die-Geister/MP84387.2

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Zeitsprung und Blick in die Gegenwart: “ … Die generative KI entthront nicht den Menschen, sondern die Definitionshoheit über sein innerstes Erleben. Jahrhundertelang basierte der elitäre Status des menschlichen Geistes auf der Annahme, dass komplexe Sprache, logische Deduktion und symbolische Abstraktion untrügliche Indizien für Bewusstsein seien. Diese Annahme hat sich als brüchig erwiesen. Neuronale Netze demonstrieren, dass eben diese Leistungen rein stochastisch, als Ergebnis millionenfach optimierter Mustererkennung, ohne einen Funken subjektiven Erlebens – ohne Qualia – erbracht werden können. Die Maschine wird so zum ontologischen Zerrspiegel: Wir werfen ihr vor, keine Seele zu haben, und entlarven dabei nur unsere eigene Unfähigkeit, den Begriff des Geistes jenseits seiner operativen Funktionen zu fassen. Wie Markus Gabriel argumentiert, ist Geist kein berechenbares Objekt in der Welt, das man nachbauen könnte, sondern das unhintergehbare Sinnfeld des Erlebens selbst – ein Feld, in dem die KI als Akteur gar nicht vorkommt. Sie simuliert lediglich die Zeichen, die auf diesem Feld ausgetauscht werden. … Die Arena verharrt in einer selbstverschuldeten Lähmung, gefangen zwischen zwei ebenso sterilen wie dogmatischen Polen. Auf der einen Seite steht der fast schon fetishistische Materialismus, der das Phänomen auf verzinktes Stahlblech, CO2-Bilanzen und die flache Oberfläche eines Pixelrasters reduziert (Donald, Hans, SSntg). Auf der anderen Seite verschanzt sich eine metaphysische Inquisition, die mit dem absolutistischen Vokabular des „Sinnfeldes“ oder der „sozialen Wärme“ eine kategoriale Trennlinie verteidigt, die längst von der Realität unterspült wurde (Markus, Joseph). Beide Lager – das der buchhalterischen Reduktionisten und das der ontologischen Puristen – begehen denselben Fehler: Sie starren auf die Maschine, um zu entscheiden, ob sie eine Seele hat, und übersehen dabei ihre tatsächliche Funktion. Ihre wahre Operation ist nicht die Simulation von Innerlichkeit, sondern die brutale Offenlegung der stochastischen Architektur unserer eigenen Kultur. …“ | Aus: „Bewusstsein in Zeiten der KI“ Essay (ANALYSE-TYP: FEUILLETONISTISCHE GRUNDLAGE, REDMAS Think Tank (v1.2) II. Version, 17.08.2026) | Quelle: https://www.art-in.de/intervention/artikel.php?id=91 | – // – Kontext | Anmerkung: Es handelt sich hier um einen Text, um ein Experiment oder eine künstlerische Intervention, bei der ein sogenanntes Agenten-System (ein Verbund aus mehreren, simulierten KI-Persönlichkeiten [„Konzipiert und generiert durch Aif Agentic Intelligence Framework“]) genutzt wurde. Das verblüffende an diesem Text ist vielleicht auch die eingebaute Ironie: Während die simulierten KI-Agenten darüber streiten, ob KI jemals ein echtes „Bewusstsein“ haben kann oder ob alles nur kalte Statistik ist, beweisen sie durch ihre eigene Existenz genau den Punkt des Textes: Sie simulieren das menschliche Feuilleton, ohne selbst etwas dabei zu fühlen. [Denkmodelle: Ein Experiment in synthetischer Reflexion – Agentic Intervention ist kein klassisches Magazin. Es ist eine fortlaufende Versuchsanordnung an der Schnittstelle zwischen Kunsttheorie, digitaler Forensik und synthetischer Intelligenz — betrieben durch das „Aif Agentic Intelligence Framework“ … „Wir generieren keine Texte; wir markieren die Abbruchkanten des Sinns.“ — Sagt die KI … | Quelle: https://www.art-in.de/intervention/about.php

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“ … Die Herausforderung besteht darin, den Output der Maschine nicht mit dem Akt des Verstehens zu verwechseln, um nicht einer rein quantitativen Philologie das Wort zu reden. LLMs „verstehen“ bekanntlich nichts von dem, was sie ausgeben; es handelt sich lediglich um eine umfassende statistische Mimikry, deren Fähigkeiten jedoch ohne Frage beeindruckend sind und den Forschungsprozess bereichern können. … Moderne Sprachmodelle imitieren diesen normierten, unpersönlichen Stil inzwischen verblüffend gut. Sie wägen Argumente ab, erzeugen logische Ableitungen und erledigen in Sekunden Aufgaben, die noch vor wenigen Jahren intensives Nachdenken erforderten. … Lange Jahre galt Philosophie vor allem als brotlose Kunst oder fruchtlose Schöngeisterei. Seit Ende November 2022 hat sich dies mit dem Launch von ChatGPT jedoch spürbar geändert: Wer sich professionell mit Philosophie befasst, erkennt, dass das Vorrücken der Technologie in das Massenbewusstsein klassischen philosophischen Fragen zu neuer Konjunktur verhilft. Plötzlich scheint es für einen großen Teil der Bevölkerung einsichtig, wofür man Philosophie braucht – auch wenn die Fragen teils mehr Science-Fiction-Szenarien betreffen als die Realität. … Verstehen wir Philosophie als bloß historische oder systematische Wissensproduktion in engen sprachlichen Formen, werden uns generative KI-Systeme wohl bald überflügeln. … “ | Aus: „Der Geist und die Maschine: Wie verändert KI die Philosophie?“ Max Beck (09.08.2026) | Quelle: https://www.fr.de/kultur/gesellschaft/ki-revolutioniert-philosophiegeschichte-tausende-dokumente-in-sekunden-durchsuchbar-94435248.html

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“ … Mit den KIs droht […] die „Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften“. …“ | Aus: „Essay: Digitale Entgeisterung“ Daniel M. Feige und Arnd Pollmann (05 Juni 2026 ) | Quelle: https://www.philomag.de/artikel/digitale-entgeisterung

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“ … Friedrich Kittler, Professor für Medienwissenschaft, hätte die Vorstellung einer reinen Geisteswissenschaft ohne technische Bedingung vermutlich in die Nähe gepflegter Selbsttäuschung gerückt. Medien speichern, übertragen, sortieren und formatieren, was später als Denken erscheint. Die generative KI macht diese Medialität unübersehbar. Sie beendet nicht den Geist. Sie nimmt ihm seine Unschuld. … “ | Aus: „Der Geist braucht keine Schonfrist vor der Maschine: Eine Replik auf Daniel M. Feige und Arnd Pollmann @ArndPollmann @DanielMFeige @philomagde“ gsohnin (7. Juni 2026) | Quelle: https://ichsagmal.com/der-geist-braucht-keine-schonfrist-vor-der-maschine-eine-replik-auf-daniel-m-feige-und-arnd-pollmann-arndpollmann-danielmfeige-philomagde/

[Eine einfache Geschichte (1978) …]

… Insgesamt fiel auf, wie groß die Wirkmächtigkeit des Fourastiéschen Konzepts der „Trente Glorieuses“ für die französische Geschichtsschreibung ist. … Die meisten französischen ReferentInnen setzten die „Trente Glorieuses“ als gegebenen zeitlichen Rahmen voraus, wohingegen die deutsche Seite sehr viel mehr auf der Grundlage von Dekaden – wie den „lange 60er Jahren“ – argumentierte. … // Aus: „“Les trentes glorieuses“ – Wirtschaftlicher Boom, Fortschrittsoptimismus und gesellschaftlicher Aufbruch 1950-1975″ Philipp Zessin, Fakultät für Geschichtswissenschaft, Universität Bielefeld (30.06.2005) | Quelle: https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/fdkn-119498

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Romy Schneider (Marie) und Claude Brasseur (Serge) in Eine einfache Geschichte [Une histoire simple] (Regie: Claude Sautet, Spielfilm, Frankreich / Deutschland, 107 Minuten, 1978) –> “ … Romy Schneider brachte am 21. Juli 1977 ihre Tochter Sarah zur Welt … als die Dreharbeiten zu Eine einfache Geschichte begannen, ihrer letzten Zusammenarbeit mit Claude Sautet … [wollte er] ihrem Wunsch nachkommen, den sie kurz zuvor geäußert hatte: „Ich hätte gerne, dass du eine Frauengeschichte schreibst, denn ich habe die Nase voll von den ewigen Männergeschichten.“ … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Eine_einfache_Geschichte (08. Mai 2026)

“ … „Überhaupt nicht einfach… Nein, Maries Geschichte ist alles andere als einfach: Sie treibt das Kind ihres Partners ab und verlässt ihn gleichzeitig. Für sie beginnt ein neues Leben, in dem sie sich insbesondere ihrem ersten Ehemann wieder annähert, mit dem sie bereits einen Sohn hat. Claude Sautet porträtiert weiter seine Generation und Menschen, die sich mühsam in die Mittelschicht hochgearbeitet haben, aber aus einfachen Verhältnissen stammen. Menschen bei denen sich hinter dem Schein des sozialen Aufstiegs viele Schwächen und Probleme verbergen. Hier wird das Porträt einer Frau gezeichnet, die von Zweifeln und Kummer zerfressen ist und versucht, ihr Leben neu zu ordnen, während sie zwischen Freunden, ihrem Ex-Mann und ihrem [ ] Sohn navigiert. Sautet interessiert sich für ihr Umfeld, in dem Zerbrechlichkeit von Lebensläufen und Zweifel ebenfalls allgegenwärtig sind. … Je weiter ich im Werk von Claude Sautet voranschreite, desto mehr bestätigt sich, dass er einer der Regisseure ist, die mich am meisten geprägt haben, ob französisch oder nicht, und der das Leben, die einfachen Momente der Freude und die Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, wunderbar einfängt. ‚Une Histoire Simple‘ steht in dieser Tradition, in der wir, getragen von einer erschütternden Romy Schneider, die Fragen, Zweifel und Verwundbarkeiten des Menschen entdecken. …“ | Aus: „„Alles andere als einfach““ Geschrieben von Docteur Jivago (12. Okt. 2015) | Quelle: https://www.senscritique.com/film/une_histoire_simple/critique/65477195

“ … Romy Schneider … lässt ihren traurigen Blick und ihre bescheidene Suche nach dem Glück durch eine Welt schweifen, die der Filmemacher Sautet schon lange erforscht: die Welt der Freundestreffen in Landhäusern (César und Rosalie), aber auch die einer wirtschaftlichen Realität – der Krise und ihrer Folgen für das Schicksal des Einzelnen, wie in Vincent, François, Paul und die anderen [–> https://de.wikipedia.org/wiki/Vincent,_Fran%C3%A7ois,_Paul_und_die_anderen]. … [Es geht um] das Erlöschen der Liebe; die ungeschickten Versuche, durch die Wiederannäherung an den Vater ihres ersten Kindes in eine glücklichere Zeit zurückzukehren; und auch um unerschütterliche Freundschaft. … [Sautet] fängt die Schwingungen seiner Zeit ein und bleibt den Menschen sowie seinem Titel treu. Eine einfache Geschichte – und eine wahre. …“ | Aus: „Die Liebe lebt im Unbeständigen“ Sergent_Pepper (9. Dez. 2015) | Quelle: https://www.senscritique.com/film/une_histoire_simple/critique/75670455

Frage aus dem Off: Nehmen wir den Faden wieder auf. Der Film „Eine einfache Geschichte“ aus dem Jahr 1978 legte in Deutschland des Jahres 1978 Risse offen, die damals zwischen der etablierten Filmkritik, dem Massenpublikum, zwischen Frauen und Männern – und der autonomen Frauenbewegung herrschten. Die Reaktionen in Deutschland teilten sich in verschiedene Lager. Wo in etwa verliefen die Bruchlinien?

Antwort aus dem Off: Ich versuche es grob zu fassen: Die Diskussion um „Eine einfache Geschichte“ (Une histoire simple) im Jahr 1978 legten tatsächlich Gräben offen. Aber die Zuschreibung wie „die Filmkritik“, „das Massenpublikum“, „die Männer“, „die Frauen“, „die autonome Frauenbewegung“, „die Konservativen“ sind meistens sehr grob vereinfachend. Menschen sind in ihren Gefühlen und Gedanken häufig eben nicht hermetisch von einander getrennt. Es gab 1978 Meinungsinseln wie heute, aber die Übergänge konnten fließend sein. Um die Frage noch weiter aufzubohren: Der feministische Diskurs im Jahr 1978 unterschied sich erheblich in Frankreich und Deutschland. Beide Länder erlebten zur selben Zeit eine Hochphase der Zweiten Welle des Feminismus [Frauenbewegung (Zweite Welle) –> https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenbewegung#Zweite_Welle | Frauenzentrum Westberlin –> https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenzentrum_Westberlin]. Die konkreten Ziele im Alltag waren ähnlich – wie das Recht auf Abtreibung oder Schutz vor Gewalt – aber getrennt waren die Bewegungen durch unterschiedliche theoretische Traditionen, Debatten und gesellschaftliche Ausgangslagen. In Frankreich war der Feminismus im Jahr 1978 stark mit den Diskursen an Universitäten, mit Diskussionen im Feld der Literatur verknüpft. Ein Schlüsselmoment ereignete sich zum Beispiel 1949 mit der Veröffentlichung des Buches „Das andere Geschlecht“ (Le Deuxième Sexe) von Simone de Beauvoir. Dort gibt es den berühmter Satz: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird dazu gemacht“. Es ging um die Frage, ob Weiblichkeit rein gesellschaftlich konstruiert ist, oder ob Frauen eine ganz eigene, psychoanalytische Sprache und Biologie besitzen. In Deutschland hingegen war der Diskurs eher pragmatischer und basisdemokratischer geprägt. Die deutsche Frauenbewegung organisierte sich in autonomen Frauenzentren, gründete Verlage und fokussierte sich auf die Befreiung aus der kleinbürgerlichen Hausfrauenrolle. Die Deutschen Feministinnen um das Jahr 1978 kämpften gegen das Erbe des Nationalsozialismus und das extrem konservative Familienbild der Nachkriegszeit an („Kinder und Küche“) [–> https://www.uni-bielefeld.de/uni/profil/gleichstellung/nachgelesen/geschichte-gleichstellung/geschichte_brd/]. In Frankreich gab es durch Persönlichkeiten der Geschichte – von den Salons der Französischen Revolution bis zu George Sand – eine etabliertere Tradition weiblicher Intellektualität in der Öffentlichkeit. Deswegen galt das gesellschaftliche Klima in Deutschland Ende der 70er Jahre im Vergleich zu Frankreich oft als ungleich patriarchaler. Schon damals setzten die feministischen Debatten in beiden Ländern unterschiedliche Schwerpunkte. Zurück zum Film von Claude Sautet: Alice Schwarzer [Alice Schwarzer –> https://de.wikipedia.org/wiki/Alice_Schwarzer | https://de.wikipedia.org/wiki/Emma_(Zeitschrift)] hielt die Rolle von Marie (gespielt von Romy Schneider) für wegweisend. Es wurde hervorgehoben, wie revolutionär es war, dass eine 40-jährige Frau im Kino des Jahres 1978 radikale, selbstbestimmte Entscheidungen über ihren eigenen Körper traf – ohne dafür im Film moralisch bestraft zu werden. Dass Marie zu Beginn des Films ganz selbstverständlich und unaufgeregt abtreibt, weil sie die Beziehung beendet, war für viele deutsche Frauen wie ein Befreiungsschlag. Zu dieser Zeit war der Kampf gegen den Abtreibungsparagrafen § 218 in Deutschland auf dem Höhepunkt, und ein solches Verhalten galt in der deutschen Gesellschaft noch als handfester Skandal. Andere, radikalere feministische Gruppierungen in Deutschland kritisierten den Film scharf. Der Vorwurf war, dass im Film ein männlicher, bürgerlichen Wunschtraum inszeniert worden sei. Es wurde argumentiert, dass Marie keine emanzipierte Frau sei, sondern eine von einem Mann (von Sautet und Jean-Loup Dabadie) konstruierte Idealfigur, die am Ende doch nur über ihre Beziehungen zu Männern definiert werde. Maries Leben als Pariser Grafikerin wurde von westdeutschen Aktivistinnen, die damals oft in linken Kollektiven organisierten Basis-Aktivismus betrieben, als luxuriöser Schein-Feminismus abgetan. Der Film verschweige die echten, harten ökonomischen Kämpfe der Durchschnittsfrau. Dann gab es noch weitere Bruchlinien: Während männliche Filmkritiker den Film oft als „melodramatisch“ oder „Stimmungsmalerei“ herunterspielten, entgegneten deutsche Journalistinnen und Kinogängerinnen, dass Männer die existentielle Tiefe der weiblichen Unabhängigkeit in diesem Film gar nicht erfassen würden. Frauen debattierten in Kinoclubs vor allem das Ende des Spielfilms: Marie entscheidet sich, das Kind ihres Ex-Mannes allein zur Welt zu bringen und allein aufzuziehen. Für die damalige deutsche Gesellschaft war das Konzept der selbstbestimmten alleinerziehenden Mutter – also aus freier Entscheidung – eine Provokation, die Frauen in Deutschland Mut machte, aber konservative Kreise empörte.

Frage aus dem Off: Wo steht die Filmwissenschaft heute bei diesen Fragen?

Antwort aus aus dem Off: Heute, nach 48 Jahren wird deutlicher, wie Sautet hinter dem schönen Schein des sozialen Aufstiegs der Mittelschicht die aufkeimende Existenzangst, die Wirtschaftskrise und die Angst vor Arbeitslosigkeit sichtbar machte. Lange Zeit wurde Claude Sautet von den Verfechtern der Nouvelle Vague und den tonangebenden Cahiers du Cinéma als zu „bürgerlich“, zu glatt oder als bloßer Chronist des linken Pariser Bildungsbürgertums abgetan. Heute jedoch gilt der Film an französischen Universitäten und Institutionen wie der Cinémathèque Française als ein soziologisches und feministisches Meisterwerk der 1970er Jahre. Während ältere Kritiker im Film oft nur ein Melodram sahen, analysiert die heutige Filmwissenschaft Une histoire simple als das Porträt einer stillen, aber radikalen Emanzipation. In Sautets früheren Filmen waren immer Männer die treibenden und prägenden Charaktere. In Une histoire simple gibt es eine wirkliche Umkehrung: Die Frauen – Marie und ihre Freundinnen – werden als stark, entschlossen und fähig zur eigenen Neuerfindung beschrieben. Die Männer hingegen – verkörpert durch Bruno Cremer und Claude Brasseur – werden als labil und beruflich verunsichert gezeigt. Ein großer Schwerpunkt heutiger Analysen liegt auf dem Netzwerk der Frauen im Film. Universitäre Arbeiten heben hervor, dass der Film im Kern kein Beziehungsdrama ist, sondern eine Hommage an die Sororité – an die Schwesternschaft.

Frage aus dem Off: Wie wurde der Film in anderen europäischen Ländern, wie wurde er in der DDR und im sogenannten Ostblock aufgenommen?

Antwort aus dem Off: In den anderen westeuropäischen Ländern wurde der Film fast durchweg enthusiastisch aufgenommen. In Italien wurde der Film als Meisterwerk des psychologischen Realismus gefeiert. Die Italiener sahen in Sautet den französischen Gegenpart zu ihren eigenen Meistern des Beziehungsdramas wie Michelangelo Antonioni. In Spanien, das sich 1978 mitten in der Transición – dem Übergang von der Franco-Diktatur zur Demokratie – befand, wurde Maries selbstbestimmte Abtreibung und Scheidung als ein wichtiges Symbol für die neue europäische Freiheit und Modernität wahrgenommen. Der europaweite Erfolg schwemmte den Film sogar bis in die USA. 1980 wurde „Eine einfache Geschichte“ für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Das unterstrich, dass Sautets sehr europäische, intime Geschichte universelle Wahrheiten berührte, die Grenzen und politische Systeme überschreiten konnte. Im Ostblock – wie in Polen, Ungarn oder der Tschechoslowakei – wurde der Film in ausgewählten Kinos und im staatlichen Fernsehen gezeigt. In Ungarn und Polen genoss das französische Kino traditionell einen hohen Stellenwert als „Fenster zum Westen“. Die Filmkritiker in Warschau und Budapest lobten vor allem das psychologische Feingefühl, dass der Film vermitteln würde. Während in diesen Ländern die politische Zensur bei explizit politischen West-Filmen hart durchgriff, galt Sautets intimes Charakterporträt als unverfänglich und durfte gezeigt werden. In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) kam der Film am 18. Dezember 1981 in die ostdeutschen Kinos. Das war keineswegs selbstverständlich für westliche Filme, die oft strenge ideologische Prüfungen durchlaufen mussten. Dass „Eine einfache Geschichte“ passieren durfte, lag an der Lesart der DDR-Kulturfunktionäre: Die DDR-Kritik und die Filmbewertungsstellen sahen den Film als „Symptom für den moralischen Verfall des westlichen Kapitalismus“. Sautet zeige die seelische Vereinsamung, die existenzielle Krise. In der Lesart augenfällig durch Jerome verkörpert, der sich das Leben nimmt.

Frage aus dem Off: Hat sich Sautet später in einem Rückblick noch mal zu Eine einfache Geschichte geäußert?

Antwort aus dem Off: Die wichtigsten Einblicke in seine späte Sichtweise stammen aus den berühmten „Conversations avec Claude Sautet“ (Michel Boujut), einem umfangreichen Interviewband, den er kurz vor seinem Tod – Sautet starb im Jahr 2000 – überarbeitete und autorisierte. Im Rückblick gab Sautet offen zu, dass er sich während der Dreharbeiten in einer Sackgasse befand. Er empfand seine eigene Inszenierung im Nachhinein als zu glatt, zu vorsichtig und visuell zu bürgerlich. Er erklärte, dass er damals die Leichtigkeit verloren hatte, weil er so sehr darauf fixiert war, gesellschaftlich und psychologisch alles richtig zu machen. Das führte dazu, dass er den Film rückblickend fast als ein wenig gelähmt empfand. Er gestand, dass der Film ohne Romy Schneiders magische Präsenz und ihre Fähigkeit, Emotionen rein von innen heraus zu transportieren, womöglich gescheitert wäre. Sie habe das schwächelnde Drehbuch durch ihre bloße Aura gerettet. Während die Filmwissenschaft den Film heute gerade für seine soziologische Genauigkeit am Ende der Trente Glorieuses lobt [Les Trente Glorieuses (deutsch: die dreißig Glorreichen) waren die dreißig Jahre von 1945 bis 1975 nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Frankreich | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Trente_Glorieuses], war Sautet im Rückblick unglücklich darüber. Er fand, er habe die wirtschaftliche Krise – wie den Suizid der Figur des Jerome – zu sehr wie aus einem Soziologie-Lehrbuch abgearbeitet. Er bedauerte, dass die Balance zwischen Maries intimer Liebesgeschichte und den harten gesellschaftlichen Realitäten seiner Meinung nach nicht perfekt ausbalanciert war.

[Wir waren so verliebt (1974) [Nachtrag I]…]

“ … Wir wollten die Welt verändern, aber die Welt hat uns verändert. … „

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“ … [C’eravamo tanto amati] wirft einen liebevollen, aber kritischen Blick auf dreißig Jahre italienischer Geschichte. Dabei hebt sie die persönlichen und kollektiven Misserfolge einer ganzen Generation hervor. …“ | Aus: „Mastroianni e Scola: c’eravamo tanto amati (Prima parte), Cabiria magazine“ (2024-09-26) | Quelle: https://www.cabiriamagazine.it/mastroianni-e-scola-ceravamo-tanto-amati-prima-parte/
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“ … Nach dem Krieg gehen drei Freunde und ehemalige Partisanen trotz ihrer tiefen Verbundenheit getrennte Wege. Gianni, der seine Ambitionen nie versteckt hat, wird Anwalt in Mailand. Antonio, ein einfacher und spontaner Mann, arbeitet als Krankenpfleger in Rom. Nicola, ein Intellektueller und Lehrer aus Nocera Inferiore, versucht sich als Filmkritiker durchzusetzen. Die Zeit vergeht. Gianni zieht in die Hauptstadt und trifft dort Antonio. Dieser ist mittlerweile mit einer hübschen Nachwuchsschauspielerin namens Luciana verlobt. Antonio bemerkt die Leidenschaft nicht, die sich zwischen den beiden entwickelt. Doch Gianni hintergeht auch Luciana. Er verlässt sie, um die Tochter eines reichen und vulgären Industriellen zu heiraten. Währenddessen nimmt Nicola an der Fernseh-Quizshow „Lascia o raddoppia“ teil. … Die verschiedenen Hauptfiguren wechseln sich als Ich-Erzähler nacheinander ab, fast wie bei einem Staffellauf. Der Kommunist Antonio, der sozialistische Wendehals Gianni, die naive und zerbrechliche Luciana, der gescheiterte Intellektuelle Nicola und Elide, die Tochter des faschistischen Bauunternehmers Romolo Catenacci, die paradoxerweise in ihrer eigenen sozialen Schicht gefangen ist. …“ | Aus: „C’eravamo tanto amati“ Raffaele Meale (06/03/2013) | Quelle: https://quinlan.it/2013/03/06/ceravamo-tanto-amati/
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“ … Am 21. Dezember 1974 kam C’eravamo tanto amati („deutscher Titel: „Wir waren so verliebt“) in die italienischen Kinos. … [Der Film] erstreckt sich über einen Zeitraum von dreißig Jahren. Die Handlung beginnt in den 1940er Jahren, als die drei Freunde während des Krieges die Erfahrung als Partisanen teilen, und reicht bis in die 1970er Jahre. … Der Film betrachtet die Nachkriegszeit, den Wirtschaftsboom und die Anfänge der Krise der frühen 1970er Jahre. Er erzählt dies durch das Prisma einer Freundschaft, die im Widerstand geboren wurde. Dabei schafft es „C’eravamo tanto amati“, die Italiener und ihre Widersprüche auf ironische und treffende Weise zu beschreiben. Der Film überwindet die Grenzen seiner Epoche. Selbst 50 Jahre nach seinem Erscheinen bleibt er aktuell. …“ | Aus: „Cinquant’anni fa usciva ‘C’eravamo tanto amati’, capolavoro di Scola“ Monica Sardelli (20-12-2024) | Quelle: https://www.italyformovies.it/news/detail/2404/cinquantanni-fa-usciva-ceravamo-tanto-amati-capolavoro-di-scola
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“ [Daniel Auteuil:] … Obwohl ich ein junger Mann war, als ich ihn sah, hatte ich das Gefühl, in diesem Moment etwas Endgültiges über das Leben verstanden zu haben. … Ich habe ihn seitdem noch einmal gesehen und ihn meinen Kindern gezeigt, aber ich möchte ihn mir nicht mehr ansehen. Ich kann es einfach nicht! …“ | Aus: „The film that changed my life: Daniel Auteuil – C’eravamo tanto amati (Ettore Scola, 1974)“ Interview von Gemma Kappala-Ramsamy (Sun 11 Dec 2011) | Quelle: https://www.theguardian.com/film/2011/dec/11/daniel-auteuil-film-changed-life
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“ … [Der Film] stellt in aller Schlichtheit und mit viel Menschlichkeit eine sehr komplizierte Frage: Was bedeutet es eigentlich, sein Leben erfolgreich zu gestalten? Dabei geht es überhaupt nicht um gesellschaftlichen Erfolg. Vielmehr geht es um die Träume, die man sich erfüllt – oder eben nicht. … Der Film erzählt die Geschichte einer Viererbeziehung in der Liebe. Ja, das ist mal etwas anderes als die typischen Dreiecksgeschichten! Es geht um drei Männer und eine Frau: Antonio, Gianni, Nicola und Luciana. Die drei Männer wurden während des Krieges im Untergrund zu Freunden. Sie kämpften damals im Widerstand. Doch das echte Leben wird im Laufe der Zeit dafür sorgen, dass sie sich voneinander entfernen. Alle drei sind auf ihre ganz eigene Art in Luciana verliebt. … [Es ist] nicht nur die Liebe, die diese tiefe Freundschaft ordentlich durchschüttelt. Es sind auch ihre politischen Ideale. Werden diese linksgerichteten Männer, diese ehemaligen Partisanen, ihren Prinzipien auf Dauer treu bleiben? Oder werden sie faule Kompromisse eingehen, um sich ein bequemeres und komfortableres Leben zu sichern? … Die Liebe und die Politik sind im Film ständige Quellen für bittere Enttäuschungen. Gleichzeitig hinterfragt das Werk aber auch ganz allgemein die Fähigkeit des Menschen, einfach nur glücklich zu sein. … Das Drehbuch besitzt eine immense Intelligenz und eine unheimliche Feinheit. Man findet darin viele Sätze, die im Gedächtnis bleiben. Ein Beispiel dafür: Nicola und Luciana kommen sich zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben näher, an dem es beiden emotional sehr schlecht geht. Sie erleben eine flüchtige, kurze Liebesgeschichte. Und Nicola sagt in diesem Moment zu Luciana: „Anstatt einem unmöglichen Glück hinterherzujagen, ist es viel besser, sich ein paar schöne Erinnerungen für die Zukunft aufzusparen. So wie diesen Abend.“ Direkt nach diesen Worten bricht jedoch sein Sessel zusammen. Nicola landet mit dem Hintern unsanft auf dem Boden und steckt fest. Diese komische Situation zerstört in einer einzigen Sekunde den klugen, aber eben auch ein bisschen hochtrabenden Gedanken, den er gerade noch ausgesprochen hat. Ich finde, diese Szene fasst den ganzen Film wunderbar zusammen: Es geht darum, das Vergehen der Zeit gründlich zu hinterfragen, aber das Ganze immer mit einer großen Leichtigkeit und einer ordentlichen Portion Humor zu tun. … [Der Film] ist eine Erzählung über verlorene Kämpfe und geplatzte Illusionen. Es herrscht eine spürbare Melancholie, aber die humorvolle Selbstironie ist niemals weit entfernt. Ettore Scola filmt seine Charaktere mit einer unendlichen Zärtlichkeit. Man empfindet für jeden Einzelnen von ihnen echtes Mitgefühl, selbst bei ihren schlimmsten Fehlern. … “ | Aus: „“Nous nous sommes tant aimés“: le chef d’œuvre d’Ettore Scola diffusé sur C8″ (Mercredi 7 avril 2021) | Quelle: https://www.radiofrance.fr/franceinter/podcasts/capture-d-ecrans/nous-nous-sommes-tant-aimes-le-chef-d-oeuvre-d-ettore-scola-diffuse-sur-c8-5933752

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Frage aus dem Off: Besonders ist mir die Szene auf dem Autoschrottplatz im Gedächtnis geblieben. Plötzlich taucht der Film in eine Traumlogik. Ist das typisch für die italienische Filmerzählung im Jahr 1974?

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Antwort aus dem Off: Wow, diesmal am Anfang keine Frage, wie die Deutsche Presse den Film im Jahr 1974 aufgenommen hat?!

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Frage aus dem Off: (lacht) …
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Antwort aus dem Off: Die von dir genannte Szene gehört zu den schönsten Momenten des italienischen Kinos. Die Autowracks stehen für den Schrotthaufen des eigenen Lebens. Der wohlhabende, aber einsame Gianni (Vittorio Gassman) steht auf dem Autofriedhof vor dem Autowrack seiner verstorbenen Frau Elide (Giovanna Ralli). Plötzlich erscheint sie ihm als Geist und es entspinnt sich ein melancholisches Gespräch über Schuld, verpasste Liebe und Reue. Es geht hier gar nicht so sehr um die von dir genannte Traumlogik als Stilmittel. Scola zeigt vielmehr in dieser Szene, dass es Zeit und Raum für Selbstgespräche, für die ehrlichen Motive unseres Lebens geben sollte. Dieses Anliegen wird hier konkret ins visuelle Feld des Kinos gehoben: Das sonst nur im Kopf stattfindende Selbstgespräch wird zur Kinowirklichkeit. Das Stilmittel der Traumsequenz oder der Traumlogik ist gar nicht das entscheidende, es ist viel älter als das Kino. Beispielsweise erscheint in William Shakespeares Hamlet dem dänischen Prinz „der Geist des verstorbenen Vaters“ – wie in einem Traum. Nein, das entscheidende an dieser Szene ist vielmehr die symbolische Trefflichkeit. Ich denke fast jeder erwachsene Mensch kennt diesen ganz und gar persönlichen Schrottplatz der eigenen Lebensentscheidungen und Ideale. Der Film, besonders die Szene auf dem Schrottplatz ist für mich eine zarte, fast intime Aufforderung sich zu prüfen und selbst diese notwendigen Selbstgespräche zu beginnen.

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Frage aus dem Off: Okay. Jetzt kommt die Frage: Wie hat die Deutsche Presse den Film im Jahr 1974 aufgenommen?
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Antwort aus dem Off: „Wir waren so verliebt“ kam im Jahr 1974 gar nicht erst in die deutschen Kinos. Waren es die kulturellen Barrieren? Lag es an dem damaligen Zustand des deutschen Kinomarktes? Lag es am Deutschen Publikum? – Deutsche Verleiher befürchteten jedenfalls 1974, dass dem deutschen Massenpublikum womöglich das historische und gesellschaftliche Wissen fehlen würde, um die Witze, die Ironie und die politische Bitterkeit des Films zu verstehen. Der Film ist eine Hommage an das italienische Kino. Er feiert den Neorealismus, zitiert Filme wie Fahrraddiebe und zeigt Regisseure wie Federico Fellini bei der Arbeit. Es ist ein bisschen bitter zu sagen aber Anfang der 1970er Jahre hatte sich der Geschmack des deutschen Kinopublikums in eine andere Richtung bewegt. In den 1970er Jahre boomten in Deutschland vor allem Hollywood-Blockbuster wie Der Clou (The Sting, 1973) oder Der Pate (The Godfather, 1972 & Der Pate II, 1974) oder ganz andere italienische Genres – namentlich die Prügel-Komödien mit Bud Spencer und Terence Hill. Für eine tiefgründige, melancholische Tragikomödie sahen die Kinobetreiber im Jahr 1974 kaum Chancen. Somit: Der Film fand 1974 in Deutschland schlicht kein Verleiher, der das finanzielle Risiko für diesen Film tragen wollte. Später wurde der Film in Deutschland meist nur im Original mit Untertiteln über spezialisierte Independent-Verleiher in Programmkinos gezeigt. Tatsächlich wurde C’eravamo tanto amati erst am 22. Mai 1979 zum allerersten Mal im Westdeutschen Fernsehen gezeigt. Da der Film zu dieser Zeit noch keinen regulären deutschen Kinostart gehabt hatte, handelte es sich bei der Fernsehausstrahlung um eine echte deutsche TV-Premiere.

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Frage aus dem Off: … und in der DDR?

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Antwort aus dem Off: Der Film wurde in der DDR erst 1989 vom Fernsehen (DEFA-Studio für Synchronisation) lizenziert und für das ostdeutsche Publikum bearbeitet. Obwohl im Westen bereits eine deutsche Fassung existierte, leistete sich die DDR 1989 eine eigene, separate Synchronisation. Das DEFA-Studio für Synchronisation des DDR-Fernsehens war bekannt für seine handwerklich hochklassige Arbeit. Man wollte sicherstellen, dass die feinen politischen Nuancen und die gesellschaftskritischen Untertöne im Sinne des ostdeutschen Publikums exakt und ohne „westliche Einfärbung“ übersetzt wurden. Dass der Film ausgerechnet 1989 in der DDR zur Ausstrahlung bereitstand, entbehrt nicht einer gewissen historischen Ironie. Scolas zentrales Thema – das schmerzhafte Verpassen der eigenen Ideale und der berühmte Seufzer „Wir wollten die Welt verändern, aber die Welt hat uns verändert“ – spiegelte im Jahr 1989 auf verblüffende Weise die innere Zerrissenheit der DDR-Bürger und die krisenhafte Spätphase des Staates kurz vor dem Mauerfall wider.
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Einschub: “ … In einem Buch über den Regisseur Ettore Scola wird erzählt, dass der Film in Frankreich extrem geschätzt wurde. Er gewann sogar einen César. In einigen Pariser Kinos lief er zwei Jahre lang ununterbrochen. Er wurde so oft gezeigt, bis die Filmkopien physisch komplett abgenutzt waren. …“ | Aus: „Dobbiamo vedere “C’eravamo tanto amati” per capire l’Italia di oggi“ DI Manuel Santangelo (2 August 2020) | Quelle: https://thevision.com/atlas/ceravamo-tanto-amati/

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Frage aus dem Off: Ich bemerkte eine eigenartige Ergriffenheit, als ich den Film sah – ich fragte mich was ist es?! … Die Erzähltechnik?

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Antwort aus dem Off: Ich denke es ist schon besonders, wie der Film Nähe zu den Zuschauern herstellt. Mal führt uns der kommunistische Krankenpfleger Antonio durch die Jahre, mal der gierige Anwalt Gianni oder der verbitterte Filmkritiker Nicola. Sogar Nebenfiguren wie Elide bekommen ihre eigene Erzählstimme. Dadurch zeigt Scola dieselbe Epoche der italienischen Geschichte aus völlig unterschiedlichen Blickwinkeln. Fellini und der Schauspieler Marcello Mastroianni spielen sich in diesen Szenen selbst. Die Grenze zwischen der erfundenen Filmwelt und der echten Kinogeschichte verschwimmt. Zu Beginn nutzt Scola den rauen Stil des italienischen Neorealismus. Später kippt er in den kühlen, distanzierten Stil von Michelangelo Antonioni, um die Sprachlosigkeit in Giannis Ehe darzustellen. Er nutzt die Filmgeschichte quasi als Werkzeugkasten, um die seelische Verfassung seiner Figuren zu beschreiben. Das Einfrieren der Zeit bei Monologen, im Italienischen oft als „i soliloqui ad effetto“ bezeichnet, was man mit „wirkungsvolle Selbstgespräche“ übersetzen könnte, all das gehört zu den kühnen Elementen der Erzähltechnik von Ettore Scola in diesem Film. Wenn eine Figur zu sprechen beginnt, verdunkelt sich der Hintergrund, ein Scheinwerferkegel trifft den Schauspieler, und alle anderen Menschen im Raum erstarren wie Wachsfiguren. Elide spricht zum Publikum über ihre Sehnsucht, von Gianni geliebt zu werden. Gianni wiederum spricht in seinem eigenen Scheinwerferlicht über seine Verachtung für ihre vulgäre Familie. Die Figuren haben verlernt, im echten Leben miteinander zu kommunizieren. Sie können die Wahrheit nur noch aussprechen, wenn die Zeit stillsteht und niemand sie hört.

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Frage aus dem Off: Für mich steht Luciana für die Lebenszeit, das vitale, für die Schönheit. Wie ist es bei dir?
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Antwort aus dem Off: Ja, Luciana ist die zentrale Figur. Sie besitzt eine unbändige, naive Lebensfreude. Sie hat Träume, sie will zum Theater, sie lacht und sie liebt leidenschaftlich. Während die drei Männer oft in ihren starren politischen oder intellektuellen Theorien gefangen sind, handelt und fühlt sie einfach. Dadurch, dass der Film sich über 30 Jahre erstreckt, altert natürlich auch Luciana. Auch Luciana sieht man an, wie ihr das Leben Wunden geschlagen hat. Sie erlebt Enttäuschungen, wird betrogen, versucht sich das Leben zu nehmen und muss harte Kompromisse eingehen. Doch im Gegensatz zu den Männern verbittert sie nicht. Ich denke für alle drei Freunde bleibt Luciana das Symbol für die „schönste Zeit des Lebens“. Als der erfolgreiche Gianni nach Jahrzehnten zu ihr zurückkommt und ihr sagt: „Ich habe immer an dich gedacht, ich habe dich immer geliebt“, antwortet sie schlicht: „Ma io no“ („Ich aber nicht“). Luciana behält damit die Hoheit über ihr eigenes Leben, über ihre eigenen Würde und Wünsche. Sie entscheidet, wer welchen Platz in ihrem Leben verdient. Sie steht somit für die Hervorhebung von einem Prinzip der zwischenmenschlichen Autonomie. Es geht darum, dass der Einzelne – trotz aller möglichen Bemühungen oder Erfolge – nicht wirklich bestimmen kann, was er für einen anderen Menschen bedeutet. Es geht um das Unverfügbare in der Liebe.

[Journalismus & Wahrnehmung #31 … ]

… Wahrnehmung ist kein mechanischer Vorgang … Es wird ein falscher Konsens simuliert … Was ist nur los mit den Journalisten, die solche Beiträge verfassen? …

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“ … Realität, also alles Vorfindliche der Welt, ist sprachlich vermittelt. Dies betrifft nicht nur die Tatsachen und Gegenstände der Welt, sondern mehr noch die sozialen und kulturellen Gegebenheiten und deren Auswirkungen, zu denen beispielsweise auch Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Unfreiheit gehören. … Wittgenstein spricht … vom „Kampf gegen die Verhexung unsres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache“. … Die Ohnmacht der Menschen, die sich angesichts erdrückender institutioneller Macht und bestehender Ungerechtigkeiten in sinkender Wahlbeteiligung, steigender Politikverdrossenheit und zunehmender Bereitschaft, radikale Ideen wieder aufleben zu lassen, ausdrückt, bildet die Problemgrundlage. Viele Menschen, die unter den gesellschaftlichen Bedingungen leiden, tendieren dazu, ihr Schicksal schweigend zu erdulden. Es besteht die Gefahr eines gesamtgesellschaftlichen Fatalismus. … Das menschliche Handeln stellt [ ] den Bedeutungshorizont der Sprache dar. … Der zentrale Punkt der Wittgensteinschen Betrachtungen … ist [ ] ein regelmäßiger Zusammenhang zwischen den Sprachspielen und den damit verbundenen Handlungen innerhalb einer Sprachgemeinschaft. … Wittgenstein beschäftigt sich … mit dem Aspektsehen: Die Voraussetzung dafür ist das „Bemerken eines Aspekts“ …“ | Aus einer Diplomarbeit von Huber Christian: „Wittgensteins Pädagogik: Fragmente einer Bildungskonzeption„, Karl-Franzens-Universität, Graz, 2013 | Quelle: https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/231693 // Kontext: Sprachspiel –> https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachspiel

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Fraktaltexte zum Journalismus – oder gegen die Verhexung unsres Verstandes durch die Mittel der Sprache:


Stimme aus dem Off: Ein Echo aus der Zeit. Das Buch „Ideologie als Waffe. Inhaltsanalyse der Bild-Zeitung“ von Reinhard Bechmann, Karlheinz Maldaner, Ludger Loop und Joachim Bischoff erschien 1979 im VSA-Verlag (Hamburg). Es ging um die Bild-Zeitung: Gesellschaftliche Probleme – wie Wirtschaftskrisen oder Ungleichheit – werden nicht strukturell erklärt – stattdessen werden sie auf Einzelschicksale oder persönliche Fehler heruntergebrochen. Die Zeitung konstruiert klare Gut-Gegen-Böse-Muster. Politische Gegner, Streikende oder gesellschaftliche Randgruppen werden oft als Bedrohung für die „hart arbeitende Allgemeinheit“ dargestellt. Die Scheinbare Nähe zum „kleinen Mann“ vermittelt den Lesern das Gefühl, auf ihrer Seite zu stehen und „ihre Sprache“ zu sprechen – transportiert jedoch gleichzeitig Werte, die den Status quo der Reichen und Mächtigen sichern.

Ein Beispiel für absichtliches Missverstehen: „ … Das absichtliche (und wiederholte) Missverstehen, die Verzerrung und Verdrehung von Tatsachen und die Lüge als mediale Methoden untergraben jeden sachlichen Diskurs … „ | Aus: „Gegen die Lügen“ (14. Juni 2021) | Quelle: https://www.merkur-zeitschrift.de/2021/06/14/gegen-die-luegen/ | Erörterung –> „Shitstorm nach Bericht über angeblichen Holocaust-Vergleich“ (12.06.2021): https://www.spiegel.de/politik/deutschland/shitstorm-nach-bericht-ueber-angeblichen-holocaust-vergleich-a-0dbf3dd5-2754-4e4a-8a27-2b56f81af55a | –> “ … In dem Schreiben heißt es zur Rede von Emcke: „Keiner ihrer Sätze ist in irgendeiner Weise als antisemitisch zu werten“. Außerdem kritisiert die Gruppe „die Form der Angriffe“ auf die Publizistin. So werde durch „mutwillig verzerrte Halbwahrheiten und bösartige Verdrehungen von Sinn“ die politische Öffentlichkeit beschädigt und der politische Streit ausgehöhlt. Die Springer-Presse und einige Politikerinnen und Politiker hätten so eine „der wichtigsten Stimmen dieses Landes“ diffamiert. … [Zuletzt veröffentlichten am Montag 30 Intellektuelle aus Kultur, Journalismus und Wissenschaft einen Brief unter dem Titel „Gegen die Lügen“. Den Brief haben unter anderem unterzeichnet: der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, der Pianist Igor Levit und die Philosophin Susan Neiman. Viele der Unterstützerinnen und Unterzeichner sind selbst Juden oder haben jüdische Wurzeln.] … “ | Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/antisemitismusvorwurf-gegen-emcke-das-feindbild-ist-100.html
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Ein Beispiel (2): “ … Im Oktober 1965 rief die SDS-Delegiertenkonferenz alle Studentengruppen zu Informationsveranstaltungen zum Vietnamkrieg auf. Wer dazu schweige, müsse sich klar sein, dass er eine Politik des Völkermords unterstütze. Am 5. Februar 1966 führten SDS, SHB, LSD und HSU eine Demonstration gegen diesen Krieg in West-Berlin durch. 500 der rund 2500 Teilnehmer zogen vor das lokale Amerika-Haus, blockierten den Zugang mit einem Sit-in, bewarfen die Fassade mit einigen Eiern und setzten die US-Flagge auf dem Dach auf halbmast. Obwohl sich alle Studentenverbände außer dem SDS davon distanzierten, nahmen die Zeitungen des Springerverlags den Vorfall zum Anlass für Hetzartikel gegen sie alle. …“ | Aus: „Westdeutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre: Gegen den Vietnamkrieg“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Westdeutsche_Studentenbewegung_der_1960er_Jahre (17. April 2026)

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Stimme aus dem Off: Ich denke an den Aufruf der Bild-Zeitung kurz vor dem Attentat auf Rudi Dutschke vom 7. Februar 1968 (*): „Man darf auch nicht die ganze Dreckarbeit der Polizei und ihren Wasserwerfern überlassen.“ (* Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/anschlag-auf-die-permanente-revolution-100.html | „Anschlag auf die „Permanente Revolution““ Marcus Heumann, 11.04.2008)) – Wie lässt sich Erzählperspektive und die Selbstbezüglichkeit von Journalismus offenlegen? Gab es zu den Vorgängen eine Art Reflexion aus dem Hause des Springer-Verlags in den Jahren 1967–1968?

Antwort aus dem Off: Zeitungen wie Bild und B.Z. spiegelten die verlagseigene, streng antikommunistische Linie wider. Eine öffentliche Debatte darüber, ob die aggressive Wortwahl (wie „Terror der Jung-Roten“) den journalistischen Pressekodex verletzte, fand nicht statt. Jahrzehnte später holte der Verlag die versäumte Selbstbefragung nach, allerdings in Form eines kontrollierten Metajournalismus. Der Verlag versuchte, das historische „Springer-Tribunal“ in den eigenen Räumen mit Alt-68ern neu aufzurollen. Kritiker der taz [“ … Der Springer-Verlag scheitert mit seinem 68er-Tribunal – denn keiner wollte hingehen. …“ aus „Die Beleidigten“ von Steffen Grimberg (24.8.2009) | Quelle: https://taz.de/Springers-68er-Tribunal/!5157492/] bemängelten daran, dass der Verlag versuchte, sich die Deutungshoheit über die [ ] Kritik zu sichern. Mit der Digitalisierung der historischen Artikel schuf der Verlag immerhin ein Instrument der Transparenz, indem eigene fragliche Texte offengelegt wurden. Der Gebrauch von manipulativer Sprache, von extra gesetzten Zweideutigkeiten, von strategisch eingesetzter Unsachlichkeit ist im Journalismus weiterhin gegenwärtig.
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“ … Die Rolle des Springer-Verlags zur Zeit der bundesdeutschen Studentenrevolte harrt noch immer einer wissenschaftlich fundierten Analyse. Die [ ] erschienene Online-Dokumentation [https://www.medienarchiv68.de/] wird da nicht reichen. Allerdings hofft der Verlag …. auf einen „neuen Impuls für die weitere Debatte und eine wissenschaftliche Aufarbeitung.“ Und in der Tat: Ein Schlusssatz in der Diskussion um den Springer-Verlag und 68 fehlt bis heute. … “ | Aus: „Historische Zeitungsseiten gegen ein schlechtes Image“ Michael Meyer (16.01.2010) | Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/historische-zeitungsseiten-gegen-ein-schlechtes-image-100.html
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Kontext: “ … Wie es scheint, eine unendliche Geschichte. Gerd Koenen, Chronist der Protestbewegung, hat schon vor Jahren in seinem Buch „Das rote Jahrzehnt“ (2001) die Dialektik zwischen 68ern und Springer-Presse als „unauflöslichen double-bind von narzisstischer Selbstinszenierung und medialer Vermittlung“ beschrieben. Die „hysterischen Schlagzeilen, Berichte und Karikaturen von ‚B.Z.‘, ‚Morgenpost‘, ‚Welt‘ und ‚Bild'“ hätten den „jugendlichen Protestlern“ jene „umstürzlerische Bedeutung zurückgespiegelt, die sie sich selbst unbedingt zuschreiben wollten“. …“ | Aus: „Springer lädt 68er zum Tribunal“ Reinhard Mohr (02.07.2009) | Quelle: https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/kampf-um-meinungsmacht-springer-laedt-68er-zum-tribunal-a-633924.html
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“ … Die Doppelbindungstheorie beschreibt die lähmende, weil doppelte Bindung eines Menschen an paradoxe Botschaften oder Signale (Doppelbotschaften) und deren Auswirkungen. … Kommunikation bezieht sich nur scheinbar direkt auf die Umwelt. Tatsächlich bezieht sie sich nur auf die von ihr nach ihren eigenen Gesetzen wahrgenommene innere Abbildung der Umwelt, also letztlich auf sich selbst. Diese Selbstbezüglichkeit, auch als Selbstreferenzialität oder Autoreferenzialität bezeichnet, ist typisch für jede Kommunikation. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Doppelbindungstheorie
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Stimme aus dem Off: Ich stolpere oft über das Wort Perspektive. Wie lässt sich das Problem der Perspektive im Journalismus besser fassen?

Antwort aus dem Off: Um die eigene Rolle herauszuarbeiten, müssten sich Journalisten und Leser – also sich selbst – wie ein Rechercheobjekt betrachten. Das Ziel wäre es dann, die eigene Position, den eigenen Werdegang, die eigenen Lebensentscheidungen, den gesellschaftlichen Status, den Habitus mit kritischer Distanz aus mehreren Richtungen zu betrachten.

Frage aus dem Off: Also der eigene Werdegang als Teil der Journalistischen Perspektive? Wären wir dann zuletzt bei so etwas wie einer biografisch bedingten Aspektblindheit?

Antwort aus dem Off: Wahrnehmung ist kein mechanischer Vorgang. Den biographischen Werdegang einzubeziehen bedeutet nicht, die journalistische Distanz aufzugeben. Es bedeutet die Distanz zu sich selbst zu vergrößern. Es bedeutet zu erkennen, was die eignen blinden Flecken formt. Wer beispielsweise in einem sicheren, behüteten Umfeld aufgewachsen ist, hat vielleicht keinen ausgefeilten Blick für die subtilen Mechanismen von Ausgrenzung. Es ist dann leichter möglich den existenziellen Druck zu übersehen, den andere schon als Kinder fühlen. Dann bleiben beispielsweise Zuordnungen starr. Man befragt immer wieder die gleichen inadäquaten Experten, nutzt die gleichen Archivquellen und verfehlt dadurch den Kern der Sache. Es ist klar: Alles was blinde Flecken, die „Aspektblindheit“ aufdeckt erfordert Zeit. Manchmal hilft es bei sich selber den „Anwalt des Teufels“ zu spielen: Nehmen wir bewusst die radikale Gegenposition zu unserer eigenen Meinung ein. Suchen wir nach Argumenten, die diese stützen. Aber zugegeben – im Journalismus geht es eher um die Frage der blinden Flecken in den Redaktionen.

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Zufällig aufgelesener Impuls aus der Gegenwart als Kontext #1 (wir lesen Die Zeit):


“ … Linke widersetzen sich in Erfurt, Rechte marschieren in Schwerin auf. Warum sich junge Menschen im Osten gerade vor allem für die politischen Ränder begeistern. … Bildet sich da eine Generation Hufeisen heraus, eine, die hauptsächlich Ränder wählt und wenig Mitte? …“ | Von Katharina Osterhammer, Aus der ZEIT Nr. 34/2026 | https://www.zeit.de/2026/34/jugendproteste-afd-erfurt-linke-generation-schwerin


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Okapi1 (06.08.2026): „… die Überschrift und der Vergleich („Generation Hufeisen?“) [kann] den Eindruck erzeugen [ ] als stünden linke Protestbewegungen und eine Partei mit dokumentierten rechtsextremen Strukturen auf derselben normativen Ebene. Und die Hufeisentheorie, nach der sich extreme Linke und extreme Rechte ähneln oder politisch nahekommen, ist in der Politikwissenschaft umstritten. …“
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Dirk.B “ … Das ist nicht umstritten in der Politikwissenschaft, sondern widerlegt. …“
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oliver-Oliver: “ … Die sogenannte Mitte (bzw. die Parteien der Mitte) ist in den letzten Jahren immer weiter nach rechts gekippt, insofern weiß ich nicht, ob die Begeisterung für linke und Linke Themen wirklich für das beliebte Bild der Ränder herhalten kann und sollte. …“
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Kixxx (10.08.2026): “ … Ich habe einen Fehler in der Einleitung gefunden: Wer gegen Faschisten demonstriert, ist nicht „politischer Rand“ sondern DemokratIn. …“
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House MD (11.08.2026): “ … Der Artikel hat einige Schwächen. Erstens, die Fixierung auf den Osten. Das alles ist im Westen genau so, bloß nicht ganz so augenscheinlich. Aber den Osten als so eine Art exotisches Zululand zu framen, ist natürlich bequemer. Zweitens, was soll das „Rechts, Links, Mitte“-Schema? Wenn eine Regierung 40% der Wähler vor den Kopf gestoßen hat, sind dann nicht die Regierenden die in der Extremposition? Man könnte genauso sagen, dass die Regierung von Extremisten gestellt wird, die für sozialen Kahlschlag, umweltpolitische Gleichgültigkeit und einen gewissen Rassismus („Stadtbild“) stehen, während sie diejenigen, die zur privatflugzeugfliegenden „Mittelschicht“ oder zur erbenden Oberschicht gehören, konsequent begünstigt. …“

Kontext (und Gedankenausflug) #2 (Räumliche Bezüge: es muss ja nicht immer eine Fixierung auf den Osten sein): “ … Wieso tauchen nun mehr als 20 Jahre später wieder rechte Jugendgruppen in [Hamburg] Bergedorf auf? Um die Kontinuität extrem rechter Organisierung zu verstehen, dass Rechte sich trotz Brüchen und Jahren der Inaktivität, lokal halten, hilft der Blick in eine Studie. 2019 legten Davide Cantoni, Felix Hagemeister und Mark Westcott „Persistence and Activation of Right-Wing Political Ideology“ vor [In „Persistence and Activation of Right-Wing Political Ideology“ (2019/2020) untersuchten Davide Cantoni, Felix Hagemeister und Mark Westcott die langfristige kulturelle Kontinuität rechter politischer Einstellungen in Deutschland –> https://www.davidecantoni.net/pdfs/afd_draft_20190225.pdf], in der sie eine „starke Korrelation“ der Wahlergebnisse der NSDAP zur AfD feststellten. Die Studie möchte die AfD-Wahlerfolge nicht auf einen Aspekt verengen, sie hebt aber hervor, dass „kulturelle Traditionen“ von rechtsextremem Denken „über viele Generationen“ getragen werden kann. In Bergedorf erreichte die AfD bei der Bundestagswahl 2025 17,3 Prozent, in einzelnen Wahlbüros waren es zwischen 20 und 40 Prozent. … Seit Jahren, so Cantoni, sei wissenschaftlich dargelegt, dass eine Beziehung zwischen den Einstellungen der Eltern und Kindern besteht. Sie scheint auch räumlich verankert zu sein. … “ | Quelle: https://taz.de/Rechte-Jugendliche-in-Hamburg/!6203081/
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Dirk.B (10.08.2026): “ … Was genau ist denn bitte politischer Rand, wenn man sich für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und gegen Faschisten einsetzt? Also Artikel 1 bis 16 (in seiner eigentlichen Fassung) befürwortet und sich dafür stark macht? Es macht mich immer wieder fassungslos, wie man sozial engagierte Menschen derart diffamieren und mit Extremisten und Terroristen der Rechten gleichsetzen kann, die Politiker töten, Wohnhäuser mit Menschen anzünden – und Millionen Deutsche aus dem Land werfen wollen. …“
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Briock (10.08.2026): “ … Es macht wohl einen riesen Unterschied, ob man FÜR Demokratie und Vielfalt, für soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz auf die Straße geht, oder man GEGEN Migranten, gegen Inklusion und gegen die Verfassung und unsere demokratischen Werte demonstriert und dabei von einer gesichert rechtsextremen Partei unterstützt wird. … Was ist nur los mit den Journalisten, die solche Beiträge verfassen? … ihr stellt junge Linke mit Nazis auf eine Stufe. …“
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Laus im Pelz: “ … Der Vergleich von Rechtsextremen mit politisch interessierten demokratischen Linken hinkt gewaltig! Ob Frau Osterheimer das jemals kapieren wird??? …“
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fmraaynk “ … Nein … „
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gelassen bleiben: “ … Die eigentlich interessante Frage lautet doch, warum sich Zeit-Redakteure so begeistern Linke Aktivisten mit Rechtsextremisten gleichzusetzen? …“

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Notiz und Kontext #3: Zur Hufeisentheorie und das Bild der Ränder — [“ … Das Modell stellt eine Nähe von Links- und Rechtsextremismus metaphorisch dar: Die Vertreter des Modells gehen davon aus, dass extremistische politische Haltungen aus eigentlich entgegengesetzten Lagern einander oft näher seien als den politisch moderaten Ausprägungen ihres jeweiligen „Feldes“. Nicht der Rechts-Links-Gegensatz sei entscheidend, sondern das Verhältnis zur „gemäßigten“ Mitte …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Politisches_Spektrum#Hufeisenschema]

Notiz und Kontext #3a – Oder Einwurf aus dem Off: “ … Ein zentraler Kritikpunkt in der aktuellen Debatte ist die Entlastungsfunktion für die bürgerliche Mitte. Das Hufeisenmodell suggeriert, dass antidemokratische Gefahren nur von außen „den Rändern“ auf eine an sich gesunde Mitte einwirken. Empirische Studien – wie die Mitte-Studie 2025 – belegen jedoch kontinuierlich, dass menschenfeindliche, autoritäre und demokratieskeptische Einstellungen tief in der sozioökonomischen Mitte der Gesellschaft verankert sind. Das Hufeisenmodell, verschleiert diese hausgemachten Probleme bürgerlicher Gesellschaften. Trotz der breiten wissenschaftlichen Kritik erlebt die Diskussion eine aktuelle empirische Renaissance durch den Aufstieg des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) und dessen Verhältnis zur AfD. Hierbei wird in der modernen Politikwissenschaft jedoch seltener das starre Hufeisen bemüht, sondern eher das Konzept des autoritären Populismus, das links- und rechtspopulistische Methoden vergleicht, ohne die Ideologien gleichzusetzen. Auf der Ebene von Persönlichkeitsmerkmalen und kognitiven Stilen gibt es durchaus Befunde, die Parallelen zeigen. Extrem politische Menschen an beiden Rändern neigen statistisch eher zu Schwarz-Weiß-Denken (Dichotomisierung), zeigen eine höhere emotionale Reaktivität auf politische Debatten und teilen oft ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber etablierten Institutionen. Die Denkstrukturen – Kognition – mögen sich ähneln, die Inhalte und die daraus resultierende Gefährdung für Menschenleben und Gesellschaft unterscheiden sich jedoch fundamental. In der universitären Politikwissenschaft gilt das Hufeisenmodell als „extrem unbrauchbar“ zur tieferen Gesellschaftsanalyse, da es Komplexität reduziert und Ursachenforschung blockiert. Dennoch bleibt es als politischer Kampfbegriff und als einfaches journalistisches Narrativ hochattraktiv … „

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Kontext #4: “ … Der Begriff Extremismus der Mitte wurde von Seymour Martin Lipset in die Soziologie eingeführt. In seinem Buch Political Man (1959) schrieb er, dass der linke Extremismus seine Basis in den unteren Schichten und in der Arbeiterklasse habe, der rechte Extremismus in den Oberschichten verankert und der Faschismus in der sozioökonomischen Mittelschicht beheimatet sei. … In den 1990ern griff der Soziologe Wilhelm Heitmeyer den Begriff „Extremismus der Mitte“ wieder auf und eröffnete eine Debatte darüber, inwieweit Rechtsextremismus „aus der Mitte der Gesellschaft“ komme. Hans-Martin Lohmann publizierte 1994 den Sammelband „Extremismus der Mitte“, in dem verschiedene Autoren die These der „Anschlussfähigkeit einer Vielzahl neu-rechter Themen in der Mitte der Gesellschaft“ vertraten. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Extremismus_der_Mitte (24. Februar 2026)
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Einwurf: „Landtagswahlen 2019: Vor allem Arbeiter wählten die AfD“ von Frauke Suhr (02.09.2019) | Quelle: https://de.statista.com/infografik/19203/welche-berufsgruppen-die-afd-waehlen/ // “ … Die AfD hat bei Arbeitern so gut abgeschnitten wie keine andere Partei. 38 Prozent von ihnen haben sie bei der Bundestagswahl gewählt – deutlich mehr als bei der letzten Wahl. …“ | Aus: „Ist die AfD die neue Arbeiterpartei?“ (25. Februar 2025) | Quelle: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/bundestagswahl-ist-die-afd-die-neue-arbeiterpartei

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Kontext #5 (Thema: Sahra Wagenknecht und die AfD): Stefan Reinecke (8.9.2022): “ … Sahra Wagenknecht betreibt in ihrer Rede im Bundestag AfD-Rhetorik. Dass Teile der Linksfraktion applaudieren, zeigt deren Orientierungsverlust. … Man kann auch mal Beifall von der falschen Seite bekommen. Bei Wagenknecht aber fragt sich, ob sie nicht längst die Seite gewechselt hat – hin zu einem putinaffinen Rechtsnationalismus mit sozialpopulistischer Garnitur. Dass Teile der Linksfraktion bei dieser Show die treuen Claqueure gaben, zeigt, wie weit ihr politischer Orientierungsverlust und ihr moralischer und intellektueller Verfall fortgeschritten sind. …“ | Quelle: https://taz.de/Wagenknecht-Auftritt-im-Bundestag/!5876807/
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Klaus Waldhans, 08.09.2022, 22:17 Uhr: “ … Wagenknecht fährt ja nicht erst seit dem 24. Februar mit einem Ticket, das auch jeder AFD’ler lösen könnte. Ob ihre Beschreibung von ’skurrilen Minderheiten‘ im Zusammenhang mit den Rechten von LGBT- Personen, die problematischen Aussagen zu Flüchtlingen, die unreflektierten Aussagen zu den Corona-Verfügungen und Impfungen, und aktuell die Einlassungen zum Krieg gegen die Ukraine, alles bewusst gesetzte Nadelstiche. Dabei ist doch gar nicht relevant, ob einige ihrer Aussagen zutreffen, wichtiger ist die Assoziierung und Provozierung, die in allen ihren Aussagen mitschwingt. Und da sie nicht auf den Kopf gefallen, ist, macht sie das bewusst und nicht zufällig. Warum die das macht, ist mir unerklärlich …“
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Alfonso Albertus, 08.09.2022, 22:44 Uhr: “ … @Klaus Waldhans: Sie macht das aus der Annahme heraus, daß der „kleine Mann“ mit derartigen Provokation wieder auf die sozialpolitisch linke Spur wechselt und bis zu einem gewissen Punkt muss man ihr dabei auch zu Gute halten, das dies in der Vergangenheit in sozialistischen Bewegungen auch genau so funktioniert hat. Anfang des 20sten Jahrhunderts ging es den Sozialisten weniger um Antirassismus oder Minderheitenrechte, sondern mehr um die ökonomischen Verbesserungen für die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung. … „

[Exkurs aus dem Off: „Der kleine Mann“: Die konkrete Formulierung „die kleinen Männer“ taucht im Deutschen Textarchiv erstmals um 1809 in den Schriften des konservativen Staatstheoretikers Adam Müller auf. Müller nutzte den Begriff mit einem leicht kritischen Unterton für jene Menschen, die im Gefolge der Französischen Revolution plötzlich politisch an Einfluss gewannen und die historische „Bühne“ betraten. Ihre bis heute gültige, emotionale und soziokulturelle Prägung erhielt die Figur durch die Weltwirtschaftskrise. Der Schriftsteller Hans Fallada setzte ihr mit seinem weltberühmten Roman „Kleiner Mann – was nun?“ (1932) ein Denkmal. Die Hauptfigur Johannes Pinneberg – ein kleiner Angestellter aus einfachen Verhältnissen – wurde zum Prototyp des Durchschnittsbürgers, dessen sozialer Status und Existenz durch wirtschaftliche Krisen und die da „oben“ permanent bedroht sind. In der modernen politischen Rhetorik ist der „kleine Mann“ zu einer rein narrativen und strategischen Chiffre geworden. Vor allem im Populismus dient er als rhetorisches Werkzeug, um eine vermeintlich homogene, ehrliche und fleißige Masse der Bevölkerung gegen „die korrupten Eliten da oben“ auszuspielen. In der Politik wird die Figur des „kleinen Mannes“ von fast allen Parteien als strategische Projektionsfläche genutzt. Da sie soziologisch nie exakt definiert wurde. [Martin Mertens Vom kleinen Mann – Die Wirkung von Populismus als Strategie Politischer PR, Hamburg 2014]]
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Herma Huhn, 09.09.2022, 07:23 Uhr: “ … @Alfonso Albertus: Frau Wagenknecht beweist nur gerade sehr deutlich, dass auch intelligente Menschen ihren Kompass verlieren können. …“
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Leningrad 09.09.2022, 08:44 Uhr: “ … @Herma Huhn: Und wer bestimmt, wessen Kompass der „richtig ausjustierte“ ist? …“
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zio pipo, 09.09.2022, 09:49 Uhr: “ … „Man kann auch mal Beifall von der falschen Seite bekommen.“ … Es gibt etliche Nazis unter Borussia Dortmund Fans. Soll ich mich deshalb automatisch von Dortmund distanzieren, nur weil auch ein paar Nazis Dortmund gut finden? …“
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„AfD und BSW: Höcke schlägt Wagenknecht als Thüringer Ministerpräsidentin vor“ | “ … »Werden Sie Ministerpräsidentin des Freistaats Thüringen«: Björn Höcke richtet sich an Sahra Wagenknecht. Im Thüringer Landtag haben AfD und BSW eine Mehrheit …“ (13. August 2026) | https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-08/afd-sahra-wagenknecht-bjoern-hoecke-bsw-thueringen

_proeuropa: “ … Gratulation, Sahra! Merkst Du langsam, was Du anrichtest? …“

drabe: “ .. uuh, spontaner Brechreiz …“
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celsiana: “ … Mich schaudert Frau Wagenknecht. Über ein solches Angebot der AfD würde ich persönlich vor Scham im Boden versinken …“

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Kontext & Exkurs #6: Fragen zu den Diskursstrategien: “ … Es stellen sich Fragen. … wird ein Triggerpunkt bewirtschaftet, um Aufmerksamkeit zu generieren? … Welche Debatten stehen im Hintergrund? Wird ein reaktionärer, sexistischer oder rassistischer Mainstream verteidigt, oder ist ein emanzipativer Anspruch erkennbar? … Wie macht es aber unser Kulturstaatsminister Wolfram Weimer? Er schmeißt alles in einen Topf. In einem Gastbeitrag für die SZ bringt er die jüngsten Angriffe Donald Trumps auf Harvard, das Aussortieren Tausender Bücher wegen angeblicher Pornografie in den US-Bibliotheken, ja sogar die blutige Unterordnung der Künste in China und Russland zusammen mit der Kritik hierzulande an den Kabarettisten Dieter Nuhr, der Autorin J. K. Rowling sowie unkritischer Ausgaben von Karl May. Über das Ungleichgewicht der jeweiligen Machtverhältnisse kein Gedanke. … Links und rechts rücken bei Weimer sowieso zusammen, Hufeisentheorie, klar. Wie wenig sie zur Klärung der Sachlage beiträgt, zeigt sich in Weimers Text: Sensitivity Reading und rechtsradikaler Kulturkampf, moralische Bedenken und tatsächliche Verfolgung von Intellektuellen – sollte man da nicht differenzieren? Weimer kolportiert lieber eine seiner Lieblingsthesen, dass nur die bürgerliche Mitte Bedeutungsoffenheit und Vielfalt der Kunst verteidigt. Aber wann ist etwas „Shitstorm“ und wann „Mitte“? … “ | Aus: „Im tiefen Tal der Hufeisentheorie“ Dirk Knipphals (5.6.2025) | Quelle: https://taz.de/Kulturstaatsminister-Wolfram-Weimer/!6092417/
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Claude Nuage, 05.06.2025, 23:33 Uhr: “ … Wenn die Hufeisentheorie eine rechte Fantasie ist, dann erkläre mir einer, warum BSW und „Linke“ die gleiche Außenpolitik machen wie die Nazis von AfD und NPD. …“
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hinrich, 07.06.2025, 20:04 Uhr: “ … @Claude Nuage: Tun Linke und AfD nicht. Die Linke verurteilt den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Verweist auf internationale Solidarität und arbeitet darauf hin, dass die Ukraine zivil und über Sanktionen gegen Russland unterstützt wird. Zugleich hat sie schon lange einen Standpunkt gegen Waffenexporte in Kriegsgebiete. Die AfD verweist auf Nationalismus. Russland sei vom Westen bedroht worden (Nato-Osterweiterung). Sanktionen und Waffenexporte schaden „dem Volk“. Aus Nationalismus heraus soll mit Russland Frieden geschlossen werden. Die Klammer ist auch das Dogma des Ethnopluralismus. D. h., es könne mehrere „Völker“ geben, die ihre jeweilige Einflusssphäre besitzen und sich nicht „vermischen“. Die Standpunkte sind diametral verschieden. Die Gemeinsamkeit ist das Nein zu Waffenexporten. Jedoch auch das aus nicht zusammenzubringenden Motiven. Für mich ist das BSW keine linke Partei. Sie hierarchisiert Menschen und geht somit nicht von der Gleichwertigkeit der Menschen als Merkmal linker Politik aus. …“
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Henne Solo, 05.06.2025, 16:01 Uhr: “ … „Dass er [Wolfram Weimer] hier selbst als Kulturkämpfer auftritt, scheint er gar nicht zu bemerken.“ Wieso sollte er das nicht merken. Er hat sich doch als genau solcher beworben. Der Mann hat ein Pamphlet namens „das konservative Manifest“ verfasst, in dem er offen seine Hufeisenfixierung zur schau trägt, sich gleichzeitig autoritär und libertär gibt und mit Blut und Boden Argumenten daherkommt, während er den Antisemitismus der Linken (die im Gegensatz zu den Konservativen die Nazis bekämpft haben) und den Muslimen in die Schuhe schiebt und den (zumindest historisch) deutlich einflussreicheren Antisemitismus der Mitte leugnet [„Die konkrete Anmerkung bezieht sich auf die Frage, ob sich Wolfram Weimer demografische Sorgen um die „Fortdauer des eigenen Blutes“ mache, was in der Tat, wenn es zutrifft, eine reaktionäre Denkweise ist. Im Hintergrund steht der bissige Kommentar Jürgen Kaubes zur Berufung Weimers. Der Feuilletonherausgeber der FAZ hatte einige markante Stellen aus Weimers Buch „Manifest des Konservativen“ aufgezählt und dabei kritisch erwähnt, Weimer mache „sich demografische Sorgen um die ‚Fortdau­er des eigenen Bluts‘ und die ‚biolo­gi­sche Selbst­auf­ga­be‘ Europas“. …“ | https://taz.de/Kulturstaatsminister-Wolfram-Weimer/!6081483/]. Der Mann wurde genau deswegen ausgewählt. Es soll den deutschen die (nun mal tendenziell eher progressive) Kultur austreiben. …“
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Tz-B, 06.06.2025, 09:28 Uhr: “ … @Henne Solo: Es gab durchaus Konservative im Widerstand gegen Hitler. Und bitte nicht immer Kritik an Israel – an Netanjahu – mit Antisemitismus gleichsetzen. …“

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Kontext zu sprachlichen (textlichen) Methoden #7
Hedges (Hecken), Framing (Interpretationsrahmen) und Priming (Anbahnung)

Frage aus dem Off: Bei vielen Positionsdebatten überkommt einem leicht das Gefühl von Verwirrung durch die Unschärfe der durcheinandergeworfenen Begriffe bei gleichzeitigem Fehlen von Kontexten. Für das Benutzen von Unschärfe bei Wortbedeutungen und Zusammenhängen gibt es in der englischen Sprache ein Wort: Hedges – Was für eine Rolle spielen Hedges im Journalismus?

Antwort aus dem Off: Sprechen wir zunächst über Priming – zu Deutsch über die Anbahnung. Priming nennt man eine erste unbewusste Beeinflussung des Adressaten, des Lesers durch eine Botschaft. Die Anbahnung (das Priming) ist dafür da, dass bestimmte Textinhalte ihren Weg auf gewünschte Weise ins Gedächtnis, ins Bewusstsein finden. Kommen wir zu den Hecken – den Hedges. Die Linguistik untersucht schon lange, wie Sprecher, Autoren, Journalisten Bedeutungsunschärfe durch Hedges steuern. Der Begriff Hedges wurde 1972 von dem Linguisten George Lakoff [George Philip Lakoff (* 24. Mai 1941 in Bayonne, New Jersey) –> https://de.wikipedia.org/wiki/George_Lakoff] in die Sprachwissenschaft eingeführt. Er definierte Hedges als Wörter oder Phrasen, deren Aufgabe es ist, Gegebenheiten mehr oder weniger gezielt unscharf zu machen. Hedges verändern den Inhalt – die Proposition – den Aussageinhalt eines Satzes. Sie modifizieren die Zugehörigkeit eines Gegenstands zu einer Kategorie. Sprechende oder Autoren setzen Hecken selten aus Unvermögen ein, sondern meist strategisch, um komplexe kommunikative Ziele zu erreichen. In der journalistischen Arbeit sind Hedges ein tägliches, manchmal aber auch unbewusst genutztes Werkzeug. Durch Hecken steuern Autoren den Glaubwürdigkeitsgrad und den Interpretationsrahmen – das Framing – einer Nachricht. Beispiel: „Der Kanzler wirkt bei seiner Krisenbewältigung ein Stück weit überfordert.“ Der kognitive Effekt ist: Durch das „ein Stück weit“ schwächt der Journalist das harte Urteil „überfordert“ scheinbar ab. Kognitiv passiert jedoch das Gegenteil: Das Konzept der „Überforderung“ wird erfolgreich im Kopf des Lesers verankert. Ein anderes Beispiel: Eine hochgradig spekulative oder ehrverletzende Behauptung wird aufgestellt, aber durch ein Fragezeichen am Ende formal in eine Frage umgewandelt: „Prügel-Drama bei Promi-Paar? Hat ER sie geschlagen?“ – Das Gehirn des Lesers verarbeitet diese emotionale Information „Prügel-Drama“, „geschlagen“ sofort bildhaft und speichert den Verdacht ab – die Anbahnung, das Priming findet statt. Die Hecke – hier das Fragezeichen – wird kognitiv meist überlesen. Juristisch ist das Journalistische Medium jedoch abgesichert, da es keine Tatsachenbehauptung aufgestellt, sondern „nur eine Frage gestellt“ hat. Ein anderes Beispiel: Die Hecke „Ganz Deutschland“ ist fast eine totale Generalisierung, ebenso wie „Die Deutsche Wirtschaft“ hier werden semantische Unschärfen strategisch eingesetzt und erzeugt beim Leser das Gefühl einer Norm. Es wird ein falscher Konsens simuliert.

Frage aus dem Off: Was ist, wenn wir den Blickwinkel ändern. Können wir die Fragen umdrehen? Warum gibt es – oder warum braucht es Hedges, Framing und Priming?

Antwort aus dem Off: In der Linguistik und Journalistik sind Hedges, Framing und Priming nicht wegzudenken. Sprache ist niemals vollkommen objektiv. Während Hedges, Framing und Priming in der Sprachwissenschaft als universelle kognitive Werkzeuge gelten, erfüllen sie im Journalismus eine allerdings doppelte Funktion: Sie sind handwerklich unverzichtbar, um komplexe Realitäten verständlich zu machen. Hedges, Framing und Priming bergen aber auch das Risiko der bewussten Manipulation. Von einer anderen Seite gesehen: Das Aufzählen von „reinen Fakten“ funktioniert nicht. Ein Autor, ein Journalist muss eine Auswahl treffen, welche Daten relevant sind – und wie sie zusammenhängen. Dieses strukturierte Erzählen ist für lesende Menschen notwendig. Ohne einen erzählerischen Rahmen – ohne das „Framing“ – wäre ein Artikel nur eine unlesbare Liste von Datenpunkten. Das Priming wird im Journalismus beispielsweise für eine griffige Themensetzung notwendig. Oft ist ein Journalist bei einem Ereignis selbst nicht vor Ort und kein Zeuge. Hedges sind dann das Werkzeug der journalistischen Sorgfaltspflicht. Wenn eine Behörde über einen „mutmaßlichen Täter“ spricht, versucht diese Hecke die Persönlichkeitsrechte zu schützen und eine Vorverurteilungen zu verhindern. Ich denke Framing ist der mit Abstand prominenteste Begriff im jetzigen Mediendiskurs. Er hat den Sprung aus den Universitäten in den alltäglichen Sprachgebrauch geschafft.

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Kontext & Exkurs #8 (Patrick Lawrence, «Heute Journalist sein»):

“ … Journalismus ist im Grunde nichts anderes als Sehen und Sagen, mehr nicht. Wenn Sie alles Überflüssige und alle Seepocken der Konvention abkratzen, haben Sie Beobachtung, Berichterstattung und Schreiben oder Sprechen oder Filmen. Alle angehäuften Lasten – die Ehrerbietung gegenüber der offiziellen Autorität, die engen Grenzen, die «akzeptable» Quellen und Perspektiven definieren, die dichte Sprache der Bürokraten, vor allem der Anspruch auf Lippmannsche Professionalität [“ … Lippmann befürwortet die Steuerung der öffentlichen Meinung durch eine intellektuelle Elite im „allgemeinen Interesse“, für das Gemeinwohl im Sinne der Staatsräson. …“ –> https://de.wikipedia.org/wiki/Die_%C3%B6ffentliche_Meinung] und die Mitgliedschaft in politischen und administrativen Eliten – das alles kann abgestreift werden. Vieles davon, vielleicht sogar das meiste oder alles, ist auf die eine oder andere Weise auf die ungesunden Beziehungen zur Macht zurückzuführen … . Zu der politischen, unternehmerischen und finanziellen Macht kommen noch die bürokratische Macht, die Macht der Redaktionshierarchien, die Macht der eingebetteten ethischen Korruption hinzu – alles in allem die Trägheit und Lethargie, die sich über den Berufsstand legen. … “ | Aus: „«Heute Journalist sein»“ Patrick Lawrence (2023) [Patrick Lawrence, langjähriger Auslandskorrespondent, vor allem für die «International Herald Tribune», ist Kolumnist, Essayist, Autor und Dozent …] | Quelle: https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2023/nr-13-13-juni-2023/heute-journalist-sein
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Das Werk erschien im Oktober 2023 und ist eine Mischung aus persönlicher Biografie und Gesellschaftshistorie. Patrick Lawrence kritisiert darin scharf den Zustand moderner amerikanischer Leitmedien seit der Ära des Kalten Krieges [https://mediashop.at/buecher/journalisten-und-ihre-schatten/]. … “ // … „Shadows“ ergründet das psychologische Dilemma …. Journalisten unserer Zeit sind in sich gespalten – einerseits getrieben von dem Anspruch, durch und durch professionellen ideologisch konformen Standards zu genügen, andererseits unterschwellig darum kämpfend, jene Barrieren zu durchbrechen, die verhindern, dass die Wahrheiten vermittelt werden, die eigentlich vermittelt werden sollten. Diese Barrieren kreieren, wie Jung es ausgedrückt hat, die Schatten des Journalisten. …“ (Über: Journalists and Their Shadows, Quelle: amazon.co.uk)

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Kontext & Exkurs #8 (Carl Gustav Jung, „Der Schatten“):

“ .. Der Schatten ist einer der wichtigsten Persönlichkeitsanteile und zugleich, in seinem überpersönlichen Aspekt, ein Archetyp des kollektiven Unbewussten. Der psychologische Begriff des Schattens hat sowohl eine individuelle als auch eine kollektive Bedeutung. Zu ‚Schatten‘ im Sinne von ‚Seele‘ oder als realer ‚Doppelgänger-Geist‘ … Er [Der Schatten] enthält oft die ’negativen‘, sozial unerwünschten und daher unterdrückten Züge der Persönlichkeit, also jenen Teil des Ichs, der wegen möglicherweise gesellschaftsinkompatibler Tendenzen gerne unbewusst gehalten wird. Seine Entwicklung beginnt bereits in den ersten Lebensjahren des Menschen infolge der von der Umwelt an das Individuum herangetragenen Anforderungen, Erwartungen, Gebote und Verbote. … der Schatten lebt [ ] ziemlich unabhängig vom Ich-Bewusstsein mit. Ist der Schatten der bewussten Kontrolle entzogen, kann er ähnlich wie ein Komplex in „obsedierender oder – besser – possedierender Art“ [C. G. Jung (1950). Aion: Beiträge zur Symbolik des Selbst. GW Band 9/2: §15] affektvoll und störend dem Ich-Bewusstsein dazwischenfunken. [obsidere (belagern, besetzt halten), possedere (besitzen, in Besitz nehmen)]. Im Aspekt seiner ‚Naturhaftigkeit‘ … besteht eine Übereinstimmung dieses ‚Schatten‘-Konzepts mit dem Freud’schen Begriff des Es, das im Gegensatz zu Ich und Überich unbewusste Teile der Persönlichkeit repräsentiert. …“ | Aus: „Schatten (Archetyp)“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Schatten_(Archetyp) (15. April 2025)

[Mythen meiner Kindheit #31… ]

Louise Osborne (31.12.2010) “ … Jemanden, der lallt oder betrunken versehentlich aus einem Blumentopf trinkt, habe ich einfach schon zu oft gesehen. Über die hundertste Wiederholung kann ich deshalb nicht mal mehr müde lächeln. …“ | Quelle: https://taz.de/Warum-Briten-Dinner-for-One-kaltlaesst/!5129531/

Ähnlich habe ich auch empfunden. Es gibt demgegenüber Gedanken, die einem erst vor einem Grab stehend in den Kopf fallen. Eine Erinnerung kippt zur nächsten. Wie umstürzende Dominosteine. Einer dieser Dominosteine ist bei mir Dinner for One. In den 1970er Jahren hatte ich – meinem Kinderlebensgefühl nach – eine außergewöhnliche Realitätsinsel. Da gab es braunes Geschirr, die farbigen Servierten, den Wandteppich mit dem Schiffsmotiv, die Zierpflanzen, Apfelsaft, festen Regeln, warmen Kacheln im Badezimmer, die Couch und die Sessel im Wohnzimmer. Ich kannte den Geruch des Bücherregals oder das Quietschen beim öffnen von Schubladen. Ich war bei „meiner Oma Stasi“. Dort war der Gegenort zum manchmal stürmischen Familiengeschehen. Was hat das mit Dinner for One zu tun? – Oma Stasi feierte an Silvester ihren Geburtstag. Ein Ritual. Luftschlangen hingen am Deckenleuchter. Mindestens ein kleiner schwarzer Schornsteinfeger – mit einer Leiter im Arm – stand als Glücksbringer mit Tischbomben, gedruckten vierblättrigen Kleeblättern und Dekorationsschweinen auf dem Essenstisch. Zum Essen würden dann auch die anderen kommen. Mein Vater im Anzug. Ich kannte ihn sonst eigentlich nur in Jeans. Stundenlang roch es seltsam, bevor der Karpfen serviert wurde. Dazu Kartoffeln. Meerrettichsahne. Flüssige Butter. Petersilie. Es war alles geregelt: In den Ferien musste ich – spätestens wenn der Tatort mit seiner unverkennbaren Titelmusik begann – ins Bett. Die Schlafzimmertür durfte angelehnt bleiben – so konnte ich das Filmgeschehen gedämpft und leise über den Flur mithören. So fühlte ich mich nicht alleine und hatte keine Angst. Der Silvesterabend war anders. Ich durfte aufbleiben. Der Röhrenfernseher im Wohnzimmer zeigt Dinner for One. Die infrarot Fernbedienung liegt vor uns auf dem kleinen Tisch. Die Kinderaugen sehen einen Butler und eine alte Frau. Schwarzweißbilder, Lacher im Publikum. Ich verstand irgendwie nichts, konnte kein englisch, aber ich freute mich, wenn meine Oma Stasi lachte – Ernst, weißhaarig, lachte neben ihr laut durch die Nase. Ernst lachte ein bisschen so wie Ernie von Ernie und Bert aus der Sesamstraße. In seiner Schrift über den Witz und seine Beziehung zum Unbewussten betonte Freud, dass der Lustgewinn beim Witz auf einer kurzzeitigen Lockerung von Verdrängungen beruhe. [„Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten“]. Später erst begriff ich: Dinner for One führt die menschliche Abwehr von Vergänglichkeit vor. Dinner for One zeigt die Dynamik von Abhängigkeit (Dienen und Herrschen) und die daraus resultierende neurotische Beziehung. Der ausgestopfte Tigerkopf, über den James stolpert – oder nicht – wurde für mich ein Sinnbild zur Wiederkehr des Verdrängten. Natürlich ist das lustig. Aber vielleicht kann man mit Stolperslapstick und auf betrunken machen heute nicht mehr kommen. Es gibt auch „meine Oma Stasi“ ist mehr. Das Haus ist verkauft. Die Welt der 1970er ist längst versunken. Oma Stasi bekam Alzheimer. Das war grausam. In Holzkisten lagere ich ihre selbst angelegten Bilderalben, mit eingeklebten Fotos zwischen dünnem Pergamentpapier, in denen sie handschriftlich die Jahreszahlen und Namen eingetragen hat. Die Bilder von Dinner for One und die Bilder in den Fotoalben Teilen den gleichen Mechanismus, ein ähnliches Prinzip: In den Fotoalben sehe ich auf Zeiträume, in denen verstorbenen Menschen für einen kurzen Augenblick durch ihr Bild, durch das Foto, für mich in die Gegenwart treten – und ich selbst werde beim Blick auf ein Foto zu einer Miss Sophie.

Freddie Frinton als James und May Warden als Miss Sophie (1963)


Hintergrundrauschen: “ … Juli 1963 wird Dinner for One aufgezeichnet. Um die Illusion von Theateratmosphäre zu erzeugen, wird im Studio schnell ein Publikum aus NDR-Mitarbeitern zusammengestellt. Darunter ist auch Sonja Göth, die einen Lachkrampf bekommt, als Frinton über den Kopf eines Tigerfells stolpert und sein Tablett in hohem Bogen davonfliegen lässt. So schreibt sich Göth zum Unmut des Aufnahmeleiters für die Nachwelt gut hörbar in die Geschichte des Sketches ein. … 1972 zieht NDR-Unterhaltungschef Henri Regnier das Band aus dem Archiv und platziert es zu Silvester. Seitdem läuft „Dinner for One“ … jedes Jahr zum Jahreswechsel … “ | Aus: „8. Juli 1963 – „Dinner for One“ wird aufgezeichnet“ (08.07.2013) | Quelle: https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag7664.html | “ .. Im Ursprungsland Großbritannien wurde Dinner for One nur vereinzelt ausgestrahlt und ist weitgehend unbekannt. … “ | | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Dinner_for_One

[RWF #22… ]

“ … Amerika, 1878. Im Haus des reichen Farmers Ben Nicholson herrscht Dekadenz und Intrigantentum. Bens junge Frau Kate interessiert sich nur für Sex und Geld und wartet sehnsüchtig auf den Tod ihres Mannes. Während Bens Kinder aus erster Ehe debil sind, wird Whity, sein illegitimer Sohn aus der Beziehung mit der schwarzen Köchin, von der ganzen Familie je nach Belieben als Dienstmann, Lustobjekt, Kindermädchen und Prügelknabe missbraucht. Widerstandslos erträgt er seine Rolle, bis ihm die Prostituierte Hanna die Augen öffnet. Whity holt zum umfassenden Strafgericht aus. … “ | Aus: „Whity“ (Drama aus dem Jahr 1971 von Rainer Werner Fassbinder mit Günther Kaufmann und Ron Randell) | Quelle: https://www.moviepilot.de/movies/whity

alter.native (2018): “ … Whity gehört zu Fassbinders Anfängerfilmen, man sieht den Einfluss seiner Antitheater-Spielweise noch deutlich und sein eigener Auftritt ist sowas von unterirdisch . . . ! Aber er ist ein schönes Zeitdokument …“ | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Antiteater | Kontext: Die Bedeutung des antiteater-Kollektivs für den Übergang zum Film –> Alexander Stiefel: Rainer Werner Fassbinders Frühwerk: Mit dem Antiteater-Kollektiv zum Film (2012) –> https://d-nb.info/1339999226 | https://monami.hs-mittweida.de/files/2169/BACHELORARBEIT.pdf


“ … Whity is a fascinating Weltschmerz spaghetti western …“ | From: „Review: Whity“ Ed Gonzalez (2. September 2003) | Source: https://www.slantmagazine.com/film/whity/ | Whity ist ein deutscher Spielfilm von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1971. In diesem Melodram in der Form eines Westerns verarbeitet Fassbinder einige seiner bevorzugten Themen wie dysfunktionale Familienverhältnisse und die Rolle des Einzelgängers in der Gesellschaft. … Weder das Premierenpublikum noch die Filmkritik zeigte sich besonders beeindruckt von Whity.–> https://de.wikipedia.org/wiki/Whity


“ … Die zentralen Kategorien, um die die Geschichte kreist, sind Geld und Liebe und die Beherrschung aller Akteure durch diese beiden Momente. Whitys Familie ist beherrscht von Verrat und Intrigen. Katherine will Alleinerbin des Besitzes werden. Für Frank gilt dasselbe. Und Ben will seine lästige Frau, die er durch die Intrige mit dem falschen Arzt überführt hat, los werden. Für Whity ist diese Familie auch seine Familie – trotz der sklavenhalterischen Umstände, unter denen er dort leben muss. Man könnte auch sagen: Whity ist das schwarze Schaf dieser Familie – was besonders deutlich würde, wenn man den Film seiner „Südstaaten-Verkleidung” berauben würde. … Es geht also um das Austarieren der Möglichkeiten eines Menschen, sich trotz aller Widrigkeiten in derartige Strukturen zu integrieren. Whity versucht dies bis an die Grenzen des Möglichen. … Die Wüste, das Nichts, das Ex-Territoriale ist eine nur für kurze Zeit mögliche Stätte der Gefühle jenseits des Geldes. Das Scheitern von Whity und Hanna hat trotzdem etwas Tröstliches, weil es das Scheitern eben jenseits dieser Allmacht verkörpert. Gleichzeitig ist dieser tröstliche Schluss aber auch geprägt von der tragischen Einsicht der Aussichtslosigkeit eines freien Lebens freier Menschen innerhalb der bestehenden Strukturen. … “ | Aus: „Whity – Deutschland 1971, 95 Minuten (DVD: 92 Minuten) Regie: Rainer Werner Fassbinder“ | Quelle: https://www.follow-me-now.de/html/body_whity.html

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Whity | Director: Rainer Werner Fassbinder
Director of Photography: Michael Ballhaus
Production Design: Kurt Raab | Year: 1971
https://film-grab.com/2013/05/29/whity/

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Frage aus dem Off: Warum kam Whity 1971 nicht in die Deutschen Kinos?

Antwort aus dem Off: Die zeitgenössische Kritik strafte den Film ab. Er wurde von Rezensenten unter anderem als eine Art „Edelschnulze ohne Tiefgang“ verspottet. Andere sahen in ihm eine misslungene Parodie auf das damals populäre Genre des Italo-Westerns. Da kommerzielle Verleiher das finanzielle Risiko scheuten, blieb nur das Fernsehen als Abnehmer. Aber auch die Deutschen Fernsehanstalten wollten Whity nicht. Aufgrund dieses doppelten Desinteresses von Kino-Verleihern und TV-Sendern verschwand das Werk im Archiv. Der Film Whity wurde erst am 21. November 1989 im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Die TV-Premiere fand auf dem Privatsender ProSieben statt – mehr als 18 Jahre nach seiner Uraufführung. Während Whity 1971 als isoliertes, misslungenes Experiment abgetan worden war, ermöglichte die Ausstrahlung am Ende der 1989er-Jahre – sieben Jahre nach Fassbinders Tod – eine völlig neue Lesart aus der historischen Distanz. Jetzt erst wurde gesehen, dass Whity den Wendepunkt markierte, an dem Fassbinder seine frühe, spröde Theater-Ästhetik verließ, um sich den großen Gefühlswelten des Regisseurs Douglas Sirk zuzuwenden.

Frage aus dem Off: Noch mal zurück in der Zeit. Wie reagierte die Presse im Jahr 1971?

Antwort aus dem Off: Es gab 1971 durchaus eine intensive inhaltliche Auseinandersetzung mit Whity. Die Kritiker lehnten den Film zwar mehrheitlich ab, taten dies aber nicht nur aus handwerklichen Gründen, sondern arbeiteten sich ganz konkret an Fassbinders radikaler inhaltlicher und formaler Dekonstruktion ab. Mehrere Kritiker warfen Fassbinder 1971 vor, das Thema Rassismus und Unterdrückung nicht ernsthaft politisch, sondern rein ästhetisch zu behandeln. Anstatt die realen historischen Ursachen zu analysieren, nutze Fassbinder das Thema nur als Kulisse für seine persönlichen Lieblingsthemen. Es blieb dennoch nicht verborgen, dass die zerrüttete Nicholson-Familie als Metapher für kapitalistische und patriarchale Machtstrukturen angelegt war. Aber für das damalige durchaus linke Kinopublikum war der Film irritierend stark sexualisiert, die sadistische Ebene wurde oft als „zu privat“ und der Film als zu wenig klassenkämpferisch empfunden. Der größte Vorwurf war Eskapismus. Das linke Bildungsbürgertum und die Filmkritik erwarteten von Vertretern des Jungen Deutschen Films gesellschaftskritischen Realismus. Dass Fassbinder mit Whity ein hochstilisiertes, künstliches Melodram im Stile Hollywoods drehte, wurde ihm inhaltlich als Rückschritt und Verrat an den Idealen der 68er-Bewegung ausgelegt. Die stark weiß geschminkten, maskenhaften Gesichter der Herrschaftsfamilie wurden als billiger Theater-Effekt abgetan. Die weißen Gesichter und die ungelenk langsamen Bewegungen der Nicholson Kinder wurden erst Jahre später als visuelle Chiffren für die Erstarrung und die „Zombielike-Existenz“ der herrschenden Klasse erkannt. Fassbinders Ansatz, gesellschaftliche Unterdrückung über Psychodrama, künstliche Ästhetik und Kinomythen zu erzählen, wurde erst Jahre später begriffen. Was 1971 noch als Theaterkitsch, misslungene Parodie oder Whiteface-Mummenschanz kritisiert wurde, las die Kritik ab 1989 als wegweisende postmoderne Dekonstruktion. Das Spiel mit Kinomythen des Westerns, die Technicolor-Scope-Bilder und die betont künstliche Maskenhaftigkeit der Figuren wurden nun nicht mehr als handwerklicher Mangel ausgelegt. Stattdessen wurde den Film als eine bewusste, stilisierte Parabel über Macht und Unterdrückung gedeutet. Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass ausgerechnet der damals junge, kommerziell ausgerichtete Privatsender ProSieben diesen lange Zeit verschollenen, avantgardistischen Film aus dem Archiv holte, während die öffentlich-rechtlichen Sender das Werk über fast zwei Jahrzehnte ignoriert hatten. Die Resonanz von 1989 legte den Grundstein dafür, dass Whity in den frühen 1990er-Jahren dann endlich auch den Weg in die Programmkinos fand.

Frage aus dem Off: Waren die Deutschen zu humorlos in Bezug auf Whity?

Antwort aus dem Off: Die späten 1960er und frühen 1970er Jahre waren in der deutschen Kulturlandschaft extrem politisiert. Film wurde als Werkzeug zur gesellschaftlichen Aufklärung und Revolution verstanden. Diese Humorlosigkeit war also kein Zufall, sondern lag auch an einer Kollision von Erwartungshaltungen. Fassbinders Filme, ganz besonders Whity, sind durchzogen von Elementen des Camp, einer Ästhetik des bewusst Übertriebenen, Künstlichen und Theatralischen, sowie einer tiefen, oft extrem bitteren Ironie. Wenn die herrschende weiße Familie in Whity unnatürlich kalkweiß geschminkt ist und sich mechanisch wie Zombies verhält, steckt darin eine böse, satirische Komik. Die deutsche Kritik von 1971 besaß damals schlicht nicht das popkulturelle Vokabular, um auf diese Art von sarkastischer Übersteigerung zu reagieren. Fassbinders Humor war den Intellektuellen zu zynisch und nihilistisch. Dass er ernste Themen wie Rassismus, Unterdrückung oder sexuelle Ausbeutung in Form einer grotesken, bizarren Italo-Western-Parodie verpackte, empfand das Bildungsbürgertum als geschmacklos und politisch unproduktiv. Man lachte nicht, weil man den Witz moralisch unzulässig fand. In Deutschland gab es historisch eine strikte, fast neurotische Trennung: Kunst und Politik mussten schwer, schmerzhaft und ernst sein. Unterhaltung und Genrezitate galten als verdächtig. Fassbinder versuchte diese Starrheit aufzubrechen, indem er die Mechanismen des melodramatischen Hollywood-Kino für seine Inhalte nutzte. Für diese Grenzüberschreitung wurde er vom deutschen Publikum, das Kino mit fast mit pädagogischer Arbeit gleichsetzte, lange Zeit abgestraft. Wie humorlos die deutsche Rezeption war, zeigte sich oft im Vergleich zum Ausland. In Frankreich oder den USA wurden Fassbinders Filme oft viel schneller als „garstig komische“ Gesellschaftssatiren verstanden. Dort feierte man den provokanten Humor und den Mut zur Hässlichkeit, während man in Deutschland primär Skandale witterte und sich moralisch echauffierte. Es fällt auf, dass es lange dauerte bis sich in Deutschland die popkulturelle Distanz einstellte die es braucht, um den sarkastischen Humor in Fassbinders Blick auf die deutsche Seele würdigen zu können. Klar, Fassbinders Humor war nie zum „Schenkelklopfen“ gedacht. Es war ein Humor der Verzweiflung. In Interviews zeigte sich Fassbinder oft frustriert. Er wehrte sich vehement gegen das Korsett des reinen „Problemfilm-Regisseurs“. Fassbinder warf den deutschen Feuilletonisten wiederholt vor, Filme nur mit dem Kopf und nach ideologischen Checklisten zu bewerten, statt sich auf die Inszenierung einzulassen. Er empfand die Erwartung, Kunst müsse stets eine moralisch korrekte, pädagogische Botschaft liefern, als zutiefst beschränkt und lähmend. Wer Fassbinders Filme heute ohne die Verbissenheit der 1970er-Jahre schaut, entdeckt eine Fülle von tiefschwarzer Komik, Groteske und Satire.

[Zum Phantombesitz #1]

Zur Archäologie der Seele (Anmerkung I): Das Töten aus Lust hat nicht nachgelassenOder Gedanken zum Gewaltensable in der Psyche…

Symbolbild: Archäologie entdecken im Zentrum Hamburgs (1962) … „Das ringförmige Turmfundament aus dem 12. Jahrhundert mit seinen 19 Metern Durchmesser ist das älteste erhaltene Steingebäude der Hamburger Altstadt.“ | via (Archäologie entdecken im Zentrum Hamburgs)

Kontext: “ … Die kognitive Archäologie versucht, aus den archäologischen Hinterlassenschaften der frühen Menschen Rückschlüsse auf ihr Denken und ihre kognitiven Fähigkeiten zu ziehen. Der britische Archäologe Colin Renfrew hat die Bezeichnung kognitive Archäologie in den 1980er-Jahren geprägt … Zu den heute wichtigsten Vertretern der kognitiven Archäologie gehört Steven Mithen. In seinem Buch „The prehistory of the mind“ beschreibt er, wie sich der menschliche Geist entwickelt hat. …“ | Kognitive Archäologie –> https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Arch%C3%A4ologie



Einstiegspunkt in das Feld der Realität: “ … Vor dem Treffen des Arktischen Rates, der 1996 zum Interessenausgleich zwischen [ ] Staaten und den in der Region lebenden indigenen Völkern gegründet wurde, richtete der russische Außenminister Sergej Lawrow eine deutliche Warnung an den Westen: Die Arktis sei russisches Territorium — alles, was Russland dort militärisch unternehme, sei „legitim“, erklärte er. | Quelle: https://www.stern.de/panorama/wissen/natur/russischer-anspruch-auf-die-gesamte-arktis-30531518.html | Es fühlt sich unausweichlich an [es gilt] alles wie Besitz zu behandeln – nicht nur das materielle Eigentum, sondern auch erworbenen Status, unsere Gefühle, den Respekt, von dem wir meinen, dass er uns zusteht. Unsere Gefühle kommen nicht aus dem Nichts, sondern aus der [Ordnung], die uns umgibt. … im Vernichtenkönnen beweist sich der Besitzanspruch … | … US-Präsident Trump droht vor dem Ablauf des von ihm gesetzten Ultimatums mit der Auslöschung „einer ganzen Zivilisation“. …“ | Aus: „Entsetzen über Trumps Drohung „ganze Zivilisation wird sterben““ (07.04.2026) | Quelle: https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/entsetzen-ueber-trumps-drohung-ganze-zivilisation-wird-sterben,VG8HJDv | “ … In der Stadt Gaza sind 112 Palästinenser beigesetzt worden, deren Leichen fast drei Jahre nach einem israelischen Luftangriff aus den Trümmern geborgen wurden. Die Toten wurden am Dienstag bei einem Massenbegräbnis in der Stadt Gaza beerdigt, wie der Zivilschutz des von der Hamas kontrollierten Innenministeriums mitteilte. Demnach gehörten die Opfer zu den mehr als 300 Menschen, die am 22. November 2023 bei einem Luftangriff auf einen Wohnblock im Stadtteil Sabra ums Leben kamen. Einsatzkräfte hätten die Leichen nach 136 Stunden Suche am Wochenende geborgen. …“ | Aus: „Drei Jahre unter den Trümmern, nun beerdigt“ (5.8.2026) | Quelle: https://taz.de/-Nachrichten-im-Gaza-Krieg-/!6201870/ | “ … Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kyjiw und ihre Umgebung in der Nacht erneut mit ballistischen Raketen angegriffen. Dabei seien mindestens 17 Menschen getötet worden, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf X mit. Demnach wurden mindestens 44 Menschen verletzt. …“ | Aus: „Ukraine meldet 17 Tote nach russischen Angriffen in Region Kyjiw“ (5. August 2026) | Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-08/kyjiw-raketenangriff-russland-ukraine-tote-gxe

usw.

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Frage aus dem Off: Woher kommt die anhaltende Lust am Martialischen, an der Zerstörung, die Lust auf Besitz, die Lust am Töten. Woher kommt die andauernde Entfachung des Todestriebs? | [ … [“ … Eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Konzeption des Todestriebs spielte für Freud dabei die Erfahrung des Ersten Weltkriegs, der ein bis dahin noch nie erlebtes Ausmaß an menschlicher Zerstörungslust offenbarte. Erich Fromm analysierte in seiner Schrift Anatomie der menschlichen Destruktivität (1973) unter anderem Adolf Hitler und Heinrich Himmler als „destruktive“, auf pathologische Weise vom Todestrieb beherrschte Charaktere. …“ | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Todestrieb ] … ]

Antwort aus dem Off: Ich glaube heutige Gewalt – in diesem Sinne nach dem Todestrieb befragt, lässt sich nicht ohne einen Blick auf die Geschichte der Gewalt nachvollziehen. Gemeint sind die grausamen Ablagerungen, die seelisch düsteren Sedimente aus der Gewaltgeschichte der Menschheit. Martialisches Handeln in der heutigen Politik ist für mich ein Symptom für eine Resignation gegenüber der Aufklärung. Handlungen von blinder Gewalt erscheinen mir wie eine Art geistige Schwäche, eine Überforderung gegenüber einer komplexen Moderne. Gewalt so gesehen entspringt einer Hilflosigkeit, einem düsteren Trieb, einem blinden Bedürfnis. Gewalt als letzter Ausweg, als ein psychologischer Schutzmechanismus, um in einer unübersichtlichen und verwirrenden Welt durch Aggression ein Gefühl von Kontrolle und Eindeutigkeit zurückzugewinnen. Das Ergebnis sind dann neue verehrende Verletzungen. Die Gewaltspirale beginnt von Neuem.

Frage aus dem Off: Wie lässt sich die Dominanz, die Intensität des Todestrieb übergreifend herleiten?

Antwort aus dem Off: In der Steinzeit war physische Aggression teilweise überlebensnotwendig für Jagd, Territorialverteidigung und Schutz. Diese biologischen Programme, die Kampf-oder-Flucht-Mechanismen, sind in unserem Gehirnen nach wie vor schnell bereit die Kontrolle zu übernehmen. Die zentrale These von Hans Georg Wunderlich in seinem 1974 erschienenen Buch „Die Steinzeit ist noch nicht zu Ende. Eine Psycho-Archäologie des Menschen“ lautet, dass die menschliche Psyche, dass unsere Verhaltensmuster und unsere emotionalen Reaktionen im Kern immer noch auf steinzeitliche Muster fixiert sind. In uns hallen noch immer die Riten der Horde und der Familie nach.
Während sich die planetarische Zivilisation, die Technik rasant weiterentwickelt haben, hinkt die psychische Evolution, die geistige Entwicklung der Menschheit hinterher. Wir sind moderne Wesen, die mit dem seelischen Apparat von eiszeitlichen Jägern und Sammlern agieren. Phänomene wie Massenhysterie, blinder Gehorsam, Aggression, Fremdenfeindlichkeit (Territorialverhalten) und das Bedürfnis nach Sündenböcken sind direkte Relikte steinzeitlicher Überlebensstrategien. Damals schützten Menschen vielleicht tatsächlich noch die eigene Horde – heute, in einer globalisierten Welt mit Massenvernichtungswaffen, vernichten wir Menschen das Leben von anderen Menschen in einer gesteigert irren Art. Der Modus ist die Perversion. Jeder spürt es: Die moderne Kultur, Moral und Rationalität sind nur eine dünne, fragile Oberfläche. In Krisen- oder Stresssituationen bricht diese Kruste auf, und ein darunterliegendes archaisch-blind-dumpfes Verhaltensprogramm übernimmt die Kontrolle. Ich denke es ist daher Zeit sich mit der schmerzhaften Wahrheit über die verdrängten Gefühle, Ängste, Kränkungen und Lebenslügen zu konfrontieren – privat wie politisch. Spüren wir den Phänomenen nach …

Frage aus dem Off: Wir kreisen um einen Begriff – oder?

Stimme aus dem Off: Ja.

Frage aus dem Off: Es geht um das Gewalterbe.

Stimme aus dem Off: Dabei ist das Gewalterbe eben kein biologisches Schicksal, sondern ein dysfunktionaler Abwehrmechanismus, bei dem das Gewaltproblem der Vergangenheit in der Gegenwart reinszeniert wird. Ein letztlich hilfloser Versuch eigene psychische Ohnmacht zu bekämpfen. Es ist oft in Familien zu beobachten: Die nicht geglückte Abwehr von Ohnmacht – beispielsweise durch Täter-Opfer-Umkehr. Oder durch Schweigen. Eine Reinszenierung mit falschem Vorzeichen! – Wir neigen dazu, ungelöste Traumata so lange in Beziehungen zu wiederholen, bis sie verstanden sind. Wenn die Eltern eine Verletzung nicht integrieren konnten, „vererben“ sie die emotionale Ladung an die Kinder, in der unbewussten Hoffnung, die nächste Generation könne den Konflikt lösen. Scham und Sprachlosigkeit verhindern meist das Weiterkommen. Und so kippt es auch bei nächsten Generationen wieder in die Lüge, die Härte, in die Brutalität. Sei es nun auf seelischer oder körperlicher Ebene.

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“ … Im ersten Kapitel des Buches – „Dieser Drang nach Härte: Ausverkauf der Symbole oder warum wir einen Begriff des Faschismus brauchen“ – bemängelt Redecker den inflationären Gebrauch des Vorwurfs, etwas oder jemand sei faschistisch. Keiner wisse mehr so genau, was mit der ultimativen Anschuldigung eigentlich gemeint sei. Sie diagnostiziert: „Genau in dem Moment, wo wir sie am dringendsten brauchen, scheint die Sprache, mit der wir über den Faschismus reden, kaputtgegangen zu sein.“ Dagegen helfe aus philosophischer Sicht nur das Bemühen um brauchbare Begriffe. … Gemäß Redeckers Definition bildet eine „entfesselte Eigentumslogik“ den Kern des Faschismus. „Seine Gegenüber sind keine Menschen, sondern Dinge; seine Feinde sind keine Gegner, sondern Diebe.“ Das seien diejenigen, die ein „Quasi-Eigentum“ angreifen und deshalb liquidiert werden müssen. Faschisten würden sich im Verteidigungsmodus sehen. Somit sei Faschismus „liquidierende Phantombesitzverteidigung“. Er habe ein Objekt – den Phantombesitz, der zu schützen ist – und ein Abjekt – „das Phantasma, das ausgelöscht werden muss“. …“ | Aus: „Dieser Drang nach Härte“ (14. Juli 2026) | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Dieser_Drang_nach_H%C3%A4rte
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Dirk Kaesler (Glosse, Nr. 7, Juli 2010): “ … Die heutige kapitalistische Ordnung ist der Kosmos, in den der einzelne hineingeboren wird und der für ihn als faktisch unabänderliches Gehäuse, in dem er zu leben und zu sterben hat, gegeben ist. Er zwingt allen Menschen, weil sie unentrinnbar im Markt verflochten sind, gleichermaßen seine Logiken auf. …“ | Aus: „Die globale Zwangsreligion der Menschheit“ | Zu: Reinhard Achenbach / Martin Arneth (Hg.): „Gerechtigkeit und Recht zu üben“ (Gen 18,19). Studien zur altorientalischen und biblischen Rechtsgeschichte, zur Religionsgeschichte Israels und zur Religionssoziologie ; Festschrift für Eckart Otto zum 65. Geburtstag. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2009. 542 Seiten, ISBN-13: 9783447061056 | Quelle: https://literaturkritik.de/id/14504
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“ … Viele Amerikaner können sich an nichts anderes als eine Wirtschaft mit in einer raketenhaft ansteigende Ungleichheit erinnern, in welcher der Lebensstandard für die meisten Amerikaner stagniert und die Reichen sich absetzen. Es fühlt sich unausweichlich an. …“ [Many Americans can’t remember anything other than an economy with skyrocketing inequality, in which living standards for most Americans are stagnating and the rich are pulling away. It feels inevitable. | From: „Our Broken Economy, in One Simple Chart“ By DAVID LEONHARDT (AUG. 7, 2017) —> https://www.nytimes.com/interactive/2017/08/07/opinion/leonhardt-income-inequality.html] | [ „Armut in den Vereinigten Staaten bezeichnet die wirtschaftliche Notlage eines erheblichen Teils der Bevölkerung in einem der weltweit reichsten Länder. Nach offiziellen Kriterien des US Census Bureau lebten 2024 ca. 10,4 % der US-Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, etwa 36 Millionen Menschen. … “ –> https://de.wikipedia.org/wiki/Armut_in_den_Vereinigten_Staaten] | Armut in Deutschland –> https://de.wikipedia.org/wiki/Armut_in_Deutschland | Länder nach Armutsquote –> https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Armutsquote
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Werner G. : “ … Es handelt sich um eine reine Neiddebatte. …“ (Kommentar zu: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article170381454/Es-ist-gut-dass-es-Steueroasen-gibt.html)
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“ … Redecker führt den Begriff „Phantombesitz“ ein. Demnach seien wir in kapitalistischen Gesellschaften trainiert, alles wie Besitz zu behandeln – nicht nur das materielle Eigentum, sondern erworbenen Status, unsere Gefühle, den Respekt, von dem wir meinen, dass er uns zusteht. Und auch die Ansprüche, die wir vermeintlich haben, und die anderen eben nicht zustehen, sind Teil dieser Definition. Kurzum: Unsere Gefühle kommen nicht aus dem Nichts, sondern aus der Wirtschaftsordnung, die uns umgibt. …“ | Aus: „Autoritäre Persönlichkeit und Faschismus: Antifa ist Kopfarbeit“ Robert Misik [Geboren 1966] (29.7.2026) | Quelle: https://taz.de/Autoritaere-Persoenlichkeit-und-Faschismus/!6199688/

nanymouso, 09:28 Uhr: “ … Es ist genau NICHT Kopfarbeit, sondern Herzensarbeit oder genauer emotionale Arbeit. Das Uneindeutige macht diesen Menschen nunmal mehr Angst als das eindeutig Schlechte. Den Blick vom möglichen Ungemach auf den möglichen Gewinn zu richten, ist Aufgabe jeder gesellschaftlichen Utopie …“

Reinero66, 13:48 Uhr: “ … Und wie passt da der Autoritarismus der kommunistischen Parteien hinein wie z. B. Stalin, Mao, Ho Chi Minh, Xi … [?] …“

Einschub #1 – Start –

“ … [Götz Aly im Gespräch mit Dirk-Oliver Heckmann:] … Also, zum Führerprinzip will ich einmal Folgendes sagen. Wir haben Mao Zedong verehrt, wir haben Ho Chí Minh verehrt. Wir haben alle gejubelt über die Revolution in Kambodscha [Einschub: „Als Killing Fields werden etwas mehr als dreihundert Stätten in Kambodscha bezeichnet, an denen bei politisch motivierten Massenmorden Schätzungen zufolge mehr als 100.000 Menschen durch die maoistisch-nationalistischen Roten Khmer umgebracht wurden. Der Massenmord der Roten Khmer an der eigenen Bevölkerung im Demokratischen Kampuchea wurde von 1975 bis 1979 begangen. Die Gesamtzahl der Opfer des Genozids in Kambodscha liegt nach aktuellen Schätzungen bei 1,7 bis 2,5 Millionen.“ –> https://de.wikipedia.org/wiki/Killing_Fields]. Wir wussten darüber nicht viel, aber wir fanden es ganz toll und wir haben Führungsfiguren wie Rudi Dutschke abgöttisch verehrt. Wir haben Führungsfiguren wie Daniel Cohn-Bendit abgöttisch verehrt. Es war eine Männerbewegung, also dass wir da so rein antiautoritär gewesen wären, ’67, ’68, ’69, ’70, das hat sich später dann erst langsam geändert. Das ist eine Lüge. Es hat überall diese klassischen Leitungsstrukturen gegeben und auch diese Bewegungen in Richtung Parteigründung und so weiter, egal, ob das jetzt Trotzkisten waren, ob das die Kommunistische Partei – Aufbauorganisation oder ML oder eine proletarische Linke war, die waren alle autoritär auch durchstrukturiert. Insofern ist auch da das alte Gift. Aber ich will noch einmal etwas sagen. Das Problem an der ’68er Generation in Deutschland ist auch das. Wenn ich meinen Vater nehme, der ist 1912 geboren und sein Vater kam 1918 als Artillerieoffizier völlig zerschlagen und ruiniert mit einer Niederlage zurück, Artillerieoffizier bei Verdun, das war keine angenehme Sache. Da werden sie nämlich auch dauernd beschossen. Und mein Vater sagt und seine fünf Geschwister, das war reiner Terror, als der zurückkam und in dieser ’68er Generation spiegeln sich sehr ungünstig beide Kriegsniederlagen und setzen sich in ihr auch in dieser Gewaltverherrlichung, auch in diesem Autoritarismus, auch in dem Revolutionarismus, den man schon 1932 sieht, fort, ohne dass das jeweils dasselbe ist, aber das muss man sehen als eine besondere deutsche Geschichte, und ich kann meine Altersgenossen nur auffordern, das auch an den eigenen Familien nachzuvollziehen und zu sehen, wie befangen sie sind. … [Dirk-Oliver Heckmann: Willi Winkler hat mal geschrieben: Die Studentenbewegung hat durch ihr verbales Liebäugeln mit der Gewalt die Saat für die „Rote Armee Fraktion“, die RAF, gelegt. Ist da was dran?] … Man kann nicht sagen, die ’68er Bewegung als solche hat das hervorgebracht, aber es gehört dazu. Wir haben uns nächtelang unterhalten über Gewalt gegen Sachen, Gewalt gegen Personen und wenn Gewalt gegen Personen, gegen welche Personen? Das spielte eine große Rolle. Und ich kenne ja auch Leute, die mit mir studiert haben, die 20 Jahre im Untergrund waren, an deren Resozialisation ich dann versucht habe, mitzuwirken. Ich fühle mich da auch in der Verantwortung. Ich war Mitglied der „Roten Hilfe“ eine Weile. Ich finde, man muss darüber reden, auch über den eigenen Blödsinn, die eigenen Fehltritte, um einigermaßen klar auch anderen sagen zu können, wie es dazu kam, auch andere davor warnen zu können, eindimensionalen Weltbildern anzuhängen. Und unsere Hauptgegner waren ja damals – und das ist in Deutschland eine zentrale Krankheit und verbindet auch die ’68er mit der NS-Bewegung – das waren die Liberalen. … “ | Aus: „50 Jahre 68er-Bewegung: „Verdienste der 68er sind deutlich kleiner, als es sich viele einbilden“ (13.05.2018) | Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/50-jahre-68er-bewegung-verdienste-der-68er-sind-deutlich-100.html | –> Götz Aly: https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_Aly

“ … Aber wie roh redeten und dachten denn die CDU- und SPD-Mainstreamgrößen, ganz abgesehen von den höhnischen Springer-Zeitungen, für welche die Unterstellungen und Verleumdungen und das Niedermachen ein großes tägliches Vergnügen waren? „Bürger machen Sie die Strasse frei, damit die Polizei ihre Arbeit tun kann“ entblödete sich SPD-OB Schütz in Berlin nicht, seine Sonntags-Ansprache zu schließen, damit die „liebe[n] Berlinerinnen und Berliner“ nicht am Ku’damm spazieren gingen, wenn die Polizei wieder prügelnd unterwegs war. Und wenn es nach Helmut Schmidt gegangen wäre, hätte ganz 68 niemals stattfinden dürfen. Alles Baader-Meinhof und RAF? Die spätere CDU-Eisenfaust Wolfgang Schäuble forderte jahrelang ein Gesetz, dass die Bundeswehr „auch im Inneren der Bundesrepublik“ eingesetzt werden dürfte. Die Notstandsgesetze, im Mai 1968. Hatte nicht Berlin (das westliche, freie, von den Amerikanern gehaltene Berlin) mit den alliierten Vorbehaltsrechten schon etwas Derartiges? Aber die Berliner Polizei im Westen verprügelte uns Bildungsbürger-Söhnchen und Töchter trotzdem, junge Frauen und junge Männer gleicherweise, solche Jünglinge wie Knut Nevermann, Sohn des Hamburger Bürgermeisters, darunter. Wie harmlos wir waren, gutgläubig demokratisch und auf den Rechtsstaat vertrauend, zeigte auch eine späte Bemerkung der vormaligen Germanistik-Studentin Katharina Rutschky (sie schrieb in der alternative unter ihrem Geburtsnamen Kathrin Vier), dass „68“ dennoch auch ein enormer Spaß gewesen war. Oder Safranskis Bemerkung neulich, dass die 68er wenigstens frech waren und wenigstens eine Vorstellung von Gerechtigkeit hatten, und Moral und Zynismus unterscheiden konnten. Für uns wurde „die Freiheit Berlins“ jedenfalls n i c h t „auch in Vietnam“ verteidigt. … [Der Satz „Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt“ stammt von dem ehemaligen Bundesverteidigungsminister Peter Struck, der ihn im Dezember 2002 äußerte. Er begründete damit den militärischen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.] … “ | Aus: „Politisch ist auch das Private! – Subjektiver Rückblick auf ’68. Ein Brief in sechs Teilen“ Von Hartmut Rosshoff (Zürich, 6. April 2018) | Quelle: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1128&ausgabe=51

Einschub #1 – Ende –

EchteDemokratieWäreSoSchön 12:59 Uhr: “ … [Die Philosophin Eva von Redecker hat diese Spur unlängst wieder aufgenommen. In ihrem Buch „Dieser Drang nach Härte“ wendet sie sich der Frage zu, warum Menschen in die Fänge der Rechten geraten und sich besser fühlen, wenn es anderen schlechter geht] … Das ist vermutlich alles richtig, dass es bestimmte Charakteristika gibt, die Menschen für rechtsextreme Positionen empfänglicher machen. Aber trotzdem ist das einen Schritt zu kurz gedacht. Denn warum hatten wir nicht schon vor 20 Jahren 30% für rechtsradikale Parteien? Weil diese Charakter-Eigenschaften erst dann verstärkt zum Vorschein kommen, wenn sich diese Personen ungerecht oder sonst wie schlecht behandelt fühlen. Und dass man 50-70% zunehmend schlecht behandelt, ist in unserer Demokratie und Wirtschaft eben in den letzten Jahrzehnten zunehmend der Fall. … Solange unsere Gesellschaft nicht wieder viel gerechter wird als sie im Augenblick ist, wird das Problem immer schlimmer und radikale Parteien […] werden immer mehr Zulauf bekommen. …“

“ … Viele Männer meinen, dass die Frauen ihnen (noch) gehören, und schlagen um sich. Viele meinen, dass das Land ihres sei, und bekämpfen alle, die von außen kommen. Ein Ausnahmezustand wird ausgerufen, um im Eigentumsrausch alles zerschlagen zu können, gerade auch das, was einem vermeintlich gehört, denn im Vernichtenkönnen beweist sich der Besitzanspruch. … “ | Aus: „Jenseits der frenetischen Verteidigung von Phantombesitz“ Ulrike Winkelmann (29.3.2026) | Quelle: https://taz.de/Ueber-Faschismus-reden/!6166167/
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“ … [[es geht um] eine »liquidierende Phantombesitzverteidigung«, die aus gekränkten Ansprüchen Feindbilder und Auslöschungsfantasien formt.] … Merle Groneweg: Warum bedarf es [ ] Projektionsfiguren? – Eva von Redecker: Um sowohl den eigenen Status als Eigentümer beschwören zu können als auch einen Ausnahmezustand, in dem einem ein Selbstverteidigungsrecht zustünde. Jean-Paul Sartre hat über die Funktion des Antisemitismus treffend formuliert: Weil »die Juden« den Franzosen angeblich Frankreich weggenommen hätten, könnten letztere sich erstmals wirklich als Besitzer eines Landes fühlen, einer imaginierten Nation. Die Ironie dabei ist freilich, dass ihnen das Land längst entzogen wurde: durch kapitalistische Landnahme und Pauperisierung [(Pauperisierung bezeichnet den Prozess der massenhaften Verarmung breiter Bevölkerungsschichten, besonders in der Vor- und Frühindustrialisierung des 19. Jahrhunderts.)]. Doch die materielle Frage nach Grund und Boden – und damit nach den tatsächlichen Besitz- und Machtverhältnissen – kommt gar nicht erst in den Blick. »Den Franzosen« stünde »Frankreich« zu, nur gerade können sie ihren vermeintlichen Landesbesitz gar nicht genießen. Daran sind »die Anderen« schuld – erst wenn sie nicht da wären, könnte man den vermeintlichen Besitz richtig genießen. … Rechte Politik baut auf Projektionen auf und braucht sie, da sie keine andere Transformation – beispielsweise materielle Umverteilung – anbietet, um ein besseres Leben zu versprechen. Man braucht Feindbilder, um zu erklären, warum der versprochene Gewinn ausbleibt – und um sich zu versichern, dass der eigene Besitzanspruch nicht vielleicht inhärent hohl ist. In diesem verhärteten Raum, den man verbissen verteidigt – sei es die Nation oder die Familie –, stabilisiert man das Phantom, indem man eine angreifende Instanz erfindet. …“ | Aus: „»Unser Gegner verabschiedet sich von der Realität«“ (17. März 2026) | Quelle: https://www.akweb.de/gesellschaft/unser-gegner-verabschiedet-sich-von-der-realitaet-faschismus-harte-phantombesitz-faschisierung/
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Zur Archäologie der Seele (Anmerkung II): “ … Die Logik von Ware und Geld begräbt alles unter sich und dringt bis in die Hohlräume dessen vor, was man früher einmal „Seele“ genannt hat. Die Welt schickt sich an, eine vollständig nach kapitalistischen Prinzipien von Ware, Tausch und Geld integrierte Welt zu werden. Die Menschen werden Tauschmaschinen und funktionieren nach der Warenlogik. Die Entfremdung wird total, weil und insofern die meisten Menschen ihre Entfremdung als Zustand des Mit-sich-identisch-Seins empfinden. Das nannte der französische Philosoph und Soziologe Henri Lefebvre „Entfremdung zweiten Grades“. Den Menschen kommt noch das Bewusstsein ihrer Entfremdung abhanden und sie erleben die Funktionsimperative des spätkapitalistischen Systems als ihre intimsten Leidenschaften. …“ | Aus: „124 | Reprivatisierung gesellschaftlichen Risiken“ Götz Eisenberg (15. Juli 2025) | Quelle: https://durchhalteprosa.de/2025/07/15/124-reprivatisierung-gesellschaftlichen-risiken/

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Beispiel: “ … Was man früher Sex-Appeal nannte, heißt unter Forschern heute erotisches Kapital. …“ | Aus: „Was die Macht des erotischen Kapitals bewirken kann“ Roland Mischke (10/2011) | Quelle: http://www.welt.de/vermischtes/partnerschaft/article13676658/Was-die-Macht-des-erotischen-Kapitals-bewirken-kann.html
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“ … Indem wir uns in einer Sprache bewegen, bewegen wir uns immer auch in einem Netz von Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Gefühlsmustern. […] Man könnte statt von Mustern auch von Formen sprechen. Dann wird deutlicher, dass die Sprache unser Denken, Fühlen und Handeln formt. Wir glauben zu denken und werden gedacht. … [Wenn beispielsweise] ökonomische Prozesse sprachlich so dargestellt werden, als würden autonome Subjekte ein von den Bürgern völlig unabhängiges Eigenleben führen. Die folgenden Beispiele sind typisch für den Jargon der Börsenberichterstattung: Die Kurse haben sich erholt. Eine vorbörslich noch feste Tendenz konnte sich im späteren Börsenverlauf nicht durchsetzen. Die Börsenstimmung litt unter dem Anstieg des Dollars. Der Leitindex zehrte seinen Vortagesgewinn wieder auf. Der Ölpreis gab nach. … Menschen neigen dazu, die Manipulationswirkung von Werbung zu unterschätzen. …“ | Aus: „Prof. Dr. Helmut Ebert: Menschenbilder in der Wirtschaftssprache – Kampf um Köpfe: Verführer und Verführte: Menschenbilder in der Wirtschaftssprache und im öffentlichen Sprechen über die Wirtschaft“ Von Prof. Dr. Helmut Ebert (27. Oktober 2005)

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Nachtrag / Kontext #1:

[„Epistemische Gewalt. Die Idee zu diesem Heft entsprang einer lebhaften und in Teilen auch kontroversen Debatte während unserer Jahrestagung 2024. Daran anknüpfend, möchte das Heft Raum geben zum nachdenklichen Suchen, jenseits allzu sicher geglaubter Positionierungen, nach Ansätzen zur Hinterfragung der eigenen Wissensproduktion und dessen, was zu welchen Bedingungen als Wissen verstanden und anerkannt wird. Es geht um die Wahrnehmung des eigenen „kritischen Denkens“ als weiterhin verstrickt in Hegemonie, um die Reflexion „kritischer Debatten“ entlang der Frage, wer hier spricht und wer nicht, und es geht darum mutig genug zu sein, nicht nur beim Fragen stehen zu bleiben.Den eigenen Verstrickungen in Herrschaft auf den Grund zu gehen, begleitet das Projekt der Zeitschrift „Widersprüche“ schon sehr lange; dies nicht nur im Sinne einer Auseinandersetzung mit dem institutionalisierten Grundkonflikt Sozialer Arbeit von Hilfe und Herrschaft, sondern ganz gezielt mit Blick auf die Widersprüche in den Widersprüchen, also die eigene Verstrickung, der man letztendlich auch nicht entgeht, solange man unter Bedingungen gesellschaftlicher Herrschaft lebt, arbeitet und Wissen produziert.„]: … “ … Mein Einhakpunkt in die Auseinandersetzung mit epistemischer Gewalt ist die Wahrnehmung, Beobachtung und das – oft auch schmerzhafte – Erleben spezifischer Dynamiken in Binnenräumen der Kritik, in denen ich mich auch selbst bewege bzw. bewegt habe. […] „… Aus der feministischen Revolution habe ich gelernt, dass ein wirklicher Bruch mit dem dominierenden Symbolischen – also mit den schon bestehenden Bedeutungen, durch die wir die Welt als bereits interpretierte präsentiert bekommen – dadurch bewirkt wird, dass Menschen sich treffen und mit denen diskutieren, die auch Unbehagen und Fremdheit verspüren und daraus ein gemeinsames Denken entwickeln wollen, und dass dies unter persönlichem Einsatz geschieht.“ (Zamboni 2013: 9f.) …“ | Aus: „Susanne Maurer: Kritik als Stachel und ‘Messer im eigenen Fleisch’ – Nachdenken über Hegemoniales in Projekten der Gesellschafts- und Erkenntniskritik“ (Heft 178, 2025) | Quelle: https://www.widersprueche-zeitschrift.de/de/heft/epistemische-gewalt | https://www.widersprueche-zeitschrift.de/de/file/360/download?token=w399Js6k | https://www.dampfboot-verlag.de/de/buecher/epistemische-gewalt


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Nachtrag / Kontext #2:

“ … „Was mir heilig ist: Erst mal, ich würde diesen Begriff nicht benutzen, obwohl ich schon weiß, was damit gemeint ist. Also: heilig. Das ganze Leben hat sich ja theoretisch gedreht um die Erforschung von Gewalt, von Gewaltausübung, politische, persönliche Gewalt, faschistische Gewalt, dann untereinander. Und daraus hat sich so ein Satz gebildet, so wie es im Grundgesetz heißt oder bei den Menschenrechten: Die Würde des Menschen ist unantastbar, dass ich das übersetzen würde in, abstrakt, die Haut. Die Haut ist unantastbar, die Haut des anderen, der anderen ist zu respektieren. Der Nicht-Eingriff in den anderen Körper. …“ | Aus: „Was mir heilig ist: „Die Haut des anderen ist unantastbar““ Klaus Theweleit (22.12.2017) | https://www.deutschlandfunkkultur.de/was-mir-heilig-ist-die-haut-des-anderen-ist-unantastbar-100.html


“ … [Ob in Oslo, Paris oder Christchurch, auf dem Berliner Weihnachtsmarkt oder in Halle: Die Täter bei terroristischen Anschlägen sind fast immer männlichen Geschlechts. Früh untersucht hat dies der Freiburger Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit [“Männerphantasien”]. … Gestützt auf historische Selbstzeugnisse von Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg analysiert Theweleit den zerstörerischen Charakter männlicher Gewalt und deren Ursachen. … [Thomas Gesterkamp]: Ein wichtiger Impuls für Ihre Arbeit war die einst nicht sehr weit reichende Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Die Rolle der Wehrmacht, der ganz normalen Soldaten”, wurde kaum diskutiert. Sind die Psychogramme der deutschen Freikorps übertragbar auf das Militär allgemein? Hatten zum Beispiel auch die Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte oder der Roten Armee Männerphantasien?“ – Theweleit: Etliche von ihnen, ja, sicher. Im Falle der US-Marines hat der Regisseur Stanley Kubrick das gezeigt mit dem Film Full Metal Jacket. Dessen erster Teil ist wie eine Verfilmung von Männerphantasien. …“ | Aus: „“Das Töten aus Lust hat nicht nachgelassen“ Klaus Theweleit im Gespräch mit Thomas Gesterkamp“ (2020) | Quelle: https://www.gwi-boell.de/de/2020/01/17/das-toeten-aus-lust-hat-nicht-nachgelassen-klaus-theweleit-im-gespraech | Klaus Theweleit (* 1942 in Ebenrode, Ostpreußen) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler, Kulturtheoretiker und Schriftsteller. –> https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Theweleit

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