[Zur Funktion der Künste… ]

Anthony Discenza – Installation view of Limits Of Poetry
=> http://www.cclarkgallery.com/dynamic/artwork_detail.asp?ArtworkID=1402

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Und wie legen Galeristen ihre Preise fest?

Don Thompson: Auf jeden Fall nicht nur, indem sie sich überlegen, was ein Künstler wert sein könnte. Die Preise spiegeln auch das Ansehen des Kunsthändlers: Wenn ein Superstar-Händler wie Larry Gagosian in New York ein Werk anbietet, dann erzielt es das Doppelte oder Dreifache dessen, was ein normaler Händler verlangen könnte. Das Werk ist allein dadurch schon teurer, dass die berühmte Galerie Teil seiner Geschichte wird.

Aus: „“Ein Drittel der zeitgenössischen Kunstwerke wird nie wieder die Preise von 2008 erzielen““ aus einem Interview mit Don Thompson Von Malte Herwig (Kunst|Heft 49/2009)
Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/31707

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[…] „Die ökonomischen, emotionalen, ethischen und ästhetischen Probleme sind jedoch bis heute einer Verflüssigung nicht viel näher gekommen. Und so, wie die in ein übergreifendes Herrschaftssystem eingebettete Religion als Kirche in ihr emotionales Gegenteil geführt wurde – von deren inneren Schau als Befreiung zur veräußerlichten, bloßen Form als Unterdrückungs- und Machtinstrument, hat sich auch die Funktion der Künste für die Gesellschaft gewandelt, Museen sind heute Staats- und Markt-Kathedralen ökonomischer, und damit politischer, Kräfte.

Mit ihnen schreibt man die Geschichte des Kapitals auf perfideste Weise fort. Sie repräsentieren nicht mehr Erkenntnisse der philosophischen, sozialen und ästhetischen Reflexion, sondern ein Wertesystem von Shareholder Values, und könnten auch „Dow Jones Memorials“ oder „Gebäude zum Dax“ genannt werden. D.h. auch: der Begriff postmoderne Willkür ist schon wieder ein Gespenst, denn willkürlich ist da nichts. Nur sind es nun die Werte des angeblich freien Marktes, die den Tausch eines vermeintlich bohemiantischen Lebensgefühls gegen Börsenaktien tauschen lassen. Abstraktionswert Geld gegen einen seiner Inhaltlichkeit, Geschichtlichkeit und Geistigkeit beraubten Geschmackswert.

[…] Geschmacksfragen sind im heutigen Jargon Fragen der Schichten und Zielgruppen – Also doch: Klassenfragen. Aber die Hoffnung, die in der Kunst sich manifestiert, ist auf freie Entfaltung des frei entfalteten Individuums gerichtet, daß sich seiner gesellschaftlichen Bedingt- und Verhältnismäßigkeiten sensibel und intelligent bewußt ist.

[…] Es ist das Ringen um Freiheit und Ausdruck, daß in jeder Gesellschaft ständig bedroht ist. Besonders dann, wenn art bzw. kunstferne Kategorien ihre erkenntnistheoretischen und praktischen Ergebnisse negieren und als Frage von Angebot und Nachfrage in ein heuchlerisches System transformieren. …“

Aus: „„Wie lange wollen Sie noch beim ersten Schritt bleiben?“ (Joseph Beuys) – Modelle operativer Kunst zwischen Avantgarde und Anarchismus – Überlegungen zum Verhältnis von Kunst und Politik“
Aus einem Vortrag von Gunnar F. Gerlach gehalten im Rahmen einer Tagung der „Erich Mühsam Gesellschaft“ (Lübeck, 1996)
=> http://medienwatch.wordpress.com/modelle-operativer-kunst-zwischen-avantgarde-und-anarchismus-uberlegungen-zum-verhaltnis-von-kunst-und-politik/

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medienwatch & metainfo (gfok)
Medienrecherche: Politik | Wissenschaft | Kunstprojekte
Recherche | Wirtschaft | Politik | Kultur & Projekte (operativer) Kunst |
=> http://medienwatch.wordpress.com/

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FREE ART
Art’s role in society has undergone many drastic changes and is due for another right now. This is a new gospel intended for a generation of artists tragically forced to clutch cynicism as their only reliable conviction. To them The Art World is not only hopelessly outdated, but exploitative as well– an abusive Grandpa lurking in the distance. … (the jogging, 05/2010)
=> http://thejogging.tumblr.com/post/593355676/free-art-introduction-arts-role-in-society-has
=> http://thejogging.tumblr.com/post/591615653/download-a-pdf-of-the-full-essay-free-art-by

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